Wer wird es sein? Da gibt es für die, die das Preislesen mitverfolgten, ja eine persönliche Rangliste und dann den Eindruck, den man von den Jurydiskussionen mitbekommen hat.
Martynova, Travnicek,Senkel, Nawrat, Hassinger bloggte etwa Sara Wipauer und Wolfgang Tischner vom Literaturcafe war für Nawrat, Mahlke, Martynova, Travnicek, Stichmann und dachte die Jury wird den Preis wegen des Osteffekts an Martynova geben, wie man in seinem Podcast nachhören kann.
Dort gabs auch ein Interview mit Burkhard Spinnen und der sagte, was mich etwas wunderte, die Jury hat unterschrieben, vorher nicht über den Preis zu reden, sondern nur zu diskutieren und dann abzustimmen. Aber wird der Preis nicht deshalb erst am Sonntag vergeben, damit die Jury noch Zeit hat nachzudenken? Vielleicht war das früher auch anders, jedenfalls setzt sie sich zusammen, um eine Art Shortlist festzulegen, die dann um elf bekanntgegeben wurde und da war für mich, die ich persönlich ja Inger-Maria Mahlke den Hauptpreis gegeben hätte, aber auch für Olga Martynova tippte und dann dachte Stichmann, Nawrat, Travnicek, Kränzler und vielleicht Hassinger wären noch dabei,überraschend, daß ich vorerst ganz andere Namen hörte. Nämlich Leopold Federmair, Lisa Kränzler, Inger-Maria Mahlke, Olga Martynova, Stefan Moster, Matthias Nawrat, Matthias Senkel und Andreas Stichmann. Wo blieb da Cornelia Travnicek? Schade, denn, daß die jetzt sehr enttäuscht ist, wo sie doch schon so gut gehandelt wurde, konnte ich mir vorstellen, obwohl ich ja fast für Stephan Moster gestimmt hätte und Matthias Senkels Literaturbetriebssatire hat mir auch sehr gut gefallen.
Nun gut ja, es gibt eben immer Insiderwissen und gruppendynamische Effekte gibt es sicher auch und dann ging es los mit der ersten Runde, wo der mit 25.000 Euro dotierte Hauptpreis nach einer Stichwahl, wo zuerst einmal sehr viele Namen fielen an Olga Martynova vergeben wurde. Gut eingeschätzt, liebe Eva. Matthias Nawrat Text hat sich mir ja nicht so eingeprägt, aber das mag wahrscheinlich an der Übermüdung und der Übersättigung liegen, da er ja erst sehr spät gelesen hat. Er ist jedenfalls der zweite Preisträger und bekam auch noch den der Riesenmasche dazu. Dann ging um den 3sat-Preis 7.500 Euro und wieder wurde abgestimmt, viele Namen genannt und einige Durchgänge mit Stichwahlen gemacht, bevors für mich eine Überraschung, nämlich Lisa Kränzler wurde, von der ihr Juror noch sagte, ihr Lektor sei in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag gestorben. Vielleicht hatte sie deshalb eine schwarze Bluse an. Dann gings weiter zum Willner-Preis gestiftet von einer Reihe von Verlagen mit nur 5000 Euro und der ging jetzt endlich an Inger-Maria Mahlke, womit Andreas Stichmann, was ich sehr schade finde, leer ausgegangen ist, denn der Publikumpreis ging natürlich, das war, wenn man das Internet ein bißchen verfolgte, klar und zeigt, wie wichtig das Netzwerken ist, an Cornelia Travnicek , was auch erklärt, warum man sie hinter die anderen Preisträger setzte.
“Sie haben das Beste, nämlich die Gunst des Publikums!”, erklärte auch der freundliche ältere Herr, der die Mappe überreichte, der strahlenden Siegerin. Damit ist auch ein Stadtschreiberstipendium verknüpft, was heißt, das Cornelia Travnicek auch nächstes Jahr vor Ort twittern, bloggen und facebooken wird und man wahrscheinlich manche Insidernews auf ihren Seiten erfahren kann. Herzliche Gratulation an alle!
Burhard Spinnen umarmte in seiner Abschlußrede dann noch Klagenfurt und meinte keine Stadt, nicht Berlin und auch nicht Wien, sei für dieses Wettlesen geeignet, erwähnte den See und das “Lendspiel” bzw. das Public Viewing dort, daß es seit einigen Jahren gibt und das alles ist ja sicher attraktiv für den Literaturbetrieb, interessant aber, wenn schon beklagt wurde, daß die heurigen Autoren sich nur mit ihrer Kindeheit und nicht mit der Politik beschäftigen, daß Klagenfurt mit seiner Politik da durchaus das entsprechende Potential zu bieten hätte. So habe ich mir einen Film angesehen, wo derselbe Vizebürgermeister, der der Preisträgerin gratulierte, das Jörg Haider Museum eröffnete und ein anderer Politiker ist verurteilt wurden und tritt, wie man hören konnte, trotzdem nicht zurück.
Ich werde jetzt gleich verlinken und auf mein Bachmannpreisarchiv hinweisen, das ich seit 2009 angesammelt habe. Weil ich 2008 ja erst zu bloggen anfing, als der Bachmannpreis vorüber war. Damals hat Tilmann Rammstedt mit dem “Kaiser von China” gewonnen und unter anderen hat Alina Bronsky aus “Scherbenpark” gelesen. Ich habe beide Bücher zum Geburtstag bekommen und von dem Rammstedt Buch, das mir auch nicht so besonders gefallen hat, später nicht mehr viel gelernt. Während “Im Scherbenpark” immer noch einer meiner am häufigsten angeschauten Artikeln ist und 1996 war ich selbst einmal vor Ort. Als Zuhörerin auf eigene Kosten, eingeladen wurde ich ja leider nicht und würde weil zuwenig abgehoben, ja auch sicher nur mit höchstens Volkshochschulniveau abgehandelt werden. Aber Felicitas Hoppe hat damals gelesen und die bekommt heuer den Büchnerpreis und ein ganz junger, total unbekannter Autor ist auch aufgetreten, der natürlich nichts gewonnen hat. Auch beim zweiten Versuch hat er mit dem Romanausschnitt, der später, glaube ich, den dBP bekommen hat, nichts gewonnen und jetzt wird er der nächste Wildganspreisträger sein. Man sieht das Bachmannlesen ist schon wichtig und spannend ist es sicher auch, auch wenn ich, wie Wolfgang Tischner glaube, daß wir, die wir dafür begeistert schwärmen, in einer Blase leben, der Rest der Welt hat keine Ahnung, wer den Bachmannpreis bekommt und interessiert sich dafür auch nicht besonders.
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Und hier noch ein Lesetip
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Zweiter und dritter Lesetag
Und Freitag ein wahrhaft fulminanter Reigen von lauter starken Stimmen, vier weibliche, die letzte kam von einem Mann und zeitweise wußte man nicht, hat man jetzt die Preisträgerin, wird sie Mahlke oder Martynova heißen und geht es sich für einen Preis für Cornelia Travnicek aus, was ich eigentlich nicht bezweifelte.
Aber wieder Geduld, liebe Eva, denn morgen ist auch ein Tag, wo noch vier Autoren lesen werden. Trotzdem war es heute interessant. Zur Einstimmung kam ein Video aus dem Literaturcafe, wo man gleich einmal Cornelia Travnicek sehen konnte und von dem Fest in Maria Loretto erfuhr, das ich in Harland ja versäumte und nach meiner Radfahrt nach Wilhelmsburg gestern mich eher niedergeschlagen an die Korrektur meines Textes machte und wieder dachte, so vielschichtig bin ich doch nicht und mich gerne ablenken ließ, als mich der Alfred aufforderte, ihm bei der Gartenarbeit zu helfen.
Das erste Video wurde im Saal und im 3-Sat gezeigt und die 1977 in Hamburg geborene Inger-Maria Mahlke ist die, die in ihrem Portrait, Farben vermischte.
“Endlich mal ein originelles Portrait!”, schrieb man, glaube ich, im Literaturcafe und ihr namenloser Text, vorgeschlagen von Burkhard Spinnen, ist der, dem ich bis jetzt den Preis wünsche, auch wenn in der Jurydiskussion, über die “Du-Perspektive” diskutiert wurde und Maike Feßmann gegen ihn war. Mir hats gefallen, die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter, die, wie gesagt wurde, im gnadenlosen “Du” erzählt, wie das Überleben mit Hartz IV passiert. Das Wegräumen der Legosteine des Sohns Lucas, die Arbeit im Backshop, das Gekündigtwerden und dann das Anlegen der Maske, um als Domina in einem Sado-Maso-Schuppen “Karriere”, zu machen. Ich habe den Text sowohl sehr schön erzählt, als auch sehr realistisch gefunden und dachte dann, Cornelia Travnicek hat gleich zweimal Pech. Erst einmal, nach einer möglichen Preisträgerin zu lesen, es könnte auch sein, sie hat davor gelesen und dann mit einem Text, wo das Erwachsenenwerden mit dem Begraben, nicht mit dem Biß, eines Hundes passiert, also sehr ähnlich, wie der Moster-Text, wofür sie sich, wie man in ihren Tweeds bzw. Interview hören konnte, auch entschuldigt hat.
