Es ist soweit. Das “Literaturgeflüster” geht ins siebente Jahr, ins verflixte, sozusagen, aber ich denke, die Krisen sind vorbei und der Blog hat sich seit jenem 3. Juli 2008, wo ich vom “Bachmannlesen” oder zuhören inspiriert, der Wettbewerb fand damals noch in der letzten Juniwoche statt, den Alfred fragte, ob ich meine litarische Meinung auch bloggen könne?
Damals haben mich ja Christiane Zintzen und Hella Streicher, die zwischen den Lesungen ihre Meinungen verlautbarten und das “Bachmann-Kolloquium” nannten, sehr beeindruckt.
“Sicher!”, hat der Alfred wahrscheinlich gesagt und ich habe losgeschrieben. Bin inzwischen länger und länger geworden und sehr ausführlich.
Gibts inzwischen schon an die tausendachthundertachtzig Einträge, in meiner vielleicht etwas unverständlichen Schachtelsätzeart, in meiner Rechtschreibung, meiner Ästhetik und meinen Meinungen, über 220.000 Aufrufen, 954 Kommentaren, wovon die Hälfte circa von mir stammen und inzwischen mehrmals als täglich einen Artikel, weil ich schon soviele Bücher auf meiner Leseliste habe, die offenen Bücherschränke, die es inzwischen ebenfalls gibt, machen es möglich und ich schreibe auch sehr viel und gehe sehr oft und sehr regelmäßig zu literarischen Veranstaltungen.
Das habe ich zwar schon immer, sprich seit dreißig bis vierzig Jahren wahrscheinlich getan und da sich dabei fast zwangläufig ein enormes Wissen ansammelt, finde es es sehr schön, daß es die Möglichkeit des Bloggens, also der Veröffentlichung, gibt.
“Das ist ein enormes Archiv!”, hat erst letzte Woche Herbert J. Wimmer zu mir gesagt, als ich im fragte, ob er die “Gerstl–Artikel” im “Literaturgeflüster-Texte-Buch” schon gelesen hat, andere sagen das anders. Finden Bloggen unnötig, denn wer soll das alles lesen, nicht professionell, dilettantenhaft, etc.
Die alte Diskussion, auf die ich erst 2010 so richtig gestoßen bin, denn vorher war ich ja so naiv, daß ich wahrhaft dachte, alle würden sich über mein Bloggen freuen.
Ob ich dachte, daß ich damit in den Literaturbetrieb hineinkomme, weiß ich eigentlich nicht so genau. Wahrscheinlich schon ein bißchen, denn die Hoffnung stirbt ja zuletzt und wozu “tut man sich das an”, wenn man nicht daran glaubt?
Ich bin natürlich nicht, sondern habe nach wie vor das Gefühl, daß es mir gelingt, im Netz so gut, wie unbemerkt, meine literarischen Ansichten von mir zu geben.
Das heißt zwei Kritikerinnen oder Spamer bzw. Trolle, wie das, glaube ich, so heißt, habe ich im Laufe der Jahre gehabt und anfangs sogar eine kleine treue Fangemeinde, die sich inzwischen verlaufen hat, dafür habe ich eine Handvoll andere, vorwiegend deutsche Bloggerinnen, die mir gelegentlich ein “Gefällt mir” schicken, das heißt der Schriftsteller Wolfgang Schiffer ist seit kurzem auch dabei, Sasa Stanisic hat meinen Blog abonniert, was mich beides sehr freut und von Andreas Pittler habe ich vor kurzem auch ein Mail bekommen, in dem er sich für mein Bloggen bedankt.
In der GAV gab es ja eine Zeitlang ein paar negative Reaktionen und Beschwerden, daß ich zuviel “Ausplaudern” würde und am Anfang habe ich vielleicht auch ein bißchen übertrieben, aber man lernt ja durch Erfahrung und, daß es interessant ist, wer beispielsweise zu welchen Lesungen in die “Alte Schmiede” geht, glaube ich immer noch.
Es hat sich aber Gerhard Jaschke über mein “Geflüsterbuch” sehr begeistert gezeigt und mich mehrmals dafür gelobt und Ilse Kilic gefällt mein Blog, glaube ich, auch und sie hat mich ja sogar einmal eingeladen, ihn im “Amerlinghaus” vorzustellen.
Nun ja, daß sich nicht alle über mein literarisches Engagement begeistert zeigen, ist eigentlich klar und, daß das Bloggen als etwas Negatives beziehungsweise Unprofessionelles gesehen wird, habe ich erst lernen müßen.
Ich denke aber doch, daß es wichtig ist, sein Wissen der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und bin froh, daß es diese Möglichkeit gibt, es muß sie ja niemand nützen, an den Suchanfragen kann ich aber merken, wer sich für was interessiert und wenn ich in der “Alten Schmiede” oder sonstwo jemanden erzähle, daß ich über die oder die Veranstaltung gebloggt habe, sagen die Meisten, daß sie das “Literaturgeflüster” kennen würden.
Wenn man gewisse Namen eingibt, kommt man wahrscheinlich zwangsläufig zu mir und die Bloggerlandschaft ist ja zumindest in Österreich noch immer nicht sehr zahlreich. Da gibt es Christiane Zintzen und ich, die über den Wiener Literaturbetrieb schreiben, viel mehr würde mir da nicht einfallen und das hat mir auch Michael Hammerschmid gesagt, als ihm fragte, ob er wüßte, daß ich über die “Poliversale” berichte.
Was ein bißchen dabei zu kurz kommt, ist mein eigenes Schreiben, das mir wahrscheinlich am Wichtigsten ist, da habe ich das Gefühl, daß das wirklich niemanden interessiert und die deutschen Bücherbloggerinnen sagen das auch sehr offen, wenn ich ganz ganz vorsichtig, auf meine Bücher hinweise. Also auch ein bißchen Frust, nicht so sehr wie im letzten Jahr, als ich von Hans Raimunds Rückmeldung noch ein bißchen groggy war, inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, daß nicht alle wollen, daß da jeder so einfach daherkommt und seine Meinung sagt, aber ganz so unprofessionell bin ich gar nicht, schließlich schreibe ich seit über vierzig Jahren, bin GAV-Mitglied, habe ein paar, wenn auch zugegeben sehr kleine Preise bekommen, ein paar Sendungen in Ö1 gehabt und worauf ich sehr stolz bin, einen Text in der Zeitschrift “Wespennest” 1988, damals habe ich, blöd wie ich bin, dem Alfred Kolleritsch, als er mir wieder einmal einen Text zurückgeschickt hat, geschrieben, daß ich, wenn ich das geschafft habe, es auch noch in die “Manuskripte” schaffen werde! Inzwischen verschicke ich ja nichts mehr, mache meine Bücher selbst, da gibt es ja schon zweiunddreißig und zwei die auf die Druckerei warten, blogge seit sechs Jahren, bin über das mangelnde Feedback, oder die die mir “Das ist jetzt ein bißchen Trottelhaft” oder “Wow so was Schlechtes!”, schreiben, immer noch ein bißchen verzweifelt und die Resignation hält sich auch an oder hat vielleicht sogar zugenommen, trotzdem bin ich stolz auf meinen Blog, der mir sehr wichtig ist, schreibe einsam und entschlossen vor mich hin und freue mich auf das siebente Jahr, das kein verflixtes werden sollte, sondern eines, wo die “Anna” fertig wird und die “Brüderschaft”, ich was Neues schreibe und natürlich wieder zu vielen Veranstaltungen gehe, darüber schreibe und auch dank meiner endlos langen Liste, viele Bücher lesen werde.
Und den Namen der neuen Veza-Canetti-Preisträgerin, habe ich in der Zeitschrift “Volltext”, die mir der Alfred mit den Bachmannteilnehmervorstellungen brachte, auch gefunden, es ist Olga Flor, vielleicht gewinnt sie auch den Bachmannpreis
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Göttin in Gummistiefeln
Ich bin ja in gewisserweise und das wird manche hier erstaunen, ein Sophie Kinsella Fan, zumindest hat mir der Alfred vor Jahren die “Schnppchenjägerin” gebracht, weil er meinte, daß das ein Buch für mich sei und ich fand die beste Beschreibung einer Kaufsucht, die ich je gelesen habe.
Das fanden andere offenbar auch, so wurde es zur Serie, wo ich auch ein paar Bücher gelesen habe und zwei davon habe ich mir von meinem Thalia-Gutschein, den ich von der Bücherei Margareten, als ich da einmal einen Preis gewonnen habe, gekauft.
