Strohwitwenrecherchen

Nachdem der Alfred Freitagfrüh ab nach Mexiko geflogen ist, ist es bei mir  in meine neue Buch-Recherchen gegangen, da hat mir ja Klaus Khittl, als ich ihm, um eine Rezension für die “Anna” gebeten habe, sehr lieb geschrieben, daß ich mal vielleicht etwas anderes versuchen und mich mehr mit meiner Sprache beschäftigen soll, etwas, was ich mir auch schon dachte, nachdem der Alfred in der letzten Zeit  schon stöhnt, nicht so viel, nicht so schnell, da komme ich nicht mehr nach!”

Das habe ich mir auch schon öfter gedacht und gerade immer wieder in dieselben Fallen, werde immer schneller, immer hektischer und die Psychologin denkt sich dann in mir, es kann halt keiner aus seiner Haut heraus und es wird schon einen Grund haben!

Trotzdem habe ich schon Anfang Jänner von den Writerretreats geschrieben, in die ich mich begeben will, wenn ich mit dem Korrigieren, den letzten Nanwrimos fertig bin.

Das bin ich noch nicht, kann derzeit aber die Korrigieren nicht in meinen Computer eintragen und so habe ich mir gedacht, die dreiwöchige Abwesenheit des Alfred für ein einziges riesengroßes Retreat oder Recherchemonat zu nützen und hatte damit ja schon begonnen. Schon in der Vorwoche in Harland angefangen in meinen Büchern zu lesen und als ich am Donnerstag mit der Steuererklärung fertig war, habe ich mir die Mappen mit den bisherigen Kritiken, die Bücher in denen ich lesen will und auch die, in die ich meine nächsten Konzepte aufmalen will, noch einmal genauer hergerichtet.

Am Freitag habe ich dann “Tojstoi und der lila Sessel” fertig gelesen, bin zum Friseur gegangen, habe ein paar Donuts eingekauft, es ist ja Fasching und ich mag  gerne Krapfen und mir ein neues Kuvert hergerichtet, in dem ich mir einen Fünfziger zu dem, was mir von der Sommerschreibwerkstattgabe übrig geblieben ist, steckte, um bei meinen Recherchen das nötige Kleingeld für einen Hamburger, etc, zu haben.

Am Samstag habe ich dann, bis ich zu dem Schriftstellerfrauentreffen und Ruth Aspöcks Geburtstag in den Augustinerkeller gegangen bin, weiter in den “Zwillingswelten” und den “Dreizehn Kapitel” gelesen, ein bißchen schon in den Kritiken geschmökert, wo mir JuSophie erklärte, warum sie die “Mimi” für ein schlechtes Buch hält.

Die habe ich dann am Sonntag gelesen, das eigentlich wieder nicht gefunden und dann zurück in der Mappe bis zu den “Droschel”, den “Wiener Frauenverlag” und all den anderen Briefen, die mir immer wieder geduldig erklärren, die Sprache ist zu ungenau, ich müßte straffer und dichter erzählen, die Ortohgraphie hat Mängel, ich bräuchte ein Lektorat, das sind eher die neueren Meldungen, die von Herrn Blaha und Klaus Khittl, die das in ihren Rezensionen vorsichtig andeuten, die Lektoren würden das ja selber tun, wenn…

Es hilft nichts, die Mappe, wo ich all das nachlesen konnte, was ich schon die letzten dreißig vierzig Jahre ändern sollte und es offenbar trotz Bemühens nicht zusammenbringe, hat mich sehr deprimiert, obwohl ich mir ja, glaube ich, schon am Samstag- oder Sonntagmorgen dachte, wenn ich es nicht ändern kann, lasse ich mich davon nicht irritieren, sondern schreibe weiter, habe ich halt fünfunddreißig schöne Bücher mit orthographischen Mängeln, leicht und locker geschrieben, wie die Kritiker seltsamerweise öfter meinen, aber ohne Tiefgang etc.

Das ist jetzt wieder leicht geschrieben und schwer durchzuhalten, denn nach dem ich mich durch die blaue Mappegelesen hatte, war ich schwer deprimiert bzw. hoffnungslos, denn was soll ich tun, wenn ich es nicht ändern kann? Wenn es trotz allem Bemühen so bleibt, wie mir übrigens Christa Nebenführ schon vor Jahren einmal voraussagte und ich noch aufmüpfig dachte, wie kann sie denn das wissen, wenn sie keine Hellseherin ist?

Sie sagte mir, glaube ich, noch dazu, daß sie keine Zeit hätte, sich meine Texte alle anzuschauen und daraufzuwarten, daß sie vielleicht besser werden, nun gut, ich schreibe ja immer, ich gebe nicht auf, sondern tue weiter, aber sehr lustig ist das nicht, obwohl mir Andrea Stift einmal schrieb, ich solle mich an meinem Schreiben freuen und Spaß daran haben.

Es hat mir dann, als ich wieder in die Badewanne ging, die “Frau auf der Bank”, obwohl ich das ja gerne mag, nicht mehr gefallen, no na und das Beschäftigen mit meinen Bücherbergen, was ich mir als Draufgabe und, um den Sonntagabend fröhlich abzurunden, geben wollte, ist dann auch nicht gelungen.

Ich habe stattdessen herumgeräumt, mir die “Schneeflockenmethode” noch einmal ausgedruck, mit der ich wahrscheinlich am Donnerstag auf einen Recherchegang gehen will, um mir einen Plot für die “Bibliophilin” zu skizzieren, damit ich mich nicht wiederhole, damit er etwas anders wird, etc.

Was soll man machen? Ich weiß es nicht, daß sich in den letzten dreißig vierzig Jahren nicht wirklich etwas verändert hat, hat mich erschreckt, obwohl ich es eigentlich schon wußte und obwohl ich  über dreißig schöne selbstgemachte Bücher haben, von denen mir einige, wenn ich sie genau lese, ganz gut gefallen, denn über die Orthographie lese ich offenbar hinweg und das Allzuabgehobene mag ich nicht sehr.

So weiß ich wieder nicht recht, wie ich weitermachen soll, aufhören will ich nicht, den Erfolg muß ich mir wohl abschminken und habe mir das schon am Samstag oder Sonntagmorgen so vorgenommen, also weitermachen wie bisher, auch wenn ich mich mit der “Bibliophilin” wiederholen sollte oder doch natürlich besser werden, das in meinen Blog so schreiben, obwohl ich mich damit wahrscheinlich ins Fettnäpfchen setze, aber es ist wenigstens ehrlich,  bei den Vorschauen ein Gewinnspiel, aber sonst keine Rezensionsanfragen, etc…

Viel mehr fällt mir dazu nicht ein und das habe ich  auch schon öfter geschrieben. Die “Paula Nebel” könnte ich noch lesen, weil die vielleicht der “Bibliophilin” in bißchen ähnlich ist und dann über die “IS” und die “Beratungsstellen gegen Rassismus” etc, recherchieren und vielleicht das Roadmovie kommen lassen, mal sehen, wie es wird, wie lange ich dazu brauche und wie ähnlich oder anders es werden wird…

Die Dauerkarte für Leipzig ist dagegen am Freitag gekommen und ein paar Rezensionsexemplare habe ich mir auch wieder bestellt, ich kann es nicht lassen, auch wenn sich die Bücher schon am Boden stapeln und muß das vielleicht auch nicht, ansonsten habe ich jetzt ein paar intensive Praxistage und dann ein langes Wochenende, an dem ich wieder über meine Schreiberfolge oder Mißerfolge berichten kann.

Briefe zwischen Vater und Sohn

Den Briefwechsel, den der Nobelpreisträger von 2001 V. S. Naipaul in den Fünfzigerjahren an seine Familie aus Oxford, wo er studierte, in Trinidad geschrieben hat, habe mir ich vor zwei Jahren  in St. Pölten gekauft, als dort die “A.u.M Buchhandlung” geschlossen wurde.

Es waren einige Bücher bei dem Abverkauf dabei, darunter die von Sarah Kuttner, die glaube ich ein paar Euro kostete, das von Naipaul, bei “Claasen” 2002 erschienen, hat, glaube ich, einen Euro gekostet und war dann noch einmal auf siebzig Prozent verbilligt, jedenfalls kann ich mich erinnern, daß die Verkäuferin beim Eintippen mit Erstaunen sagte, daß es nur noch dreißig Cent kosten würde.

