Adam und Evelyn

Das erste Buch im neue Jahr von der Harlander Bücherliste passt gut zu fünfundzwanzig Jahre Mauerfall, der ja im letzten Jahr gefeiert wurde.

Ingo Schulzes “Adam und Evelyn”, der 2008 auf der Shortlist des dBp stand und wahrscheinlich etwas leichter zu lesen ist, als das damalige Gewinnerbuch, “Der Turm”, ein Buch von der “Thalia- 3.99 Kiste”, wo mir der Alfred, 2012, glaube ich, einen Stoß kaufte, den ich dann ganz langsam abgelesen habe.

2015 ist die letzte Tranche daran und den 1962 in Dresden geborenen Ingo Schulze habe ich wahrscheinlich nach der Wende in der “Alten Schmiede” kennengelernt, wahrscheinlich hat der da seine “Simplen Stories” vorgestellt, wo mich der Werbeträger in Fisch- oder anderem Kostüm sehr beeindruckt hat.

“Neue Leben” habe ich 2008 auf die hohe Tatra mitgenommen und ein paar Bücher habe ich von ihm, glaube ich auch, gelesen, aber offenbar noch nicht gebloggt, so ist dieser Wenderoman, auf den ich jetzt lange gewartet habe, der erste und er beginnt im August 1989, in der Zeit, wo wir das erste Mal in Amerika waren, sich in Ungarn die Grenzen öffneten und die tschechoslowakische und andere Botschaften voll mit Ausreisewilligen waren, die aus der DDR in das Paradies hinein wollten.

Adam und Eva haben aber das Paradies verlassen oder wurden aus diesen hinausgeworfen, weil sie sich nicht mehr den Gesetzen anpassen wollten und das ergibt eine herrliche Idee für einen Roman, die Ingo Schulze aufgegriffen und umgedreht hat.

Der Adam in dem Buch, der eigentlich Lutz Frenzel heißt, ist ein begnadeter Damenschneider und fängt mit allen seinen Kundinnen, die er zuerst einkleidet und später fotografiert, ein Verhältnis an, so erwischt ihn  seine Freundin Evelyn, die kellnert, weil sie nicht studieren darf, inflagranti, vorher wollte das Paar schon nach Ungarn reisen, das Visum, das gar nicht so heißt, ist schon da, Adam will aber nicht recht, Evelyn kommt aber früher nach Hause, weil sie in ihrer Firma gekündigt hat, erwischt Adam und reist mit ihrer Kollegin Simona und deren Westcousin zum Balaton.

Adam mit seinem alten Wartburg und der Schildkröte Elfriede ihr nach und so beginnt die Farce, die sich auf über dreihundert Seiten ausweitet.

Sie reisen über die Tschechoslowakei, dann verlieren sich die Spuren, Adam lernt Katja kennen, die unbedingt in den Westen will und schmuggelt sie im Kofferraum über die ungarische Grenze.

Bei den Angyals trifft Adam wieder auf Evelyn, Michael und Simone, hier soll Adam für eine Freundin der Wirtsleute, Evelyn ist mit der Tochter Pepi befreundet, etwas schneidern. Simone, die eigentlich den Westcousin Michael heiraten will, um hinauszukommen, verschwindet.

Michael wird der Paß gestohlen, so müssen er, Adam und Evelyn nach Budapest reisen, dann öffnen sich die Grenzen und Adam, der eigentlich nur zu Evelyn und gar nicht in den Westen will, wird mit ihr hinübergeschwemmt, denn in der in der Buchbeschreibung steht etwas von “menschlicher Verlockung und Entscheidungen”, die man in diesem Moment treffen muß.

Die Beiden, Michael ist mit Katja schon verschwunden, kommen jedenfalls in den Westen, werden von den Österreichern durchgewunken, Adam verkauft seinen Wartburg um 3000 Westmark, sie kommen bei Verwandten unter, Evelyn kann studieren und wird schwanger und Adam, der begehrte Damenschneider wird irgendwie entwurzelt, weil im Westen niemand Maßgeschneidertes schätzt, kann sich zwar hier und da als Hilfsschneider bewerben oder soll das tun, und inzwischen fällt die Mauer, die Zurückgebliegbenen gehen auf die Straße und Ingo Schulze erzählt das alles in fünfundfünfzig Kapitel, die interessante Überschriften tragen wie “Einer kommt durch”  “Eine Art Einladung”,  “Ein neuer Versuch”  und eigentlich alles kleine Kurzgeschichten sind, bzw. Interviews , Dialogsequenzen, etc und das Geschehen rasant vorantreiben.

“Ein wunderbar lesbarer und zugleich literarisch hoch komplexer Roman”, schreibt Uwe Wittstock am Buckrücken, Hubert Winkels schwärmt “So leicht und luftig ist das Ganze, daß man ganz anstrengungslos dieser Etüde in  Weltschöpfung und Weltenwandel folgen mag” und ich war ein wenig verwirrt, denn so leicht war das Ganze doch nicht zu lesen und auch ein wenig anstrengend, der rasanten Handlung mit den verschiedenen  Handlungsschleifen, Zackungen und Verwirrungen zu folgen und nicht den Faden zu verlieren und immer noch zu wissen, ob das Paradies jetzt vor oder hinter der Grenze liegt und wer jetzt was verloren oder gefunden hat, wenn Adam und Evelyn mit der aus einem Hotel gestohlenen Bibel über das Leben philosophieren, beziehungsweise ihr neues Leben leben.

Das Buch wurde, wie ich der Danksagung entnehme, 2007, in “einem ganz anderen paradisischen Ort”, nämlich der Villa Maximo in Rom geschrieben und Ingo Schulze gibt auch einige Referenzen an, die ihm zu dem Roman inspirierten, wie beispielsweise Filme oder ein Roman von Zsuzsa Bank.

 

Vorschau auf “Miranda Schutzengelchen”

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Als die zwanzigjährige Miranda Himmelbauer ihren ersten Joint versucht, gerät sie in einen Alptraum, der sie in den dritten Weltkrieg, bzw. in den ersten, in dem ihre Ururgroßmutter Magdalena eine Frühgeburt erlitt, nach dem sie vom Heldentod ihres Gatten erfuhr, führt.

Dann gibt es noch eine ukrainische Studentin, die den Flugzeugabsturz bei Donezk hautnah miterlebte und eine Sozialarbeiterin, die von zwei Müttern bzw. einem Samenspendenvater aufgezogen wurde, gibt es auch.

 

 

Im neuen Jahr gibt es gleich eine kleine Vorschau auf mein übernächstes Buch, auf die Erzählung, die im Sommer entstanden ist. Bis das Buch fertig ist wird es wahrscheinlich noch etwas dauern.

Dafür soll die “Anna” schon am Freitag kommen. Da wird es dann wieder einen Artikel mit einem Foto geben.

Wer also die Fragen für das Gewinnspiel beantworten will, muß sich etwas beeilen und für das neue Buch gibt es auch ein paar Fragen, die, wenn man die Schreibberichte liest zu beantworten sein sollten.

 

1.  Wie heißt das Buch das am Cover zu sehen ist und wer hat es geschrieben?

2. Warum fliegt Magdalena Himmelbauer nach Donetz und wo sollte sie stattdessen eigentlich sein?

3.Wie kam es zu der Idee der Erzählung und wie sollte sie urspünglich heißen?

 

Für den ersten mit den richtigen Antworten gibt es das Buch sobald es erschienen ist.

Für Rezensionsanfragen bin ich dankbar und hier die Schreibberichte als kleine Hilfestellung:

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14

 

Die Postkarten auf dem Cover sind übrigens original erster Weltkrieg und wurden von meinem Großvater an das hochgeborene Fräulein Grete und den kleinen Otto geschrieben, es gab auch eine Wochenkarte der Straßenbahnen mit dem feschen Anton Jantschak in der k u k Uniform, das eigentlich auch hinaufkommen sollte. Aber leider war sie für das Jahr 1024 gültig und der Albert Himmelbauer ist schon 1914 im Feld gefallen.

