Was nimmt man mit auf eine sechs Länderreise, wenn man durch die baltischen Staaten, Estland, Lettland, Litauen reisen will und eigentlich nur von der litauischen Literatur einen kleinen Eindruck hat?
Ernst Wiecherts “Kleine Passion” natürlich, weil es ja durch Polen geht.
Auf die “Hunde von Riga” habe ich vergessen oder nicht daran gedacht, daß das ein passender Literaturtip wäre, aber da gibt es ja die Geschenkbücher, die der Hauptverband des Buchhandels, immer um den 23. April anzubieten hat und die ich mir so getreulich hole und dann meistens ungelesen in die Regale stelle, denn Bücherproben, interessieren mich nicht so sehr, lautete das Vorurteil, also haben sich da zwei passende Anthologien angesammelt.
“Erlesene Reisen” von 2010. 2012 gab es fünfzehn Geschichten zum “Erlesenen Europa”, von Mercedes Echerer zusammengestellt und ganz im blauen im Eu-Design gestaltet, also habe ich mir, als die “Kleine Passion” und die litauischen Literaturstreifzüge nicht mehr passten, zuerst dieses Büchlein herausgeholt, das obwohl wir ja nicht in den Süden kamen, passend schien, denn sechs Länder in sechzehn Tagen sind ja auch ein schöner Europastreifzug.
Zuerst gibt es ein Vorwort von Mercedes Echerer und die zeigt die Situation sofort schön auf.
“Der Reichtum Europas ist die kulturelle Vielfalt”, tönt es vom Rednerpult. Ich sitze in diesem uniformierten Konferenzsaal und frage mich, wer von den Anwesenden wohl Anhänger der baltischen Kunstszene oder Schwärmer der slawischen Hip-Hop-Kultur, oder Kenner der zeitgenossischen Literatur der Benelux-Länder sein mag.”
Als ich das gelesen habe, sind wir von Riga nach Tallinn gefahren und ich dachte, ich habe auch nicht viel Ahnung von der baltischen Literatur und war verärgert, weil ich beim Vorbereiten nicht daran dachte, daß ein Hennig Mankell Krimi passen könnte.
“Ich sitze vor einem Turm aus Büchern und stöbere in Erinnerungen, suche Verdrängtes, recherchiere Beobachtungen und Berichte, forsche nach Kritik und Visionen, durchforste Alltagsgeschichten und Träume. – Gemeinsam mit Gerald Schantin entscheiden wir uns für 15 sehr persönliche Blickwinkel als betörende Zeugen der Vielfalt und faszinierende Mittler der Welten.- Viel Freude bei der Lektüre”, wünscht Mercedes Echerer noch und die habe ich gehabt und den Streifzug in Estland und in Finnland, wo ich mich hauptsächlich damit beschäftigte, auch sehr genoßen.
Beginnen tut es mit Ursula Albrecht und Ines Sommer mit der Erinnerung an die DDR, wo eine Tochter aus einem fortschrittlichen Hause aus der Schule flog, weil sie bei der Jugendweihe, nicht den “Kampf um die sozialistische Weltrevolution geloben wollte”, sondern stattdessen aus Goethes “Faust” zitierte.
Ds war schon einmal passend, denn das erste Mal sind wir 1990 in Finnland gewesen und dann mit einer Fähre in die noch existierende DDR nach Berlin gefahren, wo die Mauer schon geöffnet war, so daß man locker von Ost nach West und zurück fahren konnte. 1985 brauchten wir noch ein Visum, hatten den Zwangsumtausch und die scheelen Blicke der Parteimitglieder. Mit der Fähre sind wir damals, glaube ich, von Sassnitz nach Stockholm gefahren.
Auch die Geschichte von Nelly Bakus war sehr interessant. Denn sie schildert das Europa von der anderen Seite. Da gibt es Stipendiaten, die aus Weißrußland oder anderen nicht EU-Ländern nach Amsterdam etc kommen wollen, weil sie eine Einladung einer Universität oder etwas Derartiges haben und an der Borniertheit der Beamten scheitern, die ihre Einladungen nicht anerkennen, so daß die Autorin einmal nicht nach Österreich fahren konnte, weil die Tschechei den Transit verweigerten…
Sylvia Treudl hatte bei der letzten GV der IG Autoren etwas Ähnliches von einer Stipendiatin, die sie betreute, zu berichten, während wir es von der anderen Seite, ja viel einfacher haben und problemlos von Harland bis nach Finnland fahren konnten und den Paß nur für die Schiffspassage oder die Campingplätze brauchten.
Achim Bennig hatte etwas über sein “Bißchen Tschechien” zu berichten, denn das Reinhardt Seminar, das er einmal besuchte, befindet sich offenbar in der Nähe der tschechischen Botschaft und da lernte er Jiri Grusa kennen, der zuerst Dissident und Verfolgter, später Botschafter war und inzwischen verstoben ist, der Text stammt aber aus dem Juli 2008, so daß er davon nichts berichtet.
Auch Gyorgi Budas “Drei Brücken über meine Donau” war sehr eindrucksvoll. Denn ich war ja schon einmal in Passau und bin mit dem Schiff an der Stelle gefahren, wo die drei Flüße zusammenfließen und in Budapest war ich auch schon ein paar Mal.
Dann gibt es eine Stelle aus Michail Bulgakows “Der Meister und Margarita”, da habe ich den Europa-Bezug nicht ganz verstanden, das Buch aber, glaube ich, an den Tag gefunden, als der Bücherschrank in der Zieglergasse, neu eröffnet wurde und wartet, wie die “Hunde aus Riga” auf das Lesen. Mit Romanauszügen tue ich mir immer etwas schwer, aber das Buch soll ja zum Lesen des Ganzen anregen und das werde ich demnächst auch tun.
Tibor Dery geht wieder in die Vergangenheit zurück, wo man in Budapest sieben Jahre in der Todeszelle sitzen und dann mit einem Schlag entlassen und nach Hause geschickt werden konnte. Der Taxifahrer nimmt in dieser Situation kein Trinkgeld und führt einen extra zum Zigarettenladen, die Hausbesorgerin sperrt die Wohnung auf, in der inzwischen eine Untermietfamilie einquartiert wurde, die Frau hat auf einen gewartet und das Leben ist schön…
Dann kommt Karl Markus Gauß und der ist ein Kenner Osteuropas, erwähnt die baltischen Staaten und hat 2005 alle Länder bereist, die damals in die EU aufgenommen wurden. Lettland und Estland zum ersten Mal. Ich war ein bißchen später daran und er erwähnt bei den Literaturhinweisen auch den serbischen Juden Danilo Kis und von dem habe ich auch ein Buch in meinen Regalen, das ich noch lesen sollte.
Dann kommt ein Text über Luxenburg “Einfach nur der Nase nach?”, mit dem fängt man in den baltischen Staaten naturgemäß weniger an, ich kann nur sagen, in Luxenburg war ich noch nie und sollte vielleicht einmal dorthin fahren oder ein paar Bücher darüber lesen.
Veit Heinichen habe ich schon gelesen. Sein Text geht über Triest und dort war ich auch schon ein Osterwochenende mit der Anna und dem Alfred und habe mich, als ich “Den verrückten Traum der Thea Leitner” geschrieben habe, auch darauf bezogen.
Markus Jakob schreib über Barcelona und dort sind wir, als wir 2005, in Andalusien waren, nur durchgefahren, die Hotelburgen und die Billigarbeiter aus Afrika haben wir aber auch gesehen und ein bißchen scharfe Europakritik tut sehr gut, auch wenn der Text die Welt nicht ändern wird. Mich beeindruckten damals die vielen marokkanischen oder algerischen Gastarbeiterfamilien, die mit ihren vollgepackten Autos in die Heimat fuhren und das Rasthaus total dominierten, so daß ich mitten in Spanien, die einzige Frau ohne Kopftuch war, die laut und fröhlich waren und dann die ganzen Baguettes, die sie sich zum Essen holten, einfach liegen ließen.
Paul Nizon, den ich ja auch kenne, beziehungsweise einmal in der Alten Schmiede versäumte, hatte einen Exkurs über die französische Frau und schwärmt dabei von seiner Concierge. Nn ja die Einblicke der älteren Herren auf das weibliche Geschlecht sind manchmal schwierig, die Feministinnen machen es ihnen aber wahrscheinlich auch nicht leicht.
Danach tritt Pier Paulo Pasolinie “aufs Gaspedal” und erzählt, wie er mit Alberto Moravia in Rom spazierengeht, von dem habe ich auch noch ein paar Bücher zu lesen und ein paar Tage in Rom waren wir auch einmal. Um ein Stipendium in einer dieser berühmt berüchtigten Wohnungen, habe ich aber nie angesucht. Erika Pendretti geht in “Engste Heimat” nach Böhmen zurück, während Tom Sharpe von einem englischen oder irischen Großvater schreibt, der den unehelichen Sohn seiner Tochter ziemlich weltfremd aufwachsen läßt und dann mit ihm auf Anraten seines Arztes, doch auf Kreuzfahrt geht, wo er sich gleich in die schöne Jessica verliebt. Am Schluß geht es noch mit Risten Sokki in einem Sonett nach Norwegen, wo er den Austand der Samen am 8. November 1852 gegen die norwegische Obrigkeit beschreibt, da hatten wir Skandinavien aber schon verlassen und jetzt bin ich von sowohl von meiner litarischen als auch meiner tatsächlichen Europüpareise zurückgekommen.
