Elfriede Czurdas Ernst Jandl Dozentur

Die “Ernst Jandl Dozentur für Poesie” ist ein Projekt der Alten Schmiede und der Uni Wien, zwei öffentlich zugängige Vorlesungen, die im Juni von namhaften Lyriker an der Uni gehalten und in der “Alten Schmiede” kommmentiert werden.
Alexander Nizberg hat das Pojekt 2010, das von dem Germanisten Thomas Eder gegleitet wird, begonnen, dann war Ferdinand Schmatz der Vortragende und im Vorjahr Marcel Bayer, etwas das bisher an mir vorbeigegangen ist, wahrscheilich weil ich mich für Poetikvorlesungen und experimentelle Lyrik doch nicht so sehr interessiere, vielleicht weil ich auch nur keine Zeit hatte.
Diesmal war die 1946 in Wels geborene Elfriede Czurda die namhafte Persönlichkeit, die auch experimentelle Prosa schreibt und die, wie sie bedauerte, der konkreten Poesie zugeordnet wurde, was sie beengte, weil sie keine Eindordnungen will.
Die erste Vorlesung hat im Rahmen der “Poliversale” stattgefanden, die zweite vorige Woche unter dem Titel “Sprache Denken Zeichen” im Hörsaal 31 und weil ich beide versäumte, bin ich heute ziemlich unbedarft in die “Alte Schmiede” hineingeschneit.
“Mit Hörerinnen der beiden Vorlesungen” stand noch im Programm und als ich das literarische Quartier erreichte, hielten die zwei Studentinnen und drei Studenten gerade eine Besprechung ab, Peter Waterhouse war da und noch ein paar andere Studenten und Poetikinteressierte, sowie ihr Verleger von der “Edition Korrespondenzen” und ich kenne Elfriede Czurda als experimentelle Autorin, sie hat auch beim Bachmannpreis gelesen, länger in Berlin gelebt, der Roman “die Giftmörderinnen” ist mir bekannt, “Voik”, wo es um die Sprache nach der Wende geht, steht auf meiner Leseliste, bei der “Edition Neue Texte”, bei “Droschl” und “Rowohlt”, etc verlegt.
Thomas Eder leitete ein und begann mit einem Zitat von Ernst Herbeck, das in den Vorlesungen gefallen sei, im “inszenierte Poetik” ist es auch gegangen und forderte die Zuhörer sich mit Fragen einzumischen.
Elfriede Czurda erzählte dann ein bißchen was von ihren literarischen Vorbildern, Ernst Jandl beispielsweise und von der Form, die wichtig sei und wurde von einem Studenten unterbrochen, der von Marcel Bayers Vorlesung im vorigen Jahr erzählte und sie mit ihrer verglich. Er hat mit seiner Poetik angefangen und Elfriede Czurda meinte, daß sie das nicht wolle, weil ihre Werke für sie abgeschlossen seien und sie sich danach nicht mehr mit ihnen beschäftigen würde.
Dann tat es es doch ein bißchen, erzählte, daß sie sich viel mit künstlicher Intelligenz und den entspechenden Neuronentheorien beschäftigen würde. Sie würde auch einmal ein Wort verwenden, das sie nicht verstünde, das wäre ihr auch bei ihrer Vorlesung so passiert, ein Wort, das aus der Sprachtheorie kam, nett klang, vielleicht aber auch gefährlich wäre.
Ein anderer Student wollte wissen, was sie unter “Sprachreflexe” verstünde.
Die Beschäftigung mit Fernost wäre ihr auch sehr wichtig, so hat sie öfter in Japan unterrichtet und erzählte ein bißchen was darüber, auch die Zahlenmystik sei ihr wichtig, da war ich glaube ich auch einmal bei einer entsprechenden Präsentation.
Ein Zuhörer stellte die Frage, mit wem sie sich über ihre Poetik austauschen und welche Räume sie dafür brauchen würde?
Interessant und sehr abstrakt, vielleicht auch ein Balanceakt einfach in das Konversatorium hineinzuschneien und die Vorlesungen nicht zu kennen. So nehme ich mir mit, mich auf das Buch “Voik” zu freuen und auch darüber, daß ich jetzt gerade Herbert Rosendorfers “Briefe in die chinesische Vergangenheit” lese, die vielleicht ein kleines bißchen damit vergleichbar sind. Denn ich bin ja keine experimentelle und auch keine konkrete Lyrikerin, sondern eine psychologisch realistisch Schreibende, die sich heute auch mit ihren “Deja vue Protagonisten” beschäftigte und sonst wieder sehr viel, was mich nicht sehr freute, korrigerte und wieder viele Fehler fand.
Es war aber spannend von Elfriede Czurdas Lao-Tse Übersetzungen und ihre Texte um ihn herum zu erfahren und auch ein kleines bißchen ihrer Sprachwelt näherzukommen.

