Der fünfte Bezirk ist mit seiner Kulturpolitik sehr rührend, obwohl ich unter dem letzten Bezirksvorsteher auch schlechte Erfahrungen gemacht habe, meine nicht stattgefundene Lesung in den frühen Zweitausenderjahren in der Pannaschgasse und die Tatsache, daß ich dem Herrn Bezirksvorsteher, bei der zweiten Margareten Art möglicherweise zu lange gelesen habe und er mich dann nicht mehr zu der Veranstaltung einlud.
Aber inzwischen gibt es eine neue Bezirksvorsteherin und auch eine sehr engagierte Kulturmanagerin, die sogar schon beim Lesetheater und beim Wiener Katzenfasching zwar, zwar nicht bei dem, wo ich gelesen habe, aber doch und jetzt haben sie die Künstler, die beim Margaretner Fest gelesen haben zu einem “Together” zu Sekt, Wein und Brötchen ins Bezirksamt eingeladen, da gab es zwar schon etwas vor Jahren, wo mich die Frau Bezirksrat Steininger in ihre Kartei aufgenommen hat und ich mich dann ein paarmal mit Frauen und oder Künstler in einer Vinothek beim Bacherplatz getroffen habe und einmal wurde ich aufgefordert Texte zu einem Margaretenbuch zu schicken. Ich habs getan, wurde zur Präsentation ins Schloßquadrat eingeladen, habe selbstbewußt meine drei Belegexemplare verlangt und gesehen, mein Text ist nicht drinnen, dafür gibt es aber die “Fünfer Edition”, die viel später auf Initiative von Harald Pesetas entstanden ist und zu einem Kulturbrunch werde ich auch immer wieder eingeladen, es tut sich also was im Fünften und die Vernetzung ist auch sehr schön, obwohl die Literatur da immer ein bißchen unterpräsentiert ist.
Da gibt es ja die Frau Mayröcker, aber die kommt nicht zu diesen Veranstaltungen und würde wahrscheinlich wohl auch Honorar verlangen, die Julya Rabinovich kommt auch nicht mehr, wohl aber ihre Mutter und die unterhält sich auch immer sehr freundlich mit mir, Die Veronika J. tut das und heute auch eine Musikerin, die beim letzten Fest spielte und, wie sie mir erklärte, öfter mit dem Ferdinand Schmatz auftritt, das ist sehr schön und sehr interessant, es gab ja auch vor dem Sommer einen musikalischen Rundgang, den ich dann im Bezirksmuseum Mariahilf bei der Bertha von Suttner-Lesung des Lesetheaters beendete und im “Rotpunkt” habe ich ja einmal meinen “Novembernebel” vorgestellt, im “Readingroom” habe ich mal gelesen und im “Uhudler”, als der noch von der El Awadalla betrieben wurde.
Jetzt gibt es den “Wortschatz” im fünften, in dem ich zwar schon lange nicht mehr das ultimative gute Buch gefunden habe, aber was ist das?
Cornelia Travniceks “Chucks” höchstwahrscheinlich und die allerletzte Streeruwitz oder die Bücher der Nadine Kegele, aber auf die muß ich wohl noch etwas länger warten. Dafür hat aber heute, als ich hineinschaute, offenbar einer oder eine seine Bibliothek aus den Siebziger Jahren ausgeräumt und ich habe Oriana Fallaci “Brief an ein ungeborenes Kind” darin gefunden und da kann ich mich erinnern, daß ich mir das Buch 1977 als ich gerade von zu Hause aus und in die Otto Bauergasse zog, gerne kaufen wollte, es aber offenbar doch nicht tat, jedenfalls finde ich es nicht in meinem Bibliothekkatalog, ich dürfte es aber inzwischen schon gefunden haben, denn es ist in meinen Bbibliothekskatalog.
Das “Nordkoreanische Reisetagebuch” habe ich aber nicht gefunden, mir dafür damals 1977 aber offenbar ein anderes Rinser-Buch “Geh fort, wenn du kannst”, wie ich mich erinnern kann, gekauft. Inzwischen habe ich schon einiges von der, wie ich fürchte, inzwischen ziemlich vergessenen Dichterin, gefunden und werde es nach und nach auflesen und Anne Goldmann, die ja vorige Woche auf der Shortlist des “Perutz-Preises” stand, habe ich dann in der Pilgramgasse getroffen und weil meine 2014 Leseliste schon so voll ist, daß ich wahrscheinlich nicht alles, was ich lesen wollte, schaffen, werde ich einen Vorgriff machen und eine kleine Auswahl treffen, das heißt, den im Bücherschrank gefundenen “Posamentenhändler”, den “Perutz-Preis” von 2011 vorziehen.
Ansonsten gibt es zu berichten, daß ich wieder ein bißchen Strohwitwe bin, das heißt, zwischen den nicht eingehaltenen Diagnostikterminen, langsam langsam am “Schutzengelchen” herumkorrigiere, da daraufgekommen bin, daß es doch nur zweiunddreißig Szenen sind, da ich auf die Szene elf vergessen habe, während der Alfred mit dem Karli auf der chinesischen Mauer herumspaziert und wieder ein bißchen Schwierigkeiten habe, daß ich im Literaturbetrieb so weit unten, beziehungsweise außerhalb angesiedelt bin, obwohl ich mich ja so bemühe, ich kann es aber nicht ändern, es ist wie es ist und ein bißchen bin ich heute auch mit den anderen zusammengekommen und übermorgen und in den nächsten Wochen wird es auch mit den literarischen Veranstaltungen weitergehen.
Ein neues “Margareten-Buch” -“Mitten im Fünften” – mit “99 Erlebnistips für den fünften Bezirk”, gab es im Bezirksamt auch.
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Wartezimmer Migration
In Wien findet derzeit die “Wienwoche” statt und das scheint eine migrantische Veranstaltung zu sein, die in den zwei Wochen, in denen sie stattfindet, ein eigenes Programmheft hat und eine diese Veranstaltungen fand heute in der “Wien-Biblothek” statt.
“Wiener Warten oder Wien erwarten”, wie erleben Migranten, die Stadt Wien, vorwiegend vor allem über die MA 35, das Migrationsamt, wo man man warten muß, seine erfolgten Deutschkurse vorlegen muß, auch wenn man zufälligerweise Germanistik studiert hat und selber Deutschkurse für Ausländer gibt oder in Österreich in die Schule ging, ist Gesetz und Gesetz und durch die “Wienwoche” gibt es jetzt eine Broschüre mit Interviews und Texte von den literarischen Imigranten wie Dimitrev Dinev oder Julija Rabinowich.
Die Einladung dazu sah auch etwas anders, als die üblichen Wien-Bibliothek Programmkarten aus, sehr förmlich mit Name:”Migration im Wartezimmer”, Art der Veranstaltung “Buchpräsentation, Lesung und Diskussion” und ich, die ich ja von der “Wienwoche” nicht viel Ahnung habe, dachte an meine eigene Ungeduld, wie offenbar sehr viele, warte auch ich nicht sehr gerne, deshalb sind mir die Wartezimmer bei meiner Zahnärztin beispielsweise ein Gräuel oder wenn ich auf das Amt muß, um meinen Paß verlängern zu lassen, etc, ein anderes Warten scheine ich nicht zu kennen, da bin ich als waschechte Wienerin, mit der böhmischen Großmutter, die wohl höchstwahrscheinlich mit einem Paß der K.und K. Monarchie nach Wien gekommen ist, um im Wilhelminenspital in der Küche zu arbeiten und meinen Vater und die Tante Grete in den sogenannten Jubiläumsbauten in Ottakring auf die Welt zu bringen, wohl priveligiert und ein Gang in das Wiener Rathaus ist in der letzten Zeit ein wenig schwierig, denn da finden öfter Feste statt und wenn die FPÖ feiert, gibt es auch Polizeieinsatz, aber die Herren am Eingang waren sehr freundlich, haben gegrüßt und mich nicht behindert, dafür entschuldigte sich dann auch die Mitarbeiterin der Wien-Bibliothek, die eröffnete. Die angekündigte Direktorin war nicht da, auch nicht das übliche Stammpublikum, das ich eigentlich erwartet hatte, dafür sehr viele junge Migranten und der Norbert Leser, der öfter zu Veranstaltungen geht und es sagte die Mitarbeiterin, sie freue sich über die Veranstaltung und es sei auch nicht, wie in einer Zeitung stand, Druck ausgeübt worden, diese zu verhindern, auch die MA 35, die sogar den Leiter schickte, hätte das nicht getan und so wurde sie von Todor Ovicharov moderiert, Aret G. Aleksayan vom ehemaligen Interkulttheater und Olja Alvir lasen Texte, die vor allem aus Interviewes von Migranten bestanden, wie sie das Warten in der Warteschleife der MA 35 erlebten. Nicht sehr gut, oft auch traumatisierend, die Mitarbeiter tranken ständig Kaffee und man saß draußen und spielte Karten.
