Das Schreiben fließt und ich bin in meinem Harlander- Literaturresort, der Ausdruck ist eine Inspiration, die mir gekommen ist, nachdem ich auf Cornelia Travniceks Facebook Seite gelesen habe, daß sie nächste Woche Urlaub oder Leseaufenthalt im Reading-Hotel-Resort Saalbach Hinterglemm macht, wieder einmal sehr kreativ gewesen. Das Schreiben ist ja wie ein manisch-depressiver Fluß, jedenfalls bei mir. Einmal gehts wie geschmiert, einmal stockts und ist auf jeden Fall ist es mir sehr wichtig. Das Wichtigste überhaupt wahrscheinlich, weil es sich mir so entzieht. Das stimmt aber nicht, denn ich bin ja eine Marathonschreiberin, wie es zwar auch noch andere gibt, da bin ich wahrscheinlich nicht allein, auf die Art und Weise, wie ich es betreibe aber schon. Bringe ich es ja fertig, auch im world wide net alleine vor mich hinzuschreiben. Was auch nicht ganz stimmt, denn als ich heute Mittag auf meine Statistikseite ging, hatte ich schon hundertachtundsiebzig Aufrufe, wow und bis kurz vor Mitternacht waren es schon zweihundertvierzig. Das ist für andere vielleicht nicht viel, für mich aber schon, denn mein Höchstbesuchertag war der 31. 1. 2011 mit 250 Besuchern, das war der Artikel mit der “Studentenlesung”, seither habe ich nie mehr soviele Aufrufer bekommen und werde das auch jetzt nicht erreichen. Ich habe aber geschrieben und geschrieben von morgen an. Zuerst kam eine Szene, die in der U-Bahn und am Würstelstand spielt, Kerstin trifft dort mit ihren Marmeladepaketen den Sandler Mäxchen, lädt ihm am Würstelstand auf Käsekrainer ein und trinkt dazu ein Stifterl Rotwein. Am Donnerstag habe ich schon von ihrem Arbeitsauftrag im KHM geschrieben, da fotografiert sie unter dem Bildnis der Infantin Margarita den frechen kleinen Hektor und das war eine Szene, die mich inspirierte. Die Gedanken sind geflossen und ich bin mit dem Schreiben gar nicht nachgekommen. Zuerst habe ich mich aber noch ein bißchen durch das Literaturgeflüster gesurft, das Schnitzel, das von Donnerstag übergeblieben ist, gebraten und bin mit dem Rad zum Lidl gefahren, um Zitronen und Champignons einzukaufen. Dann habe ich mich mit einer großen Schüßel Obstsalat, Kirschen, Melonen und Erdbeeren, alles im schönen Rot, was ja zu den Rotweinachterl passt, gesetzt und bin mit dem Schreiben gar nicht nachgekommen.
Für alle, für die das jetzt ein bißchen unverständlich klingt. Es geht um mein neues Roman- oder was auch immer Projekt, das den Arbeitstitel “Ein Glas zuviel” hat, jetzt denke ich aber, ich sollte es auf “Das tägliche Achterl” umändern, weil das vielleicht besser passt. Diese Schreibidee ist mir irgendwann im Mai gekommen und ich habe da zwischen meinem Lesemarathon auch zaghaft zu schreiben angefangen. Inzwischen habe ich schon neunundvierzig Seiten, siebzehn Szenen und einiges im Notizheft aufnotiert. Es geht um einen Entzug. Die fünfunddreißigjährige Fotografin Kerstin Wieland hat sich bei einer Vernissage mit ihrem Freund Franz zerstritten, ihn aus der Wohnung geworfen, obwohl sie von ihm abhängig ist, danach noch eine Flasche ausgetrunken und will ihn eigentlich wieder haben. Er kommt aber nicht. Sie fährt nach Kalksburg, um ihn zu suchen, lernt dort den Patienten Hans Richter kennen, der ihr zu einem täglichen Achterl rät und dazu am Sonntag in die Kirche zu gehen und sie anschließend in einem Gasthausgarten zu treffen. So weit war ich ungefähr, als in mein verlängertes Wochenende aufgebrochen bin. Nein, ich war noch weiter. Es gibt auch eine Mutter, die den siebzigsten Geburtstag feiert und einen Ferdinand, der Kerstin vielleicht als sie dreizehn war, mißbrauchte. Jetzt kann sie nicht allein sein. Zählt also Schäfchen und schluckt Valium. Die Galeristin Barbara weckt sie am Morgen immer auf, sagt ihr aber auch nicht, wo sich Franz befindet. So weit war ich, dann kam es zu der Szene im KHM und die Gedanken sind gefloßen. Es ist noch Mäxchen aufgetaucht und das Treffen mit der Mutter beim Gerstner und danach vier Szenen auf der Terrasse, bis das große Gewitter kam.
Kerstin geht auch laufen in den Stadtpark, trifft dort den altklugen Hektor, der sein Kindermädchen in den Kursalon schickt, da ist es Dienstag und am Samstag wird sie für die Pfarrgemeinde einen Hellinger-Marmelade-Kuchen backen und danach wieder Franz Richter treffen. Aber was mache ich bis dahin? Bis jetzt habe ich ja neunundvierzig Seiten, das sind 25. 365 Worte, wenn ich die Struktur von hundert Seiten will, werden das etwa fünfzigtausend Worte sein, also ein Nanrowrimomaß, aber wo will ich hin? Einen Entzug beschreiben, davon bin ich ausgegangen. Und nach der KHM-Szene ist es mir auch sehr flüßig und sehr neu vorgekommen, aber wie geht es weiter? Was ist der Plot, denn der Alkoholentzug und die Struktur, das Laufen und die Haltegriffe sind ja allein zuwenig, das ist noch keine Literatur sondern Verhaltenstherapie, höre ich meine Leser schon sagen. Also ist mir ein Krebs eingefallen, denn Franz vielleicht haben könnte, aber der stellt auch in sechs Wochen bei Barbara aus und die hat Kerstin schon gesagt, daß er sie nicht dabei haben will. Das wäre der Handlungsrahmen, Kerstin mit Mäxchens, Hektors, Franz Richters und wem noch immer, die alle ihre Geschichten haben, Hilfe, durch die sechs Wochen bringen. Am Morgen ruft immer Barbara an und Kerstin hält auch mehr oder weniger ihr tägliches Achterl durch und fotografiert auf Hochzeiten, Vernissagen und am Ende ist Franz Vernissage, da bin ich dann bei hundert, hundertzwanzig oder hundertfünfzig Seiten, vielleicht. Kerstin geht hin, Franz kommt ihr entgehen, schaut sie böse oder anders an. Sie sagt “Ich wünsch dir alles Gute, dreht sich um und geht!
So weit, so what, das Expose einer literaturbesessenen Vielfschreiberin, die es nicht lassen kann und kein Jahr für ihre Sachen braucht, sondern im Rohtext ein paar Wochen und dann noch darüber bloggt. Soll sein, denn ich kann ohnehin nur meinen Weg gehen und tue das auch sehr beharrlich und konsequent.
Dazwischen stauen sich dann schon die Texte, denn so schnell kommt der Alfred, der auch den Garten seiner Eltern betreuen muß, nicht nach. Das macht aber auch nicht unbedingt etwas, denn die Technik machts möglich, daß man nicht immer auf die Printausgabe warten muß. Die “Wiedergeborene” gibts auf You tube anzuhören, denn da habe ich schon dreimal den Anfang gelesen und davon gibts Berichte und die Schreibberichte gibts natürlich auch. Von der “Paula Nebel” gibts den auch 1 2 3 4 5 6 7 und noch zwei Kurztexte, die die Entstehung ein bißchen dokumentieren und das Literaturgeflüster-Texte-Buch auf dessen Idee mich meine Osterkrise brachte, gibt es sowieso im Netz und das genaue Inhaltsverzeichnis mit Stephan Eibl Erzbergs euphorischen Nachwort wird demnächst folgen.
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Garten- und Romanarbeit
Eigentlich habe ich gestern ins Literaturhausgehen wollen, wo die Edition Exil drei Autorinnen, darunter Ceher Sakirs neuen Erzählband, vorstellte, aber heute ist ein Feiertag. Ich habe am Freitag keine Stunden, der Alfred war drei Wochen in Australien und der große Garten seiner Eltern braucht, seit sein Vater das nicht mehr machen kann, Betreuung. Das Gras wächst, die Weinreben gehören angebunden, das Gemüse gesetzt, etc und die Mutter benötigt auch eine Einkaufshilfe, denn die Einkaufscentren sieben Kilometer weg…
Also ein verlängertes Wochenende am Land, mein Wellness und Literaturressort sozusagen, da ich ja immer von den Schreibwerkstätten rede, die ich mir selber mache und da ist sicher wieder eine angesagt, damit es mir nicht, wie bei den letzten Projekten passiert, seltsamerweise ist die Krise da jeweils in Harland ausgebrochen, aber das ist ja auch ein sehr schreibintensiver Ort, kein Telefon läutet, keine Klienten kommen…
Es gibt nur die Badewannelesesessions, das Radfahren an der Traisen und natürlich das Surfen auf den Literaturseiten und bei den Bücherbloggern, aber das ist ja sehr inspirierend. Interessant ist es auch, weil man da gelegentlich die spannensten Dinge erfährt, zum Beispiel, das Cornelia Travnicek jetzt Jungunternehmerin ist und in Krems einen Bubbleteashop managt, was mich ein bißchen verwirrte, weil mich die Frage beschäftigte, wie sie dann gleichzeitig ihre Romane schreiben, auf Lesetouren, beim Bachmannpreis lesen und noch als Programmiererin arbeiten kann. Sie ist aber eben ein Kugelblitz, wie sie sich in ihrem TddL-Porträt selbst beschreibt. Die Videoportraits auf der Bachmannpreisseite sind fertig, so daß man sich schon anschauen kann, wer heuer in Klagenfurt lesen wird. Außer Cornelia Travnicek, sind mir nur Leopold Federmair und Olga Martynova bekannt. Habe also keinen Tip für eine Preisprognose, daß Cornelia Travnicek den Elan hat, vielleicht auch mit den Kriterien dieser Riesenmaschine, einen der kleineren Preise zu gewinnen, könnte ich mir vorstellen. Die großen Preise, gehen ja meist an die Deutschen und da ja schon letztes Jahr eine Österreicherin gewonnen hat, halte ich die diesbezügliche Chance für eher gering. In einem Monat werden wir es wissen und da werde ich wahrscheinlich auch in Harland sein, da die TddL, wie es jetzt heißt, ja inzwischen erst Anfang Juli, um wegen der vielen Fußballspiele nicht in Konkurrenz zu kommen, stattfinden.
Und irgendwie bin ich ja auch ein Kugelblitz, zumindestens beim Schreiben. Nämlich sehr sehr schnell, so daß jetzt schon drei Texte auf Alfreds Schreibtisch auf die Fertigwerdung warten. Feedback ist aber, wo ich mich schon so beklagte, keine Lesungen mehr zu haben, auch gekommen, so werde ich die “Frau auf der Bank” schon am 29. Oktober in der Alten Schmiede vorstellen. Bei der “Wiedergeborenen” warte ich, daß sie mir der Alfred zur Endkorrektur bringt. Den Buchtext und das Foto haben wir schon, den Umschlag muß der Alfred erst gestalten, dann die “Paula Nebel” in seinen Computer aufnehmen und mir die Literaturgeflüstertexte in meinen schicken, damit ich die ordentlich korrigieren kann, eine euphorische Stimme dazu gibt es schon und dann hat die Kugelblitzin in mir, trotz der vielen Baustellen, die mich etwas verwirren, auch schon wieder das neue Projekt begonnen, das diesmal schöner, besser und endlich der Roman werden soll… eh schon wissen.