Deja-vue

Für die, die wissen wollen, was es mit meinen vier Monate Stadtschreibe-Plänen geworden ist und warum es hier keine Schreibberichte gibt, es ist noch nicht sehr viel daraus geworden, denn ich korrigiere noch immer mehr oder weniger lustlos an der “Brüderschaft” und der “Anna” herum, finde Fehler um Fehler, immer blödere und immer mehr, denke “Es ist eh egal! und ich bräuchte einen Antrieb der von Außen kommt und mich herausholt, einen Anruf vom Kulturamt oder einem Verlag beispielsweiste!”, weiß, daß da nichts kommt und ich endlos trödlen könnte, wenn ich mich nicht selber heraushole und so ein Plan, wäre ja der Schreibesommer gewesen.
Im Juni wird es mit dem Stadtflanieren aber nicht viel werden, obwohl ich schon einen Hunderter in ein Kuvert getan habe, um das nötige Startkapital zu haben, für Hamburger, Eis und Pommes frites vielleicht. Das heißt vor einer Woche bin ich in den Zehnten zu einem Adipositastreffen in die Gebietskrankenkassa gegangen und bin dabei vor einem schleudernden Auto in ein Geschäftsportal geflüchtet und ein paar zündende Ideen für mein Projekt habe ich heute früh um sechs auch schon gehabt.
Da gibt es ja inzwischen was mit dem 13. 3. 2033, ein Projekt das “Innere Stadt” heißen und von genreproduzierten Kindern und ihren Traumen handeln könnte, habe ich vor ein paar Wochen auch verlautet, heute ist mir dann das “Deja vue” eingefallen. Denn da gibt es ja ein paar Figuren aus meinen früheren Texten, die mich weiter beschäftigen. Den Psychiater Theo Hardenberg vielleicht, die Schreibtrainerin Fritzi Jelinek, die prekär beschäftigte Studentin Nika Weihnachtsfrau, Felizitas Fee, die schöne Obdachlose, die in den Katakomben Wiens haust und ein Pantscherl mit einer “Jörg-Haider-Figur” hatte und dann in Zeiten, wo wir des ersten Weltkrieges gedenken, könnte auch ein Schutzengelchen namens Miranda auftauchen, das im Leib ihrer Mutter gestorben ist, nachdem die erfuhr, daß der Vater fiel und mit diesen Figuren könnte ich mich dann in zwei Wochen, wenn die Harlander Sommerfrische beginnt und ich mit dem Korrigieren vielleicht doch einmal fertig werde, auf Szenensuche begeben, wild vor mich hinschreiben, ein Romankonzept entwerfen, etc, der Fantasie sind alle Räume offengelassen und heute bin ich sowieso beschäftigt, meine Lesung am Freitag im “Werkl im Goethehof” vorzubereiten.
Da soll ich eineinhalb Stunden aus meinen Werken lesen “Dreißig Bücher in fünfzehn Jahren” habe ich es großspurig angekündigt und “Das “Literaturgeflüstertextebuch”, die “Kerstin”, und die Works in Progress dazu angegeben. Da muß ich nun eine Reihen-und Szenenfolge abstoppen, obwohl, weil ja gleichzeitig das Donauinselfest abläuft, zu befürchten ist, daß wieder niemand oder nur ganz wenige kommen.
Die Ruth hat sich, glaube ich, schon angekündigt, weil sie sich den Lesungsort ansehen will.
Ansonsten wird es diese Woche ein paar schöne Veranstaltungen geben, ich lese meine endlos Leseliste hinunter, “Kampflesen”, nennen das die Bücherblogger, die sich über die, die immer über ihre Bücher schreiben, die sie lesen wollen oder gelesen haben und Listen und Statistiken darüber anlegen, ärgern, aber was soll man machen, wenn man viele Bücher hat und die Übersicht nicht verlieren will?
Ansonsten warte ich auf die Bekanntgabe, wer den “Veza Canetti Preis” bekommen wird, tippe zwischen Friederike Mayröcker und Marlene Streeruwitz, die Judith Gruber-Rizy wäre auch eine geeignete Kanditatin, weil noch förderbar und mit der Veza Magd bzw. Veronika Knecht hat sich sich auch einmal beschäftigt und einen Text darüber geschrieben, den sie auf einer “Tag der Freiheit des Wortes-Veranstaltung” gelesen hat.
Der diesmalige “Wildgans-Preisträger” steht dagegen, wie auf www.buecher.at zu erfahren war, schon fest und wir können Norbert Gstrein mehr oder weniger herzlich gratulieren und nächste Woche, die Anna holt sich heute das Auto ab, um damit zwei Wochen nach Deutschland zu fahnren, wird es dann ein wenig hektisch, denn am Vor- und Nachmittag, die Sommerakademie im “Learning Center der WU”, dort, wo der Alfred arbeitet, so daß ich mit ihm essen gehen kann und am Abend die Bachmannlesungen nachholen und dazwischen noch ein bißchen meine Bücherliste hinunterlesen.
Da werde ich auch nicht viel zum Korrigieren kommen, aber dann gehts schon nach Harland in die Sommerfrische und vielleicht fällt mir dort dann noch ein bißchen was zu meinen Figuren, beziehungsweise für das kommende Projekt ein und das Sechsjahresjubiläum gibt es natürlich auch.

