Semmering

Mit Alfred Komarek kann man jetzt den Semmering entdecken, gibt doch der 1945 in Bad Aussee geborene Autor, bei Haymon, eine neue Reihe “Österreich von innen”, heraus. Der erste Band ist dieser bekannten Gegend gewidmet und das passt sehr gut zu meiner Sommerfrische, die ich zwar in keinem Grandhotel, sondern im ersten Stockwerk eines Hauses mit großen Garten in Harland bei St. Pölten verbringe und mit dem Semmering habe ich auch meine Erfahrungen.
Habe ich doch in dem kleinen Örtchen Küb, von dem dich durch Alfred Komarek jetzt weiß, daß es ein Post Museum behergt, 1969, drei Wochen ein Ferialpraktikum in der Pension Weiß gemacht, war ich ja nach der Hauptschule in der höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe und da haben die Lehrer einer das vermittelt. Ich war damals noch sehr jung und unsicher und bin sozusagen vom Ferienheim der Wiener Kinderfreunde in mein erstes Arbeitsverhältnis aufgebrochen und weil mir aufgetragen wurde, dort eine der Lehrerinnen zu besuchen, bin ich in einer meiner Freistunden nach Payerbach-Reichenau gewandert und das ist auch ein sehr berühmter Ort, aber das habe ich damals nicht gewußt.
Später bin ich ein paar Mal mit der Bahn über den Semmering gefahren, wenn ich zum Beispiel zu den von der GAV organisierten Festen für Ernst Jandl, Friederike Mayröcker oder Gerhard Rühm nach Mürzzuschlag wollte und einmal vor ca fünfzehn Jahren habe ich auch so eine Werbefahrt auf den Semmerring gemacht. es war glaube ich in Maria Schutz und es war Winter, so bin ich durch den Schnee gewandert, habe in dem Gasthaus, in dem die Veranstaltung stattfand, einen Krapfen gegessen und eine Blumenvase mit einer Kunstblume geschenkt bekommen.
Aber zurück zum Buch bzw. zum Semmering, denn der ist ein wahrhaft literischer Oret und birgt auch den ganzen Duft der vergangenen Monarchie immer noch in sich und da lese ich parallel ja zufällig auch ein paar passende Bücher und der viel später geborene Autor scheint auch seine persönlichen Erfahrungen mit dem Semmering zu haben und sein persönliches Fotoalbum.
Denn in dem Buch sind immer wieder Fotografien enthalten. Beginnen tut es aber mit einem Zündholzschachtelhalter mit der Aufschrift “Erzherzog Johann, Semmering” und das ist eines der Grandhotels, die es dort gibt bzw. gegeben hat, vielleicht nicht ganz so berühmt, wie das Panhans oder das Südbahnhotel, es wurde aber 1899 eröffnet und ist 1945 abgebrannt.
Vielleicht habe ich deshalb nie etwas von ihm gehört. Während das Panhans ja einmal sehnsüchtige Gelüste dort ein Wochenende zu verbringen, in mir erweckte und ich vom Südbahnhotel immer wieder im Radio höre, weil es dort ja Schnitzler Aufführungen gibt.
Alfred Komarek beginnt also in seiner ein wenig nostalgischen Sprache von diesem Hotel zu erzählen und schwenkt dann zu den anderen über, um zu der 1899 stattgefundenen Wettfahrt des österreichischen Automobil-Clubs zu kommen.
Ja, das hat es dort gegeben, genauso, wie den Wintersport und darauf verweist gleich das zweite Foto. Das erste ist dem legendären Rennen gewidmeten, im zweiten sitzen drei altmodisch gekleidete Herren und eine Dame auf einem Bob.
“Resa Hansy, die Frau des vielgepriesenen Kurdirektors gibt Unterricht im Bobfahren”, lautet der dazugehörende Kommentar.
“Ihr Schüler ist Erzherzog Karl Franz Josef, der spätere Kaiser”
Der Semmering war ein sehr elitärer Ort, das ist kein Geheimnis. Adolf Loos war dort und hat auch einiges gebaut, was es heute noch oder nicht mehr gibt, Gustav Klimt, “aber auch die österreichische Literatur des ersten Jahrzehnts des zwanzigsten Jahrhunderts, setzte ihre Akzente”, schreibt Alfred Komarek weiter. Anton Kuh, Peter Altenbertg, Alfred Polgar etc, waren da und da kommen wir gleich zu einem weiteren wichtigen Ort der Literatur, der noch heute seine Bedeutung hat, nämlich der “Villa Wartholz”, wo ja heute ein Literaturpreis vergeben wird, den zum Beispiel Andrea Winkler, Christan Steinbacher etc. gewonnen haben. Aber damals hat Erzherzog Karl dort seine Sommerfrische gemacht, während der Kaiser in Bad Ischl war und beide haben da von den Schüßen in Sarajevo erfahren.
Neben dem Erzherzog Johann Zündholzschachtelhalter, gibt es auch die Panhans-Anstecknadel, derer sich Alfred Komarek in seinen Beschreibungen bedient. Dann kam der erste Weltkrieg und der Zerfall der Monarchie. In den zwanziger Jahren wurde es etwas stiller am Semmering. Die noblen Gäste blieben aus und kamen erst in den dreißiger Jahren wieder und 1945 ist das nobele Hotel Erzherzog Johann abgebrannt.
Dann kam Helmut Qualtinger und schrieb den bedeutungsschweren Satz “Wer nicht mit der Fritzi Kircheck an einem Sonntagnachmittag im Oktober mit einem Austro Daimler durch die Neunkirchner Allee gefahren ist, der weiß nicht was Österreich einmal war!”
Nun dann weiß ich es nicht, kann es mir aber dank Alfred Komarek ein bißchen vorstellen, denn es geht gleich weiter mit den Abbildungen von ein paar Kaiser-Denkmälern und den Ratschlägen, wo man sie am besten sehen kann.
Theodor Herzl war am Semmering und ist, glaube ich, auch dort begraben und dann widmet sich Komarek natürlich ausführlich dem Semmeringbahnbau. Der junge Kaiser hat da ja mit seiner Sissi eine Probefahrt gemacht und wurde rußgeschwärzt.
Komarek führt dann alle wichtigen Orten an, die zum Semmering dazugehören, bevor er wieder zu den berühmten Sommerfrischlern kommt und ein Bild zeigt, wo Loos neben dem Ehepaar Schwarzwald steht, während Peter Altenberg vorne sitzt. Loos sollte der Frau Doktor ja eine berühmte Erziehungsanstalt am Semmering bauen, der Kriegs hat verhindert. Ein Loos-Haus gibts dort aber, glaube ich, schon. Komarek macht noch Werbung für das beste Gasthaus der Umgebung “Wers nicht glaubt, solls ausprobieren!”, kommt dann zu den Sehnsuchtsorten und interwievt den alten Herrn Stix, der seit 1913 in Schottwien eine Gemischtwarenhandlung hat, bzw. 1915 geboren wurde, aber eigentlich Künstler werden wollte. Dann gibt es noch das Kurhaus, 1909 wurde es erbaut, seit 1988 steht es leer und da gibt es eine alte Dame, die Tochter des Gründers, selbst Ärztin und schon lang in Pension, die Alfred Komarek, die Dankesschreiben der Patienten zeigt und erzählte, wie es war, als Gerhard Hauptmann Gast war. ein Gedicht hatte sie auch einmal aufzusagen, das mit den Worten “Grüßgott am Berg!”, endete.
Thomas Mann soll sich in diesem Sanatorium aufgehalten und an seinen “Zauberberg” geschrieben haben und dann es noch die Geschichten um die Familie Waißnix, die ja auch ihre berühmte Rolle spielt. Von der Mutter der Mary Vetsera wird erzählt und am Schluß dankt Alfred Komarek allen, die ihm bei der Entstehung des Buches geholfen haben und man kommt in das heutige Österreich mit seiner heutigen Sommerfrischetradition zurück und hat wieder etwas gelernt.
Ein interessantes Buch über einen bekannten Ort, das ich wirklich nur empfehlen kann, obwohl es natürlich nicht das einzige Semmering-Buch ist, das geschrieben wurde. Hat doch bei der ersten offenen Bücherschrank Lesung am 20. Juni Gregor Ulrich im Kostüm von Peter Altenberg aus seinem Semmering Buch gelesen und wenn ich mich nicht irre, behandelt es die gleichen Themen, ist der Semmering mit seinen Mythen, ja ein Ort, der viele inspirieren kann.

