Sommer am Wasser

“Ja!”, dachte sie und hatte sich aufs Rad gesetzt. Sommer und Wasser das kann schön sein. Liebe, Waschtrog, Sommerfrische und das Mädchen im knappen Bikini, das dabei ist, in den See zu springen, kennen wir aus dem Werbeprospekt. Im Fremdenverkehrsmuseum gibt es eine Ausstellung der alten Plakate.
“Ich hab das Fräulein Helen, baden sehen, das war schön, da kann man Waden sehen, beim Badegehen, knapp und schön!”, haben damals doch die alten Herren im gestreiften Tricot gesungen. Theo Lingen und Konsorten. Mit verdrehten Augen auf die Waden und den Busen starren. Das ist vorbei, das Freibad längst in Mode, die Herren dürfen mit den Damen baden und brauchen nicht mit dem Feldstecher durch das Loch im Zaun hindurchblinzeln und sie ist mit dem Rad zum See unterwegs. Im Korb liegen Badetuch, Buch und Wasserflasche. Ein Vöslauer Mineralwasser ist es nicht, stattdessen ein Soda Zitrone, der Haustrunk der früheren Zeiten und das Wetter ist auch nicht so besonders schön. Zum Glück hat es aber zu regnen aufgehört, so kann sie ihre tägliche Radfahrt machen. Aber sie ist sowieso nicht so empfindlich und hat als Kind in der Schule gelernt, daß man bei jeden Wind und Wetter hinausgehen soll. Also das Rad genommen, so wie sie das täglich in ihrer Sommerfrische, auch so ein altmodisches Wort von vorgestern, praktiziert und ein Stück die Traisen entlangfahren. Wenn man von Harland kommend nach St. Pölten fährt, hat man gar keine andere Chance als an den Seen vorbeizukommen. Freizeitpark hat es eine Freundlin einmal genannt. Das Erholungsgebiet zwischem den Ratzersdorfer und den Viehofner Seen, die seit einigen Jahren durch eine Brücke verbunden sind, die überdacht und im dunklen Braun gehalten, ein bißchen an die japanische Gartenwelt erinnert. An den Ratzersdorfer See ist sie schon früher gern gefahren, damals als sie noch täglich von St. Pölten nach Wien pendelte, um ihren Vater zu betreuen. Da hat sie sich manchmal in der Bäckerei ein Baguette gekauft und ist mit ihrer Wasserflasche direkt an den See gefahren. Ein Buch und einen Block zum Schreiben hatte sie auch in der Handtasche. Selber nur die Zehen in den See gesteckt, ist sie doch bißchen wasserscheu, den anderen aber beim Schwimmen zugeschaut, den Gesprächen der Badenden gelauscht, sich inspirieren lassen. Manchmal war die kleine Tochter dabei und als einmal der Frans aus Holland auf Besuch gekommen ist, sind sie an den Erlaufsee gefahren und er ist durch den ganzen See geschwommen. An der Traisen kann man auch das Wasser genießen und manchmal sogar ein Paddelboot bewundern. Ansonsten baden dort die Hunde und sie fährt am See entlang, wo gerade die Bühne für das große Event am Abend aufgebaut wird. Leider ist das Wetter doch nicht ganz so schön geworden, daß sie ihr Badetuch am Wasser ausbreiten kann. Also am FKK Gelände vorbei über die Brücke an die andere Seite gefahren, wo inzwischen zwei schöne Seen die Bevölkerung zur Erholung lockt. Früher gabs dort ein NS-Zwangslager, wie der Historiker Manfred Wieninger zu enthüllen wußte und man jetzt auf Tafeln nachlesen kann. Auf der einen Seite gibts die “Seedose”, die die Zeitschrift “News” schon einmal zum besten Restaurant der Gegend kürte. Kann man da ja auf der Terrasse sitzen und bei einem Gläschen Prosecco aufs Wasser schauen. Ein kleines Küßchen darf zur Steigerung der Gefühle auch dabei sein oder eine Tasse Schokolade mit oder ohne Schlagobers trinken, wie sie es gerne mag. Sie ist aber weitergefahren. Am Parkplatz, wo man in Richtung Traisenpark, dem Einkaufscenter, wo sie sich manchmal in der Schokothek Katzenzungen kauft, abbiegen kann, vorbei, das Weglein neben der Bahn eingeschlagen und bis zur Abzweigung entlanggestrampelt, wo man an den anderen See gelangt. Dort gibt es eine Aussichtswarte. Hundert oder so Stufen hinaufgelaufen, das Fahrrad an den großen Abfallskübel gelehnt und von oben die Wasserwelt betrachten. Ein älterer Herr hat das schon vor ihr getan und läuft mit seiner kleinen Enkeltochter um die Wette am Plateau herum. Die Kleine quietscht vor Vergnügen. Die Oma liegt unten im Bikini auf dem Badetuch und schaut ehrfurchtsvoll hinauf. Ein wenig schwankt die Aussichtswarte von den schnellen Schritten, auf die beiden Seen, Dom und Klangturm, die Sehenswürdigkeiten von St. Pölten läßt es sich trotzdem schauen und zu regnen hat es auch angefangen. Also Badetuch, Buch und Wasser ganz umsonst eingepackt. Die Regenpelerine wäre passender gewesen.
“Husch, husch!”, kreischt die Oma unten und kommt mit der langen Hose und der Regenjacke hinaufgestürmt. Der Opa hat die Kleine aber schon auf die Schulter genommen, um hinabzusteigen.
“Sommer im Regen, Sommer am Wasser ist schön!”, denkt sie noch einmal, als sie langsamer die hundert oder so Stufen hinuntergestiegen ist und sich auf ihr Rad setzt, um die Rückfahrt nach Harland an der Traisen anzutreten.