Das ist sehr spannend, sind die Briefe, es sind nicht nur die des Vaters an den Sohn, wie der Titel glauben macht, sondern auch einige, der um zwei Jahre älteren Schwester Kamla, die damals in Benares studierte, der Mutter, der anderen Schwestern, des kleinen Bruders, etc dabei,  interessant, geben  Einblick in die Jugend des Nobelpreisträgers und seine Lebensumstände und ich muß gestehen, daß ich bisher kaum etwas über den 1932 in Trinidad geborenen, der seit den Fünzigerjahren in England lebt, wußte.

Der Vater, in den Briefen hauptsächlich Pa genannt, war Redakteur bei verschiedenen Tageszeitungen und ebenfalls Schriftsteller, ein Roman ist von ihm, glaube ich, erschienen und wahrscheinlich auch Erzählungen.

Es gab  sechs Geschwister, zu Beginn des Briefwechsel waren fünf geboren, Kamla 1930, Vidia, wie er genannt wird, 1932, die Schwestern Sati, Mira und Savi immer jeweils zwei Jahre später, der Bruder Shiva 1945, 1952  wird dann noch Nalini kommen und Vidia sowohl von Kamla als auch vom Vater angekündigt werden.

Die Familie lebte offenbar in ständigen Geldnöten und so drehen sich die Briefe sehr oft darum, wer wem ein paar Pfund schickt oder das gerade nicht kann.

Zeitungen und Bücher werden angefragt. Der Achtzehnjährige wünscht sich auch mehrmals Zigaretten, die Familie versichert, daß es verboten ist sie auszuführen, die Zollsätze sind auch sehr hoch. Sie versuchen sie dann in den Zuckerpäckchen zu schmuggeln, was der Sohn dann wieder bemängelt, die Zigaretten aber braucht, um seine Kommilitonen einzuladen, was in Oxford offenbar üblich ist.

Sonst geht es in den Briefen auch sehr viel um das Schreiben, was sowohl der Vater, als auch der Sohn intensiv betreiben.

Vidia Naipaul schreibt schom mit Neunzehn seinen ersten Roman, der wird aber abgelehnt.

Er arbeitet auch als Redakteur und versucht trotz seiner Geldnöte in den Ferien herumzureisen, während der Vater, der bedauert seiner Frau keine Waschmaschine kaufen zu können, sich für verhältnismäßig viel Geld malen läßt.

Vater und Sohn versichern sich gegenseitig sehr talentiert zu sein und der Vater gibt auch viele Ratschläge, wie man ein guter Schriftsteller wird: ehrlich, authentisch und auch flüßig soll man schreiben und Skizzen machen.

Ein Schreibbuch wird erwähnt, während der Sohn, dem Vater  die Wortmengen empfiehlt, die er täglich schreiben soll.

Die Schwester schreibt dem Bruder von ihrem Studium, in dem es mehr, um das Auswendiglernen, als um die Kreativität geht, ist dann auf den Vater beleidigt, schreibt dem länger nicht, worüber der sich dann bei Vidia beklagt, der das wieder an Kamla weitergibt.

Der Vater ist auch um seine anderen Töchter besorgt, will wissen, ob sie den Schulabschluß schaffen und ärgert sich über zwei liderliche Cousinen, die bei der Familie wohnen, sich aber mit andersrassigen Männern herumtreiben und nie zu Hause sind.

Die Mutter fleht den Sohn auch an, sich nie für ein weißes Mädchen zu entscheiden, dem Vater ist das egal, schreibt aber auch von den Schwierigkeiten un Vorurteilen an denen Mischehen oft scheitern.

Vidia oder Vida hat sich dann für eine Patricia Hale entschieden, die ihm während einer Nervenkrise unterstützte, denn Naipaul litt auch unter Depressionen, die, wie ihm ein Psychologe erklärte, entstanden waren,  weil er sich als Versager fühlte.

Der Leistungsdruck scheint in seinem Leben und in den Briefen auch eine große Rolle zu haben, denn der Vater mahnt, sowohl zu Selbstvertrauen und Gelassenheit, als auch, daß es wichtig ist, immer der Beste zu sein oder sein Bestes zu geben und  ärgert sich auch sehr, als ihm ein anderer Schriftsteller die Idee wegnimmt, der Sohn schreibt dann zurück, daß der Vater ein besserer Schriftsteller, als er ist und der verspricht ihm, ihn nach Abschluß seines Studiums zu ermöglichen fortan als freier Schriftsteller seinen Weg zu gehen.

Sehr interessant von den Anfangsjahren eines späteren Nobelpreisträgers zu erfahren, ich könnte da ja  wieder spekulieren, daß es mit meiner Karriere deshalb nichts wurde, weil sich niemand für mich interessierte. Die Mutter nach ihrer Arbeit zu müde war, um mir 1973, als ich meine erste Erzählung als “Schriftstellerin” schrieb, zuzuhören, Gerhard K. und Monika Jensen, 1978, über die “Einladung zum Tee” ein vernichtendes Urteil abgaben, etc.

Jedenfalls sehr interessant zu verfolgen, wie es Vidiadhar Surajprasd  schaffte,  Seepersad Naipaul ist jedenfalls 1953 gestorben, die Briefe enden nach der Familientragödie, 1957, da ist das Kapitel dann schon mit dem Zusatz “Schriftsteller” bezeichnet, die älteste Schwester ist Lehrerin und muß gemeinsam mit dem Bruder die Mutter und die jüngeren Geschwister, von denen ihnen vor allem der Bruder Shiva Sorgen macht unterstützen, der Vater hat Vido noch angefleht nach Trinidad zu kommen, der das aber wegen der engstirnigen Verhältnisse, die er dort zu erwarten glaubte, ablehnte, er schreibt dagegen von einer Stelle in Westindien, die er anzunehmen plante, aber nicht bekommen hat. Dann erschienen die ersten Romane und Erzähltbände und wahrscheinlich die Karriere, die dann zu der höchsten Auszeichnung führte.

Einen Anhang und einen Stammbaum um die Familienbeziehungen zu verstehen gibt es auch und einen Roman auf meinen Regal bzw. Leseliste, so daß ich den Nobelpreisträger auch literarisch lesen kann, habe ich jetzt auch entdeckt.

Im Augustinerkeller

Am siebenten Februar hat Ruth Aspöck Geburtstag,  wurde heuer achtundsechszig Jahre alt und hat diesmal dazu eine Frauenrunde, Hilde Schmölzer, Erika  Brunngraber, Uli Makomaski,  Sonja Frank und mich dazu in den Augustinerkeller eingeladen.

“Es ist kein runder Geburtstag, aber nachdem er an einen Samstag fällt, sollten wir doch ausgehen”, hat sie geschrieben und ich habe diese Formulierung herrlich altmodisch gefunden.

So tat man es wahrscheinlich in den Fünziger- und Sechzigerjahren, inzwischen hat sich der Zeitgeist  vielleicht ein wenig geändert, aber natürlich, an einem Geburtstag geht man aus, lädt ein, feiert ihn, etc.

Am 8. Dezember, dem Feiertag, als ich mit Alfred zu den “Wilden Worten” ging, haben wir die Ruth dort getroffen und sie hat uns gefragt, ob wir am 7. Februar Zeit haben, weil wir ja jedens zweites Wochenende nach Harland fahren, aber der Alfred ist schon am sechsten nach Mexiko geflogen, so wurde es eine Frauenrunde, auf die ich mich schon sehr lange freute und  Ruth Aspöck kenne ich schon sehr lang, ich habe ja, glaube ich, schon einmal geschrieben, daß ich gar nicht weiß, wo und wann genau ich sie kennenlernte.

Im Arbeitskreis schreibender Frauen war es, glaube ich, nicht, aber irgendwann ist der Ruf der Feministin und ihr beim Wiener Frauenverlag erschienenes Buch wahrscheinlich zu mir gedrungen, dann haben wir uns wahrscheinlich in der GAV kennengelernt und irgendwann haben die Valerie, die Elfriede Haslehner, die Hilde Langthaler, lauter Arbeitskreisfrauen und ich, wie wir das ja sehr lange taten, uns getroffen und irgendwer sagte, die Ruth hat einen Verlag gegründet, da können wir verlegen.

