In der Alten Schmiede gab es wieder einmal Textvorstellungen um zwanzig Uhr und davor, zwei Stunden früher, war eine Stunde der literarischen Erleuchtung mit Manfred Chobot und Dieter Bandhauer vom Sonderzahlverlag angesagt. In der Stunde der literarischen Erleuchtung mit den Locker-Gedichten bin ich vor kurzem erst gewesen und dann eine Stunde in der Stadt spazierengegangen, bevor es mit dem Kratochvil-Roman weiterging. So habe ich diesmal auch gezögert, ob ich schon so früh in die Alte Schmiede gehen soll, es dann aber doch getan. Ist Manfred Chobot ja ein rühriger GAV-KOllege, den ich immer wieder sehe, einmal war ich auch in seiner Galerie bei einer Vernisage und das erste Mal habe ich in den frühen Siebzigern, als ich gerade zu studieren anfing, noch in der Wattgasse wohnte, in einer der AZ-Beilagen einen Text von ihm gefunden, den ich mir sehr lange aufgehoben habe und der sicher auch heute noch irgendwo liegt. Diesmal ging es in der Stunde der Erleuchtung um das Träumen und ein “Die Wunderwelt in der ich schwebte”, genanntes Buch, das Dieter Bandhauer und Manfred Chobot herausgegeben haben, denn beide sind, wie Kurt Neumann in seiner Einleitung erwähnte, Träumesammler und er erwähnte noch, daß sich Schriftsteller sehr häufig für ihre Träume interessieren. No na, das ist ja der Weg ins Unbewußte und der Zugang zur Phantasie und ich kann mich auch erinnern, daß ich vor vielen vielen Jahren, da wohnte ich wahrscheinlich in der Otto Bauergasse bei einer Liesl Ujvary Veranstaltung in der Alten Schmiede gewesen bin, wo es auch um ihre Träume ging, die sie, mit einem Stift und einem Zettel neben ihrem Bett, aufgeschrieben hat. Das versuche ich gelegentlich auch und Antonio Fian hat das glaube ich vor 2009 getan, aber jetzt ging es nicht so sehr um die eigenen Träume, sondern überhaupt um Träume in der Literatur und so ist der Titel des Buches auch die letzte Zeile eines Robert Walser Gedichtes.
Damit eröffnete Dieter Bandhauer die Lesung und Manfred Chobot erzählte, daß er gedacht hätte, in drei vier Monate ist das Buch fertig, weil er die Texte schon gesammelt hätte, dann hat die Arbeit aber zwei Jahre gedauert, denn man muß ja erst die Rechte einholen und einen roten Faden braucht man auch. So sortieren die zwei die Träume in drei Gruppen, Originalträume, die auf die sich die Schriftsteller bezogen und dann noch Texte darüber und Dieter Bandhauer bemühte auch die “Traumdeutung” und Sigmund Freuds Traumkategorien, damit kamen sie aber auch nicht weiter, so suchten sie zu jeden Traum zwei Worte und machten daraus einen Geschichtenreigen Brücke Donau – Donau Orient zum Beispiel und dann gab es zuerst einen Traum von Margit Kreidl und dann einen von Peter Rosegger, der älterste Autor war Jean Paul, die jüngste Angelika Reitzer und alle literarischen Genres, wie Lyrik, Tagebuch, Romanausschnitt oder sogar dramatische Texte, wie der berühmte Traum aus dem “Lumpazivagabundus” gab es auch. Es war nicht ganz billig alle Rechte einzuholen und alle gaben sie auch nicht her, so wollte Milan Kundera beispielsweise nicht in einer Anthologie erscheinen. Es gibt aber auch eine graphische Gestaltung und ein handgeklebtes Titelbild. Von Christian Futscher, den ich erst vorige Woche hörte, gab es, glaube ich, einen Kastrationstraum und Andreas Okopenko hat auch einige Träume beigesteuert. Das ganze dauerte auch wirklich eine Stunde, dann sah ich den Dr. Moll, der mir eine TCM-Kaffeprobe schenkte und mich zur Geschichte des Clubs der logischen Denker befragen will, fragte Kurt Neumann und einen der Stammleser, ob sie den neuen Kurt Palm schon gelesen hätte, weil ich ja gerne wissen will, wie andere das Buch empfinden und schaute am Büchertisch schon in die Textvorstellungsbücher hinein und da Friedrich Hahn, der sie moderierte, schon gekommen war, war es auch kein Problem die Stunde in der Zeitschriftengallerie zu bleiben. Ich unterhielt mich mit Herrn Blaha und Friedrich Hahn entschuldigte dann Stefan Aberman, der aus seiner “Hundestaffel” lesen hätte sollen, aber den habe ich schon bei den Lockstoffen gehört und das Thema lautete “Männer über Männer”, sehr interessant, wenn vielleich auch nicht besonders originell und der Rudi Lasselsberger hat einmal auch in von Reinhard Wegerth moderierten Textvorstellungen gelesen, die “Männer in Schwierigkeiten” geheißen haben. Es begann Constantin Göttfert, den ich schon einmal bei den Textvorstellungen hörte, damals hat er mich sehr an Thomas Bernhard erinnert, diesmal las er aus seinem neuen Roman “Satus Katze” und der wurde schon bei Ex Libris vorgestellt. Der Roman spielt in Finnland und handelt von einem finnischen Dichter namens Satus, er hat aber auch einen Handlungsstrang in Wien. Denn da trifft ein namenloser Ich-Erzähler eine Schauspielerin namens Nina in einem Cafe und die spielt eine Rolle in einem Satus-Stück und der Schriftsteller fährt nach Finnland zu einem Stipendium. Constantin Göttfert, der in Leipzig studierte, las ein Stück von den weiten Finnlands und aus der Kindheit des Dichters, seiner Beziehung zu seinem Bruder, seinem Vater und seiner Mutter, die diesen mit seinem Onkel betrog. Daran schloß sich ziemlich nahtlos, das bei Hoffmann und Campe erschiene Buch “Wilde Jagd” des in Salzburg lebenden Christian Lorenz Müller an, das Buch ist ein Antiheimatroman und spielt auf einem Bergbauernhof in Bayern, es gibt auch zwei Brüder und einen Handlungsstrang, der von ihrer Kindheit handelt. Das Stück das der Autor las, handelte von einer Traktorfahrt eines Onkels mit seinem Neffen, Baumfällen und dem Unfall des Neffens, der dabei offenbar ums Leben kommt. Das dritte Buch hieß “Christbaumcrash” von Andreas Tiefenbacher, der Name erschien mir bekannt, es gibt auch schon zwei andere Romane, die bei Styria erschienen ist. Dieses ist bei Kitab erschienen, handelt von einem Magistratsbeamten, der ein Menschenhasser ist, eine Sozialphobie oder eine Midlifekrisis hat und daher, weil er über den Christkindlmarkt auf seinen Arbeitsblatz ins Rathaus gehen muß, auf den Chrstbaum mit einer Kreissäge losgeht, wieder eine Verbindung zum vorangegangenen Buch, in der Psychiatrie im Gitterbett landet und dort seinen Endlosmonolog über Gott, die Welt und das Leben beginnt. Das erste Wort ist “ja”, das letzte “nein” und Andreas Tiefenbacher erzählte, daß er schon einen Roman mit diesen Helden hat und noch einige weitere plant, von denen noch nicht alle erschienen ist. Und das Cover für “Die Frau auf der Bank”, hat mir der Alfred auch schon gebastelt, das wird genauso, wie das Tiefenbach-Buch, ein Bild vom Rathausplatz zieren.
Uncategorized
Die Besucher
“Ein Alptraum im Schleudergang – Kurt Palm zeigt uns, was Mystery alles kann. Ein Roman über Vögel, die vom Himmel fallen, verregnete Landschaften und geheimnisvolle Fremde: Niemand weiß, woher sie kommen, niemand weiß, was sie wollen… Ein Meister der Groteske – Hamburger Morgenpost”, steht auf der Buchrückseite, auf der Vorderseite sitzt eine Frau, das Gesicht verdeckt mit ihren langen Haare im weißen Nachthemd und mit nackten Füßen auf einer Waschmaschine im Keller” und Kurt Palm hat in einem Radiointerview über seinen neuen Roman “Die Besucher” von David Lynch Filmen, die ihn und den Roman prägten, erzählt, so daß ich eine Vorstellung hatte, welche Art von Roman mich nun erwartet. So etwas, wie Michael Hanekes Filme, habe ich gedacht und dann beginnt alles ganz real.
Ein Mann, der vierzigjährige Journalist, Martin Koller liegt nach einem Hörsturz im Krankenhaus und kennt die Welt nicht mehr, auf einem Ohr hört er nichts, im anderen hat er irre Töne, so daß er nicht schlafen kann und ihm die indische Schwester mit einem Heilöl einreibt, das dem Gatten einer anderen Schwester sehr geholfen hat, während die polnische Schwester Grazyna für ihn betet und ihm Amulette in die Hand drückt. Er liegt in einem Klassebett, obwohl er kein Klassepatient ist und wird, weil ein solcher erwartet wird, am Morgen entlassen, dabei hatte er in der Nacht arge Panikattacken und die ihm unsympathische Neurologin verschrieb ihm Trittico, Rivotril und Zoldem.