Kuriose Suchanfragen

Wer ist wann, warum auf meinen Blog gekommen? Die Antwort darauf geben die kuriosen Suchanfragen, ein beliebter Pausenfüller der Blogaktivisten und da ich mich ja literarische betätigen will, übernehme ich die Idee und surfe ich ein bißchen in der Statistik des 25. 7. herum. Gabriele Petricek und Dine Petrik kann ich da an oberster Stelle finden. Ja, natürlich das sind zwei österreichische Schriftstellerinnen, die beide ähnliche Namen haben und beide bei der GAV Mitglied sind. Natürlich kann man sie verwechseln und beide haben auch bei den Mittleren gelesen. – Zwykowo ist ein kleiner Ort in Ostpreußen, heute Polen, wo es noch die Störche gibt und sonst nicht viel, zumindestens kein Restaurant, nur ein freundlicher Bauer kommt herangelaufen, zeigt sein Museum her und hat auch Kaffee. – Ayoub “Marie ein Fall” kann ich als nächstes lesen und nicht wirklich weiterhelfen. Susanne Ayoub ist eine GAV-Kollegin, deren Lesungen ich regelmäßig besuche und über die ich auch schon öfter geschrieben habe. Über dieses Stück aber glaube ich nicht, es gibt aber einen Text von ihr im der neuen Volksstimme-Anthologie.- Sergej Nossow wieder keine Ahnung, wer ist das und man ihm bei mir findet. Nach der verstorbenen Tochter Erika Pluhars wird, glaube ich, öfter gefragt und von der schreibenden Schauspielerin habe ich zwei Bücher gelesen und besprochen, eines habe ich bei einem Gewinnspiel gewonnen und war ganz erstaunt, als ich es im Postkasten fand, weil ich schon vergessen hatte, daß ich da einmal teilgenommen habe. Ulrich Bechers “Nachtigall will zum Vater fliegen” habe ich erst vorige Woche besprochen und einen Dr. Klopstock gibt es darin auch. Das Programmheft des Arbeitskreises der Südtiroler Lehrer von 2012 ist sicherlich sehr interessant und Romy Schneider, natürlich kommt sie sofort in meinen Blog, wenn ich ihren Namen anläßlich der “Radetzkymarsch”-Besprechung” erwähne. Als ich vor zwei Jahren bei einer Placido Domingo Aufführung vor der Oper war, fragte mich auch ein paar Tage der Fan-Club an. htp:literaturgefluester.wordpress.com/2010/08/14.wir müssen uns irgendwie ähnlich sein. Ja richtig dieses Buch habe ich an diesem Tag besprochen. Herwig Bitschke hat es mir geschenkt, als ich ihm im Residenz Verlag besuchte, den er damals leitete. – jandl gedichte texte. Da gibt es sehr viel und einiges ist davon wohl auch im Literaturgeflüster zu finden. Kommt man um den Großen der österreichischen Literatur ja nicht herum und Präsident der GAV oder Generalsekretär war er ja, glaube ich, einmal auch. Mit dem Bus an den Neusiedlersee bzw. nach Sopron bin ich vor einem Jahr gefahren. Ob es das Reisebüro Leitner war, habe ich keine Ahnung.
Persönliche Fragen an eine Frau? Ob da die Antwort “sexy nackte Männer mittleren Alters” ist? Texthobel Empfehlung steht als nächstes. Da müßten wir Thomas Wollinger fragen. Aber leider ist sein Blog gerade auf Sommerfrische. Aber macht ja nichts, vielleicht hilft auch die Texthobel-Lesung im Cafe Anno im Februar 2011 ein wenig weiter.“223 oder das Faustpfand” ist ein kürzlich erschienener Roman von Manfred Wieninger. Wie man den Bachmannpreis gewinnt? Wenn ich das wüßte. Das würde ich ja sehr gern. Wie wahrscheinlich viele andere. Angela Leinen hat ein Buch darüber geschrieben. Die Antwort ist darin aber auch nicht enthalten. Rezension “Fetzer oder die Ordnung der Dinge”, die findet man nicht bei mir. Ottwald John ist ein sehr rühriger Schauspieler, den ich oftmals im Literaturhaus, beim Lesetheater oder auch bei Ruth Aspöck treffe, soviel ich weiß, hat er auch bei der Lesetheateraufführung über Joe Berger am Montag im Gastaus Sittl mitgemacht. Ich war aber nicht dort sondern am Rathausplatz, da ich ja sehr sparsam bin und nicht sehr viel in Wirtshäuser gehe, aus diesem Grund war ich auch nicht bei der Sommerlesereihe im Cafe Prückl. Das “Antwerpener Testament” ist ein Roman von Evelyn Grill, ebenfalls im Residenz Verlag erschienen. Ich bedanke mich für die Rezensionsexemplare. Jaqueline vellguth Amazon – wieso kommt man da zu mir, betreibe ich ja das Literaturgeflüster, aber über Jaqueline Vellguth die ja den Schriftsteller werden Blog betreibt oder betrieb, habe ich schon viel geschrieben und sie nur leider 2010, als ich sie in Leipzig treffen wollte, verpasst. Bei ihren Gewinnspielen habe ich einmal ein schönes Paper Blank und einmal einen zehn Euro Amazon Gutschein gewonnen, vielleicht ist das die Antwort auf die Suchanfrage. “Bewohnte Frau” Kommentare. Ich habe nur das Buch gelesen. Literaturdebatte um 2000. Kann man die im Literaturgeflüster finden. In Linz wird es wahrscheinlich mehrere Buchhandlungen geben. Den Thalia auf der Landstraße könnte ich jetzt spontan empfehlen und langer Text zum Abschreiben ist die häufigste Suchanfrage, wie man zu meinem Blog kommt. Schreibe ich ja sehr lange Texte. Andreas Tiefenbacher ist ein Autor, ich war glaube ich, einmal bei seinen Textvorstellen und Ruth Aspöck ist Autorin, Feministin und wahrscheinlich eine sehr liebe alte Freundin von mir, die sehr oft auf meinen Blog kommt und mir dann sehr liebe Kommentare schreibt, ein neues Buch über Franz Grillparzer hat sie, glaube ich, auch geschrieben. Ob es schon erschienen ist weiß ich nicht, da müßte ich selbst eine Suchanfrage stellen. Dafür aber einige Buchbesprechungen. Die “Emma” steht noch auf meiner Leseliste und kommt demnächst dran. – Italienische Liebesromane gibt es sicher sehr viele, amore. amore, amore, bei einem war ich im März nachdem ich aus Leipzig zurückgekommen bin, in der Hauptbücherei. “Scheckiger Hund der am Meer entlangläuft” ist eine Erzählung von Tsinigis Aitmatow, in den DDR Ausgaben heißt es so. Wenn man das Buch bei Rowohlt liest, muß man unter “Der Junge und das Meer” suchen. Ein sehr eindrucksvolles Stück Literatur, ich kann es sehr empfehlen. In den offenen Bücherschränken kann man manchmal Tschingis Atimatow Bücher finden. Also hingehen und suchen, ich werde mir der Kuriosität halber, aber beide Ausgaben behalten und in der einen gibt es ja auch eine andere Geschichte, die ich noch lesen muß.- Peter Vogel Selbstmord. Da sind wir wieder bei Erika Pluhar gelandet und das war, glaube ich, ein sehr guter Schauspieler an dessen Filme ich mich noch erinnern kann. In “Am Ende des Gartens” kann man, wenn ich mich nicht irre, ein bißchen was darüber finden.- Ich dachte es wäre ein Buch? Ach ja, was sollte es sonst sein, eine Banane vielleicht oder ein Apfel? Aber richtig, heutzutage muß man zwischen E-Book und Printausgaben sehr genau unterscheiden. Sagen wir also es war eines und lesen, denn das kann ich wirklich sehr empfehlen. – Hugo Salzmann? Da bin ich im Moment selbst ein wenig ratlos und müßte raten oder googlen. – Das wars und für alle, die sich jetzt nicht auskennen und was ist denn das für ein Kuddelmuddel kommentieren wollen. Es war ein Rundgang durch die Suchanfragen des Tages und der Versuch eines literarischen Textes für das Literaturgeflüstertexhtebuch. Interessant, was meine Leser alles wissen wollen. Anna Weidenholzer Buchpreis war übrigens bei den Suchanfragen vor ein paar Tagen zu lesen. Da bin ich gleich auf die deutsche Buchpreisseite gegangen, die man jetzt auch per facebook verfolgen kann. Die Longlist wird aber erst im August bekanntgegeben. Wär schön wenn sie mit ihrem neuen Buch, das glaube ich auch im August bei Residenz erscheinen wird, darauf zu finden ist. Ja, bei mir gibts viel Literarischen zu finden und als vor fast zwei Jahren der Name Valerie Fritsch sehr oft angefragt wurde, hatte das mit dem Fm4 Preis zu tun.

