HAB DEN DER DIE DAS

“Der Königin der Poesie Friederike zum 90. Geburtstag”, ein Blumenstrauß mit circa hundertsiebzig Blüten zu Textzeilen der Geehrten, herausgegeben von Erika Kronabitter, der unermüdlichen, die schon einmal “Die Friederike-Briefe”, eine andere Hommage an Friederike Mayröcker herausgegeben hat.

Mein Text ist nicht dabei, wieder einmal nicht, diesmal war es ein Versehen und ich wäre vielleicht auch eingeladen und aufgefordert gewesen, meinen Senf in Chose zu spritzen, so wie ich das bei der Veranstaltung “Was schreiben was tun!”, auch einmal getan habe und einen Text zu einer Veranstaltung geschrieben habe, zu der ich nicht eingeladen wurde.

Friederike Mayröcker und Ernst Jandl wahrscheinlich schon, so bleibt dieser Text ungeschrieben, in dem ich mich wahrscheinlich an das Zitat aus den “Magischen Blättern”-“Da hat man sich ein ganzes Leben lang um Literatur bemüht und es ist immer noch nichts herausgekommen dabei”, den ich einmal in der “Alten Schmiede” mitgeschrieben habe, bezogen hätte.

Es gibt aber das Friederike Mayröcker-Archiv und viele Artikel zu F.M. in diesen Blog, um die man, wenn man in Wien wohnt, nicht herumkommt, wie man einmal nicht um Elfriede Gerstl herumgekommen ist.

Und der bei “Art und Science” herausgekommene Band mit den hundertziebzig Blumenblättern, Gedichte, Zeichnungen, Textstellen von mehr oder weniger bekannten Autoren, Journalisten, Wissenschaftlern, Bewunderern, etc ist auch zu mir gekommen, liegt vor mir, ich lese ihn durch und habe mit dem Schluß begonnen, mit den Interview, das Juliana Kamiskaja mit der Autorin anläßlich ihrer “Scardanelli-Übersetzung” führte. Die habe ich glaube ich im Literaturhaus bei dem “F.M. Symposium” gehört und das Interview gibt Details aus dem Leben der Dichterin wieder, die ich in den letzten Tagen bei den Veranstaltungen und im Radio öfter hörte.

Das von den Verbalträumen zum Beispiel, die Friederike Mayröcker hat, dann schreibt sie in der Nacht noch die Worte auf, die ihr im Schlaf kamen, tippt als Estes am Morgen eine Stunde lang in ihre alte Schreibmaschine, Friederike Mayröcker benützt keinen Computer, ist aber sonst in ihren Texten technikaffin und gesellschaftskritisch, bezieht das dort ein, ihr Lieblingsdichter ist Friedrich Hölerlin, deshalb auch der “Scardanelli” und zu den Lieblingsbüchern gehört “Die Postkarte” oder “Glas” von Jaques Derrida, den sie ja öfter zitiert.

Interessant, interessant und dann nach vor geblättert und gelesen, was die anderen über F.M. zu sagen haben. Richtig ganz am Schluß, gibt es noch ein Foto der Geehrten, wo ihr Kopf zwischen einem großen Blumenstrauß lächelnd hervorlugt, von Erika Kronabitter im Literaturhaus aufgenommen.

Beginnen tut es mit einer Danksagung von Erika Kronabitter und geht von Malte Abraham durch zu Christiane Zintzen, die schon auf ihrem Blog, das Buch erwähnte.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob sich wirklich alle Autoren auf ein Mayröcker-Zitat bezogen haben, zumindest kann ich das nicht immer erkennen, so erwähnt Martin Amanshauser in seinem Text beispielsweise, daß er jahrelang in “Rudis Beisl”, das, glaube ich, gleich bei mir um die Ecke ist, am gleichen für F.M. reservierten Tisch zu Mittag gegessen hat, auch ein schöner Schreibimpuls bzw. Inspirationsanregung.

El Awadalla hat einen Text, der sich auf die Zentagasse, wo die Dichterin ja wohnt, bezieht und Zdenka Becker hat ein Textzitat und stellt es dem ihrigen voran.

“Es mayröckert” schreibt Georg Biron. “Es schwebt. Es schläft. Es blendet und singt. Liebevolle Wärme trifft sich im Kaffeehaus.”

Und Patricia Brooks schreibt “Bitte nicht erschrecken. Ich sitze auf einem Pulverfass.”

Helwig Brunner, den ich schon bei einigen Lyrikveranstaltungen hörte, hat ein “Fragment zu F.M.”, das sich “auf dieses Jäckchen (nämlich) des Vogel Greif” bezieht und auch Crauss, den ich bei einer “Ritter-Festveranstaltung” kennenlernte und von dem ich mir einmal ein dickes “Ritter-Buch” kaufte, nur um Christel Fallenstein davon zu erzählen, hat auch einen Textbeitrag, genau, wie die Erwähnte selber, die ja aus Deutschland nach Wien gezogen ist um F.M.s Texte abzuschreiben und sie inzwischen, glaube ich, auch zu den Veranstaltungen zu begleiten.

Esther Dischereit, die Fried-Preisträgerin und Professorin oder Dozentin der Sprachkunst, schreibt sehr poetisch “Hab gerade die Zeilen geöffnet die wo da durch und dann darüber und wieder x und mit der Hand…” und Stephan Eibel Erzberg, der mir ja das schöne Nachwort für das “Literaturgeflüster-Texte-Buch” geschrieben hat, hat am 17. 12. 2001″ “vor einem jahr noch vor drei jahrzehnten schon ernstn jandl so gern gelesen”

Ingrid Wald hat dagegen einen “Le jardin pour Friederike” gezeichnet und Franzobel ist für Friederike Mayröcker zum 90er in die “Türme des Schweigens” gestiegen.

Bettina Galvagni, von der ich einmal hörte, daß sie in Frankreich als Ärztin lebt und nicht mehr schreibt, hat von ihrer Begegnung mit F.M. in der Zentagasse geschrieben und Petra Ganglbauers “Sonnengruss für Friederike M. – “Mein Johanniskrautgesicht” habe ich schon einmal in der “Alten Schmiede gehört und ist glaube ich, auch im “Feribord” veröffentlicht und Christine Haidegger bezieht sich in “Für Fritzi in Zuneigung”, auf das bekannte Zitat, das ich auch am Samstag im Radio hörte, daß F.M “den Tod für einen Unfug findet und gerne hundertdreißig Jahre” werden will.

Sonja Harter, die ja eine eigene Gedichtsammlung mit F. M. Gedichten herausgegeben hat, ist im Buch enthalten und Bodo Hell, der langjährige Vertraute, der ja glaube ich, gerade auch ein Buch über sie herausgegeben hat, wie es zum Neunziger der Verehrten überhaupt einige Goodies gibt, die sich inzwischen auf meinen Schlafzimmertischchen tummeln.

Gibt es da ja die “Flugschrift” von Dieter Sperl mit Texten von Bodo Hell und Friederike Mayröcker, das “Firebord 2” von Gerhard Jaschke ist Friederike Mayröcker gewidmet und da ist auch das “Alphabet” enthalten, das es auch  in den zwei “Freibord-Nummern” gibt, die zum siebzigsten Geburtstag der Dichterin erschienen sind, in dem es auch die Unterschrift von mir zur Glückwunschkarte gibt und in den neuen “Manuskripten” sind ebenfalls Würdigungen an sie und Texte von ihr enthalten.

Marie Therese Kerschbaumer, eine andere, etwas jüngere, Dichterin, die ich in den Achtziger und  Neunzigerjahren bei den GAV und IG-GVs regelmäßig getroffen habe und einmal auch mit zusammengestoßen bin, hat einen Text und Ilse Kilic hat ihr “Füße” gemalt.

“Sfax fossivogi futapaß werden die neuen Welten sein. Gegenfüßler werden rotieren”, ist  der F.M. Text, auf den Bezug genommen wurde und hier sogar zitiert wurde, daß der 1977 bei “J.u.V” erschienen ist, was ich bei den anderen Texten oft eher ratlos vermißte, weil ich in kein Textdurcheinander kommen wollte.

SiSi Klocker hat ein “Friederikengedicht”, eine Zeichnung, den Schlußsatz “Kurz: schön, daß es dich gibt” und das “P.S.  Mein Buch, das ich dir schicken sollte, werde ich dir demnächst übergeben.”

Der Buchtitel stammt von der GAV-Sekretärin Magdalena Knapp-Menzel “hab den der die das vor hundert jahr mit grau unter schwarz, unter kugelrand unter schwarzdünn, hauchig plustrig. das hab ich.als erinnerung”

Der Poetry Slamer und Zeitschriftenforscher Markus Köhle hat eine “Demontage einer Serie von Liebesgeschichten” und Margret Kreidl bringt in ihren “Papageienkoffer”, was später noch Peter Weibl machte und ich sehr schön finde, eine Collage aus Friederiken-Büchern.