Übers Krimischreiben

Jetzt hätte ich fast den neuen Literaturskandal versäumt. Die Sommerlöcher neigen sich zum Ende, die Herbsproduktion beginnt und neben den Listenfavoriten, gibt es noch viele andere “Schreibe-Möchtegerns” und da ist der Krimi sehr beliebt, denn den wollen ja sehr viele Leute lesen und so gibt einen regelrechten Boom an Regional- Stadt- Land- Hard- oder Softscorekrimis und die aus Schweden sind besonders beliebt.
Da gibt es, die von Per Wahlöö und Maj Sjöwall aus den frühen Siebzigerjahren mit sozialkritischen Inhalt und die von Henning Mankell und weil die so erfolreich waren, folgten dann noch Hakan Nesser und Ake Edwardson, die ich auf der Leseliste von 2015 habe, etc und über die des 2004 verstorbenen Stieg Larsson gibt es in dem Spiegel, den der Alfred in Nida kaufte, einen Bericht. Sie wurden nach seinem Tod sehr erfolgreich, die Millionen erbten dann der Vater und der Bruder und die Lebensgefährtin ging leer aus und hat jetzt ein Buch darüber geschrieben und im August soll oder sollte ein neuer Schwedenkrimi herauskommen.
Per Johansson “Der Sturm”, der in Schonen spielt, wie die Krimis von Wallander und einen ermodeten Zeitungsstarjournalisten zum Inhalt hat.
Hat es da nicht etwas Ähnliches 2002 mit Martin Walsers “Tod eines Kritikers” gegeben?
Richtig, der Journalismus hat es inzwischen entlarvt. Per Johansson gibt es nicht und der Krimi wurde von einem Arzt und einem Reporter der Süddeutschen Zeitung geschrieben, der ermordete Journalist könnte, sollte Frank Schirrmacher sein und der Skandal ist da, was ja in Zeiten nach der Buchpreislistenbekanntgabe einige sehr interessante Fragen aufwirft, die ich in der Hitze der Harlander Terrasse, die es zu Mittag gab, gerne beantworten will, denn, daß die die schreiben wollen, sich bevorzugt in Krimis versuchen, ist ja zu bemerken.
Anni Bürkl hat das getan und bei Gmeiner inzwischen schon einige herausgebracht. Edith Kneifl hat einen neuen bei Haymon, den mir der Alfred gestern nicht öffnen konnte, er erscheint aber ohnehin erst im September und die E-Book Autoren versuchen sich, wie z. B der Schreibtischtäter Matthias Brömmelhaus alias Bela Bolten auch damit.
Die verwenden dann auch oft Pseudonyme, um ihre Idetität oder ihre anderen Karrieren zu schützen oder, wie es die bissigen Reporter schreiben, weil von einem Feuilletonchef der Süddeutschen ja keiner einen Krimi nehmen würde, was eigentlich sehr schade ist,
Mit dem schwedischen Namen kann er aber bei Fischer erscheinen und die Leute stürzen sich darauf, so oder so.
Ich stehe den Pseudonymen ja sehr skeptisch gegennüber und würde nie eines verwenden, obwohl ich ja eigentlich einen Doppelnamen habe, aber unter Jancak habe ich schon geschrieben, als ich noch nicht verheiratet war und die sogenannten Gebrauchsautoren, habe ich inzwischen begriffen, müßen das tun, denen schlagen die Verlage das vor, warum und wieso habe ich auch nicht sehr verstanden.
Frank Schirrmacher und die anderen Journalisten haben sich und ihn aber erkannt und nun scheint es wieder eine Diskussion über “Schlüßelromane”, die man ja angeblich nicht schreiben darf, zu geben, obwohl die Autoren, wie ich lesen konnte, fassungslos waren, von Zufall sprachen und Herrn Sch. gar nicht damit meinten.
Als 2002, der “Tod eines Kritikers” erschienen ist, war ich erfreut, denn ich habe ja im “Tod eines Jurymitglieds” einige Jahre früher versucht, einen Krimis zu schreiben, obwohl ich das gar nicht kann oder will.
Denn ich möchte keine Gewalt verbreiten und halte das viele Morden, das in den Krimis passiert für unrealistisch. So sind die Morde bei mir keine und so werden meine Opfer meistens von Ästen erschlagen und dann sind es keine wirklichen Krimis, sondern nur Satiren darauf und mir ist wieder mal ein Fenster zum Literaturbetrieb verschlossen geblieben.
Mit dem Schreiben habe ich also meine Schwierigkeiten, obwohl ich es mit “Tauben füttern” dann noch einmal versuchte, mit dem Lesen eher nicht. Denn eigentlich lese ich Krimis ja sehr gern. Sie sind spannend, oft auch sozialkritisch und man kann sie auch in den Bücherkästen finden, weil sie ja in großen Auflagen erscheinen. So hat sich bei mir nach und nach die ganze Donna Leon Reihe angesammelt und von Andrea Camillieri findet man auch sehr viel.
Auf die Bürkl Krimis muß ich noch warten, aber erst am Montag einen bei Molden 2012 erschienen Krimi, der ganz neu zu sein schien und dessen Autor, Mitglied in der Glauser Jury ist, gefunden und auch einmal ein kleines Büchlein, das bei einem Krimi Workshop entstanden ist und Einblicke gibt, wie man Krimis schreiben und was man in solchen Kursen lernen kann.
Ich kann auch noch hinzufügen, daß Jens Linder ja bei Piper auch einemal einen Krimi geschrieben hat, der denen von Janet Evanovich so ähnlich war, daß der Verlag ihn vom Markt genommen hat.
Ja, ja, die Leute wollen schreiben und die Leser, den berühmten Namen und die, die selber Krimis schreiben beklagen, daß jetzt immer mehr sogenannter “E-Book-Krimischund” erscheint oder stürzen sich mit Wonne auf die Entlarvung, des vermeintlichen schwedischen Starautors.
Die verdienen mit ihren Krimis sehr viel Geld, die E-book Schreiber hoffen darauf mit ihren Gratisaktionen und die, die die Volkshochschulkurse besuchen, fallen vielleicht immer noch den Zuschußaverlagen herein. Solche Bücher habe ich auch schon gefunden und ich lese sie auch gern, denn ich bin und das halte ich auch für die Lösung des Problems sehr offen, schaue gerne über den Tellerrand hinaus und interessiere mich für alles.
Für mich muß ein Buch keinen Starautor zum Verfasser haben und auch nicht bei Rohwolt oder Fischer erschienen sein, aber eine derartig überfüllte Bücherwelt, wie wir sie haben, braucht wohl ihre Skandale, um überhaupt auzufallen und macht sie sich vielleicht auch selbst. Für die Sommerlöcher ist das sicher gut und für den Herbst, wenn das Weihnachtsbucheinkaufen beginnt, wahrscheinlich auch.
Und was die Aufregungen betrifft, so würde ich Thomas Steinfeld rechtgeben, wenn er sagt, daß in jedem anständigen Krimi ein Mord passieren muß, so wollens die Leser und in denen der weniger prominenten Autoren passiert wahrscheinlich auch, daß sie dabei beispielsweise an ihre Tante denken, ohne daß sie ihr natürlich Böses wollen, aber sie hat ja so charakteristische Eigenschaften und bei einem Debut wird man sich überhaupt an Bekanntes halten und so nimmt ein Reporter eben seinen Chef als Vorbild, sein Pech ist nur, daß den auch die Feuilltonkollegen kennen, sich mit Wonne darauf stürzen und das Buch dann gleich als schlecht bezeichnen, was es vielleicht gar nicht wäre, wenn ein Unbekannter das Debut geschrieben hätte, aber dann wärs wahrscheinlich auch BoD und nicht bei S. Fischer erschienen. Was mir persönlich mißfällt ist, daß in der noch unentdeckten Erstform, die jetzt offenbar eingestampft wird, eine Übersetzerin aus dem Schwedischen angegeben wurde und das ist ja, was mich an den Pseudonymen stört, daß da die Leser getäuscht werden, die sich das offenbar auch gerne lassen.
Daß das Ganze “Der Sturm” heißt, ist natürlich auch sehr interessant, waren die Aufregungen also vielleicht doch gewollt, um die Leute zum Kaufen zu bewegen?

Zurückgekommen

Am Samstag sind wir also nach Harland zurückgekommen und wie das nach Urlauben meistens so ist, geht es dann eine Weile hektisch zu. Gilt es ja die Taschen auszuräumen und die schmutzige Wäsche zu waschen. Bei mir kommt noch das Bloggen hinzu, denn ich gehe ja offline auf Urlaub, sammle aber die Gedanken, die ich nach meiner Rückkehr zu Geschichten machen will, denn damit habe ich im vorigen Jahr, angeregt durch das Travelseminar des Writersstudio und dem “Mit achtzig Seiten um die Welt” Reisebüchlein angefangen und so bin ich am Samstag in Harland kurz mit dem Rad gefahren, habe festgestellt, die Frequency findet statt, dann den Abfall meiner Besucherkurve angesehen, mich durch meine Lieblingsblogs gesurft, gesehen, daß niemand außer dem Rudi mich vermißte und dann geschrieben und geschrieben…
Zuerst den allgemeinen Reisebericht, dann abwechselnd die vier Stimmungsimpressionen und die Besprechungen der drei Bücher, die ich auf der Fahrt gelesen habe. Am Samstag drei Artikel bis zum frühen Morgen, am Sonntagvormittag nochmals drei, dann sind wir auf die Rudolfshöhe geradelt, haben dort gesessen und Brombeeren genascht und sind dann nach Wien gefahren, wo das Ausräumen und die das Durchsehen weiterging. Zwei Buchpakete von Haymon sind gekommen, eines hatte mir die Anna schon abgeholt und eine Ansichtskarte von der Ingrid aus Armenien.
Der Alfred hat die Zeitungsberge, die sich im Wohnzimmer angesammelt hatten, weggeräumt und ich habe weiter geschrieben, zuletzt war ich schon beim deutschen Buchpreis und der Alpha-Shortlist und damit bei der Herbstvorschau angelangt, obwohl ja noch Sommer ist und zwar ein besonders heißer. Denn während ich in Erstland, Lettland, Litauen meine kurzen Leiberln und kurzen Hosen gar nicht so gebraucht habe, habe ich in Harland und in Wien geschwitzt und etwas von siebenunddreißig Grad gehört.
Da ging es sich am Sonntag für den Rathausplatz auch nicht mehr aus, denn es war wieder spät bzw. früh geworden, als ich mit dem Bloggen fertig war, am Montag habe ich dann vor meinen Stunden den “Wortschatz” besucht, da war ich jetzt ja drei Wochen nicht und nachdem ich von Haymon jetzt einiges sowohl in E- als auch in Printform zu lesen habe, muß ich dransetzten, damit es sich mit der Leseliste für 2012 ausgeht, bzw. nicht mehr soviel daraufsetzten, so habe ich den SUB schon auf die Folgejahre verteilt, bzw. schon die Leseliste für 2015 angefangen.
Ich lebe weit voraus, bzw. auch in der Vergangenheit, denn in Wien steht ja gerade Ernst Lothars “Engel mit der Posaune” auf dem Programm, bevor ich mit Georg Haderers “Engel und Dämonen” in Printform weitermachen werde.
Zuerst aber zwei Praxistage und da ist die Juni Diagnostik Rechnung nicht angekommen und mußte urgiert werden und der Verein hatte auch noch nicht überwiesen. Zu gießen hatte ich im Garten auch und drei Leiberl um zehn Euro habe ich mir in dem Billigladen an der Ecke, als ich die Bücher holen war, auch gekauft.
Am Abend ging ich wieder auf den Rathausplatz, wie ich das in den Sommermontagen, wenn das Kino unter Sternen schon zu Ende ist, meistens tue, habe den Alfred dort getroffen, der am Montag in Harland war, dort den Rasen mähte und zuschaute, wie die Physiotherapeutin mit seinem Vater Ball spielte. Er trank dann noch ein paar Bier an dem wirklich schönen Sommerabend und die Übertragung der “Lustigen Witwe” von den Mörbischen Festspielen 2005, war auch sehr interessant. Dann ist der Vielschreiberin schon die Idee für den nächsten Artikel gekommen, hat sich Frank Gassner ja bei mir gemeldet und mich aufgefordert ihm zu mailen, wenn ich ein besonders tolles Buch im Schrank gefunden, ein nettes Gespräch hörte oder ein schönes Foto gemacht habe und so habe ich, auch für das “Literaturgeflüster-Texte-Buch” in den “Bücherschrank-Geschichten” meine Schrankartikel zusammengefaßt und verlinkt. Inzwischen hat der Alfred begonnen mir Fotos in meine Reiseartikel hineinzustellen.
Am Dienstag kamen dann die ersten Herbstprogramme, so schickte mir das Literaturhaus das seine und ich kann mich auf das neue Buch von Reinhard Kaiser-Mühlecker freuen, da ist allerdings das ÖAAG-Reflexionstreffen, ich habe aber das erste bei Thalia in der Kremsergasse gefunden, das noch auf meine Leseliste muß. Anna Weidenholzer stellt ihren Residenz Roman “Der Winter tut den Fischen gut” am 26. 9. vor, den habe ich mir jetzt bestellt, am 26. will der Alfred aber, glaube ich, mit mir ins Radiokulturhaus gehen . Lisa Spalt hat ein neues Buch bzw. eine Ausstellung am 28. 9. Eine Fortsetzung der jungen slowenischen Literatur gibt es am 4. 10. und Anna Kim präsentiert “Anatomie einer Nacht” bei Suhrkamp erschienen am 5. 10. Das habe ich mir eingetragen. Am 17. 10 präsentiert die edition exil Ekaterina Heider, Kira Nathani, Sina Tahayori und diese Veranstaltung sollte man sich merken, machen die exil Autoren, ja oft sehr große Karrieren, wie man am Beispiel von Julya Rabinowich und Susanne Gregor sieht, die beide auf die Shortlist des Alpha Preises gekommen sind. Am 18. 10. gibt es eine Veranstaltung über Franz Kain von Judith Gruber-Rizy mit Kurt Palm, Rolf Schwendter, Gregor Lepka und Waltraud Seidlhofer und Richard Obermayr hat eine Rede, die er im Konzerthaus am 23. 10. halten wird. Die Priessnitzpreisverleihung an Judith Nika Pfeifer folgt am 30. 10. im Literaturhaus und dann gibts noch, das hätte ich jetzt fast vergessen am 19. 10. die Lesung der AbsolventInnen des ersten Jahrgangs des Instituts für Sprachkunst “Class of 2012 und am 20. 9 hat das Writersstudio wieder zwei Tage der offenen Tür mit Gratisseminaren, die ich in den letzten Jahren ja begeistert besuchte. Sehr viel Input also, da ich die anderen Programme ja noch nicht bekommen habe. Es gibt aber noch eineinhalb Sommerfrischewochen, wo ich an “Kerstins Achterl” weiterkorrigieren und auch ein bißchen Radfahren werde, bevor es endgültig zurück nach Wien zum zum Volksstimmefest geht. Sehr viel zu lesen, zu schreiben und zu hören also, auch für eine außerhalb des Literaturbetriebs, wie das Literaturgeflüster zeigt. Das kann ich nicht verändern, es ist aber sehr intensiv und das “Rund um die Burg” Festival, das, wie ich gelesen habe, heuer eine andere Leitung hat, gibt es auch, wahrscheinlich eine Poet Night, Frankfurt, die Buch-Wien, für die man bei Frank Gassner Karten gewinnen kann und höchstwahrscheinlich doch ein literarisches Geburtsfest, zumindestens sind mir in den baltischen Staaten eine ganze Reihe von Autoren eingefallen, die ich einladen könnte.

