Vom Fünften in den Vierten

Willi Resetarits 2012-09 @ WienMuseum

Willi Resetarits 2012-09 @ WienMuseum

Karl Ritter 2012-09 @ WienMuseum

Karl Ritter 2012-09 @ WienMuseum

“Bücherflohmarkt aus Protest gegen die Umwandlung der Poly-College-Buchhandlung in ein weiteres Wettlokal in der Reinprechtsdorferstraße”, habe ich im letzten Augustin gelesen.
Samstag von elf bis sechzehn Uhr im Innenhof des Hauses, wo sich die Augustin-Redaktion befindet und ich ja einmal auch Special Guest der Schreibwerkstatt war. Ja, das gerade in der Reinprechtsdorferstraße, aber auch in anderen Straßen des fünften Bezirks Geschäfte schließen und sich in Ein-Euro-Shops und Wettlokale verwandeln, kann man unschwer merken, wenn man ein bißchen spazieren geht und der Augustin Flohmarkt hat auch noch eine andere Vorgeschichte, wie sich in der Zeitung lesen lies.
Da gab es nämlich schon einen Bücherflohmarkt des Museums auf Abruf und der Wien Bibliothek,von dem ich keine Ahnung hatte, der aber offenbar so begehrt war, daß die Leute Schlange standen, um an die Gustostückln zu gelangen und der Reinerlös von zweitausendsiebenhundert Euro wurde ohne Pressofotos und Politikerhändeschütteln, einfach und problemlos dem Augustin übergeben, der jetzt selbst eine solche Aktion veranstaltete, weil ein Schauspieler seinen Vorlass loswerden sollte, die MA7 / Kultur noch etwas auf Lager hatte und ein August-Redakteur sich auch von seinen Büchern trennen wollte, außerdem sollte es zur jeder vollen Stunde ein literarisches Ereignis geben und die Republik Reinprechtsdort, eine Intitiative, die sich gegen die Wettbüros stark machen will, soll auch gegründet werden.

Nun ist es ja nicht so, daß ich an einen Büchermangel leide, im Gegenteil reicht mein SUB schon in das Jahr 2015 hinein, aber ich habe es ja schon geschrieben, die Herbstsaison läuft nur sehr schleppend an und “Rund um die Burg”, wo ich ja eigentlich gedacht hätte, daß ich dort die Freitagnacht bis Samstagnachmittag verbringe, gibt es ja auch nicht mehr in dieser Form.
Zwar bin ich gestern, als ich schon dachte, daß ich jetzt mit “Kerstins Achterl” fast fertig bin, bei der Laut-Lese-Probe draufgekommen, daß doch noch eine Menge Fehler drinnenstecken und ich den Samstag zum Korrigieren brauchen hätte können, bin dann aber doch nach dem ich hundert Seiten in Christoph Ransmayers “Letzter Welt” gelesen habe, in die Reinprechtsdorferstraße marschiert, wo ich ja einmal, auf Nummer 39, meine Praxis hatte.

Erich Meixner 2012-09 @ Akzent

Erich Meixner 2012-09 @ Akzent

Trixi Neundlinger 2012-09 @ Akzent

Trixi Neundlinger 2012-09 @ Akzent

Im Hof des Hauses Nummer 31 gab es einen Tisch in der Mitte und Bücherkisten auf der Seite, wo sich Taschenbücher aus den Siebzigerjahren und einiges aus Ruth Aspöcks Edition befanden, Michael Scharangs “Charly Tractor” war auch zu sehen, Robert Sommer schickte mich aber in das Innere, weil sich dort die besseren Bücher befänden und das stimmte auch. Ganz neue und auch sichtlich ungelesene Leseexemplare von Sabrina Janeschs “Katzenberge”, Olga Martynovas “Sogar Papageien überleben uns”, Alina Broskys “Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche” etc, mit dem aufgedruckten Datumstempel, ab wann man das Buch besprechen darf, also das, was vor ein paar Jahre auf den dBP Listen stand bzw. beim Bachmannpreis gelesen wurde, was wieder interessante Rückschlüße auf den Literaturbetrieb, wo ja jetzt wieder alle gebannt auf die Shortlist starren und sich die Leute über die Auswahl ärgern, weil nur eine Frau das Rennen machte und die Auswahl der drei Suhrkampbücher sehr voraussagbar schien. Nun ich habe zehn Euro für die erwähnten Bücher und noch einige andere, Irene Harands “Sein Kampf”, Evelyn Grills “Der Sammler”, die die ja schon lange haben wollte und sogar Richard Obermayrs “Das Fenster” war dabei, gespendet und werde auch nicht so bald dazu kommen, die Bücher zu lesen, aber da kann man nicht widerstehen und dann ist es auch noch für einen guten Zweck.

Georg Herrnstadt 2012-09 @ Akzent

Georg Herrnstadt 2012-09 @ Akzent

Willi Resetarits 2012-09 @ Akzent

Willi Resetarits 2012-09 @ Akzent

Als ich damit gehen wollte, wies mich Robert Sommer auf das erste Literaturereignis hin, das bald beginnen sollte, Peter Ahorner las aus dem Fenster sozialkritische Gstanzerln und um zwei wurde dann der Kampf gegen die Wettbüros in dreiunddreißig Paragraphen verlesen, die auch im Augustin abgebildet sind. Mehr Kultur statt Wettcafes, lautet die Forderung, ob sich die Leute so einfach vom Glücksspiel abhalten lassen, das ja mit seinen Illusionen sehr verlockend ist, ist zwar fraglich, das Bücherlesen versetzt aber auch in andere Welten und das Kaufen der Hardcoverausgaben ist auch nicht ganz billig. Da lobe ich mir die Flohmärkte und die offenen Bücherschränke, wo man wahre Gustostückerln finden kann. Es gab dann noch “Hausmeisterdialoge” und für sechzehn Uhr war Richard Weihs angekündigt, aber da war ich schon gegangen, erwartete mich an diesem Samstag ja noch ein anderes Event, nämlich “Dreispiel im Vierten”, drei Konzerte mit Willi Resetarits, wo man vom Wien Museum am Karlsplatz, über das Radio Kulturhaus ins Theater Akzent hoppeln mußte und da ist es ja sehr gut, daß ich die letzte Nacht in meinem Bett und nicht im Zelt vor dem Burgtheater verbrachte.
Dreimal Willi Resetarits an drei Veranstaltungsorten und eigentlich hatten wir die Kurzfassung sozusagen schon am Volksstimmefest gehabt.