“Und du brauchst”, dichtet Erika Kronabitter, wohl dem berühmten F.M. Gedicht nach, das in neunzig Sprachen übersetzt wurde, wie Christel Fallenstein zum achtzigsten Geburtstag erforschte und das auch in Carmen  Tartarottis zweiten Film “Das Schreiben und das Schweigen” zum fünfundachtzigsten Geburtstag zu hören ist.

Von den Gedichten gibt es Beispiele in Arabisch, Chinesisch, Georgisch, Griechisch, Hebräisch, Japanisch von Joko Tawada übersetzt, die 1996 beim Bachmannpreis aufgetreten ist, alles  schwer zu lesen und Fotos wohl aus Carmen Tartarottis Film von der Dichterin zwischen fünfzig und  später, ihrer Wohnung, ihren Zettelbergen, etc, gibt es auch und einen “Kurzgedanken” in Maschinenschrift vom 29.9.09 für Carmen Tartarotti, wo die Dichterin “falls du geehrt wirst mit  dem Hessischen Filmpreis für deinen Film “Das Schreiben und das Schweigen” in welchen du meine Schreib- und Schweigefigur so schön gebannt hast dasz ich als flüchtige Tränenfigur durch deinen Kopf, durch deinen Kopf hindurch in diese deine Filmbilder hineinkrieche, wird meine Freude kein Ende nehmen.”, schreibt.

Kurt Neumann schreibt an “Capitaine Fritzi” und Alexander Peer von dem ich auch ein Buch gefunden und gelesen habe, schreibt über seine Leseerfahrungen mit F.M, die ihm immer wieder “Neugier und Lust verschafft, die für ein lebendiges Lesen unerlässlich sind.”

Gabriele Petricek, die unermüdliche Veranstaltungsbesucherin und Stadt Wien Stipendiatin “mayröckert” am 13. 9. 2014 “Blumenstöcke auf den Küchenfenster nämlich  in Formation” und hat erfreulicherweise auch das Originalzitat angegeben, das aus dem von Robert Huez herausgegebenenen Bädchen “laut lauter lyrik” stammt, das ich ihm ja einmal abgeschnorrt oder abgetauscht habe und Birgit Pölzl, die beim letzten Bachmannpreis gelesen hat, erzählt einen Traum, in dem sie sich viel auf Herrn Schmidt  und Arnos Zettelberge bezieht, der ja, wie ich inzwischen weiß, auch zu F.M.s Lieblingsdichtern zählt

Teresa Präauer dichtet nach “In meiner rechten Hand Ästchen voll mit Hagenbutten (Die linke in der Hosentasche.)” und Julya Rabinowich “im Prückl sitzt Mayröcker manchmal grausam da aber immer fürstlich groß und schwarz.)”, ist die Dichterin ja immer so angezogen, wie sie auch im ersten Tartarotti Film erzählt und Doron Rabinovici beschreibt, die Erfahrungen während einer F. M. Lesung, die ich auch schon manchmal hatte “Friederike Mayröcker nimmt Platz. Sie breitet die Blätter aus. Sie verzettelt sich und liest mich auf. Sie spricht und an. Ruhe kehrt ein. Ich höre ihre Stimme und halte inne. Sie deklamiert nicht. Sie rezitiert nicht. Sie trägt nicht vor und trägt nicht auf. Sie gibt leichthin wieder, was sie aufschrieb.”

Ich füge noch hinzu, daß die Minute Stille, die herrscht, bis Frau Mayröcker zu lesen beginnt, ihre Brille aufsetzt, auf den vorbereiteten Zettel, die Textstellen heraussucht, vielleicht noch einmal einen vorwitzigen Fotografen bittet, wie am vorletzten Mittwoch bei der Lesung aus “Cahier” kein Blitzlicht zu verwenden, wirklich sehr beeindruckend und unvergesslich sind.

Gerhard Ruiss, der Geschäftsführer der IG-Autoren, bezieht sich auf “Und ich schüttelte einen Liebling” und erinnerte daran, was ich vor ein paar Tagen nachgeschaut habe, daß sie damit auf der Shortlist für den ersten dBp gestanden ist, was wohl  einige Romanleser in Schwierigkeiten brachte, obwohl das, wie ich erfahren habe, ein eigentlich gut zu lesendes Buch ist. Gewonnen hat aber ohnehin der viel jüngere Plotter Arno Geiger und die F.M. hasst ja leider außer den Tod auch das Erzählen.

Robert Schindel und Ferdinand Schmatz, die Doyens der Hochschule für Sprachkunst haben einen Text, der von Schmatz ist besonders kurz, so daß ich ihn hier wiedergebe ” du luft geflieder unser kleid” und Hannah Sideris, die ich bei den “Poet Nights” kennenlernte und die eine sehr gestrenge Literaturkritikerin ist, wie ich bei den GAV-GVs erfuhr, hat etwas “aus den Aufzeichnungen eines Engels” und auch der Bachmannpreisträger von 2010 glaube ich, Peter Wawerzinek, den ich sehr gerne mag, hat einen Text, nämlich eine “Parodie auf ein ungeschriebenes Werk von FM “Ich hasse Märchen! Ich hasse Fressgeschichten! Ich bin gegen jede Art von Kriminalstory,Sorry!” und so hat man sich durch den Blumenstrauß hindurchgeleen und ach ja, Friederike Mayröcker mag  keine solche, will sie nicht zu ihren Geburtstagen und auch nicht auf der Türmatte liegen haben, ein Wunsch, der sich zum Neunzigsten und wie auch im Buch zu sehen ist, ganz bestimmt nicht erfüllte, hat ja auch Erika Kronabitter das Buch in der “Alten Schmiede” mit einem kleinen Sträußlein überreicht und die Dichterin hat sich dafür höflich lächelnd bedankt und man hat, wenn man sich durch den Reigen gelesen hat, viel von F. M und auch über die hiesige österreichische und auch deutsche, etc. Autorenschaft gelernt, so daß ich das Buch F.M Anfänger, Fortgeschrittene, Fans und vielleicht auch Skeptiker wirklich nur empfehlen kann und es nur etwas beauere, daß am Schluß zwar die Autoren, nicht aber ihre Biografien angeführt sind und alle Namen habe auch ich nicht gekannt. Die bei denen ich es tat und über die schon etwas im Geflüster zu finden ist, habe ich verlinkt, was für die Leser vielleicht ein bißchen hilfreich ist.

 

Weihnachtsgeschichten

Weihnachtsgeschichten der 1922 in Schlesien geborenenen Ilse Gräfin von Bredow, die in Hamburg als Journalistin tätig war und schon viele Geschichten geschrieben hat.

“Ich und meine Oma und die Liebe”, sowie “Benjamin, ich habe nichts anzuziehen”, sind zwei Bände in einem mit je neun bzw. zehn Weihnachtsgeschichten, ein Fund aus dem Bücherschrank und die Geschichten sind vielleicht ein bißchen ungewöhnlich bzw. weniger spannungsgeladen auskonzipiert, wie gewöhnt.

So beschließt in “Die Nusshörnchen” die fünfundachtzigjährige Gesa, diesmal nicht Weihnachten bei Anna und ihrer Familie zu feiern. Sie schützt diesbezüglich eine Verkühlung vor, denn sie will die heilige Nacht diesmal in einem Naturreservat verbringen, dann verläßt sie schon in der U-Bahn der Mut und zum Glück kommt der Neffe um sie abzuholen und die von Anna selbstgebackenen Nußhörnchen beginnen zu frohlocken.

Dann lernt eine etwas distanzlose Tochter, die mit ihrer Art alle Männer vertreibt, doch einen Liebsten kennen und bringt ihn, der gerne Weihnachten zu Hause feiern will zu ihrer Familie mit und in der nächsten Geschichte, leiden alle darunter daß sich zu Weihnachten immer Tante Bertha mit ihrem Gatten zur Familie einlädt.

In der Titelgeschichte des ersten Bandes, geht es um eine jugendliche Großmama, die mit der Enkeltochter nach Ägypten fährt und zu Weihnachten, die Familie überrascht, daß es bald einen kleinen Onkel geben wird, während in “Einer zuviel”, ein Ehepaar den Christbaum schmückt und dabei an ihre Tochter Jessica denkt, die erwartet wird und in der Vergangenheit durch ihre Entwicklungsstufen einiges Leben, wie die Maus Nutella, ins Haus brachte. Jetzt ist sie glücklich in Brasilien und kommt nur zu Weihnachten auf Besuch, nur leider läutet das Telefon und Jessica kündigt an, daß sie für immer bleiben wird, weil die Ehe in Brüche geht und in “Ihr Kinderlein kommet” geht es auch um eine rüstige Oma, die ins Seniorenheim zieht, ihrem Enkel ihren Hof vermacht, der verliert dadurch seinen Job und seine Freunin und gründet eine “Arche Noah”, wo dann alle mehr oder weniger fröhlich Weihnachten feiern.