Über den Unterschied zwischen dem Schreiben und dem Lesen wird noch in den “Erlesenen Reisen” zu berichten sein. Jetzt bleibt mir nur zu schreiben, daß ich die Lektüre der fünfzehn Europageschichten empfehlen kann. Manchmal stehen die Geschenkbücher im offenen Bücherschrank zur freien Entnahme. Man muß aber natürlich weiterlesen, den ganzen Bulgarkov, die Heinichen Krimis, die Gaußschen Tagebücher,u.u.u. aber das ist ja, wie erwähnt, der Sinn des Ganzens und wenn man das macht und auch noch eine Sammlerin ist, hat man bald die Regale voller Bücher, so daß es vorkommen kann, daß man Thomas Bernhards “Holz fällen” nicht mehr findet. Man sucht und sucht, beschuldigt die Tochter es genommen zu haben und setzt sich dann in den Weihnachtsfeiertagen in dem Jahr, wo der große Tsunami wütete hin und schreibt einen Bücherkatalog und da findet man ein altes Buch aus der Bibliothek seiner Eltern, das auch Europareisen schildert und das man dann begierig las und die Schnappschüße bewunderte, die aus einer Zeit stammten, als die EU noch ein Traum der Menschen war.
“Europasommer” – “Als Funkreporter 24.000 Kilometer durch 24 Staaten unseres Kontinents”, von Josef Maderner geschrieben, heißt es. 1956 ist es in der Büchergilde Gutenberg erschienen. Jetzt habe ich trotz Buchkatalogs auch eine Weile gesucht, bis ich es gefunden habe und sollte es natürlich noch einmal lesen oder hätte es auf meine Reise mitnehmen können…
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Best Camp of Town
Als wir am Sonntag vor zwei Wochen von dem schonen Campingplatz in Trakai, wo wir am Abend in dem kleinen Gasthaus beim See, die Familienfeiern beobachten und am nächsten Morgen auf der Terrasse gut frühstücken konnten, nach Riga gefahren sind, hat mich Alfred auf den schönen Campingplatz dort aufmerksam gemacht, von dem man gleich über eine Brücke in die Stadt gehen konnte, denn von dem in Trakai mußte nach Vilnius eine gute Stunde fahren und haben die Zufahrt auch nicht gleich gefunden.
Das taten wir in Riga, wo ich mich gerade heftig ärgerte, daß die den Mankell Krimi nicht mitgenommen hatte, als ich den Lettland-Führer durchblätterte, allerdings auch nicht. Wir kreisten auf einer Baustelle herum, fragten zuerst einen Spaziergänger, der es auch nicht wußte und später einen Polizisten, der auf Alfred Plan schaute und dann in eine Richtung wies, wo man über die richtige Brücke fahren konnte, denn der Campingplatz befindet sich auf einer Halbinsel und ich entdeckte ihn nicht gleich, denn das große Gebäude an dem wir vorüberfuhren, war eher eine Tennis- oder andere Veranstaltungshalle, mit einem großen Parkplatz, einigen Wächterhäuschen, großen Eingängen und einem kleinen Schild, das auf den Campingplatz verwies, der vom 15 Mai bis 15. September geöffnet ist. Der liegt hinter der Halle und auf einem Art Abstellplatz, der allerdings eine Wiese ist und einen eigenen Prospekt, der auf alle Facilities des Camps hinweist, gibt es auch. So ist das Klo ein Mietcontainer, das steht auf Deutsch darauf, aber vorher gibt es ein Wächterhäuschen mit einem Security, der die Quittung mustert, bevor er den Schranken hebt und eine Reception gibt es hinter einem der Zugänge auch und in der Rezeption einen Cafeautomaten, wie mir der Alfred erzählte, die allerdings erst um acht geöffnet wird. Die Klos im Mietconainer sind gleich beim Eingang, davor gibt es eine Kinderrutsche, auf die später ein paar Kinder, in schönen Rosa und Blau getrennt bekleidet, wie man es hier öfter sieht, turnen werden und auch das Damenklo hat Pissoirmuscheln.
Dafür gibt es aber ein Blatt auf dem alle Regeln aufgeschrieben sind.
“Schönen Aufenthalt und kommen Sie bald wieder!”, steht am Schluß auf Englisch und wahrscheinlich auch in Lettisch geschrieben.
Die Duschen befinden sich am anderen Ende in einem allerdings sehr geräumigen Conainer, von zwölf bis vierzehn Uhr werden die Damenduschen gereinigt und von vierzehn bis sechszehn Uhr, die der Herren, steht auf Deutsch angeschrieben. Es gibt viele Klos und Waschgelegenheiten, ein paar davon soll man zum Geschirrspüen benützen, das habe ich aber erst gelesen, als ich mich schon gewaschen hatte.
Der Weg vom Zelt zur Dusche führt in eine Art Lagerhalle, wo Fässer und andere Sachen herumstehen und auf der Wiese steht ein Campingwagen neben dem anderen, sehr viele Deutsche, Holländer, ein paar kleinere Zelte, auf der anderen Seite gibt es auch.
“Best Camp of Town?”, ich weiß nicht zuerecht, obwohl es wahrscheinlich der einzige Platz ist und der Zugang in die Innenstadt über die Brücke, auf der immer Polizisten stehen, wirklich sehr bequem. Ein bißchen fühle ich mich, wie in einem Flüchtlingslager, obwohl es dort sicher ärger zugeht und der Secuirtymann auch sehr freundlich scheint und, wie ich den Regeln entnehme, auch gar nicht, für das Eigentum verantwortlich ist, um seine Wertsachen muß man sich schon selber kümmern.
Also gehen wir nach dem Aufstellen in die Stadt, frühstücken am anderen Morgen aus dem Automaten und fahren ab nach Tallinn, wo es wieder zum einzigen best Camp geht, über dem man schon im Führer lesen kann, daß er überteuert ist und während der Alfred von der Lagerhalle in Riga begeistert war, weil alles vorhanden und ordentlich angeschrieben, wird er das in Tallinn weniger sein, denn dieser Prkplatz ist dicht am Meer gelegen und befindet sich hinter einem Hochhaus und einer Messehalle, hat kaum oder nur wenig Grün, wo wir den Anhänger jedenfalls nicht abstellen können,. so daß wirklich ein Camper neben dem anderen steht und man, wenn es auf der Rezeption nicht angeschrieben steht, nicht wüßte, daß man sich auf einem Campingplatz befindet.
Obwohl auch da alles vorhanden ist, vor dem Eingang Bänke, wo man essen und auch kochen kann, Klos und Duschen, ein Fernseher an der Rezeption und sogar eine Eiskiste und einen Getränkenkasten, die sind aber genauso leer, wie die Seifenspender über die sich der Alfred sehr ärgern wird.
Der Platz ist dicht besetzt. Viele deutsche Camper haben ihre großen Wagen eingeparkt, in die Stadt hat man eine Stunde am Meer entlang zu gehen oder kann mit dem Auto fahren, wie wir es erste Mal machten, beim zweiten Mal entdeckten wir dann den schönen großen Sportplatz mit dem vielen Grün gleich nebenan, der sich wahrscheinlich für einen Campingplatz besser eigenen würde und auch eine Pizzabude, die in der Früh aber geschlossen war. Wir sind am nächsten Tag aber ohnehin nach Finnland gefahren, haben dann noch einmal in Tallinn übernachtet, bevor es nach Saaremaa ging und dort war der Campingplatz sehr schön.
Erlesene Reisen
“Erlesene Reisen”, das Geschenkbuch zum Welttag des Buches 2010 herausgegeben von Gerald Schantin und dem Journalisten Helmut A. Gansterer regt in seinem Vorwort zu interessanten Gedanken an. Was ist der Unterschied zwischen Reisen und Lesen, bzw der von Reiseführern zur Literatur übers Reisen. Damit beschäftigt sich jedenfalls der Herausgeber und meint, man solle nicht an der letzteren sparen, wenn man eine Reise macht.
Das das bei einem Vorwort eines Buchs, die der Hauptverband der Buchhändler herausgegeben hat, kommt, ist ganz klar, denn der Sinn der Anthologie ist es ja wohl zum Lesen bzw. zum Bücherkaufen anzuregen.
Stimmt es aber? Da habe ich als Vielleserin, die gar nicht so gerne reist, meine Zweifel, auch wenn ich jetzt mit einer Tasche voller Broschüren über litauische Autoren in den Urlaub gefahren bin. Ich habe mir ihre Bücher aber nicht gekauft, weil ich das ja nur mehr bei Ein Euro Bücher tue, das ist aber eine andere Geschichte und gehört nicht unbedingt hierher.
Die Frage, ob das Lesen aber nicht vielleicht doch Realitätsverlust ist, habe ich mir, ganz ehrlich, schon einmal gestellt. Und die Antwort ist ebenfalls ganz ehrlich, wahrscheinlich ja. Um jetzt nicht mißverstanden zu werden. Ich habe nicht vor, meine Bücherliste wegzuschmeißen und auf Weltreise zu gehen, natürlich nicht. Ich bleibe bei meinen Bücher und der Frage, wie ich es schaffe, noch möglichst viel in meinem Leben davon zu lesen und ich denke auch, daß wir da bei einer Genderfrage sind.
Denn die Pioniere des Reisens, die, die mit dem Rucksack und der Karte auf Tour gehen, sind wahrscheinlich eher Männer und die, die sich mit der Büchertasche an den Strand, auf den Balkon oder in die Badewanne setzen, wahrscheinlich Frauen, wobei wir schon bei einem Kritikpunkt des Buches sind, das Helmut A. Gansterer in seinem Vorwort auch erwähnt, die Autoren der auswählten Texte sind ausschließlich Männer. George Sand, schreibt Gansterer noch, hätte er ja vielleicht gelten lassen, aber am Umschlag sitzt ein schönes Mädchen im Seidenrock auf mehreren Koffern mit einer Rose und einem offensichtlic leeren Buch mitten auf der Landstraße…
Als ob es keine Frauen gäbe, die über fremde Länder schreiben und sogar ein so ausgesuchter Reisemuffel, wie ich, hat in seinem Leben schon einige Roadmovies zusammengebracht. Da wäre einmal die Sophie Hungers zu nennen, dann gibt es die Reise nach Odessa, in den “Wiedergeborenen” fährt die Marianne nach Prag, in den “Zwillingswelten” geht es nach Linz und nach Sizilien u. u. u.