Bücherschrank-Geschichten

Vom Urlaub zurückgekommen, erwartete mich ein Mail von Frank Gassner “Du hast im Schrank ein wunderbares Buch gefunden, ein wunderbares Gespräch geführt, ein großartiges Foto geschossen, gewinne mit deinen Beiträgen bis zum 21. September!”, was mich gleichzeitig forderte, als auch überforderte, denn das Literaturgeflüster ist ja eine ziemlich intensive Bücherschrankberichterstattung, hat er ja, als mich im Februar 2010, Elisabeth von leselustfrust, den Blog, den es nicht mehr gibt, auf den ersten offen Bücherschrank aufmerksam machte, mein Leben sehr verändert.
Zwar haben schon vorher immer wieder Gratisbücher zu mir gefunden, gab es da ja eine Zeitlang, die Büchertürme bei der Literatur im März und als der Buchhändler in Edith Broczas Haus zusperrte, hat er die übriggebliebenen Bücher in ihren Hausflur gestellt und sie hat mich aufgefordert, zu nehmen, was ich will.
An einen Büchermangel habe ich nie gelitten und eigentlich immer viel gelesen.
Eine Zeitlang gab es eine Aktion bei Amadeus-Thalia, das man Rezensionen schicken sollte, da habe ich angefangen, die Bücher zu besprechen, damit aufgehört, als es das nicht mehr gab und als ich dachte, jetzt werde ich endlich meine SUBs-auflesen, das war schon in Literaturgeflüsterzeiten, kam Frank Gassner mit seinem Bücherschrank und alles wurde anders.
Ich beklage mich natürlich nicht, ganz im Gegenteil, habe ich diese Idee zur Belebung des öffentlichen Raums doch von Anfang an sehr faszinierend gefunden und sie hat mich sowohl zum Lesen als auch zum Schreiben angeregt. Das erste Buch das ich gefunden habe, war Martin Suters “Business Class” und dann kam gleich einmal die Idee, den Schrank in “Mimis Bücher” einzubeziehen und da der Kasten in der Zieglergasse ziemlich zentral liegt, komme ich auch oft daran vorbei, beispielsweise wenn ich zum klinischen Mittag ins AKH, ins Literatur- oder ins Amerlinghaus gehe.
Und es ist sehr interessant, was man da findet, man könnte Studien darüber machen und diese Idee gab es, glaube ich schon einmal.
So war beispielsweise gleich zu merken, daß Ruth Aspöck, die ja um die Ecke wohnt, die Restbestände ihrer “Edition die Donau hinunter” dort versorgt. Das fröhliche Wohnzimmer hat Bücher abgegeben. Die alten Peals S. Bucks und Vicki Baums waren und sind zu finden und Bücher aus der schönen alten rororo Taschenbuchreihe mit dem Leinenbändchen und der Pfandbriefwerbung im Inneren.
Es ist dann bald der weißhaarige alte Mann aufgetaucht, der sich offenbar besonders intensiv an den Büchern bediente, Frank Gassner hat ein paar Warnbriefe geschrieben und mich, die fleißige Schreiberin hat er zu der Figur des Bernhard Listringers in der “Absturzgefahr” angeregt. Ich glaube auch, ihn einmal gesehen zu haben, ob er wirklich weißhaarig ist oder das nur meiner Phantasie entsprang, weiß ich dagegen nicht.
Die Bücherkästen werden sehr gut angenommen und boomen und es gab gleich einmal die Idee, auch auf dem Brunnenmarkt einen zu machen, im Hegerpark und in der Otto Bauer Gasse, den letzteren gibt es nicht, was gut ist oder nicht, denn an den wäre ich ja wahrscheinlich genauso oft vorbeigekommen, wie am “Wortschatz”, der Nachahmeraktion der Margaretner Kaufleute.
Eine tolle Aktion,die von beiden Seiten gut angenommen wird, gibt es ja offensichtlich Nachläße loszuwerden und Leute, die Platz für Neues haben wollen und dann die Vielleser, zu denen ich mich auch zählen würde und das Tolle ist, daß man dabei Bücher findet, die man sonst nicht lesen würde. So bin ich beispielsweise auf Alberto Moravia gekommen, stimmt nicht ganz, denn ein Buch hatte ich ja schon von ihm gelesen, das der Alfred offensichtlich aus der DDR mitbrachte, inzwischen ist der “Konformist” und die “Römerin” dazugekommen und man findet auch immer Genres, die zwar interessant sind, aber bisher nicht zu mir gefunden haben.
Einmal einen Dan Brown lesen, ist ja sicherlich auch verlockend und vielleicht auch einen Konsalik. Frank Gassner stöhnt ja darüber, aber das sind die Bücher mit der großen Auflage und dem Massengeschmack und die findet man natürlich, aber auch das Rare und das längst Vergriffene.
Ruth Aspöcks Edition beispielsweise und es legen auch immer wieder Leute ihre Eigenproduktionen hinein. So gab es auch einige Male “Eva Jancak- Bücher” darin zu finden und auch sehr viel fremdsprachige Literatur.
Bei der Erföffnung im Hegerpark bin ich gewesen und im Winter, als es so kalt war, bei der von Nitsch gestalteten Neuauflage des Schrankes in der Zieglergasse. Da habe ich einige Sammler getroffen und ein paar nette Gespräche, wie beispielsweise eine Diskussion über Karl May, habe ich auch einmal gehört. Der Schrank hat mich auch zu einigen Artikeln und sogar zu Bücherkasten Touren veranlaßt, denn es ist ja sehr interessant, bei denen, wo es Bänke gibt, zu sitzen und zu schauen, was passiert?
Einmal ist, glaube ich, auch ein Ausräumer gekommen, denn da waren die Schränke einige Tage ziemlich leer und Gerüchte von denen, die die Bücher am Flohmarkt verkaufen, gibt es auch immer wieder. Ich glaube nicht daran und denke, daß Bücher unverkäuflich sind, weil immer weniger Leute lesen und die, die es wollen, sie ohnehin umsonst bekommen. Halte es aber für eine tolle Aktion, die meine Leseliste, die es inzwischen gibt, eindeutig anwachsen ließ. Denn, wenn ich die Bücher habe, will ich sie auch lesen und es kommt ja ganz ehrlich auch manchmal vor, daß ich mir ein bißchen mehr nehme, als ich zwischen zwei Fingern tragen kann, dann habe ich ein schlechtes Gewissen, lese etwas schneller und bespreche tue ich sie alle auch.
Frank Gassner hat am Anfang gesagt, daß es ihm gar nicht so sehr, um die Leseförderung, als um die Belebung des öffentlichen Raumes geht. Das hat sich, glaube ich, inzwischen etwas geändert, denn jetzt gibt es auf seiner facebook Seite immer wieder Bilder von den Fundstücken und es gab auch die Lesungen im Juni und jetzt den Schreibwettbewerb.
Die Kästen haben inzwischen auch ihre Nachahmer gefunden und scheinen wirklich, wie die berühmten Schwammerln aus dem Boden zu sprießen. So habe ich ja vor Weihnachten einen sozusagen vor meine Haustüre gesetzt bekommen, beziehungsweise, um die Ecke und der “Wortschatz” an dem ich ja vorüberkomme, wenn ich beispielsweise aufs Postamt gehe, um mir meine Rezensionsexemplare abzuholen, ist ja besonders interessant, denn Margareten hat eine bibliophile Leserschaft und sehr viel Blogger.
So hat ihn die Evi auch eine Zeitlang regelmäßig fotografiert und die Veränderungen eingestellt und da kann man manchmal Bücher finden, die es in den anderen nicht so gibt.
Marlene Streeruwitz zum Beispiel oder Paula Köhlmeier und als ich Montag auf das Postamt ging, stand ein Kürschner Band darin, das ist das Literaturlexikon, in dem es auch von mir ein paar Zeilen zu finden gibt, das habe ich mir aber nicht genommen, weil zu schwer und zu unhandlich.
Eine Idee also, die mich ins Schwärmen bringt und, wenn man das Literaturgeflüster liest, wird man immer wieder Berichte finden, was sich dort ereignet und eine Lesung hat es auch schon vor dem Juni gegeben, hat ja auch das erste Wiener Lesetheater bei seinem Osterspaziergang durch Neulerchenfeld in der Grundsteingasse Station gemacht und vor dem Schrank gelesen.