Dabei hat Martin gar keine Ahnung, wie es dazu kam, denn in seinem Leben ist ja alles in Ordnung und Sorgen haben andere Leute auch, die Spitalsärzte zum Beispiel, die sehr lang hintereinander Dienst tun. Er hat von irgendwo ein Buch bekommen, wo drinnen steht, daß er sein Leben ordnen soll, also schreibt er “Versöhnung mit dem Bruder, Mama besuchen und mit ihr reden, neues Auto kaufen, Fensterdichtungen auswechseln” darauf.
In der Zeit, in der er im Spital lag, bekam er viele Anrufe von seiner Redaktion, die er nicht entgegennahm, er wollte auch nicht besucht werden, ein Kollege deutet aber an, daß der Chef ihn entlassen und einen Volontär an seine Stelle setzen will, es gab da einen Brandanschlag auf ein Asylanenheim und Martin kennt einen Neonaziführer, das heißt, er ist mit ihm zur Schule gegangen, der meldet sich auch bei Martin, als er schon entlassen ist, ebenso meldet sich seine Schwester und will für eine Woche auf Kur, er soll sich inzwischen, um die kranke Mutter kümmern und eine Frau, die von ihm ein Kind will, während sonst nichts mehr in der Ehe stimmt, hat er auch.
Martin fühlt sich also schlecht und als Sandler, hat er sich wegen der Geräusche, die ihn irritieren, ja schon lange nicht mehr rasiert und geduscht, fürchtet sich, seinen Chef anzurufen, fährt in diesem Zustand aber aufs Land, um seine Mutter zu betreuen.
Einen Vater, der an einer Asbestvergiftung starb, die von der Firma, in der er arbeitete, vertuscht wurde, weshalb sich Martin als Feigling fühlt, gibt es auch und eine Freundin, mit der er seine Frau Paula, manchmal betrügt.
So fährt er durch das trübe Regenwetter, auf die Scheibe fallen tote Vögel und die Mutter hat von dem alten Arzt viel zu viele Tabletten verschrieben bekommen. Die Telefonnummer von einer jungen Ärztin bekommt Martin von seiner Schwester auch noch in die Hand gedrückt, die ruft er an und besucht sie, um mit ihr über die Tabletten zu reden. Dabei sieht er schleichende Gestalten und alte Frauen aus unbewohnten Häusern schauen, wie es in Gespensterfilmen schon mal vorkommt. Die Ärtzin, deren Kind durch einen Unfall gestorben ist, lädt ihn für nächsten Abend zum Nachtmahl ein, er besorgt sich von einem ungarischen Urologen Potenztabletten, fühlt er sich durch seine Krankheit ja impotent, der verkauft ihm ein Ärztemuster für teures Geld und die Ärztin erzählt ihm von einer seltsamen Leiche, die verschwunden ist.
In der Vornacht hat er auch noch eine Schachtel mit einem Babyanzug und einem Foto von einem toten Baby am Dachboden gefunden, das vielleicht seit Bruder war und die Ärztin ruft mitten in der Nacht an, hat Angst und holt ihn in ihr Bett. Das klappt dann aber nicht und als er nach Hause kommt, sind die Besucher überall im Haus. Sie haben schwarze Kleider, eine graue Decke und keine Schuhe und Strümpfe, genau, wie die ausgeräumte Frau, die aus dem Krankenhaus verschwunden ist. Die liegt dann am Dachboden, Martin vögelt in sie ein und am Morgen stirbt die Mutter. Die Besucher sind verschwunden und niemand glaubt Martin, was er erzählt. Die Fotos, die er seiner Frau und der Ärztin schickte, kommen nicht an und auch die, die das Krankenhaus von der seltsamen Leiche machte, sind verschwunden. Die Ärtzin läßt Martin im Stich und der Bruder ist auch noch ganz real erschienen und hat der Mutter das Sparbuch, das für ihre Beerdigung bestimmt war, abgeluchst und der Kollege ruft an und erzählt Martin, daß sich der Volontär mit dem Neonazi getroffen hat, den Martin eigentlich treffen wollte.
Martin ist am Ende, hat wieder einen Alptraum, wo im Meer die abgeschnittenen Hundeköpfe treiben und im letzten Kapitel findet ein Jäger, die grauen Decken in dem Wald, in dem die Besucher nach dem Tod der Mutter verschwunden sind.
Das Buch ist aus und ich blieb mit einem beklemmenden Gefühl zurück, denn es ist, abgesehen davon, daß mir der gute Martin, in seiner männlichen Machoart ziemlich unsympathisch war, sehr eindrucksvoll geschrieben und frage mich, was habe ich jetzt gelesen?
Einen Gespensterroman zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts? Einen Alptraum? Die Beschreibung einer Panikattacke? Einer Psychose? Oder die Übertragung der Wahrnehmungen, die ein alter Mensch in seinen letzten Stunden erleben kann?
Kurt Palm hat in einem anderen Interview erzählt, daß er bei seiner sterbenden Mutter war, die von allen ihren Verwandten besucht wurde, während natürlich niemand anwesend war und die Besucher alle schon tot.
Das ist realistisch und kann ich mir vorstellen. Von meinen Supervisionsgesprächen weiß ich auch, daß die Pflegehelferinnen darauf schwören, daß ein Fenster aufgeht und sie wissen, da ist die Frau in Zimmer drei, Bett sieben gestorben.
Das ist zwar nicht beweisbar, aber es gibt ja mehr zwischen Leben und Tod, Himmel und Erde und das alles ist in dem Buch vermengt und in einer sehr beklemmenden Art beschrieben.
Die Realistin in mir schwört darauf, kein Mystery, sondern eine sehr packende realistische Darstellung des grauslichen Lebens, um uns gelesen zu haben, Liebe, Einsamkeit, Tot und Sterben, Gewalt, Rassismus und dann noch ein paar unsympathische Zeitgenossen, die es bevölkern.
Für den Gespensterroman bin ich zu realistisch und würde meinen, da ist mit Kurt Palm, die Lust am Fabulieren durchgegangen und mit manchen übertreibt er auch. So stellt er wahrscheinlich zuviele Fragen für die er zuwenige Antworten hat.
Ich kann nicht sagen, ob mir das Buch gefallen hat? Es hat mich gepackt, weil es sehr spannend und beklemmend geschrieben ist. Lösungen hat es nicht, weil das Leben eben scheiße ist und der gute Martin müßte wahrscheinlich dringend sein Leben ordnen, am Schluß ist er ja arbeitslos und fertig und nur mit Trittico, Rivotril und Zoldem, wird ihm das höchstwahrscheinlich nicht gelingen. Alkoholiker, das habe ich jetzt vergessen, war er auch noch und Kurt Palm hat, was man, wie ich in den Schreibratgebern immer lese, bei dem Buch das gemacht, was man nicht darf, er hat die Grenzen sämtlicher Genres durchbrochen, aus zwei Büchern eines gemacht und ich könnte mir, soweit ich ihn kenne, vorstellen, daß ihn das großen Spaß machte und er es sehr genoß, die Kritker und die Leser zu verwirren.
Jetzt bin ich gespannt, wie die anderen Rezensenten das Buch besprechen, ich habe es, wie schon erwähnt, packend und interessant gefunden, ob es logisch und nachvollziehbar ist, weiß ich aber nicht.
Zu Kurt Palm ist noch zu sagen, daß er 1955 in Vöcklabruck geboren wurde, ich von ihm durch seine Hermes Phettberg Show und seine Bücher über James Joyce, Adalbert Stifter und Mozart das erste Mal hörte und ich ihn persönlich durch den Ohrenschmaus, in dessen Jury, er bis jetzt ja war, ein bißchen kenne.
