“Schmidt” ist der berühmte Roman von Louis Begley, 1997 geschrieben und 2002 mit Jack Nicholoson verfilmt “About Schmidt”, den ich mit Alfred gesehen habe. Ein böses Buch über das Älterwerden und die “Midlifekrise” eines New Yorker Anwalts und von Louis Begley habe ich auf diesen Blog auch schon geschrieben, voriges Jahr sein Erstlingswerk “Lügen in Zeiten des Krieges” gelesen und ihn auch schon einmal in der Hauptbücherei persönlich gesehen. Ein netter charmanter älterer Herr, der glaube ich, Deutsch spricht und der mit einer Schriftstellerin verheiratet ist und so wird auch einiges Autobiografisches in dem Roman über das Leiden des älteren Mannes enthalten sein, hat ja auch Louis Begley Jus studiert und als Rechtsanwalt gearbeitet, bevor seine literarische Karriere begann und Albert Schmidt, die Hauptperson, der amerikanischen Oberschicht angehörend, hat zu Beginn des Buches seine Frau Mary gerade an Krebs verloren. Er hat sich auch frühpensionieren lassen und mit seiner Rechtsanwaltskanzlei einen guten Vertrag ausgehandelt, als ihn seine Tochter Charlotte, mit der er gemeinsam ein großes Haus besitzt, das seine Frau von einer Tante erbte und für das eine ganze Kolonne polnischer Putzfrauen und auch ein eigener Gärtner nötig ist, eröffnet, sie will einen der Juniorpartner seiner früheren Kanzlei, einen Juden, heiraten, was Schmidt in die Krise stürzt. Denn er ist mit dem jungen Mann, obwohl er ihn gefördert hat, nicht einverstanden, hegt Pläne, das Haus der Tochter zu überlassen und auszuziehen und wird von seinem künftigen Schwiegersohn übers Ohr gehaut, weil der ihm um seinen günstigen Vertrag bringt. Schmidt will auch mit seiner Tochter reden und sich mit ihr zum Essen treffen, sie weigert sich aber, wirft Schmidt Antisemitismus vor und zwingt ihn zu Thankgiving, dem großen Amerikanischen Fest, an dem alle teilnehmen müssen, ob sie wollen oder nicht, zu den Schwiegereltern, einem Psychoanalytikerpaar zu kommen. Dort nimmt sich die Schwiegermutter seiner, während die anderen spazierengehen an, und beginnt ihn niederzureden oder zu therapieren und Schmidt, der ehemalige Erfolgreiche, ist seltsam hilflos und kann sich gegen das Älterwerden und dem Familienclan nicht wehren.
In seiner Not geht er in ein Restaurant und lernt dort Carrie, eine zwanzigjährige Puertoricanische Kellnerin kennen und fängt mit ihr ein Verhältnis an. Aber auch das ist schwierig, denn die lebt mit einem Mann zusammen, wurde von ihrem ehemaligen Mathematiklehrer vergewaltigt und der verfolgt nun, zum Landstreicher geworden, Schmidt und am Ende fährt der ihn noch tot. Das läßt sich herrlich psychoanalytisch deuten. Die Tochter zieht den Vater auch noch über den Tisch, denn sie will nicht in das Haus einziehen, sie will auch nicht dort heiraten. Schmidt muß die Hochzeit aber trotzdem zahlen, und seine Tochter auszahlen und dann das Haus verkaufen, wenn er es allein nicht halten kann und die Möbel und das Tafelsilber will die schöne Charlotte auch haben und die Schwiegermutter nimmt noch ein Telefongespräch auf, um Schmidt damit zu erpressen.
Wirklich bösartig, das Leiden des reichen Mannes am Älterwerden, aber auch ein bißchen langatmig zu lesen, aber wahrscheinlich typisch amerikanisch, ist ja auch Philip Roth ein Meister dieses Genres, für ganz so literarisch würde ich Louis Begley nicht halten, er hat aber an seiner Schmidt Serie weitergeschrieben, so gibt es noch “Schmidts Bewährung” 2000 geschrieben und “Schmidts Einsicht”, auf der letzten Buch-Wien vorgestellt, wo die gute Carrie den guten Schmidt wieder zu verlassen scheint und ich habe inzwischen auch noch “Den Mann der zu spät kam” in einem der Bücherschränke gefunden und auf meine Leseliste gesetzt und auf Louis Begley bin ich, glaube ich, durch Marcel Reich-Ranicky und “Mistlers Abschied” aufmerksam geworden.
Uncategorized
Existenzen an der Kippe und Romanbeginn
Der vollständige Titel der heutigen aktuellen gesellschaftlichen Befunde in der Alten Schmiede lautete “Short cuts von Menschen und Existenzen an der Kippe”
Gemeint ist damit die Präsentation von Monika Helfers bei Deuticke erschienen neuem Erzählband “Die Bar im Freien”, der am Freitag in Ö1 vorgestellt wurde, so daß ich in zwei der kurzen Erzählungen schon hineinhören konnte.
Hundertzwanzig Kürzestgeschichten in mehreren Abteilungen von mit einer Ausnahme jeweils einer Länge von ein bis drei Seiten, wie Kurt Neumann in seiner Einleitung erklärte, dann dem Verlag und Martina Schmidt für den Mut dankte, einen solchen Erzählband in Zeiten, wo die Literarturkritik, das nicht haben will, herauszubringen und da muß ich mich an der Nase nehmen, habe oder hatte ich ja auch ein Vorurteil gegen Kurzgeschichten. Ich habe mich aber gebessert und in diesem Jahr schon einige aufgelesen und übe mich auch selber derzeit in dieser Kunst. Allerdings mehr in der realistischen Art und Weise, die man auch Glosse nennen könnte, während Monika Helfer, die 1944 im Bregenzerwald geborene Frau von Michael Köhlmeier und Mutter, der früh verstorbenen Paula Köhlmeier, sich zwischen Leichtigkeit und Abgrund bewegt, wie Kurt Neumann weiter ausführte und an diesem Abgrundgleiten, bin ich, wie ich gestehen muß, auch fast gescheitert, weil ich mit der Mischung zwischen Märchen, Traum, menschlicher Verzweiflung und Absurdität nicht ganz klar gekommen bin, bin ich ja eine, die immer gern nach der Logik sucht und da machen es einem Monika Helfers Kurzgeschichten nicht leicht.
Die eine beispielsweise, wo eine Fev genannte Frau, ich hoffe, ich schreibe es jetzt richtig, in die Stadt zieht, vom Geld ihrer Eltern lebt, dann als dieses ausgeht ins Elternhaus zurückkehrt, dort einen Zettel findet, sie solle sich in eine Bergschule begeben, sie werde dort gebraucht. Sie tut es, kost die Kinder, während der Professor abreist. Wovon sie leben wird nicht ganz klar, wer ihnen kocht und wo die Eltern sind auch nicht? Wohl aber, daß die Kinder ihre Lehrerin lieben, obwohl sie ihnen keine Kulturtechniken lehrt. Der Schulbehörde passt das nicht, sie läßt die Kinder abtransportieren. Fev bleibt zurück, beschließt ihre Demut zu beenden, zieht in die abgesperrten Räume des Professors, trägt seine Kleider und raucht seine Zigarren.
Ein abgrundtiefes Märchen keine Frage und sehr symbolisch, über das sich herrlich philosophieren läßt, trotzdem habe ich erst einmal nach dem Sinn gesucht. Jetzt denke ich, es gibt auch eine nicht realistische Literatur und sie gilt in der Literaturwelt auch viel mehr und so hat Kurt Neumann, die Geschichten, dem Leser auch für alle Lebenslagen empfohlen. Wenn man traurig oder fröhlich ist, soll man sie lesen.
Für die Fröhlichkeit sind sie aber wahrscheinlich zu depressiv, denn viele behandeln menschliche Verrücktheiten. Die von dem “Erfinder” beispielsweise, der nur erfinden will, wenn seine Frau bei ihm ist, so fesselt er sie an den Stuhl wenn er einkaufen geht. Er hat aber kein Geld und weiß auch seinen Namen nicht mehr und erfinden will er auch die Abschaffung der Elektrizität.
Wieder eine Geschichte, die es in sich hat.
Kurt Neumann hat in der Einleitung auch davon gesprochen, daß sie sämtliche bürgerliche Konventionen brechen oder drüber stehen. Es gab aber auch banaleres, zum Beispiel, die von den beiden Mädchen, die zusammen spielen, vom Küssen und von Besuchen reden, die am Sonntag mit oder ohne Männer kommen und welche Geschenke man dabei mitbringen muß oder die, wo eine Studentin, die Schriftstellerin in einem Schreibseminar fragt, wie man schreiben soll und dann gibt der Short Cut eine Zusammenfassung von sämtlichen Schreibratgebern auf ein bis drei Seiten. Wahrhaft grandios!
Die, wo das Schriftstellerpaar von einem berühmten Ärztepaar eingeladen wird, um deren Kindern vorzulesen und darob verrückt wird, hatte es ebenfalls in sich und war ein Meisterwerk an Beklemmung, das ich auch nicht so schnell verkraftet habe.