Und um zu der Reiseliteratur wieder zurückzukehren. Ich denke, wenn ich, wie jetzt, in die baltischen Staaten fahre, dann brauche ich vielleicht einen reiseführer, denn da steht, daß ich die Uhr nach vor stellen soll, keinen Alkohol auf der Straße trinken darf, welche Sehenswürdigkeiten ich mir ansehen soll, wo ich am besten esse u. u.u.
“Die Hunde von Riga” brauche ich in Riga eigentlich nicht, auch wenn ich, ich habe schon darüber gebloggt, mich sehr darüber geärgert habe, daß ich sie vergessen habe. Aber die lese ich am besten doch am Balkon oder in der Badewanne und die Adresse des Restaurants in dem es die lettische Küche gab, nehme ich einmal an, finde ich dort nicht, so daß ich zu dem Resume kommen, daß die, die sonst auch gern lesen, wahrscheinlich, die “Hunde von Riga” einpacken oder vor der Reise zu Anna Jeller gehen und sagen “Ich fahre nach Estland, was würden Sie mir als Lesestoff empfehlen?” oder, wie ich ein Mail an Cornelius Hell schreiben.
Wenn ich sonst nicht lese, kaufe ich mir den Reiseführer, packe den Rucksack und fahre los, womit ich bei dem Schluß bin, daß sich die “Erlesenen Reisen” höchstwahrscheinlich besser am Balkon oder in der Badewanne, statt am Campingplatz in Saaremaar gelesen hätten, denn da haben die Textproben von Peter Handke, Alfred Komarek, Cees Nooteboom etc, nicht so besonders hingepasst, es hat mir aber auch nicht geschadet, das Buch zu lesen.
Wenn ich eine Buchkäuferin wäre, könnte ich meine Einkäufe machen oder vielleicht schauen, was sich von den Proben im Bücherschrank finden läßt?
Es beginnt mit “Nootebooms Hotel” und da schreibt der holländische Schriftsteller über seine Hotelerfahrungen. Mir fällt dazu ein, ich habe mir einmal, um einen Euro etwas über Nootebooms Berlin Erfahrungen bei Thalia in der Kremsergasse gekauft, schon ein paar Bücher im Schrank gefunden und den Autor auch beim letzten Fried Symposium persönlich gesehen. Gerhard Roths “Haus der schlafenden Vernunft” geht eigentlich, wenn man kritisch ist, gar nicht übers Reisen, sonder über das Haus der Künstler in Gugging und über die Art brut und ich habe von Gerhard Roth schon einige Bücher gelesen, ist er ja ein sehr bekannter Autor. Was mir sehr gefallen hat, klar bei einer solchen Spaziergängerin, wie ich es bin, sind die “Reisebriefe eines Wiener Spaziergängers” aus dem Jahr 1870 von Daniel Spitzer. Das Buch, entnehme ich dem Anhang, ist 2009 im Metroverlag erschienen. Auf liebe Leute, legt es mir in den Bücherkasten, das würde ich sehr gerne finden und den Namen Daniel Spitzer habe ich, glaube ich, auch schon einmal gehört.
Auch V. S. Naipauls “Atlanta” war sehr intessant. Da ging es um den Besuch des Erzählers, der sich mit der Sklaverei beschäftigt, des New Yorker Stadtteils Harlem. Er ist dort bei einem alten Schriftsteller zu Gast und der erzählt ihm, was für ein toller Bezirk das eigentlich ist, anschließend fährt der Erzähler mit dem Bus nach Hause, vorher hat er sich das nicht getraut.
Ernest Hemingways “Jagd und Unterhaltung” führt nach Afrika und da trifft der Großwildjäger einen der sich für seine Literatur interessiert und ihn nach seinen Veröffentlichungen fragt. Sehr interessant und von Hemingway habe ich natürlich “Wem die Stunde schlägt” gelesen, aber leider noch in den Vorliteraturgeflüsterzeiten.
Von Alfred Komarek gibt es zwei Texte, beide sind keine Auszüge aus den Romanen, die ich von ihm schon kenne. Er hat jetzt auch ein neues Buch geschrieben, das ich als Vorab-Exemplar in meiner Mailbox fand, als ich vom Urlaub zurückgekommen bin. Ich hoffe, ich kann es öffnen, dann werde ich es gerne lesen. Es geht, glaube ich, um den Semmering, also wieder um das Reisen.
Von Bruce Chatwin gibt es einen Auszug über “Patagonien”. Noch nie etwas von dem Autor gehört. Alfred war aber vor einigen Jahren mit dem Karli dort und Julia Kröhn hat unter einem Pseudonym eine ganze Serien von Patagonien-Romane geschrieben, die ich gerne lese, wenn ich sie einmal finde.
Peter Handkes “Versuch über Jukebox” habe ich, glaube ich, schon gelesen und Hermann Hesses “Morgenlandfahrt”, ist jetzt besonders interessant, feiert der berühmte Kultautor doch ein Jubiläum. Der Spiegel hat ihm einen Artikel gewidmet, den hat der Alfred in Klaipeda kaufte und Wolfgang Tischner vom Literaturcafe hat ein Video über ihn gedreht. Ich bin kein besonderer Hesse-Fan. “Unterm Rade” habe ich, glaube ich, nach meiner Matura gelesen und mich dann gewundert, daß alle so auf diesen Autor abflippen. Jetzt höre ich überall, er ist eigentlich sehr kitschig und nur etwas für Jugendliche, bevor sie nach Indien aufbrechen.
Sehr viel habe ich nicht von ihm gelesen und das “Glasperlenspiel” einmal im Schrank gelassen und dann war es, als ich doch holen wollte, nicht mehr da.
Johann Wolfgang Goethes “Rom Reise” ist natürlich interessant und die habe ich, glaube ich, auch gelesen und Helmut A. Gansterer, der mich einmal bei einer Lesung bei “Rund um die Burg” durch sein enormes Selbstvertrauen beeindruckte, hat auch einen Text über Italien geliefert, wo er, weil er sich bei einer Party langweilt, über die Grenze fährt nach dem Dreiländereck einen köstlichen Cappuccino trinkt und als er wieder in seiner Wohnung ist, fragt ihn einer, wo die Servietten sind?
Das ist vielleicht Zynismus pur oder etwas anderes, wir sind aber auch schon einige Male nach Italien gefahren und haben über der Grenze einen Kaffee getrunken und dann weiter, meistens in die Toskana, wie das auch die selbstbewußten Geistesmenschen so tun sollen und die Katharina aus den “Zwillingswelten” schläft in dem Motel am Dreiländereck, bzw. fährt sie dann weiter nach Sizilien.
Bei “Wo die Ruinen blühen” wird es ernster, denn bei Friedrich Ortner geht es nicht nur um die puren Vegnügungsreisen, sondern, um Kriegsberichterstaatung. Da ich keine Fernseherin bin, kenne ich mich bei den Starreportern nicht so aus, wenn ich mich aber nicht irre, hat ihn Michaela Falkner eingeladen, als sie ihr Buch im Literaturhaus vorgestellt hat.
Mark Twain schreibt über “Die Arglosen im Ausland”, da fahren die Yankies nach Paris und gehen in den Louvre, so soll es im vorigen Jahrhundert zugegangen sein und habe ich nicht vom Martin einmal “Ein Yankee aus Connetecut an König Artus Hof” zum Geburtstag geschenkt bekommen, das ich endlich lesen sollte? Ich habe und bei dieser Gelegenheit kann ich gleich erwähnen, der Alfred schnekte mir einmal zu Weihnachten das “Erste Allgemeine Nicht Reise Buch”, und an das habe ich bei meiner Urlaubslektürevorbereitung kurz gedacht.
Weiter gehts mit Herbert Rosendorfer “Winterliches Chaos”. Da erzählt einer, wie er als Kind mit seiner energischen Großmutter in der Kutsche zu Hitlers Zeiten von Kitzbühel nach St. Johann zum Mittagessen fuhr. Für die, die es interessiert, dazwischen liegt der Ort Oberndorf und da war der Alfred einmal mit der Anna schifahren. Ich habe ihn begleitet und bin an einem Tag nach Kitzbühl und am anderen nach St. Johann spaziert und dabei die “Geschichten vom lieben Godt” geschrieben, die ja einigermaßen erfolgreich wurden.
Dann kommt noch ein Auszug aus Adam Bronsteins “Tagebuch eines Kapitalisten” und das habe ich einmal im Schrank gefunden, womit das Resumee der Anthologie wieder lesen ist. Ich habe zwar schon eine sehr ausgefüllte Leseliste, aber das sollte noch irgendwie hinein.
Samstag in Litauen
“Seven Days in Lithuania”, heißt das kleine Heftchen, das ich auch in meinem Reisegepäck hatte, aber noch nicht ausgepackt hatte, als wir von Polen in Litauen einreisten. Von Campingplatz in Wigry sind wir gekommen und haben die Uhren um eine Stunde vorgestellt, so daß wir bald Rast in einem gemütlichen Gasthaus an einem See mit Holztischen machten. Offenbar ein Ausflugsort, denn sehr viele Leuten strömten auf das Klo für das man 3 Lits oder Lats zu bezahlen hatte und die, die das taten, verwirrten damit die Servierin, weil sie glaubte, daß sie ein Eis kaufen wollten.
