Lese- und Schreibbericht

Wie geht es weiter mit dem Lesen und dem Schreiben? Vom Schreiben habe ich ja schon am Samstag intensiv berichtet und die Geschichte um die alte Frau, namens Paula Nebel kommt auch gut voran. Da habe ich derzeit einundvierzig Seiten, fünfzehn Szenen und 18.641 Worte und noch immer keinen konkreten Plan, was und wie es werden soll? Der große Roman natürlich! Buch 31 auf meiner Werkliste und Zeit lassen will ich mir dafür. Mir den Sommer sozusagen ein Stipendium dafür geben und möglichst locker mit allen Hilfen, die ich finde, vor mich hinexperimentieren. Bis zum Oktober mit dem Korrigieren fertig, damit ich anschließend gleich den Nanowrimo beginnen kann, wäre ein konkretes Ziel und das Zeit lassen, würde herumfahren, immer wieder neu beginnen, immer wieder Szenen einfügen, etc bedeuten. Ich schreibe ja meistens chonologisch vom Anfang bis zum Ende vor mich hin und verändere nachher nicht mehr viel, sondern suche nur nach Fehlern. Deshalb bin ich auch sehr schnell und vielleicht auch zu vorschnell festgelegt. Beim letzten Projekt, “Der Wiedergeborenen” hatte ich ja das Problem und war nahe daran, die ersten vierzig Seiten wegzuschmeißen. Diesmal scheint es aber gut zu gehen. Ich schreibe schnell, fast manisch vor mich hin. Wie das mit dem Vertiefen und etwas neuem Schaffen gehen kann, würde mich wirklich interessieren? Vielleicht gelingt es einmal. Etwas habe ich durch das viele Schreiben bestimmt gelernt, ich bin selbstbewußt geworden und die Hemmung ist weg. Die Angst vor dem leeren Blatt Papier hatte ich ja früher stark und auch einen ausgedehnten Widerwillen und eine Schreibeangst.
“Ich kann es nicht, ich kann es nicht!”
Meine Leser wissen es, denn das habe ich einige Male beschrieben. Jetzt denke ich, ich kann es, aber wie bemerken es die anderen?
Das weiß ich leider nicht und habe keine Idee, wie ich die anderen auf mich aufmerksam machen könnte, da es mit dem Literaturgeflüster, wie ich es eigentlich dachte, nicht zu gehen scheint. Aber es schreiben ja sehr viele Leute und das finde ich sehr gut und bin da auch sehr neugierig und sehr offen, für das, was sich die anderen so erdenken.
Da bin ich schon beim Lesen und da könnte ich eigentlich, wenn man es so will, einen Mißerfolg vermelden. Weil ich, wie es scheint, mit meinen Leselisten nicht ganz klarzukommen scheine. Das Angebot ist da zu groß, könnte man meinen und wenn man auf meine Leseliste schaut, merkt man, daß sich mein Leseverhalten eindeutig gesteigert hat. Von 45 auf 90 und dann auf 114, weil die Zahl von 2008 nicht objektiv und nicht vollständig ist. Im Vorjahr bin ich durch ein paar Blogs auf die “Hunder-Bücher-challenge” gekommen und das war der Anfang meiner Leseliste. Jetzt führe ich schon eine für das Jahr 2013 und habe da die ersten sechzig Bücher, die ich nächstes Jahr lesen will, schon angegeben und bei der von 2012 halte ich auch schon bei neunzig Bücher. Dabei wollte ich nach den ersten sechzig nur jede Woche ein neues Buch angeben, damit ich in keinen Lesestreß gerate. Hundertzwanzig Bücher lassen sich im Jahr wahrscheinlich lesen. Zehn im Monat, mehr kann und will ich nicht. Denn das Schreiben ist mir ja das Wichtigste und dann habe ich auch noch Familie und einen Beruf. Jetzt gibt es aber so viele Bücher und so viele offene Bücherschränke und wenn ich auch nicht extra hingehe, komme ich doch mehrmals in der Woche vorbei, wenn ich Einkaufen oder ins Literaturhaus gehe und dann bleibe ich stehen und finde meistens etwas.
Der in Margareten ist ja sehr oft sehr gut gefüllt, weil in diesen Bezirk offenbar bibliophile Menschen wohnen, die sich auch gern von ihren Büchern trennen und wenn ich dann Paula Köhlmeier oder Marlene Streeruwitz finde, kann ich nicht widerstehen und da ich auch einige Rezensionsexemplare angefordert haben, um auch ein bißchen aktuell zu lesen und einiges so bekomme, ist meine Leseliste für 2012 schon ziemlich aufgefüllt. Zu Weihnachten und zum Geburtstage wünsche ich mir auch meistens drei aktuelle Bücher und da habe ich jetzt alles vom vorigen Geburtstag und von vorigen Weihnachten aufgelesen. So daß ich meine Liste bald wieder abwärts lesen kann. Aber für Harland brauche ich eine eigene Leseliste und da hat mir der Alfred, war es jetzt noch im Dezember oder schon im Jänner vom Thalia-Abverkauf fünf Bücher gekauft, die ich jetzt auch auf die Liste gesetzt habe. Die werde ich dann im Sommer lesen und wenn ich im Herbst wieder nach Wien zurückkomme, kann ich ja vorsichtig mit den 2014 Büchern anfangen, weil ich das, was ich nicht auf die Liste schreibe, kaum lesen kann, also nicht ansammeln sollte!
Es gibt aber auch immer wieder tolle Abverkäufe, wie beim Morawa oder auch in der Buchhandlung Kuppitsch und da denke ich mit Recht, wenn ich da nicht zugreife, bekomme ich das Buch nicht mehr. Es ist also schwierig sich als Bibliophile zu begrenzen und darüber ist es jetzt auch bei der Klappentexterin geschrieben, daß sich die Leute bei ihr über ihre Buchempfehlungen beschweren.
Wann soll ich das alles lesen? Wenn man will, bringt man schon einiges zusammen. Ich bin auch sehr diszipliniert und konsequent und freue mich wirklich über die vielen schönen Bücher, die ich umsonst bekomme und die ich für ein Geschenk des Himmels betrachte und natürlich auch über die dreißig oder einunddreißig eigenen, die ich höchstwahrscheinlich bald haben werde.

