..oder “Wie Facebook in den “80ern geheißen hätte.”
Es gibt einen neuen Karikaturenband im “Holzbaum-Verlag”, die kleine quadratische Form ganz in blau gehalten, wie eine Facebook-Seite, des 1971 in Wien geborenen Flugsicherers Michael Dufek, der auf seinem Autorenfoto einen Zylinder trägt und eine Gitarre schwingt.
Mit dem Titel habe ich, bevor ich den Untertitel las, zuerst einmal nichts anfangen können.
“Was btte ist modern stalking?”
Aber klar, ich bin nicht auf Facebook zu finden und “like” nicht, freute mich nur über die frische neue Stimme in der Karikaturensammlung des “Literaturgeflüsters”, obwohl Michael Dufek, wenn ich mich nicht irre, schon in zwei Cartoonbänden enthalten ist und seine Werke auf den ersten Blick erstaunlich einfach wirken. Strichzeichnungen in schwarz und weiß gehlten und ich irrte mich natürlich, denn der Inhalt ist erstaunlich modern und neu und erstaunlich Facebook bezogen, was ich sehr originell und anregend finde.
Es gibt aber längst eine eigene Dufekseite www.dufitoon.at, wie uns der Einleiter Robert Stachel – maschek erklärt und auch der Lebenslauf des in NÖ lebenden Zeichners ist sehr interessant, der seine Cartoons seit 2002 auf seine Website stellte, 2011 auf Facebook hinüberwechselte, wo sie prompt “gelikt” und auch gestohlen wurden.
Jetzt aber der erste Band bei “Holzbaum”, den man, wie sich der Autor wünscht, kaufen sollte, um ihn reich und berühmt zu machen und so ziehe ich durch das Buch, das, was mir auch sehr sympathisch ist, mit Weihnachten beginnt.
Denn da gibt es gleich die “To do List im Advent” – Erraten: “Punsch trinken, Punsch drinken, Punsch dringen, unsch her, wäh, beim Familienfest Kekse essen und so tun als wäre nichts gewesen!”
“AusländerInnen” raus, schreibt die FPÖ zum internationen Frauentag, auch einer meiner Lieblingscartoons, wegen seiner einfachen Frische und dann geht es schon ins Netz “Im chat sagtest du doch, du hättest einen Atombusen!?”, sagt der Werber beim “Blind Date mit einer Physikstudentin” enttäuscht auf ihre flachen Formen starrend, aber die “Atome sind nun mal winzig klein!”
So kann es zu Mißverständnissen kommen!
Man kann im Netz sicherlich auch darüber abstimmen, ob der “Herr Bundespräsident Fischer eine neue Frisur bekommen soll?” und wenn die Nachbarin schon drei Tage, mal nicht “likte”, ist das vielleicht ein Grund zur Sorge, obwohl die Türe ist ja eh so nah und man auch nachschauen könnte.
Besonders böse, wenn auch sehr eindringlich, wenn die Kronenzietung schreibt, daß “Dutzende Dephine vor Lampedusa gestrandet sind” “Geht eine Welle der Hilfsbereitschaft durch Europa!” und sonst warhscheinlich nicht.
Und wenn vom Wort “Euroa” das “E” verloren geht, dann sieht unsere EU auf einmal sehr alt aus.
Darauf muß man auch erst kommen.
Aber “Lieber Gott! Bitte laß die Sonne wieder scheinen, damit die Leute auf Facebook endlich aufhören “es schneit” zu posten”, seufzt der kirchlich gebundene Facebookfan und der Psychiater rät seinen Patienten, die sich mit jeder Menge von Problemen auf seine Coach legen “diese doch auf Facebook zu posten!”
Damit ist er dann wahrscheinlich arbeitslos und kann ins Netz gehen, um dort Onlineanalysen anbieten man kann aber auch zum “Grillfest der Datenschützer” gehen. Was aber, wie man merkt und liest, schwierig werden kann, denn “Ort und Zeit werden (natürlich) nicht bekannt gegeben.
Und dann wird auch noch der Ton in den sozialen Netzwerken, wie Michael Dufek knallhart feststellt “härter”, steht da doch einer mit seinem Hamster im Bild und droht ihm “die Vorhaut über die Ohren zu ziehen, wenn er nicht mind “1.000.000 Likes” bekommt.
Dann fährt man mit dem Auto zu schnell oder nicht richtig, ist nicht angeschnallt oder telefoniert sogar und der Freund und Helfer hält einen auf, aber “Herr Inspektor, ich sehe gerade, wir haben ja vierzehn gemeinsame Facebook Freunde! Kann man da vielleicht etwas machen?”
Ach ja, die Zeiten ändern sich.
Dufeks “Katzen verstehen leicht gemacht”, habe ich vielleicht soch in “Cartoons über Katzen” gefunden und dann fällt Rene mit der “Archnophobie” in der Selbsthilfegruppe auf, wenn Xenia Xeniophoikerin ist und Klaus eine “Klaustrphobie” hat.
“Den neuen Lösungsansatz für die Mariahilfesrstraße” habe ich wahrscheinlich in den “Cartoons über Wien” gefunden und früher war alles besser, weil man “sein Handy nicht verlieren konnte und es auch keine Spam Mails gab!”
Der “schiefe Turm aus Pizza” besteht aus aufeinander gereihten Pizzaschachteln und der einsame Mensch freut sich am Computer über “Jööö,spam”, was glaube ich, ganz gut zusammenpasst.
So geht es weiter und weiter und weil ich die besten Zeichnungen, die sich nicht auf das Internet beziehen ausgelassen habe, sollte man sich vielleicht das Buch besorgen, in den “Shop der komischen Künste” oder auf Dufeks Seite gehen und ach ja “Wienerisch für Afrikaner” gibt es natürlich auch zu lernen, denn die gemütlichen Ausländerfeinde, die man am Keplerplatz oder Brunnenmarkt treffen kann, verstehen ja zu “sudern”, kennen niemenden oder kennen die, die aus “Ghana” oder “Kenia” kommen und zum Schluß noch schnell ein paar “Unlogische Facebook Statusmeldungen”
“Mein Internet geht schon wieder nicht!” “Bin schon zu besoffen um zu schreiben! Party 3” “Leute, ich habe mich vom Facebook erlöscht!”
Man sieht, Michael Dufek kennt sich aus in der Materie, hat jede menge Humor und eine Reihe von unverbrauchten Gedanken.
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Olga Grjasnowa bei der Lesefestwoche
Die Lesefestwoche der Buch-Wien wurde ja gestern im Rathaus eröffnet und ging heute an verschiedenen Veranstaltungsorten weiter. So hat im Literaturhaus Olga Grjasnowa gelesen, die ich 2012 in Leipzig kennenlernte, wo sie am blauen Sofa aus ihrem Debutroman “Der Russe ist einer der Birken liebt” las und damit auf die Longlist des dBP kam.
Das Buch kam zu meinem Geburtstag zu mir , inzwischen gibt es einen neuen Roman “Die juristische Unschärfe der Ehe”, der in Frankfurt vorgestellt wurde, in Wien hat Kristina Pfoser eingeleitet und die junge Frau, mit der, wie ich finde etwas “schnodderigen Art” zu dem Buch befragt.
Es geht um eine Dreiecksgeschichte, ein Paar aus Baku, das wie die Autorin in Berlin lebt und eine sehr unkonventionelle Ehe zu führen scheint, weil es sowohl lesbisch als auch homosexuell ist, eine dritte Person kommt noch dazu und das Ganze hat auch Minuskapitel und die Heldin Lejla, eine Tänzerin, beteiligt sich dann noch in Baku bei einem illegalen Autorennen, wird verhaftet und von der Polizei gefoltert und dann kommt sie nach Berlin zurück und das Leben geht weiter, bzw. beginnt es wieder von vorne.
Nicht sehr viele Leute im Literaturhaus, aber die Lesefestwoche findet ja an verschiedenen Orten statt und vielleicht ist das literarische Wien überhaupt nicht so an der Festwoche interessiert, Ingrid Füher, die Pressesprecherin war aber da und hat sich als ich gekommen bin mit Robert Huez unterhalten und Christina Pfoser hat die Autorin auch zu ihrem Roman und das Leben in Russland oder in Aserbaidschan befragt. Die Autorin ist als Kind nach Berlin gekommen, hat in Leipzig studiert, aber auch am Gorki Instiut in Moskau, erzählte etwas über den Rassismus in Moskau und auch über ihr Leben in Israel, etc.
Kristina Pfoser empfahl das Buch zu lesen,weil sich das auf jeden Fall lohnt und der Herr, der neben mir saß, so wie ich, sehr viel in ein Notizbuch schrieb und dazu auch Olga Grjasnowa, die schöne blonde junge Frau portraitierte, sagte mir , daß er sich das Buch zwischen Weihnachten und seinem Geburtstag kaufen würde. Ich habe mich beim Wein mit ihm und den Schwab-Fan, den ich bei der Memorian Lesung kennenlernte unterhalten und bald geht es los mit der Buch-Wien, die sicher wieder interessant und spannend wird.