St. Pölten im Regen

Sich wieder einmal durch St. Pölten treiben lassen und ein bißchen Hauptstadtluft schnuppern und nicht nur schnell, wie meist, das Rad bei der Traisenbrücke abstellen, die Wienerstraße bis zur Kremsergasse hinunter gehen oder vorher (am Samstag) beim Markt abzweigen oder in den Thalia hinein, das ist es dann, wenn ich überhaupt so weit komme. Denn meistens fahre ich gar nicht in die Stadt hinein, sondern zum Lidl einkaufen oder eine Runde um den See, wenn ich in Richtung St. Pölten fahre. Es gibt natürlich Ausnahmen, so habe ich einmal einen Hauptstadttag gemacht und bin mit einem Heftchen durch die Stadt gegangen, habe die Hotels gesucht und auch ein bißchen das literarische Leben recherchiert. Das Heftchen, wo alles drinnen steht, war das ja noch vor den Literaturgeflüsterzeiten, muß noch irgendwo liegen, aber meistens ist St. Pölten nur am Samstag interessant für mich, wenn ich den Alfred auf den Markt begleite oder wenn ich die Thalia Abverkaufskiste plündern will.
Das erste Mal in meinem Leben, daran kann ich mich genau erinnern, bin ich 1977 nach St. Pölten gekommen. Da hatte ich vorher mein Dissertantengespräch und bin dann mit dem Herrn Lembacher vom Klub der logischen Denker zum Pfingsttreffen nach St. Gallen gefahren. Nur leider hatten wir bei St. Pölten eine Panne, mußten in eine Werkstatt und sind, glaube ich, auch ein bißchen im Sparkassenpark spazierengegangen. Das zweite Mal war es dann schon mit dem Alfred, den ich ja 1982 kennenlernte.
1986 ist die Stadt dann Hauptstadt geworden, ein Land ohne Hauptstadt ist wie ein Gulasch ohne Saft, etc, hat es damals geheißen, vom Fisch ohne Fahrrad ist bei den Slogans, glaube ich, nichts gestanden. Vorher war die Hauptstadt Wien und ganz vorher war Wien, glaube ich, in Niederösterreich. Am 10. Juli 1986 gab es in St. Pölten aber ein großes Hauptstadtfest, da bin ich mit der kleinen Anna hingegangen und die Litges hat in der Konditorei auf der Kremsergasse, die es, glaube ich, nicht mehr gibt, gelesen. Ja mit der LitGes bin ich irgendwann durch eine Sitzung der IG Autoren auch in Kontakt gekommen, da habe ich die Doris Kloimstein kennengelernt und sollte einmal mit dem Manfred Wieninger in der LitGes lesen. Ein bißchen über das literarische St. Pölten habe ich auch in “Nebenwohnsitz Harland-Stadt” recherchiert, als der Alois Eder Texte über Harland haben wollte, da habe ich ausgehend von Manfreds Wieningers Krimis, die ja in einer Stadt namens Harland spielen, die eigentlich St. Pölten ist, eine Geschichte geschrieben, die dann im Best of 2 Eva Jancak Lesebuch enthalten ist und mein literarisches Bild Doris Kloimstein, Zdenka Becker etc, das dort enthalten ist stimmt ja immer noch. Zu Ostern gehe ich seit einigen Jahren bei den Spaziergängen der LitGes mit, war da auch bei einigen Veranstaltungen und Robert Eglhofer, der Freund Ruth Aspöcks, die ihn während der Radkarawane kennenlernte, hat 2010 ein Interview von mir bei Etcetera herausgebracht. Das war es dann schon, der Hauptstadttag den ich einmal machte und wirklich einen Tag lang in der Stadt herumgegangen bin, war ja, glaube ich, schon 2000 oder so. Denn sehr viel gibt es in St. Pölten noch immer nicht zu sehen. Ein paar Mal bin ich auch auf den Klangturm hinaufgefahren und St. Pölten ist mit seinen elf Stadtteilen von denen einer Harland ist, auch viel größer, als das Grätzl um die Kremsergasse mit dem Rathaus- und dem Domplatz, wo es den Markt am Donnertag und am Sonntag gibt. Im Sommer gibts am Rathausplatz das Filmfestival, das Cinema Paradiso gibt es auch. Und Robert Eglhofer hat uns einmal zu Silvester eine Stadtführung gemacht. Vor zwei Jahren ist sich einmal das Höfefest ausgegangen, wo es auch ein paar Lesungen gegeben hat und gelegentlich gehe ich, wie erwähnt zu Thalia, durchschnüffle die Abverkaufskisten oder schaue mich bei den Neuerscheinungen um, 2009 habe ich die Verkäuferin nach den deutschen Buchpreisproben genervt, die ich mir inzwischen immer von der Presseabteilung schicken lasse, weil das Buch zumindestens in Österreich nicht zu bekommen. Im Internet habe ich gesehen, wird die 2009 Ausgabe inzwischen um neun Euro zum Verkauf angeboten. Ja in die Buchhandlung Schubert, die inzwischen einen Nachfolger hat, gehe ich auch gelegentlich, um mir das Buch zum Welttag des Buches zu holen und Doris Kloimstein habe ich zweimal getroffen und es wenn es im August die Frequency gibt ärgere ich mich, daß ich mit dem Rad nicht nach St. Pölten fahren kann. Seit ein paar Jahren habe ich auch immer versucht St. Pölten für das Literaturgeflüster ein bißchen literarisch aufzumotzen und so dachte ich, nachdem ich vorige Woche fast ein bißchen in das Sommerloch gefallen bin, mache ich wieder mal einen Hauptstadttag. Ein paar kleinere Versionen davon habe ich zwischendurch hin und wieder auch einmal gemacht, wo ich ein bißchen mehr und länger in St. Pölten spazierengegangen bin und im vorigen Jahr hatte ich, bevor der erste Bachmann Lesetag in Klagenfurt angefangen hat, einen Gutschein vom Leiner für ein T- Short, das ich mir schnell abholte und habe dabei Alfred Komerek, glaube, ich in der Nähe des scharfen Ecks getroffen. Also ein Remake des St. Pölten Hauptstadttags mit einem Block in der Hand durch die Stadt laufen, aufschreiben, recherchieren und dann ein Literaturgeflüster-Goody daraus machen. Aber erst am Donnerstag. Da ich ja immer gern und zwanghaft einmal links und einmal rechts an der Traisen abbiege und da wäre am Mittwoch ja eigentlich die Richtung Ochsenburg fällig gewesen. Die Brille von Alfred Vater war aber zerbrochen und brauchte eine neue Fassung. Der Alfred hat sie letzten Donnerstag zum Hartlauer, am scharfen Eck, da sind früher, als es noch keine Autobahn gab die Autos gefahren, die entweder nach Linz oder Wien wollten, gebracht und wollte sie am Samstag holen. War aber noch nicht fertig. Jetzt war es soweit und ich sollte sie holen und am Morgen regnete es auch noch.
“Du kannst doch nicht jetzt in die Stadt fahren?”, sagte meine Schwiegermutter. Aber ich gehe eigentlich bei jeden Wind und Wetter spazieren oder Radfahren und lasse mich auch nicht von den schärfsten Regengüßen abhalten. So habe ich die Regenpelerine übergezogen, den Schirm genommen und bin losgezogen. Einen kleinen Block und einen Kugelschreiber habe ich auch noch in das Umhängetäschchen gestopft. St. Pölten bei Regen ist ziemlich leer. Diese Erfahrung habe ich schon am vorvorigen Freitag gemacht, als ich eigentlich das Hauptstadtfest suchen wollte und nach der Bachmannlesung in die Stadt gefahren bin. Kurz vor sechs bin ich da eingetroffen, es schaute ein bißchen nach Gewitter aus und bei Thalia haben sie gerade die Abverkaufskisten eingeräumt. Um zehn Uhr Vormittag waren die Geschäfte offen und die Baustellen in Betrieb und so bin ich, nachdem ich die Brille hatte und auch noch Brot und Pudding für die Schwiegermutter einkaufte, durch die Stadt spaziert. Ein bißchen mehr und länger als nur durch die Kremser und die Wienergasse. In der Linzergasse wo es einmal die LitGes gab und sich auch die Bühne im Hof befindet, gibt es ein Cafe Gerstl, mit der Dichterin hat es wahrscheinlich nichts zu tun, und sonst sehr viele leerstehende Geschäfte, wie es sie auch in Wilhelms- und in Herzogenburg gibt. Vor zehn Jahren habe ich ja die Hotels gesucht, jetzt habe ich einige gefunden und durch den neugestalteten Bahnhof bin ich auch spaziert, bzw. mir beim neuen Mc Donald dort, einen Cheeseburger mit Tomate zu einen Cafe Latte vergönnt und in den beiden Krimi Zeitungen gelesen, die ich mir vorher vom Thalia holte. Dort habe ich wegen der nassen Regenpelerine und dem nassen Schirm nicht so viel geschmökert, wie vor zwei Jahren, als ich nach dem Putzen mit dem Rad hingefahren bin. Ein bißchen aber schon und es gibt dort ja auch einen Stoß der 3.99 Abverkaufsbücher, den ich gern umschichte. Ein paar Fundstücke hätte ich schon gefunden, zum Beispiel Trojanows/Zeh “Angriff auf die Freiheit”, aber ein Buch um 3.99 ist mir schon zu teuer, ich bin da ein bißchen pizzelig, ich weiß. Es gab aber schon ein interessantes Fundstück, nämlich “Kafka für Eilige” aus dem Aufbau-Verlag. Wenn ich nicht so naß gewesen wäre, hätte ich mich damit in die Sitzecke gesetzt und mir noch Cornelia Travniceks “Chucks” und das Hans Fallada Bilderbuch mitgenommen. Denn Kafka für Eilige ist ja ein Widerspruch, eilig kann man Kafka bestimmt nicht kennenlernen. Bin ich ja mit meinem “Handke für Eilige”-Versuch vor einem Jahr eingefahren. Das Buch also nicht durchgeblättert. Wenn ich mir einmal Kafka vornehme, werde ich mir Zeit dafür lassen, so weit bin ich aber noch nicht und bei den Neuerscheinungen gab es Emily Waltons “Senfglas” neben Flasars “Ich nannte ihn Krawatte”.
“Chucks gab es einen Tisch weiter und dazwischen immer wieder sehr viel Chick Lits. Danach auf einen Imbiß zu MC Donald, wenn man dort aufs Klo will, muß auch schon wie auf der Autobahn in Richtung Leipzig, fünfzig Cent einwerfen und durch ein Drehkreuz gehen. Man bekommt dann einen Gutschein, was macht man aber, wenn der Cheeseburger schon gegessen ist? Ich bin durch den Bahnhof und in Evis Naturkostladen gegangen und habe dann noch einmal eine Runde um die Stadt gemacht, bevor es zum Rad zurückging. Dann hatte es, wie das meistens so ist, zu regnen aufgehört und ich bin im Trockenen nach Hause gefahren. Ich bin aber ein ungeduldiger Mensch, der nicht warten kann und will und es ist auch schön im warmen Sommerregen Rad zu fahren oder durch die Stadt zu gehen. Im Regen bin ich auch schon öfter an der Traisen Radgefahren, beispielsweise damals beim Höfefest, als ich Robert Eglhofer im Rathaus traf und mit dem Alfred ausmachte, ihn in Harland zu treffen und mit ihm zur Frischmuth Lesung zu fahren. Ich habs gemacht und bin mit der Regenpelerine zurückgefahren, der Alfred hat aber geglaubt, ich wäre in der Stadt geblieben und war schon fort, so daß wir dann zu spät gekommen sind.