Nun ja die Serien haben einen Erfolgsdruck und das Vorurteil, das Frauen alles dumm und lustig haben wollen, gibt es wahrscheinlich auch.
So hat mir auch “Kein Kuß unter dieser Nummer” nicht so besonders gefallen und “Göttin in Gummistiefel”, keine Ahnung, wieso das so heißt, denn Gummistiefeln kommen, wenn ich aufgepasst habe, in dem Buch nicht besonders vor, “Hausschürzchen” würde besser passen, habe ich im Schrank gefunden und jetzt erst gelesen, weil es auf der 2014-Liste war und ich bin wieder begeistert und hoffe, das keine Serie daraus wird, aber das Buch ist schon 2006 erschienen und ich kann wieder schreiben von ein paar Übertreibungen, die offenbar sein müßen, abgesehen, ist das die beste Beschreibung einer “Workoholic”ist, die ich je gelesen habe.
Es geht um den Sinn des Lebens, steht am Buchrücken, das vielleicht auch, vor allem geht es aber darum, wie Streß einen kaputt machen kann, wenn man nicht aufpasst und davon bekommen wir in unserer heutigen schönen Arbeitsweilt ja sehr viel mit und Sophie Kinsella, die einmal Journalistin war, hat das, finde ich sehr gut herausgearbeitet und hervorragend erzählt.
Da ist also Samantha Sweeting, neunundzwanzig und Erfolgsanwältin in Londons erfolgreichster Anwaltskanzlei. Ich weiß nicht wirklich, ob man das mit neunundzwanzig Jahren schon sein kann., Samantha kommt aber aus einer entsprechenden Familie, die Mutter ist Anwältin, der Bruder auch und das Buch beginnt, daß Samantha ehrgeizig und pflichtbewußt, kurz vor ihrem Geburtstag, den Gutschein für eine Schönheitsfarm, den sie von einer Tante vor einem Jahr bekommen hat, einlösen will.
Da muß sie einen Fragebogen ausfüllen, ob sie gestresst sei? Sie doch nicht, hat aber ihren Black Berry eingeschmuggelt, denn in der Schönheitsoase soll man entspannen, relaxen. Eine Erfolgsanwältin kann das aber nicht, die muß immer ihre Gedanken bei ihren Fällen haben und E-Mails tippen und Samantha ist auch sehr in Erwartung, denn es geht das Gerücht herum, sie soll Senior-Partnerin werden.
Am Abend fährt sie in ein Restaurant, um mit ihrer Mutter und dem Bruder Geburtstag zu feiern, die beiden entschuldigen sich aber, zu viel zu tum, schicken die Assistentin mit einem Geschenkskorb oder überweisen Geld. So geht Samantha hungrig in ihr Appartement mit der leeren Küche und bestellt wie immer beim Pizzadienst.
Am nächsten Morgen geht es los.
“Du schaffst es!”, raunt ein Freund, dann entdeckt Samantha ein Memo auf ihren unaufgeräumten Schreibtisch, Gott o Gott, sie hat etwas vermasselt, ein Fehler, ihr erster, ist passiert. Sie hat die Firma um fünfzig Millionen gebracht, die ohnehin die Versicherung zahlt.
Sie flüchtet in Panik, steigt in einen Zug und in einem schmucken Dörfchen wieder aus, klingelt an einem Haus, weil sie Kopfweh hat und wird dort für die Haushälterin gehalten, die sich vorstellen will.
Die Hausherren sind entzückt, endlich jemand der Englisch spricht, stopfen Samantha mit Beruhigungspillen voll, das ist auch köstlich geschildert und als die entdeckt, was man von ihr will, packt sie der Ehrgeiz und sie flunkert den Geigers vor, sie hätte ein Diplom als Cordon Bleu Köchin und wäre bei einem Weltmeister in Lehre gegangen.
Dabei kann sie nicht nur nicht kochen, sondern hat auch keine Ahnung, wie man den Herd aufdreht, etc.
Das führt natürlich zum Deaster, da Samantha in der schicken Uniform, die Brötchen für den ersten Lunch, bei einem Service bestellen muß, dafür knickst sie, weil sie offenbar denkt, für eine Haushälterin gehört sich das so. Das erste Abendessen, Lammkeule und das, was in dem Restaurant auf der Karte stand und Samantha gern gegessen hätte, wird auch vermasselt. Dann nimmt sich Nathaniel, der schöne Gärtner des Hauses ihrer an und schickt sie zu seiner Mutter in die Lehre.
Das Unerwartete passiert, Samantha verliebt sich, findet Geschmack am kochen, lernt es auch schnell und ist entzückt, daß sie ein freies Wochenende haben soll. Das hatte sie seit sieben Jahren nie. Die Geigers sind sehr nett zu ihr und feiern auch ihren Geburtstag nach, dafür erfährt sie, daß man sie in der Firma, für sie sieben Jahre lang geschuftet hatte, einfach von der Website gestrichen hat. Sie erfährt noch mehr. Sie war es gar nicht, die den Fehler machte, der wurde ihr nur untergeschoben, weil sie so einen schlampigen Schreibtisch hatte.
So kommt es, wie es kommen muß, die Firma will sie zurück. Samantha outet sich als Haushälterin und die Presse kommt auf ihre Spur.
“Staranwältin ist das Klo putzen lieber!”, titelt sie genüßlich und die Paparazzis belagern das Haus der Geigers. Dort hat sich inzwischen eine Nichte einquartiert, die für ihr Jus-Examen büffeln will und eine sehr überhebliche und lästige Person ist, die sich von Samantha von hinten nach vorne bedienen lassen will.
“Die wird einmal eine gute Anwältin!”, läßt Sophie Kinsella, Samantha zynisch denken. Die Firma, der man ausbeuterische Methoden unterstellt, will nun Samantha um jeden Preis zurück und die läßt sich auch beschwatzen und in einem Publizityfeldzug, wo sie im schwarzen Kostüm sagen muß, daß ihr doch der Job lieber als die Klobürste ist, nach London zurückbringen.
Als sie aber erfährt, daß sie Nathaniel nicht am wochenende, wie sie dachte, sondern erst zu Weihnachten wiedersehen soll, denn dazwischen muß sie nach Shanghai, New York, etc, fliegen, steigt sie aus dem Zug aus und geht zurück, wahrscheinlich in die Gärtnerei, die sich ihr Liebster aufbauen wird und nicht zu den Gummistiefeln, an die ich mich ohnehin nicht erinnern kann.
Ich habe aber ein sehr beeindruckendes Buch gelesen, über das man, wenn man von dem Klamauk, den es darin auch gibt, absieht, wunderbar nachdenken kann und ich fürchte, es ist bei uns ganz genauso, wie im fernen England. Sophie Konsella hat die Wunden der Zeit vorzüglich erkannt und ihren Laptop daraufgelegt.
Briefe in die chinesische Vergangenheit
Von den 2012 verstorbenen Juristen Herbert Rosendorfer, der ein breites literarisches Erbe hinterlassen hat und dessen Schwester ich vor kurzem in der “Geellschaft für Literatur” hörte, habe ich, glaube ich, in den Siebzigerjahren über die sozialistische Zeitschrift “Die Frau” die meine Mutter regelmäßig las, erfahren. Gelesen habe ich, glaube ich nicht sehr viel von ihm, aber Cornelia Travnicek hat ihn einmal auf ihren Blog erwähnt, vielleicht waren es “Die Briefe in die chinesische Vergangenheit”, auf die sie sich bezog, dieses Buch habe ich jedenfalls im Schrank gefunden, nicht viel damit anfangen können, bis mir die Juristin Nora auf unserer Wanderung vor zwei Wochen, die sich darüber wunderte, daß ich die “Anne Frank” noch nicht gelesen hätte, von dem wunderbaren Buch erzählte, wo ein Dichter aus dem China des zehnten Jahrhunderts eine Zeitsprungreise in die Zeit von tausend Jahre später macht und seinem Freund Briefe darüber schreibt. Zufälligerweise, beziehungsweise durch einen Berechnungsfehler, landet er aber nicht im Reich der Mitte des Mao Zsedung, sondern kommt in eine seltsame Stadt names Min-chen, das in einem Land namens Ba-Yan liegt.
