Vorschau auf “Brüderschaft”

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Als Barbaras Mutter völlig unerwartet an den Folgen eines Sturzes verstirbt, findet sie in ihrer Dokumentenmappe ein Foto mit drei jungen Männern am Meeresstrand von Bibione, auf dessen Rückseite eine Adresse steht.

Ein Hinweis auf Barbaras bisher unbekannten Vater und die Suche nach ihm, beziehungsweise den Brüdern Konrad, Jonas und Benjamin Wohlfahrt, ein Historiker, ein Psychiater und ein Zahnarzt beginnt.

Wieder eine kleine Kostprobe durch mein nächstes neues Buch, das ich im Oktober und November geschrieben habe, obwohl im Manuskript noch ein paar Fehler stecken.
Das Cover zeigt ein Bild von zwei Freunden vom Alfred, das er ausgesucht hat, weil er das, vom Meer mit einem Vögelchen auf einen Stein nicht haben wollte.
Eigentlich hätte man ja eines mit drei jungen Männern in Badehosen, die fröhlich in den Achtzigerjahren am Strand der Adria stehen und winken nehmen sollen. Aber das war nicht vorhanden.
Obwohl ich weiß, das Gewinnspiele bei mir nicht so wirken, habe ich mich doch für eines entschloßen und mir drei Fragen ausgedacht:

1. Worum geht es in dem Buch?
2.Im Rahmen welcher Aktion habe ich mich da im Herbst ein bißchen “durchgeschummelt”? und
3.Das wieviel “selbstgemachte” wird die “Brüderschaft sein und wie heißt mein anderes in der “Edition Wortbrücke” herausgebrachte Buch?

Wenn man sich durch die Schreibberichte, durch die Verlinkungen klickt klickt oder den Beschreibungstext liest, sollte man die Antworten leicht finden.
Der erste, der mir eine der drei oder alle drei Fragen, je nach dem wem, wofür sich der erste Beantworter entschieden hat, schickt, bekommt das Buch, nachdem es, was hoffentlich bald geschieht, erschienen ist.
Dann endet auch das Gewinnspiel und ich gebe die möglichen Gewinner auf der Seite auf der ich das Buch mit wahrscheinlich einem Bild von mir, noch einmal vorstelle, bekannt.
Wer wissen will, wie ich schreibe und wie ein “selbstgemachtes Buch” aussehen kann und wie gut oder “dilettantisch” ich schreibe und wieviele Fehler trotz Alfreds Lektorat trotzdem noch in ihm stecken sollten, kann es bei mir bestellen.
Ich verkaufe es zum Selbstkostenpreis und schicke es zuzüglich der Portokosten nach Erscheinen zu.
Und für Rezensionen, die ich dann auf meinen Blog stelle, wenn sich kein anderes Medium dafür findet, bin ich auch dankbar. Also ebenfalls bei mir melden, wenn jemand das Buch besprechen will.
Sobald der letzte Fehler gefunden ist und das Manuskript an die Druckerei gehen wird, gibts auf meiner Website ebenfalls eine Vorschau mit einem Probekapitel.
Ich habe mich für das “Gruftiemädel” entschieden, das ich auch auf der anderen Buchmesse gelesen habe und dazu gibts auch einen kleinen Einblick.
Und jetzt werde ich den Feiertag benützen, um auch an meinem nächsten neuen Buch, “Anna kämpft gegen das Vergessen”, weiterzumachen und meine Korrigierblockade damit zu beenden, aus dem ich übrigens am nächsten Dienstag, beim Fest für “Kunst und Kultur” im Amtshaus Margareten, den Beginn lesen werde. Ob ich das “Gruftiemädel” oder etwas anderes aus der “Brüderschaft” im “Werkl im Goethehof” am 27. 6. lesen werde, weiß ich noch nicht so genau. “Kerstins Achterl” und Texte aus dem “Literaturgeflüster-Texte-Buch” sind auch geplant.
Ich lade jedenfalls zu beiden Veranstaltungen herzlich ein. Da gibts dann auch ein paar der von mir bereits erschienenen Bücher anzusehen.