Ich habe mich am vorigen Wochenende aber auch mit der Frage beschäftigt, was mir eigentlich wirklich fehlt, um einen “richtigen Verlag” zu finden und da ich ja ziemlich monogam vor mich hinblogge, weiß ich die Antwort nicht wirklich. Habe nur ein paar Vermutungen und da auch ein Verdacht, daß es vielleicht auch an anderen und nicht nur an meinen “S”-Fehlern und, daß ich halt sehr realistisch schreibe, nämlich an dem liegen könnte, was Barbara Neuwirth einmal sehr vorsichtig “Du bist in keinen Förderkreis” genannt hatte, ja die Hemmung und die Schüchternheit, vielleicht auch das fehlende Charisma…
So wirklich glauben, doch noch in den Literaturbetrieb hineinzukommen, tue ich ja nicht und ich bin es auch schon, wenn nur sehr am Rand und ein paar Aufforderungen von außen kommen ja auch hie und da.
So habe ich vor kurzem ein paar Texte für die “5 er Edition” der Margaretner Autoren, wo es ja im November eine Lesung gibt, weggeschickt, an dem Aufruf “Veza lebt”, habe ich mich auch beteiligt und was das Schreibseminar betrifft, denke ich mir ja immer, daß ich mir dieses Jahr oder vielleicht auch nur den Sommer Zeit lassen könnte, in mein neues Projekt wirklich hineinzukommen und da habe ich, als ich die Literaturgeflüstertexte sehr schnell zusammengesucht hatte und der Alfred noch in Australien war, ja schon mit dem Schreiben begonnen und inzwischen neunundzwanzig Seiten und zehn Szenen. Den Arbeitstitel “Ein Glas zuviel” und zwei Ideen, von denen ich ausgehe. Es ist noch ziemlich eindimensional, nämlich die Figur der Kerstin, die nach einer besoffenen Nacht ihren Freund hinausschmeißt, ihn zurück haben will, er kommt aber nicht und sich auf einen Entzug begibt und ich bin jetzt schon wieder an der Stelle, wo ich mich frage, wie geht es weiter? Habe ich mich schon an den Rand geschrieben? Wo muß ich aufpassen, langsamer, tiefer werden, etc.
Das habe ich jetzt vor dieses Wochenende sehr intensiv zu tun, also wieder alles durchgehen, vielleicht doch so was wie ein Arbeitsexpose, wie das jetzt ja heißt zu machen, obwohl ich darin trotz meiner peniblen Gründlichkeit nicht sehr gut bin und in der Schule bei den Deutschschularbeiten, die Gliederung immer erst nachher geschrieben habe. Die Frage, was machen die, die zwei drei Jahre und nicht sechs Wochen für ihre Arbeiten brauchen anders, ist aber schon sehr interessant. Und wäre über diesbezügliches Feedback und Rückmeldungen auch dankbar. Die aufmunternde Stimme eines Lektors fehlt ja sicher und für bezahltes Textcoaching, wie es Anni Bürkl et al anbieten, bin ich zu geizig. Das das holen sich die sogenanten Profiautoren ja sicher ebenfalls nicht und Testleser habe ich keine, das tue ich mir, da es eh schon mühsam genug ist, jemanden für den Beschreibungstext zu finden und da oft Absagen kommen, nicht an. Also selber im Schreibressort Harland und auch in Wien fündig werden. Inzwischen bin ich, glaube ich, auch so selbstbewußt, daß ich mir zutraue ein bißchen langsamer, werden, innehalten und immer wieder fragen, wie machen das jetzt die anderen? Was fehlt mir noch? Das ist doch gelacht, daß das ausgerechnet nir nicht gelingt!
Den festen Vorsatz mindestens hundert Seiten zu schreiben und nicht wieder bei vierzig fertig zu werden habe ich, also werde ich jetzt auch schauen, ob ich nicht vielleicht doch mehrere Handlungsstränge einbauen soll. Das hatte ich ja früher meistens und überlegen, was will ich genau?, ist sicher auch ganz wichtig. Denn da schummle ich mich ja meistens weg. Was mir jetzt schon ganz gut gelingt, ist nicht in Panik zu geraten, wenn ich mal flach und Blödsinn schreibe, sondern stehen lassen und die Szene am nächsten Tag kritisch herzunehmen und zu verändern. Die Frage, wo will ich hin, ist also schon sehr wichtig und die Struktur “Du schreibst jetzt hundert Seiten und bist jetzt beim ersten Drittel, brauchst also deine Höhepunkte und deinen Schluß!”, ist das sicher auch. Ansonsten, das habe ich ja schon geschrieben, ist das Thema diesmal neu für mich und nicht so abgelutscht, wie bei den letzten und der Gedanke, du kannst schreiben und solltest nur noch das finden, was dir noch fehlt, um gut zu werden, ist sehr hilfreich, obwohl ich schon weiß, daß das vielleicht auch an anderen liegt und wenn ich da so offen über meine Schwierigkeiten blogge, setzte ich mich bei denen, die das nicht so machen, vielleicht wieder ins Fettnäpfchen. Mir hilft das, glaube ich, aber schon und wäre fasziniert gewesen, wenn ich vor zwanzig, dreißig Jahren so etwas gefunden hätte.
Ansonsten gibt es eine traurige Mitteilung. Ray Bradbury mit dem ich mich ja vor kurzem beschäftigt habe, den “Friedhof für Verrückte” gelesen habe und mich nach Ostern von ihm ein bißchen aus der Krise heraushelfen ließ, ist gestorben und da bin ich schon beim Thema lesen. Das ich für mein Schreiben ja sehr hilfreich finde. Ich glaube, ich lese deshalb soviel, weil ich herausfinden will, wie das die anderen machen. Da es aber die Bücherschränke gibt, habe ich einen großen Sub und da hätte ich mich ja bis Ende juni gerne bis zu Buch 47 auf meiner Leseliste vorgelesen, weil ich dann Sommerfrische mache und wir auch zwei Wochen in die baltischen Staaten fahren und da ich 2002 in Frankfurt auf der Buchmesse war, als Litauen Gastlad war, habe ich in Wien ja sicher einige Leseproben und Broschühren, die ich mitnehmen könnte, es also vielleicht nicht ganz schaffen werde. Die “Wilma” und der Leon de Winter bleiben in Wien also vorerst liegen, während auf der Harlander Leseliste gerade der dicke Stefan Heym “Lenz oder die Freiheit” steht, mal sehen, ob ich das bis Sonntag schaffe.
Vom Johanna Dohnal Platz zur langen Nacht für WSD
Aufmerksame Leser werden bemerkt haben, daß ich in der letzten Zeit bei relativ wenigen Veranstaltungen war, aber wenn, kommen sie im Doppelpack und so bin ich Dienstag nach meinen Stunden auf die Gumpendorferstraße Ecke Rahlgasse marschiert, denn dort wurde der Johanna Dohnal Platz eröffnet und ich habe sowohl zur Rahlgasse, als auch zu Johanna Dohnal meine besondere Beziehung. In die Rahlgasse ist die Anna acht Jahre zur Schule gegangen und unter der Regierung Kreisky mit der Staatssekretärin Johanna Dohnal habe ich studiert, bzw. meinen ersten und leider auch wichtigesten Preis gewonnen, nämlich den für die Geschichte “Güler will kein Kopftuch mehr”, der in der Anthologie “Mädchen dürfen pfeifen, Buben dürfen weinen”, für ein nicht rollenspezifisches Kinderbuch, erschienen ist, das 1982 gemeinsam mit Christine Nöstlinger, den Kinder und Jugendbuchpreis bekommen hat.
2010 ist Johanna Dohnal gestorben, bei einer Gedenkfeier auf dem Ballhausplatz war ich und da hatte ich gerade die ersten Szenen der “Mimi” geschrieben, aus der ich nächsten Samstag vor dem offenen Bücherschrank in der Grundsteingasse lesen werde, als ich aber die Rahlgasse errreichte, habe ich kein Fest gesehen.
Vor dem Gymnasium standen ein paar Leute, darunter die ehemalige Frau Direktor und wurden fotografiert. Ich habe die Verbindung nicht so schnell hergestellt, da an der Schule aber ein Plakat befestigt war, habe ich realisisiert, daß ich in dem Raum, in dem das Fest dann stattfand, 1997 oder 98 eingeladen von Frau Millner, die die Praktikantin von Annas Deutschlehrerin war, aus dem “Tod eines Jurymitglieds”, glaube ich, gelesen habe und ein anderes Mal im Interkulttheater für eine Benefizveranstaltung, damit Streithelfer ausgebildet werden konnten. Da bin ich auch für Robert Menasse eingesprungen, der letztendlich absagte und habe außer Szenen aus der “Viertagebuchfrau”, auch noch einen Essay “Wer sind wir in Europa”, 2000 oder 2001 war das, glaube ich, gelesen und von der Frau Direktor eine Flasche Weißwein und eine Blume bekommen. 2002 war ich das letzte Mal in der Schule, da war Annas Matura, ungefähr auch zu dieser Zeit. Jetzt standen eine Menge Frauen in der Aula und es gab ein dichtes Programm.
Eine Petra Unger moderierte, dann führten Schülerinnen Texte zu Johanna Dohnal auf, die sie nicht persönlich kannten, da sie zu der Zeit, das sie die österreichische Frauenbewegung bewegte, noch nicht geboren waren. Es gab auch eine Runde mit Politikerinnen, dann ging es auf den Platz, die Tafel wurde enthülllt. Ursprünglich hätte der Karl-Luegerring nach ihr benannt werden sollen, aber das geht doch nicht. So wird der jetzt Universitätsring heißen, Vizebürgermeisterin Breuer freute sich und eine Initiative, den in Berta von Suttnerring umzubenennen, gibt es noch, dafür habe ich unterschrieben. Die Schauspielerin Andrea Eckert las zwei Dohnal-Reden. Dann gabs Musik und am Schluß im Top Kino einen alten Club zwei, den habe ich aber nur angehört, weil schon die nächste Veranstaltung lockte oder waren es Veranstaltungen? Denn am Dienstag war ein dichtes Programm und da habe ich die Stadtflanerie mit Richard Weihs schon ausgelassen. Walter Kappacher in der Alten Schmiede, die jährliche Joseph Roth Veranstaltung im Literaturhaus und in der Nationalbibliothek einen Abend für Wendelin Schmidt-Dengler, der jetzt siebzig geworden wäre, eine Fußball-EM gibts auch demnächst und der Literaturprofessor war ja ein bekennender Fußballfan und so ist jetzt auch ein Buch darüber erschienen, sein Nachlaß wird im österreichischen Literarturarchiv dessen Leiter und wahrscheinlich Gründer er war, auch aufgearbeitet. Vor einigen Wochen war im Standard ein Bericht, Christiane Zintzen hat auch darüber geschrieben, so bin ich mit meinem Blumensträußchen, das ich beim Verlassen der Rahlgasse bekommen habe, in die NB marschiert und einen Platz neben Norbert Leser gefunden, der oft zu Literaturveranstaltungen geht und der Prominenz beim Begrüßen zugeschaut, das Programm studiert, das war sehr dicht, so daß aus dem Abend für Wendelin Schmidt-Dengler beinahe eine lange Nacht wurde, auf jeden Fall ein zweiteiliger Programmteil mit je sieben Punkten. Zuerst hat Johanna Rachinger eröffnet, dann Bernhard Fetz, der jetzige Direktor des Literaturarchivs. Bodo Hell las einen Text, den ich schon kannte und der wahrscheinlich im Standard veröffentlicht war.
