Es sind wahrscheinlich die skurrilen Einfälle, die am 1958 in Wels geborenen Autor Dietmar Füssel, der sich auch politisch betätigt, kleine You Tube-Filmchen dreht und auf seiner Homepage über seine Arbeiten Auskunft gibt und einmal pro Monat bei einem Gewinnspiel, einen seiner Texte vergibt, so daß ich auf diese Art und Weise zu den meisten seiner Bücher komme, auffallen und ihn auszeichnen.
So auch bei seinem neuesten Werk, der bei “Arovell” erschienenen Kurzprosa “Pathokanarische Plottensprünge” und wer jetzt wissen möchte, was das bedeutet, sollte auf seine Homepage gehen, wo uns der Bibliothekar und Sportler verrät, daß er selber eigentlich gar nicht weiß, “Was ein Panthokanarier ist, er aber mit Sicherheit einem solchen zuzuordnen sei”.
Wie er zu dem Titel gekommen ist, wird zwar erst im nächsten Rundmail verraten, auf dem Bild am Cover ist er aber kaum zu erkennen und schaut mit geschminkten Augen und geherzten Lippen im gelben Turban durch die Gegend, während er am Buchrücken mit vorgehaltenen Bart zu sehen ist und der Beschreibungstext hat auch nicht viel mit dem Buch zu tun…
Zufrieden oder verwirrt? Ich meine, das gehört zu Füssels schriftstellerischen Markenzeichen und, daß “Panthokanarische Plottensprünge” Kurzgeschichtensammlung bedeutet, verrät er uns immerhin.
Phantastisches Fabulieren, würde ich hinzufügen und so liest es sich auch vergnüglich und außergewöhnlich durch die bizrarren Einfälle des unermüdliche schreibenden Autors, dessen Bücher man auf seiner Homepage nachzählen kann, gerät vom Hundersten ins Tausenste und hat, wenn auch in maßloser Übertreibung und manchmal auch sehr böser Ironie, wenn man fertig ist, doch ein Stück von dieser Welt erfahrren, die ein Realist wahrscheinlich farbloser beschreibt.
Und so geht es schon los mit dem ersten Text, wo sich einer, um seine Probleme zu lösen, unter die “Hundefutterdusche” begibt, spätestens jetzt hat man wahrscheinlich die Skurrilität verstanden, die ich schon von “Rindfleisch” “Diesseits von Eden” oder “Sohn einer Hure” etc kenne.
Weiter geht es mit dem “Flaschenöffner”, da reist einer nach Griechenland, kauft sich als ewiges Souvenier, das ihm beim Biertrinken an die Reise erinnern soll, einen Flaschenöffner, erkennt das “Made in China” schon beim ersten Öffnen und Futsch ist alles Schöne, denn die Reise nach China, die er einmal machte, war furchtbar und jetzt muß er jedesmal an die zahlreichen Unglücke denken, die ihm dort passierten.
Und das Ganze ist Wahrscheinlich eine Satire auf den Kleinbetrug, daß die Souveniers die man sich kauft, nicht im Lande, sondern im Ausland erzeugt wurden.
Weiter geht es mit den “Mißverständnissen”, die entstehen, wenn man harmlos im Dorfwirtshaus sitzt und einer kommt und “Darf ich?” fragt. Bloß nicht nicken ist ein guter Rat, denn sonst kann es passieren, daß man in den Ruf ein Doppelmörder zu sein, kommt und Dorf und Haus verlassen muß.
Im “Niemandsland” hängt einer eine Fahne auf ein Stück unverbautes Land, beginnt ein Haus zu bauen und erklärt sich zur unabhängigen Republik, was, wie man gleich erfahren wird zu erheblichen Schwierigkeiten in den angrenzenden Nachbarstaaten führen wird.
“Autogenes Training” ist auch so eine skurrile Füssel-Geschichte. Da begeht einer ganz zufällig und unschuldig vier Morde an seinen Frauen, kommt ins Hochsicherheitsgefängnis und die Frau des Direktors bietet den armen Mördern zur Entspannung autogenes Training an. Schon wird ein Fluchtplan geschmiedet, der aber genauso skurril mißlingt.
Man sieht die Füsselsche Phantasie macht weite Sprünge, scheut weder Land und Leute und siedelt die Geschichte auch jenseits der oberösterreichischen Dorfidyllen an.
Eine “Verlautbarung für Freiheit und Sicherheit gibt es auch”, die alle Bürgern, die ohne Handy im Auto angetroffen werden oder die, die noch Münztelefone oder Wertkartenhandies benützen, im Sinne der Terrorbekämfpfung unter Strafe stellt und das ist jetzt nur noch ein kleines bißchen skurril, sondern, wie man merken kann, wenn man das aktuelle Weltgeschehen verfolgt, schon fast wirklich und über die Staus, in denen Füssel bei seinen Urlaubs. oder vielleicht auch Lesungsfahrten nach Wien in die “Alte Schmiede” oder “Literaturhaus” steckte, läßt sich auch herrlich fabulieren, in dem man einen “Stauberater erfindet”, der zwar nicht wirklich hilft, aber dafür zehn Euro pro Person kassiert.
Dann gibt es die Geschichte von der blutdurstigen Vampirin, die gerade aus dem Irrenhaus kommt und den Boten des Königs mit einem als Kruzifix getarnten Messer erledigen will, den Knoblauch dazu mußt der Arme auch noch selber essen, man sieht Dietmar Füssel hat seinen “Dracula” gelesen und dreht ihn listig um, eine ebenso bizarre Freimaurer- oder besser Tischler Geschichte gibt es auch, eine von einer Penisverlängerung und einer Entjungferin, alles ein bißchen zynisch oder lustig, wenn der Entjungferer dann nach dem nächsten Wirthaus fragt und viele Morde bzw. ungewöhnliche Enden gibt es in den Plots der neunundvierzig Kurzgeschichten auch, wo die vorletzte damit endet, daß der Autor nach seiner Lesung, den Dreck von den Tomaten und den Eiern, mit denen er beworfen wurde, selber aufwischen muß.
Ist in Wirklichkeit das kann ich bezeugen, weil ich schon bei einigen Füssel-Lesungen war, nicht so schlimm und wer sich jetzt darüber wundert, daß ich die “Panthokanarischen Plottensprünge” schon jetzt bespreche, während der früher erschienene Gedichtband “Menschenfleisch” erst im nächsten Jahr an die Reihe kommt, den kann ich an meine Eigen- oder Notwendigkeit erinnern, Rezensionsexemplare früher als die Gewinne zu lesen, so habe ich noch einige “Füssels” auf meiner Leseliste, während ich die Gedichtbände “Unterwegs” und “Leidenschaft”, sowie “Götter und ihre Fans” schon gelesen habe und ich den, sowohl lyrischen als auch satirschen Autor nur empfehlen kann.
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Meßmers Gedanken
Ein kleines feines Büchlein des großen Meisters Martin Walser “Meßmers Gedanken”, 1985 bei Suhrkamp erschienen, ausgeschieden aus einer städtischen Büchereifiliale, gefunden wahrscheinlich im Grünraum, anläßlich des Osterspazierganges des ersten Wiener Lesetheaters durch den Bezirk Wieden. Und jetzt erst gelesen, wo es ja schon “Meßmers Reisen”, “Meßmers Momente” und sehr sehr viel anderes von dem 1927 in Wasserburg am Bodensee geborenen deutschen Schriftstellers gibt.
Jetzt wo Sigrid Lenz gestorben ist, ist er wohl der größte und bedeutenste neben Günther Grass und einer der mit seinen scharfen Gedanken, das ganze Jahrhundert durchfasste.
Ich höre meistens beim Buchmessen Surfing von ihm, wo er auf dem blauen Sofa sitzt. Da habe ich auch von einem der Meßner Nachfahren gehört und zuletzt vor ein paar Wochen hat mich der siebenundachtzigjährige Mann, der da seine Tagebücher vorstellte, wieder mit seinen scharfen Gedanken und, wie er den Kritikern kontern konnte, beeindruckt.