Ich kenne die 1987 in Traismauer geborene Cornelia Travnicek schon sehr lange, nämlich seit sie einmal beim Exil-Preis, der Christa Stippinger gewonnen hat, dann kam ihr Roman “Die Asche meiner Schwester” 2008 und die Buch-Wien in diesem Jahr, darüber hat sie, glaube ich, im Literaturcafe berichtet, so bin ich mit ihr im November in persönlichen Kontakt gekommen, habe 2009 in der Alten Schmiede mit ihr gelesen und verfolge ihre Tweets, facebook und Blogeintragungen, weil man, dadurch sehr viel vom Leben einer Jungautorin erfahren kann, die lange auf die Einladung zum Bachmannpreis gewartet, bzw. schon vor Jahren für das literaturcafe eine Serie “Bis Klagenfurt anruft”, geschrieben hat.
Danach kam Olga Martynova, 1962 in Russland geboren, in Leningrad aufgewachsen, in Frankfurt lebend und, wie ich inzwischen ergooglet habe, mit Oleg Jurjew verheiratet, dessen “Von Orten – ein Poem”, ich bei Fix-Poetry gewonnen habe und das auf meiner Leseliste steht.
“Ich werde sagen “Hi”, heißt ihr Text, den ich, weil ich, währenddessen mein Mittagessen machte, nicht so aufmerksam verfolgte. Er wurde von der Jury aber sehr gelobt und nur ein bißchen angemerkt, daß “sagte” sehr oft vorkäme, was einem in der Schule von den Lehrern hinausgestrichen werden würde.
In der Mittagspause gabs ein Portrait von Margret Atwood und eine Diskussion, die ich verschlafen habe. Mit dem lieben Otto habe ich auch gemailt und ihm meine Eindrücke wiedergegeben. Am Nachmittag ging es mit Lisa Kränzler weiter, 1983 geboren, die auch eine neue starke Stimme ist und von der Sexualität im Kindergarten, den Mißbrauch und den sozialen Unterschieden erzählte und zuletzt wurde nochmals E.T.A Hoffmann, den schon Olga Martynova zitierte, erwähnt, denn da wurde es in Simon Froehlings Text, einem 1978 geborenen Schweizer, übersinnlich und auch ein wenig kitschig.
Beginnt es doch mit “Mein Name ist Regina Maria Dietschi, gestorben am letzten Julitag dieses Jahres” und man erfährt von einem Studenten namens Max, der im Hörsaal zusammenbricht, auf der Intesivstation erwacht und nach und nach erfährt man, es geht um eine Nierentransplantation.
“Ich werde dich finden”, heißt der Text und die Jury war ein bißchen ratlos, beziehungsweise überbot sie sich mit Beispielen, wo das in der schon besser gelöst wurde. Bei Sabine Gruber beispielsweise und was hätte E.T.Hofmann für eine Gespenstergeschichte daraus gemacht?”, fragte, glaube ich, Burkhard Spinnen.
Dann ging es vor das ORF-Theater und da wurde diskutiert, wie sich der Preis in den sechsunddreißig Jahren, den es ihn schon gibt, veränderte, bzw. welche Skandale es gegeben hat.
Rainer Goetz, hat sich in den Hals geschnitten und Marcel Reich-Ranicki diskutierte, bis einer im Publikum, als das Blut schon zu ihm tropfte, rief, er halte das nicht aus und dann gab es auch den Text “Baby ficken”, der eigentlich einen strafrechtlichen Bestand schilderte, so daß einer der Juroren nach dem ‘Richter rief, etc.
Das wars, das Wetter hier sieht ein wenig nach Gewitter aus, trotzdem werde ich mich wieder auf das Rad schwingen, denn vieleicht gibts in St. Pölten ein Hauptstadtfest.
Und weil ich nachher noch eine große Stimme des altösterreichischen Literaturbetriebs besprechen wollte, schließe ich gleich mit dem Samstag an, wo als erster Matthias Nawrat, 1979 in Polen geboren, in Biel und Bamberg lebend und am Bieler Literaturinstitut studiernd, gelesen hat.
In seinem Filmchen sitzt er auf der Straße, grinst spitzbübisch in die Kamera, sagt, daß er Bier liebt und beim Essen nicht beobachtet werden will und las, wie die Jury befand, von einer sehr merkwürdigen Familie. So merkwürdig fand ich den “Unternehmer genannten” Text, nicht einmal, gut er war ein wenig abgehoben und rätselhaft, aber das müssen Bachmanntexte ja sein, mir aber sehr sympathisch und eine Fortführung des Mahlke Textes. Hier ist es die Familie, erzählt von der menstruierenden Tochter, die ihr Hartz IV Glück im Schwarzwald versucht. Sie schlachten Computer aus und träumen von einem Haus in Neuseeland.
“Sie werden nie hinkommen!”, sagte später die Jury, was die alles weiß? Und verglich es mit Hänsel und Gretel. Der Sohn hat dabei seinen Arm verloren, die Mutter kocht Karottenlasagne und die Tochter verliebt sich in einen Arbeitslosen und wird die Familienidylle wohl verlassen.
So weit, so waht und gut gemacht würde ich sagen. Dann kam Matthias Senkel, das ist der, der sich bei seinem Portrait zeichnen ließ, 1977 geboren, in Leipzig lebend und der machte etwas, was sich von der Familien-Tier-Idylle, die wir diesmal hatten, deutlich abhob. Er portraitierte den Literaturbetrieb, das darf man nicht, habe ich schon gelernt und er wird daher den Preis wahrscheinlich nicht gewinnen. Mir gefällt soetwas aber sehr und es war noch sehr bedächtig, fast altmodisch gemacht. Das Erholungsheim für Schriftsteller mit Schreibblockaden, die dort ihre Romane schreiben, verfolgt, überwacht oder was immer werden und die Jury natürlich spaltete. Wer hat ihn vorgeschlagen?, fragte sich das Literaturcafe. Mich hats ganz ehrlich auch gewundert, daß das Herr Jandl war, der seinen Schützling dann auch einsam und vehemt verteidigte. Dann kam Leopold Federmair, der ja schon vor einer Woche einen Preis bekam und ging wieder zurück in die erste Jugendliebe, erzählt von einer Kellnerin, die es mit einem Pubertierenden namens Aki treibt, der Akne hat, der traut sich auch was, später Banker wird und so trifft sie ihn wieder, in einer Bank und denkt an die Stunden damals, als es Aki mit seinem Erdbeerpenis schlafwandelnd durch das Gasthaus trieb.
“Ältere Männer sollten nicht über Sex schreiben!”, twitterte das Literaturcafe und Leopold Federmair traute sich noch etwas von dem es mich eigentlich wundert, daß es so bewertet wird. Er war nämlich der Aktionist des Wettbewerbs und zog, während die Jury über ihn herzog sein Handy, nicht sein Messer, hervor und fotografierte die Jury. Interessant, daß das schon als Aktionismus gilt! Inzwischen begleitete Cornelia Travnicek, wie ich durch Twitter weiß, die letzte, die 1976 geborene Isabella Feimer, in die “Maske” und die setzte dann gleich fort mit den Kindheits-und Tiererinnerungen. Sehr schön erzählt, aber nach sovielen Vortexten vielleicht ein wenig abgelutscht, würde ich mal flapsen. Eine Frau will einen Mann verlassen, weil sie der mit seinen Kindheitserinnerungen, wie die Oma die Hühner köpfte und die Burschen, die vorher besoffen machten, was man um die Jury zu ergänzen, schon bei Wilhelm Busch gelesen hat, nervte. Sie will selbstständig werden und sich die Strümpfe endlich mal so, wie sie es will, anziehen und kann es dann doch vielleicht nicht und die Kritiker beklagten draußen im Garten die mangelnde Originalität des Jahrgangs.
Aber wenn man die hat und eine tote Frau die Geschichte erzählen läßt, ist es auch nicht recht. Dann schon lieber den ersten Sex, die Hunde und die Hühner, da geht man auf Nummer sicher und wer wird nun gewinnen?
Im Literaturcafe spekuliert man schon darüber und ich schließe mich der Meinung an. Martynova bekommt den Bachmannpreis würde ich mal schätzen. Dann Mahlke, Stichmann, da wäre noch Platz für Travnicek und Kränzler auf der Shortlist.
Bei Sabine Hassinger weiß ich es nicht. Da könnte es sein, daß sie einen Preis bekommt, weil diese Art zu schreiben als sehr literarisch gilt, auch wenn die Twitterer stöhnen. Nawrat habe ich gelesen, hat auch noch eine Chance und soll den Preis der Riesenmaschine bekommen. Aber da ist Cornelia Travnicek auch recht gut gereiht und der würde ich auch den Publikumspreis zutrauen, weil man ja von drei bis acht abstimmen kann. Dazu hat sie schon gestern aufgefordert. Ich werde, wenn ich die Passworthürde schaffe, das auch tun, allerdings wahrscheinlich Andreas Stichmann meine Stimme geben. Aber eigentlich würde ich mehrere solcher benötigen, denn der erste Text hat mir sehr gut gefallen und dann der über die Schriftstellerreha und und und
Morgen Mittag werden wir es wissen und Sara Wipauer war gestern live dabei und hat auf ihren Blog darüber berichtet.
Die Flucht ohne Ende
“Die Flucht ohne Ende”, von Joseph Roth als Bericht tutuliert, beschreibt “die Geschichte meines Freundes, Kameraden und Gesinnungsgenossen Franz Tunda. Ich folge zum Teil seinen Aufzeichnungen, zum Teil seinen Erzählungen. Ich habe nichts erfunden, nichts komponiert. Es handelt sich nicht mehr darum zu “dichten”. Das Wichtigste ist das Beobachtete-“,Paris, im März 1927, Joseph Roth, beginnt das Vorwort lapidar und beeindruckend.
