Freibord – Jahrgang 35 und 36

“Aller guten Dinge sind 3 und dopptelt hält besser”, steht im Programm der Alten Schmiede und als ich dorthinkomme, sehe ich bekannten Gesichter. Christine Huber, Herbert J. Wimmer, Marie Therese Kerschbaumer, Elisabeth Wäger stehen vor der Tür. Fritz Widhalm, Ilse Kilic, Ingrid Wald, Angelika Kaufmann, Sylvia Treudl, Nils Jensen treffe ich drinnen, Rudi Lasselsberger sitzt in den hinteren Reihen, wird doch die Gerhard Jaschkes “Freibord” vorgestellt, das er gemeinsam mit Hermann Schürrer gegründet hat und die jetzt in den sechs oder siebenunddreißigsten Jahrgang geht. Beim Fünfunddreißigjahresfest war ich dabei und inzwischen habe ich eine dritte Freibord Publikation, ist ja mein Nachruf auf Helmut Eisendle, auch ein Literaturgeflüsterkurztext, den ich für den Osterspaziergang des Wiener Lesetheaters vor zwei Jahren geschrieben habe, dort erschienen. Gerhard Jaschke nahm Platz am Podium, Kurt Neumann begrüßte, nannte das “Freibord” eine fulminante Publikation, dann ergriff Gerhard Jaschke das Wort und hielt einen Vortrag über die Heftgeschichte, schimpfte auf die Post und ihre hohen Portkosten, wenn man eine Einladung zu einer Ausstellung unterfrankiert, schickt sie zurück und die Eröffnung ist vorbei und gab auch die Daten zu allen Ausstellungen an, die mit dem “Freibord” in irgendeiner Art und Weise im Zusammenhang stehen bekannt. Am 7.7. wird die Sommerausstellung in Unterretzbach eröffnet, in der es auch ein Portrait von Elfriede Gerstl zu sehen geben wird. Dann zeigte er ein alten “Freibord” her, in dem Elisabeth Wäger-Häusle, Gerhard Kofler etc zu sehen waren, zitierte einige Erwähnungen in Zeitungen und eine Anfrage nach einem Artikel den es gar nicht gab, weil es offenbar eine Verwechslung mit der Zeitschrift “Freibeuter” war und zitierte die Lesungen und die Feste, die es gegeben hat.
Namensverhunzungen wurden auch noch erwähnt, aber das tat schon der erste Leser, Peter Matejka, der offenbar immer falsch ausgesprochen wird und der hatte zwei Texte, einen alten und einen neuen. Der Alte ging über eine Katzengeschichtensammlung, die sich ein pensionierter Volksschuldirektor von seinen ehemaligen Schülern schreiben ließ und dafür Ildefonso an sie verteilte und die letzte bezog sich offenbar auf die Schiffskatastrophe, die es im Jänner gegeben hat. Das “Alptraumschiff” und die Passagiere beschwerten sich darüber, daß sie ihre untergegangen Reiseandenken nicht ersetzt bekamen. Die nächste Leserin war Elisabeth Wäger, die einmal Wäger-Häusle geheißen hat und drei Seiten aus einem Roman las. Dann folgte Ronald Pohl, der Standard Kritiker, der im gleichen Jahr wie ich in die GAV aufgenommen wurde und der schöne Gedichte hatte.
Sylvia Treudl, die Leiterin des niederösterreichischen Literaturhauses in Krems, hatte zwei Texte in denen sie sich an ihre Großväter erinnerte und Portraits war offenbar auch ein Thema, das Gerhard Jascke vorgegeben hat, an das sich aber nicht alle der sechs Leser hielten.
Herbert J. Wimmer hatte eigene Gedichte und hat auch vor einer Woche, als ich mit Alfred und Anna essen war, die von Elfriede Gerstl vorgestellt. Ilse Kilic, die letzte Leserin las ebenfalls Gedichte vor, vier im “Freibord” erschienene und eines, das sie nach oder für Gerhard Jaschke gedichtet bzw. ihm gewidmet hat.
Im Anschluß verwies Gerhard Jaschke auf den Büchertisch und darauf, daß man alle Nummern zu einem Sonderpreis von fünf Euro kaufen konnte, vorher hat er noch den Welttag des Buches und alle, die an diesen Tag Geburtstag haben erwähnt, so daß ich, die ich mich ja schon gestern und vorgestern daraufbezogen habe und heute auch eifrig einigen Bloggern Kommentare hinterließ, bzw. mich an ihren Gewinnspielen beteiligte, auf mein Welttag des BuchsArchiv verweisen und zur Feier des Tages habe ich mir noch zehn tolle ungelesene Bücher aus den Weiten meiner Regale herausgesucht, mit der eine neue Bücherliste beginnen will.

Neue Wege oder Standortklärung

Eigentlich wollte ich heute Marcel Reich-Ranickys “Über Hilde Spiel” zu Ende lesen und besprechen, dann wollte der Alfred erst morgen nach Wien fahren. Aber ich habe ohnehin was zu flüstern, hat sich seit dem letzten Blogeintrag ja einiges ergeben, denn da habe ich geschrieben, daß ich ein “Literaturgeflüster-Texte – Buch” machen könnte und das eigentlich nicht wirklich vorgehabt. Als wir dann nach Harland fuhren, habe ich gedacht, daß das die Idee sein könnte, aus dem Ausgeschriebensein herauszukommen und Abstand zu gewinnen. Da muß ich mich wahrscheinlich ein wenig austricksen, weil es sonst mit den kurzen Texten und den Fingerübungen vielleicht nicht klappt, bis der Kopf wieder frei ist für etwas Längeres. Aber so könnte es gehen habe ich gedacht. Erst die “Wiedergeborene” fertig machen, was noch dauern wird, da der Alfred im Mai mit dem Karli nach Australien fährt und den Text, glaube ich, noch nicht sehr durchgesehen hat. Dazwischen korrigiere ich die “Paula Nebel” und die wird, das ist mir jetzt ziemlich klar, ein kürzerer Text. Vorläufig habe ich, ich habe es jetzt noch einmal durchgesehen, zweiundfünfzig Seiten und 23.569 Worte, ein halber Nanowrimo, aber ich finde ihn inzwischen eigentlich doch nicht so schlecht. Es sitzen vielleicht noch nicht alle Szenen, bei einer bin ich mir nicht sicher, ob ich sie drinnen lassen soll und es ist vielleicht auch nicht die neue fetzige Erkenntnis über das Leben einer neunzigjährigen Frau. Ich werde es aber nicht wegschmeißen, sondern fertigmachen und höchstwahrscheinlich als eigenständigen Text herausgeben. Das wird dann halt ein kurzes Buch und dann wird es das “Literaturgeflüster – Texte- Buch” geben und da werde ich die Texte, wie den “Wunderschönen Tintentraum”, die Reisetexte, die beiden “Paula Nebel”Goodies und was ich sonst noch habe, zusammensammeln. Ein paar Impressionen, die das Literaturgeflüster erklären können auch dazu kommen und dann werde ich noch einen eigenen Text bzw. Vorwort dazu schreiben und wenn ich nicht genügend Texte habe, schreibe ich sie. Eine gute Arbeit zum Kopf auslüften denke ich und weil dann ja auch der Sommer kommt, wo wir wahrscheinlich in die baltischen Staaten fahren, komme ich, bis ich damit fertig bin, wahrscheinlich in den nächsten “Nanowrimo” hinein und den könnte ich, habe ich gedacht, einmal ganz wörtlich und im Sinne des Erfinders nehme. Denn der hat damit ja die Schreibblockaden lösen wollen, in dem er vom Plotten abrät, rät, nicht zu korrigieren, sondern daraufloszuschreiben, bis man 50. 000 Worte hat. Daran habe ich mich 2009 nicht ganz gehalten. Jetzt könnte ich das tun, einfach Material sammeln, bis der November, der wahrscheinlich durch die Buch-Wien, das Geburtstagsfest und andere Veranstaltungen ohnehin wieder hektisch werden wird, um ist und dann schauen, ob der Kopf auf diese Art und Weise frei geworden ist. Denn es stimmt schon, was ich jetzt öfter geschrieben habe. Ich habe in den letzten Jahren sehr viel geschrieben, habe natürlich meine Grenzen und schummelte mich sicher auch ein bißchen darum herum. So, daß vieles vielleicht nur angeschrieben ist, mich aber vielleicht gehindert hat, die Geschichte der alten Frau lang zu schreiben. Denn, daß sie ihre Bücher ausliest, wollte ich schon nicht wieder schreiben und auch nicht, daß sie wegen ihrer Depression das Haus nicht verläßt. Das habe ich schon alles geschrieben, von achtzigjährigen und hundertjährigen Frauen, ihren Töchtern und Enkelkindern. So ist ein fünfzig Seiten Text herausgekommen, der die letzten Tage einer alten Frau schildert, die in diesen eine hektische Betriebsamkeit entwickelt, in ihr Leben eher kurz zurückschaut, die Regina, den Herrn Hans und den Enkel Rainer habe ich nicht wirklich einbezogen, die Sofia nur angedeutet.
Judith Gruber-Rizy, die mir ja ein aufmunterndes Mail geschrieben hat, hat gemeint, die Person einer alten Frau ist vielleicht zu wenig für einen ganzen Roman und sich erinnert, daß ich im Wiener Stadtroman viele Figuren und viele Handlungsstränge hätte. Stimmt, das ist mir beim Wiederlesen vor einem Jahr auch aufgefallen, daß das sehr stimmig geworden ist. Ging aber jetzt nicht mehr wieder. Ich vermute, daß ich zu ausgeschrieben bin. Aber es stimmt schon, wer sagt, daß es unbedingt immer der lange Roman sein muß? In der Kürze liegt die Würze, heißt es doch, das lesen die Leser wahrscheinlich auch lieber und da ich meine Bücher ohnehin selber mache, ist die Länge auch egal und ich bin auf keine Verlagsvorgaben angewiesen. So weit so what und ich glaube, ich habe die Krise umschifft, meinen Weg wieder gefunden und denke, eine Standortbestimmung war auch sehr gut.
Das muß man wohl hin und wieder tun und mein Problem ist ja, daß ich mich mit meinen dreißig selbstgemachten Büchern ein wenig komisch fühlte, weil ich immer dachte, du hast keinen richtigen Verlag. Den suche ich inzwischen zwar nicht mehr wirklich, konnte aber immer hören, den brauchst du, denn nur so bist du gut, bekommst Lesungen, Preise, Stipendien etc.
Das habe ich zwar nie wirklich so ganz verstanden, hat mich aber sehr geprägt und ich bin auch angestanden. Während sich da jetzt vielleicht ein bißchen was zu ändern scheint. Gibt es ja inzwischen schon andere Autoren, die das “Selfpublishing” recht selbstbewußt betreiben. Die beziehen sich zwar hauptsächlich auf E-Bücher, was ich, weil ich ja nicht so wirklich technisch bin und durch meinen Brotberuf und meinem Lebensstil auch nicht so aufs Verdienen erpicht bin, eigentlich nicht will. Ich will nur weiter schreiben und mich dabei nicht mehr so daneben fühlen. Um nicht falsch verstanden zu werden, wenn sich Rowohlt, Fischer, etc bei mir melden, würde ich natürlich….
Geht aber bei mir nicht, irgendwie scheint mir das nicht zu gelingen und es geht ja auch mit dem Selbermachen, habe ich da auch schon sehr viel.
So what, kein Glücksgefühl und keine Euphorie, aber mehr annehmen, daß es so ist, wie es ist und ich es offensichtlich nicht verändern kann.
Seit ich das Literaturgeflüster habe, habe ich auch einen Weg in die Öffentlichkeit. Ich habe da schon ein riesiges Archiv von Artikeln und Geschichten und das Reflektieren meines Schreibens hilft mir eigentlich auch sehr. Und so gehe ich meinen Weg, schreibe wie ich es kann und das, was ich sicher gelernt habe, ist mit Kritik umzugehen. Da hat mich früher das allzu Harsche oft umgehaut und ich habe nicht gewußt, was ich antworten soll?
Jetzt sage ich, ich schreibe, wie ich es kann, bemühe mich weiterzukommen, akzeptiere aber auch, daß es ist, wie es ist!
Da bin ich schon beim zweiten Teil des heutigen Artikels, ist ja morgen wieder Welttag des Buches und das ist jetzt schon zu merken, habe ich mir ja gestern, die Geschenkantoholgie des österreichichen Buchhandels beim Schubert, die von Mercedes Escherer und Gerald Schantin herausgegeben wurde “Erlesenes Europa” mit fünfzehn Texte, die teilweise Buchkapiteln sind, geholt und bin dann, weil ich beim Korrigieren etwas herumsurfte, daraufgekommen, in Deutschland gibt es eine tolle Aktion. “Lesefreunde” nennt sich die und da konnten sich 33.333 Personen bewerben und unter fünfundzwanzig Büchern, worunter auch ganz Tolle und ganz Neue sind, eines auswählen, sich in ihrer Lieblingsbuchhandlung, eine Kiste mit dreißig Stück abholen und die ab sechzehnten April verteilen. Eine Million Bücher werden da in Deutschland freigesetzt und das Literaturcafe berichtete darüber und beklagte, daß sie die Bücher nicht an den Mann brachten, weil die Leute wegschauten oder dachten, da würde jetzt der Koran verteilt oder man würde sonst was von ihnen wollen. Was mich ein wenig wunderte, denn wenn mir am Welttag des Buches, jemand ein Buch entgegenstreckt, nehme ich es. Andererseits denke ich, ist diese Aktion ja neu und auf der Mariahilferstraße laufen auch manchmal Leute mit einem Korb herum, geben dir was und wollen dann Geld dafür.
Die Bücherschenker waren mit ihren dreißig Büchern wahrscheinlich nicht so als solche zu erkennen, auch wenn es auf dem Buch draufsteht, was das für eine Aktion ist und, daß nicht alle Leute gerne und viel lesen ist auch ganz klar und nicht alle wollen alles. Sechzehnjährige vielleicht nicht den Peter Stamm, die Stephenie Meyer hätten sie aber ihren Freundinnen mitbringen können und man kann das Ganze sicher auch kritisch sehen. Denn wer soll die Bücher dann noch kaufen, wenn man sie umsonst bekommt? Ich glaube ja ohnehin, daß Bücher unverkäuflich sind. Die Initioren behaupten aber nein und meinen die Länder, wo es schon so was gibt, hätten die Erfahrung gemacht, daß sich das Buch dann mehr verkauft, was vielleicht bei fünfundzwanzig verschiedenen Büchern zutrifft. Ich bekomme eines und kaufe mir dann auch was von den vierundzwanzig anderen, während ich mir denke, daß die Bücher die für die “Eine Stadt – ein Buch- Aktion” ausgewählt werden, in Wien unverkäuflich sind und die liegen auch in den Bücherschränken immer wieder auf.
Eine spannende Idee, trotzdem, die ein bißchen neidisch machen könnte. Aber vielleicht kommt das auch einmal nach Österreich. Mich würde es freuen, obwohl ich ja an keinen Büchermangel leide und jetzt habe ich vielleicht meinen Weg und neues Selbstvertrauen gefunden, werde weiter an der Paula Nebel korrigieren und sie vielleicht zu einem spannenden sozialkritischen Text über das Sterben einer alten Frau zu machen, der interessant und schnell zu lesen ist.