In Jugendliebe stirbt das Evchen Richter und der Witwer Herbert Felten, der nach dem Tod seiner Frau Ruth mit einer Spinne lebt, beschließt zum Begräbnis zu fahren, tut es und kehrt mit Katze Lenchen, dem Liebling der Verstorbenen zurück. Dann gibt es im ersten Band noch zwei Geschichten, in der einen feiert wieder eine Familie Weihnachten, die Töchter müßen für die Verwandten Handarbeiten herstellen und schummeln dabei, die Mutter lädt einen alten Oberst ein und ein Mops spielt auch eine Rolle, während in der anderen ein Mann seine Frau zu Weihnachten mit einem Haus am Land überrascht, im nächsten Jahr, als sie sich im Gegensatz zu ihm schon an das Landleben gewöhnt hat, kauft oder tauscht er wieder die vorige Wohnung zurück.

Die Titelgeschichte des zweiten Bandes, der wieder mit Seite sieben beginnt und sinnigerweise “Keine Chance für Lola!”, heißt, ist wie einige Geschichten der alten Dame, die am 14. April dieses Jahres in Hamburg gestorben ist, ambivalent, stammt aber sicher aus dem Erleben und zeigt auch den feinen Humor der Adeligen, die die Nachkriegszeit und das Wirtschaftswunder erlebte. Da ist Madeleine, die zwar wahrscheinlich Magda heißt, aber so heißt man heutzutage ja nicht mehr, sie will Topmodel oder Serienstar werden, ein Wunsch der wahrscheinlich von ihren ehrgeizigen Eltern stammt, die dann darüber stöhnen, wenn die Kleine “Ich hab nichts anzuziehen!”, lispelt. Sie hat aber zum Glück einen lieben Nachbarn, einem ehemaligen Zoowärter, der ein bißchen ausglich und den Ersatzopa spielte und bei Madeleine auch eine “Affenliebe” erzeugte, die die Puppe Lola im Kinderzimmer verdrängen. Der kommt nach einem Schlaganfall ins Heim, die Kleine besucht ihn häufig und verwirrt die Schwester am Empfang durch ihr herausgeputzes Aussehen, als er aber um Weihnachten stirbt gibt es Tränen und von ihm zu Weihnachten ein letztes Geschenk, ein Äffchen, das man aufziehen kann und das dann den Nachkriegsschlager “Benjamin, ich hab nichts anzuziehen!”, trällert.

In “Geliebte Landplagen” geht es, wie bei der Gräfin Bredow öfter, um drei alte Damen, die nicht mehr Autofahren können und beschließen endlich einmal Weihnachten zusammen zu feiern, was dann an den Anurfen der Kinder scheitert und die Taxis fahren sie dorthin.

In “Spaß gehabt” sind es zwei Schwestern, von denen die eine immer im Schatten der anderen stand, denn die tollte Bettina nahm dem Evchen immer alles weg, zuerst die Spielsachen, dann die Männer, den Horsti und den Rudolf, den hat Bettina geheiratet, jetzt hat er auch einen Schlagenfall erlitten und sich zu einem Nörgler entwickelt und die Schwester ruft bei dem Evchen, das inzwischen in der Stadt lebt und einen eigenen Freundeskreis hat, an und lädt sie zu Weihnachten zu sich ein. Die will zuerst nicht, kommt dann aber doch und Bettina zieht sich zum Verwundern aller mit einem Asthmaanfall ins Krankenhaus zurück, hat aber schon vorgekocht, so daß es für Rudolf und Evchen, der schließlich gar nicht so viel nörgelt, wunderschöne Weihnachten werden. Bettina kommt danach zurück, erkundigt sich suiffisant “Na ein bißchen Spaß gehabt?” und bekommt noch einen Blumenstrauß und einen Brief vom Horsti, der inzwischen Chefarzt geworden ist und Bettina, für die schönen Tage, die er mit ihr im Krankenhaus verbringen konnte, dankt und in “Unverhofft kommt oft” geht es um ein Putzteufelchen, das sich zwar alle ihre Männer wegputzt, bzw. vertreibt, am Schluß von einer alten Neunzigjährigen eine schöne Eigentumswohnung mit viel Silber, das sich herrlich putzen läßt, erbt.

Weiter geht es mit den Geschichten der Nachkriegskindergeneration, die sich noch Jahrzehnte später an Lungenhaschee als Weihnachtsessen erfreut, das benachteiligte Lieschen erweist sich als gute Tiermutter und ein Ehepaar, nicht zu Unrecht wird die feine Ironie, am Büchrücken gelobt, das sich ebenfalls benachteiligt vorkommt und gerne an der Prominenz der anderen mitnascht, verkauft seinen Stolz, das  Entchen Luise an einen Herrn der Upperclass und kauft sich dafür einen Fernseher.

Ein Junge lernt ausgerechnet am Weihnachtsbabend sprechen, als seine Eltern eine eher schwierige Bürokollegin einladen und eine alte Frau namens Monika verwechselt bei den Weihnachtsbesuchen ihre Söhne und löst dadurch große Verwirrung aus.

Köstlich, köstlich diese Nachkriegsgeschichten, die sich ein bißchen über die Aufbaugeneration lustig zu machen scheinen, ein bißchen antiquiert wirken und doch offebar erst 2011 geschrieben oder herausgegeben wurden.

Das wohl berühmteste Bredow-Buch “Kartoffeln mit Stippe” hätte ich vor kurzem im Schrank gefunden, habe es aber gemäß meinen neuen Vorsätzen, liegen lassen.

In die letzte Jahreswoche

Der Weihnachtsabend ist vorbei, die Geschenke ausgepackt und das Geschenkpapier im Mistkübel gelandet, bei mir waren es neben den üblichen zwei Literaturkalendern vom Alfred und den Badekugeln der Anna, eine große schöne Tasche mit vielen Innenfächern und Thomas Melles “3000 Euro” ein Restbestand der Geburtstagswunschliste und Ela Angerers “Bis ich 21 war”, wenn ich mich nicht irre, habe ich von dem Buch auf der “Buch-Wien” gehört.

Die Gans kommt bald ins Rohr, Weihnachtskekse wird es auch noch geben und wir rutschen in Eile dem neuen Jahr entgegen.

Die Tage zwischen Weihnachten und Silvester, habe ich einmal bei “leselustfrust”, als die noch bloggte, gelesen, sind etwas ganz Besonderes, nun sie sind die letzten des Jahres und vielleicht ein Grund aufzuräumen, auszumisten, Inventur zu machen.

Meine Jahresrundschau folgt am letzten Tag des Jahres, gemacht habe ich sie schon und auch meine Leseliste aufgeräumt und die Bücher, die ich in diesem Jahr nicht mehr lesen werde, sozusagen auf den St. Nimmerleinstag verschoben und so sitze ich in der Harlander Winterfrische mit fünf Büchern, die sich noch ausgehen müssten, ein paar werde ich am Montag wieder nach Wien mitnehmen, wenn ich da die letzten zwei Praxistage von 2014 mache, abrechne, etc.

Ich habe ja mal geschrieben, daß nach dem intensiven Advent, wo man sich an den kleinen Gratisgeschenken, den  Lichtern, den Kekserln und den Punsch freut, am vierundzwanzigsten der Absturz kommt, nachdem der Fisch gegessen ist, die Geschenke ausgepackt vor einem liegen und die Oma sagt “So, jetzt gehen wir lesen!”

Diesmal war es nicht so arg und die weihnachtliche Stimmung sogar am Vormittag da, als ich mit dem Rad in die Stadt gefahren bin, den Alfred aber nicht, wie sonst am Markt traf, obwohl der in Betrieb war und es sogar Würstln gegeben hat.

Der Alfred war schon woanders einkaufen und so bin ich zum “Thalia” geschlendert und da hat mich im Vorjahr ja der Wunsch gepackt mit dem Weihnachtshunderter der Oma dorthin zu gehen und mir fünf neue schöne Bücher auszusuchen. Das tue ich angesichts meiner übervollen Leseliste auch dieses Jahr wieder nicht, ich habe mich bei den Stößen aber ein bißchen umgesehen.

Vor allem bei dem Weihnachtsbüchertisch bin ich stehengeblieben und habe mir angesehen, was ich da noch finden könnte. Ich habe ja schon eine ganze Sammlung vor Weihnachtsbüchern, durch die ich mich im Dezember lese. Meine sind ja meistens schon gebraucht und hatten einen Vorbesitzer, die beim “Thalia” waren schöner  und bunter und am Rathausplatz waren die Standl des Weihnachtsmarktes leer und sahen aus, als würden sie bald abgebaut. Dafür spielten vor einem Lederwarengeschäft noch vier junge Weihnachtsmänner Weihnachtslieder und ein Mann, der sich mit einer Frau unterhielt wurde von einem anderen angesprochen und gefragt, warum er hier stehe.

Sollte er nicht die Weihnachtstorte packen.

“Ja, heuer gibt es Maronitorte!”, antwortete er und ich bin durch den ziemlich heftigen Wind zurückgefahren, zu Weihnachten mit Ö1 und der Bescherung um fünf und nun ab in die letzten Tage des Jahres mit der entrümpelten Leseliste.