Dann geht sie los auf knappen hundertdreiundvierzig Seiten, die Geschichte des Oberleutnants der österreichischen Armee, der im August 1916 in russische Gefangenschaft geriet, in Wien mit einem bürgerlichen Fräulein namens Irene verlobt war und ihre Fotografie immer noch bei sich trägt. Mit Hilfe eines sibirischen Judens gelang ihm die Flucht, da er als Sohn eines österreichischen Majors und einer polnischen Jüdin Polnisch sprach und lebte bei diesem Polen namens Baranowicz einige Zeit, der ihm Papiere auf diesen Namen verschaffte und ihn als seinen Bruder ausgab. Weil der Pole sehr einsam lebte, erfuhr er erst 1919 vom Ende des Weltkrieges, dann wollte er nach Wien zurück, wurde aber von der roten Armee verhaftet und blieb einige Zeit “bei den Roten.”
Kam nach Moskau, trug den roten Stern, lebte mit einer Rotgardistin namens Natascha zusammen, die ihm seine Bürgerlichkeit vorwarf und ihn nicht verstand. Lebte sich mit ihr auseinander, war Filmvorführer, um das Volk mit revolutionären Filmen zu belehren, kam nach Buku, wo er als sich verheiratete, um irgendwann auf der Suche nach seiner seine ehemalige Braut, die sich inzwischen verheiratet hatte, zuerst nach Wien, dann in eine rheinische Kleinstadt, wo sein Bruder als Kapellmeister lebte, und zuletzt nach Paris zu kommen.
“Auf seinem langen Weg von Sibirien über Wien und Berlin nach Paris zeigt sich immer deutlicher, daß er mit dem Untergang des Habsburger Reiches nicht nur eine Heimat, sondern auch seine Idetität verloren hat!”, steht in der Beschreibung und der starke Ton Roths ist in seiner lapidaren Schlichtheit sehr beeindruckend.
“Glauben Sie, dass Sie imstande wären, mir präzise zu sagen, worin diese Kultur besteht, die Sie zu verteidigen vorgeben, obwohl sie gar nicht von außen angegriffen wird?”, fragt Tunda in Paris, wo die Damen mit Hüten und in Handschuhen ihre Kuchen essen.
“In der Religion!” – sagte der Präsident, der niemals die Kirche besuchte.
“In der Gesinnung” – die Dame, von deren illegitimen Beziehungen die Welt wusste.
“In der Kunst” – der Diplomat, der seit seiner Schulzeit kein Bild betrachtet hatte.
“In der Idee Europa” – sagte klug, weil allgemein ein Herr namens Rappaport.”
In Paris geht Tunda dann das Geld aus, trifft Irene wieder, die ihn nicht mehr erkennt und bekommt von seinem Bruder Baranowicz einen Brief nachgeschickt, der ihm schreibt, daß ihn seine Frau in Sibirien erwarten würde.
“Es war am 27. August 1926, um vier Uhr nachmittags, da stand mein Freund Tunda, 32 Jahre alt, gesund und frisch, inmitten der Hauptstadt der Welt und wußte nicht, was er machen sollte. Er hatte keinen Beruf, keine Liebe, keine Lust, keine Hoffnung, keinen Ehrgeiz und nicht einmal Egoismus. So überflüssig wie er war niemand in der Welt.”, beendet der “unerbittliche Erzähler” Roth, wie es Marcel Reich-Ranicki nannte, seine eindrucksvolle Beschreibung, wie es damals in den deutschen Städtchen, als noch die Fuhrwerke zwischen den Automobilen fuhren, sich die Kapellmeister noch Diener hielten und man in Gesellschaft allerhand Unsinn verzapfte und man kann sich vorstellen, wie das einer, der in dieser Zeit herumirrte, empfinden und daran zerbrechen konnte.
Joseph Roth wurde 1894 in Ostgalizien geboren, lebte ab 1918 als Journalist in Wien, dann in Berlin, von 1923-1933 war er Korrespondent der Frankfurter Zeitung. In den Neunzehndreißigerjahren erlangte er mit den Romanen “Hiob” und “Radetzkymarsch” Weltruhm. 1933 emigrierte er nach Paris, wo er 1939 verarmt starb. Einige seiner Taschenbücher habe ich mir zu einem seiner Jubiläums einmal gekauft, wo ich nicht mehr genau weiß, was ich davon gelesen habe. Der “Radetzkymarsch” war im elterlichen Bücherkasten und den Film, der in den Siebzigerjahren mit Guido Wieland ins Fernsehen kam, hat mich enttäuscht, weil soviel von der Monarchie die Rede war, was ich damals nicht verstanden habe und überhaupt micht interessierte. Jetzt habe ich das Buch herausgenommen und werde es noch wohl noch diesen Sommer lesen. Sonst habe ich von über Roth, der ja immer noch sehr verehrt wird und seine Fans hat, die ihn zur Gänze lesen bzw. Gesellschaften für ihn grünen, einige Ausstellungen und Veranstaltungen im Literaturhaus besucht und auch schon öfter geschrieben.
Vom 36. Bachmannlesen – Eröffnung und erster Lesetag
Die sechsunddreißigsten Tage der deutschsprachigen Literatur besser als Bachmannpreis bekannt, warfen ihre Schatten, so gibts derzeit im “Tag für Tag” immer etwas über die Kärntner Kunst und Kultur und sind, wie meine Leser vielleicht wissen auch für mich sehr wichtig.
Hätte ich ja schon 1977 beim ersten Mal sehr gern gelesen und da waren einige der Vierzehn, die heuer antreten dürfen, noch nicht geboren. Jetzt bin ich wahrscheinlich zu alt dazu, obwohl immer noch einige der Antretenden in den Neunzehnfünfzigerjahren geboren wurden und schreibe natürlich viel zu wenig abgehoben, zu naiv und zu realistisch.
So habe ich mir ganz ehrlich schon gedacht, warum ich mir dann soviel Zeit nehme und den Rest der Woche diesem Ereignis widme? Die Macht der Gewohnheit ist es wahrscheinlich, ist mir die Literatur ja sehr sehr wichtig, obwohl es mir eigentlich egal sein kann, wer von den vierzehn gewinnen wird.
Es ist aber zweifellos ein sehr wichtiges Ereignis und da es jetzt im Juli stattfindet, wo ich mit der Sommerfrische begonnen habe, bin ich auch nicht durch andere Literaturveranstaltungen, dem klinischen Mittag und meinen Stunden abgelenkt und das ist schon eine gesteigerte Lebensqualität mit dem Laptop auf der Terrasse oder wie jetzt bei der Eröffnung im Bett zu sitzen und nicht zwischendurch alles schnell nachzuschauen und danach statt im See zu schwimmen mit dem Rad an der Traisen entlangzufahren.
Wenn ich also diesen Preis schon nicht gewinnen kann, ist er doch ein sehr wichtiges Ereignis und heuer kann ich auch mit Cornelia Travnicek, die schon lange kenne und deren Blog, Facebook oder Tweets ich verfolge, ein wenig mitfiebern. Einige ihrer Bücher habe ich gelesen, die Fließtexte, die sie mir 2009 zu meinem Geburtstagsfest brachte, müßten noch auf meine Leseliste, zu den Mittleren IV habe ich sie eingeladen, bei den Textvorstellungen in der Alten Schmiede habe ich einmal mit ihr gelesen, den Lise Meitner Preis hat sie 2009 gewonnen und bei der Buch-Wien 2010 hat sie auch gebloggt….
Ansonsten kenne ich nur wenige der Lesenden, Leopold Federmair habe ich einmal in der Alten Schmiede gehört und war am Montag bei der Übersetzerlesung im Literaturhaus. Olga Martynova stand 2010 auf der Longlist des dBP und Sabine Hassinger hat möglicherweise mit dem Otto in Wien Musiktherapie studiert. Das ist alles oder nicht, denn es gibt ja seit einiger Zeit die Portrait der Vierzehn auf der Bachmannseite und die sind heuer besonders interessant und wie mir scheint psychologisch aufschlußreich. Denn einige eher konventionell, der Autor sitzt auf einem Stein und blickt ins Meer oder fährt auf dem Rad durch die Stadt und spricht dabei von seinem Schreiben, andere sehr ungewöhnlich Lisa Kränzler schreibt über sich in die Schreibmaschine. Einer läßt sich malen, einer inszeniert seinen Roman, Cornelia Travnicek putzt ihre Bubble-Tea-Filiale, eine mischt Farbkugeln in einer Schachtel und Isabella Feimer, auch eine Österreicherin, inszeniert sich dramatisch. Wenn man darüber Aussagen machen könnte, würde ich mal tippen, die Ungewöhnlichen gewinnen, da hätte Cornelia Travnicek einiges an Konkurrenz. Sie hatte aber Glück und eine schöne Startnummer, nämlich die sieben, denn wenn es Clarissa Stadler auch bestreitet, der Erste würde ich mal schätzen, hat schon wegen der Gruppendynamik keine Chance und es hat auch noch nie, glaube ich, einer gewonnen. Meistens gewinnen, die zuletzt lesenden. Da hätte Leopold Federmair eine Chance, aber sei doch nicht so ungeduldig, liebe Eva, noch ist es nicht soweit!