Ein kurzer Sommer der Literatur

Im Februar ist der langjährige Volkstimme(chef)redaktuer Lutz Holzinger einige Tage vor seinem siebzigsten Geburtstag gestorben, der unter anderen, auch in der von Gerald Grassl herausgegebenen “Tarantl” geschrieben hat, so sind jetzt in der “Edition Tarantel” “essays & rezensionen zu medien, literatur & kunst” erschienen.
Ein erster Band, wie Gerald Grassl in seiner Einleitung anmerkt und auf das vielfältige und vielschichtige Material hinweist, das Lutz Holzinger hinterlassen hat.
Auf der Kundgebung zum ersten Mai hat mir Gerald Grassl, die Einladung zu einer Präsentation des Buches in die Hand gedrückt, die am 2. Mai stattfand.
Da sind wir aber, glaube ich, nach Harland gefahren, so daß ich auf das Buch erst am vorigen Freitag auf der KritLit aufmerksam wurde und es jetzt lesen kann, weil mich die Essays zur Literatur der Siebzigerjahre etc, natürlich sehr interessieren und ich Lutz Holzinger, beziehungsweise seinen Namen, als Redakteur der Volksstimme auch aus dieser Zeit kenne, weil ich dort meine Texte hinschickte und Lutz Holzinger hat auch einige davon veröffentlicht.
Nicht umsonst verweist Gerald Grassl in seiner Einleitung darauf, daß Lutz Holzinger ein vielseitiges Wissen hatte, sich für alles interessierte und es kaum einen Autor in dieser Zeit gab, den er nicht kannte.
So sind “Zeit an Rosa Krantz zu denken”, “Spritzen kriegen” 1983, “Zur ewigen Erinnerung oder was hat das österreichische Militär mit dem Sonnenzug zu tun”,1984 und “Beobachtungen beim Postaufgeben” 1985 erschienen.
Dann kam eine Pause, beziehungsweise, wie ich mich vage erinnere, eine Diskussion mit Lutz Holzinger, ob es im Karl Marx Hof Dienstbotenwohnungen gegeben hat, wie ich einmal hörte.
In dieser Zeit war ich ja im “Arbeitskreis schreibender Frauen”, bzw, hat sich der 1984 etwa aufgelöst, ich habe die Volksstimme bis zu ihrer Reduzierung und Umstellung in das Magazin “Salto” auch regelmäßig gelesen und erinnere mich auch Lutz Holzinger im “Rotpunkt” gesehen zu haben. Da hatte ich ja viel später eine Lesung, aus dem “Novembernebel”, glaube ich, Bärbl Danneberg hat dort ihr Buch “Alter Vogel flieg” vorgestellt und Lutz Holtzinger sein “Gespenst der Armut”.
Grund genug mich an die revolutionären Siebziger- und Achtzigerjahre und an Lutz Holzinger zu erinnern, der auch im “Wespennest” in “Weg und Ziel” in “Frischfleisch und Löwenmaul” oder wie die marxistischen bzw. kritischen Literaturzeitschriften damals geheißen haben, publizierte.
Bildmaterial mit Fotos von Bekannten sind in dem Buch auch zu entdecken. So gibt es Bilder von Arthur West, Eugenie Kain, Franz Kain, etc, “lauter Tote”, wie Alfred einwarf, aber auch eines von Helmut Rizy, bei den entsprechenden Rezensionen, die Lutz Holzinger, der bis zu seiner Pensionierung bei einer Autozeitschrift gearbeitet hat, zu entdecken. Sportler war Lutz Holzinger auch.
In dem Buch geht es aber, wie schon der Titel sagt, viel um Literatur und das ist auch das, was mich, die ich mich bei Marx und der “Ästhetizierung des Marktes”, nicht so besonders auskenne, hauptsächlich interessiert.
Es beginnt aber nach Gerald Grassls Einleitung mit einem diesbezüglichen Artikel aus der “Gesellschaftlichen Arbeit und private Hauswirtschaft, Raith Verlag, 1974” und geht dann in den “Kurzen Sommer der Literatur – Über den Arbeitskreis österreichischer Literaturproduzenten” weiter.
Da gab es ja diese orange “Jugend und Volk- Reihe”, bei der Lutz Holzinger offenbar mitgemacht hat und die frühen Siebzigerjahre waren literarisch sehr produktiv, wurde da ja die GAV gegründet, wo Holzinger auch Mitglied war und so kann man in dem Buch sehr viel über die sozialkritische oder realistische Literatur der Siebzigerjahre erfahren.
Konkreter wird es dann, wenn es beispielsweise um Jura Soyfer geht und der wurde in den Siebzigerjahren wiederentdeckt, für mich zumindestens, die damals in einem “Wespennest” einen Auszug von “So starb eine Partei” in die Hand bekam und wohl zum ersten Mal diesen Namen hörte.
Lutz Holzinger beschreibt, daß es schon in den Fünfzigerjahren Wiederentdeckungsversuche gab. Die sind wohl an mir vorbeigegangen. So freut mich das handschriftliche Manuskript mit Korrekturen, auf Seite 55, die Einleitung zu einer Qualtiger-Lesung, an der VHS-Brigitteau vom 11. 11. 1978 ganz besonders. Dann gibt es einen Artikel über Jura Soyfer als “Realistischer Phantast”.
“Die Zitate aus diesem Artikel sind dem 1979 bei Reclam in Leipzig erschienenen Auswahlband Jura Soyfer “Diese Ordnung schuf der liebe Gott” entnommen, für den Lutz Holzinger diesen – leicht gekürzten und überarbeiteten Text ursprünglich verfasst hat. Dieser Band wurde von Werner Martin unter Mitarbeit von Roland Links und Wilhelm Kroupa herausgegeben”, hat Gerald Grassl angemerkt. Und das alte Reclambändchen, habe ich vor ca zwei Wochen im Schrank gefunden und auf meine Leseliste gesetzt.
Bei Lutz Holzinger geht es aber nach einem Artikel über den ORF und Gerhard Bacher mit einem “Brief zur österreichischen Literatur” weiter, der im “Österreich heute -Ein Lese Buch, Volk und Welt DDR, 1978”, erschienen ist und der ist besonders interessant und all jenen zu empfehlen, die sich ein schnelles Bild über die Literatur in Österreich der Siebzigerjahre machen wollen.
Was hat es da in der Nachkriegsliteratur gegeben? Heimito von Doderer hat seine, wie Lutz Holzinger schreibt “geschwätzigen Romane “Strudelhofstiege” und “Die Dämonen” geschrieben.
Dazu merke ich an, daß die “Dämonen”, im Sommer 1977 in meine Hände gekommen sind und ich von den Schilderungen des Österreichs in der Zwischenkriegszeit, eines sicher sehr konservativen Dichters, sehr begeistert war.
Es hat aber auch die “Wiener Gruppe” gegeben und die haben sich einem “Dadaismus” verschrieben und waren mit wenigen Ausnahmen auch nicht sehr gesellschaftskritisch.
Aber es gab 1973 auch Michael Scharang mit seinem “Charly Tractor, Gernot Wolfsgruber, Franz Innerhofer, und und und.
Es gab die “Zeitschrift Wespennest” mit ihren “brauchbaren Texten”, Gustav Ernst, Marie Therese Kerschbaumer, Elfriede Jelinek, etc werden erwähnt und in einem anderen gekürzten Artikel Bilder von ihnen gezeigt.
In “Bestie Mensch”, setzt sich Lutz Holzinger mit dem “Fall Unterweger” und den Pressereaktionen darauf auseinander, der auch für mich bedeutend ist, da einige meiner Texte in der “Wortbrücke” erschienen sind, bzw. mein einziger in einem Verlag veröffentlichter Roman, die “Hierarchien” in der “Editon Wortbrücke”.
2010 war Lutz Holzinger einen Tag in der “Augustin-Redaktion” in der Reinprechtsdorferstraße, wo ich ja einmal Gast bei der Schreibwerkstatt war und dann den Flohmarkt besuchte und berichtete, von der Ausgabe der Zeitungen an die Kolporteure und die Arbeit der Sozialarbeiter dort. Über Robert Sommer, den Redakteur gibt es auch einen Artikel, dann wird das “Schwarzbuch Raifeisen” vorgestellt, das Lutz Holzinger mit Clemens Staudinger herausgegeben hat.
Es gibt einen Artikel zu Thomas Bernhards “Heldenplatz”, der ja 1988 zu einem Skandal führte und wie schon erwähnt Rezensionen zu Büchern von Helmut Rizy und Eugenie Kain. Uwe Timms “Freitisch”, wo drei Männer Arno Schmidt besuchen wollen, wird auch besprochen.
Im “Stifter-Jahr”, gab es eine Arbeit über den großen oberösterreichischen Schulinspektor und Dichter, was Lutz Holzinger wahrscheinlich besonders gut konnte, da er eine Dissertation über “Witiko” geschrieben hat, obwohl ein bürgerlicher Dichter, wie der des “Spätsommers”, von einem Kommunisten sicherlich sehr kritisch zu sehen ist.
Einen Nachruf auf den am 8. Dezember 2012 gestorbenen Werner Kofler ist in der “Tarantel” zu finden und Artikel über den Massengeschmack und den Kulturbetrieb gibt es immer wieder auch, ein Beispiel wäre das “Elend der Kritiker” wo Holzinger beklagt, daß er an der meist amerikanischen Bücherflut keinen Geschmack mehr findet und führt an Beispielen, die ihn nicht gefallen haben, seltsamerweise Roberto Bolanos “2066”, David Foster Wallace “Unendlicher Spaß” und Herta Müllers “Atemschaukel” an, was mich etwas erstaunte.
Am Schluß gibt es einen Bericht über seine Krebserkrankung und seine Erfahrungen im AKH, um die ihn Bärbl Danneberg, die auch einen Nachruf verfasst hat, gebeten hat.
Andere Nachrufe kommen von Elfriede Jelinek, Peter Turrini, etc, es wird auch eine Geschichte erzählt, wie der junge Dr. Holzinger aus dem Bundesheer entfernt wurde.
Ein interessanter Streifzug durch die “Linken Wörter Österreichs” seit 1970 bis hinauf in die Gegenwart, so daß ich die Lektüre wirklich nur empfehlen kann und mich schon auf die anderen “Tarantel-Bände” freue.

Poliversale 7

Die Poliversale, das große Lyrikfestival das derzeit in der “Alten Schmiede” stattfindet, ist offensichtlich weltumfassend und bietet vom 14.5.-12.6. Lyrik aus jedem Teil der Welt an.
Gestern auch einen Schnellgrundkurs in der österreichischen und auch ein Stückchen der deutschen Literatur.
Die meisten Abende habe ich ja bisher aus Zeitgründen und weil ich woanders Fortbildungen hatte versäumt, in Russland bin ich aber gewesen. Heute wurde es zweisprachig und die Sprache war das große Thema der Naturgedichte, die auch sehr gesellschaftlich und den Alltag umfassend umspannend waren, wie Michael Hammerschmid einleitete, bzw. erklärte.
Das begann mit Maja Haderlap, der Kärntner Slowenin und Bachmannpreisträgerin von 2011 und da darf ich gleich einen kleinen Einschub machen, denn die Namen des heurigen Bachmannlesens wurden heute bekanntgegeben und auch, daß Maja Haderlap die Eröffnungsrede halten wird und das war eine kleine Überraschung, beziehungsweise sehr erfreulich, nämlich sechs Leser aus Österreich, sechs aus Deutschland und zwei aus der Schweiz, von den Deutschen kenne ich nur Kerstin Preiwuß aus Leipzig, von den Österreicherin Olga Flor, Gertrud Klemm, von Roman Marchel habe ich ein Buch gelesen, bei Birgit Pölzl war ich glaube ich einmal bei einer Lesung, bei Tex Rubinowitz, den Falter Zeichner, der eigentlich ein Deutscher ist, auch einmal und Georg Petz ist mir glaube ich noch unbekannt.
Aber zurück zur Lyrik und zu Maja Haderlap, die hat ja ihre Gedichte auf Slowenisch zu schreiben angefangen, in den Siebzigerjahren in Zeitschriften und dann auch Bände veröffentlicht.
“Gedichte-Psemi-Poems”, Drava 1998, stellte sie vor und sagte dazu, daß sie die Gedichte in Vorarbeit zu ihrem Roman geschrieben hätte. Jetzt schreibt sie auch auf Deutsch Gedichte, sie las aber zweisprachig und es ging in ihnen sehr viel, um ihre erste Sprache.s kamen dann auch unveröffentlichte Gedichte und als zweite Leserin des Abends wurde die in Bautzen lebende 1951 geborene Sorbin Roza Domascyna, die seit 1989 ihre Gedichte verlegt und aus vier Bänden las, vorgestellt. Sie begann auch gleich mit der Frage, in welcher Sprache sie nun schreiben solle und mischte die Sprache in ihren Anagrammen und anderen Texten auch munter durcheinander.
Dann gings hinauf, beziehungsweise nach Australien oder Australien kam in die “Alte Schmiede”, denn die australische Botschaft hat dem 1939 geborenen Les Murray, einen eher fülligen Herrn, der auch ein Gedicht zur Fettleibigkeit hatte und ein bißchen Deutsch zu sprechen schien, den Flug gestiftet.
Die Verlegerin Margitt Lehbert las auf Deutsch, der Autor auf Englisch und die Gedichte waren, wenn man sie mit der gestrigen Lesung vergleicht, besonders interessant, nämlich purer Alltag bzw. wahre Geschichten, die von dem Koffer, der beim Zoll aufgemacht werden soll und dann ist er leer, von landwirtschaftlichen Maschinen, seiner Übersetzertätigkeit, und so weiter uns so fort, handelten.
Man sieht Poetik muß durchaus nicht abgehoben sein. Sprachspielereien gab es auch und die Übersetzerin betonte mehrmals, daß sie sich mit dem Übersetzen schwer getan hat, aber einen Sammelband mit hundert ausgewählten Gedichten, die jetzt auch in Australien erschienen sind, herausgegeben hat.
“Aus einem See aus Strophen” heißt er sinnig. Tiergedichte, die der Übersetzerin besonders gefielen gab es auch und Richard Wall ist, glaube ich, extra aus Oberösterreich gekommen, Elfriede Haslehner zu der ersten Lesung, um Maja Haderlap zu hören, deren Buch sie gelesen hat.
Beim Nachhausegehen bin ich ein bißchen bei der Oper stehengeblieben, um den Schluß des Balletabends, nämlich die vier letzten Lieder von Richard Strauss anzusehen bzw. anzuhören und sozusagen eine Poliversale zur Musik zu machen.