Deutscher Buchpreis- und andere Listen

Diesesmal sind wir ein bißchen später als gewöhnlich von unserem Urlaub zurückgekommen, denn die Longlist zum deutschen Buchpreis, auf die ich ja immer schon sehr warte, ist schon bekannt gegeben und als ich vor dem Bloggen mich ein bißchen bei den anderen umsah, konnte ich schon einige Informationen finden.
Clemens J. Setz neues Buch, das erst erscheinen wird, steht auf der Liste, twitterte beispielsweise Cornelia Travnicek und Buzz Aldrin, deren Blog ich gern verfolge, hatte auch schon die Liste bekanntgegeben und ein bißchen darüber philosophiert und das werde ich jetzt auch tun, denn diese deutsche Buchpreisliste, die es seit einigen Jahren zum Auftakt für die Buchmesse und das Weihnachtsgeschäft gibt, ist ja sehr interessant.
Im August werden die angeblich zwanzig besten Bücher des Jahres bekannt gegeben, zehn aus der Frühjahrs-, zehn aus der Herbstproduktion, dann wird sie auf sechs geschrumpft, die sechs müssen nach Frankfurt fahren und dann haben wir das angeblich beste Buch. Sigrid Löffler hat sich, glaube ich, einmal darüber aufgeregt, daß dann die anderen guten Bücher keine Chance mehr haben und Buzz Aldrin schreibt auch so etwas und natürlich ist es klar, es gibt mehr als zwanzig gute Bücher. Viel mehr, denn die Leute schreiben ja sehr viel und so werden auch mir gleich sehr viele Neuerscheinungen einfallen, die nicht darauf sind und, daß das eine Buch dann wirklich das beste ist, habe ich nie geglaubt, denn Preisentscheidungen sind ja sehr subjektiv und es gibt auch die Gruppendynamik und andere Machtverhältnisse. Die Leute scheinen es aber zu glauben und schreien auf, wenn sie anderer Meinung sind.
Was steht nun auf der Liste, gehen wir sie einmal der Reihe nach durch und schauen wir, wieviele Autoren oder Bücher ich davon kenne?
Ernst Augustin “Robinson blaues Haus” steht am Anfang und das Buch wurde, glaube ich, schon am blauen Sofa vorgestellt und der Name erscheint mir auch bekannt. Bernd Caillaux “Gutgeschriebene Verluste”. keine Ahnung, von dem Autor habe ich noch nie etwas gehört. Jenny Erpenbeck kenne ich natürlich, ist sie ja, glaube ich, eine Bachmannleser- oder sogar Gewinnerin. Von “Aller Tage Abend” habe ich auch noch nichts gehört, was ich auch nicht gut kann, da das Buch erst im September erscheinen wird. Michiko Milena Flasars “Ich nannte ihn Krawatte” habe ich im Gegensatz zu Buzz Aldrin zwar auch noch nicht gelesen, ich war aber auf einer Lesung, das Buch wurde in Leipzig vorgestellt und da die Autorin ja St. Pöltnerin ist, habe ich wieder einen Heimvorteil und das Buch wird überall sehr gelobt. Also darf man sehr gespannt sein. Rainald Goetz, das ist doch der mit dem Messer beim Bachmannpreis und ein Blogger ist er, glaube ich, auch. “Johann Holtrop” heißt sein Roman, der auch im September erscheinen wird. Olga Grjasnowa “Der Russe ist einer, der Birken liebt”, kenne ich, zumindest wurde es in Leipzig und auch sonst öfter vorgestellt und ich würde es, wie das Flasar Buch, gerne lesen. Habe aber heuer noch nicht meine Geburtstags-und Weihnachtswünsche bekanntgegeben und tue das vielleicht auch nicht.
Wolfgang Herrndorf “Sand” hat, glaube ich, den Leipziger Preis gewonnen und von dem Autor habe ich “In Plüschgewittern” gelesen und vorher im Bücherschrank gefunden. Bodo Kirchoff “Die Liebe in groben Zügen”, der Name erscheint mir bekannt. German Kratochwil “Scherbengericht” wieder keine Ahnung, da würde mir nur Alina Bonskys “Scherbenpark” einfallen. Ursula Krechel “Landgericht” bei Jung und Jung erschienen. Den Namen kenne ich natürlich, gelesen habe ich, glaube ich, noch nicht sehr viel.
Von Dea Loher “Bugatti taucht auf” habe ich auch keine Ahnung, kann die Besprechung aber bei Buzz Aldrin nachlesen. Angela Meier “heimlich heimlich mich vergiß” ist mir ebenfalls unbekannt. Sten Nadoldy kenne ich natürlich. “Netzkarte” habe ich gelesen, es hat mir aber nicht so gefallen und dann natürlich “Die Entdeckung der Langsamkeit”. War das nicht der, der beim Bachmanlesen, seinen Gewinn unter den anderen aufteilte?
Christoph Peters “Wir in Kahlenbeck”, hätte ich jetzt fast vergessen.
Michel Roes “Die Laute”. Wieder keine Ahnung. Von Patrick Roth habe ich mir, glaube ich, etwas, um einen Euro gekauft und noch nicht gelesen. Frank Schulz “Onno Wietz und der Irre vom Kietz” hat einen interessanten Titel und dann kommt schon Clemens J. Setz, der 2009 mit den “Frequenzen” auf der Shortlist stand und in Leipzig vor einem Jahr gewonnen hat. “Söhne und Planeten” habe ich gelesen. Ist wahrscheinlich auch ein Kanditat, da ich aber nicht sehr viele der Autoren kenne, ist mein Urteil eingeschränkt.
Stefan Thome “Fliehkräfte” gibt es noch. Der stand glaube ich, auch schon mal auf einer solchen Liste und Ulf Erdmann Ziegler für den glaube ich, das gleiche gilt.
Wenn man auf die Seite des deutschen Buchpreises geht, kann man sich wahrscheinlich wieder Leseproben holen, das Lesebuch habe ich schon bestellt. Erwartungen gebe ich diesmal keine ab, weil ich außer Michiko Milena Flasar und Clemens J. Setz die Autoren nicht wirklich gut kenne, bin aber sehr gespannt, obwohl ich das Ganze immer gelassener sehe.
Denn es gibt ja noch sehr viele andere gute Bücher. Von mir ist im Frühling auch eines herausgekommen und ein anderes wird hoffentlich bald erscheinen. Aber ich habe ohnehin keine Chance und Anna Weidenholzer, Cornelia Travnicek und viele andere sind auch nicht darauf gekommen.
Also abwarten und wer mir eines der Bücher schenken will, ist willkommen, ich werde sie gerne lesen und auch später aus dem Bücherschrank nehmen oder um einen Euro kaufen.
Noch etwas anderes gibt es zu vermelden und das ist für mich weniger erfreulich, nämlich die Shortlist des Alpha Preises. Da bin ich ja im ersten Jahr engagiert hingegangen und habe berichtet, im zweiten haben sie mich hinausgeworfen, obwohl die Veranstaltung öffentlich angekündigt war, im dritten Jahr haben sie mir wieder eine Einladung versprochen, ich fürchte, das war aber nicht sehr ernst gemeint. Die Preisverleihung wird jedenfalls am 8. November sein. Das ist ein Donnerstag. Am neunten November ist mein Geburtstag, das passt gut für das literarische Fest, das ich diesmal nicht wegen dem Alpha verschieben werde und da ich da schon einige Bücher gelesen habe, wird es auch nicht so schwer sein, darüber zu bloggen.
Also schauen wir uns die österreichische Variante der Literaturförderung einmal genauer an. Neun Werke wurden ausgewählt, von denen Angelika Reitzers “Unter uns” glaube ich, schon im Vorjahr auf der Liste stand. Dann steht Michiko Milenar Flasar darauf und Susanne Gregors “Kein eigener Ort”, nach der wurde vor dem Urlaub sehr viel bei mir gegooglet. Von Maria Christina Landerl habe ich nur einiges gehört und noch nichts gelesen, das trifft auch für Lukas Meschik zu. Von dem habe ich aber ein Buch auf meiner Leseliste, um zwei Euro beim Morava gekauft. Mieze Medusa kenne ich natürlich vom Slamen und von Veranstaltungen. Gelesen habe ich aber nur Anthologie-Beiträge von ihr. Und Carolina Schutti ist mir auch vom Namen und von Veranstaltungen bekannt, Julya Rabinowich natürlich auch. Hinrich von Haren, ein Luftschacht-Autor kenne ich dagegen überhaupt nicht.
Sehr viele Frauen, fällt mir auf. Ich werde sicherlich über die Veranstaltung berichten und nun selber lesen gehen, denn Haymon hat mir wieder einige Vorab-E-Books geschickt und auch noch einiges andere, das ich mir noch teilweise abholen muß. Ich habe aber auch keine Scheu vor älteren Büchern und da ohnehin noch so viel nicht gelesen und schreiben will ich ja auch, was für mich immer noch das Wichtigste ist.