Ja, Herbert Rosendorfer, der um das Buch zu schreiben, einiges an chinesischen Büchern las und diesbezügliche Studien betrieb, machte es seinen Lesern, beziehungsweise mir recht schwer, denn ich habe seine Übersetzungen nicht immer ganz verstanden. Bei manchen hat er sich, wie beispielsweise bei dem Wort Schi, das auf Chinesisch “Leichnam” heißt, auch einen Spaß gemacht und “Geschafthuber” sorgt auch für einge Verwirrungen.
Der Mandarin landet jedenfalls in München der Achtzigerjahre, es gibt noch eine Fortsetzung, die dann nach der Wende spielt, ist verwirrt über die Steinstraßen die “A-taos” und die Großnasen, die sehr häßlich sind, überall, wie wild herumrennen und so etwas wie einen “An-tsu” tragen, so daß man Frauen von Männern nicht gleich unterscheiden kann.
Er wird zuerst verhaftet, landet dann bei einem Gelehrten namens Herrn Schi-shmi, der ihn die Sprache lehrt und in die westlichen Gewohnheiten einführt.
Daß man in Bayern keine Hunde ißt, betrübt den Manderin und Vorsitzenden der Dichtergilde, wie er immer wieder schreibt, daß die Großnasen Rindsmilch trinken kann er nicht verstehen. Über ihren “Fort-Schritts-Glauben” macht er sich lustig und gerät in dem er die neue Welt erobert, immer wieder in Abenteuer, die Herbert Rosendorfer genüßlich erzählt.
Er geht ins Gericht und Schifahren, das ihm auch nicht gefällt, zieht später in ein “Hong-tel” namens “Vier Jahreszeiten”, glücklicherweise hat er viel Geld mitgenommen, so daß das kein Problem ist und, daß er keinen Paß hat, kann Frau Pao-leng mit der er bald eine Beziehung aufnimmt auch regeln.
Wenn man ein solches Buch schreibt, gerät man wahrscheinlich leicht in Gefahr belehrend zu wirken, beziehungsweise seine Meinungen widerzugeben. Herbert Rosendorfer ist ihr, meiner Meinung nach, auch erlegen, so wenn er zum Beispiel seine Ansichten über den “Irrglauben” von sich gibt, daß alle Menschen gleich sind und man nicht sagen darf, daß einer minderbemittelt ist.
Der Herr Kao-tai aus dem zehnten Jahrhundert, der sich bei allen fünhundertmal verbeugt und etwa “Würdest du, unvergleichliche Ladenbesitzerin, sonne des Stadtviertel, die Güte haben, einen halben sheng deines honigduftenden Öls mir unwürdigem Zwerg herazureichen”, sagt, wenn er einkaufen will, hat auch so seine Macken. So ist er nicht treu und fängt gleich ein Techtelmechtel mit zwei Frauen, eben mit jener Pao-leng und dann noch mit einer chinesischen Stewardeß, an.
“Kunststück!”, dachte sich Herbert Rosendorfer vielleicht, die Mandarine der chinesischen Vergangenheit hatten ja mehrere Frauen, Nebenfrauen und Konkubinen, wenn sich die geliebte Shiao-shiao dann auch als Katze entpuppt.
Er ist offenbar auch Jurymitglied eines damaligen Dichterwettbewerbs und so schickt ihm sein Freund, mit dem er über ein Zeitfenster in Verbindung steht, auch die Einreichungen der damaligen Dichterschaft und der ach so Höfliche, ätzt und schimpft. Es wird und wurde viel zu viel geschrieben. Jeder Mensch, ein Dichter, damals wie heute und er muß sich das alles durchlesen. Wwie kommt er dazu, hat er in der neuen Welt, doch so viel anderes zu bestaunen? Er tut es dann doch, wählt schließlich einen Glücklichen aus und als er in eine Buchhandlung geht, ist er sehr froh, daß er diesen Namen nicht in der chinesischen Anthologie findet, die Texte bekannter Chinesen enthält.
Er geht auch in Theater bzw. Oper, sieht dort das “Land des Lächelns” und bekommt gar nicht mit, daß es sich dabei um China handeln soll. Ahnlich geht es ihm bei einem Besuch in einem China-Restaurant. Bezüglich Musik ist er vom Meister “We-to-feng” (Ludwig van) beigeistert und mit den technischen Errungenschaften, wie dem Telefon und dem Fernseher macht er natürlich auch seine Erfahrungen.
Eine spannende Idee könnte man sagen und Anfangs fand ich es auch sehr lustig, ein wenig anstrengend, wie beschrieben, weil ich nicht alle Namen verstand und dann auch etwas belehrend, wenn Herbert Rosendorfer seine Meinungen und Einsichten da über die Leser stülpt und manches, was in den tausend Jahren da geschehen ist, auch nur sehr verkürzt hinübergeben konnte. Beziehungsweise manches auch sehr langatmig klang, wenn Herr Shi-shmi den alten Chinesen in die politischen Veränderungen einführt und, ich hätte, wenn ich ein solches Buch geschrieben hätte, mich wahrscheinlich auch auf anderes bezogen. So hätte ich wahrscheinlich mehr die politischen Unterschiede herausgearbeitet, aber vielleicht hat Herbert Rosendorfer, das in seinem Fortsetzungsband auch so gemacht.
Ein eigenes Zimmer (mit Ausblick)
Und schon wieder Sprachkunst, die Veranstaltungen im Künstlerhaus habe ich zwar versäumt, hatte ich doch am Freitag meine eigene Lesung im “Werkl im Goethehof” und am Samstag bin ich mit dem Alfred auf den Karlsplatz gegangen und habe mir den Dokumentarfilm zur Reihe “Willkommen in der Wirklichkeit” mit Titel “Abendland”, Europa bei Nacht, wo man sehen konnte, wie Leichen verbrannt wurde, Reden gehalten und die Polizei sowohl trainiert als auch Demonstranten wegträgt, mit dem Alfred angesehen, aber heute gab der Dritte Jahrgang des Instituts seine Abschlußlesung und die Lesungen, beziehungsweise das Studium dort, interessiert mich ja, ich habe es schon geschrieben, obwohl ich sowohl Luis Stabauer als auch Judith Gruber-Rizy versprochen hatte, zu ihren “Textvorstellungen” in die “Alten Schmiede” zu gehen.
Ich bin an sich sehr konsequent im Einhalten meiner Versprechen, wenn sich mein Bauch aber meldet und sagt “Das war nicht das Richtige!”, reagiere ich darauf und entschuldige mich und das “Institut für Sprachkunst” an der “Angewandten” gibt es 2009.
Damals hat sich Cornelia Travnicek um die Aufnahme beworben, wurde als überqualifiziert abgelehnt, Sandra Gugic. wurde genommen, im Internet konnte man die Namen der Studenten finden, die gab es dann noch im zweiten Jahr, nachher nicht mehr.
Beim “Tag der offenen Tür” Anfang 2010 bin ich dann hingegangen und habe Rhea Krcmarova lesen gehört, die jetzt, wie ich in einer Buchhandlung entdeckte, ein Buch herausgebracht hat.
Es gab das Symposium für Sprachkunst, die eingeladenen Gäste, die Studentenlesungen, wo ich, ich schreibe es nochmals JuSophie kennenlernte und mich mit ihr überwarf.
Es gab dann vor zwei Jahren auch das “Fest für Robert Schindel”, der sich als Professor verabschiedete, es gibt die “Jenny” die mir Roland Grenl schickte und die einen Preis gewonnen hat und jetzt eine Menge von Abschlußveranstaltungen und da ich um sechs eine Stunde hatte und die Klientin sich auch verspätete, huschte ich gerade in das Literaturhaus hinein, als Barbara Zwiefelhofer mit ihrer Einleitung zu Ende kam. So habe ich nicht ganz mitbekommen, wie das mit dem Zimmer zu verstehen ist, sie erwähnte aber Virginia Woolf und das bei dieser Lesung die Frauenquote übererfüllt ist und im Text steht etwas von “Möbel umgestellt, aussortiert und den neuen Märkten”.
Ich interpretiere mir das als Abschlußveranstaltung und zum Glück wurden diesmal die Namen auch erwähnt und einige wie Ekatharina Heider kenne ich auch schon, nur hat die nicht gelesen, aber Sophie Zehetmaier und Ina Ricarda Kolck-Thudt habe ich schon gehört und der Special Guest Rick Reuther, der neben mir saß, hat am Donnerstag gelesen.
