In “Heile, heile” von Kirsten Fuchs geht es wahrscheinlich ums Loslassen. “Liebeskummer, Lebenslust und eine bedrohliche Krankheit – Kirsten Fuchs erzählt vom Erwachsenwerden jenseits der Dreißig”, steht auf der Buchrückseite und mir ist wieder einmal “Da passiert ja nichts” oder “Das Leben mit oder ohne Ecken und Kanten” eingefallen. Denn eigentlich passiert in dem Buch sehr viel. Es ist aber das Alltagsleben, was da geschildert wird, fast ohne den üblichen Plot Anfang, Höhepunkt, Schluß und einen Spannungsbogen scheint es auch nicht zu geben. Wohl aber einen witzigen Ton, eine fast kindliche Art das Alltagsleben und die Sorgen des Erwachsenwerdens, um die Dreißig zu beschreiben, mit schönen Bildern und schönen Szenen. Da die Chronologie aber nicht ganz zu stimmen scheint, ist das Buch nicht so leicht zu lesen, pläterscht es doch so scheinbar naiv dahin und dann weiß man nicht genau, befindet man sich jetzt in der Gegenwart oder in der Vergangenheit.
“Es geht los und nicht, um anzukommen”, ist der erste Satz, bei dem man von der Reisekauffrau Rebekka erfährt, die ihren Adrian betrogen hat. Deshalb hat er ihr vorgeschlagen, die Beziehung zu beenden oder nur eine Gelegenheitsbeziehung zu führen. Sie ziehen beide jedenfalls um und Rebekka zieht zu Beginn des Buches auf den Flohmarkt, um ihren Adrian ein schönes Geschenk zu kaufen und entscheidet sich für ein Klingelbrett und einen Kalender aus dem Jahr 1976. Das war sie vier Jahtre alt und außerdem scheint sie entsetzlich an der Trennung von Adrian zu leiden und orientierungslos zu sein. So trifft sie ihre Freundinnen. Da gibt es Jette und Johanna. Jette hat Krebs und Johanna ebenfalls einen Freund auf den sie sich nicht verlassen kann, weil er in einer Beziehung lebt. So schleppt sie Johanna in eine “Männerabhängigkeitsgruppe”, die von einer militanten Leiterin geführt wird, die ihren Mädels einzureden versucht ihre “Karls” auf jeden Preis zu vergessen und dann selber in einer Beziehungskrise zu stecken scheint.
Zu Weihnachten fährt Rebekka zu ihrer Mutter, die auch von ihrem Vater einmal verlassen wurde, seither ihr Leben aufgegeben hat und nur mehr halbe Sätze spricht. Diese Beschreibung eines Stück Alltags, das wohl viele Dreißigjährige erleben, ist sehr dicht und witzig. Anschließend fährt sie zum Vater, der mit mehreren Frauen und Kindern zusammenlebt, die sich alle Beschimpfungen an den Kopf schmeißen und die Frauen dann alleine ihren Frauentag feiern.
Im Haus von Rebbekka wohnt eine alte Frau, die dreimal täglich von einem Zivildiener betreut wird und ansonsten ständig um Hilfe schreit. Als Rebbekka das zum ersten Mal hört, holt sie die Polizei, die dann mit Hilfe von zwei anderen alten Frauen in die Wohnung kommt, dort streitet die alte Dame ab, die Ruferin zu sein.
So plätschert das Buch dahin. Die Beschreibung der Gruppe nimmt einen großen Raum ein. Rebekka ruft ihren Adrian an, der meistens nichts von ihr hören will, dann aber doch gelegentlich mit ihr schläft. Einen früheren Freund Hannes scheint es auch gegeben zu haben und wenn von dem erzählt wurde, tat ich mir etwas schwer mich zeitlich zu orientieren und dann geht es auch um Jettes Krebs. Die hat einen Mann und ein kleines Kind, sagt “Kreps”, um ihre Krankheit zu bewältigen und läßt sich zu Silvester von der kleinen Klara die Glatze bemalen. Dann ist sie austherapiert, geht noch rasch zu Heilern und stirbt dann schnell, was eine totale Veränderung in Rebekkas Leben bringt. Adrian ist plötzlich nicht mehr wichtig.
“Wenn Jette das Geheimnis mit ins Grab genommen hat, dann nimmt es Rebekka eben später auch mit. Das ist jetzt Reisegepäck. Und wenn Tobias es auch so macht, dann ruht es später aufgeteilt. Jettes Eltern neben Enno. Klara schaut Spatzen hinterher, die über den Friedhof fliegen. Dann war der Weg bis hierher und nicht weiter.”
Die Sprache ist also doch nicht so einfach und es ist eigentlich ein seltsames Buch, der 1977 in Karl-Marx Stadt geborenen, Kirsten Fuchs, die 2003 einen Open Mike gewonnen hat und zwei Jahre später ihren Debutroman “Die Titanic und Herr Berg” geschrieben hat, von dem ich schon etwas hörte.
Verständlich, daß es den Kritikern nicht gefallen hat, die es als “oberflächig” und “von der Literatur weit entfernt” beschreiben.
Das Leben mit und ohne Ecken und Kanten halt oder wie es eben so ist, wenn man mit Dreißig von seinem Freund verlassen wird, im Zinshaus die alten Frauen nach Hilfe rufen und die besten Freundinnen sterben. Ich würde ja auch so, vielleicht mit einer einfacheren Sprache, erzählen und scheitere gerade daran ein bißchen. Daß es die Kritiker für nicht literarisch halten, wundert mich nicht, trotzdem ist es bei Rowohlt erschienen und mich würde nur etwas der leicht schnodderige Ton, nicht der Inhalt und nicht die angeblich mangelnde Literarität stören, da ich eine bin, für die die Literatur aus Alltag, dem Krebs, dem Sterben, dem Leben und dem Tod besteht.
Es ist ein Buch aus dem offenen Bücherschrank, das ich vor einiger Zeit dort gefunden habe, abgestempelt mit dem Büchschrankstempel “Kein Weiterverkauf”. Das steht dann noch einmal auf der Umschlagseite “Unverkäufliches Leseexemplar” und drinnen werden die Rezensenten gebeten, das Buch nicht vor dem 7. März 2008 zu besprechen. Das ist lang vorbei und ich weiß gar nicht, ob ich außer dem Titel des Debutromans schon einmal etwas von der Autorin hörte. Spannend zu lesen war es allemal und erfreulich, daß auch ein Stück schnodderige Alltagsbeschreibung ohne dem großen Plot bei Rowohlt erscheinen kann.
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Fortsetzungsbericht
Für alle, die wissen wollen, wie es weitergeht mit meinen Resignationsberichten und wie und was damit gemeint ist, da bin ich ja vor einer Woche mit meinen neuen Romanprojekt ein bißchen abgestürzt. Nein, abgestürzt nicht wirklich. Ich hab ab Anfang März nur wieder einmal ziemlich planlos und sehr hektisch vor mich hingeschrieben, hatte dann am vorletzten Montag vierzig Seiten, bin die durchgegangen, dachte “Es geht doch nicht!” und war dann ein paar Tage später mit fünfzig Seiten plötzlich fertig, das heißt, ich habe eine Abschlußszene geschrieben, die eigentlich nicht ganz passte und dachte, fünfzig Seiten sind zuwenig für ein Buch, aber das “Haus” hat auch nur sechzig Rohseiten und ist nicht der große Roman geworden, wie er eigentlich sollte und da hatte ich ähnliche Probleme, daß ich dachte, ich mache es lieber kurz und rolle nicht alles noch einmal von vorn bis hinten auf.
Bei der “Paula Nebel” wollte ich ein paar Fälle einarbeiten, dachte dann, ich muß entfremden, damit sich keiner erkennt und mir ein böses Brieflein schreibt. Dann war der Rückzug oder das Hineingleiten in das Sterben einer neunzigjährigen Frau eigentlich ein faszinierender Gedanken, aber ich kann sie ja nicht schon wieder ihre Bücher lesen lassen und eine Depression, wo man nicht mehr aus dem Haus geht, habe ich ja auch schon beschrieben. Dann habe ich begonnen mit ihren Leben, mit Zwanzig ein Kind bekommen, die Fürsorgerinnen haben es ihr weggenommen und auf den Spiegelgrund gebracht. Das wollte ich dann wieder nicht so genau beschreiben, so ist es bei den Andeutungen geblieben. Die Sofia ist sehr bald aufgetaucht und plötzlich ist es hektisch geworden. Die Paula hat gekocht und es sind Besucher zu ihr gekommen, der Alex von der Caritas, der Sohn einer früheren Klientin, die Schwester vom sozialen Stützpunkt. Die Sofia ist in eine Schule gegangen, hat Oma zu ihr gesagt und sie haben gemeinsam das ABC gelernt, da höre ich schon wieder die Stimmen, die das zu kitschig, märchenhaft und positiv finden und eigentlich wollte ich ja was über die Wirtschaftskrise schreiben.
Auf Seite vierzig hatte ich dann das Leben erzählt, der Enkel Rainer ist auch sehr blaß und im Hintergrund geblieben. Es waren ein paar Besuchsszenen mit “sagte sie” absolviert, die Paula hat die ganze Hausmannskost des vorigen Jahrhunderts hinuntergekocht und ich wußte nicht weiter, weil ich eigentlich fertig war oder auch nicht. Wie schreibt man einen großen Roman? Wie löst man seine Fallen auf? Wie kommt man weiter?
Die Szene, wo sich die Paula dann aufs Sofa legt, an alles denkt und langsam in das Nirvana hinübergleitet, kommt vielleicht ein bißchen zu abrupt und etwas fehlt. Aber ob ich das wirklich noch erweitern will?
Einmal habe ich es in Harland noch durchgesehen, die letzten Tage hatte ich sehr viel Diagnostik und keine Zeit und die “Bank” muß ich auch noch durchsehen. Wie mache ich weiter?
Ein bißchen Jammern natürlich und bedauern, daß der ursprüngliche Plan mir bis Sommer soviel Zeit zu lassen, um einen Roman zu entwickeln, derzeit offenbar nicht funktioniert. Ich schreibe schnell und hektisch, bin dann an der Wand und weiß nicht weiter. Aber allein kann man das vielleicht nicht wirklich. Da braucht es zwischendurch wohl ein bißchen aufmunterndes Feedback und dann denke ich, ist ja egal. Ich schreibe, wie ich es kann! Die sehr schroffen Feedbacks, die manchmal kamen “Das wird nie was und du kannst es nicht, auch wenn du dich noch so sehr bemühst!”, wirken aber nach.