Herbert Tampier 2012-09 @ Akzent

Herbert Tampier 2012-09 @ Akzent

Helmut Grössing 2012-09 @ Akzent

Helmut Grössing 2012-09 @ Akzent

Begann es ja im Wien-Museum mit einer H.C.Artmann Lesung, begleitet wurde er von dem Gitaristen Karl Ritter. Jetzt bin ich ja nicht so ein besonderer H.C. Artmann Fan, den Willi Resetaris Hl. Heiliger Artmann nennt, um ihn von H.C. Strache abzugrenzen, der aber Hans Christian und nicht Hans Carl heißt und der mir manchmal ein bißchen zu derb und aggressiv ist. Dem Publikum hat es aber gefallen. Willi Resetarits hat auch überzogen, am Schluß spielte der Gitarist ein Solo, Alfred fotografierte und dann ging es im Eiltempo in die Argentinierstraße, dort war das Programm Latin Music verschmolzen mit Rock, Jazz und Wienerlied mit seiner Tochter Johanna und den burgendländischen kroatischen Liedern mit den Basbaritoni am kürzesten. Die Wiener Lieder haben, glaube ich, überhaupt gefehlt, dann die Argentinierstraße hinauf zum Theater Akzent. Da gab es das Jura Soyfer Programm mit den Schmetterlingen, auf das schon Christoph Kepplinger beim Volksstimmefest aufmerksam gemacht hat und das war meiner Meinung nach auch der tollste Programmpunkt, die “Verdrängten Jahre”, die mit dem “Lied von der Erde” begannen und sozusagen mit dem “Dachaulied”, wenn man die Zugaben abrechnet endeten.

Die Schmetterlinge 2012-09 @ Akzent

Die Schmetterlinge 2012-09 @ Akzent

Willi Resetarits las dazwischen ein bißchen was aus dem Romanfragment “So starb eine Partei” und erzählte die Geschichte und ich glaube, ich habe die “Schmettlinge”, die ja inzwischen eine Kultband sind und auch schon graue Haare haben, nie live gesehen.
Die Lieder auf der Schallplatte habe ich gehört und Jura Soyfer ist mir auch ein Begriff und das Lied von den Menschen, die auch das Zitat der Volkkstimmefestlesung war, hat Willi Resetarits ebenfalls gesungen.

Neulich im Mittelalter

Jetzt kommt noch “Neulich im Mittelalter” Stefan Sonntagsbauer 2011 bei Holzbaum erschienener Erzählband und der ist sehr interessant, wenn man vor ein paar Tagen “Containeräffchen” gelesen hat. Denn einiges bahnt sich hier schon an, auch wenn Stefan Sonntagbauer noch herumprobieren zu scheint, eine eigene Sprache und einen eigenen Ton, scheint er allemal zu haben, bzw. dabei sein, ihn zu entwickeln.
So sollte ich die erste Geschichte “living and sterbing and nothing much beetween”, schon kennen, ist sie doch der Text, der auch in der Wortlaut Gold Anthologie enthalten ist und die scheint, obwohl ich sie noch immer nicht gelesen habe, ein wahrer Goldschatz der jungen Literatur zu sein und wenn ich noch ein bißchen warte, brauche ich sie vielleicht gar nicht mehr zu lesen, denn “Kavkas Butterbrote”, kenne ich ja schon und Cornelia Travniceks Text ist, weiß ich inzwischen, ein Kapitel aus “Chucks”, das habe ich zwar auch noch nicht gelesen, kommt aber vielleicht noch.
Jetzt einmal Stefan Sonntagbauer und die Wortlaut FM4 Geschichte ist durchaus interessant und zeigt ganz schön den Sonntagbauer Ton, diese Mischung zwischen Deutsch und Englisch, Realität und Show-Business, die auch im “Containeräffchen” zu finden ist. Da gibt eine Wildwestshow, mit dem Sheriff, dem Indianerhäuptling, der Bardame, die sich jeden Abend gleich abspielt, die Cowboys schießen herum, der Sheriff tritt auf und zieht schließlich, obwohl er Mundgeruch hat und ihr vor ihm graust, mit der Bardame ab.
So what, könnte man denken, weit gefehlt, es geht nämlich zurück in die Wirklichkeit, der Sheriff ist der Showbesitzer und in Geldnöten, außerdem in die Bardame verliebt, er schreibt ihr Gedichte und die gefallen ihr, obwohl, Stefan Sonntagbauer treibt es an die Spitze und reimt entsetzlich kitschig, er hinterläßt ihr aber seine Handynummer, sie ruft ihn an und gesteht ihm ihre Liebe und ihre Freude sich fortan nicht mehr von dem Sheriff quälen lassen zu müssen.
“Daham” ist kurz und eigentlich ein eher lyrischer Text, das ist vielleicht auch das Spannende an dem Bändchen, daß sich lange mit ein paar Zeilen Texten abwechseln.
“Menschen wie Vogelkinder”, diesen Titel habe ich nicht verstanden, die Idee ist aber sowohl spannend als auch originell und wieder geht es in das Showbusiness hinein. Da haben Bayrer offenbar eine Überlebenstour für teures Geld gebucht, sie werden mit einem Bus durch eine Wüste gekarrt und erfahren die Horrormeldung Mittagessen gibt es erst eine Stunde später “Essen um zwölf, jetzt aber seien Viertel nach zwölf. Noch eine Stunde dann seien Viertel nach Eins”, ganze Schweinshaxn und Bierszenarien tuen sich auf, der Held sprintet in die bewachte Küche, um den Küchenjungen die Schnitzelpfanne zu entreißen, wird aber entdeckt und eingesperrt, am Ende sitzen sie am gedeckten Tisch, stöhnen und ächzen und beteuern, im nächsten Jahr wieder zu kommen.
Und um auf die Vorbilder zurückzukommen, Stefan Sonntagbauer hat, würde ich sagen, seinen Jandl gelesen und wahrscheinlich auch Andreas Unterweger, aber da sind wir schon bei der “Kleinen Liebesgeschichte”, wo sich zwei Jugendliche entsetzlich quälen, sie geht kurz mal Zigaretten holen, bei ihm läuft das ganze Horrorszenario ihrer Beziehung ab, wie sie klammerte, wie sie nervte, wie sie sich vor den Prüfungen ängstigte und ihn auch liebte “Ich für immer lieb ich dich. Für immerimmerundimmerochviellänger. Bis zum Mond und zurück lieb ich dich”. Dann sieht er die Zigaretten in der Küche liegen, gerät in Panik, läuft zu den Schienen und am Ende rollt der Zug doch wie gewohnt in den Bahnsteig ein.
Stefan Sonntagbauer macht aber weiter und geht “Into the world” “Weg weg weg. Dann auf der Grenze zwischen Kanada und Alaska zur Umkehr gezwungen. Handyakuaufladegerät daheim vergessen” Dann kommt natürlich noch der Lesestoff, Jelinek und Charlotte Roche und die frischen Socken. Und am Schluß “Drauf geschissen daheim geblieben.”
“Auferstehung von den Toten”, läßt wieder viel vom “Containeräffchen” erahnen, das geht es wieder um einen arbeitslosen Schauspieler, der der superfeinen Schickeria den Affen spielen soll, sich nämlich in einem Sarg in die Show tragen lassen und einen auferstandenen Star mimen, er bleibt aber einfach im Sarg liegen. Die Gesellschaft beginnt sich zu verprügeln, das Palais wird abgefackelt und am Schluß gehen der übergebliebene Koch, der Kellner und der Schauspieler zusammen etwas saufen.
So geht es weiter die Titelgeschichte ist wieder nur ein kurzer Text.
Eine Krankenschwester kommt vor, die ihre alten Patienten so lieb hat, daß sie sie mit einem Kissen erstickt, böse, böse, aber Lainz hat es ja gegeben, da ist Stefan Sonntagbauer gerade auf die Welt gekommen.
“Neulich im Mühlviertel” gibt es auch und zwischen den einzelnen Texten sind Zeichnungen von Christoph Amseder eingefügt, der auch seinen eigenen Stil zu haben scheint.
Jetzt bin ich natürlich gespannt, was ich noch alles von Stefan Sonntagbauer hören und lesen werde werde und wie er sich weiterentwickeln wird.