Ein gutes Buch, denn Literatur ist ja Verdichtung und die wird in diesen Short Cuts, wie Kurt Neumann ebenfalls betonte, meisterhaft betrieben. Er fragte im Anschluß, ob die Geschichten in einem Zug geschrieben wurden, wie lange Monika Helfer dazu gebraucht hat und wollte Fortsetzungen in ihnen sehen, mit denen Monika Helfer, wie ich glaube, nicht sehr glücklich war.
Sie hat in einem Zug geschrieben, zwei Jahre dazu gebraucht und zwischendurch auch etwas anderes, beispielsweise an einen Roman geschrieben und ich bin, wie erwähnt etwas verwirrt nach Hause gegangen. Diese Verwirrung hat sich inzwischen gelegt, denn Literatur darf durchaus surrealistisch sein, aber auch real und sozialkritisch und so würde ich die meine verstehen und da kann ich gleich zum zweiten Teil des heutigen Eintrags hinüberschwenken, denn ich habe wieder zu schreiben angefangen.
Schneller, als geplant, so daß es wahrscheinlich nichts mit dem geplanten Nanowrimo zur Materialsuche wird, denn zwei Ideen sind mir inzwischen gekommen. Die erste, als ich noch den Rolf Lappert gelesen habe, da dachte ich, ich will den Alltag einer Frau an Hand ihrer Beobachtungen beschreiben, die zweite, daß ich den Entzug einer Alkoholikerin schildern will, die dritte ist beides zu verbinden und die vierte, eh schon wissen, Zeit lassen, mir aber auch eine Struktur geben, damit es wieder etwas länger werden kann. Eine Idee wäre dazu, mir einen Tag im Viertelstundentakt vorzunehmen, wie beim Wiener Stadtroman oder ein Jahr zu beschreiben, wie bei der “Radiosonate”.
Montag, Dienstag, Mittwoch usw. als Kapitelüberschriften, ist mir auch noch eingefallen. Jetzt denke ich, weil ich nicht so begonnen habe, daß ich mir ein reales Ziel von hundert bis hundertfünfzig Rohseiten vornehmen und mich daran vorwärts hanteln könnte. Das das Thema etwas Neues ist, ist die Gefahr zu schnell in die alten Fahrwasser zu geraten, wie es vielleicht bei meinen letzten Texten war, nicht so groß.
Ich habe jetzt den Anfang und das Ende und dazwischen den festen Vorsatz mich spielerisch voranzuhanteln und die Handlung kommen lassen. Realistisch wird sie wohl werden und auch in meinem Stil, denn ich habe wahrscheinlich meinen eigenen Literaturbegriff. Mit den zwei Szenen, die ich am Sonntag und heute geschrieben habe, bin ich aber zufrieden und da das Zeit lassen, ein Ziel bleiben soll, werde ich auch meinen Pfingstlesemarathon, wie geplant zelebrieren und mich nicht, wie vor einem Jahr, durch die “Zwillingswelten” davon abbringen lassen.
Ansonsten schreibe ich, wie ich es kann und wohl auch will. Wenn ich trotzdem wieder in sechs Wochen fertig werden sollte, geht es sich noch für den Nanowriomo aus, nur der Alfred wird dann in Streß geraten, weil noch drei Bücher auf das Fertigmachen warten.
Geplant ist aber schon mir meine Schwächen vorzunehmen, an meiner Hemmung und an meiner Sprache zu arbeiten und das, was in mir drinnen verborgen ist, herauskommen lassen. Mal sehen, wie es gelingt?
Ich werde sicher darüber berichten, obwohl ich mir auch da vorgenommen habe, das ein bißchen zurückhaltender zu tun, aber auch das muß mir nicht gelingen.
Literarische Erleuchtung und holländischer Bestseller
In der Alten Schmiede hielt Alexander Nitzberg wieder einmal seinen poetischen Trichter ab, den russischen Dichter, Übersetzer, Rezitator ich ja kenne, seit ihn mir Christel Fallenberg vorigen Jänner beim Fest für Ernst Jandl im Wien Museum vorgestellt hat, dann war ich bei einer seiner Veranstaltungen über Daniil Chrarms, habe ihn bei Felix Philipp Ingolds Dicht-Performance im März im Publikum gesehen. Heute ging es über die Majakowskischen Poeme, einem russischer Dichter und Futoristen, 1893-1930, den man vom Namen kennt und ich habe mir vor vielen Jahren, wenn ich mich nicht irre, wars an dem Tag, an dem Elias Canetti den Nobelpreis bekommen hat, bei Libro, ein Buch bzw. Broschüre von ihm gekauft und jetzt gabs eine literarische Erleuchtung und ich war früh dran in der Alten Schmiede, habe Julian Schutting gegrüßt, als der das letzte Mal vor mir in eine Veranstaltung gegangen ist, bin ich in die nicht hineingekommen. Jetzt ist er neben mir gesessen, auf der anderen Seite Pfarrer Balasz Nemeth, den ich ja von den ökumenischen Workcamps kenne, die ich in meiner Studentenzeit machte. Der Stammbesucher mit dem wir nach der Oksana Sabuschko Veranstaltung im Dachcafe gesessen sind, hinter mir und eine Dame begrüßte erst Julian Schutting, dann wandte sie sich an mich und sagte, sie kenne mich auch.
So entspannten sich schöne Gespräche. Lisa Fritsch war auch da und zuletzt ist noch Christiane Zintzen, leicht zu erkennen in ihrem in/ad/ae/qu/at-T-Shirt, hereingehuscht die ich selten bei Veranstaltungen sehen, obwohl sie ja viel über die ihrer Freunde berichtet. Sie setzte sich vor Julian Schutting und unterhielt sich mit ihm und der Stammbesucher entdeckte inzwischen eine kleine Büste auf dem Vortragspult und ging nach vorn um sie zu fotografieren.
Dann trat schon Alexander Nitzberg auf, bzw. wurde er von Kurt Neumann eingeleitet und das von ihm übersetzte Poem “Wölkchen in Hosen”, hatte ich mir schon am Büchertisch angeschaut und erklärte, daß diese Majakowski-Büste mehr dem realen Sozialismus, der den Dichter offenbar vereinbart hat, als dem Futoristen, den er vorstellen wolle, entspreche und begann mit ein paar auswendig und stehend vorgetragenen Gedichten in Deutsch und Russisch. Danach folgte die Aufführung, den von ihm übersetzten vierteiligen Poem mit einem Vorwort, da war nur das Vorwort auch auf Russisch, alles andere einsprachig. Kurt Neumann lobte am Ende die fulminante Vorführung als Höhepunkt der Trichter Performances und es gab wieder eine Stunde Pause, die ich mit einem Stadtrundgang verbrachte.
Danach standen eine Menge junger Leute vor der Alten Schmiede und es ging in den Keller, wo ein mir bisher unbekannter holländischer Autor, Peter Buwalda, derzeit Writer in Residence der Uni Wien Abteilung Niederlandistik, aus seinem noch nicht auf Deutsch erschienenen Bestseller “Bonita Avenue” las.
Prof. van Uffelen leitete ein und erklärte, daß die jungen Leute, die Studenten der Niederlandistik seien, die mit dem 1971 geborenen Autor, der vorher Journalist und Lektor war, bevor er vier Jahre an dem Roman geschrieben hat, der 2010 in Holland erschien, schon viel diskutiert hätten und der Roman erklärte Kurt Neumann noch, würde den Niedergang einer Gesellschaft schildern. Der Professor zog Vergleiche von Kafka zu Thomas Manns “Buddenbrooks”, weil dessen Meisterwerk ja auch den Niedergang einer Familie schildert. Hier geht es um eine reale Explosion einer Feuerwerksfabrik, die 2000 in Holland passierte und es wird der Niedergang eines Rektors, Mathematikers und Judomeisters geschildert, dessen Sohn einen Mord begeht, während die Tochter in der Pornoindustrie arbeitet.
Peter Budwalda las drei Stellen vor, die dann noch auf Deutsch gelesen wurden. Da das Holländische ja eine Mischung zwischen Deutsch und Englisch ist, war aber ohnehin viel zu verstehen und ich habe durch meine Freundschaft mit Frans Postma, den ich auch durch die ökumenischen Workcamps kennenlernte, ja eine besondere Beziehung zu Holland und bin in meiner Studentenzeit sehr oft hingefahren.
Die Diskussion erfolgte dann auf Holländisch, weil die Studenten in dieser Sprache fragten, der Professor übersetzte, Peter Budwalda konnte aber ohnehin gut Deutsch und erzählte, daß er gleich mit einem Roman debutieren wollte, weil er erst mit dreißig oder so zu schreiben anfing. Er hat aber viel gelesen und als Lektor wahrscheinlich auch die entsprechenden Vorerfahrungen gehabt. Ehrgeizig ist er offenbar auch, weil es gleich ein Meisterwerk werden sollte. Jetzt schreibt er an dem zweiten Roman, in dem es um einen Pianisten und um Robert Schumann gehen soll. Bei dem ersten geht es, um Gewalt und Pornos und Peter Buwalda stellte den Vergleich an, was schlimmer ist?