Denn eigentlich kann man auch kurz über das Leben einer alten Frau schreiben, vielleicht den Schluß noch etwas ausbauen und es muß auch niemanden interessieren, obwohl es eigentlich ein interessantes und wichtiges Thema ist und, daß ich schon sehr viel geschrieben habe und ein bißchen ausgeschrieben bin, stimmt ja auch. Ich merke aber, daß ich immer hektischer werde, was wahrscheinlich mit den fehlenden Feedbacks zusammenhängt. Aber es stimmt auch, man muß sie nicht unbedingt haben und hat keinen Anspruch darauf. Zwangsweise kann man aber auch nicht ruhiger werden und weniger schreiben brauche ich auch nicht und habe vorläufig mit den drei Sachen, die noch aufs Fertigwerden warten, auch genug zu tun. Bis die “Frau auf der Bank” und die “Wiedergeborene” als Buch erschienen sind, habe ich Zeit zu entscheiden, ob die “Paula Nebel” ein sehr kurzes Büchlein wird oder mit einem zweiten kürzeren Text erscheint und da sind noch in Harland Träume gekommen, die zeigten, wie sehr sich mein Unbewußtes mit diesem Thema beschäftigt. So habe ich zwischen Sonntag und Montag geträumt, daß ich einer Schreibgruppe ein Haiku weiterschreiben würde und war sehr erfolgreich damit. Zwei Tage später ist der Traum eines Krimis gekommen und als ich aufwachte, hatte ich das Szenario ziemlich fertig vor mir. Leider habe ich es mir nicht aufgeschrieben, nur gedacht, ich werde es mir merken. Jetzt weiß ich nur, daß es dabei um die Wirtschaftskrise ging und die Ermittler ziemlich hektisch herumrasten und die Idee, daß die Sofia und der Kevin, das aufklären könnten, ist mir auch gekommen. Nur das was, weiß ich schon wieder nicht so genau, aber die Idee im nächsten Nanowrimo vielleicht einen Krimi zu schreiben, wo dann vielleicht kein Mord vorkommt, hatte ich schon und in meinem Traum war auch keiner.
Und als ich am Dienstag zur Silvia zum Psychologen-Jour-fixe gegangen bin, habe ich mich auch sehr genau nach einem Thmema umgeschaut und darüber nachgedacht über was ich jetzt schreiben könnte.
Und wie und wohin ziehe ich mich nun zurück, werden die Leser noch immer fragen? Eigentlich gar nicht, sondern lockerer damit umgehen, daß es bei meinem Schreiben eben so ist, wie es ist, daß das auch so sein darf und dieser Gedanke ist mir auch beim Poetry Slam am Karfreitag gekommen. Da hatte ich dabei sogar fast ein Glücksgefühl und das ist natürlich Quatsch, weil es ja kein Glückszustand ist, wenn man schreibt und schreibt und heraus kommt nur “Schon wieder nichts!”, ist aber nicht wirklich zu ändern oder doch?
Die Veranstaltungen sind weniger geworden, das hängt einerseits sicher mit der Wirtschaftskrise und dem Eventgedanken zusammen oder damit, daß man sich unter der Schreibermenge ein paar heraussucht, um sie zu fördern und die werden jetzt um die Zwanzig sein und nach den anderen wird nicht wirklich nachgefragt. Ich versuche das ein bißchen mit meinen Blog, scheine dabei aber allein zu bleiben. Macht ja nichts, die Möglichkeit des Bloggens gibt es trotzdem und das ist sicher besser, als nur für die Schublade zu schreiben und Aufgegeben habe ich natürlich einiges im Laufe meines Schreiberinnenlebens. Mich bei Stipendien zu bewerben, an Verlage herumzuschicken, beispielsweise und das ist zwar schade, ist aber so und mich aufzudrängen und nachzufragen “Willst du vielleicht eine Lesung mit meinen Texten machen? Mir eine Rezension schreiben? Mich wo einladen?”, bringt nicht viel und wird auch als distanzlos, aufdringlich etc wahrgenommen. Da hatte ich ja schon einige Differenzen, das kann ich also lassen. Das ins Literaturgeflüster jammern, wird vielleicht auch ein bißchen nerven, werde ich aber wahrscheinlich weiter tun und dann natürlich soviel schreiben, wie ich es kann und will, egal ob der Durchbruch gelingt oder nicht, obwohl es natürlich schade ist, keine wirklichen Erfolgsberichte geben zu können und jetzt zum Beispiel nicht zu wissen, wie es weitergeht?
Denn über Großmütter, Töchter, Enkeltöchter habe ich jetzt sehr viel geschrieben, über das erfolglose Schreiben auch, die Wirtschaftskrise ist vielleicht zu nah dran, zu aktuell und das angeblich Märchenhafte, Positive wird auch nicht geschätzt, sondern als kitschig empfunden und wenn ich dann von den zwei am fertig werdenden Büchern erzähle und davon, daß das zweite, das Dreißigste sein wird, ernte ich Erstaunen und der Zensor in mir denkt sich sofort “Nicht so schnell, nicht so hektisch!”, es ist aber so und das ist auch sehr gut, andere tun das auch und wenn ich langsam wäre, würde ich wahrscheinlich “Nicht so langsam!” denken.
Am Ostermontag habe ich bei Bücherschrank in der Grundsteingasse den Ray Bradbury “Zen in der Kunst des Schreibens” gezogen und werde das als Nächstes lesen, wenn ich mit Kirsten Fuchs “Heule, heule” fertig bin. Das habe ich ja bei meinen vorigen Arbeiten manchmal getan, ein Schreiblernbuch davor zu lesen, man findet ja manchmal welche im Bücherschrank und die Angela Leinen habe ich mir vom Alfred schenken lassen. Irgendwie bin ich mit meiner Situation nicht ganz zufrieden, weil das Ende der Rückzugsideen ja das Aufhören des Schreibens ist und das will ich nicht oder kommt natürlich von selbst, aber erst in zwanzig, dreißig Jahren und bis dahin gehen sich wahrscheinlich noch einige sehr schöne Bücher aus!
Und bei all dem Jammern hätte ich jetzt fast vergessen, daß die “Kuckucksbrut” wahrscheinlich die Fortsetzung vom “Kuckucksnest” – Zeitschrift.Krisenerfahrer.Menschen.Europa. für die ich für Anton Blitzstein das “Kleine Plädoyer für Belohnungsselbsthilfen und Tauschtalente” geschrieben habe, gekommen ist. Es gibt also auch wieder nicht Selbstpubliziertes und das Heft kann ich allen nur empfehlen, da es außer schönen Texten auch viele Kochrezepte enthält.
Dicht-Fest mit sechs Männern
Die Veranstaltungen gehen weiter, da hatte ich, ich glaube, es war 2000 oder 2001, die Zeit in der ich die “Dora Faust” schrieb, eine Zeit, wo ich nicht oder wenig zur Literaturveranstaltungen ging, um nicht vom Schreiben abgelenkt zu werden.Nach einigen Monaten habe ich damit aufgehört, ein paar interessante Veranstaltungen versäumt und nicht mehr als sonst geschrieben und auch meine derzeitige Rückzugstendenzen scheinen nicht die Veranstaltungen zu betreffen, denn die interessieren mich ja sehr, obwohl ich manchmal darunter leide, daß immer nur die anderen lesen dürfen oder Leute, wenn ich sie grüßen will, gerade in diesen Augenblick zufällig wegsehen. Aber heute war wieder eine Dicht-Fest-Veranstaltung in der Alten Schmiede und es ist ja auch eine Folge des Literaturgeflüsters, daß ich mich ein bißchen genauer mit der Lyrik und den Lyrikveranstaltungen beschäftigen, eine Schreibform, die ich ja nicht betreibe und da gibt es Christine Huber, die mehrmals jährlich solche Veranstaltungen in der Alten Schmiede macht, immer jeweils sechs Autoren dazu einlädt, ein Thema bzw. eine Überschrift dazu auswählt und die Einleitung macht. Drei oder vier Veranstaltungen gibt es pro Jahr, bei ein paar davon bin ich gewesen, nicht bei allen, denn so besonders interessiere ich mich, ich gebe es zu, nicht für das Gedicht und ich war offenbar auch nicht bei der im Dezember, wo lauter Frauen gelesen haben, daher gibt es keinen diesbezüglichen Artikel und heute waren die Männer dran und lauter interessante. Die meisten habe ich gekannt, was bei einer, die seit Jahrzehnten mehrmals in der Woche zu Literaturveranstaltungen geht, nichts Ungewöhnliches ist.
Den 1942 geborenen Franz Xaver Hofer aber nicht und der hat seinen Gedichtband seinem Hund Leo gewidmet und, daß das Überthema Bewegungen ist, hat Christine Huber in ihrer Einleitung erwähnt. Der Autor geht also mit seinem Hund spazieren und schildert die Landschaft durch die er geht, schildert seltsame Begegnungen und am Schluß hat er den Hund verloren und bleibt alleine über. Sehr interessant und ein äußerst originelles Thema für einen Lyrikband.
Peter Paul Wipplinger, der nachher folgte, kenne ich natürlich, noch von den Zeiten, da er ein engagiertes PEN-Mitglied war, jetzt ist er in die GAV gewechselt, ich war mit ihm einmal in einer Jury und wunderte mich, daß wir die gleichen Vorschläge hatten, sehe ihn meistens bei der GV der IG Autoren und auf der Buch-Wien und seit neuesten spricht er mich auf meine Internet-Tagebuchberichte an, wenn ich ihn sehe und gemeinsam haben wir einmal auch einmal um die goldenen Margarete gelesen. Er sehr schöne antifaschistische Gedichte und der unsensible Veranstalter unterbrach ihn mittten im Lesen mit einer Glocke. Jetzt hat er über Venedig gelesen und ich war überrascht, wie lyrisch seine Sprache und wie modern seine Gedichte waren und sprachgewaltig, fast für einen Slam geeignet. “Venezianische Notizen” ich glaube, noch als Manuskripten vorhanden, es gab aber viele Bücher am Büchertisch von ihm. Christoph Janacs kenne ich natürlich auch, nicht nur durch die ziemliche Namensgleichheit, was zur Folge hatte, daß ich, als ich meine Texte noch für die BUMUK Stipendien einrechte, eine Mappe mit überklebten Namenspickerl zurückbekommen habe. Nein er schickt mir auch regelmäßig die Einladungen zu seinen Veranstaltungen und hat auch genauso regelmäßig am “Tag der Freiheit des Wortes” teilgenommen, als ich den noch von 2001 – 2009 organisierte und er hatte auch sehr schöne Gedichte in Bewegung, nämlich von einer Reise in die Provence “Die Stille von Loumarin” und erklärte auch genau, was sie mit seinen Lieblingsdichtern zu tun haben.