Anne Frank Tagebuch

Von Anne Frank und ihrem Tagebuch habe ich, glaube ich, noch in der Hauptschulzeit oder in der Straßergasse gehört, als meine Mutter von ihrem Kindergarten, das Theaterstück geschenkt bekommen hat, denn ich habe mich schon in meiner Schulzeit mit dem Holocaust beschäftigt, Kinderbücher aus der Bücherei in der Sandtleitengasse geholt, in der ich kurze Zeit Mitglied war und auch später viel gelesen.
Daß es das Tagebuch selber zu lesen gibt, habe ich lange Zeit nicht gewußt, es aber vor zwei Jahren im Schrank gefunden und dann noch Ellen Feldmanns “Der Junge der Anne Frank liebte” und Judith Katzirs “Die Entdeckung der Liebe”, beides in diesem Jahr gelesen und natürlich viel darüber gehört.
Als ich das vorletzte Mal in Amsterdam war, 1988 wird das wahrscheinlich gewesen sein, war ich im Anne Frank Haus in der Prisengracht, das mit der “Kitty” hat mich ein bißchen verwirrt und wie weit Anne Frank Schriftstellerin war oder werden wollte, sie ist ja mit Fünfzehn gestorben, darüber gibt das Tagebuch Auskunft, das sehr interessant ist und mehr als das Theaterstück Eindrücke in das Seelenleben eines pubertierenden Mädchen und in die Traumen, deren die Familien, die sich in dem Haus versteckten, ausgesetzt waren, gibt.
Dem Fischer TB ist ein Vorwort vorangestellt, daß Anne Frank ihr Tagebuch überarbeitete, nachdem sie im Radio, das die Familie im Büro des Hauses hörte, erfuhr, das Berichte von Versteckten nach dem Krieg gebraucht werden würden.
Otto Frank hat das Tagebuch noch einmal überarbeitet, beide Teile zusammengefügt, beziehungsweise das weggelassen, was zu indiskret schien, das was gelieben ist, ist erstaunlich offen, Anne Frank schreibt sehr direkt über ihre Sexualität, ihre Schwierigkeiten mit der Familie, dem Erwachsenwerden, aber auch ihre Pläne nach dem Krieg, wo sie Jounalistin oder Schriftstellerin werden wollte und hat auch sonst noch einiges geschrieben, was sie später “Das Hinterhaus” nennen wollte.
“Nachrichten aus dem Hinterhaus” mit diesen Texten sind veröffentlicht und als ich kürzlich beim “Hintermayr” vorbeigegangen bin, habe ich eine Anne Frank Gesamtausgabe mit dem Tagebuch und ihren Texten im Schaufenster liegen sehen. Vielleicht finde ich diese Texte auch einmal.Jetzt also das Tagebuch, das Anne Frank zum dreizehnten Geburtstag, sie wurde am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main geboren, von ihren Eltern bekommen hat.
Die Familie flüchtete 1933 nach Amsterdam, Anne ist, glaube ich, erst ein bißchen später nachgekommen und war noch einige Zeit bei ihrer Großmutter in Aachen, besuchte die Montessorischule und später das jüdische Lyceeum, das Tagebuch beginnt in dieser Zeit, erzählt von den Freundinnen, Anne hat viele Bekannte, aber keine richtige Freundin, so erfindet sie sich eine und schreibt in ihrem Tagebuch Briefe an “Kitty”.
Sie dürfte sehr lebhaft gewesen sein, so daß ein Lehrer sie immer “Schwatzliese” nannte und sie die entsprechenden Strafarbeiten schreiben ließ, die sie sehr lustig löste.
Es gab auch einen Jungen, mit dem Anne sich befreundete, bevor die Familie 1942 in das Hinterhaus in die Prinsengracht, zumammen mit einem Ehepaar und ihren fünfzehnjährigen Sohn Peter flüchteten. Die Namen sind sowohl im Theaterstück als auch im Tagebuch geändert, so hießen die van Daans in Wirklichkeit van Pels und der Zahnarzt Dussel, der später noch dazukam, Fritz Pfeffer, else Feldmann führt die richtigen Namen an.
Der Vater hat für Annes Schauspielersammlung gesorgt, die sie sich in ihrem Zimmer, das sie später mit dem Zahnarzt teilen mußte, aufhing. In dem Hinterhaus wurde viel gelernt, studiert und gelesen, Annes um drei Jahre ältere Schwester Margot, mit der sie sich anfangs schlecht, später besser verstand, wird von ihr als Musterschülerin beschrieben, während alle mit der lebhaften Anne unzufrieden sind und an ihr herumnörgeln. Es gibt auch Schwierigkeiten mit der Mutter, von der Anne schreibt, daß sie sich zwar bemüht, aber vieles nicht versteht, nicht ernst nimmt und darüber lacht, was Anne verletzt.
Es kommt die erste Menstruation und die Liebe zu dem sechzehnjährigen Peter, in die die Jugendliche sich flüchtet und mit ihm viel über Sexualität redet, beziehungsweise, die auch in ihre Briefe an Kitty beschreibt.
Die Familien geraten in dem Hinterhofzimmern aneinander, es gibt Streit um das Essen, faulige Kartoffeln, Bohnen und Erbsen und dann kommen die Winde und die Toilette kann man auch nicht so benützen, wie man will.
In das Büro, in dem man sich waschen und Radio hören ging, wurde immer wieder eingebrochen, der Schwarzhandel spielt eine große Rolle und Anne schreibt launig, daß sie dabei sind, ihr ganzes Vermögen aufzuessen.
Anne schreibt auch ein bißchen über die Politik, das kommt, glaube ich, im Theaterstück stärker heraus. Die Familie wird im August 1944 verraten und verhaftet, kommt in verschiedene Lager, Anne Frank starb im März 1945 in Typhus in Bergen-Belsen, von der Familie überlebte nur der Vater Otto, der sich noch einmal verheiratete und 1980 in der Schweiz starb.
Sehr eindrucksvoll die Gefühle des heranwachsenden Mädchens, vom Theaterstück sind mir mehr die historischen Ereignisse hängen geblieben, ob man die Frühreife, die Anne, selbst in ihren Bericht beschreibt, mit der der Bachmann vergleichen kann, weiß ich nicht, es ist aber sicher interessant darüber zu spekulieren, was man von Anne Frank noch gelesen hätte, wenn sie weiterschreiben hätte können.
Einmal fragt sie sich, wie weit ihr schriftstellerisches Talent wohl reichen würde? Nur Hausfrau, wie ihre Mutter wollte sie nicht werden. Sie fragt sich auch, wen ihre Eindrücke aus dem Hinterhaus später wohl interessieren würden? Sie haben und hatten weltweit sehr viele interessiert. Fotos von der meist kleineren Anne, sind dem Buch auch angefügt, das ich, während unseres Wanderwochenende gelesen habe und erstaunt gefragt wurde, wieso ich das jetzt erst lese, was die anderen schon vor Jahren hätten?
Nun ja, nun ja, “Schindlers Liste”, wo ich den Film gesehen habe, steht aber auch auf meiner Leseliste, denn in den offenen Bücherschränken läßt sich vieles finden, womit man seine Bildungslücken schließen kann, so daß ich seine Benützung wieder einmal sehr empfehlen kann…