Sind Blogger Dilettanten?

Seltsame Frage könnte man denken und den Kopf schütteln, wenn man zu “Wikipedia” geht oder in einem Lexikon nachliest, daß das ein Begriff aus dem achtzehnten oder neunzehnten Jahrhundet ist, um die adeligen Musiker von den Profi-Musikanten, die um Geld spielten, zu unterscheiden.
Ein Liebhaber, kein Fachmann oder Amateur, was damals nicht abfällig gemeint war, inzwischen aber in der Umgangssprache so gebraucht wird und als Schimpfwort gilt, also nicht das sein kann, was für Blogger gilt, denn das ist ja ein Begriff des einundzwanzigsten Jahrhunderts und wurde durch das Internet hervorgebracht, das ja Demokratie und Meinungsfreiheit für alle bringt.
Sollte man meinen, denn, wenn ich so an meine Bloggerkarriere zurückdenke, gab es da immer wieder Diskussionen, ob die Blogger das denn dürfen? Bücher rezensieren, ihre Meinung sagen und auch die entsprechende Qualität dazu haben
Die erste Diskussion war im Sommer 2010 und wurde durch “Leselustfrust”, eine meiner ersten Lieblingsbloggerinnen ausgelöst, als die Anni Bürkls “Ausgetanzt” besprach was ihr nicht sehr gefallen hat.
Dann kam die Rezensionsexemplarediskussion in der “Winterfrische” und ich habe auch immer ein paar Kommentare gehabt, die meinten, daß ich nicht so schlecht schreiben dürfe, weil das den Profi-Schreibern schade, das ist ein Kommentar den ich nicht verlinken kann, weil er in der Spamkiste enthalten war.
Das schlechte Schreiben der Blogger, die wie die Schwammerln aus dem Boden schießen, nicht schreiben können, das aber tun, Leselustfrust hat, glaube ich, auch deshalb mit dem Bloggen aufgehört, weil ihr das mit den Rezensionsexemplaren nicht so gefallen hat und ich habe immer wieder meine Meinung geäußert, daß ich das toll finde, daß so viele Leute schreiben und in den sechs Jahren, die ich meinen Blog nun schon fast betreibe, auch verschiedene Blog-Entwicklungen entdecken können.
Denn da gibt es eine große Vielfalt und Bandbreite, auch einige Moden, die sich ständig ändern, so gab es eine Zeit lang die Awards, die die Blogger unter sich verteilten und auch verschiedene Lesemarathons, Monatsstatistiken und Challenges und durch eine solche bin ich auch zu meiner Leseliste gekommen, die bald wechseln, vielleicht auch, weil sie von den anderen meistens kritisiert werden.
“Ach nicht schon wieder diese Leselisten und Selbstberweihräucherungen!”
Seit ich blogge, hatte ich verschiedene Lieblingsblogs und ich habe auch kein besonderes Problem mit den jungen Frauen, die ihre Chick Lits und Vampirromane lesen und darüber schreiben, Sternchen, Hüte, Bücher, verteilen, Gewinnspiele machen, etc, wenn ich mich auch für anderes interessiere und da derzeit bei Buzzaldrin, die mit ihren Blog viel Anerkennung bekommt, sehr viel kommentiere und bei der bin ich letzten Samstag auch auf eine Diskussion, die in Göttingen stattfand, aufmerksam geworden “Demokratisierung der Literaturkritik – Fluch oder Segen?”, habe “Wow!” gedacht und “Schade, daß ich da nicht dabei sein kann!” und mich gewundert, daß Mara Giese, die da ja einiges zu sagen hätte, nicht mitdiskutiert.
Am Podium saßen nur ein mir unbekannter Blogger und ein Medienwissenschafter, den ich schon einmal kennenlernte, weil er einen Artikel über sogenannten V-Logs geschrieben hat und da ein wenig über die jungen Mädchen, die da in kessen Worten ihren “Harry Potter” präsentieren, herzog.
Mara Giese hat die Veranstaltung am Sonntag besprochen und ich habe wieder etwas über Laienrezensionen gelesen. Da gab es auch einmal ein Interview mit Sigrid Löffler, die sich dagegen aussprach und darüber, daß die Blogger nur die Feuilletons nachahmen würden, was mich ein wenig wunderte, da ich ja bisher immer hörte, daß sie wegen Rezensionsexemplaren bloggen und dann on den Klappentexten abkupfern würden.
Vom Schlechteren des Schlechtten ist etwas gestanden, worauf ich ja ein bißchen traumatisch bin und davon, daß sich der Medienwissenschaftler innovativere Besprechungen wünscht.
Das führte zu einer regen Diskussion, wo ich auch eifrig kommentierte, einige andere Artikel entstanden, denn die Blogger sind inzwischen sehr selbstbewußt, lassen sich nicht mehr alles gefallen und ich fand das meiste sehr qualifiziert und weiß auch, daß die Blogger und ihre Ansprüche sehr verschieden sind.
Da gibt es die jungen Fantasyblogger, wie Studentinnen und auch wahrscheinlich prekär beschäftigte Literaturwissenschaftlerinnen, die sich Visitenkarten drucken lassen und das Sprungbrett in den Literaturbetrieb suchen, Leute die Bücher rezensieren, über den Literaturbetrieb schreiben, Autorinnen, Dozentinnen, wahrscheinlich auch Hausfrauen, Mütter in Karenz und und…
Meistens sind es Frauen, die über das Lesen bloggen, ein paar Männer sind auch dabei und am Abend schaltete sich der 1973 geborene Harun Maye ein, lobte an sich die Blogger, rief sie aber zu einem “Fröhlichen Dilettantismus” auf und gab einen entsprechenden Link, der beweisen sollte, warum das etwas Schönes sei, was meinen Widerstand erregte und ich auch nicht ganz verstehen kann, wieso Blogger Dilettanten wären, weil es ja einige gibt, die damit Geld verdienen wollen, einige, die studiert haben, wobei es auch kein Berufsbild des Bloggers gibt, daß das aber alle nur zu ihren Hobby und zu ihrer Freude machen, glaube ich auch wieder nicht und vor allem leben wir nicht mehr im neunzehnten Jahrhundert und könnten einen zeitgemäßeren Ausdruck, für diese Beschäftigung finden, die vielleicht in der Freizeit und freiwillig geschieht, wenn wir schon einen solche brauchen.
Ich würde den Lebensstil dem Hobby vorziehen, weil das auch ein wenig abwertend klingt und wenn es sein muß, kann man auch autodidaktisch sagen, obwohl es nicht ganz klar ist, warum man für Menschen die öffentlich ihre Meinung über Sachen, die sie interessieren, äußern, unbedingt einen eigenen Ausdruck braucht, das Wort Bloggen oder Internet-Tagebuch spricht ohnehin für sich, aber natürlich verstehe, daß das Bedrohung und Widerstand erregt und nicht immer, wie es sollte, anerkannt wird, was ich eigentlich sehr schade finde.
Da wird von der angeblich schlechten Qualität gesprochen, statt sich darüber zu freuen, daß es da jetzt so viel Vielfalt gibt und jeder seine Meinung schreiben kann und schade finde ich, daß bei solchen Diskussionen über die Blogger geredet wird und viel zu wenig Betroffene eingeladen werden, selber ihre Meinung sagen. Warum sitzen da eigentlich nur Männer auf dem Podium, die vielleicht nicht wirklich sehr viel Ahnung über das Bloggen haben?
Daß die bloggenden Frauen das können, hat ja die Diskussion bei Buzzaldrin bewiesen, auch wenn ich mich ein wenig wunderte, daß das “Lob des Dilettantentum” so hingenommen wurde und sich außer mir niemand darüber aufregte und Mara Giese, die sich ja outete, daß sie gerne mit Dennis Scheck “konkurrieren” würde, sich gleichzeitig, als eine solche bekannte, was eigentlich ein seltsames Mißverhältnis ist.
Es gab schon einmal eine Diskussion, wo jemand schrieb, es würde keine Literaturblogs geben und nur einen Englischsprachigen zitierte, obwohl damals eine große Bloggeraktion lief und ich auf der anderen Seite immer das Stöhnen darüber höre, daß heute schon Krethi und Plethi bloggt!
Schön, denke ich, da kann man sich ja das Passende nach seinem Geschmack aussuchen und vielleicht sollte man auch einen Wettbewerb ausrufen, um ein Ersatzwort für den “Fröhlichen Dilettanten” zu finden, der meiner Meinung nach nicht stimmt, nicht passend ist und mir nicht gefällt.
Ich habe auch nichts gegen die Professionalität, da ja jeder nur das schreiben wird, worüber er was weiß und ihn interessiert und wenn ich meine Meinung zu einem Buch sage, brauche ich kein Hochschulstudium und Literaturkritik werden die meisten Blogger auch nicht betreiben wollen, sondern ihren Spaß haben, ohne gleich “dilettantisch” zu sein.
Ich verstehe mich jedenfalls als schreibene Frau und blogge, um mich zu präsentieren, meinen Schreibprozeß darzustellen und so weiter und so fort.
Die Bücher bespreche ich als Erinnerungshilfe, das betrifft auch die Veranstaltungen und ich betrachte mich nicht als Dilettantin, obwohl das bei mir, da ich ja Psychologie und nicht vergleichende Literaturwissenschaft studierte, noch am ehesten zutrifft.
Ich lebe auch nicht davon und will nichts verdienen, aber eine Dilettantin bin ich nicht, weil ich im einundzwanzigsten Jahrhundert lebe und sich das im Internetstil ein wenig moderner ausdrücken lassen müßte und es wundert mich ein wenig, daß es nicht längst schon einen trashigen englischen Ausdruck dafür gibt, wie das auch in anderen Bereichen so passierte und auch, daß ein 1973 geborener Medienexperte, wenn er sich über die Bloggerlandschaft äußern soll, nichts als einen anachronistischen Ausdruck dafür findet, der für komponierende Fürsten des achtzehnten Jahrhunderts erfunden wurde, wenn er sie loben will, was ich schon glaube und nicht an die abwertende Bedeutung denken will, die dieses Wort heute hat. Interessant ist das aber schon und vielleicht bekomme ich auch ein paar Kommentare dazu, denn ich gehöre auch zur Bloggerszene, auch wenn ich manchmal ein bißchen in ihr zu verschwinden scheine.