Er ist ja nicht unumstritten der Dojen der deutschen Literatur. Seine Rede zum deutschen Friedenspreis hat, hörte ich die Gemüter erregt und sein Buch “Tod eines Kritikers”, wo er sich über MRR mokierte und dann die Antisemitismuskeule geschwungen wurde, tat das auch.
Ich habe das Buch und einige andere auch gelesen.
“Ein fliehendes Pferd” “Ein springender Brunnen”, etc, andere stehen noch auf meiner Leseliste und über “Meßmers Gedanken” habe ich etwas von einer vierten Dimensios des autobiografischen Schreiben gelesen. Es sind Aphorismen und sie haben mich ein bißchen wegen ihrer Widersprüchigkeit und ihres Lebensüberdrußes, man könnte auch Kommunikationsschwierigkeiten sagen, verwirrt oder verwundert und manches konnte ich nicht nachvollziehen, auch wenn es schön und geschliffen klingt.
Auf etwas über hundert Seiten viele schöne kurze oder auch längere Sätze bzw. Abschnitte über das Leben. “Tassilio Herbert Messner, der von seinem 54. bis 63 Lebensjahr ruhig in seinem Zimmer sitzt”, etwas das ich schon nicht nachvollziehen kann, das Alter Ego des großen Meisters?
Die Sätze, Abschnitte werden in drei Abteilungen gegliedert, kommentarlos hingeworfen, manchmal steht noch “denkt Messmer dabei.
Manches scheint Banal, wie “Wenn sie vernichten können, vernichten sie” oder “Ich bin gesund bzw. krank”, vieles sehr erhöht und einiges widersprüchlich.
Um den Tod und das Sterben geht es natürlich auch und Scardanlelli, wie sich Hölerlin ja nannte, kommt vor und Rilke und dann die Widersprüchlichkeiten, die Weisheiten aber auch nur Sprödigkeiten sein könnten, die mehrmals kommen.
Auf Seite sechs die Stelle, wo einer, Meßmer, Walser, keinen Besuch haben, möchte, wenn der dann kommt, läßt er ihn bis drei Uhr morgens nicht weg und weint vor Freude, wenn er geht, könnte man das nicht einfacher haben?
Die großen Dichter wahrscheinlich nicht und die Leser erwarten wohl auch diese Widersprüchigkeit, denn “Meßmers Gedanken sind die Gedanken einer dicken Frau. Das weiß er so sicher, daß ihn an Beweisen nichts liegt!”
Die Widersprüchlichkeiten kommen noch öfter, man könnte es wahrscheinlich auch Kommunikationsprobleme nenne, wenn Meßmer, in einem Hotel eigentlich mit Dr. N. frühstücken will, ihm das aber nicht sagt, sondern ihn stattdessen beleidigt und dann alleine am Frühstückstisch verharrt, während sich der N. mit den anderen vergnügt. Geht es nicht einfacher? Natürlich. Aber das Leben ist widersprüchig und kompliziert, wer weiß das besser, als eine Psychologin?
Den Kampf des Menschen gegen sich selbst könnte man interpretieren, des Misantrophen, der vom Leben und den anderen schon längst genug hat, das aber dennoch wie besessen in vielen schönen Sätze beschreibt.
“Er kann nicht so gut kämpfen, wie sein Gegner, weil er gegen das Gute kämpft, sein Gegner aber gegen ihn” oder “Ich nütze euch nichts. Ich erwartet euren Bescheid!” und dann kommt die Erkenntnis “Wahrscheinlich muß man, will man geliebt werden, lieben.”
Ja, natürlich aber das Leben ist kompliziert und widersprüchig, endet mit dem Tod und dem Sterben und vorher kommt der Schmerz mit dem sich Meßner bzw. Martin Walser auch sehr intensiv beschäftigt.
“Ich wohne günstig. Bei kleinen Schmerz.” “Von meinem Schmerz kann ich nicht reden, er ist zu klein. Aber schweigen kann ich von ihm.” “Wenn der Schmerz nachließe, würdest du dann gefälligst glücklich sein? Ja”
Es ist zu bezweifeln, ob das dem Skeptiker gelingt, aber einige wunderschöne Aphorismen, die in einem nachklingen, die man mitnehmen möchte, auch wenn sie nicht sofort eins zu ein logisch scheinen, gibt es natürlich auch.
“Wenn er das nächste Mal stirbt, wird er Kopfhörer aufsetzen und die 3. Symphonie Bruckners laufen lassen. Dadurch könnte sein eigener Tod ein bißchen größer werden, er würde nicht nur mehr ihn angehen. Einem allgemeinen Tod zuhörend, würde er in den eingehen.” oder “Als er soweit war, daß er nur noch die Geräuschfolge beschreiben konnte. Jede andere Erlebnisfähigkeit hatte er eingebüßt”
Eigentlich sehr traurig diese Sätze und weder Meßmer, noch Martin Walser, dem Schreibbesessenen und vielleicht Gedankengeplagten zu wünschen, aber er wird und hat weitergeschrieben. Romane, Tagebücher, Aphorismen, die wir lesen und ein bißchen darüber nachdenken können, was wir mitnehmen oder stehenlassen wollen.
“Wenn ich meine Mütze aufsetze bin ich, denkt Messmer”
Vielleicht sind wir das auch ohne Kopfbedeckung und vielleicht ist das Leben nicht so kompliziert, wie es Meßmer oder Walser scheint, der ja auch geschrieben hat “Ich bin ein Säufer, der nicht trinkt”
Wie bitte soll das gehen?, fragt die Realistin, aber man kann natürlich auch Gedanken trinken und sich an Ideen berauschen und um die Möglichkeit oder Unmöglichkeit Gedichte zu schreiben, geht es irgendwo auch…
Anfangsschwierigkeiten
Es ist der erste November, Allerheiligen, Halloween mit den Verkleideten in den schwarzen Umhängen und den orangen Kürbisköpfen, die lärmend durch die Straßen ziehen und Saures oder Süßes wollen, ist vorbei und der “Nanowrimo” mein vierter, hat begonnen und da gab es Anfangsschwierigkeiten.
Ich habe ja schon geschrieben, daß ich am Dienstag überraschend und problemlos mit dem Korrigeren des Schutzengelchens fertig wurde und ein paar Vorbereitungstage hatte, um mich von dem einen in den anderen Stoff hineinzubegeben.
Nicht vorschreiben und diesmal nicht schummeln, obwohl ich schon ein paar handschriftliche Szenen hatte, die hauptsächlich Veronikas Gang auf die Gloriette und ihre Gedanken nach der Krebsdiagnose betraf.
Am Mittwoch hatte ich über den ganzen Tag verteilt einige Stunden, so daß ich zu einem Recherchegang nicht gekommen bin, ein paar You Tube-Filmchcen über das Sterben und die Sterbenhilfe gingen sich aber aus und die waren sehr interessant, bin ich da ja offenbar in diesen Herbst in eine Sterbehilfediskussion hineingekommen.
Gab es ja doch am blauen Sofa in Frankfurt eine Diskussion mit dem Arzt Uwe Christan Arnold, einem deutschen Sterbehelfer, der ein Buch darüber geschrieben hat und so habe ich mich ein bißchen in die Materie hineingehört, die sehr präsant ist, weil plötzlich 70% der Bevölkerung angeblich eine aktive Sterbehilfe und ein selbstbestimmtes Sterben wollen, ein Thema, das ich bisher für Tabu gehalten habe und das meines Wissen und meiner Meinung nach eigentlich nicht nötig bin.
Am Donnerstag habe ich dann eine Recherchetag gemacht und über die Bücherkästen ins AKH und dann in die Hauptbücherei gezogen. Am Freitag war Weltspartag, da habe ich meinen Bankfreund in seiner neuen Filiale besucht, meine alte in der Margaretenstraße gibt es ja nicht mehr und habe dann meine Diagnostik und Psychotherapiestunden abgerechnet und mich dann weiter im Netz umgehört und umgesehen bis es langsam Abend wurde.