Sein erster Roman ist jedenfalls ein Bestseller geworden und wurde in viele Sprachen übersetzt.Auf Deutsch erscheint er im Herbst bei Rowohlt, da ist die Alte Schmiede wieder einmal voraus, wie Kurt Neumann in der Einleitung erklärte und wenn er im Oktober in Frankfurt auf dem blauen Sofa vorgestellt wird, habe ich schon was zu verlinken. Ich habe mir heute allerdings auch das “Blaue Sofa” angeschaut, das der ZDF am Freitag sendete und da stellte Wolfgang Herles einen Roman eines Amerikaners vor, der ebenfalls erst im Herbst erscheinen wird.
Wir fliegen
Peter Stamms Erzählband “Wir fliegen”, habe ich vorigen Juni bei Morawa um einen Euro gekauft, weil ich den Namen, des 1963 geborenen Schweizer Autors, von verschiedenen Buchpreislisten kannte, auf denen er gestanden ist.
2009 zum Beispiel auf der Longlist für den dBP mit seinem Roman “Sieben Jahre”.
20011 war er mit dem Erzählband “Seerücken” für den Leipziger Buchpreis nominiert und sein Roman “Agnes” war unter den Büchern, die der deutsche Börseverein zum Welttag des Buches verschenkte, literaturcafe.de berichtete davon.
Jetzt habe ich den Erzählband gelesen, über den Martin Krumbholz von der bayrischen Rundschau schreibt “Peter Stamm zeigt, daß die alltäglichsten Geschichten, die aufregensten sind, weil wir uns in uns wiedererkennen”
Und das stimmt oder stimmt nicht, weil nicht immer ganz klar ist, ob in den zwölf Erzählungen wirklich nur Alltägliches passiert, in manchen von von ihnen passiert sehr viel Ungewöhnliches, dann bleibt aber wieder viel offen, wird ausgespart und es sind die Banalitäten, mit denen die Geschichten enden. Um Beziehungen geht es aber in allen von ihnen. Der Klappentext schreibt noch etwas “von Momenten, die alles verändern und die Welt in einem anderen Licht erscheinen läßt”.
Ein wenig geheimnisvoll und ungewöhnlich sind sie schon die Erzählungen.
In “Die Erwartung” hat eine holländische Kindergärtnerin ihre Kolleginnen zum Essen eingeladen, sie hat keinen Freund und fühlt sich ihnen, die in Paarbeziehungen leben, unterlegen, da hört sie plötzlich Schritte aus der Wohnung oben, in der eine alte Frau lebt, die sie nie gesehen hat. Jetzt hat sie schon länger nichts von ihr gehört. Also geht sie nach oben und läutet an. Es öffnet ein sehr viel jüngerer Mann und es bahnt sich eine Beziehung zwischen ihnen an, die sehr geheimnisvoll bleibt und undifferenziert endet. Oder die Geschichte “Fremdkörper” Da hält ein Höhlenforscher einen Vortrag und wird von einem Paar angesprochen und in ihre Wohnung mitgenommen, er soll er dort auch schlafen und mit ihnen später eine “Nirvana” genannte Höhle besuchen. Der Mann geht schlafen, der Höhlenforscher bleibt bei seiner viel jüngeren Freundin zurück, um Todesangst geht es dabei auch.
“Drei Schwestern” heißen die Berge, die Heidi vor ihrem Fenster sieht und die wollte einmal Malerin werden, ihre Eltern waren dagegen, die Zeichenlehrerin animierte sie aber dazu, sich in Wien an der Akademie anzumelden, sie suchte auch mit ihr die Bilder aus, es passierten offenbar homoerotische Momente, so daß die, denen Heidi ihre Zeichnungen zeigt, sie als Mösen bezeichnen. So traut sie sich nicht mehr nach Wien zu fahren, steigt in Innsbruck aus dem Zug, gerät in das Zimmer eines Mannes, von dem sie dann ein Kind bekommt, ihn heiratet und später wieder zu zeichnen beginnt.
Der Wahnsinn wird in der Geschichte “Die Verletzung” thematisiert, da geht es um einen Dorflehrer, der in der Schule keine Anerkennung findet und von seiner Jugendliebe, deren Mutter wahnsinnig wurde, verschmäht wird. So beginnt er seine ganze Wohnung zu verheitzen und sein Auto im Schnee stehen zu lassen. Ganz schön beklemmend und unheimlich, vor allem in der Art, wie erzählt wird.
“Das Pflaster” ist auch so eine Geschichte, wo man am Ende nicht weiß, wie aufregend sie wirklich war. Bruno ist Nachtportier und wohl in seiner Ehe sehr gelangweilt, er ließ sich ein Melanom entfernen und wartet nun auf den Befund. Das tut er in seinem Hotel und während er seine Frau beruhigt, daß alles harmlos ist, durchlebt er Stunden der Todesangst.
Die Titelgeschichte ist ähnlich kryptisch, symbolhaft angedeutet. Da wird ein Kind im Kindergarten nicht abgeholt. Die Kindergärtnerin nimmt es mit nach Hause. Dort ist ihr Freund und will Sex von ihr, sie geniert sich aber vor den Kind, so daß er Freund mit ihm Flugzeug spielt. Später ruft die Mutter an und alles ist in Ordnung und das Paar wieder allein.
“Videocity” schildert auch eine sehr unalltäglich Welt eines Verfolgten und der “Brief” hat mich sehr berührt. Da wird in schlichten Andeutungen viel erzählt. Eine Frau wird Witwe, entsorgt die Sachen ihres Mannes und findet dreißig Jahre alte Liebesbriefe, die sie verletzen, da die Geliebte, dem Mann Sachen schrieb, die sie ihm, da sie nur “Postkarten schrieb, die auch der Postbote lesen konnte”, nie sagte und während die Enkeltochter fragt, ob der Großvater im Himmel ist und eine Exfreundin ihres Sohnes erzählt, daß sie auch die Geliebte eines verheirateten Mannes ist, will sie ihr erst raten, die Beziehung aufzugeben, dann zerreißt sie den Brief und schreibt einen ihren Manfred “mit Sätzen die sie vorher nie geschrieben hat.”
So geht es weiter in den zwölf Geschichten, eine ist ein bißchen übersinnlich, wo der Pfarrer vom Land, in seiner Gemeinde, die nicht in die Kirche geht und die er für Kommunisten hält, plötzlich eine Jungfrau hat, deren Kind vom lieben Gott gezeugt wurde, wie sie behauptet, sie wird seine Köchin, er hält ihren Bauch, die Gemeinde will von ihr gesegnet werden und die Kirche ist plötzlich voll und da das Kind ein Mädchen wurde, kann es auch nicht “Jesus” heißen.
Sprachlich sehr anspruchsvoll, die zwölf Beziehungsgeschichten vom Großen und vom Kleinen, der Erotik und dem Alltäglichen und so ist das Leben wohl auch, sowohl banal als auch kompliziert, man wird betrogen und betrügt, vergißt seine Kinder manchmal auch im Kingergarten und dann werden sie doch abgeholt.
Post-Frühstück
“Samstag ist Banktag!”, steht in dem Bezirkszeitungsinserat, eine meiner wöchentlichen Postwurfsendungen. Ich denke “Aha!” und glaube es nicht. Hat meine Bank, die Bank Austria, vormals Zentralsparkassa, ja nicht an diesem Tag geöffnet und seit einiger Zeit auch am Nachmittag nicht. Die BAWAG, die ja auch vor kurzem in eine Krise schlitterte, verspricht es aber und hat sich mit der P.S.K verbunden. Zumindestens befindet sich “meine Post” seit kurzem in einer BAWAG-Filiale und die Jahngasse 37-39 ist ja auch ein Postamt.
Jetzt aber auch Bank und lädt daher zum Frühstück ein, diesen Samstag von neun bis zwölf zu Kaffee und Kipferln und da muß ich natürlich hin. Umso mehr, da das ja mein Postamt war, als ich die Praxis in der Reinprechtsdorferstraße hatte und ich vor kurzem dort war, als ich in der Schönbrunnerstraße einen Brief aufgeben und Marken kaufen wollte, die Dame am Schalter aber bedauerte “Leider, leider, die Kasse ist heute geschlossen!”
“Klingt ein bißchen absurd!”, habe ich gedacht. Von der Post ist man in der letzten Zeit aber einiges gewöhnt.
Einsparungen, Rationalisierungen, Pensionierungen und Versetzen der unkündbaren Beamten in den sogenanten Pool, wo sie sitzen und sich langweilen, während ich auf meine Post schon mal bis fünf Uhr Nachmittag wartete oder ein Herr aus der Nachbarstraße bei mir klingelte und mir meine Briefe brachte.