Ich war auch ein bißchen verwirrt, denn das erste Mal in Litauen, von dem ich bisher ja nur über Renate Serelyte einen literarischen Eindruck bekommen habe. Die Frauen sind ein bißchen unbewöhnlich angezogen, meist sehr elegant und lange Kleider, die man bei uns nicht am Nachmittag tragen würde und Zöpfe haben viele auch.
In dem Ausflugsrestaurant herrschte eine gemütliche Stimmung. Ein Kind spielte auf seinem Tablet herum, während ihm die Mutter das Essen schnitt. Viele junge Leute mit kleinen Kindern und ein Motorradtreffen schien es auch zu geben, zumindest kamen einige solcher schwarz gekleidete Männer in das Lokal und später raste ein ganzer Trupp auf der Hauptstraße in Vilnius an uns vorbei.
Aber noch waren wir nicht so weit, noch fuhren wir an schönen Holzhäusern und Souvenierbuden auf den Campingplatz und später zu dem Schloß nach Trakai, achtundzwanzig Kilometer von Vilnius entfernt, vorbei, das mitten im Wasser liegt. Als das Zelt aufgebaut war, fuhren wir dorthin und sahen auf den Parkplatz, glaube ich, das erste große Auto und auf der Promenade, das erste Hochzeitspaar. Die sollten uns dann noch öfter begegnen. Bräute in langen weißen Kleider. Fünf, sechs, sieben, etc Paare, die überall posierten, Blumen, Fotografen. Später sollte ich im Führer lesen, daß es in Litauen üblich ist, am Samstag zu heiraten und sich vor den Nationaldenkmälern fotografieren zu lassen.
In Vilnius in das wir später fuhren, gab es auch ein paar Brautpaare zu sehen und in dem kleinen Heftchen wird natürlich empfohlen einen Tag in Trakai und einen anderen in Vilnius zu verbringen. Wir packten alles auf einen Nachmittag zusammen und sind, weil wir nicht gleich die richtige Zufahrt fanden, dann zwei Stunden in der Stadt herumspaziert. Eine lange Straße hinunter, an der später die Motorräder vorüberrasten und die Olympiade gab es auch und offenbar ein Heimspiel, denn überall waren Fernseher aufgestellt und manchmal gab es Bravorufe zu hören.
Bis zur Kathedrale bzw. zur Universität sind wir, an der österreichischen Botschaft, vorbei spaziert und wieder zurück auf den idyllisch schönen Campingplatz, der einen Zugang zum See hatte und man, wenn man sich anstrengte, auch das Schloß sehen konnte.
Samstag scheint in Litauen überhaupt ein Feiertag zu sein, denn oberhalb des Campingplatzes gab es ein Cafe und ein Restaurant und davor standen nicht nur viele Autos mit litauischen Kennzeichen, sondern auch ein großes Zelt und vor diesen liefen viele Kinder in mittelalterlichen Kleidern herum, die irgendetwas aufzuführen schienen, das sie sich dann später per Video im Restaurant ansahen.
Wir setzten uns vor da Cafe und tranken ein Glas Wein, ich blätterte in den Broschüren, bzw. in dem “Best Writing- Buch”.
Vom See führten zu dem Restaurant Stufen und in der Mitte gab es einen festlich gedeckten Tisch, wo eine elegante gekleidete Gesellschaft tafelte, während weiter oben eine andere, Fische grillte, viele Kinder liefen herum, die Frauen waren elegant gekleidet, die Stimmung und das Wetter gut.
Nach dem zweiten Glas Wein, bzw. Bier gingen wir auf den Campingplatz zurück, wo Italiener, Deutsche Holländer ihre großen Campingwagen aufgebaut hatten und teilweise auch grillten.
Selten findet man das einheimische Feiern und den Camping-Tourismus so nahe beieinander und eine blaue Blume habe ich auch gefunden, vorher in Trakai, bei der Wasserburg. Eine Braut hat sie verloren. Ich habe sie aufgehoben und in das “Best Writing from and about Lithuania”-Buch gelegt. Sie hat inzwischen einige Blätter verloren und stark abgefärbt. Die blaue Blume der Romantik passt aber gut in die sehr beeindruckende litauische Feiertagsstimmung, auch wenn ich im Führer gelesen habe, daß die meisten Ehen wieder geschieden werden und die Standesämter zwei seperate Eingänge haben, damit man das nicht sofort bemerkt.
Mein Bruder schiebt sein Ende auf
Weiter geht es mit dem Herbstprogramm aus dem Haymon-Verlag. Zwei Erzählungen von Joseph Zoderer, die das Sterben und das Älterwerden zum Thema haben. In der Titelgeschichte geht geht es um zwei Brüder und die Verschiedenheit bzw. die Distanz, die sie in ihrer Beziehung haben oder auch um einen Monolog eines Fünfundsiebzigjährigen. Joseph Zoderer, um die Autobiografie zu bemühen, wurde 1935 in Meran geboren und der namenlose Ich-Erzähler monologisiert auf über sechzig Seiten über seinen älteren Bruder. Über fünfundachtzig ist er und hat in der Ukraine, nicht in Stalingrad, ein Stück Lunge verloren, als er als MG-Schütze dort einen Sturmangriff wagte und verwundet wurde. Das ist ein großes Thema der Erzählung, die Frage der Schuld, die der jüngere, der, als das passierte, wahrscheinlich gerade in der Volksschule lesen lernte und dort auch mit Hitlers oder Mussolinis Heldentaten vollgeschwafelt wurde, nicht verstehen kann. Hätte das tausendjährige Reich länger gedauert, wäre er vielleicht auch eingezogen worden, hat es aber nicht und so ist auch der Bruder zurückgekommen, hat, weil mittellos seine Minna geheiratet, die sich zur ersten Verkäuferin eines Schreibwarengeschäftes hinaufgearbeitet hat, bis sie in Pension ging. Der Bruder war, weil aus einer armen Familie stammend, angelernter Buchbinder und jetzt schon lang verwitwet, hört schlecht, schleppt sich mit Stock oder Krücken durch seine Zweizimmerwohnung oder wenn es hoch kommt, zum Spaziergang auf den Friedhof und hat zwei polnische oder ukrainische Zugehfrauen, die später auch Heim- oder Pflegehilfen genannt werden, denn er hat noch ein Problem, für das er sich sehr schämt. Er ist inkontinent, das heißt, er trägt Windeln, da er diese aber in der Unterhose hat, werden es wohl Einlagen sein und kämpft auch mit der Angst um den Erinnerungsverlust. Das Problem des Älterwerdens und das des Sterbenmüssen, das uns alle wohl erwartet und das wir meistens sehr verdrängen. Die Schriftsteller, die hier etwas privilegierter sind, beschäftigten sich damit und das ist gut so, denn so haben wir, wenn wir nicht zu den leichten lockeren Bestsellern ausweichen, die Chance uns damit auseinanderzusetzen und mir hat dieser vorsichtig distanzierte Zugang, da ich mich im Augenblick ja sehr mit der Frage beschäftige, wie die Betreuung meines Schwiegervaters klappt, der seinen Kampf mit dem Ich-Verlust schon fast verloren hat und dem man einmal auch mit sechzehn, siebzehn oder achtzehn Jahren von der Schulbank weg an die Front trieb, gut gefallen. Und meine persönliche Meinung zu diesem Thema, die einen viel älteren Vater hatte, der zu Hause sehr freimütig erzählte, daß er damals in die Luft geschossen hat, obwohl er, wenn ich das, was ich weiß, rekonstruiere, gar nicht so viel an der Front, sondern Fernschreiber war, ist, daß die jungen Burschen, denen man damals die Matura und einen Teil der Lunge stahl, gar nicht so viel an Schuld haben können. Was hätten sie denn sonst machen sollen? War ja damals ein sehr autoritäres Regime und die Propagandatrommel mit der HJ-Jugend wurde auch sehr eifrig gerührt.
Die beiden Brüder sind sich also fremd, denn der jüngere war in den New Yorker Jazzkneipen und ist durch Amerika getrampt, während der andere in Südtirol oder wo immer Volkstanzlehrer wurde, trommelte, etc. Unpolitisch war er aber auch, denn das wird man, steht irgendwo, wenn man so früh in einem Krieg getrieben wird und jetzt schiebt er sein Sterben auf, was eine eine sehr poetische Formulierung ist. Ich habe zwar nicht so ganz verstanden wieso, denn mit Fünfundachtzig stirbt man heute ja noch nicht unbedingt und dieser Bruder ist noch ganz gut beisammen. Der Zerfall und das Verlieren der Erinnerung wird vielleicht später kommen und das erlebt man oder erlebt es nicht. Ich finde es gut, sich damit zu beschäftigen und so habe ich diese vorsichtige Annäherung des über Fünfundsiebzigjährigen an das Sterben und den Tod sehr genossen und auch sehr dicht beschrieben gefunden. Nicht alle werden wir Windelhosen tragen und was ich so an meinen Vätern-und Schwiegervätern erlebe, wenn es so weit ist, macht es einem nichts mehr aus. Man kann die Gnade des früher Sterbens erleben, wie auch die Gnade der späteren Geburt und was die Sturmangriffe in der Ukraine, in Stalingrad, etc auf der anderen Seite bedeutet haben, habe ich erst vor ein paar Tagen gelesen und im Wochenend-Standard gibt es einen Artikel von Martin Pollak über den Handel mit alten Soldatenfotos. Ich habe ein Fotoalbum, wo mein Vater in der Uniform zu sehen ist. Man ist damals um diese Erfahrung wahrscheinlich nicht herumgekommen und bald werden die gestorben sein, die mit der Notmatura an die Front geschickt wurden und es ist sehr schön, daß wir in Österreich solange keinen Krieg erlebten, überall anders gab es das sehr wohl, das sinnlose Sterben die Aggression und die Gewalt…
Dann ist da noch die zweite Erzählung “Konrad”, die am Beginn des Buches steht, wo der namenlose Ich-Erzähler über den Freund sinniert, der gestorben ist und der er vielleicht gar nicht so gut kannte, obwohl sie doch jahrelang die Spaghetti miteinander teilten, sich in Wien am Stephansplatz kennenlernten und der eine dann den anderen in Rom, wo er lebte, besuchte.