Jahrhundertsommer

Zum Sommerbeginn ein Sommerbuch, das ich vor zwei Jahren, ungefähr um diese Zeit, ich glaube, aus dem Schrank in der Brunnengasse gezogen habe, als ich zum Geburtstagsfest der Iris ging, das dann nicht stattfand.
Ein weißes Büchlein ohne Cover Kerstin Dukens “Jahrhundertsommer” – “Ihr persönliches Leseexemplar – unkorrigierte Fassung, Erstverkauf am 7. 8. 2007.- Wir bitten Sie, Rezensionen nicht vor dem Erstverkauf zu veröffentlichen!”
Da habe ich natürlich nachgegooglet und bin darauf gekommen, das Kerstin Duken 2006 den “Brigitte-Romanwettbewerb” gewonnen hat. Ausgesucht aus 1610 Manuskripten von Julie Zeh, Birgit Vanderbeke, Wladimir Kaminer und dann hat die 1966 geborene Werbetexterin ihr Buch auch noch in zwei Monaten geschrieben.
“Wow!”, inzwischen gibt es noch einen Erzählband und die Autorin, die sich offenbar gar nicht so als solche sieht, schreibt schon am nächsten Roman.
Da frage ich natürlich nach den eintausendsechshundert anderen Manuskripten und würde gerne wissen, was aus ihnen geworden ist, wieviele inzwischen ebenfalls veröffentlicht wurden und wieviele noch in den Schubladen liegen? etwas was man wohl nicht erfahren wird.
Kerstin Duken Erstling ist jedenfalls bei “Goldmann” erschienen und wenn man zu “Amazon” googlet kann, man auch das Cover sehen “Ausgezeichnet mit dem “Brigitte-Romanpreis” steht noch darauf.
Wenn man zu den Rezensionen geht, kann man lesen, daß viele der Besprecher mit dem ausgezeichneten Buch nicht ganz zufrieden sind, daß sie meinen, daß Kerstin Duken zwar schreiben könne, etwas dem Buch aber fehlen würde und dem kann ich mich irgendwie anschließen.
Aber schön der Reihe nach. Um was geht es in dem Buch? Es geht um den Sommer, beziehungsweise drei davon, den von 2002, 2003 und 2006 und es geht um Berlin, die Stadt in dem das Buch spielt.
Jetzt würde ich noch gerne wissen, ob “Berlin” das Thema der Ausschreibung war, Kerstin Duken, wohnt seit einigen Jahren jedenfalls, wie ihre Heldin Iris, in dieser Stadt. Geboren wurde sie, glaube ich, in der Nähe von Bremen, aber die biografischen Angaben, die man im Netz findet, sind rar. Im Buch gibt es überhaupt nichts davon.
Das Buch ist in drei Teilen gegliedert, von einem Hochwassersommer, Hitzesommer und Fußballsommer, habe ich auch etwas gelesen. Der letztere, der von 2006 bietet die Rahmenhandlung, beziehungsweise den Pro- und den Epilog, dann gehts ins Jahr 2003 und da geht sich Iris in eine Werbeagentur vorstellen, Mark, der Projektleiter erzählt etwas vom “Kundenficken”.
Sie scheint den Job zu bekommen, hat Fantasien vom sozialen Aufstieg, sie wird sich dann noch bessere Markenklamotten kaufen, fährt zu ihrer Familie in das Dorf bei Bremen und besucht die demente Großmutter, dann geht es wieder zurück nach Berlin und zu einer Party. Sie wird in einem Hinterhof überfallen und ausgeraubt, was sie so sehr traumatisiert, daß der Traum vom guten Job zu Ende ist.
Dann gehts in den Jahrhundertsommer von 2003, Iris hat sich verschiedene Wohnungen angesehen und sich im 21. Stock eines Plattenbaus mit Portier und Hausmeister in der Leipziger Straße niederlassen. Sie geht am Abend oft aus, sprecht Männer oder Frauen an und verbringt die Nacht in ihren Betten. Und sie ritzt und schneidet sich. Raoul kommt zu Besuch, bietet ihr einen Auftrag an, besucht sie mehrmals und erpresst sie dann, als er ihre zerschnittenen Arme sieht.
Aber Iris ist eigentlich ohnehin schon am Aussteigen bzw. umsatteln, hat ihr doch eine Freundin, da sie oft in den Gesichtsaal zusehen geht, eine Zeitungskolumne vermittelt. Da gibt es eine merkwürdige Bekanntschaft zu einer merkwürdigen Sekretärin die Absencen oder eine gespaltene Persönlichkeit hat. Jedenfalls kauft sich Iris zwei Psychologiebücher, eines über Borderline und eine über multiple Persönlichkeiten.
Sie beginnt auch eine Beziehung zu einem Rechtsanwalt und der zweite Teil endet mit einer großen Schneiderei. Während im Epilog des Jahres 2006, alles überwunden oder zumindest zum Teil gelöst scheint.
Berlin ist ein hartes Pflaster und die Karrieren der jungen Frauen von 2002 bis jetzt, sind sehr schwierig, da wird Cola light getrunken, Gummibärli gegessen, geraucht, gesoffen und geschnitten, nicht nur in Kerstin Dukens Buch, da habe ich schon einiges andere gelesen und man könnte auch denken, wenn man pessimistisch ist, daß die Iris vielleicht, die erwachsene Maulia Schmitt werden wird..
Was mich an dem Buch ein wenig störte, war das rasante Darüberhasten über das Leben einer jüngeren Frau in der Großstadt, über die man nicht wirklich viel, als die Schwierigkeit des Lebens, erfährt, ein bißchen wird über das Leben und Gewohnheit resumiert, es aber keine wirkliche Handlung, mit Aufbau, Konflikt und Entwicklung gibt.
Der Brigitte-Romanwettbewerb, habe ich ergooglet, war einer für Debuts und hat es offenbar von 2004 bis 2008 gegeben. Er hatte immer eine hohe Bewerberzahl, also circa zweitausend Debutanten, die dafür einen Roman schrieben oder schon geschrieben hatten, was auch sehr spannend ist, daß eine Frauenzeitschrift so viel kreatives Poetental fördern kann. Interessant aber, daß ich die Namen der anderen Preisträger noch nie gehört habe und ihre prämierten Werke nicht zu mir durchgedrungen sind.
Und jetzt auf in den Sommer, der vielleicht genauso heiß und hoffentlich psychisch weniger anstrengener wird.
Ich verlinke noch zu einigen anderen Berlin Büchern, die mir auf die Schnelle einfallen und die mir dazu passen scheinen.

Die Kraft und die Herrlichkeit

Jetzt kommt wieder ein Klassiker aus dem Bücherschrank, ein Roman von Graham Green, den 1904 in England geborenen und 1991 in der Schweiz gestorbenen Kultautor, der den “Dritten Mann” geschrieben hat, von dem ich in der Schule aus dem Englischunterricht hörte, dort haben wir, glaube ich, auch etwas von ihm gelesen.
“Der stille Amerikaner” stand im Bücherschrank meiner Eltern, in den Schränken findet man sehr viel von dem ehemaligen Bestsellerautor und ich habe auch noch einige Bücher in Vorrat auf meiner Leseliste.
“Die Kraft und die Herrlichkeit” oder “The power and the glory”, 1940 geschrieben, mit dem der Autor auch, wie ich in “Wikipedia” las, Weltruhm erreichte, spielt in der Zeit der mexikanischen Kirchenverfolgung und handelt von einem sogenannten “Schnapspriester”, der durch die Dörfer gehetzt wird, die Polizei sucht ihn, nimmt Geiseln, um ihn zu fangen, die Leute verstecken ihn mehr oder weniger geduldig, lassen sich von ihm die Beichte abnehmen und die Messe lesen und als er schon so weit ist, mit einem Schiff nach Vera Cruz zu fahren, holt ihm ein Junge zu seiner sterbenden Mutter und die Chance ist verpasst.
Er hat auch ein Kind von einer Maria, ein anderer Priester wurde gezwungen, seine Haushälterin zu heiraten und der Schnaps und der Wein spielt in dem Land, in dem Prohibition herrscht, auch eine große Rolle, so wird der sündige Priester auf der Suche nach Messwein als Schmuggler verhaftet, kommt ins Gefängnis und entkommt dann doch seinen Verfolgern.
Am Schluß ist er schon fast über der Grenze, wird von einem Mestizen verraten und rennt sehend in sein Verderben. Es kommt zu einer Aussprache mit dem Leutnant über Gott und der Welt und fast zu einer Beichte, bis er erschossen wird.
Das Buch ist, wie ein Trypticon ein drei Teilen angeordnet und führt am Ende wieder zu den Personen mit denen es begonnen hat, dem Zahnarzt, der auf Briefe seiner Frau wartet, der Familie, die den Priester schon einmal versteckte und der Frau, die mit ihren Kindern betet, zurück. Und weil das Leben weitergeht, kommt es auch zu einer Vision, beziehungsweise klopft ein neuer Priester an der Tür.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es dieses Buch war, das wir im Englischunterricht gelesen und besprochen haben. Der Dialog zwischen dem Leutnant und dem Priester hat mich aber an den Dialog zwischen der Hure und der Nonne jener Erzählung erinnert, die ich gleich nach meiner Matura, im Sommer 1973, geschrieben habe.