Dann kam eine Pause mit ein bißchen Smalltalk. Christl Greller hat mir einen Artikel aus der Presse über die Litblogs und das literarische Bloggen im Internet gegeben. Eine Frau am Klo wollte von Christine Huber wissen, wie Paul Jaeg aussieht und Joseph K. Uhl mit dem ich ja in zwei Wochen in Salzburg lesen werde, erkundigte sich bei mir, wo die Lesung stattfinden wird?
Danach folgte Friedrich Hahn und den kenne ich auch, weil er vor Jahren einen meiner Texte in einer Literaturzeitschrift veröffentlichte, mich einmal zu den Textvorstellungen einlud und diese auch fleißig moderiert. Die nächste wird am Montag mit Emily Walton, Helmut Schönauer, Marlen Schachinger und Christa Nebenführ sein, aber da werden wir ja mit Anna Geburtstag feiern. Bezirksrat im neunten ist er, glaube ich, auch und er war auch in der Jury, die Emily Walton zur Bezirksschreiberin machte und veranstaltet auch die “dichte meile” in der Porzellangasse, ein literarischer Spaziergang, der wieder am 3. Mai stattfinden wird und er hat auch sehr viele Bücher, zwei davon habe ich vor zwei Wochen in der Gesellschaft für Literatur gefunden, den neuesten Gedichtband “und besorgte mir stufen für meine Schritte” präsentierte er heute und er tat das auch durchaus performistisch, ähnlich wie Rudi Lasselsberger, der ja manchmal seine Leiberln wechselt oder Mozartkugeln ins Publikum schmeißt.
Friedrich Hahn hatte ein kleines Schlagzeug mit, um das Ende seiner Gedichte anzuzeigen, weil der Fredi Kolleritisch einmal drei seiner Gedichte in einer Endlosschleife in den Manuskripten veräffentlicht hat und das letzte Endlosgedicht knüllte er nach der Lesung zusammen und warf es in das Publikum. Der Herr vor mir sammelte drei in seinen Hut, eines hat er nicht erwischt, das habe ich bekommen und darf zitieren “wie bitte fragt der forscher – ich bin doch kein taschendieb”.
Danach folgte wieder ein Bekannter, nämlich der Kärtner Josef K. Uhl, der auch einen meiner Texte in seiner “Unke” veröffentlicht hat und mit dem ich, wie erwähnt in zwei Wochen lesen werde. Er brachte, wie er meinte, seine frechen “101 Gedichte- Rockn roll des Herzens” bei Kitab erschienen, mit, in denen es viel um die Liebe, aber auch ums Kino geht.
Dann folgte Paul Jaeg vom Arovell Verlag, der manchmal auf meinen Blog kommentiert und der einige Gedichtbände in deutschen Verlagen, den letzten aber selbstverlegt hat und daraus gelesen hat.
Dann gab es wie Christine Huber schon in der Einleitung erwähnte, eine Überraschung, nämlich ein Glas Wein und was zu Knabbern, so daß ich mich noch ein bißchen mit Dagmar Fischer unterhalten habe, die vielleicht demnächst beim Dicht-Fest lesen wird.
Christine Huber, die einige Zeit Generalsekretärin der GAV war, kenne ich durch die GAV und auch durch den Preis der Arbeit, der 1989 in Klagenfurt vergeben wurde, wir waren beide eingeladen und sie hat einen der kleineren dabei gewonnen.
Osterspaziergang in Neulerchenfeld
An den Osterspaziergängen des Wiener Lesetheaters kann man auch ein wenig meine Rückzugstendenz ausnehmen, denn das erste Mal, als ich da mitgegangen bin, war der in der Landstraße, da hat mich Werner Grüner zum Lesen meiner Ostereierszene aus der “Viertagebuchfrau” eingeladen. Dann waren wir einmal, 2008 wahrscheinlich, im Achten. Da sagte mir der Veranstalter im 5. Bezirk waren wir noch nicht, den habe ich dann 2009 ein wenig mitorganisiert und sehr viel und oft dabei gelesen.
2010 veranstaltete ihn dann Susanne Schneider in einem Teil des Vierten. Da habe ich auch mitgeholfen und auch ein paar Mal gelesen und beispielsweise einen eigenen Text über Helmut Eisendle geschrieben, der dann auch im Freibord erschienen ist. 2011 war der Spaziergang, glaube ich, auch im vierten. Da habe ich aber nicht mitgemacht und wir sind auch nicht dort gewesen, weil wir noch in Harland waren, bzw. dann ins Kino gingen und uns Ginsberg “Geheul” anschauten, das übrigens vorigen Donnerstag vom Lesetheater in der Galerie Heinrich aufgeführt wurde.
Heuer wollte ich zuerst auch nicht mitgehen, dann sah ich aber, er spielt sich im Neulerchenfeld, das heißt, in einen Teil Ottakrings ab und da kenne ich mich ja recht gut aus, weil ich aus Hernals komme und eine meine Großmütter auch in Ottakring wohnte. Es hat also gepasst, deshalb wieder früher aus Harland zurückzufahren und vorher ein bißchen putzen und dann schnell eine Art Osterbrunch organisieren, denn um eins hats schon in der Galerie Heinrich angefangen und dazu gibt es auch eine Rückzugsgeschichte. Denn als ich die Eignen II oder die Mittleren I noch im Literaturhaus organisierte, kam die Frau Waclawicek zur Judith Gruber-Rizy und bot ihr an, eine Frauenlesung bei ihren Literaturtagen in der Galerie Heinrich zu organiseren und da habe ich seit 2006 0deer 2007 jedes Jahr gelesen. 2008, 2009 und 2010 gibts auch einen Literaturgeflüsterbericht und 2011 gabs dann keine Veranstaltung mehr, weil kein Honorar, aber das hat es vorher eigentlich auch schon nicht gegeben.
Ich bin also so um halb eins an den mehr oder weniger gut gefüllten Bücherschränken am Margaretenplatz und den in der Zieglergasse vorbei, aufgebrochen und habe mir gedacht, daß ich mir da vielleicht ein paar Osterbücher finden kann und so wars dann auch und als kleinen Vorgriff, bei dem am Brunnenmarkt gab es Ray Bradbury “Zen in der Kunst des Schreibens”. Ein Buch von dem ich schon viel hörte und das als einer der großen Schreibratgeber angepriesen wird. Vielleicht hilft es mir aus meiner momentanen Krise heraus. Aber zuerst habe ich einige schöne Bücher in der Zieglergasse gefunden, wo auch eine Frau war, die mich böse anschaute, als ich die Türe öffnen wollte.
Dann bin ich ein bißchen zu spät in der Galerie eingetroffen, wo Rolf Schwendter gerade eröffnet hatte und erzählte, daß er in der Hasnerstraße 6 geboren wurde und die Galerie Heinrich früher ein Kohlengeschäft war und er von dort immer Kohlen holen mußte. Monika Schmatzberger las dann einen Text eines Wiener Vorstadtschreibers, von dem ich noch nie etwas gehört habe, das das Marktleben des vorworigen Jahrhundert im Lerchenfeld schilderte.
Dann gings weiter in die Hasnerstraße und Ingeborg Reisner mit der ich ein Stück dorthin ging, wurde auch dort geboren und zwar im Haus Nummer vier, den Herrn Professor, wie sie Rolf Schwendter ansprach, hat sie aber nicht gekannt. Und ich hatte auch eine Tante, die in der Hasnerstraße eine Wohnung hatte und kann mich an einen dortigen Eissalon erinnern, wo es um zwei Schilling eine schöne Eiswaffel gab und der Salon war in einem Garten und dort gab es schöne Kastanienbäume, für die die Hasnerstraße ja berühmt ist. Wir gingen aber in den PSD und dort fanden, wie auch an den meisten anderen Orten schon Lesetheateraufführungen statt und eine Frau erinnerte an eine Fußballlegende nämlich Pepi Uridil, der zwar in der Grundsteingasse wohnte, aber gegen die Hasnerstraße spielte und dabei soviele Tore schoß, daß er in den berühmten Rapid aufgenommen wurde und da gab es auch ein Lied von Hermann Leopoldi “Heut spielt der Uridil und dazu habe ich auch eine Anektote. War ich ja im Jänner bei der Johannes Urzidil-Buchpräsentation und der beschreibt in seinen Memoiren, daß er wenn er nach Wien gekommen ist, immer auf dieses Lied angesprochen wurde, bzw. damit verwechselt wurde. Vom PSD ging es ein paar Häuser weiter, nämlich in die Pfarre Maria Namen, ein schöner Glasbau aus den Sechzigerjahre, der, wie der polnische Pfarrer erzählte, nach außen gar nicht als solches erkennbar ist.
Es gibt aber ein schönes großes Holzkreuz und Ingeborg Reisner erzählte von ihren Erfahrungen, als Kind in dieser Kirche, daß sie sich vor dem Kreuz und vor dem Katecheten sehr gefürchtet hat. Sie hat auch ein Buch über ihre Kindheitserlebnisse in der Hasnerstraße geschrieben, aus diesem aber erst am Abend im Weinhaus Sittl gelesen. Dafür las Manuel Girisch mit seiner Frau österliche Texte, dann ging es weiter in die Grundsteingasse. Da saßen wir lange vor dem Bücherschrank, auf den sich alle stürzten und Richard Weihs erzählte etwas über das ehemalige Kaufhaus Dichter und seine Arisierung. Später hat es dann Osei geheißen und daran kann ich mich erinnern, weil ich mit meiner Mutter immer als Kind am Brunenmarkt einkaufen gegangen bin. Christian Katt hat noch ein paar Gerstl-, die ja heute ihren dritten Todestag hat und Bisinger Gedichte, der ja ein Stück weiter in Ottakring wohne, gelesen und wir spazierten den Brunnenmarkt der inzwischen ziemlich türkisch ist, auf den Yppenplatz und da gibt es ja die Brunnenpassage mit einem Kulturlokal der Caritas,wo mich 2009, Otto Lambauer zu einer Lesung einlud und dann wegen Honorarschwierigkeiten wieder absagte. Es gibt am Yppenplatz aber auch den Club International und da war ich schon bei der Wegerth-Lesung und, was ich nicht wußte, ein Haus in dem Werner Schwab ein Jahr lebte und über dem es jetzt eine Inschrift gibt “Die Menschen werden ins Leben gevögelt und können trotzdem nicht fliegen” und in dem Club gab es eine Lesung aus einem Buch eines Bernd Höfers, in dessen Haus Werner Schwab, das Jahr gelebt hat, bis er brühmt wurde und in die Josefstadt zog.