Noch habe ich meinen ersten Sommerfrischetag hinter mich gebracht. Klaus Amann zu Mittag mit Renata Schmidtkunst über die Kärntner Literatur diskutieren gehört, an meinem Text gearbeitet, bevor ich mir die literaturcafe tweets gegeben und das Filmchen angeschaut habe, das Wolfgang Tischner über seine Fahrt von Stuttgart nach Klagenfurt drehte. Er hat im Zug den “Volltext” gelesen und seine Gedanken zu dem angeblich größten deutschen Preis, ich denke, es ist immer noch ein österreichischer, geäußert. Die Deutschen scheinen das anders zu sehen, aber die Eröffnung lag wenigstens ins österreichischer Hand und begann mit der Sass n Brass Band “gnadenlos groovy und funky!”, wie Clarissa Stadler sagte. Dann eröffnete diesmal eine Frau Direktor, Willy Haslitzer scheint ja schon in Pension gegangen und lud die Herren Sponsoren ein zu ihren Reden. Der Vizebürgermeister erzählte viel von seiner Liebe zur Literatur. Klaus Amann dürfte das, glaube ich, ein bißchen anders sehen, zumindest hat er zu Mittag aufgezählt, wie wenig die Literatur in Kärnten gefördert wird und Bibliothek hat Klagenfurt noch immer keine. Dafür kann man sich jetzt Bücher auf sein Handy laden und in der Stadt scheint es Bachmannzitate zu geben. Das Berühmteste “Die Wahrheit ist dem Menschen…” wurde gleich ein paarmal zitiert und dann kam Ruth Klüger mit ihrer Rede “Der haltbare Satz im Bimbam der Worte – Ingeborg Bachmann Wahrheit und Dichtung”, zitierte zuerst Goethe, bevor sie zu der Bachmann, ihren Gedichten, “Udine geht” und zuletzt zu den “Drei Wegen zum See” kam.
“Es gibt den See – man muß den Weg nur finden.”
Dann kam noch einmal die Frau Direktor und eröffnete das Gartenfest, wo sich dann alle tummelten, bevor es am Donnerstag um 10. 15 mit der Lesung des 1964 in Mainz geborenen und in Finnland lebenden Stefan Mosters weiterging.
“Der Hund von Saloniki”, hieß der Text. Das Literaturcafe sprach von langatmiger Beschreibungsprosa, überlegte, ob der Hund eine Metapher für den Euro sei und mir gefiel dieser Text sehr gut. Ein Vater fährt mit seiner Tochter mit der Fähre auf den asiatischen Teil der Türkei und denkt dabei an seine Jugend, als er mit achtzehn nach Saloniki fuhr, sich dabei von seiner Liebe trennte und von einem Hund gebissen wurde. Auslöser für das Denken ist das Bild, daß Hunde in das Meer geworfen werden und das Entsetzen der Tochter, die und das ist die Frage, die ich an den Text hätte, freiwillig ein Kopftuch trägt. Denn in Istanbul muß man das, glaube ich, nicht. Ansonsten gefiel mir die realistische Sprache, die Hundemetaphern, die auch von der Jury kamen, hielt ich für übertrieben, sondern verstand ihn als Zeichen der Veränderung. Damals fuhr man Interrail in die Freiheit Griechenlands, das heute wirtschaftlich am Boden liegt und man trägt in Istanbul schon Kopftuch, was noch nicht ganz der Realität entspricht.
Ein bißchen schwerer tat ich mir dann mit Hugo Ramneks Text “Kettenkarusell”, das ist ein 1960 geborener Kärntner, der in Zürich als Lehrer und theaterpädagoge lebt, bei Wieser einen Roman herausgegeben hat, der “Der letzte Badegast” heißt und von dem ich, glaube ich, schon einmal etwas gehört habe. Um es flapsig zu formulieren, würde ich sagen, die Slowenenfrage hatten wir schon im vorigen Jahr und ein solcher Text wird wahrscheinlich kein zweites Mal gewinnen. Er hat mich aber auch nicht so ganz, wie der Moster Text angesprochen, obwohl es auch um die Jugenderinnerungen des Protagonisten ging, der mit dem Zug oder Bus nach Klagenfurt ins Gymnasium fährt, während der ehemalige Schulfreund mit den falschen Eltern, schon eine Station früher aussteigt.
Dazwischen klappte sowohl mein Computer als auch die Bachmannseite zusammen. Ich kochte Mittagessen und widmete mich dann der 1988 geborenen Schweizerin Mirjam Riechner, die ebenfalls als Lehrerin arbeitet.
“Bettlägrige Geheimnisse” heißt der Text und war sehr interessant, weil er sowohl die Jury spaltete, als auch zwischen sehr schönen und noch nicht so gekonnten Wendungen hinundherpendelte.
Im Allgemeinen würde ich vermuten, daß er nach den Kriterien der Riesenmaschine und dem Vorbild Kathrin Passigs “Sie befinden sich hier” konstruiert wurden. Zwei Lehrerinnen werden in einer Hüte eingeschneit, eine stirbt dabei und dabei hat die Autorin noch Zeit die Schriftsteller mit Luftballons zu vergleichen und manchmal sehr schöne Sätze einzufügen.
Mein bisheriger Favorit kam am Nachmittag, nämlich der Hamburger Andreas Stichmann, 1983 geboren, Absolvent von Leipzig, seltsamerweise las er einen Text über den er schon sein Filmchen drehte und ich dachte, das darf man nicht.
“Der Einsteiger” heißt der Romanausschnitt, der gleich mit dem schönen Satz beginnt “Als Ana krank wurde, dachte ich “Gott sei Dank” und dann zeigte sich, daß auch realistische Texte durch surreale Seiten haben können, an denen die Jury zu kiefeln hatte.
Nämlich Ana und der Erzähler leben in einem Abbruchhaus, der Erzähler träufelt Ana warmen Schnaps ein, wie das die Pflegemutter bei ihm getan hat und dann will er ihr ein schönes Zuhause, eine schöne Wohnung bieten und steigt in eine bürgerliche Wohnung mit Mutter, Vater, Kind ein, verletzt sich dort den Knöchel, liegt unterm Sofa und die Ebenen vermischen sich.
Ich hoffe einen Preisträger vor mir zu haben, obwohl nicht alle Jurymitglieder von der Neuartigkeit des Textes überzeugt waren. Dann kam die Musiktherapeutin Sabine Hassinger, 1958 in Bad Kreuznach geboren, die in Wien studierte, einen sehr poetischen Film, als Einstimmung auf ihren Text hatte, in dem es um Texte ging, die sie einmal Ernst Jandl schickte und ihr Text, stehend vorgetragen und von Daniela Strigl vorgeschlagen “Die Taten und die Laute des Tages” hatte es in sich.
“Kunstkacke”, las ich in den Tweeds vom Literaturcafe und fast hätte ich gedacht, es würde jemand sagen, ein solcher Text sprengt den Rahmen und gehört nicht hierher. Haben wir überhaupt noch die Zeit für einen solchen Text?”, fragte die neue Jurorin und wurde von Daniela Strigl und anderen überstimmt, die meinten, daß das der Grund sei, warum sie sich Literatur beschäftigen. Das Fernsehen war aber pragmatischer und blendete, als die Zeit um war, einfach aus. Im Saal und im Internet durfte man dranbleiben und meine Meinung zu der experimentellen Poesie, zu Andrea Winkler und Richard Obermayr etc ist ja auch bekannt, obwohl ich ihr ihren Wert nicht abspreche, jeden schreibe lasse, wie er will, das aber auch für mich selbst beanspruchen würde. Schade nur, daß ich nicht eingeladen werde, weil zu wenig abgehoben, nicht künstlerisch genug…
Sabine Hassingers Text war das aber sehr, die Juroren waren begeistert, die meisten Leser werden mit der l` art pour l` art vielleicht nicht soviel anfangen. Ich bin gespannt, ob und welchen Preis sie gewinnen wird und setze mich demnächst auf das Rad.
Nachricht an alle
“Ein dichtes Portrait gesellschaftlicher Stimmungslagen und politischer Abläufe” schreibt Wolfgang Thierse, von der neuen Gesellschaft über Michaels Kumpfmüllers 2008 erschienenen Roman “Nachricht für alle” für den er 2009 den Alfred-Döblin-Preis bekommen hat, der die Rezensenten, wie man bei Perlentaucher.de lesen kann, teilweise enttäuschte bzw. nicht befriedigt hat.
“Wir stürzen ab – betet für mich!”, lautet das SMS, daß Minister Selden in der Nacht in einem klimatisierten Hotel in Amerika von seiner Tochter bekommt und wir sind mitten drin in den “Nachtrichten für alle” leben wir ja in einer mediendominierten Zeit, wo man alles hautnah im Fernsehen übertragen bekommt und so lesen wir in dem Roman von Zuständen in denen wir 2008, natürlich sehr von nine elefen geprägt, lebten.
Wahrscheinlich ist es das, was die Kritiker nicht so überzeugte, denn der spannende Thriller, den man man heute schreiben muß, um die Leser zu befriedigen, ist es eigentlich nicht. Eher eine solche Gegenwartsbeschreibung, wie ich sie auch gern liefere und damit ebenfalls meine Kritiker, wie ich beispielsweise in der Augustin Schreibwerkstatt erlebte, nicht wirklich überzeugte, obwohl man damit, was mich wieder überzeugt, beispielsweise den Döblin-Preis gewinnen kann.
“Denn da passiert ja nichts!” oder “Das kennen wir schon aus unserem Alltag, wir wollen das Abgehobene haben!”, wie man immer hören kann und es passiert auch viel auf den dreihunderteinundachtzig Seiten. Alltag, Realität aus der Politikersicht eines Sicherheitsstaates, ist es Deutschland oder Frankreich, so genau hat sich Kumpfmüller hier nicht festgelegt, ein europäisches Land ist es jedenfalls und sehr vieles erscheint uns sehr bekannt.