Elisabeth Chovanec, Leo-Perutz-Preis und Shortlist des dBP

Am Mittwoch ist es in die Saison gegangen, zuerst mit einer Vernissage von Elisabeth Chovanec in der Ehe- und Familien- und Lebensberatungsstelle in der Hamburgerstraße, die dort unter dem Motto “Malen ist mein Leben” ihre Bilder ausstellte, die sie, wie sie in der Einleitung erklärte nach einem Schock zu malen begann und allmählich vom Abstrakten ins Konkrete kam. An der Ehe- und Familienberatungsstelle in der Hamburgerstraße gehe ich immer vorbei, wenn ich zum klinischen Mittag ins AKH gehe und eigentlich wollte ich am Mittwoch zur Verleihung des Leo Perutz Preises in die Grünangergasse, da Elisabeth Chovanecs Vernissage aber schon um sechs, die Preisverleihung erst zum halb acht, bzw um acht begann, ist sich die Kombination ausgegangen und weil ich nicht ganz pünktlich in die Familienberatungsstelle gekommen bin, hat die Lebensberaterin dort schon mit der Einleitung begonnen, als ich eintraf. Elisabeth Chovanec hat ihre Bilder erklärt und dann aus dem Buch “Feuerland” unter dem Namen Chacha Bevoli, Elisabeth Chovanecs Künstlernamen erschienen, das ich hier schon besprochen habe, gelesen und dann in die die beiden anderen Räume geführt. Die konkreten Bilder erinnerten teilweise an Griechenland. Eines stellte eine Kapelle dar, dazu hatte Elisabeth Chovanec, die ein Lyrik-Studium, ich glaube, auch bei Andrea Winkler absolvierte, einen Text und in dem Raum lagen auch ihre anderen Bücher auf, die, wie meine bei Digitaldruck.at erschienen sind. Es ging dann noch in den dritten Raum, mit je einer Leseprobe aus einem ihrer drei Bücher, im Wartezimmer der Familienberatungsstelle gab es ein Buffet, Brötchen und Sekt Orange, ich habe mich mit der Lebensberaterin über Psychotherapie unterhalten und bin dann in Richtung Grünangergasse zur Verleihung des dritten Leo Perutz Preises aufgebrochen. Ich würde ja gar nicht meinen, daß Leo Perutz so ein besonderer Krimischreiber war, der Hauptverband des Buchhandels und die Stadt Wien hat ihm aber dazu gemacht und unter der Jury von Raoul Blahacek, Michael Kratochvil, Nora Miedler, Erwin Riedesser und Tobias Hierl fünf Krimis für die sogenannte Shortlist ausgewählt, die da Anne Goldmanns “Triangl”, Georg Haderer “Der bessere Mensch”, Edith Kneifl “Der Tod fährt Riesenrad”, Thomas Raab “Der Metzger bricht das Eis” und Martin Rebhandls “Das Schwert des Osten” waren. Im vorigen Jahr war ich auch bei der Preisverleihung, bin irgendwie zuspät gekommen, jedenfalls war alles voll und ich war ganz hinten und habe mir die Füße in den Bauch gestanden. Das ist mir diesmal nicht passiert, denn ich hatte zwei Beginnzeiten, auf der HVB Seite stand 19.30. Ingrid Führer hat mich für 20 Uhr eingeladen, ich habe nicht nachgefragt und bin schon irgendwann nach sieben im Hauptverband aufgetaucht, wo auch schon der erste Besucher kam. Wegen der Gemeinderätin Anica Matzka Dojder, die den Pries für die Stadt Wien vergeben sollte, hat es aber erst später angefangen, so bin ich mit einem Glas Wein herumgestanden, eine Dame hat mich angesprochen und sich erkundigt, ob ich eine Literatur-Rezensentin sei? Das war aber nicht Ingrid Führer, die hat sich erst später neben mich gesetzt, der Moderator Günter Kaindlsdorfer hat sich auf einen der Stühe gesetzt und in einem Buch gelesen, Manfred Rebhandl, den ich ja schon in Leipzig hörte und der auch beim offenen Bücherschrank gelesen hat, tauchte auf und nach und nach erschien auch das Publikum. Weniger als im Vorjahr, eigentlich eine eher schwach besuchte Veranstaltung, die Leser werden dann erst nächste Woche zur Kriminacht in Scharen erscheinen.
Günter Kaindlsdorfer eröffnete mit Geradl Schantin, unterhielt sich mit der Gemeinderätin und fragte sie nach ihren Lesegewohnheiten, die natürlich antwortete, daß sie gern würde, aber leider nicht so sehr dazu käme, wie sie möchte, auf Reisen würde sie sich aber immer einen Krimi aussuchen, der zu der Gegend passt und ich habe mich ja auch kürzlich sehr geärgert, daß ich ohne “Die Hunde von Riga” mitzunehmen, dorthin gefahren bin.
Ist der Krimi nun das Stiefkind der Literatur?” fragte listig Günter Kaindlsdorfer.
“Nein!”, antwortete die Gemeinderätin natürlich.
Ist aber in der Praxis so, zumindest bei den Literaturgewaltigen, auf den dbp Listen wird man keinen finden, die Leute lesen sie aber gern, weil sie verständlich sind, spannend, sozialkritisch etc.
Dann kam schon die erste Nominierte nämlich Anne Goldmann mit ihrer Kurzlesung. Ihr Krimi spielt offenbar im Strafvollzug und die Autorin war Bewährungshelferin, wenn ich es richtig verstanden habe. Georg Haderer folgte, der ein besonderer Witzvolgel zu sein scheint, sagte er doch, er wäre in einer schwierigen Situation, wenn er gewänne, würde er das Geld versaufen, wenn er verliert, alles zusammen schlagen etc.
Edith Kneifl war nicht da und hätte ohnehin nicht gewonnen, verriet Günter Kaindlsdorfer, Thomas Raab war schon im Vorjahr nominiert und hatte wieder einen Metzgerkrimi, dann folgte Thomas Rebhandl und sagte, er werde in seiner Lesung gleich den Schluß ankündigen, danach traten Gerald Schantin und die Gemeinderätin auf “and the Winner is Manfred Rebhandl” und ich war wieder einmal überrascht. Offenbar lerne ich es nie, die Trends richtig zu deuten, denn daran hätte ich eigentlich nicht gedacht, sondern eher auf Thomas Raab oder Georg Haderer getippt, ich weiß schon, ich bin eine Quotenqueen, aber alles Gute natürlich! Dann wurde das Buffet eröffnet, ich konnte ein bißchen mit Georg Haderer reden und ihn das fragen, was ich an seinen letzten Krimi “Engel und Dämonen” nicht verstanden habe. Nächste Woche gibts die Kriminacht, dann werden die Wiener Kaffeehäuser wieder überfüllt mit interessierten Krimilesern sein und außerdem wurde am 12. auch die Shortlist des dBP verkündigt und das war wieder eine Überraschung, obwohl ich diesmal keine großen Prognosen abgegeben haben.
Clemens J. Setz und Wolfgang Herrndorf stehen darauf, Hans Augustin, Ursula Krechel, Stephan Thome und Ulf Erdmann Ziegler, nur eine Frau, wie Buzzaldrin bedauernd feststellte und drei Bücher, die bei Suhrkamp, eines das bei Rowohlt, eines bei Beck und eines, das bei Jung und Jung erschienen ist.
Da werden auch die gruppendynamischen Effekte ihre Rollen gespielt haben, habe ich Buzzaldrin kommentiert und war nicht enttäuscht. Früher war ich das immer ein bißchen, wenn sich meine Schätzungen sehr von denen der Jury unterschieden haben. Jetzt nehme ich es als interessant hin. Ich würde alle Bücher lesen, wenn ich sie bekomme, habe aber ohnehin soviele Bücher, daß ich mir wahrscheinlich gar keine mehr zum Geburtstag und zu Weihnachten wünschen werde, damit ich meine Leseliste so einigermaßen schaffe und da ich ja auch ein bißchen inkonsequent bin, habe ich mir auch Stefan Sonntagbauer Erzählband “Neulich im Mittelalter bestellt und heute bekommen.
Die Saison hat begonnen und führt geradlinig ins Weihnachtsgeschäft und ich habe ja noch Edith Kneifls “Blutiger Sand” auf meiner Leseliste, das ich demnächst lesen werde.