Danach gings gleich nebenan ins Cafe Müller, wo das Lesetheater noch nicht gelesen hat”, weiter und da las eine Frau einen Wirtschaftstext aus dem “brunnenviertler”, der Geschäftszeitung aus dem Viertel im Neulerchenfeld. Weiter gings ins Werk, das ist eine ehemalige Fabrik auf der Neulerchenfelderstraße, das sich jetzt als Kulturzentrum entwickelt und wo, glaube ich, auch die letzte Lyrik im März GAV Veranstaltung stattfand. Dort ging es wieder um die Lerchenfelderdichter des vorvorigen Jahrhunderts, hat ja Ernst Waldinger, der in die USA emigrieren mußte, im visavis Haus gelebt und vorn dort weiter ins Weinhaus Sittl bzw. ins Pelikanstüberl, wo sehr viele Lesetheaterauffühungen stattfinden. Die Jahresendlesung, bei der ich einmal gelesen habe, beispielsweise und dann damit aufhörte, weil die nicht so gerne eigene Texte haben wollen.
Aber Susanne Schneider hat mich einmal zum Katzenfasching eingeladen und bei den Sommeraufführungen im Hof war ich auch einmal und einmal habe ich ein bißchen bei der Aussendung des Programms geholfen. Da waren wieder bekannte Gesichter, nämlich Chritian Katt, der das Bisinger Gedicht gelesen hat, in dem Gerald Bisinger im Weinhaus Sittl sitzt und über das Leben nachdenkt. Dann las Ingeborg Reisner aus “Den blauen Schuhen des Friedens” und Rolf Schwendter aus Ludwig Lahers Buch über Ferdinand Sauter. Der war offenbar auch ein berühmter Neulerchenfelder und der Ernst Petzold war das auch. Ja, richtig ein Lokalhistoriker hat uns vorher noch ein bißchen über das Neulerchenfeld erzählt und am Schluß gab es Couplets von Rolf Schwendter, da waren aber nur mehr weniger Zuhörer da. Daß Susanna Aschner einen Text von Manfred Chobot, der auch am Yppenplatz wohnte, bzw. seine Eltern dort eine Gemischtwarenhandlung hatten, habe ich jetzt fast vergessen. Ruth Aspöck, Robert Eglhofer waren da, sonst fehlten aber viele bekannte Gesichter, die sonst mitgegangen sind, wie Werner Grüner, Susanne Schneider etc und Franz Hütterer, der ja leider gestorben ist, hat, glaube ich, auch öfter mitgelesen. Ottwald John habe ich auch vergessen, der hat ein bißchen was über das Hawelka, was zwar nicht in den Bezirk passt, aber trotzdem interessant ist, vorgetragen und ich habe über das Neulerchenfeld und seine literarischen Bewohner wieder viel gelernt und nichts gelesen, zwar habe ich mir gedacht, daß ich am Schluß wenn jeder lesen darf, die Taubenfütterungsszene lesen hätte können, aber da war dann niemand mehr da und mir ist auch erst später eingefallen, daß in der “Absturzgefahr” etwas über die offenen Bücherschränke steht und das hätte ja sehr gut gepasst, aber leider bin ich sehr schüchtern und mir fällt vieles erst zu spät ein, vielleicht sollte ich mich da an Robert Eglhofer halten, der einfach seine Texte herumschickt oder sich hinstellt und ein Bonmot erzählt.
Der zweite Kuss des Judas
Jetzt kommt zum Anlaß passend, die Besprechung eines Osterbuchs, nämlich Andrea Camilleris “Der zweite Kuss des Judas”, das ich mir im Sommer aus der Abverkaufskiste des Wilhelmburgers Schreibwarengeschäftes zog und schon fast zu Weihnachten lesen wollte, bis ich daraufkam, es geht dabei um eine Osterpassion aufgeführt im Jahre 1890 am Karfreitag im kleinen sizilanischen Städtchen Vigata, dachte an die Osterprozession in Trapani, die wir vor Jahren einmal miterlebten und verschob das Lesen.
Dabei hätte ich ruhig weiterlesen können, denn um Ostern geht es in dem Buch nicht sehr. Das Lesen war allerdings nicht ganz einfach. Denn der 1925 in Sizilien geborene und in Rom lebende Andrea Camillieri wählte dafür eine sehr ungewöhnliche Form.
Das ganze Buch besteht nur aus Briefen und Zeitungsberichten und so beginnt es etwas langsam und schleppend und höchst unüblich für einen Kriminalroman.
Da passiert ja nichts, könnte man wieder meinen. Richtig, es wird aufgeklärt und zwar vom Commissario und vom Präfekten der Carabineri und die sind anfang verfeindet, verbrüdern sich dann durch den Fall und wachsen zusammen und sehr ungewöhnlich, sie schreiben Brief um Brief an ihre Vorgesetzten und bekommen auch von diesen welche.
Wie muß die Post im vorvorigen Jahrhundert funktioniert haben! Und langsam wachsen wir hinein in den Fall und empfinden diesen als höchst spannend. Am Karfreitag ist während der Passion der Judas-Darsteller, der örtliche Bankdriektor Antonio Pato verschwunden. Die Regieanweisungen sehen vor, daß er von der Bühne in den Abgrund fällt und von dort kommt er nicht mehr heraus. Was ist passiert? Er wurde ermordet wird gleich einmal vermutet. Wer hats getan? Dafür kommen zwei Personen in Frage. Einer, der einen Kredit früher zurückzahlen sollte, das aber schon getan hatte und ein Verrückter, der an religiösen Wahn leidet, dann aber doch zur Dorfprostituierten geht. Beide sind, stellt sich alsbald heraus, unschuldig und auf dem Schreibtisch des Direktors wird ein Brief gefunden, daß er schlimmer als ein Judas wäre.
Dann soll er noch mit einem Jutesack gesehen worden sein und seine Kleider sind auch verschwunden. Das Ganze spielt, erinnern wir uns, in Sizilien im vorvorigen Jahrhundert und das Stück wird im Hof des örtlichen Schloßes aufgeführt und die Schwester des Schloßbesitzers, sehr fromm natürlich, weigert sich dem Schauspiel zuzusehen. Denn dieses ist ja des Teufels, auch am Karfreitag. So geht sie in die Kapelle beten und erleidet dort einen Schock, denn zwei der Komparsen haben sich dorthin empfohlen, um dem Liebesakt zu huldigen. Gnade Gott!
Angezeigt wurde die Geschichte von der Ehefrau des Vermißten und die gibt auch einen Gottesdienst, um ihre Nerven zu beruhigen. Die werden aber erst recht aufgewühlt, weil dort einer prdigt, der Passionsspiele auch für des Teufels hält.
Der Bankdirektor war der Schwager eines mächtigen Herrn und der intrigiert auch heftig mittels Briefe, bzw. gibt Anweisungen an die beiden Ermittler, was die aufklären oder vertuschen sollen. Und die örtlichen Gazetten hetzen fleißig. Geht denn da nichts weiter?
Natürlich, denn es tauchen Aufklärer auf, die köstliche Theorien zum besten geben, selbsternannte Astronomen und andere Pseudowissenschaftler und die Ermittler finden heraus, daß der Verschwundene eine größere Anzahl von Schlafmittelflaschen konsumierte, bzw. sich verschreiben ließ und dann traf er sich auch wöchentlich mit seinem Vorgesetzten, um abzurechnen, aß dort zu Abend und der hatte eine Ehefrau, die auch verschwunden ist. Vorher litt er an der Schlafkrankheit, die sich inzwischen gebessert hat und die Ehefrau des Verschwundenen gibt an, daß ihr Mann nach diesen Abendessen immer erst in der Früh nach Haus gekommen ist, obwohl er eigentlich nur eine Stunde für den Weg gebraucht hätte. Interessant, interessant.
Die Mafia wird in den Fall aber auch noch verwickelt und Kleider der Komparsen verschwinden. Am Schluß schicken die beiden Ermittler dann ihren Abschlußbericht in dem sie sagen, wie es war bzw. gewesen sein könnte.
Antonio Pato hat sich selbst zum Verschwinden gebracht, weil er mit seiner Geliebten in Palermo untertauchen wollte, wozu er der Mafia noch einen Geldbetrag entwendete, die Vorgesetzten weisen die beiden an, den Bericht zu vertuschen und am Schluß wird noch die Leiche des Bankdirektors gefunden.
Mein erster Camilleri Roman, den ich jetzt gelesen habe, obwohl man in den offenen Bücherschränken öfter seine Montalbano Romane findet, so daß inzwischen einige auf meiner Leseliste stehen und bei Rund um die Burg, gab es früher ein von der Zeitschrift Buchkultur veranstaltetes Gewinnspiel, wo ich, weil ich die Fragen beantworten konnte, ein Camillieri Buch gewonnen habe, aber nach der ersten Geschichte zu lesen aufhörte, als ich entdeckte, das das ein Erzählband und kein Roman gewesen war. So kanns gehen, wenn man Voruteile hat. Inzwischen habe ich die ja aufgegeben und werde heuer wahrscheinlich noch mehr von dem großen Sizilianer lesen, von dem, seltsamerweise, erst vor kurzem wieder ein Buch erschienen ist und auch noch nicht alle seiner Romane übersetzt wurden.