Unnützes WienWissen 2

“Noch skurriler! Noch witziger! Noch unterhaltsamer!”, machen “stadtbekannt” beziehungsweise der “Holzbaum-Verlag” auf den Fortsetzungsband ihrer, laut eigener Einschätzung, nicht so wichtigen Wien-Entdeckungsreihe aufmerksam, die ich, da ich es für eine Fortsetzung hielt, fast versäumt hätte, der Verlag hat aber an mich gedacht und so konnte ich, ehe ich mich heute zuerst zu einer Fortbildung über Fettleibigkeit zum Wienerberg aufmache und dann ins Literaturhaus gehe, meine Lücken auffrischen und habe über meine Heimatstadt, die ich ja sehr eifrig begehe, umrunde und beschreibe, wieder viel gelernt, was sich vielleicht auch literarisch nützen läßt und wieder gibt es neben vielen schönen Fotos sieben Abteilungren “Historisches -musikalisches- sportliches – kulinarisches-intimes- bewegendes und unterhaltendes”, wovon man in dieser Stadt höchstwahrscheinlich nie genug bekommen kann, also auf zu vielen weiteren Fortsetzungsbänden und jetzt zu einem kurzen Rundgang durch das Büchlein, das wahrscheinlich sowohl für die echten einzigen und wahren Wiener, als auch für die Wien-Touristen, die jetzt ja in Scharen in die Stadt strömen, sehr zu empfehlen ist.
Es gab in Wien also, bevor die Ringstraße, die eigentlich eher krumm als rund ist, vor hundertfünfzig Jahren, ein weiteres Wien-Jubiläum, wie ich bei der letzten “Rund um die Burg-Veranstaltung” lernte, erbaut wurde, eine Stadtmauer und die wurde von dem Lösegeld errichtet, das für Richard Löwenherz, 1192 bezahlt wurde.
Es gab, was wahrscheinlich auch nicht alle wissen, ein sogenanntes “Kurienwahlrecht”, nachdem nur die wahlberechtigt waren, die etwas Geld nachweisen konnten und das Frauenwahlrecht, das ist schon stadtbekannter, wurde in Österreich 1918 eingeführt.
In der Wiener Leopoldstadt, dem zweiten Gemeindebezirk gab es bis 1920 zwanzig Kinos, jetzt gibts keines mehr, dafür aber im Sommer einige Freiluftkinos, die ich bisher versäumte, also ist das Wissen darüber, gar nicht so unnötig, wenn man nicht, wie ich, im Sommer Sommerfrische macht und die Stadt verläßt.
Und das Internet, das ist auch interessant, wurde an der Wiener Uni am 10. März 1990 eingeführt und dann haben in Wien berühmte sowetische oder kommunistische Männer, wie Stalin oder Leo Trotzki gewohnt und Schach gespielt. An dem Haus, wo “Stavros Papadoupolos” gastierte, komme ich regelmäßig vorbei, wenn wir von Harland wieder nach Wien kommen, denn dazu, daß es davor eine Gedenktafel gibt, hat sich Österreich verpflichtet oder wurde ihm vorgeschrieben, die sich offensichtlich auch heute nicht entfernen läßt.
Daß es den Mädchen von 1938 bis 1945 nur mit ministerieller Genehmigung möglich war, ein Gymnasium zu besuchen, habe ich nicht gewußt, also doch ganz nützlich, das kleine blaue Büchlein, aber gehen wir weiter zur Musik und da wird alles nebeneinander gereiht, Beethoven neben Falco sozusagen und der erstere ging viel in die Wälder spazieren, wenn er komponieren wollte. Nachher mußte er immer duschen, wobei er seine Nachbarn belästigte, wenn das Wasser überlief.
Sportliches gibt es natürlich auch und so weiß ich jetzt, daß Franz Beckenbauer deshalb “Kaiser” heißt, weil er bei einem Fotshooting neben der Büste vom Kaiser Franz Josef stand, etwas, das gebe ich schon zu, was ich nicht unbedingt wissen müßte, also weiter zum Kulinarischen, von dem man nie genug bekommen kann.
Josef Prousek war ein Opernfan und hat lange überlegt, ob er seine 1925, gegründete Konditoreikette “Aida” oder “Tosca” nennen sollte. Er hat sich für “Aida” entschieden und ich habe dort in meiner Studetinnenzeit regelmäßig einen kleinen Braunen und eine Topfengolatsche verzehrt, womit ich mein Wien-Wissen verbreite, das höchstwahrscheinlich auch nicht so nützlich ist.
Das in Frankfurt die Würsteln Wiener und in Wien Frankfurter heißen, ist wahrscheinlich bekannt und ein Buschenschank ist ein Heuriger mit Sondergenehmigung.Davon gibt es in Wien mehrere und wenn man in die berühmte Kondotrei Demel am Kohlmarkt geht, wird man von den “Demelinerinnen” bedient, ich war dort nur zweimal, glaube aber, sie reden einen noch immer in der dritten Person an und es gibt nur Filterkaffee. Und das ist vor der Marillenernte vielleicht auch noch interessant: “Rund siebzig Tonnen Marillenmarmelade werden jedes jahr für die original Sachertorte verarbeitet.”
Bei “Intimes” wird geraten, zu Hause zu lachen, um nicht das öffentliche Ärgernis zu erregen und vielleicht in den Häfen zu kommen, denn da wird es derb und kräftig, gefurzt und geschimpft.
Bewegendes gibt es natürlich auch, denn man soll sich ja bewegen und wenn man in Wien spazieren geht, füge ich noch an, erfährt man sicher Neues über die Stadt und für den nächsten Fortsetzungsband und diesen kann man einstecken, um immer alles nachlesen zu können:
Die erste Ampel gab es 1926 und die letzte 13-Straßenbahn 1961, die erste schaffnerlose Bim zehn Jahre später. Politessen gab es ab 1971 für den Verwaltungsdienst, 1991 wurden sie zu Polizistinnen mit gleicher Ausbildung und Bezahlung und kurios, wie man immer im “Augustin” nachlesen kann, ist das Stehbleibeverbot auf den Gehsteigen, das dann gleich von den Polizisten und Polizistinnen geahndet werden kann.
Aber jetzt bin ich schon beim “Unterhaltsamen” und darüber kann man auch nie genug wisen.
Es gab also von 1938 bis 1956 eine Opernballpause und die Herren, die den Opernball besuchen müßen zum Frack ein weißes Mascherl tragen, damit sie sich von den Kellnern mit dem schwarzen unterscheiden. Julius von Ficker war Historiker, nach ihm wurde die Julius von Ficker Straße in Floridsdorf benannt. Die katholische Jungschar gibt es auch und Luftballons, die am 8. 5. 1950 von Schulkindern zum Geburtstag von Henri Dunant, dem Begründer des Roten Kreuzes, ausgelassen wurde.
Mit der Anmerkung, daß es auch Wiener Fenster gibt, die sich nach innen öffnen lassen, schließe ich das Buch und empfehle jenen, die noch nicht genug wissen, noch einmal sehr herzlich die Lektüre.