Zwei Jahre offene Bücherschränke
In Deutschland gibt es das Konzept der offenen Bücherschränke “Nehmen, geben, keine Anmeldung, keine Kosten”, schon lang. Nach Wien hat sie vor zwei Jahren Frank Gassner gebracht und da ist die Eröffnung des ersten Bücherkasten in der Zieglergasse, Ecke Westbahnstraße am 5. Februar 2010 an mir vorbei gegangen. Erfahren habe ich erst durch leselustfrust davon, meinem Lieblingsblog, den es ja leider nicht mehr gibt und den ich sehr nachtrauere, weil manches dort wirklich einzigartig war und bin ein paar Wochen später das erste Mal, verbunden mit einer Literaturhausveranstaltung hingegangen. Ich hab darüber geschrieben und war, obwohl ich ja noch von den Büchertürmen der Literatur im März und der Verlassenschaft meiner Eltern einige ungelesene Bücher hatte, begeistert und habe wirklich sehr viele schöne Bücher dort gefunden, die mein Leseverhalten eindeutig gesteigert haben. Ich habe mir auch parallel oder schon ein bißchen früher angewöhnt, alle Bücher, die ich lese, zu besprechen und da ich auch sonst ziemlich regelmäßig darüber schreibe, was man in den Schränken so findet, habe ich auch eine gute Dokumentation darüber und komme, da ja das Literatur- und das Amerlinghaus, sowie das AKH in der Nähe liegen, ziemlich regelmäßig daran vorbei und finde es sehr faszinierend, was man da alles finden kann und es ist auch interessant, sich Geschichten von den Menschen auszudenken, die die Bücher einmal besessen haben, so habe ich auch in drei Büchern darüber geschrieben. In der “Mimi” habe ich mir so eine Bücherbetreuerin erfunden, beziehungsweise, die Frau Tunichtgut dazu gemacht und dann gab es einmal eine Aufregung über einen alten Herrn, der sich zuviele Bücher genommen hat, da hat die Psychologin in mir einen Alzheimerpatienten aus ihm gemacht und für die “Absturzgefahr”, die Figur des Bernhard Listringer erfunden und in der “Frau auf der Bank” kommen die Bücherschränke auch ein bißchen vor. Wurden sie ja sehr gut angenommen, so daß sie, wie die Schwammerln aus dem Boden gewachsen sind und viele Nachahmer gefunden haben. Frank Gassner meint ja immer, daß es ihm gar nicht so sehr, um die Förderung des Lesens, sondern eher, um die des öffentlichen Raumes geht und so gibt es inzwischen auch einen Schrank am Brunnenmarkt und einem am Zimmermannplatz. Dort war ich bei der Eröffnung, das “Rosa Winkel”- Buch habe ich zwar nicht gefunden, mich aber für die Arbeit der “Frau auf der Bank” einen Tag dort hingesetzt, um ein bißchen die Stimmung zu beobachten.
In der Otto Bauergasse- Ecke Gumpendorfstraße sollte es auch einen solchen Schrank geben, dann war das aber, glaube ich, der Bezirksvorstehung zu teuer und die Förderungen, um die Frank Gassner angesucht hat, wurden auch immer mit Argumenten, wie “Wir brauchen keine Bücherschränke, haben wir ja die öffentlichen Büchereien!”, als ob das damit zu vergleichen wäre, abgelehnt. Dann kam aber die Gemeinde daher und eröffnete Bücherkabinen in Eigenregie und dafür war das Geld dann da, nun ja. Im achten Bezirk habe ich gehört, sollte es einen solchen Schrank geben, es gibt ihn auch noch nicht. Dafür gibt es seit November oder Dezember einen am Margaretenplatz, den die Margaretner Kaufleute gestiftet haben, ihn “Wortschatz” nannten, der von der Evi von Zwillingsleiden regelmäßig fotografiert und beschrieben wird.
Dort habe ich mir, da er praktisch vor meiner Haustür liegt, auch schon sehr viele schöne Bücher herausgeholt, weil ja nicht nur im siebenten, sondern auch im fünften Bezirk, sehr viele bibliophile Menschen oder Bücherblogger leben und ich halte, die Belebung des öffentlichen Raumes durch einen offenen Bücherschrank für eine sehr gute Idee.
Es gab dann noch eine Aktion des Bezirksrat Jurjans im Sommer 2010 am Siebenbrunnenplatz, wo mir mich die KPÖ einlud, bzw. mir ein paar “Sophie Hungers”-Exemplare abkaufte, aber das war nur eine Tagesaktion und ein Lokal im fünften mit einem Bücherkastel gibt es, glaube ich, auch. Eine Idee, die also sehr um sich gegriffen hat und ich denke, daß es ein paar Bibliophile, wie mich gibt, die sich begeistert daran bedienen, lesen und darüber schreiben. Aber auch sehr viele Leute, die Bücher zum Entsorgen haben und ein paar Ausräumer gibt es wahrscheinlich auch und einmal einen Vandalakt mit einer Bücherkastenzerstörung, was ja besonders schade ist. Die Kästen werden also sehr frequentiert und müssen viel aushalten und so wurde jetzt der in der Zieglergasse durch einen neuen ersetzt und Frank Gassner, der ja ein bildender Künstler ist, hat Hermann Nitsch zu einer Ausgestaltung der Außenwände gewinnen können und heute um fünfzehn Uhr bei der Eiseskälte, die gerade herrscht, wurde feierlich eröffnet.
Das war schon lange auf der Facebook-Seite angekündigt und ich dachte, daß ich auf die Eröffnungsfeier verzichten muß, da wir am Wochenende wieder in Harland waren. Dann sind wir aber schon um Zehn zum Mittagessen auf die Rudolfshöhe gefahren, um Zwölf hinuntergegangen und es ging sich noch aus, daß zu Fuß zum Schrank gehen konnte. Da habe ich den doppelten “Hakan Nesser” in den Wortschatz gelegt, bzw. gegen eine “Doris Dörrie” ausgetauscht und fand den Platz, um den Bücherschrank in der Zieglergasse als ich dort eintraf, schon sehr bevölkert vor. Ich habe auch einige Bekannte getroffen, die ich regelmäßig im Literaturhaus sehe.
Der Schrank war noch verhüllt, es gab aber auf einem der Mauersimse, einen ganzen Stoß mit Bücherspenden, die die Leute offenbar zwischenzeitlich gebracht haben. Der Schrank wurde ja am Donnerstag ab- oder ummontiert und Frank Gassner erzählte bei seiner Eröffnungsrede, daß er beim Abmontieren von zwei Damen beschimpft worden wäre, die enttäuscht darüber waren, den Schrank nicht benützen zu können.
Hermann Nitsch war noch nicht da, es gab aber schon was zum Knabbern, Wein aus Prinzendorf und Lesezeichen, die auf den Bücherschrank, beziehungsweise auf Spendenmöglichkeiten aufmerksam machen. Frank Gassner bekommt ja keine Förderung und muß, glaube ich, auch eine Genehmigungsgebühr dafür zahlen und die Schrankkosten trägt er auch.
So gibt es jetzt einen Shop, wo man Tragetaschen bestellen kann, wenn man den Schrank unterstützen will. Es waren auch sehr viele Fotografen da, die sich auf Hermann Nitsch stürzten, der den Schrank eröffnete. Frank Gassner zog die Umhüllung weg und die Leute stürzten sich auf die Hermann Nitsch-Bände, die es heute und in den nächsten Tagen in dem Schrank geben wird und ich erwischte ein noch originalverpacktes Residenz-Bändchen zur “farbenlehre des o. m. theaters”, das ich mir dann signieren ließ. Die Bücherbetreuer Herr Otto und Frau Elisabeth wurden vorgestellt und ich bin und bleibe sehr fasziniert von der Idee der offenen Bücherschränke zur Belebung des öffentlichen Raumes ohne Geld, da bin ich ja auch eine ziemliche Expertin, sowie von der Förderung des Leseverhaltens, die es für mich in erster Linie hat. Wenn ich für mich auch inzwischen nachdenke, wie ich das am besten mache und, wie oft ich an den Schränken vorbei gehen soll? Denn wenn ich zwei Bücher in der Woche auf meine Leseliste stelle, habe ich genug für die nächste Zeit und vielleicht auch die Chance, das sonst noch nicht Gelesene aufzulesen, finde ich dann aber ein drittes tolles Buch, kann ich nicht immer nein sagen oder bereue es, wenn ich es tue und an den Buchabverkaufskisten, wie die, die es derzeit beispielsweise beim Morawa gibt, kann ich auch nicht vorrübergehen, obwohl ich mir das eigentlich vorgenommen habe. Andererseits freue ich mich, wenn ich beispielsweise zu der Urzidil-Buchpräsentation gehe und daraufkomme, daß ich mir vor Jahren drei Bücher von ihm gekauft habe, die inzwischen längst vergriffen sind und die “Verlorene Geliebte” habe ich mir in Harland auch herausgesucht und werde sie auf meine Sommerleseliste setzen.
Schöne Künste
“Schöne Künste” von Evelyn Grill, 2007 erschienen, ist eine Satire auf den Kunstbetrieb und zwar eine sehr scharfe bissige, in Krimi-Form verpackt, geschrieben in einer elaborierten Sprache in unverkennbaren Bernhard Stil und im gehobenen Milieu einer wahrscheinlich deutschen Kleinstadt angesiedelt, ich habe Evelyn Grill daraus, glaube ich, einmal bei “Rund um die Burg” lesen hören.
Im neuen Kunstmuseum besagter Provinzstadt findet eine Vernisage und ein Happenig statt, der Museumsdirektor Morwitz steht mit seinem Äffchen auf der Schulter, seiner schönen Halbschwester und deren Gesellschafterin im Saal, gibt Erläuterungen zum Gesamtkunstwerk Ganymed von Schmoizz, der lasziv und fett am Boden liegt und von der Gattin eines Vorstandsmitglieds ausgepeitscht wird, während das Äffchen lustig herumspringt. Das Mueseum ist überhaupt in eine Stätte der modernen Kunst verwandelt vorden, wo die Fettstühle von Beuys vor sich hinranzen, die Wiener Aktionisten erwartet werden, während die vom Kunstmäzen Escher gestifteten Impressionisten im Keller vergammeln oder überhaupt schon verkauft wurden.