Eine Wartesituation, die mir zum Glüćk erspart blieb, denn ich warte höchstens alle fünf Jahre, wenn ich meine Patinetenverfügung erneuern will und nehme mir da inzwischen was zum Lesen mit, aber es war interessant den “Wartesaal Migration” oder das “Wien erwarten” aus der Sicht der jungen Ausländer zu erleben, nachher wartete man auf Brot und Wein und die Broschüre und den “Standard” konnte man sich gratis mitnehmen.
Wie schon erwähnt, nicht sehr viele bekannte Gesichter, nur eine Dame, die ich vom “MUSA” kenne und eine andere, die Migranten betreut, freute sich über die Gratisbroschüre und plauderte ein bißchen mit mir.
Ja, das Warten ist wahrscheinlich sowohl für Inländer als auch Ausländer sehr schwierig und die MA 35 wurde von einigen Bewerbern als Projekt für die “Wienwoche” eingereicht.
Zwei Japanromane
Von Leopold Federmair habe ich, glaube ich, das erste Mal über den “Standard” erfahren, beziehungsweise dort einen seiner Artikel gelesen, dann war ich einmal in einer seiner Lesungen in der “Alten Schmiede” und im Literaturhaus als er den Staatspreis für literarische Übersetzungen bekommen hat. Dann hat er auch beim “Bachmannpreis” gelesen und dort die Juroren sehr verwirrt, weil er sie fotografierte.
Der 1975 in ÖO geborene Autor, der Germanistik studierte lange in Argentinien lebte und jetzt in Japan lebt, hat einen neuen Roman geschrieben, der heute in der Hauptbibliothek, moderiert von Ann Cotten vorgestellt wurde.
“Wandlungen des Prinzen Genji” und der Prinz Genji ist ein vor tausend Jahren von einer Hofdame in Japan geschriebener Roman, der das Leben eines polygamen Prinzen in Kyoto schildert, der die Frauen, die Kirschenblüte und die Mondnächte studiert und Leopold Federmair dürfte an ihm die japanische Kultur studiert haben, beziehungsweise schildert er in seinem Roman die Lektüreerfahrung und schreibt in sechzig Kapitel von einem in Japan lebenden Ich, das ein Kind und eine Geliebte hat und sozusagen Roman lesend durch Hiroshima oder woanders zieht, die Wandlungen haben etwas mit Wandeln zu tun, aber auch mit Veränderung, sprich Transformation und da hat sich Japan in den letzten tausend Jahren wahrscheinlich sehr viel verändert.
Die Kirschenblüten gibt es zwar noch, aber die Welt ist wahrscheinlich nicht mehr so erotisch und polygamhierarchisch, die Japaner haben kaum mehr Kinder, sind von der amerikanischen Kultur überschwemmt und haben einen großen Leistungsdruck.
Jetzt habe ich in die japanischen Literatur natürlich viel viel weniger Einblick als Leopold Federmaier, der schon, wie er sagte, zwölf, dreizehn Jahre dort lebt, ich war 1991 gerademal elf Tage dort und ein oder zwei in Kyoto, da ist mir die Struktur der Stadt, wie Leopold Federmair sie geschildert hat, nicht aufgefallen von der erotischen Literatur der Hofdame Murasaki habe ich noch nie etwas gehört und das. was Ann Cotten aus dem Originaltext las, erinnerte mich eher an den Don Giovanni, der Vergleich ist auch gefallen und als Frau, stehe ich der männlichen Polygamie ohnehin sehr skeptisch gegenüber, noch dazu in einer Kultur, wo es als Schande gilt, wenn die Frauen gebildeter als die Männer sind und sich dafür entschuldigen müssen, wenn sie sich zulange mit Politik beschäftigen, wie es die Hofdame Murasaki tat.
Auch sonst weiß ich sehr wenig von der japanischen Literatur, habe gerade die Herren Murakami zweimal gelesen und in die Hauptbücherei bin ich gegangen, weil ich nicht zur Eröffnungsveranstaltung in die “Alte Schmiede” wollte, da ich Peter Roseis “Globalisten” schon gelesen habe, aber ich interessiere mich natürlich für Japan und für Leopold Federmair, daß Ann Cotten auch in Japan war und sich in ihrer Literatur damit beschäftigte, habe ich nicht gewußt.
Es begann also mit einer Einleitung beziehungsweise Lesung von Ann Cotten aus dem Originaltext, wo eine Geliebte des Prinzen zu Tode gegekommen ist und der sich mit ihrer Dienerin darüber unterhält, beziehungsweise ihr Kind versorgen will.
Daran knüpfte sich eine Diskussion, wo mir ein bißchen der Kopf schwirrte, weil man sich, um mitzukommen, wahrscheinlich mehr in die japanische Kultur eingelesen haben bzw. länger als elf Tage in Japan gewesen sein sollte.
Aber jeder muß einmal beginnen und vielleicht kommen die Bücher auch einmal zu mir, beziehungsweise ein Bändchen japanischer Lyrik müßte ich auf meiner Leseliste habe und der Prinz hat sich mit seinen Geliebten immer in Gedichten unterhalten, die nach chinesischer Art geschrieben wurden.
Am Schluß las Ann Cotten noch ein solches vor, dazwischen gab es zwei Textstellen aus dem Ferdermarr Buch, das erste ein Essay, wo der Held sich in einem Cafe befindet und über das japanische Leben resumiert, bei der zweiten Textstelle waren sich Anne Cotten und Leopold Federmair länger nicht einig, welches Stück gelesen werden sollte.
Mehrere Vorschläge wurden gemacht und verworfen, schließlich las Leopold Federmayr eines von einem “Zigarettenetui”.
Die Japaner sind viel ordentlicher als die Europäer, sie werfen ihre Zigarettenstummeln nicht einfach auf den Boden, sondern sammeln ihn in einer Dose ein und der Held trifft in diesem Kapitel seine Geliebte, die ebenfalls Murasaki heißt und die hat in ihrem Etui immer nur eine Zigarette, sie raucht jeden Tag nur eine und erzählt ihm von ihrer Mutter, die sie als Schulmädchen einmal beim Rauchen erwischte, als ob das den Frauen nicht erlaubt wäre und man den Mann um Erlaubnis fragen müßte? Aber auch was die Kultur des Rauchens betrifft, hat sich in den letzten Jahren ja sehr viel verändern.
Jetzt darf man das ja kaum mehr öffentlich, aber das hat Leopold Federmair in seinem Kapitel, wo er bald zu einer Schattenprinzessin, auch eine Geliebte des Prinzen, mit entstellten Gesicht, wechselte, dann etwas von einem “Lob des Schattens” erzählte, das ein Roman sein dürfte, wahrscheinlich nicht gemeint und am Schluß wurde er noch vom Publikum gefragt, warum er sich in seinem Roman mit den Prinzen Genji beschäftige, er hätte ja auch einen anderen Roman als Ausgangspunkt wählen könne und wie er schreiben würde?
Interessante Fragen, die Leopold Federmair auch ausführlich beantwortete, die Dichtkunst der Anne Cotten lobte, was ihr ein wenig peinlich war und dann noch zu Xaver Bayer hinüberschwenkte, ob der sich aber mit japanischer Literatur beschäftigt, ist mir jetzt gar nicht bewußt und ich werde wahrscheinlich nicht so bald zu dem Originalwerk kommen, dazu ist mir der Held wahrscheinlich doch zu frauenbesessen, habe aber noch zwei Bücher von Haruki Murakami auf meiner Leseliste und die japanische Literatur ist sicher sehr interessant.