Brave Mädchen morden nicht

Weiter geht es mit den Krimis aus dem Kehrwasser Verlag. Da habe ich ja zwei zugeschickt bekommen und bei “Brave Mädchen morden nicht” von Thomas Hartl, handelt es sich um einen “ziemlich harten Justiz-Krimi, von einem geschrieben, der das Milieu sehr gut kennt.
Dabei fängt alles wieder eher harmlos an, ein Mann verläßt seine Freundin nach einer intensiven Liebesnacht und schiebt ihr ein Briefchen durch die Tür, sie soll ihm am Abend mit einem Bier und einer Decke an der Mörderbrücke erwarten, denn da wurde eine Frau ermordet und Tom soll der Täter gewesen sein, hat aber von Linda, einer zwanzigjährigen Kellnerin ein Alibi bekommen, seither sind sie befreundet und am Abend geht Tom in Lindas Wohnung, wird aber von einem Rechtsfanatiker erwartet, der als Herr Rat angesprochen werden will und ihn ermordet und während Linda an der Brücke auf ihn wartet, schlägt sie einen Obdachlosen eine Bierflasche an den Kopf und geht nach Hause um sich auszuschlafen. Sie betrinkt sich auch dabei und wird am Morgen von der Polizei geweckt, die alles bei ihr findet Blutspuren, etc. So kommt es zu einem Mordprozeß und Linda wird für den Mord ihres Freundes verurteilt, als das geschehen ist, kommt der Richter zu ihr und flüstert ihr etwas ins Ohr, daß sie ihrer Strafe nicht entgehen wird und sie entwedet der Polizistin die ihr Handschellen anlegen will, die Pistole, nimmt einen Journalisten als Geisel und flieht mit ihm durch den Kanal. Der Journalist, ein Gelegenheitsschreiber namens Markus Wolf, der schon ein paar unverlangte Romane geschrieben hat, wittert seine Chance und bringt sie zu seinem Freund Joe, der eine Szenelokal betreibt, der vermittelt sie in eine Jagdhütte und wird ebenfalls ermordet und die Zeitungen sind voll von Sensationsartikel über die schöne Mörderin, vor der niemand sicher ist. Wolf macht sich indessen zu ihrem Verteidiger auf und beschattet mit ihm den Richter, den sie verdächtigen und der im Wald in einem Stollen, eine andere Geisel gefangen hält, hier entgleitet der Roman etwas und die Spannung läßt nach, werden doch sowohl der Verteidiger als auch der Journalist von dem Richter gefangen genommen und zu einem Geständnis erpresst, am Schluß siegt aber doch die Gerichtigkeit, Wolf kann seinen Bestseller schreiben, bekommt die schöne Frau, die doch unschuldig ist und hat auch den fanatischen Richter gerichtet.
Spannend dieser Insiderkrimi, der viel vom Gerichtsleben erzählt, denn der Autor Thomas Hartl ist gelernter Jurist, hat seinen Beruf aber längst an den Nagel gehängt und ist seiner Berufung dem Schreiben gefolgt. Spannend auch was alles an spannenden Themen in kleinen Verlagen oft sehr unbemerkt erscheinen kann und noch mals spannend wie viele Leute schreiben und was und wie man sich alles ausdenken kann.

Die sieben Raben

“Wiege das Versagen auf! Entwirre die korrupten Zusammenhänge mit einem Wunder”, steht auf der Rückseite der “Sieben Raben” von Johanna Tschautscher, 2007 bei Albatros erschienen, die damit, glaube ich, mit der Hörspielfassung auch unter die besten Hörspiele gekommen ist.
Und es beginnt mit einem Märchen, dem Märchen, der sieben Raben, wo der Vater die Brüder für die Nottaufe der Schwester um Wasser schicken, die verschütten es, der Vater verwünscht die Brüder in Raben, die Schwester strickt dann Hemden und schweigt um sie zu erlösen.
Das hat man wohl der kleinen Giovanna oder Savariella, wo da der Unterschied liegt, habe ich nicht ganz verstanden, aber das Buch ist sehr rasant geschrieben und bietet sehr viel Inhalt an, dem man gar nicht so leicht folgen kann, als sie mit ihren Eltern in Florenz aufwächst, so vorgelesen. Dem Vater, der aus Sizilien von seiner Mafiafamilie dorthin geschickt wurde, um die Gelder reinzuwaschen und die Mutter, die seit zwei Seitensprüngen, im Rollstuhl sitzt. Mit dem schiebt der Vater Sonntags die Mutter durch die Stadt und die kauft der kleinen Tochter dann zwei Grillen, die sie in einem Käfig sperrt, traurig ist, daß sie nach ein paar Tagen sterben, vorher hat sie sie ihren Puppen vorgestellt. Der Dame Papagei und der Dame Regenschirm. Die hat die Mutter ihr genäht, die in Sizilien Gambe spielte, dann hat man ihr diese aber gegen eine Nähmaschine eingetauscht, sie verheiratet und gesagt, daß sie, solange ihr Mann studiert, nähen müße, um sein Studium zu verdienen.