Sechs Länderreise

Wigry

Wigry

Nida, Thomas-Mann Haus

Nida, Thomas-Mann Haus

Jetzt sind wir wieder aus dem Urlaub zurückgekommen, der uns durch einen großen Teil Europas gebracht hat oder zumindestens durch einen Teil des Ostens und das sehr schnell, denn das Ziel der Reise war, so könnte man es sagen, der Besuch bei Norbert in Littoinen oder auch eine Fahrt durch die baltischen Staaten, denn als wir im Vorjahr in den Masuren waren und in Nikoleiken, die litauischen Autos stehen sahen, haben wir gedacht, daß wir eigentlich auch dorthin fahren könnten, nach Litauen, Lettland, Estland oder noch viel weiter nach Russland etc, aber für Kalliningrad braucht man ein Visum und dann war das Ganze ohnehin ein bißchen hektisch, weil es Alfreds Vater ja nicht so gut geht und er gerade seine vierundzwanzig Stunden Betreuung bekommen hat.
Also sind aus der drei vier Wochen Reise sechzehn Tage geworden und wir sind am 2. August gar nicht so früh weggekommen, weil Alfred erst mit seinem Auto in die Werkstatt fahren mußte, dann ist das Bremslicht nicht gegangen etc.

Riga, Jugendstilviertel

Riga, Jugendstilviertel

Riga, Jugendstilviertel

Riga, Jugendstilviertel

Trotzdem sind wir wieder bis nach Tschentstochau gefahren auf den Campingplatz bei Jasna Gora und das ist ja ein gigantischer Ort, wo die Pilger und die Klosterschwestern zu der Abendmesse strömen und wir in die Stadt hinuntergegangen sind, um in einem Steakhouse Pizza zu essen, wo der stattliche Patrone beim Kartenspiel saß und trotzdem seinen Serviererinnen Anweisungen gab, beziehungsweise die Bettler und Hausierer von seinem Lokal verscheuchte.
Dann ging es weiter bis nach Wigry, alles wie gehabt, denn das ist ja der liebe kleine Campingplatz, neben dem See und dem Kloster, wir sind sehr spät angekommen, haben uns von der Familie, die den Camp betreut, Fische servieren lassen und am nächsten Morgen dort gefrühstückt.
Dann ging es nach Litauen und da hatte ich eine ganze Tasche mit Literatur und Broschüren mitgenommen, war Litauen ja 2002 Gastland in Frankfurt und wir in diesem Jahr auf der Buchmesse, so daß es eine Menge Broschüren über Litauen und seine Dichter gab. Wir fuhren aber über die Grenze und hielten bei einem kleinen Retaurant an einem See, wo sich die Ausflügler und die Buschen mit den Motorrädern, den schwarzen Lederjacken und den Springmessern trafen.

Klaipeda

Klaipeda

Nida, Dünenlandschaft

Nida, Dünenlandschaft

Die Speisekarte war auf Litauisch. Alfred übersetzte mit Hilfe seines Reiseführers und wir teilten uns die Palatschinke und den Kartoffelpuffer mit Pilzen, denn den mit Speck hat es nicht mehr gegeben. Danach fuhren wir in die Nähe von Trakai, das ist dort, wo sich das Wasserschloß befindet, wo sich der Staat gegründet hat und die Bräute am Samstag ihre Hochzeit feiern, zu einem sehr schönen am Wasser gelegenen Campingplatz, wo die Familien ihre Feste feierten und die Urlauber badeten, dann ging es nach einer kurzen Besichtigung der Hauptstadt Vilnius gleich weiter nach Riga in Lettland. Dafür hatte ich keine Literatur eingepackt, als ich aber in Alfreds Reiseführer schaute, begann ich mich zu ärgern, wurde dort doch Henning Mankells “Die Hunde von Riga”, als Lektüre empfohlen und das habe ich ja im Bücherschrank gefunden und steht auch auf meiner Leseliste von 2013, die liebe Eva hat aber nicht daran gedacht, es mitzunehmen. Macht aber nichts. Gingen wir halt so die Stadt anschauen, über eine Brücke, wo sich ständig Polizei befindet, war sie sehr leicht zu erreichen und, daß der Campingplatz sich auf einem Parkplatz neben einem Tennisplatz bzw einer Lagerhalle befand, war ein bißchen gewöhnungsbedürftig und wird mich wahrscheinlich zu einem Reisebericht veranlassen, denn in Tallin, der Hauptstadt von Estland, war es ebenso. Dorthin brachen wir am Montag auf, da war das Wetter schlecht und in Tallin gibt es schon den Euro, während es in Litauen Litas und in Lettland Lats gibt und, daß die drei Länder meistens alle in einen Topf geworfen werden, obwohl sie sich gar nicht so gut vertragen und jeweils eine andere Sprache, eine andere Kultur und eine andere Geschichte haben, konnte man in den Reiseführern nachlesen.

Turku, Ruissalo

Turku, Ruissalo

Turku, Dom

Turku, Dom

Am Montag also Tallin angeschaut, der Campingplatz war sehr überteuert und befand sich neben einer Messehalle, auf einem Parkplatz, obwohl es nebenan eine sehr schöne Grünfläche gab. Wir gingen durch die Stadt spazieren und fuhren am nächsten Tag mit der Fähre nach Helsinki und von dort zum Norbert, der in Littoinen in der Nähe der Stadt Tuku, seit einigen Jahren mit seiner Frau lebt. Am nächsten Tag haben wir uns Turko angeschaut und am 9. August ging es wieder mit der Fähre zurück nach Tallin. Das war Alfreds Geburtstag, also waren wir in der “Olde Hanse” essen, das ist ein Restaurant in Tallin, in dem die Kellner mittelalterliche Kleidung tragen, Schleier, Hauben, etc, alles eher, wie ein Fest, als ein Restaurant, die Speisekarte ist auch ganz mittelalterlich “Unsere Diener würden sich über ein Eichhörnchenfell oder über ein Trinkgeld freuen” und die Klos sind so nachgemacht mittelalterlich, daß sie schon wieder gewöhnungsbedürftig sind. Das Essen gut und teuer. Wildschweinbraten mit Honigsauce, habe ich irgendwo gelesen, wäre die Spezialität, leider haben wir auf der Fähre das Buffet besucht, so daß wir gar nicht sehr hungrig waren.
Für mich ging sich aber eine Leberpastete mit Honigzwiebel aus, die glaube ich, den Namen “Ratsherrengeheimnis” trug, der Alfred nahm den geräucherten Hering, dann sind wir noch eine Stunde auf den Campingplatz zurückgegangen und am nächsten Tag auf die Insel Saaremaa gefahren, die ein wahres Freizeitparadies ist, wo wir ein sehr entspanntes Wochenende verbrachten.

Tallink

Tallink

Nida, Lokal

Nida, Lokal

Es gab ein gutes Frühstück im Kurhaus von Kuressare, das nur fünf Euro kostete, obwohl es sehr reichhaltig war, einen schönen Camp im Wald, auf dem die Leute grillten und man auch um einen kleinen See herumgehen konnte.
Einen Windmühlenpark haben wir besucht und sind bis auf die Landspitze hinausgewandert, wo es nur mehr ein einsames Restaurant, einen Leuchtturm und ein paar Souvenierbuden gab. Vogelfedern gab es zu finden, Muscheln eher nicht.
Am Montag wieder mit der Fähre auf das Festland und nach Lettland gefahren, wo wir noch einen Nachmittag in Riga verbrachten, was eigentlich das Einzige war, was wir von dem Land sahen, dafür sind wir aber durch die Jugendstilviertel gewandert und der Alfred hat mir auch einen Führer gekauft, wo man die schönen Bauten, zum Teil von Michail Eisenstein, dem Vater des berühmten Filmers, erbaut, bewundern konnte. Ein Restaurant mit der typischen lettischen Küche, die aus deftigen Fleischgerichten, wie Stelze oder Spare Ribs und vielen Cremes mit Früchten besteht, haben wir auch besucht und sind durch einige sehr schöne Parks gegangen und haben die Oper bewundert. Wenn ich die “Hunde von Riga” lesen werde, werde ich erfahren, was ich alles von der Stadt versäumte, denn am nächsten Tag ging es schon wieder nach Litauen, bzw. auf die Kurische Nehrung und nach Klaipeda zurück. Bei meiner Litauenliteratur war auch ein kleines Büchlein, wo es über “Litauen im Visier des Dritten Reiches” ging und wo alles genau beschrieben wurde, was 1939 mit dem Stalin-Hitler-Pakt passierte. Das habe ich alles nicht ganz verstanden. Die kurische Nehrung scheint aber ein Teil Ostpreußens gewesen zu sein, so steht das nachgemachte Ännchen von Tharau auf dem Brunnen des Hauptplatzes, wo gerade eine EU- Werbeveranstaltung stattfand, das echte, ist, glaube ich, in den Kriegswirren verloren gegangen und ein paar alte Ansichten, wie es früher in dem Städtchen ausgeschaut hat, gab es am Hauptplatz auch.

Turku, Blanko

Turku, Blanko

Wigry

Wigry

Der Campingplatz war neu und sehr idyllisch am Meer gelegen. Leider hatte ihn eine deutsche Reisegruppe schon voraus reserviert und die besten Plätze beschlagnahmt, die wir dann später in Wigry widertrafen, so daß wir dort am Parkplatz schlafen mußten. Aber am Feiertag sind wir mit einer Fähre auf das Haff bis nach Nida gefahren und wollten dort eigentlich das Haus besichtigen, in dem Thomas Mann drei Sommer verbrachte. Auf der letzten Buchmesse in Leipzig, hat Frido Mann auf dem blauen Sofa gelesen und ein Buch über dieses Haus “Mein Nidden” vorgestellt. Wegen dem Feiertag war das Museum aber verschlossen, so daß wir nur herummarschieren und ein Foto vor der Gedenktafel machen konnten, in den Künstlerclub Blode, wo sich in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts alle literarischen und sonstigen Größen trafen und die Maler ihre Bilder malten, konnten wir aber hineinschauen und auch ein bißchen auf den Dünen entlangwandern. Ein traumhaft schönes Städtchen, aber sehr touristisch. Eine Russin mit einem Fahrrad, die ausgezeichnet Deutsch sprach und die uns erzählte, daß sie in Kalliningrad arbeitet, haben wir auch getroffen und dann gnig es wieder über Wigriy, wo wir den Freitagnachmittag verbrachten und noch einmal eine Schifffahrt machten und Tschenstochau zurück und ein bißchen durch die Tschechei sind wir auch noch gefahren und haben beim Tesco, Milch, Sekt und die berühmten Weckerln, die ich sehr gerne habe, eingekauft und jetzt sitze ich in Harland beim offenen Fenstler und kann die rhythmischen oder unrhythmischen Klänge der Freqeunzy hören, die ich heuer fast versäumte, bin ich ja vorhin, um mich nicht zu ärgern, nur bis zum Sportplatz Rad gefahren und jetzt werde ich soviel zu schreiben haben, daß ich wahrscheinlich den ganzen Sonntag dazu brauche, bevor es wieder in die Praxis nach Wien geht.