Rückzugsgedanken
Im Moment gehts mir ein ein bißchen ambivalent. Auf der einen Seite rase ich fast manisch dahin, schon fünfzig Seiten an dem neuen Buchprojekt, zwei Bücher in Vorbereitung, wo im Moment mehr oder weniger weitergeht und ich, wenn sie fertig sind, dreißig sogenannte Indie-Bücher, wie das ja jetzt heißt, präsentieren kann. Mit dem Literaturgeflüster bin ich mit den drei oder vier Kategorien, die ich gar nicht wirklich habe, auch sehr schnell unterwegs, warten ja schon viele Bücher auf der Leseliste, meistens habe ich auch einen straffen Veranstaltungsplan und ein oder zweimal in der Woche will ich auch über mein (erfolgloses) Schreiben bloggen. Das heißt, ich bin, wenn ich nur täglich einen Artikel schreiben will, ziemlich ausgeplant und habe meistens einen Artikelvorrat in Planung, das ist ja auch etwas, das zum Thema passt und gerade höchst aktuell ist, will ich mich ja auch immer mit der politischen Situation beschäftigen.
Im Moment befinde ich mich in Harland und mache Osterferien, das heißt ich fahre mit dem Rad nach Herzogen- oder Wilhelmsburg und lese die Bücher meiner Harland-Leseliste und bin da gerade mit den “21 neueren rußischen Erzählern” am Fertigwerden.
Nach Ostern werde ich eine intensive Praxis-Woche mit wahrscheinlich viel Diagnostik haben, dann feiert die Anna ihren Geburtstag, da werde ich wahrscheinlich zwei interessante Alte Schmiede Termine ausfallen lassen und dann fahren wir ja bald zur Lesung mit Margot Koller, Wolfgang Kauer und Josef K. Uhl nach Salzburg. Danach fährt der Alfred mit dem Karli nach Australien und dann wird wieder ein bißchen still und ich habe Zeit für mein neues Projekt, aber da bin ich ja derzeit ziemlich abgestürzt und habe das Gefühl, ich stehe an.
Bei einem so manisch intensiven Schreiben, wie ich das ja jetzt schon mehrere Jahre betreibe, eigentlich natürlich, daß einmal die Luft ausgeht und wahrscheinlich, günstig stehenzubleiben, sich umzuschauen und sich zu orientieren, wo bin ich jetzt?
Ich bin da aber ein bißchen skeptisch und scheine große Angst zu haben, daß ich, wenn ich loslasse, nichts mehr weitergeht, auf der anderen Seite scheine ich mich aber ohnehin derzeit auf dem Rückzug zu befinden und habe Thomas Wollinger vor einigen Tagen kommentiert, daß das Literaturgeflüster mein Ein- oder Ausstieg aus dem Literaturbetrieb ist.
Der Ausstieg? Wohl nicht, da man dort, wo man nicht drinnen ist, nicht aussteigen kann! Andererseits wenn ich mir die über tausend Literaturgeflüsterartikel so durchlese, sehe ich, daß ich in der Zeit, in der ich blogge, einiges verloren habe. War ich 2008 zum Beispiel in der Jury für die Buch-Prämien des BUMUKs und jetzt kämpfe ich herum, von denen Einladungen zu den Preisverleihungen zu bekommen, habe noch den “Tag der Freiheit des Wortes” organisiert und die Frauenlesung, die ich eigentlich nicht mehr machen will, weil so wenig positives Feedback zurückkommt und sich scheinbar so keiner für mein Schreiben interessiert und wenn das so ist, muß ich mich nicht aufdrängen und immer mit Zetteln herumlaufen “Schaut her, da habe ich eine Lesung!”, zu der dann niemand kommt. Da hatte ich ja auch eine ziemliche Schockerfahrungen vor ein paar Monaten im Cafe Amadeus. Aber die Zahl der Lesungen sind schon vorher zurückgegangen. Ich muß nicht überall lesen und ich muß nicht schreiben. Aber das will ich ja. Trotzdem bin ich am Dienstag mit dem Laptop auf den Knien auf der Wiener Terrasse gesessen, habe meine vierzig Seiten korrigiert und gedacht, ich stehe an. Solche Erlebnisse hatte ich schon früher, daß ich nicht mehr weiterwußte. Die Lösung war dann immer weiterzuschreiben und es ist auch irgendwie gegangen. Trotzdem bin ich nicht sicher, ob ich über meine Grenzen kann und die wenigen Kommentare, die diesbezüglich kommen, behaupten auch das Gegenteil. Irgendwie stehe ich an, schon wieder oder immer noch. Ich habe in Wien auch eine blaue Mappe, wo die Kritiken drinnen stehen, wenn ich mir das durchlese, bin ich ebenfalls ambivalent. Denn einerseits habe ich ja sehr viel geschrieben. Andererseits schummle ich mich vielleicht schon um meine Schwächen herum und so stehe ich jetzt vor der Frage, wie mache ich mit der Paula Nebel weiter?
Im Augenblick spüre ich keine große Lust dazu, denke, ich sollte die fünfzig Seiten so lassen. Dann denke ich wieder neu anfangen und aus dem was ich habe, etwas Neues und Besonderes machen? Wie geht das aber? Obwohl ich schon glaube, daß das Beschreiben einer neunzigjährigen Frau interessant sein kann. Dann bin ich aber von der Demenz und der Einsamkeit sehr schnell in einen Alltag mit einer dreizehnjährigen Wahltochter, die einen Platz an einer Elitehauptschule bekommen hat und einem gemobbten Hausmeister geglitten. Paula kocht ebenfalls etwas manisch und die Schwester vom sozialen Stützpunkt rät immer “Aufzupassen und vorsichtig sein!”
Da kann man vielleicht schon einiges daraus machen, wenn man nicht, wie ich, im Moment ansteht, Widerwillen empfindet und denkt, ich kann es nicht! Ich denke dann inzwischen, du mußt ja nicht. Du kannst im Literaturgeflüster jammern oder auch Kurzgeschichten schreiben. Zeitlassen, schreibe ich ja immer, Kraft holen und nachtanken, weil eine, die jahrelang manisch einen Text nach dem anderen schreibt, naturgemäß einmal ein wenig ausgepowert ist. Vorgestern habe ich gedacht, ich bin in den vierzig Schreibejahren kein Stück weitergekommen. Dann denke ich wieder, das stimmt nicht und eine, die so viel schreibt, muß es schon ein bißchen können und man kann auch aus der “Paula Nebel” einen interessanten kurzen oder längeren Text machen.
Ein bißchen schwierig ist es ja auch mit den Feedbacks. Da habe ich zum Beispiel am Montag die Literarische Soiree gehört und da sagte Katja Gassner, daß sie, seitdem sie in Karenz und junge Mutter ist, nur mehr gute Bücher lesen würde. Was bitte ist darunter zu verstehen? Was ist gute Literatur? Cornelia Travniceks “Chucks”, das in dieser Sendung ziemlich verissen wurde, ist ja ein gutes Beispiel, für ein spannendes Stück neuer Literatur. Da wurde aber die Jugendlichkeit bemängelt und sogar gesagt, daß man nicht über den AIDS-Tod schreiben soll, weil es den nicht mehr gibt und so viel Jugendlichkeit vertragen, die älteren Kritikerinnen offenbar nicht.
Ich habe mir gedacht, wenn ich die “Paula Nebel”, ein bißchen fetzig hinbekomme, wäre das vielleicht gut, aber wie macht man das?
Den Anfang und das Ende schreiben, hat Cornelia Travnicek, in einem Interview gesagt und dazwischen mit Szenen auffüllen, die nicht chronologisch sein müßen. Ich schreibe eigentlich immer chronologisch und verändere dann nicht mehr viel. Vielleicht ist das, das Problem, denn ich kann mich erinnern, daß Cornelia Travnicek auch etwas von vierzig Seiten gesagt hat, die sie weggeschmissen hat. Nun werfe ich nicht viel weg und war mit fünfundzwanzig Jahren sicher nicht so weit, so souverän über mein Schreiben Auskunft zu geben. Mit Dreißig kann ich mich erinnern, daß ich über die Psychose einer Freundin schreiben wollte und nicht weitergekommen bin. Jetzt stehe ich wieder an, denke, ich mag nicht mehr, weil das ja niemanden interessiert. Aber was ist die Alternative? Richtig, ich habe keine. Denn nur meine Bücherberge auflesen, will ich eigentlich nicht. Was ist aber, wenn mit dem Schreiben nichts weitergeht? Du mußt nicht schreiben, hast keinen Anspruch darauf und brauchst es nicht, werden die Kritiker jetzt sicher mahnen. Richtig, was ist aber, wenn ich es will?
Ich kann mich noch sehr genau an meine ersten Kritiker vor fünfunddreißig Jahren erinnern. Die haben “Die Einladung zum Tee” angeschaut und gesagt “Das ist schlecht, wir können dir aber auch nicht sagen, wie es besser geht!” und Rudolf Blazejewski aus Frankfurt, meinte freundlich, ich solle mich an meinem Schreiben freuen und das nur für mich tun. Das ist mir zwar immer noch zu wenig, geht aber wahrscheinlich nicht anders. Was mache ich aber, wenn es nicht weitergeht? Die Freewriter raten, solange “Mir fällt nichts ein!”, zu schreiben, bis es wieder geht. Also aufhören, hinausgehen, den Bleistift mitnehmen und denken, “Du mußt nichts schreiben, kannst es aber, wenn du willst!”
So war ich am Gründonnerstag mit dem Rad in Herzogenburg und habe in der dortigen Bücherei schon “Chucks” in der Auslage des ziemlich verschlafen wirkenden Städtchens liegen gesehen und mir gedacht, “Wow, sind die aber schnell!”
Jetzt jammere ich ein bißchen im Literaturgeflüster und dann sehen, wie es weitergeht? Inzwischen habe ich fünfzig Seiten geschrieben, neunzehn Szenen, 22.860 Worte und es passt noch nicht ganz zusammen und sollte vielleicht mindestens noch eine Verbindungsszene bekommen. Sonst denke ich aber fast, daß ich fertig bin und aus der Paula Nebel ein kürzerer Text geworden ist, der vielleicht die realistische Antwort auf Kurt Palms “Die Besucher” geworden ist, der im Wochenendstandard seine Gedanken über Ostern und das Eiersuchen äußert. Soll und kann so sein!
“Das Haus” war eigentlich auch nicht viel länger. Hebe ich den Text eben, wenn ich mit dem Korrigieren fertig bin auf und schreibe einen zweiten kurzen oder gebe ihn mit den anderen Kurzgeschichten, die ich schon habe, als Geschichtenband oder “Best of III” heraus.