Und jener Mäzen hat einen Sohn namens Viktor, der auch ganz seltsame Vorlieben pflegt, so speist er zu Abend mit seiner Frau im roten Abendkleid, spricht mit ihr und läßt ihr ein weiches Ei sevieren, aber Cosima ist nur eine Puppe, nämlich die andere Halbschwester des Museumdirektors, aber schon vor zehn Jahren verstorben, weil sie ein Kind erwartete, dessen Vater nicht Escher war. Der hat sich seither aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und geht nur mehr seinen Geschäften, sprich der Verwaltung seines Vermögens nach, er besucht aber auch die beiden Kunsthistoriker des Museums und vögelt nachts die Puppe, aber eigentlich gilt sein interesse der noch lebenden Halbschwester und da liegen die Karten gut, denn der Museumsdirektor wird ermordet. Der war homosexuell und traf sich mit seinen Strichbuben im Beuyssaal, was ihn in Eskase versetzte und zu neuen Ideen zu noch neueren Performances brachte. Er und sein Affe werden aber im Saal erstickt und erstochen aufgefunden, was Escher zum Lachen und in das Haus seiner ehemaligen Schwägerin bringt, die gedenkt sich aber, stellt sich gleich heraus, wieder zu verheiraten und zwar mit einem Lehrer und Verfasser scheußlicher Poems und er verbringt sogar die Nacht in der Villa der schönen Witwe. Escher, der seine Puppe inzwischen versorgt und begraben hat, steht hinter einer Mülltonne verborgen vor dem Haus, schaut hinauf und als der Bräutigam herauskommt, schleppt er ihn in einen ehemaligen Luftschutzkeller und läßt ihn von den Ratten zerfressen. Inzwischen stellt sich heraus, daß der Direktor und das Museum verschuldet war, so daß die beiden schönen Luxusfrauen ausziehen müssen, Escher, der Margot heiraten will, bietet ihr gleich seine Villa an, bekommt aber die androgyne Gesellschafterin an ihrer Seite nicht los, denn die schläft sogar an Margots Seite oder sitzt an ihrem Bett, wenn Escher seine Frau, er hat Margot schnell geheiratet, sein Geld machte es möglich, die beiden Luxusweibchen waren ja völlig mittellos, besuchen will, Escher tröstet sich indessen auf die Hochzeitreise und versucht das neue Kunstmuseum wieder in ein altes zu verwandeln, Linda begleitet ihn als Assistentin, zu einer geschäftlichen Besprechung, nur schade, daß er dabei eine Rolltreppe hinunterfällt, im Krankenhaus verstirbt, während sich die beiden Frauen jubelnd in die Arme fallen.
Wirklich böse und auch interessant, denn ich habe von Evelyn Grill schon sehr viel gelesen und besprochen und kenne ihre “Rahmenhandlung” aus dem Abdruck in der sozialistischen Frauenzeitung “Die Frau”, die ja meine Mutter abonnierte, aus den Siebzigerjahren. Elfriede Haslehner hat sie für den Wiener Frauenverlag entdeckt, dann ging sie nach Deutschland in das kleine Städtchen Freiburg im Breisgau und begann ihre Romane im Thomas Bernhard Manier zu schreiben, bitterböse und mit einer sehr starken Sprache. “Ins Ohr” habe ich gelesen und von Elfriede Haslehner geschenkt bekommen, “Winterquartier” gab es bei Buchlandung um einen Euro, wenn man fünf Suhrkamp Taschenbücher nahm, “Wilma” steht noch auf meiner Leseliste und “Den Sammler” habe ich auch bei “Rund um die Burg” gehört und müßte ich noch im Bücherschrank oder anderswo finden. Im Vorjahr ist das “Antwerpener Testament” erschienen und das hat sich vom der scharfen Bernhard Satire ein bißchen abgewandelt und ist mehr ein allgemeiner leicht und wohl auch ein wenig bissig geschriebener Gesellschaftsroman geworden, interessant also zu erfahren, was noch alles von Evelyn Grill kommen wird.
Dieses Buch habe ich auch aus dem Bücherschrank, aus welchen weiß ich nicht mehr, wenns aber der in der Zieglergasse war, dann wär es noch einmal interessant, denn der feiert am Sonntag seinen zweiten Geburtstag, beziehungsweise wird er da durch einen neuen von Hermann Nitsch gestalteten ersetzt, was ja irgendwie zum Thema passt.
Literatur im El Speta
Wieder einmal war ich hin und hergerissen, denn in der Gesellschaft für Literatur gab es den Kolik Slam mit Nadja Spiegel, Anna Weidenholzer und Philipp Weiss und da wäre vor allem die 1992 geborene Nadja Spiegel interessant gewesen, denn über Anna Weidenholzer habe ich ja schon sehr viel geschrieben und Phillipp Weiss hat seinen Text bei der Bachmannpreislesung aufgegessen, aber ich wollte eigentlich in die Alte Schmiede gehen, denn da wurden wieder einmal Podiums-Portraits vorgestellt und zwar unter anderen die von E.A.Richter und Hilde Schmölzer und die hätte ich mir ja gerne erschnorrt und auch das Heft, wo Annemarie Mosers Rezension der “Sophie Hungers” enthalten ist, aber dann hat Rudi Lasselsberger mir gemailt und mich gefragt ob ich am 2.2. ins El Speta komme, denn da würde er mir die Neuauflage von “Tanz in den Mai” mit der Rezension von Ilse Kilic mitbringen und außerdem zwei andere Bände seines loma-Verlages, nämlich die Erzählungen “Sonnenblumen im September” und “Willi wo bist du”, eine Spurensuche. Den “Willi auf Kur” habe ich ja schon besprochen und außerdem könnte ich auch einen Lesungstermin ausmachen, weil die Wirtin des El Spetas eine Literaturschiene hat.
El Speta ist ein Lokal in der Hofmühlgasse, vielleicht eine Neuübernahme, denn über die Hofmühlgasse, gehe ich ja sehr oft, wenn ich von der Alten Schmiede, der Klinik oder sonst von dieser Seite der Stadt komme. Also habe ich mich für die Lesung mit Christian Futscher, Rudi Lasselsberger und Hansjörg Zauner entschieden, Maramba und Cajon wurde von Stephan Brodsky gespielt. Ottwald John war da und sonst für mich lauter unbekannte Leute, ich habe aber einen kleinen Mädchen zugesehen, das zuerst ziemlich müde später munter wurde und von Rudi Lasselsberger auch das Instrument geschenkt bekam, mit dem er die Lesung einleitete. Dazu trug er wieder, wie beim letzten Tag der Freiheit des Wortes, den ich organisierte, ein Leiberl auf dem das Lesungsprogramm aufgedruckt war und kündigte Christian Futscher an, von dem im Programmzettel stand “wird lesen, singen und schreien, eventuell auch etwas zerreißen, aufblasen und anzünden”, also wieder Aktionismus. Rudi Lasselsberger ist mit den Mozartkugeln die in das Publikum schmeißt ja auch einer, aber diesmal nichts davon, denn Christian Futscher begann mit zwei Texten, die er in der Edition Czernin veröffentlicht hat, darunter einen, den er zum zehnten Geburtstag des Verlags verfaßte und der sich darauf bezog, daß er neunzig wäre, wenn der Verlag fünzig wird.
Christian Futscher wurde jedenfalls 1960 in Feldkirch geboren, lebt in Wien, hat 1998 beim Bachmannpreis gelesen und ist seit 1994 in der GAV, von da kenne ich ihn wahrscheinlich oder seinen Namen und bin mir nicht sicher, ob ich ihn nicht einmal in der Buchhandlung Jeller lesen hörte.
Als nächstes las Rudi Lasselsberger zwei Geschichten, dann kam Hansjörg Zauner mit dem Text “lichtwagenputzer” und Hansjörg Zauner hat 1996 beim Bachmannpreis gelesen und ist ein experimenteller Dichter, der unter anderen bei der Edition neue Texte, bei Ritter und Droschl verlegt.
Dann kam eine Pause und ein zweiter Durchgang und zwischendurch immer Musik. Im zweiten Teil begann Hansjörg Zauner mit Gedichten und Rudi Lasselsberger las etwa aus seinen “Willi”- Geschichten vor, zum Teil sehr Aktuelles, was sich auf H.C. Straches Orden, den er jetzt doch nicht bekommt, bezieht und eine Danksagung an die anwesenden Gäste und Gönner und Christian Futscher begann zu böhmakeln und brachte eine Schewjkiade.