 

Neujahrsvorsätze

Also hineingerutscht in das neue Jahr, wo im letzten noch der Schnee gekommen ist, so daß das Radfahren ein wenig schwierig war. Also auf die Rudolfshöhe, wo wir regelmäßig zu Silvester den Nachmittag verbringen, ein bißchen weiter mit dem Auto gefahren. Danach waren wir früher einige Jahre bei der Hilde Schmölzer und haben mit ihr mit dem Lidio Mosca und auch einigen anderen Autoren das Jahr beendet. Dann ist der Schwiegervater gestorben und so sind wir vor zwei Jahren bei der Oma geblieben, im Vorjahr waren wir bei Ruth und Robert in St. Pölten, aber die sind diesmal, glaube ich, verreist, so wieder ein ruhigerer Jahresrutsch und sich den Büchern gewidmet, denn die Leseliste ist ja lang, obwohl die übervolle von 2014 schon vor Weihnachten korrigiert war und jetzt sind sich die “Lichtjahre” doch noch ausgegegangen.

171 Bücher waren es im alten Jahr und ins neue nehme ich den Vorsatz mit mir die neue Leseliste nicht wieder so anzufüllen, das heißt nur maximal zwei Rezensionsexemplare im Monat, die für Jänner sind schon da und müssen noch gelesen werden und ansonsten nur noch ein Buch pro Woche, damit die endlos Liste schrumpfen und spätestens 2033, was auch eine schöne Zahl ist und ich liebe diese Zahlenkombinationen, nicht mehr vorhanden ist.

Mal sehen ob ich diesen Neujahrsvorsatz halten werde, das ist ja, wie ich aus Erfahrung weiß nicht so leicht und ich bin mit meinen Bücherbeschränkungspläne bisher ja immer kläglich gescheitert.

Dafür gibt es ein neues Bücherregal in Harland, das heißt, gekauft wurde es schon im vorigen Sommer, aufgestellt muß es noch werden und dafür den großen Kasten im Wohnzimmer entrümpeln und die alten Zeitschriften aus denAchtziger und Neunzigerjahren, die sich da angesammelt haben, wegwerfen.

Anfang des Jahres wird gleich bei mir die “Anna” erscheinen. Der Druckauftrag ist jedenfalls gegeben. Bis dahin können noch die Fragen bei dem Gewinnspiel in der “Vorschau” beantwortet und das Buch gewonnen werden.

Zwei Bücher müssen von mir in diesem Jahr noch fertig werden.

Das “Miranda Schutzengelchen”, da wird es hoffentlich bald eine Vorschau und wieder ein Gewinnspiel geben und “Im Namen des Vaters” an dem ich noch eifrig korrigieren muß. Da habe ich meine “Trödelphase”, wie ich es gerne nenne, noch nicht ganz überwunden und auch die depressiven Gedanken, daß es ja eh nichts bringt, wozu ich mir das antue, etc.

Das heißt, das denke ich nicht einmal, nur der Gedanke, es ist schon wieder nicht genug geworden, ist wohl, wie die Praxis zeigt, nicht wirklich zu vertreiben und, daß mir beim nächsten Text der große Durchbruch gelingt, is,t wie die Erfahrung zeigt, nicht mehr wirklich zu glauben. Nun gut, nun gut, irgendwie sollte ich, weil ich ja weiter schreiben will, aus dem Depressionsloch hinaus, auch wenn sich bei meinem Gewinnspielen wieder niemand meldet, der das Buch lesen und besprechen will…

Und da gehört es auch zu meinen Neujahrsfortsätzen sozusagen ein weniger “distanzlos” zu sein, wie es die B.   einmal meinte, also nicht mehr im Literaturhaus anfragen, ob sie mein Buch nicht vielleicht doch besprechen wollen, sondern denken, die können sich ja melden, wenn sie das wollen.

Das ist zwar Resignation, ich weiß und die ist nicht gut, denkt die Psychologin, aber sehr viel anderes bleibt mir wohl nicht übrig, als schauen möglichst wieder Spaß und Freude am Korrigieren zu gewinnen, der Text gefällt mir ja, obwohl er vielleicht zu ehrlich und zu wenig abgehoben ist, daß sich die Verlage und die Leser darum reißen.

Aber vielleicht bekomme ich mit der “Anna” oder dem “Schutzengelchen” einen Termin in der “Alten Schmiede” im nächsten Jahr. Die kleineZehnprozentausendung werde ich ja wieder machen und dann möglichst lustvoll am “Nanowrimo” korrigieren, mir Zeit dazu lassen und bis zum nächsten, vielleicht etwas Neues schreiben. Da weiß ich noch nicht, was, glaube im Moment auch nicht, daß mir etwas einfällt, was ich noch nicht geschrieben habe. Aber nötigenfalls lassen sich ja Studien machen und vielleicht ein paar kurze Texte, bis ich dann im November mit der “Nika Weihnachtsfrau” und dem neuen “Nanwowrimo” beginnen.

Das sind meine Pläne für das neue Jahr, nicht sehr spekulär ich weiß, denn ich denke immer, ich sollte vielleicht abwarten, bis sich jemand meldet und “Wow, das ist toll!” zu mir sagt, nur da weiß ich, daß das nicht passiert und da ich nicht aufhören will, bleibt mir nichts anderes übrig, als so gut wie möglich weiterzumachen, auch wenn das jetzt ein bißchen resigniert klingt.

Dazwischen weitermachen mit den State of the Art, also im März nach Leipzig fahren und vorher im Amerlinghaus die Schreibgruppenresultate lesen, die löst sich wahrscheinlich anschließend auf, was mir nicht viel macht, in der Sommerfrische in Harland wieder eine eigene Schreibwerkstadt oder ein neues Stadtschreiberprohekt durchführen, dann am Volksstimmefest lesen, bei der Poet Night, beim Geburtstagsfest etc und wenn vielleicht doch einmal eine Einladung oder ein Kontakt auf mich zukommen sollte, der sich von dem üblichen leicht depressiven Einheitsbrei abheben sollte, freut mich das sehr!

In diesem Sinne also auf ins neue Jahr ich wünsche allen alles Gute und freue mich auf das Lesen, Schreiben und natürlich auch auf den Veranstaltungsreigen, der sicherlich ebenfalls sehr spannend werden wird!

Lichtjahre

Jetzt habe ich es doch geschafft in diesem Jahr noch James Salters “Lichtjahre” zu lesen, ein Buch, das ich mir Anfang des Jahres, zusammen mit ein paar anderen bei “Alles Buch” in der Lerchenfelderstraße, der ehemaligen “Buchlandung” um drei Euro gekauft habe, nach dem  alle  von dem 2013 erschienenen Roman “Alles was ist”, des 1925 in New York geborenen Autors, den dieser nach einigen Jahren Abstinenz geschrieben haben dürfte, so begeistert waren.

Ich hatte vorher von dem Autor, glaube ich, noch nicht viel gehört, aber in den Schränken, den Erzählband “Dusk and ohter stories”, gefunden, den dann lang in meinen Regalen gesucht, um ihn auf die Leseliste zu setzen, bis ich  in der Abverkaufkiste die “Lichtjahre” fand und eigentlich nicht mehr vor hatte, das Buch in diesem Jahr zu lesen, habe ich inzwischen ja schon andere Bücher, die ich auch lesen wollte, wie Jelineks “Lust” oder Kunderer “Unererträglichkeit des Seins”, von der Jahresliste gestrichen.

Dann ist aber  vor kurzem sein schon  1956 erschienener Roman “Jäger” auf Deutsch erschienen. Die Blogs berichteten darüber und das weckte meine Neugier, das Buch doch noch zu lesen, so habe ich es vor Weihnachten nach Harland mitgenommen und muß gestehen, so großartig, wie am Buchrücken beschrieben, habe ich es nicht empfunden.