Vorwärts

Wie gehts weiter mit der Krisenstimmung, werden meine Leser vielleicht fragen? Es geht natürlich, bleibt mir ja nicht viel anderes über, habe ich doch keine große Wahl an Alternativen und ein paar ganz kleine Bröckchen sind inzwischen auch gekommen.
So hat mir Judith Gruber-Rizy am Montag oder Dienstag Feedback gegeben, was mich sehr freute, denn ich habe mich schon ein bißchen gewundert, wieviel man schreiben kann, ohne eine Reaktion zu bekommen.
Das ist wahrscheinlich meine Psychologenseele, die denkt, na, ich würde schon längst “Kopf hoch und natürlich weitermachen!”, schreiben. Aber meine Leser müssen das natürlich nicht und außerdem ist mir ohnehin nicht ganz klar, wieviele von meinen Lesern Deutsch verstehen und wirklich einen Literaturblog suchen?
Judith Gruber-Rizy hat mir aber Interessantes gemailt. Ewas an das ich auch schon dachte, da mich ja der ständige Mißerfolg ungeduldig und hektisch macht und keine Reaktion von “Wow, das ist der große Roman, da werde ich gleich…!”, sondern höchstens nur “Schon wieder ein Fehler, ich bin empört!”, kommt. Da hilft nur Selbstvertrauen. Es ist zwar ein bißchen schwierig, sich solches einzureden, wenn man das Gefühl hat, man hüpft auf der Stelle, aber Judith Gruber-Rizy meinte, es wäre der eigene unverwechselbare Weg!
Sehr befreiend, auch wenn ich weiß, daß ich mich nicht zusehr darauf verlassen sollte. Denn auf die Bestsellerliste bei Thalia, wie es gerade Emiliy Walton mit ihrem Erstroman passierte, komme ich dadurch nicht.
Aber es ist so wie es ist, nämlich neununddreißig Jahre schreiben, fast dreißig selbstgemachte Bücher, fast vier Jahre Literaturgeflüster etc.
Das ist schon was, auch wenn es keiner bemerkt und manchmal passiert es mir ja auch, daß mich jemand, den ich von einem Seminar, einer Supervisionsgruppe etc, kenne, mich auf mein Schreiben anspricht und ein Buch von mir haben will.
Bei den literarischen Kollegen passiert mir das nicht so oft, die schauen eher weg, aber da gibt es ja die Konkurrenz, wie beispielsweise eine Ausschreibung, wo sich hunderte bewerben, aber leider “nur einer gewinnen kann!”
Stimmt auch nicht ganz, gibt mir Christl Greller ja gelegentlich Artikel, Stephan Eibel Erzberg schickt Gedichte und der Rudi Lasselsberger hat mir ja vor kurzem auch erst eine sehr schöne Lesung organisiert. Andrea Stift, Ruth Aspöck, Margot Koller, Sara Wipauer und vielleicht noch einige andere, man muß nur das Literaturgeflüster durchsehen.
Wenn man aber so lange ohne oder nur mit negativen Feedback vor sich hinschreibt, wird man frustriert. Fühlt sich ausgeschrieben, denkt “Wozu das Ganze?” und beginnt, wie es mir derzeit ein wenig zu passieren scheint, hektisch vor sich zu hinzurotieren.
Sehr viele Leute, die in zehn Jahren dreißig Bücher schaffen, gibt es aber wahrscheinlich nicht. Das ist schon etwas Besonderes. Da, daß aber außer mir niemand zu interessieren scheint, geniere ich mich inzwischen sogar ein bißchen für meine Schnelligkeit!
Aber Blödsinn, jede so schnell, wie sie kann und das soll mir erstmal einer nachschreiben! Obwohl es stimmt, daß ich wahrscheinlich auch wegen dem mangelnden Feedbacks, ein wenig ausgeschrieben bin und so füge ich gleich hinzu, ich bin mit der Paula Nebel, seit meinem letzten Jammerbericht, nicht wirklich weitergekommen.
Das ist wohl das Liegenlassen, das die Schreibratgeber immer raten. Ich nahm es mir aber am Wochenende nach Harland mit und vermute fast, daß ich beim Korrigieren glätten werde und es sonst so bleibt, wie es ist und dann in einem halben Jahr oder Jahr, als Kurzroman, sowas habe ich vor kurzem im Bücherschrank gefunden, erscheint oder etwas später mit einem zweiten kürzeren Text. Ich könnte auch alle vorhandenen Kurzgeschichten zusammensammeln und ein “Best of III” daraus machen und diesbezüglich wäre eine Idee, die Kurztexte, die es im Literaturgeflüster gibt und da habe ich ja inzwischen einige, vielleicht dazu zu nehmen oder ein eigenes “Literaturgeflüster-Texte” – Buch zu machen.
Bisher habe ich bei diesbezüglichen Ideen ja immer abgewinkt. Das Literaturgeflüster gibt es im Netz. Wozu soll ich ein Digitalbuch daraus machen? Aber im Zeitalter der E-Books machen das immer mehr Blogger so und mir wirklich einmal eine Literaturgeflüster-Kurztextsammlung zu leisten, wäre vielleicht empfehlenswert. Man findet die Texte dann auch leichter.
Da passt dazu, das Dummie von der “Frau auf der Bank” ist gestern gekommen. Ich habs durchgesehen, es war fehlerlos. Als ich es aber wegräumen wollte, habe ich auf den Umschlag geschaut und da steht “dreimail “S” und vorher sicher hundertmal angeschaut!!!
Zum Glück habe ich mir diesmal wieder ein Dummie schicken lassen. Denn am Umschlag besteht schon die Gefahr, daß das jemand merken könnte und meine Leser sind ja sehr genau und verzeihen keine Fehler.
Um aber von den Erfolgerln der letzten Woche zu berichten. Da schickte am Montag Margot Koller die letzten Informationen zur Lesung nächste Woche in Salzburg und als ich schon dachte, daß ich, wenn die vorüber ist, einen leeren “Lesungskasten” haben werde und nur hoffen kann, daß es die “Poet-Night” und das “Volksstimmefest” wieder geben wird, erreichten mich zwei Einladungen zu Lesungen und zwar will da einer im November im Schloßquadrat, die Margaretner Autoren zusammensammeln und daß Frank Gassner im Juni eine Lesereihe am Brunnenmarkt plant, habe ich schon länger mitbekommen.
Sehr fein also! Steter Tropfen höhlt den Stein und da läßt es sich auch viel leichter selbstbewußt zu sein, bzw. mit seinen Schwächen lockerer umgehen.
Dann habe ich auch noch eine kleine Kommentardiskussion mit einem bayrischen Autor geführt, der sich überlegte, ob er beim Otto-Stoessel-Preis” mitmachen will. Er scheint sich dagegen entschieden zu haben, während ich ja zum Hinschicken raten würde. Hat aber wahrscheinlich recht sich seine Chancen vorher auszurechnen, während ich, als ich das noch tat, das ja ziemlich wahllos praktizierte.
Was gibt es sonst an Literaturgeflüstereien? So hörte ich vor einigen Tagen im Morgenjournal, daß es dieses Jahr keine Fiction beim Pulitzer Preis geben wird, weil es die drei Finalisten nicht in die Endrunde schafften. Da denke ich mir auch “Ziemlich borniert!”
Aber die Kritiker sind halt anspruchsvoll. Vielleicht fehlt auch das Geld und bezüglich der Urheberdiskussion hat Anni Bürkl auf einen Text von Andreas Eschbach aufmerksam gemacht. Der malt sich zu diesem Thema, eine Horrorvision aus, die an Bradburys “Fahrenheit 451” erinnert.
In Zeiten, wo das Urheberrecht siegte, gibt es keine Bücher und keine Bibliotheken mehr, sondern nur Buchkreise, in die man sich für teures Geld einkaufen kann. Man muß unterschreiben niemanden von dem Buch zu erzählen, weil man sonst ein Vermögen Strafe zahlen muß. Dann geht man durch die Sicherheitsschleusen, wird wahrscheinlich nach Handies abgesucht. Dann gibts Sekt und der Autor liest den ausgewählten tausend Personen, die sich darum bewarben, vor.
Da gab es dann eine rege Diskussion und Andreas Eschbach, von dem ich im Sommer eine Kurzgeschichte gelesen habe, meinte, daß er darüber schreiben wollte, wie es ist, sich seine Leser auszusuchen. Eine Vorstellung, die mir micht gefällt. Die Tausend, die das meiste dafür bieten, werden ausgesucht! Bei den Leserunden bei Lovely books gibt es das auch schon. Da bekommt man das Buch aber umsonst, darf darüber reden und muß durch keine Sicherheitssperre. Eine Horrorvision, die mich an die Büchermenschen von Bradbury erinnerte. Aber für mich ein ungewohntes Bild, stehe ich ja öfter vor vollen Bücherschränken, in denen es auch schon ein Buch von Andreas Eschbach gab. Das Papierbuch wird entsorgt und im Internet bieten die Autoren ihre E-Books teilweise gratis an. Am Dienstag gibts im republikanischen Club eine Urheberdiskussion und Welttag des Buches, das mit dem Shakespeare und dem Cervantes, ist am Montag auch. Der Hauptverband hat seine Autoren schon Rosen verteilen lassen und fünfzehn Geschichten zum “Erlesenen Europa” im schönen blauen Bändchen mit gelben Sternen gibt es auch.