Bei mir hat das  nicht geklappt, wir waren aber bei der Radreise von Wien nach Bamberg, 2007, zum Abschluß des Verlages “Die Donau hinunter” dabei, wir sind von Ybbs bis Regensburg mitgefahren und jetzt verlegt die Ruth bei “Löcker”, im März wird ihr neues Buch vorgestellt, ich war bei einigen ihrer ihrer Einladungen, beispielsweise auch in der tollen Konditorei Ecke Burggasse zum fünfundsechzigsten, Charles Dickens ist, glaube ich, auch zeitgleich geboren, es gibt seit zwei Jahren die Schreibegruppe, die am sechsten März ihre Abschlußlesung hat und es war heute ein schönes Fest, auf das ich mich schon, wie erwähnt, sehr lange freute.

Seit gestern bin ich ja Strohwitwe und ging ich auch in Schreibklausur, war  beim Friseur und lese seither meine Bücher auf, um für das neue Projekt frisch anzufangen, beziehungsweise, wenn das möglich ist, über die Fehler, die ja immer beklagt werden, hinweg zu kommen. Nachdem ich mich heute Nachmittag ein bißchen durch die blaue Mappe las, wo ich mich durch meine bisherigen Rezensionen las, bin ich gar nicht mehr so sicher, ob ich das jemals schaffen kann, meine sprachlichen Mängel werden ja immer angeklagt, erst gestern hat das Christian Schreibmüller im Literaturhaus wieder getan, wenn ich mich aber so durch meine Texte lese, merke ich, daß ich eigentlich zufrieden bin, nun ja, man kann nur das geben, was man hat und muß von dem ausgehen, wo man steht und so habe ich heute morgen in der Badewanne die “Zwillingswelten” fertiggelesen, nach Mittag einen Teil der Kritiken und die “Dreizehn Kapitel”, bevor ich um halb sechs in den Augustinerkeller aufgebrochen, in der offenen Bücherkiste in dem englischen Geschäft in der Schleifmühlgasse, gab es den “New Yorker” zur freien Entnahme, leider habe ich nicht so schnell geschaltet und nur einen für mich mitgenommen.

Für die Ruth hatte ich mein neues Buch in der Tasche und als ich ein paar Minuten nach sechs den Augustinerkeller erreichte, waren schon allle Frauen da, Hilde Schmölzer überreichte ihr letztes Buch und einen Blumenstrauß und ich dachte daran, daß ich, glaube ich, mit dem Willi, meiner ersten Liebe sozusagen, in den Siebzigerjahren, nach dem Freitagstanz im Volksgarten ein paar Mal in den Augustinerkeller gegangen bin und dort mit ihm eine kalte Platte gegessen habe.

Das ist lange her und seither hat sich in dem Lokal einiges geändert, da ich am Abend aber nicht mehr soviel esse, habe ich mir eine Portion Beinschinken mit Kren und Pefferoni bestellt und dazu gab es roten Wein, vorher ein Glas Sekt und viele Gespräche.

“Programm gibt es keines, aber um Gesprächsthemen werden wir nicht verlegen sein”, hat die Ruth geschrieben und so war es dann auch.

Sonja Franke, die einzige Frau, die ich nur vom Sehen kannte, hat ja das “Young Autstria-Buch” geschrieben, das ich im Sommer für Konstantin Kaiser besprochen habe, die Ruth hat bei dem Projekt mitgearbeitet und mir schon vorher sehr viel davon erzählt.

Erika Brunngraber die Tochter von Rudolf Brunngraber, dem Star der Fünziger- und Sechzigerjahre von dem ich einige Bücher im Bücherschrank meiner Eltern fand und vor kurzem das “Progrom” ist mit uns ja 2007 ein Stück mit dem Auto mitgefahren und ich war bei ihr mit der Ruth auch einmal zur Jause um ihr von der Brunngraber Veranstaltung in der “Gesellschaft der Literatur” zu erzählen.

Uli Makomaski kenne ich vom Lesetheater und war einmam mit ihr bei einer Veranstaltung in ihrem Garten, wo Horvaths “Italienische Nacht” aufgeführt wurde, im Anschluß daran haben wir Rolf Schwendter nach Hause gebracht und ich habe ihm erzählt, daß ich mich am Morgen erschreckte, als plötzlich eine Katze vor unserer Terrassentüre stand und miaute.

Hilde Schmölzer kenne ich auch schon lang, war einige Male bei ihr zu Silvester und einmal bei ihrer Geburtstagsfeier am Wilhelminenberg und so gab es einige interessante Gespräche und auch Geschenke von der Ruth, die für jede von uns auch ein Buch dabei hatte, Gedichte für Erika Brunngraber beispielsweise und für mich ein Buch aus der “Fröhlichen Wohnzimmer Edition “Mein Leben mit zwanzig”, wo die Ruth mit einigen anderen, wie beispielsweise Angelika Reitzer, Julian Schutting, etc einen Text darin hat, also wieder einen Lesestoff für 2027, wer weiß, ob ich das noch erlebe und was dann sein wird, dann sind wir  um einiges älter und in zwei Jahren wird die Ruth siebzig und dann gibt es vielleicht wieder ein Geburtstagsfest und die heutige Frauenrunde war auch sehr schön und natürlich auch sehr literarisch, zumindest ist es das, was ich aufschreibe und woran ich mich erinnern werde.

 

Jubiläumsslam

Mit dem “Poetry-Slam” bin ich, glaube ich, vor Jahren im Cafe Stein in Berührung gekommen, als der “Droschl-Verlag” dort einen solchen veranstaltete.

Man mußte einreichen, ich wurde nicht ausgewählt, war aber einmal in der Jury, habe dabei prompt das Bewertungssystem verwechselt und in den “Wiener Verhältnissen” darüber geschrieben.

Das war das erste Mal, daß ich von dieser Poesieform, wo jemand fünf Minuten liest und das Publikum feuert ihn an oder lacht ihn aus, etwas hörte.

Dann kamen Markus Köhle und Mietze Medusa, ich habe einen Slam einmal in Passau gehört, als wir dorthin eine Radtour machten, war einmal mit dem Alfred, auch vor Jahren, im Literaturhaus, in St. Pölten waren wir auch einmal und beim Fest für Ernst Jandl und auf der KritLit hat es auch so etwas gegeben, wo ich zugehört habe, mitgemacht habe ich nie, denn ich slame ja eigentlich nicht und würde, wenn ich nur so einen Text vorlesen, sicher nichts gewinnen, denn der “Poetry Slam” ist ja eine eigene Kunstform, nicht zu verwechseln mit dem Literatur-Slam der anderen Buchmesse oder dem Open Mike.

Es hat sich dann auch bald eine Slamer-Clique herausgebildet, die glaube ich, von Slam zu Slam reist, gewinnen kann man da ja meistens nicht sehr viel, trotzdem sind diese Wettbewerbe sehr begehrt und schießen, wie die Schwammerln aus dem Boden.

Richtig einen Dialekt-Slam macht die El Awadalla, glaube ich auch und weil das doch nicht so meine Form ist, bin ich in den letzten Jahren eher nicht mehr hingegangen und habe so auch den  Slam B, den Diana Köhle im Literaturhaus veranstaltet und den es jetzt schon zum fünfzigsten Mal gibt versäumt.

Nur gehört, daß es dort immer sehr voll ist und im Programm gelesen, daß man früher kommen muß und das Haus schon um neunzehn Uhr geöffnet wird, um zwanzig Uhr fängt es dann an.

Heute also das fünfzigste Mal und in Ermangelung eines anderen Programmes bin ich hingegangen, obwohl ich nicht sicher war, ob ich mich unter den slammenden Jugendlichen nicht als Außenseiterin fühle, das war dann nicht so, weil noch älteres Publikum und auch solche Teilnehmer und als ich die Türe öffnete, stieß ich schon oben auf der Treppe auf Robert Huez und  einen jüngeren Mann, es gab einen Tisch, wo man sich, glaube ich, bei Diana Köhle anmelden und eine Liste eintragen konnte und unten waren, es war so zehn nach sieben alle Plätze schon besetzt. Ich habe gerade noch den letzten  am Gang erwischt und als ich dort meinen Schal deponierte und dann zum Bücherschrank geben wollte, fragte mich der junge Mann, ob ich wieder zurückkomme und gab mir einen Coupon, den er später wieder einsammelte.

Um dreiviertel acht hat jemand, glaube ich, gesagt, sie lassen niemanden mehr herein, die Biabiane, Barbara Zwiefelhofer und auch andere, liefen aufgeregt herum und dann begann es. Diana Köhle moderierte gemeinsam mit Didi Sommer, den ich, glaube ich, damals am Karlsplatz gehört habe.