China geheim

Jetzt kommt ein wahres Gustostückerl aus dem offenen Bücherschrank, in dem man ja, ich schreibe es immer wieder, wahre Raritäten finden kann, nämlich Egon Erwin Kischs “China geheim, erst erschienen 1933 und gleich auf den Scheiterhaufen der Nazis verbrannt, die Aufbau Ausgabe von 1950 mit einem Vorwort des Lektors oder Verlagsleiters Bodo Uhse, habe ich gelesen. Da war der rasende Reporter schon gestorben und Uhse schreibt, daß er sich lebhaft vorstellen kann, wie sehr die Leser auf die Lektüre warten. Dennoch will mit ein paar Worten erklären, daß, die Leser wissen es, kurz nach der Ersterscheinung Anfang 1933 im Erich Reiß Verlag, die braune Wende kam, Kisch wanderte ins Moabiter Unteruchungsgefängnis “China geheim” wurde eingestampft und nun können die DDR oder andere Leser Kisch Reportagen wieder lesen. Die Früchte jener Chinareise, die Kisch 1932 von Moskau aus unternahm und das Land hat sich seit dem Vorabend des Faschismus auch sehr verändert, “hat doch der Sieg der chinesischen Volksarmee über die Heere Tschiankaischeks und der Sieg Mao-Tse-Tungs über die Dollarmillionen des Marschallplans inzwischen stattgefunden.”
Wieso das Buch “China geheim” heißt, ist mir trotz der Vorgeschichte nicht ganz klar geworden, ist ja Kisch mit der Transib 1932 mit einem ganz offiziellen Visum nach China, in dem damals der Bürgerkrieg herrschte, eingereist, obwohl er, als er von den Chinesen kontrolliert wurde, seine Russischkenntnisse verschweigen mußte, denn Kommunisten wurden damals in China mit dem Tod bedroht, zumindest hat man sich solche Geschichten in den Speisewägen der Eisenbahnzüge erzählt. Es beginnt mit der Fahrt in der Transib, die sibirische Kälte wird geschildert, ohne Handschuhe darf man nichts anfassen und die Mitreisenden sind allesamt Kriegsberichterstatter, die sich nach den Rubelkursen erkundigen.
Dann kommt Kisch, der, für mich auch nicht ganz verständlich, in der “Wir” Form schreibt, hatte er einen Begleiter mit sich oder tat man das damals so wenn man berichterstattete, in dem für mich so fremden Land an, das vor fast achtzig Jahren, noch sehr viel anders war, als wir es heute kennen und er gibt in sehr scharfen Worten auch gleich einen sehr lebendigen Bericht von seinen Eindrücken, so daß man sich das geheime China gut vorstellen kann und es wirklich zu empfehlen ist, 2012 einen Blick zu machen, wie es vor dem Sieg der großen Revolution, die heute schon Geschichte ist, in China ausgesehen haben mag.
Die Füße der alten Frauen waren noch verkrüppelt, Pearl S. Buck, die Nobelpreisträgerin von 1938, hat diese Greueltaten der Frauenunterdrückung auch sehr anschaulich beschrieben und Kischs scharfer Blick deckt auch noch sehr vieles anderes auf, das uns gar nicht so fremd erscheint. Die Kinderarbeit zum Beispiel. Er kommt in zum Teil noch von Engländern betriebenen Seidenspinnereien, wo die Frauen ihre Säuglinge auf den Boden liegen haben, um sie besser stellen zu können und beschreibt solcherart die Karriere eines chinesischen Kindes, obwohl das Mitbringen der Säuglinge verboten war, aber die englischen Kolonialherren haben sich nicht darum gekümmert.
“Der Begriff der Lebenslänglichkeit ist hier wörtlicher gefaßt als in Strafgesetzbüchern: das Neugeborene liegt unter dem Webstuhl, Schwesterchen steht an der Spinnmaschine, Mutter arbeitet am Scherbaum, Großmutter näht die Ballen zusammen. so soll dein Leben ablaufen, Baby, nach dem Gesetz, nach dem du angetreten.”
Man sieht Kischs Ton ist ganz schön sarkastisch, er prangert manches an und wundert sich auch über einiges, so zum Beispiel, daß die zum Tod Verurteilten, erst hingerichtet werden, wenn sie von einem Missionar besucht wurden und zum katholischen Glauben übergetreten sind. Er glaubte erst an einen Spaß, den der Sergeant mit ihm machte, dann kam der “faßdicke Priester im Kleinauto” aber wirklich an und waltete seines Amtes.
Ein Kapitel ist den Rikscha-Kulis gewidmet, die sich vor einen Stuhl spannen und die reichen Ausländer durch Shanghai tragen, sie verdienen nicht sehr viel damit, sterben früh und werden auch noch den Polizisten und den Kindern verprügelt und wenn einer der Ausländer einmal in Not kam, spannte er sich selber davor und konnte hoffen, so das Geld für die Schiffspassage zu bekommen, weil das seine Landsmänner nicht sehen konnten. Aber Ausländer ist nicht Ausländer, die “russischen Mädchen” oder “Poluski gels”, wie sie von Chinesenjungen ausgerufen werden, müßen sich als Prostituierte verdingen und in dem Land herrscht noch das kolonialisiertes Pidgin-Englisch. Kisch gibt uns gleich sehr anschauliche Proben und erzählt von einem Herrn, der seinem neuen Boy befahl, das Fenster zu öffnen “Aufi,Fenster, versteh?”