päter diktiert der Vater alles der größer gewordenen Tochter. Da tauchen auch die sieben Söhne auf, die offenbar in Sizilien geblieben, die Mafiastruktur fortführen, aber einer, Antonino taucht immer vor der Gartenpforte auf und hält einen Frosch in der Hand.
Träume und Realität wird in dem Buch ja lustig durcheinandergemischt, das in seinem ersten Teil sehr stark und beklemmend an die Romane Moravias erinnert. Da rauben und stehlen die Männer ja auch für ihre Frauen, um ihnen Schmuck zu kaufen, mit denen sie sich dann schmücken. Und als Savariella achtzehn ist, geht sie mit ihren Eltern in ein Konzert, dort bekommt sie Blumen von einem Bankdirektor, der wie sich herausstelt, ihr Vater ist, ist sie blond und nicht schwarzhaarig, wie die Sizilianer. Später wird sie dessen Chauffeurin, studiert aber nebenbei noch Kunstgeschichte und der Sekretär des Direktors scheint sich auch in sie zu verlieben. Der Bankdirektor reist ab, steckt Siavorella aber vorher einen Scheck in die Tasche, wo schon die Abschriften des Vaters stecken und sie geht nach Haus. Dort trägt man drei Leichen heraus. Hat es doch einen Brand gegeben, den offebar Antonino gelegt hat und die dritte Leiche ist Savariella selbst.
In Teil zwei reist sie nach Sizilien, springt auf die Fähre und erlebt dort Sachen, wo ich, die ich ja auch einmal eine Reise nach Sizilien und eine Überfahrt beschrieben habe, nur neidisch werden. Es kommt zu einem Überfall. Zwei Männer springen ins Wasser und werden getötet und Savariella wird von einem ihrer Brüder Pietro, der ein Marionettenbauer ist, gerettet und in ein Haus gebracht. Dort erfährt sie etwas von den Geschäften der Brüder. Antonino schmuggelt Rauschgift über Schafsdärme und zum Organhandel werden Asiaten in das Land gebracht. Ein Rumäne namens Karatsch taucht auf, an dessen Tankstelle Sivariella bedienen soll. Sie kommt dann auch in eine Pizzeria und muß der Hure, die dort arbeitet, das Essen servieren.
Dann taucht noch ein Staatsanwalt auf, der offenbar das zweite uneheliche Kind der Mutter und der Bruder Savariella ist. Dichtung und die Wahrheit werden in diesem Buch rasant durcheinader gemischt und der Leserin raucht der Kopf und sie kennt sich nicht immer aus.
Dann gibt es den letzten, sehr kurzen Teil und da wird die Geschichte wieder etwas zurückgedreht, denn Teil zwei war offenbar nur ein Traum. Wir befinden uns wieder vor oder auf der Fähre. Savariella trägt den zerknitterten karierten Rock und die weiße Bluse, mit denen sie vor ein paar Wochen oder waren es Tage, vor dem Haus der Eltern stand, als ihre Leiche hinausgetragen wurde und der Sekretär des Bankdirektors steht neben ihr, erklärt, daß er ihr Verlobter ist und sie unterschreiben soll, daß zwei Männer aus der Fähre, auf die sie aufgesprungen ist, ins Wasser gefallen sind. Auf der Fähre sieht man auch die Schafe und die geschmuggelten Asiaten, die jetzt wieder in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden und Savariella hat den Staatsanwalt, der auch dort ist, das Leben gerettet, in dem sie ihn in das Auto des Bankdirektors stieß und dieses zu Schrott fuhr.
“Unterschreib!”, drängt Camillo, dann kommt es aber doch zu einer Begegnung mit dem Staatsanwalt, der sie als seine Schwester erkennt und der die mafiaösen Zustände aufklären soll und will und am Schluß taucht noch ein Beamter auf.
“Signorina, würden Sie uns ein paar Fragen beantworten?”
Der Beamte öffnete die Türe des Wagens. Das Auto war leer!”
Wirklich sehr phantastisch der Roman, der 1968 geborenen Johanna Tschautner, die im Vorjahr in die GAV aufgenommen wurde, zu phantstisch vielleicht, wie ich einigen Reaktionen entnehmen konnte. Im Vorjahr habe ich schon “Jeanne d`Arc beendet den heiligen Krieg” , gelesen, den mir Walter Bavo auf der Buch-Wien 2010, mit einigen anderen seiner Verlagsproduktionen zur Verfügung stellte und ich bleibe auch nach diesem Buch, sehr beeindruckt, wenn auch ein wenig hilflos zurück. Denn es stimmt ja, daß man mit der Phantasie zwar manches beschreiben, aber die Wirklichkeit nicht verändern kann.