Auch eine sprachlich sehr schön erzählte Geschichte. Joseph Zoderer, von dem ich vor einem Jahr die “Farben der Grausamkeiten” gelesen habe und auch bei einer Lesung in der Alten Schmiede war, ist ja ein großer Sprachkünstler. Eine schöne Erzählung über einen Freund, mit dem man lange lebte und ihn doch nicht kannte, steht glaube ich, in der Beschreibung. Klappentexte gibt es ja bei E-Bücher nicht. Die andere Erzählung ist für mich dichter und berührender, wahrscheinlich, da ich mich immer schon mit dem Älterwerden und dem Sterben auseinandersetzte und da ich einmal fast ertrunken wäre, auch keine besondere Angst vor dem Tod habe.
“Und für einen Moment schließe ich meine Augen und kann so uns beide fallen sehen. Und da weiß ich, daß ich meinen Bruder schon immer geliebt habe.”, lautet der letzte Satz der Titel-Erzählung und der ist sehr tröstlich und schön.
Wolkenherz
Nun kommt mein Versuch mit dem E-Book lesen, auf dem Laptop, denn Kindle habe ich ja keinen und kaufe ihn auch nicht, der Haymon Verlag stellt mir aber freundlicherweise ab nun seine Bücher als E-Buchexemplare vorab zur Verfügung und ich bin ja eigentlich, auch wenn man das vielleicht nicht gleich merkt, ein experimentierfreudiger Mensch. Wie das Lesen war? Gewöhnungsbedürftig, aber ich glaube, ich kann mich daran gewöhnen, wie ich nach dem Nanowrimo auch angefangen habe, alles gleich in den Computer zu schreiben, obwohl ich vorher dachte, ich muß zuerst mit der Hand. Und beim Lesen dachte ich, ich muß die Bücher haben, in sie hineinschreiben, besitzen und bin deshalb kaum in eine Bücherei gegangen. Bei der Bücherfülle, die es gibt, kam aber schon die Erkenntnis, man muß nicht, auch wenn ich “Wolkenherz” zweimal gelesen habe, weil ich zumindestens auf meinen Computer nicht zurückblättern und anstreichen kann, am Kindle kann ich das, glaube ich, schon, aber den habe ich ja nicht und mir am Anfang auch unsicher war, ob ich jetzt das ganze Buch gelesen habe, denn die Seitenzahl variiert, das gebundene Buch hat hundertvierundvierzig Seiten, ich habe dreiundsiebzig in meiner Leseform, weiß das aber auch von meinem Schreiben, das Buch hat doppelt so viele Seiten, wie das Manuskript. Und es ist natürlich kein Buch, das ich gelesen habe, denn wenn mein Computer, was in einigen Jahren passieren wird, eingeht, ist es weg. Ich kann mich, glaube ich, mit dieser Leseform trotzdem anfreuden, prarallel dazu die Bücherschrankbücher lesen und mich schon darauf freuen, “Wolkenherz” vielleicht einmal zu finden, um nachzuschauen, ob ich jetzt alles gelesen habe oder nicht.
“Wolkenherz” von Jochen Jung, dem 1942 in Frankfurt am Main geborenen, dem Lektor oder Residenzverleger, dem ich in den Siebziger- und Achtzigerjahren meine Manuskripte geschickt habe und dachte, jetzt muß es doch einmal klappen, bei Peter Henisch geht es doch auch, hat aber nicht und ich bin auch nicht so sprachgewaltig, wie einer der Handke, Bernhard, Jonke etc verlegte und möglicherweise auch in den Manuskripten herumgestrichen hat.
2000 gab es dann Schwierigkeiten mit dem Verlag und inzwischen auch Jung und Jung und irgendwann oder vielleicht auch vorher schon, hat Jochen Jung zu schreiben angefangen, bei Haymon gibt es inzwischen schon fünf Bücher, einmal war ich bei einer Präsentation bei “Buch und Wein”, das es schon lange nicht mehr gibt, einmal habe ich ihn in der “Alten Schmiede” gehört und einmal, glaube ich, bei “Rund um die Burg”
“Wolkenherz” also, eine Geschichte, die, wie in der Beschreibung steht, wie ein Märchen klingt und vieleicht auch eines ist.
“Eine märchenhafte Sommergeschichte und zugleich eine Liebeserklärung an das Leben im Norden”, steht da. Ich hätte eher die Beschäftigung des älteren Mannes mit dem Leben und dem Sterben und vielleicht auch eine Rückkehr in die Kindheit darin gesehen, aber Jochen Jung wurde ja nicht an der Nord- oder Ostsee geboren und es geht auch um einen sehr jungen Mann. Um Jonathan, fünfundzwanzig ist er, glaube ich und Reiseleiter oder Begleiter, wie es in dem Text heißt, dem ist seine Mutter gestorben. Und weil er, wie es in der Beschreibung heißt, Beerdungen nicht mag, ist er von der Abschiedung, nachdem der Pfarrer seine Mutter, die Johanna Jensen hieß, Johanna Peters nannte, abgehauen und ans Meer an die Nord- oder Ostsee, so genau ist mir das nicht klargeworden, gefahren und da sitzt er nun, “liebt die Wolken und die Möwen” und wird von einer grauhaarigen Fünfzigjährigen, die auch Johanna heißt, angesprochen und eingeladen in ihrer Villa zu übernachten. Er will das aber nicht, sondern geht ins Hotel, da müßte er aber, obwohl die Saison schon zu Ende ist, den Doppelzimmerpreis für das Einzelzimmer zahlen. So geht er doch dorthin, aber erst, als er von der blonden jungen Hannah, er ist ebenfalls blond, die auch Jensen, heißt, der örtlichen Kkioskbesitzerin angesprochen und dazu aufgefordert wird.
Daß man keine sprechenden Namen verwenden soll, darüber habe ich vor drei Jahren mit Frau Heidegger diskutiert, hier ist es aber eine Metaphernvielfalt, die für das Märchen wichtig ist und so geht er in die Villa, geht zu Frau Hansen aus Schwansen, die im Rollstuhl sitzt und mit ihrer Tochter Johanna dort lebt und Hannah lebt zur Untermiete dort oder eigentlich als Betreuerin der alten Dame und einen Hund namens Plato, der eigentlich auch schon im Rollstuhl sitzen sollte, gibt es auch. Schöne Metaphern und schöne Bilder. Hannah bringt Sprotten, Makrelen, Bücklinge zum Abendessen und Jonathan hat von seiner Firma drei Tage Zeit für das Begräbnis bekommen. Die Geschichte beginnt am zweiten Tag, wo er in die Heimat seiner Mutter, die Lehrerin war, gekommen ist, in Hannah Jensen seine Base findet und mit ihr nach dem Abendessen auch gleich ans Meer spazieren geht, bzw. den Hund zu suchen, der verschwunden ist. Sie gehen auch in den Hotelgarten und werden von drei Blechmännern, bzw. tätowierten Rucksacktouristen attackiert und überfallen, verbringen einige Zeit am Kiosk und am nächsten Morgen beim Frühstück ist Plato tot.
Jonathan will ihm im Garten vergraben, der Tierarzt verbietet das und will den Stammbaum des Hundes haben und Frau Schwansen hansen empfiehlt Jonathan nicht sofort nach Altona zurückzufahren, sondern sie noch eine Weile im Rollstuhl am Meer entlang zu schieben. Sie gehen dann noch in den Hotelgarten, essen Zitronenkuchen und Frau Hansen Schwansen vertraut ihm an, daß sie Angst vor dem Sterben bzw. davor hat, ihren Tod zu versäumen. Das letzte Kapitel und das könnte man vielleicht ein bißchen schwülstig nennen, ist ein Epilog aus dem Himmel, Plato meldet sich noch einmal wieder, um Frau Hansen zu sagen, wie das so ist, wenn man auf einmal drüben ist und, daß es Gott gibt.
Diese Erfahrung muß ich erst machen, ich glaube aber schon, daß man sein Sterben nicht bemerkt und man sich daher davor nicht fürchten muß.
Mein Resume der Geschichte, Jochen Jung kocht auch nur mit Wasser, das habe ich schon einmal geschrieben und das ist tröstlich für eine, die so abseits steht und immer noch damit zu kämpfen hat, ob sie nun schreiben darf oder nicht?
Jochen Jung, der sich, nehme ich einmal an, bei Residenz nicht selbst verlegt hätte und das auch bei Jung und Jung nicht tut, nimmt sich dieses Recht heraus und er hat nun einmal, da er ja wahrscheinlich in den Werken Handkes, Bernhards, Jonkes etc, herumgestrichen hat, eine große Wortgewalt, eine barocke Sprache und einen Metaphernreichtum, der mir, die ich das Einfache liebe, manchmal fast zu schwülstig ist.