Die Lebenspraktikanten
“Die Welt steht ihnen offen, sie sind behütet aufgewachsen, gesund ernährt und bestens ausgebildet, mobil, mehrsprachig, ideologisch unverdorben und informationstechnisch auf dem neuesten Stand”, steht im Klappentext von Nikola Richters, 2006 bei “Fischer TB” erschienenen Büchlein “Die Lebenspraktikanten” und das ist ja ein Thema das mich sehr interessiert.
Habe ich ja, 2006 oder 2007 wird das gewesen sein im Literaturhaus eine Veranstaltung “Arm-reich-Grundeinkommen und prekäre Lebensverhältnisse” unter der Diskussion von Martin Potschka mit Ruth Aspöck und Elfriede Haslehner veranstalten wollen, die dann ohne Martin Potschka im Amerlinghaus stattfand und als ich 2007 bei Ruth Aspöcks Donau-Ratkarawane in Linz vorbeikam, habe ich mir beim dortigen “Thalia” Altonio Incorvaias und Alessandro Rimassas “Generation 2000 Euro” kaufen lassen, auf das, bzw. den entsprechenden Blog ich bei den Recherchen gestoßen bin und im “Wilden Rosenwuchs” habe ich auch darüber geschrieben und bei der Veranstaltung ein Kapitel vorgelesen.
Zuerst wurden alle über Fünfigjährigen als zu alt nicht mehr eingestellt, dann untersuchten Unternehmen wie MC Kinsay die Firmen auf ihre Rentabilität und entließen alle überfüßigen Arbeitskräfte und dann kamen die prekären Arbeitsverhältnisse und die lebenslangen Praktikanten, von denen vielleicht auch die jungen Buchhändlerinnen, Literaturwissenschaftlerinnen,etc, die mit ihren Media-Kit-Sets auf den Buchmessen und Verlagen herumlaufen und deren Blogs ich gerne und regelmäßig lese dazu und Anna Lindner, eine Schulkollegin meiner Tochter Anna, die auch Literaturwissenschaften studierte, in Temesvar Lektorin ist und bei Metro inzwischen schon ihr viertes Buch herausbrachte, von denen das letzte letzten Mittwoch bei “Thalia” auf der Mariahilferstraße vorgestellt wurde, gehört vielleicht auch dazu.
Aber zurück zum Buch, das ich vor einiger Zeit im offenen Bücherschrank fand und zu Nikola Richter, die 1976 in Bremen geboren wurde, Germanistik studierte, als Online-Redaktuerin tätig war und jetzt einen Digital-Verlag hat und das vielleicht auch nicht mehr ganz aktuell ist, obwohl das, was sie da über ihre Lebenspraktikanten Nils, Jasmin, Linn, Viktor, Anika, Chris und Guila in abwechselnden Kapiteln, die Namen, wie “Existenzminimum”, “Beziehungsspünge”, “Netzwerke”, “Elterngespräche” oder “Dönerkuchen” tragen, erzählt, die sich alle mehr oder weniger gut kennen und miteinander in Beziehungen oder befreundet sind und in WGs leben, was sie studiert haben, wird oft gar nicht so genau erzählt und auch ihr Alter, sie dürften, etwa um die Dreißig sein, wird so genau nicht angegeben, sehr spannend ist. Sie erzählen von dem schönen neuen Arbeitsleben der neuen Zeit, wo man sich von Praktikum zu Praktikum hantelt und so ist Linn schon Expertin bezüglich Bewerbungsgespräche und gibt ihrer etwas schüchternen Freundin Annika dazu auch Ratschläge, bzw. übt sie mit ihr in Rollenspielen, daß man nicht “Das kann ich nicht!”, sonder “Ich bin neugierig darauf, darin Erfahrungen zu machen!”, sagen soll.
Linn ist mit dem zielstrebigen Viktor befreundet, der ihr rät sich Visitenkarten anzuschaffen, die sie dann den jeweiligen Vorgesetzten immer in die Hand drücken kann. Weil sie nicht recht weiß, was sie in der Spalte Beruf eintragen soll, läßt sie sich sechs verschiedene Varianten drucken und geht damit zu einem Aluminitreffen, spricht auch den Vortragenden an, der sie kurz abfertigt, ihr erklärt, alle Praktikantinnen würden Julia heißen und ihr den Rat gibt am letzten Tag Kuchen und einen guten Schmampus mitzubringen.
Linn bekommt aber auch ein Praktikum, lernt da ihre Vorgängerin Guila kennen, die sich sogar gegen die schlechten Arbeitsbedingungen wehrt, das Arbeitsrecht studiert und zum Generaldirektor geht, um bei der Krankenkassa angemeldet zu werden, sie mag auch Kinder, obwohl die Generation Praktikum kaum in der Lage ist, solche zu bekommen, schwärmt sie trotzdem davon, sie einmal als Tagemutter abwechselnd je einen Tag in der Woche mit den anderen jungen Eltern zu bertreuen, was aber daran scheitert, daß sie eigentlich kein Geschrei verträgt.
Sie kann aber trotzdem gleich üben weil ihr ein befreundetes englisches Ehepaar ihre fünfzehnjährige Tochter in den Herbstferien schickt. Guila bemüht sich sehr, kommt aber mit der Pubertierenden nicht zurecht und hier wirkt das Kapitel auch ein wenig langatmig, denn wahrscheinlich würde keine Dreißigjährige eine Fünfzehnjährige erziehen wollen und vielleicht spricht Emily auch deshalb sowenig, weil sie noch nicht gut genug Deutsch versteht.
Auch das Kapitel mit Chris, der seine Praktika in Neurobi etc macht und dann mit Malaria zurückkommt und die “www.äerztezeitung.de” braucht, wirkt vielleicht ein wenig übertrieben, aber vielleicht kenne ich mich in der Generation Praktikum nicht genug aus, bin ich ja schon darüber und entstamme eher der Generation von Guilas Eltern, die Achtundsechziger sind, es mit ihren Kindern gut meinen, sie mit selbstgemachten Marmeladen und alten Möbeln unterstützen, aber trotzdem der Meinung sind “Wenn man sich nur wirklich bemüht, findet man schon was”, weil sie, als in in der Pädagogischen Hochschule saßen, gleich die Anstellung beim Stadtschulrat im Hörsaal mitgeliefert bekamen.
Es kommt aber trotzdem zu einer Schwangerschaft, Nils und Margarete trauen es sich zu den kleinen Konstantin in die Welt zu setzten und Nils, ein Immigrantenkind ist auch der Innovativste oder Lockerste in der Gruppe, der, obwohl er auch studierte, seine Dissertation sausen läßt, stattdessen Kuchen herstellt, sich einen Marktstand mietet und dort mit Hilfe seiner Freunde große Eröffnung feiert, zu der auch seine Professorin kommt, die ihn zuerst erstaunt ansieht “Was machen Sie denn hier?”, ruft sie erschrocken.
“Sie sollten doch an Ihrer Dissertation arbeiten!”, aber dann doch begeistert und befriedigt mit ein paar Kuchen abzieht.
“Sehr gut! Ich werde Ihre Stammkundin!”, sagt und Nils in seiner Begeisterung schon an den Partyservice denken läßt, den er sich aufbauen wird…
In Zeiten, wie diesen, ein sehr interessantes Buch, obwohl es schon vor acht Jahren geschrieben wurde, das uns über unsere Gesellschaft nachdenken läßt und ein bißchen auch zu Peter Roseis soeben erschienenen “Globalisten” passt.