Aber “Wenns wirklich wichtig ist, dann mit der Post!”, steht neuerdings auf den Briefkästen. Ich habe zwei meiner Geburtstagseinladungen im vorigen November aber zweimal zurückgeschickt bekommen, obwohl sie richtig addressiert waren und sehnsuchtsvoll an früher gedacht, wo ich wußte, daß meine Urlaubskarten ankommen, auch wenn ich die genaue Hausnummer nicht mit hatte. Heute funktioniert das schon lange nicht, aber, das Postkartenschreiben kommt ohnehin ab und wird zum anachronistischen Vergnügen.
“Wenns wirklich wichtig ist, dann mit der Post!”, wird also geworben, während die Postämter zusammengelegt werden. Aber wenn sie das tun, dann wird offenbar mit Kaffee und Kipferln eröffnet und, daß Samstag Banktag ist, ist eigentlich sehr schön, obwohls mich ja nicht betrifft. Aber gut zu wissen, daß ich noch am Samstag Briefmarken kaufen kann, das habe ich schon nicht geglaubt, denke ich und betrete die neue BAWAG-Filiale, wo eine freundliche Dame im blauen Rock, weißer Bluse und gestreifter BWAG-Krawatte vor einigen Kisten mit Sackerln steht, die den Aufdruck einer bekannten Bäckerei tragen und mir ein solches entgegenstreckt.
“Kaffee gibts nebenan!”, sagt sie dazu.
Da stehen auch freundlichen Damen vor den Maschinen und machen mir meinen Cafe latte oder Cappucino mit viel Milch, wie ich ihn gern trinke, ich mische mir ein Glas Wasser mit Orangensaft und stelle mich an einen Tisch, um mein Kipferl zu verzehren, neben mir zwei Damen, die das ebenso tun.
“Wir sind nicht so schlank, wie das Fräulein!”, sagt die Ältere zu mir und meint die junge Frau mit dem Kopftuch, die offensichtlich schwanger ist, die lächelt und läßt ihr Kipferl später stehen, der übergebliebene Kaffee, den eine andere Frau bemängelt, war aber nicht von ihr.
“Die Leute haben keine Manieren!”, schimpft die Frau.
“Zuerst nehmen und dann stehen lassen!” und eine andere bezirzt die Dame vor den Kipferlkisten, ihr doch eines oder zwei für den Herrn aus dem Ein-Euro-Shop zu geben, den der Arme kann sein Geschäft nicht verlassen. Sie tuts, die Frau wird dann vom Securitytyp im schwarzen Anzug und der Glatze angesprochen, ob sie schon genug gefrühstückt hat?
“Beehren Sie uns bald wieder, nächste Woche, auch ohne Kaffee und Kuchen, denn Sie wissen ja, wenns wirklich wichtig ist, dann mit der Post!”, denkt es in mir und daran, daß sich der kommunistische Bezirksrat sehr darum bemühte, die Postschließung in der Schönbrunnerstraße zu verhindern und, daß der Weg zur Pilgramgasse für mich viel weiter ist.
Aber gut zu wissen, daß die gute neue Post auch am Samstag geöffnet ist. Hatte ich ja schon befürchtet, auch nur mehr Vormittagsöffnungszeiten vorzufinden und die Kipferln, die es heute gab, waren wirklich gut.
“Sind Sie frisch?”, hat die schon erwähnte Frau, skeptisch gefragt?”
Sie waren es und auch mit Zucker bestreut.
Arbeitsbericht
Neben dem vielen Lesen der letzten Woche und der psychologischen Praxis hat es natürlich auch Literatur gegeben. Zwar nur eine literarische Veranstaltung am Montag, aber nach dem ich am Sonntag die Nebelschwaden fertig korrigiert hatte, habe ich den Beschreibungstext am Montag dafür geschrieben und am Mittwoch habe ich mich dann hingesetzt, bin das Literaturgeflüster durchgegangen und sehr schnell und spontan, wie ich einmal bin, die Artikel für das Literaturgeflüster-Texte-Buch, das es ja demnächst geben wird, herausgesucht. Donnerstag war ein Feiertag und da hat mich die liebe Iris, die ich kenne, weil unsere Kinder in dieselbe Kindergruppe gegangen sind, zu ihrem Geburtstagsfest eingeladen. Also bin ich, als ich den “Reigen des Todes” besprochen und gegessen hatte, in die Gallizingasse hinausmarschiert. Wienkenner werden wissen, daß man dabei an drei Bücherschränken vorüberkommt. Am Wortschatz in der Margaretenstraße, den in der Zieglergasse meinen Lieblingsschrank und dann noch an den in der Grundsteingasse, mit einem kleinen Umweg, weil ich die Thaliastraße ja nicht verlassen hätte müssen, hab ich aber zum Glück, denn er war gut gefüllt und so habe ich einen Drago Jancar und ein unkorrigiertes Leseexemplar von einer Frau, die den Brigitte-Romanpreis gewonnen hat, gefunden und im Wortschatz gab es “Dracula” von Bram Stoker, den hab ich oben in die zweite Reihe Reihe gestellt, damit ich ihn am Rückweg noch finden kann und nicht mitschleppen muß. So war die Büchertasche nicht so voll, als ich vor vier in der Gallizinstraße eingetroffen bin, wo wir ja meistens im Mai bei einem Grillfest waren, aber diesmal wars ein bißchen kalt und regnerisch und alles zu, keine Glocke und ich kein Handy und da ich wußte, daß die Iris ein bißchen chaotisch ist, war ich mir nicht ganz sicher, ob das Fest stattfindet und bin umgekehrt, das heißt, ich habe mich auf die nächste Bank gesetzt, die Büchertasche ausgeräumt und dann noch gesehen, daß ich in der Eile meine Noitzbüchlein am Schreibtisch liegen habe lassen. Aber trotzdem “Ich mache ich mir jetzt den literarischen Tag bzw. Rückweg!”, gedacht, denn das wollte ich am Wochenende ohnehin tun. Um vier war es aber ein bißchen spät einen Tagesfahrschein zu entwerten und hungrig war ich auch, also habe ich mich wieder auf eine Bank in einem der Beserlparks der Thalistraße, gesetzt, wo auf den anderen junge Türkinnen ihren Platz fanden und einem ihrer Kinder, einem kleinen Mädchen, das ein großes Kopftuch um den Kopf geschlungen hatte und versonnen vor sich hintanzte, zugeschaut.
Sonst gab es auf der Thaliastraße nicht sehr viel zu sehen, was sich für literarische Skizzen verwenden läßt, so bin ich zurückgegangen, habe zu Hause gegessen, der Iris ein Mail geschickt und sie zu meiner Lesung am 16. 6. eingeladen und in der Badewanne den Pierre Emme ausgelesen.
Am Freitag hatte ich zwei Stunden, die letzte um eins, dann hätte ich eigentlich den Fahrschein zwicken können, hab ich aber nicht, sondern bin nach dem Mittagschlaf mit den ausgedruckten Texten auf die Terrasse und mir die Texte durchgesehen.
“Passt!”, habe ich gedacht, noch zwei hinzugefügt und sie den Alfred auf dem Schreibtisch gelegt, denn es muß natürlich viel korrigiert werden, um aus den Alltagstexten, die Blogeinträge einmal sind, ein Buch zu machen. In die Blogartikel will ich aber nicht korrigieren, aufs Papier ist es auch nicht sehr sinnvoll, also warten bis mirs der Alfred in den Computer tut, so daß ich die Artikel buchfertig machen kann. Dann habe ich ein kurzes Vorwort geschrieben und das Inhaltsverzeichnis gemacht. Ist natürlich nicht vollständig, weil ja vorher noch die “Wiedergeborene” und “Nebelschwaden” erscheinen werden, das heißt wenn das “Literaturgeflüsterbuch” in einem dreiviertel oder Jahr erscheint, wird es noch einige Artikel geben, die ins Buch kommen, zum Beispiel die Reiseberichte des nächsten Urlaubs oder die Berichte meines Pfingstlesemarathons, den ich plane, also spannennd, was sich noch entwickeln wird.
Dann war noch die Lesung am 16. 6. vorbereiten, zwanzig Minuten aus der “Mimi” dem Buch, wo ich das Schreiben einer Frau mit Down Syndrom beschreibe, dem vor zwei Jahre stattgefundenen Plagiatsskandal um Helene Hegemann umgeschrieben habe und auch noch den ersten Bücherschrank erwähne, das ich sehr mag, von JuSophie sehr kritisiert wurde, sonst aber, wie die meisten meiner Bücher eher unbemerkt blieb. Franz Joseph Huainigg habe ich es gegeben. Der Otto hat die Beschreibung geschrieben, Sarah Wipauer hats auch gelesen und ich habe die Szene, wo sich alle beim Mittagessentreffen ein paar Mal gelesen. Ich glaube auf meinem Geburtstagsfest und dann noch beim Literaturslam der anderen Buchmesse. Jetzt habe ich drei Szenen ausgesucht, die sich auf den Bücherschrank beziehen. Bin gespannt, freue mich auf die Lesung und lade wieder alle herzlich dazu ein, zum offenen Bücherschrank in die Grundmanngasse/Ecke Brunnengasse zu kommen.