170 gelesene Bücher werden es in diesem Jahr wohl sein, das wären sechs weniger als im letzten Jahr, aber heuer lege ich auch keinen Weihnachtslesemarathon,  mit zwei Büchern am Tag, ein, sondern werde die Restbestände gemütlich fertiglesen und mich auf das Korrigeren meines “Nanowrimos” konzentrieren.

Da muß die große Lust wohl kommen und die Trödelphase sich in Grenzen halten. Aber ich tue, was ich kann, Radfahren werde ich auch ein bißchen und am Samstag mit dem Alfred mein gewohntes Marktprogramm abspulen. Am Montag habe ich auf den ganzen Tag verteilt meine Psychotherapie Klienten, am Dienstag eine Diagnostik,  dann muß ich die Abrechnung machen, was auch zum Jahresschluß passt, aber jedes Monat passiert.

Da werden im Radio und Fernsehen auch die Jahresrückblicke laufen und zu Silvester werden wir, wie gewohnt am Nachmittag auf die Rudolfshöhe gehen.

Dann bleiben wir zu Hause und wenn ich mit der Ruth Picardie, dem Buch, das eigentlich nicht auf die 2014 Leseliste gehört, weil ich es erst vor ein paar Wochen gefunden habe, ich es aber draufsetzte, weil es um eine Frau mit Krebs und ihr Sterben geht und daher zu meinem “Work in Progress” passt, fertig bin, kann ich schon mit meinem ersten 2015-Buch, das wird Ingo Schulzes “Adam und Evelyn” sein, beginnen.

Das war dann 2014, wie es für mich literarisch war, kann man  am nächsten Mittwoch lesen und jetzt auf in eine schöne letzte Woche, den Tagen zwischen Weihnachten und Silvester, die etwas besonderes sind, wo man die Reste ißt, aufräumt und sich vornimmt im nächsten Jahr alles schöner und besser zu machen und da habe ich auch meine diesbezüglichen Neujahrswünsche, die ich in einer Woche äußern werde….

Eine Nacht voller Wunder

Noch ein Weihnachtsbuch und diesmal ein spirituelleres “Gesegnete Weihnachten” aus dem “Herder-Verlag”, ich habe es, glaube ich, im Jänner oder so in dem kleinen Kästchen bei der Buchhandlung “Kuppitsch” gefunden, wo die vielleicht ihre unverkauften Weihnachtsbücher entsorgten und im Vorwort stellt Ulrich Sander, der schon mehrere “Herder-Weihnachtsbücher” herausgegeben hat, dieses hier ist der Weihnachtssonderband 2013, die Frage ob “Weihnachten nicht alle Jahre wieder dasselbe ist?” und beantwortet sie damit, daß man das Fest anders erlebt, wenn es das erste Fest des ersten Kindes ist oder das erste, nach dem der geliebte Partner etc, verstorben ist.

Das habe ich schon einige Male erlebt, ist ja mein Vater 1995 und mein Schwiegervater vor zwei Jahren am Freitag vor Weihnachten verstorben und zur Seelenmesse meiner Schulfreundin Edith Brocza bin ich auch einmal an einem achten Dezember hinausmarschiert und diesmal habe ich am Samstag den neunzigsten Geburtstag von Friederike Mayröcker mit Ö1 gefeiert und am Tag darauf kam die Todesnachricht der Schlagerlegende, ich sage das jetzt mal so, Udo Jürgens, der kurz nach seinem achtzigsten Geburtstag “mitten aus dem Leben” hinausgerissen wurde.

Ein Weihnachten, das vielen dadurch vielleicht, trotz all dem Streß, das das ruhigste Fest des Jahres, ja vielleicht macht, im Gedächtnis bleiben wird.

So fragt die Sozialpädagogin Andrea Schwarz, die auch schon bei “Herder-Weihnachtsgeschichten” mitgeschrieben hat, gleich zu Beginn “Und was haben Sie vergessen?”, während Gert Böhn und Johannes Pausch “Das Leben entschleunigen” wollen und auch der 1961 geborene Theologie Professor Kristian Fechtner spricht von “Entrümpeln” und stellt sich vor, wie er in seiner Weihnachtsstube zuerst einmal die Weihnachtsmänner und die Lichterorgeln hinausschmeissen wird.

Dann kommt er zu den persönlichen Erinnerungen und da wird es vielleicht schon schwieriger, denn natürlich kann ich loslassen, daß ich als Kind Weihnachten nicht so positiv erlebt habe, denn da ist die Mutter vom Kindergarten oder dem Kleiderladen, wo sie putzte, nach Hause gehetzt, hat bis in die Nacht weitergeputzt und am nächsten Tag gab es dann Streit mit dem Vater, der mir erklärte, daß es es keine Geschenke gibt, wenn ich nicht “an das Christkind” glaube, was er wohl für pädagogisch hielt. Kann ich vergessen natürlich, aber dann fehlt ein Teil meiner Biografie und das erste Weihnachten ohne ihn und den Gang zur Wotrabakirche vor zwei Jahren, will ich eigentlich nicht vergessen.

Dann geht es weiter mit dem “Zu sich kommen”, was für die Christen, wie wahrscheinlich auch für alle andere Menschen, sehr wichtig ist, innehalten vom Putzen, einkaufen, erledigen und “Achtsam” auf das große Fest warten, wie uns der Franziskanerpater Richard Rohr erklärt.

Margot Käßmann bringt in ihrem Text “Ein Licht anzünden” zuerst einmal ein Gedicht von Jochen Klepper, da gibt es keine Biografie im Anhang, so googlete ich nach, daß der 1903 in  Beuthen an der Oder geborene, einer der bedeutensten Dichter von geistigen Liedern im zwanzigsten Jahrhundert ist. 1942 sollte seine Familie deportiert werden, so ist er am 10. Dezember mit ihnen gemeinsam in den Freitod oder Selbstmord gegangen.

Das war der erste Teil des Buchs, der “Auf den Weg zum Fest” begleiten sollte.

Der zweite ist dem “Wunder von Weihnachten” gewidmet und da wird zuerst die “Biblische Weihnachtsgeschichte” erzählt. Es gibt ein Gedicht von “Novalis” und eine Weihnachtsgeschichte aus Dänemark, von Christa Spilling-Nöker, erzählt.

Da kommen “Weihnachtsgäste” in ein Dorf, klopfen beim reichen Bauern an, der sie natürlich abweist, die Armen geben ihnen Quartier und schlachten ihren Widder (was kann das arme Tier dafür, kann man jetzt fragen, aber ich bin auch keine Vegetarierin) und dürfen sich am Schluß soviel, wie der Widder Häörner hatte wünschen. Sie wünschen sich  ihr “tägliches Auskommen und einen Platz” im Himmel. Die Gäste gehen und die Kuh und die Sau bekommen aufeinmal viele kleine Nachkommen, so daß das Paar reich bzw. wohlhabend wird, das läßt den Reichen keine Ruhe, sie fragen nach und als die Weihnachtsgäaste im Jahr darauf wiederkommen ist natürlich Platz im Haus für sie. Sie dürfen sich auch was wünschen und lügen den Gästen vor, daß ihr Widder vier Hörner hätte. Also gut, vier Wünsche, nur schade, daß die Reichen damit nicht umgehen können und so vertun sie die Gelegenheiten und haben am Schluß zwei Pferde weniger als davor.

Aus Russland gibt es dann die Geschichte vom “Heckrubel”, der am Weihnachtsabend in die Tasche kommt und solange dortbleibt, so lange man keine unnützen Dinge kauft und nur an sich denkt und im dritten Teil “Jeder Mensch hat ein Geheimnis”, geht es um besinnliche Texte, die sich mit der Rolle Maria, als alleinerziehende Mutter, Josef als betrogender Ehemann und damit, daß man den heiligen Josef als Krippenfigur nur im Dreierpack mit Maria und dem Kinde kaufen kann, beschäftigen

Teil vier wird wieder literarischer, erzählt da doch Hans Christian Andersen vom “Tannenbaum” und Gedichte Friedrich Wilhelm Weber und Christian Morgenstein, die sich mit dem Christbaum beschäftigen gibt es auch.

Und ich bin von meiner Weihnachtsfilmphase, die in eine Weihnachtsdepression mündete, über die Mayröcker-Phase schon lange wieder ab und zu meiner Leseliste und den Büchern, die ich heuer unbedingt noch schaffen will, zurückgekommen.

Meine zwei Weihnachtswünsche, die ich hätte, wenn mich jemand danach fragte, habe sich noch nicht erfüllt und ich habe auch noch keine Kommentierer gefunden, die von meinen Blog so begeistert sind, daß sie mich vielleicht für den N-Preis vorschlagen würden, hatte am Sonntag aber, oh Wunder, dreihundertsiebenundsiebzig Zugriffe, ungefähr doppelt soviele, wie sonst, Weihnachten ist also doch eine hoffnungsvolle Zeit, auch wenn sich das das als Eintagsfliege herausstellen dürfte.

Und das Dummie der “Anna”, die inzwischen an die Druckerei gegangen ist, habe ich auch schon bekommenund durchgesehen.