Radetzkymarsch

Jetzt habe ich also auch den “Radetzkymarsch” gelesen, jenen 1932 erschienenen Roman, Joseph Roth mit dem er berühmt geworden ist. Ich habe es ja schon öfter geflüstert, meine Geschichte zu dem Buch, das es im Bücherkasten meiner Eltern, eine Büchergilde-Gutenbergausgabe mit den Initialen meiner Mutter R. J., Rudolf Prack auf der Umschlageseite auf der Rückseide ist Romy Schneider als Sissy mit dem jungen Karl Heinz Böhm zu sehen, gegeben hat, ist ein sehr ambivalentes.
Ich habe es, als ich meinen Vater betreute, sehr oft in der Hand gehabt, aber nicht gelesen, denn für Joseph Roth habe ich mich sehr interessiert, aber nicht für einen Roman, in dem es über die Monarichie und Männer geht und die Frauen nur als Liebhaberinnen, Haushälterinnen oder in Bordellen aufscheinen. In den frühen Siebzigerjahren im Gartenhäuschen meiner Eltern, in dem ich damals meine Sommerfrischen machten, gab es den Film von Michael Kehlmann, dem Vater des Daniel, mit Helmut Lohner in der Hauptrolle, an Guido Wieland kann ich mich noch erinnern und Gertraud Jesserer spielte, glaube ich, eine Hure, eine der wenigen Frauenrollen, an denen ich mich erinnern kann und war enttäuscht, lauter Uniformen und ein endlos Geschwafel über die zerfallene Monarchie, was geht die mich an? Dann gab es ein Jubläumsjahr, da habe ich mir noch Bücher gekauft, bzw habe ich mit mir gerungen und bin dann zum Libro auf die Mariahilferstraße marschiert und “Rechts und Links”, “Hotel Savoy”, “Das Spinnennetz” erworben und die “Kapuzinergruft” glaube ich, bewußt ausgelassen. Dann habe ich mir noch 1994 die Lunzer Biographie und “Unterm Bülowbogen” mit Texten des Journalisten gekauft und den Film “Tafelspitz” habe ich auch einige Male gesehen und war hingerissen von seiner Sentimentalität und da zitiert Otto Schenk ja die Stelle mit dem “Tafelspitz”.
Otto Lembauer ist auch ein Joseph Roth Fan und hat den Vorsatz alle seine Werken zu lesen und im Literaturhaus gibt es die Joseph Roth Gesellschaft und eine Reise nach Lemberg auf Roths Spuren, die ich dann noch nicht machte, dafür die große Ausstellung 2007, die irgendwie in die “Radiosonate” eingeflossen ist und noch ein paar Roth Veranstaltungen im Literaturhaus und da haben mich die alten Männer sehr beeindruckt, die mit Tränen in den Augen von den schönen Stellen schwärmen, die, wo der Kadettenschüler zum Wachmeister Slama geht und die Briefe von seiner verstorbenen Frau abholt.
Ja und der Name “Trotta” hat die nicht Germanistin auch etwas verwirrt, denn in den “Drei Wegen zum See” kommt ja auch ein “Trotta” vor und die gab es 1977 oder so im Fernsehen. Inzwischen habe ich sehr viel gelesen, sammle alte Bücher, wo ich sie bekommen und Thomas Wollinger hat plötzlich auch angefangen den “Radetzkymarsch” zu zitieren und immer wieder schöne Stellen gezeigt, an denen man das Schreiben lernen kann und ich will ja die Bücher meiner Eltern auflesen, die in Harland stehen, also ist der “Radetzkymarsch” zu mir gekommen und ich war begeistert, denn “Flucht ohne Ende” habe ich vor kurzem gelesen und war über den “modernen Ton”, des 1939 elendig in Paris Verstorbenen besgeistert.
Zufall, daß ich in Wien gerade Ernst Lothars “Engel mit der Posaune” ein Fund aus dem Bücherschrank lese, den ich einmal in der Paula Wessely Verfilmung gesehen habe, aber an diesem Ton kommt der Roman, der wahrscheinlich auch vom Zerfall der Monarchie handelt nicht heran.
Der Untergang der Monarchie, mir als 1953 geborene ganz egal, Joseph Roth ist aber höchstwahrscheinlich daran zerbrochen und hat sich wahrscheinlich auch über die Offiziere ein wenig lustig gemacht, so würde ich es zumindestens interpretieren und, um die Frauenfeindlichkeit, die Frauen kommen ja wirklich nur als Haushälterinnen, Ehebrecherinnen, Prostituerte oder als die edlen Wesen vor, die die Kadettenschüler in die Welt der Liebe einführen, kommt man natürlich nicht herum, es ist aber eine eigene Welt, die da geschildert wird und sie beginnt mit dem Helden von Solferino, dem Großvater, der den Kaiser das Leben rettet und dieser Franz Joseph ist ein Superheld und der Vater seiner Untertanen, wenn man Sorgen hat, geht man zu ihm zur Audienz und Franz Joseph richtet und als der Kaiser stirbt ist die ganze Epoche zugrunde gegangen und mit ihr auch das Geschlecht der Trotta, was jetzt, glaube ich, gar nicht so stimmt, denn es gibt ja einen Fortsetzungsroman, die “Kapuzinergruft” und die hätte es auf dem Stattersdorfer Flohmarkt gegeben, da habe ich das Buch aber liegen lassen, weil ich dachte, ich hätte es schon. Jetzt muß ich warten bis ichs im Bücherschrank finde und ich schreibe es gleich dazu, der “Radetzkymarsch” ist eines der besten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe und das meine ich, wie meine Stammleser wahrscheinlich wissen, nicht sehr oft. Bei “Im Westen nichts Neues” würde ich etwas Ähnliches sagen, aber sonst eigentlich kaum und weil es so ein tolles Buch ist und natürlich auch sehr bekannt, weiche ich auch von meinem gewöhlichen Hineinlesen und den Inhalt wiedergeben ab und beschränke mich aufs Bonmonts. Leutnant Joseph Trotta rettet also dem Kaiser das Leben und bekommt allle Auszeichnungen, den Maria Theresia Orden, wird Hauptmann und geadelt. Er heiratet dann auch bald und entdeckt eines Tages im Schulbuch seines Sohnes eine ganz falsche Darstellung der Szene, die ihn sehr erzürnt, denn so war es ja nicht.
“Es ist ein Buch für Kinder!”, sagt seine Frau, die auch eine untergeordnete Rolle spielt und bald stirbt, das sagen auch seine Vorgesetzte und der Kaiser zu dem er sich deshalb in Audienz begibt, trotzdem quittiert er den Dienst, das Gedicht wird auch aus dem Schulbuch entfernt und der Sohn des Helden von Solferino wird Berzirkshauptmann und führt, bald Witwer geworden auch ein autoritäres Regime, obwohl er zu seiner Haushälterin “Gnädigste” sagt, die kocht den sonntäglichen Tafelspitz oder läßt ihn kochen und alle am Tisch essen sehr schnell, wie der Bezirkshauptmann, die Gnädige läßt sich vom Diener Jaques, der eigentlich Franz Xafer Joseph heißt, in ihrem Zimmer nachservieren und der Kadettenschüler Carl Joseph Trotta, der immer am Sonntag in den Ferien nach Hause kommt, muß sich beeilen nachzukommen, dann darf er zwei Kirschknödel essen und geht zuerst mit dem Vater, dann allein spazieren, das heißt in die Wohnung des Wachmeister Slamas, wo ihn die schöne Gattin sanft entjungfert. Als er mit der Ausbildung fertig ist, ist sie gestorben, der Vater schickt ihm zum Kondoloeren hin und der Wachmeister gibt ihm die Briefe seiner Frau, worauf er dann ins Cafehaus geht sich einen Kognac bestellt und den Vater trifft.
Das sind, glaube ich, sehr beeindruckende Stellen und auch die, wo der alte Diener Jaques stirbt, mit ihm stirbt die Monarchie oder kündigt ihren Verfall an. Er bekommt auch ein Begräbnis erster Klasse, der alte Vater fährt darauf zum Sohn, der sich nach einem Duell an die russische Grenze versetzen ließ und dort bekommt man vom Verfall der Monarchie noch viel mehr mit. Es gibt nämlich Aufstände und Streks der unzufriedenen Arbeiter und als der Bezirkshauptmann einen neuen Diener einstellen will, scheitert er daran, denn die wollen sich nicht mehr Jaques nennen lassen und sind auch, ach Schande, bei der sozialdemokratischen Partei.
Carl Joseph beginnt aber zu spielen, gerät in die Fänge einer Frau Taussig, verschuldet sich und der Vater muß ihn auslösen, in dem er sich wieder zum alten Kaiser in Audienz begibt, der weiß nicht recht, ist das jetzt der Enkel, der Sohn oder der Vater, hilft aber, wie es von seinen Untertanen erwartet wird und während man in der Garnison ein Fest feiert, wird der Thronfolger in Sarajewo erschossen. Carl Joseph verläßt zuerst die Armee, fällt aber, nachdem der Krieg ausbricht und der Vater stirbt, nachdem der Kaiser gestorben ist, denn das Geschlecht der Trottas kann ihn nicht überleben.
Eines der beeindruckensten Bücher, die ich seit langem gelesen habe und der Otto und die alten Mämmer im Literaturhaus haben recht, Joseph Roth ist ein großer Dichter und man erfährt viel über die ersten Jahrzehnte des zwanzigsten Jahrhundert und, um die Monarchie in dem Sinn, wie man sie in den Fünfzigerjahren in den Sissy Filmen gesehen hat, geht es, glaube ich, dabei überhaupt nicht, aber da war Joseph Roth schon lange tot, ist er an seinem Alkoholkonsum um Schreiben zu können und wahrscheinlich an der damaligen politischen Situation 1939 ja elendiglich in Paris zugrunde gegangen.