Der Klang der Blicke

“Der Klang der Blicke”, einunddreißig Geschichten des 1971 in Adana geborenen Selim Özdogan, von dem ich, bevor mir Haymon das E-Book schickte, noch nie etwas gehört habe. Stimmt wahrscheinlich nicht so ganz, denn ich habe einige Filme von Faith Akin gesehen und für die hat er die Drehbücher geschrieben und sein erster Roman “Es ist so einsam im Sattel, seitdem das Pferd tot ist”, 1995 erschienen, ist, wie ich Wikipedia entnehme, gleich ein Kultbuch geworden, weil es den Ton der Jugendlichen trifft.
Poetisch schöne, aber auch sehr brutale Geschichten, die von der Kindheit, dem Aufwachsen, dem Alltagsleben und dem Verbotenen-Verborgenen handeln, das nur die Therapeuten zu wissen glauben, die sowohl im heutigen Deutschland, als auch in den kleinen türkischen Städten der Vergangenheit spielen, aber auch von denen, die in Vorstadtsiedlungen aufwachsen, saufen, kiffen und sich über Filme streiten und dann ihre Frauen schlagen oder nicht schlagen, erzählen und dann gibt es auch Bemerkungen über Menschen geben, die ausschauen, wie Germanistikstudenten im höheren Semester, die angeblich alle Chancen im Leben haben.
Beginnen tut es sehr poetisch mit “Der den Klang der Wolken liebt”, da fängt ein in Deutschland aufgewachsener türkischer Junge zu rappen an und sich für Hip Hop zu interessieren, zuerst hört er zu, dann schreibt er die Texte selbst, denn wenn man konsumiert, hat man gar keine andere Chance, als es selbst zu versuchen, der Vater rät ab, der Junge tut es trotzdem und hat auch Erfolg, zumindestens zum Greifen nahe, der Durchbruch kommt aber nie, so beginnt er Romane zu schreiben und wird von den Kritikern daraufhin zum Autor mit Migrationshintergrund gemacht. Zuerst hat der Vater auch abgeraten, später sagt er “Was willst du mit der Anerkennung derer, die du ohnehin nicht ernstnehmen kannst. Jeder ernsthafte Schriftsteller geht allein, halte nur den Rücken gerade!”, wie wahr.
In der “Steinstadt”, in der es nur ein paar Geschäfte gibt und einen Bus, der einmal in der Woche kommt, leben und träumen sie. Wie das auch schon andere gemacht habe Marx, Freud, Ghandi z.b. und irgendwann fahren sie mit dem Bus fort und kommen wieder oder auch nicht.
Im “Garten ohne Gesetz” erzählt ein Junge von einem Sommer den er im Garten seiner Mutter verbringt.
“Du mußt aufpassen!”, sagt die Oma “deine Mutter ist wie ein Kind!”
Und der Opa spricht nicht mit ihr.
“Weil er sie liebt!”, erklärt die Mutter und erklärt dem jungen alle Pflanzen, den Tabak, die Pfefferminze, den Waldmeister, den Hanf u.u.u.
“In oben auf dem Dach und hinterher”, steigt einer, ein Pubertierender wahrscheinlich in der Nach auf einen Hochhausrohbau, fünfundzwanzig Stockwerke ohne Geländer und ohne Taschenlampe um von oben die Stadt zu besteigen. Mutprobe mit seinen Freunden und mit Treya und mit der bleibt er am Schluß allein”
In “Die Wege des Herrn” erzählt dann der Vater, wie es früher war in dem kleinen Städtchen, man ging zum Friseur und sah dabei eine Frau mit einer Tochter, verliebte sich in sie und leiß den Lehrbuch nach der Adresse forschen. Der Vater arrangiert die Hochzeit, nur leider ist der Lehrling einer falschen Mutter nachgegangen.
In “Noch einmal die Weite”, trifft sich offenbar ein todkranker Mann zum letzten Mal mit seiner Geliebten um ihre Nacktheit zu spüren und sehr stark, aber ganz anders, die Geschichte, von denen die sich mit ihren Bierdosen am See treffen, die Mädchen anlabern und dann am Abend die Laternen ausreißen oder Spießer aufwecken würden, als die Kanacken mit ihren Tapeziertischen und ihren Proviantkörben kommen. Zuerst wird noch über die dicken Frauen sinniert, die sich trotz Kopftücher Tangas kaufen, dann scheint ein Kind zu ertrinken und keine Männer sind da, Schorch springt ins Wasser und ertrinkt, nach dem zehnten Bier offenbar ein Herzversagen. “Wir werden ihn rächen”, ist der letzte Satz. In der Geschichte von den drei Duranski-Schwestern, erzählt einer von den “kriegerischen Größen” der Siedlung in der er aufgewachsen ist, Saskia, die sich gern mit Jungen prügelt,Lea mit der großen Klappe und ohne Angst und Sina, die raucht und kifft. Dann steigt auch noch ein “Todesengel” in den Lastwagen, diskutiert mit dem Fahrer, erzählt ihm, daß er in achtzehn Minuten einen Herzinfarkt erleiden wird und dann war es ein perfekt inszenierter origineller Raubüberfall, “schon der zwölfte Wagen diese Woche.”
Spannend auch die Geschichte von den “Kriminellen”, wer sind sie, die die das Fenster offen lassen und allen von ihren Reichtum erzählen, der Sohn der seinen Verwandten auf der Hochzeit den Armreif oder den Discmann klaut, der Onkel von der Drogenfahndung, der in Deutschland ein Bordell besucht, wo ukrainische Mädchen Arbeiten, die eigentlich Kellnern wollten oder die Großväter, die ihre Enkeltöchter zwingen ein rotes Band an der Hüfte zu tragen, obwohl jeder weiß, daß sie keine Jungfrauen mehr sind?
In “Jeder schläft allein” und “Papierpussy” geht um die Gewohntheiten der Frauen, in deren Bett und Zimmer man sich auf einmal befindet. Die eine will eine bestimmte Cassette hören, die andere schläft, was wohl eine besondere Ironie ist, bei dem Buch eines Schriftstellers ein und ist nicht wachzukriegen, als hätte sie Valium genommen, ja wenn es Drogen gewesen wären…
Und “In eines Tages wird er nicht mehr kommen”, geht es um eine Beziehung mit einem Yogalehrer, der sich sehr bedeckt verhält, während einer, der eigentlich weinen wollte in “Töten hören leben”, seinen Hamster umbringt, nachdem er als sein Bruder ausgezogen ist, er aufs Gymni kam und er Ana mit den schmutzig blonden Haaren in der Lokomotive im Park nicht küssen konnte.
Ganz anders die “Zwei Tage” da schleicht sich ein Einheimischer in einen dieser gutbeachten teueren Touristenclubs ein um dort Hummer zu essen und die Frauen zu vögeln und wird dann nur von seinem Landmann und Portier zusammengeschlagen.
“Verdachtsmomente” ist auch so eine Geschichte, die man noch nicht überall gelesen hat. Es geht ums “Spielen in der Oberliga” oder wie man eine Frau betrügt, ohne, daß sie es bemerkt. Selims Özdogans Ton ist immer etwas überheblich und besser wissend, so als ob einer die Welt von oben betrachtet und in seinem Zynismus kundgibt, daß man es ohnehin nicht besser machen kann, was auch für “Uta lampes Ex” und “Dachterrasse” gilt. Dann gibt es die Geschichte, wo einer sechundzwanzig Bewerbungsschreiben nach Ratgebern verfaßt, siebzehn Absagen und acht Bewerbungsgesräche macht und der letzte fragt ihn , ob er schon mal Extasy genommen hat. Aber ganz ehrlich! Was soll man da darauf antworten?
In “Freuden der Jugend”, werden genauso eindrucksvoll die Leiden eines Siebzehnjährigen erzählt, der in der ersten Reihe sitzt weil er sehr schüchtern ist, auf einer Party erkennt er, daß man mit Alkohol zum Reden kommt, bei den Mädchen klappt es aber nicht, die Eltern sind sehr unzufrieden und lassen ihm im Urlaub zurück, so daß ihm nichts anderes überbleibt, als sich die Pulsadern aufzuschneiden, denn Selbstmörder hat er ohnehin schon seit seiner Geburt bewundert. Das Pedant dazu ist die letzte Geschichte, die von der Prinzessin die auf der Suche nach der Mitte der Langweie und dem Ende der Einsamkeit durch alle Märchen und die Literaturgeschichte geht, so daß wir nochmal lesen können, daß es der Autor in allen Tonlagen kann, schön poetisch aber auch ganz brutal in der Alltagssprache, weiß er von den Nöten, die wir in diesen Leben haben, zu erzählen und hat immer wieder ganz überraschende Einfälle dabei.
Dann habe ich noch Hörproben aus “Ein weiteres Verlangen”, bekommen, das, wie ich Google entnehme, ein Album ist, das vom Autor ins Netz gestellt wurde, die ersten zweihundert können sich die Texte gratis hinunterladen, für die weiteren wird dann der Preis ausgedacht und einen Abspann zur Urheberfrage gibt es dabei auch.
Ein sehr interessantes Erzähltalent, das wirklich mehr, als über den Migrantionshintergrund zu erzählen weiß und sich für alle Tonlagen und alle Lebenskrisen zu interessieren scheint, das ich das kennenlernen durfte. Die Bandbreite der Özdogan Geschichten ist sehr vielfältig und es wird in einer sprachlichen Vielfalt erzählt, wie man sie selten in Erzählbänden findet.
Hier noch die Besprechung eines Erzählbandes einer austro-türkischen Autorin, die ich voriges Jahr gelesen habe.