 

Gedanken über weiß-schwarze Weihnachten

Seit einigen Jahren, die offenen Bücherschränke machen es möglich, sammle ich ja Weihnachtsbücher und lese sie im Dezember.

Drei, vier sammeln sich da jedes Jahr zusammen und es scheint auch eine breite Bandbreite an Weihnachtsbüchern zu geben.

Weihnachtskrimis, Weihnachtsromane, der “Weihnachtshund” steht schon auf der Leseliste fürs nächste Jahr.

Agatha Christie hat ein Weihnachtsbuch geschrieben, “Auch Engel lachen gerne” wird gerne bei mir angesehen und im Vorjahr gab es zwei Bücher mit Texten von Gegenwartsautoren, besonders spannend, sonst eine Mischung von Altbekannten. Heuer habe ich schon zwei Rezensionsexemplare besprochen,   “Wenn das  Jahr zu Ende geht” von Gaby Bessen und die “Cartoons über Weihnachten” des Holzbaumverlags.

Jetzt warten noch zwei oder drei Bücher auf mich, Charles Dickens berühmte “Christmas-Charol” auf dem E-Bookreader, aber der vierundzwanzigste Dezember ist schon angesagt und nach den zwei Feiertagen wartet schon der Jahresrückblick und die Bücher die ich heuer eigentlich noch unbedingt lesen möchte.

Am Heiligen Abend also ein besonderes Schmankerl, ein Weihnachtsbuch von Christine Frey und ein Fund aus dem Bücherschrank, ein kleines, wohl selbstgemachtes rotes Büchlein mit schwarzen und weißen Weihnachtssternen und wenn man auf Christine Freys Homepage geht, sieht man daß die Wiener Mundartdichterin oder müßte ich jetzt Dialektautorin sagen, die seit ihrem zwölften Lebensjahr schreibt, schon sehr viele Bände herausgegeben hat. Fünf über Weihnachten, glaube ich und noch genauso viel andere.

Man kann sie bei ihr bestellen und sie las auch den ganzen Advent über in Wien, Niederösterreich und vielleicht auch anderswo.

Persönlich habe ich von der Autorin noch nie etwas gehört und auch nur die “Schwarz-weißen-Weihnachten” im Schrank gefunden, 2006 erschienen, mit einer Widmung der Autorin “Die viel Freude!”, damit wünscht.

Vierzehn Gedichte, dann noch ein paar Angaben zur Autorin und ein Foto von ihr und ganz vorne als Motto, der Gedanke, daß Weihnachten mit “Weihen und Achten” zu tun hat. Das Wort weinen steckt auch noch drinnen, ist aber von der Autorin nicht gemeint oder vielleicht doch ein bißchen, geht es in dem Buch ja um die Gegensätze. Um das Schwarz und das Weiß, um die Weihnachtshasser und die die sich daran noch freuen, um den Streß, die Gewichtszunahmen, den verdorbenen Magen, etcetera.

Gegensätze ziehen sich an, sagt man und in Weihnachten liegt auch alles drinnen, man kann es so oder auch anders machen.

Vielleicht auch eine Mischung davon und wenn man das rot- orange Büchlein, es kostet zehn Euro, ersehe ich auf Christine Freys Preisliste, unterm Christbaum liegen hat, kann man nach der Bescherung vielleicht lesen, wie es im nächsten Jahr eventuell besser geht.

Der feine Humor ist ebenfalls da, beispielsweise in dem Gedicht von den “Rumkugeln”, die die Oma macht und die ist eine gescheite Frau und spart mit dem Rum, gibt nur ein ganz kleines Schlücklein hinein und läßt den Teig ziehen, schade, daß sie ihn nicht bewacht, denn da kommen Vater, Mutter, Kinder und gießen aus guter Absicht schnell ein Stamperl hinein, nachher muß die Oma den Teig fester machen und nach der Bescherung lallen alle herum.

Erinnerungen spielen auch eine große Rolle, an die Weihnachten, wo das Geld knapp war und am Christbaum nur Zuckerwürfeln hingen, es kalt im Zimmer war und es nur Liebe als Geschenk gegeben hat, heute ist alles hektischer und viel weniger schön, leider, manchmal, kann sein, wenn man nicht aufpasst und nicht rechtzeitig bei Christine Frey nachliest.

Da ist der kleine Bub, der seinen Milchreis mit dem Christkind teilen will, das im versperrten Zimmer die Packerln unter den Christbaum legt, vielleicht auch Erinnerung an früher, als man noch an das Christkind glaubte, da habe ich auch so meine Erinnerungen und die waren nicht so schön und die “Weihnachtsralley” regt zum Nachdenken an. Zwar gibt es ja zwei Feiertage zum Besuchen der Verwandten, aber wenn man alles in einem Tag unterbringen will, das Gansl und die Kekse, die Uroma und die Großmama, dann kann man sich über das zweite Fahrrad nicht mehr freuen und hat nachher einen verdorbenen Magen oder die Kilo zuviel  und freuen über Weihnachten können sich vielleicht nur mehr die, die gar nicht soviel haben, die in der Hausmeisterwohnung in “Zu ebener Erd und im siebenten Stock” und die, die vielleicht ganz allein vor ihrem Christbaum sitzen, weil sie ihre Familie im Ausland haben, helfen dann den armen Buben mit den kranken Müttern, borgen Geld für die Apotheke und stellen sogar ihren Christbaum zur Verfügung.

Ja, Weihnachten kann auch schön und sinnlich sein, wenn man den Streß ein bißchen wegläßt und bescheidender wird, so daß die Kinder von morgen ihre Tanten vielleicht nicht fragen müßen, wie Weihnachten früher war, wo es die Besinnlichkeit noch gegeben hat?

Christine Freys Gedichte helfen vielleicht ein bißchen, den Faden nicht zu verlieren und wenn man statt. die “Weihnachtsralley” selbst zu machen, ihre Gedichte liest, bekommt man vielleicht das Gefühl von früher zurück, wie  war, als man noch ein Kind gewesen ist und an das Christkind glaubte….

Und ich denke jetzt an mein “Selbstgemachten” und verlinke wieder zu meinem Weihnachtsgedicht aus dem “Best off 2”

Reise in den siebenten Himmel

Jetzt geht es weiter mit den “Sommerbüchern”, das heißt die von meiner Leseliste, die ich im Juli nach Harland mitgenommen habe, um sie in der Sommerfrische zu lesen, dann ist es sich wegen den “Drava-Büchern” und denen die ich im Elsaß gelesen habe,  nicht ausgegangen, ich habe sie als die Sommerfrische beendet war, in Harland gelassen, die Rezensionsexemplare nahmen zu und die Zahl der Bücher auf der Leseliste, die in diesem Jahr wohl ungelesen bleiben.

Mit Ljjudmila Ulitzkajas “Reise in den siebenten Himmel”, ein Buch aus dem Bücherschrank, das ich sogar doppelt gefunden habe, ist es sich aber noch ausgegangen und das ist ein Buch, wo ich mich schon auf das Lesen freute. Denn ich habe die Autorin einmal vor langer langer Zeit, als es die “Literatur im März” noch gab,  im Museumsquartier lesen gehört, Alexandra Milner hat da, glaube ich, kuratiert und jetzt hat die 1943 geborene Russin, die einige Jahre als Genetikerin gearbeitet, hat, bevor sie zu schreiben begann, einen österreichischen Staatspreis bekommen, im Sommer in Salzbug, als ich das Buch eigentlich lesen hätte sollen, aber es ja nie zu spät zu lesen, solange man lebt jedenfalls.

Hier wird das russische Jahrhundert gezeichnet, bis zur Wende jedenfalls, anhand der Familie des Arztes Pawel Kukotzkys, der aus einer Ärztefamilie stammt und den “Innenblick” hat, das heißt er kann, wenn er eine Patientin untersucht, oft schon deren Metastasen erkennen, nur bei dem ihm nahestehenden Frauen geht das nicht und da lernt er 1942 in Sibirien, er ist gerade um die Vierzig, Jelena Georgijewna kennen, sie ist achtundzwanzig, Mutter der kleinen Tanja, ihr Mann Anton wird später an dem Tag fallen, als sie sich Pawel ergibt, was zu Schuldgefühlen und zur Zerrüttung der Ehe führt.

Es führt noch etwas anderes dazu, nämlich, daß Pawel, der Gynäkologe, sich für die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruches einsetzt, hat er doch schon zu viele verpfuschte Frauen am Verbot sterben und die Ärzte angeklagt gesehen, was aber an der frommen Einstellung von Jelena, die Schuldgefühle wegen ihres Antons hat und an der der Haushälterin Wassilissa, die von Nonnen aufgezogen wurde, scheitert.

Es kommt zum Streit des Paares, er wirft ihr vor, keine Frau zu haben, weil ihre Gebärmutter entfent wurde, sie ihm nicht der Vater Tanjas zu sein, was die Tochter nicht weiß.