Am Samstag habe ich mich dann wieder auf einen sogenannten Materialsuchtag begeben. Mit zwei Zielen, erstens, um vielleicht ein paar Szenen für den Blog, bzw. das “Literaturgeflüster-Texte-Buch” zu bekommen, zweitens vielleicht schon für mein nächstes Projekt, ja ich bin sehr schnell, für das “Glas zuviel” wo es um eine Alkoholikerin gehen wird.
Also bin ich in der Früh aufgebrochen, aber zuerst in den Pennymarkt, um verbilligte Erdbeeren und Kiwis einzukaufen und dann in die Post in die Jahngasse, denn die hat sich mit der Bawag verbunden, macht am Samstag auf und hat zu einem Frühstück eingeladen. Dazu wirds demnächst eine Glosse geben. Dann habe ich einen Tagesfahrscheinstreifen entwertet und bin von einer Endstation zur anderen gefahren. Ich mache das manchmal, wenn ich Material für was Neues suche, dann fahre ich gern auf den Kahlenberg. Das letzte Mal ist mir das nicht gelungen, diesmal hats geklappt. Es war auch wunderschönes Wetter und der 38A, der auf den Kahlenberg und den Leopoldberg hinauffährt, ist auch ein besonderes Highlight, da kann man sowohl, die Touristen, als auch die schöne Aussicht bewundern.
Diesmal war der Leopoldsberg allerdings eine Baustelle und das Betreten verboten, man konnte nur herumgehen und ein bißchen auf die Stadt hinunterschauen. Dann hab ich mir, was ich auch schon lange wollte, bei einem ehemaligen Würstlstandl, das jetzt Asia-Snacks verkauft, die derzeit in Mode sind, eine Nudelbox mit Huhn gekauft und bin mit dem 11 A zum Stadion gefahren, dann zur Donauinsel und dort von der U1 bis zur U6 marschiert und immer alles, was ich dabei beobachtete und das war schon einiges, aufgeschrieben.
Dann wurde ich ein bißchen durstig, das Mitgebrachte war aber schon getrunken und einen Hydranten habe ich nicht gefunden. Ich war aber ohnehin schon ein bißchen müde und in “Diagonal” gab es zwei Stunden mit Josef Winkler, also setzte ich mit dem Radio auf die Terrasse und wertete die Notzen aus.
Dazu werde ich ich auch noch den Sonntag brauchen und dann habe ich noch eine Arbeitswoche, bevor ich mich auf einen sehr intensiven Lese-Pfingst-Marathon begeben will und dann ist die Bühne frei für das neue Buch mit all meinen Hemmungen, die ich natürlich in mir spüre.
“Kann ich das, darf ich das?”, etc.
Da bin ich ja das letzte Mal durch eine ziemliche Krise gegangen und, wie, ich glaube, wieder hinaus. Ein bißchen Resignation habe ich zwar mitgenommen, weil mir mit dem Literaturgeflüster der literarische Durchbruch, wie ich vielleicht hoffte, auch nicht gelingt und sich die Literaturwelt für Blogs von vielschreibenden erfolglosen Autoren nicht sehr interessiert.
Trotzdem viel gelernt, vor allem mit Kritik umzugehen und meine Kritiker haben sich jetzt ohnehin zurückgezogen. Was ich schade finde, ist, daß ich über den Blog nicht soviel, wie ich vielleicht will, über Literatur diskutieren kann. Aber ich bin ohnehin ein bißchen monolistisch veranlagt und blogge für mich selbst vor mich hin und so geht es mir mit dem Literaturgeflüster und meinen selbstgemachten Büchern ganz gut und, ob es mir gelingt, demnächst wieder etwas Längeres und vielleicht auch etwas, womit ich ein bißchen auffalle und Anerkennung finde, zu produzieren, weiß ich nicht. Will es aber versuchen und habe an den drei Büchern, die noch fertig werden müßen, auch einiges zu tun.
Pastetenlust
Weiter geht es mit den Krimis, die ich mir vor einem Jahr bei dem Flohmarkt im Museumsquartier kaufte und zufälliger ist es auch ein solcher auf den ich durch leselustfrut aufmerksam wurde, nämlich Pierre Emmes “Pastenlust”. Vorher hatte ich von den Wienerischen Krimis, des eigentlich Peter Millwisch heißenden, 1943 geborenen und 2008 verstorbenen Autors, der Journalist, Unternehmensberater und Marktforscher war und offenbar erst mit seiner Pensionierung mit dem Krimi schreiben begann, noch nichts gehört-
“Pastetenlust” war der erste, der offenbar ein so großer Erfolg geworden ist, das gleich weitere folgten, die letzten sind allerdings posthum entstanden und wurden vom Verlag unter Verwendung von Ideen, Notizen und Vorarbeiten des Autors herausgegeben.
So geht es also zu Mario Palinskis ersten Fall und der scheint mit seinem Autor einiges gemein zu haben, jedenfalls hat er in Döbling oder Währing gewohnt, in einem schönen alten Haus mit einem kleinen Gärtchen bzw. einer Bank vor dem Fenster, das mich ein wenig an das Writers Studio erinnert. Auf dieser wird dann gleich die Leiche gefunden und von Mario Palinski erfahren wir auch einiges, gibt er kursiv geschrieben ja immer seine Gedanken kund und stellt sich vor.
Er hat Jus studiert, war aber so aufgeregt, daß er die Prüfungen nicht schaffte, obwohl er alles wußte und mit der Medizin hat er es genauso gemacht, so wurde er kein Doktor, sondern Freiberufler. Das heißt er coachte einige Juristen, die dann seine besten Freunde wurden, durch das Studium und ernährte sich vom Schreiben von Kriminalschundhefterln. Sein Plan war aber der große Krimi, so legte er sich eine Kriminaldatenbank an, auf die man in Fachkreisen bereits aufmerksam wurde. Deshalb arbeitete er auch so viel, daß ihm das küssende Paar auf der Bank in der Nacht auffiel. Am Morgen saß der Mann noch dort und als ihn Palinski mit einem Kaffee wecken wollte, fand er seine erste Leiche.
Im Privatleben geht es nicht ganz so gut voran, hat er zwar eine Lebensgefährtin und zwei Kinder, weil die, eine Lehrerin aus guter Familie, aber mit seinem nicht geschafften Studium und seiner Persönlichkeit nicht ganz zurecht kommt, kam es oft zu Streit und zu getrennten Wohnungen im selben Haus.
Inspektor Wallner, ein Freund Palinskis rückt also an und dann gibt es noch den Ministerialrat Schneckenberger, auch ein Gecoachter, aber der hat einen anderen Fall zu bearbeiten. Wird da nämlich ein Lebensmittelkonzern erpresst und es gibt auch schon einige Tote, die sich an dort gekauften Speisen vergiftet haben.
Der Tote auf der Bank ist aber ein berühmter Schauspieler, der zufällig erst vergangene Nacht, den goldenen Viktor bekommen hat und Palinski hat die Sendung im Fernsehen gesehen, nicht nur das, es ist ihm auch aufgefallen, daß Jürgen Lettenberg schon am Abend in der Pizzeria gegenüber gesessen hat und auf das Haus schaute.
Es wird dann bald festgestellt, daß Lettenberg in einer der Wohnungen, bei einem Sexualakt erstickt und vorher rasiert worden ist und seine Managerin, die kein Alibi hat, wird verhaftet, was nicht ganz so einfach ist, da sich der Kriminalinspektor in die schöne Frau verliebt, aber Mario Palinski beginnt schon aufzuklären.
Inzwischen bekommen wir Informationen von dem anderen Fall. Da werden bei Salzburg eine Springreiterin und eine Pensionistin durch gekaufte Waren vergiftet und zufällig ist die Reiterin die beste Freundin von Lettenbergs Witwe, die dort einen Reiterhof betreibt, aber gerade ihre Nerven in einem Sanatorium behandelt läßt. Sie kommt zu einer Presskonferenz nach Wien und da meiner Meinung nach zu einigen holprigen Stellen des Romans, denn der Wunderwuzzi Palainski muß sie natürlich provozieren, in dem er Finderlohn für den Fund der Leiche verlangt und später, als sie gemeinsam in die Oper gehen, will sie an seinen Besten, so daß er sich nur durch einen fingierten Anruf bzw. dem Riß der Hose entziehen kann.
“Aber aber meine Herren, schon einmal von Trennung des Beruflichen mit dem Privaten gehört?”
Die guten Coaches tun das sicher und Mario Palinski ist ja ein solcher und so kann er auch nach Frankfurt fliegen, weil ihn dort eine glänzende Zukunft bzw. ein Verlagsvertrag erwartet. Er tut das nicht allein, sondern mit dem ebenfalls zur Pressekonferenz erschienenen Vaters Lettenbergs und der erzählt ihm, daß dieser nur ein Adoptivkind war und eigentlich aus Rumänien kommt. Da mußte er mit seiner Oma flüchten und die lebt in einem Altersheim, wird von den beiden besucht und fängt zu weinen an, als sie Palinski fragt wer die Frau auf dem Foto mit dem Baby ist? Das gärt in Palinski zu einem Verdacht, außerdem bekommt er heraus, daß Lettenberg, obwohl er gut verdiente verschuldet war, weil ein obsessiver Spieler und mit dem Reiterhof der Gattin steht es auch nicht zum Besten.