Lebenslügen und nicht Warten können

Im Album des Wochenendstandards ist ein Artikel des 1925 geborenen “Sprachpapstes” Wolf Schneider über die “Liebe zur Lüge” erschienen, der ein Buch darüber geschrieben hat, das im Juli bei Rowohlt erscheint. Er beginnt bei Nietzsche, der gesagt haben soll “Die gewöhnlichste Lüge ist die, mit der man sich selbst belügt!” und geht zu Ibsen weiter, der in seiner “Wildente”, im vorvorigen Jahrhundert, den Ausdruck “Lebenslüge” prägte, da es dort den “lebensuntüchtigen” Hljamar Ekdahl gibt, der immer eine Erfindung machen will, sie aber nicht macht und auch gar nicht beschreiben kann, was er erfinden will. Dann kommt ein Arzt daher und warnt den Sohn, den Vater aus den schönen Träumen zu reißen, denn “Nehmen Sie dem Durchschnittsmenschen seine Lebenslüge, und Sie nehmen ihm sein Glück!”
Da habe ich mich, als ich das Samstag gelesen habe, sofort betroffen gefühlt und überlegt, ob mein erfolgloses Schreiben, mit dieser Art von Lebenslüge vergleichbar ist?
“Ja!”, habe ich vorauseilend gedacht, denn wenn man keinen Verlag findet, seine Bücher selber macht, sieht man ja was passiert, wenn man sie im Literaturhaus oder anderswo jemanden zeigt oder sie im Wikipedia bekanntmachen will und mich unbehaglich gefühlt.
“Nein!”, habe ich gedacht und den Artikel eines sehr alten Mannes, der möglicherweise so denkt, genauer gelesen.
“Nein!”, denn ich sage ja nicht, daß ich dreißig Bücher schreiben will, sondern habe sie geschrieben und weil ich sie nicht im stillen Kämmerlein liegen lassen will, gebe ich sie seit 2000 selbst heraus und habe mich bisher gedreht und gewunden, wenn mich jemand fragte “Welcher Verlag?” oder “Ist das im Eigenverlag!”, wenn ich es ihm zeigte.
Seit ca einem Jahr, wo das Selfpublishing modern wird und immer mehr Leute ihre Bücher als E-Books bei Amazon erscheinen lassen und angeblich sehr erfolgreich dabei sind, gilt das zwar nicht mehr so ganz, allerdings ist das, glaube ich, zu den Krtiker, Rezensenten, Literatur- und Sprachpäpsten noch nicht so durchgedrungen. Die halten eine, die schreibt und keinen Verlag findet, vielleicht immer noch für eine “lebensuntüchtige” Person und ich bin, als ich 2000 mit meinem ersten selbstgemachten Buch, den “Wiener Verhältnissen” dagestanden bin, über die Reaktionen erstaunt gewesen, die ich bekommen habe.
“Das können wir nicht rezensieren, da kannst du nicht bei uns lesen, denn Eigenverlag wollen wir nicht!”
Es gibt Ausnahmen und hat sie schon damals gegeben, aber mit einem selbstgemachten Buch ist oder war man weg vom Fenster und keine Chance bemerkt zu werden. Etwas an dem ich nage und was mich ärgert, daß ich ein Jahr oder so an einem Buch arbeite, bis es erschienen ist, dann habe ich die fünfzig schönen Exemplare, zeige sie her, schicke mein Belegexemplar an die NB, die das auch einfordert und das war es dann.
Also habe ich eine Weile gebraucht bis ich die Argumente gefunden haben, warum das nicht so ist.
Denn ich würde zwar gerne einen kleineren oder größeren Preis gewinnen, behaupte aber nicht, daß ich ihn bekommen habe und ich komme, abgesehen, daß ich an meiner Erfolglosigkeit leide, auch ganz gut mit dem Schreiben und dem Leben zurecht.
Verstehe nur nicht recht, warum nur die schreiben dürfen, die einen Verlag finden und auch nicht, warum dann alle auf den Gipfel streben, der eng und sehr beschränkt ist, wo nicht alle Platz finden, die schreiben wollen, sondern möglicherweise nur die, die die schärfesten Ellbogen haben.
Es ist also keine Lebenslüge zu schreiben, wenn man keinen Verlag hat, natürlich nicht, lustig ist es trotzdem nicht, wie meine Leser wissen, die an meinen Jammereien teilhaben.
Durch die Möglichkeiten des Internets und des Selfpublishing aber viel besser geworden und deshalb schreibe ich auch so viel darüber. Ich bin ja eine, die mit dem Konsumverzicht an sich gut zurechtkommt. Also eigentlich gar nicht so reich mit meinen Büchern werden will und auch nicht erpicht darauf, daß sie soviele Leute lesen. Nur die, die es wollen und sich dafür interessieren, sollen es tun.
Ich will mich aber präsentieren, denn ein Buch ist ein Buch und mit fünfzig Exemplaren, die auf meiner Website und auf meiner Publikationsliste stehen, habe ich das getan.
Die Schreibberichte finde ich auch sehr gut, die kompensieren vielleicht, das was mir an literarischer Öffentlichkeit fehlt.
Der Lebenslüge könnte man nun wieder ein bißchen näher kommen, wenn man glaubt, daß das Netz wirklich eine Öffentlichkeit ist. Ist sie nicht, jedenfalls nicht bei mir. Ich habe derzeit, auch Sommerloch bedingt, knapp hundert tägliche Leser und eine Handvoll Abonnenten wahrscheinlich, die mich regelmäßig konsumieren. Soll so sein. Ein bißchen Anerkennung will aber ich für mein Schreiben, da wurde ich ja vor fast vierzig Jahren von meinen zwei Freunden geschockt, die mir so unverblümt ins Gesicht sagten “Du schreibst nicht gut!”
Ich habe mich aber schon damals gefragt, ob ich das jemanden so sagen könnte, ohne, daß er beleidigt ist. Kann ich nicht, bin ich daraufgekommen. Also muß es auch bei mir nicht sein. Denn wer sagt denn, daß nur der schreiben darf, der den Nobelpreis bekommt und alle anderen geraten in die Ecke der Lebenslüge, wenn sie es trotzdem tun? Wenn man das denkt, lügt man sich schon was vor, denn die Leute lesen zwar weniger, schreiben aber immer mehr und ich finde gut, daß sie es tun und habe, glaube ich, schon immer, jeden von dort abgeholt, wo er steht und ermutigt weiterzumachen.
Das wird jetzt durch das Internet und die Möglichkeit des Selfpublishing ein wenig besser, es ist aber trotzdem zu befürchten, daß wir dann das Zwei-Klassenschreiben haben, die einen, die die Preise bekommen und die anderen, die die Schreibseminare besuchen, sozusagen. Aber das kann ich nicht verändern, kann nur versuchen mich so selbstbewußtwie möglich zu fühlen und mir die Anerkennung, die ich brauche, selbst zu geben, dann werde ich auch weniger jammern!
Allerdings habe ich auch schon traumatisierende Dinge erlebt, so glaube ich mich zu erinnern, Andre Heller einmal sagen gehört zu haben, daß man nicht schreiben soll, weil man den großen Goethe damit beleidigt und für die B. war es ein Problem mit mir in der “Autorensolidarität” abgebildet zu sein, als dort mein Portrait in der “Eigenverlag” – Serie erschienen ist. Dabei ist sie, als ich ihr die “Wiener Verhältnisse” zeigte, sofort zu Digi/Melzer gegangen und hat es auch so gemacht.
Vor zehn fünfzehn Jahren habe ich mich noch sehr gewundert, daß alle so erpicht auf einen Verlagsnamen waren. Klar, damit kommt man wenigstens auf die Liste für die Buchprämie, auch wenn man sie dann nicht bekommt. Eigentlich ist das dumm, habe ich mir damals gedacht. Es scheint sich aber jetzt erst in dieser Richtung etwas zu verändern und ich war meiner Zeit offenbar voraus.
Da sind wir schon beim zweiten Tagesthema der Ungeduld und dem nicht Warten können und das ist etwas, was mich sehr betrifft, weil ich es nicht kann und trotzdem ununderbrochen muß. Paul Jaeg hat mir ja angeboten ihm meine Manuskripte zu schicken, er tut sie in die Mappe für das übernächste Jahr. Das habe ich bei der “Sophie Hungers” nicht zusammenbgebracht, bzw. das Manuskript sowohl an ihn, als auch den Digitaldruck geschickt und der hat den Vorteil, daß es sehr sehr schnell geht. Nach ein paar Tagen hat man das Buch und wenn ich nicht so ehrlich und so sparsam wäre, würde ich mir auch eine Nummer kaufen und Eva-Verlag daraufschreiben, wie das die etwas geschickten Kollegen tun.
So habe ich mich selber in die Nesseln gesetzt und wundere mich, daß sie stechen und jetzt jammere ich ein bißchen darüber, daß ich vier Projekte habe, die aufs Fertigwerden warten und im Moment nicht viel weiter geht. Obwohl es ja egal ist, denn sobald ich das Buch habe, schicke ich es an die NB, an die Alte Schmiede, an das Literaturhaus und noch an ein paar andere Orte, stecke zwei in die Tasche und bin frustriert, wenn der Erste dem ichs zeige, sagt “Schön!” und nicht hineinschaut.
Aber es ist, wie es ist, viele Leute schreiben und der Digitalsdruck und das Internet ermöglichen viel, man kann sich gut präsentieren und zu meinem “Glück”, um wieder zum Themea zurückzukommen, fehlt mir ein bißchen die Anerkennung, gerade jetzt im Sommerloch ist sie auch auf Sommerfrische, aber vielleicht kommt das noch, habe ich schon 2002 für Ruth Aspöcks Veranstaltung “Poesie und Brotberuf”, bei der Poldi geschrieben.
Meine Belegexemplare der Volksstime-Anthologie “Frauen texten Frauen lesen” sind inzwischen übrigens gekommen.

Nachrichten aus dem Sommerloch

Ganz so einfach ist es mit dem Abbau des Vorausschreibens offenbar nicht, obwohl rings um mich herum die Blogs auf Urlaub gehen, aber die Evi ist zu ihrem wieder zurückgekehrt und berichtet sehr ausführlich über das neue Sommerbuch bzw. gibt sie Ratschläge, wie man mit Kaffee in die Dusche gehen kann und das finde ich sehr schön, denn ihr Blog war immer sehr erfrischend und auch sonst war bei mir in Harland einiges los, ist doch der Schwiegervater aus seiner Reha zurückgekommen und die slowakische Pflegerin und das war zumindestens am Freitag nicht ganz einfach und hat ein bißchen Aufregung in den sonst so öden Sommerfrischenschreib- und Korrigieralltag gebracht.
“Kerstin Achterln” habe ich inzwischen zweimal durchkorrigiert und, wie ich denke einmal alle Unklarheiten beseitigt, 106 und eine halbe Seiten sind es jetzt, beziehungsweise 52.826 Worte und gehört jetzt wieder einmal ausgedruckt.
Zufrieden bin ich damit noch immer, obwohl ich schon ein ein bißchen das Muster erkenne, daß es auch bei meinen anderen Büchern gibt. Eine Frau in einer Krise, diesmal schmeißt die Kerstin ihren Franz hinaus und hat ein bißchen zu viel getrunken, vorher war es schon die Arbeitslosigkeit, die meine Heldinnen trifft, etc, dann gehen sie herum, lernen neue Freunde kennen und das Problem scheint gelöst, bzw. das Leben geht weiter.
Die Paula Nebel lernt den Herrn Hans kennen und die kleine Sofia. Die Theresa Brunner aus der “Wiedergeborenen” entscheidet sich für ihren Albert, während ihre Mutter zuerst nach Prag und dann zurück nach Salzburg fährt. Richtig, da ist es ein bißchen anders und bei der “Frau auf der Bank” beginnt alles mit dem fünfunddreißigsten Geburtstag der drei Heldinnen.
“Kerstins Achterl” zu Korrigieren wird mich also durch dieses Sommerloch begleiten, habe ich mir ja diesmal außer dem Radfahren einmal nach links und einmal rechts an der Traisen kein besonderes Sommerprogramm verordnet und bin auch noch nicht am Klangturm gewesen. Allerdings am Samstag in Wilhelmsburg, aber da hatte das Papiergeschäft mit dem Bücherflohmarkt für die Feuerwehr oder so noch Sommerurlaub. Also habe ich keinen Peter Handke oder eine Judith Hermann mitgebracht und lese aus dem Bücherregel im Wohnzimmer sehr altes bzw. dann ab nächstes Woche sehr neues aus dem Laptop und ein Bücherpackerl hat mir der Alfred auch aus Wien mitgebracht.
Eigentlich an ihn adressiert co Eva Jancak, fünf Belegexemplare der Linken Wort am Volksstimmefest Anthologie 2011 “Frauen texten Frauen lesen”, weil er da ja seine Fotos beigesteuert hat. Jetzt hoffe ich, daß meine fünf Belegexemplare, da ich ja die “Verbindlichen Vorschläge für den höchsten Wertkanon” beigesteuert habe, auch noch kommen. Ich habe in das Buch auf jeden Fall schon einmal hineingeschaut, erschienen im Globus Verlag, gedruckt von digitaldruck.at, eine ISBN Nummer gibt es natürlich auch. Sonst ist im Outfit nicht viel Unterschied zu meinen Büchern zu erkennen oder doch natürlich, versammelt es ja das who is who der österreichischen Autorinnenschaft von Ruth Aspöck, Susanne Ayoub, Neda Bei, Petra Ganglbauer, Judith Gruber-Rizy, Elfriede Haslehner, Nadine Kegele, Gertraud Klemm, Hilde Langthaler Doris Nußbaumer, Angelika Reitzer, Lale Rodgarkia-Dara, Nadja Bucher, Hilde Schmölzer bis zu Traude Veran, die mir nicht so bekannten Autorinnen, habe ich jetzt ausgelassen. Man muß sich die fehlenden Namen also selber heraussuchen und kann das Buch auf der linken Wort Homepage bestellen oder beim Volksstimmefest kaufen und es sehr schön in einer so illustren Gesellschaft vertreten zu sein.
Was gibt es sonst zu vermelden? Ulrichs Bechers “Nachtigall will zum Vater fliegen” habe ich jetzt ausgelesen und endlich den “Radetzkymarsch” begonnen, der ja von allen Seiten gelobt bzw. immer wieder zitiert wird. Und dann noch aus dem Regal im Wohnzimmer die, B.Travens, Fritz Habecks, Pearl S. Buck etc herausgenommen, die ich in diesen und in den nächsten Sommern lesen will und auf das Bett gelegt.
Und Matthias Brömmelhaus, der Biographienschreiber hat jetzt mit großen Aufwand, einer eigenen Homepage und dem Pseudonym Bela Bolten, einen historischen Krimi als E-Book und auch in Papierform herausgegeben. Woran man sehen kann, daß es auch ohne Verlag geht, wenn man genügend Werbung dafür macht. Und ich will ja eigentlich nicht groß verkaufen, sondern nur auf mich und mein Schreiben aufmerksam machen und das sollte mit meinen täglichen hundert bis hundertfünfzig Leser im Literaturgeflüster ja funktionieren.
Wenn es mir mit den “Kerstins Achterl” Korrekturen zu fad wird, kann ich mich auch über das Literaturgeflüster-Texte-Buch machen, die Texte habe ich jetzt im Computer und Alfred ist, glaube ich, mit den Einarbeiten der Korrekturen der “Wiedergeborenen” auch bald fertig, so daß es hier vielleicht bald eine Vorschau gibt. Am Schreibtisch liegen zwei Meridian bzw. Geo-Hefte über die Baltischen Staaten, denn da wollen wir ja Anfang August hin, wenn seine Mutter bzw. die Pflegerin es alleine mit seinem Vater schafft und am Sonntag ging es mit dem Rad in den Donaugasthof nach Traismauer und dann noch zu einem Heurigen, da der Wirt der Ochsenburger Hütte unser gewöhliches Sonntags Ausflugsziel auf Urlaub ist und bezüglich Traismauer gibt es zu erwähnen, daß man die Ö Töne Lesungen, da war ja am Donnerstag Cornelia Travnicek an der Reihe und vor ihr Frau Mayröcker im Netz zumindenstens ansatzweise nachhören kann, wenn es zu fad sein sollte in der Sommerfrische.