Da war ich im Literaturhaus und als ich nach Hause kam, war eigentlich schon Zeit zum Registrieren. Ich wartete damit auf den Alfred, der war müde und ungehalten, sagte, machen wir das Morgen du kannst ja ohnehin schon schreiben und das begann ich, da die Mitternacht schon vorüber war, dann auch. Aber weil das Rundherum nicht klappte, war ich nervös und mit der ersten Szene, die ich mir am Donnerstag so schön konzipiert hatte, nicht einverstanden.
Daß ich nicht mit dem Gang auf die Gloriette, sondern schon vorher beginnen, also alles neu schreiben würde, hatte ich mir schon vorgenommen.
Es würde in der Klinik mit der Diagnose oder vorher bei einem Kongreß, den die Veronika besucht, beginnen, da bricht sie zusammen und kommt ins AKH schön und gut und wie, die Ärzte ihren Patienten die Diagnose beibringen, das habe ich schon in einem Film gesehen.
Aber dann war ich mit dem, etwa siebenhundert Wörter, die ich schließlich hochgeladen habe, nicht zufrieden, dachte “Schlecht, schlecht, das bist du nicht, du mußt mehr erzählen, du bist einfach müde und blokiert!”
So löschte ich am Morgen, als ich mit dem Badewannenlesen fertig war, das das erstes wieder weg und begann von vorn. Zwei Szenen, die Veronika bei der Tagung über die Zukunft des Buches, die Veronika ist ja Onlinejounalistin und bei Wolfgang Tischer gab es den Hinweis auf eine solche. Dort bricht sie zusammen, kommt ins AKH und Oberarzt Martin Höllerer erzählt ihr etwas von schlechten Leberwerten, überall Metastasen und einem Pankreaskarzinom, das sie in weiterer Folge “Pankreasterl” nennt und das AkH verläßt. Dann fährt sie nach Schönbrunn und steigt auf die Gloriette hinauf und als ich soweit war, wachte der Alfred auf und setzte mir auf mein Siteboard das neue “Nanowrimologo”, so daß man meine statistischen Verläufe schön nachvollziehen kann.
Mein 2009 Novel habe ich jetzt auch eingetragen, da ist die Statistik weg, ist aber im Buch ein bißchen nachzulesen und eine kurze Synopsis geschrieben, mit der ich dann auch nicht einverstanden war. Die schönen Einfälle gestern weg, jetzt sind sie aber wiedergekommen, aber vorerst sind wir in ein indisches Restaurant bei der Volksoper gegangen, ich habe dort “Thali gegessen, Mangolassi getrunken und die Ingrid getroffen und ihr ein bißchen was vom “Nanorrimo” erzählt.
Der Alfred macht sich darüber ja gehörig lustig.
Das kann ein jeder, weil es prüft ja keiner nach, geh lieber in eine Schreibwerkstadt und lies es jemanden vor!”
Aber darum geht es nicht, solche Gruppe gibt es ja, ich bin, denke ich darüber hinaus, habe außerdem eine, in der die Ruth immer sagt, daß sie nicht will, daß ich an meinen Roman dort schreibe und schreibe trotzdem, wenn es passt daran.
Dann sind wir nach Hause gekommen und ich habe weitergeschrieben, die Szene drei bis dahin, wo die Paula, die Tochter, die schwanger ist und mit ihrem Hannes Schwierigkeiten hat, anruft, 5043 Wörter, aber leider kann ich das nicht angeben, auf meiner Statistikseite stehen noch immer 2406, wahrscheinlich weil der Server überlastet sind und sich alle anmelden wollen.
Aber ich habe es geschafft und muß mir jetzt nur noch die Zeit nehmen, trotz Buch-Wien, Geburtstagsfest, etc, regelmäßig und langsam, der Tagesschnitt sind ja 1500 Worte an meinem Roman zu arbeiten, die Handlung ausfeilen. Es kann auch länger werden und ich kann länger brauchen. Es wäre nur schön, am 30. die fünfzigtausend Worte zu haben und bis dahin, wenn es geht und wenn es möglich ist, eine einigermaßen regelmäßige Kurve.
Nach den Mitstreitern habe ich mich im Netz auch schon umgeschaut, ich habe ja keine Buddies, aber Klaudia Zotzmann macht wieder mit, die Louisa Rabenschwarz, die ich von Anni Bürkl, die voriges Jahr etwas dazugeschrieben hat, kenne. Die Jaqueline Vellguth von der Schreibwerkstatt, die das bisher groß plante und bei der ich auch das erste Mal was gewonnen habe, hat auf ihrer Seite diesmal, glaube ich, nichts, aber ich bekomme regelmäßig “Nanowrimo Mails” und da ist auch ein bißchen was von deutschen Mitmachern dabei.
Die Sonnenposition
Kann man über den Zusammenbruch der DDR, den zweiten Weltkrieg und den Vertreibungen aus dem Osten einen poetischen Roman schreiben, heißt die Eingangsfrage und die Antwort lautet, die 1969 in Essen geborene Marion Poschmann hat es versucht und ist damit im Vorjahr auf Shortlist des dBP gekommen und damit auf meine Leseliste, denn die im Longlistlesebüchlein abgedruckten Eingangszeilen von der in einem zerbröckelnden Barockschloß untergebrachten Psychiatrie, wo von der Stuckdecke, die Mauerteile im Speisesaal hinunterrieseln, so daß die Tische von der Mitte des Raumes weggeräumt wurden, damit sie den Patienten nicht in die Suppenschüßeln fallen, haben mich so beeindruckt, daß ich mir das Buch im Vorjahr zum Geburtstag wünschte.
Jetzt habe ich es gelesen und bleibe ein wenig ratlos zurück oder vielleicht nicht so beglückt, wie ein Buch, das die “Sonnenposition” in die ehemalige DDR bzw. zu den Wendeopfern, die dort wohnen, bringen soll, beanspruchen will, aber andererseits, das wissen wir wahrscheinlich, ist das nicht möglich und Marion Poschmann hat das vielleicht auch gar nicht versucht oder doch vielleicht mit vielen schönen Worten, Phrasen und Metaphern…?
Ich bin ja, wie meine Leser vielleicht wissen, als realistische, viel zu wenig abgehoben schreibende Autorin, eine, die mit den bloßen Worträuschen eines Richard Obermayrs oder Andrea Winklers vordergründig nichts am Hut hat und dann doch zu ihren Lesungen geht, die sich das Poschmann Buch zum Geburtstag wünschte und nach dem Lesen natürlich sagt, Psychiatrie ist anders und der Alltag in der Ex-DDR wahrscheinlich auch, aber eigentlich und genau genommen war in dem Poschmann Buch, alles drin was ich mir wünsche, die Realität verpackt in wunderschönen Worten, wie ich sie vielleicht nicht zusammenbringe und darin ist Marion Poschmann ohne jeden Zweifel eine Meisterin und sie läßt ihren Protagonisten den einunddreißigjährigen dicklichen allergischen Altfried Janich mit seinem Freund Erlenkönige jagen, das sind, wenn ich es richtig verstanden habe, nächtliche Autofahrten, wo man seltene Automarken fotografiert, er ist aber auch Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, wow, sage ich in Zeiten, wo ich den Autoren immer noch erklären muß, daß ein Schulpsychologe nicht gleich ein Psychiater ist und eine Psychologin keine Medikamente verschreibt.