In “Wien live” gibts schon einen Bericht, die kleinen rosa Programmheftchen lagen stoßweise auf und des gibt ja auch am Donnerstag und am Freitag Lesewochenveranstaltungen im Literaturhaus. Am Donnerstag werde ich wahrscheinlich hinkommen, am Freitag ins Rathaus zur Herta Müller gehen und morgen zur Eröffnung und zur anschließenden “Langen Nacht der Literatur”, über die sich Robert Huez mit Ingrid Führer unterhielt und die zur ersten Mal auf der Buch Wien stattfinden wird, damit man sich die Messe schon am Abend anschauen kann.
Der fünfte Alpha-Literaturpreis und zehnter Nanowrimotag
Obwohl heute die Lesewoche der Buch-Wien mit einer Veranstaltung im Rathaus Klaus Maria Brandtauer-Ronald Pohl eröffnet wurde, bin ich auf den Rennweg ins Studio 44 hinausgefahren, weil der “Alpha Literaturpreis” vom Casino Austria veranstaltet, der österreichische dBP, allerdings nur für Autoren, die nicht mehr als drei Bücher verlegt haben, ein sehr exquisiter ist und es, wie ich am eigenen Leib erfahren habe, nicht so leicht ist, hineinzukommen.
“Nur für geladene Gäste!”, eine Zeitlang ist es zwar auch in der “Buchkultur” angekündigt gewesen, dann war aber elegante Abendkleidung angesagt und das Publikum dürfte sich aus Mitarbeitern bzw. der literarischen Prominenz zusammensetzen, heute habe ich aber außer Cornelia Travnicek und Manfred Chobot nicht viel davon gesehen. Dafür sind an dem Tisch wo ich gesessen bin, einige Verleger gesessen und eine Dame, die ich von der “Perutz-Preisverleihung” kenne.
Einen Preis der VHS scheint es auch zu geben, wo der Gewinner, dann an der Veranstaltung teilnehmen kann und Marijana Gaponeko, die Vorjahrssiegerin war da und hat sich an mich erinnern können, bzw. das “Literaturgeflüster” gekannt und sowohl Thorsten Leitgeb als auch Christian Jahl von der Vorjury bzw. der Hauptbücherei haben mich begrüßt.
Die Zeiten ändern sich also und auch meine Meinung, denn eigentlich dachte ich, nachdem die Finalisten bekanntgegeben wurden, daß nur Eva Menasse gewinnen kann.
Im Vorjahr war ich mir da bei Maijana Gaponeko sicher, als ich aber am Wochenende davor mit Cordula Simon ins Gespräch gekommen bin, hätte ich es ihr gewünscht und diesmal sagte ich bei der “Priessnitz-Preisverleihung” dem Wisser-Verleger Ralph Klever, daß das sicher die Menasse gewinnt.
Dann erzählte er mir “Alpha” hätte sehr viele Bücher von ihm bestellt und es gibt dort ja keinen Büchertisch und bei der Lesung heute hat mir der Auschnitt aus dem “Weißen Elefanten”, wovon ich auch schon im MUSA hörte, auch am besten gefallen. Ein Hinweis von Clarissa Stadler, der Moderatorin wäre auch gewesen, daß sie, als die die Lesenden ankündigte, sagte, daß “Eva Menasse, streng alphabetisch” beginnt und nachher wurde von einem Preisträger gesprochen und ich dachte, also doch, aber schön der Reihe nach…
Man kommt um halb sieben hin, nennt seinen Namen, kann bis sieben Sekt Orange oder was Grünes mit einer Gurkenscheibe und natürlich Saft und Wasser trinken. Dann gehts hinein zu den Tischen.
Clarissa Stadler begrüßt, von den Finalisten werden Portraits gezeigt. Zuerst las Eva Menasse aus den “Quasikristallen”, wo es ähnlich wie bei den “Dreizehn Kapitel” ,um eine Geschichte geht, wo die Hauptperson aus dreizehn verschiednenen Perspektiven geschildert wird.
Erwin Uhrmann folgte, ein junger Autor, den ich vor zwei Jahren auf der Buch-Wien kennenlernte, weil er bei der “Edition NÖ” sein Debut-Bändchen hatte.
“Ich bin die Zukunft” bei Limbus erschienen, handelt von einem Aussteiger, der sich auf einen Berg zurückzieht und Daniel Wissers “Weißer Elefant” von einem ehemaligen Manager, der jetzt in ein Kammerl abgeschoben wird, Autos zählt und Monologe hält.
Dann gabs wieder eine Musikeinlage und danach öffnete jemand das Kuvert “Der Preisträger ist…”, “Also doch…” – “Eva Menasse!”, eh klar und vielleicht ein wenig ungerecht, weil sie eindeutig die Prominenteste unter den zehn Shortlist-Namen war.
Theodora Bauer, deren Buch ich ja gerne lesen möchte, hat inzwischen den “Manuskripte-Preis” eröffnet und im Studio 44, hielt der neue Hauptjuror Paulus Hochgatterer, eine schöne Rede, warum dieses Buch und kein anderes, das ich mir diesmal zum ersten Mal bewußt für das “Literaturgeflüster” signieren ließ.
Dazwischen gab es das Buffet, wieder reichhaltig und equisit und interessante Gespräche mit den Verlegern zwischen denen ich saß und jetzt habe ich wieder was zu lesen und die “Buch Wien” hat mit der Lesefestwoche begonnen, morgen wird im Literaturhaus die Olga Grjassnova lesen. Am Mittwoch gibt es die Eröffnung und die lange Nacht der Bücher und bei “Alpha” lag neben dem Preisbuch auch das Programm und Gutscheine für die Messe auf.
Noch ein paar Worte zum “Nanowrimo”, wo meine Kurve erwartungsgemäß stagniert. Da habe ich sowohl am Freitag, als auch am Samstag ein paar Szenen geschrieben und halte jezt bei siebzig Seiten bzw neundundzwanzig Szenen und 34 216 Worten.
Schnelle Reise durch den Norden
Im November gibt es seit einigen Jahren die “Literatur im Herbst”, das ist eine Veranstaltungsreihe von Walter Famler, die es einige Zeit parallel zu der “Literatur im März”, die es schon in den Neunzehnhundertsiebzigerjahren gegeben hat, stattfand.
Seit einiger Zeit gibt es nur mehr die im Herbst, die meistens einem Land, Griechenland, Rumänien, Bulgarien, etc gewidmet war und weil die Veranstaltung oft zeitgleich mit meinem Geburtstagsfest stattfand, bin ich auch erst sehr spät hingegangen.
Seit ich blogge oder auch schon ein bißchen früher, bemühe ich mich zwar das zu tun, aber wenn die Eröffnung zeitgleich mit meinem Geburtstagsfest, das es seit den Neunzehnhundertachtzigerjahren gibt, geht es nicht und voriges Jahr habe ich auch nur hineingeschnuppert, weil wir ja in Ungarn waren. Dorthin fahren wir heuer erst nächste Woche, aber am Freitag war mein Fest, so habe ich die Eröffnungsreden versäumt und auch die ersten Leser von denen ich aber hörte, daß nicht alle gekommen sind. Das war zwar schon 2009 der Fall, als Herta Müller kommen sollte, aber durch den Nobelpreis absagte und am Samstag, wo ich eigentlich gehen hätte können, kam mir die liebe Iris zuvor und fragte mich, noch ehe ich das Programm bekommen hatte, ob ich mit ihr und Alfred zu “Gany Med goes Europe” gehen wolle. Zwar hatte ich da noch keine Ahnung, daß sich unter diesen sperrigen Namen, eine so schöne Veranstaltung verbarg, sagte aber zu und so ging ich am Nachmittag, die Vormittagsveranstaltung in der “Alten Schmiede” ist diesmal am Samstag ausgefallen, ins “Odeon Theater”, aber sehr bald wieder weg und hörte mir eigentlich nur die Übersetzerdiskussion mit Bernhard Strobel, der Tor Ulven, einen geborenen und 1995 wahrscheinlich an Krebs verstorbenen norwegischen Dichter, der den Preis der Hotlist bekommen hat und mit seinen Prosatexten ein Star war, an. Die zweite Dichterin, die vorgestellt wurde, ist die Schwedin, Mare Kandre in den Sechzigerjahren geboren und 2005 durch einen Autounfall ums Leben gekommen, interessant, daß es sich um zwei relativ jung verstorbene Dichter handelte und ihr Buch aus dem die Übersetzerin las, heißt “Der Teufel und Gott”
Dann sollte der Russe Denis Osokin kommen, hat aber abgesagt, so daß der Kurator der Veranstalter, Erich Klein erklärte, warum zu den nordischen Autoren, das Thema der heurigen Veranstaltung ist ja “Norden” auch die Russen gezählt werden. Dann las ein Schauspieler den Text “Aus Kasan, zu den Mari und rund um die Wolga”
Dann kam ein “Bekannter”, nämlich der Schwede mit österreichischer Mutter und griechischen Vater Aris Fioretos, den ich schon in der “Alten Schmiede” und auch heuer in Göttweig hörte. Er las wieder der “Halben Sonne”, wo es um den Tod seines Vaters ging, so daß es mir nicht ganz so schwer fiel, das “Odeon” zu verlassen und mich in Richtung KHM aufzumachen.