Sechs der erfolgreichsten Slammer der bisherigen Runden standen schon als Fixstarter fest am Programm, neunzehn andere hatten sich angemeldet,  wurden ausgelost und traten gegen die sechs immer in dreier Runden an, von denen dann im Finale Elias Hirschl, der schon achtmal gewonnen hat, Yannik Steinkellner, Alice Reichmann, Matthias Vieida und Henrik Szanto, alles Fixstarter übrigblieben, von den anderen wurden Christan Schreibmüller ausgewählt, hier Schreibi genannt, der schon dreißigmal angetreten ist, weil er zwei Häuser weiterwohnt und der einen sehr spannenden Text hatte, der Thronfolger Franz Ferdinand, Thomas Bernhard und Thomas Mann spielen mit MMR im Himmel literarisches Quartett und der Thonfolger will alles niederknallen.

Eine Frau  hatte einen leisen Text, der an die Nazivergangenheit von Konfrad Lorenz, Paula Wessely und Atila Hörbiger “leben und überleben” erinnerte.

Solche Texte, gewinnen bei den Slams eher selten, denn das Publikum pfeift und klatscht eher bei den Bekannten, das noch flott und reißerisch vorgetragen wird.

In der letzten Vorrunde traten aber drei Frauen gegenander an, wo eine, die aus Köln anreiste und schon zwei Bücher verlegt hat, die am Büchertisch auflagen, fast gegen Alice Reichmann gewonnen hätte.

Abgestimmt wurde durch das Klatschen des Publikums und da wurde die Lautstärke von den Moderatoren geschätzt, was für mich nicht immer so ganz eindeutig war, bei dieser Runde wurde viermal wiederholt, dann war Alice Reichmann die Siegerin, die sehr kunstvoll und im Sitzen eine Fernsehserie moderierte, wo es um das Babysitten ging.  Dann gab es eine Pause, wo man sich diesmal die Getränke kaufen mußte, eh klar bei dem Andrang eigentlich.

Ein Opferlamm gibt es immer auch, das ist ein Vormalsieger, der seinen Slam rezitieren kann, aber nicht bewertet wird, aber zu gewinnen gibt es eigentlich auch da nichts, außer einem “Paperblank” und einem “Falterabo” bzw. einer öffentlichen Lesung vom Balkon der Schule für Dichtung, der Mitveranstalter ist, für den Hauptsieger.

Dann kam die Finalrunde, wo die Finalisten ihren zweiten Text lasen, die eigentlich sehr spannend waren, gewonnen hat dann der, der mir am wenigsten gefallen hat und ich habe in der Lautstärke des Klatschen auch eigentlich keinen Unterschied feststellen können, die Moderatoren haben aber Matthias Vieida, das ist ein Südtiroler, dessen Texte vom Wald handelten, bestimmt und das ist eine Student der Sprachkunst, den ich schon bei “Studentenlesung” hörte.

Radiokunst mit verzerrten Ton

“Die lange Nacht des Hörspiels”, bzw. “Hörspielgala”, wie das jetzt heißt, bahnt sich an und da gibts schon seit einigen Jahren in der “Alten Schmiede”, ein paar Wochen vorher “Radiokunst”, eine Reihe, die die Autorin Liesl Ujvary ins Leben rief, von Christiane Zintzen kuratiert wird und die ich, obwohl gar gar nicht so exeperimentell, seit einigen Jahren  besuche.

Im Radio wird das immer im Sommer und im Winter mit zwei Autoren im Stück gesendet, in der “Alten Schmiede” werden die Stücke, die jeweils an die fünfzehn Minuten dauern,  im 5.1-Kanal- Surround übertragen und nach jeden gibt es eine Diskussion mit der Autorin, dem Autor und diesmal noch Elisabeth Zimmermann.

Die in Genf lebende Heike Fiedler, die derzeit in Indien ist, daher durch den Tonmeister nur eine Botschaft sendete, war die erste, ihr Stück, das bei dieser Reihe nur Text und Ton und keine anderen Zusatzgeräusche außer der Stimme erlaubt, “hieß du, der du die da bist” und wurde von ihr sehr schnell gesprochen und auch noch mit den Sprachen Deutsch und Französisch durchmischt.

Der Tonmeister erzählte, daß sie dazu ein Plakat mit vielen kleinen Zettelchen ins Studio mitbrachte, von denen sie herunterlas und leider hat die sonst so hochgelobte 5.1-Kanal-Surround Technik diesmal nicht so gut funktioniert, so daß es knarrte und rauschte und ich oftmals nicht so genau wußte, ist das jetzt ein Technikfehler oder Radiokunst.

Der Tonmeister wußte offenbar auch nicht so genau, woran es lag und so probierte er es weiter unter Zähneknirschen und der zweite Autor war Florian Neuner, der wie Kurt Neumann in seiner Einleitung erklärte, seiner Prosa einen Metatext hinzufügte.

Da war also das Stück “leichter schluckauf am abend” und dann kam die Autorenstimme, die immer ihren Senf dazu gab und das Ganze wurde  der Technik wegen auch unterbrochen und wiederholt.

Florian Neuner erklärte im Gespräch, daß es seine Absicht war, bei der Aufnahme schlecht zu sprechen, offenbar weil es schon so viele gute Vorbilder gab, die er sich vorher alle angehört hat, um das zu schaffen, hat er Schnaps getrunken und Petra Ganglbauer, die derzeitige GAV-Präsidentin, Sprachschulenleiterin und Radiokünstlerin mit viel Erfahrung, erzählte, daß sie bei ihrer Aufnahme Rotwein trank, um lockerer zu werden und sie bei diesem Stück hauptsächlich auf ihre Stimme vertraute.

Es hieß “Was wir hören  ist, was wir vergessen” und es gab einige Wortwiederholungen mit veränderten Tonfall darin, um auf die Absurdität  von manchen Texten hinzuweisen.

Der letzte Text von Johannes Tröndle, den ich vor kurzem mit einer Sprechoper im republikanischen Club hörte “grimms gegen duden”, war wahrscheinlich der spannenste und originellste und auch der mit der meisten Handlung.

Ein Duell der beiden Wörterbücher bzw. einem dritten, gibt es ja noch die Schulbuchfassung mit Verwendung der Wörterbücher, am Schluß sollte  eine  Prinzessin geküßt werden und gewonnen hat der Moderator.

Spannend, spannend die Radiokunst, die ich mir ja immer nur in der “Alten Schmiede”, um auf meinen Blog darüber zu berichten und nie im Radio anhöre und ein Wörterbuch, ich glaube es wäre von Jenny Erpenbeck oder war es, Katharina Hacker gewesen, hätte ich mir beim “Morava” um einen Euro auch kaufen können, denn da gab es einen großen Taschenbuchabverkauf, aber da man ja nicht so viel lesen kann und sich die Bücher ohnehin schon bei mir stapeln, habe ich streng ausgewählt, bin damit zu Linda Stifts “Erstling” und dann noch zu Peter Nadas Theaterstücke gekommen, obwohl ich die ja gar nicht so gerne lesen. Ein paar andere schöne Gustostückerln gab es auch noch. Wem das interessiert, sollte morgen auf die Wollzeile gehen, denn die Ein-Euro-Kisten waren sehr voll,  die “Super sad true love story” hat es beispielsweise gegeben und im “Wortschatz” am Nachmittag Dimitre Dinves “Engelszungen” Arno Geigers “Es geht und gut” und sogar, was ich besonders spannend fand, die “Mordgeschichten” aus dem “Picus-Verlag“.

Ganz gut erzählen

Das hat Konstantin Kaiser gestern im MUSA zu mir gesagt, als wir über meinen Blog oder mein Schreiben gesprochen haben, sonst meint er, glaube ich, was mir auch Klaus Khittl unlängst andeutete, daß ich zu schnell von Einem zum Nächsten hüpfe, statt mal was wirklich fertig zu machen.

Das hat er mir schon  im Repblikanischen Club so gesagt und auf meine Frage, ob er mir ein Beispiel geben könne, damit ich mir was vorstellen kann, gemeint, daß er nicht mein Lektor sei.