“Seit John Updike wurde der allmähliche Verfall einer Ehe nie anrührender und deren endgültiger Unteregang nie zärtlicher beschrieben. “Lichtjahre” git als literarisches Meisterwerk. Zu Recht”, schreibt Marie Claire und Richard Ford meint “Brillant! Satz für Satz ist Salter der Meister.”

Vielleicht habe ich mit den so hochgelobten Amerikanen meine Schwierigkeiten, mag sein, denn Philiph Roth reißt mich auch nicht so sehr vom Sessel, berührt mich eher durch seine Lebensgeschichte und, daß er den Nobelpreis nicht und nicht bekommt, obwohl er angeblich jedes Jahr am Tag der Verdündung extra zu Hause bleibt.

Mit Louis Begley, den  ich der Hauptbücherei einmal persönlich kennenlernte, hatte ich meine Schwierigkeiten, aber der ist kein “richtiger” Amerikaner.

Richard Fords “Kanada”, der den Meister so lobte, hat mir auch nicht so gefallen, aber richtig von John Updikes “Rabbit” war ich begeistert.

Das habe ich wirklich sehr dicht und beeindruckend beschrieben gefunden, die “Lichtjahre” plätschern meiner Meinung nach eher so dahin, vielleicht habe ich es auch nicht richtig verstanden und das Großartige  nicht mitbekommen.

Es wird jedenfalls in fünf Teilen, die Ehe der “schönen Nedra und des erfolgreichen Viri”, ebenfalls vom Buchrücken zitiert,  auf fast vierhundert Seiten beschrieben. Das Buch ist 1975 auf Englisch, 1998 auf Deutsch erschienen, dadurch ist Salter offenbar auch im deutschen Sprachraum bekannt geworden.

Eine Ehe zwischen zwei Angehörigen der oberen Mittelschicht, er Architekt russischer Abstammung, eigentlich heißt er Vladimir, sie möglicherweise Hausfrau, Mutter zweier Töchter Franka und Danny, die in einem schönen Haus in New York leben, es gibt Liebhaber von beiden Seiten, Kinderparties, Weihnachtsfeiern, Reisen nach Europa, Freunde und Bekannte, immer wieder werden  Bücher, von Satre und anderen, zitiert, auch eine Biografie von Gustav Mahler kommt vor und ein Buch über die Beziehung von Richard Strauss zu seiner Frau, alles sehr geistreich geschildert, wie es in der gehobenen Mittelschicht so vorkommen wird.

Die Ehe wird dann, glaube ich, in Teil drei geschieden, Viri geht nach Italien, heiratet da die Sekretärin Lia.

Die Tochter Franka wird inzwischen Lektorin, Danny heiratet und bekommt zwei Kinder, Nedra beginnt in einem Blumenladen zu arbeiten,  stirbt und am Schluß kommt auch Viri wieder nach Amerika zurück.

So würde ich die Handlung beschreiben und möchte fast hinzufügen, daß da nicht das Außergewöhnliche passiert, was  am Buchrücken angepriesen wurde und ich es auch in den Updike”Hasenherz” so beklemmend beschrieben fand.

Das, was da beschrieben wird, denke ich, passierte in der New Yorker oberen Mittelschicht in den Siezigerjahren, man heiratete, betrog sich,  ließ sich scheiden und ging dazwischen ins Theater, ins Museum of modern Art, sprach von Ibsens “Nora” oder flog nach Paris und ich habe mir auch  ein bißchen schwer getan, beim Lesen alles mitzubekommen und nicht über die Handlung drüber zu lesen und etwas muß ich noch bemängeln, wird da auf Seite 331 wieder einmal ein Psychiater mit einem Psychologen verwechselt, so wie ich das schon bei O. P. Zier, Dietmar Füssel und Corneilia Travnicek so fand und was mich immer sehr stört.

Jetzt bin ich nur noch auf den Erzählband gespannt und um nicht ganz so pessimistisch zu enden, vielleicht habe ich auch nur mit den amerikanischen Männern meine Schwierigkeiten, habe ich ja auch Sylvia Plaths “Glasglocke” in diesem Jahr gelesen und da hat mir das Buch sehr gut gefallen.

Jahresrückschau

Wieder ist ein Jahresrückblick fällig, der siebente ist es jetzt schon in meinem Bloggerinnenleben und wieder ein bißchen Frust und Wehmut dabei, habe ich es doch immer noch nicht geschafft mit meinem Schreiben aufzufallen und eigentlich war es ein ganz langweiliges Jahr, mit den gewohnten Frustrationen und keinen besondereresn Höhepunkten.

Das heißt, das stimmt nicht ganz, denn etwas ist in diesem Jahr ausgeblieben, die Spammer mit ihren “Das ist aber das allerschlechteste was je geschrieben wurde!” und “So ein trotteliger Text!”, fehlten und das finde ich sehr schön!

Denn das Selbstbewußtsein, das ich mir in den letzten Jahren angeeignet habe, hat mich gelehrt, daß ich mit meinen über 2070 Artikeln über das Schreiben und den Literaturbetrieb, über ein ungeheures Archiv vergüge, das mir erst einer nachmachen soll.

Ich scheine zwar  in meiner Rolle als erfolglos vor sich hinjammernde Autorin, die schreibt und schreibt,  nicht aufzufallen, scheintes doch niemanden zu interessieren, daß da eine ist, die ganz alleine ihre Bücher macht, es gibt sie aber und ich mache unaufhörlich weiter und so sind in diesem Jahr auch wieder zwei erschienen.

Die Dreizehn Kapiteln” und die “Brüderschaft”, die “Anna” noch nicht, aber da liegt das Dummie auf Alfreds Schreibtisch und der Druckauftrag kann schon an die Druckerei abgeben und zwei weitere warten im neuen Jahr auf das Fertigwerden.

Gelesen habe ich auch wieder, zwar nicht ganz so viel, wie im letzten Jahr, denn da habe ich vor Weihnachten einen Lesemarathon eingeschoben um die überlange Leseliste, die von einem Sommerflohmarktkauf beim “Morawa” stammte, abzulesen. Diesmal habe ich resigniert und an die zwanzig Bücher, die ich eigentlich in diesem Jahr lesen wollte von der Liste geräumt und auf kommende Zeiten verschoben.

Der Vorsatz, daß mir das nie mehr passiert und, daß ich diesmal wirklich nur mehr ein Buch pro Woche finden will, ist wieder da, ob ich ihn einhalten werde, weiß ich nicht. Ich sollte aber, weil ich ja nicht mehr soviel Lesezeit habe und auch nicht so viel Platz.Aber da wartetein Harland schon ein Bücherregal, das aufgestellt werden muß und zwei Bücher von der Frühjahrsproduktion hat mir der “Redisenz-Verlag” auch schon geschickt.

Ich kann also auch damit aufwarten und nicht nur mit den Traven und anderen tollen Schmankerln, die ich im nächsten Jahr lesen will.

Denn da warte ich ja schon auf das Lesejahr, wo ich einige Buchpreisbücher von 2009 oder 2010 endlich lesen will und das Schreiben wartet auch, beziehungsweise habe ich zwar Pläne für den nächsten “Nanowrimo”, denn da will ich endlich meinen Adventkalender mit der “Nika-Weihnachtsfrau” schreiben, was ich aber dazwischen machen werde, wenn ich mit dem Korrigieren vom heurigen “Nanowrimo” fertig bin, weiß ich noch nicht.

Da gäbe es ja eine Idee vom “Hanser Adventkalender”, wo Robert Seethaler ein Moleskino mit ein paar Sätzen von ihm verschenkte, was ich leider nicht gewonnen habe, aber soetwas ließe sich ja organisieren und die Idee der Frau Mayröcker, eine Zeitlang seine Verbalträume aufzuschreiben und daraus Literatur zu machen, klingt auch sehr interessant.