Die Beiden reden dann nicht mehr miteinander, Pawel fängt zu trinken an, bzw. tut er das, um sich den staatlichen Anordnungen zu entziehen. Als Stalin 1953 stirbt, wird es im Land scheinbar besser, die Schwangerschaftsunterbrechung wird erlaubt, Tanja beginnt Biologie zu studieren und in einem Labor zu arbeiten, wo sie Ratten töten muß, während die Hausmeistertochter Toma, die Pawel ins Haus genommen hat, als deren Mutter an einer Auskratzung verstarb, eine Gärtnerlehre macht und mit ihren Pflanzen spricht.

Der zweite Teil ist eine Traumsequenz auf über hundert Seite, wo alle, die Neue, die sich später als Jelena entpuppt und ihren Mann nicht erkennt, der kahlgeschorene Pavel, die Nonne, der Rohling, den alle mit ihren Blutspenden retten wollen, der Professor mit den Leninorden, Leo Tolstoi, etc, den neuen Ufern und einem Leben nach dem Tod, den siebenten Himmel wahrscheinlich, entgegenschweben.

Dann wird es wieder realistischer und geht zu der Familie, beziehungsweise in die Sechzigerjahre zurück.

Jelena hat Gedächtnisausfälle, die sich offensichtlich in eine Demenz bzw. eine Pfelgebedürftrigkeit auswachsen. Tanja zieht eine Zeit lang in der Nacht durch die Straßen Moskaus, läßt sich dort entjungfern, macht dann bei einer Freundin eine Goldschmiedlehre und bekommt von einem der Goldberg-Zwillinge, den Söhnen eines Freund Pawels und Genetikers, der immer Schwierigkeiten mit der Obrigkeit hat und in die Lager muß, ein Kind.

Ein Töchterlein, sie wünscht sich eigentlich einen Sohn und freundet sich, noch schwanger mit einem Jazzmusiker an, mit dem sie dann eine große Familie will.

An der zweiten Schwangerschaft verstirbt sie und im kürzeren, vierten Teil sind wieder einige Jahrzehnte vergangen. Jetzt geht Shenja, selber schwanger, Tanjas Tochter, einmal in der Woche zur Wohnung der Familie, um Jelena zu baden. Der Professor ist gestorben, Wassilissa auch und weil Tomas Mann, das große Zimmer braucht, hat man Jelena in das Zimmerchen der Haushälterin einquartiert.

Das war die Reise in den siebenten Himmel oder der Gang durch ein Jahrhundert russischer Geschichte, eine Frage von Schuld und Sühne, wie in der Breschreibung steht, mal realistisch, mal traumhaft erzählt und ein interessantes Buch, von einer interessanten Autorin, von der ich gern mehr lesen möchte.

Wer ist Martha?

Eine Wandertaube, die im Jahr der Geburt des Helden, des inzwischen sechsundneuzig Jahre alt gewordenen Luka Lewadski, Sohn eines ostgalizischen Försters und einer Wiener Ornithologin, ausgestorben ist, um diese Frage gleich am Anfang zu beantworten und der zweite Roman der 1981, in Odessa geborenen Marjana Gaponeko, die damit 2013 den Alpha-Literaturpreis gewonnen hat und ein Jahr vorher, glaube ich ,auch auf Longlist des dBps stand.

“Annuschka Blume”, den vorigen Roman habe ich gelesen und ein wenig schwülstig und sehr abgehoben gefunden, wie ich der Autorin, auch anläßlich der Preisverleihung sagte.

“Dieser wird Ihnen gefallen!”, hat sie mir höflich und extravertiert gewantwortet und recht behalten.

Gefallen und auch ein wenig betroffen gemacht, schrieb sich die realistisch und zu wenig abgehoben formulierende Psychologin doch gerade selbst an diesem Thema nicht die Finger wund, aber vielleicht in eine Weihnachtsdepression oder in eine Trödelphase und da liegt nun ein Buch von mir, wo die 1981 geborene, zu einer Zeit, wo ich schon geschrieben habe, mir zeigt, wie man es besser machen kann oder auch nicht.

Denn ich bleibe, glaube ich, schon bei meinem Realismus und das Ende liegt mir sowieso fern, bin ich ja im Sommer nach der Lektüre von Ernst Lothar ausgezogen, es gerade so nicht zu machen.

Da ist also Luka  Lewadski, der alte Vogelforscher, erfährt, in Kiew höchstwahrscheinlich, von seinem unheilbaren Lugenkrebs und beschließt ähnlich, wie die Veronika, sich nicht bestrahlen und bechemen zu lassen.Er macht allerdings keine Patientenverfügung und fängt für das noch ungeborene Enkelkind auch nicht zu stricken an, sondern kauft sich einen altmodischen Anzug, einen Gehstock mit Silbergriff aus dem man auch trinken kann, vergißt sein Gebiß dabei, besorgt sich ein Visum und wahrscheinlich auch ein Ticket nach Vienna, um in einer Luxussuite des Hotel Imperials, sein Leben in Schönheit zu beenden und sein Geld auszugeben.

Denn dort war er als Kind, als seine Mutter nach dem Tod des Vaters mit ihm zu ihren Tanten nach Wien zurückging. Die Mutter putzte, die Tanten führten den kleinen Luka in das Hotelcafe und fütterten ihn mit Schokoladetorte.

Die Mutter ging dann mit dem Jungen wieder in die Ukraine zurück und weil sie auch Vogelkundlerin war, hörte sie, während er in Lemberg studierte, das Gras wachsen, bzw. die Ratten das Schiff verlassen und floh mit ihm in den Kaukasus, so daß sie nicht deportiert wurden, er nicht in den Kriegsdienst etc mußte.

Die Mutter verstarb dann,  Luka wurde ein berühmter Forscher,  sitzt nun in seiner Luxussuite und kann alleine nicht aus seiner großen Badewanne.

So mietet er sich einen Butler vom Butlerservice, es kommt Habib, der schon seinen Vater pflegte und Luka fährt in das Kaffee hinunter, bestellt sich Schokoladetorte und beobachtet die anderen Greise, die sich wahrscheinlich die teuren Preise leisten können.

Er lernt dann einen älteren, Herrn Wizturn, kennen und geht mit ihm in den Musikverein, denn dort war er auch mit seinen Tanten, dann wächst sich zur Farce aus, wie vieles anderes in Marijana Gaponekos großartigen übersptrudelnden Roman, denn als sie zurückkommen, gibt es kein Licht in dem Luxushotel.

“Stromausfall, meine Herren!”, bedauert der Chefconcierge und empfiehlt, es sich in der Bar gemütlich zu machen, bis der Lift wieder fährt und dort findet sich dann auch die Autorin ein, sitzt neben den beiden Alten auf den hohen Thekenstühlen und probiert alle Coctails aus, die man in den Fünfziger und Sechzigerjahren trank, will sie doch, wie sie  erzählt,” Ein Buch über einen alten Mann” schreiben, der “in die Stadt seiner Kindheit, um dort zu sterben zurückkehrt und sein Vermögen in dieser Bar verprasst!”

Das gelingt dann nicht so einfach, fühlt sich Lewadski doch so gesund, daß ihm sein Geld, wie er fürchtet, vorher ausgeht, so fährt er mit dem Lift in den fünften Stock, hat bis dahin noch alle Begegnungen mit Menschen, die er vorher in der Ukraine offenbar nicht hatte, mit dem Barmann, der alle Knöpfe für ihn drückt und dem Stubenmädchen aus Novi Pazar, das ihm ein Foto von dem Haus gezeigt hat, das sie sich in ihrer Ex-jugoslawischen Heimat bauen will.

Im fünften Stock liegen dann Federn am Boden, Lewadsky schwebt entlang, bis zur Türe, die zum Dach führt, warum sind die Menschen und die Autoren alle nur so ungeduldig und können nicht erwarten, was ohnehin von selbst passiert?

Im letzten Kapitel wird Lewadsky, dann von einer Stimme, ob Gott oder der behandelnde Spitalsarzt, kann man sich je nach Grad der Abgehobenheit und des Realsimus, selbst ausdenken, empfangen, die von ihm wissen will, wie er mit Vornahhmen heißt, wo er geboren wurde und wer Martha ist!”

Trotz aller Abgehobenheit ein tolles Buch, mit dem ich mehr als mit dem vorigen anfangen kann. Ich werde meine Veronika wohl weiter weniger spekulär sterben lassen und danke den Leuten vom “Alpha” sehr für die Gelegenheit, daß ich  es lesen konnte.

Vorschau auf “Anna kämpft gegen das Vergessen”

vergessen

Als die fünfundsiebzigjährige ehemalige Buchhändlerin Anna Mittlinger am Morgen aufwacht, hat sie einen fürchterlichen Alptraum gehabt. Hat sie doch geträumt, nackt zur Eröffnung der „Buch-Wien“ erschienen zu sein und auch sonst ist nicht mehr alles so wie sonst.
Hat sie doch das Gefühl in letzter Zeit sehr viel zu vergessen und trägt den Verdacht in sich, vielleicht an „Alzheimer“ erkrankt zu sein, wogegen sie mit Hilfe ihrer Enkeltochter Johanna anzukämpfen versucht. Einen rumänischen Arzt, der ihr einen Strahlenschutzstecker verkaufen will, lernt sie auch noch kennen und wird von der Hausmeisterin Slavica Jovanovic zu ihrer Opernballparty eingeladen.