Bewohnte Frau

“Bewohnte Frau” von Gioconda Belli, 1988 geschrieben, ist ein Buch über den lateinamerikanischen Freiheitskampf, spielt in der fiktiven Stadt Faguas, die für Managua stehen dürfte und ist im Sinne des magischen Realismus geschrieben. Darauf spielt der Titel auch an. Die Heldin ist Lavinia, eine junge Architektin aus guter Familie mit aristokratischen Wurzeln, die in Europa studierte und nun in ihre Heimat zurückgekommen ist, um in einem Architekturbüro Schulen, Einkaufszentren, Kindergärten für das bessere Leben zu bauen. Sie wohnt in einem Haus, das ihr ihre Tante, die sie zu einem starken Menschen und zu einer Feministin erzogen hat, vererbte und freut sich an dem Orangenbaum, der vor ihrem Fenster steht.
In diesem wohnt aber ganz magisch, der Geist eines indigenen Mädchens, das in vorigen Jahrhunderten gegen die spanischen Eindringlinge kämpfte. Als Lavinia vom Saft der Orangen trinkt, springt der Kampfgeist auf sie über.
Aber davon erst später. Erst fährt Lavinia mit dem Taxi in das Architekturbüro und als der Lenker das Radio aufgedreht hat, wo ein Militärarzt von den Folterungen in den Militärgefängnissen berichtet, will sie davon nichts hören.
Im Büro lernt sie Felipe kennen und fängt mit ihm ein Verhältnis an. Er ist aber unverläßig und sagt ihr nicht, wohin er geht, wenn er verschwindet, schickt sie aber auf eine Baustelle, wo ein Einkaufszentrum gebaut werden soll, damit sie sieht, daß das nur geht, in dem die Slumbewohner vertrieben werden.
Lavinia, die zwar ihren konservativen Eltern ein wenig entfremdet ist, führt trotz einiger fortschrittlicher Ideen, ein angepasstes Leben, läßt sich von ihrer Haushaltshilfe Lucretica, die aus den Slumvierteln kommt, verwöhnen und frühstückt Samstag mit ihrer Freundin Sara, die gleich ihr aus den besten Kreisen kommt, aber geheiratet hat und jetzt versucht, als Hausfrau ihren Adrian zu verwöhnen.
Da bringt Felipe Levinia einen verletzten Companero ins Haus und sie erfährt, daß er der Freiheitsbewegung angehört, lernt auch die Krankenschwester Flor kennen, schließt sich der Bewegung an und wundert sich nur darüber, daß sie, statt zu revolutieren, aufgefordert wird, ihr früheres Leben wieder aufzunehmen. So den Ball des Clubs zu besuchen, zu dem nur die Aristokraten und nicht einmal die neureichen Generäle, die das Land beherrschen und die Companeros foltern, Zutritt haben.
Es kommt aber noch besser. Lavinia soll die Pläne für das Haus eines der Generäle zeichnen. Sie lehnt ab, die Bewegung verlangt es aber von ihr, weil nur so die Informationen kommen. Sie wird auch in ein militärisches Ausbildungslager geschickt, darf aber nicht zum Begräbnis des Arztes gehen, von dem man am Anfang hörte, der inzwischen von den Generälen ermordet wurde, sondern muß der Frau des Generals und deren Schwester schön tun. Muß auch mit dem General Kontakt aufnehmen, der sich inzwischen eine Waffenkammer in sein Haus einbauen läßt, die entnimmt sie aus den Plänen des Hearst-Castle, denn die Neureichen ahmen die Amerikaner nach und importieren auch deren kitschige Möbel und Stoffe, statt heimische Produkte zu verwenden.
Die Bewegung plant zu Weihnachten den großen Anschlag, nämlich in das Haus des Generals einzudringen. Felipe soll dabei sein, wird aber vorher von einem Taxifahrer erschoßen, so übernimmt Lavina seinen Auftrag, tötet den General und kommt dabei selbst ums Leben.
“Ein Buch zum Verschlingen in einer Nacht”, steht am Umschlag. Ich habe ein bißchen länger zum Lesen gebraucht und mir ist es dabei auch ambivalent gegangen.
Das Thema ist ja wichtig und es gibt auch wunderschöne Milieuschilderungen, wo Lavinia zum Beispiel, auf die Baustelle kommt und mit den Slumbewohnern spricht oder die, wo Lucretia eines Tages nicht zum Putzen erscheint und als Levinia sie in ihrem Slum besucht, wo die kleine Nichte, die Tortillas, die ihre Mutter macht, nachts auf den Straßen verkaufen muß, liegt die fast verblutet im Bett, weil bei ihr eine Abtreibung verpfuscht wurde, haben mich sehr angesprochen. Noch eine packende Szene fällt mir ein, Lavinia trifft sich mit Flor in einem Park, dort spielen ärmliche Kinder auf den Rutschen, daneben liegen die Tabletts mit den Süßigkeiten, die sie später den Mittelschichtkindern verkaufen werden, wenn die mit ihren Gouvernanten auf den Spielplatz kommen.
Sehr packend auch etwas vom Untergrundkampf zu erfahren, der sicher authentisch ist, hat sich die 1948 in Managua geborene und ebenfalls im Ausland studiert habende, Gioconda Belli, eine der wichtigsten Stimmen der lateinamerikanischen Literatur, neben Ernesto Cardenal, wie im Buch steht, ab 1970 am Widerstand der sandinistischen Befreiungsfront beteiligt.
Einiges erscheint mir fremd, so zum Beispiel, daß Lavinia alleine, also ohne ihren Freund Felipe, auf den Ball geht und dann habe ich auch mit dem Töten für die Freiheit meine Probleme. Wird aber auch in spannenden Bildern festgemacht. Der General hat nämlich einen Sohn, der ein wenig anders zu sein scheint, zum Leidwesen seines Foltervater, liebt er Vögel mehr als Flugzeuge und der erkennt Lavinia, als sie maskiert in die Villa eindringt und zeigt ihr mit den Augen auch die Kammer, wo sich der Vater versteckt, als sie hineingeht, schreit er aber auf.
Ein wenig zu lang scheint mir die spannende Handlung auch zu sein, wo kein Detail ausgelassen wird und auch etwas widersprüchig. So versucht der General Lavinia zu verführen und Lavinia muß auch Adrian, dem Mann Saras, für die Partei rekrutieren, ansonsten soll aber niemand in der Bewegung wissen, was der andere macht, damit er sich in der Folter nicht verraten kann, was Lavinias und Felipes Beziehung sicher schadet. Lavinia leidet aber auch unter den lateinamerikanischen Machos und darf zwar die Pläne für die Generalvilla zeichnen, aber nicht die Baustelle beaufsichtigen, weil das die Bauarbeiter nicht akzeptieren würden.
Spannend auch nachzudenken, wie man sich selber verhalten und ob man in einer Diktatur für die Freiheit töten und andere bespitzeln würde oder es genügt, wenn man versucht ein guter Mensch zu sein und niemanden auszubeuten.
Ich habs im Bücherschrank gefunden und den Namen Gioconda Belli habe ich das erste Mal, glaube ich, in dem Nicaragua Buch von Erika Danneberg gelesen, die ja einige Zeit dort war, um ihren Freiheitskampf zu machen und habe inzwischen noch den Gedichtband “Feuerlinie”, bekommen, den ich im nächsten Jahr lesen will.