Da habe ich die “Russische Gedichte I – Session” versäumt, was aber nicht so schlimm war, denn am Sonntag ging es damit um elf in der “Alten Schmiede” weiter.
Da traten nämlich unter Leitung von Erich Klein wieder die Lyriker Michail Eisenberg, 1948 in Moskau geboren und Jelena Fanajlowa, 1962 geboren, in Moskau lebend, auf und Jelena Fanajlowas Langgedicht “Meine ukrainische Familie” ist auch im “Hammer” abgedruckt. Es wurde nochmals gelesen und es gab auch eine Diskussion über die Rolle der Lyrik und die Situation in der Ukraine.
Es scheint da einige Dichter zu geben, die den Anschluß an die Krim wollen und die wohl eine ähnliche Rolle, wie Peter Handke bezüglich Serbien, spielen.
Am Nachmittag ging es mit “Nordischen Reisen” und den “Nordischen Vatersuchen” weiter. Wieder bunt gemischt Russland und skandinavische Dichter, was ja eigentlich eine riesige Mischung ist und man nur ein paar Dichter kennenlernen konnten, aber die waren interessant.
Olli Jalonen zum Beispiel, 1954 in Helsinki geboren mit seinem Reiseroman “Vierzehn Knoten nach Greenwich” oder der Isländer, wieder ein anderes Land, Guomundur Andri Thorsson, der einen Roman in sechzehn Erzählungen präsentierte, der mich ein bißchen an meine “Dreizehn Kapitel” erinnert.
Da fährt eine Slowakin in einem bunten Kleid durch die Dörfer, um am Abend einen Chor zu dirigieren und in jeder Erzählung kommt sie vor.
Robert Reinagl las die deutschen Texte und nach einer Pause, wo ich mich mit Trude Kliber unterhilt, ging es mit der Finnin Rosa Liksom weiter, die schon den Einleitungsvortrag “Finnland, Lappland, Russisch und ich” hielt.
Sie ist, glaube ich, eine Lappin, trug rote Strümpfe, einen bunten roten Rock, hat lange in Russland gelebt und in dem Roman, der präsentiert wurde, ging es um eine Fahrt in der Transib, die eine junge Finnin macht und dabei mit einem russischen Trinker und wahrscheinlich auch Kriminellen, im selben “Abteil Nr. 6” fährt.
Sigrid Combüchen, die nächste Lesende, wurde 1942 in Deutschland geboren, lebt in Schweden und hat einen “Damenroman” geschrieben, wo es um ein Frauenleben in den Neunzehndreißgierjahren geht.
Dann gab es wieder eine Pause und es wurde wieder Russisch, nämlich mit Alexander Illetschewski, dessen Roman “Matisse” noch nicht erschienen ist, aber sehr interessant sein dürfte, weil es ein sehr problematisches überfülltes Moskau mit seinen Aussteigern, Obdachlosen und Straßenkindern schildert und den Star, Vladimir Sorokin, der dann folgte, habe ich schon zweimal gehört und auch ein Buch von ihm gelesen und wenn ich mich nicht irre, hat er vor zwei Jahren anläßlich der Buch-Wien im Literaturhaus auch aus dem “Schneesturm”, der am Sonntag präsentiert wurde, weil sein neues Buch erst nächstes Jahr erscheint, obwohl Erich Klein behauptete, daß in Österreich daraus noch nicht gelesen wurde. Ein Buch, das wie im neunzehnten Jahrhundert beginnt, ein Landarzt muß zu Patienten, um ihnen ein Medikament zu bringen, weil eine Epidemie ausgebrochen ist, ein Kutscher soll ihn fahren, es gibt einen Schneesturm. Daran spann sich eine lange Diskussion mit Sorokin, der Deutsch spricht, seit einiger Zeit auch in Berlin lebt und Erich Klein eigentlich nicht sagen wollte, ob Putin der “Böse” ist oder das Flugzeug in Donezk deshalb abstürzte, weil es in einen Schneesturm gekommen ist.
Das Buch spielt jedenfalls, auch wenn man es nicht gleich merkt, 2040 und die Epidemie verwandelt die Menschen in Zoombies und der Schneesturm ist, wie Sorokin betonte, der dritte Protagonist, neben dem Landarzt und dem Kutscher, weil er ein wichtiges russisches Element verkörpert.
Interessant diese Kurzexursion in den Norden, von der ich einiges versäumte und man auch darüber diskutieren kann, ob ein eigener Schweden, Russland, Norwegen, Finnlandblock, etc, nicht effektiver wäre, aber wer weiß, ob es die “Literatur im Herbst” noch so lange geben wird, es wird ja überall eingespart.
Rundgang durch das KHM
Bei der Aufzählung meiner gestrigen Geschenke, habe ich auf eines der lieben Iris vergessen, das zwar ein bißchen quergekommen ist, aber meinen Geschmack getroffen hat, nämlich “Gany Med goes Europe”, das klingt zwar ein bißchen unverständlich, ist aber eine tolle Sache, denn da wurden einige der österreichischen Gegenwartsautoren aufgefordert sich ein Bild im kunsthistorischen Museum auszusuchen und einen Text darüber zu schreiben.
Das ist zwar nicht so ganz neu und ich war auch schon im kunsthistorischen Museum bei einer Mayröcker Veranstaltung und die “Alte Schmiede” hatte auch mal was, wo ein Text zu einem Bild gelesen wurde, aber das war eine Performance, eine Jacqueline Kornmüller hat die Texte, die von Schauspielern gelesen, getanzt, bespielt etc wurden, inszensiert. Es war wegen des besonderen Erfolges auch eine Wiederholung und die Inszenierung wird es außer Wien auch in Breslau und in Budapest geben, womit das “Europe” erklärt ist. Das “quer” bezieht sich, auf etwas, was schon mein Geburtstagsfest betroffen hat, nämlich eine Parallelveranstaltung, hat am Freitag ja die “Literatur im Herbst” angefangen und ist am Samstag weitergegangen.
So habe ich einiges da versäumt, bzw, bin ich um halb sechs von dort weggegangen, aber wie sagt, so schön der Alfred “Man kann nicht alles haben!” und eigentlich hätte ich so früh gar nicht weggehen brauchen, die Veranstaltung begann erst um sieben, aber auf der Eintrittskarte ist etwas von sechs gestanden, so war ich schon einige Minuten nach sechs da und stand vorläufig im Regen, während der Alfred und die Iris, die schon früher gekommen waren, drinnen waren.
Ich war aber nicht allein und habe mich wieder mal gewundert, wieviele Leute für eine literarische Veranstaltung vierunddreißig Euro zahlen, während ich ja den Gratiseintritt gewohnt bin.
Um viertel sieben wurde hineingelassen, man bekam ein Programm in die Hand gedrückt. Auf meinem stand “Beginnen Sie Ihren Rundgang mit dem roten Pfeil!”, aber vorerst hieß es warten.
Das heißt, man konnte sich ein Klappstockerl bei der Garderobe holen und nach einigen Minuten kam eine Frau im roten Kleid und legte sich in der Halle auf den Boden, eine andere kam hinzu und ging um sie herum, berührte sie. Alfred erklärte mir, das sei die Mercedes Echerer, immer mehr Schauspieler kamen, zuletzt ein älterer Mann in einem Schwanenseekostüm, als sich der zu lang herumdrehte, beschwerte sich jemand aus dem Publikum “Wann können wir endlich zu den Bildern, das ist doch blödsinnig!”
Um sieben war es dann soweit, die Eintrittssperren wurden weggelassen. Wir folgten dem roten Pfeil und kamen zuerst zu dem Bild “Lots Tochter” und zu dem Haderlap Text “Die Stimme”. Eine junge Frau saß auf den Besucherstühlen und erzählte von der Vergewaltigung ihrer Schwester durch ihren Vater und, daß sie noch die Wärme der Haut auf ihren Brüsten spüren könne.
Ein typischer Hadalap Text, stark und eindringlich, dann ging es weiter zu Peter Paul Rubens “Haupt der Medusa und Anna Kim. Hier performten zwei Frauen. Maria Bill sprach den Text, die Tänzerin im roten Kleid, die sich zuerst auf den Boden gelegt hatte, drehte sich auch hier herum und zeigte, daß sie ziemlich wenig anhatte und ich saß so schlecht, daß ich den Text nicht gut verstanden habe. Außerdem stellten sich ein paar Frauen vor mich hin, aber das Publikum begann sich dann sowieso zu verteilen und den Text den die “Strotter zum “Heiligen Hyronimus” vortrugen, mußte man sich auf Audo-Casette anhören.