Dichten in Gesellschaft

Der 6. Abend der “Poliversale” von der ich bisher nur einen Teil des 3. mitbekommen habe, stand unter einem besonderen Thema beziehungsweise unter einer bestimmten Vorgabe.
“Kann man mit Gedichten reden, diskutieren? Kann man über Gedichte und Dichtung reden, ohne sich auf Gedichte beziehen?”, steht im Programm und Michael Hammerschmid, der Kurator lud dazu fünf Autoren ein, die er offenbar eine bestimmte Frage stellen, sie zwei Gedichte von sich selbst und zwei von anderen anderen aussuchen und das Ganze dann noch untereinander kommizieren ließ.
Da ich jetzt am Montag, um sechs eine Fixstunde habe, kam ich etwas zu spät und hörte, als ich einen Platz gefunden habe, gerade Christine Huber, die Veranstalterin der “Dicht-Feste” von denen das letzte im Rahmen der “Poliversale” am Donnerstag stattfand, gerade erzählen, wie bei ihr Gedichte entstehen.
Beziehungsweise, daß Wort und Bild bei ihr im Zusammenhang stehen, sie sucht sich dann zwei Begriffe aus und montiert an ihnen solange herum, bis man die Frage “Was will uns der Dichter dazu sagen?”, nicht mehr beantworten kann.
Es folgte eine Diskussion mit Ferdinand Schmatz, der das ähnlich oder andehttp://literaturgefluester.wordpress.com/2012/03/13/zweimal-felix-philipp-ingold/rs zu machen scheint. Dann die zwei Huber Gedichte und je eines von Felix Philipp Ingold und eines von Gertrude Stein, alles sehr experimentell und so kenne ich ja die Autorin, die mit Ilse Kilic befreundet ist, in der Edition “Freibord” puliziert, nach Gerhard Koflers Tod gemeinsam mit Gerhard Jaschke GAV-Generalsekretärin war, jetzt ist das Ilse Kilic mit Gerhard Jaschke und als ich vor langer langer Zeit nach Klagenfurt zum “Preis der Arbeit”, den es damals kurz dort gegeben hat, eingeladen wurde, war sie auch dort und hat mit einem Text über Zimmermädchen, der sicher realistisch war, gewonnen.
Ferdinand Schmatz, der, wie ich 1953 geboren wurde, inzwischen Leiter des Hochschullehrgangs für Sprachkunst ist, folgte und erzählte, daß er mit oder durch Reinhard Priessnitz sozialisiert wurde. Er hat sich auch eines seiner Gedichte ausgesucht und las dann aus dem “großen babeln”.
Ich war schon öfter in seinen Veranstaltungen und kann mich an die zwei “Reisen – in achtzig Gedichten um die ganze Welt”, bzw. “in achtzig flachen hunden in die ganz tiefe Grube” Bücher erinnern, die er gemeinsam mit Franz Josef Czernin sowohl bei Heimrad Bäcker in Linz, als auch bei Jochen Jung in Salzburg herausgegeben hat und den letzteren damit hineinlegte.
Das “Edition neue Texte-Buch” habe ich glaube ich in meinen Beständen.
Die Diskussion bezog sich auf die Wiener Gruppe und Ferdinand Schmatz Sozilisation zum Dichter, die außer von Reinhard Priessnitz auch von Ernst Jandl und Friederike Mayröcker geprägt wurde.
Der Doyen und ehemalige Professor für Sprachkunst, Robert Schindel folgte und sprach von seiner Sozialisierung durch den sozialistischen Realismus, da seine Eltern Kommunisten waren, die das Wort als Waffe prägten.
Nach der Pause kam die 1983 in Graz geborene Sonja Harter, die ich, glaube ich, zum ersten Mal persönlich sah und die auch einen ganz anderen Ton in die bisher eher experimentelle Diskussion einbrachte, nämlich durch ihre Frage, wie sehr die Mutterschaft das Dichten verändert und dazu das Beispiel brachte, daß Friederike Mayröcker bei der Mitteilung, daß sie schwanger wäre, zuerst “Um Gottes Willen” und dann erst “Gratuliere!”, gesagt hätte.
Es folgten zwei Gedichte, eines von Friederike Mayröcker, die sich darin ihre Kinder, die sie nie gehabt hat, vorstellte und eines von Helwig Brunner über seine Vaterschaft und in der Diskussion waren die Dikutanten ein bißchen ratlos und wußten nicht, wie die Mutterschaft zum Dichten passe? Mir sind da die Frauen eingefallen, die am Küchentisch zu schreiben angefangen haben, während ihre Kinder schliefen, aber das waren Astrid Lindgren und Christine Nöstlinger, also nicht unbedingt Lyrikerinnen, allerdings habe ich, glaube ich, auch gehört, daß Nelly Sachs am Küchentisch in Schweden gedichtet hätte, während sie ihre Mutter betreute.
Und Andreas Unterweger, der auch kein Lyriker ist, hat ein Buch über seine Vaterschaft geschrieben. Gibt es das weibliche und männliche Dichten und kann man das Geschlecht erkennen? Ich behaupte da ja immer, daß man kann und der “Fried-Preisträger” Nico Bleutge, der auch noch am Podium saß, erzählte von einem Projekt, wo man man das untersucht hätte und 98% der Schätzungen wären richtig gewesen.
Der 1972 in München Geborene, der in letzter Zeit einige Gedichtbände herausgegeben hat, erzählte etwas von einer “Dämmeratmosphäre, die ihn interessieren würde und wurde dann auf “Naturgedichte” festgelegt, was er gar nicht so sehen wollte, beziehungsweise von Michael Hammerschmid Wahrnehmungsdichter genannt.
Am Schluß folgte noch eine Runde, wo jeder der Eingeladenen ein paar Gedichte las und ich habe wieder sehr viel, obwohl ich den Zusammenhang in dieser Diskussions- und Fragerunde nicht ganz gesehen habe und auch nicht wirklich verstanden habe, was das Dichten jetzt mit der Gesellschaft zu tun hat, weil man das ja meistens wohl allein betreiben, aber natürlich für diese tun wird. Ein interessanter Aspekt des Lyrik-Festivals in der “Alten Schmiede” also und morgen geht es weiter und da werde ich auch pünktlich sein.