Vergangenes Morden

Der Krimi ist ja, höre ich immer, eine Literaturgattung, die die Leute lesen und die Autoren demnach auch sehr gerne schreiben, weil man da man einen Verlag und auch seine Leser findet, man kann ein bißchen sozialkritisch sein und angeblich haben wir ja alle eine dunkle Seele in uns, die morden würde, wenn sie könnte….
So gibt es den Regionalkrimi und in letzter Zeit vermehrt den historischen Kriminalroman, auf den ich vor kurzem gestoßen bin. Eigentlich durch Andreas Pittler oder dem Buch, das ich bei Klaudia Zotzmanns Gewinnspiel zu Weihnachten 2010 gewonnen habe oder noch eigentlicher schon früher 2005, 2006 oder 2008. 2006 habe ich, glaube ich, bei dem Festwochenliteraturwettbewerb der Bücherei Pannaschgasse mitgemacht und einen Thalia Buchgutschein gewonnen mit dem ich auf die Mariahilferstraße spazierte und dort unter anderen Evelyne Polt-Heinzls bei Milena erschienenes Buch “Zeitlos” neun Portraits unbekannterer Frauen, von der ersten österreichischen Krimiautorin bis zur ersten deutschen Satirikerin, erstand. Die Krimiautorin war Auguste Groner von der ich damals das erste Mal hörte.
Dann habe ich Anni Bürkls Blog entdeckt, meinen eigenen erfundenen und 2008 gab es bei Anni Bürkl, die sich ja auch mit Kriminalromanen beschäftigt und inzwischen ebenfalls einen historischen “Die Spionin von Wien” geschrieben hat, einen Hinweis auf eine Internetseite, wo man sich Auguste Groners Romane finden konnte. Da habe ich mir dann, glaube ich, zwei ausgedruckt und gelesen, offensichtlich habe ich sie vergessen in meinen Katolog einzutragen, was ich eigentlich ziemlich penibel tue, aber vielleicht habe ich es vergessen oder mich verschrieben, jedenfalls kann ich die Eintragung nicht finden. Ich erinner mich aber den Roman über das Warenhaus auf der Mariahilferstraße, war es der Gerngroß oder der Herzmansky, gelesen zu haben. Ob ich den “Roten Merkur”, den berühmtesten ersten Kriminalroman mit dem ersten Serienaufklärer Josef oder Joe Müller, gar nicht, ganz oder nur angelesen habe, weiß ich nicht genau, denn leider habe ich 2008 noch nicht jedes gelesene Buch besprochen, so daß ich nur auf meine Andeutungen verlinken kann.
Jedenfalls hat Traude Korosa, die ich 1987, als ich zu einer Schreibwerkstatt nach Linz eingeladen wurde, kennenlernte, vor kurzem in der Edition Mokka herauszugeben begonnen bzw. die Frauenedition Ada gegründet und Judith Gruber Rizy hat mir zum letzten Geburtstag den “Roten Merkur” mitgebracht, die erste Buchausgabe überhaupt, denn 1910 ist es nur in Fortsetzungen erschienen und um weiter chronologisch zu berichten, 2010 habe ich bei Claudia Zotzmann einen der Pittler Romane um Mayor Bronstein gewonnen und war begeistert, denn ich interessiere mich ja für das alte Wien, wohne jetzt in Margareten, in Hernals aufgewachsen und zur Schule gegangen.
Anni Bürkl berichtete dann weiter von ihrem historischen Roman und vor kurzem ist Edith Kneifls, mit der ich Psychologie studiert haben muß, obwohl ich mich nicht an sie erinnern kann und sie erst kennenlernte, als sie im Wiener Frauenverlag publizierte, “Der Tod fährt Riesenrad” erschienen und da war ich dann erstaunt, auf den Namen Auguste Groner zu stoßen.
Jetzt gab es eine gemeinsame Präsentation im Literaturhaus mit Traude Korosa und Edith Kneifl und als ich am Vormittag ein bißchen dafür recherchierte, nämlich mir die Polt Heinzl Anthologie und den “Roten Merkur” hervorholte, bin ich darauf gestoßen, daß Edith Kneifl das Vorwort für das Groner Buch geschrieben hat.
Eine gemeinsam geplante Veranstaltung um beide Bücher nahezubringen, von denen ich eines besprochen und das andere zumindest angelesen habe und ich bin im Literaturhaus auch auf Bekannte gestoßen.
So war die B. da und Hilde Schmölzer, Auguste Groner habe ich bei meiner Recherche herausbekommen, war eine Freundin von Auguste Fickert und die war wieder mit Rosa Mayreder befreundet, zu der ja Hilde Schmölzer forschte und dann gibt es auch noch die Connection zu der Frauengruppe des ersten Wiener Lesetheaters, da ja Traude Korosa dort gelegentlich mitliest.
Traude Korosa hat in ihrer Einleitung ein bißchen über Auguste Groner erzählt. 1850 in Wien geboren, 1929 gestorben, Volksschullehrerin mit einem Schriftsteller und Redakteur verheiratet, der das “Interessante Blatt” herausgegeben hat, in dem ihre Kurzgeschichten und Fortsetzungsromane und auch Rätseln erschienen. Kinderbücher und Schauerromane gab es auch und eine Connection zu Sherlock Holmes, bzw. Sir Conan Doye. Traude Korosa hat ein paar Stellen gelesen, wo ich mir wieder sicher war, ich kenn das Buch.
Das Fräulein Anna findet die Leiche der Tante und die hat einmal Briefmarken, darunter den “Roten Merkur” ein ganz besonders rares Stück verkauft und das Fräulein wohnt dann, bei dem inzwischen schon pensionierten Polizeiermittler, der auch eine kriminelle Vergangenheit hat.
Dann gings gleich weiter mit dem schönen Gustav von Karoly, der ebenfalls das Gesetz durchbrochen und auch eine Tante hat, die Artikeln schreibt und Frauenrechtlerin ist.
Edith Kneifl, die 1954 geborene Psychoanalytikerin und erfolgreiche Krimiautorin, die einen ganzen Bücherberg am Büchertisch liegen hatte, erzählte, daß sie einmal in eine großen Wohnung im ehemaligen Messepalast, wo die kaiserlichen Reitstallungen waren, wohnte und sie diese Wohnung zum Vorbild für die der Tante und des Neffens nahm, die mit dem ehemaligen Kindermädchen dort leben. Sehr interessant, auch daß Edith Kneifl, auf die Fehler aufmerksam machte, die ihr beim Schreiben passierten, so hat sie zum Beispiel diese Illustrierte, für die die Tante, aber auch Auguste Groner arbeitete, anders genannt. Nachher gabs wieder ein paar Gespräche bei einem Glas Wein. Eva Geber war noch den Bekannten und Traude Korosa hat inzwischen auch noch einen anderen Band herausgegeben, nämlich Max Winters Sozialreportagen “Die Steigeisen der Kopflaus” und da kann ich mich erinnern, daß ich einmal einen Band Sozialreportagen von den Wiener Kinderfreunden zu meiner Jugendweihe oder so bekommen habe, den ich auch nicht in meinen Bücherkatolog finde.