Es ist aber tröstlich zu sehen, daß er sich trauen darf zu schreiben und Erfolg damit hat. Das nehme ich mir davon mit und gebe den Hinweis in eigener Sache, daß ich zu den Vorarbeiten der Dora Faust, 2001, auch eine Geschichte geschrieben habe, die an der Nord- oder Ostsee spielt “Möwenflug oder Johannes Sedelmayers Begegnungen”, die im “Best of 2” enthalten ist.
Zum Schluß kann ich mir nicht verkneifen darauf hinzuweisen, daß über die Hundemetaphern und wo, die nun begraben liegen, bei Cornelia Travnicek, glaube ich, unterm Kirschenbaum, beim heurigen Bachmannpreis diskutiert wurde.
Und bezüglich der Namensdebatte fällt mir noch ein, daß der Cheflektor im “Verrückten Traum der Thea Leitner”, die ja nach Salzburg fährt und dort eine Nacht im sogenannten “Star-Verlag” verbringt, Günther Grass heißt, was von Elfriede Haslehner sehr getadelt wurde.
Reisevorbereitungen
Langsam kommt der geplante Urlaub näher, am Donnerstag werden wir ja zwei Wochen in die baltischen Staaten nach Lettland, Estland, Litauen fahren und noch einen kleinen Abstecher nach Finnland machen, um den Norbert, einen Freund Alfreds zu besuchen, weil es uns im vorigen Jahr in den Masuren so gut gefallen hat und wir noch ein Stückchen weiter fahren wollen.
Das muß natürlich vorbereitet werden. Die schöne Tasche, die mir der Alfred aus Australien mitbrachte, lag in Wien schon lang mit den Büchern und den Broschüren der litauischen Autoren, die ich mir 2002, aus Frankfurt mitbrachte, bereit. Ernst Wiecherts “Kleine Passion”, das auf der Leseliste bald an die Reihe kommt, habe ich auch hineingepackt und dann noch die beiden Geschenkbücher vom Welttag des Buches, wo es ums Reisen bzw. um Europa geht.
Vorher habe ich noch ein paar der Herbstneuerscheinungen aufgelesen, die mir der Haymon-Verlag als Vorab- E-Books schickte und damit, als passionierte Badewannenleserin eine ganz neue Leseerfahrung gemacht. Es geht aber und man kann sich daran gewöhnen, habe ich bei den ersten Versuchen festgestellt und da man die Bücher erst im August besprechen soll, werden sie, wenn wir durch die baltischen Staaten fahren nach und nach erscheinen, wenn alles klappen sollte, so daß das Literaturgeflüster nicht ganz auf Sommerfrische geht.
Mit Jochen Jungs “Wolkenherz”, einer leichten Sommergeschichte, wie in der Beschreibung steht, die sich aber als eine Auseinandersetzung mit dem Sterben und dem Tod, entpuppte, habe ich schon begonnen. Dann wäre als nächstes Georg Haderers Krimi “Engel und Dämonen” drangekommen, was mich besonders gefreut hätte, am Wochenende einen Krimi zu lesen, nur leider klappte es nicht ganz, das PDF zu bekommen, da ich ja keinen E-Bookreader habe, sondern am Laptop lese. Also habe ich Joseph Zoderers “Mein Bruder schiebt sein Ende auf”, auch eine Erzählung über das Älterwerden und das Sterben vorgezogen, aber vorher noch die ersten zwei Kapitel des Haderer Krimis gelesen, da man die schon im Internet und auf der Autorenseite finden kann, als kleine Einstimmung auf das Buch, das ich jetzt in Printform zu bekommen scheine.
Am Samstag in die Stadt gefahren, um den Alfred dort zu treffen, denn meine Leser wissen es wahrscheinlich, da war ich ja am Mittwoch beim Thalia und habe ein bißchen den Bücherstoß umgegraben, wo es die 3.99 Abverkäufe gibt. Sybille Lewitscharoffs “Montgomery” gefunden, das ich einen Moment lang mit “Apostoloff” verwechselt habe, Kafka für Eilige, Ilija Trojanows und Julie Zehs “Angriff auf die Freiheit” und die Bücher tapfer liegen lassen, weil ich sie ja nicht wirklich brauche.
Dann hat es mich aber doch gepackt und ich habe, während der Alfred beim Friseur war, noch einmal die Stöße umgewühlt und wahre Gustostückerl darin gefunden. Jan Kossdorfs “Spam” zum Beispiel, das ist zwar kein Taschenbuch, es gab aber einmal eine Lesung daraus in St. Pölten, vielleicht ist es von damals übergeblieben. Eva Baronsky “Herr Mozart wacht auf”, wo ich, glaube ich, einmal eine Lesung auf einer Buch-Wien hörte, Ingo Schulze “Adam und Evelyn”, ein Fast- Buchpreis-Gewinner von 2009, glaube ich. Nick Hornby “All you can Read”, Hornby über seine Bücher, auch darüber habe ich schon viel gehört. Ein, was ich erst später bemerkte, Klever-Buch Adelheim Dahimenes “Rauchernovelle”, die ich ja 1996 kennenlernte, als sie beim Bachmannpreis gelesen hat und die inzwischen gestorben ist. Matthias Frings “Der letzte Kommunist”, da habe ich in Leipzig einmal davon gehört. Ganz besonders interessant Judith Zanders “Dinge, die wir heute sagten” 3-Satz Preis der Tage der deutschsprachigen Literatur von 2010, glaube ich. Rainhard Kaiser-Mühlecker “Der lange Gang über die Stationen”. Dann noch einen Weihnachtskrimi und zuletzt noch Markus Orths “Hirngespinste”, zehn ausgesuchte Gustostückerln. Die anderen habe ich liegenlassen, Kerstin Hensels und Kurt Tucholskys Gedichte beispielsweise u.u.u.
Jetzt habe ich also wieder zehn neue Bücher, meine Leser werden denken, sie kann es nicht lassen und ich habe keine Ahnung, wie ich sie auf meine Leselisten bringen, denn da habe ich ja inzwischen einiges Alte daraufgesetzt, so daß gar kein Platz ist, für diesen oder die nächsten Sommer. Aber da muß man doch zugreifen oder?
Ich mußte jedenfalls und werde es schon irgendwie unterbringen und interessant war noch etwas, denn während die Evi vom Cafe Uranus oder Zwillingsleiden noch vor einer Woche oder so beklagte, daß es dieses Kultbuch dieses Sommers “Shades of Grey” nicht zu kaufen gibt, liegen jetzt große Stöße davon auf den Tischen und die Leute sprechen auch davon. Es gibt sogar einen Artikel darüber im Wochenend-Standard und der wurde, das ist ganz besonders interessant, von Nadine Kegele geschrieben, der Literaturwissenschaftlerin und Autorin, die ich am Volksstimmefest kennenlernte und inzwischen auf einigen ihrer Lesungen war. Sie habe ich übrigens sehr oft bei meinen Suchanfragen der letzten Tage, wo ich ja auch schon einmal einen Artikel daraus machte und auch Sandra Gugic wird viel bei mir gesucht bzw. gefunden und das ist wahrscheinlich deshalb, weil sie auf die Longlist des fm4-Preises gekommen ist. Was ich meinen Lesern auch noch mitteilen wollte, bevor es in den Urlaub geht und auch, wie ich ergooglet habe, daß sie inzwischen nicht mehr in Wien, sondern in Leipzig studiert. Die anderen der Ausgewählten kenne ich nicht, werde aber vielleicht noch von ihnen hören und da die “Vorschau der Wiedergeborenen”, was mich sehr freut, inzwischen auch erschienen ist, kann ich ziemlich unbelastet mit meiner Büchertasche losfahren. Manuskripte nehme ich nicht mit. Da korrigiere ich weiter, wenn ich zurück bin, nur ein Heft für Reiseeindrücke, denn vielleicht werden wieder ein paar Texte entstehen und nach dem Urlaub weiterlesen und weiterschreiben. Die Sommerlöcher werden dann auch geschlossen sein, denn dann wartet schon die Longlist des dBp auf mich und vielleicht ein weiteres Vorablesen. Anna Weidenholzers Buch will ich mir noch bestellen und mich sonst mit dem Begnügen was mir Haymon schickt und das ist ja genug, wenn man soviel Altes hat, was auch noch nicht gelesen ist. Ob ich dann ruhiger geworden bin und weniger schreibe, weiß ich nicht, aber wahrscheinlich wird es dann erst recht viel zu Veröffentlichen geben und die Lesung am Volksstimmefest, zu der ich alle, die Lust dazu haben, recht herzlich einlade, gibt es auch.
Dazwischen gab es noch einen kleinen Mailwechsel mit Dine Petrik wegen ihrer Veranstaltung im Jänner über die ich ja berichtet habe und der das Bild, das der Alfred von ihr machte, nicht gefiel. Leider haben offenbar nicht alle Kollegen so großes Vergnügen, wie ich am Literaturgeflüster, das ja der Versuch ist, mich in diese Literaturbetrieb sichtbarer zu machen.
“Wer schreibt bleibt!”, hat mir meine liebe Psychologie-Kollegin Irmgard am Samstag auf meine Jammerartikel auch geschrieben, bei mir ist aber das “Recht zu schreiben”, wie Cornelia Travniceks Volltext-Text mit dem sie als Bachmannleserin vorgestellt wurde, heißt, offenbar nicht nicht so eindeutig ausgeprägt. Zumindest stoße ich überall auf Grenzen, als ob man nicht über Lesungen, die man besucht, die Bücher, die man liest, etc berichten darf. Einen kleinen Teilerfolg kann ich aber schon vermelden, da es inzwischen vorkommt, daß sich Kollegen, die mich auf Veranstaltungen übersahen, anschließend bei mir gemeldet und entschuldigt haben.