Hotel Amerika

Auf Maria Leitners “Hotel Amerika”, den 1930 herausgebrachten ersten Reportage-Roman der Weimarer Republik, bin ich, glaube ich, durch das Gewinnspiel des “Duftenden Doppelpunkts” zur Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 aufmerksam geworden. das Buch war ja dabei, wie man auf den ersten Seiten des 2013 in der Bibliothek der Frauen, der “Edition Mokka”, herausgegebenen Ausgabe sehen kann. Auf der Krit Lit habe ich das Buch bekommen, das ein wenig anders ist, als die “Hotel-Bücher” Vicki Baums”, die ja ungefähr zeitgleich entstanden sind.
Maria Leitner wurde 1892 in Varazdin bei Zagreb in eine zweisprachig jüdische Familie geboren. Sie war Journalistin und Schriftstellerin und hat wohl schon in den Neunzehnhundertzwanzigerjahren das getan, womit Günter Wallraff später berühmt werden sollte, als Zimmermädchen in Luxushotels und als Bedienerin in Fastfoodbuden gearbeitet und sie hat auch für den “Ullstein-Verlag” von 1925-1928 Amerika bereist, um solche Reportagen herauszugeben.
So schildert “Hotel Amerika” auch das Luxushotel von unten, aus der Sicht der kleinen Leute, der Angestellten, des Personals, die oft Emmigranten aus Deutschland, Italien, Schweden oder woanders sind.
Es beginnt an einem Morgen hoch oben in einem Schlafsaal des Reinigungspersonal, wo nur die zwei Ältesten eine Kommode haben, die anderen haben nur ein Bett und ein Fach im Kasten. Geputzt wird auch nicht wirklich, aber unter Shirleys Bett steht ein Koffer mit einem billigen Abendkleid und sie denkt sich gleich, nachdem ihre Mutter, die auch in dem Hotel arbeitet, sie weckte “Heute ist mein letzter Tag, als Wäschemädel!”, denn Shirley hat große Flausen im Kopf, beziehungsweise träumt sie davon, von “ihrem Freund” hier weggeholt zu werden.
Der ist ein Mister Fish und hat auch andere Pläne, denn in dem Hotel soll am Abend eine große Hochzeit gefeiert werden. Die Tochter eines Zeitungsmäzens soll einen Sportler heiraten und Fish hatte offensichtlich ein Verhältnis mit ihr, beziehungsweise Briefe, mit denen er ihren Vater erpressen will. Der läßt sich nicht so leicht erpressen und gerät auch nicht aus den Fugen, als Fish sich von einem Kellner eine Kellneruniform besorgen läßt, um sich am Abend in den Ballsaal hineinschmuggeln zu lassen. Vorerst geht es aber an die Arbeit, beziehungsweise wird beschrieben, wie die Hausdamen über die Zimmerflure wachen und die Wäschemädel in ihren schmucken Uniformen die Wäsche verteilen.
Fritz, ein Emigrant aus Deutschland, der von seiner Firma entlassen wurde, weil er bei der Gewerkschaft war, wird als Küchenhilfe angestellt und gerät in Panik, als er den Hummern die Scheren zusammenbinden soll, damit sie nicht zu viel Aufruhr machen, wenn sie ins kochende Wasser geworfen werden.
Im letzten Speisesaal des untersten Personals gibt es inzwischen eine Aufregung, weil sich das gegen die faulenden Kartoffeln zur Wehr setzen, die ihnen serviert werden.
Shirley hält eine flammende Rede, der Page Salvatore, ein im italienischen Viertel geborener Italiener geht mit der Schwedin Ingrid, die ebenfalls Stubenmädchen ist, in sein Viertel, um ihr die Konditorei seinen Vaters zu zeigen und erklärt ihr, daß er in dem Hotel arbeitet, weil er auch mal etwas anderes als das “Little Italy” von New York sehen will.
In den Zimmeretagen kommt es indessen zu großer Aufregung, weil alle etwas wollen, einen Brief, eine Büglerin, ein Arzneimittel, das Personal aber noch in den unteren Küchenräumen, bei der Streikbewegung ist und die Hausdame muß beruhigen.
Dann kommen sie schon angelaufen und die Ballsäle für den Abend sind auch schon geschmückt, mit exotischen Blumen und lebenden Schmetterlingen.
Die Kellner müssen alle Französisch reden, um feiner zu sein, es wird auch jetzt ein Aufstand geprobt. Sie fordern besseres Essen und eine Gehaltserhöhung, bevor sie sich an die Arbeit machen. Majories Bräutigam verschmäht aber die Hummer, denn ein Sportler darf nur weiche Eier oder Grießbrei essen. Die Kellner servieren ihm das, beziehungsweise treiben sie ein wenig Schabbernak, indem sie statt Mayonnaise süße Eiercreme den vornehmen Gästen servieren, dann geht aber doch alles seinen Weg und die verfänglichen Briefe Majories, die Mister Fisch, der ein sehr erbärmlicher Kellner ist, auf die Tische legen will, entpuppen sich, als Bibelschriften, so wird ihm nichts anderers überbleiben, als für einen anderen Reichen, “die Außenreklame für Betshäuser zu machen”.
Aber auch Shirley ist entlassen worden und muß den Traum an Mister Fishs Seite reich zu werden, aufgeben, was ihr aber nichts macht, hat sie sich doch in den Küchenjungen Fritz verliebt, der schon auf sie wartet.
“Einmal wird das alles uns gehören, aber bis dahin müssen wir schwer kämpfen. Was tut es? Ich bin ja jung und das ganze Leben steht noch vor mir!”, endet das Buch zuversichtlich, was im realen Leben etwas anders war, hat doch Maria Leitners Leben 1942 in Marseille geendet, wie ich “Wikipedia” entnehme.
Sie war auch in Frankreich, wohin sie flüchten mußte, im politischen Widerstand tätig und ist dort “vor Erschöpfung gestorben.”
In Traude Korosa, der Herausgeberin, Kapitel über das Leben der Schriftstellerin, steht noch, daß es auch sein kann, “daß sie von den Nazis verhaftet und in ein Konzentrationslager gebracht wurde.”
Traude Korosa, die ich 1987 bei der Schreibwerkstatt in Linz, zu der ich eingeladen wurde, weil ich mich am Max von der Grün Preis beworben habe, kennenlernte, die auch GAV-Mitglied ist und bei der “Frauen lesen Frauen-Gruppe” gelegentlich mitmacht, hat dem Buch auch noch einen, für mich eher unnötigen Anhang, beigefügt, wo Worte wie “Spucknapf” oder “Scheuerfrau” erklärt werden und in der “Editorischen Nachbemerkung” erklärt, daß das Buch auf der Erstausgabe von 1930 basiert und sorgsam bearbeitet wurde. Was heißt, daß die Rechtschreibung eher beibehalten wurde und auch das Wort “Neger”, das heute ja als politisch unkorrekt gilt, in dem Buch mit einem Sternchen versehen und im Anhang erklärt, zu finden ist.
“Aber Maria Leitner hätte mit unserem heutigen Wissen dieses Wort als politisch inkorrekt empfunden und es auf keinen Fall in ihren Texten verwendet”, vermutet Traude Korosa noch, was wahrscheinlich stimmen wird.
1930 hat man dieses Wort aber verwendet und “Afroamerikaner oder Farbige” würde in diesen Kontext wahrscheinlich etwas seltsam klingen. Auch etwas worüber man nachdenken kann und auf jeden Fall lohnt es sich, diesen Reportage-Roman zu lesen, in die Programme der “Edition Mocca” hineinzuschauen und vielleicht auch bei den Gewinnspielen des “Duftenden Doppelpunktes” mitzumachen und mich hat es in der Annahme verstärkt, daß der “Milena-Verlag” mit Maria Leitner eine weitere Frau hätte, die er wiederauflegen könnte. Aber das wird ja schon von Traude Korosa in “ADA-Bibliothek der Frauen” getan, die auch Auguste Groners “Der Rote Merkur” ein Wiener Kriminalroman aus dem Jahr 1907 herausgebracht hat und in der “Edition Mokka” sind auch Max Winters Sozialreportagen “Die Steigeisen der Kopfhaut” zu finden.