Mia Messer und die Restplatzbörse

Zwei Neuerscheinungen der österreichischer Autorinnen in der Gesellschaft für Literatur und als ich fünf vor sieben den Vortragssaal betrat, war ich die Erste, dann kamen schon noch ein paar Leute, vor allem einige junge Frauen, die sich sehr lebhaft über ihre Campingurlaube unterhielten und Manfred Müller betonte in der Einleitung, wie viele Leute ihn abgesagt hätten, weil es zu dieser Zeit offenbar ein sehr wichtiges Fußballspiel gab, das ist aber etwas, was mich überhaupt nicht berührt, denn Fußball interessiert mich nicht.
Es hätte nur in der Wien-Bibliothek eine interessante Parallelveranstaltung gegeben, nämlich eine Präsentation zur Wiener Stadtplanung im Nationalsozialismus, dann habe ich mich aber doch für Karin Ivancsics und Mieze Medusa entschieden, umso mehr da die Ute in Leipzig bei ihrer Lesung im Österreichcafe war und davon sehr schwärmte und mich hat, als ich vor einigen Jahren bei “Rund um die Burg” in der Erotiknacht ihre unangekündigte Lesung aus “Freischnorcheln” hörte, dieser frische Ton auch sehr gut gefallen und von Karin Ivancics habe ich vor kurzem zwei Bücher in der Restplatzbücherbörse entdeckt, obwohl die Gesellschaft für Literatur, weil ich gerade beim Jammern bzw. Inventarisieren bin, ein Ort ist, wo ich nur im Fasching lesen konnte, weil Eigenverlag und selbstgemachte Bücher, igitt, pfui und eh schon wissen. Die beiden Autorinnen und die beiden Bücher interessierten mich aber und von Mieze Meudsa, der bekannten Slamerin und Slamveranstalterin, wie Manfred Müller in seiner Einleitung erwähnte, habe ich schon öfter geschrieben und sie grüßt mich auch immer sehr freundlich, wenn sie mich sieht. Begonnen hat aber Karin Invancics mit ihrer Lesung und die 1962, im Burgenland geborene, kenne ich noch aus der Zeit, als sie beim Wiener Frauenverlag arbeitete und ich meine Texte dorthin schickte. den Wiener Frauenverlag gibt es ja nicht mehr und darüber habe ich auch schon oft gejammert, daß er jetzt Milena heißt und inzwischen auch Männer verlegt. Miezes Medusas Bücher sind aber dort erschienen und Karin Ivancics “Restplatzbörse” in der Edition der Provinz und da war ich einen Augenblick lang nicht sicher, ob ich nicht schon davon hörte, denn Karin Ivancics hat ja einmal in den Textvorstellungen gelesen, aber wahrscheinlich wurde da “Muss das schön sein im Toten Meer Toter Mann zu spielen” vorgestellt und wahrscheinlich hat das ein ähnliches Sujet und eine ähnliche Schreibtechnik, was ich zur Hälfte ja herausfinden kann, denn dieses Buch gabs im Jänner beim Morawa und “Wanda wartet”, das, wie Manfred Müller weiter in der Einleitung betonte, ebenfalls in der Gesellschaft der Literatur vorgestellt wurde, gibts am Restplatztisch, den die Gesellschaft der Literatur derzeit anzubieten hat, schön versteckt ganz hinten, damit sich die Leute lieber das neue Buch kaufen und das ist, wie Manfred Müller weiter erklärte, ein wenig ungewöhnlich, weil wenig Handlung, aber sieben Stimmen. Drei Männer und vier Frauen oder umgekehrt buchen einen All Inclusive Ulaub in der Karibik und werden beim Rückflug in ein scheußliches Hotel zusammengewürfelt. Karin Ivancsics begann mit einer Szene über die älteren Frauen, die in der Karibik jüngere Liebhaber finden, die an ihrem Geld und ihrer weißen Haut und vielleicht noch an ihrer E-Mail Adresse interessiert sind und den älteren Männern, die sich in Thailand oder sonstwo von der schmalen zerbrechlichen Kinderfrau verwöhnen lassen.
Dann ging es zum burgendländischen Muschelsucher Erich über, der in dem Hotel mit einem Taucher im Zimmer schlafen muß und die letzte Szene hat mich überrascht, denn die Stimme, die da sprach, hielt einen Monolog über Friedhöfe und das Postkartenschreiben und die Karibik und das Hotel waren weit weg, aber es ist eben ein Szenenroman oder nicht einmal das, erklärte Karin Ivancsics und erzählte davon, wie der Text entstanden ist. Die Ausgangsidee war ein eigener All Inclusive Urlaub und das Beobachten zweier nicht zusammenpassender Männer und daraus haben sich dann eine Fülle von Idee und die sieben Personen ergeben. Spannend, ob das Buch einmal zu mir findet. Inzwischen habe ich ja einiges von Karin Ivancsics zu lesen, die auch noch Bücher wie “Aufzeichnungen einer Blumendiebin” und “Süß oder scharf – aus dem Leben einer Taugenichtsin”, sowie Theaterstücke geschrieben hat und auch Mitglied der Erich Fried Gesellschaft ist.
Dann kam Mieze Medusa oder Doris Mitterbacher, 1975 in Schwetzingen, Deutschland von österreichischen Eltern geboren und “Mia Messer”, eine Anspielung auf Brecht, den sie für das Buch studierte, ist eine unscheinbare Frau, Sproß einer Wiener Ganovenfamilie, die sich als Kunstdiebin darauf spezialisiert hat, Bilder von weiblichen Malerinnen zu stehlen und außerdem noch in der “Susi-Bar” singt. Ein Krimi, wie Manfred Müller erklärte, mit einer neuen, frischen Sprache, aber auch vielen Anspielungen und mir war dieses Buch ein bißchen zu schnell. Aber vielleicht ist es auch das Sujet mit dem ich etwas Schwierigkeiten habe, vielleicht ist es mir zu lustig und zu pointiert dahingeschrieben.
Mieze Medusa hat auch sehr schnell von der unscheinbaren Frau gelesen, die überall übersehen wird, deshalb kann sie die Bilder aus den Rahmen schneiden und damit in den Gullies verschwinden, einen riesigen Sonnenhut auf den Kopf, damit die Kamera ihr Gesicht nicht sieht. Damit kommt sie zu ihrer Ganovenfamilie, die sie im Geheimtresor versteckt bzw. aufhängt. Mia singt dann noch in der “Susi-Bar” und weibliche Bilder stiehlt sie, um deren Wert zu steigern, etc.
In der Diskussion fand das rasante Buch natürlich viel Gefallen, nach der Verfilmung wurde gefragt. Mieze Medusa hätte nichts dagegen, auch nicht an einer Übersetzung und erzählte, daß sie sehr lang daran geschrieben und von Markus Köhle angeleitet, viel daran verändert hat. Eine Person wurde aus der Handlung hinausgeschmissen. Die Ausgangsidee war die unscheinbare Frau, die überall übersehen wird und dann gab es auch die Idee zu einem Mia Messer Song, aber der hätte dann nicht zu der Hauptfigur gepasst.
Zum Schluß habe ich noch Positives zu berichten, denn es gibt zwei Einladungen zu Lesungen, die ganz plötzlich zu mir gekommen sind, zwar ohne Honorar und da sagen die Profi-Autorinnen immer, daß man sich nicht darauf einlassen soll, aber ich habe ja nicht sehr viele Alternativen und so finde ich es erfreulich, daß mich Frank Gassner zu seiner Lesereihe, die er im Juni beim offenen Bücherschrank in der Grundsteingasse machen will, eingeladen hat, was auch gut passt, habe ich ja schon in drei Büchern die offenen Bücherschränke erwähnt und dann hat sich ein Mathias Handwerk bei mir gemeldet, der im November im Schloßquardat alle Margaretner Autoren zu einer Gemeinschaftslesung und Präsentation ihrer Bücher zusammentrommeln will. Da gibt es zwar schon die Margaretner Art, wozu mich der Herr Bezirksvorsteher aber nicht mehr einlädt, weil ich ihm vor zwei Jahren zu lang gelesen habe.
Es geht also wieder aufwärts. Margot Koller hat mir auch eine genaue Wegbeschreibung und das Programm für die Lesung nächste Woche in Salzburg geschickt und einer, der beim Otto-Stoessel-Preis einreichen wollte, hat auf meinen Blog gefunden. Daß er sich dann davon abhalten ließ, finde ich eigentlich schade, aber ich schicke ja auch nicht mehr hin.

Linus Fleck

“Linus Fleck” von Hans Werner Richter ist ein Nachkriegsroman, “der die Situation im besetzten Deutschland schildert”, steht auf der Buchrückseite, des 1980 in der Ullstein “Literatur heute” Reihe, erschienen Buchs und beginnt in den allerletzten Stunden des Krieges, in einem Dörfchen in Bayern, als der Kriegsgerichtsrat Fleck, offenbar ein überzeugter Nazi, im Sterben lag, das praktizierte er sehr genau, ließ jeden Abend den sechzehnjährigen Sohn Linus knien, um ihn zu segnen, der das nicht ernst nahm, bis er einmal das ganze Veronal auf einmal schluckte, da sind die Amerikaner schon am Hauptplatz aufmarschiert, das Volk empfängt sie mit weißen Tüchern und Linus, obwohl er kein guter Schüler war, rezitert ein paar Brocken Englisch und empfängt sie mit Blumen. Das zieht die Aufmerksamkeit der Besatzer auf ihn, die ihn fortan protegieren. Das heißt zu erst in der Küche arbeiten lassen, wo er, ein Lügner, so leugnet er zum Beispiel die Nazivergangenheit des Vaters und erzählt auch Unwahrheiten über seine Mutter, die nach Amerika durchgegangen ist, zwei Dosen Coned Beef entwemdet, worauf er von Sergeant Maclaens zur Rede gestellt wird. Eine Dose bringt er der Frau des Schuldirektors, eine üppige Blondine, damit er ein gute Zeugnis bekommt, eine andere, der Nachbarstochter, der ebenfalls sechszehnjährigen Sigrid “Engel von Fontainebleau” genannt, die will darauf den Amerikanern vorgestellt werden und es weiterbringen als er, was bei einem schönen jungen Mädchen, wie in dem Buch geschildert wird, nicht schwierig ist, weil die für Nylonstrümpfe oder Zigaretten ja alles tun oder auch nicht und auch Linus hat seine Proteges, denn einer der Besatzer ist zufälligerweise der Pole mit dem die Mutter nach Amerika durchgegangen ist, der macht ihn zum Chefredakteur einer Jugendzeitschrift, denn die deutsche Jugend muß ja umerzogen werden. Linus nimmt an, hat aber ein Problem, er kann keine Artikel schreiben, erinnert sich aber an einen Schulkameraden, Peter Waschbottel, der das sehr wohl kann und der schreibt nun alle Artikel, die in Linus Namen erscheinen, andere unterzeichnet er mit Ohrenbottel, bzw. Dattelohr.
Peter Waschbottel ist brillant und zynisch und so diktiert er der Gräfin, in deren Wohnung die Redaktion des “Korkenziehers” untergebracht ist, Artikel über die “Morgenröte der Demokratie”.
Manchmal greift er dabei auch die Amerikaner an, wofür Linus dann zur Rede gestellt wird. Sonst geht es aber lustig zu im Nachkriegs-München.
Linus Fleck wird von den Amerikanern mit Lebensmitteln versogt und verteilt sie an Freunde und es gibt auch die Jugendkongresse, wo Andre Gide und Carl Zuckmayer Reden halten. Linus muß das auch Waschbottel hat sie ihm vorgeschrieben und nach der Währungsreform liegen die alten Reichsmarkscheine am Klo zum Arschabwischen.
Irgendwann verschwinden dann die Besatzer, die Jugendzeitung geht ein, bzw. wird sie vom Verleger in ein “Grünes Blatt” umgewandelt und die schöne Sigrid hat alle Amerikaner inzwischen so um den Finger gewickelt, daß sie inzwischen Besitzerin einer Filmfirma ist. Linus wird zuerst Filmkritiker und fängt auch langsam seine Artikel selber zu schreiben an, dann gründet er eine Filmzeitung und da wendet sich dann das Blatt. Ein paar Jahre sind vergangen und das deutsche Wirtschaftswunder ist angebrochen. Man lebt auf Pump, trinkt Coca Cola und kann auch keinen Volkswagen mehr fahren, sondern Porsche oder BMW. Linus zieht von der schäbigen Wohnung der Gräfin, die gelegentlich Gespenster sah und sich mit Waschbottel angefreudet hat, in eine mit modernen Möbeln in einen Glasbau, stellt zwei Sekretärinnen an und läßt sich seine Artikel von einem anderen Redakteur schreiben, der ihm auch großzügig Geld vorstreckt. Nur hat er ihn damit in der Hand, kündigt auf einmal den Vertrag, will sein Geld zurück und als Linus dann noch einige Skandalartikel diktiert, wo er alle auffliegen läßt, hat er einen Haufen Klagen am Hals und am Schluß stellt sich noch heraus, das Ganze war eine Intrige, des schönen Engels, der keine Filmzeitung haben wollte, weil sie aber zwar eine knallharte Geschäftsfrau, aber doch ein gutes Mädchen ist, bestellt sie Linus ihre Villa, schläft mit ihm einmal, drückt ihn dann ein Flugticket nach Amerika in die Hand und hat auch alles arrangiert, so daß ihn sein fast Stiefvater dort erwarten wird.
Hans Werner Richter, der auch das Nachwort geschrieben hat, hat das 1957/58 geschriebene Buch “satirischen Roman” genannt, damals durfte es aber nicht unter diesen Titel erscheint, in der Auflage von 1980 steht es dabei und Richter erklärt in seinem Nachwort noch, daß es Vorlagen für die Personen und auch die Jugendzeitschrift gegeben hat. Der echte Linus Fleck hat sich in New York erschossen, während der Ohrenbottel aus zwei Personen zusammengesetzt war, der eine wurde später Abgeordneter, der andere Professor und der 1908 geborene und 1993 verstorbene Hans Werner Richter, ist wie in Wikipedia steht, weniger durch eigene Werke, als als Initiator der berühmten Gruppe 47 bekannt geworden. Als solcher habe ich vor kurzem erst in einigen Büchern über einige Nachkriegsschriftstellerin von ihm gelesen und finde diesen satirischen Roman, der eine Coca Cola Flasche am Titelbild trägt und ich im offenen Bücherschrank gefunden habe, sehr interessant, fast würde ich es als eines der Grundbücher bezeichnen, das auch in der Alten Schmiede vorgestellt werden sollte, auf jeden Fall ist das Lesen sehr zu empfehlen und gut geschrieben ist es, denke ich, auch, auch wenn ich mir natürlich vorstellen, daß es ein Sechzehnjähriger, der nach dem Krieg ohne Mutter und Vater dagestanden ist, wahrscheinlich nicht so leicht gehabt hat. Man bekommt aber ein gutes Bild über das Nachkriegsdeutschland und kann sich, wenn man das allzu satirische abzieht, vorstellen, wie es damals gewesen ist.