Milena Michiko Flasar hat etwas zu der “Apfelschälerin” von Gerard Ter Borch geschrieben, das von Nicole Heesters vorgetragen wurde. Das habe ich aber nicht gleich gefunden und dann war es schon zu Ende. Es waren zwar Non Stop Performances, aber als ich hinkam war gerade eine Pause, so habe ich nur später einen Teil gehört und bin zuerst zu einem Geiger gegangen, der einen “Walzer” von Johanna Doderer zu einem Bild von Pieter Breugel spielte. Dann ging es zur Mercedes Echerer und der “Saalaufsicht” ein Text von dem mir unbekannten Lajos Parti Nagy, auch zu einem Bild von Pieter Bruegl und der Text war sehr interessant, ging es doch um ein Kind, das eine Saalaufseherin von den alten Maler haben wollte und um eine Frau Direktor, der sie das erzählt. Der Text, den Franz Schuh zu zur “Hölle” von Herri met de Blues geschrieben hat, war auch sehr interessant und sehr sozialkritisch, ging es da ja um das Leben und Sterben in den Sozialbauwohnungen und die Schauspielerin Sona McDonald lag dazu in einem Spitalsnachthemd in einem Krankenhausbett.
Einen Text von Angelika Reitzer zu einem Bild von Tizian gab es auch und noch einmal Musik von Johanna Doderer, die getanzt wurde.
Dann ging es zur “Beweinung Christis” und zu Josef Winkler, da habe ich auch nur ein bißchen hineingeschnuppert. Ab dann wurde es aber konkreter, weil ich schon die halbe Runde hatte und wußte, daß ich mir Zeit lassen konnte, da von sieben bis zehn gespielt wurde und es ging dann in den “Wald” zu einen sehr beeindruckenden Text, den Martin Pollak über die Nazivergangenheit seines Großvaters geschrieben hat. Wieso ihm das ausgerechnet zu einem Bild von Guiseppe Arcimboldo eingefallen ist, ist mir nicht ganz klar, ist aber vielleicht mit der Biografie des Autors zu erklären.
Dann gabs zweimal Peter Estherhazy zu einem Bild des “Dogen Francesco Erizzo” von Bernardo Strozzi und dem von “Graf Phillipp Ludwig Wenzel Sinzendorf namens “Der plötzliche Tanz”, da traf ich dann den Mann in dem Ballettkostüm und dazwischen gab es noch Julia Stemberger mit einem Doron Rabinovici Text namens “Ambra”, der die Behauptung aufstellt, daß der Holofernes gar nicht von der Judith, sondern von einer Putzfrau geköpft wurde und interessant ist auch, daß es in dem Saal zwei Bilder zu diesem Thema gab.
Nachher trafen wir uns alle wieder in dem Kaffee und tauschten unsere Meinung aus. Ich fand die Performance sehr spannend, die Verbindung der Gegenwartsliteratur mit den alten Bildern, die mir alleine inzwischen nicht mehr gefallen würden. Die Eingansperformance hätte ich zwar weggelassen und natürlich wäre ich auch gerne eingeladen worden, einen Text dazu zu schreiben, kann das aber, wenn ich will, natürlich für mich selber machen und so danke ich der lieben Iris sehr, mich ins kunsthistorische Museum gebracht zu haben.
Die Veranstaltung wäre sonst an mir vorbeigegangen, obwohl ich einmal beim Kino unter Sternen, sogar Eintrittskarten fürs Museum gewonnen habe, aber als ich die mit der Ruth einlösen wollte, hatte ich sie schon verloren.
Ich habe aber schon einen Text über das KHM geschrieben, feiert in “Kerstins Achterl” dort doch der kleine Hector seinen Geburtstag und den meinen habe ich in wenigen Stunden.
Geburtstagsliteratur
Und wieder einmal literisch Geburtstagsfest, seit den Achtzigerjahren tue ich das ja schon, daß ich zu meinem Geburtstas meistens am Freitag eine Lesung veranstaltet, meine Freunde einlade und nachher gibts ein Buffet.
Begonnen hat es noch in der Otto Bauergasse. 1986 wollte ich da, glaube ich, einen literarisches Salon veranstalten, dann gesehen, ich habe zu wenig Sozialkontakte für monatliche Veranstaltungen. So wurde es ein Geburtstagstagsfest. Erst in der Otto Bauergasse, dann in der Gumpendorferstraße, in der Reinprechtsdorferstraße, schließlich in der Krongasse. Nicht jedes Jahr, zweimal habe ich es auch ausgelassen und zweimal gabs statt dessen ein Praxiseröffnungsfest ohne Lesung.
Am Anfang immer Hangen und Bangen kommen genug Leute. Diesmal war es umgekehrt, da hatten soviele zugesagt, daß ich dachte, es werden zuviel, denn mehr als zwanzig höchstens fünfundzwanzig gehen in das Zimmer nicht hinein. Habe ich ja ungefähr zwanzig Einladungszettel immer in der Handtasche getragen und bei den Veranstaltungen auf denen ich war, an die Stammbesucher verteilt, so daß auch von ihnen einige gekommen sind, sowie an die Journalistin Judith Grohmann, die sich Anfangs des Jahres bei mir meldete, um mich zu fragen, ob ich ihr tolles Buch nicht auf meinen tollen Blog besprechen will? Sie ist auch auf dem Eingangsfoto ganz oben mit mir zu sehen, denn der Alfred stellt sich ja immer an die Tür, wenn es läutet,um die Eintretenden zu fotografieren.
Am Anfang habe ich die Frauen aus dem Arbeitskreis zum Lesen eingeladen, die Elfriede Haslehner, die Hilde Langthaler, Valerie Szabo-Lorenz später die Ruth Aspöck, die Judith Gruber Rizy, einmal waren auch Elfriede Gerstl da und Cornelia Travnicek, einmal gab es eine reine Männerlesung, zum fünfzigsten und zum sechzigsten Geburtstag habe ich allein gelesen. Heuer waren wir wieder zu sechst und dieses Mal gemischt, drei Männer und drei Frauen oder wenn man es so will, auch je dreieinhalb. Hilde Schmölzer und der argentinische Schriftsteller Lidio Mosca Bustamante lesen gern bei mir. Ruth Aspöck hat schon öfter gelesen, dieses Mal auch der Robert Eglhofer und Klaus Khittl, den ich als Studentin als Musikkritiker der “Presse” in der Oper kennengelernt hat und der sich in der letzten Zeit der Schriftstellerei widmet und an einem Roman schreibt, als Gloria G.
Der Alfred hat wieder das Buffet gemacht, am Anfang habe ich Salzstangerl und Käsewürfel hingestellt, dann kam der Alfred mit den Roastbeefbrötchen, dem Lungenbraten im Blätterteig und zum Nachtisch Topfenstrudel. Das letzte Jahr hat er es liefern lassen. Diesmal gab es Apfelstrudel, den geplanten Mandelkuchen hat er weggelassen, weil er sehr verkühlt war.
Das betraf auch meine Gäste, so kamen heute Absagen von den Heislers und die Trude Kloiber ist gekommen und hat mir Marlene Streeruwitz “Nachkommen” gebracht. Leider hatte ich mir das schon vom Alfred gewüscht, vor ein paar Jahren ist mir das auch bei der Maja Haderlap so passiert.
Da denkt man, es gibt soviele Bücher und dann sind es doch nur ein paar Neuerscheinungen, die durch alle Munde gehen. Dann bekam ich aber noch Dave Eggers “Cercle” vom Karl, das hatte ich mir gewünscht und von der Hilde Schmölzer ihr “Trakl-Buch”.
Vom lieben Rudi eine Anthologie aus dem “Mostviertel”, von meinem Psychologiekollegen Wolfram Huber, der ja jetzt in Sachen Suttner in Gotha war, ein Buch über Goethes Freundes in Gothar und Weimar”, dann noch eines über den Carl Djerassi und vom Herrn Blaha eine Märchensammlung eines armenischen Dichters und dann noch Blumen, Süßigkeiten, Wein und von der Ruth Aspöck eine Haube, die sie mir aus Banja Luka mitbrachte, weil sie vor kurzem dort war, um für ihr neues Buch Recherchen zu machen.
Ganz sinnvoll war noch ein rotes Moleskino von der Erika Parovsky, weil ich ohnehin bald einen Notzblock für die Veranstaltungen brauche und ich die mir meines aus Blöcken selber zusammenbinde. Ein Bild von der Galerie Lindner gab es auch.
Und weil heuer soviele Leute zugesagt haben, war die Küche bald voll und bald war es halb acht vorbei und die Lesung hat begonnen und die war diesmal, wie immer eigentlich besonders interessant, so begann Ruth Aspöck mit einem Text über das “Alte und das Neue”, wo es auch um das Aussortieren und das Wegwerfen ging und dann von der ehemaligen “Donauverlegerin” natürlich einen Donautext.