Poet Night im neuen Ambiente
Die Poet Night ist ja die Veranstaltung des ersten Wiener Lesetheater, wo sich einmal im Jahr die Lesenden zusammentreffen und ihre eigenen Texte lesen, von sechzehn Uhr Nachmittag bis zwei Uhr früh am nächsten Morgen, war es das zu Rolf Schwendter Zeiten, seit 2000 gibt es, glaube ich, diese Veranstaltung, wo sich im sieben bis acht Minuten Takt die Lesungen abwechseln und als ich 2009 darüber blogte, mokierte sich Frau Haidegger, daß sich soviele vielleicht nicht so bekannte Dichter vorlasen, denn ich habe damals, glaube ich, bedauert, daß die Lesung ziemlich unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfindet, aber es gibt eben viel mehr, jeseits der Events und der deutschen Buchpreislisten und ich finde das sehr gut und bleibe auch immer möglichst Nonstop um die verschiedenen Leser und Stile kennenzulernen.
Zum zweiten Mal ohne Rolf Schwendter und seither ist die Veranstaltung auch etwas geschrumpft, ab achtzehn Uhr bis open end, was diesmal halb eins bedeutete. Sechsundvierzig Lesende hat Hahnrei Wolf Käfer, der diesmal mit Andrea Pauli moderierte ausgerechnet und die große Überraschung für mich war auch, das “Siebenstern” sah anders aus.
Auch das Lokal, aber das Extrazimmer, wo die Lesung stattfand, war völlig umgestellt, die Lesebühne vor einem großen Bild auf der Schmalseite, ein roter Stern als Wahrzeichen an der Wand, wo früher mal die Bühne war, ein Kasten, Sitzmöbel, eine Bar, sehr gemütlich, eher wie ein großes Wohnzimmer und Manfred Loydolt begann gleich mit einer Episode aus seinem Leben, einer großen Begegnung, wie ich sie schon bei Anita C. Schaub hörte, nämlich Rolf Schwendter, der Professor, mit der blauen Hose, wurde wieder mal für einen Sandler gehalten, der zu Manfred Loydolt ins Theater kam, aber kein Autogramm wollte, sondern ihn für das Lesetheater engagierte und das Ganze spielt sich auch am Grab beim Begräbnis ab.
Mechthild Podzeit Lütjen erinnerte dann ebenfalls an das Schwendter Begräbnis und Martin Auer erinnerte sich an einen Freund, der einen Unfall hatte und an den Belgrader Platz, im zehnten Bezirk, bei der Heller Zfuckerlabrik, wo im Jahr 1942 oder 43 die Roma und die Sinti abtransportiert wurden, das kam dann noch einmal viel später und es ging in drei Blöcken wieder rund durch die Vielfalt der Literatur, wie auch Andrea Pauli in ihrem Schlußwort erwähnte.
Ein paar Angekündigte fehlten, wie Elfriede Haslehner und Christine Huber, die, wie mir die Ruth erzählte, von ihrer Katze gebissen wurde, die Rizys waren nicht nicht da und auch die Kilics haben nicht gelesen, dafür gab es aber auch neue Gesichter. Christa Kern las glaube ich, ihre Stern Gedichte aus den “Entladungen” und Christa Kempinger Ausschnitte aus einer längeren Arbeit, wo es um ein Kind und wenn ich mich nicht irre, um die Fünfzigerjahre ging.
Axel Karner hatte seine kurzen Kriminalgeschichten und lud mich wieder, wie beim Volksstimmefest, sozusagen zu meiner eigenen Lesung ein, allerdings hat er einen Block früher als ich gelesen und war, als ich drangekommen bin, nicht mehr da.
Traude Korosa hatte einen Essay auf die “Faulheit” in dem sie prächtig über den Kapitalismus drüber fuhr und sich über die große Zahl der Arbeitslosen mokierte. Amir P. Peymsan setzte fort mit der Sozialkritik in starken Worten und las vom Wochenarbeitslauf eines schwarzen Migranten, der vom Aufstehen, Brotessen ohne Butter, übers Putzen, bis von der Polizei kontrolliert werden reicht, Montag bis Freitag, um sich dann am Samstag, bis zum nächsten Montag, wie ein König zu fühlen.
Christoph Vivenz hatte in weiblichen Outfit wieder sehr poetische Gedichte und Monika Schmatzberger machte sich über das Begrabenwerden Gedanken und zeigte, daß das auch sehr belacht werden kann.
“Patchwork” ist eine neue literarische Performance von vier zum Teil Englisch zum Teil deutsprachigen Frauen, Daniela Beuren von der Grauenfruppe war auch dabei, dann kamen Elmar Hanke und Christa Mitaroff und die gedachte wieder Rolf Schwendter beziehungsweise einer Lesetheateraufführung, die sie mit ihm erlebte.
Dine Petrik hatte neue Gedichte und Sylvia Petter, die glaube ich zum ersten Mal, hier auftrat, mir einmal von Christel Fallenstein vorgestellt wurde und im Juni eine Prosakonferenz moderierte, las in Deutsch aus einem Buch. Werner Grüner machte es politisch, Hilde Schmölzer las aus ihrem Trakl Buch, das die möglicherweise inzestiöse Liebe zwischen Georg Trakl und seiner Schwester Margarete schildert, die sich beide umgebracht haben.
Ruth Aspöck gedachte Franz Hütterer, der früher auch bei der Poet Night gelesen hat und Beppo Beyerl stellte wieder seine Sttraße mit den sieben Namen vor.
Im dritten Blog folgten Susanne Schneider und Hans Jörg Liebscher, Susanne Schneider hatte einen Brief und Hans Jörg Liebscher seine sehr poetischen Gedichte, Thomas Northoff brachte glaube ich das Programm, mit dem er auch beim Volksstimmefest großen Beifall ernete, seine Einsatz Gedichte, die eigentlich sehr logisch sind und Hahnrei Wolf Käfer hatte eine Litanei was alles privatisiert werden solle, von der Eheschließung bis zur Privatisierung, dann folgten für mich zwei neue junge Frauen, mit sehr starken Stimmen, Ivana Rauchmann, die das ganz normale Glück mit einem “Bürgerlichkeitskondom” beschrieb, zum bürgerlichen Leben gehört ein Mann zwei Kinder und zwei Autos und wer das nicht hat, ist ein Außenseiter und gehört bekämpft und Sonja Traxler hatte drei Texte, wo es in einem um den Tod und den Selbstmord ging und Richard Weihs brachte natürlich wieder eine Auswahl seiner Wunschgedichte, so ging es dahin bis weit nach Mitternacht, am Schluß sagte Andrea Paula dann den Countdown an.
“Noch sechs, noch fünf noch vier Leser!”, einer davon war Christian Katt, der 2005 an der kurischen Nehrung war und um das Thomas Mann Haus lief und darüber dichtete und ich habe jetzt auf mich vergessen, die ich im zweiten Block an die Reihe kam, diesmal nicht Rolf Schwendter gedachte, sondern das “Gruftiemädel” aus der “Brüderschaft” las und wieder begeistert bin, daß es soviele Leute gibt, die sich mehr oder weniger mit Literatur beschäftigten, auch wenn es ein bißchen schade ist, daß es so abseits passiert, aber nächstes Jahr verabschiedeten sich Andrea Pauli und Hahnrei Wolf Käfer wird es wieder eine Poet Night im September geben und Veranstaltungswohnzimmer war eigentlich auch immer gut gefüllt.
Die Globalisten
Der 1946 geborene Jurist Peter Rosei, der seit 1972 schriftstellerisch tätig ist und den ich einmal für einen experimentellen Autor gehalten habe, hat mit seinen kürzlich bei “Residenz” erschienenen dünnen Roman “Die Globalisten” seine Trilogie über das Wirtschaftsleben beendet.
“Geld” 2011 erschienen war der erste Band, voriges Jahr kam “Madame Stern” heraus, beide Bücher habe ich gelesen und werden jetzt bei mir vermehrt abgefragt.
In den “Globalisten” geht es um eine Satire um den Kunstbetrieb, habe ich kurz nach Erscheinen des Buches im Radio gehört. Auch, wahrscheinlich, aber nicht nur, denn Peter Rosei macht mit seiner Parabel, die er von einem allwissenden Erzähler leicht und locker von oben drüber erzählen läßt “Zu der in Rede stehenden Zeit lebte in der Wiener Vorstadt, in Ottakring draußen…”, einen Rundumschlag über die korrupte Gesellschaft. Macht sich darüber lustig, deutet das an, was wir schon vom Fernsehen, “Täglich alles” und den “Seitenblicken” wissen und läßt, wie in dem Radiointerview ersichtlich wurde, am Ende alles offen.