Jetzt hat er mir angeboten, das im März zu machen und das träfe sich gut, denn ich gehe, wenn ich meine Steuererklärung, an der ich derzeit arbeite, ohnehin in Schreibklausur und habe wieder einmal und diesmal ehrlich und wahrhaftig vor, mir Zeit zu lassen und wenn vielleicht nur im November und nicht wie in den letzten Jahren schon im Sommer, mit der “Bibliophilin” oder wie immer das “Work on Progess” heißen wird, fertigzusein.

Der Handlungsfaden, den ich mir bis jetzt aufnotiert habe, läuft ganz gut voran und ich glaube auch, daß ich durch das viele Schreiben der letzten Jahre und wahrscheinlich auch durch das  kontinuierliche Bloggen, meine Hemmungen, die mich früher, glaube ich, sehr gehindert haben, verloren habe.

Meine Rechtschreibung ist nicht perfekt höre ich immer und das ist das, worauf die Lektoren ja wahrscheinlich als Erstes schauen und das unverlangt Eingesandte dann wegwerfen oder sich die angenommenen Texte der Autoren, die vielleicht auch nicht so perfekt sind und, ich glaube, einnmal Katja Petrowskaja sagen gehört zu haben, das ihre Texte das nicht waren, so lange vornehmen, bis sie perfekt sind.

Bei mir tut das der Alfred, aber der ist kein professioneller Lektor und meine Bücher sind seit 2000 selbstgemacht und haben auch keine ISBN Nummer, das ist zwar, sollte man glauben, seit “Amazon” den Selbpublisher vor ein paar Jahren seine Tore öffnete, nicht mehr so schlimm, aber in der Praxis laufen wahrscheinlich immer noch die Vorurteile, denn die sind ja beharrlich und ich stelle meine Bücher auch nicht auf “Amazon” sondern bewerbe sie nur auf meiner Seite und da ist die Rückmeldung Null.

“Leselustfrust” hat mal das “Haus” besprochen, von den anderen höre ich aber nur, wenn ich das mal ganz vorsichtig andeute, “Keine Zeit, keine Zeit, denn wir müssen ja soviel anderes lesen und jetzt gibt es schon die Frühjahrsvorschauen, etc!”

Das kann ich nicht verändern, obwohl das wahrscheinlich ein Haupthinderungsgrund ist, ich kann nur wieder versuchen besser zu werden, wenn das dann gelingt und niemand merkt es…

Aber konzentrieren wir uns mal auf meine Seite, da gibt es sicher genug zu tun.

Am Samstag bin ich in Harland mit einem Stapel meiner Bücher in die Badewanne gegangen. Habe mich durch die “Absturzgefahr” gelesen und “Lisbeths Bücher” aus den “Zwillingswelten” und wieder ist mir das passiert, was mir schon vor ein paar Jahren mit der “Schokolade” passiert ist.

Ich habe mir gedacht, verdammt noch mal, das ist doch gar nicht so schlecht.

Ein paar sprachliche Wendungen, wie ich es vielleicht literarischer machen könnte, sind mir eingefallen und daran will ich mit dem Versuch in der nächsten Zeit ein paar Skizzen zu schreiben, auch bleiben, aber ganz ehrlich, so wie  Andrea Winkler oder  Lydia Mischkulnig will ich eigentlich nicht schreiben.

Bei  Andrea Winkler, das habe ich schon mal geschrieben, würde mir die Handlung fehlen, da bräuchte ich nur ihre Sprache, die ich natürlich nicht habe und  Lydia Mischkulnig ist mir zu gehetzt zu ausschweifend, da läge mir schon mehr der karge Bernhard Strobl-Stil.

Aber eingentlich habe ich ja meinen und will bei dem auch bleiben und auch nicht aus meiner Haut heraus, sie nur verbessern und so werde ich wieder über Bücher und eine Pensionistin, die sie lesen und dann in den Wald hineingehen, um micht mehr wiederkommen plant, dann die fünzehnjährige Yasmin trifft, etc, das habe ich ja schon ein paarmal hier skizziert.

Fünf Handlungsstränge hätte ich, die Thekla Morgenstern, die Fritzi Jelinek, den Janusz Warszinski, die Yasmin Bilic und die Selma Aydin, das wäre schön, wenn ich  eine von meinen Kritikern anerkannte Sprache dazu fände und das “Du schreibst eh ganz gut!”, nicht nur als Nachsatz, des vorher erfolgten “Leider nicht!”, erfolgt.

Nun ja, keiner kann aus seiner Haut heraus, ich schreibe viel, falle damit nicht oder nur negativ auf “Das ist das Schlechteste, was ich je..!”, was ich so auch nicht glaube, daß das stimmt.

Dem Konstantin Kaiser glaube ich es inzwischen und es ist schon beschissen, vierzig Jahre zu schreiben und nie damit aufzufallen und immer abgelehnt zu werden und da wäre ich schon beim nächsten Thema, denn am 21. Feburar ist ja wieder die GV der IG Autoren und daran anschließend, seit fünf Jahren, glaube ich, “Die andere Buchmesse”, da hat mich Marit Kröll bei der Generalversammlung darauf aufmersam gemacht, ich bin immer hin und habe auch viermal beim Literaturslam gelesen. Einmal ein Stück aus der “Mimi”, die ja auch meiner Kritikerin JuSophie nicht gefallen hat, einmal eines aus der “Absturzgefahr”, dann aus “Kerstins Achterl”, da haben immer junge Schauspieler gewonnen, die lustige Tiergeschichten lasen. Nach dem dritten Mal habe ich das vorsichtig arikuliert und noch einmal gelesen, im Vorjahr bei den Gürtelbogen ein Stück aus der “Brüderschaft”, gewonnen hat da ein sehr junges Mädchen mit ihrem ersten Text und Bettina Ferbus, die dort immer liest und auch verlegt.

Jetzt ist wieder die Einladung teilzunehmen gekommen, ich ich wußte nicht was ich tun soll, denn ich lese ja einmal gern, aber nachher zusehen, wie ein Text gewinnt, der mir vielleicht gar nicht so gut gefällt, ist auch nicht sehr fein.

Man kann zwar ohnehin nicht sehr viel gewinnen, aber immerhin, ich habe mich also dazu durchgerungen, diesmal nicht zu lesen, das ist ja etwas, was mir ohnehin sehr schwerfällt, aber wahrscheinlich hinzugehen, weil die Veranstaltung ja nach der Generalversammlung und diesmal sogar ganz in der Nähe ist.

Lesen werde ich dagegen wahrscheinlich schon am nächsten Montag und zwar in der freien Wildbahn, die es eigentlich gar nicht mehr gibt, bei den “Wilden Worten” wo Sophie Reyer lesen wird.

Denn ich habe Richard Weihs das Buch ja angekündigt, weil von ihm ein Wunschgedicht zum Thema drinnen ist und auch gefragt, ob ich es vielleicht wieder vorstellen könne. Andere wie Judith Gruber beispiesweise, haben auch zweimal gelesen. Bei mir geht das nicht, weil so viel Voranmeldungen, aber in der freien Wildbahn kann ich es und wenn dann die Steuererklärung fertig ist und sich der Alfred morgen auf nach Amerika oder New Mexiko macht, hinein in die Bücherparty oder in die Schreibkausur, lesen, heraumlaufen recherchieren, Szenen schreiben, etc, wie schon einige Male angekündigt.

Mit dem lesen von “Tojstoi und der lila Sessel”, dem Buch der Frau, die ein Jahr lang jeden Tag ein Buch gelesen hat, um den Tod ihrer Schwester zu verarbeiten, habe ich jetzt auch begonnen und das ist ja etwas, das auch zu meinem noch nicht ganz fertig korrigierten letzten Work in Progress passt, beziehungsweise lese ich zwar kein Buch am Tag, aber drei bis vier pro Woche und blogge die auch seit Jahren und bin jetzt nur gespannt, ob ich bezüglich des Leipziger Buchpreises als Bloggerpatin auserwählt werde, aber da gibt es wahrscheinlich auch mehr Bewerbungen und mein Blog ist ja sehr ausführlich, aber nicht fehlerfrei. Die Kanditaten für den Preis stehen aber schon fest und die sind sehr interessant, auch wenn ich da die meisten Bücher nicht kenne und noch kein einziges gelesen habe.