Eine interessante Lesung mit Texten von drei experimentellen GAV-Autoren, ich habe wieder Lesestoff und je einen Lasselsberger auf die alte und die neue Leseliste gesetzt und das Buch, das ich schon gelesen habe, da man Bücher ja nicht horten soll, mit Einverständnis des Autors in den “Wortschatz” ausgesetzt, wer sich dafür interessiert, schnell hingehen, vielleicht ist es noch da, sonst die Besprechung im Literaturgeflüster lesen, da gibt es auch ein ziemlich umfassendes Rudi Lasselsberger Portrait, mit dem ich vielleicht demnächst im El Speta lesen werde.
Kerschbaumer-Essays
Marie Therese Kerschbaumer hat einen neuen Essayband bei Wieser herausgegeben “Freunde des Orpheus”, der der Alten Schmiede zwar nicht gewidmet ist, es aber eigentlich sollte, denn es handelt sich bei den darin enthaltenen Texten, um viele, die mit ihr Bezug haben, Auftrags und Anlaßarbeiten, aber auch so Geschriebenes, wie Marie Therese Kerschbaumer bei der Präsentation in der Alten Schmiede, Florian Huber, der das Buch vorstellte, erklärte.
Ich habe es ja sicher schon öfter geschrieben, ich habe eine lange und wahrscheinlich ambivalente Beziehung zu der Dichterin, die ich in den späten Siebzigerjahren im “Rotpunkt” beim Arbeitskreis schreibender Frauen kennenlernte und später in der GAV wiedertreffen sollte.
“Der Schwimmer” war damals schon erschienen, “Der weibliche Name des Widerstandes”, von dem ich daraufgekommen bin, daß ich das Buch nicht habe, obwohl ich es eigentlich glaubte, aber wahrscheinlich haben wir im Arbeitskreis viel darüber gesprochen. Den Roman “Schwestern” habe ich mir gekauft.
Und Marie Therese Kerschbaumer ist auch eine, die nicht leicht zu lesen und nicht leicht zu verstehen ist, so ist es mir beispielsweise nicht gelungen, als ich mir 2009 bei der Buchlandung “Die Ausfahrt”, den Band der Trilogie, um das Mädchen Barbarina, der in dem sogenannten Austro-Koffer enthalten ist um einen Euro kaufte, das Buch zu besprechen.
Den Band “Fern” habe ich auf einer unserer Italienreisen gelesen und Marie Therese Kerschbaumer schon bei sehr vielen Lesungen gehört. So liest sie beispielsweise meistens bei der Lyrik im März, war im Mai bei der Bisinger Veranstaltung in der Alten Schmiede und der Wieser Verlag hat ihr Gesamtwerk herausgebracht. Ich habe sie auch bei der Frauenlesung, die ich, 1991 in St. Pölten machte, eingeladen und hätte sie auch bei der 1998 in der Alten Schmiede gern dabei gehabt. Sie war, glaube ich, mit Gerhard Kofler sehr befreundet und ihm ist auch ein Essay in dem Buch gewidmet.
Florian Huber erklärte in seiner Einleitung einiges über das das Buch, dann las Marie Therese Kerschbaumer zwanzig oder dreißig Minuten aus dem Essay, der dem Buch “Kein Anwalt für Antigone”, des Staranwalts Alfred Noll gewidmet ist, das heißt, sie erklärte eigentlich die “Antigone von Sophokles dabei, tat das sehr engagiert, leidenschaftlich, interpretierend, gab dabei auch einige Erklärungen zu ihrer Sicht der Welt, daß sie sich mehr Solidarität und Verständnis wünsche beispielsweise, erklärte ihren feministischen Standpunkt oder Nicht-Standpunkt und da gibt es auch einen Film bzw. einen Artikel aus dem Archiv.
Ich bin ja eine, die sich ziemlich ausschließlich für die Gegenwartsliteratur interessiert und sich daher mit der Literatur der Antike, den Kreons, Antigones und der Rolle der Seher nicht sehr auskennt, Marie Therese Kerschbaumer zuzuhören ist aber ein Erlebnis und es gab im Anschluß auch eine rege Diskussion, die von Kurt Neumann eingeleitet,vom Publikum weitergeführt wurde und es waren gar nicht so viele Leute, wie erwartet gekommen. Vielleicht lag das am kalten Wetter, Marie Therese Kerschbaumer hat ja einen großen Fankreis und auch schon sehr viele Projekte für die Alte Schmiede gemacht.
So lag auf dem Büchertisch beispielsweise auch der bei Sonderzahl erschienene Band “Apologie/Arkadien”, den ich bei einem der Büchertürme, als es die Literatur im März noch gab, bekommen habe, der das Ergebnis des zehnten Autorinnenlabor in der Alten Schmiede war und beispielsweise Texte von Lisa Fritsch, Barbara Frischmuth, Gert Jonke, Gertrud Leutenegger, lisa Fritsch, Heidi Pataki, Julian Schutting, Maria Elena Blanco, Gerhard Kofler, Sabine Gruber, Ferdinand Schmatz, Alfred Kolleritsch, Bodo Hell und Kurt Neumann enthält und ich kann mich bei den Kerschbaumer-Lesungen, die ich in der Alten Schmiede hörte, an den “Weiblichen Namen des Widerstands”, an die “Neun Canti auf die irdische Liebe” und an die “Gespräche in Tuskulum” erinnern, aber wahrscheinlich bin ich bei mehr Lesungen gewesen. “Die Gespräche in Tuskulum” gab es auch in der Abverkaufskiste der Buchhandlung Morawa, als ich in das letzte Mal in der Alten Schmiede war, um vier Euro, da habe ich es drinnen gelassen und mir ein bißchen etwas anderes nach Hause geschleppt und bin auch diesmal nicht um die Abverkaufskiste vorbeigekommen, aber wieder sehr sparsam gewesen, habe ich mir doch nur die “Unsichtbare Fotografin” von Elisabeth Reichart gekauft und den Walter Grond, den ich auch einmal in der Alten Schmiede hörte, drinnen gelassen und auch das “Gorilla-buch” der Awadalla um zwei Euro, das bei Chick-Lit, wo ich es auch gesehen habe, sicher teurer ist. Aber ich habe schon soviele Bücher, kann nicht alle lesen und außerdem, vor zwei Tagen Kurt Palms neues Buch “Die Besucher” vom Verlag bekommen und “Schlafes Bruder” im Bücherschrank gefunden und lese höchstwahrscheinlich doch eher das linear Realistische, trotzdem ich zwar kein Fan, aber wahrscheinlich doch eine ziemlich genaue Marie Therese Kerschbaumer-Kennerin bin.
Vom Frauenzimmer zur Chick Lit
Die Evi von den Zwillingsleiden, deren Blog ich regelmäßig lese, ist in den fünften Bezirk gezogen, bespricht seither regelmäßig das literarische Wien und hat am Montag in ihren Artikel “Ein Anfang und ein Ende”, sowohl vom Zusperren der Buchhandlung Reichmann, die jetzt ja schon fast zwei Jahre abverkauft und an deren Bücherkisten ich regelmäßig vorübergehe, wenn ich in die Alte Schmiede will, als auch vom Aufsperren einer neuen Buchhandlung namens Chick Lit in der Kleeblattgasse berichtet.
“Chick Lit!”, habe ich mit leichtem Schuldgefühl gedacht, denn das lese ich ja manchmal gerne, soll man aber nicht, wie ja erst Michael Stavric im Standard des vergangenen Wochenende beklagte, daß die Leute keine anspruchsvollen Bücher mehr lesen und da eröffneteine Buchhandlung, die nur “Chick Lit” vertreibt? Interessant, habe den Link verfolgt und bin beim Verein über die “AUF”, die Förderung feministische Projekte gestoßen, sehr interessant, denn da gab es ja einmal eine feministische Frauenbuchhandlung, das sogenannte “Frauenzimmer” in das keine Männer durften, das zuerst seinen Standort in der Langegasse gleich neben oder im Wiener Frauenverlag hatte, der jetzt “Milena” heißt und keiner mehr ist, später in der Zieglergasse vis a vis dem Literaturhaus war und vor ein paar Jahren, ich glaube, es war 2007, eingegangen ist. Da war ich mit der Ruth Aspöck noch in den letzten Tagen, als wir von einer Vorbesprechung zum “Linken-Wort”, vom “Siebenstern” kamen, es gab aber keinen nennenswerten Abverkauf, dafür ein paar Monate später ein großes Benefizfest im EGA und seither hatte Wien keine Frauenbuchhandlung und die Zeitschrift “AUF” hat ihren Betrieb auch eingestellt, weil Eva Geber, eine der Begründerinnen, in Pension gegangen ist und in ihren Räumen in der Kleeblattgasse, das weiß ich jetzt, weil es auch Dienstagmorgen im Leoporello war, haben zwei junge Frauen, eine feministische Buchhandlung eröffnet und ihr den trashigen Tiel “Chick Lit” gegeben.