Das Leben geht weiter und die Globalisten, die von Kocice bis St. Peterburg über Wien und Zürich leben, das heißt herumfliegen, Geschäfte machen, saufen, mit den schönen blonden juwelenumhängten Mädchen ins Bett steigen, lassen sich nicht aufhalten….
“Wer am Ende Strafe und Gerechtigkeit für moralisches Verfehlen erwartet, den werden die “Globalisten” enttäuschen”, lese ich auf der ORF-Seite.
“Auch wortreiches ausuferndes Erzählen ist Peter Roseis Sache nicht. Stattdessen reiht er auf vergnügliche Art kurze Szenen und pointierte Kommentare aneinander. Ein kurzweiliges Erzählvergnügen in zügigen Tempo.”
Dann steht noch etwas von schalen Nachgeschmack der übrig bleibt, natürlich, das Ganze ist nicht lustig, sondern so korrupt, wie die Gesellschaft eben in der wir Leben und von den Verfehlungen, der großen reichen Mafiabosse im fernen Rußland etwa, aus dem Fernsehen oder aus den Kolportageromanen wissen.
Es beginnt aber in Wien und weil Peter Rosei schön altmodisch ist, im Cafe Imperial, wo der geschwätzige Schweizer Geschäftsmann Adolpe Weill einem anderen, im guten Anzug etwas von seiner Kindheit erzählt.
Dann fährt er auf die Mariahilferstraße, nimmt einen Anruf entgegen und erleidet dabei einen Unfall.
Der abgefrackte Dichter, Josef Maria Wassertheurer, der in der “Wiener Vorstadt”, beim Brunnenmarkt am Yppenplatz lebt und sich dort mit “Tippelbrüdern” umgibt, gibt es das wirklich noch, plant indessen ein großes weltumfassendes Werk zu schreiben, begibt sich dann in ein Cafe, wo seine Freundin, die Polin Eva arbeitet, die ihm einen Hunderter fürs Einkaufen gibt, weil sie der Chef schon ausbezahlt hat.
Dann geht es in die Sommerfrische in das schöne Salzkammergut, dort liegt eine schöne Frau in einer Villa nach einer feuchten Party im Bett und ihr Freund, der besoffene Filmproduzent Alfred Wallauschek ist nach Wien gefahren, rutscht beim Aussteigen aus dem Zug am Westbahnhof aus und kommt ins Spital, wo er den Schweizer trifft.
Pläne werden geschmiedet, für ein großes Filmprojekt, Wassertheurer soll das Drehbuch schreiben und fährt dazu mit Eva in die Villa ins Salzkammergut und die Schöne im Bett, eine abgehalfterte Schauspielerin namens Olga soll die Hauptrolle spielen.
Das geht aber nicht ganz so leicht von dannen, hat Wassertheurer doch eine Schaffenskrise, die er nur mit Alkohol bewältigen kann, obwohl Eva nicht mag, wenn er trinkt und der schöne Alfred wirft schöne Blicke auf die schöne Eva…
Indessen steigen in St. Petersburg die Wolken auf, denn das Geld, das eigentlich zu dem Oligarchen Tschernomyrdin von den Deal mit Weill mit seinen Geschäftsmann im Cafe Imperial fließen sollte, ist nicht gekommen, so schickt er seine rechte Hand nach Wien und fährt selbst nach Kosice, um die ungetreuen Geschäftspartner ein wenig zusammenzuschlagen.
Wie das eben im Wirtschaftsleben so ist. Weill fährt unterdessen ins Salzkammergut und danach mit der Schauspielerin Olga nach Paris, Alfred Wallauschek hat die Villa mit Eva verlassen, die, er weil der Vorschuß aus ist, auf den Strich schickt, indessen sitzt Wassertheuerer alleine in der Villa und schreibt und schreibt….
Szenenwechsel oder weiter voran in die Zukunft der Globalisten nämlich in den fünften und sechsten Teil. Da ist Weill Minister geworden undWassertheurer ein Bestsellerautor, Wallauschkek ist aber ein bißchen von der geraden Bahn abgekommen und hat seine Geliebte erdrosselt, weil sie nicht “spurte”, so wird er gerade aus dem Gefängnis entlassen und geht mit einem Kumpanen in Wassertheurers Villa ein wenig einbrachen, denn er hat in der Gefängnisbibliothek von seinen Aufstieg erfahren.
Man sieht Peter Rosei scheut sich vor keinem Klischee uns die Tücken eines gloablisierten Wirtschaftsleben, für das er keine Lösung und keinen moraralischen Zeigefinger hat, aufzuzeigen und wie man beim Lesen merkt, scheint ihm das auch Spaß gemacht zu haben, den übermächtigen Erzähler, der seine Figuren von St. Petersburg nach Bad Aussee, Wien und Zürich und von dort wieder zurück lenkt.
Mir ist ja schon in den früheren Romanen, der leichte etwas altmodische Ton, der an die Fünfzigerjahre erinnern könnte, aufgefallen, spannend auf diese Weise eine Geschichte über das moderne Wirtschaftsleben zu erzählen. Aber die Villen im Salzkammergut, davon habe ich mich erst vor ein paar Wochen überzeugen können, gibt es noch und sie sehen auch ein wenig altmodisch aus, obwohl sich in ihnen vielleicht die mondänen Damen in den Betten räkeln und Peter Rosei, der selbst viel auf Reisen ist, erzählte in dem Interview auch, daß man am Abend in den Hotels, die Globalisten bei einem Gläschen in der Bar sehen kann und wahrscheinlich trifft man dort auch die Damen aus Kosice, Polen oder Weißrußland, die sich der Einsamen bereitwillig erbarmen und mit ihnen in Bett steigen.
Man könnte sich auch ein wenig über das konventionelle Frauenbild Roseis, wo die Frauen schön geschminkt und mit Juwelen, die von ihren jeweiligen Liebhabern stammen, herumlaufen, mokieren, aber vielleicht ist das in den gehobenen Globalistenkrieisen noch immer so, zumindest ist es das Bild, das man in den Fernsehfilmen sieht.
Es ist vielleicht auch etwas schwierig, einen Roman über Korruption vergnüglich zu nennen, aber wir können die Welt wahrscheinlich genausowenig, wie Peter Rosei ändern, höchstens versuchen ein wenig weniger schwarz zu fahren, fairer einzukaufen, keine Steuern zu hinterziehen, etc und dann hat man vielleicht schon etwas getan.
Wieder Schreiben im Cafe Ludwig
Im Mai und im Juni bin ich an den Tagen von Ruth und Roberts Schreibegruppe, glaube ich, in Harland gewesen, so daß die beiden im Mai alleine im Cafe Ludwig gesessen sind und die Themen “Versäumte Gelegenheiten”, “Gewitter” und “Melancholie” brainstormten und dann das erste wählte, im Juni war die Ruth dann ganz allein und hat zum Thema “Religion” glaube ich, nichts geschrieben, dann kam die Sommerpause und heute trafen wir uns wieder zum zwanzigminütigen spontanen Schreiben in der Westbahnstraße.
Die Idee ist ja vor eineinhalb Jahren dem Robert Eglhofer gekommen, weil er gerne in der Gruppe schreibt, ich war zuerst ein wenig skeptisch, konsumiere ich ja nicht gerne, dann habe ich mir aber angewöhnt hinzugehen, wenn ich nicht in Harland bin und nicht gerade eine besonders attraktive literarische Veranstaltung stattfindet, bestelle mir einen Gspritzen und cirka vor einem Jahr habe ich mir angewöhnt, das Thema, das da immer von jeden in die Runde geworfen und schließlich ausgelost wird, wenn gerade angesagt, für eine Szene meines aktuellen Work in Prozess zu verwenden.
So habe ich vorigen September und Oktober zwei Entwürfe für zwei Szenen für die “Brüderschaft” geschrieben und im “März” eine “Anna kämpft gegen das Vergessen Szene”.