Litauischer Literaturstreifzug

Da wir ja 2002 auf der Buchmesse in Frankfurt waren, bin ich mit einer ganzen Büchertasche über litauische Literaturinformationen in diesen Urlaub aufgebrochen, obwohl ich nicht sehr viel Ahnung über die Literatur Litauens habe.
Gut, 2002 war Litauen Gastland in Frankfurt, da gab es einen Pavillon mit Informationsständen und ich habe mir, bin ich ja eine Sammlerin, auch die vielen Autorenportraits und sonstigen Broschüren, die es gab, eingepackt und in mein Bücherregal gestellt.
An Teepäckchen, die man sich mitnehmen konnte, kann ich mich auch erinnern. Die Tees habe ich getrunken, in den Broschüren wahrscheinlich geblättert und mich über die seltsamen Namen, die die litauischen Autoren haben, wahrscheinlich gewundert. Ö 1 hat in Ex Libris, glaube ich, auch ein bißchen über die litauische Literatur berichtet und dann darauf vergessen, gibt es ja so viel anderes zu lesen und so bin ich, erst wieder 2010 bzw. 2011 durch den Bank Austria Literaturpreis daraufgestoßen, denn da hat ja Renata Serelytes “Blaubarts Kinder” gewonnen. Das Buch konnte man sich bei der Veranstaltung im Radio Literaturhaus nehmen, Anfang 2011 habe ich es brav gelesen und bin ein bißchen über die Geschichte und auch sonst gestolpert, gab es ja keine Autorenangaben auf dem Buch. Im Internet war auch nicht viel zu finden und, daß ich 2002 aus Frankfurt so ein kleines rotes Autorenportrait mitgenommen habe, hatte ich vergessen.
Cornelius Hell hat “Blaubarts Kinder” übersetzt, ihn hatte ich damals ein Mail geschrieben und auf einer literarischen Soiree bezüglich des Buches angesprochen, er hat mir auch die gewünschten Informationen gegeben, ich hatte das Buch auch schon besprochen und der Wieser Verlag hat auf meine Besprechung dann auch in seinem Verlagsprogramm hingewiesen.
Vor dem Urlaub habe ich bei Cornelius Hell noch einmal angefragt, was er mir zu lesen empfehlen würde, der ja auch ein Buch üer litauische Autoren herausgegeben hat, das in den Reiseführern empfohlen wird und habe die Broschüren in die Tasche eingepackt, die mir Alfred aus Australien mitbrachte und so bin ich dann auf dem Campingplatz bei Trakai in dem kleinen Gasthaus, wo die Familien ihre Feste feierten, gesessen und habe in “Best writing from an about Lithuania” geblättert. Das ist eigentlich eine Kulturzeitschrift, die anläßlich der Buchmesse herausgegeben wurde und sich sämtlichen Teilen der litauischen Kunst widmete. Es gab aber eine Einführung des Obmanns des Schriftstellerverbands und eine Geschichte über die Kindheit von Romualdas Granauskas” und so habe ich mich durch die litauische Literatur gekämpft.
Im Merian-Heft gibt es einen Streifzug über die balitsche Kunstszene und da wird die 1961 in Vilnius geborene Jurga Ivanauskaite, die mit ihrem Roman “Regenhexe” berühmt geworden ist, vorgestellt und so ein kleines rotes Prosaheftchen über Jurga Ivanauskaite habe ich auch und da gibt es einen Auszug aus der “Regenhexe”, in dem eine Frau einem Psychotherapeuten über ihre Liebe zu einem Priester erzählt, eine Hexe über ihre Liebeserfahrungen sinniert und auch Maria Magdalena ihre Liebe zu Jesus gesteht.
Darin habe ich erst am Campingplatz in Wigry auf der Rückfahrt unserer Reise gelesen. Denn wir sind bei der Hinfahrt ja nur einen Nachmittag in Trakai und in Vilnius gewesen und dann gleich nach Riga weitergefahren, wo ich sehr bedauerte, daß ich Hennig Mankells “Die Hunde von Riga” nicht als Reiselektüre eingepackt hatte.
In Estland und in Finnland war auch keine Zeit sich mit der litauischen Literatur zu beschäftigen, aber am Nachmittag in Wigry, habe ich die Autorenportraits durchgeblättert. Sie sind auf Deutsch geschrieben, teilweise auch von Cornelius übersetzt und in die Sparten Prosa und Lyrik aufgeteilt.
Neunzehn solche Heftchen habe ich mir von Frankfurt bzw. auf meine Reise mitgenommen und das über Renata Serelyte, die auch in den anderen Heftchen als Literaturkritierin ihre Eindrücke über ihre Kollegen schildert, war natürlich besonders interessant.
2002 war “Blaubarts Kinder” offenbar noch nicht erschienen, nur ihr erster Roman “Sterne der Eiszeit” aus dem es Auszüge gab, das Heftchen offenbart auch sehr viel Biografisches über die 1970 in Simonys geborene Lyrikerin, Prosaistin und Dramatikerin, die in Vilnius Litauistik studierte. Sie war damals auch schon in mehreren Sprachen übersetzt und das Heftchen hat ein langes Werkverzeichnis, nur zu mir ist das nicht durchgedrungen, aber auch sonst ist die litauische Literatur in Österreich trotz Frankfurt, glaube ich, nicht sehr bekannt, obwohl wir in Cornelius Hell einen sehr bemühten Übersetzer haben. So hat er auch Vanda Juknaites “Das gläserne Land” übersetzt, das bei Otto Müller erschienen ist und Vanda Juknaite ist, wie die Literaturkritikerin Renata Serelyte in dem Heftchen schreibt, eine wichtige Vertreterin der Frauenliteratur und schreibt bevorzugt über Mütter.
Jüdische Schriftsteller sind in der Portraitreihe natürlich auch zu finden. Icnhokas Meras, Markas Zingeris und Griorijus Kanovicius haben sich mir jetzt eingeprägt und ein Heftchen über das “Jerusalem von Lithuania” womit Vilnius gemeint ist, habe ich auch.
Bei den Lyrikern gibt es im “Best Writing” Gedichte von Vytautas Bloze und Sigitas Geda auf Englisch und da habe ich auch jeweis ein Heftchen aus der Portraitreihe, so daß ich die deutsche Textproben und die Lebensläufe nachlesen konnte.
Eine starke Prosastimme ist noch in dem “Best wrtiting” Buch zu finden, nämlich zwei Geschichten von Saulius Tomas Kondrotas “Der rote Fuchs” und “Der Sammler”, die ich auf der Fahrt von Vilnius nach Riga las und da hat mich vor allem die Geschichte von dem Mann, der Sonnenuntergänge sammelt und sie in kleinen Dosen verpackt und kauft bzw. verkauft, sehr beeindruckt.
Das Gastland Litauen gab in seiner Portraitreihe in Frankfurt also einen Eindruck in die Literatur Litauens, die man erweitern und vertiefen sollte, es gibt aber soviel anderes zu lesen, daß eine schreibende Vieleserin gar nicht dazu kommt, trotzdem ist das Blättern in den Portraitheftchen am Campingplatz in Wigry neben dem Kloster in dem sich jetzt Künstlerateliers befinden, sehr interessant gewesen und mein Eindruck, den ich aus Frankfurt mitgenommen habe, hat sich in meiner Dreitagereise durch Litauen sicherlich vertieft.
Trakai und Vilnius habe ich am ersten Tag ein bißchen gesehen und auch einen Eindruck in die Familienfeiern bekommen. Dann war ich noch zwei Tage an der Kurischen Nehrung in Klaipeda und in Nida, bin vor dem Ännchen von Tharau und vor dem Haus gestanden, in dem Thomas Mann drei Sommer verbrachte und das heute ein Museum ist, am 15. August aber leider geschlossen war, was für einen litauischen Literaturstreifzug auch nicht so unwichtig ist.
Die neunzehn Portraitheftchen werde ich wohl wieder in mein Bücherregal zurückstellen und vielleicht finde ich einmal Jurga Ivanauskaite “Regenhexe” oder ein anderes Buch von Renata Serelyte im Bücherschrank, dann werde ich sie wohl begierig lesen und so ganz unbekannt werden mir die Autorinnen dann nicht mehr sein und von einem Land bekommt man mit Sicherheit mehr mit, wenn man sich mit seiner Literatur beschäftigt, auch wenn ich das nur mit ein paar Mails an einen Übersetzer und mit ein paar Portraitheftchen machte, kann ich es trotzdem sehr empfehlen.