Altfried Janich also, der Name spricht schon Bände, obwohl ich anfangs Alfred gelesen habe, ist vom Rheinland in die schöne EX-DDr, in das zerbröckelnde Barockschloß gegangen, um dort den Psychiatriepatienten die Sonne zu bringen, vielleicht auch, weil dort ein Posten frei war und man Psychiater suchte und nun haust er dort, in dem zerfallenden Schlößchen, für die Sanierung ist kein Geld vorhanden, erzählt davon, daß es in der DDR Usus war, die Gefangenen, die Kinder und die Verrückten in ehemalige Schlößer unterzubringen, lebt im Schloß, weil es für ihnim Dörfchen noch keine Wohnung gibt. Seine Chefin, die Frau Dr. Z. hat dort eine und läßt sich vom Zivi ins Schloß und am Abend wieder zurückchauffieren, es gibt eine Ergotherapeutin und eine Küche, die frühmorgens Eierspeise brät, so daß Altfried, der Empfindliche, der seinen Patienten im Sprechzimmer immer einen Extrakugelschreiber hinlegt, damit sie sich daran klammern können, nicht schlafen kann.
Das tut er, seit sein Freund Odilo, der Biologe, der mit ihm die Nachtfahrten machte, der mit Mäusen gentechnische Versuche macht und sie damit zum Leuchten bringt, einen Unfall hatte, ohnehin nicht mehr. Seine Unruhe hat sich auf Altfried übertragen, steht im Klappentext, so geistert er in der Nacht, wie ein Schloßgespenst durch die Räume, holt sich von der Küche tiefgefrorene Reibekuchen und taut sie auf seiner Heizung auf. Er ist ja dicklich, das Apfelmus holt er sich dazu aus dem Dorfladen und im Schloßpark gibt es Schwäne, die die Patienten leidenschaftlich füttern, obwohl das eigentlich verboten ist.
Es beginnt mit dem Begräbnis Odilos, da erfährt man noch einiges von Altfrieds Jugend, der sich durch sein Studium sparte, in dem er die Teebeutel mehrmals verwendete, was mir sehr bekannt erscheint.
Auf dem Begräbnis ist auch seine Schwester, die sich selbstherrlich von ihm, von Köln in ihre Wohnung nach Berlin chauffieren läßt, obwohl seine Eltern auf ihn warten. Der gute Psychiater scheint ein wenig schwach im Durchsetzen. Er erfährt da auch, daß Mila, eine Modeschöpferin, die in einer originaleingerichten Plattenbauwohnung lebt und sich die alten Kleider ihrer Tante umschneidert, ein Verhältnis zu Odilo hatte, was bei ihm zu Eifersucht, vielleicht sogar zu einer Traumatisierung führt.
Die Nachkriegsgeschichte gibt es in dem Buch, wie ich den Rezensionen lesen konnte auch, denn Altfrieds Ahnen, dessen Vater natürlich entsetzt war, als er hörte, daß sein Sohn Psychiater werden will, stammen aus dem Osten. Wahrscheinlich aus Ostpreußen, die Großeltern wurden dort ermordet und im eigenen Garten verscharrt, die Kinder, Altfrieds Vater und seine Tante, werden über Umwegen nach Köln gebracht, die Tante fährt mit den Kindern später mit einer dieser “Heimwehreisen” zurück, um ein Kreuz in dem Garten aufzustellen, was auch nicht so einfach ist und wenn wir uns durch die IV Teilen mit Pro- und Epilog, die Namen wie “Sol invictus”, “Furor”, “Patientia oder das Ostschoß”, “Memoria” oder “Splendor” tragen, gelesen haben, haben wir nicht nur einen realistischen Einblick in das heutige Ex-DDR Leben und seine Vergangenheit, sondern auch sehr viel Wortschöpfungen, bizarre Einfälle, skurrile Ideen, etc mitbekommen und können uns sowohl das Nacht als auch das Tagesleben unserer Welt ein bißchen besser vorstellen und ich, die ich mit dem allzu Abstrakten bekanntlich nicht viel anfangen kann, finde es schön, ein so poetisches Buch auf der vorigen Shortlist zu finden, auch wenn sich die Realistin in mir natürlich fragt, wieviele Leser diesen poetische Roman gefunden hat?
Uwe Tellkamps “Turm” hat sich ja vor Jahren, wie ich hörte, sehr erfolgreich verkauft, ich habe mich mehrere Wochen durch ihn gelesen und von anderen gehört, er wäre unlesbar, das Poschmann Buch läßt sich viel schneller lesen.
Wieviel der schönen Worte haften bleiben, weiß ich nicht, wohl aber, daß ich das Buch vor ein paar Monaten um einen Euro in der etwas verstaubt wirkenden Buchhandlung in der Lerchenfelderstraße in der Wühlkiste kaufen hätte können und mich ärgerte, daß ich schon hatte.
Kann man über die DDR und die Vertreibungen aus den Osten mit den damit verbundenen Traumatisierungen einen poetisch schönen Roman schreiben? frage ich wieder.
Marion Poschmann, die schon viele Preise gewonnen hat, ist es gelungen, die Sonnenposition in die Nachkriegs- und Nach-DDR- Literatur zu bringen und das ist in Zeiten wie diesen, wo alles auch ein wenig hoffnungslos ist, obwohl es, wie auch Poschmann schreibt, den Teufel nicht mehr gibt, eigentlich sehr schön.
Edition exil entdeckt
Wieder eine “Edition Exil-Veranstaltung” im Literaturhaus, die, wie Barbara Zwiefelhofer in ihrer Einleitung erwähnte, es jetzt schon sechs Jahre gibt, wo Christa Stippinger, die Seele des Verlags, neue Entdeckungen aus ihrer Schreibwerkstatt vorstellt, bzw. manche Preisträger des Exil-Literaturpreises präsentieren kann.
Vor zwei Jahren habe ich dort Ekatarina Heider kennengelernt, deren Erzählband auf meiner Leseliste auf mich wartet, voriges Jahr gab es, glaube ich, eine Konfusion mit den Terminen und heuer standen wieder einige junge Talente auf dem Programm, wo ich einige schon von der letzten Preisverleihung der Buch-Wien kannte und Christa Stippinger kenne ich vom “Arbeitskreis schreibender Frauen”, damals ist auch ihr Roman “Der Tschusch” erschienen und mit “Kress” hat sie beim “Max von der Grün Preis” gewonnen, war dann im “Wespennest” damit und wurde auch Opfer eines Plagiats im “Augustin”, das ich dann entdeckte. jetzt hat sie mir erzählt, hat sie keine Zeit mehr zum Schreiben, was ich persönlich sehr schade finde. Sie hat mit ihrer “Exil Edition” aber einige Entdeckungen gemacht, Juliya Rabinowitsch, Dinev Dimitre, aber auch Seher Cakir, Susanne Gregor, Sina Tahayori etc.
Sie rühmt sich auch damit, daß sie anstrebt ihre Autoren und Autorinnen in größere Verlage zu bringen, die “Exil Preisverleihung” findet inzwischen auf der “Buch Wien” statt, ich finde es zwar schade, um das tolle Buffet, das es früher im Amerlinghaus gegeben hat, bin aber immer um fünf am Samstag bei der Buch-Wien zu finden und manchmal gehen sich auch die übrigen Edition Exil Veranstaltungen aus.
Da gibt es auch immer eine Jurorenlesung, die diesmal mit Susanne Greger, Sabine Gruber und Doron Rabinovici stattfindet und heute wurde als erste eine junge bulgarische Lyrikerin mit ihrem ersten Gedichtband “fremde geografien” vorgestellt.
Antina Zlatkova wurde 1990 geboren, ist zum Studium nach Wien gekommen und hat für ihre Lesung, weil ja Haloween und Allerheiligen, Texte wo es um den Tod und das Sterben geht, ausgewählt.
Da Christa Stippinger immer so nett ist, mir die Bücher ihrer Edition zu schenken, werde ich das Vergrüngen haben, mich in die zweisprachige Ausgabe einlesen zu können.