“Jawohl, mein Herr”,antwortete der Chinese, und fügte in vollendetem Englisch hinzu: “Es wäre wirklich schade, die schöne Frühlingslust nicht zu genießen.” Daraufhin entließ der Kaufmann den Diener. Man wünscht nicht, mit einem Kuli in der gleichen Sprache zu verkehren, in der man mit Gentlemen verkehrt.”
Soetwas habe ich schon bei Elias Canetti gelesen, als sich das Kinderfräulein plötzlich in die französische Konversation einmischte.
Pidgin, bedeutet die Verstümmelung des Businessenglisch. “Kumscha” heißt Trinkgeld, “Savy” verstehen und dann wird die Lorelei zitiert:
“Oh my belong too muchy sorry
And then my no savy what kind
Have got one olo piecy story
No wantchy go outsinde my mind
Savy? Wenn nicht, kannst du dir in jeder Buchhandlung die deutsche Übersetzung dieses Pidgin-Liedes kaufen, sie stammt von Heinrich Heine.”
Ein Brief kommt vor, den ein Vater an seinem Sohn schreibt und der ihn, nachdem er einen Tempel besuchte vor allen Sünden warnt, werden in diesem doch sehr ausführlich an Holzfiguren die Folterungen dargestellt, die einen Sünder erwarten.
Der Vater war offenbar Souvenierhändler und die sind damals in China herumgereist und haben den Chiesen die alten Kunstgegenstände abgekauft, so daß die Schattenspieler ausgestorben sind, weil sie keine Kostüme mehr hatten.
Der Kampf gegen die Kommunisten, der damals geherrscht hat, bis es ein paar Jahre später zum Sieg der Rotarmisten kam, wird am Beispiel der Stadt Nanking, die Kisch gar nicht langweilig findet, beschrieben und besonders interessant, Wien wird mit Peking verglichen und das soll Marx gesagt haben.
“Ein Wort von Karl Marx, das Wort, daß Österreich das deutsche China sei, will uns nicht aus dem Sinn, sooft wir uns im Gewirr der chinesischen Gassen verlieren. Da fühlen wir uns wahrhaftig, als wären wir im asiatischen Österreich, in einem chinesischen Wien. Gaudium und Elend, ewiges Teehaus und Geschäftsgeist, Servilität und Strenge, Fremdenhaß und Fremdenindustrie wohnen hart an hart. Volk der Phäaken. Immer ist Sonntag, auch wochentags. Immer ist Tag, auch bei Nacht.”
Enden tun die Reportagen bei dem sprachgewaltigen Kisch natürlich in einem Kasperlstück. Da wird in einem Dachgarten eines Grand Hotel ein Kasperltheater aufgeführt und der Bühnenmeister führt dem Kasperl sämtliche Prominente vor, die sich im Publikum befinden, das hauptsächlich aus der Völkerbundkommission besteht, die “nichts als Spesen” macht. Dann kommen die Soldaten und schreien “Die Feinde müssen sterben, wir müssen leben. China höre mich! Feinde über dir, China Fremde über dir. China.”
“Ich wollte gar nicht, daß das Stück so ernst endet, ich kann nichts dafür!”, sagt der Bühnenmeister. “Ist es schon aus?”, fragt der Kasperl. “Hm, ich glaube nicht für immer!”, antwortet der Bühnenmeister und Bodo Uhse freute sich 1950 natürlich über den Sieg der Rotarmisten.
Wieweit Kisch wieder aufgelegt wurde und noch zu haben ist, weiß ich nicht genau. Wenn man bei Wikipedia nachsieht, findet man jedenfalls eine lange Werkliste.
“Das kriminalistische Reisebuch”, habe ich mir in den Neunzigerjahren von meinem Vater schenken lassen, das war glaube ich, genauso eine Neuauflage, wie, das Kriegstagebuch “Schreib das auf, Kisch”, das 1991 im Aufbau Verlag erschienen ist. Wie das Buch zu mir gekommen ist, weiß ich gar nicht mehr, ich kann mich auch nicht an das Lesen erinnern. Es gibt aber ein Eselsohr und eine Visitenkarte von einem Gasthaus in Marbach an der Donau, vielleicht habe ich es auf eine unserer Donauradtouren mitgenommen, die wir in den Neunzigerjahren mit der Anna manchmal machten.
Und der Bücherschrank macht es möglich, Kisch in Originalausgaben zu lesen, so habe ich auch noch zwei Bücher aus den Vierzigerjahren gefunden, die im Globus, dem österreichischen Aufbauverlag, wie man sagen könnte, erschienen sind.
“Entdeckungen in Mexiko” und “Marktplatz der Sensationen”.
Der rasende Reporter, der 1885 in Prag geboren ist und 1948 dort starb, ist aber auch in Amerika gewesen und hat noch über sehr viel anderes berichtet und ich kann, wie schon geschrieben, die Lektüre wirklich sehr empfehlen.