Im April warf ich dann das Thema “Kokosnuß” in die Runde und habe dazu frei assoziert und zwischen der Anna und der Brüderschaft, gab es glaube ich noch etwas zum Thema “Irrtum”.
Für mich ist das der persönliche Schreibgewinn, denn ich bin ja eine Viel- und eine Langschreiberin und finde es sehr spannend, wie solche Spontaneinfälle den Schreibprozeß beeinfulußen können.
Dem Robert ist es wichtig in der Gruppe zu schreiben und die Ruth sammelt die Texte immer ein, um sie zu sammeln, da war einmal die Idee einer möglichen Publikation, die sich inzwischen zu einer Veranstaltung umentwickelt hat, die die Ruth bei der GAV-GV einreichen will, um die Gruppe vorzustellen.
Ilse Kilic und Robert Widhalm kommen meistens auch, Doris Kloimstein war ein paar mal da und Peter Cak, eigentlich ein Musiker den Robert Eglhofer mitgebracht hat.
Heute waren wir zu sechst. Robert, Ruth, Peter, Ilse, Fritz und ich. Als Themen sind, glaube ich, “Schule” Herbst” und “Ferien” im Raum geschwebt, wir haben uns für den “Herbst entschieden und ich hatte, da ich ja am “Schutzengelchen” schon wieder korrigiere, vor, mir was erstes für das “Sterbehilfeprojekt” einfallen zu lassen.
Thema war mir da egal, weil ich ja das freie Entwickeln sehr spannend finde, aber der “Herbst”, hat sehr gut gepasst. So ist meine Protagonistin zu einer Lehrerin geworden, die im Schönbrunner Schloßpark in Richtung Gloriette hinaufgeht und gerade von der ihrer Diagnose kommt.
Das Thema Herbst ist ja überhaupt sehr interessant, beziehungsweise wurde das in den Schreibwerkstätten bzw. Schnupperworkshops, wo ich schon war, bei dem von der Evelyne Haas und im Writersstudio jeweils behandelt. Man sammelte zuerst Herbstwörter, suchte sich dann ein paar aus und schrieb jeweils einen Text dazu und in der Schreibschule des Robert Schindel wurde das, habe ich gehört, auch einmal gemacht und alle gesammelten Worte durften dann nicht verwendet werden, um keinen Klischetext zu kreeiren. So unterscheiden sich vielleicht die Profis von den Amateuren, bei den Dialektdichtern ist das, glaube ich so, daß die Profis das Reimbuch verwenden, während sich die Amateure davon distanzieren.
Wir haben aber keine Worte gesammelt und gereimt hat nur die Ilse Kilic “Herbstzeitlose auf kurze Hosen” und das wurde ein sehr spannendes unkonventionelles Gedicht.
Ich habe jetzt den ersten Entwurf für mein neues Projekt und nächsten Samstag ist wieder Schnuppertag im Writersstudio, da werden vielleicht ein paar weitere Entwürfe entstehen.
Im Unterschied zum letzten Jahr werden die aber höchstwahrscheinlich liegen bleiben, bis ich dann im November beim “Nanowrimo” mit dem Schreiben beginne, da ich mit dem Korrigieren des “Schutzengelchens” vermutlich bis zum November brauche, also dann meine Entwürfe zu Tipen anfangen und diesesmal vielleicht nicht so geschummelt habe, wie in den vergangenen zwei Jahren. Mal sehen, ich habe jedenfalls noch sehr viel Korrigierarbeit vor mir, bin ich den Text diese Woche ja eineinhalbmal durchgegangen und habe heute mit dem Szenenkorrigieren begonnen.
Spannend, spannend und die Schreibgruppe ist glaube ich auch sehr gut für mich. Die Ilse Kilic und der Fritz Widhalm sind ja eher experimentelle Schreiber und ich bin die einzige, die da sehr schnell vor sich hinerzählt und die Gruppe für Entwürfe für längere Arbeiten benützt.
Spannend auch, wie sich diese Veranstaltungsidee entwickelt wird, ein Treffen vor der GAV-GV gibt es ja noch und vielleicht auch schon ein Thema, jedenfalls wurde vom Peter schon “Single”, das kann der Beziehungszustand oder die Platte sein, vorgeschlagen, ob ich aber da in Wien und nicht vielleicht in Harland bin, weiß ich noch nicht.
Kunstplatz SVA
Die Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft ist ja die, bei der ich, seit 1997 oder 98, glaube ich, als Freiberuflerin versichert bin und seit Dezember eine Pension beziehe, es ist auch die, wo es die Künstlersozialversicherung gibt und deshalb scheint sie sich besonders verpflichtet zu fühlen.
So gibt oder gab es eine Veranstaltung extra für Künstler, bei der ich 2011 war, einen Tag bevor sie mich beim “Alpha” hinausgeschmissen haben und es gibt auch den “Kunstplatz”, das sind regelmäßige Veranstaltungen, wo eine Vernisage eröffnet wird und eine Lesung etc, stattfindet.
Damals, 2011, lag das Programm auf, eine Einladung ist, glaube ich, zu mir auch einmal in Haus gekommen und ich konnte nicht hingehen. Jetzt lag eine solche im Briefkasten und wenn ich mich nicht irre, war sie nicht persönlich an mich addresiert, sondern an die Bewohner des fünften Bezirkes, eine Einladung zu einer Vernissage von Werken von Christine Stangl und einer Lesung von Thomas Raab letzten Werk “Der Metzger kommt ins Pardies” mit dem er im Vorjahr den “Leo Perutz Preis” gewonnen hat. Nun bin ich kein so besonderer Raab-Fan und habe, muß ich gestehen, auch keinen seiner Krimis gelesen, war aber bei mehreren Lesungen, so daß ich mich durch den Willibald Adrian Metzger durchhörte oder auch nicht, denn Thomas Raab, der ehemalige Lehrer ist ein begnadeter Smalltalker und so erzählt er zwischendurch mehr als er liest, wo er in die Schule ging, wo er mit seinen Kindern auf Urlaub fährt, etc und wenn man nicht aufpasst, merkt man vielleicht gar nicht, daß man von seinen Krimis nicht viel mitgebkommen hat.
Wenn ich mich weiter nicht irre, habe ich einige Male aus “Der Metzger muß nachsitzen” gehört, einmal im Rahmen einer Kriminacht in einem sehr überfüllten Radio-Kulturcafe, ich bin bei der Tür gestanden und habe sie immer für Ein- und Austretende auf und zu gemacht und Thomas Raab fragte “Gibt es wer der kein Handy hat?” und ich habe aufgezeigt.
Nachdem er das dann nochmals tat, ich weiß jetzt gar nicht mehr wo, habe ich ihn bei der letzten Buchwoche im Rathaus 2007 vorher gefragt, ob ich aufzeigen soll, wenn er das fragt und inzwischen sind weitere “Metzgers” entstanden.
“Der Metzger sieht rot”, “Der Metzger geht fremd” “Der Metzger holt den Teufel”, “Der Metzger bricht das Eis” und “Der Metzger kommt ins Paradies”, von denen ich wegen der begnadeten Erzählkunst des Autors jetzt gar nicht so genau weiß, wo und was ich daraus hörte.
2009 war ich jdedenfalls beim “Thalia” auf der Mariahilferstraße, einen Tag nachdem Eva Rossmann dort gelesen hat und ich Elisabeth von “leselustfrust” traf, die mir die gewonnene “Kafka-Schokolade” gab und ich ihr das “Haus”, das sie dann besprochen hat.
Voriges Jahr im Bestattungsmuseum den “Leo Perutz Preis” und jetzt gab es wieder einen sehr redefreudigen Thomas Raab, aber zuerst eröffneten die Herren von der Sozialversicherung und weil ich etwas früher dran war, konnte ich auch das etwas verkrampfte feierliche Gehabe der Chefetage mit den jungen lächelnden Frauen in den Businesskostümen beobachten.
Bei den Lesungen im Literaturhaus und in der “Alten Schmiede” geht es anders zu und ich habe auch niemanden im Publikum gekannt, denn es war keine extra Künstlerveranstaltung sondern eine, die sich an die Bewohner des vierten und fünften Bezirkes wandte, weil sich die SVA ja auf der Wiednerhauptstraße befindet.