“Meine erste Stadt”, da geht es um Graz und einen Onkel, der dort ein Buchgeschäft hatte und dem Literaturgewaltigen vielleicht die Liebe zu Büchern beibrachte. Daß ich einmal als Studentin in einer Wendelin Schmidt-Dengler Vorlesung war und danach überlegte, ob ich nicht Germanistik studieren soll, hab ich sicher schon geschrieben. Ich bin bei der Psychologie geblieben, mit Wendelin Schmidt-Dengler, dem Workalkoholic, Schnellredner und Literaurbesessenen, hätte ich gern einmal über Literatur diskutiert und als ich in der Rahlgasse gelesen habe, bin ich anschließend in den Uni Campus, wo er, ich glaube im Rahmen der Wiener Vorlesungen, einen Vortrag über die neue österreichische Literatur hielt. Frau Millner war auch in der NB, hat mich aber nicht gesehen.
Weiter ging es mit Elfriede Czurda, die berichtete, daß sie einmal im Bus von einer Studentin angesprochen wurde, die ihr ihr Buch zeigte, das der Literaturprofessor gerade in seinem Seminar besprach. Gelesen hat sie einen Artikel über Herzmanovsky-Orlando. Elisabeth Reichert, die nachher, die einzige war, die mich grüßte, las einen Aufsatz über Gerhard Fritsch, der in den Sechzigerjahren Vorlesungen über Literatur hielt, an denen sich der Student Schmidt-Dengler offenbar an Literatur erprobte. Gedichte hat er damals auch geschrieben, aber die wurden erst später gelesen. Erst folgten Klaus Nüchtern und Peter Zimmermann, denn Schmidt-Dengler hat sowohl im Falter rezensiert als auch in Ex Libris seine Buchbesprechungen selbst gelesen. Die Rezension, die Klaus Nüchtern las, ging über Andre Heller, der dem Literaturgewaltigen nicht gefallen hat. Es gab dann noch ein im Profil erschienenes Gespräch mit dem Industriellen Helmut Login über Orchiedeenfächer. Dann las ein Rapidler die Fußballkolumne “Ein Platz auf der Ost”.
Danach wäre eine normale Veranstaltung wahrscheinlich beendet gewesen. Bei einer langen Nacht oder einem Literaturmarathon ist das aber anders und das steht dem Wortgewaltigen wohl zu. So gabs eine kurze Pause, dann begann Volker Kaukoreit, den ich eigentlich bei der Roth Veranstaltung vermutet hättet, er arbeitet aber auch im Literaturarchiv, mit Widmungen aus der Bibliothek des WSD und dort gab es Bücher, die Doderer dem Germanisten gewidmet hat, aber auch welche von Jandl und Mayröcker und eine von einem ungenannten Autor, der dem Professor sein Buch schickte, damit der nicht nur Jandl, Mayröcker, Doderer, etc besprechen muß. Robert Menasse folgte und der, dessen Tochter, glaube ich, auch in die Rahlgasse gegangen ist, hatte interessante Texte, nämlich ein Protokolle einer Studentenversammlung aus dem Jahr 1969, keiner wußte, wieso Schmidt-Dengler ein solches machte und einen über eine Marathonlesung bezüglich Doderer. Hat WSD ja fünfhundert Seiten der “Dämonen” an einem Nachmittag gelesen und ich flüstere dazu, ich habe mir “Die Dämonen” im Sommer 1977 gekauft und im Stadtpark gelesen, die Strudelhofstiege kenne ich aber im Gegensatz zu WSD noch immer nicht.
Dann kam Harald Klauhs, der Pressekritiker mit Textbeispielen und von dem kann ich berichten, daß er 2005 einen meiner Meinung nach sehr flapsigen Bericht über den Bachmannpreis geschrieben hat, den ich kritisierte, er hat mir auch geantwortet und ich habe ihm jahrelang die Aussendungen zu meinen Veranstaltungen geschickt.
Dann wurde es besonders interessant, denn Ferdinand Schmatz, der experimentelle Lyriker las frühe Schmidt-Dengler Gedichte, die er mit Neunzehn, offenbar von Stefan George beeinflußt, geschrieben hat, und irgendwo einreichte. Herbert Zand hat ihm einen Absagebrief geschrieben.
Josef Winkler, der inzwischen auch sehr politisch ist, las einen Ausschnitt aus dem Thomas Bernhard Buch “Der Übertreibungskünstler”, das ich, glaube ich, besitze und die Beantwortung des Fragebogen der Studentenaktion Jes, der zeigte, wie radikal und politisch der Literaturprofessor sein konnte. Seine Rezensionen waren sehr persönlich und Ich-bezogen, wie die meinen übrigens auch.
Als nächste Kritikerin las Brigitte Schwens-Harrant von der Furche einen Text über Schiller, der in Weimar begann und in Wien mit Nestroy endete, der wieder zeigte, wie vielseitig der Literaturprofessor war. Am Schluß folgte noch die Verlesung der Ansichtskarten, die der Professor an das Literaturarchiv und seine Mitarbeiter schickte. Das war nicht ganz der Schluß, denn nachher gabs noch Wein und Gebäck.
Es war ein interessanter Abend, bei dem ich viel lernte, obwohl ich über den Literaturprofessor schon einiges wußte und kurz nach seinem Tod, im Jahr 2008 auch schon bei einer Veranstaltung in der Nationalbibliothek war.
Zum Schluß kann ich noch anfügen, daß ich am 29. Oktober bei den textvorstellungen mit Andrea Stift und Anita C. Schaub lesen werde, die ja beide alte Bekannte von mir sind.
Veronika beschließt zu sterben
Jetzt kommt eine Änderung, denn auf meiner Leseliste ist die englische Version des Paulo Coelho Romans eingetragen, dann habe ich aber das deutsche Buch, im “Wortschatz” gefunden und da das Ganze ohnehin eine Übersetzung aus dem Brasilianischen ist, mich entschlossen, das Buch nur auf Deutsch zu lesen, das 2000, erschienen ist. Damals habe ich die “Viertagebuchfrau” gelesen und meine Katharina geht dort immer in den Libro lesen und tut das mit “Veronika beschließt zu sterben”, denn die Geschichte einer Frau, die Selbstmord begeben will, in der Psychiatrie aufwacht und danach das Leben lieben lernt, klingt ja interessant und beim Lesen habe ich auch sehr viel gelernt, nämlich, was “Erhöhung”, die mir ja immer vorgeworfen wird, daß sie mir fehlen und ich eins zu eins schreiben würde, bedeuten kann und was ein, ein bißchen esoterisch angehauchter Bestsellerautor daraus machen kann.
Eine phantastische Geschichte nämlich und Psychiatrie heute ist wahrscheinlich anders, könnte man sagen, dann weiß man, wenn man diese Parabel gelesen hat, aber doch einiges über das Leben, über den Serotoninmangel, wie Panikattacken entstehen, aber auch, daß sich die normalen Menschen in der Psychiatrie befinden, jetzt wird Professor Musalek wieder kritisch schauen, aber vielleicht hat er seinen “Coelho” auch gelesen und wo sich Slowenien befindet, aber das habe ich schon vorher gewußt.
Veronika ist also ein begabtes schönes vierundzwanzigjähriges Mädchen, das alles hat, nur keine Lust am Leben und weil sie die Eintönigkeit satt hat, beschließt sie sich dieses zu nehmen und schluckt dazu alle Schlaftabletten, die sich sich vorher zusammengespart hat und weil das auch ein bißchen fad ist, liest sie dazu eine Zeitschrift und da hat ein Bestsellerautor namens Paulo Coelho etwas über ein Computerspiel geschrieben und stellt dabei die Frage “Wo liegt Slowenien?”, das wurmt das junge Mädchen, das sich gerade in einem Kloster in Ljubljana befindet, wieso man das nicht wissen kann und beschließt als letzte Tat einen Abschiedsbrief an die Zeitschrift zu schreiben und die Frage zu beantworten.
Es kommt aber alles anders als man denkt. Veronika wird gerettet und wacht in der berüchtigten Nervenheilanstalt “Villete” auf, die früher eine Kaserne war und die, da sich Bestsellerromane ja von Klischees nähren, ein bißchen seltsam ist.
So eine Mischung zwischen “Einer flog übers Kuckusnest” und der Psychiatrie- Antipsychiatriebewegung alles zusammen, könnte man sagen. Die Krankenschwestern sitzen lesend im Zimmer und wenn ein Patient einen Muckser macht, stehen sie auf und geben eine Beruhigungsspritze, andererseits ermuntern sie einen auch zum Spazierengehen, alle Türen sind offen “Glauben Sie, ich sperre mich unter so vielen Verrückten ein” und ein Klavier gibt es auch und eine Reihe von Gesunden, die sich hier einquartiert haben, um dem Leben draußen oder den Gerichten zu entgehen, es ist ja kurz nach dem Krieg, die Korruption scheint voll zu funktionieren und mit Geld läßt sich alles machen und der Leiter dieses Paradieses ist ein Dr. Igor und der hat auch seltsame Ideen, er will nämlich beweisen, das psychisches Leiden durch Vitriol bzw. Bitterkeit entsteht und das “Das Bewußtsein des Todes uns das Leben intensiver leben läßt”, so wacht Veronika auf und Dr. Igor erzählt ihr, daß die Beruhigungsmittel bei ihr einen Herzschaden verursachten, so daß sie in ein paar Tagen sterben wird, was bei ihr zunächst den Wunsch es selber schneller zu tun erwachen läßt, sie bekommt aber Spritzen, die ihr einen Herzanfall sumulieren und lernt inzwischen die anderen Patienten kennen. Da ist Zedka, die Depressive oder Mari mit den Panikattacken, die früher Anwältin war und sich in der Anstalt der Bruderschaft anschloß, das sind die Gesunden, die über den Sinn des Lebens meditieren und Eduard der Schizophrene, der das wurde, weil ihn seine Eltern nicht Künstler werden lassen wollten. Das soll Paulo Coelho auch passiert sein, deshalb hat er dieses Buch geschrieben. Eduard erzählt Veronika jedenfalls etwas übers Masturbieren, sie spielt ihm die Mondscheinsonate vor, beide verlieben sich und flüchten. Dr. Igor schreibt seine wissenschaftliche Arbeit zu Ende und macht sich nur Sorgen, was sein wird, wenn Veronika von einem anderen Arzt erfahren wird, daß sie gar nicht herzkrank war, wird sie ihn dann für einen schlechten Arzt halten?
Das Buch ist jedenfalls sehr erfolgreich und in vielen Sprachen übersetzt worden und ich denke, die das, sicherlich ganz anders geschrieben hätte und sich manchmal dachte, das ist jetzt aber schon ein bißchen übertrieben, eigentlich ist alles drin, Sigmund Freud kommt vor, ein bißchen Nachhilfeunterricht über den Krieg in Jugoslawien und vor allem eine großartige Schilderung der Panikattacken, die wissenschaftlich und nicht esoterisch ist und dann ist Dr. Igors Anstalt wieder eine schaurig fröhliche Gruselkammer, wo Insulin und Elektroschocks verreicht werden und da sich die Menschen ja meistens an dem Dramatischen orientieren, werden sie vielleicht lieber das von diesem Buch mitnehmen. Veronika aber hat ihre Lektion gelernt und weil Paulho Coelho ein solcher Erfolgsautor ist, gibt es viel von ihm in den offenen Bücherschränken. “Elf Minuten” habe ich schon gelesen, “Auf dem Jakobsweg” wird demnächst folgen.