 

So schaut es aus das neue Buch, das jetzt bald an die Druckerei gehen  und vielleicht noch in diesm  Jahr oder kurz danach erscheinen wird.

Wieder gibt es drei Fragen und für den ersten der sie bis zum Erscheinen beantwortet, das Buch,  die Antworten werden in den Schreibberichten zu finden sein.

1. Um was geht es in dem Buch?

2. Welchen Beruf hat Anna früher ausgeübt

3. Wie heißt das Buch, das sie als erstes in ihrem Blog bespricht und was möchte Rade Manuescu ihr verkaufen?

Hier die Schreibberichte 1 2 3 4 5 6 7 8

Aus dem Buch habe ich schon beim “Margaretner Fest für Kunst und Kultur” und im “Werkl im Goethe Hof” gelesen.

Das Probekapitel gibts es hier zu finden.

Wer das Buch sonst noch lesen möchte, kann es bei mir schon vorbestellen, Rezensionsexemplare sind ebenfalls bei mir zu beziehen.

Ein Radiotag mit Friederike Mayröcker

Ö1 macht es möglich, zum neunzigsten Geburtstag der Grand Dame der Literatur, der F. M. Vertraute und Literaturprofessor Klaus Klastberger, will, wie er am Donnerstag in der “Alten Schmiede” hören ließ, diese “Journalisten-Bezeichnung” nicht so gerne hören, also lieber “Nobelpreisträgerin des Herzens”, wie sie einmal KP-Berzirksrat Jurjans nannte, nachdem sie für einen Sozialmarkt im fünften Bezirk unterschrieben hatte.

Friederike Mayröcker einen ganzen Tag lang die geehrte im Programm zu bringen oder das Programm mit ihr zu machen, ist sie ja eine Ö1 Hörerin und tritt dort offenbar auch gerne auf und so muß man sich keine Sorgen machen, der österreichische Rundfunk hat seine große Dichterin nicht vergessen, im Fernsehen gab es im Kulturmontag einen schönen Film von Katja Gasser, den ich mir ein paarmal angesehen habe und in dem man sehr viel über die alte Dame, die eine sanfte Stimme, ein sympathisches Lächeln und eine sehr positive Ausstrahlung hat, erfahren kann.

Ich bin ja, obwohl ich gerade so viel über sie schreibe und mir den Mayröcker-Tag auch sehr intensiv gegeben habe,  kein Mayröcker-Fan, das geht auch gar nicht, denn ich halte ja sehr viel von Plots und vom Erzählen und so halte ich  Aussagen, daß man das ablehnen würde, zwar nicht gerade für dumm, aber doch vielleicht für engherzig und begrenzt und muß auch bekennen, daß ich mit Friederike Mayröcker lange nicht viel anfangen konnte, sie für eine experimentelle Schreiberin hielt und das ist ja nicht unbedingt das meine.

Trotzdem kam man, wenn man in Wien lebt, sich für Literatur interessiert und in den Siebzigerjahren zu schreiben angefangen hat, um das Dichter Paar Jandl-Myröcker nicht herum.

Ich habe gerade in meinem Bibliothekskatalog nachgesehen, was ich von ihr habe, da gibt es zwei “Suhrkamp Taschenbüchlein” “”Die Abschiede” und “Ein Lesebuch”, eines habe ich, wenn ich mich nicht irre, von Brigitte Guttenbrunner, zu einem meiner Feste bekomme und im Lesebuch ist auch einiges angestrichen, also habe ich hineingeschaut und wahrscheinlich nicht sehr viel verstanden und eine besondere Rarität habe ich auch, nämlich “In langsamen Blitzen”- eine Ausgabe des Berliner literarischen Colloquium, aus dem Jahr 1974, auf der Rückseite steht der stolze Preis von österreichischen Schillingen 62.40 für ein vierzig Seiten Büchlein.

Ob ich das so gekauft habe oder in einer Abverkaufkiste um fünf oder zehn Schilling, weiß ich nicht mehr, glaube mich aber zu erinnern, daß ich an dem Tag an der Kiste vorbeigegangen bin, als mir eine Illustratorin ihre Illustrationen für “Die Einladung zum Tee” brachte, die im “Sterz” das war Ende Siebzig, erscheinen sollte, aber nie erschienen ist.

Interessiert habe ich mich also schon damals für die große Dame, aber nicht sehr viel gelesen und das habe ich, ich gebe es zu, bis heute noch nicht.

Nur “Und ich schüttelte einen Liebling”, zu Lesungen bin ich aber öfter und regelmäßig, meistens in die “Alte Schmiede” gegangen, an eine in dem alten Hofquartier, wo es um die “Magischen Blätter” ging, kann ich mich erinnern und an die, wo ich im Hof gestanden bin, weil ich zu spät dran war, ich war bei Lesungen von “Scardanelli”, dem “Vogel Greif”, bei anderen der letzten Bücher dann wieder nicht, jetzt bei dem Symposium und als ich da am Montag, Mittwoch und Donnerstag berichtet habe, bin ich auch über den ORF-Schwerpunkt im Radio gestoßen und dann sozusagen befriedigt am Freitag mit dem Alfred nach Harland gefahren.

Ins Akademietheater zum “Requiem für Ernst Jandl” wäre ich wahrscheinlich ohnehin nicht gegangen, obwohl ich schon am Mittwoch darauf aufmerksam gemacht wurde und Kurt Neumann am Donnerstag auch erwähnte, daß es noch Karten gäbe.

Aber ich bin keine Theaterbesucherin und so habe ich heute, als ich um etwa sieben aufwachte, mir gleich den Programm-Schwerpunkt eingeschaltet und da wurde schon im Morgenjournal auf den Geburtstag hingewiesen und um 7 Uhr 33 ging es mit der Friederike Vorschau  weiter, berichtete die Lieblingsradiostimme von Frau Mayröcker doch, was es den ganzen lieben langen Tag über sie so zu hören geben würde und das war dann gleich um neun, das Radiofeature “Mein Schatten wirft ein Fliederbaum” von Norbert Hummelt, wo man über ihre Kindheit in Deitzendorf, wo sie die ersten elf Lebenssommer in dem Bauernaus ihrer Eltern verbrachte, bis diese ihn verkaufen mußten und dadurch die Liebe zu der Natur, den Pflanzen und den Tieren, erfahren konnte.

In der Sendung gab es immer wieder Telefongespräche, wo Frau Mayröcker den lieben Norbert anrief und ihm berichtete, wie weit sie schon mit der Vorbereitung auf die Sendung ist. Dazwischen bin ich in die Badewanne gestiegen und habe weiter in Ljudmilla Ulitztkayas “Reise in den siebenten Himmel” gelesen und danach mit dem Rad an der Traisen in die Stadt gefahren, um den Alfred am Markt zu treffen und mit ihm eine Käsekrainer zu essen. Da gab es heute Gratispunsch und dadurch habe ich  Ö1 bis zwei mit Elke Tschaikner und Christian Scheib versäumt, inzwischen kann man aber alles sieben Tage lang nachhören und so habe ich meinen Mittagsschlaf gleich mit der Hörspielgalerie und dem, ich glaube, Hörspiel eines Jahres “Das zu Sehende, das zu Hörende” mit Musik von Ernst Kölz, richtig eine Hörspielautorin ist die F.M. auch, darauf habe ich jetzt fast vergessen, weil das Hörspiel auch nicht so ganz das meine ist, verbunden und dann ging es bis fünf mit Irene Suchy und “Apropos Friederike” weiter, die das Musikalische der Dichterin, bzw. ihre Lieblingskomponisten vorstellte.

Bach, Händel, Liszt, vertont ist sie auch worden, aber nicht so viel, weil sie, wie ihr ein Komponist einmal sagte, ohnehin schon so musikalisch ist.

Am Abend geht es weiter mit einem Abend aus dem Radiokulturhaus “FM90” mit Philiph Scheiner und der Frage von Johannes Kaup “Was glauben Sie?”, ist sie ja, habe ich am Montag aus dem Film gelernt, religiös, hat allerdings ihren eigenen Gott, an den sie glaubt und der ORF hat in seinem Schwerpunkt auch ein sehr schönes Archiv, das ich wirklich nur empfehlen kann.

Ich habe das inzwischen auch und würde sagen, daß ich spät und vielleicht immer zufällig und nebenbei zu der Dichterin gekommen bin, der ich  auch öfter über den Weg laufe, wenn ich einkaufen gehe, weil sie ja in der Zentagasse wohnt und Christel Fallenstein, ihre Vertraute, habe ich einmal oder sie mich im Literaturhaus oder so bei einer Veranstaltung angesprochen, dann hat sie mir ein Mail vor vier Jahren geschickt, so habe ich mein erstes kleines Archiv angelegt, das sich inzwischen durch die Geburtstagsveranstaltungen sehr erweitert hat und, daß sie schon lange keine experimentelle Dichterin ist, sondern mit ihrer wunderschönen Sprache über den Alltag des Lebens sehr originell und einzigartig erzählt, bin ich auch schon daraufgekommen.