Jetzt gibts eine kleine Literaturgeflüsterpause, für alle, die sich darüber freuen und für die, die es vermissen, nachher die Reiseimpressionen.
Vorschau auf “Die Wiedergeborene”
Drei Frauen leben oder lebten in einer bürgerlichen Altbauwohnung in der Wiener Währingerstraße.
Die Großmutter Rosa, 1915 geboren, hat 1938 ihre jüdische Freundin Hannah im Dienstbotenkammerl neben der Küche vor den Nazis versteckt und 1956 eine andere Freundin bei sich aufgenommen, als die 1956, von Budapest nach Wien flüchten mußte, während sich ihre Tochter Marianne, 1968 in den Dissdenten Jan verliebte, der der Vater von Theresa ist, die während Marianne in Prag von Vaclav Havels Tod erfährt, auf einer Demonstration, den koptischen Christen Albert Taher kennenlernt und sich entscheiden muß, ob sie die Tradition ihrer Familie aufnehmen und sich in in ihn verlieben will.
Hier die Entstehungsberichte 1 2 3 in zusammengefasster Form.
Eine Leseprobe wird es auf meiner Website hoffentlich auch bald geben.
Und hier das Video von der Lesung im El Speta und die Artikeln zu den drei Lesungen, auf denen ich jeweils einen großen Teil der ersten Szene gelesen habe.
Das Buch an dem noch ein bißchen gearbeitet werden muß, wird hoffentlich bald erscheinen.
Bis dahin wünsche ich viel Spaß beim Schmökern durch die Entstehungsweise und Hören des Lesungsvideos, das mir der liebe Rudi dankenswerter Weise zur Verfügung stellte.
Vorbestellungen nehme ich gern entgegen, wenn es jemand, vielleicht für das Literaturhaus, seinen Blog oder anderswo rezensieren will, würde mich das freuen.
Kehrtwende
Da habe ich jetzt dreißig Jahre lang gehört, daß man um jeden Preis einen Verlag haben muß und seine Bücher auf gar keinen Fall selber machen und gar nicht die Nähe des Anscheins kommen darf, daß man vielleicht doch etwas selbst dazu bezahlt, denn dann ist es aus mit einem, kein Mensch nimmt mehr etwas, kein Verlag druckt ein Buch, man bekommt keine Lesungen und darf, was ich auch schon hörte, nicht Mitglied bei den IG-Autoren sein, was mit Sicherheit nicht stimmt. Der PEN nimmt einem nicht als Mitglied etc und auf einmal ist alles anders, gilt das Gesagte nicht mehr. Seit Amazon das Kindle direkt puplishing, KDP, genannt anbietet, wachsen die Autoren, die das machen, wie die Schwammerln aus dem Boden, haben keine Scheu ihre Erfolgsgeschichten zu posten und man hört und staunt, sie haben früher auch ihre Schwierigkeiten mit den Verlagen gehabt. Jetzt machen sie es selbst und sind scheinbar sehr damit zufrieden und die Geschichten derer, die es schaffen auf Platz eins in in das Amazon Ranking zu kommen, nimmt zu. So lese ich seit einiger Zeit Petra van Cronenburgs Blog mit Vergnügen, die immer wieder solche Artikel schreibt und auch immer wieder ihre Bücher tageweise gratis, was man offenbar kann, für den Kindle zur Verfügung stellt. Und der Biografienschreiber Matthias Brömmelhaus hat das unter dem Namen Bela Bolten jetzt auch gemacht, einen Krimi mit dem Titel “Codewort Rothenburg”, der in den letzten Kriegsjahren spielt, herausgegeben und einen eigenen Blog erstellt, wo man Geschichten darüber lesen und Leseproben dazu finden kann. Er erzählt auch, die Verlage hätten ihn nicht genommen, weil der Markt ausgereizt ist oder sie schon ihre Autoren hatten und ich habe gestern vom Thalia zwei Krimi-Zeitungen nach Hause gebracht, wo man zu Hauf solche historischen Krimis finden kann.
Das dritte Erfolgsbeispiel der letzten Tage findet sich auf dem Literaturcafe, da hat Wolfgang Tischler Martina Gercke interviewt, die mit “Holonderküsschen” auf Platz eins gekommen ist, dann hat sich gleich ein Verlag gefunden, der das Werk in schönen Rosa druckte und die Autorin erzählt freimütig, daß es leichtes Chick Lit ist, das sie geschrieben hat. Die Verlage wollten es nicht, weil ein unbekannter Name, dann hat sie Wolfgang Tischlers Erfolgsbuch zum Direkt Pupslishing gelesen, einen Blog gemacht, die anderen Blog angeschrieben und ihr Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, dann kam noch ein Gewinnspiel und dazwischen auch noch das Korrekt- und das Lektorat und voila dreißigtausend verkaufte Exemplare, weil die E-Books bietet man ja billig an.
Das ist alles natürlich sehr erfreulich, weil es zeigt, daß das, was ich noch vor ein paar Jahren bei Andreas Eschbach lesen konnte, aber auch von anderen hörte, nicht stimmt, andererseits macht mich der Erfolgsdruck dieser Erfolgsgeschichten wieder bedenklich und es stellt sich für mich die Frage, was habe ich davon und wieso klappt das bei mir nicht, beziehungsweise, was muß ich machen, daß es bei mir ebenfalls klappt und da bin ich ein wenig ratlos, denn ich habe ja meinen Blog, wo ich dachte, daß ich damit die literarische Öffentlichkeit erreiche, über vier Jahre. Zuerst hat es sich ganz gut angefühlt. Otto Lambauer hat mich ermuntert, Anni Bürkl hat kommentiert und verlinkt, ich habe Andrea Stift, Cornelia Travnicek, Sarah Wipauer etc darüber kennengelernt und natürlich auch meine kritischen Stimmen Frau Haidegger und JuSophie, die mir sagten, daß ich schlecht schreibe und einige Leser, die mich darauf aufmerksam machten, wenn ich mich mal, wo verschrieben habe, Susanne statt Sabine Scholl z.B. oder Autobiografie, wenns die Biografie gewesen wäre. Da ich ja fast alleine das Literaturgeflüster mache, der Alfred sollte darüber sehen, kann das jetzt aber nicht, weil er mit der Betreuung seines Vaters ausgelastet ist, kann es einmal vorkommen, daß man sich verschreibt und ich habe mich ganz ehrlich gewundert, daß meine Leser bei Kleinigkeiten so pitzelig sind, macht aber nichts, soll so sein. Ich habe kein Lektorat, der Alfred schaut meine Manuskripte auf S, Beistrich- und Fallfehler durch, beim Blog schafft er es, glaube ich, nicht mehr und ansonsten, bin ich ebenfalls darauf gekommen, mache ich mir das Lektorat eigentlich selber und das gar nicht so ungenau. Da habe ich jetzt auf einen Blog Anleitungen dazu gefunden und mir gedacht, da bin ich darüber, das passt bei mir ohnehin. Trotzdem klappt es bei der Resonanz nicht so richtig und wenn ich, was ich früher versucht habe, ein Gewinnspiel angeboten habe, hat sich nur ein einziges Mal eine Frau gemeldet, die das Buch haben wollte und die Anzahl der Leute die auf meine Ankündigungen zu Lesungen kommen, ist auch nicht gestiegen, ganz im Gegenteil. Ich kann monantelang vor mich hinjammern, ohne daß sich einer meldet und sagt “Passt schon, ist gut, wie du es machst!” und das ist es, glaube ich, was ich hören will, denn meine Bücher bei Amazon einzustellen habe ich eigentlich nicht vor. Erstensmal will ich gar nicht so viel daran verdienen, zweitens denke ich, daß ich es nicht schaffe, in die obersten Ränge hinauf zu kommen und dann denke ich auch, es ist gar nicht der Sinn der Sache jetzt dreißigtausend Stück zu verkaufen, für mich jedenfalls nicht. Für mich wäre es ein Erfolg, wenn mir mehr Leute sagen, das ist gut, was du machst und sich für meine Bücher interessieren und da würden mir schon die fünfzig Stück, die ich mir regelmäßig drucken lasse, reichen. Hin und wieder eine Lesung, ein paar Rezensionen, das wäre es schon, ich muß nicht auf Platz eins oben sein, der letzte Platz oder ein fortwährendes “Das ist nicht gut genug!”, ist es allerdings auch nicht und schade, daß es bei dieser Diskussion offenbar kein Dazwischen gibt.
So habe ich jetzt monatelang über meine Erfolglosigkeit gejammert und die erste Reaktion nach Wochen war ein Hinweis auf einen sogenannten Selbstzahlerverlag, mit dem man wahrscheinlich vom Regen in die Traufe kommt oder dort bleibt, wo man schon ist, nur nachher ein paar tausend Euro weniger hat. Denn meine Bücher kann ich mir ja selber machen, wenn mich ein paar Leute mehr lesen und sich durch mich vielleicht ermutigen lassen, wär das schon fein. Geht aber nicht und das finde ich ein bißchen schade, obwohl ich auf der anderen Seite ohnehin ein autonomer Typ bin, dem es schon reicht seine Sachen selber zu machen. Daß Wikipedia meine Digitaldruck.at Bücher mit dem Hinweis nur Verlagsadressen zuzulassen, hinausgeschmissen, zu dem Zeitpunkt, als das Selfpublishing aufgekommen ist, hat mich geärgert, ist aber nicht wirklich wichtig, denn auf meiner Homepage stehen alle meine Bücher und ich schreibe ja auch immer mehr darüber. Ich habs ja mal geschrieben, vor ca dreißig Jahren hat mir ein Freund geraten, ich soll mich nicht um den Erfolg kümmern, sondern für mich schreiben und Freude haben. Das ist nur nicht so leicht, wenn man das Gefühl hat, über zu bleiben und eigentlich nicht wirklich weiß, wieso und die Frage, warum schaffen es die anderen, die auch nicht besser sind und ich nicht, ist in einer solchen Erfolgswelt ja auch nicht ganz unberechtigt.