Osterspaziergang, etwas windig

Das die Osterferien herangebrochen sind, hätte ich in meinem Vorausberichterstattungsstreß, zweieinhalb Buchrezensionen warten auf die Veröffentlichung, jetzt fast übersehen. Aber natürlich sind wir nach Harland gefahren und am Montag gibt es noch drei Tage in Wien, habe ich ja am Mittwoch um 20:12 im El Speta eine Lesung und der liebe Rudi hat mir dazu in letzter Minute noch ein paar sehr schöne Karten geschickt. Leider kann man die auf seinen Blog nicht sehen, aber ich verlinke einmal und lade noch einmal, die, die am Mittwoch in Wien sein sollten, zu der Lesung herzlich ein und in St. Pölten gibt es ja am Palmsamstag den traditionellen Osterspaziergang der literarischen Gesellschaft und dazu kann ich auch verlinken, denn da war ich schon einige Male. Einmal,ich glaube, es war das berühmte Jahr 2000 oder 2001, ging es mit Alois Eder die Traisen entlang. Ich las aus der Viertagebuchfrau. Da geht es ja um Ostereier, um blaue und um grüne und zum Abschluß ins Bootshaus an der Traisen. Dann das war wahrscheinlich 2008, ging es in den Kaiserwald und ab da immer um den Viehofnersee mit Lesungen und dem berühmten Picknick respektive Eierpecken. Ich bin da immer mitgegangen und seit es das Literaturgeflüster gibt, gibt es auch einen Bericht. Gelesen habe ich auch immer etwas. 2008 mein “Harland- Stadt”, aus den Best off II Geschichten, weil ich ja den St. Pölten Bezug suche und da ist Manfred Wieninger sicherlich ein Anhaltungspunkt und der hat ja jetzt ein neues Buch, da geht es zwar nicht über die Zwangsarbeiter in Viehofen aber um das Massacker in Hofamt Priel und das habe ich schon besprochen. Dann habe ich das letzte Jahr meinen Brief an den Bürgermeister bezüglich der Frequency gelesen, die Führung aus der “Reise nach Odessa”, denn das hat einen Bezug zu den Sladky-Wanderungen und dann noch eine Szene aus dem “Haus” nämlich den “Hochschwabblick”. Diesmal hatte ich auch nichts über Ostern und nichts über St. Pölten, mir aber die “Taubenfütterszene” aus der “Absturzgefahr” vorbereiten und wer vorher einen Schreibbericht von mir hören will, bitte sehr. Es gab diese Woche ja einen wahren Veranstaltungsmarathon und dennoch trotzdem war ich sehr fleißig. Zwar nicht bezüglich der “Frau auf der Bank” oder doch, denn da finde ich lustig Fehler um Fehler und das Fehlerteufelchen grinst sich ein hinein und sagt “Wird noch nichts mit Buch 29, aber das macht ja gar nichts, weil das ohnehin keinen interessiert!”
Dafür wächst die Paula Nebel, obwohl ich da, ich gebe es zu, für meine Kritiker, ein wenig ins Blaue schreibe, habe aber inzwischen elf Szenen respektive 15 505 Wörter und wem es interessiert, weil ich im Literaturgeflüster wegen der Rezensionen und der Veranstaltungsberichte nicht dazu gekommen bin, ich habe auf Thomas Wollingers Blog, der ja auch gerade am Neubeginn steht und seine berühmten Schreibtips gibt, gelegentlich über meine Fortschritte berichtet und da ist ja interessant, was herauskommt, wenn man sich Etappenziele setzt. Daß ich mit der Paula Nebel, diesen schönen Namen, der mir einmal eingefallen ist, das Leben einer neunzigjährigen Frau beschreiben wollte, war ja bald klar, die ihren Haushalt macht, ihre Bücher liest und sich langsam aus diesem Leben verabschiedet, so wars geplant. Dazwischen funken ihr ihre oder meine Fälle durch den Kopf, denn sie war ja Psychologin und hatte 1942 Pech, weil die Fürsorge der Studentin das neugeborene Kind wegnahm und auf den Spiegelgrund steckte und dann hat sie im Institut für Erziehungshilfe mit Schulverweigern gearbeitet und als ich einmal im Kino war und da ein junges Mädchen eines Morgens ihre tote Großmutter aufwecken wollte, ist mir das auch noch eingefallen. So weit so gut, damit kann man herrlich eine Demenz beschreiben, aber dann tauchte eine dreizehnjährige Romni namens Sofia auf, fragt, ob sie bei Paula wohnen kann und will in die Hauptschule gehen und den Herrn Hans, einen gemobbten Hausmeister eines Studentenheims, der Paula beim Tragen ihrer Einkäufe hilft, hatte ich auch schon. Inzwischen ist Sofia bei Paula eingezogen, sie macht ihr und Herrn Hans Palatschinken und am Sonntag kommt der Enkel Rainer, der in der Klinik auf einen Ausbildungsplatz wartet oder schon bekommen hat, zu Besuch und wird sein Schnitzel essen. Alles vielleicht eher für ein Jugendbuch und wieder nicht sehr abgehoben, die Tagespolitik und der HAIE, der die Nachrichten kommentiert, soll ja auch seine Rolle spielen und dann wache ich am Morgen auf und höre im Journal in Tirol dürfen die Kinder nicht mehr aufs Gymnasium gehen, weil das die Bürgermeister verhindern, denn die ÖVP will ja kein Auslaufmodell aus der Hauptschule machen, also wird ein Kevin von seiner Mutter nach Wien geschickt und mit dem wird dann vielleicht die Paula lernen. So weit, so gut und spannend. Das schreiben geht sehr gut. Schade, daß sich niemand dafür interessiert und aufs Literaturgeflüster so wenig konstruktive Rückmeldung kommt. Da denke ich immer, ich sollte etwas machen, aber mehr als ein paar Fotos hineinstellen bzw. Artikel schreiben fällt mir nicht ein und so bin ich, als ich Szene elf geschrieben hatte, auch mit der “Absturzgefahr” zur Seedose aufgebrochen und weil der Himmel sehr bewölkt und es sehr windig war, gab es eigentlich keinen Osterspaziergang, sondern eine Einkehr in die Seedose, wo wir vorne einen großen Tisch besetzten und durch eine Glaswand eine Geburtstags oder andere Feier beobachten konnten, wo junge Familien mit ihren Kindern, Blumen und Kuchenblechen hineinströmten und Sekt serviert wurde. Wir haben gelesen. Ingrid Reichel hatte Sybille Lewitscharoffs “Blumenberg” mit, weil sie ihre Sprache mag und Eva Riebler zwei Bücher, die sie eigentlich wegwerfen wollte, aber vorher las sie ein paar Geschichten übers Glück daraus und der Herr Prof. hatte etwas Lustiges übers Knochensammeln. Ein jüngerer Mann las das Vorwort zu seinem Theaterstück, wo es ums “Weiße Rössel” geht und ein anderer Universitätsprofessor hatte vier Gesänge zur Nacht.
Ich kam mit meiner Taubenfütterszene als letzte dran, den Kakao hatte ich mir schon vorher bestellt und ausgetrunken und nachher gab es zwar kein Picknick aber das Osterpecken im Lokal, das heißt Ostereier, Salz und etwas Brot dazu und Wein konnte trinken, wer gerade ein Glas vor sich stehen hatte, war aber trotzdem interessant und ein paar Frühlingsblumen habe ich bei der Rückfahrt auch gefunden.