Musa mit aggressiven Träumen

Wieder einmal Literatur im Musa mit zwei Stipenditaten bzw. Förderungspreistrager und Canetti-Stipendium 2014 Bernhard Strobel und Lydia Mischkulnig und zwei Gegensätze, wie sie gar nicht anders sein können. Ein Zufall höchstwahrscheinlich aber sehr sehr interessant, ist ja der 1982 geborene Bernhard Strobel ein Erzähler par Excellence. Drei Erzählbände hat der junge Mann geschrieben, die ich bei einigen Lesungen hörte und er sagte auf Julia Danielczyks Frage auch, daß er nichts anderes könne und seine Form, er ist auch Übersetzer aus dem Norwegischen und hat Skandinavistik studiert, ist, daß er alles knapp und klar sehr lapidar und auch sehr realistisch erzählt.

Die ersten zwei Erzählbände sind bei “Droschl” erschienen, beim dritten weiß ich es gar nicht so genau, die Geschichte, die er daraus gelesen hat, heißt jedenfalls “Schattentheater” und da spricht ein Mann nicht mit seiner Frau und seinem Sohn, bzw. denkt er über die Beziehung nach. Er war in der Nacht zu lange bei einem Polterabend und hat auch zuviel getrunken, die Frau ist sauer auf ihm am nächsten Tag, als sie den Sohn zu einem Fußballspiel fahren. Sie reden nicht sehr viel miteinander,  der Sohn verschwindet mit seinem Essen in seinem Zimmer, der Braten bleibt stehen, er geht in den Garten hinaus und träumt dann, daß etwas Schreckliches passiert. Aber keine Blutspuren im Zimmer des Sohnes, wo er vorher ein Schattentheater gesehen hat und dann von einem Mord träumte. Er geht dann in den Garten und zerstört die Blumen und das Gemüse, das vorher liebevoll anlegte.

Julia Danielczyk fragte dann, wie üblich ihre Kanditaten sehr genau aus und Bernhard Strobel, der in Wien geboren wurde und im Burgenland lebt, sagte, daß er Eigenheime und Häuslbauer hasse und, daß das seine Reaktion darauf zu schreiben sei.

Dann kam Lydia Mischkulnig mit ihrem neuen Roman “Vom Gebrauch der Wünsche”, die Ähnlichkeit zu Thomas Glavinic ist wahrscheinlich zufällig, bei “Haymon” erschienen und trotz Anfrage leider nicht zu mir gekommen, aber ich kenne Lydia Mischkulnig schon sehr lange, habe ich ja ihr bei “Droschl” erschienenes “Halbes Leben” als sehr experimentell empfunden, ihre sprachliche Rasanz, dann 1996 in Klagenfurt erleben können und den danach erschienenen Roman, habe ich vor einiger Zeit im Schrank gefunden.

“Schwestern der Angst” hat mir Gerlinde Tamerl geschickt und da bin ich mit der Autorin atemlos durch die Überladenheit der Charaktäre gehetzt und im neuen Roman ist das ebenso. Lydia Mischkulnig, die vor kurzem in Japan unterrichtet hat, wird immer sprachgewaltiger, mit barocker Üppigkeit läßt es sich vielleicht umschreiben, eine Überladenheit der Worte, ein Hetzen durch die Szenerie und es geht, um einen Mann namens Leon, der zuerst, Lydia Mischkulnig hat, wenn ich richtig gesehen habe, von rückwärts nach vor und dann wieder zu Mitte gelesen und dabei ihre zwanzig Minuten Lesezeit, gehörig überzogen, mit einer Imgard Muscheln gegessen, dann wird die arisierte Villa beschrieben in der er mit seiner Mamu aufgewachsen ist und wo die Mummutbäume standen, dann geht es in seine Ehe mit einer Schriftstellerin namens Elsbeth und da träumt er nicht so karg und sprachlos, wie Bernhard Strobels Helden, davon, daß er sie mit der Schreibmaschine erschlägt und die Gehirnmasse spitzt herum und nachher geht es noch ums Tangotanzen.

Lydia Mischkulnig hat Julia Danielczycks Fragen dann auch sehr wissenschaftlich beantwortet, was sie mit der Schilderung ihres Charakters erreichen wollte und die Aggressivität bleibt bei der Zuhörerin haften, die Überladenheit und die Geschwindigkeit mit der sie durch ihre Handlung hetzt.

Danach wies Julia Danileczyck auf die März-Verantaltung hin und auf die Vorlesung “Autorinnen über Autorinnen”, die heuer schon am nächsten Dienstag im Rathaus stattfindet, wo Marlen Schachinger ihre Rede auf Betty Paoli halten wird und da habe ich mich fast gewundert, Marlen Schinger beim Symposium in der “Gesellschaft für Literatur” getroffen zu haben, aber nicht sehr lang, hat mir doch Karin Wozonig, das ist die Frau mit der Diplomarbeit über B.P am übernächsten Tag, ich glaube, aus Hamburg gemail und mich auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht, weil sie meinen Bericht gelesen hat.

Die Literatur geht manchmal wundersame Wege und Julia Danielczyk wunderte sich, als ich ihr das erzählte, daß ich noch nicht in ihrem Verteiler bin, obwohl ich sie ja  zweimal angeschrieben habe und um eine Einladung zu den Preisen der Stadt Wien gebeten habe, aber manches dringt doch zu mir und auch umgekehrt, so habe ich Konstantin Kaiser der mit Andrea Pauli im Publikum war, erzählt, daß ich ihm bei der Besprechung von Gesa Olzcuks neuem Buch, die nächste Woche erscheinen wird, verlinkte, daß ich doch eine ganz gute Erzählerin sei, wenn ich nicht so manche Schnitzer mache, wird schon so sein, denke ich mir inzwischen, was habe ich aber davon, wenn ich das nur so en passant höre und nichts wirklich damit weitergeht?

Literarische Weltbürgerin

Heute gab es auch zwei literarische Alternativen, Richard Schuberts letzte Aufführung von “Frontex” , dessen neues Buch heute oder gestern erschienen ist, im Augarten Spitz oder Gemma Salem in der “Alten Schmiede” deren Name mir zuerst gar nichts sagte.

Dann war aber die Ankündigung verlockend “Literarische Weltbürgerin mit Affinität zu Österreich und derzeitigen Wohnort Wien”, die ihr 2014 bei Pierre Guillaume de Roux auf Französisch erschienenes Memoir oder biografischen Roman, wie Kurt Neumann in der Einleitung erwähnte, “La Rumba  a Beethoven” vorstellte und dem Programm entnahm ich noch, daß Gemma Salem 1943 in der türkisch syrischen Grenzstadt  Antiochia geboren wurde, seit 1976 in Frankreich und seit 1986 auch in Wien lebt und schon verschiedene Bücher und Biografien über Persönlichkeiten, wie Schubert, Bulgakow, Thomas Bernhard geschrieben hat und Stücke, die unter anderem im Theater in der Drachengasse aufgeführt wurden.

Ich staune ja immer wieder, was ich alles nicht weiß und mein Nichtwissen mit dem Literarischen Quartier offensichtlich nicht teile, denn der Kellerraum der “Alten Schmiede” war erstaunlich voll, als ich ihn erreichte und interessanterweise habe ich meinen Platz zwischen Gerald Grassl, mit dem ich ja öfter beim “Volksstimmefest” oder bei der “Poet Night” lese und Angelika Kaufmann gefunden.

Gerald Grassl  erzählte mir gleich von einer “Fackl” mit einem früheren Erscheinungstermin, die er vor kurzem in einem Nachlaß gefunden hat und an das Literaturhaus weiterschenkte.

“Ich würde das nicht tun!”, habe ich gesagt, habe bis jetzt meine Bücher aber immer brav an die Dokumentationsstele für neuere Literatur und an Evelyne Polt-Heinzl geschickt und dann begann auch schon die Veranstaltung mit der Einleitung von Kurt Neumann, daß Gemma Salem noch nie in Wien gelesen hätte.

Es war eine zweisprachige Lesung, Französisch Deutsch, Gemma Salem scheint auf Französisch zu schreiben und das Buch scheint es auch nicht auf Deutsch zu geben, so teilte einer der Assistenten ein übersetztes Kapitel aus und der Literaturkritiker und Inhaber einer französischen Buchhandlung Thomas Leitner las mit Kurt Neumann gemeinsam die deutschen Texte und führte auch ein Gespräch mit der Autorin, die natürlich sehr gut Deutsch beherrschte.

Sie begann aber die Lesung auf Französisch mit einem Stückchen über ihren Vater.