Außerdem fährt in Wien ein Lettenberg ähnlich sehender Mann herum, entkommt aber immer, wenn die Polizisten ihn erwischen wollen und eine Salzburger Polizistin bekommt heraus, daß die Springreiterin soviel Benzin verfahren hat, daß sie kurz vor ihrem Tod eigentlich in Wien gewesen sein könnte.
Palinski recherchiert also lustig weiter, fragt auch noch den amerikanischen Spezialisten, bzw. findet einen alten Kriminalroman, der die Vorlage zu allem war und so wird schließlich aufgeklärt. Die lustige Witwe gefangen und durch einen kleinen Irrtum bzw. eine Nachläßigkeit kommt am Schluß auch noch ein unschuldiger Polizeibeamter ums Leben und die, die sich den Plan mit dem Lebensmittelkonzern ausdachten, werden auch noch verhaftet, obwohl sie ohnehin nicht viel Freude daran hatten, weil sich zuviele Trittbrettfahrer aufsetzten und ihre eigene Rechnung machen wollten. Aber wenn man so dumm ist und nicht weiß, daß man durch sein Handy geortet werden, bzw. in einem Computerkurs durch zuviel fragen auffallen kann…
Palinskis Plan seine Wilma doch zu heiraten, wird durch sie verhindert und am Schluß gibt es einen Anhang, wo man in Briefen, Protokollen, etc, das erfährt was man noch nicht wußte, beziehungsweise alles noch einmal zusammengefasst wird.
Reigen des Todes
Nun kommt, ganz zufällig, mein Beitrag zum hundertfünfzigsten Geburtstag von Arthur Schnitzer, der diese Tage die Gemüter und Ö1 erregt, denn Gerhard Loibelsbergers Roman aus dem alten Wien “Reigen des Todes” spielt ja ganz offensichtlich, auf das berühmte Schnitzer Stück an. 1908 in dem der Roman spielt, passt auch, obwohl im Verzeichnis der historischen Personen auf Seite sechs, zwar Sigmund Freud und Oskar Kokoschka erscheinen, Arthur Schnitzer aber fehlt, als ich aber am Montag auf meinen Gang in die Alte Schmiede durch den Morawa gegangen bin, habe ich “Reigen des Todes” dort liegen gesehen, obwohl das Buch aus dem Gmeiner Verlag schon 2010 erschienen ist. Ich habe es, schon bei “Rund um die Burg” vorgelesen bekommen und den Vorgänger des Buches, die berühmten “Naschmarktmorde” auf die mehrmals verwiesen wird, habe ich durch leselustfrust kennengelernt und die hat mich vor einem Jahr auch auf den Bücherflohmarkt im Museumsquartier aufmerksam gemacht und da habe ich für einen guten Zweck, sowohl den Loibelsberger, als auch den folgenden Krimi um einen oder zwei Euro gekauft.
Historische Krimis aus dem Alten Wien scheinen derzeit hoch in Mode, für mich war die Besprechung der “Naschmarktmorde” die erste Begegnung damit, damals war das für mich etwas Neues, inzwischen habe ich “Chuzpe” und “Der Tod fährt Riesenrad” gelesen. Man lernt viel durch Blogs und kommt dadurch auf neue Bücher und “Reigen des Todes” ist in vielen Bereichen interessant. Erstens interessiere ich mich für das Wien Anfang des vorigen Jahrhunderts, wo mein Eltern ein paar Jahre später in Ottakring oder Fünfhaus in Zinskasernen aufgewachsen sind und dann kann man auch über das Romanschreiben und die Verlagspolitik ein bißchen was erfahren und das Titelbild zieht auch gleich an. Ist es ja ein berühmter Klimt, der darauf abgebildet ist, no na, das wollen die Touristen und die Teile des Buches, die Februar/März 1908, April/Mai etc heißen, haben einführende Zitate, wie beispielsweise “Dieses Buch ist den Elenden gewidmet, den Verdammten der Gesellschaft, den Lumpen von Schiksals Gnaden” – Aus Emil Klägers “Durch die Wiener Quartiere des Elends und Verbrechen, Wien 1908” und dort geht es gleich hinein, in die Fluten des Donaukanals, wo die Sandler oder, wie es im Buch genannt wird, die “Griasler” leben, denn da findet der ehemalige Fleischergeselle Anastasius Schöberl einen “steif gefrorenen Finger”, den er dem Redakteur Goldblatt bringt. Der schreibt in seiner Zeitung vom “Wiener Kannibsalismus” und so muß der Polizeiinspector (Achtung Kritiker, ich hab mich nicht verschrieben, so stehts im Buch und war wohl auch die Schreibweise von 1908, wo es auch Films statt Filme hieß) Joseph Maria Nechyba, ein Freund des guten Essens, der auch mit einer Herrschaftsköchin verheiratet ist, ausrücken, stürmt den Kanal und findet auch noch einen Kopf. Der gehört samt Finger dem ehemaligen Oberstleutnant Vestenbrugg, der berühmten Deutschmeister, die hier Edelbuben genannt werden und der hatte ein Gspusi (für meine deutschen Leser, ich übersetz das nicht, im Buch gibt es ein genaues Glossar, was unter einer Marille, einer Buchtel, einem Beisl etc zu verstehen ist) mit der Steffi Moravec, einer herben vollbusigen Schönheit und ehemaligen Sitzkassiererin des Cafe Sperls, die aus armen Verhältnissen des ehemaligen Ratzenstadls kam, vom Oberstleutnant aber ausgehalten und eine schöne Wohnung bezahlt bekommen hat. Aus der muß sie aber nach seinem Tod heraus, so zieht sie eine Weile am Naschmarkt herum, während sie am Abend bei einer Freundin schlafen darf, bis sie die noch nobligere Geliebte des Markgrafen
Collredi wird, in dessen Palais sie sich sehr aufführt und die Dienstboten anherrscht, aber als sie mit dem Liebsten ins Theater an der Wien geht, wird sie von einem Deutschmeister angepöbelt, der Graf fordert ihn zum Duell auf, wird erschossen und die Schöne muß wieder ihre Koffer packen. Sie geht für eine Weile zum Leutnant Hansi Popovic zurück, den sie schon einmal durch ein Brieflein, um einen Gefallen gebeten hat, der hat, weil ein Säufer aus Liebeskummer, inzwischen den Dienst quittiert und ist Assistent Österreichs ersten Filmproduzenten Johann Schwarzer 1880-1914, steht in den Anmerkungen der historischen Persönlichkeiten, geworden, der die ersten Pornofillms mit den süßen Mäderln dreht und weil die schöne Steffi nicht nur einen großen Busen und sadistische Veranlagungen, sondern auch künstlerisches Talent besitzt, schnappt sie sich bald den Chef, wird Pornodarstellerin und schreibt sich auch die Drehbücher dafür. So findet man auch die Leiche des erhängten Popovic im Wasser. Steffi wird von Nechyba wegen Mords gesucht, kann nur in letzter Sekunde entkommen, er will sie am Fuß aus dem Fenster aus dem sie schon fast entkommen ist, zurückziehen, sie schlägt ihm den Absatz ins Gesicht oder Bauch und zerschneidet sich mit dem Messer das Gesicht, weil man ein entstelltes Gesicht nicht so leicht erkennt. Am Schluß wird dann eine zerfetzte Frauenleiche, aus der auch die Leber herausgeschnitten wurde und ein weiteres Drehbuch der Moravec gefunden. Eines, in dem steht, daß der Oberstleutnant Vestenbrugg wegen der ihn überfordernden Reize der nackten Schönen, einen Herzinfarkt bekam, so daß sie mit Popvics Hilfe seine Leiche zerstückeln mußte, der sich dann aus Gram erhängte, gibt es schon. Jetzt ist noch der Bruder, der in Galizien diente, zurückgekommen und hat sich an der Schwester gerächt, weil ein Soldat der K.und K. Armee, wahrscheinlich nicht nur keine Schulden, was ja einem Leutnant Gustl das Leben kostete, sondern wohl auch keine unehhrenhafte Schwester haben durfte und wir haben, wenn wir so weit gekommen sind, viel von dem historischen Wien des Jahres 1908 kennengelernt, nicht nur die Elendsquartiere und die Suppenküchen am Graben, sondern auch, daß zum sechzigjährigen Jubiläum seiner Mayestät ein Kinderfestzug stattfand. Nebycha mußte seine Mayrestät dabei beschützen und die historische Schriftstellerin Marie Sidonie Heimel-Purschke 1853-1928, nie von ihr gehört, hat das Festgedicht dazu geschrieben und weil in Krimis, wie wir inzwischen wissen, viel gekocht und gegessen werden muß, um die Leser anzulocken, gibt es auch historische Kochrezepte mit der dazugehörigen deutschen Übersetzung, die ich mich an dem Buch ein bißchen störte, denn ich weiß ja, daß “in dünne Streifen geschnittene Pfannkuchen” Frittaten sind, Aprikosen Marillen, Kartoffeln Erdäpfeln etc, muß das wissen, denn ich lese öfter Bücher aus dem Suhrkamp oder S.Fischer Verlag, wo es keine Übersetzungen ins Österreichische gibt und sich, wenn die Bücher von österreichischen Autoren geschrieben wurden, nur die großen, wie beispielsweise Marlene Streeruwitz die Eindeutschung verhindern können, während das noch nicht so ganz berühmten, wie beispielsweise Cornelia Travnicek, derzeit noch nicht gelingt und blöder, als die Österreicher werden die deutschen Leser ja auch nicht sein!