In den Siebzigerjahren hat es “Frauenzimmer” geheißen und die Männer ausgesperrt und ich bin in meinen Studentinnentagen, als ich mir noch Büchjer kaufte, sehr oft in der Langegasse gewesen und habe mir auch viel gekauft.Jetzt ersah ich der Homepage und hörte ich in Leporello, gab es am Dienstag von zehn bis achtzehn Uhr, die große Eröffnung “Essen, trinken, Bücher kaufen!” und ich hatte nur ein bißchen ein mulmigen Gefühl, denn der 31. ist ja mein Abrechnungstag und am Abend gibt es auch den Vertragspsychologinnen-Jour-fixe, bin aber früher aufgestanden und nicht in die Badewanne Lesen gegangen, sondern gleich mit den Honorarnoten begonnen und wäre auch fertig geworden, wenn nicht das Epsilon-Abrechnungsprogramm gestreikt hätte, so daß ich sowieso nur mit Alfreds Hilfe meine Diagnostik abrechnen kann, aber Zeit hatte, am Nachmittag in die Kleeblattgasse zu gehen und das ist auch eine historische Adresse, da dort nicht nur bis in die Siebzigerjahre, glaube ich, der Lebensgefährte meiner Tante Grete einen Frisiersalon hatte, sondern auch Elfriede Gerstl mit ihrer Mutter wohnte und es jetzt also die Buchhandlung mit der feministischen Unterhaltung gibt.
Es sieht dort eigentlich sehr ähnlich, wie im Frauenzimmer in der Zieglergasse aus. Regale, Büchertische, ein paar Sessel, viele junge Frauen und auch ein paar Männer von denen ich zuerst niemanden kannte. Eine der Frauen rief “Kaffee ist fertig!”, es gab ein Buffet mit Kuchen, Aufschnitten und Salaten und eine Bücherkiste zur freien Entnahme, in der es ein paar sehr alte feministische Publikationen und Frauenberichte gab und sonst die Frauenliteratur quer durch den Gemüsegarten. Vom Angebot würde ich auch nicht sehr viel Unterschied zum “Frauenzimmer” sehen. Oder doch natürlich, ein bißchen Trashiges, wie “Bisse und Küsse” in fünf Teilen und “Anne Frank” als Gothic-Novel, aber sonst Bücher von El Awadalla, Hilde Schmölzer etc.
Die sollte dann auch kommen und sich nach ihrem “Rosa Mayreder”-Buch erkundigen, die neue Frauenreihe, der Traude Korosa, die “ADA -Bibliothek der Frauen, aus der Edition Mokka, wo mir Judith Gruber-rizy zum Geburtstag den “Roten Merkur” von Auguste Groner schenkte, lag auf und ein Buch der Martina Wied, der Frau, die, wie mir Hiulde Schmölzer erklärte, nach dem Krieg den ersten Staatspreis bekommen hat. Bücher von Hermynia zur Mühlen, aber auch Lydia Mischkulnigs “Schwestern der Angst” und viele Edith Kneifl Krimis, also gar nicht so viel Chick Lits und die Frauen, die bei Kaffee und Saft tratschenten oder in die Bücher sahenb, interessieren sich wahrscheinlich auch nicht so sehr dafür, sind aber jünger, als die alten Feministinnen, ihre Töchter und Enkelinnen würde ich so schätzen und die beiden Bücherfrauen, ob und wann sie ihre Eröffnungsrede halten sollten und so hat Wien wieder eine Frauenbuchhandlung, der ich, genauso, wie Hilde Schmölzer, alles Gute wünsche.
Entwurzelung und Schreiben
Weiter gehts mit dem tschechischen Schwerpunkt, obwohl ich ja eigentlich ins Literaturhaus zur Hommage an Christian Loidl gehen wollte, aber dann bin ich vorigen Mittwoch im tschechischen Zentrum gewesen und am Donnerstag in der Gesellschaft für Literatur zur Verleihung des Manes Sperber Preises an Jirsi Grusa, da habe ich ja eigentlich geglaubt, daß es am Montag im tschechischen Zentrum, eine Jirsi Grusa Lesung geben wird, eh klar, ein paar Tage nach der Preisverleihung. Dann habe ich doch ins Programm geschaut und gesehen, am Montag lesen zwei junge tschechisch-österreichische Autoren, nämlich Vaclav Grusa und Rhea Krcmarova und am Freitag war auch noch die zweite Studentenlesung. Also habe ich umdisponiert, das heißt ich hätte gerne, konnte aber eigentlich nicht, denn es begann um sechs und um fünf hatte ich noch eine Stunde. Also doch ins Literaturhaus, bis dann die Klientin absagte, so daß es sich ausging, der tschechischen Literatur den Vorrang zu geben, denn Rhea Krcmarova kenne ich seit zwei Jahren, wenn ich sie nicht schon im Amerlinghaus bei der Exil-Literatur-Preisverleihung kennengelernt habe, daran kann ich mich aber nicht erinnern, wohl aber, daß die junge Frau, als ich vor zwei Jahren am Tag der offenen Tür der Angewandten das Institut der Sprachkunst suchte, die ich danach fragte, Rhea Krcmarova war. Vor einem Jahr habe ich sie dann bei der Studentenlesung ihr Kuchel-Böhmisch lesen hören und jetzt ging es im tschechischen Zentrum, um die Identität der Zweisprachigkeit.
Es war ziemlich voll, als ich eintraf, Beppo Beyerl und Manfred Chobot habe ich diesmal nicht gesehen, wohl aber die literarische Übersetzerin Christa Rothmeier, mit der ich mich schon am Donnerstag in der Gesellschaft für Literatur unterhalten habe und die mir sagte, daß sie Jiri Kratochvil bei seiner Buch-Präsentation in der Alten Schmiede auf mich angesprochen hat. Ich habe ja viel mitgeschrieben und mir auch einiges für mein Work in Progress mitgenommen, das dann ganz anders geworden ist. Das erzählte ich Christa Rotmeier und sah auch Frau Grusa in der ersten Reihe sitzen, was meinte Vermutung, daß der Vaclav mit dem Jirsi verwandt ist, bestätigte. Die Leiterin begrüßte und wiederholte, daß es ihr vorletzter Tag im tschechischen Zentrum sei. Dann begann Rhea Krcmarova mit einem Text namens “Inselhüpfen” in dem es um die sprachliche Identität ging und Rhea Krcmarova hat wirklich eine sehr schöne Sprache und einen sehr poetischen Text, wo es um eine Donauschiffahrt von Wien abwärts ging, aber Prag liegt ja nicht an der Donau und ich habe an meine Schiffsfahrt von Bratislava nach Wien denken müssen und auch an Dana Grigorceas “Baba Rada”, Meeresjungfrauen und Nixen kommen jedenfalls vor, das Strandbad in Klosterneuburg und ich glaube auch tschechische Limonade und tschechische Chips und ein grüner Schaffner, der die Fahrkarten kontrolliert.
Rhea Krcmarova wurde jedenfalls in Prag geboren, kam 1981 nach Wien und hat hier, wie sie bei der Diskussion über die Identität und die tschechische Sprache erklärte, in Wien nur das Kuchel-Böhmisch gesprochen, obwohl es in ihrer Familie auch intellektuelle Besucher, wie Journalisten und Schauspieler gab und bei modernen Ausdrücken manchmal unsicher ist. Das habe ich schon beim Dialekt-Workshop im November Ilier Ferra sagen hören. Vaclav Grusa ist offenbar später nach Österreich gekommen, was man seiner Sprache auch anhört und er las aus seinem Gedichtband “Kuckucks-Waisenhaus” zuerst auch auf tschechisch vor. Dann kam es zu der Diskussion und Vaclav Grusa sagte, daß er jetzt auf Deutsch schreiben würde, sein erster Gedichtband wurde aber auf tschechisch geschrieben und von Christa Rothmeier und Michael Stavaric übersetzt.
In einer zweiten Runde las dann Rhea Krcmarova aus dem Text “Lebensstriche”, wo es um eine Prostituierte und eine Handleserin geht und erzählte, daß sie an einem Roman arbeiten würde und auch ein Opernlibretto schreibt. Dann kamen noch Vaclav Grusas Gedichte auf Deutsch und dann gab es wieder Wein und tschechische Chips, ich begrüßte die Frau vom Tagebuchtag, die ich bei Ruth Aspöcks Sommerfest traf, nicht kennenlernte, denn sie war schon früher einmal auf einer meiner Lesungen und hat mir ihr Programm überreicht und kam dann mit einem Musiker, der mir erzählte, daß er sehr oft ins tschechische Zentrum geht und mit Rhea Krcmarova ins Gespräch und konnte am Schluß noch Vaclav Grusa nach seinem Verwandtenverhältnis zu Herrn Grusa fragen. Es ist der Sohn.