Schreibe ich Deutsch, tröste ich die Falschen

Ein Symposium zum fünfundsiebzigsten Geburtstag von Elazar Benyoetz, der 2010 den Theodor Kramer Preis bekommen hat, in der Gesellschaft für Literatur. Um fünfzehn Uhr dreißig hat es angefangen und als ich den zweiten Stock gekommen bin, standen die älteren Herren schon im Vorraum, um ihre Vorträge zu besprechen. Waltraud Seidlhofer und Gregor M. Lepka saßen im Vortragssaal und begrüßten mich sehr freundlich und das Buffet, das es später geben sollte, wurde auch schon vorbereitet. Vorläufig stürzte ich mich wieder auf den Büchertisch, um nachzusehen, was ich am Dienstag übersehen habe. Den Erzählband von Nicole Makarewicz vielleicht, die ich bei der Texthobellesung vor einem Jahr im Cafe Anno kennenlernte, aber auch ein in der Editon in der Provinz erschienener Roman von Hermann Gail.
Das Kennzeichen der Bücher auf dem Büchertisch war überhaupt die kleineren bin Kleinstverlage, von denen ich ja irgendwie bezweifle, ob sie wirklich besser, als mein Selbstgemachtes sind.
Auf jeden Fall irgendwie unverkäuflich und ob ich zum Lesen kommen, wird sich weisen, momentan sitze ich ja über unverlangt Zugesandten oder Angebotenen und bin da ein bißchen unter Druck, weil ich ja meine Leseliste nicht sprengen will.
Der Vortragsraum in der Gesellschaft für Literatur begann sich aber zu füllen, eine Dame machte einen wichtigen Eindruck und wies den Festgästen ihre reservierten Plätze zu und Marianne Gruber sollte später “Gnädige Frau” zu der Begleitung des Dichters sagen. Ansonsten Bernhard Fetz, Franz Josef Czernin, Daniela Striegl, alles was Rang und Namen hat im Literaturbetrieb und in der ersten Reihe sitzt, neben mich setzte sich ein ehemaliger PEN-Präsident namens Fischer mit einem gestreiften Sacco und hinter mir waren einige ältere Herren, die auch einen sehr wichtigen Eindruck machten.
Elizar Benyeutz oder Paul Koppel ist 1938 mit seinen Eltern aus Wiener Neustadt nach Israel emigriert, Rabiner geworden und hat, wie er später sagte oder schon in Krems erwähnte, 1960 die deutsche Sprache wieder für sich erobert und in dieser zu schreiben begonnen. Er schreibt Aphorismen und die drei Festvorträge, ein vierter ist ausgefallen, hatten alle einen religiösen Bezug.
Werner Helmich aus Graz hat “Mit der Wahrheitsarbeit – ein Tauchvorgang in die Poetik von Elizar Benyoetz” begonnen, dann kam ein Prof. Langer vom jüdischen Institut mit “Das Werk von Elizar Benyoetz im Licht von Midrasch und Talmud” und ein christlicher Theologe Josef Wohlmuth “Rede und Gesang – Elazar Benyoetz als poetischer Interpret der Tora” folgte. Dann gab es eine Danksagung des Dichters, in dem er einiges aus seinem Leben erzählte. Marianne Gruber, die gekonnt moderierte, dankte und auch ein paar Aphorismen folgen ließ.
Dann gab es ein Buffet, dieses Mal ein wirklich gutes, mit jeder Sorte Brötchen “Ist das koscher?”, fragte mich eine Frau. Ich hätte eher auf vegetarisch getippt. Nämlich getrocknete Tomaten und Gurkenscheiben, aber auch Käse und Schinken und dann noch sehr viel Süßes, Himbeerschnitten, Apfelkuchen etc und das alles war nur der Vorgeschmack. Denn um neunzehn Uhr folgte ein Archivgespräch in der österreichischen Nationalbibliothek, mit einleitenden Worten von Johanna Rachinger und Berhard Fetz, einer Lesung von Elizar Benyoetz und einem Gespräch zwischen Daniela Striegl mit Franz Josef Czernin und Werner Helmich. Klavierbegleitung von Paul Gulda.
Das wird jetzt wahrscheinlich beendet sein und es wurde auch wieder Wein und Gebäck serviert, aber ich habe seit einiger Zeit ja eine fixe neunzehn Uhr Stunde und übersehen, daß es auch das Supervisionstreffen gab und in der Alten Schmiede hat Karl Markus Gauss sein neues Buch “Ruhm am Nachmittag” vorgestellt.

Von den Kommunisten in Ravensbrück

Als ich bei der Buchvorstellung von Emily Waltons “Mein Leben ist ein Senfglas”, war, bin ich durch einen Folder aufmerksam geworden, daß am 28. 3. Susanne Ayoubs bei Braumüller erschienener neuer Roman “Das Mädchen von Ravenbrück” vorgestellt wird. Susanne Ayoub ist für mich ja keine Unbekannte. Im Dezember war ich bei ihrer Adventlesung im der städtischen Bücherei Pannaschgasse und bei der Ö1 Hörspielgala habe ich sie auch gesehen. Gelesen habe ich ja nichts von ihr, zumindestens keine Romane, war aber bei der Buchpräsentation von “Engelsgift” in der Buchhandlung Thalia und dann liest sie ja auch öfter bei “Rund um die Burg” oder ich sehe sie auf der Buch-Wien.
Diesmal war nicht nicht so früh daran, bin aber auch über keine Buchabverkaufskisten gefallen, die waren schon weggeräumt, dafür winkte mir eine von Lesefrauen aus dem Lift entgegen und ein paar ältere Dame versperrten mir auf der Terppe in den ersten Stock den Weg. Dann war alles besetzt und ich mußte eine Weile suchen oder fragen, bis ich einen Platz fand, dafür stupste mich die Hilde Langthaler gleich an, die mit Susanne Ayoub befreundet scheint, beziehungsweise oft zu ihren Lesungen geht. Ein paar bekannte Gesichter, aus dem Lesetheater, Anita C. Schaub, etc und die einleitende Buchhändlerin erklärte, daß Susanne Ayoub ein gern gesehener Gast in der Buchhandlung ist und schön öfter ihre Bücher dort vorstellte.
Alfred Hrdlicka war Pate für das Buch, erklärte Susanne Ayoub in ihrer Einleitung und, daß sie einen dokumentarischen Roman geschrieben hat, weil es diese Leni, die mit sechzehn in das KZ Ravensbrück verschleppt wurde, offenbar wirklich gab, sie aber die Romanform wählte, weil sie dadurch mehr Leser erreicht.
Dann hat sie begonnen, mit der Geschichte der Sechzehnjährigen, die im zehnten Bezirk aufgewachsen ist, 1934 geboren, 1942 wurde sie verhaftet, weil sie in ihrer Wohnung einen Abziehapparat versteckte, weil ihre Mutter Kommunistin war und sie scheint irgendwie in den Widerstand hineingekommen und dann hat sie in der Nacht in der Gefängniszelle geweint. Ein Herr namens Schiller hat sie dort vernommen oder verprügelt, so daß sie sich eine Kunstfigur ausdachte, einen Kommunisten, der sie verführte und der Herr Schiller begann zu strahlen und nach ihm zu suchen. Ein Nachbar vernadert sie und sie wird zu zwei Jahren verurteilt, kommt in eine Erziehungsanstalt und dann nach Ravensbrück und nach 1945 wankt sie heim nach Wien, wird von der Schaffnererin von der Straßenbahn vertrieben, weil sie kein Geld für einen Fahrschein hat und niemand von den Nachbarn scheint auf sie zu warten. Dann trifft sie aber doch auf ihren Vater, holt ihm, als es das wieder gibt, Bier vom nächsten Gasthaus, meldet sich freiwillig bei den Trümmerfrauen und beginnt sich zu verlieben…
Susann Ayoub hat sehr viel gelesen, was mir besonders gefallen hat, daß sie den Dialekt des zehnten Bezirks, den es vielleicht gar nicht mehr gibt, sehr gut getroffen hat.
“Gemma, gemma!” und die Leni holt das Reindl mit den Mohnnudeln, als sie ein anderer KZ Überlebender besucht.
Susanne Ayoub hat auch die Solidarität gelobt, die damals bei den Frauen entstanden ist und oft ein Leben lang angehalten hat.
Nachher gab es wieder Wein und das gute Brot mit den Nüssen, den Karotten oder Schinkenstückchen, ich habe mich mit Richard Langthaler und Anita C. Schaub unterhalten, die meinte, daß das Thema nicht mehr neu ist.
Stimmt, da gibt es schon sehr viele Bücher, ich habe vor kurzem auch ein solches gelesen. Aber trotzdem interessant und leicht zu lesen, leichter als die Jelinek wahrscheinlich, wie Richard Langthaler meinte. Wieder wahr wahrscheinlich und in der Buchhandlung lagen auch die meisten Bücher auf über die ich in den letzten Tagen gestolpert bin, Emily Waltons “Senfglas”, Cornelia Travniceks “Chucks”, aber auch “Schimons Schweigen”, “Ich nannte ihn Krawatte” etc.