Nach der Eröffnung kam eine lächelnde Moderatorin und dann Frau Magister Fröhlich aus Linz, die das Werk der Künsterlin, die eine Autodidaktin ist, vorstellte.
Die Künstlerin war anwesend, wurde aber nicht extra vorgestellt und Thomas Raab führte smalltalkend durch seinen Roman, in dem der Metzher an die Adria, nach Jesolo von seiner Daniela Turkovic entführt wird. Dazwischen gibt es einen Toten in einem Teich und einen telefonierenden Polizisten, ein Hund verschwindet und wird tot aufgefunden und Thomas Raab erzählte auch etwas von den Verkäufern, die ihm am Strand von Bibione nerven, weil sie immer “Billig!”, schreien und ihm ein Handtuch verkaufen wollen und wenn sie nicht aufpassen, entführt werden und dann irgendwo ohne Niere und Leber aufwachen.
Das Leben ist hart und nicht so lustig, wie es die Dame neben mir offenbar empfand, die ständig sehr laut lachte, dann kam noch einmal der stellvertretende Generaldirektor oder ein anderer wichtiger Herr von der SV, erzählte von einem Service, die die Versicherung seit neuesten anbietet und eröffnete das gesunde Buffet.
Brötchen und Obstspieße gab es da und eine burgendländische Weinverkostung und ich müßte jetzt einmal einen der “Metzger” im Schrank finden, damit ich eine Ahnung habe, wie sich das Lesen vom Hören eines Raabs unterscheidet und was den “Alpha” betrifft, zu dem ich schon eine Art Voreinladung bekommen habe, die waren schneller als es mir Christian Jahl gestern erzählte, denn die Shortlist war schon vor zwölf bei www.buecher.at aufzurufen. Zehn Bücher von Autoren, von denen ich einige nicht kenne. Aber Eva Menasse mit ihren “Quasikristallen” ist dabei, was manche wundert, weil sie ja keine Newcomerin mehr ist. Margareta Kinstner mit ihrem “Mittelstadtrauschen”, was ich mir schon dachte und mir vielleicht ganz egoistisch wünsche, daß sie nicht gewinnt, weil ich Buch schon habe. Theodora Bauers “Tante Meri”. was ich ja gerne lesen würde, Daniel Wissers “Weisser Elefant” und und…
Der “Keiper Verlag” hat mir heute auch das neue Buch von Mike Markart geschickt und auf Charles Lewinskys “Kastelau” warte ich immer noch, so daß ich bei einer endlos langen Leseliste keine Zeit habe, mich intensiver in die “Alpha Shortlist” einzulesen.
Kerstin Pistorius von “Atalantes Historien” hat aber wieder einen schönen Artikel darüber geschrieben und ich freue mich auf die Preisverleihung am 10. November, wo es ja keine Schwierigkeiten mehr geben sollte.
Leo Perutz Preis und andere literarische Ereignisse
Die Saison geht wieder los und das merkt man unter anderem, das heute um zehn die Shortlist des dBp bekanntgegeben wurde. Da war ich heuer ganz entspannt, habe aber doch gedacht, daß Michael Köhlmeier, Marlene Streeruwitz, mein Lieblingsbuch, das ich mir jetzt doch zum Geburtstag wünschen muß, Sasa Stanisic, der ja schon in Leipzig gewonnen hat, Lutz Saier, Ulrike Draesner, Thomas Melle, etc daraufstehen würden und dann war ich mit der Auswahl Heinrich Steinfest, Thomas Hettche, Angelika Klüssendorf,Thomas Melle, Gertrud Leutenegger und Lutz Sailer, wirklich sehr erstaunt und hätte das nicht gedacht, aber macht ja nichts, die Jury entscheidet nach ihren Geschmack oder anderen Gesichtspunkten und die Leser entscheiden, was sie lesen und ob einmal was davon auf meine Leseliste kommt, bin ich sehr gespannt und am Abend begann die literarische Saison für mich sozusagen mit der Vergabe des “Leo Perutz Preises”, der heute zum fünften Mal vergeben wurde und zum vierten Mal bin ich dabei und finde diesen österreichischen Krimipreis, der vom Hauptverband des Buchhandels und der Stadt Wien vergeben wird, sehr spannend, obwohl ich Leo Perutz ja nicht für einen Krimiautor halte, aber zugeben muß noch nichts von ihm gelesen zu haben.
Fünf Autoren auf der sogenannten Shortlist, Jürgen Benvenuttis “Schrottplatz blues”, da habe ich “Kolibiri” vor kurzem im Schrank gefunden und einmal war ich bei einer Lesung in der “Alten Schmiede” und in der Krimi Nacht bei “Rund um die Burg” habe ich den Autor auch einmal gehört.
Daß Antoni Fians “Polykrates Syndrom” ein Krimi ist, hat mich auch zuerst überrascht, er stand aber auf der Longlist des dBp und ist nicht auf die Shortlist gekommen, ich habe ihn aber schon bei zwei Lesungen gehört.
Anne Goldmann, die als Bewährungshelferin arbeitet, war schon einmal für den Preis nominiert, ihr aktuelles Buch heißt “Lichtschacht” und Eva Rossmanns “Männerfallen” ihr fünfzehnter Mira Valensky Krimi habe ich gelesen, jetzt gibt es schon einen sechzehnten mit Namen “Alles rot” und der letzte nominierte ist der erste “Perutz-Preisträger” nämlich Stefan Slupetzky mit “Polivka hat einen Traum”.
Da ich etwas früh daran war, konnte ich ein bißchen den Insidergesprächen lauschen und die Küßchen der Prominenz beobachten, denn das ist ein Preis, der in der Szene vergeben wird. Die Buchhändler und die Wichtigen des Literaturbetriebs erscheinen und ich stehe ein bißchen daneben, diesmal war es aber nicht so arg, denn ich konnte Christian Jahl von der Hauptbibliothek nach der Shortlost des “Alpha Literaturpreises” fragen, die morgen um zwölf bekanntgegeben wird. Jemand sagte, er wünsche Eva Rossmann alles Gute und sie antwortete, es gäbe noch so viele andere gute Autoren.
Zwei der Nominierten waren außer ihr noch da und Günter Kaindldorfer, der wieder moderierte, bekannte diesmal, daß er den Namen des Preisträgers schon wisse, sonst hat er immer gesagt, er hätte keine Ahnung, aber zuerst interviewte er die Gemeiderätin Anica Matzka-Dojder, was sie vom Krimi hält, die, wie jedes Jahr erzählte, daß sie welche in den Urlaub nimmt und dann von Eva Rossmanns Qualität zu erzählen anfing, hier unterbrach sie Günter Kaindlsdorfer “Nicht zuviel verraten!”, aber sie wollte nur auf “Unterm Messer” hinweisen, wo es um die Schönheitschirurgie geht und, daß sie daran als Gesundheitspolitikerin besonders interessiert sei.
Dann gab es kurze Lesungen der drei anwesenden Autoren nämlich von Anne Goldmann, Eva Rossmann und Stefan Slupetzky und danach verkündete Erwin Riedesser, daß Eva Rossmann, die auch schon mal nominiert war, die Auserwählte sei, Applaus für sie, danach gab es wieder ein Buffet, im vorigen Jahr, wo die Veranstaltung im Wiener Bestattungsmuseum stattfand, hat das gefehlt, dafür gab es eine Führung, jetzt wieder Brötchen und Wein und Gespräche und da habe ich mich diesmal mit Christian Jahl angeregt über die Shortlist des dBp unterhalten, der auch meinte, daß ich mit der Shortlist des Alphas zufrieden sein würde und Anne Goldmann sprach mich auch an, weil sie sich an mich noch vom letzten Jahr erinnern konnte, dann konnte ich noch den Präsident des Hauptverbandes und Chef des “Czernin Verlages” verraten, daß ich Nadine Kegeles Bücher gerne lesen würde und den “Posamentenhändler”, Leo Perutz Preis von 2011 habe ich auf meiner Leseliste, wenn nicht zuviele Rezensionsexemplare dazwischen kommen, habe ich eine Chance ihn demnächst zu lesen und bin gespannt.