Monarchiegeflüster

Der Ausbruch des ersten Weltkriegs naht sich zum hundertsten Mal und die damit einhergehende Bücherflut, Sachbücher, Wiederentdeckungen und auch Romane die sich mit den Monarchisten und damit, wie die Welt aussehen würde, wenn der erste Weltkrieg anders ausgegangen wäre, beschäftigen.
Das naht sich alles nur allmählich oder hat schon lange stattgefunden, so wurde Hannes Stein “Der Komet” ja schon auf der Leipziger Buchmesse 2013 vorgestellt und Günther Neuwirths Roman “Der blinde Spiegel” war Teil des erste Weltkriegsschwerpunkt auf der heurigen “Rund um die Burg-Veranstaltung”.
Dann gab es natürlich noch Veranstaltungen, wie das Wien 1914 ausgesehen hat und und und….
Und für den heutigen Mittwoch suchte ich wieder eine Literaturveranstaltung, da gab es etwas von der “Alten Schmiede”, das aber in der Uni Wien stattfand und im Literaturhaus eine Buchpräsentation “Michael Ziegelwagner “Der aufblasbare Kaiser”
Michael, wie oder was, nie davon gehört, also nachgegooglet, daß das ein 1983 in St. Pölten geborener Autor ist, der heute in Wien und in Frankfurt lebt, seit 2009 Redaktionsmitglied des Satiremagazins “Titanic” ist und in dem, bei “Rowohlt” erschienenen Roman geht es, um die Monarchie, beziehungsweise um die Sehnsucht danach oder, um die “Laitimisten”, beziehungsweiste eine junge Frau namens Vera Beacher, die sich einen Sturz zuzieht und infolgedessen in die sogenannte “Monarchistenfalle” gerät.
Das klingt schon einmal interessant und da ist mir noch gar nicht aufgefallen, daß wir uns derzeit in einer ersten Weltkriegeuphorie befinden, die manchen schon auf die Nerven geht und darüber stöhnen, ich dachte nur, als ich den Lebenslauf des bisher vollkommen an mir vorbeigegangenen Autors las “Na hoffentlich ist das kein Nonsenseroman!”
Aber der Lehrer aus Retz und Wolfgang Kühn vom Literaturhaus NÖ versicherten mir, daß das nicht so ist und Christoph Winder vom “Standard”, der die Lesung einleitete, begann auch mit dem Bedauern, daß Michael Ziegelwanger nicht mehr im “Standard” schreibt und las ein Alfred Gusenbauer gewidmetes Sonett vor, das dort erschienen ist.
Dann begann die Lesung, genau fünfzig Minuten, sagte Christoph Winder und las dann von dem Sturz im Badezimmer, beziehungsweise den verschiedenen Putzgewohnheiten der Schwestern. Dann geht es ins Büro, wo außer Vera ein sogenannter “Trottel” beschäftigt ist, dann auf die Hütteldorferstraße, wo die sogenannten “Legitimisten” gerade umgezogen sind und alle, die aufrichtiger monarchistischer Gesinnung sind, zu ihren Clubabenden einladen.
Für Getränke ist gesorgt. Vera geht hin und dann in den Wienerwald, trifft die verschiedensten Anhänger des Clubs und der Kaiser Otto kommt natürlich auch vor, beziehungsweise joggt er durch Schönbrunn, hält nasalgefärbte Schönbrunnerdeutsche Reden, wie “Servus Kamerad, hast vielleicht ein Taschentuch, laß es dir bei Gelegenheit in der Hofputzerei waschen, ab nun bist du ein “von…!”
“Gibts vielleicht Fragen?”, erkundigte sich Christoph Winder beim Publikum, der Autor winkte ab, ein Herr hatte trotzdem eine und fragte nach dem autobiographischen Bezug, beziehungsweise einer monarchistischen Veranstaltung, der der Autor beiwohnte und sie als ziemlich authentisch beschrieb.
” Alles andere ist aber Erfindung!”
Beim Wein habe ich mich länger mit Robert Huez und Christoph Winder unterhalten, das “Album” mit dem “Rondo” verwechselt und den ersten Weltkrieg, beziehungsweise die Bedeutung von Karl Kraus und Stefan Zweig hinterfragt.
Spannend spannend von dem Autor noch etwas zu hören, der außer den Monarchieroman, noch ein Buch aufliegen hatte, wo die Deutschen mit den Österreichern verglichen werden und Christoph Wender, der sehr interessiert und sehr freundlich zu mir war, erwähnte in seiner Einleitung noch den Bezug zu Heimito von Doderer und anderen Literaten.
Im Bücherschrank gab es übrigens das “Verschenkte Leben” von Richard Billinger, in einer 1941 erschienenen Ausgabe, die “Nur zum Verkauf außerhalb des Großdeutschen Reiches bestimmt war”, und im Klappentext die Handlung sowohl auf Deutsch, als auch auf Englisch und Französisch erklärte und Adalbert Stifters “Bunte Steine” in einer schönen alten Ausgabe, die jemand 1947 zu Weihnachten verschenkte, gab es auch.
Man sieht also die Vergangenheit ist da und holt uns ein, auch wenn die Monarchie 1916 endete und Österreich nach dem ersten auch noch von einem zweiten Weltkrieg gebeutelt wurde.