Selbstbewußter werden, nehme ich mir nach den Jammereien immer wieder vor und ein ganz kleines bißchen, gelingt mir das auch. Das so gar kein Feedback kommt ist zwar irritierend, ich kann aber trotzdem schreiben, tue es auch und finde die Möglichkeiten, die man durch Blogs und Internet jetzt hat, auch sehr faszinierend. Obwohl ich da sicher auch ein wenig eigen bin. Denn ich verwende ja kein facebook, twittere nicht, schreibe auf meinen Blog meine endlosen Jammerartikeln und bewege mich höchstwahrscheinlich auch ein bißchen zwischen den Genres, was bedeuten mag, daß ich für die experimentelle Szene z.B. zu einfach über Jandl, Arno Schmidt etc schreibe und für die anderen habe ich Themen, die vielleicht nicht interessieren. Denn ich schreibe das, was mich interessiert. Über die Bücher die ich lese, die Veranstaltungen, die ich besuche, was ich schreibe und wie es mir damit geht, das alles sehr offen und sehr ehrlich und staune jetzt darüber, daß man auch im world wide Netz verloren gehen kann.
Trotzdem ist es fein, daß es das gibt und ich werde ich so weitermachen. Meine Hektik, die noch anhält, kommt wahrscheinlich auch davon, daß ich den anderen beweisen will, daß ich es kann! Was ich lassen soll, stimmt, denn der Hase hat sich letztlich zu Tod gelaufen, während der Igel triumphierte. Trotzdem bin ich immer noch sehr schnell unterwegs und habe im Moment schon wieder vier Artikel im Voraus, was bis zum Urlaub auch so bleiben wird, denn da gibt es ja noch vier E-Books, für mich eine Premiere, zu lesen und die dürfen erst erscheinen, wenn ich schon auf Urlaub bin. Die letzten Tage bin ich also über lauter Artikel schreiben zu nichts anderes gekommen. Ich beklage mich auch nicht, das habe ich mir selbst so ausgesucht und es hat mir großen Spaß gemacht und jetzt habe ich auch, hurra, die “Wiedergeborene” zu korrigieren, die mir der Alfred brachte und da gibt es auch schon die Umschlagseite mit Bild und Text, so daß es sich ausgehen sollte, die Vorschau auf das neue Buch, vor dem Urlaub in den Blog zu stellen. So daß sich meine Leser, wenn sie wollen, darauf freuen können. Ich habe auch gar nicht so viel dagegen, daß die Leute nicht so viel lesen und es bedroht mich nicht, wenn sie schreiben, im Gegenteil. Ich interessiere mich dafür, lese ihre Bücher, gehe zu ihren Veranstaltungen etc. Ein ganz kleines Bißchen, ganz ehrlich, hätte ich es auch umgekehrt und finde es sehr schade, daß der Literaturbetrieb und ich offenbar nicht zusammenpassen und es kein Plätzchen für mich darin zu finden gibt.
Die Toten schämen sich nicht
Wieder ein Fund aus der Bibliothekskiste der Gumpendorferstraße, ausgeschieden von den städtischen Büchereien und von mir wahrscheinlich zeitgleich mit den Becher Büchern entnommen. Grigorij Bakalanow “Die Toten schämen sich nicht”.
Nie etwas davon gehört, aber diesmal, das Buch ist 1962 bei Goldmann erschienen, gibt es ein Vorwort von Valerian P. Lebedew, der erklärt, daß es sich bei dem 1923 in Woronesch geborenen, um einen der Schriftsteller handelt, die als junge Menschen den zweiten Weltkrieg mitmachten und der, der von 1945- 51 am Maxim Gorki Literaturinstitut studierte, sich von den anderen Schriftstellern durch seine Offenheit, wie er die Ängste und Gefühle der Soldaten beschreibt und nicht nur das pure sowetische Heldentum schildert, unterscheidet.
“Die Toten schämen sich nicht” ist sein dritter Roman und stellt laut Lebedew “selbst die vorausgegangenen Romane weit in den Schatten. Mit solchen Augen hat noch kein Schriftsteller der Sowetunion bisher den Krieg gesehen und geschildert.”
Er ist dafür natürlich auch kritisiert worden, man sprach von einem “Sowetischen Remarquismus”, es gab aber Zeitungen, die für ihn eintraten und er wurde auf den Schriftstellerversammlungen auch verteidigt, liest man im Vorwort weiter.
Interessant ist auch, daß das Buch im Gegensatz zu den Becher Büchern von 1962 bis 1992 sehr oft ausgeborgt wurde. Der damals übliche Stempelzettel auf der ersten Seite ist fast voll markiert. Es gibt auch deutliche Lesepuren, wie Kaffeeflecken und am Schluß des Buches hat ein offenbar empörter Leser mit Bleistift “Blödsinn”, hingeschrieben, warum ist mir nicht ganz klar, denn ich denke, es wird schon so gewesen sein, auch wenn die deutschen und die österreicheischen Kämpfer, wie der Leser vielleicht einer war, natürlich auf der anderen Seite stand. Angst um das Leben und Schuldgefühle wegen der Sinnlosigkeit des Krieges werden aber auch die deutschen Soldaten empfunden haben.
Die Geschichte ist sehr schnell erzählt, das Vorwort, das fast ein wenig zu ausführlich ist und ganze Dialoge wiedergibt, die man später selber lesen kann, schreibt “Der Roman “Die Toten schämen sich nicht”, der den Leidensweg eines kleinen, todgeweihten Soldatenhaufens zum Thema hat, beeindruckt durch die Kraft eines Schicksalgeschehens voll menschlicher Größe und menschlicher Schwäche.”
Und Bakalanow beginnt das Buch so “Um Mitternacht wurde ein deutscher Funkspruch abgefangen. – Aber bis dieser Befehl weitergegeben und ausgeführt wurde, verlegten die vorrückenden Deutschen die Spitze des Vorstoßes noch weiter nach Süden. Doch davon wußte keiner mehr etwas.”
Dann beginnt es in der ukrainischen Hütte, wo die Soldaten in ihren Klamotten schlafen und der Abteilungskommandant Uschakow, der Hauptmann Wasitsch, der Hauptmann Ischenko und die Staatsärztin eines anderen Regiments um den Tisch sitzen. Der kleine Bub der Bäuerin sitzt auch dabei und die erzählt von deutschen Soldaten, die ihn zum Stottern brachten, weil sie ihm erwischten, daß er ihr Brot essen wollte und nicht verstand, daß er dafür “Danke” sagen sollte. Es gibt auch schöne Erinnerungen an die Liebesnächte mit der Stabsärztin, die einen zusammenflickte und jetzt einen Sohn zur Welt brachte, in Wahrheit sitzt man aber weit draußen in der Kälte und im Schnee und kann nur über die Gefühle der Deutschen räsonieren und darüber nachdenken, ob man sie gefangennehmen soll, wenn sie einem entgegenkommen.
“Nun, der Deutsche hat dich laufenlassen. Vielleicht wollte er seine Hände nicht mit Blut besudeln, denn dieser Krieg geht dem Ende zu. Vielleicht ist er auch wirklich ein anständiger Mensch, aber ein anständiger, ein wirklich anständiger, deutscher Soldat, der Hitler haßt, der uns den Sieg wünscht, wird der trotzdem gegen uns kämpfen, auf uns für Hitlers Sieg schießen?”
Es kommt, wie es kommen muß, die Deutschen haben aus taktischen Gründen ihren Plan geändert und das kleine Grüppchen eingekreist, Kommandant Uschkow fällt, siebenundzwanzig sind am Leben geblieben. “Irgendeiner, den sie alle kannten und doch nicht gleich erkannten, lag ohne Mütze auf den Knien unter einem Baum, schöpfte mit der hohlen Hand Schnee und hielt ihn an die Schläfe. Er warf den Schnee sogleich weg, denn im Nu war dieser mit Blut durchtränkt..”
Und Kriwoschejn, dessen Blut die Bauchhöhle füllte, lächelte mit blutlleren Lippen “Ich lag da und dachte darüber nach, wie die Kleinigkeiten in den Augen der Menschen anwachsen, wenn es kein wirkliches Unglück gibt.”
Am Schluß muß Ischenko den Regimentskommanteur Auskunft geben und erzählen, wie es war und ob Major Uschakow “wie ein Held gestorben ist”. Er hat Angst vor ein Militärgericht gestellt zu werden, geht dann aber, als das Verhör vorbei ist, zu seinen Kameraden, die um das Feuer sitzen und gerösteten Speck essen,”dessen Fett vom Finger tropfte, denn der Hunger war zu groß.”
“Wie stehts um uns, Genosse Hauptmann?”, stellte einer eine schüchterne Frage.
“Mit vollem Mund brummte er eine unverständliche Antwort!”.
Dann ist das Buch zu Ende und darunter steht, wie erwähnt mit Bleistift und zwei Rufzeichen “Blödsinn” geschrieben. Wenn man jetzt den Namen Blakanow nachgooglet, kommt man nur auf die Seiten, wo man die Bücher antiquarisch kaufen kann, sonst ist im Internet über den russischen Schriftsteller nur eine biographische Notiz bei “Munziger, Wissen das zählt”, zu finden und muß sich auch noch einloggen, wenn man sie zu Ende lesen will.