Nachtigall will zum Vater fliegen

“Nachtigall will zum Vater fliegen”, Ulrich Bechers 1950 erschienener New Yorker Novellenzyklus in vier Nächten, ist das zweite Becher Buch, das ich Anfang der Neunzigerjahre in einer Kiste von ausgeschiedenen Büchern der städtischen Bücherei gefunden habe. Damals war mir der Name Johannes R. Becher bekannt, aber von einem Ulrich Becher keine Ahnung, Internet hat es noch nicht gegeben und mit Literaturlexika war ich auch nicht gesegnet. So habe ich ein bißchen orientierungslos in das Buch hineingelesen und weil ich nichts von dem Autor wußte, den Hintergrund nicht verstanden und daher bvald wieder weggelegt. Dann habe ich 2005 wahrscheinlich in Leipzig bei Hugendubel in einer Abverkaufskiste, Aufbau-Verlagsbriefe aus dem Fünfzigerjahren gefunden, in denen es auch welche mit ein bißchen Lebenslauf von Ulrich Becher gab. So daß ich schon mehr Informationen über den Autor hatte, als ich 2010 das andere Buch “Kurz nach 4” gelesen habe, da war schon die “Murmeljagd” neuauferlegt und Ulrich Becher wurde von Eva Menasse, die das Buch besprochen hat, als “fast vergessener Teufelskerl” bezeichnet. Daß er den”Bockerer” geschrieben hat, hatte ich inzwischen auch herausgefunden und das Theaterstück, habe ich noch vor dem berühmten Film, im Volkstheater gesehen.
Als der Arco Verlag voriges Jahr “Kurz nach 4” neu auflegte, ist er auf meinen Blog und meinen Besprechung gestoßen und das Buch hat, was mich, für die Biografien sehr wichtig sind, sehr begeistert, ein fünfzig Seiten langes Nachwort mit Bildern und biographischen Angaben von Christoph Haacker, das sich allerdings natürlich auf den 1957 im Rohwohlt Verlag erschienen Roman über die Italienreise des Wiener Künstlers Franz Zborowsky bezieht und nur wenig Informationen über den Novellenzyklus bietet, es gibt allerdings den Satz, daß die Novelle “Die Frau und der Tod” aus dem Zyklus vorwiegend am 7. August 1945 in Manhattan spielt, das war der Tag nachdem die Atombombe über Hiroshima abgeworfen wurde.
Wenn man nachgooglet findet man über Ulrich Becher viel, über den Novellenzyklus wenig und eigentlich außer Angaben, wo man das Buch antiquarisch kaufen kann, auch nur ein paar Sätze in den Amerikabildern der deutschsprachigen Exilliteratur “Aber hier war alles anderes” von Valerie Popp, die sich auf den Zyklus beziehen.In dem Buch selbst gibts leider keine Beschreibungen, wie das früher so üblich war, wenn man aber auf die Becher-Homepage geht, die es gibt, findet man immerhin die Abbildung des Schutzumschlages, das mein ausgeschiedenes Exemplar, aus der Stumpergasse, das von 1979 bis 1983 zehn Personen ausgeborgt hatten, nicht mehr hat.
Also war das Leseerlebnis der vier Novellen, obwohl ich über Ulrich Becher inzwischen einiges weiß, wieder ein unbeflecktes Land, daß sie aber in New Foundland N. Y. begonnen, fortgesetzt in New York City und in Blonay, Kanton Waadt abgeschloßen wurden, steht immerhin auf der zweiten Seite. Ulrich Becher hat von 1944 bis 1948 in New York gelebt und das Buch steht weiter dort ist Georges Grosz gewidmet. Das Ulrich Becher auch Graphiker und bildender Künstler war, war mir bisher entgangen, in der “Kurz nach 4” Neuauflage, gibt es aber Proben davon und eine Ausstellung scheint es vor kurzem auch gegeben zu haben.
Also wieder ziemlich unbedarft in die Lektüre eingestiegen und ein bißchen ratlos gewesen, so daß ich mich jetzt schon auf die Neuauflagen der Novellen freue, weil ich dann vielleicht nachlesen kann, was ich mir jetzt mühsam zusammenkratze.
Der in New York spielende Novellenzyklus besteht aus vier Nächten genannten Texten, die erste “Die Frau und der Tod”, spielt, wie erwähnt in der Nacht nachdem in Hiroshima die Atombombe fiel. Sie spielt vorwiegend in einer Bar und schildert die Erlebnisse, des aus dem Krieg entlassenen Fliegerkäptn Happy Slocum. Die Psychologin würde sagen, sie schildert seine, bzw. Ulrich Bechers Traumatisierungen in einem typisch amerikanischen Stil, wie ich sie auch in dem Buch Manhattan Transfer gefunden habe und schließt auch an das Dialogpingpong, des von mir zuletzt gelesenen Buches “Stellt mir eine Frage”, an. Es gibt aber auch eine Menge französischer Zitate, was für einen New Yorker Novellenzyklus sehr ungewöhnlich ist, so wird die Marseillaise zitiert, die groß geschriebenen Zitate und Überschriften, gibt es, glaube ich, auch im “Manhattan Transfer” “UNSERN AUS EUROPA HEIMGEKEHRTEN VETERANEN EIN HERZLICHES WILLKOMMEN” beispielsweise oder UNBEKANNTE SCHÖNHEIT ERSUCHT UM INHAFTIERUNG WEGEN GEISTESKRANKHEIT”.
Die zweite Nacht “Der schwarze Hut” ist ein wenig leichter zu lesen, das gemeinsame ist auch das Datum der 3. oder 5. Mai 1945. Mit dem zweiteren wird das Ende des zweiten Weltkrieges angegeben, zwei Tage vorher ist die geschlechtskranke zum Skelett abgemagerte Frau des reichen aus Deutschland ausgewanderten Alois Altkammer, le Baron genannt, gestorben, der über ein sehr ausschweifendes Sexualleben verfügte, mit seiner Frau im Fiaker in Bordelle fuhr und sie dann während er dort war, durch den Central Park kutschieren wird, der emigrierte jüdische Arzt, hat ihren Tod schon viel früher vorausgesagt, sie stirbt am 3. Mai. Am 5. findet das Begräbnis statt und zu dem ist auch der taube Dr. Klopstock eingeladen, der sein Gehör in Dachau verloren hat und nun den reichen “Baron” um sechs Dollar anbettelt, damit er sich Batterien für sein Hörgerät kaufen kann, der Reiche gibt ihm nicht mehr, obwohl das Begräbnis ein Vermögen kostete und schenkt ihm dazu den Wagenrad großen schwarzen Hut seiner Frau, mit dem marschiert der ehemalige Gymnasiallehrer nach Hause und wird dabei für einen Transvestiten gehalten und angepöbelt. Auch hier ist in der makabren Form die Traumatisierung des Krieges stark zu spüren und der Stil ist wohl so, wie Georges Grosz seine Bilder malte.
Mit der dritten kürzesten Nacht “Beim Apfelwein”, im Stil der ersten ähnlich, ein konkretes Datum habe ich nicht gefunden, habe ich nicht viel anfangen können.
Die Vierte “Nachtigall will zum Vater fliegen” ist wieder verständlicher oder auch nicht. Es geht jedenfalls um John Henry Nightingale, der als Hans Heinz Nachtigall in Gelsenkichen als Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns geboren wurde, er studiert Medizin, wird Schiffsarzt, versucht sich aber auch als Dichter der “Zippzipp-Bewegung” und als die Nazis kommen verfaßt er ein Theaterstück, nach dessen Uraufführung er nach Amerika emigiriert. Dort hat er es zuerst schwer, muß neu studieren, seine Dichtung will niemand haben und seinen Namen sprechen die Amis alle falsch aus, dann hat er aber Glück, bekommt einen reichen Schwiegervater und wird zum Nobelpsychiater und da denkt er an seinen Vater, der Achtzigjährig in Deutschland zurückgeblieben ist. Er will zu ihm fliegen, hat aber Schwierigkeiten mit seinen Patienten, schließlich tut er es doch und kommt enttäuscht zurück.
Wieder würde ich sehr viel Autobiographie und sehr viel Trauma in der sehr tiefgründigen Novelle, die zum Schluß in einen Dialog Nightingale gegen Nachtigall ausartet, vermuten und schließe mich Christoph Haackers Meinung an, daß “Ulrich Becher einer der großen Erzähler unseres Jahrhunderts ist, der mit Hemingway, Faulkner, Günter Grass, Joyce, Döblin, John Dos Passos, Joseph Roth, Rabelais, Nestroy, Thomas Wolfe, Albert Vigoleis, Thelen und Marcel Proust” verglichen wurde. Einige dieser Vorbilder sind wahrscheinlich in dem Novellen Zyklus zu finden, den ich sowohl sehr interessant gefunden, aber auch nicht ganz verstanden habe, so daß ich auf die kommentierte Neuauflage warte, es aber trotzdem spannend finde, was man aus ausgeschiedenen städtischen Büchereiausgaben alles lernen kann.