Rätsel raten
“Rätsel raten”,”Brainstorming” oder” Wie schreibt man einen Roman?”, habe ich gedacht, könnte dieser Blogeintrag heißen, denn ich sitze wieder in Harland, habe die vier Szenen meines neuen Romanprojekts, das “Ein Glas zuviel” als Arbeitstitel hat, die ich vor und nach meinem Pfingstlesemarathon begonnen habe, überarbeitet, bin derzeit bei dreizehneinhalb Seiten bzw. 7311 Worten und überlege, was ich machen kann, daß es wirklich ein Roman wird und ich nicht wieder bei fünfzig oder sechzig Rohseiten hängen bleibe, in keine Krise, wie bei den letzten beiden Mal hineingerate oder frage mich überhaupt, was meinen Texten noch fehlen könnte, damit sie zu dem werden, was man Verlagstauglich nennt, obwohl ich in Zeiten der E-Book-Euphorie und des Selbstverlegens gar nicht so sicher bin, ob ich das will. Aber dennoch ist die Frage angebracht, was unterscheidet mich von denen, die einen Verlag finden und was fehlt meinen Sachen, weil ich bisher keinen gefunden habe?
Etwas, was nicht ganz stimmt, weil ich für meine beiden Sach- und Fachbücher ja gefunden habe. Beim ersten, dem “Laß dir Zeit” könnte man ja sagen, daß ich eine Ghostwriterin hatte. Die Fälle waren von mir, Edith Thabet hat es aufgeschrieben. Die “Verhaltenstherape bei erwachsenen Stotterern” habe aber nur ich geschrieben und die “Hierarchien” haben auch einen Kleinverlag gefunden, hatten aber schlechte Kritiken und dann habe ich noch eine Zeit herumgeschickt und keinen Verlag gefunden, bis ich, zehn zwölf Jahre früher als der Trend zum Selfpublishing gekommen bin. Was ich ja an sich gut finde. Die Frage, warum bin ich aber nicht “Publikumsverlagstauglich” und warum wollten mich auch die Kleinen, wie die, die meine Freundinnen finden, nicht?, ist schon interessant und sollte beantwortet werden.
Denn ich schreibe ja schon lange und habe auch schon sehr viel geschrieben. Wahrscheinlich mehr als manche andere, die in großen Verlagen publizieren und Preise gewinnen. Und warum geht es bei manchen Zwanzigjährigen und bei mir geht es nicht?
Das sind schon Fragen, die mich beschäftigen. Die Hemmung und die Schüchternheit würde ich als eine Antwort geben. Dann ist es sicher auch mein realistischer Stil. Aber andere schreiben den auch und die Leser wollen ja auch nicht wirklich das experimentelle Schreiben und haben wahrscheinlich auch ihre Schwierigkeiten mit Richard Obermayr und Andrea Winkler, obwohl die ja von der Fachwelt sehr anerkannt werden. Die Kriminalromae aber boomen und das wollen die Leser und die werden realistisch geschrieben. Da habe ich wieder Schwierigkeiten mit der Aggression, denn ich will nicht wirklich Morde beschreiben und so sind meine Kriminalromanversuche immer gescheitert, daß es keine wirklichen Morde waren, die passierten und dann ist es auch kein wirklicher Kriminalroman.
Ich denke aber schon, daß man realistisch schreiben kann. Vielleicht liegt es auch ein bißchen an der Sprache. Meine ist vielleicht zu wenig abgehoben, ein bißchen mehr entfremden, ein bißchen weiter weg vom selbst Erlebten, das habe ich schon kapiert, daß das vielleicht wichtig ist. Da hatte ich ja das Erlebnis in der Augustin Schreibwerkstatt, wo einer der Zuhörer den Realismus nicht ausgehalten hat, weil das ist ja das, was man kennt und Literatur muß ein wenig abgehoben sein.
“Die Realität so sagen, als ob sie trotzdem nicht wär”, heißt das neue Josef Winkler-Buch und das ist nun kein Erzähler, der etwas von Plot und Handlung hält, sondern mit Bildern arbeitet und das ist nicht das, was ich eigentlich will, ein bißchen aber könnte ich mir davon schon “abschauen” und etwassorgfältiger mit der Sprache umgehen.
Ein Problem, das ich immer noch habe, ist das, was ich den “Zensor im Kopf” nenne, den fortwährenden Gedanken “Es ist schon wieder nichts!” und das ist nicht gut fürs Schreiben und damit versuche ich jetzt lockerer umzugehen. Ein weiterer Hemmschuh ist sicher meine Schnelligkeit und das, was ich “Mich an die Wand schreiben”, nenne. Ich denke, das kommt daher, daß ich wahrscheinlich soviel Angst vor dem Schreiben und dem nicht gut genug zu sein, habe, daß ich es schnell hinter mich zu bringen versuche. So fange ich an, schreib mein Pensum hinunter und “Wusch, schon wieder nichts!”
Das soll besser werden und ist es auch schon geworden, als ich mir, bin ich ja Verhaltenstherapeutin, eine Struktur verordnete. Beim Wiener Stadtroman, war das der Tag, zerlegt in viertel Stunden, bei der “Radiosonate” das Jahr und die ist ja sehr lang geworden.
Bei der “Paula Nebel” bin ich wahrscheinlich “gescheitert”, weil ich nicht wirklich wußte, worüber ich schreiben wollte und immer dachte, über das Altern, Demenz, Depression und eine Großmutter- Enkeltochter-Beziehung habe ich doch schon geschrieben.
Diesmal habe ich ein “neues Thema”, eine Frau auf Entzug, das ist von mir noch nicht so abgelutscht und ich habe mir gedacht, ich nehme mir als Struktur den Vorsatz, es sollten mindestens hundert Rohseiten werden. Weiß bis jetzt aber auch noch nicht viel mehr, als daß ich einerseits das Alltagsleben in schönen Geschichten beschreiben will, mein Versuch mit meiner Sprache weiterzukommen und zweitens die Kerstin Wieland vom Alkohol und ihrer Beziehung loskommen lassen will. Bis jetzt habe ich vier Szenen geschrieben. Es beginnt mit einem Streit, Kerstin schmeißt ihren Franz hinaus, er will nicht mehr zurück, sie trinkt eine Flasche aus und fährt nach Kalksburg. Dort trifft sie einen Patienten, der ihr rät es langsam anzugehen und sich einen Halt zu suchen, am Sonntag in die Kirche und sich am Nachmittag mit ihm im Gasthaus auf ein Achterl treffen. Dazwischen könnte sie ihr Leben erzählen, eine Handlung erleben und ich könnte zu meinem Roman kommen, mit möglichst viel Geduld und dem Ziel vor Augen über meine Schwächen hinwegzukommen, damit ich, wenn es etwas wird, das Ganze versuchsweise, vielleicht unter einem Pseudonym und mit einem Expose doch an einen Verlag schicken könnte. Denn es wurmt ja schon ein bißchen, daß es ausgerechnet bei mir nicht zu gehen scheint.
“So blöd bin ich ja nicht!”, lasse ich meine Heldinnen immer sagen. Gerade vorhin hat das, die Kerstin Wieland zu Hans Richter gesagt, “wenn der Franz den Entzug schafft, dann geht das bei mir auch!” und ich habe ja schon mehr als manche andere geschrieben und an meiner Rechtschreibung kann es auch nicht wirklich liegen.
Nun habe ich auch schon einiges geschafft. Kann ich mich ja an die Valerie erinnern, die vor Jahren einmal sagte “Mir fallen die Ideen immer zu!”
“Wow!”, habe ich gedacht.
“Mir nicht!”
Inzwischen sind sie mir sehr lange zugefallen und die Angst, daß ich zu kurz für einen Roman sein könnte, habe ich seit dem Nanowrimo auch nicht mehr, denn ich kann ja immer nachschauen, wieviele Worte sind es jetzt schon und meine selbstgemachten Bücher sind gar nicht so kurz.
Das, was ich als mein Manko bezeichnen würde, ist wahrscheinlich schon, daß ich mich, um die Konflikte herumdrücke, vieles anreiße, aber nicht wirklich hineinkomme, da daran bleiben, ist wahrscheinlich gut und was die Sprache betrifft, habe ich bei der Text und Kritik-Werkstatt, 2005 war die, glaube ich, in Vorarlberg sehr viel gelernt. Da habe ich gerade an den “Fluchtbewegungen” geschrieben und den Kritikern war es sprachlich zu einfach. Dann bin ich nach Hause gekommen und habe überarbeitet. Bei den letzten Texten, wo ich mich schon ein bißchen ausgeschrieben fühlte, hatte ich manchmal das Gefühl, ich bin ein bißchen flach. Aber das hatte ich auch bei der “Sophie Hungers” und die ist von den Kritikern eigentlich gut aufgenommen worden und bei der “Frau auf der Bank” und da habe ich jetzt gleich einen Erfolg zu vermelden. Einer meiner Schreibwünsche für die nächsten zehn Jahre hat sich schon erfüllt. Ich werde die “Frau auf der Bank” bei den Textvorstellungen in der Alten Schmiede vorstellen können.
Ja, die anderen sehen manches anders, als man selbst. Deshalb sind Testleser gut und ich denke meine Schreibreflexionen haben dieselbe Wirkung.
Ich bin aber sicher ein bißchen stur und eigensinnig und hätte es mir auch leichter machen können, wenn ich auf meine selbstgemachten Bücher Eva- oder Schmetterlingsverlag, wie das auch die anderen machen, geschrieben und mir eine ISBN-Nummer gekauft hätte. So habe ich mich selber ein bißchen ins Abseits begeben. Habe auch sicher meine Schwächen und arbeite daran besser zu werden.
Wie lange ich für den neuen Text brauche, weiß ich nicht. Man soll ja auch nicht über seinen Schatten springen. Es kann auch kurz werden und es kann schnell gehen, wenn ich etwas gelernt habe, was ich vorher nicht konnte, ist das Ziel erreicht.
Mal sehen, ob es gelingt oder ob ich wieder in eine Krise komme, meine Leser werden es sicher merken und über Feedback und Rückmeldungen freue ich mich natürlich auch.
Happy Birthday, Writersstudio!
Es gibt manchmal Tage, da fällt das Entscheiden, wohin man gehen soll, nicht so leicht. Der Freitag war ein solcher, Frank Gassner von den offenen Bücherschränken, hat schon lange auf eine Diskussion in der Grundmanngasse im Rahmen der Architekturtage aufmerksam gemacht und Clemens Ettenauer zu einer “Schundlesung” in die komischen Künste eingeladen. Lange Nacht der Kirchen war auch, aber da hat es mich nicht so hingezogen, außerdem ist der Alfred aus Australien zurückgekommen, da sollten wir nach Harland fahren, der Garten ist zu betreuen, seinem Vater geht es nicht so gut, dann kam dann noch die Einladung zum zehnten Geburtstag des Writersstudio.
Wow gibt es das schon so lange? Solange weiß ich jedenfalls nichts davon, sondern würde schätzen, daß es 2006 oder 2007 war, als mich die Sigmund Freud Uni zu einer Präsentation von Judith Hubers Buch “Freischeiben” einlud, da gab es dann einen Büchertisch, wo es auch das Frauenbuch der Antia C. Schaub mit meinem Portrait lag und jede Menge Informationmaterial.