Die meisten Texte wurde auf Deutsch geschrieben und von der jungen Autorin, die einen schönen schwarzen Zopf und eine sehr sympathische Ausstrahlung hatte, übersetzt, ein paar davon las sie auch in Bulgarisch, so daß man sich in die Sprache einhören konnte und dann folgte die Exilpreisträgerin von 2013 bzw 2014 denn Ljuba Arnautovic hat voriges Jahr den dritten und heuer den ersten Preis mit ihrerm Text “es dürfen ersatzstoffe verwendet werden” gewonnen und die Biografie der 1954, in Kursk geborenen Autorin, die mit sechs Jahren nach Österreich gekommen ist, ist sehr interessant, nämlich Enkeltochter eines österreichischen Kommunisten, dessen Sohn mit seinem Bruder 1934 in die UDSSR verschickt wurde, zuerst Gast in einem Vorzeigekinderlager war, dann in dem Regime in Ungnade viel, zwölf Jahre in ein Arbeitslager kam und wieder zurück nach Österreich zog.
Davon handelt der Text, der mich sehr beeindruckte. Die Autorin ist Übersetzerin, arbeitet beim ORF und war, wie sie erzählte, sehr verkühlt. War aber doch gut zu verstehen und der dritte Autor, der 1987 in Rumänien in einer deutschsprachigen Familie geborene, Thomas Perle, dessen Vater Ungar ist, ist mit vier Jahren nach Deutschland gekommen, lebt jetzt in Österreich, ist Dramatiker und hat einen Text gelesen, der nächstes Jahr als Roman erscheinen soll.
“wir gingen weil alle gingen”, damit hat er, glaube ich, auch voriges Jahr gewonnen und interessant ist, daß er aus der Perspektive seiner älteren Schwester schreibt, die den Fall des Ceausescu-Regimme im Winter 1989 aus dem Fernsehen erlebte und dann wieder in das Dorf ihrer Kinderheit kommt.
Ich freue mich schon auf den Roman, werde inzwischen das Vorhandene lesen und es gab beim Wein auch sehr interessante Gespräche mit Christa Stippinger und einem Herrn, der sich für Erwin Rennert und Ruth Weiss interessierte.
Erwin Rennert, der ja inzwischen gestorben ist, habe ich durch Konstantin Kaiser kennengelernt, bzw. ihn zu der ersten “Freiheit des Wortes-Veranstaltung”, die ich 2001 noch im NIG organisierte, eingeladen. Er hat mir einige seiner Bücher, darunter auch den ersten Teil, seiner bei der “Edition Exil” erschienen Autobiografie geschenkt und einmal auch bei meinem Geburtstagsfest gelesen. Die Publikationen der “Edition Exil” sind also sehr interessant und ich bin schon sehr auf die Preisverleihung bei der “Buch Wien” in zwei Wochen gespannt.
Nanowrimo-Recherche
Den Donnerstag, weil keine Stunden und nur zur Mittag das wissenschaftliche Seminar im AKH geplant, einen Recherchetag machen und vielleicht auch das “Literaturgeflüster” ein bißchen feiern, bzw. den Geldbetrag ausgeben, den ich mir Anfang Juli für meine “Sommermonatschreibwerkstatt” bzw. die literarischen Recherchen, in ein Kuvert gesteckt habe, beziehungsweise den Rest davon, denn einiges habe ich inzwischen schon in chinesische Kleidung, einen Friseurbesuch, bzw. Cheesburger beim Mc Donald oder Kaffee und Kipferln ausgegeben.
Also nach der morgendlichen Lesestunde im Badezimmer und den Blogbetrag bezüglich Dietmar Füssels neuem Buch mit den zwei schwarzen Notizbüchern, die ich im Mai im Schrank gefunden habe, aufgebrochen und die Route war auch schon genau geplant. An den offenen Bücherkästen vorbei, ins AKH, das passte auch bestens, um zu recherchieren, wie sich eine Frau nach der Krebsdiagnose fühlt und dann über den Westbahnhof, wo es auch sehr viel zu sehen gibt, in die Hauptbücherei, denn da hat mich ja Hannes Hofbauer vom “Promedia Verlag” zu einer Präsentation des Buches “Mythos Vorsorge” eingeladen und weil ich zum Zeitpunkt der Einladung kein anderes Programm in meinem Kalender stehen hatte, habe ich gedacht, Gesundheit interessiert mich, vielleicht sollte ich da hingehen.
Dann fand ich daraus, daß ihm Theater am Petersplatz eine Diskussion der Elfriede Jelink-Gesellschaft stattfand und Ralph Klever hat mich ja am Montag zu der Präsentation seiner neuen Lyrikreihe am Brunnenmarkt eingeladen.
Da wollte ich eigentlich hingehen, aber dann bin ich am Dienstag mit dem “Schutzengelchen” fertiggeworden, habe meinen “Nanowrimo-Artikel” geschrieben, bzw. mir alles, was ich dafür brauche hergerichtet und beim Plotten gemerkt, daß eine Diskussion über die Vorsorgeuntersuchungen genau zum Thema passt.
Denn wieviel soll man sich medizinisch behandeln lassen, wenn einem die Krebsdiagnose trifft, ist ja ein Thema, das mich schon lange interessiert und ob zuviele Vorsorgeuntersuchungen nicht vielleicht mehr schaden, als sie nützen wird auch immer diskutiert.
Zuerst bin ich aber zum “Wortschatz” gegangen und da lag Eugenie Kains, 2009 bei Otto Müller erschienener Erzählband “Schneckenkönig” darin und die biografischen Angaben “lebt und arbeitet in Linz” stimmen ja schon längst nicht mehr und das ist für den “Namen des Vaters” vielleicht interessant.
Interessant ist auch, daß ich damals bei der Buchpräsentation war, wo Petra Messner ihre erste Einleitung machte und die ist ja auch an Krebs gestorben. Ich ging aber zum Mc Donald frühstücken, bzw. nahm ich mir den Käse Bacon Mc Toasts und den kleinen Cafe Latte in den kleinen Park in der Hofmühlgasse mit, um meine erste Eintragungen zu machen.
Mit dem Plotten der Veronika Geschichte bin ich inzwischen schon sehr weit gekommen und es geht damit, glaube ich, auch sehr gut, zumindest scheint mir dabei das meiste nicht, wie es mir sonst oft passiert, unlogisch zu sein, ich habe die Personen, einen ungefähren Handlungsverlauf und einige Szenen grob aufnotiert, für fünfzigtausend Worte reicht das sicher nicht und wie genau sich das entwickeln wird, weiß ich ebenfalls noch nicht genau, aber die ersten Szenen stehen und können von mir am Sanmstag dem 1. November begonnen werden.
Ich ging nach dem zweiten Frühstück und dem Kauf einer Tafel Schokolade in der Schokothek in der Mariahilferstraße zum anderen Bücherkasten und da hatte gerade ein Krimifan seine neuesten Krimis abgelegt und so habe ich jetzt ungefähr das zu lesen, was auch bei dem Krimifestival im Schauspielhaus zu hören war, einen Krimi von Beate Maxian, einen von Herbert Dutzler und Bernhard Barta hat auch einen beigesteuert.
Im klinischen Mittag ging es über evidentbasierte Theapie bei affektiven Störungen, das hat mir bei meinem Plot nicht sehr weitergeholfen, wohl aber die zwei Stunden in dem ich vorher im Haupthaus herumgelaufen, bzw. in der Lobby gesessen bin und dem geschäftigen Treiben in einem Großspital zugesehen habe.