Aber zurück zum letzten Jahr, da waren wir in Leipzig und ich ein halbes Jahr später auf der “Buch-Wien”.

Zweimal waren wir mit der Schwiegermutter in Ungarn im Frühjahr und im November und da habe ich immer sehr fleißig geschrieben und ungarische Literatur aufgelesen.

Die Sommerfrische gab es auch mit den Sommerbüchern, die wahrscheinlich Schuld daran waren, daß ich meine Leselistenpläne nicht schaffte und einige Lesungen, etwa zehn sind es ja in jedem Jahr, das bleibt so etwa gleich.

Da gab es wieder die von der anderen Buchmesse, wo ich mich dann immer ärgere, daß der Schauspieler gewinnt, der das lustigste Kindertextchen hat, diesmal gewann ein sechszehnjähriges Mädchen, nun ja, sicher keine Konkurrenz, aber vielleicht sollte ich trotzdem dort nicht mehr lesen.

Es gab die “Männer Frauen Lesung”, wozu mich die liebe GAV-Kollegin Irene Wondratsch eingeladen hat, es gab die Lesung beim Volksstimmefest und bei der Poet-Night, beim “Katzenfasching” die Lesung bei den “Textvorstellungen”, den “Ohrenschmaus”, das “Margaretner Fest für Kunst Kultur” und die Lesung aus meinem Ouvre im “Werkl im Goethehof” den Osterspaziergang in St. Pölten, die schöne Rezension vom “Literaturgeflüster-Texte-Buch”, die in der Zeitschrift “Log” erschienen ist.

Es gab mein literarisches Geburtstagfest und wieder weniger schön, die Erkenntnis, daß ich mich am besten um keine Autorenwohnung der Literar Mechana bewerbe, weil mein literarisches Ouvre, bzw. meine selbstgemachten Bücher nicht genügen und es gab auch die verpatzte Dialogaufgabe, die ich für das Webinar der “Schule des Schreibens” geschrieben habe und die dann dort  mit Wonne zerrissen wurde, weil ich mich  offenbar nicht so ganz an die Vorlage gehalten habe.

Es gab einen schönen Sommerurlaub im Elsaß, wo ich ein bißchen mein Französisch trainierte, die Bertha von Suttner gelesen habe, den Franz Werfel und dann noch einige Frankreichbücher.

Sonst gab es nicht viel außergewöhnliches, keine Preise, keine Einladungen, das was ich mir immer so wünsche, es gab aber wieder an die vierhundert Artikel im Literaturgeflüster und inzwischen fast zweihundertfünfzigtausend Zugriffe. Ganz werde ich diese Zahl in diesem Jahr nicht mehr schaffen, aber am vorletzten Sonntag stieg meine Leserfrequenz, die inzwischen so an die hundertgfünfzig liegt, mit einer Höchstzugriffzahl von 282, die sich nur selten erhöht, plötzlich bei 377, woran das lag, habe ich nicht ganz herausgefunden. Es freut eine aber, obwohl eseingentlich ganz egal ist, denn das Schreiben ist mir wichtig und das Archivieren und so war es auch ein schönes Jahr mit vielen vielen literarischen Veranstaltungen, dem “Alpha” und einer Buchparty, auch wenn die ungewöhnlichen Veränderungen und Höhepunkte fehlten und alles ein wenig gleich frustrierend “Wenn Sie selbstgemachte Bücher haben, können Sie bei uns nicht lesen und auch nicht die Autorenwohnung in Venedig, am Traunsee, etc, benützen!”, ablief und jetzt bin ich gespannt auf das neue Jahr, freue mich auf 2015 und habe da natürlich schon wieder die überhöhtesten Erwartungen, da geht das, daß sich ja ein Canetti- Fried-, etc Preis ausgehen könnte, aber ich weiß schon, die wird wieder wer anderer gewinnen, denn ich schreibe und blogge ja eigentlich sehr sehr verboren vor mich hin!

Jetzt habe ich ganz den Besuch von Judith Grohmann vergessen, die ichdurch mein Bloggen kennenlernte, es ist also doch nicht ganz so schlimm und es passierte schon etwas, die Journalistin, die ich aber bei der “anderen Buchmesse” kennenlernte und die mich interviewen wollte, hat das dann aber doch nicht getan, obwohl ich ihr im Laufe des Jahres in der “Alten Schmiede” und auch bei der “Buch-Wien” mehrmals übern Weg rannte.

Und wieder erfreulich sind einige Rezensionsexemplare, die in diesem Jahr unerwartet und ungefragt zu mir gekommen sind und mich zu Bücher brachten, die ich sonst wahrscheinlich nicht kennengelernt hätte.

2014 im Rückblick

Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2014 für dieses Blog erstellt.

Hier ist ein Auszug:

Die Konzerthalle im Sydney Opernhaus fasst 2.700 Personen. Dieses Blog wurde in 2014 etwa 53.000 mal besucht. Wenn es ein Konzert im Sydney Opernhaus wäre, würde es etwa 20 ausverkaufte Aufführungen benötigen um so viele Besucher zu haben, wie dieses Blog.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Krankenstand

Jetzt kommt noch ein Buch vom lieben Rudi, das er mir, wenn ich mich nicht irre, bei seiner letzten Lesung in der “Alten Schmiede” gegeben oder getauscht hat, von dem ich hier ja schon oft geschrieben habe, weil der 1956 geborene Rudolf Lasselsberger, den ich vor Jahren in Linz kennenlernte, als er dort Stadtschreiber war, mein eifrigster Kommentierer ist mit dreiundsechzig Kommentaren, liegt er unter mir, die ich ja immer allen brav antworte, eindeutig an der Spitze, das heißt der Otto könnte ihn überholen, weil der als als ofips und olambauer ja zwei Accounts hat.

Ich habe nicht alle, aber sehr viele seiner bei seinem “loma-Verlag” erschienene Bücher, einige stehen noch auf der Liste,  gelesen, war bei seinen Lesungen und habe mit ihm auch im El Speta, beim Volksstimmefest, bei den Poet-Nights, am “Tag der Freiheit des Wortes” gelesen, bei meinen Geburtstagsfesten war auch.

“Krankenstand”, ich schreibe es gleich, ist das beste der Lasselsberger-Bücher das ich gelesen habe, weil es mir wegen seiner Realistik, der leicht verständlichen Sprache und der so typisch nach Rudi klingenden Dialektausdrücke  sehr gut gefällt und es vielleicht ein bißchen weniger abgehobener und vielleicht auch “Ernst zu nehmender” als die anderen Bücher ist.

Wahrscheinlich trifft es meinen Geschmack am besten, denn der ist ja realistisch und nicht surreal und auch nicht abgehoben und das Handschriftliche, das allzu Lustige und Blöde gefällt mir nicht so sehr und das ist bei “Krankenstand”, das ein vielleicht halb oder ganz autobiografischen Büchlein ist, nicht vorhanden.

Sehr schöne Zeichnungen gibt es von Elisabeth Ernst, mit der ich schon einmal ein Buch tauschte und es geht, ebenfalls sehr realistisch und nicht abgehoben, um den Krankenstand des Kurt, der sich beim Fußballspielen ein Bein gebrochen hat.

Die, die gern Rätsel haben und sich in der Wiener Subkulturszene ein bißchen auskennen, können raten, wie viel ist das der Rudi Lasselsberger und was fehlt von ihm? Denn Erfindung und Wirklichkeit liegen nah beinander und der Autor hat sich wohl höchstwahrscheinlich einen Spaß daraus gemacht, alles zu vermengen und durcheinanderzubringen.

So hat sich der Kurt, ein Postbeamter, übergewichtig und wahrscheinlich, so um die fünzig beim Post-Fußballspiel den Achillessehne an der Ferse gerissen und muß einen Gips tragen, in den Krankenstand, zur Gymnastik und ein halbes Jahr mit Krüken gehen.