Veröffentlichtes und Unveröffentlichtes von Julian Schutting und Marianne Gruber

Neue österreichische Literatur in der Herrengasse, nämlich die Präsentation des neuen Buchs von Julian Schutting “Theatralisches” und dann noch eine Lesung aus einem Work in Progress von Marianne Gruber.
Als ich in den zweiten Stock kam, war die Gesellschaft für Literatur noch ziemlich leer, nur Ingeborg Reisner kauft gerade das Buch am Büchertisch und da ich bei einer Schutting Lesung schon einmal ganz hinten gestanden bin und dann noch von Edith Ulla Gassner gemahnt wurde, mich nicht vorzudrängen, war das ganz angenehm, seine Jacke in die zweite Reihe zu deponieren und dann an dem Tisch zu schmökern, wo es ein Sparschwein und einen ganzen Haufen Bücher, zu entnehmen gegen eine freie Spende gab, so daß ich mit Inge Reisner raten konnte, welche Autoren wir kennen und ich kenne ja nicht zu wenige davon. Peter Campa zum Beispiel und dann gab es “Damals und dort” von Reinhard Wegerth, den ich schon einmal um das Buch gefragt habe, einen alten Gedichtband von Waltraud Haas, ein Ritter Buch von Karin Ivancsics und dann “Ein besonderer Mensch – Erinnerungen an Hermann Hakel”, einer der literarischen Förderer, der Fünfziger und Sechzigerjahre und temporärer Ehemann der Erika Danneberg.
Mit einer Tasche voller Bücher also in den Saal gegangen, wo immer noch sehr wenige Leute waren, aber Angelika Kaufmann, Gabriele Petricek, Christl Greller waren da, ein paar ganz junge Leute und ein paar ältere Paare. Ein paar der alten Damen blätterten in dem Schutting Buch, dann erschienen Julian Schutting und Marianne Gruber, die sich offenbar eine Begrüßung im Duett ausgedacht hatten, die etwas mißlang, weil gerade das Mikrophon einen Quitschton abgab und dann begann Marianne Gruber mit ihrem Work on Progress, einer unveröffentlichten Erzählung mit dem Titel “Die Bombe”, bei der sie, wie sie erzählte, sich nicht entscheiden konnte, ob sie die Heldin überleben oder sterben lassen soll und dann wird es nicht fertig. Es ging um eine Fotografin, die offenbar einen Anschlag in London überlebte und dabei das Gedankenlesen lernte, jetzt kann sie in die Zukunft sehen, wenn sie den Menschen ins Gesicht schaut und das soll ja nicht gut tun und den CIA oder FBI hat sie sich dadurch auch auf den Hals gehetzt und weil sie einiges aus ihrer Jugend klären will, weiß Marianne Gruber nicht, wie sie die Geschichte ausgehen lassen soll?
Marianne Gruber, die Leiterin der Gesellschaft für Literatur, hat ja, glaube ich, noch ein fertiges Werk, nämlich ein bei Haymon erschienenes Buch “Erinnerungen eines Narren”, das demnächst in der Alten Schmiede vorgestellt wird und ist sicher eine interessante Schreiberin. Hat sie ja Kafka fertig oder umgeschrieben und ich kenne sie, weil sie diesen Wettbewerb zum nicht -rollenspezifischen Kinderbuch “Mädchen dürfen pfeifen Buben dürfen weinen”, aus der Ära Dohnal, dem Staatssekretariat für Frauenfragen, damals auch gewonnen hat und ich kann mich erinnern, daß sie mir, als ich sie damals bei irgendeiner Präsentation getroffen habe, Veröffentlichungstipps gegeben hat. Einige Bücher hat sie geschrieben, ich glaube eines heißt “Die gläserne Kugel” und ich habe es mir in den Achtzigerjahren gekauft und gelesen und dieser Text war erstaunlich lakonisch und erstaunlich realistisch und birgt, wie offenbar in vielen Gruber Werken interessante Fragen, was ist, wenn ich in die Zukunft schauen kann, kann ich dann überleben oder geht es mir dann eher schlecht?
Julian Schutting folgte und las im Duett mit einer Dame theatralische Gesänge um den Liebestod der Königin Dido. Ich kenne mich in der griechischen Mythologie ja nicht aus, aber Julian Schutting hat auch noch die Nibelungen hineingebracht und ich glaube noch ein paar andere neuzeitliche Anspielungen und hatte dann noch eine Glosse über die Intelligenztests “Streichen Sie heraus, was nicht in die Reihe passt, Löwe, Tiger, Büffel, Adler”.
Adler würde ich sagen, aber Julian Schutting hatte eine ganze Reihe von Voschlägen, was und wie und warum, die wahrscheinlich eine großes bürgerliches Wissen erfordern und das neue Buch enthält noch ein paar andere Stücke, wie er statt der Diskussion erzählte, unter anderen geht um um die Logik und die Mengenlehre und daraus hat er in Tirol gelesen, aber in diesem Rahmen nicht.
Ich habe ja schon vor eineinhalb Jahren ein bißchen über Julian Schutting geschrieben und auch die Bücher aufgelistet, die ich von ihm gelesen habe und so war es ein sehr interessanter Abend und ich habe jetzt wieder Lesestoff in Hülle und in Fülle und muß nur das Rätsel lösen, wie ich das alles am besten bewältigen soll.