Die kleine Passion

Auf den Namen Ernst Wiechert bin ich im Vorjahr während unserer Masurenreise gestoßen, gilt doch der 1897 in Sensburg Geborene und 1950 am Zürichsee Verstorbene, als einer der bedeutensten Dichter Ostpreußens.
Dann habe ich die “Kleine Passion” im Bücherschrank gefunden, auf meine Leseliste gesetzt und in diesen Urlaub mitgenommen, ging es ja noch einmal durch Polen und auf der Hin- und Rückfahrt habe ich das 1929 erschienene Buch, das den Untertitel, “Die Geschichte eines Kindes” trägt, der in meiner Ausgabe fehlt, auch gelesen.
Daß die Geschichte in Ostpreußen spielt, wird auf keiner Seite erwähnt, eigentlich werden überhaupt keine Ortangaben gemacht, die biographischen Bezüge zu Wiechert, der der Sohn eines Försters war, lassen sich aber denken.
Was einer Leserin, die noch nie etwas von Wiechert glesen hat, auffiel ist der tragische, fast pathetische Ton, in dem die Geschichte, ich nehme einmal an, daß sie mit Wiechert zu tun hat, erzählt wird. Es geht um die Kindheit des Knaben Johannes und, wie im Klappentext steht, um den Kampf seiner Mutter gegen das Böse.
Das wird sehr bedächtig geschildert. Die Mutter Gina ist eine Bauerntochter und die Karstentöchter meint Wiechert, haben es nicht leicht im Leben, das wird im ersten Kapitel ausgeführt. Gina, die eine Zeitlang mit einem jungen Lehrer spazierenging, bis er sich mit einer anderen Bauerntochter verlobte, bekommt einen Heiratsantrag eines Witwers, der eine Mutter für seinen Sohn braucht, einem Beamten, wahrscheinlich älter als sie, er lädt sich bei Dietrich Karsten zum Kaffee ein und macht ihr einen Antrag, die ihn annimmt, weil sie ihn als ihr Schicksal ansieht und ihr Martryrium bzw. ihr Kampf beginnt.
Im zweiten Kapitel wird dann das Martyrium geschildert, als sie schwanger ist, schlägt Albert Zerrgiebel sie, weil sie nicht in den Keller gehen und für ihn Wein heraufholen will und vorher fällt er bei der Hochzeit unangenehm auf, weil er dem Musiker ein falsches Geldstück gibt.
Gina zieht sich mit ihrem Sohn Johannes in ihre Kammer zurück, mit dem ersten Sohn Theodor kommt sie nicht zurecht, hat aber Unterstützung in ihrem Vater und der kleine Johannes im Förster des Waldes, der ihn bald als Dichter erkennt. Die Volksschulzeit wird sehr beeindruckend geschildert. Der Lehrer ist streng und schlägt die Kinder, die Frau des Lehrers weiß aber Geschichten zu erzählen, einen Hilfslehrer gibt es auch der Geige spielt und zu Gina ein besonderes Verhältnis hat.
Später kommt Johannes ins Gymnasium und wohnt in der Stadt zur Untermiete, weil er nicht mit seinem Bruder, der Postgehilfe ist, im Zug fahren will. Als er sich bei den dortigen Lehrern weigert, die Buchstaben anderns zu schreiben, macht ihn der Direktor lächerlich, die Frau bei der er zur Untermiete wohnt, geht aber in seine Sprechstunde und weist ihn in seine Schranken, denn sie kennt seine Geheimnisse.
Von nun an, hat Johannes Ruhe oder auch nicht, er hat jedenfalls einige Freunde und Feinde und später entdeckt er, daß sein Vater und sein Bruder ungesetzliche Handlungen trieben, kommt in Verruf dabei, da kann ihm ein junger Lehrer und sein Großvater helfen, die Mutter geht mit ihm zu ihrem Vater zurück und Albert Zerrgiebel schreibt Briefe auf dem Gefängnis an die ganze Stadt, um sie mit irgendwelchen Geeimnissen zu erpressen. Schließlich wird Johannes in die Liebe eingeweiht, von der Frau des Arztes, die von Zerrgiebel auch erpresst wird, macht sein Abitur und beginnt Jura zu studieren, um der Welt zu ihrem Recht zu verhelfen.
Eine wahrscheinlich nicht ungewöhnliche Geschichte, wie man im vorigen Jahrhundert so sozialisiert wurde. Ernst Wiechert, habe ich gelesen, ist mit diesen Buch berühmt geworden. Es gibt bei Wikipedia ein ganz langes Werkverzeichnis und im Internet eine Fanseite, wo man sich ein bißchen in die Werke, die zum großen Teil vergriffen scheinen, einlesen kann.
Mir erschien der Ton, wie schon beschrieben ein wenig zu pathetisch und zu getragen. Man muß das Buch aber wahrscheinlich in Zusammenhang mit dem Leben und den anderen Werken des Dichters setzen und die der politische Situation einbeziehen. In der Künstlerkolonie Bode, die ich in Nieda besuchte, ist auch ein Foto Wiecherts ausgestellt. Mal sehen ob ich ein anderes seiner Werke im Bücherschrank finde. Dieses hat ein Dr. Anton…. ausgeschieden, der den Rest seines Namens, seiner Adresse und seine Telefonnummer aus seinem Stempel herausgestrichen hat und es ist im “Welt im buch”, dem Buchabonenment für Anspruchsvolle erschienen.

Wochenende in Saaremaa

Saaremaaa, Kuressare, Burg

Saaremaaa, Kuressare, Burg

Saaremaa, Camping Tehumardi

Saaremaa, Camping Tehumardi

Auf Saaremaa, der größten Insel Estland auf der vierzigtausend Menschen wohnen und die in der Sowetzeit militärisches Sperrgebiet war, ticken die Uhren langsamer, steht in den Prospekten dann wird noch etwas von Freizeit und Erholung hinzugefügt und das war auch zu merken, als wir Freitagnachmittag die Hauptstadt Kuressaare erreichen.
Vorher sind wir von Tallinn kommend, mit einer Fähre gefahren, eine halbe Stunde und der Alfred befürchtete fast, da ja Wochenende eine lange Wartezeit. Dann ging es aber Ruckzuck, wir kamen hin, bezahlten, fuhren ein und das Schiff war schon unterwegs, als wir das Deck erreichten.
Ich habe ein wenig auf das Meer hinausgeschaut, der Alfred kaufte sich eine Straßenkarte, während sich die Passagiere fotografierten und besonders gute Posen ausprobierten, dann hatten wir unser Ziel schon erreicht und fuhren durch die unberührte Naturlandschaft. Bäume, Wäder, hin und wieder Haus und das Meer ziemlich nahe, manchmal sieht man es von beiden Seiten.
Im ehemaligen Waaghaus der Hauptstadt Kuresaare ist jetzt ein Pub untergebracht, steht im Reiseplan, wir setzten uns unter das Sonnendach, Alfred bestellte eine Leber in Kognacsauce, ich einen Pfannkuchen mit Schinken und Käse, ein Erdbeersmoothy dazu und wenn man aufs Klo will, kann man das schöne alte Haus aus dem siebzehnten Jahrhundert bewundern.
Nebenan befand sich ein kleiner Markt, wo die Leute ihre Handarbeiten, aber auch Heidelbeeren und Pilze verkauften. Im Gastgarten saß ein Mann mit einem Buch und unterhielt sich mit zwei Radfahrern, die ihre Räder an die Trennwände lehnten und sehr ausgeruht wirkten.
Ein kleiner Bummel durch den Markt, Holzlöffel waren zu bewundern und selbstgestrickte Strümpfe und zur Touristeninformation.

Saaremaa, Windmühlenmuseum

Saaremaa, Windmühlenmuseum

Saaremaa, Freilichtmuseum

Saaremaa, Freilichtmuseum

Die Attraktion des Ortes ist die Bischofsburg, in der zweiten Häfte des vierzehnten Jahrhunderts fertiggestellt und damit die best erhaltene mittelalterliche Burg des gesamten Baltikums.
Um zu ihr zu gelangen, muß man durch die geschäftige Hauptstraße gehen, dann durch einen Park und am Kursalon vorbei, wo es auch einen Musikpavillon gibt.
Kuresaare hat auch viele Spas und Heilbäder anzubieten und die Burg ist sehr idyllisch angelegt. Man muß über ein paar Brücken gehen, kann sie aber auch über verschiende Hügel klettern. Im Hof gibt es einen Schmied und andere Handwerksbuden. Bogenschießen kann man, glaube ich, auch und in der Mitte ist eine Bühne aufgebaut, wo es am Abend Musikaufführungen zu geben schien.
Einen kurzen Rundgang zum Fotografieren, Alfred ist dazu, glaube ich, auf eine Mauer geklettert, dann fuhren wir weiter auf den Campingplatz, kamen zuerst in eine Polizeikontrolle, eine junge Polizistin wollte von uns wissen, ob wir das erste Mal in Estland wären und dann an die Landesspitze, wo es das einsame Restaurant gibt, von dem wir in der Touristeninformation Postkarten fanden, die wir an Alfreds Eltern, an die Ruth und an Margot Koller schickten.
“Da müßen wir hin, da gibt es gebratene Fische!”, sagte der Alfred, wir hatten aber schon gegessen, also ans Meer, wo es einen Leuchtturm gibt und die Möwen ihre Federn verlieren, bis an die Spitze, wo sich die Touristen fotografierten oder Steine in das Wasser warfen.
Diesmal war der Campingplatz wirklich idyllisch, weil mitten im Wald gelegen. Zwei kleine Teiche gab es auch, die man umrunden konnte, einer führte direkt zu einer Hamburgerbude, wo sich Senf verkosten ließ und das berühmte estnische Bier zu kaufen gab, die aber leider erst um zwölf öffnete, so daß es vorher nichts mit dem Kaffeetrinken wurde.
Das holten wir aber im Kursalon von Kuresaare nach, wo es um fünf Euro mit wunderbaren Blick auf die Bischofsburg, ein wirklich reichhaltiges Frühstück gab. Schinken, Lachs, Käse, eine rote Beerenmarmelade, Croissant, Brot und Joghurt und eine dicke Katze wartete begierig auf die Abfälle. Danach ging es am Samstag zum Krater Kaali, der ein ziemliches Naturereignis ist und am Sonntag in den Windmühlenpark, denn Windmühlen hat nicht nur Holland anzubieten.
Die in Estland sind meistens viereckig und haben einen Mechanismus, daß man sie in alle Richtungen drehen kann. Im Windmühlenpark gab es vier oder fünf Stück, eine in holländischer Manier, in die man hinaufklettern konnte und wo einen nicht nur Beschreibungen, sondern auch die Müllersfamilie als Puppen erwartete und am Samstag sind wir noch einmal zur Landesspitze gefahren und haben gegrillten Lachs gegessen.
Es war halb drei, in den baltischen Staaten wird die Uhr eine Stunde nach vor gestellt und das Restaurant als wir kamen, ziemlich leer, so daß der Koch mit der Servierin zu den Revolutionsliedern, die es zu hören gab, tanzte und ebenfalls einen sehr entspannten Eindruck machte.
Am Sonntag haben wir in einem Restaurant mit der angeblich besten estnischen Küche gegessen, das sich in einem ehemaligen Pastoralamt neben der Kirche befand und nur im Sommer geöffnet ist.
Hier konnten wir nicht im Freien essen, auf den Holztischen, alles sehr ästhetisch, türmten sich aber nach der Bestellung die Speisen. Das Kartoffelpüree, das ich zu den Kohlrouladen bekam, hätte locker für eine Familie gereicht, drei Schüßel mit Salaten, bzw. eingelegten Gurken und Kürbissen und eine Sauce gab es auch. Der Alfred hatte Fisch bestellt und die Reiseführer schrieben etwas von der einfachen deutschen Hausmannskost, an die die estnische Küche erinnert.
Dann ein Stückchen in den Nationalpark hinein, den man eigentlich durchwaten kann, was wir aber nicht machten. Wir ließen uns nur von der freundlichen Dame in dem Infocenter erklären, wo sich die Robbenbabys befanden und fuhren auf einer ziemlich holprigen Straße zu einer Art Hafen, wo ein paar Fischer waren und man auch auf eine Insel hinausfahren konnte.
Dann hätte es noch ein Freilichtmuseum zu besichtigen gegeben, leider war es, als wir es erreichten, aber schon geschlossen, so daß wir nur von außen, auf die alten Häuser, eine Windmühle stand natürlich in der Mitte, schauen, beziehungsweise den Lageplan studieren konnte.
Am Campingplatz wurde noch bis spät am Abend gegrillt, die Kinder spielten und am nächsten Morgen ging es mit der Fähre, um halb neun, wo man zum Frühstück schon gegrillte Würste und eine Art Suppe essen hätte können, aufs Festland zurück, wo wir nach Riga weiterfuhren.