Daß der Rudi bei der Post gearbeitet hat, bis die ihm zum Nachmittagsbetreuer umgeschult haben weiß ich, der Kurt schreibt auch gerne Gedichte, möchte aber Schriftsteller werden, der Rudi war es schon vor fünzig, der Kurt trifft sich aber mit Ilse Kilic und Fritz Widhalm, um von ihnen eine “Fröhliche Wohnzimmer-Aufnahme” zu kaufen, daß tut er in seinem Lieblingslokal in der Josefstadt, was wie ich anmerken möchte, im “Grätzel-Führer” vielleicht noch fehlt.

Die GAV wird erwähnt, für die der Karl sich interessiert und Lesungen in der “Alten Schmiede”, dann geht der  Kurtzur Kontrolle ins Lorenz-Böhler und trifft dort den Schrifsteller Josef Haslinger, der von dem Tsunami vor einigen Jahren betroffen war und ein Buch darüber geschrieben hat. Ja, das Buch, 2013 geschrieben, scheint nicht ganz aktuell zu sein, spielt es doch in der Sommerhitze wo in London die Bomben fielen, es wird aber auch das “Fest für Ernst Jandl” erwähnt, das glaube ich, im Jänner war.

Der Kurt  ist also im Krankenstand und macht sich Sorgen, daß ihm die Post, die ja damals und vielleicht auch noch heute, umstrukturiert, entlassen könnte, macht aber nebenbei auch einen Werbespot und sich Sorgen, daß das die “Fristlose” sein könnte, wenn ihm die da draufkommen. Arbeiterkammer und Gewerkschaft beruhigen und absagen ist auch nicht mehr erlaubt, so begleiten wir den Kurt durch sein Leben und seine Träume.

Wenn man den “Willi” gelesen hat, wird einem vielleicht einiges bekannt vorkommen, die Mutter zum Beispiel, die auch wegen einer Hüftoperation ins Spitalbehandlung muß, eine Birgit gibt es auch, ob Schwester oder Freundin, habe ich nicht so ganz herausbekommen und der Kurt wohnt, wie der Rudi in Ottakring in einem Hochhaus im sechsten Stock, mit Blick auf den Wilhelminenberg, wenn das Wetter schön ist, nur leider fuktioniert der Lift nicht immer, und so muß der Kurt  mit seinen Gips und seinen Krüken hinauflatschen.

Er muß auch öfter mit dem Taxi zur Kontrolle oder zur Therapie fahren, dafür gibt es den Taxifahrer Günther und die “Bunte Kuh” des Rudis Stammlokal gibt es auch und kommt in dem Buch vor.

Auch  Christian Futscher tut das und das Lokal, das er in der Josefstadt, auch etwas für den Grätzl-Führer angeblich oder tatsächlich hat und so kann ich das Buch den literarisch interessierten Wien-Forschern wriklich sehr empfehlen und freue mich schon auf den “Willi”, den ich im nächsten Jahr weiterlesen werde.

Bin ich ja wahrscheinlich eine Rudi Lasselsberger Spezialistin und auf meinen Blog läßt sich von ihm wahrscheinlich genausoviel oder weniger oder mehr, wie von Dietmar Füssel finden, den ich, glaube ich, auch, damals in Linz 1987, war  das, als ich gerade von der Klink weg in die freie Praxis gegangen bin, und dort zur Schreibwerkstatt eingeladen war, kennenlernte.

 

 

Es wird mir fehlen das Leben

Wenn ich schreibe bin ich ja immer auf der Suche nach dazu passender Literatur, so habe ich während der “Anna” im Schrank John Katzenbachs “Der Professor” gefunden und mir ein Buch von Dimitri Verhulst bestellt, das aber nicht gekommen ist, für das “Schutzengelchen”, habe ich “Die Waffen nieder” gelesen und bei der “Mimi” habe ich Anna Gollners “Christine” gelesen und gefunden.

Mein derzeitiges “Work in Progress” wurde durch Ernst Lothars “Die Mühle der Gerechtigkeit” inspiriert, das “Residenz-Buch “Die Jungen fressen den Alten den Kuchen weg” von den SP und ÖVP Seniorenvertreter habe ich im November im Schrank gefunden, war aber für das Sterbehilfethema oder die Behandlungsverweigerung nicht wirklich passend und dann habe ich noch Ruth Picardies “Es wird mir fehlen das Leben” gefunden und zuerst gedacht, daß ich von dem Buch, einmal während einer Leipziger Messe geört habe, es ist aber offenbar ein anderes, wahrscheinlich gibt es mehrere Journalisten und Schriftstellerinnen, die über ihren Krebs oder ihr baldiges Sterben schreiben.

Hennig Mankell hat ja zu Jahresbeginn auch Krebs diagnostziert bekommen, darüber ein Tagebuch geschrieben und manche Leser und Kritiker empört, daß sie mit “soetwas belästigt” werden, ich finde es interessant.

Und das Buch der Journalistin hat sich mir eingeprägt, Ruth Picardie wurde aber 1964 in Reading geboren, studierte in Oxford und arbeitete bis zu ihrem Tod im September 1997 als Journalistin.

Das Buch ist 1997 erschienen, “Ein aufrichtiges oft komisches und ungeheuer anrührendes  Abschiedsbuch”, schreibt der “Spiegel” auf das Cover, auf dem noch das Bild einer lachenden jungen Frau mit kurzen Haaren zu sehen ist, war Ruth Picardie ja gerade dreiunddreißig als bei ihr ein Brustkrebs diagnostiziert wurde und hatte vor kurzem durch eine In-vitro Fertilisation Zwillinge geboren.

Das schreibt ihr Ehemann Matt Seaton, im Februar 1998, da waren die Zwillinge noch nicht drei, im Vorwort und erzählt auch, daß Ruth Picardies Schwester, Justine, ihr eine Kolummne im “Observer” verschafft hat, wo sie über ihren Krebs schreiben sollte.

Fünf solcher Artikel sind bis zu ihrem Tod erschienen, zu wenig für ein Buch, es gab aber auch eine Menge E-Mails, die Ruth Picardie an ihre Freude über ihren Krebs geschrieben hat und auch  viele Leserbriefe, so gab er mit der Schwester das Buch heraus,  das ich interessant finde, auch wenn sich die medizinische Behandlungsweise, seit Ende der Neunzigerjahre sicherlich verändert hat.

Ruth Picardie hat also noch vor der Geburt ihrer Zwillinge, einen Knoten an ihrer Brust entdeckt, die Ärzte beruhigten, nach der Geburt kam er wieder, diesmal war es Krebs und die junge Frau schreibt sehr locker darüber in ihren Kolumnen und auch ihren Freunden. Da gibt es einen Jamie, einen Schwulen, dessen Freund an Aids verstarb, selbst an Krebs erkrankt, eine Carrie und eine India, die offenbar über Übergewicht leidet.

Sie alle trösten und unterhalten sich mit Carrie, sprechen ihr Mut zu und geben ihr Tips, die von der Chemo- zur Strahlentherapie schwankt, dazwischen zu Alternativmediziner geht, Gemüsesäfte-Diäten macht, Unmenge Kosmetika einkauft und sich ärgert, daß ihr das Amt eine Sozialarbeiterin ins Haus schickt, als sie eine Putzhilfe beantragt.

Sie beklagt sich auch, daß ihr Mann sich nicht immer versteht, schickt ihre Kinder zum Psychologen, damit sie später die Trennung von ihr leichter verkraften, es wurde bei ihr auch noch ein Hirntumor entdeckt, nachdem sie unter starken Kopfschmerzen litt, die zuerst nicht ernstgenommen wurden.

Es geht um Erinnerungsschachteln, die sie für ihre Kinder anlegen soll, das aber nicht recht will.