Der Roman ist sehr kunstvoll aufgebaut, beginnt er doch mit einem Vorteil “At the bottom of everything”, hat ein Nachkapitel “Linger on” und dazwischen drei Teile und drei Chöre bzw. zwölf Kapitel und ist ein bißchen vage geschrieben, so daß mir nicht wirklich klar wurde, ob der Flugzeugabsturz Anishas jetzt ein Unfall oder ein Terrorakt war?
Sie ist jedenfalls die Tochter des Innenministers eines, wie im Buchtext steht “mitteleuropäischen Landes, das gerade in eine schwere Krise stürzt.”
Die Streiks, sozialen Unruhen und diffusen terroristischen Bedrohungen, die er Text weiter angibt, werden in den folgenden Kaptieln genausso vage ausgeführt. Der erste Teil ist aber sehr genau, das Begreifen oder Nichtbegreifen der Katastrophe, die einzelnen Schockphasen, die so eine Nachricht mit sich bringt wird genau beschrieben. Wir erfahren auch ein bißchen über den Minister. Mitte Fünfzig ist er, die Tochter Anisha stammt offenbar aus der früheren Beziehung mit Ruth. Die jetzige Gattin heißt Britta und ist Malerin, berufsbedingt sehen sich die beiden kaum. Selden wird von seinem Sekretär Per begleitet, der alles für ihn checkt, der hat eine Frau namens Annie, die gerade schwanger ist. Der Premier heißt Nick. So weit, so gut. Dann geht es in den ersten Teil. Da lernen wir die anderen Personen kennen. Es gibt eine Journalistin namens Hannah, die mit ihrem Fotografen Erik zu den sozialen Unruhen geht, wo Firmen geschlossen werden, Aktionisten sich anketten etc. Tick, Trick, Track und ein Mädchen namens Mania gibt es auch und einen Schriftsteller? namens Rubber, der ein bißchen in dem angedeuteten terroristischen Geschehen mitzumischen scheint. Es gibt auch die Stimme eines Sicherheitsmannes, der ein bißchen vom Leben der Security und der Bodyguards erzählt und die der Selbstmordattentäter des Islams und die Chöre, die so etwas, wie gesellschaftliche Analysen betreiben und das Leben mit Ritanil, Massenüberflutungen, den “Nachrichten an alle” sozusagen, das wir führen, ein bißen durchleuchtet.
Eine Handlung gibt es ebenfalls, auch wenn sie, wie beschrieben, ein bißchen vage ist und dem nicht sehr aufmerksamen Leser in dieser Flut an Informationen leicht entgleiten kann, was aber auch symptomatisch für die Zeit in der wir leben und daher beabsichtigt sein kann.
Selden wird also durch den Tod seiner Tochter erschüttert, trotzdem gehen die Unruhen und die Wahlkämpfe weiter, er hat sich mit seiner Frau auseinandergelebt, lernt die Journalistin Hannah kennen, wird gemobbt, sein Privatleben und das einer früheren Geliebten wird an die Öffentlichkeit gezerrt. Fährt mit Hannah an einen kleinen Ort, dort sind schon die Terroristen, es kommt zu einem Anschlag und einer lebensgefährlichen Verletzung. Er hat aber Glück, wird sogar Premier und im Schlußteil, Jahrzehnte später, wo die meisten der handelnden Personen schon gestorben sind, fährt der dreißigjährige Staranwalt Mattis mit einem Mädchen namens Anisha durch den Wald, um seinen Vater in einen dieser Seniorenparks für Prominente, wo diese abgeschirmt und abgesichert von der inzwischen kaputt gegangegen Öffentlichkeit, ihre Bücher schreiben oder in den Tod gepflegt werden, zu besuchen. Er ist der Sohn Hannahs, die inzwischen in Amerika Karriere machte und, daß das Mädchen Anisha, wie die Tochter aus einer anderen Beziehung heißt, ist Zufall weiter nichts und fast alle, die um Selden waren, Per, Britta etc, sind gestorben, nur er ist vorläufig übergeblieben, schreibt an einem Buch, stützt sich schwer an einem Stock und hat am Morgen Schwierigkeiten mit dem Aufstehen…
Ja und, daß er in seiner Jugend ein begeisteter Anwalt war, der, bevor er in die Politik eingestiegen ist, die Welt retten wollte, habe ich noch vergessen.
Micchael Kumpfmüller ist 1961 geboren, der Roman mit dem er berühmt wurde heißt “Hampels Fluchten”, im vorigen Jahr hat er mit “Die Herrlichkeit des Lebens”, dem Roman über Kafkas Liebe zu Dora Diamant mediales Aufsehen erregt und war damit, glaube ich, sowohl in Frankfurt als auch auf der Buch-Wien. Verheiratet mit Eva Menasse, lebt in Berlin, steht in Wikipedia.
Das Buch stammt aus einem der 3.90 Abverkäufe, die es bei Thalia in der Kremsergasse immer wieder gibt und das Lesen war interessant, weil mich das realistische Schreiben ja sehr interessiert.
“Sehr spannend! Kumpfmüller weiß, wie Politiker leben!”, hat Elke Heidenreich noch zitiert.
Vier Jahre Literaturgeflüster
Jetzt gibts wieder eine Jubelmeldung, denn das Literaturgeflüster gibt es seit vier Jahren. Am dritten Juli 2008 habe ich sehr zögernd ein paar Sätze hingeschrieben. Habe mich inzwischen verlängert und auch ausgebreitet. Es zwar nicht ganz bis zum 1111. Artikel geschafft, sondern nur zum 1109. bzw. 1105., aber die sind, wie ich Katharina Riese vor ein paar Tagen geschrieben habe, mit Herzblut verfaßt und meiner Meinung nach nicht aggressiv. Die anderen sehen das vielleicht anders und denen geht möglicherweise mein ständiges Jammern, daß ich es nicht und nicht in diesen Literaturbetrieb schaffe, obwohl ich doch so fleißig bin, so viel und manisch schreibe und mich so sehr bemühe, auf die Nerven, mag sein.
Das Literaturgeflüster ist sehr wichtig für mich geworden und ich denke auch, daß es ein ziemlich einzigartiges Archiv über den Wiener und auch anderen Literaturbetrieb geworden ist, in dem man manches nur bei mir finden kann. Denn wer schreibt so viel über die Poet-Nächte, Frankfurt, Leipzig, die Buch-Wien, das Rund um die Burg-Festival, etc.
Als ich vor vier Jahren am frühen Vormittag, bevor sich der Alfred in die WU aufmachte, ein paar rasche Sätze hingeworfen habe, habe ich nicht ahnen können, was daraus entsteht und, wie genau und konsequent ich Tag für Tag mein literarisches Leben beschreiben werde. Das zwar ein bißchen anders ist, als das der “richtigen” Literaten, denn ich stehe ja am Rande und komme, soviel ich mich auch bemühe nicht hinein. Weiß aber trotzdem viel davon, besuche ich ja schon fast vierzig Jahre regelmäßig literarische Veranstaltungen und beschäftige mich auch sonst viel mit Literatur.
“Literatur ist eine Lebensform!”, habe ich einmal gehört und das gilt, auch wenn Ilse Kilic mir da widersprochen hat, für mich. Meine Lebensform ist sie. Ich habe zwar einen Brotberuf von dem ich lebe und den ich auch sehr bemüht und intensiv betreibe, aber sonst habe ich seit dem ersten Artikel vor vier Jahren über zehn Bücher geschrieben und acht, glaube ich, herausgebracht, alle selbstgemacht. Habe seit dem die Bücherschränke, wie die Schwammerln aus dem Boden sprießen, mein Leseverhalten eindeutig gesteigert. Auf meiner Bücherliste, die es, seit einem Jahr gibt, kann man mein Leseverhalten öffentlich nachvollziehen und die Veranstaltungen, die ich seither besucht und besprochen habe, kann man gar nicht zählen. Für mich ist es sehr wichtig, es ist meine Form, mich in diesem Literaturbetrieb, der mich ja sehr links liegen läßt, zu behaupten. Ich schreibe viel und merke mit Erstaunen, daß man auch im World wide net nicht bemerkt werden kann und so bin ich im letzten Jahr auch in eine ziemliche Krise gekommen, die zu soetwas wie Resignation führte. Eine Lesung, wo außer dem Alfred und dem Veranstalter keine Zuhörer waren, eine Literaturgala, wo sie mich trotz Literaturgeflüster und öffentlicher Ausschreibung in der Zeitschrift Buchkultur nicht hineinließen, ein paar Kritikerinnen, die mich auf meine Fehler hinweisen und vor allem die Erkenntnis, daß es mir trotz Literaturgeflüster und manischen Schreibens einfach nicht gelingt, aufzufallen und wahrgenommen zu werden. Inzwischen denke ich mir, das gehört halt zu mir und ist das Besondere meines Schreibens. Ich schreibe sehr ehrlich und ziemlich unbemerkt und habe meine Leserzahl nicht wirklich steigern können. Aber das ist eigentlich egal. Ein paar neue Followers habe ich gefunden. Siebenundzwanzig sind eigentlich sehr wenig. Es sind aber immer interessante Bekanntschaften, die sich da ergeben und mich eine Zeit begleiten. Dann ziehen sie sich wieder zurück, denn eine wirkliche literarische Diskussion scheine ich nicht zustande zu bringen. Bin aber vielleicht auch ein bißchen autistisch, bzw eigensinnig und schreibe für mich hin, wie ich es will.