Fortgesetzte Krisenstimmung

Leider geht die Ratlosikgeit noch ein bißchen weiter, denn so schnell, wie ich glaubte, bin ich aus der Krise nicht herausgekommen, obwohl mich das Bradbury-Buch wirklich sehr beflügelt hat.
“So ist es”, habe ich gedacht, “so könnte es weitergehen!”
Wollte ich mir ja ohnehin Zeit lassen, bis zum Sommer, bis zum nächsten Nanowrimo, bis zum nächsten Jahr und den Roman langsam entstehen lassen. Einfach an einer anderen Stelle anfangen und eine Geschichte nach der anderen schreiben.
Als ich in den letzten Tagen mn der U-Bahn gefahren bin, habe ich da auch die alten Frauen mit den grauen Haaren und den zerfurchten Gesichtern, ein bißchen beobachtet und überlegt, was dazu zur Paula Nebel passen könnte und die Idee den Schreibwiderwillen, die Blockade, das Zuviel- und Ausgeschriebensein, einfach durch kleine Gedankensplitter anzugehen, die man am Schluß zusammensetzten könnte, klingt ja auch logisch oder wie oder was?
Das mir das mangelnde Feedback, die Stimme aus dem Off “Mach weiter, du kannst es ja und schaffst es schon!” fehlt, ist zwar schade, daß ich aber am Ostermontag den Bradbury im offenen Bücherschrank fand, kann als gutes Omen gelten und da war ja noch eine Geschichte am Ostersonntag, die ich schon Thomas Wollinger geschrieben habe, eine Methapher die auch gut passt und sich verwendet läßt. Es liegt ja alles am Weg, man muß es nur aufheben, die Geschichten, die Ideen, die Handschuhe, das Geld. Die Handschuhe haben meine Finger gewärmt und man kann die Paula Nebel ja auch als kürzeren Text stehen lassen. Wer sagt, daß man unbedingt alles lang ausbreiten muß? In der Kürze liegt die Würze heißt es ja. Trotzdem ließ sich das Unbehagen, das ich dabei hatte, nicht verleugnen und das Gefühl, da fehlt noch etwas, das ist zu schnell und schlampig hingeschrieben, nichts Neues, nur Wiederholung, nur angedeutet, etc.
Also den Bradbury mit seinen Phantasieschrauben gelesen und mich dadurch inspirieren lassen, vor allem auch die Sätze, daß die Qualität durch das Schreiben kommt und ich beschäftige mich ja auch mit der Frage, wo muß ich ansetzen und weitergehen?
“Abholen, wo man steht!”, heißt es ja in der Pädagogik und da muß auch etwas für mich zu finden sein. Nur hat Thomas Wollinger schon wieder einen Artikel geschrieben, bzw. einen Blog erwähnt, wo ich mich betroffen fühlen konnte.
“Aufruf an alle, die es versäumten ihr Expose rechtzeitig zu machen!” und da kann ich mich an der Nase nehmen, bin ich ja eine, die in der HBLA, in der Straßergasse bei den Deutschschularbeiten, die Gliederungen schrieb, wenn ich fertig war, schnell, schnell, hingewischt, ich brauche das ja nicht!
Bei der “Wiedergeborenen” habe ich zwar versucht mit der Schneeflockenmethode zu beginnen und bin gescheitert, weil ich, wenn ich eine Idee habe, schnell und hektisch vor mich hinschreibe und dann an der Wand lande, also wieder ein Hinweis, sich an der Nase zu nehmen und etwas genauer zu sein, um die Fallen, wie ich ja schon öfter schrieb, zu umgehen oder aufzulösen.
Also habe ich mich am Nachmittag mit dem Laptop vor das Bücherregal gesetzt und mit dem zweiten Buch “Sofia” und der dortigen ersten Szene angefangen. Sofia hat das Geschirr abgewaschen und findet die tote Paula. Es ist ein Epilog daraus geworden und, ob ich noch eine Hans, oder eine Rainer Szene anfügen werde..?
Hab ich jedenfalls noch nicht und die ersten Sätze einer zweiten Szene weggelöscht, dafür bin ich in diesen Blog gegangen und das war nicht sehr gut für mich, denn ein paar hundert Artikel lesen, wo drinnen steht, was und wie man es besser machen sollte, müßte, ist tödlich, wenn man mitten im Schreibprozeß ist. Will ich ja den Zensor aus dem Kopf bekommen und da hilft es nicht viel, von einem Experten zu hören, wo ein Großer seiner Meinung nach einen Fehler begangen hat und das alles perfekt sein muß, weil nur das die Leser haben wollen!
Ganz im Gegenteil, dann habe ich noch den bewußten Expose-Artikel genauer gelesen und mich betroffen gefühlt, so ist es leider, ganz genau! Ich schreibe schnell und flüchtig, manchmal auch berauscht, diesmal hatte ich eher das Gefühl, ich weiß nicht so wirklich, wo ich hin will, dann bin ich fertig, stehe an, ändere nicht mehr viel, sondern korrigiere nur die Rechtschreib- und Beispielfehler, ein paar Wendungen oder falsche Details. Höchstens kommen ein zwei Sätze irgendwo hinein oder, wie ich es vorige Woche machte, als Motto, den Satz, den mir ein älterer Mann einmal auf der Straße sagte, als ich ihn grüßte, weil ich ihn offenbar mit einem meiner Klienten verwechselt hatte.
Das ist natürlich kein Balsam für die Schreiberinneenseele, ich habe dann noch ein paar andere Schreibblogs gefunden, wo die Schreibcoaches Tips fürs besseres Schreiben geben und dabei alle paar Seiten auf ihre Schreibratgeber hinweisen, die man sich als E-Books, um einen Euro neunzig herunterladen kann und danach angeblich besser schreibt.
Ja, die E-Book und die Indie-Schreiber sind jetzt sehr aktiv und bieten ihre Bücher tageweise gratis an. Ich bin mit dem “Linus Fleck” in die Badewanne gestiegen und habe wiedermal gedacht “Ich kann es nicht, ich kann es nicht!”
Denn es stimmt ja, ich habe Zeit und hindere mich nur selbst, die mir jetzt ein Jahr oder was auch immer zu nehmen, um den Text wachsen zu lassen, sondern schreibe mich hektisch an die Wand und spüre Widerwillen oder Unmöglichkeit bei dem Gedanken, daß ich das jetzt geduldig aufdröseln müßte. Gut, dazu bräuchte man Feedback, vielleicht die lenkende Hand eines Lektors und das habe ich nicht. Ich habe die Schreibratgeber, höre das Gras wachsen und beziehe jede Kritik gleich auf mich. Denn es liegt wohl auch daran, daß schon soviel geschrieben wurde und das wohlwollende Interesse nicht sehr vorhanden ist, eher die Kritik der anderen, die gleich die Fehler sehen und von vornherein schreien “Das interessiert uns nicht!”
Das betrifft sicher nicht nur mich, aber ich bin auch in einer sehr blöden Situation mit meinen dreißig selbstgemachten Büchern und fühle mich immer noch sehr abseits damit, obwohl jetzt ja auch die anderen anfangen, sich selber zu verlegen. Da seinen Platz zu finden, ist nicht so leicht und das “Ich kann es nicht!”, ist wohl auch schon sehr mächtig in meinem Kopf verbreitet, weil ich schon so viel geschrieben habe und dabei auch steckenbleibe und so wie jetzt nicht weiterkomme.
Bisher bin ich da eher wohlwollend mit mir umgegangen, habe geglättet, abgerundet und das Buch dann so herausgegeben. Jetzt weiß ich noch immer nicht, wie es weitergehen soll? Die fünfzig Seiten fertig machen, versuchen doch einen Langroman zu basteln, mit Kurzgeschichtensplitter anfangen, da hätte ich schon zwei davon, alles auf einmal oder nichts davon? Da ja wahrscheinlich keine Antwort kommen wird, muß ich alleine weitermachen oder den Rat meines Freundes Rudolf Blazejewesky annehmen, einfach für mich weiterzuschreiben. Das sage ich ja meinen Kritikern immer “Ich schreibe so gut, wie ich kann!” und das tue ich ja auch. Daß ich mir Zeit lassen sollte, denke ich zwar ebenfalls. Das mit dem halben Jahr daran arbeiten, egal, was daraus entsteht, wär keine so schlechte Idee und natürlich auch nach rechts und links schauen, denn manchmal muß man wo anders weitermachen.
Das Literaturgeflüster habe ich mir in der Badewanne noch gedacht, ist eigentlich so, wie ich es will. Damit bin ich zufrieden, auch mit dem Jammern, das ist wahrscheinlich das Psychologische an mir, vielleicht auch mein Weg, mit den fünfzig Seiten der Paula Nebel, bin ich das derzeit nicht.
Ich war einmal vor Jahren im Literaturhaus zum “Tee bei Hermynia”. Da ist es um Hermynia zur Mühlen gegangen, die im englischen Exil sehr viel schrieb und übersetzte, um zu überleben, was, wie die Kritiker meinten, auf Kosten ihrer Qualität gegangen ist.
Da habe ich mich gleich angesprochen gefühlt und wenn ich meine dreißig oder achtundzwanzig Indie-Bücher so hernehme, die ich in den letzten Jahre eines nach dem anderen hintergeschrieben habe, ist sicher auch einiger Leerlauf dabei. Anderes halte ich wieder für gelungen, wie beispielsweise das Kinderbuch “Lore und Lena”, auch die “Mimi”, die einer meiner Leserinnen nicht gefallen hat. Die “Dora Faust” mag ich sehr, die “Wiener Verhältnisse”, die hat Diana Voigt vor Jahren, als ich es an ihre Agentur schickte, für keinen Roman gehalten, was mich sehr verwirrte. Der “Wiener Stadtroman” hat mich bei Wiederlesen vor einem Jahr auch sehr überrascht. Ansonsten glaube ich schon, daß ich ein bißchen ausgeschrieben bin und der ewige Kampf zu beweisen, daß ich schreiben kann, zerrt auch an den Kräften. So daß ich es für eine gute Idee halte, mir bei der “Paula Nebel” jetzt wirklich Zeit zu lassen. Ob ich es zusammenbringe, weiß ich nicht, werde aber darüber schreiben.