Rund um die Burg mit Lyrik-Bim

Die von Wien live organisierten “Rund um die Burg-Veranstaltungen” finden immer früher statt und werden immer kürzer, könnte man so sagen, was vielleicht nicht so ganz stimmt, aber doch ein wenig.
Seit zwei Jahren gibt es einen neuen Veranstalter. Vor zwei Jahren war es noch im Herbst, aber nicht mehr rund um die Uhr, wie bei den alten Veranstaltern, was zwar nicht sehr genützt wurde, mir aber großen Spaß machte und etwas Besonderes war.
Damals gab es kein Lesezelt, dafür Veranstaltungen in der Bel Etage und im Theater des Cafe Museums und man mußte hin und her laufen, wenn man nichts versäumen wollte.
Im Vorjahr war die Veranstaltung im Juni, es gab wieder ein Zelt, wo die literarischen Veranstaltungen war, die Sachbuchveranstaltungen fanden woanders statt und heuer im Mai, waren die Veranstaltungen im Zelt bunt gemischt und dafür fuhr am Ring drei Stunden lang eine Straßenbahn mit live Lyriklesungen.
Das ist auch nicht ganz so neu und gab es schon zwei oder dreimal anläßlich des Tags des Buches, neu war dagegen, daß die Eröffnungsredner fehlten und der Moderator Joe Rappold interviewt kurz den Programmdirektor, wie er ihn nannte, Andreas Schneider, der alles zusammenstellte und der, wie er betonte, ein dichtes Programm von allen zusammengestellt hat.
Was wohl auch stimmte, wenn mir auch die Literatur oder das, was ich darunter verstehe, ziemlich fehlte, war doch von allem etwas da und sehr überlaufen und vollgefüllt, so wie damals als noch Wolfgang Bauer und Gert Jonke aufgetreten sind, war es auch nicht.
Dafür gab es eine Eiskiste zur freien Entnahme und Julia Danielczyk habe ich auch gesehen, sie hat aber nicht für die Stadt Wien gesprochen.
Begonnen hat es mit einem Buch über das Wiener Schnitzel, beziehungsweise einem von der Schauspielerin Maria Happel, wo sie über das Theater bzw. eine Aufführung des Thomas Bernhard Dramuletts “Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen.”, schrieb
Dann gab es eine kleine Pause bevor der “Ohrenschmaus Juror” Niki Glattauer mit seinem Schulroman “Leider hat Lukas nicht…”, gefolgt von Georg Biron mit dem ich einmal vor langer langer Zeit in den “Textvorstellungen” der “Alten Schmiede, die noch Herbert J. Wimmer moderiert habe gelesen habe und der glaube ich auch beim “Tag zur Freiheit des Wortes” mitmachte, inzwischen aber ein Buch über Helmut Qualtinger geschrieben hat und jetzt eines Bücher Wien mit dem Titel “Hai-Society”.
Dann folgte Ruth Brauer mit ihrem Mann, die ein Buch mit schönen Sprüchen für das Leben “Mit guten Gedanken kann man fliegen”, anläßlich der Geburt ihres zweiten Kindes geschrieben hat, ihr Mann sang dazu und der zweite Schulautor Andreas Salcher hatte auch einen Ratgeber, wie man Leben soll.
Dann fuhr die erste Bim ab und im Zelt gab es eine Diskussion “Warum die Buchhandlung besser als das Online Shopping ist”, wo unter anderen die sehr engagierte Buchhändlerin Petra Hartlieb unter der Leitung von Kristina Pfoser sich gegen den “bösen” Amazon wandte, etwas was mich nicht so ganz überzeugte, aber Petra Hartlieb sagte, sie spricht die Leute am Postamt an, die sich ihre Amazon Pakete holen, ich denke ja eigentlich, daß es egal ist, wo man kauft und kaufe mir selbst nur sehr wenig oder aus der Abverkaufskiste.
Helmut Schneider bekannte sich auch als Amazon-Käufer und eine Dame aus dem Publikum wies auf die mit Bücher vollgefüllten Papiercontainer hin, wurde aber nicht sehr gehört.
Dann gings zur Bim, wo Edith Ulla Gasser moderierte und hauptsächlich Gewinner des Ö1 Lyrik Wettbewerbs “hautnah” lasen.
Als ich die Station erreichte, wartete schon eine mir unbekannte junge Dame, Magdalena Hahnkamper alias Mitzi Nowak, eine Saxophonspielerin, die ihre Texte sang, eine Hermann Leopoldi Parodie über “Wiener Fleisch” hatte und sich vom Publikum Worte zurufen ließ, zu denen sie improvisierte.
Der nächste Performer war mir schon bekannter und ich habe ihn schon öfter gehört, nämlich Jörg Zemmler, der glaube ich, bei den letzten “Lockstoffen” mit Sophie Reyer aufgetreten ist, die ich heute versäumte.
Michaela Falkner war, glaube ich, nicht bei den Lyrik Gewinnern, denn sie nennt ihre Hörspiele und Romane ja Manifieste und wenn ich mich nicht irre, war das “Manifest 46”, den sie vortrug, der Text, der auch in ihrem Buch “Du blutest du blutest” zu finden ist.
Als letzter hautnaher Lyriker und Performer kam Thomas Havlik, den ich auch mal bei den “Lockstoffen” hörte, mit “Die Glühbirne im Verbandskasten”, der wirklich sowohl eine starke Performart als auch sehr starke erotisch- sexistische Texte hat.
Dann waren die Lyrikrunden aus, Edith Ulla Gasser bedankte sich bei allen und es ging wieder in das Zelt zurück, wo ich den Ringstraßenschwerpunkt versäumte, dafür bin ich viermal um den Ring gefahren.
Ich versäumte auch Erika Pluhar und Chris Lohner und kam gerade zu Renee Schroeder zurecht, die sich für die Beschränkung zu Gunsten der Kinder und Enkelkinder in ihrem Buch “Von Menschen Zellen und Waschmaschinen” einsetzte.
Dann wurde es auch im Zelt literarischer mit Gertraud Klemms bei “Droschl” erschieneern “Herzmilch”, bevor die Krimistunde folgte, die es ja auch bei “Rund um die Burg – alt” gegeben hat. Da waren es ein paar Stunden und die haben ab Mitternacht angefangen. Diesmal kam um elf Manfred Rebhandl mit seinem trockenen Humor “Ich danke den Sozialisten und Josef Cap, der draußen an der Weinbar steht” und “In der Hölle ist für alle Platz” aus dem ich ihn ja schon lesen hörte und Petra Hartlieb kam am Schluß wieder zum Burgtheater zurück. Ihr dritter Krimi, den sie mit dem Berliner Claus Bielefeld geschrieben hat, spielt nämlich im Burgtheater, beziehungsweise von einer Schauspielerin, die in Berlin ermordet wurde und Petra Hartlieb läßt ihre Erimttlerin durch den Keller des Burgtheaters irren und erklärte dazu, daß sie sich einen Tag lang das Burgtheater, seine Keller und die Lüftungsschachte angesehen hat.
Am Samstag ging es mit einem “Ersten Weltkrieg-Schwerpunkt” weiter. Alfred Pfoser, der frühere Leiter der Hauptbücherei und Andreas Weigl stellten ihren Katalog “Im Epizentrum des Zusammenbruchs” vor und erzählten, wie das Leben in Wien 1914 ausgesehen hat und Günter Neuwirth, von dem ich einen Krimi gelesen habe, hat in “Der blinde Spiegel” die Geschichte anders weitergeschrieben und hat etwas gelesen, wie die Leute 1945 bei Bauern in der Tschechoslowakei Brot, Speck und Schnaps kauften.
Dann wurde es in der Sachbuchschiene interessant. Denn der sehr bekannte Medizinjournalist Kurt Langbein erzählte etwas von seiner Krebserkrankung und stellte daraufhin in seinem “Weißbuch Heilung” die Heilerszene vor.
Vorher habe ich mich noch mit einer jungen Dame von “Echomedia-Verlag” darüber unterhalten, welche Art von Literatur ich bei der heurigen Veranstaltung vermißte.
Es gab aber auch für Kinder etwas, nämlich Gerald Votava und Mirjam Unger die ein Hörbuch aus Waldemars Bonsels “Biene Maja”, mit der ich mich ja gerade beschäftigte, machten. Dann kam Susanne Scholle mit “Emma schweigt”, die ich jetzt endlich nach den Namen fragen konnte, die mir gar nicht so tschetschenisch klangen und Rudolf Habringer mit dem ich schon einmal in der “Alten Schmiede” gelesen und einige seiner Bücher auf meiner Leseliste habe, folgte mit “Was wir ahnen”, wo eine Frau ein sogenanntes Kuckuckskind hat, nämlich eines das einen anderen Vater als den Ehemann hat und ihren dementen Vater besucht. Literarisch ist es dann geblieben mit Teilnehmern des “Theaterjahres der JUNGEN BURG”, das waren vier junge Leute die eine Textcollage von Renate Aichinger rezitierten und da hat, glaube ich, heuer in Rauris einen Förderpreis bekommen und Antonio Fian schloß mit seinen “Polykrates-Syndrom” ab. Nach vierzehn Uhr hat es dann mit der Bekanntgabe der Preisträgers des Gewinnspiels, man konnte Theaterkarten und eine Club Ö1 Mitgliedschaft gewinnen, geendet und es war wirklich von allem was dabei, auch wenn ich mehr Gegenwartsliteratur gewünscht hätte, mir die Bücher der Angelika Reitzer, der Lydia Mischkulnig, Theodora Bauer, Andreas Pittler, Eva Rossmann, Erich Hackls, Ludwig Laher, etc fehlten und ich natürlich auch selber gern gelesen hätte.