So bin ich aus der Resignation, wie ich hoffe, wieder hinausgekommen und werde weiterschreiben für mich und für die, die mich lesen wollen. Es gibt auch den Plan zu einem Literaturgeflüsterbuch mit einer kleinen Auswahl aus den tausendeinhundert Artikeln. Facebook und Twitter sind für mich fremd. Ich blogge lang, umständlich und genau, habe einige Artikel, die immer wieder angeschaut werden, wie die Rezension zu “Scherbenpark” oder “Abschreiben, Textmontieren, Schreibwerkcamp”. Ein paar Autoren verlinken mich auf ihren Seiten oder schicken Kommentare, wenn ich auf ihren Veranstaltungen war. Andere wollen wieder nicht, daß ich zuviel über sie schreibe.
Ich bin aber auch ein bißchen stolz so viel über Literatur zu wissen und mich im Literaturbetrieb gut auszukennen, auch wenn ich meistens auf der Publikumsseite sitze. Daß die offenen Bücherschränke vor zweieinhalb Jahren, wie die Schwammerln aus dem Boden sprossen, betrachte ich als besonderes Geschenk und auch, daß es jetzt, pünktlich zum Sommerbeginn, bei Thomas Wollinger eine Online Schreibwerkstatt gibt, bei der ich mich begeistert beteilige. Ich bin auch da ziemlich allein unterwegs, kann mich aber noch gut erinnern, daß es so zwischen 2003 und 2006, wird es gewesen sein, bei einem Standard Gewinnspiel mitmachte und natürlich nicht die Teilnahme zu seiner solchen gewonnen habe. Ich hätte nur mit zehn Prozent Ermäßigung daran teilnehmen können. Dann mache ich sie mir eben in der Sommerfrische allein, habe ich gedacht und bin dann in Harland herumgesessen und habe nicht gewußt, wie das geht. Dabei wäre es doch ganz einfach. Einfach auf die Straße gehen und dann mit Einbeziehung aller Sinne ein paar kleine Texte schreiben.
Jetzt habe ich das gemacht, obwohl ich eigentlich schon drüberstehe und sehr sehr viel geschrieben habe. Also auf ins fünfte Jahr, obwohl mein Speicherplatz vielleicht bald zu Ende geht, nicht alle das Literaturgeflüster so, wie ich zu goutieren scheinen, ich aber so selbstbewußt, wie möglich und so gut wie ich es kann, meinen literarischen Weg weitergehen will.
Am Mittwoch wird das Bachmannlesen in Klagenfurt beginnen, an dem ich auch ganz gern teilgenommen hätte und die Sommerfrische, wo ich viel zu schreiben bzw. korrigieren haben werde und da denke ich inzwischen, nehme ich das Lektorat, von dem ich manchmal höre, das es mir fehlt, ohnehin vorweg, nur die “s”, die “Fälle” und die “Beistriche” korrigiert mir der Alfred, bin also eigentlich auch ziemlich professionell.
Also selbstbewußt ins fünfte Literaturgeflüsterjahr mit vielen neuen Literatureindrücken, Veranstaltungen und Büchern, die ich sowohl lesen als auch selber schreiben werde und für alle Interessierte gibt es hier das Archiv.
Übersetzt von…
Eigentlich hätte ich ja heute zum Kindo unter Sternen gehen sollen, das es im Juli als Alternative zum Filmfestival am Rathausplatz gibt, aber in der Alten Schmiede gibt es noch bis Mitte Juli ein Programm, so daß ich die nächsten zwei Montage wahrscheinlich dort verbringen werde und heute wäre was in der Galerie Wechselstrum in der Grundsteingasse, einem sehr bekannten Ort, etwas gewesen, wo ich mir meine Bücherschränke anfüllen hätte können. Wort Musik von Ferdinand Schmatz, Annelie Gahl und Klaus Lang im Rahmen von Sound Barrier, Festival für Hörkunst im Raum, aber dann erfuhr ich bei Christiane Zintzen im Literaturhaus lesen die Staatspreisträger für literarische Übersetzung, der gestern in Klagenfurt im Vorfeld des Bachmannpreises vergeben wurde und ich disponierte um.
Seit einigen Jahren wird der österreichische Staatspreis für literarische Übersetzung in Klagenfurt vergeben. Da war ich natürlich nie, weil es diesen Preis 1996, als ich einmal dort war, offenbar noch nicht gegeben hat. Ich war aber vor ein paar Jahren bei einem Fest für Gert Jonke im Literaturhaus, glaube ich und da hat Uta Roy-Seifert gesprochen und beklagt, daß der Preis in Klagenfurt vergeben wird, denn wär fährt denn gern nach Klagenfurt? und dieser Satz hat sich bei mir eingeprägt, bzw. habe ich ihn für den “Wilden Rosenwuchs” “gestohlen”, wo eine weißhaarige alte Frau im bunten Seidenkleid herumwandelt und sich beim Bachmannpreislesen im ORF Theater in der Sponheimer Straße in die erste Reihe setzt.
Ja, ja, Klagenfurt ist ja bald soweit, das Spektakel, das seit vorigen Jahr eine Woche später stattfindet und gestern wurde der Übersetzerpreis an Leopold Federmair und Ljubomir Iliev vergeben und die Übersetzergemeinschaft hat inzwischen offenbar eine Reihe “Übersetzt von…” im Literaturhaus und so sind die beiden Herrn heute von Klagenfurt nach Wien gefahren und Leopold Federmair, der inzwischen in Japan lebt und den ich, als ich um viertel acht noch rasch zum Bücherschrank schauen wollte, begegnet bin, wird morgen und übermorgen wieder dorthin fahren, denn er ist auch Literat und darf beim Bachmannpreis lesen.
Es ist derzeit sehr heiß in Wien und so füllte sich das Literaturhaus nur langsam. Dem Hern vom BMMUK, den ich immer um die Staatspreiseinladungen ersuche, habe ich aber gesehen, Uta Roy-Seifert und Hannelore Kofler, die ich eigentlich nicht erwartet hätte, aber ich verstehe ja nicht viel vom Literaturbetrieb.
Eine Übersetzerin eröffnete. Ines Mitterer, eine Radiomoderatorin, die auch das Fach studierte, moderierte und fragte die beiden Preisträger sehr viel.
Ljubomier Iliev, 1949 geboren, ist ein Bulgare und hat Goethes “Faust” und Rilke, aber auch Daniel Kehlmann übersetzt und der 1957 in Wels geborene Leopold Federmayr, der seit einiger Zeit in Japan lebt, vorher lange in Argentinien war und dort unter anderem Tango tanzte, übersetzt aus dem Spanischen, Italienischen und Französischen. Darunter auch Gerhard Kofler, was für mich eine Überraschung war, dachte ich doch, Kofler hätte sich selbst übersetzt.
Die Diskussion war sehr interessant, alle Fragen tauchten auf und wurden geklärt, beispielsweise, daß sich Ljubomir Iliev zwischen dem Schriftsteller und dem Übersetzer entschieden hat, denn im Schreiben wäre er nicht so gut wie der alte Goethe, sondern nur mittelmäßig, geworden und real sozialistisch wollte er ebenfalls nicht schreiben. Er hat auch Musils “Mann ohne Eigenschaften” übersetzt, aber das durfte erst nach der Wende erscheinen und Böll war vorher auch verpönt.
Er las dann den “Panther” und ein paar Rilke Sonette, weil alle Österreicher Rilke auswendig können und Federmair erzählte die Geschichte, wie er einmal von Japan nach Paris geflogen ist, um fünf Uhr morgens im Regen noch im Jet lag im Quartier Latein bei einer Buchhandlung gestanden ist, dort ein Buch von Michel Deguy gesehen hat und das aufgeschlagene Gedicht gleich übersetzte. Er übersetzt jetzt auch aus dem Japanischen hat er noch erzählt, dann ein paar Stücke Kofler gelesen und einen Text von Jose Emilio Pacheco.
Nachher gab es Wein, Kuchen und Knabbergebäck und ich habe Leopold Federmair alles Gute für Klagenfurt gewünscht.
“Ich werde mein Bestes geben!”, hat er gesagt und ich bin gespannt, höre ich ja immer wieder von dem Autor Federmair und war auch in der Alten Schmiede als Martin Kubaczeks “Sorge ein Traum” vorgestellt wurde, mit dem er damals gelesen hat.
Rohtextrapport
Pünktlich zu Beginn der Sommerfrische kann ich schreiben, daß der Rohtext von “Kerstins Achterl” einmal steht. Die aktuellen Zahlen sind dreiundfünfzig Szenen, hundertvierzehn Seiten und siebenundfünfzigtausendeinhundertachtundsiebzig Worte. Die Euphorie ist nicht mehr ganz so groß, wie sie noch vor eineinhalb Wochen war, als ich in der Alten Schmiede saß und statt den konkreten Dichtern zuzuhören, in mein Notizbuch schrieb und schrieb. Dann kamen ein paar schlaflose Stunden in einem schönen Wellnesshotel in Göstling an der Ybbs, wo ich zwar mein neues Notizbuch, aber nicht den Text mithatte und das mögliche Ende aufnotiere. Zwei Szenen werden es noch werden, habe ich dann etwas später geschrieben. Die stehen jetzt und gehören natürlich, korrigiert und korrigiert. Dafür habe ich jetzt auch einen schönen Schreibesommer, so daß erfahrungsgemäß noch ein paar Seiten wegkommen werden. Einen Schreibbericht kann ich dennoch geben, bin ich ja eine strenge Kritikerin und so denke ich natürlich, hallo, da hast du am 22. 5. mit dem Schreiben angefangen und bist am 30. 6. mit dem Rohtext fertig. Das kann doch kein guter Roman werden? Aber ja, doch natürlich! Denn das Ziel mit den hundert Seiten ist ja geschafft und überschritten und ich kann allen nur empfehlen, wenn man sich eine Struktur gibt, an die man sich anhalten kann, geht es auch. Schreibt man nur ins Blaue, was auch gut sein kann, wie ich es bei der Paula Nebel tat, ist man vieleicht nach fünfzig Seiten fertig und hat eine Novelle. Die Struktur hilft wenigstens mir sehr und in große Fallen bin ich diesmal nicht gestolpert. Auch das, was ich “An die Wand schreiben” nenne, ist diesmal nicht passiert. Bei den letzten zwei Texten war das so. Bei der “Wiedergeborenen” sogar sehr stark, denn da wußte ich nicht recht, wie ich das mit den drei Figuren, Großmutter, Mutter, Tochter, machen soll und hab die Theresa am Anfang erzählen lassen und war schon festgelegt. Diesmal hat sich das Problem kaum gestellt. War das, worüber ich geschrieben habe, ja ziemlich neu für mich, so daß die Gefahr, daß ich mich zu schnell in meine Klischees hineinbegebe und zu nichts Neues komme, diesmal nicht so passierte. Am Schluß, den letzten zwei Szenen, die gestern und vorgestern geschrieben habe, bin ich wahrscheinlich doch hineingekommen und muß überprüfen, was ich daran ändere? Aber das Ganze immer wieder durchkorrigieren, ist etwas, was mir sehr hilft und das muß ich jetzt gründlich tun und bezüglich Schluß wahrscheinlich kritisch fragen “Wiederholst du dich da nicht zu sehr und mußt es vielleicht doch verändern?”