Dann folgte Robert Eglhofer mit zwei Gedichten aus Englisch und einem Ausschnitt aus seinem Schulroman, der inzwischen ein Schulkrimi geworden ist. Der Direktor liegt im Schlafsack tot in seinem Zimmer, wo ihn dann der Schulwart findet und Gloria G.s Text führte nach Venedig in die Oper. Wo es dann noch eine Warnung von Klaus Khittl gab, sich niemals im November in Venedig “Hofmanns Erzählungen” anzusehen, weil da triff man vielleicht auf Skelette und das Verwirrspiel, um die Ich Identiät die Bubenmädchen oder die Mädchenbuben gab es dabei auch.
Dazu passte Hilde Schmölzers Textausschnitt aus ihrem Trakl-Buch ganz ausgezeichnet, erstens weil es da ja auch um eine verbotene Liebe zwischen Georg Trakl und seiner Schwester Margarete gab und zweites hat sich Georg Trakl vor fast genau hundert Jahren an einer Überdosis Kokain das Leben genommen, weil er die Schrecken des ersten Weltkrieges nicht mehr ausgehalten hat und das passte wieder gut zu meinem “Schutzengelchen”, wo es ja auch um den ersten Weltkrieg geht und um eine vor hundert Jahren verstorbene Ururgroßmutter, die nach Donezk fährt, um dort eine Zeugin des Flugzeugabsturzes kennenzulernen. Ich habe allerdings zum Fest passend, die Stelle mit den Schwedenbomben gelesen und dann ging es weiter mit dem Buffet und Gespräch. Die Literatur im Herbst, die zeitgleich begann habe ich dabei zwar versäumt, werde aber Samstag Nachmittag und am Sonntag hingehen können und dann gibt es auch sehr bald die “Alpha Gala”, wo ich sehr gespannt bin, ob der “Weiße Elefant” oder die “Quasikristalle” gewinnen werden und bezüglich meines Schreibprojekts, habe ich in der Nacht auf Freitag ein bißchen an meinem Plot geplant und am Freitag immerhin drei Szenen oder dreitausenddreihundert Wörter geschrieben, so daß auch das nicht zu kurz gekommen ist.
Lotti, die Uhrmacherin, Unsühnbar
Nun kommt die Besprechung von Band II, der Leseausgabe der entstaubten Werke der Baronin von Ebner-Eschenbach, vor fast hundert Jahren gestorben, zu ihrer Zeit als Schriftstellerin sehr berühmt, jetzt noch in den Schulbüchern, Uhrensammlerin, Technik besessen und was wohl zu rühmen ist, eine sozialkritische Autorin, zwar nicht besonders frauenbewegt wie ich hörte, die aber dennoch auf die sozialen Unrechtsstände aufmerksam und sich in “Franzensbad” auch über den Adel gehörig lustig machte.
Ein berühmtes mit einem nicht so berühmten Werk, soll in der vierbändigen Leseausgabe, mit einem Kommentar der drei Herausgeberinnen versehen, vorgestellt werden.
Band II hat Evelyne Polt-Heinzl herausgegeben und die “Lotti” ist wohl das berühmte Werk.
Es gibt davon auch eine Reclamausgabe, wie ich gerade auf der “Amazon-Seite” gesehen habe. Und die Lotti ist, eine sehr selbstbewußte, bürgerliche Frau, wenn ich mich nicht irre, haben die Herausgeberinnen bei der Präsentation erwähnt, die Ebner-Eschenbach wäre nicht so frauenbewegt gewesen, es gibt aber das Zitat von ihr mit dem der Verlag wirbt:
“Eine gescheite Frau hat Millionen geborener Feinde: alle dummen Männer” und die Polt Heizl erwähnt in ihrem Vorwort noch, daß sie nicht, wie die Lotti, allein auf den Straßen Wiens herumspaziert sei und sich auf ihren Reisen auch immer von Verwandten begleiten hat lassen.
Die Geschichte spielt um 1880 und daß da eine Frau, das Fräulein Lotti, eine fünfunddreißigjährige “alte Jungfer”, sprich unverheiratete Frau, mit der Berufsbezeichnung angegeben wird, ist, glaube ich, schon ungewöhnlich, waren die Frauen ja damals Ehefrauen oder Dienstmädchen und sonst nicht viel. Ein paar Huren wird es auch gegeben haben.
Das Fräulein Lotti ist aber die Tochter eines Uhrmachermeisters und wohnt tausend Schritte von der Stephanskirche entfernt, der Vater ist gestorben und hat ihr eine berühmte Uhrensammlung hinterlassen, die Namen der Uhren werden alle angegeben, sagen einen heute wohl nicht mehr viel und die Ebner-Eschenbach, hörte ich, war ebenfalls eine Uhrensammlerin, die solch schöne Stücke hatte.
Am Totenbett machte sich der Vater Sorgen, seine Tochter vielleicht unversorgt zurückzulassen und beschwört den Ziehson Gottfried, die Uhrensammlung für sie zu verkaufen. Lotti will das aber nicht und scheint in ihrer Wohnung für einen Uhrmachermeister zu arbeiten.
Gottfried, auch Uhrmacher, arbeitet für einen anderen und zu Beginn des Buches, eröffnet ihr Gottfried, daß er ein Geschäft aufgemacht hat, wo am Firmenschild “G. u. L. Feßler”, auch sehr selbstbewußt steht.
Es passiert an dem Tag aber noch etwas anderes, Lotti soll eine Uhr, so ein wertvolles Unikat überprüfen und erstarrt, denn es ist die, ihres Ex-Verlobten und geht kurz in die Vergangenheit zurück.
Vor fünfzehn Jahren, da war sie zwanzig, kam der mit der Uhr zu ihrem Vater und ließ sie schätzen, der rief seine Tochter herbei, die schätze richtig und die Liebe zwischen ihr und Hermann von Halwig begann, einem Beamten und Poeten, dessen erstes Buch, es dürfte sich um einen Kolportageroman gehandelt haben, soeben erschienen ist.
Es hat mit der Liebe aber nicht so ganz geklappt oder Lotti fühlte sich von ihrem Verlobten nicht gut genug behandelt. Sie löste jedenfalls die Verlobung auf und wurde, da sie, wie die Ebner-Eschenbach betonte, keine sehr schöne Erscheinung war, eine alte Jungfrau.
Jetzt beginnt sich aber alles zu bewegen, Lotti trifft bei dem Uhrmacher, den ehemaligen Verlobten wieder, der vor drei Jahren eine sehr schöne junge Frau geheiratet hat und der bewegt sie, seine Agathe zu besuchen.
Die ist nervenleidend, ans Bett gefesselt und überfällt Lotti gleich mit einer Aufgabe, sie soll ihren Mann bewegen, einen Vertrag mit einem Agenten zu unterschreiben, in den nächsten zehn Jahren drei Bücher jährlich zu schreiben, weil sie das Geld für ihre Eltern brauchen. Halwig hat ihr aber schon gestanden, daß ihm das zuviel ist und es wird auch gleich Besuch gemeldet, der Advokat des Hauses, den Lotti statt der Hausfrau, die sich erst ankleiden muß, empfangen soll. Der nimmt sie anderwerttig in Beschlag, denn wenn Halwig das macht, ist das sein Untergang und “seine Seele verkauft man ja nur selbst, nie die eines anderes!”
Eein abgekatetes Spiel würde man heute meinen, in den Rezensionen habe ich etwas von selbstloser Liebe gelesen und ich habe an dieser Stelle gedacht “Um Gotteswillen, hoffentlich nicht!”, habe aber aus den Vorbemerkungen schon gewußt, daß die Uhren verkauft werden.
Eveline Polt-Heinzl betonte hier, daß das die einzige Stelle sei, wo Lotti, als Fräulein Charlotte Feßler beschrieben wird.
Der Ziehbruder Gottfried ist dabei und schließlich mit dem Geschäft auch einverstanden. Lotti besucht die Beiden auf dem Gut, das sie für sie kaufte, auch einmal. Sie haben sie ja auch eingeladen, gehen aber in ihr Glück versunken an ihr vorbei, so daß sie heimfährt und sich mit Gottfried verlobt, um ihre Jungfrauschaft nun doch zu beenden.
Evelyne Polt-Heinzl hat in ihrem Vorwort noch geschrieben, daß es eine Urfassung gab, in dem es kein solches Ende, die Leser scheinen es gewollt zu haben, gibt und ich bleibe ein wenig ratlos zurück, da mir die “aufopfernden” Handlungen der Courths-Mahler Frauen ein wenig logischer, als die der Lotti erscheinen.
Denn der Halwig wird ja als ein eher wankelmütiger Charakter beschrieben, deshalb hat sie ihre Verlobung auch aufgelöst und Glück scheint ihr Opfer den Beiden auch nicht begbracht zu haben, denn die Ehe ging ja schief und der Poet begann auch wieder zu schreiben, etc.