Dann folgte eines über ihre Mutter, das Kurt Neumann las.

Der Vater war ein Genußmensch, der täglich viele Zigaretten rauchte, Wein trank und Frauen konsumierte, die Tochter einmal mit einem Gürtel schlug und die hat fünf  Jahre,  bis sie neun war, wahrscheinlich mit einem Kindermädchen oder einer Haushälterin alleine in Istanbul gelebt, während ihre Eltern mit den zwei Jüngeren Brüdern woanders waren.

Es gibt eine Haßliebe auf die Mutter oder vielleicht nur ein schlechtes Verhältnis, mit Siebzehn ging sie in die Schweiz, die Familie folgte, dort arbeitete sie in der Uno, verheiratete sich und ging nach dem Tod ihres ersten Mannes, glaube ich, mit ihren zwei Kindern, nach Paris, wo sie sich noch einmal verheiratete.

Immer wieder wurden solche Stückchen aus dem Buch gelesen. Auch eines über Moskau, wo sie war, weil sie ja die erste Bulgakow- Biografie schrieb, nach Österreich kam sie wegen Schubert oder wegen Thomas Bernhard.

Über beide hat sie jedenfalls geschrieben und Hubert Fabian Kulterer hat sie in Wien auch kennengelernt.

Das war das Kapitel, das sie dann wieder auf Französisch las und man es mitlesen konnte und Hubert Fabian Kulterer, der seinen Namen, glaube ich, für eines seiner Stücke Thomas Bernhard lieh, habe ich auch gekannt. Ein Wiener Original, das 2009 in seiner Badewanne in einer mit Büchern überfüllten Wohnung tot aufgefunden wurde, wie das Kapitel “Der wirkliche Kulterer” beginnt und da erinnere ich mich gleich, daß mich Hilde Langthaler einmal fragte, wie der Hubert Fabian Kulterer mit dem Bernhard Kulterer zusammenhängt. Ich wußte es nicht, in dem Buch wird es aber erklärt und ich weiß nicht, ob ich den Mann mit dem weißen Bart und den eleganten Anzügen, der glaube ich, wenig, bis gar kein Geld hatte und sich offebar überall durchschnorrte im Literaturhaus oder in der “Gesellschaft für Literatur” kennenlernte. Oder vielleicht ganz woanders.

“In der Gesellschaft für Literatur” beim ersten oder zweiten Dichterfrasching, bat er den Alfred jedenfalls gebeten ihn zu fotografieren und das Foto irgendwohin zu schicken.

Das haben wir getan und ich habe ihn dann noch ein paar mal mit dem Wladimir Fried verwechselt, der immer in der “Kramer Gesellschaft” oder auf der “Buch-Wien” fotografiert.

Und als ich im Literaturhaus die “Mittleren” oder “Die Frauenlesung des Lesetheaters” organisierte, als ich das noch durfte, kam er, sprach uns an und hat mir eine Nuß geschenkt, die ich lange aufgehoben habe.

Einmal habe ich ihm vom Literaturhaus in eine Galerie begleitet, wo es sehr viel zu essen gab und dann gab es auch einen Konflikt, ich gerate ja öfter in solche, als ich bei der “Lesart Veranstaltung” im Literaturhaus war, 2007 muß das wahrscheinlich gewesen sein und von einem Kärtner Polizisten angesprochen wurde.

Zuminstesten stellte sich ein Herr mir als solcher vor und als ich ihn dann danach frgte, weil ich dachte, er würde ihn kennen, vielleicht hat er auch mit ihm gesprochen, war er mir dann böse und hat mich beschimpft, daß ich alles glauben würde und das wäre gar kein Polizist gewesen.

So weit so gut, jeder hat seine Erinnerungen an Hubert Fabian Kulterer, den ich inzwischen schon fast vergessen hätte. Kurt Neumann offenbar welche mit seinem Begräbnis. Wo ich nicht war und als Thomas Leitner ihn zum Abschluß aufforderte, doch ein bißchen was darüber zu erzählen, das offenbar bizarr gewesen ist, schüttelte er  den Kopf.  So werde ich auch das wahrscheinlich nicht erfahren, Gerald Grassl, der Gemma Salems Dramolette “Der Albtraum” in seiner “Edition Tarantl” verlegte, schenkte mir aber das Buch, so daß ich von der literarischen Weltbürgerin etwas lesen kann, wenn ich dazu komme. Denn ich habe zwar (noch) nicht so viele Bücher, daß ich in der Badewanne schlafen muß, weil ich mein Bett nicht finde, wie es angeblich der literarische Weltbürger Kulterer tat, aber immerhin so viele, daß sich die Stapel schon an der Schlafzimmerwand türmen und einen gut gefüllten Büchertisch mit den meist auf Französisch erschienen Werken der Autorin hat es in der “Alten Schmiede” auch gegeben und ich habe wieder etwas gelernt und halte mich  eigentlich auch für eine literarische Weltbürgerin, zumindest aber für ein Wiener Original, das ja inzwischen auch schon einige Anekdoten anzubieten hat.

Reise durch die Odyssee

In der “Alten Schmiede” gab es wieder einmal eine “Stunde der literarischen Erleuchtung” mit anschließender “Vorlesung zur Literatur” und diesmal ging es noch ein bißchen weiter zurück in die Weltgeschichte.

Das ist wohl auch der Sinn dieser montäglichen Stunde, seine Literaturkenntnisse ein wenig aufzufrischen und so wurde die 1959 geborene Deutsche Barbara Köhler, die unlängst erst im literarischen Quartier eine Vorlesung das “Wiener Kolloquium zur neuen Poesie”, während ich mit Margot Koller in einem Konzert gewesen bin, gehalten hat, eingeladen, sich mit Homer und der “Odyssee” zu beschäftigen.

“Umstritten” steht im “AS-Programm” nach dem Namen in der Klammer, was mich ein bißchen verwirrte und ich nach und nach verstanden habe, daß das wohl ein bißchen wie bei Shakespeare ist, bei dem ich auch keine besondere Expertin bin.

Kann ein Einzelner wirklich die vierundzwanzig Gesänge verfaßt haben, da gibt es wohl verschiedene Meinungen und den Dichter können wir da wohl genausowenig fragen, wie Herrn von Lohenstein, ob er bei seinem Langgedicht an Geschlechtskrankheiten dachte, wie die Psychologin in mir, vorige Woche vielleicht ein bißchen keck vermutete.

Ich bin, wie ich immer sage, als ehemalige Hauptschülerin keine Expertin der griechischen Sagen, die sind an mir ziemlich vorbeigegangen, bzw. in Bruchstücken immer wieder gekommen, bin ich ja als Studentin sehr viel in die Oper gegangen.

Aber Homer habe ich weder in der Übersetzung noch im Original gelesen, so hatte ich nicht sehr viel Ahnung was heute auf mich zukommen wird und war ganz ehrlich auch nicht so ganz begeistert und wäre wahrscheinlich, wenn es ein entsprechendes Alternativprogramm gegeben hätte,  dorthingegangen, was auch so wieder nicht stimmt, denn Richard Weihs hätte es im “Textstand” gegeben, aber zu ihm gehe ich erste nächste Woche und lasse da den Benedikt Lebedur aus.

Barbara Köhler schien auch so etwas vermutet zu haben, dann aber doch einige Homer-Experten im Publikum entdeckt zu haben, denn sie entschuldigte sich am Anfang, daß sie vielleicht zuviel erzählen und vorlesen würde und begann dann in der ersten Stunde, also bei der Erleuchtung mit dem Original, las ein paar Stellen durch die “Reclam-Übersetzung” von 1979, die man am Büchertisch auch kaufen konnte.

Dann hat sie aber auch eigene Publikationen, nämlich “Niemandsfrau -Gesänge zur Odyssee” und “Neufundland”, durch die las sie sich, glaube ich, auch ein bißchen und  erzählte sehr viel von den vierundzwanzig Gesängen und, wie das so ist mit der Penelope mit ihrem Gewebe, daß sie nachts immer auftrennte um nicht heiraten zu müssen und der  Kirke und den Schweinen etc, ist.

Wie geschrieben für mich ziemliches Neuland und doch wieder nicht, denn vom trojanischen Pferd habe ich natürlich schon etwas gehört und “Telemach” von Michael Köhlmeier steht auf meiner Leseliste.