Es begann dann gleich Ricarda Kolck-Thudt mit Gedichten, Alina Sarkissian folgte mit einem Familientreffen nach einem Begräbnis, wo sich die Protoagonistin wundert, daß es alle beim Leichenschmaus gierig zugreifen, dieses Aha-Erlebnis habe ich auch einmal gehabt und über Begräbnisse schreibe ich auch ganz gern und es hat mich auch gefreut, einen sehr realistischen Text, den man vielleicht ein wenig mit einem Schulaufsatz vergleichen könnte, zu hören. Dann kam Thassilio Hazold mit zwei Stellen aus einem Roman oder vielleicht seiner Abschlußarbeit, “Wenn das gut geht lese ich noch drei Gedichte!”, sagte er etwas flapsig. Es ist gut gegangen und in einer Stelle, kommt eine “Ursulahafte Frau” vor, keine Ahnung was das ist, die etwas suchte und den Protagnonisten dabei um Hilfe bat.
Sophie Zehetmayer hatte durchnumerierte Gedichte zum Thema “Reibung und Rauheit” und Afima Al-Dayaa “Dreizehn Phantasmen” aus wahrscheinlich ebensovielen Nächten, wo sie durch mir durch ihre Sprachschöpfungen auffiel.
“Weil die Straßenbahnen, es ist gepfeffert, von unter Wasser betrachtet sind alle Vögel blau, wenn die Hoffnung baden geht, muß der Handschuh groß sein!”
Und so weiter und so fort, ein wahrscheinlich genauso großes Talent, wie die abwesende Ekatharina Heider, dann gabs eine Pause, wo sich die Studenten über ihre Abschlußarbeiten unterhielten und sich darüber wunderten, daß die Leute nur so kurz gelesen haben.
Es waren wieder fast ausschließend, bis auf eine alte Stammbesucherin, Studenten und Studentinnen da und nach der Pause kam Dominic Ivancic mit den zwei speziellen Gästen, die eine Szene aus seinem Theaterstück lasen, wo es darum ging, daß man sich in Zeiten, wie diesen, keine Kinder leisten könne und sich daher Gedankenübertragungen oder Erinnerungen aus Gehirnen extrahieren lasse. Die von Kindersoldaten und Mißbrauchsopfer sind sehr teuer und daher unbezahlbar, die von den Volksschülern und den Kindergartenkindern viel billiger, dafür aber auch langweiliger.
“Wow!”, kann ich da nur sagen und das galt auch für Anja Braunwieser, die ich auch schon mal hörte, die hatte einen sehr flapsigen Text von einer Socke, die von der Decke baumelt, einem Fotografen, der in Schützengräben liegt und Schamlippen fotografiert und über die verschiedenen Beziehungskrisen und prekären Nöten der Generation ninty, muß man wohl sagen.
Maria Oberrauch hatte einen Reisetext und Laura Wurm, auch die erscheint mir bekannt, ein Stück aus ihrer Abschlußarbeit, wo ein Henry in einen Garten zu einer Maria geht, die mit ihrem Vater dort wohnt, dem das nicht recht ist und der ihn für einen Marcel hält.
Wow, woe, wow, von welchen der Autoren ich was wohl noch hören werde, wer beim Bachmannpreis gewinnt und vielleicht demnächst im Musa liest oder vielleicht sogar einmal “Priessnitz. oder Veza Cannetti Preisträgerin” wird?
Spannend, da zu fantasieren und vielleicht noch einmal die Feststellung, für die daran zweifeln, daß man das Schreiben natürlich lernen muß, früher vor dreißig, vierzig Jahren, hat man es im stillen Kämmerlein, durch das learning by doing gemacht. Dann kamen die Schreibschulen und hier hat man das Feedback und das Interesse der Gleichgesinnten, hat die Begleitung der Gegenwartsautoren, aber Professoren und Tutoren, wie Gustav Ernst, Vladimir Vertlib, etc waren diesmal keine da.
Dann bin ich noch zum Schrank gegangen, habe Laura Lee Shmiths “Palmherzen” ein 2013, im Dumont erschienener Roman gefunden, der auf den Bloggerseiten, vor einem halben oder dreiviertel Jahr großes Aufsehen erregte, während die jetzt schon in den Herbstvorschauen wühlen, von denen ich noch ziemlich unbeleckt bin und vieles, was ich von den Frühlingserscheinungen wollte, nicht bekommen habe, aber ich habe ja keinen Lesenotstand, ganz im Gegenteil und diese Woche durch die “Sommerakademie des Instituts für jüdische Geschichte” und dem Bachmannlesen, das am Donnerstag beginnt, auch besonders viel zu tun.
Sanssouci
“Ein Rätselroman, der fesselt”, schreibt der “Spiegel” über Andreas Maier “Sanssouci”, ein Roman, der 2009 für den Leipziger Buchpreis nominiert war. In der Buchbeschreibung kann man noch “ein radikaler romantischer Roman, der nach der Wahrheit unseres Lebens fragt”, lesen, so hat es Iris Radisch für die “Zeit” formuliert und wenn man zu “Wikipedia” geht, kann man über den 1967 in Bad Nauheim geborenen Schriftsteller, der in Frankfurt Germanistik und Philosophie studierte, von seiner “Thomas Bernhard-Nähe”, lesen, über den er auch dissertierte, das ist mir auch in seinem Roman “Klausen”, den ich als eines der ersten Bücher hier besprochen habe, aufgefallen.
Bei “Sansouci” einem Fund aus dem Bücherschrank, ist das nicht so, ich hab das Buch ebenfalls sehr spannend gefunden, die dramaturgische Anordnung, fehlt mir allerdings ein bißchen, mir scheinen die drei Teile, ein bißchen aneinandergefügt und wahrscheinlich wäre es mehr im klassischen Sinne gewesen, wenn der Anfang erst am Schluß gekommen wäre, fesselnde Charaktäre gibt es aber immerhin und über den Sinn des Lebens läßt sich wahrscheinlich überall nachdenken, ebenso wie satirische Elemente immer einzubauen sind.
Die Deutschen werden es wissen und ich war, glaube ich, auch einmal in Potsdam, noch zu DDR Zeiten, 1985 ist das wahrscheinlich gewesen, da gibt es das berühmte Schloß von Friedrich den Großen, mit dem Park, etc, dann kam die Wende und in dem Buch ein Westdeutscher Regisseur in das Städtchen, um eine Fernsehserie namens “Ostdtadt” zu drehen, in denen er die Bewohner als Statisten auftreten ließ.
Der kam durch einen Unfall ums Leben und so reist seine Nachbarin, eine Frau Anni Schmidt zu Beginn des Buches zum Begräbnis nach Frankfurt. Dort sitzt man im Nibelungenhof bei Kaffee, Bier und Brötchen, die gutmütige Frau bietet einem Kind eines an, die Mutter schreit “Lars, die Frau schiebt Jesus totes Tier hin!”
“Das kann ich doch nicht wissen (das Sie Vegetarier sind)!”, antwortet die und erzählt dann von einem Kind, das Max Hornung offensichtlich hatte und erzählt etwas von einem siebzehnjährigen Mädchen, aber das ist die sehr wenig bekleidete Heike, die mit ihren Zwillingsbruder Arnold auch noch auftaucht.
Außer dem Priester, der die Beerdigungsrede hielt, ist noch ein russischer Mönch anwesend und schon haben wir das (seltsame) Personal für den Roman.
Die Zwillinge prellen dann noch ein wenig Zeche, bevor sie schwarz im Zug zurück nach Potsdam fahren, dort in einem Park beziehungsweise im Haus des Regisseurs schlafen, dort gibt es noch einen Obdachlosen der “Baron” genannt wird und der alles weiß.
Der Mönch Alexej fährt auch nach Potsdam, mietet sich in der othodoxen Kirche ein, beziehungsweise bekommt er dort eine Vertretung, vergißt Beim Bulgaren Gerogrij seine Tasche und das Kaufhaus Karstadt wird in Potsdam auch eröffnet, die Eröffnung der Garnisonskirche, ein Faschistendenkmal, sagen die Gegner, soll auch noch folgen und im zweiten Teil geht es, um die unterirdischen Gänge von Sanssouci, in denen die Jugendlichen ihre Porno und Folterkammern errichtet haben. Ein Kameramann schickt einen russischen Gärtner in das Haus von Hornung, um dort Kameras, Videos und den Laptop herauszubringen, um die Wahrheit zu erfahren, offenbar wurde er von dem Zwillingspaar ermordet und im dritten Teil wird ihm dann gedacht, seine Serie im Filmmuseum wiederholt und im Rathaus gibt es eine private Gedenkveranstaltung, die unter anderen durch die Jugendlichen gesprengt wird.