Ich behaupte ja sehr oft, das Bloggen über mein Schreiben hilft mir sehr. Denn mein größter Feind, ist ja meine Hemmung und das “Das darfst du und das kannst du nicht!”, in meinem Kopf, das sofort da ist und sich so einfach nicht vertreiben läßt.
Da war die Verhaltenstherapeutin diesmal erfolgreich und hat den inneren Zensor wenigstens für kurze Zeit auf Urlaub geschickt.
“Doch kann ich schon!” und, daß, was ich da über die Schwierigkeit die realistische Texte haben können, beklagte, hat sich am Freitag im Literaturhaus ja auf vorderster Front widerlegt. Robert Schindel schreibt ja auch Schlüßelromane und darf das tun und ein Schlüßelroman ist “Kerstins Achterln” gar nicht und Literatur kommt nur an einer Stelle vor, nämlich dort, wo Kerstin bei der Literaturgala fotografiert und dabei eine kleine Bloggerin beobachtet, die in den erlauchten Rahmen nicht hineindarf, obwohl die Veranstaltung öffentlich angekündigt war. Das habe ich mir erlaubt und jetzt werde ich mir die nächsten Wochen Zeit nehmen, mein kritisches Augen auf die hundertvierzehn Seiten zu werfen und wenn es geht, immer dort, wo es noch zu flach ist und es nicht stimmt, korrigieren und ändern. Stimmt, das muß ich noch lernen. Bin ich ja eine, die aus lauter Freude, daß überhaupt was weitergeht, vielleicht drüberschreibt. Also immer wieder “Aufpassen, Eva!”, rufen. Sonst bin ich zufrieden und denke schon, ich bin besser als mein Ruf und daß der sehr schlecht ist, konnte ich ja leider erst am Mittwoch merken, am Freitag kam aber das Aha-Erlebnis, mit dem “Das kann ich eigentlich auch!” und traurig nur, daß ich das offenbar nicht rüberbringen kann. Wie zeige ich das her, wenn die Leute, denen ich meine Bücher zeigen, die gar nicht mehr anschauen und nicht zu meinen Lesungen gehen? Da kommt jetzt auch noch die reale Gefahr dazu, daß es dauern kann, bis das korrigierte Manuskript zu einem Buch wird, da der Alfred derzeit keine Zeit dazu hat und ich das allein nicht kann oder erst lernen muß. Aber vielleicht mache ich das, wenn ich mit dem Korrigieren fertig bin, statt mit dem nächsten Text zu beginnen. Notfalls müssen meine Leser mit meinen scharfen “ß” und meinen Beistrichfehlern leben.
Also keine verzweifelte Stimmung bei meinem letzten, wieder sehr schnell entstandenen Roman. Was ja nichts macht, sondern gut ist, daß ich eine so Schnelle, so Beharrliche und Disziplinierte bin. Was mir fehlt, ist nach wie vor die Anerkennung und die kann mir auch das Literaturgeflüster nicht so, wie ich es mir wünsche, geben, aber jetzt kommt manchmal die Erkenntnis, wenn ich meine Texte mit denen der anderen vergleiche. Da hilft das Lesen auch viel weiter und da hätte ich in den letzten Tagen auch meinen Sommerlesestoff mit Friedrich Torberg, Anne Frank, Peter Weiss, etc in den Bücherkästen gefunden. Aber ich habe ja meine Leseliste und da steht auch Spannendes darauf.
Trotzdem sage ich mir wieder “Langsam, Eva!” und werde, nach dem Radfahren und dem Baden, als nächstes kommt “Nachricht an alle” von Michael Kumpfmüller zum Lesen dran und den anderen Sommerfrischenvergnügen, so genau, wie ich es nur kann, mit dem Korrigieren beginnen und mir ein paar aufrechte Leser wünschen, die mein Besserwerden, vielleicht bestätigen, weil man ja das objektive Feedback braucht. Aber es ist, wie es ist, ich kann diese Welt nicht ändern, nur weiterschreiben bzw. korrigieren und schauen, daß ich aus den Fallen, in denen ich sicher noch drinnen bin, herauskomme. Schauen, wo noch Fehler sind, wo es noch nicht passt und sonst mit mir zufrieden sein, was ich nach 1103 bzw. 1107 Artikeln und zwei Tage vor dem vierten Geburtstag des Literaturgeflüsters, wohl auch darf!
Sprachkunstabschluss und Fest für Robert Schindel
Daß am Freitag im Literaturhaus etwas über die Lesarten der Sprachkunst ist, hatte ich in meinem Kalender notiert. Es ist bei uns, weil der Alfred seinen Vater in der Rehab besuchen, in St. Pölten einkaufen und Rasen mähen muß, momentan aber ein wenig hektisch, so daß wir eigentlich am Abend nach Harland fahren wollten, dann hörte ich am Donnerstag aber das Morgenjournal und erfuhr dort einige sehr interessante Sachen.
Nämlich Robert Schindel zieht sich als Professor vom Institut für Sprachkunst zurück, um sich endlich wieder seiner Literatur zu widmen oder in Pension zu gehen, beide Versionen habe ich gehört. Ferdinand Schmatz wird sein Nachfolger werden und die ersten Absolventen schließen ihr Studium mit dem Bachelor ab. Grund genug ein großes Fest zu feiern. Meistens gibts zu Saisonschluß und zu Saisonbeginn ein solches im Literaturhaus n und da ich diesen Hochschullehrgang vom Beginn, seit Cornelia Travnicek im August oder September 2009 bloggte, daß man sie dort wegen Überqualifizierung nicht genommen hat, verfolge, bei den Studentenlesungen, dem Symposium für Sprachkunst und auch bei einigen der Lesartveranstaltungen war, wo bekannte Dichter eingeladen wurden, intensiv verfolgte und auch für das Literaturgeflüster darüber berichten wollte, habe ich umdisponiert und dem Alfred überredet, daß wir erst fahren, wenn ich das Buffet halbwegs “leergegessen” habe. So war es dann auch und so bin ich seit längerem wieder einmal im Literaturhaus gewesen und war auch noch so früh daran, daß außer Robert Huez noch nicht viele Leute anwesend waren.
“Ich werde wieder bloggen!”, habe ich ihm gesagt und er hat mir “Freut mich!”, geantwortet, was mich wieder freute, weil ich ja am Mittwoch etwas anderes hören konnte, wurde da mein Blog sehr aggressiv gefunden, was mich einigermaßen verwirrte, denn das ist er, glaube ich zumindestens, nicht.
Nach und nach sind die Besucher eingetroffen, darunter eine Schweizer Autorin, die auch am Montag bei den Reitzer Textvorstellungen in der Alten Schmiede war und mich nach der Friederike Mayröcker Lesung fragte, die am Donnerstag war und die ich leider versäumte, weil ich Donnerstags einen Abendklienten habe.
Die Prominenz, die Lehrer und Lehrerinnen der Sprachkunst sind ebenfalls eingetroffen und ein mir unbekannter sehr würdevoll aussehender älterer Herr.
Robert Huez begrüßte, dann kam der Rektor der Angewandten und der ehemalige Bundesminister Scholten, der mir, als ich einmal bei einer Preisverleihung von Robert Menasse, im Literatur war, die Hand gab, in meinem Text, den ich nicht bei dem gleichnamigen GAV-Symposium “Was schreiben was tun!”, vorgetragen habe, habe ich darüber geschrieben.
Rudolf Scholten bekannte sich als Freund von Robert Schindel, verriet seine Leidenschaft fürs Pilzesammeln und fürs Gorgonzolaessen und der alte Herr entpuppte sich als ein Sektionschef Roul Kneucker und der enthüllte die Geschichte des Lehrgangs für Sprachkunst. Robert Schindel hat sich seit 2000, glaube ich, sehr dafür eingesetzt. Ab 2005 gab es dann Arbeitsgruppe und Pläne, das in Heidenreichstein anzusiedeln, denn dort ist ja die “Literatur im Nebel”, die offenbar auch von Robert Schindel gegründet wurde. Dann kam der neue Institutsvorstand, der experimentelle Dichter Ferdinand Schmatz und der gab ein paar Punkte an, die für Robert Schindel wichtig sind und dokumentierte das in seinen und auch in einem Schindel Gedicht.