Stellt mir eine Frage

“Stellt mir eine Frage” von Steve Bloom, im Wallstein-Verlag erschienen, ist das Buch, daß ich bei dem Sommerfest im Writersstudio aus der freien Entnahme-Kiste gezogen habe. Von Steve Bloom nie etwas gehört, dachte ich, also habe ich nachgegooglet, bzw. mich im Klappentext schlau gemacht, 1942 in Brooklyn als Sohn polnischer Juden geboren, war Rundfunkredakteur und lebt in Heidelberg als Dozent für amerikanische Landeskunde, einige Bücher bei Jung und Jung bzw Residenz erschienen, 2000 “Immer dieselben Witze”, 2004 “Offene Ehe” und da bin ich daraufgekommen, daß ich zumindest den Namen des Autors schon gelesen habe und auch “Immer dieselben Witze” zu Hause habe, hat es Jochen Jung doch einmal in den Bücherturm gelegt und da kann ich mich erinnern, habe ich mich über den Titel gewundert und mich gefragt, welche Art von Buch das wohl ist?
Um Witze geht es bei “Stellt mir eine Frage auch” und, um den Klappentext zu zitieren “1950 im Brooklyner Viertel Brownsville. Fast täglich treffen sich Meyer Woolf, Archie Feinstein, Izzy und noch ein paar andere, um beim Kaffee über Gott und Welt zu debattieren: Liebe, Ehe, Eifersucht, Alltagssorgen, Koreakrieg und Rassismus sind nur einige der Themen. Und zu jedem weiß einer einen Witz zu erzählen.”
Es ist, wie mir beim Lesen klar wurde ein sehr ungewöhnliches Buch, das fast ausschließlich aus Dialogen besteht, ein “Dialogpingpong”, habe ich in einer der Rezensionen gelesen und ich, die ich mich ja gern sehr ausführlich über den Inhalt des Gelesenen ausbreite, bin ein ein wenig ratlos. Denn “Da passiert ja nichts!”, diesen berühmten Satz könnte ich jetzt schreiben. Oder doch, es passiert sehr viel, das Alltagsleben halt, das, was den Männern in dieser Cafeteria bei Kaffee und Plunder so widerfährt, aber keine Handlung, kein Plot, wo jeder Satz sitzen muß und alles seine Spannung hat.
Was soll ich also nacherzählen, außer dem schon zitierten? Ja, richtiig zuerst stirbt Meyer Wolffs Frau, dann er selbst, die jüdischen Gebräuche werden aufgezählt, das Begräbnis, die Schul, das schiwa sitzen etc.
Dann gibt es den Taxifahrer Archie Feinstein, der sich wegen seelischer Grausamkeit von seiner Frau trennen will, das aber nicht zusammenbringt, weil man sich in New York in den Fünfzigerjahren, offenbar nur wegen Ehebruch scheiden lassen konnte, wie der Anwalt behauptet und man für böswilliges Verlassen ins Gefängnis kommen konnte.
Politische Differenzen kommen auf, Stalin wird zitiert, die Shoah und die Negerfrage, die auch so genannt wird. Die achtzehnjährige Liz Taylor, die sich offenbar scheiden lassen konnte, wird zitiert und Frank Sinatra und natürlich die Witze erzählt, von denen ich die meisten gar nicht lustig fand oder sie nicht verstand.
“Ist da ein Paar über neunzig, die gehen zum Anwalt und sagen ihm, sie möchten sich scheiden lassen. Scheiden lassen, sagt der Anwalt. Wie lange sind Sie denn verheiratet. Siebzig Jahre, sagt der Mann. Und warum dann jetzt eine Scheidung? sagt der Anwalt. Wir wollten warten bis die Kinder tot sind!”, sagt die Frau.
Am Schluß des Buches gibt es “Einige Bemerkungen des Autors”, der von seiner Kindheit und seinen Eltern erzählt und da ist mir ein Widerspruch aufgefallen, der mich etwas irritiert, wird in den biographischen Angaben, ja 1942 als Geburtsjahr angegeben. Bei den Bemerkungen schreibt der Autor “1975 da war ich dreiundzwanzig und hatte mein Studium abgeschlossen..”
Ansonsten scheint das Buch den Eltern gewidmet zu sein und Archie Feinstein, Jack Goldfarb, Irving Mendel und Max Warsaw etc scheint es gegeben und den Autor durch seine Kindheit begleitet haben. Bei einer der Rezensionen habe ich noch gelesen, daß man bei der Beschreibung des Brooklyns der Fünfzigerjahre, die Bush Ära, zu der das Buch geschrieben wurde, gut erkennt. Vielleicht wurde der 2009 erschienene Roman aber in Heidelberg geschrieben.
Ein interessantes und ungewöhnliches Stück Literatur ist das Buch, das von den Rezensenten auch sehr gelobt wird, allemal und wahrscheinlich werde ich mir jetzt auch “Immer dieselben Witze” auf meine Leseliste setzen und auf diese Art und Weise meine ungelesen Bücher ein wenig auflesen, habe ich durch das Writersstudio, das sich ja sehr für die amerikanische Literatur interessiert, einen neuen Autor kennengelernt.

Voraus schreiben

Im Frühjahr bin ich mit meinen Paula Nebel Goodies und anderen Schreibberichten immer ein bißchen voraus gewesen, so daß ich schon in Leipzig oder in Salzburg war als Literaturgeflüsterartikel erschienen sind. Jetzt in meiner Sommerfrische scheint es mir ähnlich zu gehen, denn es ist erst Mittwoch halb zwei, während ich diesen Artikel schreibe. Da es aber sehr viele Bücher zu lesen und zu besprechen gibt und an den letzten zwei Montagen in Wien auch Veranstaltungsberichte hat es mich wieder fast manisch vorangetrieben, denn über das Schreiben bzw. das Korrigieren von Paulas Achterln will ich ja auch berichten und nur täglich einen Artikel veröffentlichen, eine selbstauferlegte Beschränkung, denn es ist ja egal wieviel und wie oft ich schreibe und sehr schön, daß ich, obwohl ich hier in der Einöde auf der Terrasse sitze, trotzdem soviel über den literarischen Betrieb zu erzählen weiß.
“Ist dir da nicht fad?”, hat mich die Anna vor einigen Jahren über meine Idee, die Sommer zumindestens Tageweise in Harland zu verbringen, gefragt.
Nein, ist es nicht, denn da kann ich Radfahren, an der Traisen entlang in Richtung Herzogen- oder Wilhelmsburg, auf der Terrrasse schreiben, in der Badewanne lesen etc.
Ist es vielleicht schon, denn manchmal raucht der Kopf und es kommen depressive Gefühle, seit einiger Zeit gibt es aber das Internet, seit 2009 auch in Harland und daher ein Fenster zur Welt und so weiß ich schon wieder etwas zu berichten, obwohl ich schon am Montag meinen Korrigierbericht geschrieben habe und seither zwar bis zur Szene vier gekommen, aber eigentlich noch immer recht zufrieden damit bin. Daß Judith Nika Pfeifer den Priessnitzpreis zu einer Zeit bekommen hat, als ich schon dachte, das wäre eigentlich ein Preis für mich, habe ich auch schon berichtet, ist er natürlich nicht, wie meine Kritiker vielleicht einwerfen werden, denn das ist ein Preis für junge Sprachkünstler und keiner für realistische Literaturblogger, die bald Sechzig werden und wenn sie noch so viel über den Literaturbetrieb berichten, was bei mir manchmal als aggressiv empfunden wird. Einen solchen Preis gibt es, glaube ich, auch nicht und der Wunsch ist der Vater des Gedankens, habe ich schon bei meinem Psychologiestudium in den Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts gelernt, natürlich, klar.
Aber als ich gestern, wie ich das immer noch ganz gerne tue, bei der Evi vom Cafe Uranus nachschaute, gab es plötzlich wieder einen Artikel und einen Bericht über das offensichtliche Kultbuch dieses Sommers, dem ich schon bei ein paar anderen Bloggern begegnete, es aber nicht so besonders registrierte.
“Shades of Grey” von E. J. James, das offenbar soetwas, wie ein sadomaso Aschenputtelporno für Frauen ist. Verstanden was das ist? Jedenfalls, wenn man Evis Berichte liest, derzeit überall ausverkauft, weil sich die Frauen darauf stürzen und die Leser offenbar zu den E-Books treibt, wo man es für zehn Euro sofort lesesn kann und ein Buch, das nicht nur die Frauen, sondern auch Dennis Scheck, Ute Wittstock und andere Kritiker beschäftigt. Bei Dennis Schecks “Druckfrisch” bin ich auch noch gewesen und habe mir angeschaut, welche Bücher er von der Spiegel Bestseller Juniliste in den Müll befördert. Interessant ist ja auch, was da darauf steht Dora Heldt, Arne Dahl und Jussi Adler Olsen, alles von ihm das Band gelegt, nur den “Hundertjährigen der aus dem Fenster stieg” und die “Tribut of Panem-Trilogie” ließ er gelten, was ja interessant ist zu sehen, was die Leute lesen wollen und was die Kritiker davon halten.
Ich habe mir dann die “Shades of Grey” Leseprobe angeschaut und denke, daß ich mir das Buch auch nehmen würde, wenn ich es dereinst im “Wortschatz” oder einem anderen Bücherschrank finde, aber hinstellen und warten, bis es einer hineinstellt, wie es die Evi überlegte, werde ich nicht, das wird wahrscheinlich auch ein paar Jahre dauern, bis man es da findet.
Die Evi hat mich aber vernanlaßt am Dienstagnachmittag nach meiner letzten Stunde zum “Wortschatz” zu marschieren, war ich ja jetzt schon zwei Wochen bei keinen dieser Schränke und nachzuschauen, ob es vielleicht was besonderes zu finden gibt? Gab es, wenn man den “Veruntreuten Himmel” von Franzu Werfel, eine Donaulandausgabe mit Titelbild der Annie Rosar, die die Köchin Teta in einem längstvergessen Film ja so trefflich verkörperte, dazu zählt und Sigrid Undsets “Kristin Lavanstochter” gab es auch, das mich interessierten würde, Band zwei, aber da habe ich schon beide Bände in Harland stehen und könnte sie demnächst herausziehen, wenn mich der Haymon Verlag dazu kommen läßt, denn der schickt mir jetzt seine Herbstbücher in E-Bookform und daher wirds vielleicht knapp auf meiner Bücherliste, wenn ich alles brav auflesen will und es wird vielleicht beim hektischen Vorausbloggen bleiben. Was mir auch nicht besonders große Probleme macht, denn erstens habe ich in Wien, jetzt Ernst Lothars “Engel mit der Posaune” in Angriff genommen und da werde ich noch einige Zeit brauchen, bis ichs besprechen kann und zu Gerhard Ruiss ins Cafe Prückl habe ich am Montag auch nicht ernstlich vor zu gehen und selbst wenn, Anfang August gehts in die baltischen Staaten und da werde ich zwar einige der Haymonbücher, die man nicht vorher besprechen darf, abschicken, aber trotzdem einen Nachholbedarf bekommen, der sich höchstwahrscheinlich wieder mit ein paar Reiseeindrücken füllen läßt. Mein Lieblingsblogger Thomas Wollinger ist jetzt übrigens auch auf Sommerfrischenpause und of-line gegangen, man sieht der Sommer und die Sommerlöcher schlagen zu. Für Emily Walton die in die Endauswahl des Vöslauer-Literaturwettbewerbs gekommen ist, kann man aber trotzdem abstimmen und dabei noch einige andere neue Talente entdecken.