Emma oder Die Mühen der Architektur

Nachdem ich vor einem Jahr Ruth Aspöcks Tagebuchprojekt “Nichts als eine langweilige Blindschleiche”, gelesen habe, kehre ich zu den Wurzeln zurück. Der offene Bücherschrank machts möglich, denn da fand ihre 1987 bei Guthmann Peterson erschienene “Emma” und sie hat es, wie sie mir auf meine Frage antwortete, nicht selber hineingestellt. Es ist auch nicht das erste Buch, der 1947 Geborenenen, das erste ist “Und der ganze Zauber nennt sich Wissenschaft”, beim Wiener Frauenverlag erschienen, der damals ja so hieß.
“Emma oder die Mühen der Architektur”, von dem ich schon einiges hörte, ist ein interessantes Buch. Zum Teil, wie im Nachwort der Autorin steht, in Havanna und mit Hilfe eines Stipendiums unter Palmen in einem kleinen Zimmer geschrieben, die Autorin, hat, steht in der Klappe, zu der Zeit als freie Wissenschaftlerin in Wien und Havann gelebt und “Emma oder die Mühen der Architektur-Die Geschichte einer Frau aus Wien oder Wer hat Angst vor Schwarzen Mann”, wie es in der längeren Form heißt, ist ein utopischer Roman, geht er ja bis in das Jahr 2000 und hier irrt sich die Autorin zweimal, denn im Jahr 2000 hat es ja kein Jugoslawien mehr gegeben und das AKH war nicht mehr dort, wo es die Autorin noch beschrieb und er ist versöhnlich, wie ein Märchen, viel schöner wie die Wirklichkeit, die die Autorin, wenn man in ihrer “Blindschleiche” nachliest oder sie ein bißchen kennt und ich tue das ja sehr, selber nicht erreichte. Obwohl vieles auf dem ersten Blick autobiografisch scheint, der “Roman beschreibt aber”, wie sie im September 1987 schreibt “keineswegs mein Leben, wohl aber viel von dem, was ich beobachtet, gehört, gelesen und erfahren habe.”
Es beginnt im ersten Kapitel “Kinderspiele” mit dem fünften Jahr der Besatzung und allgemeinen Überlegungen über Krieg und Frieden, die sich durch das ganze Buch ziehen. Emma wächst in dieser Zeit in Wien auf, hat eine ältere Schwester, mit der sie sich gut versteht, streitende Eltern, von denen sich die Kinder weit wegwünschen und daher im Kinderzimmer Zirkusspiele üben, um damit zu überleben. Zu den Kinderspielen gehört auch das “Wer fürchtet sich vom schwarzen Mann”, das genau beschrieben wird und auch dieses Thema durchzieht das ganze Buch.
Die kleine Emma wächst in diesem Nachkriegsösterreich auf, besucht das Gymnasium, beginnt Architektur zu studieren und bekommt von einem Pfarrer einmal einen “Gast aus Afrika” zur Betreuung anvertraut, mit dem wird sie sich dem Vater zum Trotz, der ihre Vorliebe für den “Negajazz” nicht teilt und lieber Volksmusik hört, liieren, hat er ihr doch auf ihre Frage, was er machen würde, wenn sie einen solchen “Nega” steht in dem Buch heiratet würde, lapidar mit dem Umbringen gedroht.
Er tut es nicht, die Beziehung zu dem Gast, der in dem Buch auch so genannt wird, geht auseinander, vorher gibt es eine Abteibung, das wünscht der Gast so, bezahlt sie dann aber, wie angekündigt, nicht. Das vierte Kapitel heißt “Ehefreuden” und da geht die blonde sommersprossige Emma plötzlich mit einem ebensolchen Kind und Ehemann spazieren. Wie es zu der Beziehung der Beiden kam, erfährt man eigentlich nicht oder nur nebenbei. Es kommt auch zur Scheidung, bei der Emma dann so weint, daß der Richter sie fragt, ob sie es nicht vielleicht doch noch einmal versuchen möchte? Sie möchte nicht, hat sie der Ehemann, Sohn einer jüdischen Mutter, der auch gern ostjüdische Witze erzählt, so sehr geschlagen, daß sie sich von einem Ohrenarzt behandeln lassen muß, der mit ihr ins Bett will.
Man oder Frau schreibt die Siebzigerjahre und Emma wendet sich dem Feminismus zu, geht in das damalige Frauenzentrum in die “Tandlergasse”, macht als Architektin Karriere und schlägt einige Berufungen aus, weil sie sich nicht korrumpieren lassen will.
Der Alltagrassismus ist ein ständiges Thema, so schickt sie ihren Sohn Franz in eine internationale Schule, damit er die Weltoffenheit lernt, als sie aber mit ihrer Schwester, deren Kind und den beiden Kindern, der Lehrerin Regine, die mit einem Chinesen verheiratet ist, zuerst nach Kärnten und dann nach Italien fährt, geniert sich ihre Mutter für die beiden Asiaten und wird nicht müde zu betonen, daß es nicht ihre Enkelkinder sind.