In dem Buch, das Charlotte Link vor kurzem über den Krebstod ihrer Schwester geschrieben hat, gibt es eine Stelle, wo eine Ärztin der Schwester den Krebs diagnostiziert und als die ihr sagt, daß sie kleine Kinder hat, ihr ruppig antwortet, daß es dann für sie Zeit ist eine Erinnerungsbox anzulegen.

Offensichtlich lernt man das bei den Fortbildungen der Onkologen, die Leserinnen raten Ruth Picardie aber das zu lassen, wenn sie es nicht will oder aber ihre tollen Artikel in die Box hineinzulegen, damit die Kinder später wissen, was für einewundervolle Mama sie hatten.

Sie raten ihr auch auf jeden Fall zum Ausverkauf zu gehen, es zahlt sich noch aus, sich was Schönes zu kaufen und Ruth plant auch genau, wie meine etwas ältere Veronika gesund zu leben, es sich gut gehen zu lassen und eine sehr rührige Stelle finde ich, ist, wie sie überlegt, was sie alles beim Aufwachsen ihrer Kinder versäumen wird, sie wird nie zusehen, wie sie schwimmen lernen oder Klavier spielen, aber “Na schön, ich muß auch keine Kinderkacke aus der Badewanne entfernen oder “Pingu” zum  207 Mal anschauen oder Spinatsoße vom Fußboden wischen.”

Es gibt eine Kolumne über die “Konsumtherapie” und eine über Kübler-Ross “Schockphasen”: Depression, Zorn, Verhandeln, Leugnen Akzeptanz, dann brechen die Kolumnen ab, Ruth Picardie wird zu schwach dazu, kommt in ein Hospiz und in den Rollstuhl, zum zweiten Geburtstag der Kinder geht sie nach Hause um mit ihnen zu feiern. Am Schluß gibt es noch zwei Abschiedsmails an Joe und Lola und ein Nachwort von ihrem Mann, der das Ende beschreibt, psychiatrische Krankenschwester vor der Spitalszimmertür, als Ruth Picardie Selbstmordabsichten äußerte, die Hirntumor dürfte zu Psychosezuständen und Verwirrungen geführt haben und Prinzessin Diana ist in dieser Zeit auch gestorben und das war auch die Zeit als ich im Pflegeheim Klosterneuburg Kommunikation unterrichtete und mit den Pflegehelferschülern die Hospiz-Station im damaligen Geriatriezentrum am Wienerwald besuchte.

Ein spannendes Buch, jetzt müßte ich nur die Lust am Korrigieren meines “Therapieverweigerungsbuches” wiederfinden und von den Weihnachtsfilmen, die ich mir nach wie vor anschaue, lassen. Alfred hat mir aber schon den Umschlag für das “Schutzengelchen” gebracht, der sehr schön geworden ist, mit Originalkarten aus dem ersten Weltkrieg, die ich von meinem Großvater erbte und auf meiner Leseliste von 2015 stehte auch ein “Abschiedsbuch” “Before i die” von Jenny Dowwnham, offenbar auch eine Engländerin oder Amerikanerin.

meine schöne schwester

Jetzt geht es weiter mit der Leseliste, die schon korrigiert und meinem Leseverhalten angepasst wurde, aber Ekatharina  Heiders erster Geschichgtenband “meine schöne schwester” muß sich noch ausgehen, ist das doch sozusagen ein Rezensionsexemplar und sogar eines aus dem vorigen Jahr, denn die liebe Chrisa Stippinger gibt mir alles von ihrer “edition exil” was ich haben will und als ich sie Vorjahr nach dem Buch fragte, wahrscheinlich war es auf der “Buch-Wien”, war die Leseliste von 2013 schon so voll, daß ich einen “Weihnachtsmarathon” einlegen mußte.

Die 1990 in Irkutsk geborene Ekatharina Heider, die seit 2001 in Wien lebt, seit 2011 am “Institut für Sprachkunst” studiert und 2010 den Exil- Jungendpreis, 2012 den Hauptpreis gewann, kenne ich seit zwei Jahren, da bin ich zuerst auf die IG-Autoren Demonstration für die Festplattenabgabe mit halben Herz gegangen und dann ins Literaturhaus, wo Christa Stippinger ihre “Edition Exil” und Ekatharina Heider vorstellte und war sehr beeindruckt, wenn nicht fast schockiert über die scharfen schönen Worte in der diese junge Frau die Überforderungen des Lebens, die Beziehungsgeschichten, die Krisen, Kathastrophen etc. erzählt.

Die Titelgeschichte war auch dabei, Katharina Heider habe ich dann 2013 in der “Kolik-Lounge” wiedergetroffen und im November nochmals bei der Exil-Lesung, da gab es dschon das Buch und ein wenig habe ich auch diesmal bedauert, daß es Kurzgeschichten sind und es stimmt ja auch, es ist schwer sich auf einma auf sechsundzwanzig Geschichten einzulassen, die alle geballt von Sprache und dem Leben sind, aber alle paar Seiten von etwas anderen handeln. Oder auch nicht, denn es sind oft sehr ähnliche Themen die da erzähltwerden, zumindest handeln sie von jungen Frauen und ihren Schwierigkeiten  mit dem Leben, das alle in sehr kunstvollen Wendungen und, wie in der  “Edition Exil” üblich kleingeschrieben.

Also durchdie Nöte und Überforderungen der jungen Frauen von heute und seltsam, beim Lesen habe ich das gar nicht mehr so arg empfunden, wahrscheinlich ist das  schon der Gewöhnungseffekt.

So erzählt in “rosarote träume” in unserer heilen Weltidylle eigentlich ungewöhnlich, eine junge Frau, nachdem sie ihre Schwangerschaft entdeckt und sogar  einen Freund hat, der sich darauf freut, wie sie ihr Baby haßt.

“bitte, sage ich. bitte, bitte stirb.”

Ungewöhnlich vielleicht so direkt zu lesen, im Leben selber höchstwahrscheinlich nicht, denn da kommen ja viele Babies gar nicht auf die Welt und bei denen, die doch geboren werden, bekommen die Mütter oftmals Wochenbettdepressionen.

Und auch die Titelgeschichte habe ich diesmal nicht so bedrückend gefunden, vielleicht habe ich inwischen anderes ähnlich Schwieriges gelesen.

Da wird von der schönen Schwester erzählt, bei der alles besser als bei der Protagonistin ist, sie hat eine Tochter, keinen frechen Bengel, wie die Erzählerin, ißt biologisch vollwertig, hat einen tollen Mann, eine schöne Wohnung, einenTraumkob, etc und sie hat Krebs, wie sie bei der Einladung zum Abendessen erzählt.

“ich sage ja, sie hat immer alles. immer alles bekommen.”, lautet der Schlußsatz.

In “mein bruder und ich” ist eine Schwester, die nicht wirklich eine solche ist, in ihren Patchworkbruder mit dem sie aufgewachsen ist, verliebt und bekommt ihn schließlich auch und “angst um michael” müßte mir, der VT-Therapeutin, die oft mit Panikattacken zu tun hat, auch bekannt sein.

In “der himmel/trotzdem geht das nicht” ist die Erzählerin in einen verheirateten Mann verliebt und schreibt ihm E.-Mails, während sie zu Parties geht, arbeitet, sich betrinkt, etc

“als ich dich zum ersten mal sah, sah ich zum ersten mal den himmel.trotzdem geht das nicht.”, mailt er ihr irgendwann zurück.

“Jakob hasst micht” ist ein wenig kryptisch und nicht ganz einfach zu verstehen. Da lebt die Erzählerin mit Jakob und beklagt sich, daß er mit ihr nicht spricht, sie ignoriert, ihre extra für ihn gekaufte Reizwäsche nicht ansieht und sie, als sie sich aus Protest damit auf den Boden legt, nur irgendwann ins Bett trägt, ohne sie weiter zu berühren. Er erzählt das dann auf Parties und seiner Mutter, so holt sie sich eine Natascha von der Straße in die Wohnung, er packt seine Koffer, bleibt aber trotzdem da, bzw. kommt er nach ein paar Tagen zurück, schmeißt Natascha aus der Wohnung und sagt zu ihr immer wieder “wir schaffen das schon”

“ich weiß ehrlich gesagt nicht, was wir schaffen sollen, aber ich vertraue ihm, also wird er schon recht haben, denke ich.”, lautet hier der Schluß.