So bin ich dem Writersstudio treu geblieben, bzw. in den Verteiler gekommen und habe auch schon öfter darüber geschrieben, bzw, einige der Informationsveranstaltungen besucht, zuerst in der Kaiserstraße, da war ich bei zwei Einführungen, eine übers Sachbuchschreiben und dann eine, die Irene Rauch machte, die jetzt nicht mehr im Studio ist, mir aber ihre Veranstaltungstermine schickt.
2010 ist Judith Wolfsberger, wie sie jetzt heißt, mit ihrem Team in die Pramerstraße umgezogen, da gab es einen tollen Tag der offenen Tür, 2011 hats das gleich zwei Tage lang gegeben und im vorigen Juni war ich einmal bei einem Schreibcafe mit Yoga, im Herbst in einer Schreibfabrik und dazwischen habe ich die “Frau auf der Bank” geschrieben.
Das Writersstudio, das inzwischen auch einen Blog mit einem Monatsbrief zu einem bestimmten Thema betreibt, gibt es also schon zehn Jahre und wächst und wächst, denn offensichtlich wollen ja sehr viele schreiben und hat auch einen anderen, nämlich amerikanischen Ansatz. Schreiben soll Spaß machen, Kreativität ist wichtig und nicht das, was ich immer noch im Kopf trage, “Du kannst und darfst es nicht, hör doch endlich damit auf!”
Vielleicht gehe ich deshalb so gerne zu den Schnupperseminaren, aber ich interessiere mich überhaupt sehr über das Schreiben in Wien, weil ich ja vielseitig darüber bloggen will und wenn ich dann noch zu einer Grillparty eingeladen werde, ein Torte in Aussicht gestellt wird und es wieder eine Verlosung gibt, wo man Seminargutscheine, diesmal welche zu einem Youtopia-Seminar, das am Sonntag stattfinden wird, gewinnen kann, habe ich dem Alfred überredet mich um acht dort abzuholen, zum Glück hat es schon um fünf angefangen.
Um vier bin ich also los, vorher ist es sich noch für eine kurze Szene des “Glas zuviel” ausgegangen und da habe ich auch wieder vor mich freizuschreiben und den Zensor im Kopf nicht zuzulassen. Wer sagt denn, daß ich kitschig schreibe, außer JuSophie und die muß nicht alles wissen.
Bettina Balaka ist mit ihrem “Kassaiopea” auch auf die Bestenliste des ORFs gekommen und da könnte man auch sagen, daß das eigentlich ein weitschweifiger Chicklitroman mit nicht besonders neuen Themen ist.
Na gut, die Szene ist mir gelungen, obwohl ich vorher ein bißchen getrödelt habe und als ich kurz nach fünf den Hof in der Pramergasse erreichte, waren gerade ein paar Trainerinnen da. Das Grillgut war aber schon hergerichtet, es gab Würstchen und viel Vegetarisches. Judith Wolfsberger erklärte die Saucen, die sie dazu gekauft hatte, alles sehr exquisite Sorten und die ersten Blumensträuße und Geschenke wurden gebracht. Eine junge Frau mit schicken Hut erklärte mir, daß sie mit ihrer Trainerausbildung fertig sei und jetzt solche Seminare in Graz anbieten würde, ich erzählte, daß ich 2003 bei der Eröffnung des Grazer Literaturhauses war, wo übrigens am Donnerstag Clemens J. Setz und Cornelia Travnicek gelesen haben, habe die ersten Würstchen gekostet und bekannte Gesichter gesehen.
Bis sieben wurde es sehr voll, ich habe einen Zettel für das Gewinnspiel ausgefüllt, dann bat Judith Wolfsberger in die Lounge und erklärte, was ich sehr gerne hörte, daß schreiben mehr als ein Hobby ist.
“Natürlich!”, sage ich doch immer, es ist geballte Kreativität, die ich nicht gern nur dem alten Goethe oder dem etwas jüngeren Andre Heller überlassen, sondern selber machen will und auch das Selbstverlegen ist jetzt in Mode und bekommt ein besseres Image.
“Wow!”, da war ich meiner Zeit auch ungefähr zehn Jahre voraus. Judith Wolfsberger verglich das Schreiben aber mit einem Schiff, das viele Ruderer habe und stellte ihre Trainerinnen und Helfer vor, bekam noch einen Blumenstrauß, dann trat Dr. Seuss, der bekannteste amerikanischer Kinderbuchautor mit hohem roten Hut und roter Krawatte auf, der allerdings nicht der echte gewesen sein dürfte, da dieser, Theodor Seuss Geisel 1904 geboren, der auch den Grinch geschrieben hat, 1991 in La Jolla Kalifornien gestorben ist und memorierte ein sehr langes Geburtstagsgedicht auf Englisch. Dazwischen brachten die Helferlein die große Torte und als die angeschnitten wurde, war es acht und der Alfred schon da. Also habe ich auf die Mini Schreibübung – zehn Schreibwünsche frei, verzichtet, aber ich hätte sicher ohnehin geschrieben, daß ich den Nobelpreis oder andere literarische Aufmerksamkeiten will, den großen Roman schreiben, zu einer Lesung eingeladen werden, mehr Anerkennung und nicht immer hören will, “Du schreibst schlecht, hör endlich damit auf!”, aber das passiert ohnehin nur in meinen Kopf, kommentieren tut das jetzt keiner mehr.
Es gab aber auch einen neuen Writersletter und da sind Judith Wolfersberger zehn Schreibwünsche abgedruckt, wie “Ungestörte Zeiten zum Schreiben, schöne inspierierende Orte, Einbettung in eine Community, etc.”, nachzulesen.
Davon habe ich schon einiges erreicht und außerdem wieder vor, den neuen Roman in einem selbstgemachten Schreibseminar so langsam, wie nur möglich kommen zu lassen, die Community könnte ich mir über den Blog holen, wenn die das will, Zeit nehme ich mir und die Schreibräume erprobe ich auf meinen Recherchetagen und da hatte ich erst unlängst einige, also bin ich noch vor der Verlosung nach Harland gefahren, denn ich hätte wahrscheinlich ohnehin nichts gewonnen und selbst wenn, an diesem Utopia-Seminar, das am Sonntag stattfindet, hätte ich nicht teilnehmen können und kann mir inzwischen ein kleines Utopia auch selber machen, also mit der Torte in der Hand das Seminar verlassen und nach Harland gefahren, wo ich Radfahren und auch an meinem Roman weiterschreiben kann und richtig, ein paar Bücher gab es zur freien Entnahme auch am Klo in einer Kiste, Biblophile was willst du mehr? Da konnte ich mir noch Steven Blooms “Stellt mir eine Frage” nach Harland mitnehmen und im Sommer lesen und wer es wissen will, den Erich Fried Preis wird heuer Nico Bleutge bekommen. Die Preise gehen immer an die anderen, das Schreiben macht aber trotzdem Spaß.
Am Schluß noch eine kleine Querverbindung, der neunte Bezirk, wo sich die Pramergasse ja befindet, hatte vor kurzem die erste Bezirksschreiberin Wiens und die hat vor ein paar Tagen in der FH Wien auch einen Vortrag zum “Traumziel SchriftstellerIn” gehalten.
Mein Leben
“Lotte Ulbricht- Mein Leben, Selbstzeugnisse, Briefe und Dokumente”, heißt der von Frank Schumann herausgegebene, 2004 erschienene Band, den es vor einem Jahr beim Buchlandungs-Abverkauf gab und Lotte Ulbricht war die zweite Ehefrau des Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht.
1903 wurde sie als Charlotte Kühn in Rixdorf in eine Arbeiterfamilie geboren, 2003 ist sie in Berlin-Pankow gestorben und kennen bzw. lieben gelernt hat sie Walter Ulbricht 1935 auf der Eisbahn im Moskauer Gorki Park, das hat die alte Dame im sechsundneunzigsten Lebensjahr zu Papier gebracht, auf der Schreibmaschine, es gibt in dem Buch zwei stark korrigierte Seiten, als Beweis, wie genau sie es mit der Aufzeichnung genommen hat und es steht auch gleich darin, daß sie sich damit vor Verleumdungen, die offenbar nach Ulbrichts Tod oder schon nach seiner Absetzung entstanden sind, verteidigen will. Es steht auch in dem Buch etwas von Gerüchten, Lotte Ulbricht würde in der Schweiz leben, obwohl sie bis zu ihrem Tode in der Prominentenwohnung am Majakovskyring, Marlene Streeruwitz hat darüber einen Roman geschrieben, den ich noch lesen muß, aufhielt und dafür, nach Übernahme einer Treuhandgesellschaft auch sehr viel Miete zahlen mußte und sich auch bis zuletzt in der Öffentlichkeit, um eben diesen Gerüchten vorzubeugen zeigte und noch sehr lange politisch tätig war, sich für die Frauenbewegung einsetzte, einen Artikel zum Frauentag über ihre Mutter schrieb, etc.
Das Arbeiterkind, es gab eine Schwester und einen Bruder, die eine hat später den Haushalt des Politikerpaars geführt, der Bruder war Pionier und Freiheitskämpfer und Lotte Ulbricht hat sich sehr dafür eingesetzt, daß sein Name in der DDR nicht vergessen wurde, hat nach der Schule als Stenotypistin gearbeitet und ist sehr bald der KPD beigetreten.
1931 ist sie mit ihrem ersten Ehemann, Erich Wendt nach Moskau gegangen, dort lebte sie dann mit Ulbricht zusammen und hat ihn nach der Rückkehr nach Berlin auch offiziell geheiratet. Es gab eine Adoptivtochter, den das Paar Vorzeigeeltern sein wollte, was vielleicht Schuld daran war, daß die kleine Beate überfordert wurde und später als Alkoholikerin endete und ermordet wurde.
In dem Buch gibt es über hundert private Fotos, einige zeigen die kleine Beate beim Schifahren oder mit ihren Eltern auf der Hollywoodschaukel.
Herausgegeben wurde das Buch von dem 1951 geborenen Verleger und Publizisten Frank Schumacher, der sehr viele Biografien, darunter auch die von Margot Honecker herausgegeben hat.
“Ohne Inge Pardon und Elisabeth Ittershagen, treue Wegbegleiterinnen Lotte Ulbrichts in deren letzten Lebensjahren, gäbe es dieses Buch nicht. Sie haben die Dokumente gesichert und dadruch ermöglicht, diese vielschichtige und vielseitige Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts postum zu entdecken”, steht als Anmerkung vor dem Inhaltsverzeichnis.
Dann folgen einige erklärende Worte des Herausgebers, um das Bild der Portraitierten zurechtzuzücken, bevor das Kapitel “In meinem 96. Lebensjahr gebe ich zu Protokoll”, von Lotte Ulbricht folgt.
Dann gehts zurück in die Kindheit und einige Lebensläufte folgen, offenbar war es in der DDR üblich, daß die Funktionäre alle paar Jahre Lebensläufe einreichen mußten, in denen sie über sich und ihre Beziehungen Auskunft gaben und Lotte Ulbricht hatte außer der Ehefrau auch vielseitige politische Funktionen und Aufgaben und auch viele Briefe an ihre Freundinnen und Mitkämpferinnen geschrieben, die in dem Buch enthalten sind.