Spannend aber, was über das Schreiben berichtet wird und auch, daß die Lotti eher als altmodische Frau geschildert wird, die nur weite schwarze Kleider trägt, während die Schneidermeistertochter im Nachbarhaus sich viel modischer kleidet, die ist vielleicht auch frauenbewegter.
Lotti liest auch keine modernen Bücher, also nicht die, für die sie sich opferte, sondern nur die alten ihres Vaters, die sie neben ihren Uhren, ebenfalls als großen Schatz betrachtete.
“Unsühnbar”, die unbekanntere Geschichte, die Ebner-Eschenbach hat ihre Texte statt Romane, bescheiden Erzählungen genannt, die nur in einem Literaturlexikon der DDR erwähnt wurde, war für mich, trotz der vordergründig triefenden und heute nicht mehr ganz nachzuvollziehenden Handlung, wegen des sozialen Hintergrunds, der daraus zu entnehmen sind, die spannendere.
Es geht wie Evelyne Polt-Heinzl erklärte, um den “Töchterschacher”, die standesgemäße Verheiratung der Mädchen oder Söhne aus adeligen Kreisen, ohne nach Lust und Neigung zu fragen und um den Ehebruch der Frau und wie auch bei der “Lotti” ist die Handlung ein wenig umständlich.
Da ist Maria, eine schöne Komtesse, die in die Oper geht, sich für Kunstgeschichte interessiert, Klavier spielt, die übliche “Komtessenerziehung”, die die Ebner-Eschenbach verabscheute, halt. Sie hat eine Neigung zum Herrn von Tessin, wird aber vom Vater mit dem Grafen Dornach verheiratet, aber der Vater ist ohnehin nicht so untadelig, hat er doch ein illegitimes Kind, den bösen Wolfi, weshalb die Mutter auch an einer Gemütskrankheit verstarb.
Der Graf von Dornach ist aber ein edler und liebt Maria aufrichtig, sie hat auch schon erkannt, daß der Felix Tessin, gar nicht so edel ist, trotzdem verführt er sie mit Hilfe des Wolfis, es kommt zum Ehebruch und das zweite Kind, schaut ihm dann sehr ähnlich, das bemerkt zwar nur Maria, nicht die anderen. Aber die sühnt, geht beichten, wird nicht verstanden, versucht sich umzubringen, aber dann wäre sie eine Mörderin am ersten Kind, will es dem lieben Hermann sagen, kann es ihm aber auch nicht antun, etc.
So sühnt sie indem sie sich für die Armen aufopfert, was aber auch nicht so einfach ist, denn die danken es ihr vielleicht nicht richtig, nützen sie aus, machen sich über sie lustig, etc.
Dann springt der kleine Hermann noch über einen Steg, den die Holzfäller immer leichtsinnigerweise anlegen, um weniger Arbeit zu haben, stürzt ins Wasser, er und der Vater, der ihn retten will, kommen dabei um und als nun der kleine Erich zum legitimen Nachfolger erklärt werden soll, bekennt Maria den Ehebruch, wird von der Stiefmutter verstoßen und die Leute in dem Dorf, wo das Schloß ihres Vaters steht, in das sie sich zurückzieht, machen sich über sie lustig, bzw. verspotten sie das Kind.
Nun ein bißchen schwierig oder rührselig und der Josef Breuer, Mitautor Freuds, mit der Ebner-Eschenbach befreundet, soll ihr gesagt haben, daß sie den “Stoff nicht erotisch genug angepackt hat”, denn “so genügsam ist kein Mann!”
Die Frauen aber schon, mußten es sein, obwohl in der alten Jungfer, Amme oder Kammerzofe Marias, Lisette, die sich in den Hausarzt, der wie die Landärzte mit aristrokratischer Kundschaft, immer gern Fremdwörter verwendet, verliebt und ihn heiraten will, eine erstaunlich moderne Figur gezeichnet wird.
Die Jagd, das sinnlose Hinschlachten von Hasen und Rehen wird gerügt und die Treiber, die dabei angeschoßen werden, bekamen vom Gutsherrn, eine Entschädigung dafür, so daß es passierte, daß sich diese absichtlich verlezen ließen, um das Geld zu kassieren.
Spannend, sich in die Moralvorstellungen des vorvorigen Jahrhunderts einzulesen und in eine Gesellschaft, die es so nicht mehr gibt, wenn das auch Anfang nicht so einfach war, denn im vorvorigen Jahrhundert schrieb man auch ein wenig umständlich und langatmig, was wir heute nicht mehr so gewohnt sind, dank der Herausgeberinnen gibt es aber viele Anmerkungen, so daß man einiges nachlesen und sich informieren kann.
Neuentdeckung Gina Kaus und sechster Nanowrimotag
Ich bin ja eine, die sich sehr für die Literatur der Zwischenkriegszeit interessiert und auch eine, die die alten Bücher sammelt und so bin ich irgendwann auch auf den Namen Gina Kaus gestoßen, beziehungsweise gab es in der Berggasse in der ich leider schon lange nicht mehr war, eine Veranstaltung, wo ich das erste Mal auf die von 1893-1985 geborene, sehr erfolgreiche österreichische Schriftstellerin der Neunzehnhunderzwanziger bis neunzehnhundertdreißiger Jahre, die dann nach Amerika emigrierte, als Drehbuchautorin arbeitete und 1985 in Los Angeles gestorben ist, aufmerksam wurde.
Damals gab es auch das Gerücht ihre Autobiografie wäre in der Buchhandlung Kupptisch um einen Euro zu bekommen, ich bin hingelaufen, war aber nichts.
Den 1957 bei Bertelsmann erschienene Roman “Teufel in Seide” habe ich inzwischen im Bücherschrank gefunden und Gina Kaus wird auch wieder aufgelegt.
Der “Metro-Verlag” hat den am Ende des ersten Weltkrieg spielenden Roman “Die Front des Lebens” in diesem Jahr wieder aufgelegt und die “Exil Bibliothek” im Literaturhaus hat das Buch heute präsentiert und spannend eine ganz andere Athmosphäre als in der letzten Woche, wo die alten Männer dominierten, diesmal waren es die jungen Frauen, die sich miteinander unterhielten und einander germanistische Details erzählten.
Zuerst kam aber wieder Ursula Seeber an die Reihe, stellte die Autorin vor, die als Unterhaltungsschriftstellerin rezipiert bzw. inzwischen vergessen wurde.
Sandra Steindl vom Verlag begrüßte und Marlene Streeruwitz hat das Vorwort zum Roman geschrieben, der 1928 in der Arbeiterzeitung in Fortsetzungen erscheint und jetzt als erstes Mal als Buch aufgelegt wurde. Veronika Hofeneder, eine Literaturwissenschaftlerin der Universität Wien hat es Buch herausgegeben und scheint sich offenbar schon sehr lange für Gina Kaus zu interessieren.
Birgit Lehner las aus dem Buch, das kurz vor oder nach Ende des ersten Weltkrieges in einer Hietzinger Villa spielt, wo Frau Renate versucht ihren Lebensstandard aufrechtzuerhalten und ihr Leben trotz Zerfalls der Monarchie weiterzuführen, die Sozialisten sind aber an der Macht, deshalb haben die Reichen vor ihnen Angst und engagieren einen ehemaligen Türsteher eines Erzherzogs, der keine Pension bekommen hat, als Nachtwächter, Sohn Edgar kommt als Oberleuntnant heim und leidet sehr unter dem verlorenen Krieg, seine Schwester Maria wurde auch entwurzelt und hat ihr Kunststudium aufgegeben, bzw. malt sie nicht mehr und in der Diskussion zwischen der Herausgeberin und Christa Gürtler, die inzwischen Geschäftsführerin der Salzburger Leselampe ist, kam heraus, daß die Frauen in dem Buch, die starken Rollen spielen, während die Männer die Verlierer sind.
Die Entwurzelung und die Traumatisierung kam für mich sehr stark heraus und interessant auch und vielleicht ein bißchen verwunderlich, daß ein Roman, der so stark in der Bourgeoisie spielt, in der Arbeiterzeitung erschienen ist.
Die Diskussion war sehr interessant, war ja Adolf Opel da, der sowohl ein Buch über die Bachmann geschrieben hat, als auch Lina Loos Werke herausgibt und Hilde Schmölzer, die sich sehr gut auszukennen scheint und um die Frauen um Karl Kraus, mit dem Gina Kaus befreundet war, forscht und Karl Kraus steht in der Biographie hat der erste Satz “Stiasny gähnt” sehr gut gefallen und die Biografie der wilden Frau ist auch sehr interessant, so hat jedenfall Eva Bakos, von der ich auch schon ein paar Bücher im Schrank gefunden und gelesen habe, Gina Kaus Halbschwester, Stephanie von Hohenlohe, die mit Adolf Hitler berfreundet war, genannt, bzw. in einem ihrer Bücher sie so beschrieben und es ist sicherlich sehr schade, daß die meisten Kaus Bücher inzwischen vergriffen sind, beziehungsweise wieder aufgelegt werden und ich wunderte mich ein wenig, daß man im Schrank so wenig Kaus-Bücher findet, wenn sie früher eine der meistgelesenen Autorin war.