Cartoons über Fussball

Die Fussballmeisterschaft naht, was man daran erkennt, daß “Holzbaum”, nach “Cartoons über Wien” und solche über “Kunst” auch Fußballkarikaturen herausgegeben hat und man könnte meinen, daß das kein Buch für mich ist, denn “Fußball interessiert mich wirklich nicht!”, das habe ich schon öfter geschrieben, Wendelin Schmid-Dengler Fußballbegeisterung nicht ganz nachvollziehen können und auch die der Autoren nicht, die Fußballbücher schreiben.
Da haben sich schon einige bei mir angesammelt. Reinhold Aumaiers “Rapid Rapid” zum Beispiel oder Lainer und Ehrenreichs “Querpässe” beispielsweise, beide bei “Resistenz” erschienen und noch nicht von mir gelesen und über das “Eine Stadt-ein Buch”- Buch von Nick Hornby habe ich auch nur gerade mal so drübergelesen.
Aber bei Cartoons ist das andes hab ich mir gedacht, mir das Buch bestellt, hineingeblättert und mir tatsächlich ein bißchen schwergetan.
Auch wenn es wieder die bekannten “Holzbaum-Karikaturisten” sind, die da ihre Bleistifte und Federn schwangen. Es sind aber auch andere, mir noch unbekannte Autoren dabei und am Cover, des natürlich grün umrandeten Buchs, ist eine mit Jahreszahlen verzierte Torsammlung zu sehen und eine Frau erklärt stolz einer anderen, “Die hat mein Mann alle selbst geschossen!”.
Ein Cartoon des 1956 geborenen Til Mette und wenn man in das Buch hineinsieht, so trifft man neben Toren, Toren, Toren, auch auf ein paar bekannte Wien-Klischees.
So liegt bei Alex Rinesch, der Ball auf der Couch und jammert “Alle treten mich mit Füßen!”, wie wahr und wohl nicht zu vermeiden und beim “Endspiel” steht der Sensenmann, vor der Tür des Fußballfans.
Den “Kleinen Torwart” gibt es auch. Das ist die “Melange oder Verlängerte für den Fußballfan” und “immer widder, immer widder, immer widder Österreich”, wird auch gerufen. Das ist ein Cartoon des bekannten Kabarettisten Alf Poier, der hier rot auf weiß mitgezeichnet hat.
“Lassen sie es wie ein Spiel aussehen”, rät die “Fussball-Mafia” und wenn der Doktor ins Tor tritt, rät er dem k o geschlagenen Torwart “Ich mach das schon – ruhen Sie sich aus!”
Man sieht das Torhüten ist sehr begehrt.
Daniel Jokesch hat die “Liebe auf den ersten Kick” und ein anderer Doktor rät der besorgten Frau “Ihr Mann hat Fussballfieber! Schnell! Holen Sie kaltes Bier und stellen Sie den Fernseher an!”
Und “Wenn Fußballkommentatoren umschulen” rufen Sie begeistert “Und hier sehen Sie das Brandenburger Toooor!”
Oliver Ottisch hat nicht nur ein anderes “Elfmeter Schießen” sondern auch eine spzielle Variante vom “Fußball im Fernsehen”.
Und “Wenn heute kein Fußball im Fernsehen ist”, greift bei Peter Thulke, der Mann seiner Frau an die Brust.
Spannend, spannend und für alle, die es wissen wollen, ein Fußballfan ist natürlich nicht aus mir geworden, wohl aber habe ich meine zwei Fußballbücher auf meine Leseliste gesetzt und mir vorgenommen, sie in den nächsten Jahren wenn EM oder WM sein sollte, brav hervorzuholen und lachen,lächeln oder schmunzeln übers Fußballspielen kann man wohl immer und allemal und so sind die “Cartoons über Fußball” wohl sowohl den Fans, als auch den Fußballmuffeln zu empfehlen, denn der andere Blick auf die andere Seite, kann lohnen und macht vielleicht auch etwas toleranter und wer noch etwas mehr über das Buch wissen will, schaut kurz auf den Rücken und erfährt “Der Ball ist rund, ein Buch dauert 90 Seiten und am Ende gewinnen immer die Cartoonisten!”