Die Fotos geben ebenfalls einen interessanten Einblick in das Leben einer DDR-Prominenten, da gibt es das offizielle Kostüm, die Perlenkette und das freundliche Lächeln, wenn Pioniere Blumensträuße überreichen, aber auch Lotte Ulbricht als Mutter, später als alte Frau bei ihren Reisen nach Paris und zuletzt im Rollstuhl in Bad Elster, wo sie sich öfter zur Kur aufhielt und lächelte, wenn ihr jemand beim Warten erzählte “Haben Sie gehört, Lotte Ulbricht soll auch hier sein!”
Anfang der Siebzigerjahre wurde Walter Ulbricht entmachtet und von Erich Honecker abgelöst. 1973 ist er gestorben, Lotte Ulbricht war weiterhin politisch tätig, hat sich vom neuen Vorsitzenden aber auch verleumdet gefühlt, bzw. von ihm nicht oder nur verspätet, die offenbar ebenfalls üblichen Geburtstagsglückwunschschreiben bekommen.
Nach der Wende hat sich geweigert mit ausländischen Journalisten zu sprechen, ihren Freundinnen aber Mut zugesprochen und es auch abglehnt, als eine anbot, vor der Währungsumstellung Geld auf ihren Konto zu parken, , weil sie “keine krummen Sachen machen wollte”.
Reisen folgten und auch Briefe von Verwandten aus Amerika. Sie war mit Alfred Kurella, einem DDR-Schriftsteller, der ebenfalls einige Zeit in Moskau lebte und von dem ich einmal ein Moskau-Jubelbuch aus den Dreißigerjahren in einer Kiste gefunden und gelesen habe, mit Johannes R. Becher, dem DDR Kulturminister und Dichter, von dem auch Text zur DDR-Hymne stammt und mit Georgi Dimitroff über den ich im Sommer ein Buch gelesen habe, befreundet.
Ein interessantes Buch, wenn man sich für die Geschichte und das Leben in der DDR interessiert, auch wenn man über das Älterwerden einer berühmten Frau etwas wissen will und die vielen privaten Fotos geben, glaube ich, auch einen sehr interessanten Einblick in das DDR-Leben und das Leben danach, hat Lotte Ulbricht, den sozialistischen Musterstaat ja lange überlebt und trotzdem, wie sie 1991 einer “lieben Anni!” schreibt, die Hoffnung nicht aufgegeben.
“Verständlich ist mir Dein Brief allerdings nicht ganz. Niemand von uns, die wir immer unsere ganze Kraft eingesetzt haben, um einer guten Sache zu dienen, hat umsonst gelebt. Daß unser sozialistisches Experiment mißglückt ist – aus welchen Gründen auch immer-, heißt doch nicht, daß spätere Generationen es nicht besser machen und aus unseren Fehlern lernen werden.”
Es gibt auch ein Kapitel, wo andere über Lotte Ulbricht schreiben. Hans Modrow zum Beispiel, der seit 1990 Ehrenvorsitzender der PDS ist oder war und der ein “schwieriges Verhältnis” zu ihr hatte, aber auch viele jetzt Unbekannte und dann gibt es noch Briefe von Kindern und Studenten, die von der alten Dame wissen wollten, wie das Leben in der DDR war?
Eine sehr ungewöhnliche Textzusammenstellung also, die ich aber interessant gefunden habe, obwohl ich über das Leben in der DDR ja schon einiges wußte und auch auch schon einige Bücher darüber gelesen habe.
Wer ist schon normal?
So lautete der Titel zu dem Salon Philosophique, dem philosophischen Diskussionsort, den das Anton Proksch Institut für Suchterkrankungen in Kalksburg unter seinem Leiter Michael Musalek und Martin Poltrum 2008 ins Leben gerufen hat und der in der Garbarage für upycling design “Kunst aus Abfallprodukten”, in der Schleifmühlgasse seither regelmäßig stattfindet. Ein paar Mal war ich dort, nicht sehr oft, da ich mich ja nicht wirklich für Philosophie interessiere und meine Zeit, da ich neben meinem psychologisch-psychotherapeutischen Brotberufe ja viel schreibe, lese, blogge und mich literarisch interessiere, einteilen muß, aber dieses Thema war interessant, so daß ich die Veranstaltung zu “20 Jahre Schule für Dichtung”, die es Literaturhaus gab und die ich in meinem Kalender eingetragen habe, ausließ und nach halb sieben in die Schleifmühlgasse gegangen bin.
Ein paar Mal war ich da, bei der ersten und zweiten Veranstaltung, glaube ich, einmal während meines Frankfurter Buchmessensurfings, da ich dachte, daß das jetzt die Gelegenheit ist, mein Glas Wein zu trinken und gesellige Beziehungen auszutauschen und das letzte Mal, glaub ich wieder, als der Nitsch referierte und da war ich besonders aufgeladen, weil mich vorher die Buch-Wien angefragt hat, ob ich für sie bloggen will?. Ich wollte aber nicht anders als für das Literaturgeflüster, Cornelia Travnicek hat dann offiziell gebloggt und ich habe alle Einladungen zu allen Veranstaltungen bekommen und auch meine Gratiskarten und an dem Abend bin ich, glaube ich, auch mit einem Paar ins Gespräch gekommen und das ist ja etwas, was mir nicht sehr oft passiert, weil ich etwas schüchtern bin und offenbar auch nicht über die charismatische Ausstrahlung verfüge, so daß ich in literarischen Kreisen oft übersehen werde. In nicht literarischen, wo nicht ein so großer Konkurrenzdruck herrscht oder ich nicht als Bedrohung wahrgenommen werde, ist das manchmal anders, da werde ich dann manchmal angesprochen, dann rede ich zurück und auch sonst, wenn mir danach ist. Wenn aber nichts zurückkommt, höre ich auch auf, weil ich inzwischen soviel Selbstbewußtsein habe, daß ich mein Glas Wein auch alleine trinken kann. Diesmal hat sich aber die Dame, die sich neben mich setzte, sehr freundlich mit mir unterhalten, so daß ich ihr erzählte, daß ich Psychologin und Psychotherapeutin bin und nebenbei schreibe und das auch zwei Jahre vor meiner Matura so beschlossen habe. Als wir beim Paulus Hochgatterer waren, der ja Psychiater und Autor ist und so manche Stipendien bekommt, was manche Autoren, die vielleicht nicht so viel verdienen, ärgert, begann der Vortrag und der war sehr interessant, ist das ja ein Thema, das mich sehr stark beschäftigt und Michael Musalek, der ihn hielt, ist auch ein brillanter Redner mit sehr viel Charisma und Kalksburg beschäftigt mich derzeit auch ein bißchen, da mein neues Projekt mit dem Arbeitstitel “Ein Glas zuviel”, ja eine Beziehung dazu hat, beziehungsweise Kerstin Wieland, meine Heldin, hin gefahren ist, um ihren Franz zu suchen und dort mit einem Patienten in Gespräch gekommen ist. Das ist die letzte Szene, die ich am Freitag geschrieben habe, bevor ich mich in meinem sehr intensiven Pfingstlesemarathon begeben habe und damit werde ich jetzt weitermachen und das Thema Normalität beschäftigt mich natürlich auch. Obwohl ich auch nicht sehr viel Neues mitgenommen habe. Ein Diskutant hat gemeint, er hätte gelernt, daß man nicht genau sagen kann, was Normalität ist, was Prof Musalek etwas verwirrte, aber ich habe von der statistischen, der subjektiven, der idealen und der fiktionalen Norm, die vorgestellt wurden, ähnliches verstanden.
Was ist normal? War Hitler böse oder psychisch krank? Professor Musalek tendierte, glaube ich, zum ersten und meinte, daß er seine Patienten für nicht böse halte, damit habe ich ein bißchen Schwierigkeiten, weil es ja schon manchmal vorgekommen ist, daß Psychotiker ihren Müttern den Kopf abgeschlagen haben und diesen dann in eine Auslage stellten und einmal hat eine Frau längere Zeit neben ihrer toten Mutter zugebracht, ohne das zu melden und die untersuchenden Psychiater kamen zu dem Schluß, psychisch krank war sie nicht und auch bei dem Attentäter von Oslo, der als Beispiel genannt wurde, weiß ich nicht, ob die Beantwortung dieser Frage ganz so einfach ist? Dazu passen auch gut die Videos, die Thomas Wollinger vorige Woche auf seinen Blog stellte, um das Stendhal-Syndrom zu erläutern, mit etwas einsamen Kommentaren von mir, da der Fredi, der sie anheizte, die seinen dann entfernte.
Der Vortrag und die Diskussion waren aber sehr interessant und als es dann in die Küche zum geselligen Rahmen ging, meinte die Dame neben mir, sie hätte mich erkannt, denn soviele Psychologen, die schreiben, gibt es nicht und nannte meinen Namen.
“Wow!”, das ist ja etwas, was mir nicht sehr oft passiert, denke ich ja sehr oft, ich kann da vier Jahre fast täglich bloggen und von meinem literarischen Frust jammern und niemand merkt es und keinem fällt das auf, aber ich bin ja auch einmal von Salzburg nach Wien autogestoppt, Helmut Zenker hat mich migenommen, seinen Namen nicht gesagt und ich habe ihn erkannt. Das das einmal umgekehrt passiert, ist sehr schön, obwohl es mich nicht weiterbringt und ich eigentlich gar nicht so viel von dem Vortrag erzählen, sondern ihn nur als Aufhänger benutzen wollte, um zu meinem literarischen Leben zurückzukommen und, daß ich Pfingsten so erlesen verbrachte, ist auch nicht ganz der Norm entsprechen, wo in Österreich, glaube ich, jährlich acht oder neun Bücher gelesen werden und ich habe diese Zahl fast in einem Wochenende geschafft und in meiner Strohwitwenzeit meinen SUB ziemlich abgelesen oder jedenfalls ein paar der Bücher meiner Leseliste. Damit ich aber nicht zu übermütig werde, habe ich mir am Freitag bei Haymon noch zwei, von Sepp Mall und Marianne Gruber bestellt, obwohl ich, wenn ich Anfang Juli in meine Sommerfrische aufbreche, ganz gerne bis Buch Nummer 47 kommen würde, weil es die waren, die ich bis Jahresanfang auf die Liste setzte. Ob ich das schaffe oder nicht, weiß ich nicht, es ist auch nicht so wirklich wichtig. Ich mag jedenfalls Bücher, lese gern und viel und freue mich, daß ich mich so reichlich an den Bücherschränken bedienen kann und es Rezensionsexemplare gibt, die ich manchmal bekomme, so daß ich auch aktuell lesen kann. Der Lesemarathon und das hektische Lesen, Buchimie, hineinstopfen und den Inhalt wiedergeben, hat es meine Kurzeitkritikerin JuSophie ja einmal genannt, ist jetzt vorbei und ich werde allmählich wieder in mein mehr oder weniger hektisches Schreibverhalten zurückkommen. Wolfgang Tischer vom Literaturcafe war ja, als er sein Buchpaket zum Tag des Buches verteilte sehr geschockt, als er draufkam, daß die meisten seine Bücher nicht wollten und er quasi in einer Parallelwelt lebt und ist jetzt um sich mit dieser Frage zu beschäftigen zu einem Schülerlesewettbewerb gegangen.