Ich muß ohnehin auch noch meine zwei anderen Bücher fertig machen und zum Lesen habe ich auch genug. Daraus lerne ich immer viel und natürlich muß ich nicht schreiben, will es aber und glaube schon, daß ich es ein bißchen kann!
Karfreitag-Slam
Da ich in Wien lebe und nur manche Wochenenden und die Ferien in Harland verbringe, bekomme ich naturgemäß von der St. Pöltner Literatur nicht viel mit. Zwar habe ich einmal vor Jahren in der LitGes gelesen, eigentlich mit dem Manfred Wieninger geplant, dann aber allein und noch ein bißchen früher, habe ich ein paar Veranstaltungen für die GAV in dem schönen Haus, am Mühlweg war das, glaube ich, organisiert. Seit ein paar Jahren gehe ich auf den Osterspaziergang mit. Zweimal war ich auch im Stadtmuseum, einmal war da vorher das Höfefest. Aber die Schreibwerkstätten etc, gehen an mir vorbei und auch der Poetry-Slam der LitGes von Thomas Havlik moderiert, der heuer schon das zehnte Mal stattfand. Diesmal am Karfreitag, um zweiundzwanzig Uhr im Cinema Paradiso, wo es manchmal auch literarische Veranstaltungen gibt. Bei einigen war ich, bei einer Art literarischen Soiree, wo ein Herta Müller Buch, lange vor dem Nobelpreis vorgestellt wurde und auch prompt die Frage kam “Herta wer?”
Einmal habe ich bei der Stadtzeitung Gratiskarten für die Bilgeri-Buchpräsentation gewonnen und bei einer Manfred Wieninger Krimipräsentation mit Gratisfrühstück war ich auch einmal. Der Alfred hat mir dann das Buch gekauft und im Sommer war wegen des Schlechtwetters der Harry Rowohlt dort, statt auf dem Rathausplatz und wir haben noch einen Platz bekommen und einmal habe ich mit Brigitte Schramm dort Kaffee getrunken.
Bei der LitGes gab es freien Eintritt und bis halb zehn hätte man sich auch zum Mitmachen anmelden können. Das heißt, jeder der das will, durfte lesen, bei den ersten Poetry Slams, die ich erlebte und wo ich mich noch angemeldet hätte, bei den vom Droschl veranstalten im Cafe Stein und ich mich einmal auch beschwerte, daß man mich nicht lesen ließ, wurde man noch ausgewählt und mußte einreichen. Inzwischen ist das vielleicht ein bißchen demokratischer, es darf jeder lesen. Es gewinnen dann aber die Poetry-Slam größen und die, die irgendwelche Gedichte vorlesen, wie etwa bei der Krit Lit im November, weswegen ich bei der Alpha-Preisverleihung zu spät gekommen bin, gehen leer aus.
Denn der Poetry Slam hat inzwischen seine fixen Regeln, sein Publikum und seine Größen. In Wien sind das Markus Köhle und Mieze Medusa. In St. Pölten gibt es die natürlich auch. Ich kenne sie nur nicht, war ich ja das erste Mal dort und wurde auch von Thomas Havlik gefragt, ob ich mitmache? Nein, denn ich habe keine Poety Slam tauglichen Texten, obwowohl ich während der Veranstaltung gedacht habe, ich könnte vielleicht schon einen solchen schreiben. Aber in Poetry Slam Manier vortragen, kann ich ihn, glaube ich, nicht und Thomas Havlik erklärte auch mehrmals, daß es auf Text und Performance ankäme und Slams eine Möglichkeit sind, sich selber auszuprobieren das unterscheidet sie von den gewöhnlichen Literaturveranstaltungen, wo man nur gähnen darf.
Es traten dann auch bald die bekannten Gesichter auf. Ingrid Reichel von der LitGes natürlich und noch eine Dame, die ich vom Osterspaziergang kenne, dann aber Tschif Windisch, die bekannte Wiener Slam Ikone und für mich eine Überraschung, der St. Pöltner Slam Star Andi Pianka, der bei jedem mitmachte und schon vier gewonnen hat.
Ich habe ihn im Sommer im Cafe Anno kennengelernt und Sara Wipauer hat ihn vor drei Wochen auch zur Frauenlesung mitgebracht. Mit Thomas Havlik moderierte Anna Maria Eder, die wie mir Robert Eglhofer, der letzten Sonntag mit Ruth Aspöck kurz zum Kaffee bei uns vorbeischaute, die Tochter Alois Eders ist und sieben Slamer hatten sich, als es losging, schon angemeldet. Thomas Havlik fragte will noch wer? Da meldete sich dann ein Kurt Obermayr, der, wenn ich mich nicht irre, seinen Kannibalensong voriges Jahr am Osterspaziergang vorgetragen hat und eine Frau, die glaube ich, Milena hieß. Dann wurde die Jury bestimmt. Da bekommt man Karten von 1-10 und darf das nicht verwechseln, wie es mir passierte, als ich mich einmal im Cafe Stein dafür meldete und die beste und die schlechteste Wertung wird dann weggezählt. Dann begann es mit der Vor- oder Aufwärmrunde. Jeder fünf Minuten, dann klingelte die Eieruhr, die Ingrid Reichel genau erklärte, wie sie einzustellen ist. Die Jury darf nicht schummeln, erklärte sie auch noch energisch. Kurt Obermayr begann, war sehr gut, wenn auch nicht vielleicht ganz Poetry Slam konform.
So rezitierte er im Sitzen, einen Text von einer Frau, die nur Schokolade, aber keine Männer mag. Der Zweite hieß, glaube ich, Elias Winter, war auch sehr gut und mit seinem “Karl” sehr politisch, die Jagdskandale anprangernd und performte auch im Slam Manier. Der Dritte war ein Musiker und hatte einen Künstlernamen. Dann wurde gewertet und danach kam eine Frauenrunde, wo die ersten beiden Frauen keine Slamtexte hatten und daher keine Chance. Der erste war, wie Thomas Havlik in seiner Zusammenfassung für die Jury erklärte, sehr literarisch. Die zweite Frau hatte drei Gedichte zum Thema Burn Out, Aggression und Chaos und sie waren, wenn ich mich nicht irre, ein bißchen religiös angehaucht. Die dritte Frau hieß Hannah Zauner, trat, wie die Moderatoren erwähnten, das erste Mal auf und war sehr gut mit ihrem Slamtext über die Zeit. Sie hat sich nur ein bißchen dabei versprochen. Kam auch auf den vierten Platz und ist nur nachher nicht mehr angetreten, weil kein zweiter Text dabei. Dann kamen die Stars, ganz zufällig zusammen und am Schluß aus der Popkornschachtel gezogen.
Ein Sevi, der wie Thomas Havlik erklärte, ein Profi und in St. Pölten sehr bekannt. Mir war sein Text ein bißchen zu aggressiv und Tschif Windisch überzeugte mit seiner ungarischen Speisekarte, die, wie aus dem Computer übersetzt klang “falscher Hase mit echten Knödel” Zwar nicht ganz politisch korrekt, würde ich meinen, aber brillant vorgetragen und Andi Pianka folgte mit einer Edamer Diät und einem Märchen.
Die vier Sieger, die nach der Pause drankamen waren dann auch Sevi, Tschif, Andi Pianka und Kurt Obermayr statt Hannah Zauner. Bevor sie antraten meldete sich eine Frau, nannte sich Opferlamm, performte wild von einem Baum, der am Schluß zur Asche wird und wurde sehr bejubelt.
Richtig, das habe ich noch vergessen, am Anfang gaben die Moderatoren noch eine Doppelkonference.
Dann begann wieder Kurt Obermayr mit zwei Wienerischen Texten übers Essen und den Ottakringer Kannibalen. Tschif, der Zahnschmerzen hatte, hatte vier Texte, einen über die Liebe, einen, der davon handelt, daß man bei allen Aggressionen dieser Welt am liebsten “Aus” schreien sollte. Sevis und Andy Piankas Texte waren sehr politisch und am Schluß hat Tschif, oft angetreten aber zum ersten Mal in St. Pölten, gefolgt von Andi Pianka und Sevi gewonnen.
Dann gab es eine Siegerehrung von der LitGes. Trostpreise Kinokarten und ein Etceteraabo für alle und hundert Euro Extra für den Sieger extra, der gleich ins Tschocherl, wo die El Awadalla ihren Millionenshowsieg feierte, am 10. zum Dialekt Slam einlud und nachher noch eine Party im anderen Kinosaal zum Feiern des zehnten LitGes Slam, der möglicherweise das erste Mal am Karfreitag und in einem vollen Saal stattfand, sehr professionell und literarisch interessant war, sowie lang gedauert hat.
Slams sind ja derzeit sehr modern. Jedes Dorf, jede Stadt hat einen. So gibts am 20. auch einen in Krems, bei dem, wenn ich mich nicht irre, auch die Ruth Aspöck lesen wird, aber ob es uns dorthin verschlagen wird, weiß ich noch nicht.
Und von Thomas Havlik, einen engagierten GAV-Kollegen, der immer das Litarerna junge Literaturetcetera macht und auch ein begnadeter Slamer sein dürfte, ist noch zu erwähnen, daß er nächste Woche im Literaturhaus lesen wird.
Eigentlich eine tolle Idee an einem Karfreitag, wo außer Ratschen, Kirchgang und Fasten nichs los ist und es früher kein Kino gab, einen Poetry Slam zu veranstalten und es erhöht auch die Chance eines Karfreitagsprogramms, wo ich mich einmal erinnern kann, die frühere oder Ehrenobfrau der LitGes Doris Kloimstein besucht zu haben und die schlug den Besuch einer Messe im Dom vor, was für mich, da nicht katholisch, eigentlich nicht sehr passt.
Rußland – 21 neue Erzähler
Einundzwanzig der interessantesten Autorinnen und Autoren des modernen Rußland, von denen die meisten wahrscheinlich nur Ljudmila Ulitzkaja und Vladimir Sorokin kennen werden, sind in diesem, 2003 im deutschen Taschenbuch Verlag erschienen und von Galina Dursthoff herausgegebenen Buch, versammelt, das ich bei Thalia in der Kremsergasse um einen Euro erworben und zur Seite gelegt habe. Erzählungen lese ich ja nicht und es reuig wieder aus dem Bücherregal holte, weil ich dieses Vorurteil ja spätestens seit dem Short-Cut-Festival ändern will und es scheint auch ein sehr interessantes Buch zu sein.