Gustav Ernst hatte zwei Dialoge, die, wie er meinte, für das Institut passend seien. Einer ging um das Singen in der U-Bahn, das der eine will und der andere nicht. Barbara Hundegger, die Lyrikerin las zwei frühe Gedichte, die ein sehr geduldiger Lektor Schindel betreute und zwei letzte, eines ging über Berge. Barbara Hundegger ist ja eine Tirolerin. Dagmar Leupold hatte eine Fußballgeschichte und Lydia Mischkulnig erinnerte an die seligen Bachmannzeiten 1996, wo sie las und auch einen der Preise gewonnen hat. Robert Schindel damals noch nicht Juror, verfolgte das Geschehen in der Kantine und gratulierte ihr zu ihrem Preis und Doron Rabinovici erinnerte an die Waldheim-Zeiten, wo er sich mit Schindel im Cafe Alt-Wien getroffen hat. Dann kam Angelika Reitzer und die Studierenden überreichten ihren Lehrer eine Abschlußmappe mit ihren Texten. Blumen wurden auch überreicht und das Buffet eröffnet. Da habe ich mich, angesichts der mangelnden Zeit, getraut mich als erste zu bedienen, mich ein wenig mit Ludwig Laher unterhalten, der auch ein neues Buch hat und bin dann noch vor der Orhan Kipcak Band gegangen. Habe im Wortschatz am Margaretenplatz wieder einiges gefunden, was ich zum Teil schon hatte, so Peter Henischs “Eine sehr kleine Frau” z.B. oder Roths “Hotel Savoy”, aber auch Adolf Haslingers Buch über den “Jungen Peter Handke”. Das wird den Peter Handke Spezialisten unter meinen Lesern höchstwahrscheinlich freuen. Apropos offener Bücherschrank, da gibts am Samstag ja die Abschlußlesung in der Grundsteingasse und da habe ich, als ich am Donnerstag zum Klinischen Mittag ging, zufällig Frank Gassner getroffen, der mir sagte, daß Dagmar Fischer, eine der Gewinnerinnen ist, die länger lesen darf und noch etwas Erfreuliches habe ich für die Sprachkunstinteressierten meiner Leserschaft, zu berichten, was zum Thema passt. Thomas Wollinger bietet eine kleine Online-Schreibwerkstatt an. Da habe ich mich sowohl, als Schreibende als auch als Kommentierende beteiligt und dabei prompt etwas über meine Schreibweise erfahren, obwohl ich mir, da ich am Freitag meine Abrechnung machen mußte, gar nicht die erforderlichen fünfundvierzig Minuten Zeit genommen habe. Das Bild hat mich in seiner “Unwirklichkeit”, eine Frau mit Hut und einem Stäbchen in einer Baugruppe sehr gehemmt, so daß mir das einsteigen und das losgfabulieren gar nicht leicht gefallen und ein halb theoretischer Text daraus geworden ist, was auch viel über mein Schreiben sagt und jetzt hätte ich fast das Wichtigste vergessen. Robert Schindel hat nämlich auch gelesen und zwar aus seinem neuen noch unveröffentlichten Roman und das ist auch sehr interessant, geht es da nämlich, um das Mahnmahl bei der Albertin, um den Bürgermeister und einen rabiaten Bildhauer, der natürlich nicht Hrdlicka heißt, eine Kulturstadträtin etc und ich dachte mir, das ist genauso geschrieben, wie ich es gerne tue und immer höre, daß man so auf gar keinen Fall schreiben kann. Es wurde aber sehr geklatscht. Robert Schindels Kultroman “Gebürtig” habe ich übrigens auch einmal im Wortschatz gefunden und freu mich auf das Lesen.
Als die Glocke verstummte
Manchmal findet man im offenen Bücherschrank ganz seltsame Bücher. Raissa Orlowas “Als die Glocke verstummte – Alexander Herzens letztes Lebensjahr”, aus dem Karin Kramer Verlag Berlin, 1988 erschienen. Raissa Orlowa?, Alexander Herzen? Nie gehört, also Google und Wikipedia bemühen und da findet man heraus, daß Raissa Dawydowna Orlowa-Kopelewa, 1918 in Moskau geboren, 1989 in Köln gestorben, russische Schriftstellerin und Amerikanistin, die zweite Ehefrau von Lew Kopelew war und mit ihm 1981 aus der Sowetunion ausgebürgert wurde. Sie lebte dann in Köln und war mit Heinrich und Annemarie Böll befreundet. In ihrem ersten Buch “Die Türen öffnen sich langsam” hat sie beschrieben, wie schwer es für sie war in Deutschland anzukommen.
“Als die Glocke verstummte” ist ihr viertes Buch und da kann man sich zu Alexander Iwanowitsch Herzen googlen, 1812 in Moskau geboren, 1870 in Paris gestorben, der ein russischer Philosoph und Schriftsteller war und leider, wie Raissa Orlowa schreibt “habe ich im Westen mit Betrübnis entdeckt, daß Alexander Herzen, ein Weltbürger, der über Westeuropa so viele brillante Seiten geschrieben hat, fast unbekannt ist.”
Zuerst ist aber der Sohn eines russischen Adeligen und einer aus Stuttgart kommenden Deutschen in Russland ziemlich feudal aufgewachsen. Seine Eltern schlossen zwar keine richtige Ehe und nannten ihn Herzen, weil er ein Kind des Herzens war. Er studierte und schloß sich intellektuellen revolutionären Kreisen an, wurde verhaftet, sowie verbannt und verließ 1847 mit seiner Familie Russland in Richtung Europa. Hier ist dann der Weltbürger herumgefahren,lebte dreiundzwanzig Jahre im Westen, in Nizza, Zürich, Vichy, Florenz, Genf, Brüssel, Aix -les -Bains und Paris und gab mit seinem Freund Ogarlow, die erste freie Zeitschrift “Die Glocke” heraus und gründete in London, die freie russische Druckerei. Das steht in einer Art Vorwort auf der ersten Seite, wo Raissa Orlowa auch erzählt, daß sie mit ihrer Arbeit über Herzen schon Ende der Siebzigerjahre in Moskau begonnen hat.
“Damals ahnte ich nicht, daß ich je in Genf die Häuser suchen würde, in denen Herzen gelebt hat.”
Daß das Buch nur das Jahr 1869, Herzens letztes Lebensjahr, beschreibt, ist seltsam und originell, Raissa Orlowa meint, daß es ein sehr wichtiges Jahr ist. Für jemanden wie mich, der den Namen Herzen vorher noch niemals hörte, in der Sowetunion der Siebzigerjahre war er Schullektüre und sich auch mit der russische Revolution nicht so auskennt, ist das ein wenig schwierig. Zum Glück gibt es aber Wikipedia, wenn ich das Buch in den Achtzigerjahren gelesen hätte, hätte ich mir viel schwerer getan. Gibt es zwar eine Art Einleitung, dann geht es aber gleich los mit Briefen und Textauszügen und wenn man keine Ahnung von Alexander Herzen und der “Glocke” hat, schwimmt man ein wenig.Ich bin aber historisch interessiert und es tauchen auch immer wieder bekannte Namen auf. Michael Bakunin zum Beispiel. Mit Sergej Netschajew einem anderen Revolutionär, der im Leben Herzens offenbar eine große Rolle spielte, tue ich mir schwerer und von der Literatur- oder was auch immer Zeitung “Die Glocke” habe ich auch nicht viel mitbekommen, was aber wahrscheinlich an mir liegt und Raissa Orlowa ohnehin immer Textbeispiele gibt.
Herzen ist jedenfalls in einem Russland aufgeachsen wo es noch Leibeigene gab und die Gutsherren die Bauern prügelten, er hat auch die 1848 Revolution miterlebt und die russische vorausgeahnt. Dann gab es Schwierigkeiten mit seinen Ehefrauen und seinen Kindern und im letzten Lebensjahr war er auch krank. Er hatte Diabetes und offenbar ein wichtiges Werk “Briefe an einen alten Genossen” geschrieben, dem im Buch ein ganzes Kapitel gewidmet ist.
Herzen ist im Jänner 1870 gestorben. Im Herbst 1870 erschien in Genf das Buch I. A. Herzen “Sammlung nach dem Tod veröffentlichter Arbeiten”, herausgegeben von seinen Kindern. In seiner Heimat wurde er erst nach der Revolution von 1905 veröffentlicht und war in der Sowetunion, wie Raissa Orlowa in ihrem Nachwort schreibt, Pflichtlektüre. Es gibt die Memoiren eines Russen und da den Band drei “Gedachtes und Erlebtes”, der Raissa Orlowa durch ihr ganzes Leben führte.
“Seit der Kindheit habe ich es immer gelesen, in Ausschnitten oder im Ganzen.”
“Ist heute eine Zeit für Alexander Herzen?”, fragt Raissa Orlowa weiter, die von 1976-1988 an dem Buch geschrieben haben dürfte.
“Wenn ich dazu beitragen könnte, daß Herzens Bücher in Deutschland neu gelesen würden, wäre ich glücklich”, lautete der letzte Satz.
Das ist ist wahrscheinlich nicht gelungen. Mir war der Name Herzen jedenfalls unbekannt. Bei Wikipedia kann man aber etwas über ihn finden und dank des offenen Bücherschrankes und dem oder der, die es hineinlegten, habe ich ein Stückchen Nachhilfe in Sachen Russische Revolutionäre und russische Literatur bekommen. Ja, richtig Dostojewski und seine “Dämonen” kommen auch immer vor, sowie L. Tolstoj.