Autorinnen feiern Autorinnen

Das ist eine neue Literaturinitiative der Stadt Wien, initiiert wahrscheinlich von Julia Danielczyk, der neuen Literaturbeauftragten, die sich tatsächlich für Frauen einsetzt, so wird es nicht nur den “Veza Canetti Preis” geben, der eine eher unbekannte Autorin bekannter machen soll, ich bin ja schon gespannt, wer das sein wird und hätte auch einen Vorschlag, als auch jährlich eine Vorlesung oder einen Vortrag, den eine lebende Autorin auf eine schon verstorbene halten soll.
Die erste diesbezüglich Veranstaltung fand heute Abend im Stadtsenatssitzungssaal des Wiener Rathauses statt, das ist der, wo die Portraits der Wiener Bürgermeister hängen, in der Mitte groß das von Helmut Zink und das ist auch das, wo sich alle aufregen, weil er zu große Hände und Füße hat. Ich drehe mich dann immer um und sage “Aber Sie wissen eh, das hat Maria Lassnig gemalt!”, was ganz gut zum Thema passt, denn Marlene Streeruwitz hat sich Berta von Suttner ausgesucht, die am Samstag ihren hundersten Todestag hat und die ist eine sehr streitbare Feministin, passt dann vielleicht nicht so ganz zu der Friedensnobelpreisträgerin von 1905.
Aber noch sind wir nicht so weit, noch mußte man am Eingang an den Herren und der jungen Frau vorbei, die im MUSA immer hinter dem Weintisch steht, die hatte die Einladungen in der Hand und erklärte allen, daß sie statt über die Feststiege 1, wie im Programm angekündigt, über die andere müssen, denn im Hof fand ein großes Fest statt, das offenbar nicht gestört werden sollte, also die zweite Stiege hinauf und dann an den Garderoben vorbei in den Sitzungssaal. Dort waren die üblichen Verdächtigen zu sehen, Alexandra Millner, Konstantin Kaiser, der sich neben mich setzte, eine Frau, die mich auf meinen Blog ansprach und so weiter und so fort.
Die Gebärdendolmetscherinnen, die ich vom “Ohrenschmaus” kenne, waren auch aktiv. Der Stadtrat Mailath-Pokorny war da und erklärte das mit der Frauenförderungslinie der Stadt Wien oder war das schon Julia Danielczyk die das tat?
Wahrscheinlich beide, dann kam Marlene Streeruwitz, verwies auf das “Generali-Fest” im Hof, weswegen sie durch ihren Vortrag hetzen müsse, weil da bald die Musik erklingen würde und erklärte, daß sie über “Die Waffen nieder” und nicht über die Suttner-Biografie sprechen wolle, tat das aber doch, indem sie auf den “Wikipedia-Eintrag” verwies, der ihr nicht gefiel und den sie als frauendiskriminierend empfand, weil da der Vaternamen angegeben wäre. Sie hat eine Mitarbeiterin, die ihren bei ihren immer hinausstreicht. Berta von Suttner, die Adelige, die verarmt aufwuchs, weil ihre Mutter das Vermögen verspielte, war Gouvernante, heiratete den viel jüngeren Arthur von Suttner und schrieb weiter, obwohl sie das nicht mehr nötig hatte.
Ob Marlene Streeruwitz da nicht ein bißchen übertreibt, bin ich mir nicht ganz sicher, die Frauenleben waren Ende des Neunzehntenjarhunderts wahrscheinlich anders, als heute und in dem berühmten Roman, der 1889 erschien, gibt es eine Martha, eine Offizierstochter, die sich zur Pazifistin wandelt. Die ist mutterlos aufgewachsen, hat aber eine streng katholische Tante und jetzt hätte ich fast vergessen, das Marlene Streeruwitz mehrmals dazu aufrief, den Suttner-Eintrag zu verändern. ich ärgere mich da ja bei meinen immer, daß sie mir meine Digitaldruck-Bücher hinausgestrichen haben und freue mich auf die Lesetheateraufführung nächste Woche, die sich auch mit den “Waffen nieder” beschäftigt.
Das “Augustin Radio” macht, glaube ich, auch eine Lesung daraus und mein Psychologe-Kollege Wolfram Huber beschäftigt sich seit seiner Pensionierung auch mit der Frau, die den Ausbruch des ersten Weltkrieges knapp verpasste.
Nachher gab es Blumen für die Vortragende und ich dachte mir schon, die wird sie jetzt zurückweisen. Sie sagte aber nur, sie möchte mal erleben, daß auch Frauen eine Flasche Wein bekommen.
Da war ich 1975 in Stockholm in jenem Konzertsaal, wo, glaube ich, die Nobelpreise vergeben werden und habe mich über die Blumen gewundert, die man dem Dirigenten überreichte.
“Das ist ein guter Übergang, wir laden Sie auf ein Glas Wein ein!”, begann der Stadtrat. Julia Danielczyk schüttelte den Kopf und Marlene Streeruwitz rief laut “Gehen Sie zu Generali!”, aber da standen, glaube ich, die Sicherheitsleute im Hof, die das verhindert hätten.
Marlene Streeruwitz, habe ich übrigens heute bei buecher.at gelesen, wird heuer die O-Töne eröffnen und hat auch ein neues Buch und ich habe Dank der offenen Bücherschränke schon einige Bücher von ihr gelesen, so daß ich mich fast für eine Streeruwitz Spezialistin halte.
“Die Waffen nieder” und die anderen Suttner-Bücher, die übrigens, wie damals üblich, oft unter einem Pseudonym geschrieben hat, müßte ich noch finden.