Der Bulgare Gergorij wird mißbraucht und verführt, hat halluzinatorische Erscheinungen und die vegetarische Fanatikerin Merle Johanssons, die mit dem Regisseur verheiratet war, dadurch einen Unterhaltsanspruch hat, schon wieder schwanger ist und während der kleine Jesus im Waldorfkindergarten ist, der nur Joghurt und Körner zu essen bekommt, sich im budhistischen Zentrum vergnügt, soll von den Zwillingen, den Bulgaren, der von Heike, verführt wurde, ermordet werden.
Das erzählen sie Maja Pospischil, einem Mitglied der Clique, die sich daraufhin entzückt am Demonstrationszug gegen den Wiederaufbau der Garnsisonkirche beteiligt, Polizisten ärgert und am Schluß einen Stoß bekommt, stolpert “und damit endete Majas Perspektive auf die Dinge”, endet auch das Buch.
Der Autor, den ich durch seine Texte im “Volltext” kenne und ein paarmal beim Frankfurtsurfen oder sonstwo begegnete, “dankt dem Deutschen Literaturfonds, der Villa Massimo, dem Herrenhaus Endenkoben und dem Landgasthaus Gebhardshütte in Bullau” auf der letzten Seite noch, was ich interessiert finde und mich frage, was das Landgasthaus wohl zu der Entstehung des Buchs beigetragen hat, ein Aufenthaltsstipendium zum Schreiben oder ein paar Flaschen Bier zu Inspiration?
Noch ein bißchen weiter hinten, hat der Vorleser, die Worte “Chimäre, devot und Salär” in das Buch geschrieben. Was er oder sie wohl damit ausdrücken wollte?
Das Lied von Bernadette
Ich greife bei Büchern nach den bekannten Namen. Franz Werfel, interessant, “Das Lied von Bernadette”, nun ja, nun ja, eigentlich viel weniger, aber von Werfel habe ich vor Jahren aus dem Bücherschrank meiner Eltern “Verdi” gelesen, da bin ich, glaube ich, noch zur Schule gegangen oder war es schon nach der Matura und den “Veruntreuten Himmel” habe ich wahrscheinlich in den Sechzigerjahren mit Anni Rosar in der Hauptrolle, im Fernsehen gesehen.
Das “Kann ich noch an Guglhupf ham!”, habe ich noch im Gedächtnis und das Buch, mit der bekannten Schauspielerin im Cover, vor zwei Jahren im Schrank gefunden, bei der Armenienveranstaltung war ich im Vorjahr im Radiokulturhaus.
Jetzt also das “Lied von Bernadette” an der Reihe, mit einem verschleierten lächelten Mädchen im Cover und keine Ahnung, um was es da eigentlich geht, denn ich bin ja nicht sehr religiös. Dann habe ich das Vorwort gelesen, Franz Werfel mußte mit seiner Frau Alma vor den Nazis nach Frankreich fliehen, dann kamen die nach und er mußte weg, aber die Straßen waren von den Flüchtlingen verstopft. Visen gab es auch nicht, so verschlug es ihm nach Lourdes und dort machte er, der Jude, ein Gelübde, wenn es ihm gelingt, nach Amerika zu entkommen, dann singt er der kleinen Bernadette von Lourdes, ein Lied und hat das Buch dann in Kalifornien 1941 auch sehr schnell hinuntergeschrieben.
Ein Erfolg wurde es auch noch. Ich war aber eher lustlos, als ich das Buch, zufälligerweise nach der Anne Frank, ergriffen habe und die ersten Zeilen haben mich auch nicht euphorisiert. Keine Ahnung worum es darin geht, also nachgegooglet und da gab es den Film zu sehen. Den mit der Anni Rosar gibt es auch und den werde ich mir noch ansehen, denn der “Veruntreute Himmel” kommt ja bald auf meiner Leseliste und der von dem Bauernmädchen, dem i, Februar 1858 in der Grotte von Lourdes, die heilige Jungfrau oder die schöne Dame erschienen ist, war auch sehr interessant.
Ich habe bei Donna Leon vor kurzem die Erfahrung gemacht, daß der Film weit besser, als das Buch, das ich daraufhin gelesen habe, war.
Hier kann ich das nicht sagen, beide waren beeindruckend und ein wenig von einander abweichend, aber der Film hat mich auf das Buch aufmerksam gemacht und das war sehr interessant.
Der Roman, beziehungsweise die Biografie ist, Manon Gropius, der verstorbenen Tochter von Alma Mahler Werfel gewidmet und im Vorwort steht auch etwas von der Wahrheit und der Erfinung.
Nun habe ich von den Geschehnissen in der Lourdes-Grotte von 1858 nicht viel Ahnung.Sie interessieren mich auch nicht und ich bin zweimal zu Fuß nach Mariazell gegangen, weil ich gern spazierengehe und in Tschenstochau waren wir auch zweimal auf der Durchreise nach Polen, beziehungsweise den baltischen Staaten und Lourdes, ja das ist etwas mit einem Hirtenmädchen, aber viel mehr wußte ich bisher nicht.
Das Hirtenmädchen ist die Müllerstochter Bernadette Soubriou, vierzehn Jahre alt, Kind armer Leute, Asthmakrank und nicht sehr gescheit, so hat die Klosterschwester, die sie unterrichten soll, ihre liebe Mühe mit dem Kind, das von der Dreifaltigkeit keine Ahnung hat.
Am Nachmittag geht sie mit ihrer Schwester und einer Freundin Holz sammeln, da hat sie die Erscheinung, die sie in Verzückung versetzt. Eine schöne Dame in einem weißen Kleid mit Rosen an den Füßen erscheint ihr, und bittet sie fünfzehn Tage lang wieder zu kommen und das löst in dem kleinen Städtchen sehr viel aus.
Zuerst verbietet Bernadette den beiden anderen jemanden davon zu erzählen, die halten sich natürlich nicht daran, die Eltern verbieten wieder hinzugehen, Bernadette hält sich nicht daran, die Frauen folgen, dann kommt der Bürgermeister, der Polizist und der Richter, sowie der Pfarrer damit in Berührung und das Wunder oder die Ereignisse beginnen.
Zuerst verbietets die Mutter hinzugehen, dann erlaubt sie es wieder, eine reiche Dame glaubt, ihre verstorbene Tochter ist die Erscheinung und lädt Bernadette ein in ihr Haus zu ziehen, gibt ihr auch das weiße Kleid ihrer Tochter, Bernadette zieht es aber aus und tut eigenwillig und stur, das was sie glaubt tun zu müssen, wird psychiatrisch untersucht, die Kirche hält sich zurück, der Bürgermeister beginnt das Wasser untersuchen zu lassen, nach einigen Tagen entspringt die Quelle und der erste, ein Blinder wird geheilt. Ein krankes Kind folgt, die Honoratioren beginnen zu streiten, der Polizist und der Richter versuchen Bernadette zu hindern, aber sie geht stur ihren Weg, die Honoratioren rufen verschiedene Gesetze zu Hilfe und stellen Fallen, der Pfarrer stellt sich an Bernadettes Seite und als das Kind von Kaiser Naopoleon III erkrankt und auch durch das Wasser geheilt wird, wird die Quelle freigegeben. Bernadette, inzwischen erwachsen geworden, muß ins Kloster, wo sie mit fünfunddreißig Jahren an Knochentuberkulose stirbt, für sie war die Heilquelle nicht geeignet, denn “Ich kann Ihnen nicht versprechen, daß Sie in diesem Leben glücklich werden!”, hat sie schöne Dame zu ihr gesagt.
Sie verweigert auch das Wasser von Lourdes zur Heilung anzuwenden und Lourdes ist, wie ich dem Livestream entnehmen konnte, noch immer eine sehr beliebte Pilgerquelle, die Stadt ist durch die Erscheinung zu Wohlstand und Weltruhm gekommen und ich habe, obwohl ich das gar nicht angenommen habe, einen sehr interessanten Roman gelesen und auch ein wenig Zeitgeschichte aufgetankt.
Von Werfel habe ich inzwischen auch noch den “Stern der Ungeborenen” gefunden, der auch auf meiner Leseliste steht.