Ansonsten aber ein spannender Rundgang durch das alte Wien, das ich ja ganz gut kenne, weil ich zufällig, immer in der Nähe der historischen Orte wohne und besonders interessant, die Umkehrung der Verhältnisse. Die Heldin ist das, mir nicht immer ganz sympathische, süße Mädel, das aus ihrer Not den Spieß umdreht, mit den hohen Herren verkehren muß, um nicht zu verhungern, die sterben dann immer ganz natürlich. Sie muß sie aber, um nicht an ihrem Tod hängen bleiben, trotzdem zerstückeln und in den Donaukanal oder Wienfluß werfen lassen. Ein bißchen zynisch-ironisch könnte man sagen und ich kann mir vorstellen, daß das auch gern gelesen wird. Die allzu große Anbiederung an den deutschen Leser stört mich zwar, denn ich habe ja auch schon einmal eine fürchterliche nord-oder undeutsche Übersetzung von John Irvings “Der Bär ist los”, gelesen und da konnte man angeblich auch nichts machen, daß der Übersetzer ein Deutscher war, der mit dem Wienerischen, wo der Roman ja spielt, nichts anfangen konnte.
Gerhard Loibelsberger wurde 1957 in Wien geboren, arbeitete seit 1984 als freier Webe- und PR- Texter und ist Autor von Sach- und Gourmetbüchern, Songtexten und Kriminalromanen.
Treffen sich zwei
Manchmal findet man im offenen Bücherschrank ganz wunderbare Bücher, nämlich die, die auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stehen, wie Iris Hanikas “Treffen sich zwei” und von dem habe ich schon viel gelsen, wurde der dBP 2008 in der FAZ ja sehr besprochen und so haben sich die Namen Rolf Lappert und Iris Hanika bei mir eingeprägt, die ich beide vorher nicht kannte und Andrea Stift hat etwas später ein zweites wunderbares Buch von Iris Hanika sehr gelobt. Dann gehe ich, Ende April voriges Jahres glaub ich war es, zu der ersten Mai Veranstaltung der Grünen ins Kino in der Burggasse, finde einen Tschingis Aitmatow, der noch kommen wird und “Treffen sich zwei” setzte es auf die Leseliste und bin dann, wie es mir nicht sehr oft passiert beim Lesen animiert.
Denn ganz ehrlich, für so viel besser halte ich die Literatur der anderen nicht. Sie schreiben natürlich sprachlich galanter und abgehobener, sonst würden sie es nicht in die Verlage schaffen, aber das erscheint mir meistens als ein bißchen maniriert und künstlich. Bei Uwe Tellkamps Bachmannpreistext hatte ich das Gefühl, der ist besser als ich, als ich das Buch dann gelesen habe und das hat ja den dBP 2008 gewonnen, war dieser Eindruck wieder weg. Jetzt habe ich wieder eine Sprachkünstlerin in der Hauptbücherei getroffen, denke mir, sehr bemüht, so will ich eigentlich nicht schreiben und es wurde ohnehin schon alles geschrieben…
Bei Iris Hanika war ich aber baff, denn der ist meiner Meinung nach das Kunststück gelungen einen wirklich ungewöhnlichen Ton zu treffen, der frisch und ungebraucht wirkt und dann merkt man auch die Konstruktion, liest über diese Stellen weg und denkt sich, was mir auch nicht so oft passiert “Ich will weiter und will mich mit den Schönen Worten gar nicht länger aufhalten, wie geht es aus?”
Wahrscheinlich liegts auch am Thema, der Romance, dem Liebesroman und so was hat man ja auch schon irgendwann erlebt, ich jedenfalls, obwohls bei mir nicht so gut ausgegangen ist, als ich mich Schlag um Schlag in den Hans verliebte.
Da treffen sich also zwei in dem hippen Berlin, das wiedervereint ist, man das Ehepaar Sorioglu im Hausflur trifft und in dem oft die Literatur entsteht, die dann den Bachmannpreis gewinnt und es beginnt natürlich sehr theoretisch “Im August ist die Zeit angehalten” ist der erste Satz.
Aha, reißt mich nicht gerade vom Stockerl, dann geht es zu einem Thomas einem Informatiker, der geladen ist, weil im Büro so gar nichts klappt. Er steht unter Strom, duscht, rennt herum in seiner Wohnung und geht dann in ein Lokal, bestellt zwei Bier, trinkt sie hinunter, geht aufs Klo, steht, als er herauskommt vor seiner Traumfrau Sena und starrt sie sprachlos an und Senta Bergner, nicht Berger, obwohl sie oft mit der österreichischen Schauspielerin verwechselt wird, dieses Thema hatte ich auch schon einmal, hat den ganzen Tag geweint, Lou Andreas-Salome verflucht, weil die immer die tollsten Männer kriegte, Rilke gelesen und an ihren Rainer, ihre verlorene Liebschaft gedacht. Denn Senta verliebt sich sehr oft und heult auch sehr viel. Am Nachmittag arbeitet sie in einer Galerie, da sie Kunst, Literatur und Religionswissenschaft studierte, aber alles nicht abgeschlossen hat. Vorher geht sie manchmal in das Schwulenlokal einen Kaffee trinken, abends ist sie das erste Mal dort, starrt ihren Thomas an und nach dem sie das eine Weile getan hat, gehen sie zusammen weg und er folgt ihr natürlich in ihre Wohnung, denn jetzt geht er nicht weg. Dann liegen sie im Bett und vögeln oder ficken, obwohl Thomas für Senta natürlich seine Ambivalenzen hat. Sie erzählt ihm auch, wie sie zu ihrem Namen kam, denn ihre Eltern waren Wagnerianer, so heißen ihre Geschwister Tristan, Isolde und Wolfram, die alle, wie Thomas natürlich weiß, den Liebestod sterben und Thomas verläßt Senta am Morgen, denn er muß was arbeiten.
“Ich ruf dich wieder an!”
Wie soll er das machen?, kennt er ihre Telefonnummer doch nicht, denkt Senta, geht ins Internet und schaut unter Thomas und unter Systemberater nach, kommt da seltsamerweise auf ein paar Adressen von Wiener Psychotherapeuten. Wieso das, habe ich nicht ganz verstanden, aber Senta hatte möglicherweise mal einen Wiener Liebhaber, so ist ihr auch das Wort “Zwutschgerl” bekannt, eine Anspielung auf Freud könnte es auch sein. Dann kommen auch Einschübe übers Weinen und man denkt sich, was soll das? So soll man doch nicht schreiben, raten die Schreiblehrbücher. Aber vielleicht macht das das Buch interessant und ungewöhnlich. Zwischendurch folgen auch immer Schreibanweisungen, was sich die Autorin über den Schreibfluß denkt und Thomas ruft natürlich schon am Nachmittag in der Galerie, wo sich Senta lesend langweilt an, weil er hat sie natürlich übers Netz gefunden und ihr Name stand auch an der Tür.
Sie gehen in einen Park und auch was essen, beide wohnen sie in Kreuzberg, einer von ihnen hat schon mal in Neukölln gelebt und Senta denkt wieder nach ob er der richtige für sie ist? Sonst aber vögeln sie und trennen sich, um zu arbeiten und einmal kann Thomas nicht am Abend kommen, weil er eine Geschäftsbesprechung hat.
Senta trifft deshalb ihre Freundin in einer Pizzeria, macht Schluß mit ihr, weil sie sie nicht versteht, bleibt noch im Lokal sitzen und bestellt sich eine Flasche Wein und als Thomas anruft, ist sie so betrunken, daß sie ihm vorwirft, daß sie bei ihm nicht kommen kann, als er sie abholt, ihn aber gleichzeitig küssen will Er bringt sie nach Haus und macht Schluß mit ihr. Dann folgt wieder ein witziger aber völlig unpassender Einschub über die Urintherapie von Sentas Chef. Senta geht ins Kino, Thomas denkt über Senta nach, Sentas Chef will von ihr wissen, ob sie schwanger ist. Präservativ haben sie natürlich keins verwendet, ist sie aber nicht und Thomas Chef, ein verständiger Iraner fragt ihn was los ist und rät zu ihr hinzugehen und ihr Rosen zu bringen. Das tut er auch, sie ist nicht da, er sitzt vor ihrer Tür, sie geht vom Kino kommend an ihm vorbei, das geht noch so eine Weile, bis sich die zwei dann wieder treffen…..