Zen in der Kunst des Schreibens

“Zen in der Kunst des Schreibens” von Ray Bradbury ist kein eigentlicher Schreibratgeber oder höchstens eine sehr subjektive Form, wird doch hier die Autobiografie, das eigene Leben und Schreiben und die damit gemachten Erfahrungen auf eine höchst amusante Weise durcheinandergemischt und noch ein Lichtblick, der Zeigefinger fehlt “Sie müßen, sollten, sonst..!”, sondern da ist einer, ein höchstwahrscheinlich sehr extrovertierter, fantasievoller älterer Herr, ein Erfolgsautor und erzählt, wie er es gemacht hat. Ein paar Kapitel, die einem Schreibratgeber etwas mehr ähneln sind auch dabei und das Ganze ist offenbar nicht in einem Wurf entstanden und offenbar auch nicht das Lebenswerk eines, der auf sein Schaffen zurückschaut, sondern es gibt Kapitel aus dem Jahr 1961, 1965, 1973, 1974, 1980, 1982, 1990 und auch einige ohne Jahreszahl, offenbar wurde das Buch erst später zusammengewürfelt, es sind auch schon vorher veröffentlichte Ausätze darin und die Kapitel sind in nichtchronologischer Reihenfolge zusammengefügt.
Von dem Buch habe ich ungefähr seit der Zeit gehört, seit der ich mich mit literarischen Internetseiten und Schreibratgebern beschäftige. Es ist vom Autorenhausverlag herausgegeben und den habe ich ja eine Zeitlang sehr intensiv besucht, wurde da doch Louise Doughtys “Ein Roman in einem Jahr” einmal jede Woche veröffentlicht.
Der Titel macht neugierig, kenne ich den Namen des Autors ja durch “Fahrenheit 451”, von dem Film, den ich mit Oskar Werner, wahrscheinlich in den früen Siebzigerjahren, in der Zeit meiner philosophischen Krise, im Gartenhäuschen meiner Eltern sah, gerührt bis zu den Tränen und begeistert war und keine Ahnung von der Geschichte, amerikanischen Drehbuchautoren etc, hatte.
Dann habe ich vor etwas mehr als einem Jahr den “Friedhof für Verrückte” im Bücherschrank gefunden und am Ostermontag in einem anderen das “Zen”, war natürlich neugierig bezüglich des Titels und dachte mir ungefähr “Zen, das brauche ich nicht zum schreiben!” und auch “Ein wenig zur Ruhe kommen wär, so hektisch, wie ich derzeit bin, ganz gut!”, habe losgelesen und es war spannend und sehr Interessant und für alle die es wissen wollen, mein Unbebwußtes arbeitet auch schon wieder.
Es sind zwölf Kapitel einschließlich eines Vorwortes, die uns der 1920, in Illnois USA geborene, steht leider nicht im Buch, muß man ergooglen, geschenkt hat und die Kapitel tragen Titel, die manchmal sehr lange sind, das kennt man auch von E.T.Hoffmann, aber auch von anderen Schreibratgebern, z. B. “Von dem Nähkästchen”, der Cornelia von Goethe Akademie, das ich einmal in Frankfurt oder Leipzig fand.
Das Vorwort trägt den Titel “Wie man den Baum des Lebens erklimmt, sich selbst mit Steinen bewirft und wieder herabsteigt, ohne sich den Hals zu brechen und den Verstand zu verlieren”
Man merkt Ray Bradbury erzählt, im Vorwort davon, daß er als Kind Comic Heftchen liebte, sie zeriß, weil ihm gesagt wurde, daß sie Schund seien und sie später wieder mühsam zusammensammelte, daß er auf Rummelplätzen und Weltausstellungen zu schreiben begann. Später wird er noch erzählen, daß ihm dort einmal einer versprach unsterblich zu sein und schon einmal gelebt zu haben, daß Schreiben Überleben heißt und man jeden Tag neu zu den Waffen greifen muß.
Vor allem aber “Bleiben Sie berauscht davon!”, denn es ist alles schon in uns, denn wer hat keinen Freund an Krebs verloren oder einen bzw. mehrere Autounfälle erlebt? Das alles wird dann in den Essays, die innerhalb dreißig Jahre entstanden sind, genauer ausgeführt und es beginnt gleich mit der “Freude am Schreiben”.
Das ist es und Ray Bradbury führt auch plastisch aus, daß man sie braucht, daß also jeder Zensor im Kopf, jedes “Das ist nicht gut genug!” behindert. Losschreiben, achtung, fertig, los, das ist ja, hört man immer, was die Amerikaner von uns unterscheidet, die wir immer auf den Kuß der Muse warten, aber Ray Bradbury hat die natürlich auch und er beschreibt auch, wie man sie hätscheln und ernähren muß, damit sie einen nicht verläßt, vor allem aber darf man ihr nicht nachrennen, sondern höchstens ein Stück vor ihr hergehen, damit man sie nicht erschreckt.
Leidenschaft und Gusto ist also das ABC des großen Schreibens und da denke ich, kann ich bei mir ansetzen, denn ich habe die Begeisterung ja auch, aber dann traue ich mich oft nicht sie auszuleben und denke bei jeden Satz “Was werden die Kritiker sagen?” und schon bleibe ich stecken. Unbekümmert nicht daran denken, sondern losrennen, ist wahrscheinlich das Zauberwort, das ein selbstbewußterer junger Mann in Amerika vor fast hundert Jahren betrieben hat und er scheint wirklich sehr selbstbewußt zu sein, behauptet er doch, sich an seine Geburt, seine Hebamme, etc erinnern zu können und falls er das doch nicht tut, hat er es sich ausgedacht und seine Geschichten dazu geschrieben und das ist dann der Kuß der Muse oder auch das Unbewußte, was für Bradbury dasselbe ist. Fantasie und Kreativität kann man wahrscheinlich auch sagen und das braucht man zum Schreiben, hat es aber ohnehin in sich, man muß nur hinschauen, hinhören und sich trauen und da ist es natürlich ganz falsch, wenn einer kommt und sagt “Du darfst nicht schreiben, weil du damit den großen Goethe beleidigst”, wie ich mir einbilde, das einmal von Andre Heller gehört zu haben, aber der tut das ja auch.
Dann kommen die Geschichten, zum Beispiel in “Losrennen, Erstarren oder Das Ding oben an der Treppe oder Neue Geister aus den Erinnerungen”
Da war einmal ein kleiner Bub, der lebte in einem Haus, wo man zum Klo über eine Treppe gehen mußte und es gab nur in der Häfte des Weges einen Lichtschalter und es war zu teuer das Licht die ganze Nacht lang brennen zu lassen, so daß sich der Kleine jedesmal in der Nacht, wenn er mußte, entsetztlich fürchtete, denn da oben auf der Treppe, wartete das “Ding” auf ihn, das später zu einer seiner berühmten Kurzgeschichte wurde.
Das war es, Ray Bradbury hat sich hingesetzt, geschrieben und geschrieben, wie “Betrunken am Steuer eines Fahrrads”, jeden Tag tausend Worte oder pro Woche eine Kurzgeschichte und damit das geht, benutzte er eine Assoziationenkette, um zu seinem Unbewußten zu kommen. Das heißt, er schrieb sich eine Reihe Wörter auf und über die hat er dann geschrieben. An das habe ich auch schon einmal gedacht. Und er ist natürlich um fünf Uhr früh auf die Jahrmärkte gegangen, um sich alles anzuschauen und sich alle Löwen zu merken, die er im Laufe seines Lebens gesehen hat, um Jahre später darüber zuschreiben. Den ersten hat er 1924 gesehen.
“Ist das nicht ein wenig zu früh, werden Sie jetzt fragen?”, schreibt er selbst in dem Artikel und dann hat er die daraus entstandenen Kurzgeschichten gut verkauft, denn er hat auch Glück gehabt in seinem Leben. Allerdings hat er zehn Jahre gebraucht, bis er gut geschrieben hat, hatte aber Freunde, Agenten, Verleger, die ihm halfen, bzw. ihm zur richtigen Zeit, den richtigen Anstoß gaben. Das ist ja, was mir sehr fehlt. Aber da war einer, der sagte “Wollen Sie nicht nach Irland ziehen und ein Drehbuch über Moby Dick verfassen?”
Es gab auch eine Mutter, die mit dem kleinen Kind viel ins Kino ging und “Fahrenheit 451” hat er in einer Bibliothek geschrieben, wo es im Keller Schreibmaschinen gab, in die man alle halbe Stunden zehn Cent Stücke einwerfen, so saß er sich beeilen mußte und in den Pausen ist er in die Bibliothek hinaufgegangen, um sich die Bücher anzusehen und das tat er, weil er in seinem Haus eine Frau und zwei kleine Kinder hatten, die lieber mit ihm spielen wollten und er sich noch kein Schreibbüro leisten konnte.
Der Verleger in New York gab ihm dann den Tip aus seinen Kurzgeschichten einen Roman zu machen und ein Theaterstück hat er aus “Fahrenheit 451” später auch geschrieben, wo er das Ganze dann noch ein Stückchen weiterdachte und wenn es dann um Schreibanleitungen geht, wird aus der Muse bzw. dem Unbewußten, eine Liebeserklärung an die Science Fiction, weil das die Leser wollen, die spannenden Geschichten und nicht das fade absurde Theater etc.
In “Haufenweise Haiku” geht es ans Überarbeiten bzw. Kürzen und vor allem tröstlich für mich, daß Bradbury einer ist, der meint, daß die Qualität aus der Quantiät entsteht und das denke ich mir auch immer, schreibe ich meine Romane also zehn oder hundertmal, statt einen genauso häufig zu überarbeiten. Wenn man nicht aufgibt findet man am Schluß auch zu sich und seinem Weg und das meint er auch in der Titelgeschichte, denn da stehen auf der Assoziationsliste die Worte “Arbeit, nicht Denken und Enstpannung” und Bradbury meint, daß man auf jede Art und Weise schreiben kann, um zu sich selbst und zu dem, was schon in einem drin ist zu finden, nur nicht, wenn man sich an den Markt orientiert und das ist es. Ein sehr tröstliches und weises Buch, das steht, glaube ich, auch irgendwo geschrieben, wo nur ganz selten erklärt wird, wie man es machen soll und einer stattdessen erzählt, wie er es machte.
Er hat viel Glück gehabt, denke ich, das hatte ich bisher weniger, bis gar nicht, was nehme ich also für mich mit?
Die Assoziationsketten und noch einmal den Versuch den Zensor aus meinen Kopf herauszubekommen und einfach vor mich hinzuschreiben. Da bin ich ja vor ein paar Wochen, an meine Grenzen gestoßen und dachte, daß ich das nicht kann, weil ich zu schnell fertig bin.
Meine Phantasie ist von meinen Zensoren wahrscheinlich sehr blokiert und muß wahrscheinlich sehr freigeschaufelt werden. Daß die Geschichten aber da sind, glaube ich schon und Bradbury ist auch einer, der meint, daß jeder seine Geschichten hat, er muß sich nur trauen, sie loszuschreiben, wenn also der nächste zu mir sagt “Das ist aber märchenhaft!”, nicht beleidigt sein, sondern es als Lob verstehen.
Die Kritik, die ich aus dem Buch entnehme, offenbar kann ich nicht anders, ist, daß er mit der Realität nicht sehr gut umgeht und ich schreibe einmal realistisch. Er meint aber auch, daß man die Wirklichkeit mit der Phantasie besser erklären kann und da geht es dann schon weiter und um am Schluß wieder zu mir zu kommen und zu schreiben, wie es mit meinen Romanfragmentchen weitergehen wird?
Zuerst einmal, die “Frau auf der Bank” kann an den Digitaldruck gehen und meine fünfzig Seiten nehme ich mir nochmals her, mein Unbewußtes hat ja ohnehin schon gearbeitet und mir zwei intensive Träume geschenkt. Die Krimihandlung habe ich zwar vergessen, aber die Idee, daß ich einfach weitere Geschichten mit meinen Hauptfiguren schreiben kann, hatte ich schon einmal. Also die Sofia, die tote Paula finden lassen und die kann dann ja mit Herrn Hans, Rainer oder Kevin, den “Fall” aufklären oder ihre eigene Geschichte erzählen, was und wie war das mit dem Radu? Dann kommt der Rainer und erzählt, wie er sein Aufwachsen bei der Großmutter erlebte, erzählt auch von der Regina und wie schwierig es ist, heute Arzt zu werden und den Herrn Hans gibt es ja auch.
Wenn ich dann vier Geschichten habe, kann ich entscheiden, ob ich sie zusammenfüge oder hintereinander in den Roman stelle. Beim “Haus” oder bei den “Zwillingswelten” machte ich es auch so ähnlich und schon geht es weiter, denn ich weiß ja, das Leben einer neunzigjährigen Frau und die Wirtschaftskrise interessant ist und das kann man sicher auch realistisch erzählen, ich muß mich nur trauen.
Selbstbewußt werden, habe ich das genannt und glaube, daß ich das bezüglich Schreiben auch bin. Dazu hilft mir auch das Literaturgeflüster. Irritierend nur, daß das sehr monogam passiert und auch schwierig beispielsweise mit meinen selbstgemachten Büchern ins Literaturhaus zu gehen, sie den “Erfolgreicheren”, die lesen dürfen und Verlagsbücher haben, zu zeigen. Das ist manchmal recht peinlich, wenn die dann nicht wissen, was sie damit anfangen sollen und gequält “Schön!” sagen.
Trotzdem habe ich sehr viel geschrieben, ist mir die Literatur sehr wichtig und ich bin so wie ich bin, wenn man hinsieht, wird man es vielleicht merken und was die konstruktive Kritik betrifft. Da hätte ich mir leichter getan, wenn meine Kritiker früher gesagt hätten “Toll, daß dir das so wichtig ist und du das tust! Wenn du noch da und da hinschaust, kommst du vielleicht weiter, probier es doch einmal so!” und nicht “Das wird nichts, kann nie etwas werden, ich weiß aber auch nicht wieso!”
Ich bin sicher, Ray Bradbury hatte auch die Leute, die das bei ihm taten. Deshalb es ist ein gutes Buch, das ich wirklich sehr empfehlen kann, auch wenn keine konkreten Schreibübungen drinstehen.