Ähnlich kryptisch die “schönen schuhe”, wo die Erzählerin, wegen einer schönen Frau verlassen wird und fortan nur mehr “so  vor sich hin vegetiert, aber trotzdem schöne schuhe”, trägt.

Sie färbt sich, wohl um sich zu verändern, die Haare rot, davon ist dann die Badewanne tagelang rot, daß man glauben könnte, es hätte sich jemand umgebracht, sie muß auch schwarze samthandschuhe tragen, um was  zu verstecken? Und es ist auch schwer die Blicke die anderen zu ertragen, die sie einer zuwerfen, wenn man in einer Nervenklinik war.

Ja, ich weiß, das Schöne an den Kurzgeschichten sind, daß sie nicht alles verraten, daß sie nur andeuten, ihre Geheimnisse haben und, wie das Elend einer verlassenen Liebe von der sehr jungen Autorin erzählt wird, ist wirklich sehr beeindruckend. Ein bißchen etwas davon, habe ich vor dreißig Jahrenselbst erlebt, da habe ich mir zwar nur die Haare geschnitten und nicht die Pulsadern, aber, daß es helfen kann, alles zu verändern, habe ich damals auch gedacht und mich vielleicht besonders schön angezogen.

Dann gibt es eine Geschichte über eine Wohngeminschaft, wo es “immer dreckig, meistens laut ist und sich alles wie in einem schlechten Film anfühlt. Neben der Erzählerin leben noch Agnes, Annika und Pat dort, Annika hat Narben an den Armen nach denen man nicht fragen darf. Pat hat trägt eine schwarze Unterhose, raucht einen Joint und liebt sich mit der Ich-Erzählerin, die am nächsten Tag weiß, daß sie aus der Wohnung muß.

In “luisa” zieht die Erzählerin in Luisas Wohnung, in der noch alle ihre Sachen sind, bitte alles so lassen, sagt der Vermieter, die Erzählerin vergräbt aber das Tiefkühlhund im Garten, schlüpft in Luisas Kleider und nach und nach auch in ihre Person.

Und so geht es weiter in den sechsundzwanzig Kurzgeschichten, die meistens eine Ich-Erzählerin haben und die von  Peter dem Maler,  Karl dem Klavierspieler und vielen anderen erzählen.

In “Postkarten” liebt Richard Paula und die Erzählerin Richard bei dem sie wohnt und offenbar auch schläft. Paula ist dagegen ständig auf Reisen, schickt Postkarten, die inzwischen schon vergilbt an der Wand hängen und die Besucher, aber das ist doch schon so lange her, sagen.

“im februar kommt sie vielleicht für zwei wochen nach wien sagt”, sagt er.

das hat er schon oft gesagt, aber nie war sie da.

“du weißt sie wir dir nie gehören”, sage ich.

“o ja, wir heiraten irgendwann, ich sag dirs”, lauten hier die letzten Sätze.

” katarina heider erzählt prägnant, knapp und scheinbar kühl geschichten vom verlust der beziehung des ichs zu sich selbst, von der liebe, platonisch oder sexuell, oder zwischen geschwistern oder alles auf einmal” steht am  Buchrücken und ich füge noch hinzu, daß es hier wieder ein starkes Sprachtalent unter Dreißig zu entdecken gibt, von der ich vielleicht noch hören und schreiben werden.

Vielleicht wenn sie beim Bachmannpreis liest, fürs MUSA ein Stipendium bekommen hat, ihr erster Roman bei “Droschl”, “DVA” oder anderswo erschienen ist, etc und da fällt mir ein, daß ich vor einiger Zeit auch einen anderen themen- und sprachenschweren Geschichtenband einer jungen Autorin gelesen habe, die bei “Exil” einmal gewonnen und begonnen hat.

Wiener Grätzl Josefstadt

Jetzt kommt garantiert das letzte Rezensionsexemplar in diesem Jahr, nämlich “Wiener Grätzl Josefstadt” aus der Reihe “Stadt Bekannt” , das ich ja angesichts meiner überlangen Leseliste ablehnen hätte sollen, aber erstens kann ich bei Büchern schwer nein sagen, zweitens bin ich, sowohl ein “Wien-Fan”, als auch eine “Wienflneurin”, die oft genug, von der Krongasse auf den Weg ins AKH durch Wiens kleinsten feinen Bezirk rast und literarische Orte, Begegnungen und Erinnerung, die mich mit diesen Bezirk verbinden, gibt es auch und da ich auch mein “Wien-Wissen” archivieren will, ist der Grätzl-Führer eine gute Gelegenheit mein Wissen aufzufrischen und das Alte mit dem Neuen zu verbinden.

Von der Reihe Stadt Bekannt habe ich mich im letzten Jahr oder sind es schon Jahre in einige Bände des unnützen Wien Wissens eingelesen, habe mich am unbekannten Habsburger-Wissen und auch am “Kaffee” deligiert und wurde schon Vorarbeit geleistet bzw. Wissen eingelagert und bei Präsentation des KaffeeBuches in einer Kaffeerösterei im fünften, nicht im achten Bezirk habe zwar nicht ich, aber dafür der Alfi die unnützen Wien Büchlein gewonnen und wir werden sie wahrscheinlich im März der Ute nach Leipzig mitbringen, um ihr das Wien-Wissen gschmackig zu machen, wenn sie schon Ernst Jandl nicht so mag und das Buch von ihm, das ihr der Alfred einmal schenken wollte, zurückgegeben hat, bzw. am Flohmarkt verkaufte.

Das kleine diesmal rote Büchlein, das am Cover den “Wachsamkeitsbrunnen” zeigt, über den man im Innenteil einiges nachlesen kann, ist in die Kapitel “Josefstädter Geschichten” “Bauwerke und Sehenswürdigkeiten”, “Verborgene Schätze” “Josefstadt für alle” “Josestadt genießen” und Josefstädter Spaziergänge” gegliedert und am Anfang kommt gleich die Information, die ich vorher nicht hatte, nämlich der kleineste Bezirk Wiens, obwohl in einige Teile aufgegliedert, die sich Josefstadt, Altlerchenfeld, Strozzigrund und Breitenfeld nennen und sich in etwa zwischen der Alserstraße, der Landesgerichtstaße, der Auerspergerstraße und der Lerchenfelderstraße erstrecken.

Es gibt Tips für Sportliche, kulturell Interessierte, Shopoholics, etc, wie am Buchrücken steht, das Literarische ist, verlinkt mit mit meinen Erinnerungen und Bezirkserlebnissen auch zu finden.

Wie schon beschrieben, ich renne mehrmals im Monat von der Krongasse ins AKH und habe das schon als Studentin getan, da habe ich noch in der Otto Bauergasse, also im sechsten Bezirk gewohnt und bin wahrscheinlich auch mehr mit der Straßenbahn gefahren, jetzt gehe ich zu Fuß, durchquere da den achten, wo es auf der Josefstädterstraße, das berühmte Theater in der Josestadt gibt,  da habe ich mir einmal ein kleines Büchlein aus dem Jahr 1932 oder so gekauft, wo man die diesbezüglichen Szenefotos studieren kann und als Studentin 1977 wird das wahrscheinlich gewesen sein, bin ich einmal in ein Cafe neben dem Theater gegangen, wo sich zufälligerweise Klaus Maria Brandtaueraufhielt, der mich sehr beeindruckte, weil er lautstark das ganze Lokal unterhielt.