Drei Buchmanuskripte liegen auf Alfreds Schreibtisch und warten auf sein Wiederkommen, was demnächst passieren wird, die “Wiedergeborene”, die “Paula Nebel” und dann noch “Best oft Literaturgeflüster” und da habe ich jetzt auch noch den ersten Pfingstartikel dazugegeben und vorgestern hat sich Stephan Eibel Erzberg bei mir gemeldet, der mir manchmal Gedichte schickt und mich sehr überschwenglich lobt, was meiner verkannten Literatenseele gut tut und so habe ich mir gedacht, daß ich ihn fragen könnte, ob er mir ein paar Zeilen für den Beschreibungstext, was das Literaturgeflüster für ihn bedeutet, schreiben will? Bei der “Wiedergeborenen” und bei der “Paula Nebel” habe ich die Texte selber geschrieben. Jetzt habe ich gedacht, frage ich ein paar meiner eifrigsten Kommentierer oder suche selbst ein paar Kommentare heraus.
Dann hat mir die Patricia Brooks ein liebes Mail geschrieben und der Stephan hat sofort geantwortet, zwar sehr euphorisch übertrieben, aber ich denke, daß eine, die ohnehin darunter leidet, daß sie so wenig beachtet wird, sich auch einmal etwas Euphorisches aussuchen kann.
Damit bin ich in meinen Schreiberalltag zurückgekommen. Das Bücherlesen wird jetzt vielleicht ein wenig weniger hektisch werden, obwohl ich mir schon die nächsten fünf von meinem Badezimmerstapel herunternahm und es geht ans Weiterschreiben, bzw. ans Korrigeren, wenn mir der Alfred, die drei Bücher, die schon warten, dazu gibt und natürlich die besten Pläne für das “Glas zuviel”, was ich mir von meiner Oster–Krise aber mitnehme, ist mehr Gelassenheit, sowie ein gewisses Maß an positiver Resignation, wenn es sowas geben sollte. Ich bin, wie ich bin und schreibe, wie ich kann und manchmal erkennen mich die Leute auch und sagen mir, daß ich schon in der Alten Schmiede gelesen und im Wespennest und im Freibord publiziert habe und nicht nur, daß ich nicht gut schreibe und nie besser werden kann und natürlich habe ich auch meine Zweifel, wenn ich an das neue Buchprojekt denke, wenn man neununddreißig Jahre gehört hat, du kannst es nicht und auch genau weiß, wieviel schon geschrieben wurde, ist es nicht so leicht zu glauben, daß man jetzt das neue unverbrauchte Werk schreiben wird, das auf einmal alle begeistert! Ich werde es aber trotzdem versuchen, so gut ich es kann und wenn ich wieder nur sechs Wochen dazu brauche, ist das auch egal, denn dann geht es sich noch aus, beim Nanowrimo mitzumachen und das möchte ich ja auch wieder einmal tun.
Kleiner Mann – was nun?
Hans Falladas 1932 geschriebener Roman “Kleiner Mann – was nun?”, stand auf dieser Buchschenkerliste, die es in Deutschland zum Tag des Buchs gegeben hat, 25 Bücher wurden da ja in je dreißig Stück Kisten von Bücherfreunden an Passanten und andere verteilt, meines ist aber der schöne Band eins, der rororo Taschenbuchausgabe von 1950, wobei sich schön nur auf die Ausgabe bezieht, das Leinenbändchen und das schnukkelige Umschlagbild, ein Paar auf einer Bank, er mit Hut und schwarzen Anzug, sie mit langen blonden Locken und weißen Strümpfen, ein Vögelchen singt dazu, mein aus dem Bücherschrank gezogenes Exemplar wirkt dagegen schon ein bißchen abgelesen “Mit den besten Wünschen zum Namenstag, 26. 7. 1960 von ihrem alten Nachbar Moritz Lamm”, hat jemand mit Bleistift und in Kurrent auf die erste Seite geschrieben und Lamm passt sehr gut zu Lämmchen und so heißt auch die Hauptperson, des Romans mit dem Hans Fallada, beziehungsweise Rudolf Ditzen, berühmt geworden ist und mit dem er sehr viel über die kleinen Leute, die Arbeitslosigkeit und Deutschland knapp bevor die Nazis kamen, erzählte und die zeichnen sich schon an, immer wieder wird in dem Buch von ihnen und denn Kämpfen, die sie sich mit den Kommunisten geliefert haben, erzählt und wenn man den Roman gelesen hat, kann man das, was nachher kam, vielleicht auch verstehen, denn wie heißt es auf Seite 283 “Der Mensch ist so, er lernt nichts zu, er macht immer wieder diesselben Dummheiten. Ich auch!”
Beginnen tut es aber fast so romantisch, wie auf dem Titelbild, vor der Praxis des Frauenarztes Dr. Sesam in einer kleinen Stadt. Da wartet Johannes Pinneberg auf sein Lämmchen, gibt es schon als seine Gattin aus und geht mit ihr als Privatpatient zum Herrn Doktor, da kommen sie vor den dreißig Kassenpatienten dran und werden von ihren beschimpft, von der Schwester, aber als Schwiegersohn und Schwiegertochter des Herrn Doktors ausgegeben und Pinneberg gesteht diesen mit roten Ohren, daß sie, was für die Verhütung machen wollen, weil noch nicht soviel Geld. Aber dafür ist es schon zu spät, weil Lämmchen schon im zweiten Monat und der kleine Murkel schon ein bißchen da. Fünfzehn Mark zahlen sie für dies Auskunft und bekommen sie nicht von der Kasse zurück und Pinneberg bietet seinem Lämmchen an, sie zu heiraten. Er ist Angestellter, Buchhalter, gelernter Verkäufer der Herrenmode, sie verkauft auch, kommt aber aus einer Arbeiterfamilie, der Bruder ist Kommunist und der Vater fragt den künftigen Schwiegersohn gleich einmal, ob er bei der Gewerkschaft ist? Ist er und dann geht es mit den Betten und sonstigen Hausrat, statt der Mitgift nach Ducherow, wo er bei einem Getreidehändler arbeitet, aber das ist ein Problem, denn der will ihn mit seiner nicht besonders schönen Tochter verheiraten, so zieht er aus Angst den Arbeitsplatz zu verlieren, den Ring vom Finger und steht am Ende doch ohne Arbeit da. Es gibt aber einen Ausweg, seine Mutter in Berlin, die zwar einen schlechten Ruf und als Bardame gearbeitet hat, aber als Lämmchen ihr schreibt, kommt ein Brief, das Paar soll nach Berlin kommen, sie hat eine Stelle als Verkäufer in einem Kaufhaus für ihn. Das ist zwar ein bißchen gelogen und für das Zimmer mit dem roten Plüschbett, will sie auch hundert Mark Miete haben. Sie hat aber auch einen Freund und der verschafft Pinneberg die Stelle und zahlt auch noch die Miete, denn Pinneberg bekommt als Verkäufer nur hundertsiebzig Mark, wo eer doch mit zweihundertfünfzig rechnete und weil es sich das Lämmchen so sehr wünschte, kaufte er auch noch die Frisierkommode, obwohl man sowas in Zeiten der Bubiköpfe, wie Mamma Mia sagt, gar nicht mehr braucht. Sie bekommen dann auch eine andere Wohnung, über einem Kino, die nur mit einer Leiter zu erreichen ist und im Geschäft ist es auch nicht rosig, denn da wird ein Organisator eingestellt und der führt eine Quotenregelung ein, wenn man nicht für so und so viel Mark verkauft, fliegt man am Ende des Monats hinaus und ich dachte, sowas gibt es erst seit Mc Kinsey.
Das führt natürlich zu Spannungen unter den Verkäufern, das Paar bemüht sich aber sehr und Lämmchen stellt sogar einen Ausgabeplan auf, wieviel sie aus dem gemeinsamen Haushaltstopf für Essen, Rauchen etc entnehmen dürfen und was sie sonst an Kosten haben. Pinneberg hat auch einen Freund unter den Verkäufern und der führt ihn, während Lämmchen im Entbindungsheim liegt, in einem Freikörperclub, was mir nach dem heutigen Geschmack, ein wenig zu übertrieben scheint, aber vielleicht war das damals so in Zeiten, als die Männern noch nicht auf die Entbindungsstationen durften, man zehn Tage dort zubrachte, seine Kinder nur hinter einer Glasscheibe sah und den Müttern eingeschäft wurde, die Kleinen ja durchschreien zu lassen, damit sie sich an das rauhe Leben gewöhnen und nicht verweichlicht werden.
Sie gehen einmal sogar ins Kino, aber dann kommt die große Not, nämlich der neunundzwanzigste und Pinneberg hat seine Quote noch lange nicht erfüllt und da taucht der Schauspieler auf, den Pinneberg im Kino gesehen hat, fragt, ob er Phantasie hat und läßt sich die ganze Konfektion zeigen, nach der sechzehnten Hose sagt er, daß er nur geschaut hat, aber Pinneberg Gratiskarten für den nächsten Film schicken wird und Pinneberg fleht ihn in seiner Verzweiflung an, doch etwas zu kaufen und wird prompt entlassen.
Das Leben geht weiter und wir treffen die beiden mit dem kleinen Murkel, der jetzt schon zahnt in einer Laube an, Freund Heilbutt hat sie ihnen überlassen, aber die ist ein bißchen draußen und man dürfte eigentlich gar nicht in ihr wohnen und Pinneberg muß mehrmals in der Woche aufs Arbeitsamt, sich seine Unterstützung holen, was ihn einiges von seiner spärlichen Unterstützung an Fahrgeld kostet, ummelden kann er sich aber nicht, weil nicht angemeldet und überhaupt. Lämmchen aber, als mutiges Frauchen hält die Familie mit Nähen und Stopfen von Strümpfen über Wasser. Der Mann schaut dabei auf Kind, macht den Haushalt und treibt die Schulden ein “Sagen Sie, Jachmann, soll denn das ewig so weiter gehen, daß die Männer zu Hause sitzen und machen die Hausarbeit und die Frauen arbeiten? Es ist doch unmöglich!”. “Nanu”, sagt Jachmann. “Wieso ist denn das unmöglich? Im Kriege haben ja auch die Frauen die Arbeit gemacht und die Männer haben einander totgeschlagen und jeder hat`s in Ordnung gefunden!”
So geht es also weiter, Jachmann, der Freund der Mutter, die ihr schiefes Geschäft mit Kartenspielen und anderen Inseraten machte und dafür ins Gefängnis kam, gibt es auch noch und er tritt auch als Unterstützer auf, aber Lämmchen will das alles nicht. Sie will rein bleiben, damit ihr kleiner Murkel mal eine heile Welt erlebt. Hat er wahrscheinlich nicht, aber das war 1932 noch nicht so ganz klar oder doch vielleicht, denn am Ende stellt sich noch heraus, daß Pinneberg bei Mandel nicht wegen der Quote entlassen wurde, sondern weil ihn jemand vernadert hat, daß er Naziparolen, wie “Mandel, welch ein Wandel” und “Juda verecke” auf die Klotür geschrieben haben soll, aber Pinneberg war unpolitisch und konnte sich zwischen Kommunisten und Nazis nicht entscheiden und am Ende wird alles gut in dem Buch, denn die beiden sind jung, lieben sich und trotzen dem Schicksal, auch wenn Pinneberg vorher als Arbeitsloser vom Schupo vom Gehsteig gedrängt wurde, weil er in die Schaufenster eines Delikatessenladens schaute.