Selbstgemacht-Dreißig Bücher in fünfzehn Jahren
Unter diesem Motto fand heute meine Lesung im “Werkl im Goethehof” statt, auf das ich aufmerksam wurde, weil wir dort im Vorjahr die “Volksstimmefestanthologie” präsentierten, ich mit Doris Nussbaumer, der Organisatorin in weiterer Folge in Kontakt geblieben bin und wir schon lange eine Lesung planten.
Bei der Krit Lit haben wir dann ein Datum fixiert, der vierzehnte oder der siebenundzwanzigste Juni standen zur Auswahl, am vierzehnten waren wir wandern, heute war aber das Donauinselfest, so daß ich fast befürchtete, ich würde wieder ohne Zuhörer lesen, dann hat sich aber die Ruth angesagt, eine Frau vom Lesetheater war da und noch drei weitere Zuhörerinnen und bezüglich Titel, den Doris Nussbaumer von mir haben wollte, habe ich mich für “Selbstgemacht-Dreißig Bücher in fünfzehn Jahren”, entschieden, wenn ich schon eineinhalb Stunden aus möglichst vielen Sachen lesen sollte, dann könnte es eine Werkschau sein. Obwohl der Titel ja nicht ganz stimmt, weil es inzwischen schon zweiunddreißig erschienene und zwei geplante sind.
Ich habe ihr dann ein paar Bücher angegeben, so daß “Kerstins Achterln”, “Anna kämpft gegen das Vergessen” “Die Brüderschaft” und das “Literaturgeflüster am Programm standen.
Am Montag habe ich mir dann eine Textauswahl zusammengestellt. Am Beginn zur Einleitung den “Jubiläumstext”, dann weil nächste Woche ja in Klagenfurt wieder gelesen wird, den “Wunderbaren Titentraum” aus dem “Literaturgeflüster-Texte-Buch”, dann zwei Szenen aus “Kerstins Achterln”, die von der Hochzeit und die mit dem Eis und nach der Pause stellte ich die “Brüderschaft”, die leider, wie ich eigentlich hoffte, noch nicht fertig geworden ist, die Szene mit dem “Gruftiemäderl”, die einigen Beifall auslöste und dann noch die, wo Barbara ihren Vater sucht “Ene mene muh, draußt bist du, draußt bist du noch lange nicht, mußt erst sagen wer mein Vater ist” und am Schluß gab es noch den Beginn von “Anna kämpft gegen das Vergessen”.
Eine schöne Auswahl um mich und mein literarisches Schaffen in eineinhalb Stunden vorzustellen, dachte ich, bin aber immer irgendwie nervös, daß es zu lang ist und mich die Leute unterbrechen oder unruhig werden, da habe ich ja schon einige Traumen erlebt und bin vielleicht auch nicht sehr selbstsicher, so kann es sein, daß ich zu schnell gelesen habe, ich hatte zwar gar nicht den Eindruck, aber diese Rückmeldung bekommen.
Eine kleine Diskussion gab es auch, Ruth erzählte etwas von der Schreibgruppe, in der ich ja einige Szenen von der “Brüderschaft” als auch eine von der “Anna” begonnen habe und nachher mußte ich natürlich ein bißchen übers Donauinselfest ziehen. Da war ich war das letzte Mal vor circa fünfzehn Jahren dort, weil es mir zu weit ist hin zu gehen oder wir an dem Wochenende vielleicht überhaupt in Harland sind, aber wenn wir schon in der Nähe sind. Der Alfred maulte zwar, es waren ihm zuviele Leute. Der Hans Thessink in den wir bei der Ö1 Bühne ein bisschen hineingehört haben, hat ihm aber doch gefallen und jetzt gibt es bezüglich Lesen eine Sommerpause, bevor es dann aufs Volksstimmefest geht.
Sprachkunstexperimente
Das Semester neigt sich zu Ende und an den literarischen Orten, wie “Alte Schmiede” und “Literaturhaus” stehen Veranstaltungen des Instituts für Sprachkunst am Programm und das ist ja etwas, meine Leser wissen es, das mich sehr interessiert und die ich seit Gründung des Instituts möglichst vollständig besuche.
Eine Sprachkunstveranstaltungsammlung in meinem Blog sozusagen aufbauen, da gibt es schon einiges zu finden und auch einiges darüber zu erzählen, so habe ich mich mit Ju Sophie sozusagen nach der ersten “Studentenlesung” “zerstritten”, bei der zweiten hat mir jemand kommentiert, daß er meine Berichte “trottelig” findet.
Roland Grenl habe ich auf diese Art und Weise kennengelernt und er hat mir die “Jenny” zur Verfügung gestellt, die schließlich und endlich einen Preis bei den schönsten Büchern gewonnen hat.
Die Studentenlesungen scheint es ihrer Groß- und Jahrgangsform nicht mehr zu geben, dafür gab es im Vorjahr eine kleinere Veranstaltung in der “Alten Schmiede” unter der Leitung von Esther Dischereit, wo ich wieder Schwierigkeiten mit den Namen hatte, weil die vieleicht im Programm standen, sich die Studentinnen aber nicht namentlich vorstellten, vielleicht weil sie dachten ihr Studentenpublikum wüßte ohenhin wer ist wer.
Vladimir Vertlib stellte vor einiger Zeit ein paar Studenten beziehungsweise ihre Texte im Republikanischen Club vor und heute wieder eine diesbezügliche Veranstaltung “5 Bilder und 5 Autoren ist X” steht im Programm und “Literatur als Experiment:Versuch, Beweis, Prüfung, eine methodisch angelegte Untersuchung”
Ein wenig kryptisch könnte man meinen und als ich die “Alte Schmiede” erreichte, standen die Studenten schon vor dem Tor, drinnen war es dagegen länger leer, Ferdinand Schmatz der Professor hatte seine Tasche in der dritten Reihe abgestellt, dann füllte sich der Raum allmählich mit den jungen Leuten, Thomas Northoff und ich waren glaube ich, bei den wenigen älteren Zuhörern und Kurt Neumann natürlich, der einleitete, vorstellte und die Namen sagte: Malte Abraham, Rick Reuther, Frank Ruf, Isabel Walter und Saskia Warzecha, vorher rieben sich die Studenten noch an den Händen, wahrscheinlich eine Aufmunterung und Toi toi toi.
Malte Abraham der Intiator, ein wie im Programm steht, 1988 in Hamburg geborener junger Mann mit Haube, die er später auch in einem seiner Texte erwähnte, erklärte etwas zu der Versuchsanordnung.
Da gab es eine Einwegkamera, die sieben Leute in die Hand gedrückt worden wäre, der letzte hat dann fünf Fotos gemacht, die wurden an die Studenten verteilt und die schrieben ihre Texte dazu.
Im Hintergrund gab es zwanzig Bildchen zu sehen und die Lesung, wieder ohne Namenszuordnung, begann. Aber gut, es geht um die Texte und da wurde bald ein Kronleuchter sichtbar, ein weißer Streifen, der eine Neonleuchte sein könnte und ein Bild von oben fotografiert mit einem Mann, der einen Besen oder so was hält und dazu die diesbezüglichen Assoziationen.
Ganz so neu ist die Idee nicht, die Schreibwerkstatt in der “Gesellschaft für Literatur” hat vor kurzem ja auch mit einem Bild gearbeitet und dazu die Autoren vorgestellt. Hier gab es bei den anfangs recht kurzen Texten, Applaus, bis einer sagte “Ich schlage vor ihr klatscht erst am Schluß!”
Dann gab es eine Geschichte von einem jungen Mann zu der Neonröhre, die er “Der Bagger” nannte und ein anderer machte zum selben Bild eine Party draraus, wo es um eine Ellen geht und um einen Linus, auch eine recht spannende Geschichte und die wo man von oben vom Balkon hinunterblickt löste auch recht verschiedene Assoziationen aus. Die neuen Kommunikationsmethoden kamen vor, es wurde viel gegooglet und in andere Welten hineingeswitscht.
Spannend, spannend, spannend und eine Idee, wo ich mir schon dachte, daß ich mir vielleicht zu meinem Sommerschreiben und zu meinen handelnden Personen, die ich schon habe, eine Zeitschrift nehmen könnte und dann losschreiben, vielleicht ergibt sich ein Roman daraus.
Die Studenten hatten in ihrer Experimentierphase eine ähnliche Idee und fünfzig Fotos gemacht, die sie im Zeitschriftensaal auflegten und zum Mitnehmen aufforderten.