Joe Lederer, Elisabeth Gürt, Annemarie Selinko, etc sind dort zu finden, von der Kaus fand ich bis jetzt nur das eine Buch, für die Autobiografie, die wieder erwähnt wurde, interessiere ich mich natürlich nach wie vor sehr und bezüglich meines eigenen literarischen Schaffens ist zu vermelden, daß ich wieder sehr erfolgreich war und einige Szenen weitergeschrieben habe. Inzwischen gibt es 24 900 Worte also fast Halbzeit, einundfünzig Seiten beziehungsweise einundzwanzig Szenen und ich schreibe eigentlich sehr locker und entspannt vor mich hin. Meistens setze ich mich ja immer unter Druck, daß der kleine Teufel in mir denkt “Schon wieder nicht gut genug!”
Das denke ich zwar diesmal auch, das ich manchmal Unsinn schreibe, habe aber Spaß daran und versuche, das dann auch zu überhöhen, ist es ja das, was mir angeblich fehlt und mit meinen in der vorigen Woche erarbeiteten Plot bin ich fast zu Ende, das heißt, ich weiß nicht wirklich wie es weitergeht. Die Veronika stirbt wahrscheinlich am Ende und der böse Robert hält vielleicht ihre Hand, wahrscheinlich hört sie zu Essen auf und stirbt mehr oder weniger friedlich vor sich hin. Davon bin ich aber noch sehr weit entfernt und wie ich die anderen fünfundzwanzigtausend Worte schaffe, ist mir vorläufig ein Rätsel.
Allerdings habe ich vor einer Woche auch nicht gewußt, daß ich heute fast die Hälfte habe. Ich werde jetzt auch bald unterbrechen, morgen ist mein Fest und da muß ich wahrscheinlich vorbereiten und herrichten, so daß ich wohl nicht zum Schreiben komme. Dann beginnt die “Literatur im Herbst” und die “Buch Wien” und in Ungarn kann ich zwar dann wieder schreiben und nur hoffen, daß es mit der Handlung weitergeht. In den letzten zwei jahren war ich ja immer schon viel früher fertig, im ersten Jahr habe ich nach der “Buch Wien” wieder mit dem Schreiben angefangen. Jetzt denke ich, daß ich einfach Szene um Szene schreibe, bis ich die fünfzigtausend Worte habe, beziehungsweise der November zu Ende ist umd mich danach um den Rohschliff kümmerere.
Den Ernst Lothar sollte ich mir vielleicht nach Ungarn mitnehmen und noch einmal lesen, denn sonst könnte es passieren, daß ich von der Sterbehilfe sehr weit entfernt bin, denn die Veronika braucht eigentlich keine Hilfe, sie läßt sich nur nicht behandeln und das ist auch sehr interessant.
Inzwischen hat sie es ihrer Tochter gesagt, bzw. die es von ihrem Vater erfahren, trinkt mit Hubert Fabian Tee, besucht ihre demente Schwiegermutter, strickt für den möglicherweise mit Down Syndrom behafteten Moritz, rosa Jäckchen und für die Schwiegermutter einen rosa Elefanten, den diese Roberta nennen will. Sie wird wahrscheinlich die Geburt des kleinen Moritz noch gerade erleben und der ist möglicherweise auch gesund. So weit so what und ich finde es sehr spannend, daß mir das Schreiben so flott gelingt und nur sehr schade, daß ich damit so wenig Aufmerksamkeit finde. Das ist aber wahrscheinlich mein Schicksal und das Besondere an meinem Schreiben und vier Bücher sind heute auch zu mir gekommen, zwei vom “Keiper-Verlag”, die noch auf meine Leseliste müßen und dann die zwei Bücher von der Marlene Streeruwitz, die ich mir von Alfred zum Geburtstag wünschte, womit sich der Bogen zur Gina Kaus wieder schließt.
Stadt Wien Stipendiaten und fünfter Nanowrimotag
Oktober Musa diesmal mit Dieter Sperl und Gabriele Petricek beide Stipendiaten der Stadt Wien des Jahres 2014 und bei Dieter Sperl, dem experimentellen, dem sperrigen, war ich mir nicht ganz sicher, ob er nicht schon im Vorjahr bei den MUSA-Lesern war. Vielleicht war er im Publikum und auf jeden Fall habe ich ihm in der “Alten Schmiede” schon zweimal gehört. Zuerst aber kam Julia Danlelczyk mit der Einleitung und die wies auf den heute stattfindenden Tagebuchtag, eine Veranstaltung, die es seit einigen Jahren gibt und die offenbar sehr erfolgreich ist, hin, denn Julia Dalieczyk sah Parallelen zu den beiden Lesenden, schien sie mit dem Tagebuch zu verbinden, was allerhöchstens bei dem 1966 in wolfsberg geborenen Sperl zutreffen könnte, der einige Tagebuch genannte Texte oder Veröffentlichungen hat, die aber Aphorismen, literarische Splitter, Anmerkungen und sogar Kochrezepte sind.
Einen solchen Text las er, schöne Sätze und dann, wie seine Mutter “Scheiterhaufen” zubereitete, was Franz Morak über die Stipendiaten sagte, das was sehr zynisch. Als er Staatssekretär war, hat er auch gesagt, daß der Künstler die Kreativität hätte, sich über “Blau Schwarz” hinwegzuphilosophieren und in dem Film über Erzherzog Johann mit Tobias Moretti, den ich mir vor kurzem angesehen habe, hat er auch einen sehr zynischen Kaiser Franz I dargestellt.
Dieter Sperl las seine schönen experimentellen Sätze, kämpfte dazwischen mit dem Mikrophon. Danach kam Gabriele Petricek, die ich ich jetzt schön länger nicht bei Veranstaltungen gesehen habe. Es hat auch ihr Hut gefehlt. Sie war aber sehr elegant, ist Canetti-Stipendiatin und hat einen Text aus einer Anthologie gelesen, der im Rahmen einer Tausendjahrfeier des Stiftes Melk entstanden ist, da wurden offenbar einige Autoren, ich natürlich nicht, eingeladen, einen Text über den heiligen Koloman zu schreiben und Gabriele Petricek hat das höchst künstlerisch getan und dann noch dementsprehend entrückt vorgetragen.
Sie fährt mit dem Zug in Richtung Westen, Salzburg, Innsbruck, löst dabei Kreuzworträtseln, in St. Pölten bleibt der Zug länger stehen, eine Durchsage erscheint, es gibt einen Sonderzug nach Melk, auf einmal erscheint ein seltsamer Mann in einem schwarzen Anzug, der den Koffer der Ich-Erzählerin nimmt, sie zu diesem Zug bringt, mit ihr nach Melk fährt und dann eine wahre Suada seiner Leiden auf sie losläßt, der heilige Koloman, war offenbar ein Ire, der deutschen Sprache nicht mächtig, wurde in Stockerau ermordet und dann geschah ein Wunder und seine Gebeine ruhen seit tausend Jahre in Melk.
Eine sehr schöne künstlerische Geschichte, die Gabriele Petricek da verkürzt gelesen hat, Anspielungen auf Leopold Bloom, den Bloomsday und James Joyce gibt es auch.
Gabriele Petricek hat auch ein Buch über Joyce geschrieben und dürfte Mitglied eines Geheimbundes sein, der sich jeden Freitag in einem Restaurant trifft, um dort Innereinen zu verspeisen.
Nun gut, die Geschmäcker sind verschieden. Nachher gab es wieder Brot und Wein, aber nur sehr wenige, die sich um den Tisch drängten. Alle meine Bekannten waren nicht da. Nur Wolfgang Helmhart tauchte irgendwann auf, mit dem ich mich lange über mein Work on progess, meinen gegenwärtigen “Nanowrimo” unterhielt, mit dem ich auch wieder sehr gut weitergekommen bin.
Inzwischen gibt es schon 19.750 Wörter oder sechzehn Szenen bzw. einundvierzig Seiten. Die Veronika hat ihre Patientenverfügung zum Patientenanwalt gebracht, am nach Hause weg rosa und blaue Wolle für die Erstausstattung ihres Enkelkindes, das Moritz oder Larissa heißt, wenn es geboren werden wird, gekauft. Vor ihrem Haus wieder Hubert Fabian getroffen, der ihr Cardinalschitten bringt und dann ruft Paula an und sagt, es gibt eine Komplikation, das Kind wird möglicherweise behindert sein.