Nach dem Seminar bin ich dann nicht nach Hause gegangen, sondern weiter recherchieren am Westbahnhof, wo die Atmosphäre ein wenig hektisch war, aber auch interessant sein könnte, denn, daß man nach einer Krebsdiagnose vielleicht eine Reise macht, um seiner Krankheit davon zu laufen klingt irgendwie ganz logisch, ich ging aber in die Hauptbücherie zurück, wo es interessante Ausstellungen gab und ich in der Zeitschrift “News” lesen konnte, daß sich sowohl Lotte Ingrisch, als auch Prof Giselheer Guttmann unter dem ich ja Psychologie studierte, für die aktive Sterbehilfe einsetzen. Das ist ein Thema das im Herbst plötzlich hochgeschwabbt ist, was ich mit meinem Roman aber eigentlich nicht ausdrücken will, denn die Veronika wird höchstwahrscheinlich ganz natürlich sterben und sich weder von ihrem Ex-mann ersticken lassen oder in die Schweiz reisen, sondern sich wenn möglich von ihrem Hausarzt Morphium versorgen lassen und sich ansonsten von ihrem Leben allmählich zurück ziehen und sie wird, das habe ich auch inzwischen erplottet, dabei alleine sein, denn die Tochter Paula ist inzwischen mit ihrem wiedergefundenen Freund und ihrer Down-Diagnose auf Erholungsreise in Italien, aber den ehemaligen Nachbarn Hubert Fabian wird es ge ben und die esotherische Freundin Susi Reiter und natürlich den Dr. Harald Doppevlreither, bei dem sie die Patientenfügung erstellte.
Die soziologische Komponente in der Hauptbücherei ist auch immer ganz interessant, denn in der Leseecke sitzen und schlafen die Sandler, die Securitys sollen sie eigentlich aufwecken, hielten sich diesmal zurück und auf einem Tisch lagen die Adressen der Notschlafstellen auf und einer der Sandler verhielt sich auch besonders auffällig, das heißt er schrie und schimpfte “Ich bin ein Archloch” und noch anderes, was man sowohl als frauen- als auch ausländerfeindlich bezeichnen könnte, mich störte er dabei zwar beim Lesen, es ging aber ohnehin bald in den Veranstaltungsaal hinaus und da war interessant, daß die Diskussion mit dem Autor, Martin Schenk, einem Herrn von der SVA und einer Ärztin, lange nicht so kritisch war, wie ich eigentlich dachte, denn die SVA ist ja für die Vorsorgeuntersuchungen und reduziert den Selbstkostenanteil, wenn man mit einem Arzt seine Gesundheitsziele festliegt und ich dachte erstens, das kann ich selber und zweitens, daß genau das in Frage gestellt werden sollte. Es wurde aber eher diskutiert, daß die Armen schlechtere Chancen haben gesund zu bleiben, etwas, was eine Dame im Publikum wieder in Frage stellte und ein Herr, der vielleicht psychisch auffällig zu sein schien, schrie immer etwas hinein, was eigentlich wissenschaftlich nicht sehr haltbar war, von der Diskussionsleiterin aber immer elegant umschifft wurde, nachher gab es Wein und Wasser, obwohl man bei den Gesundenuntersuchungen auch seinen Alkoholgenuß in Frage stellen soll, die Realistät ist aber immer etwas anders und auch ein sehr gutes Knabbergebäck und ich werde morgen meine Abrechnung machen, am Weltspartag meine ehemalige Bankfiliale in den neuen Räumen besuchen und dann ab Mitternacht frisch und fröhlich mit dem Nanwowrimo beginnen, für den ich jetzt schon so schön und gründlich recherchiert und geplottet habe.
Familienaufstellung
Kriegsfamiliengeschichten bei den “Textvorstellungen” mit Angelika Reitzer in der “Alten Schmiede”, die sich von den eher experimentellen Texten, den Realisten zuzuwenden scheint, obwohl der Debutroman, der 1990 geborenen Theodora Bauer “Das Fell der Tante Meri”, den ich gerne lesen würde und der mir auch von Andrea Stift versprochen wurde, eher der Kategorie der jungen österreichischen Sprachtalente zuzuschreiben zu sein scheint.
Ich sehe die Autorin ja immer bei diversen literarischen Veranstaltungen, sie ist in verschiedenen Schreibgruppen, wie die, die sich in der “Gesellschaft für Literatur” präsentiert und ihr Roman wurde auch einmal auf Anna Jellers Facebookseite vorgestellt.
Eine richtige Vorstellung hatte ich trotz der Einführung der berühmten Buchhändlerin offenbar doch nicht so bekommen, scheint der Roman doch sehr vielschichtig zu sein und nicht nur um die Erbschaft zu gehen, die der Ferdl von der Tante Meri in Chile macht.
Es gibt zwei Zeitebenen, die letzten zwei Kriegsjahre und dann die Achtzigerjahre mit der Waldheim-Geschichte.
Die junge Autorin, die ein Gipsbein hatte, hat zwei Kapitel daraus gelesen, das zweite, wo eine Anni, eine Friseurin, zu dem Rapidspiel ihres Bruders ins Hütteldorfer Stadion fährt, dabei die Bekanntschaft eines Soldaten macht und dann noch einen hohen Nazifunktionär kennenlernt und dann den Beginn mit dem Ferdl als Protagonisten, der mit seiner Mutter und der Tante Meri Weihnachten feiert. Der Christbaum steht im kalten Vorhaus, die Mutter zerstreitet sich mit der Tante und verschwindet und der Ferdi trinkt sich mit Tee mit Rum an und speibt dann in den Garten.
Die Sprache ist sehr einfach, direkt, fast umgangssprachlich, wie Angelika Reitzer in ihrer Einleitung betonte und es geht, wie die Autorin erklärte, um das Verdrängen, der Nazivergangenheit, die in den Achtzigerjahren durch die Waldheimgeschichte wieder hochkam, so daß es dem Ferdl, als er in Chile die Naziuniform seines ihm bisher unbekannten Vaters findet, nicht mehr so gelingt.
Die zweite Leserin und ihre Familiengeschichte ist eine mir bekannte, nämlich Ruth Aspöcks “Der Krieg nach dem Frieden”, von Angelika Reitzer als Familienmonolog bezeichnet, daß mir die autobiografischen Anteile dabei auffielen, habe ich schon geschrieben. Die Ruth hat diesmal besonders die Rosa, Ursula Marie Stellen ausgewählt, die auf den Mißbrauch Rosas durch den Vater hinwiesen.
Angelika Reitzer wunderte sich in der Diskussion, daß die Töchter dem Vater trotzdem liebevolles Andenken bewahrten, wunderte sich auch über das “gemeinsame” Kind der beiden Schwestern. Rosa zieht ja Ursulas Sohn auf und fragte nach dessen eventueller Schädigung und die Ruth erklärte, daß es ihr in dem Buch darum ging, die Beschädigungen zu zeigen, die der Krieg an den damals lebenden Menschen hinterlassen hat.
Der dritte Text des 1949 geborenen Malers und Restaurators Max Kübeck ist seine autobiografische Familiengeschichte, die er selber, obwohl bei “Czernin” erschienen, für nicht biografisch hält, sondern die Biografie seiner Familie schrieb, weil es schon einige solcher gab, mit denen er nicht zufrieden ist und die beginnt tatsächlich mit einer Familienaufstellung, wo der Protagonist, seine Eltern und seine fünf Brüder aufzustellen hat und in die Vergangenheit seines Vaters Stefan Maria zurückgeht, der 1942 wegen Homosexualität in Gestapohaft saß. Daß er aus einer aristrokratischen Familien stammte, war ihm fast peinlich, der Therapeutin gegenüber zuzugeben.
Die “Alte Schmiede” auch gut besucht, mit einigen bekannten und auch unbekannten Gesichtern und es sicherlich sehr spannend in die Familiengeheimnisse der Kriegs-und Nachkriegszeit einzutauchen und manche Leichen beziehungsweise Uniformen in den Kellern und Kästen zu finden.
Ullstein Roman
Romane über Verlage, beziehungsweise über den Literaturbetrieb interessieren mich ja immer sehr und, daß da am Dienstag im Literaturhaus ein ganz besonderes Programm angeboten wird, bin ich erst später daraufgekommen.
Zuerst habe ich mir nur die Veranstaltung angestrichen und in meinem Kalender eingetragen.