Es gibt offenbar noch andere studentische Veranstaltungen, beziehungsweise einen Folder, dem man sie entnehmen kann.
Gestern ging es los im Künstlerhaus, da wurde die “Jenny” vorgestellt und im Künstlerhaus gibt es bis Samstag noch verschiedene andere Veranstaltungen, szenische Lesungen und Gedichtperformances und am Montag gibt es noch etwas im Literaturhaus, zu dem ich entschlossen habe, obwohl in der “Alten Schmiede” gleichzeitig “Textvorstellungen” mit Marlen Schachinger, Luis Stabauer und Judith Gruber-Rizy sind, aber die habe ich ja schon gehört, beziehungsweise ihre Bücher gelesen, während ich bezüglich des Instituts für Sprachkunst und den Studentenlesungen ja sehr neugierig bin.
Spaziergang ins Bezirksmuseum
Oder vom Fünften in den Sechsten könnte dieser Eintrag lauten, denn Susanne Wouk, die sehr engagierte Kulturveranstalterin, hat zu einem musikalischen Spaziergang durch Margareten eingeladen.
“Der festlich musikalische Spaziergang zieht wie eine Prozession durch Margareten. Publikum und Sänger/innen flanieren gemeinsam zwischen den Spielstätten und werden von ausgesuchten Gastronomen werwöhnt”, steht auf dem Programm, das bei dem Fest in Margareten aufgelegen ist und das mir Susanne Wouk sozusagen als Trost angeboten hat, als sie bei der Veranstaltung die Sackerln mit den Materialproben an die bildenden Künstler verteilt hat und ich sie fragte, ob die Literaten nichts bekommen?
“Alle bekommen etwas!”, antwortete mir Susanne Wouk, die sehr innovative, ideenreiche und das Programm war, als ich es mir angesehen habe, auch sehr verlockend.
Zwar hat es am Nachmittag geregnet und tat es immer noch ein bißchen, als ich mit meiner Regenjacke und dem Schirm ausgerüstet, kurz vor fünf ins Gasthaus Horvath bei der Falcostiege aufgebrochen bin. Ich sah die neue Bezirksvorsteherin in einer Ecke lehnen, Susanne Wouk begrüßte mich sehr freundlich und lotste mich ins Lokal, ein Drink wurde vor mich hingestellt, die Sänger Gottfried, Falkenstein Mezzosopran und Bariton, Andreas Hirsch, Bass und Yuko Mitani, Sopran, beratschlagten noch, wo sie singen sollten, das Publikum trödelte langsam ein, dann wurde begrüßt und mit Mozart, ohne Orchesterbegleitung, Arien aus der Zauberflöte begonnen.
Dem Sänger Falco wurde auch gedacht und schon ging es weiter, die Wienzeile entlang, in den sogenannten Ernst-Arnold Park, wo es Operette, “Fledermaus” und “Das Schreiben und das Lesen” aus dem Zigeunerbaron gab, dann noch ein Stück voran, bis zu dem Hotel, wo es die Hans Moser-Tafel gibt, weil der dort offenbar einmal lebte und daneben ist das “Vorwärtshaus” und beim “Osterspaziergang 2009” habe ich dort aus “M M oder die Liebe zur Germanistik” eine Jura Soyfer Passage gelesen und Manfred Loydolt hat die “Reblaus” gesungen, die beiden Sänger taten das jetzt mit den “Wiener Geschichten”, die der Hans Moser offensichtlich auch gesungen hat, ich kam mit einem Teilnehmer ins Gespräch über die Arbeiterzeitung und weiter ging es in die Kirche St. Josef, gleich neben dem Amtshaus gelegen, wo Franz Schubert aufgebahrt wurde.
Der Pfarrer hielt eine Ansprache, erzählte etwas von einer schlechten Predigt seines Vorgängers, die dem Meister nicht gefallen hat und es gab “Am Brunnen vor dem Tore”, “An die Kunst” und das “Ave Maria” zu hören, eine wunderbare Akustiv und eine wunderbare Bandbreite des Repertoires so ganz ohne Aufwand.
Dann in den sogenannten “Scheupark” zwischen Margaretenstraße und Bräuhausgasse, wo Franz Georg Scheu Musiker und Gewerkschafter 1867 die “Arbeiter von Wien” komponierte, das Lied, das mein Vater, schon ziemlich dement, des Abends und des Morgens manchmal vor seiner Wohnungstüre gesungen hat.
Jetzt wurde der Text ausgeteilt, die Bezirksvorsteherin erklärte, daß sie das manchmal vor den Sitzungen singen würde “So flieg du flammende, du rote Fahne” und alle sangen begeistert mit, die nächste und die letzte Station war das Penta-Hotel für mich, wo es Prosecco und anderes zu trinken gab, die Sängerin im “Prater blühen wieder die Bäume” von Robert Stolz zum besten gab und ich mich verabschiedete, denn im Bezirksmuseum Mariahlf lasen die Frauen vom Wiener Lesetheater Berta von Suttners “Die Waffen nieder”.
Da gab es zwar schon vorige Woche eine diesbezügliche Veranstaltung und als ich darüber bloggte, bot mir Andrea Stift an, mir das Buch zu schicken, aber die Lesetheateraufführung organisiert von Traude Korosa war sehr interessant und in dem Bezirksmuseum in der Mollardgasse war es auch sehr voll. Die Frau von der Edition Mocca, die auch die Naschmarktlesungen organisiert, Elfriede Haslehner, Susanne Schneider Hans Hörg Liebscher und bei den Lesenden Judith Gruber-Rizy,Heidi Hagl, Traude Korosa, Hilde Langther,Angelika Raubek und Gabriela Schmoll.
Traude Korosa leitete ein und erzählte etwas von Berta von Suttners Biografie, die am 21. Juni 2014 knapp vor Ausbruch des ersten Weltkrieges gestorben und jetzt in aller Munde ist.
Um die Jahreswende hat mir mein Psychologie Kollege Wolfram Huber erzählt, daß er sich für sie interessiere, jetzt kann man überall von ihr hören, Traude Korosa sagte mir aber, daß sie die einzigen seien, die aus dem Buch lesen würden, das, glaube ich, sogar vergriffen ist und ich kann mich an einen Fernsehfilm vor dreißig oder vierzig Jahren erinnern, wo es um Alfred Nobel und Berta von Suttner ging, wo ich das erste Mal etwas über die Friedensnobelpreisträgerin von 1905 hörte und jetzt die Auszüge aus dem Buch, das ich höchstwahrscheinlich demnächst lesen kann.
Daß es eine Ich-Erzählerin namens Martha gibt, wußte ich schon von der Streeruwitz-Vorlesung, die ist die Tochter eines Generals, wächst mutterlos auf, wird mit Achtzehn verheiratet und ihr Mann fällt, das kleine Söhnchen bleibt zurück, sie beschließt wieder zu heiraten, der zweite Mann ist auch Offizier, sie überredet ihn abzudanken, das kann er aber nicht, weil sie ihr Vermögen verliert, so muß er in die Schlacht von Königsgrätz, wird verwundet, sie fährt ihm nach, sieht die Verwundeten überall liegen und am Schluß kommt auch noch die Cholera in das Schloß, wo sie mit ihren Vater und ihren Geschwistern lebt, fast alle sterben.
Die “Waffen nieder”, war dann der eindrucksvolle Schlußschrei von Gabriela Schnmoll. Wenn man sich dann noch vorstellt, daß ein paar Tage nach ihrem Tod, die Waffen erst recht erhoben wurden und daß der Nobelpreis, der Bestseller und alles andere nichts genutzt haben, ist das erst recht depressiv.
Es gab aber noch sehr viele liebevoll bereitete Brötchen, Wein und Saft und durch das Bezirksmuseum, das auch sehr interessant ist, konnte man auch noch schlendern, jetzt werde ich mir noch ein bißchen die Radiosendung anhören, die es heute auch in Ö1 über Berta von Suttner gab, in der auch Marlene Streeruwitz zu hören ist, mich auf das Buch freuen und der heutige Spaziergang durch die zwei Bezirke, in der ich einen Teil meines Lebens verbrachte und ihre kulturellen Veranstaltungen, ist wirklich interessant. Vor Jahren hat ja auch Bezirksrat Brigitte Steiniger in Margareten einiges aufstellen wollen und durch den Bezirk gehört, wo wir dann auch noch ganz zufällig Jeannie Ebner mit einer Zigarette in der Hand in einem Beserlpark sitzen sahen.