Emma findet ein spätes Glück mit einem Mann, der aus einem Land kommt “in dem die Farben schillern”.
Wie es heißt, wird nicht genannt, ich nehme aber an, daß Kuba damit gemeint wird, der will dort ein Friedenszentrum aufbauen und lädt Emma ein, mitzukommen. Viel zahlen können sie ihr nicht, nur Kost und Quartier, sie kann dort aber architektonisch tätig sein.
Im Jahr 2000 ist Emma mit ihm verheiratet, hat die Architektur, wenn ich es recht verstanden habe, aufgegeben, will aber ein Kinderbuch schreiben und die deutsche Sprache so reformieren, daß nur mehr die Friedenswörter in ihr enthalten sind.
Sie trifft ihre Jugendliebe, den “Gast aus Afrika” wieder, ihr Sohn ist Arzt geworden und die Alltagsrassismen hören nicht auf, denn der Bankdirektor, den Emma auf einem Empfang trifft, spricht den letzten Satz des Buches “Asiaten und Nega, das sind ja wohl das Letzte.”
Inzwischen schreiben wir 2012 und haben Ruth Aspöcks fünfundsechzigsten Geburtstag im Februar gefeiert. Sie ist aus Havanna zurückgekommen, einen eigenen Verlag gegründet und ihn wieder aufgegeben. Inzwischen verlegt sie ja bei Löcker, reist, schreibt, liebt und ist, wie ich glaube, sehr aktiv.
An dem Buch, das mich, obwohl ich es ja erst jetzt gelesen habe, schon seit seiner Erscheinung beeindruckt hat, könnte ich wieder kritisieren, daß es sehr theoretisch und zu wenig erzählend ist.
“Show an not tell!”, aber das war 1987 noch genausowenig das “must do”, wie 1938, denn da hat Sigrid Undset ihren Roman “Das getreue Eheweib” geschrieben, den ich gerade in Harland lese und bei dem ich das auch bemängle, obwohl sie 1928 den Nobelpreis bekommen hat.
Was mir noch auffällt, ist, daß es um Architektur in dem Buch, nicht oder nur sehr wenig geht, das ist die Kulisse zu Emma, könnte man sagen, Ruth Aspöck hat ja Theaterwissenschaft studiert und der rote Faden mit den Alltagsrassismen am Beispiel des schwarzen Mannes. Und da hat sich, fürchte ich, nicht sehr viel geändert, außer, daß wir nicht mehr Neger sagen.
Die politische Situation hat sich geändert, man kann heute nicht mehr so leicht, wie unter Kreisky studieren, die Migration hat auch heute sicher einen anderen Stellenwert, als sie es 1970 hatte und mit dem Feminismus ist es leider auch nicht so bergauf gegangen, wie Ruth Aspöck und auch ich wir es uns wünschten.
Trotzdem gibt es einige Bücher von Frauen, die Afrikaner geheiratet haben und ihre Sicht der Dinge sehr energisch schildern und das ist sehr interessant.
Ruth Aspöcks persönlicher Traum hat ja, glaube ich, nicht so geklappt, wie man in ihren anderen Büchern nachlesen kann. In “tremendo swing” hat sie ihre Zeit in Kuba beschrieben, in “Ausnahmezustand für Anna” ihre Zeit, in der sie in Spanien während der Franco Diktatur, studierte.
Ich habe ja die meisten Bücher Ruth Aspöcks und sehr viele von ihren auch gelesen. “Kannitverstan” habe ich hier besprochen.
“Konjunkurs-Erfahrungen zu Alfred Stern”,1998 erschienen, habe ich mit ihr während einer xxx-small Kleinmesse im Amerlinghaus tauschen wollen und bin da auf Widerstand gestoßen, obwohl sie jetzt ihre Bücher zur freien Entnahme in den Bücherkasten legt. Sie hat es mir dann doch gegeben und es hat mich auch zu den “Wiener Verhältnissen” angeregt, wahrscheinlich, weil mir das “mangelnde Erzählen” auch damals aufgefallen ist. Ich habe es dann selber probiert. Es ist mir offenbar auch nicht recht gelungen, hat ja Diana Voigt, deren Agentur ich es damals anbot, gemeint, es wäre keine richtiger Roman und sie wisse nicht, wo man den verlegen könne?
Interessant ist es wahrscheinlich trotzdem, sowohl Ruth Aspöck, als auch mich zu lesen, in diesem Sinne freue ich mich auf die “Reisen Grillparzers”, Ruth Aspöcks nächstes Buch, das bald erscheinen wird oder vielleicht schon ist, das vielleicht auch zu mir kommen wird.