Vladimir Vertlib in der Alten Schmiede

Auf die Vorstellung von Vladimir Vertlibs neuen Roman “Schimons Schweigen” Montagabend in der Alten Schmiede, habe ich mich sehr gefreut, denn den 1961 in Leningrad geborenen, der mit seiner Familie 1971 mit einigen Zwischenstationen nach Österreich kam und seit 1981 hier seßhaft ist, kenne ich spätestens seit seinem Roman “Zwischenstationen” und persönlich habe ich ihn, glaube ich, kennengelernt, als er 2000 einen Würdigungspreis bekommen hat und den mit einer Rede gegen schwarz-blau, das gerade regierte einleitete und aus dem Roman “Das besondere Gedächtnis der Rosa Masur” hat er, glaube ich, bei einem Zwischenwelt-Verlagsfest in einer Kirche am Mexikoplatz gelesen. Den Roman habe ich mir zum Geburtstag schenken lassen und gelesen und bei “Rund um die Burg” habe ich ihn auch einmal lesen gehört, da hat er eine Geschichte gelesen, wo einer, der in einem Flugzeug zu lang aufs Klo geht, des Terrorismus verdächtigt wird, im Literaturhaus habe ich ihn einmal nach den jüdischen Begräbnisritualen gefragt, die ich ja für meine “Wiener Verhältnisse” brauchte und als in der Alten Schmiede das Grundbuch “Die Tante Jolesch” vorgestellt wurde, hat er auch gelesen, bzw. eingeleitet.
Vladimir Vertlib, der viel in Europa herumgekommen ist, in mehreren Ländern lebte und Volkswirtschaft studierte, bevor er Schriftsteller wurde, hat so seine Themen, ich schätze ihn als sehr ernsthaft und gewissenhaft ein. Er ist auch mit einem großen Rucksack in die Alte Schmiede gekommen und “Schimons Schweigen” scheint, wie “Zwischenstationen” sehr autobiographisch zu sein oder damit zu spielen. Zumindest hat Cornelius Hell so eingeleitet und die Biografie des Autor, wie oben beschrieben, aus dem Buch gelesen, danach gesagt, daß er den Satz vergessen hat, daß einer ein zusammengefaltetes Papier aus der Brusttasche zog, das dann tat und weiterlas, denn in “Schimons Schweigen”, bei Deuticke erschienen, deshalb bin ich auch neben Martina Schmid und wahrscheinlich der anderen Verlagscrew in der ersten Seitenreihe rechts gesessen, vor Claudia Erdheim und Helene Hofmann und einer Schulklasse, geht ein österreichischer Autor russisch jüdischer Herkunft nach Israel auf Lesereise, liest dort aus einem gleichnamigen Roman und in den Stellen, die gelesen wurden, geht es sehr deutlich und sehr realistisch zu. Der Humor und die Dialoge wurden gelobt und beides ist sehr direkt ausgefallen. Die Praktikantin aus Kärnten warnt vor den scharfen Worten des Moderators, der im Rollstuhl fährt, eine der Veranstalterinnen kommt zu spät, ein paar alte Damen blättern in dem Buch des Autors und der Moderator will von ihm wissen ob er noch normal ist oder nicht? Eine sehr direkte Lesungseinleitung, dann kam ein Stück aus der Vergangenheit, nämlich aus dem Jahr 1985, wo der Autor noch Volkswirtschaft studierte bzw. eine Studienberatung betrieb, sich dafür einen Stempel besorgte am Flohmarkt und einer jungen Studentin, die frisch von der Knödelakademie auf die Uni kommt, eine Vorlesung bei Prof van der Bellen empfiehlt, wahrscheinlich auch sehr autobiografisch und der Schimon ist ein Freund des verstorbenen Vaters, der dreißig Jahre nicht mehr mit ihm gesprochen hat.
“Wenn Sie den Grund dafür wissen wollen, müßen Sie das Buch kaufen!”, wurde gesagt, der Autor fährt mit seiner Frau aber auf Lesereise nach Tel Aviv und dann mit einer Cousine seiner Mutter bzw. deren Tochter, in den Vorort, in dem er kurz als Kind gelebt hat und zur Schule gegangen ist.
In der Diskussion wurde auch das Thema Autobiografie besprochen und vielen Sätze, die glaube ich, auch in dem Buch stehen, wie, mit der Fiktion ist man nackter als wenn man nicht erfindet und die Vermischung von Dichtung und Wahrheit wurde wieder mal erwähnt. Ich sage ja immer, es ist alles autobiografisch und alles gleichzeitig nicht und wurde deshalb auch schon angegriffen.
In Vladimir Vertlibs Romanen scheint sehr viel durcheinandergemischt zu sein und die Diskussion war auch sehr angeregt mit vielen Fragen aus dem Publikum.
Julya Rabinowitsch habe ich noch gesehen und wenn ich mich nicht irre, war es Mieze Medusa, die viele Fragen stellte und auch wissen wollte, wie gut der Autor Hebräisch spricht?
Ein interessantes Buch und eine interessante Neuerscheinung, die man lesen sollte, aber meine Leseliste ist ja schon sehr lang und so werde ich mich wahrscheinlich mit dem Hineinschnuppern begnügen, wenn das Buch nicht vielleicht doch einmal zu mir kommen sollte…