Hilde Spiels Rückkehr nach Wien

Über Hilde Spiel, die “Grande Dame der österreichischen Literatur” habe ich ja schon öfter geschrieben, da sie 2011 ihren hundertersten Geburtstag hatte, zu diesem Anlaß ein Buch bei Haymon erschienen ist und eines von dem Grand Signeur MRR habe ich mal aus einer Abverkaufskiste gezogen. Dann ein Buch von ihr im Schrank gefunden und zu der Grundbuchveranstaltung in die “Alte Schmiede” bin ich auch gegangen, während ich noch warte “Kathi auf der Brücke” oder vielleicht noch anderes von ihr zu finden, hat “Milena”, wie schade, daß die jetzt auch Männer verlegen, ihre “Rückkehr nach Wien” wieder aufgelegt und die “Frauen lesen Frauen Gruppe” hat im Amerlinghaus daraus gelesen.
An diesem heißen Tag, wo ich nach dem GFM-Seminar im AKH und der anschließenden Bücherkastentour, wo ich einen Jakob Wassermann und Gina Kaus “Teufel in Seide” gefunden habe, sehr erschöpft gewesen bin, mich aber auf die Lesung auch sehr freute.
Judith Gruber-Rizy, Heidi Hagl, die die Texte zusammengestellt hat, Angelika Raubek, Gabriele Schmolll und Hilde Schmölzer haben gelesen und unter den Zuhörern war Susanne Schneider, Hans Jörg Liebscher, Elfriede Haslehner mit ihrem Franz und und und.
Es war eigentlich sehr voll. Heidi Hagl begrüßte und dann wurde das Vorwort von Daniela Striegl, die das von der “Grande Dame” erwähnte gelesen.
Die 191 in Wien geborene Hilde Spiel, die schon 1936 nach London gegangen ist, dort Peter de Mendelsohn heiratete und ihr Kind, bzw. Kinder bekam, ist im Jänner 1946 im Auftraq und in britischer Uniform für sechs Wochen nach Wien gekommen, hat ein Tagebuch darüber geschrieben und das ist sehr interessant, weil es das zerbombte, zerstörte Nachkriegs-Wien schildert und die Hausmeister bzw. die Kellner im Cafe Herrenhof, die alle Zurückgekehrten mit “Jessasna Herr, Frau Doktor, Sie haben es so schön gehabt im Ausland, während wir hier in Wien sehr unter den Bombardierungen gelitten haben”, begrüßten.
Andreas Pittler hat in seiner neuen Bronstein-Folge ja etwas ganz Ähnliches beschrieben.
Interessant, ob ihm das selber eingefallen ist oder ob er sich von Hilde Spiel inspirieren ließ?
Aber im “Herrn Karl” kann man wahrscheinlich etwas Ähnliches lesen.
Hilde Spiel kommt jedenfalls mit dem Flugzeug in Schwechat an, fährt dann mit dem Bus durch den dritten Bezirk, wo sie einmal gewohnt hat und in Heiligenstadt hat sie auch einmal gelebt, bzw. ist sie dort aufgewachsen. Sie besucht ihre ehemaligen Wohnungen und das Cafe Herrenhof, trifft alte Freunde, die es sich arrangiert haben und jetzt Kompott und Fischkonserven in ihrem Zimmer horten. Besucht auch eine Pressekonferenz des Bundeskanzlers, beziehungsweise geht sie ins Rathaus, um den Kulturstadtrat Viktor Matejka zu besuchen, der in Aufbruchstimmung ist, denn das Kulturleben muß ja wieder aufgebaut werden, die Künstler mit Stipendien unterstützt, Konzerte veranstaltet, VHS-Kurse eingerichtet, etc.
Nach sechs Wochen fliegt sie wieder nach England zurück, um 1963 endgültig nach Wien zurückzukehren, wo sie 1990 gestorben ist.
Nach der Lesung gab es wieder Wein und Wasser, was zum Knabbern und Gespräche.
Hilde Schmölzer wies auf ihre Lesung morgen im Literaturhaus hin, aber da ist ja auch “Rund um die Burg” und am 25. Juni gibt es im Bezirksmuseum Mariahilf zum hundersten Todestag von Berta von Suttner eine Lesung aus “Die Waffen nieder” von den Lesefrauen.
Sehr interessant und spannend und ich beschäftige mich derzeit ja mit Lutz Holzingers Texten zur Politik und Literatur, die ich mir von der KritLit mitgebracht habe und am 27. Juni werde ich im “Werkl im Goethehof” aus meinen gesammelten Werken lesen und bin schon sehr gespannt, ob da Leser zu mir kommen.

Sieben Jahre

“Ein Mann zwischen zwei Frauen, die eine ist begehrenswert, bei der anderen fühlt er sich frei”, steht am Buchrücken von Peter Stamms Roman, mit dem er 2009 auf die Longlist des dBps gekommen ist.
Ich habe das zwar ein bißchen anders empfunden, aber trotzdem hat mich der Roman des 1963 geborenen Schweizers, auf dessen Namen ich wahrscheinlich durch die damalige Buchpreisnominierung aufmerksam geworden bin, sehr fasziniert.
Ich habe dann von ihm den Erzählband “Wir fliegen” beim Morawa um einen Euro gekauft und die Erzählweise ein bißchen kompliziert gefunden.
Bei Romanen ist das wohl einfacher, zumindest bei diesen, er fließt dahin, ist sehr spannend und leicht zu lesen, manchmal ein bißchen kitschig vielleicht, dann dachte ich, so ist das Leben und die Leute und Peter Stamm, der ja auch Psychologie studiert hat, parodiert damit die leistungsorientierte Aufstiegsgesellschaft, die, die aus dem sogenannten Kleinbürgertum kommen und die, die schon oben waren.
Das Ganze beginnt mit einer Rahmenhandlung, bei einer Vernissage, Antje die ausstellende Künstlerin aus Marseille, wohnt bei ihrer Freundin Sonja, die mit Alex verheiratet ist, beide sind Architekten, es gibt die zehnjährige Tochter Sophie und eine Katze namens Mathilda.
Dann geht es zurück in die Studentenjahre, wo die Diplomarbeiten verteidtigt werden mußten.
Ferdi, Rüdiger, Sonja und Alex bereiten sich darauf vor und haben erst die Paarschaften gewechselt, Alex sich von Alice getrennt und Sonja von einem der beiden Männer.
Die Männer gehen etwas trinken, lernen dabei zwei Mädchen kennen, mit denen sie anbandeln wollen, jetzt brauchen sie nur noch eine Frau für Alex und zeigen auf ein unbeholfenes buchlesendes Mädchen, das Alex ohnehin schon die ganze Zeit anzustarren scheint.
Es ist die Polin Iwona, die in einer der katholischen Buchhandlungen Münchens arbeitet, in einem Studentenheim wohnt, von den gebildeten Studenten nicht ernstgenommen wird, Alex in ihr Zimmer läßt, sich aber nicht ausziehen will, obwohl sie “Ich liebe dich!” zu ihm sagt.
Es kommt zu einer seltsamen Beziehung zwischen den beiden. Alex fährt mit Sonja auch nach Maseille, um sich die Gebäude Le Corbusier, dem Gott der damaligen Architekten, anzusehen. Sonja sucht sich auch eine Praktikumsstelle und Alex fährt zurück um sein Praktikum in einem langweiligen Büro zu machen.
Zu Weihnachten kommt Sonja wieder, bringt ein Modell ihres Traumhauses mit und sie heiraten. Er erzählt ihr von seiner Beziehung zu Iwona und macht mit ihr Schluß.
Dann eröffnen die beiden ihr Architekturbüro, arbeiten viel, vergrößern, steigen auf, wollen auch ein Kind, aber leider klappt es nicht, wahrscheinlich zuviel Streß.
Es kommt ein Brief von Iwona, wo sie um Geld für eine Operation bittet und die Beziehung beginnt von Neuem.
Jetzt läßt sie Alex in ihrem kleinen vollgestopften Zimmer an sich heran, er gibt ihr Geld, sagt ihr was er dafür von ihr will, sie tut es schweigend, denn sie ist nicht sehr beredt, liebt ihn aber immer noch und als sie schwanger wird, kommen Alex und Sonja auf die Idee das Kind zu adoptieren. Iwona gibt es frei und verschwindet dann wieder aus Alex Leben, bis es zu einer Baukrise kommt. Angestellte entlassen und schließlich die Insolvenz angemeldet werden muß.
Sonja verschwindet wieder nach Marseille, Alex bleibt zurück, um mit der Insolvenzverwalterin zu retten, was noch zu retten ist, beginnt zu trinken und sucht nach Iwona, die er bei ihrer Cousine findet und bei ihr im betrunkenen Zustand noch einmal übernachtet.
Diese Geschichte erzählt Alex Antje am Morgen nach der Vernissage. Sophie kommt und erzählt dem Papa, daß Sonja sie gefragt hätte, ob sie in Marsaille leben will?
Dann kommt sie selber und verkündet Alex dorthin zurückzugehen und Mann und Kind zu verlassen.
Die Geschichte endet am Flughafen, wo Alex den entschwindenden Flugzeugen nachsieht und ich habe das Buch sehr spannend gefunden, obwohl mir der überhebliche Ton, mit dem über die unbeholfene, bigotte Iwona geschrieben wird, nicht gefallen hat, denke aber, ihn als Parodie interpretieren zu können und halte den Schweizer Autor, den ich im Herbst im Literaturhaus kennenlernen konnte, für einen guten Schriftsteller.
Das Literaturcafe, bzw. Malte Bremer ist da ja etwas anderer Ansicht, gab es da ja eine Diskussion über den ersten Roman “Agnes”, den Wolfgang Tischer, bei der deutschen “Bücherschenkaktion” zum Welttag des Buches nicht anbringen konnte.
Ich habe voriges Jahr sowohl “Agnes” als auch “Sieben Jahre” bei “Thalia” in der Kremsergasse in der Abverkaufkiste gefunden und den Erzählband “Seerücken”, zufälligerweise, am heurigen Welttag des Buch im “Wortschatz”.