Zwei Neuerungen scheint es im neuen Jahr auch zu geben, die ich als sehr angenehm empfinde, nämlich nur eine halbe Stunde Pause, zwischen den zwei Veranstaltungen und den Ort muß man auch nicht wechseln.

Allerdings gab es diemal kein Buffet, ein Glas Wein und ein paar Soletti wären vielleicht gut gewesen, aber man muß inzwischen wahrscheinlich überall sparen und so bin ich nur im Zeitschriftensaal gestanden, habe mir ein paar Gerstl- Wimmer-Karten und die neuesten “Feribords” herausgesucht und Dine Petrik zugehört, die einem älteren Herrn, der wahrscheinlich auch ein Dichter ist, weil er sagte, daß er in Klagenfurt einmal lesen will, die ihm erzählte, daß sie gerade “Stoner” liest.

Ein paar junge Männer waren auch im Raum, die sich durch die Zeitschriften lasen und später teilweise sehr interessante Fragen stellten, denn im zweiten Teil ging es um einen Köhler-Text, der sich auch mit “Penelopes Gewebe” beschäftigte.

“Wie anfangen” las die Autorin mehrfach vor, erzählte dann von einem Vater mit seinen sieben Söhnen, die Geschichten hören wollen, daß es bei der Odyssee, um das Geschichten erzählen geht, hat sie schon im ersten Teil erwähnt und eine Graphik projeziert, die auch in ihrem “Neufundlandbuch” zu sehen ist und, wo die Orte enthalten sind, die in den vierundzwanzig Gesängen vorkommen.

Jetzt beschäftigte sie sich mit den Worten, beziehungsweise mit den Übersetzungen, bei einem solchen Monsterwerk gibt es natürlich sehr viele und auch sehr viel Falsches und so sprang die Autorin wieder durch den Text und hinterließ dem staunenden Publikum je nach Vorwissen  einen mehr oder weniger großen Eindruck.

Wahrscheinlich war dieses bei den anderen aber größer als bei mir, denn es gab sehr viele Fragen und auch sehr viele Assoziationen. So fragte, glaube ich, einer der jungen Männer nach Christa Wolf, die sich ja auch mit diesem Thema beschäftigt hat und James Joyce und Franz Kafka, das wurde früher schon erwähnt, Vergil und Dante natürlich auch und Platon, wie Dine Petrik anmerkte.

Der junge Mann der neben mir saß, stellte die Frage, ob Homer nach seiner Schöpfung ein Butterbrot gegessen hat, man sieht die Odyssee ist sehr anregend und es gibt sie in mündlicher Überlieferung und auch in sehr viel Verschriftung, die man schon in der Bibliothek von Alexandria fand.

Kurt Neumann wies  wieder auf den Büchertisch und ich bin zwar eine sehr unerschrockene Leserin, an das Original und auch an die Nachdichtungen werde ich mich wahrscheinlich nicht so schnell heranmachen, obwohl der “Ulysses” steht ja auf meiner Leseliste und irgendwann wird er an die Reihe kommen.

Die Reinheit des Mörders

Von der 1966 in Belgien geborenen Autorin  Amelie Nothomb findet man öfter Bücher im Bücherschrank.

“Im Namen des Lexikons” habe ich vor einem Jahr gelesen, jetzt stand “Die Reinheit des Mörders”, Nothombs Erstlingswerk, 1992 erschienen, auf meiner Leseliste, mit dem sie ihren Ruhm begründet hat und es ist, wie man in den Rezensionen lesen kann, kein üblicher Krimi, sondern eine sehr überhöhte Satire auf den Literaturbetrieb.

Da gibt es einen über achtzigjährigen, fettleibigen und äußerst unsympathischen Nobelpreisträger, Pretexat Tach mit Namen, der nur mehr ein paar Monate zu Leben hat, weil er an einem seltsamen Krebs leidet, den außer ihm nur Sträflinge auf einer Insel hatten und der beschließt, in seinen letzten Tagen ein paar Interviews an ausgewählten Journalisten zu geben.

Sein Sekretär sucht die aus und so erscheinen an vier Tagen, im Jänner 1991, als gerade der Golfkrieg beginnt, ein paar solche bei ihm und blitzen ab.

Der Erste betrinkt sich beim Interview, dem Zweiten kommt das Kotzen, ob der Schilderung, des vielen Fetts, das der Fettleibige, der im Rollstuhl sitzt und von einer Pflegerin einmal am Tag gebadet wird, täglich verzehrt, der Dritte bekommt daraus, daß die zweiundzwanzig Bücher des Nobelpreisträgers, der schon vor einigen Jahren zu schreiben aufgehört hat, ohnehin nicht gelesen werden, beziehungsweisen haben das die Journalisten nicht, die ihn besuchen, der vierte, daß er noch Jungfrau oder eigentlich Jungmann, wie es meiner Meinung nach, korrekter heißten sollte, ist oder vielleicht war es umgekehrt.

Die Journalisten treffen sich jedenfalls nach den Interviews immer in einem Cafe und spielen sich gegenseitig die Tonbänder vor.

Am fünften Tag erscheint eine junge Frau und o Gott, Pretexat Tach, ist doch ein Frauenfeind und so schmeißt er sie zuerst hinaus, sie geht aber nicht, sondern bringt ihn dazu, daß er sich bei ihr entschuldigt “Ich bitte um Verzeihiung, Mademoiselle!”, muß er sogar im richtigen Tonfall sagen. Dann bekenn sie ihm, daß sie alle seine Bücher Zeile für Zeile gelesen hat, sie zählt sie ihm und die Frauenfiguren, die darin vorkommen, auch auf.

Ein Buch fehlt dabei und das ist das, um das es geht, denn die Journalistin, Nina mit Namen hat auch, über was man nichts weiß, seine Kindheit recherchiert. Er war bis siebzehn ein schlanker schöner Jüngling, ist in einem Schloß aufgewachsen, bei den Großeltern, nachdem seine Eltern gestorben sind und hatte mit seiner schönen Cousine Leopoldine, ein Liebesverhältnis und ihr den Schwur abgenommen, daß sie nie erwachsen werden, sondern sich umbringen, wenn es soweit ist.

Das tut er dann bei ihr, als die Regel das Wasser, in dem sie baden, färbt. Er erwürgt sie, zündet das Schloß an und beginnt zu freßen, schreibt seine zweiundzwanzig Bücher, das letzte “Die Reinheit des Märders” bleibt unvollendet, aber jetzt kann Tach es ja weiterschreiben, ihm ein Ende geben und ist auch entsetzt, daß es zwischen ihm und Nina keine persönliche Verbindung gibt, die sie recherchieren ließ, wie ja sonst in den Romanen üblich.

Sie ist nicht die Enkeltochter des Hausmädchens oder des Verwalters, sondern offensichtlich nur an Literatur interessiert und hat mit ihm auch eine Wette abgeschlossen, daß er vor ihr kriechen muß, wenn er sie verliert.

Das hat er getan, so stößt sie ihn auf den Boden, er spürt Erstickungsgefühle und hat, als er wieder am Rücken liegt oder sitzt, nur mehr das unbändige Verlangen, das Nina, zu der er nun in Liebe verfallen ist, dasselbe an ihm vollzieht, wie damals er an Leopoldine.

Sie tut es, bespricht ihr Tonband danach mit sachlich ruhigen Worten und “Die Wege, die zu Gott führen, sind unerforschlich. Noch unerforschlicher sind die Wege, die zum Erfolg führen. Im Anschluß an diesen Vorfall riß man sich um die Werke von Pretexat Tach. Zehn Jahre später war er ein Klassiker”, lauten die letzten Sätze.

Ob dieser dann auch gelesen wurde, steht nicht mehr in dem Buch, wir können darüber rätseln und auch, was es wirklich ist, daß die Bücher der widerlichsten Menschen, die nur das Negative und Entsetzliche schreiben, so erfolgreich werden und warum wir uns am Bösen ergötzen, Krimis lesen und die Autoren alles so erhöhen müssen, damit es uns als Literatur und Lesenswert erscheint, wenn wir das wirklich tun.

Ich muß mich da auch an meiner eigenen Nase nehmen, denn ich lese und sammle ja all die Bücher, obwohl ich  eigentlich gegen Gewalt und gegen den Negativismus beispielsweise eines Thomas Bernhards bin, selbst ganz anders und viel weniger erfolgreich schreibe, aber das offenbar immer noch ergründen und herausfinden möchte.