Korrigierbericht

Am Donnerstag und am Samstag nach dem Bachmannlesen bin ich vor meinem Laptop gesessen, habe an Kerstins Achterln korrigiert und war mit den Szene fünfzehn, sechszehn, siebzehn nicht einverstanden. “Zu flach, zu schlecht!”, habe ich wieder gedacht und dann bring ich, wie ich aus Erfahrung weiß, das besser werden nicht zusammen, denke automatisch “Das kann ich nicht!” und streiche höchstens ein paar Sätze weg oder ändere ein Wort, ohne zufrieden zu sein. Am Donnerstag wars, glaube ich, besonders arg, da hat mich dann der Alfred auch im Garten zum Wegräumen des Weinlaubs gebraucht. Am Freitag war ich Radfahren, habe gelesen und besprochen und am Samstag habe ich noch einmal, das war, glaube ich, bei der Szene mit der Braut, dasselbe gedacht, aber dann kam schon der Gedanke “Hör mal Eva, das ist jetzt der Einfluß des Bachmannlesens!” und davon hatte ich auch ein bißchen Kopfweh “Natürlich kannst du schreiben, wenn du vielleicht auch einen etwas anderen Literaturbegriff hast und die Texte, die du jetzt gehört hast, sind sehr ausgesucht!”
Dann habe ich wieder eine Arbeitswoche gehabt, von der ich am Mittwoch in die Sommerfrische zur Korrigerarbeit gekommen bin und da habe ich mir gedacht, gehe ich das ganze jetzt Szene für Szene durch und arbeite an jeder Szene so lange bis sie sitzt. Das habe ich getan, zuerst einmal weiter ab der Szene einzwanzig, wo ich war, bis am Schluß zu Szene dreiundfünzig und dann, ab Samstagabend noch einmal von vorn und da war ich erstaunt, wie gut der Beginn eigentlich ist.
Jetzt habe ich noch einmal durchkorrigiert und an den Szenen, wo ich unzufrieden war, ein bißchen was geändert. Das ist einmal die, wo die Kerstin sich mit ihrer Mutter beim Gerstner trifft und einen Gespritzen bestellt, weil sie sich ärgert, dann aber Schuldgefühle wegen ihrer Mutter hat, weil die sie ja auf Kaffee und Kuchen einladen wollte. Mit ein paar Sätzen war das korrigiert und auch die Szene, wo sie den Hektor im Stadtpark trifft, da bin ich zu schnell hineingesprungen, habe das geändert und die Kerstin hat dem Kleinen ihre Situation zuerst einmal ein bißchen unverbindlicher erklärt und die unnötigen Wiederholungen habe ich auch weggelassen.
Und so weiter uns so fort. Die Hochzeitsszene, wo die Kerstin sich beschiessen fühlt, aber eine blöd grinsende Braut fotografieren muß, war nicht einmal so schlecht und auch die anderen Szenen, wo es dann ein bißchen mehr Eva Jancak wird und wenn man will vielleicht auch ein bißchen mehr Verhaltenstherapie, habe ich geglättet. Bin das Ganze noch einmal durch und halte jetzt bei hundertacht Seiten und 53.605 Worten und ich bin im Großen und Ganzen zufrieden. Jetzt sollte, könnte ich die dreiundfünfzig Szenen, Szene für Szene so lange durchgehen, bis jedes Wort sitzt und ich keine Fehler finde. Brauche dazu aber, weil ich ein optischer Typ bin, den Ausdruck und in Harland gibt es keinen Drucker der funktioniert. Also werde ich notgedrungen den Sommer über ganzheitlich korrigieren und dann im Herst den Feinschliff machen, was auch vielleicht ganz gut ist für den Gesamteindruck. Damit bin ich, soweit ich das selbst beurteilen kann, Feedback habe ich ja wenig, zufrieden und es wird in etwa so werden, wie ich es will und kann.
Eine realistische Beschreibung einer Lebenskrise. Mein positiver Ansatz ist sicher auch dabei, die Kerstin schafft es ja, sich von Franz zu lösen und fotografiert ihn am Ende, als er mit Barbara am Würstlstand vorübergeht, der Ferdl wird auch nicht sterben, sondern an seinem Schlaganfall genesen, so weit man das mit fünfundsiebzig Jahren kann und die Kerstin hat auch neue Freunde gefunden, einen rotzfrechen kleinen Buben, einen Sandler und Hans Richter, der ihr gute Ratschläge gibt.
So will ich schreiben und so kann ich es auch. Sehr schnell und diesmal habe ich mich auch nicht selbst blockiert, obwohl das Problem ja bestehen bleibt. In einem Jahr oder so habe ich dann das Buch, diesmal gibts ja eine richtige Bücherwarteschlange, dann zeig ichs jemanden, der sagt “Schön!”, vielleicht krieg ich einen Termin in den Textvorstellungen, aber da habe ich ja jetzt einen “Mit der Frau auf der Bank”, vielleicht schreibt mir doch einer eine Rezension, aber mit denen für das Literaturhaus scheint es nicht zu klappen, obwohl ich da ja drei Bücher verteilt habe und auch einige Zusagen hatte, meldet sich Sarah Wipauer ja leider nicht mehr und den Kontakt zu dem Herrn im Literaturhaus habe ich auch verloren. Wikipedia will mich meine Bücher nicht angeben lassen, obwohl das mit den nur “Verlagsprodukten” seit dem Selfpublishing der E-Books ja nicht mehr so stimmt. Ich kann auf meinen Blog Werbung dafür machen und hab da auch schon einige diesbezügliche Artikel geschrieben. Habe aber kein Verlag, bekomme keine Preise, keine größeren Rezensionen, keine Lesereisen und was sonst noch dazu gehört, um als Schreibende wahrgenommen zu werden. Der mangelnde Erfolg bzw. das fehlende Feedback setzt mir halt zu, da ich außer Aufhören, aber keine Alternative weiß, werde ich wohl ohne große Krise weitermachen. Ein bißchen werde ich bei den Rückzugstendenzen ganz zwangsläufig bleiben, so habe ich bei der GAV diesmal um keine Veranstaltung angesucht und auch überlegt, ob ich wieder ein literarisches Geburtstagsfest machen soll, da mich das Fehlen “meiner literarisch interessierten Öffentlichkeit” ja ein wenig ärgert, aber es ist, wie es ist und ich denke, daß es eigentlich auch reicht zu schreiben und zu bloggen, weil mich ja jeder, der es will, finden kann und wenigstens in der Quantität liege ich weit vorn und wer wissen will, wieviele Bücher ich veröffentlicht habe, auf www.jancak.at steht alles ganz genau.
Ansonsten gibt es zu vermelden Judith Nika Pfeifer, eine der jungen Stimmen, die mir bei dem Lyrik Automaten damals im Literaturhaus beim
aut lauter lyrik-Festival ein Gedicht geschrieben hat, bekommt heuer den Priessnitzpreis und Peter Stamm hat den Bodensee-Literaturpreis bekommen.
Und jetzt noch die Verlinkung zu den bisherigen Schreibberichten, damit man die Entstehungsweise von “Kerstins Achterl” ein bißchen nachvollziehen kann 1 2 3 4 5 6 7 8