Kolumnenlesung

Jetzt war ich schon lange nicht mehr im Literaturhaus, was Robert Huez freute oder auch nicht. Jedenfalls ist es sich seit dem Short-Cuts-Symposium im November nicht mehr richtig ausgegangen. Ich war zwar bei dem Adventrundgang dort und auch bei diversen Veranstaltungen der IGAutoren und bei der Studentenlesung und ich habe das auch nicht, um beim Thema der Woche zu bleiben, vermieden, obwohl ich ja ein Literaturhaustrauma habe und das wurde gestern auch noch einmal aufgelebt, denn die Veranstaltung zum Tag der Freiheit des Wortes, die Petra Ganglbauer jetzt zweimal im Juni und in der Uni machte, findet wieder dort und am 10. Mai statt und die habe ich dort ja von 2003 bis 2009 veranstaltet und dann zurückgelegt, bzw. mich für die “Mittleren” entschieden, als die GAV entschied, daß man nur mehr eine Veranstaltung pro Jahr machen kann und mir Silvia Bartl den Programmtext verändert hat und ich dachte, im nächsten Jahr reden sie mir vielleicht auch noch bei der Auswahl der Autoren drein. Inzwischen habe ich ja auch die Frauenlesung aufgegeben und bin bei der Freiheit des Wortes nicht mehr eingeladen, zum zweiten Mal nicht mehr, wäre aber trotzdem am zehnten Mai hingegangen, wenn der nicht gerade ein Donnerstag wäre und da habe ich ja eine fixe Abendstunde, was gut ist, weil mir das wahrscheinlich Ärger und Anspannung erspart und vielleicht gehe ich auch jemanden ab.
Jetzt war ich also schon lange nicht mehr im Literaturhaus, weil sichs nicht ausgegangen ist oder es auch nicht die entsprechenden Veranstaltungen gegeben hat. Das Literaturhaus hat ja ein Mainstreamprogramm und auch ein neues Logo, an das ich mich erst gewöhnen muß und eine Zusammenarbeit mit der Zeitschrift “Datum”, die ich das erste Mal beim Filmfestival am Karlsplatz kennenlernte. Jetzt liegt sie jedenfalls im Literaturhaus zur freien Entnahme auf und es gibt auch regelmäßige Veranstaltungen, bei denen ich bisher nicht war. Am Freitag war Franz Schuh unter dem Titel “Verbrechen und Strafe”, so heißt ja jetzt der Roman in der neuen deutschen Übersetzung, der früher “Schuld und Sühne” geheißen hat, was ich auch sehr blöd finde, aber ich bin offenbar eine konsvervative Menschin, die sich an das Gewohnte klammert. Franz Schuh hat in der Zeitschrift “Datum” eine Kolumne unter diesen Titel und ist in dieser auch mit einer Pistole abgebildet, weil das etwas Mafiöses hat und so gab es eine Kolumnenlesung und Franz Schuh, 1947 geboren, der Philosoph, der Redakteur im Wespennest und auch einmal Generalsekretär der GAV war, ist ja bekannt für seine Kolumnen und seine Essays.
In Ex Libris hat er, glaube ich, eine unter dem Titel “Glück” und er interessiert sich auch für Krimis und so sollte seine in der Zeitschrift “Datum” eigentlich eine werden, wo Krimis rezensiert werden, deshalb auch die Pistole, was dann offenbar nicht funktionierte, so sind seine Kolumnen inzwischen Essays und behandeln Gott und die Welt. Ich habe in meinem verzweifelten Bemühen mein literarisches Leben festzuhalten sicher schon geschrieben, daß mich Franz Schuh, als ich noch in der Otto Bauergasse wohnte und meine Texte noch an die Zeitschrift Wespennest schickte, also in den späten Siebziger, frühen Achtzigerjahren einmal anrief, um mir mitzuteilen, daß er einen meiner Texte gerne wo veröffentlicht hätte, mich aber leider nicht erreichen konnte und ich habe auch ein Buch von ihm gelesen und nicht verstanden, nämlich “Schwere Vorwürfe, schmutzige Wäsche”, das habe ich mir damals um den Thalia Gutschein gekauft, den ich 2005, glaube ich, in der städtischen Bücherei Pannaschgasse gewonnen habe. In der Alten Schmiede habe ich ihn sicher auch öfter gehört und in dem Film “Froschfest”, den ich 2010 am Karlsplatz gesehen habe, hat er auch mitgespielt, ist er ja inzwischen der Star-Essayist Wiens und so hat er auch gleich mit sonorer Stimme losgelesen und seine Essays sind auch sehr umfassend und man erfährt viel darin.
Mit den Menschen ist es losgegangen, um dann zu den Philosophenmittagessen hinüberzuschwenken, die Kanzler Schüssel in der Zeit der schwarz blauen Regierung veranstaltet in der Hofburg veranstaltet hat, um offenbar sein Image aufzupolieren und sich dann in Distanz mit dem Bild des Kaiser Franz Josefs begeben hat oder davon, wie Franz Schuh im Cafe Imperial sitzt und sich seine Finger wund smst, um seinen Unmut über einen der von Wien nach München zog, loszuschreiben, plötzlich steht Wolf Wondratschek vor ihm, der von München nach Wien gezogen ist und von ihm fotografiert werden will. Von der Kunst des Mitschreibens hat er gelesen, etwas was ich ja auch sehr häufig tue und von einer deutschen Österreich Kritikerin, die dieses Land verhaidert und rassistisch findet, was offenbar einen Spiegel Redakteur störte u.u.u.
Die Schuh Kolummen sind ja sehr umfassend und man müßte sie mitlesen, was man auch problemlos kann, lagen ja die Datum Ausgaben zur freien Entnahme auf, so daß ich mir einen ganzen Haufen nach Hause schleppte. Nachher gab es wieder ein Glas Wein zu trinken und ich beobachtete, wie die vielen sehr jungen Leute, die zu der Lesung gekommen waren, schnell verschwanden. Einige sind auch nur zum Rauchen vor die Türe gegangen. Ein paar ältere Stammbesucherinnen waren da und es gab auch eine Ausstellung von Lore Heuermann zu bewundern.