Ach ja, in dem Büchlein kann man lesen, daß die Josefstadt ein Zentrum der Prominenten ist, so gibt es Luxushotels und Luxusgeschäfte, der Herr Bundespräsident wohnt in der Josefstädterstraße und geht von dort zu Fuß in sein Büro und Jack Unterweger, mein erster und wahrscheinlich auch einzger Verleger, hatte in der Zeit zwischen seinen Gefägnisaufenthalten dort eine Wohnung.

Es gibt aber auch und das ist mehrmals in dem Büchlein zu finden, in der Josefstadt das “Glücksscheinmuseum”, das die Künstler Ilse Kilic und Fritz Widhalm gründeten, dort, glaube ich am Donnerstag und Freitag offen haben, ihre Bücher aus dem “fröhlichen Wohnzimmer” verkaufen, nicht aber die Schweinchen, wie der Grätzelführer bedauert, Veranstaltungen machen, von denen ich leider nur bei einer einzigen war.

Es gibt, wie das Buch erwähnt und auch einen eigenen Spaziergang für Leseratten empfiehlt, einige Buchhandlungen, ich ergänze, es gibt auch den offenen Bücher Schrank vis avis des Cafe Hummels, den die” Grünen” von Frank Gasser abgekupfert haben und bei dem ich auch manchmal vorbeigehe, wenn ich vom AKH komme und auch schon einiges gefunden habe.

Da sind wir jetzt aber schon bei den Cafehäusern und die werden wahrscheinlich alle in dem Büchlein aufgezählt. Ich beginne beim Cafe Hummel, da habe ich einmal Ditha Brickwell begtroffen, bzw. hat sie mich dort zu einer heißen Schokolade eingeladen, weil ich ja einmal bei einer ihrer Veranstaltungen lesen sollte, leider wurde nichts daraus.

Es gab aber, ich glaube wenn ich mich nicht irre, 2007, einen Osterspaziergang des Lesetheaters durch den Achten und da war das Cafe Hummel eine Station und ich kann mich erinnern, daß Christine Huber auftrat und sehr über das Grätzel Josefstadt schwärmte, in dem es sich fast noch wie am Lande leben läßt.

Ich bin in meiner Studentinnenzeit auch viel in der Josestadt mit meiner Freundin Elfi ins Cafehaus gegangen, nämlich ins Cafe Rathaus, manchmal auch ins “Eiles” und ins Cafe Coural auf der Josegstädterstraße, das es schon lang nicht mehr gibt, bin ich, glaube ich, eher allein gegangen und habe dort geschrieben. Und im Cafe Benno, das ich erst später kennenlernte, weil dort inzwischen die “Logischen Denker” tagen, ich einmal dort bei einem Vortrag von Herrn Dr. Mold über die Vereinsgeschichte war und dann selber einen solchen  hielt, der aber leider nicht sehr gut angekommen ist, dafür habe ich an dem Tag einen reichhaltigen Fund in den Bücherschränken gemacht, läßt es sich, wie ich dem Grätzl-Führer entnehme, auch gut spielen.

Es gibt, erklärt das Büchlein, einige Gemeindebauten, der berühmteste ist wohl der “Oskar Werner-Hof”, nach dem berühmten Schauspieler, der in der Josestadt spielte und auch die letzten Jahres seines Lebens dort wohnte. Ich kann mich erinnern, daß ich wahrscheinlich im Herbst 1983, da war ich mit der Anna schwanger, eine seiner letzten Lesungen im Volkstheater hörte, da war er schon für seinen Alkoholkonsum berühmt und wahrscheinlich nicht  mehr so gut und das Volkstheater liegt schon im siebenten Wiener Gemeindebezirk, also Themenverfehlung, aber eigentlich ganz nah.

Im Josefstädter Bezirksmuseum war ich, glaube ich, einmal bei einer Lesung des “Milena-Verlags” als der noch nur Frauen verlegte und habe da, glaube ich, einen Krimi der berühmten Elfriede Semriau gehört. Es war, wenn ich mich nicht irre, eine Veranstaltung zum Frauen- oder Muttertag und dann gibt es noch ein anderes Museum, nämlich das für Volkskunde im Palais Schönborn in der Laudongasse und da habe ich zum Gedenken an Eugenie Kain einmal gelesen und bei einer Ausstellung zum ersten Mai war ich dort auch einmal.

Johann Nestroy hat in der Josefstadt gespielt und Ludwig van Beethoven zur Eröfffnung komponiert und dirigiert und Ödon von Horvath hat seine “Geschichten im Wienerwald”, glaube ich, in diesem Bezirk angesiedelt und das habe ich, glaube ich ebenfalls, schon vorher gewußt und nicht in dem Buch gefunden.

Denn dort werden außer Literaturtips ja viele Einkaufs-und Restaurantempfehlungen gegeben, die ich, da ich ja nicht so gerne konsumiere, zum Teil überlesen habe, es gibt aber das berühmte Restaurant Blauensteiner, wo ich noch nie war, aber, wie ich hörte oder las, man dort sehr gut die Wiener Küche ausprobieren kann.

Es gibt das “Restaurant zur frommen Helene”, in dem, glaube ich, die Ruth einmal ihr großes “Edition die Donau hinunter Abschlußfest” feierte, das ich wegen der letzten Buch-Wochen Eröffnung wofür sie mir ihre Verlagseinladung schenkte und mich als Verlagsmitarbeiterin ankündigte, teilweise versäumte, das dem Sohn des Schauspielers Peter Vogels, der unter anderen den “Kottan” spielte und mit Erika Pluhar liiert oder verheiratet war, gehört und deshalb auch “Vogelkeller” heißt.

Es gibt sehr viele und man kann laut dem Buch auch tagelang, nämlich acht Spaziergänge machen, man kann aber, wie ich es wahrscheinlich weitermachen werde, von der Krongasse ins AKH laufen, dabei den offenen Bücherschrank besuchen oder durch die Langegasse gehen, wo es das “Frauenzimmer” gibt oder gab, das “Frauencafe” in das nur Frauen konnten und “Milena” hatte oder hat dort auch sein Lager und einige der Krimis habe ich einmal dort um je drei Euro oder waren es noch dreißig Schilling gekauft.

Man kann vielleicht noch ein paar alte Hofrätinnen in den Cafes sitzen oder einkaufen gehen sehen, aber auf jeden Fall viele junge Studenten und natürlich Touristen, denn die Josefstadt, sowohl nach dem heiligen Josef, als auch dem Kaiser benannt, ist ja ein berühmter Bezirk und wenn man jetzt noch den Grätzelführer  mitnimmt, die empfohlenen Spaziergänge macht, einkauft, die Wiener Küche kostet oder sich ins Kaffeehaus setzt, kann man dabei sehr viel  erleben und richtig eine Heuschreckenplage, gab es, als die Josefstadt noch ein ländliches Gebiet war, auch einmal und einige Mordfälle, die ich jetzt nicht alle aufzählen will.

Wems interessiert kann es nachlesen und wer sich genauer über die verschienenen exquistiten kleineren oder größeren Geschäfte, informieren will, dem kann ich den Kauf des kleinen roten Büchlein wirklich nur empfehlen. Vielleicht gibt es aber wieder eine Präsentation, wo man es gewinnen kann, aber richtig, das wird wahrscheinlich erst dann geschehehn, wenn es schon andere Grätzelführer gibt, die dann vorgestellt werden und so freue ich mich darauf, ob es einmal einen über Margareten geben wird, obwohl ich einen solchen, der vor Jahren von den Margaretner Kaufleuten herausgegeben wurde, schon zu Hause liegen habe und das Cafe Anno mit seinem “literarischen Sonntag”, wo ich auch schon bei einigen Lesungen war und dort Sara Wipauer kennenlernte, hätte ich jetzt fast vergessen oder gedacht, daß sie die Lerchenfelderstraße 132 im siebenten Bezirk befindet.