Aha, eine Buchpräsentation, warum nicht, Bücher sind ja interessant, dann habe ich im “Wochenend-Standard” von einem bei “Jung und Jung” erschienenen Atlas gelesen, wo berühmte österreichische Autoren einen Text zu ihrem Lieblingsort geschrieben haben, der ebenfalls am Dienstag in der Hauptbücherei präsentiert wurde. Vielleicht sollte ich dorthin gehen, habe ich gedacht, das Literaturhausprogramm in die Hand gekommen und erst jetzt registriert, daß da erstens ein Roman über das “Ullstein-Verlagsimperium” präsentiert wird und, daß zweites der Autor, der Wiener Journalist und Schriftsteller Stefan Großmann, schon 1035 gestorben ist und der Roman erst jetzt im “Verlag für Berlin Brandenburg” erschienen ist.
Also eigentlich eine Sensation und eine Veranstaltung der “Exil-Bibliothek”.
Das Sten Nadolny vor ungefähr zehn Jahren einen “Ullstein-Roman” herausgegeben hat, war mir bekannt, habe ich ihn daraus doch in Leipzig einmal lesen gehört.
Also erst einmal über den 1985 geborenen Autor nachgegooglet und dann, nach dem ich am Nachmittag mein “Schutzengelchen” beendet und alles schon für den “Nanowrimo” vorbereitet habe, hingegangen.
Ursula Seeber leitete ein und stellte vor und vier ältere Herren am Podium bzw. in der für sie reservierten ersten Reihe. Der Herausgeber Erhard Schütz hat an der Humboldt Universität gelehrt und erzählte zuerst kurz etwas über Stefan Großmann, der aus einer verarmten jüdischen Familie stammte, ein radikaler Sozialist wurde, nach Berlin ging, wo dann allmählich die Nazis kamen, ein paar Bücher schrieb und eine Zeitschrift, das “Das Tage Buch” gründete. 1933 mußte er sehr krank nach Wien flüchten, wo er den Ullstein-Roman “Wir können warten” schrieb, aber nicht wirklich vollendete und auch nicht veröffnetlichen konnte.
Das hat jetzt Erhard Schütz für ihn getan und Alexander Strobele hat daraus gelesen.
Es beginnt 1928 und zeigt, was bis zur Machtübernahme mit dem Verlagsimperium geschah, das von fünf Brüdern gleitet wurde, die untereinander zerstritten waren und gegen den ältesten Bruder, der eine junge Frau, ein Fräulein Doktor, heiraten wollte, intrigierten.
Es ist ein Schlüßelroman, das heißt es gibt sechs Brüder, ansonsten blieb aber alles ziemlich gleich und war auch sehr spannend, wie ein Pastor im Verlag anheuern wollte, auf die Strümpfe der jungen Frau starrte und der sechzigjährige Fritz schon fast als senil erklärte wurde.
Es gibt noch eine zweite Liebesgeschichte, zwischen einem guten Deutschen und einer jüdischen Sekretärin, die sich aufeinander zu warten versprechen, bis der Spuk, der dann ja sehr lange gedauert hat, vorbei war. Daran knüpfte sich eine Diskussion mit dem Herausgeber, Murray Hall und Hermann Schlösser, die ein bißchen was zum Verlagsimperium erklärten.
Der Verlag hat auch Schnittmuster und Zeitungen herausgegeben, bei den Büchern Vicky Baum gefördert und herausgebracht.
Ihr erster Roman war die “Stud. chem. Helene Wilführ”, der zweite dann schon “Menschen im Hotel”, das mit der Garbo verfilmt wurde.
Ursula Seeber erwähnte dann, daß in der letzten Zeit vieles wieder aufgelegt wurde, so zum Beispiel Gina Kaus, die nächste Woche im Literaturhaus vorgestellt wird oder Lili Grün, die bei der “Hot List der Independent Verlage” gewonnen hat.
Nachher gab es wieder Wein und ich bin mit Ilier Ferrir ins Gespräch gekommen, der bei der Edition Atelier verlegt, die, wie er mir erklärte auch eine Biografie von Stefan Grossmann herausgebracht hat.
Nanowrimo-Pläne
Ich bin, hurrah, hurra, am Dienstagnachmittag zeitgerecht mit dem Korrigieren des “Schutzengelchens” fertig geworden und habe jetzt Zeit bis Samstagfrüh oder Freitag nach Mitternacht mich auf “Im Namen des Vaters” vorzubereiten.
Ein bißchen vorausplotten vielleicht, damit ich dann schwungvoll in den Text einsteigen kann, denn der November, das ist schon wieder klar, wird bei mir ein sehr verplanter Monat werden, gibt es da ja mein Geburtstagsfest, die “Literatur im Herbst”, die “Alpha-Literaturgala”, die “Buch-Wien” und vier Tage nach Ungarn fahren wir auch wieder, da kann ich zwar im Bad tippen, wenn mich die alten Herren nicht empört anblinzeln oder mir auch vom Wellneßbad ein paar Inspirationen holen, denn vielleicht besucht die Veronika Sieberer auch ein solches, um sich von ihrer Schockdiagnose zu erholen.
Um meine Leser nicht zu verwirren, zur Vorgeschichte, ich habe im Sommer ja, als ich mittendrin beim Schreiben des “Schutzengelchens”, das ursprünglich “Innere Stadt” heißen sollte, Ernst Lothars “Die Mühle der Gerechtigkeit” gelesen und da geht es, in den Dreißigerjahren geschrieben, um Sterbehilfe, die ein konservativer Salzburger Obergerichtsrat seiner Frau Pauline leistet und da habe ich gedacht, darüber will ich auch schreiben, denn das ist ja ein Thema, das mich interessiert.
Also ein paar Notizen gemacht und mich auch, bevor wir ins Elsaß gefahren sind, ein bißchen bei den Schweizer Sterbehilfe vereinen umgesehen.
Nach meiner Rückkehr weitergeschrieben und im September und im Oktober mehr oder weniger lustlos an den sechzig Seiten korrigiert, denn da kommt da bald das Demotivationsteufelchen, das mir ins Ohr flüstert “Wozu tust du dir das an, das interessiert ja ohnehin keinen!” oder “Schreib nicht soviel, wie der Alfred, der ja noch die “Anna” buchfertig setzen muß, immer sagt.
Daß ich zuviel schreibe, glaubt mir zwar die Literarmechana ohnehin nicht, aber die die bezieht sich da wohl auf die fehlenden Verlagspublikationen, denn “Eigenverlag, ne das wollen wir nicht!”, scheint man in Wien immer noch zu schreien, während die Frankfurt die Selbstpublisher schon eine ganze Halle füllten.
Aber zurück zum Thema, daß ich die “Veronika”, so wird meine Heldin heißen, wenn es sich ausgeht, im November im Rahmen des Nanowrimo schreibe, mar mir schon im Sommer klar und das ist jetzt das vierte Mal, daß ich da mitmache.
Das erste Mal habe ich 2009 die “Heimsuchung” geschrieben und das war auch das einzige Mal ohne schummeln, wo ich am ersten November ziemlich plottlos angefangen habe und dann auch schon viel früher fertig wurde, ich bin eben eine Schnelle.
Die nächsten zwei Jahre habe ich dann ausgesetzt, beziehungsweise gerade an meinen jeweiligen Arbeiten korrigiert.
2012 habe ich mit dem “Zum Sterben sollte man zu Hause sein” auch schon ein bißchen früher angefangen und dann den Rest in ein paar Tagen hingeschrieben, so daß ich bei meinem Geburtstagsfest schon fertig war.
Mit der “Brüderschaft” ging es mir ähnlich, da hatte ich auch schon einige Szenen, die ich auch im Writersstudio und in Roberts Schreibegruppe vorgeschrieben hatte, dann war ich sehr schnell fertig mit der Geschichte, aber nicht mit den fünfzigtausend Worten, die habe ich dann in Bük im Bad aufgefüllt.
Aber heuer hat es so ausgesehen, als würde ich am Samstag das lustlose Korrigieren des “Schutzengelchens” unterbrechen, die Geschichte liegenlassen und mit dem Neuen anfangen, so wie ich es schon 2009 machte. Da war ich mit der “Sophie Hungers”, glaube ich, auch nicht ganz fertig.