Mammons Fall

Jetzt kommt die Besprechung eines Wirtschaftskrimis mit höchst aktuellen Bezügen zu den diversen Schmiergeldskandalen, von denen man derzeit soviel in den Medien hören und lesen kann, nämlich “Mammons Fall”, von Diemar Gnedt aus dem Kehrwasserverlag, 2011 erschienen, ein Rezensionsexemplar, das zu mir gefunden hat und ein sehr interessantes Buch, auf das ich sonst wahrscheinlich nicht aufmerksam geworden wäre, denn ich interessiere mich ja für Wirtschaftskrimis und die Wirtschaftskrise interessiert mich auch.
“Ein packender Thriller, in dem die Grenzen zwischen Fiktion und aktueller politischer Realität immer mehr verschwimmen”, steht im Klappentext und das Buch ist in vier Teile gegliedert, die Überschriften wie “Heute”, “Vom Damals zum Jetzt”, Von einem Jetzt zum anderen” und dann wieder “Heute” tragen und das “All jenen Reportern in diesem Land, die ein Bollwerk bilden gegen Korruption, politische Willkür und Bereicherung im großen Stil”, gewidmet ist.
Wenn man sich durch das erste kurze Kapitel gelesen hat, beginnt es vergleichsweise harmlos. Da gibt es einen Broker namens Konrad Rappolder und der scheint fremdzugehen, bekommt aber, bevor er zu seiner Liebsten kommt, ein mysteriöses SMS “Glaubst du, daß du danach glücklicher bist?” und da es sich ein Broker nicht leisten kann, amoralisch aufzufallen, benützt er seine Polizeikontakte um herauszufinden, wer das unterdrückte Mail geschrieben hat?
Das war ein Psychiater namens Leopold Mayer, der bestreitet das und droht mit der Polizei, dann bekommt Rappolder aber einen Anruf, der ihn in das Haus des Psychiaters bestellt und dort wird dessen Frau erschossen und Rappolder flieht mit dem Psychiater auf eine Berghütte.
Dort stellt sich heraus, daß er einen Sohn bzw. eine Tochter namens Casper oder Cassie hat und der oder die hat das Asperger-Syndrom, daher das gesamte Wirtschaftswissen der Welt im Kopf und damit hat der gute Papa, einen Landesrat, offenbar FPÖ-Politiker erpresst. Der ist auch ein Kunde von Rappolder und da ist ein Geschäft in die Hosen gegangen. Es kommt aber noch bunter, nämlich Verbindungen mit Gasprom und Leitungen aus Asabaidshan und der Politiker hat auch noch einem Diplomaten Asyl gewährt, kommt einem alles ein bißchen bekannt vor. Jedenfalls wird auch der Psychiater erschossen, während Rappolder mit Cassie und ihrer Mutter nach Kroatien flieht, dort sowohl Beziehungen zu dem Mädchen aufnimmt, das ihn mit einem Seehund vergleicht, als auch mit dem Sekretär des Landesrat.
Seine Frau schickt ihm indessen einen Detektiven nach und der rettet ihn vor russischen Überfällen, die Russen kommen aber bis auf die Insel, so daß sich Cassie und Rappolder trennen müßen. Sein Chef schmeißt ihn hinaus und am Schluß, St. Pölten scheint in dem Buch eine wichtige Rolle zu spielen und der Landesrat dort politisch zu agieren, gibt der Chef Ingrid Thurnherr ein Interview im ORF, wo er das erfolgreiche Bankwesen erklärt und Cass sitzt einsam in den letzten schönen Spätsommertagen in Kroatien und wird von dem Detekiven Molina besucht.
Sehr spannend, wenn vielleicht nicht ganz leicht zu lesen, weil sich die Liebes- mit der Kriminalhandlung vermischt und sehr viel Wirtschaftseinmaleins ist auch dabei. Das scheint aber sehr aktuelle bzw. gut recherchiert zu sein, wie auch die Beschreibung des Asperger-Syndroms.
Dietmar Gnedt, der Autor, wurde 1957 in Steyr geboren, ist Schriftsteller, Bibliothekar und Sozialpädagoge, hat vier Romane veröffentlicht, mit Milo Dor zusammengearbeitet und lebt in Niederösterreich.

223 oder Das Faustpfand

“223 oder Das Faustpfand” – Ein Kriminalfall, bei Residenz erschienen, ist ein ungewöhnliches Buch von Manfred Wieninger, der sich ja schon lange mit den jüdischen Zwangsarbeitern in und um St. Pölten beschäftigt.
Beginnt es doch mit dem Tagebuch des dreizehnjährigen Gyorgy Stroch, das er am 28. August 1944 begann und geht dann zum sechzigjährigen Handelsvertreter Josef Bihari über, der seine Frau Roszi verloren hat und sich nach Wien zum freiwilligen Arbeitseinsatz meldet.
Vom zehnjährigen Tibor Yaakow Schwarz wird erzählt, der seine Füße wund und blutig gelaufen hat und dem Mediziner Henrik Weisz, der mit seiner Frau und seiner Schwester in Wien-floridsdorf zwangsverpflichtet war.
Sie alle werden im April 1945 in Richtung Mauthausen getrieben und landen in Persenbeug an der Donau in einem improvisiertes Lager, das dem Revierinspektor Franz Winkler unterstellt wird, der beschließt, es nicht bewachen zu lassen, so daß es Anfang Mai, als schon die Russen im Anmarsch sind, zu einem Massaker kommt und die Männer, die Frauen und die Kinder von der SS hinausgetrieben und bei Hofamt Priel erschossen werden. 223 Personen, neun, darunter Tibor Yaakow Schwarz und Dr. Weisz mit seinen Frauen überlebten und Manfred Wieninger, der den Toten Namen gibt und seinen Kriminalfall auch Eleonore Lappin- Eppel vom Institut für jüdische Geschichte in St. Pölten widmete, hat das alles sehr genau recherchiert und beschreibt penibel, wie die SS zu den Höfen ging, von einer militärischen Übung sprach und die, die vom Kartenspielen nach Hause gingen, gezielt wegsahen, um nichts zu sehen und zu hören.
Es gab aber auch einen Fotografen, der bei einem alten Ehepaar untergekommen war und am Morgen die Toten fotografierte und damit im Jahre 1948 zum Gericht ging und Anzeige machte. Vorher recherchierte der Revierinspektor, nahm von den Überlebenden Protokolle auf und ließ sich von den Zeugen genau beschreiben, was sie alles gesehen oder nicht gesehen haben.
Am Schluß des Buches wird beschrieben, was von den Akten verschwunden ist und die weiteren Lebensverläufe Tibor Schwarz, Dr. Weiß und des Revierinspektors angegeben und zuletzt werden noch die Quellen genannt, auf die sich Manfred Wieninger bezogen hat.
So hat Eleonore Lappin, die ich ja von einigen Sommerakademien kenne, über das Massaker von Hofamt Priel geforscht und Manfred Wieninger hat auch schon in der Zeitschrift Zwischenwelt, die ich zugeschickt bekomme und regelmäßig lese, 2010 über den “Revierinspektor Winkler und das absolute Böse” geschrieben.
“Ein kleiner Gendarm vor einem Berg von Toten. Revierinspektor Franz Winkler ermittelt auf verlorenen Posten zwischen den Fronten. Er gibt nicht nur den Tätern Namen, sondern auch den 223 Opfern in einem einzigartigen Fall der Kriminalgeschichte”, steht am Buchrücken.
Und von dem 1963 in St. Pölten geborenen und dort lebenden Manfred Wieninger habe ich schon einiges gelesen und gehört. Hat er ja auch andere Kriminalromane geschrieben, wo Marek Miert in der Stadt Harland ermittelt und sich in letzter Zeit, wie erwähnt, sehr viel mit den jüdischen Zwangarbeitern und dem Lager bei Viehofen beschäftigt.
Ein interessantes Buch mit einem sehr beklemmendes Stück Zeitgeschichte, das da vor kurzem erschienen ist und das, glaube ich, nächste Woche in St. Pölten präsentiert werden wird.