Sehr interessant und sicher produktiv für meine Romanarbeit, obwohl ich da schon fleißig am Korrigieren der Beistrich und Rechtschreibfehler bin und inhaltlich gar nicht mehr soviel verändern werde. Im Wochenendstandard war aber, ich habe es schon erwähnt, nicht nur ein Teil der Laudatio von Miguel Herz-Kestranek, sondern auch ein Artikel von Michael Stavaric, wo er das Lesen von anspruchsvollen tschechischen Büchern empfiehlt, so daß ich den Patrick Ourednik auf meine Leseliste setzte, allerdings erst auf die fürs nächste jahr und gar nicht auf die Idee kam, ihn vielleicht als Rechercheliteratur vorher einzuschieben, obwohl das Buch, wie ich glaube, vom Prager Frühling handelt.
Beobachtungen zur Krise
Wir leben momentan in Krisenzeiten, wie man unschwer merken kann, wenn man das Radio oder den Fernsehapparat aufdreht. Überall ist vom Sparen zu hören und wenn man das ernsthaft durchgehen will, kann einer leicht das Gruseln kommen. Das hat zwar auf dem ersten Blick nicht viel oder nur bedingt mit Literatur zu tun, auf dem zweiten, dritten, vierten, schon eher, weil man sich vorstellen kann, daß die Sparpakete auch zur Kultur dringen, daher möchte ich in meinem Wort zum frühen Montag, der Sonntag war ja schon der “Stadt der Engel” gewidmet, ein paar Themen besprechen, die sich in letzter Zeit angesammelt haben.
Eigentlich hat es 2008 begonnen und wenn ich mich nicht irre, war es auch am Weltspartag, denn da ist ein angebliches Tucholsky-Gedicht zur Banken und Wirtschaftskrise aufgetaucht, das sich später als Fälschung erwies. Dann wurden überall die Banken gerettet, sehr viel Geld ist geflossen, so daß man sich bang fragte, wer das bezahlen soll? Es folgte die Krise in Griechenland Petrus Markaris “Faule Kredite” habe ich zu Weihnachten besprochen und vor kurzem den Autor sagen hören, daß es in Griechenland inzwischen schon viel schlimmer ist, als in dem Roman geschildert wurde und manche Familien nicht mehr wissen, was sie essen sollen. Das betrifft noch viele andere Länder und viele andere Themen, die Bildung, das Gesundheitswesen, etc.
Ich habe mich mit der “Sophie Hungers” literarisch damit beschäftigt.
Inzwischen hört man überall vom Sparen und der Krise und das betrifft auch die Stimmung unter den Autoren und in den Blogs, obwohl der Kampf gegen schlechte Blogs, die angeblich, wie die Schwammerln aus dem Boden spriessen, wahrscheinlich mehr mit den Rezensionsexemplaren, als mit der Bankenkrise zu tun hat und da wunderte ich mich, daß die Verlage so großzügig, die Bücher an die Leser verteilen, weil ich mich fragte, wer soll sie dann noch kaufen?
Aber das ist keine Kritik, denn ich habe schon seit Jahren aus anderen Gründen aufgehört, mir Bücher zu kaufen und habe, seit es die offenen Bücherschränke gibt und die halte ich für eine der wenigen positiven Entwicklungen der letzten Zeit, genug zum Lesen und, daß sich das gute alte Buch zum E-Book entwickeln wird, kann man auch überall hören. Ob das gut oder schlecht ist, weiß man noch nicht so recht. Ich habe jedenfalls nicht vor, auf den E-Book-Reader umzusteigen und denke, daß ich die zwanzig Jahre, die ich wahrscheinlich noch lesen werde, mit den Printexemplaren auskomme. Merke aber, daß sich das Leseverhalten verändert. Das scheint ab zu nehmen. Auf der anderen Seite interessieren sich immer mehr Leute für das Schreiben und das finde ich sehr gut. Höre aber manchmal, daß angeblich schon mehr Gedichte geschrieben, als gelesen werden, was mich, als Vielleserin, die das sehr wohl tut, nicht einmal so stört. Ich merke aber, daß sich die Stimmung in der Autoren- Bücher- Blogger- Welt diesbezüglich verschlechtert. Die E-Book-Debatte und, daß jeder seine Bücher selber machen und bei Amazon verkaufen kann, scheint Angst zu machen. So habe ich vor ein paar Wochen einen Beitrag gelesen, wo die sogenannten Indie-Autoren, unter Anführungszeichen gesetzt wurden und ihnen das Recht auf das Schreiben abgesprochen wird. Das ist ein Thema, wo ich mich als vielschreibende Autorin, der es nicht gelungen ist, einen Verlag zu finden und die daher ihre Bücher selber macht, leicht betroffen fühle. Kämpfe ich ja schon lang mit nicht sehr großen Erfolg, um die Anerkennung meiner selbst gemachten Bücher.
Petra van Cronenburg hat wieder einen interessanten Blogbeitrag geschrieben, der zeigt, daß es vielen Autoren nicht sehr gut geht, da ist mir durch meinen Brotberuf, den ich ja immer hatte, sicher viel erspart geblieben. Was mir aber fehlt, ist die Anerkennung und daran leide ich genug, daß ich, obwohl ich mich so sehr bemühe, weil ich meine Bücher selber mache, nie die Chance auf einen Buchpreis, eine größere Lesung, einen Literaturpreis etc habe und dann kommt oft noch der Hohn und das Unverständnis der anderen dazu und die, die schreien “Eigenverlag wollen wir nicht!”
Um wieder zum Thema zurückzukommen, seit die Krisenstimmung allgegenwertig ist, fühlen sich offenbar auch etabliertere Autoren davon betroffen und so war im “Standard” dieses Wochenende ein Artikel von Michael Stavaric “Wer liest heute noch anstrengende Werke?”, wo er sich gegen linear geschriebene Bücher ausspricht. Er geht dabei davon aus, daß der Durchschnittsleser etwa zehn bis zwölf Bücher im Jahr liest und empfiehlt Werke von Hans Lebert, Bohumil Hrabal, Patrik Ourednik, Per Olof Enquist, Joseph Conrad etc.
Dagegen ist nichts zu sagen, ich habe zum Beispiel von einem der Büchertürme Patrik Oudrednik “Das Jahr vierundzwanzig”, übersetzt von Michael Stavaric, bekommen, das ich endlich lesen sollte. Aber ich habe auch nichts gegen Leute, die Krimis, Fantasyromane, Cick Lit, etc, lesen.
Ich selber habe einen eher weiten Lesebegriff und versuche mich quer durch den Literaturgarten zu lesen und fahre, glaube ich, auch sehr gut damit. Also wieder ein Pläydojer für mehr Toleranz. Jeder der will, soll schreiben und lesen. Es wäre zwar schön, wenn er sich auch für die Literatur der anderen interessiert und natürlich finde ich es gut, wenn man darüber berichtet. So halte ich die Bücherblogs und die Tatsache, daß jetzt jeder seine Meinung ins Internet stellen kann, für keine Bedrohung. Habe aber gerade wieder über eine Aufregung gelesen, die mir bisher entgangen ist. Da hat eine Bloggerin ein Buch abgebrochen, weil es ihr nicht gefallen hat und wurde vom Autor und dessen Verlag mit einer Klage bedroht, weil sie angeblich Wirtschaftskriminalität betreibt, wenn sie es schlecht bespricht. Im Sommer 2010 gab es eine ähnliche Diskussion als leselustfrust Anni Bürkls “Ausgetanzt” besprochen hat. Ich habe in “Sommerlöcher” darüber geschrieben, daß ich nicht glaube, daß man Literatur studiert haben muß, um ein Buch zu besprechen, ob man das jetzt Rezension nennt oder nicht, ist egal. Habe aber für mich, da ich selber nicht gern kritisiert werden will, entschieden, mit den Bewertungen vorsichtig zu sein. Ich beschreibe den Inhalt, sage meine Meinung und das, was ich über den Autor weiß. Das sind dann mehr literarische Texte, als Rezensionen und das sollen sie auch sein. Vorigen Montag gab es eine Sendung in den Tonspuren darüber, wo Sigrid Löffler und Klaus Nüchtern ihre Meinung dazu sagen sollten, ob sie sich von den sogeannten unprofessionellen Besprechern bedroht fühlen? Das wäre zwar vielleicht sogar verständlich. Aber ich finde dieses Mittel der Demokratisierung schön, halte es für eine gute Prophylaxe gegen den Analphabetismus und gegen Alzheimer und freue mich über jede wertfreie Meinungsäußerung, merke aber die Krisenstimmung und die Konkurrenz.
Noch etwas war interessant, hat doch Marlene Streeruwitz letzte Woche, den Bremer Literaturpreis für ihren Krisenroman “Die Schmerzmacherin” bekommen und sich in ihrer Laudatio auf die Lesung in der Alten Schmiede vor zwei Wochen, wo das von Daniela Strigl herausgegebene Buch von Walter Buchebner präsentiert wurde, bezogen, wo ich sehr bedauerte, nicht bei der Veranstaltung gewesen zu sein, weil am selben Tag Dine Petrik ihr Buch über Hertha Kräftner vorstellte, das ebenfalls ein Vorwort von Daniela Strigl hat.