Das Buch, habe ich bei Wikipedia gelesen, konnte auch bei den Nazis erschienen, da wurde nur der Nazi, der in der Getreidehandlung mit Pinneberg arbeitete ein wenig verändert und wohl mehr auf heroisch getrimmt, aber auch sonst hatte Hans Fallada bzw. Rudolf Ditzen, wie er eigentlich hieß, Fallada ist ja ein Pferd in den Grimmschen Märchen, ein bewegtes Leben und wurde 1946 wegen Morphinismus und Alkoholismus in eine Nervenklinik eingewiesen, wo er in schlechten körperlichen Zustand “Jeder stirbt für sich allein schrieb”, das erst vor kurzem bei Aufbau neu aufgelegt wurde. Den “Kleinen Mann”, gibt es auch in dem ehemaligen ostdeutschen Paradeverlag und “Wer einmal aus dem Blechnapf frißt” habe ich vor kurzem gelesen, auch ein interessantes Buch, das viel über das Deutschland der Zwanziger und Dreißigerjahre erzählt, der “Kleine Mann, ist aber leichter zu lesen” und hat, wie ich zu zitieren versuchte auch einige sehr wahre Stellen. Ein anderes berühmtes Buch über die kleinen Männer der Arbeitslosigkeit habe ich vor einigen Jahren auch gelesen
Pfingsten II – Bücherkastenlesetour
Nach dem ich Pfingstsonntag in der Badewanne bei meinem Lesemarathon in Chile und in Rumänien war, bin ich am Pfingstmontag wieder ausgegangen und da hatte ich ja eine Bücherkastenlesetour geplant. So etwas habe ich ja schon vor einem Jahr gemacht, als ich Material für die “Frau auf der Bank” gesammelt habe, da bin ich von der Zieglergasse in den Hegerpark gegangen und habe ein bißchen beobachtet, was da so passiert. Aber diesmal wollte ich ja lesen und habe das auch schon am Samstag so getan. Mit drei Büchern in der Handtasche mit der Straßenbahn von Schönbrunn in den Prater und dann noch ein bißchen herumgefahren, ganz zufällig waren auch die passenden Bücher dabei, die die nostalgische Wien-Stimmung, auf die man in Schönbrunn ja trifft, noch verstärkten. Aber diesmal hatte ich keine Bücher und keinen Fahrschein. Meine Pfingstlesetour sollte ja abwechslungsreich werden und da es inzwischen auch den “Wortschatz” am Margaretenplatz gibt, habe ich damit begonnen.
Und ich war, ich gestehe es, sehr neugierig, was werde ich heute lesen? Bei den anderen Büchern stand es ja dank meiner Leseliste schon lange fest und war daher keine Überraschung. Aber am Pfingstmontag war alles offen und der “Wortschatz” birgt ja manchmal wahre Schätze und manchmal wieder nicht so viel Besonderes und meine Wünsche und meine Vorstellungen, was ich gerne finden würde, habe ich ja auch.
Da wäre ja einmal Hilde Spiels “Kathi auf der Brücke” oder Hans Weigels “Unvollendete Symphonie”, Vicki Baums “Hotel Berlin” oder die Anni Bürkl Krimis, Cornelia Travniceks “Chucks” wäre natürlich besonders fein, ist aber wahrscheinlich noch viel zu aktuell.
Aber ich habe ja schon Ohrhan Pamuks “Schnee”, Paula Köhmeiers “Maramba” und einige sehr schöne Streeruwitz Bücher dort gefunden und manchmal gibt es wieder nicht so viel und so schien es auch jetzt zu sein. Vor dem Schrank stand ein Mann mit einem Hund und es war nicht viel Aktuelles da, nur eine Vicki Baum, aber nicht das Erhoffte. Trotzdem habe ich danach gegriffen, dann lese ich halt das, als mir ein Cover mit einem blauen Himmel und einer seltsamen weißen Windmühle ins Auge stach.
Was ist denn das? Ein Reiseführer? Ich schlug es auf und las “Wäre am Pfingstsamstag mein Zug nicht mit dreizehn Minuten Verspätung in Karlsruhe angekommen, hätte ich Tamara vielleicht nie kennengelernt” und disponierte um.
Es war ein Jugendbuch über eine Griechenlandreise, eines fünfzehnjährigen deutschen Mädchens, 1986 geschrieben, also nicht gerade das, was ich sonst lese, aber vielleicht ganz passend für einen Pfingstlesemarathon. Also habe ich mich auf eine Bank beim Schrank gesetzt, bei den meisten Schränken gibt es die ja. Aber um neun Uhr früh noch nicht wirklich viel zu beobachten. So bin ich nach fünfzig Seiten, mit ein paar Schuldgefühlen, was ich da für einen “Schmonsens” lese und was meine Leser dazu sagen werden, in Richtung Zieglergasse gegangen und bin Leuten, die Tüten mit Frühstückgebäck oder Kaffeebecher trugen, begegnet, was mich auf die Idee brachte, daß man beim Mc Donald, um zwei Euro frühstücken kann und das ich das auch schon immer wollte. Ich hatte zwar schon mein Müsli gegessen und meinen Kaffee getrunken. Aber ein zweites Frühstück kann nicht schaden, dann werde ich meinen Mc Double und meine kleinen Pommes Frites halt später essen. Der Mc Toast entpuppte sich zwar als etwas seltsam aussehende mit Käse und mit Schinken gefüllte Flade, schmeckte aber gut und ich verzehrte sie bei dem kleinen Park, wo die Bezirkrätin Zouboulaki-Rottenberg vor zwei Jahren ihr Fest für Fanny Elsner veranstaltete, weil es bei der U-Bahnstation Pilgramgasse und dem sich dort befindenden Mc Donald keine Sitzplätze gibt und hatte auch noch eine Zeitung gefunden und in der Gratiszeitung-Österreich gab es gleich Günter Grass neues Wutgedicht über Griechenland und das brachte den aktuellen Bezug zu der heiteren Geschichte über das tolle Leben im Land des König Minos, wo man alles auf die leichte Schulter nimmt und immer “Dhem berasi”, “Macht ja nichts!”, sagt. Jetzt macht das alles schon etwas und die Griechen müßen sparen und es geht ihnen nicht sehr gut und ich wanderte weiter in die Zieglergasse. Dort war, wie meistens reger Verkehr. Es gab sehr vielen Taschenbücher, die ich eigentlich auch nicht lese und zwei Männer die sich darüber unterhielten, wo man am besten “Karl May” bekommt. Denn da gibt es ja offenbar richtige und falsche Ausgaben, der eine wußte Rat und die Frau auf der anderen Seite, die noch ein paar Schachteln Taschenbücher auspackte, fragte “Welchen Karl May wollen sie denn?”
“Verschiede für das Enkerl”, erklärte der Mann und erkundigte sich bei der Frau, ob sie nur Willdwestromane und eine Verlassenschaft zu versorgen habe und ich fand eigentlich auch nicht das richtige, denn Wildwestromane lese ich ja nicht. Dann aber doch etwas, was ich fast übersehen hätte, eine schöne alte Ausgabe aus dem Jahr 1946 von Victor Hugos “1793 Frankreichs Schicksalsjahr” und ich wußte, was ich als nächstes lesen würde, wanderte aber zunächst weiter, mit Unterbrechungen in dem kleinen Park bei der Hauptbücherei und dann noch bei den Bänken vor einer Moccador-Filiale, wo ich als ich am letzten Feiertag zur Iris hinausmarschiert bin, gesehen habe, daß man dort am Sonntag um neun Euro brunchen kann. Es war aber Montag, und von der Stadthalle kamen mir zwei junge Kellnerinnen und zwei junge Kellner in langen weißen Schürzen entgegen und überquerten den Gürtel.
Die nächste Station war die Grundsteingasse, da schien es auch nichts zu geben, zumindestens nicht für mich. Das junge Migrantenpaar mit den zwei kleinen Kindern delegierte sich aber an den Schulbüchern und ein paar Photografiemonatszeitschiften lagen auch herum, so soll es ja sein und auch sonst war es interessant durch den Brunnenmarkt zu gehen und das leichte Sommerbuch hatte ich bald ausgelesen. Mit dem Victor Hugo und der französischen Revolution tat ich mir dann etwas schwerer und bevor ich mich zu dem vierten Schrank setzte, wo ich ja schon einmal eine Büchertour machte, ging es wieder zum Mc Donald, den Mc Double und die Fritten habe ich dann dort verzehrt. Ein Sackerl mit Mini-Messinos hatte ich mir in dem Billigschokoladen auf der Mariahilferstraße auch noch gekauft und wurde ich wieder fündig. Zwar gab es nicht wirklich etwas für mich zu lesen. Er war aber gut gefüllt, während er das letzte Mal, als ich dort gewesen bin, wirklich fast leer gewesen ist. Diesmal gab es aber die “Duineser Elegien” von Rilke, ein Materialbuch zu “Siddharta” und eine “Debatte um Hanns Eisler” und ich beobachtete, während ich mich mit den Adeligen auf hoher See, die gleich moralische Schießbefehle geben, ein wenig schwer tat und meinen Lunch verzehrte, eine junge Frau mit großen Rucksack, die viel gefunden hat.
Dann war die Runde eigentlich schon zu Ende, ich mit der Revolution aber noch nicht sehr weit gekommen und das Wetter hatte sich etwas verzogen, war aber immer noch sehr gut und, daß es am Rathausplatz Wiens größten Kirtag gab, hatte ich ja schon am Samstag gesehen, als ich mit der Straßenbahn daran vorbeigefahren bin, also bin ich dorthin und habe mich in den Rathauspark gesetzt. Aber da war es ziemlich laut, weil ja eine große Bühne und sehr viel Ringelspiel und so recht kannte ich mich in der französischen Revolution ja nicht aus. Also bin ich weiter ins Museumsquartier, erwischte dort einen dieser Liegesessel und blieb solange, bis der Regen tropfte, da war ich mit dem Buch aber schon fast fertig, ich habs noch rasch unter Dach beim Leopoldsmuseum zu Ende gelesen und bin um fünf nach Haus, um das alles aufzuschreiben und meinen p.t. Lesern zu verkünden, der Pfingstlesemarathon war ein voller Erfolg!
Zwar ist er noch nicht ganz zu Ende, gibt es ja noch den Pfingstdienstag, aber normalerweise fülle ich mir den Dienstag nach Ostern und Pfingsten immer sehr mit Psychologieterminen an. Diesmal war ich unsicher, wie soll ichs machen und dachte, nehme ich den Dienstag noch zum Marathon dazu und lese zwischen meinen Stunden. Dann hat es zuerst ausgesehen, als hätte ich keine. Jetzt wirds aber zweimal Diagnostik und eine Stunde geben und wenn ich zwei Befunde schreibe, werde ich nicht viel zum Lesen kommen. Ein bißchen aber schon vielleicht und dafür wartet ja schon der Fallada im Badezimmer und da ich ja sehr fleißig bin und schon über den Marathon gebloggt habe, kann ich, wenn ich mit der Praxis fertig bin, gleich mit dem “Kleinen Mann” in die Badewanne steigen und das Buch besprechen, wenn ich damit fertig bin.
Sechs Bücher habe ich inzwischen gelesen. Zwei an jeden Tag und wenn man will, habe ich ja auch schon am Freitagnachmittag mit dem Lesen und dem Besprechen von Aitmatovs “Weißen Dampfer” und den Beginn der Marlene Streeruwitz damit begonnen und als ich schon bedauerte, daß ich so für mich allein lese und es keinen anderen Pfingstlesemarathon gibt, bin ich gestern Abend darauf gekommen, daß das nicht stimmt und eine Bloggerin zu einem Sonntagnacht-Lesen aufgerufen hat, dem sich viele Blogger angeschlossen haben.