Sonst gab es heute noch einige andere literarische Veranstaltungen, wie die Präsentation der von Gerhard Loibelsberger herausgegebenen Anthologie “Wiener Seele” in der Wien Bibliothek, wo Zdenka Becker, Franzobel, Ekatharina Heider, Cornelia Travnicek, Emily Walton, etc ihre Texte drinnen haben und Anna Lindner, eine Schulkollegin meiner Tochter Anna hat ihr viertes, bei “Metro” erschienenes Buch bei “Thalia auf der Mariahilferstraße vorgestellt. Da ist der Alfred, um es für die Anna zu kaufen und die heurige “Erich Fried Preisträgerin” wurde heute auch bekanntgegeben, es ist Judith Hermann, deren “Nichts als Gesprenster” und “Alice” noch auf meiner Leseliste stehen und von der vor kurzem ein Roman erschien, der auch auf der Longlist vermißt wurde.
Unbarmherziges Glück
Wie sagte schon die Tante Rosa zu dem Helden von Max Blauelichs neuen Roman “Das Leben ist unbarmherzig. Das Glück auch. Das Unglück ist die einzige Barmherzigkeit! Merk dir das Bubchen”.
Es ist ein herrlich altmodischer Roman, der da dem 1952 in Salzburg Geborenen, der bei “Literatur und Kritik” Redakteur war oder ist und mir in dieser Eigenschaft einmal eines meiner Manuskripte zurückschickte, wahrscheinlich, weil es ihm zu wenig hintergründig war, gelungen ist.
Das “Unbarmherzige Glück” ist das aber und hat es, könnte man so sagen, faustdick hinter den Ohren, so daß einer das Gruseln und vielleicht, wenn man genügend hintergründigen Humor besitzt, auch das Lachen kommen könnte.
An Canettis “Blendung”, hat es mich zeitweilig erinnert, einige Passagen an “Angela `s Ashes”, nämlich die, wo das Aufwachsen der Frau Berta in dem rumänischen Städtchen, das Rum holen müssen für den Vater, während der die Mutter prügelt, geschildert werden.
Thomas Bernhard Stimme ist, auch ein paar Mal zu vernehmen und um die “Scherzhauser-Siedlung, wo der ja wohnte oder arbeitete, geht es auch.
Es ist mein erstes Blaeulich-Buch, das mir, da ich ja gerade selber über das Sterben und Sterbehilfe schreiben will und mich das Leben in Altersheimen sehr interessiert, in die Hände gefallen ist, aber bei ihm heißen die Seniorenresidenzen ja Asyle, sehr hintergründig und das Bubchen, der Geschichtenerzähler bzw. Archivar von Frau Bertas Lebenserinnerungen, beginnt diese mit den verkrüppelten Händen, der alten, in Rumänien geborenen Frau, die er kennenlernte, als er seine Tante Rosa in dem Asyl besuchte.
“Lainz schau her!”, könnte man da sagen, aber das ehemalige Versorgungsheim, das später “Geriatriezentrum Wienerwald” hieß, gibt es, glaube ich, ja auch nicht mehr.
Die Geschichte spielt jedenfalls in Salzburg und da hatte die Tante Rosa eine Repassieranstalt, da wurden die Nylons repariert, bis sich das Maschenauffangen nicht mehr lohnte und alles weggeworfen wurde.
Das Bubchen wuchs jedenfalls in ihrem Geschäft auf und wurde im Gegensatz zum Onkel Adi, dem Lebensgefährten der Tante, nicht weggeschickt, wenn die Damen ihre Hüllen fallen ließen…
Die Tante ist jedenfalls gestorben und Bubchen, der ein verkrachter Schriftsteller ist, übernimmt die Aufgabe, Frau Bertas, die an Einsamkeit leidet, Lebensgeschichte aufzuzeichnen.
Dazu quartiert er sich in der “Adlerischen Pension” ein, die mich auch sehr an Canetti erinnerte. Da gibt es die Frau Niederle und den einarmigen Gottlieb, vor allem aber, die schwedischen Hausmädchen Olli und Puppi, die immer die Betten der Zimmerherren aufwärmen, ja die Männer haben eben Phantasien und schreiben auch davon, weil sie zu glauben scheinen, daß die die Leserinnen, die ihre Bücher bevorzugt kaufen oder sich schicken lassen, interessieren und in dem Asyl gibt es den Herrn Giacomuzzi als Pfleger und Karli den Großen, einen ehemaligen Boxer und Giacomuzzi hat hochfliegende Wünsche. Er will nämlich eine Fliegerschule besuchen und so heuert er das Bubchen an, für ihn die Nachtdienste zu übernehmen.
Er verschwindet dann nach und nach und das Bubchen schlupft mehr oder weniger nahtlos in seine Rolle, ärgert sich zwar ein wenig, daß er sein Zimmer in der Pension, wenn er vom Nachtdient zurückkommt, aufgewärmt vorfindet. Beginnt aber genauso gut mit den Tabletten, wie der Pfleger zu hantieren und sie den Asylanten, wenn sie zu unruhig werden in den Mund zu stopfen. Er beginnt sie auch mit Alkohol ruhigzustellen und übt vor dem Spiegel Drohgrimassen und in der Direktion weit oben, werden Wetten abgeschlossen, wer von Asylanten als nächstens voranggehen wird.
Dazu stellt die Sekretärin Christin das Belladonnafläschen vorsorglich bereit und ein hundert Jahre Fest des Asyls wird auch gefeiert. Das wird natürlich, man ahnt es schon, eine Farce und ein Glanzstück des Galgenhumors und Frau Berta, die immer vergesslicher und dementer wird und am Schluß auch noch einen künstlichen Ausgang bekommt, den sie nicht haben will, so daß sie alles mit Kot verschmiert, erzählt dem Bubchen, nach und nach aus ihrem Leben, in dem wirklich nicht sehr viel barmherzig war.
In Rumänien wurde sie geboren, die Mutter wurde bald von dem Vater in den Tod geprügelt, der war ein Trinker und die zweijährige Schwester Mela, weigerte sich von der Muttermilch zu trinken, dafür sagte sie aber zur Stiefmutter “Mama”, was Frau Berta verweigerte, wofür sie auch verprügelt wurde.
Vergewaltigt wurde sie auch recht bald und nach 1945 siedelte sich der Vater mit seinen Kindern in Salzburg an.
Mela kam zu einer Tante in die Schneiderlehre, die sie zur Prostitution verwendete, Frau Berta wurde Putzfrau, aber vorher noch als Pflegekind und deutsches Mädel ausgenützt und öfter vergewaltigt. Das tat dann auch ihr Mann, der eine entsprechende Kriegsvergangenheit hatte und die Schwester, die nach Amerika auswanderte, fand auch dort nicht ihren Frieden, nur ihr Sohn, der von ihrem Ehemann verprügelt wurde, flüchtete sich in den Vietnamkrieg und sandte über dort Berichte in das Asyl, das das Bubchen von einem alten Shakespeare-Forscher, der im Krieg Dolmetscher war, übersetzen läßt.
In dem Asyl gibt es noch andere merkwürdige Bewohner, so zum Beispiel, die die sich über Esparanto oder den wahren Kommunismus streiten. Einen Kegelklub gibt es auch und am Schluß sitzen die ruhiggestellten Veteranen im Aufenthaltsraum und trauern ihren Kriegserlebnissen nach.
Wie schon erwähnt, ein herrlich altmodischer Roman, denn bald werden die, die in den heutigen Seniorenresidenzen ruhiggestellt werden, den Krieg nicht mehr erlebt haben und daher von etwas anderes schwärmen und das Bubchen, das sollte ich noch erwähnen, hat von der Direktion, als der alte Direktor längst schon in einem der Pflegezimmer verschwunden ist, die Zusicherung bekommen, daß er nach dem Ableben der Frau Berta, ihr Stübchen übernehmen kann, denn das Leben und das Sterben geht ja weiter und Barmherzigkeit, das denke ich mir manchmal auch, gibt es nicht sehr viel…






