Mit einem Bild und Nachwort der Herausgeberin, die auf diesen mit Hut, schwarzer Jacke und einem rußischen Buch vor der Brust abgebildet ist und es gibt vor jeder der einunzwanzig Geschichten ein Bild und eine Seite Biografie des jeweiligen Autors, auf der er oder sie sich selbst beschreiben und man trotzdem nicht allzu viel erfährt. Zumindest keine Geburtsdaten oder doch natürlich, denn Sergej Nossow verrät auf seiner Seite, daß er beim Heumarkt geboren wurde und aufgewachsen ist. Das ist ein Platz in Peterburg um den herum Dostojewskis “Schuld und Sühne” handelt und in seiner Geschichte “Tabuthemen” spaziert der Held auch auf den Heumarkt, hat Geld in der Tasche, weil er für seine schöne Frau ein schönes Geschenk kaufen will und gerät an einem, der ihm ein Gläschen Schnaps verkauft. Getrunken wird in den neuen rußischen Geschichten überhaupt sehr viel, die Wodkaflasche spielt eine sehr große Rolle und weil der Held behauptet Geschäftsmann zu sein, will ihm Michail gleich einmal eine Leiche verkaufen. Keine gewöhnliche, sondern eine ganz besondere, bei der nicht nur den “Wortkünstlern” die Spuke wegbleibt, denn die Leiche behandelt “Tabuthemen” und damit befaßt sich der Erzähler nicht, wurde über sie doch schon von Majakowski, Jewtuschenko etc geschrieben. Trotzdem kauft er sie um seine dreihundert Rubel, die dann gleich versoffen werden, um sie anschließend wieder einzugraben und dann steht er da mit zitternder Hand und schwört “Ich werde es nicht verraten, nein. Niemanden. Niemand wird des erfahren. Niemand.”
Irena Deneschkina hat in “Issupow” ein ähnliches Begehren, denn sie studiert an der Journalistischen Fakultät, obwohl sie sich nicht vorstellen kann, eine Reportage über eine lebendige Person zu schreiben, sondern nur über “Issupow” ihren Freund, der ein Clown und ein Gaukler ist, erzählen will.
Alexander Churgin wurde als Jude in Moskau geboren und lebt in der unabhängigen Ukraine, wobei er als Schriftsteller gleich in einige Dilemmi kommt und hat in “So was Dummes” eine sehr witzige Geschichte, wo einer aus dem Gefängnis zu seiner Frau heimfährt, die gerade auf Nachtschicht ist, dann wird gegessen und gesoffen und als sie miteinander im Bett liegen, kann er nicht, denn im Gefängnis und auf der See schrupfen ja die Pimmel ein. So geht er am nächsten Tag zu seinem Zwillingsbruder und der geht dann statt ihm nachts zu der Ehefrau, die den Schwindel aber erkennt, aus dem Fenster springt und der Held landet wieder im Gefängnis und begeht dort, glaube ich, auch einen Mord.
Ljudmila Ulitzkaja habe ich, glaube ich, einmal, bei der Literatur im März Veranstaltung im vormaligen noch unfertigen Museumsquartier, das vielleicht noch Messepalast hieß, gehört, Alexandra Millner hat sie vorgestellt und in “Rußische Frauen” wird gleich weiter gesoffen, diesmal in New York, wo sich drei ehemalige Rußinnen treffen und über ihre saufenden Exmänner schimpfen, dann versuchen sie es miteinander und veranstalten als der Wodka ausgeht, eine Hausdurchsuchung, weil man ja nach Ljudmila Ulitzkaja in russischen Wohnungen mehr Wodka als Bücher findet und am Schluß beschließt eine der Frauen, heim zu ihrem Liebhaber zu fahren.
Der Internet affine Wladimir Tutschkow entwirft in “Die Insel der Freiheit und des Glücks” das Modell eines amerikanischen Lebens auf sibirischen Boden, das natürlich scheitert und im Faschismus endet.
Tatjana Nabatnikowa hat die “Nationalen Bestseller” organisiert und ist auf dem Foto bei der Überreichung einer der Preise abgebildet. In ihrer Geschichte “Das Archimedische Prinzip” geht es um eine alte Liebe und um das Wiederhestellen des urspünglichen Zustands. Ilja Stogoff schreibt in “Einfach am Abend” von Sex an Drugs”, da wird einer zu einer Party in einen Club geladen, soll mit einer gelangweilten Schönen Pornos drehen und als er das ausprobieren will, ruft die Ehefrau, die im fünften Monat ist an und er muß nach Hause. Anatoli Gawrilows Geschichte “Die Berliner Flöte”” spielt natürlich dort und wird von einer offebar sehr musikalischen Erzählstimme berichtet, die der Tochter eine Flöte kaufen will, aber das Geld dazu nicht hat. Jana Wischnewskaja wurde in Kiew geboren und erzählt in “Durch alle Meere und Länder” vom Krieg und den Soldaten, die sich dabei suizidieren oder durch das weiße feine Pulver zu Tode kommen. Dann folgt Andrey Bytschkow, der von sich nicht weiß, ob er sich als Realist, Surrealist oder Avangardist bezeichnen soll und in seiner Geschichte “Saint-Michel”, die offenbar in Frankreich spielt, auch von Sex und gekaufter Liebe erzählt, während Julia Kissinas Geschichte, wieder in Deutschland spielt, wo sie auch lebt, man sieht die neuen rußischen Erzähler haben viel erlebt und oftmals auch Migrationserfahrung. Michail Jelisarow wurde 1973 geboren und schreibt in “Der Stadtteil hieß Panilowka” von einem Jugendlichen, der mit einem Monteur “bis an den Arsch der Arbeit geht”.
Der 1961 geborene Pawel Krussanow erzählt in höchst surrealen Tönen vom rußischen Winter, der ja auch beeidruckend ist. Da fährt einer im Bus nach Haus, die Frau und der Kartoffelauflauf verlocken nicht sehr, so geht er mit einem, der wie Mephisto gekleidet ist, auf Sauftour und wird am Schluß dennoch von seiner Frau erwartet, während Irina Borissowa in “Sommer auf dem Land” von zwei Rentnerinnen schreibt, die Blumen züchten und sich in ihrer Einsamkeit damit gegenseitig bekriegen und Andrej Gelassimow läßt uns in “Zartes Alter” ins Tagebuch eines Jugendlichen schauen, der von Audrej Hepburn träumt, Klavierspielen lernen will, während sich seine Eltern im Schlafzimmer zerstreiten, die Mutter verläßt ihn schließlich und die alte Klavierlehrerin stirbt, da hört er zu schreiben auf. Jegor Radow erzählt in “Tagebuch eines Klons” was alles mit der Menschheit passieren kann und wer sich als Genie entpuppt und wer sich zu Tode säuft und dann trotzdem die Organe des anderen bekommt
Höchst eindrucksvoll und zu empfehlen, die Geschichten der einundzwanzig neueren rußischen Autoren, zu denen noch Marina Wischnewezkaja, die in “Sperlingsmorgen”, die Gedanken und Erlebnisse einer Säuferin und wahrscheinlich Prostituierten sehr eindrucksvoll beschreibt, Oleg Postnows “Kornett Jergunow”,Segej Bolmats “Shopping” und Natalja Smirnowas “Park der Steine” gehören.
“Komisch, klug, drastisch, verblüffend”, wie am Buchrücken steht und wo eigentlich alles beschrieben und nichts ausgelassen wird.
Vladimir Sorokin, von dem ich “Das Eis” gelesen habe und der in seinem Vorwort davon erzählt, wie er als Kind im Arbeitszimmer seiner Eltern gegen das Heizungsrohr gefallen ist und seither phantastische Bilder in seinem Kopf hat, die er zu ebensolchen Geschichten formt, habe ich vor Jahren in einer sehr überfüllten Hauptbücherei gehört und da war auch etwas im vorigen Jahr zur noch neueren russischen Literatur. Im Bücherschrank habe ich vor kurzem Wladimir Kaminers “Schönhauser Allee” gefunden, aber der wird, wie ich einmal auf einem Symposium im Literaturhaus hören konnte, ja nicht zu den richtigen Russen gezählt.
Lesung mit Rudolf Lasselsberger im El Speta
Am Mittwoch also die Lesung im El Speta mit dem lieben Rudi, der ja das Lokal in der Hofmühlgasse als Lesungsort entdeckte und im Februar mit Christian Futscher und Hansjörg Zauner dort las und jetzt eine Gemeinschaftslesung mit mir und der dafür nicht nur extra Leseleiberl, sondern auch sehr schöne Einladungskarten drucken ließ. Ich habe ja versucht ein bißchen Werbung für die Veranstaltung zu machen. In der Osterwoche sind aber alle schon fort und nur Christiane Zintzen beklagte auf ihren Blog, daß es außer einmal Textvorstellungen in der Karwoche keine literarische Veranstaltungen gibt. Mit Ausnahme der Lesung im El Speta, zu der auch das fröhliche Wohnzimmer, sprich Fritz Widhalm, Ilse Kilic und noch ein paar bekannte Gesichter erschienen sind. Drei Herren versuchten Schach zu spielen und wurden durch uns gestört, ein Herr, der auch für You Tube mitfilmte, baute das Mikrofon auf, als ich meine Bücher auf dem Lesetisch improvisierte.
Rudi Lasselsberger hatte einen Lesehasen und eine schöne Einleitung, aus der ich erfuhr, daß Karin Schöffauer im Dezemember gestorben ist, der er die Lesung widmete, was sehr traurig ist und ich nicht wußte. Sie hat glaube ich einige Mal bei den “Freiheit des Wortes”- Veranstaltungen, als ich die noch organisierte, mitgelesen, ich habe sie auch ein paar Mal immer wieder beim Spazierengehen getroffen und einmal sind wir nach der Lesung lange in der Neubauschenke gesessen und sie hat mir auch ein selbstgemachtes sehr schönes Buch von ihr gegeben, das ich aber noch nicht gelesen habe.
Nach der Einleitung folgte wieder Musik von Stephan Brodsky an der Marimba, dann begann ich mit der “Wiedergeborenen” dasselbe Stück aus Szene eins, das ich schon bei den Mittleren gelesen habe. Dann kam Rudi Lasselsberger mit einem Song “Ich geh noch zur Schule”, wahrscheinlich nicht von ihm und einen Gedicht auf Winnetou. Richtig Karl May ist ja vor hundert Jahren oder so gestorben, deshalb war die Lesung auch ihm gewidmet und eine Winnetou CD hat das Fröhliche Wohnzimmer, glaube ich auch und dann ein Stück aus der Erzählung “Franz in Linz”.