Schattseitige Sonnen

Karin Gayer kenne ich vom Volksstimmefest und war mir auch nicht ganz sicher, ob wir nicht im letzten Frühling gemeinsam im “Werkl im Goethehof” gelesen haben, jetzt fand ich sie im Programm des Amerlinghauses, als ich mir das Programm für diese Woche, beziehungsweise den ganzen Juni zusammenstellte.
Gemeinsam mit Birgit Scheerer gab es eine Lesung und eine Vernissage, am Montag um halb acht und da ich wieder meine sechs Uhr Stunde hatte, war das ideal, denn in die “Alte Schmiede” wäre ich zu spät gekommen. Dann mailte mich noch Barbara Neuwirth an und lud mich ins Literaturhaus zu einer AGA Veranstaltung ein, denn “Julia Lajta-Novak, Eva Austin und Nicole Mahal, kennst du vielleicht noch nicht!”
Bei Nicole Mahal bin ich mir nicht ganz sicher, aber vielleicht verwechsle ich sie mit Nicole Makarewicz, die ich von der “Texthobel-Lesung” kenne und deren Buch ich für die GAV-GV gelesen habe, weil ich es beim Flohmarkttisch, der “Gesellschaft für Literatur” fand, aber ich hatte mich schon fest gelegt und ich wäre ich ohnehin zu spät ins Literaturhaus gekommen.
Dachte ich zumindestens, die Klientin kam aber früher, so ging es sich locker aus, zuerst zu den Bücherschränken zu gehen.
“Hoffentlich sehe ich die Barbara Neuwirth dann nicht vor dem Literaturhaus stehen!”, dachte ich erschrocken und machte einen Umweg, denn durch das “Kurier-Haus” kann man jetzt glaube ich nicht mehr durchgehen, früher konnte man es locker und als ich den Parterresaal im Amerlinghaus erreichte, packten die Künstlerinnen gerade die Soletti für den Buffettisch aus.
Es gab auch einen Büchertisch mit Karin Gayers “Art und Science Bändchen” “Innenaußenwelten” aus dem sie später las und die 1969 in Mödling geborene, die auch schon bei “Arovell” verlegte, hat außer zweimal beim Volksstimmefest, wie sie mir später erzählte, auch schon im “Readingroom” gelesen und wird es demnächst im “Häferl” machen.
Birgit Scherer, mit der sie offenbar schon öfter gemeinsam las, hatte Portraits ausgestellt und ihre Familie eingeladen, so gab es vor der Lesung schon Gespräche bei Wein und Soletti. Heurigenaustrich gab es dazu auch, dann stellten die beiden Frauen einander vor und Karin Gayer las aus den drei Abteilungen ihres Lyrikbändchens, vorher bekannte sie noch, daß sie sehr aufgeregt sei und dann unveröffentlichte Gedichte.
Die zweite Abteilung handelt vom “ich und du” die dritte vereinigt einiges Sozialkritisches, wie, daß “Immer weniger immer reicher und immer mehr immer ärmer werden würden!”, das passte zu dem “Augustin-Verkäufer”, der zwischendurch den Saal betrat und eine kleine Spende wollte.
Dann gabs noch einmal Gespräche beim Buffet und ich habe wieder etwas von Wiens vielfältigen Literaturleben zu berichten, in dem es zum Glück auch die vielen kleinen Initiativen und die Eigenverantlichkeiten gibt und da ist das Amerlinghaus sicherlich ein guter Ort, in dem ich auch ein paar Jahre meine “Mittleren” machte, während Barbara Neuwirth im Literaturhaus, glaube ich, die Frauen der AGA und ihre Werke vorstellte, die im Arbeitskreis für die Veröffentlichung aufbereitet wurden.

Wandern auf den Ebenstein

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Dieses Wochenende war wieder das Wandern mit Alfreds ehemaligen Lehrer, Sladky 26 oder 27, wenn ich mich nicht irre und nichts durcheinanderbringe. Wir waren, glaube ich, das zwanzigste Mal dabei, obwohl ich am Freitag und am Samstag in Wien einiges versäumte. So gab es am Freitag nicht nur eine von Ilse Kilics “Fröhliche Wohnzimmerveranstaltungen”, als auch die “Schreibgruppe mit Ruth und Robert”. Das werden die Kilics gefehlt haben und im Literaturhaus war der dritte Teil des Lateinamerikanischen Lyrikfestivals.
Am Samstag gab es am Karlsplatz ein großes Fest gegen die Absiedelung des Funkhauses in der Argentinierstraße, eine Protestveranstaltung, zu der ich mehrere Einladungen erhielt. Aber man kann nicht überall sein und wir sind treue Teilnehmer der Wandergruppe, auch wenn wir sonst nicht mehr soviel wandern, da der Alfred meistens am Samstag den Garten in Harland zu betreuen hat und mit seiner Mutter einkaufen fährt.
Diesmal ging es vom Hans sorgfältig geplant und organisiert auf das “Sonnenschienhaus” und das ist auch ein Jubiläum, war ich da ja nur einmal und zwar mit dem Alfred vor einunddreißig Jahren, als wir zu Pfingsten vier Tage die Hochschwabgegend durchwanderten. Auf dem Hochschwab sind wir inzwischen an die zwanzigmal gewesen, am Sonnenschienhaus nicht mehr und damals sind wir, glaube, ich nach Eisenerz hinabgewandert und dort habe ich den Text über den “Sonnenzug” geschrieben, weil wir den am Südbahnhof gesehen haben und ich sehr davon beeindruckt war.
Diesmal eine eher kleine Gruppe und wir sind auch nicht mit den anderen durch die Klamm hinaufgewandert, sondern, so wie damals die “Russenstraße” hinauf, weil wir später daran waren, weil der Alfred am Vormittag eine Vorlesung über das “WU-Netzwerk” hatte.

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Und am Samstag sind wir nicht auf den Hochschwab, da waren wir schon vor einigen Jahren, kurz nachdem das neue “Schiestlhaus” eröffnet wurde, sondern auf den Ebenstein und das war vielleicht ein bißchen schwierig, weil sehr nebeling und auch ein bißchen windig, so daß kurz ein wenig Panik herrschte, aber dann hat sich das Wetter wieder aufgehellt und als wir glücklich herunten waren, lag der Gipfel im schönsten Sonnenschein und unbewölkt da und alle waren ein wenig neidig und haben sich geärgert.
Dafür sind wir am Nachmittag noch in Richtung Häuslalm, beziehungsweise zum Sackwiesensee gewandert, das heißt, ich bin am See geblieben, habe da meinen Mittagsschlaf gehalten und im “Tagebuch der Anne Frank” gelesen, das ich mir als Lesestoff mitgenommen habe, wo sich einige ein bißchen wunderten, daß ich das erst jetzt lese.
Aber besser spät als nie und jetzt, beziehungsweise vor einiger Zeit, habe ich das Buch im Schrank gefunden und bin auch sehr beeindruckt davon.
Am Sonntag ist es dann mit einem Umweg über die Frauenmauerhöhle und den Neuwalddeggsattel wieder hinuntergegangen, ein langer, aber wunderschöner Weg mit ein bißchen Klettern, zumindestens würde ich das für mich so bezeichnen, in der Jassnig-Hütte gab es ein feines Bratl, wie das in der Steiermark heißt, beim grünen See haben wir auch noch Station gemacht und ein bißchen den Tauchern zugesehen.
Dann fuhren wir nach Harland, beziehungswweise nach Nussdorf an der Traisen um das Spritzmittel für die Weintrauben zu holen und die Fußball WM ist derzeit auch, die mich ja nicht sehr aus den Socken reißt und eigentlich überhaupt nicht interessiert, den Alfred, die Schwiegermutter und sicher viele andere schon und das nächste Wandertreffen, das diesmal eine Woche vor dem Volksstimmefest stattfindet, wird auch schon geplant.