“Interessant!”, habe ich gedacht, daß das der erklärten Feministin Marlene Streeruwitz entgangen ist und sie nicht auch dieses Buch und diese Autorin in ihre Laudatio einbezog und vermute, daß der Grund wieder in der sogenannten Mainstreampolitik zu finden sein wird. Die Kriktiker schauen nur auf das eine Event, während anderes, sicher ebenso Interessantes, übersehen wird, was sehr schade ist.
Denn ich finde und das hat auch Petrus Markaris in seiner Erföffnungsrede bei der Buch Wien so gesagt, daß die Chance an der Wirtschaftskrise sein könnte, daß sich die Leute wieder mehr Zeit für ihre Kreativität nehmen und vielleicht auch ein bißchen jenseits vom Tellerrand, auf das Leisere, nicht so Spekuläre schauen und das würde ich mir sehr wünschen!
Stadt der Engel
“Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud”, schließt vielleicht das Nachdenken über Christa Wolf ab oder läßt es auch damit beginnen, denn es ist ein fulminantes Meisterwerk, das da 2010 erschienen ist und, wie ich dem Buchrücken entnehme, sowohl den Uwe-Johnson-Pres als auch den Thomas-Mann-Preis gewonnen hat, zu Recht wie ich finde, obwohl die Rezensenten, wie ich auch schon gesehen habe, nicht immer dieser Meinung sind und manche das Buch für eher soziologisch als für literarisch halten, aber, um das gleich voran zu stellen, es ist, glaube ich, genau die Art, wie ich das Schreiben verstehe und ich auch vorhabe es so zu tun, auch wenn ich die Stelle mit dem schwarzen Engel, der die Ich-Erzählerin durch Los Angeles begleitet, schon für ein wenig gewagt halte und mir vorstellen kann, was passieren würde, wenn ich so etwas schreibe.
Christa Wolf ist aber Christa Wolf, die grande Dame der ehemaligen DDR, so muß man das ja schreiben und erzählt, wie auch am Buchrücken steht “von einem Menschenleben, das drei deutschen Staats- und Gesellschaftsformen standhält, von einer Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, von der Kunst sich zu erinnern.”
Und das tut sie, ich wiederhole es, wahrhaft fulminant und reichhaltig und mit einer Fülle an Material und wieder, es war für mich ein wenig irritierend, daß sie manchmal vom “ich” ins “du” wechselte, dann “euch” ansprach und ich nicht immer wußte, wer damit gemeint war, aber das ist wahrscheinlich die literarische Erhöhung des Buchs.
Es beginnt mit einem Studienaufenthalt Anfang der Neunzigerjahre in die “Stadt der Engeln”, die Ich-Erzählerin, die wohl Christa Wolf ist, obwohl da wieder etwas von “Alle Figuren mit Ausnahmen der historischen Persönlichkeiten sind Erfindungen”, steht, kommt mit Briefen einer “L” über die sie recherchieren will, am Flughafen an und läßt sich entgegen aller Warnungen vom erstbesten Taxi in die MS. Victoria, das Stipendiatenwohnheims des Centers, das sie eingeladen hat, bringen und erlebt die kalifornische oberflächige Gastfreundlichkeit “You are welcome”, obwohl keine “Pets” in dem Wohnheim erlaubt sind, sie erlebt aber auch die Homeless People, die auf der Straße stehen und um einen Dollar betteln, wenn sie auf ihrer Bank am Pazifischen Ozean sitzt. Das Center scheint eine sehr großzügige Einrichtung zu sein, denn sie hat dort ein Büro und die freundlichen Sekretärinnen servieren am Nachmittag Tee und Kekse und versuchen auch etwas über diese “L” herauszufinden, über die die Erzählerin schreiben will.
Die lernt dann einen Peter Gutman kennen, in England aufgewachsen, der über einen Philosophen schreibt und am Leben zu scheitern scheint, macht mit den anderen Stipendiaten verschiedene Ausflüge, geht zu einem Dr. Kim der an ihr Akkupunktur versucht und zu einer Feldenkrais-Therapeutin, kauft sich ein Auto und besucht verschienene Parties, wo sie verschiedene amerikanische Intellektuelle und jüdische Emigranten trifft.
Die Stadt der Engel ist ja voll davon, bot es ja Brecht, Feuchtwanger, Thomas Mann, etc Exil und während die Erzählerin diese Orte besucht, liest sie in dier Zeitung, daß es daheim in Ostdeutschland zu rassistischen Ausschreitungen kommt und sie muß auf den Parties Rede stehen, warum sie nicht aus der DDR emigierte.
Es kommt noch schlimmer, ihre Stasi Akte, wo sie als Informantin geführt wurde, wurde entdeckt und sie kann sich an ihre Unterschrift und daran, daß sie Informationen geleistet hat, nicht erinnern, was sie in eine tiefe Krise und den Overcoat des Dr. Freuds ins Spiel bringt, denn der wurde vom Architekten Neutra, der viele schöne Bauten in der Stadt der Engeln machte, die jetzt den Armen als Wohnung dienen, dorthin gebracht, er wurde ihm auch gestohlen und die Ich-Erzählerin gleitet in ihre Träume und in die Vergangenheit ab, wie es war, als sie als junges Mädchen und Studentin in West Berlin Wahlwerbung für die Kommunisten machte und dabei verhaftet wurde, wie es war als Biermann ausgebürgert wurde, sie dagegen protestierte und sie von der Staatssicherheit observiert wurde, sie hat darüber, glaube ich, auch in “Was bleibt” geschrieben, wie es war 1989 bei ihrer großen Rede am Alexanderplatz etc.
Die Briefe der L., die vorerst nicht eruierbar sind, stammen von ihrer Freundin Emma, einer alten Widerstandskämpferin und bei den Parties lernt sie auch die Emigrantin Ruth, die ein verstecktes Kind ist, kennen, führt viele Gespräche mit Peter Gutman und bekommt schließlich heraus, daß L. die Psychoanalytikerin Lily und eine Freundin Ruths ist und Lilys lieber Herr, ist auch der Philosoph über den Peter Gutman schon jahrelang forscht.
Wenn ich soetwas schreiben würde, würde man mir vielleicht ein allzu absichthaftes Konstruieren unterstellen. Christa Wolf zieht einem aber trotzdem in einen Zug, aus dem schwer herauszukommen ist und man erlebt alle Grausamkeiten und Irrtümer des vorigen Jahrhunderts wieder, die Gräuel der NS Zeit und, daß dann die, die aus den KZs kamen und an den neuen Staat und an den Kommunismus glaubten, wieder in einer Dikatur landete, im gelobten Amerika ist es aber auch nicht viel besser, denn da gab ja die McCarthy-Ära, die Brecht und Thomas Mann sehr drangsalierten, jetzt die Homeless People und die Rassentrennung und den schwarzen oder lateinamerikanischen Putztrupp, der die MS. Victoria sauber hält und für das Wohl der Stipendiaten sorgt.
Der einzige schwarze Stipendiat führt die Erzählerin in ein Antiquariat und da findet sie die Bücher der jüdischen Emigranten von Vicki Baum, Leonhard Frank, Arnold Zweig, etc in denen dann auch “Liebster Paul, Merry X-Mas – Dieses Buch soll Dich unsere alte Sprache nicht vergessen lassen. Herzlichst Walter.”, steht.
Dann gibt es noch die obligatorischen Ausflüge in das Hearst Castle, nach Hollywood, in den den Grand Canon, die wir ebenfalls so machten, als wir 1989, ich glaube, sechs Wochen in Amerika herumgefahren sind und außer in New York auch in Kalfornien waren, die DDR gab es damals noch, obwohl sich in dieser Zeit schon die Botschaften in Budapest und Prag füllten und die Ungarn bald ihre Grenze öffneten. Daß es in Kalifornien ein so reiches Emigrantenleben gegeben hat, habe ich nicht gewußt, bin nur mit der Touristen- Tour durch Hollywood gefahren, habe mir aber inzwischen in einer Buchlandungsabverkaufskiste, um einen Euro das TB “Brecht in den USA” gekauft, das Buch über Walter Jankas Prozeß habe ich auch gelesen und in dem Aufbau-Taschenbuch “…Und leiser Jubel zöge ein”, das den Arco Verleger im Sommer so beeindruckte, gibt es auch Briefe an und von Thomas Mann, Feuchtwanger etc, aus den Fünzigerjahren, die wahrscheinlich nach Amerika gingen.
Christa Wolf oder ihre Ich-Erzählerin hat auch noch Indianer Reservate besucht und ihre Erkenntnisse dazu aus dem “Buch der Hopi” entnommen und kehrt wahrscheinlich geläutert in die ehemalige DDR zurück, denn “Und die Farben. Ach, Angelina, die Farben” Und dieser Himmel!”, sagt sie zu ihrem Engel.
“Wohin sind wir unterwegs? Das weiß ich nicht.”