So wiederhole ich also mein “Alles Gute zum Geburtstag!” und habe außer dem Buch der Erika Kronabitter, das ich demnächst lesen werde und das auch im Radio erwähnt wurde, noch ein besonderes Schmankerl auf meiner Leseliste, nämlich das erste, 1956 bei “Bergland” erschienene Bändchen “Larifari- ein konfuses Buch”, das sogar am 21. 3. 1958 von ihr signiert wurde und ziemlich neu und ungelesen aussieht.

Man findet in den Schränken, habe ich einmal geschrieben,  relativ wenig von Friederike Mayröcker, obwohl sie ja sehr viel, zwischen achtzig und hundert Bücher, da gehen die Meinungen, die ich in den letzten Tage, hören konnte, auseinander,  hat und vor allem die letzteren, “Der Vogel Greif”, “Ich bin in der Anstalt”, “Scardanelli”, “Etudes”, “Cahier”, etc, scheinen sehr interessant zu sein und die “Abschiede” und das “Lesebuch” könnte ich  auf meine Leseliste setzten, da ich mich an die Bücher, selbst wenn ich sie gelesen habe, nicht mehr richtig erinnern kann.

Die Liebe einer Frau

Es gibt Blogs, die Nobelpreischallenges veranstalten, die Werke der Literaturpreisträger der Reihe nach herunterlesen und sich dann mit kleinen Geschenken dafür belohnen, das tue ich nicht, aber in den Schränken findet man gelegentlich Nobelpreisträgerbücher. Pearl S. Buck und Sigrid Undset fanden sich im Bücherkasten meiner Eltern und von Jean Marie Gustav le Clezio, dessen Name ich vor 2008 noch nie hörte, habe ich inzwischen auch einiges gelesen. Von anderen Nobelpreisträgern nicht, so ist mir der Chinese der 2012 gewonnen hat, noch immer ziemlich unbekannt und den Namen Alice Munro habe ich, glaube ich, durch JuSophie kennengelernt, die in diesem Blog ja eine wichtige Rolle spielt.

Sie hat die kanadische Shortstory Tellerin, glaube ich, sehr gelobt, während ich mit Kurzgeschichten immer meine Schwierigkeiten hatte und vielleicht noch habe. Sie sind mir zu kurz und ich kann mich an einige Bücher einnern, die ich mit Begeisterung gelesen habe, bei Pearl S. Buch und Andrea Camilleri war das so und dann war die Geschichte nach hundert Seiten auf einmal aus,  ich war enttäuscht und habe das Buch weggelegt.

Das ist jetzt besser, da ich  öfter Erzählbände finde und auch solche Rezensionsexsemplare bekomme, lese ich sie regelmäßig.

Es gab ja auch einmal ein Short Story Symposium im Literaturhaus, wo Judith Hermann, auch eine Short Story Könnerin las und 2013 hat die Short Story Queen Alice Munro, 1931 in Ontario geboren, die dreizehn Erzähbände und einen kurzen Roman veröffentlicht hat, den NB bekommen und ich habe mir von Alfred zwei davon gewünscht, beziehungsweise sie im Vorjahr zum Geburtstag bekommen.

“Die Liebe einer Frau” ist noch heuer dran. “Zu viel Glück” kommt nächstes Jahr und die “Titelgeschichte” ist möglicherweise der Kurzroman, hat er doch über hundert Seiten und steigt sehr langsam und bedächtig in das Geschehen ein.

Es beginnt im Heimatmuseum von Wally, von man unter alten Puppen etc auch die Optikerausrüstung von Mister Willens entdecken kann. Der ist in seinem Auto im Fluß tot aufgefunden wurden, drei Jungens fanden ihn in den fünziger Jahren dort und das nächste Kapitel beschreibt, die drei Buben, die danach zu Mittag nach Hause gehen, ihren Eltern nichts von dem Fund sagen und am Nachmittag gemeinsam zur Polizeistation. Da kommen sie an Missis Willens Haus vorbei, die ihnen Forsithienzweige für ihre Mütter schenkt, die sie entsorgen.

Im zweiten Kapitel lernen wir Enid kennen, eine nicht fertig ausgebildete Krankenschwester, die jetzt die krebskranke Missis Quinns pflegt, die ist über zwanzig, hat zwei Kinder und einen Mann namens Ruppert, mit dem Enid mal zur Schule ging. Missis Quinn ist ziemlich lästig und sarkastisch, Enid pflegt sie geduldig und am Vortag ihres Todes erzählt sie ihr, daß es Ruppert war, der Mister Willens getötet hat, weil der sie bei der Augenuntersuchung sexuell belästigte.

Enid denkt sich einen Rachenplan aus, um Ruppert dahin zu bringen sich der Polizei zu stellen, dann wird sie ihn besuchen, sie verwirft das wieder, scheint dann aber die Optikerausrüstung in der Scheune zu finden und fahren sie vielleicht doch mit dem Boot aufs Wasser hinaus.

Dann kommen drei Erzählungen, von denen jede auch cirka fünfzig Seiten hat. Die erste heißt “Jakarta” und handelt von zwei sehr verschiedenen Frauen und ihren Männern, die einmal in einer Bibliothek zusammenarbeiteten. Es gibt auch einen Zeitsprung, das ist wahrscheinlich das Packende und das Besondere an der Munroschen Schreibweise, daß sie sowohl von den Festen, die wahrscheinlich in den Siebzigerjahren am Strand stattfanden erzählt. Dann verschwindet Sonjes Mann, der Komunist nach Djakarta und als Sonje eine alte Frau geworden ist und von Kent, das ist der eher konservativere Mann ihrer Freundin Kath besucht wird, beginnt sie überlegen, ob er dort wirklich gestorben oder nur verschwunden ist.

“Cortes Island”, spielt wieder in den Fünfzigerjahren, die Erzählungen sind im Original 1998 erschienen und schildern von der “Kleinen Braut” erzählt in sehr beeindruckender Weise die Beklemmung in der die jungen Leute damals in Vancouver gelebt haben mußten.

Die Ich-Erzählerin, von ihrer Wirtin und dem Chef ihres Mannes die “Kleine Braut” genannt, haust mit Chess in einem möblierten Keller unter Mrs Gorries Wohnung und ist einerseits froh darüber, denn damals in den Fünfzigerjahren durfte man vor der Ehe keinen Sex haben und wartete danach auf die erste Schwangerschaft und als Chess Eltern Präservative in seinem Koffer fanden, mußte er sich dafür rechtfertigen. Mirs Gorrie ist vorerst freundlich zu der jungen Frau, lädt sie zu sich ein und bietet ihr von ihren Keksen an, aber sie macht manchmal nicht auf, wenn sie am Keller klopft, gibt vor Briefe zu schreiben, wenn sie Bücher liest oder in ein Notizbuch etwas schreiben will. Das gefällt ihr aber nicht, so reißt sie Seite um Seite heraus und schmeißt sie weg, was später von Mrs Gorrie im Abfall gefunden wird. Sie sucht halbherzig Arbeit, traut sich nicht zu eine Registrierkasse zu bedienen, liest manchmal Mr. Gorrie, der nach einem Schlaganfall im Rollstuhl sitzt aus der Zeitung vor und da einen Artikel aus den Zwanzigerjahren aus “Cortes Island” wo die Gorries früher wohnte, wo ein Haus mit einem Mann abbrannte, während sich seine Frau mit Mr. Gorrie auf einer Schiffahr befand. Nachher bekommt sie eine Anstellung in der Bücherei, Missis Gorrie ist böse auf sie, erzählt über sie Gerüchte, so daß das junge Paar froh ist, in eine bessere Wohnung übersiedeln zu können.

In “Einzig der Schnitter” geht es um Verfolgungsspiele im Auto, die eine alte Frau zuerst mit ihrer Tochter Sophie, später mit ihren Enkelkindern Philiph und Daisy machte, sie will den Sommer mit der Tochter und ihren Kindern in einem Ferienhaus verbringen, aber die fahren früher ab, so sucht sie mit Philiph auf einer dieser Verfolgungsjagden ein altes Haus, das sie von früher kannte und kommt dabei mit einem betrunkenen Mädchen in Kontakt, das sie vielleicht, wenn ihre Familie wieder weggefahren ist, besuchen wird.

Sehr eindringlich Alice Munros Kurzgeschichten und wirklich auf eine Art und Weise erzählt, wie ich sie noch nie gefunden habe, die einen Kurzgeschichten-Muffel, wie mich sehr wohl kurieren können, so daß ich mich schon auf den nächsten Munro-Band sehr freue, inzwischen gibt es noch Ekatharina Heiders Kurzgeschichten zu lesen und da war ich zuerst einmal auch enttäuscht, als ich entdeckte, daß das Buch, das mir Christa Stippinger gegeben hat, ein Erzählband und kein Roman war.