So weit so what und wieder flott dahin und ich fürchte fast, weiter als dreißig bisvierzigtausend Worte werde ich nicht kommen. Aber dazwischen werden ohnehin einige Unterbrechungen sein, das Geburtstagsfest, die “Buch-Wien”, die “Literatur im Herbst” und in Ungarn, wo ich schreiben kann, werden wir kein Internet haben.
Aber wenn ich vordergründig fertig bin, werde ich, habe ich mir vorgenommen, Material sammeln, einen zweiten oder dritten Handlungsstrang einführen, Szenen schreiben, etc. Wenn es sein muß alles wild durcheinander, mit dem Ziel bis zum Dreißigsten die fünfzigtausend Worte zu schaffen und danach in Ruhe ordnen und korrigieren.
Cornelius Hell, der diese Woche, in den “Gedanken für den Tag” zu hören ist und Georg Trakl gedenkt, der sich vor hundert Jahren eine Überdosis Morphium oder dergleichen gegeben hat, weil er den ersten Weltkrieg als Sanitäter nicht mehr ausgehalten hat, war auch im Publikum und den werde ich wahrscheinlich auch in der Donau Louge bei der “Buch-Wien” treffen und so wie es aussieht, wurde ich nicht für das Literatur Quiz ausgewählt was natürlich nichts macht, aber trotzdem schade ist.
In Memorian und vierter Nanowrimotag
Vor kurzem feierten wir Allerheiligen und Allerseelen und gedachten unserer Toten.
Die Grazer Autorenversammlung tut das im Literaturhaus schon seit zehn Jahren. 2004 ist Elfriede Gerstl mit Andreas Okopenko auf die Idee gekommen, daß AutorInnen die Texte ihrer verstorbenen Kollegen lesen sollen.
Nach zwei Jahren hat dann Karin Invacsics diese Aufgabe von Elfriede Gerstl übernommen, seit 2010 organisiert sie alleine und ich war ein paar Mal bei dieser Lesung.
Seit ich blogge, glaube ich, nicht mehr, offenbar gab es Parallellveranstaltungen oder aber hielt mich der “Nanowrimo” fern, aber heuer bin ich, trotz des eifrigen Schreibens wieder hingegangen und es war eine interessante Veranstaltung.
Prominente lesen Prominente könnte man so sagen, ein paar weniger Prominente waren auch dabei und einige meiner Lieblingsdichter und so war es gut, sich an die Toten zu erinnern, weil man, wie Robert Huez in seiner Einladung sagte, am besten gegen das Vergessen ihre Texte lesen soll.
Helga Pankratz, die lesbische frauenbewegte Autorin, die glaube ich, auch einmal im Wiener Frauenverlag, der jetzt “Milena” heißt und leider nicht nur mehr Frauen verlegt, gearbeitet hat, bei den Dialektautorinnen war und die heuer gestorben ist, wurde von El Awadalla gelesen. Der erste Text war ein Stanzerl über die gute Seele, die bei den Dialektautorinnen, den “Morgenstern” verlegt.
Dann kam eine alte Bekannte, von der ich gar nicht mehr so genau weiß, wann und wo ich sie kennengelernt habe. Irene Halpern, 1994 gstorben, die weißhaarige alte Dame, die immer in der ersten Reihe in der “Alten Schmiede” saß und die, glaube ich, als meine “Hierarchien” erschienen sind, in die “GAV” gegangen ist, um sich das Buch auszuborgen.
Sie war Sekretärin im soziologischen Institut beim Professor Rosenmayr, alleinerziehende Mutter und Psychiatriepatientin, hat viel und oft im “Kuckucksnest” publiziert und irgendwann ist sie, glaube ich, in die GAV eingetreten.
Der ebenfalls schon verstorbene Werner Herbst hat ihre Träume publiziert und Herbert W. Wimmer hat aus diesen Buch gelesen. Einen längeren Text, wo sie auf der Leiter im Institut steht, ein Karl kommt, tut seinen Kopf unter ihren Rock und der Herr Professor erscheint, um sich darüber zu empört, “aber wenn man oben seine Arbeit tut, kann man sich ja unten umarmen lassen!”.
Dann kamen Sprachgedichte, das sind sehr kurze Sätze, die fast an die Karten erinnerten, die von Elfriede Gerstl und Herbert J. Wimmer herausgegeben wurden.
Gerald Bisinger 1936-1999 einmal mit Elfriede Gerstl verheiratet, ist mein Lieblingsautor “Sitze im Weinhaus Sittl, trinke ein Glas Rotwein und denke an Karl August”, ein Gedicht in hunderten Variationen, das beieindruckenste ist wohl das, wo er zu Allerseelen in der Nähe des Ottakringer Friedhofes sitzt und überlegt, ob er im nächsten Jahr zu dem grab kommen oder schon unter der Erde liegen wird.
Gestorben ist er 1999, ein paar Tage bevor er den “Würdigungspreis für Literatur” bekommen hätte. Ich war bei der Veranstaltung und sie war irgendwie makaber. Lauter Leute in schwarzen Kleidern, bei literarischen Veranstaltungenm ist das so üblich, daß aber der Dichter fehlte, fiel mir auf, dann trat Hofrat Unger ans Mikrophon und verkündetete, daß er schon gestorben ist und der Preis posthum an seine zweite Gattin Eva Maria Geißler vergeben würde.
Peter Rosei von dem ich ja schon einiges gelesen habe, las die Texte, teilte sie in eine frühere und eine spätere Generation, die letzten sind bei “Droschl” erschienen und ich habe mir die Bände von den Büchertürmen der “Literatur im März-Veranstaltungen” mitnehmen können.
Lutz Holzinger der Journalist und ehemalige Chefredakteur der Voksstimme ist auch heuer gestorben. Er war auch Mitbegründer der “Literaturproduzenten”, deshalb hat Gustav Ernst einen Text von ihm gelesen und bei Friedl Hofbauer war ich sogar auf dem Begräbnis, Georg Bydlinsky hat aus dem “Podium Bändchen”, das dort verteil wurde sieben Gedichte für Erwachsene und dann noch eines für Kinder “Autobahn” gelesen.
Von Hannelore Valencak, bei der Karin Invacsics einen ähnlichen Lebenslauf, wie bei Friedl Hofbauer sah, was ich so nicht ganz nachvollziehen konnte, habe ich vor kurzem ein Jugendbuch im Schrank gefunden.
Karin Ivancscs erwähnte auch, daß sie später nur mehr für Jugendliche schrieb und damit berühmter als mit ihren Sachen geworden wäre. Ich habe auch einen Wanderführer von ihr im Schrank gefunden und “Das Fenster zum Sommer” war glaube ich 1977, als ich in die Otto Bauergasse gezogen bin, in Ö1 zu hören und hat mich sehr beeindruckt.
Gert Jonke hat den ersten Bachmannpreis gewonnen, ist 2009 gestorben und war sicher ein sehr beeindruckender Dichter. Ferdinand Schmatz hat aus der “Sprachsonate”, die er für Ernst Jandl geschrieben hat, gelesen. Leider haben das die hinter mir sitzenden und vielleicht schon etwas angeheiterten Dichter, es wurde diesmal schon vorher Wein ausgeschenkt, sehr lustig gefunden, was mich bei der Konzentration etwas störte.
Ferdinand Schmatz hat dann noch Texte von dem ebenfalls in diesem Jahr verstorbenen Dominik Steiger gelesen, die mich auch sehr erstaunt und beeindruckt haben.
Zuletzt las dann noch Herbert J. Wimmer einige Gedichte aus dem zuletzt erschienenen Band der “Droschl-Werkausgabe” von Elfriede Gerstl und ich habe mich beim Wein mit einem Lehrer und Schwab-Fan unterhalten, der mir nicht und nicht glauben wollte, daß die Grazer Autorenversammlung eigentlich nicht sehr viel mit Graz zu tun hat, außer, daß sie 1973, um sich vom PEN abzugrenzen in Graz gegründet wurde.
Und nun noch ein Nanworimobericht, wo ich inzwischen 15 614 Worte geschrieben habe und heute sehr fleißig war. Es gibt inzwischen zwölf Szenen und zweiunddreißig Rohseiten und nachdem ich am Samstag und am Sonntag ziemlich flott, die schon konzipierten Szenen geschrieben habe, war ich am Montag etwas ratlos, habe das Ganze korrigert und dann zwei Szenen dazugefügt. Heute ist das Schreiben flott gegangen und die Veronika hat inzwischen mit der Paula ihre Schwiegermutter im Pfegeheim besucht, in der sie ihr Ex Robert angeschoben hat, der taucht dort mit seiner neuen Frau auf. Geheimnisse werden verraten, Paula ist schwanger, Veronika war zweimal beim Hausarzt hat ihre Patientenverfügung ertellt, sich von Susi Reiter mittels Reiki behandeln lassen und hat mit Hubert Fabian Tee getrunken.
Wie es weiter geht, ist mir noch nicht ganz klar, aber voräufig liege ich weit voran und bin gut im Rennen.