Daß ich nicht schon wieder den halben Roman vorausgeschrieben habe, freut mich zwar, denn ich bin ja eigentlich keine Schummlerin, obwohl das beim Nanowrimo, wo man ohnehin nichts gewinnen kann, nichts macht, aber trotzdem. Einmal einen etwas langsameren Schreibverlauf zusammenzubekommen, wär auch ganz schön, wenn ich aber zusehr unterbreche und dann am Samstag ins kalte Wasser hüpfe, ist das auch nicht gut, denn sehr viel Zeit werde ich wegen der anderen Aktitivtäten für das Plotten nicht haben.
Aber jetzt geht sich das alles schön aus. Ich habe vorhin ein bißchen in meinem schwarzen Buch geblättert und auch was dazugeschrieben, denn ein wenig habe ich schon geschummelt, bzw. bei den letzten zwei Schreibtreff bzw. beim Writersstudio was vorausgeschrieben. Das gibt es allerdings nur mit der Hand, in den Computer fange ich erst am Samstag zu tippen an und da habe ich mit dem Gang auf die Gloriette begonnen, weil im September ja “Herbst” das Thema war.
Jetzt denke ich, ich sollte mich mehr an die Vorlage halten und mit einem Zusammenbruch der Heldin beginnen. Die Veronika, circa 56, freie Onlinejournalistin, geschiebden, Mutter der dreißigjährigen Paula, die gerade schwanger ist und vielleicht eine Down-Diagnose bekommt, bricht bei einem Kongreß zusammen, geht zum Hausarzt Dr. Doppelreither, dann ins AKH, die sagen “Schnell schnell, operieren, bestrahlen, sonst nur noch drei Monate Lebenszeit!”, sie trifft sich mit der Paula, die ihr von ihrer Schwangerschaft erzählt, die informiert den Vater, Robert Sieberer, 62, Chemiker, Pharmareferent, der mit einer alternativen Krankenschwester namens Gerda verheiratet ist oder zusammenlebt, der drängt auch. Veronika läßt sich aber nicht drängen, macht ihre Patientenverfügung und freundet sich mit ihren Nachbarn an, der kürzlich in seine Seniorenresidenz übersiedelte und jetzt verloren vor der Haustür steht.
So weit, so what, ein bißchen muß ich aufaßassen, daß mich nicht mit “Und Trotzdem” wiederhole, denn da geht es auch um eine Krebsdiagnose und jetzt habe ich noch drei Tage zum Recherchieren, bzw. zum Feiern meines “Literaturgeflüsterpreises”, da könnte ich mir ja ein paar schöne Tage machen, bzw. ein bißchen recherchieren. Am Donnerstag gehe ich ohnehin ins AKH, da kann ich mich ja wieder in die Lobby setzen und einen Gesundheitsvortrag gibt es am Abend in der Hauptbücherei auch, den ich mir vielleicht anhören könnte und dann am Samstag auf die Plätze, fertig los!
Der Alfred lächelt zwar ein bißchen über den Nanowrimo und meint, fünfzigtausend Anschläge könnte auch ein Affe zusammenbringen und ich bin über das Losschreiben auch hinaus. Denn daß ich das kann, habe ich schon dreimal bewiesen, bei mir wäre das Zeitlassen wahrscheinlich das wichtigere Thema, ein Jahr für einen Roman, so habe ich ja den letzten Nanowrimo begonnen und nicht eingehalten. Aber ich kann ja im November einen Grobplot in fünfzigtausend Worten hinschmeißen, wenn mich die die anderen Aktivitäten dazu kommen lassen und dann ab Dezember, solange ich brauche, in Ruhe weiterarbeiten und dazwischen die “Anna” und das “Schutzengelchen lektorieren, wenn mir der Alfred die Texte dazu gibt.
Und ein weiteres Hurrah, der 1.995 bzw. 2.009 Artikel, ich habe zwei unterschiedliche Zählwerke, ist das auch.
Priessnitzpreis an Robert Prosser
Ich bin ja eine Freundin des “Reinhard Priessnitz Preises”, der den Namen des am 5. Nobvember 1985 verstorbenen österreichischen Autors Reinhard Priessnitz trägt, den es seit 1994 gibt, der vom BUMUK gestiftet wurde und der von Robert Schindel und Gustav Ernst an jüngere, meist experimentelle Autoren und Autorinnen mit einer Ausnahme, 1997 hat ihn die Journalistin Lotte Podgornik bekommen, im Literaturhaus vergeben wird.
Seit 1998, wo ihn Sabine Gruber bekommen hat, gehe ich, glaube ich, zu den Preisverleihungen und seit 2008 blogge ich darüber, so daß man in meinen Archiv schon einiges nachlesen kann.
Angelika Reitzer, Michael Hammerschmid, Andrea Winkler, Richard Obermayr, Judith Nika Pfeifer, Anna Weidenholzer und heuer der 1983 in Tirol geborene Robert Prosser, dessen literarischen Werdegang man, glaube ich, auch ganz gut in meinem Blog verfolgen kann.
2009 war er mit Cornelia Travinec, der ich ja auch einmal dieses Preis voraussagte und Clemens J. Setz auf der Titelseite der Zeitschrift “Buchkultur” als Vertreter des jungen literarischen Lebens Österreich, da ist auch sein erster Band “Strom” ausufernde Prosa erschienen. Ich war bei der Präsentation in der “Gesellschaft für Literatur”, dann kam “Feuerwerk” und zuletzt “Geister und Tatoos”, alles bei “Klever” erschienen und nun der “Reinhard Priessnitz Preis”.
Ein paar junge Leute im Literaturhaus, Robert Huez leitete ein, Gustav Ernst sprach ein paar Worte und kündigte die tiefgreifende Rede des Literaturkritikers Anton Thuswaldner an und der begann dann auch mit “Hundert Jahre Einsamkeit” und Günther Grass, bevor er zum Preisträger wechselte.
Ist “Geister und Tatoo” ein Roman, was ich sowohl in der “Kolik Lounge”, als auch in der “Alten Schmiede” hörte? Das ist wohl die Gretchenfrage. Anton Thuswalder bezeichnete auch “Feuerwerk” als solchen.
Die ausufernde Prosa ließ er ausufernd sein und er gratulierte auch dem Preisträger, dem es gelingt. die Sprachkritik mit dem Erzählen zu verbinden. Und Robert Prosser der mit Hipp Hopp und Poetryelementen, wie auch in der Begründung nachzulesen ist, begann, ist als politischer Autor zu verstehen, spielt “Geister und Tatoos” Roman oder nicht,ja im ehemaligen Kriegsgebiet im Kaukasus und handelt von den Ritualen in den Gefängnissen.
Robert Prosser hat den Kaukasus, um zu recherchieren zweimal bereist und las sich, nach dem er seinen Preis und die “Priessnitz-Bücher” statt den Blumen erhalten hat, durch sein Werk. Begann mit der ausufernden Prosa, wechselte zu den Taxifahrern hinüber, die auf ihren Armen “Leipzig” eintätowiert haben, weil sie dort zu Zeiten der Udssr stationiert waren und gab dann einen Einblick in sein Work of Progress, das in Tuzla spielt, wo er die Graffitisszene interviewte.
Spannend, spannend und sehr interessant, der Einblick in die aktuelle österreichische Literaturszene. Nachher gab es wieder was zu Trinken, Smalltalk und Gespräche, wo ich mich länger mit Gustav Ernst und Ralph Klever unterhalten habe, der das Gespräch auf den “Alpha Literaturpreis” brachte, wo er ja mit Daniel Wisser nominiert ist und mir von einer großen Bestellung erzählte, die er dorthin liefert wird und am Donnerstag gibt es eine “Klever Veranstaltung” am Brunnenmarkt, wo, glaube ich, auch Michael Hammerschmid liest.