Modeschau
“Im Literaturhaus gibt es eine Modeschau?”, fragte mich unglaublich der Alfred.
“Ja, es gab schon 1999 eine und da warst du dabei und die Laudatio hat die damals noch nicht Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek gehalten?” und Robert Huez lächelte vorige Woche ein wenig verlegen, als er mich fragte, wann ich wieder ins Literaturhaus kommen würde?
“Ja, da gibt es eine Modeschau, obwohl ich mir gar nicht vorstellen kann, wie das gehen wird!”
Ich konnte ein bißchen, denn ich bin ja einmal vor Jahren ins MUSA gegangen, das heißt, ich wollte dorthin, ich glaube, Ilse Aichinger hat gelesen, es war so voll, daß ich und die Elfriede Gerstl nicht hineingekommen sind und ich bin mit ihr in die Kettenbrückengasse gegangen und habe ihr einen Sack Schuhe in ihr Kleiderlager, das sie dort hatte, getragen und ihr erzählt, daß ich ein schwarzes Kleid von meiner Mutter, original aus den Vierzigerjahren des Neunzehnjahrhunderts habe.
“Ich kaufe es dir ab!”, hat sie gesagt. Wenn, dann hätte ich es ihr geschenkt, konnte mich aber von dem schönen Stück, das, glaube ich, in Harland hängt, nicht trennen und hätte es heute anziehen können, wenn ich wegen meiner inzwischen sehr üppigen Oberweite hineinkommen würde. Also ganz normal bekleitet, mit der schwarz weiß gestreiften “H und M Hose”, die mir der Alfred im Jänner kaufte und dem schwarzen Ö1 Leiberl,das ebenfalls von ihm stammt, ins Literaturhaus gegangen, sehr rechtzeitig, denn das es, wenn die bei “Droschl” erschienene Werkausgabe, die immer pünktlich zum Geburtstag im Juni erscheint, sehr voll ist, das habe ich schon vor zwei Jahren in der “Alten Schmiede” und voriges Jahr im Cafe Korb erfahren können. Jetzt also der dritte Teil “Haus und Haut” und den hätte ich beinahe versäumt, denn ich wollte ja so gerne wieder einmal in die “Gesellschaft für Literatur” gehen, wenn dort Cornelius Hell und Katja Gassner Neuerscheinungen empfehlen. Voriges Jahr hat das nicht geklappt, weil der Alfred ins Kino wollte und diesesmal habe ich es mir im Kalender fett angestrichen, die Literaturhausveranstaltung nicht, aber dann bin ich durch Robert Huez vorige Woche darauf aufmerksam geworden und da geht man natürlich hin.
Gehe ich hin, die ich ja mein besonderes persönliches Verhältnis zu der 1932 geborenen kleinen feinen Damen hatte, von der ich noch immer nicht weiß, ob die jetzt eine Rand oder Kultfigur ist?
“Beides!”, hat mir Christa Gürtler voriges Jahr im Literaturhaus bei diesem Germanistensymposium gesagt und ich habe ja meine Elfriede Gerstl Erlebnisse, von der ich, glaube ich, ich weiß nicht, wie, schon in den Siebziger oder Achtzigerjahren wußte. Einmal bin ich an einem Sonntag spazierengeganbgen und habe sie mit ihren Hut in der Wollzeile in der Konditorei Aida getroffen und wußte, wer das war. Hilde Schmölzer hat es nicht gewußt, als sie in ihrem Frauenbuch Elfriede Gerstl nicht erwähnte und ich war noch Assistentin an der zweiten HNO-Klinik Sprachambulanz als ich mir, ich glaube, in der Buchhandlung “Herzog” die “Wiener Mischung” kaufte.
Die ist inzwischen neu aufgelegt und das orange “J.u.V Heftchen” mit den “Berechtigen Fragen” habe ich im Schrank gefunden.
Im “Literaturgeflüstertextebuch” gibt es ein paar Elfriede Gerstl Artikel, deshalb habe ich es Herbert J. Wimmer ihrem Lebensmenschen geschenkt, als der im Dezember im “MUSA” war.
Jetzt habe ich ihm gefragt, ob er die “Gerstl-Artikel” gelesen hatte und als die feine alte Dame in den Osterferien 2009 verstarb und ich bei Cornelia Travnicek nachgooglete, konnte ich dort erfahren, daß FM4 einen Nachruf von ihr wollten, aber auch die Germanistikstudenten hatten damals nicht viel Ahnung.
Das hat sich dank “Droschl” inzwischen geändert und es war auch sehr voll im Literaturhaus, als ich es nach halb sieben erreichte, einen Platz neben den reservierten Plätzen in der zweiten Reihe belegte, mich dann mit Christel Fallenstein, Herbert J. Wimmer und einigen anderen unterhielt.
Elisabeth Reichart war mit einem Hund gekommen, Elisabeth Wäger habe ich gesehen und einige andere, die ich erwartet hätte, waren nicht gekommen, so auch Robert Huez, der leider nicht mehr immer bei den Veranstaltungen anwesend ist und offensichtlich viel verreist, aber die Lunzuers, die damals Elfriede Gerstl zum “Fried Preis” gratulierten, neben mir hatte Traude Veran, eine GAV-Kollegin, die ihre Bücher auch immer in den Bücherschrank stellt, Platz gefunden und sagte “Da war ich dabei!”, als Barbara Zwiefelhofer in ihrer Einleitung, die Modeschau von 1999 erwähnte.
“Ich auch!”, antwortete ich und Barbara Zwiefelhofer erkundigte sich irritiert, was wir schwäzen, ist aber auch dabei gewesen, aber zuerst kam Batya Horn von der Edcition Splitter ans Mikrophon, denn sie hat den “Kleiderflug” als Erstes herausgegeben und auch das Kinderbuch “Die rote Frieda”.
Dann erschiennen Christa Gürtler und Martin Wedl und erzählten, was in dem dritten Band der Werkausgabe, enthalten wäre.
Die Texte aus dem “Kleiderflug”, das Kinderbuch, die “Wiener Mischung” und die “Alle Tage Gedichte” denke ich und die junge Autorin Teresa Präauer, die mit Wolf Haas befreundet sein dürfte, zumindest habe ich die beiden einmal im Cafe Raimund gesehen, brachte eine Textauswahl, aber vorher kam noch Herbert W. Wimmer, der Lebensmensch mit seiner Ansichtskartensammlung, die er gemeisam mit Elfriede entwarf und die auch bei “Droschl” erschienen sind. Sie liegen aber immer in der “Alten Schmiede” auf und ich nehme sie immer von dort mit, so daß ich schon eine ganze Sammlung davon habe und leider nicht viel Platz dafür.
Dann kam eine Umbaupause und dann eine Modeschau, einige junge Frauen und auch ein paar Männer präsentierten Badeanzuüge, Abendkleider, Sommerkleider, Unterwäsche aus den Neunzehndreißiger, Vierziger und Fünfzigerjahren und die Erbin der Sammlung, die sich auch in die alte Stücke hüllte, erzählte was dazu.
Ein paar Leute im Publikum hatten sich, glaube ich, auch in die alten Stücke gekleidet, so war es sehr lustig und sehr informativ und ich grübele immer noch an der Frage, war die Elfriede, die einmal bei meinem Geburtstagsfest gelesen hat, mit mir einige Bücher tauschte und mich auch zu dem großen Wespennestverlagsfest mitgenommen hat, weil ich keine Einladungskarte hatte, eine Rand oder eine Kultfigur?
“In Deutschland kenne man sie nicht!”, erklärte mir Christel Fallenhstein und so schreibe ich diesen Artikel besonders sorgfältig, weiß ich ja, daß ich einige deutsche Leser habe, die vieleicht eine interessante Begegnung machen können und freue mich auf die Werkausgabe vier, fünf, etc und Elfriede Gerstl auf Hebräisch hat es auch schon gegeben, also ist das Abendland noch nicht verloren und die jungen Leute, wie Teresa Präauer, etc, machen auch ihre eigene Erfahrung mit der grande Dame und dem Wiener Original mit den schönen alten Hüten und als es 2000 im Sinne der Schwarz Blau Regierungskrise ein Benefizfest im Literaturhaus mit einer Versteigerung gab, hat die alte Dame einen Hut zur Verfügung gestellt, Wolf Haas, der heute auch im Publikuim war, hat ihn ersteigert und so schließt sich der Kreis.