Dann kam eine Pause zum Luftschnappen, Klogehen, Rauchen oder Büchertisch bewundern, was nicht viele machten. Danach folgte ich mit der “Tanzstundenszene” aus der “Frau auf der Bank”, das leider immer noch nicht fertig ist und leider habe ich beim Lesen dann das letzte Stückchen nicht mehr gefunden, obwohl ich die Seite ohnehin mithatte, aber doppelseitig Lesen ist ein bißchen schwierig, das Stück ist aber auf meiner Homepage nachzulesen und soll es ja auch bald als Buch geben. Der liebe Rudi hatte dann noch einen Text, der beim Reisestandard und im Freibord erschienen ist.
Es wurde viel fotografiert und auch noch ein bißchen diskutiert und jetzt bin ich wieder in den Osterurlaub nach Harland hinausgefahren, um den Rest der Woche dort zu verbringen. Ein wenig weiterschreiben am momentanen Work on progress und da bin ich, ich traue es mich gar nicht zu schreiben, nach meinem großspurigen Schreibbericht vor ein paar Tagen, am Dienstag prompt abestürzt, habe die einundvierzig Seiten auf knapp vierzig reduziert und gedacht, ich kann es doch nicht und das dann auch auf Thomas Wollingers Blog geflüstert. Am Mittwoch bin ich es noch einmal durchgegangen, habe es anders empfunden und gedacht, so ist halt mein Stil und dann auch noch eine Szene angefügt. Ein bißchen etwas ergänzen, kürzen oder vertiefen wird wohl noch nötig sein und ob das Ganze wirklich ein großer Roman wird oder vielleicht doch nur eine kürzere Erzählung, weiß ich noch nicht. Man kann es wahrscheinlich auch noch von ein paar anderen Seiten betrachten, ist aber so, wie ich es kann und will. Wie es jetzt in den Ostertagen damit weitergeht, wird spannend werden und in drei Wochen gibt es noch einmal, diesmal in Salzburg eine Lesung, wo ich wieder den Beginn der “Wiedergeborenen” präsentieren will.
Und hier die Videos 2 3 4 5
Sex mit 45
Weiter geht es mit den angebotenen Rezensionsexemplaren und da ist jetzt ein sogenannter “Schundroman” respektive “gehaltvoller Liebesroman” im bekannten Bastei-Roman Outlook namens “Sex mit 45” – “Eine Heldin namens Lotte Zusatz-Zahl auf der Jagd nach 45 Sexabenteuern gemeinsam mit ihrem treuen Cockerspaniel Joker”, zu mir gekommen.
Hydra, respektive der Holzbaum-Verlag, der bei den “Komischen Künsten im Museumas Quartier 21” sein Zuhause hat und von Clemens Ettenauer, der ihn gemeinsam mit Katja Kovacs, die ich vermutlich kenne, gegründet hat, herausgegeben und das zweiundneunzig Seiten Buch ist eine Gemeinschaftsausgabe von vierzehn Autoren Autorinnen namens Herbert Hammer, Konrad Gregor, Bart Ender, Peter Raritäter, Ronnie Berger, Felix Frotteur, Viienne Festfut, Julia Fuchs, Danielle B. Nutz, Philstair, Ralf C. Rosinger, Rene van Plüsch, Antonia-Aurelia-Mariea Weicher-Schanker, Bartoletto Szattolino, Linoläus Wroclawek, Sir Dick Longwood, Eduard Schwarz, Stefan Kokolores, Franz Ferdinand, Andreas Rieger und Saul Fogeltanz, wie sie alle heißen, bzw. das höchstwahrscheinlich nicht tun.
Jeder hat ein Kapitel beigesteuert und wenn ich richtig zählte, kommen keine fünfundvierzig, sondern dreiundzwanzig schicksenhafte Kapitel dabei heraus und sie sind auch nicht chronologisch angeordnet, sondern lustig durcheinandergewürfelt.
Als Herausgeber fungiert ein gewisser Curt Cuisine oder Küche und das Ganze sieht wirklich täuschend echt, wie ein Romanhefterl aus, ist nur ein bißerl dicker und ich habe, ich gestehe es, die Bastei Liebes- Fürsten- etc, Romane, als Jugendliche ganz gern gelesen und es ist auch ganz in diesem Stil mit Blumenrändchen und den vielen Werbeseiten aufgemacht.
“Lotte Romane werden in der ganzen Welt gelesen”, steht so auf der ersten bzw. zweiten Seite.
Dann gibt der derzeit frauenlose Cockerspaniel ein Geleitwort “Zum Gebell” und der “Leckbrief” Lotte Zusatz-Zahl mit einem kecken Bildchen folgt. Alter: 46, Familienstand: geschieden und kinderlos, Beruf: Assistenz der Geschäftsführung in einem Großhandelsbetrieb für Kunststoffrohre, Hobbys: Tanzen, insbesondere Salsa, CSI Miami schauen, Flirten im Internet, ihr Hund “Joker” (ein Cockerspaniel), Schwimmen, Rollerskaten auf der Donauinsel, sich schick machen und ins Casino gehen. Sie mag: Abwechslung, Männer mittleren Alters, gerne aber auch Jüngere, Viennetta von Eskimo, Kino an verregneten Sonntagen, ausgedehnte Spaziergänge rund um den Kahlenberg, Kochen für Genießer. Sie mag nicht: Bill-Ramsey-Songs, faule Männer und Ausreden, Lügen, Zweireiher (mit Goldknöpfen!) Sie ist: eigentlich tolerant, lebt aber in einem bürgerlichen Milieu, sie ist weiters resolut, direkt und kann sehr wohl zwischen Liebe und Sex unterscheiden. Momentan sucht sie eher zweiteres, nimmt aber gerne auch Liebe, wenn sie daherkommt. Lieblingslied: Toto – Hold the Line”
Das ist schon einiges an Information über die schöne Lotte mit der schicken Brille und dann gehts gleich weiter mit den “Ziehungen” Alle Lottes auf einem Blick” sprich dem Inhaltsverzeichnis, wo die dreiundzwanzig Kapitel angegeben werden.
Es beginnt mit dem “Roten Regenschirm”, da erlebt Lotte ein Sex-Abenteuer mit einem Herrn U-Bahnaufseher. Dazwischen gibt es, wie erwähnt viele Werbeeinschaltungen.
“Ja, so etwas würde auch Lotte tragen – superschicke Untergatten vom Feinsten” von der Marke Pampers, ein paar nackte Männerbrüste mittleren bis höheren Alters auf der Seite fünfundzwanzig. Lieselotte empfiehlt mit dem Waltraud Haas Outfit, Buchempfehlungen wie Nikolai Google “Die toten Seelen” und anderes Witziges etc.
Die große Lotte-Fotostory gibt es in der Buchmitte auch. Migränin gegen Kopfschmerzen wird empfohlen und dazwischen erlebt die Lotte ihre dreiundzwanzig Liebesabenteuer, was für eine, die sich nicht gerade als Spezialistin in erotischen Romanen bezeichnen kann, sehr spannend zum Lesen ist.
Was mir natürlich besonders gut gefällt ist die Realistik und der aktuelle Wien-Bezug in manchen Szenen, so besucht Lotte das Donauinselfest oder fährt mit der U-Bahn dorthin und als sie beim Schuheinkaufen mit dem schönen Erwin gerade unter der Budel liegt, der auf ihr Kokain ausprobiert, erscheinen die Damen Susi Jerusalem und Maria Vassilakou und befreien sie, so daß Lotte fortan beschließt “grün” zu wählen, weil ihr H.C.Strache ohnehin nicht gefällt und als sie morgens unter der Dusche steht, erscheint der GIS Kontrolleur um ihren unangemeldeten Fernsehapparat zu kontrollieren, einen DDR-Bezug gibt es auch.
Wie gesagt, die Bastei-Liebeshefteln, den sogenannten Groschenroman, den die Leute immer nur für die alte Tante oder Nachbarin und niemals für sich selber kaufen, habe ich ganz gern gelesen.
Anna Jeller hatte vor kurzem ein ganzes Schaufenster dieser Reihe unter dem Titel “Es muß nicht gerade Kaviar” sein, gewidmet und ein Buch zum Schreiben von Groschenromanen gibt es auch und das soll, habe ich gehört, gar nicht so einfach sein und seine speziellen Regeln haben. Auf der anderen Seite verlockt es offensichtlich auch immer mehr Autoren an das Genre heran, um sich vielleicht auch ein bißchen lustig darüber zu machen.
Die Liebesroman Groschenheftchen sind wahrscheinlich Erfahrungen, die wir alle mehr oder weniger machten und es zugeben oder auch nicht. Mit dem Lesen von erotischen Romanen, habe ich nicht so viel Erfahrung, bzw. langweilte ich mich öfter bei der Rund um die Burg-Erotiknacht, als die da noch mit Herzmanovsky-Orlando ankamen. Inzwischen gibt es viele junge Frauen, die es sich in dem Genre versuchen und die Evi von Zwillingsleiden bzw. Cafe Uranus, wie sich ihr Blog inzwischen nennt, ist eine Leserin, der ich “Sex mit 45” gern empfehlen würde, das mir interessanterweise ganz gut gefallen hat und einige originelle Episoden, wie zum Beispiel die, wo die Tochter mit der Mutter gemeinsam Bingospielen geht oder die von dem Sado-Maso-Cafe am Naschmarkt, wo man aus Hundeschüßeln und aus Damenschuhen trinkt und Lotte den Totengräber Christian trifft, der am Zentralfriedhof arbeitet, enthält. Mit anderen konnte ich wieder nicht so viel anfangen und am Schluß wird es vollends dramatisch. Das Finale führt Lotte im Katzenkostüm in einen Männerklub bzw. auf die Schlachtbank und am Ende weiß, sie “sie würde diesen Tag nicht überleben.”
Ja, so gehts mit den satirischen Sexromanen, ein Mißverständnis scheint aber dabei zu sein, die Bastei Hefterl waren eigentlich nicht pornografisch und die vorliegenden dreiundzwanzig Kapitel sind wahrscheinlich nicht jugendfrei.





