“Nicht weinen!”, sagte er mit einer Stimme wie Salbe, “nicht weinen.”
Das drückte ihr bedächtig die Augen zu, und sie stand nun fest auf ihren Beinen. Er sagte: “Wir kriegen das schon hin. Sie lehnte sich an ihn, der sie fest umfing.
An dieser Straßenkreuzung in der Luisenstadt, an diesem schönen Vormittag im September.”
Iris Hanika wurde 1962 in Würzburg geboren und lebt seit 1979 in Berlin. Sie war feste Mitarbeiterin der Berliner Seiten der FAZ, führte eine Chronik im Merkur, hat mehrere Bücher geschrieben und erhielt 2006 den Hans-Fallada-Preis.
Montauk
Den offenen Bücherschränken habe ich viel zu verdanken, so beispielsweise meine Beschäftigung mit Max Frisch, der demnächst seinen hundertersten Geburtstag hatte und ziemlich zeitleich mit meiner Mutter verstorben ist, so daß mir sein Tod 1991 wahrscheinlich entgangen ist, aber sehr wichtig war mir der Schweizer Autor damals auch nicht, von dem wir bei Frau Prof Friedl in der Schule, das Theaterstück “Biedermann und Brandtstifter”, lasen, von dem ich mich erinnern kann, daß es mich sehr beeindruckte und ich eine Zeitlang darüber reflektierte.
Voriges Jahr habe ich die Erzählung “Montauk” im offenen Bücherschrank gefunden, da waren auch die Hundertjahrfeiern, die in der Schweiz wahrscheinlich intensiver als bei uns in Österreich begangen wurde, so bin ich auch eher durch Thomas Wollingers Blog, der mehrmals über Max Frisch berichtete, bzw. diesbezügliche Videos einstellte, aufmerksam geworden und habe mich auf das Lesen von “Montauk” schon sehr gefreut, um so mehr, da ich mir zu Weihnachten ja den “Mythos Bachmann” schenken ließ und da stand ja etwas, daß die Familie Bachmann verboten hat, das Max Frisch Fotos in Bachmannbiografien erscheinen durften, das dürfte vielleicht mit dem Erinnerungs-Tage-autobiografischen Notizbuch zusammenhängen.
Irgendwo bei Wikipedia habe ich gefunden, daß es auch als Roman bezeichnet wurde, es läßt sich offenbar alles so nennen, um die Verkaufszahl zu steigern und Marcel Reich-Ranicki soll begeistert gewesen sein und die Erzählung in seinen “Hundert beste Bücher-Kanon” aufgenommen haben. Es hat also die unterschiedlichsten Reaktionen ausgelöst und nimmt, wie ich Wikipedia weiter entnehme, eine Sonderstellung zwischen seinen Werken ein, obwohl Tagebücher und autobiografisch hat Max Frisch schon früher geschrieben. Desmal ist die Fiktion aber offenbar ganz verschwunden und die Erzählweise ist eine sehr interessante, sprunghafte, nämlich von dem realen Örtchen in Amerika im Jahre 1974, zurück ins Max Frisch Leben und das wird abwechselnd mit einem “Ich” und mit einem “Er” erzählt und das manchmals sogar innerhalb eines Satzes, so daß man sehr aufmerksam lesen muß, um sich auszukennen, vor allem, wenn man, wie ich, kein besonderer Max Frisch Spezialist ist.
“Das ist ein aufrichtiges Buch, Leser, es warnt dich schon beim Eintritt, daß ich mir darin kein anderes Ende vorgesetzt habe als ein häusliches und dein privates”, steht so schon am Anfang. Der Text ist dann unterteilt mit Überschriften, teilweise in Englisch, teilweise mit Titeln wie “Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar”, “Der gute Gott von Manhatten”, aber auch “Warum gerade dieses Wochenende?” oder wieder “Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser und was verschweigt es und warum?”, das ist schon das ganze Kapitel. Es gibt aber auch viel längere.
“Max are you jealous” verweist auf die Erzählgegenwart und dann kommen Fragen wie “Wie alt möchten Sie werden, lieben Sie jemanden und woraus schließen Sie das?”
Man muß also wieder sehr aufmerksam lesen und in Max Frischs Leben hin und herspringen und kann das auch in einem Wochenende oder, wie ich es getan habe, viel kürzer tun, aber ich habe auf Thomas Wollingers Blog, der ein großer Frisch Liebhaber sein muß, schon die Videos gesehen, so daß ich zumindestens eine biografische Ahnung hatte.
Max Frisch ist also im Mai 1974 auf Lesereise in den USA gewesen und dabei mit einer jungen Verlagsangestellten herumgefahren und beschreibt in dieser Erzählung, das Wochenende, das er mit ihr, in der Erzählung Lynn genannt, in Wirklich hat sie anders geheißen und Max Frisch soll mit ihr auch ein paar Jahre zusammengelebt haben, wie ich Google entnahm, verbringt.
Er reist mit ihr in das Städtchen Montaux, das durch Max Frischs Erzählung bekannt geworden ist und reist gleichzeitig durch sein Leben, beschließt an diesem Ort es, wie schon erwähnt, aufrichtig aufzuschreiben und tut das, wie ebenfalls erwähnt, sprunghaft, das heißt, er beschreibt das Wochenende ganz genau, schreibt auch englische Sätze, dann geht er in seine Vergangenheit zurück.
Erzählt in einem sehr langen Kapitel von seinem Jugendfreund W., einem jungen Mann aus reichem Haus, mit dem er zur Schule gegangen ist und der ihm, dem ärmeren, finanziell unterstützte. Mit dem er Reisen unternahm, der ihm Kleider und Platten schenkte und der ihm auch das Paar Schi ersetzte, das während einer Schitour kaputt geworden ist.
Wie aufrichtig das alles wirklich ist, kann eine Nicht-Frisch-Kennerin natürlich nicht beurteilen, sehr beeindruckend und ungewöhlich im Stil empfand ich es allemal und beeindruckend vor allem das Kapitel, in dem er von der gelähmten Frau erzählt, die im selben Haus, wie er wohnt und ihr Bett nicht verlasen kann. Er ist frisch verheiratet und weil man im Haushalt manchmal Dinge braucht, läutet man bei der oben Wohnenden, das heißt Frisch schickt seine Frau hinauf, denn er will nicht mit der Gelähmten konfrontiert werden, auch dann nicht, als er erfährt, daß er sie kennt, mit ihr in die Schule gegangen ist, sogar in sie verliebt war und immer an ihren Zöpfen zog, um ihr nahe zu kommen. Diese Ehrlichkeit, es ist mir unangenehm, eine gelähmte Frau aufzusuchen, habe ich sehr stark empfunden.
Es wird dann sehr durcheinander von seinem Leben erzählt. Er war zuerst Journalist, dann Architekt, dann ist er als Schriftsteller berühmt geworden. Da beschreibt er wieder, wie es ist auf der Straße von Leute erkannt, begrüßt oder ignoriert zu werden.
“Manchmal ist es vorteilhaft: ein deutscher Zöllner, nachdem er meinen Paß gesehen hat, möchte gar nicht in meine Koffer schauen, sondern behilflich sein, er kennt nicht bloß den Namen, sondern erinner sich wohl an ein Stück, das ihn gefallen habe, DER BESUCH DER ALTEN DAME” und kommt zu den zwei Ehen, der halbjüdischen Frau und der, die ihn betrogen hat und natürlich wird auch Ingeborg Bachmann erwähnt, aber wieder sehr angedeutet, daß man schon gut aufpassen und ein bißchen was wissen muß, um die Ingeborg zu erkennen, zum Beispiel, daß sie einmal iden Haus wohnte, wo Gottfried Keller Stadtschreiber war. Also doch kein Buch für einen schnellen Leser, der von Max Frisch nicht viel Ahnung hat, obwohl Joachim Kaiser meint “an diesem Buch, darf kein Frisch-Freund, kein Zeitgenosse vorbei”.
Bei Wikipedia wird es aber sehr genau beschrieben, so daß man auch alle Interpretionen und literaturwissenschaftlichen Deutungen nachlesen kann und sieht, daß sich sehr viele Literaturwissenschaftler damit beschäftigt haben.
Für mich hat das Drüberlesen trotzdem gereicht, ein bißchen kenne ich mich ja aus in der Literaturgeschichte und, daß mich die menschlich-psychlogische Seite besonders interessiert, brauche ich nicht extra betonen. So habe ich es als ein sehr starkes, sehr beeindruckendes und ich kann mich ja auch tauschen, als ein sehr aufrichtiges Buch empfunden und danke dem offenen Bücherschrank sehr, daß er mich damit in Verbindung brachte, weil man an den Klassikern ja leicht vorüber geht, wenn die Schulpflicht schon vorüber hat und man sich für das Zeitgenössische interessiert. Der Bücherschrank ist für mich eine Gelegenheit immer wieder zu den Gustostückerln zu greifen, die nicht bei mir zu Hause stehen.