Änderungen und neuer Ideenschwung

Ich habe es schon geschrieben, in den Herbst scheine nicht nur ich mit Anlaufschwierigkeiten hineingekommen zu sein. Kunststück, ist es ja noch Sommer und in den letzten Tagen war es auch sehr heiß. Trotzdem die Sommerfrische ist beendet, die Klienten melden sich wieder und die Literaturveranstaltungen sollten beginnen. Sie tun es auch, nur die, von denen ich weiß, wie zum Beispiel zu der Manfred Rumpl Buchpräsentation konnte ich nicht gehen, weil ich das Wochenende wieder in Harland bin. Obwohl es nächste Woche keinen Rund um die Burg Lesemartathon geben wird, das habe ich auch schon geschrieben, der ist erst Anfang Oktober, wird vom Echo Media Haus Wien organisiert und bringt, wie es neue Veranstalter ja gerne machen, eine Menge Änderungen mit sich, wie ich schon gelesen habe. Programm scheint es noch keines zu geben. Aber und das hat mich getroffen, obwohl es eigentlich eine logische Veränderung ist. Es wird nicht mehr rund um die Uhr gelesen. Also keine Nächte mehr im Zelt, mit Proviant und Kaffee in der Thermosflasche und warmen Pullover, auf die ich ja so stolz war, als ich es endlich schaffte, non Stop zu bleiben. Ich war aber, die sieben oder acht Male als ich das tat, die Einzige, außer dem Personal, das heißt dem Fotografen und vielleicht Claudia Wittrich. Also ist diese Idee nicht sehr rationell und die, die um vier, fünf oder sechs Uhr früh vor ein paar schlafenden Gestalten gelesen haben, waren auch nicht zu beneiden.
Also ist es wahrscheinlich besser, daß es jetzt Programm von sechzehn Uhr bis zwei Uhr früh, wie bei der Poet Night gibt und dann wieder von neun bis eins.
Ein bißchen traurere ich meienem Veranstaltungserlebnis aber nach und das darf ich auch. Ansonsten mal sehen, wie es wird. Julia Rabinowich und Barabara Frischmuth habe ich schon entnommen, werden lesen und dann noch achtundzwanzig andere österreichische Autoren und ob das wieder im Zelt oder vielleicht im Burtheater ist, ist mir nicht so klar geworden.
Programm folgt, steht auf der Website, ich werde es verfolgen und berichten und dann der neue Ideenschwung, der betrifft natürlich mein eigenes Schreiben, das es ja auch gibt und das zumindestens für mich sehr wichtig ist, da bin ich ja immer noch sehr schnell unterwegs, obwohl die erste Wiener Woche wieder ein bißchen Trödeln mit sich brachte. Manchmal habe ich solche Phasen. Ich mag sie nicht besonders, denke mir aber inzwischen, sie werden schon ihren Grund haben und es macht ja nichts, wenn ich mir Zeit lasse, auf meiner Homepage und im Geflüster gibt es sicher einiges zu entdecken.
Trotzdem bin ich ab Donnerstag wieder hineingekommen. Noch ein Fehler bei der “Wiedergeborenen” und bei “Kerstins Achterl” schien das Szene für Szene zu korrigieren gar nicht mehr nötig zu sein, weil es ohnehin schon ziemlich fertig ist. Also werde ich es in den nächsten Wochen, das dauert dann immer ein bißchen länger als geplant, denn das Fehlerteufelchen ist ja hartnäckig, dem Alfred geben können. Im September oder im Oktober höchstwahrscheinlich und dann ist ja geplant, daß ich mich an das “Literaturgeflüster-Texte-Buch” mache, aber im November ist wahrscheinlich wieder der Nanowrimo, wo ich ja 2009 begeistert mitmachte und ich habe wie meine Leser wissen es, dieses Frühjahr mehrmals geschrieben, das ich das gerne wieder einmal machen würde. An einen Korrigierdurchgang habe ich gedacht oder so, dann bin ich aber wieder schnell als geplant fertiggeworden und dachte, es passt nicht, jetzt denke ich es passt vielleicht schon. Nicht mit dem “Literaturgeflüster-Texte-Buch”, denn da sind sie 50.000 Worte ja schon vorhanden. Aber das kann ich ja noch etwas länger liegen lassen und stattdessen den Nanowrimo machen. Eine Idee für das nächste Buch, das habe ich auch schon angedeutet, gibt es ja schon, eine vielleicht ein bißchen verrückte, aber da könnte es einen Egon Wächter oder vielleicht bekommt er auch einen anderen Namen, geben, ein Herr mit 112, der sich in einer Anti Aging Seniorenresidenz mit Namen “Zum ewigen Leben” aufhält und der trifft in einem Park die normal gealterte hundertfünfjährige Lea Weißensteiner, die an sich sterben will, aber das noch nicht kann, weil es noch einige Bücher aufzulesen gibt. Das ganze wird von der jungen slowakischen Krankenschwester Marica Horvath einem Reporter oder Schriftsteller erzählt.
Nicht ganz neu natürlich und die Wahrscheinlichkeit besteht, da ich ja schon ähnliche Themen bearbeitet habe, daß ich wieder abrutschen und in der Krise enden könne. Der November ist für mich auch keine sehr günstige Schreibezeit, weil ja die Buch Wien, mein Geburtstagsfest, beim Alpha Literaturpreis lassen sie mich wahrscheinlich nicht hinein, aber ich kann auch so darüber bloggen, ich werde also nicht sehr viel Zeit zum Schreiben haben, da ist wieder die Gefahr, daß ich dann schnell schnell die fünzigtausend Worte hinfetze, was ich ja kann, das ist nicht mein Problem und vielleicht nicht dort und so weiterkomme, wie ich es vielleicht sollte.
Die Idee wieder einmal mitzuschreiben, reizt mich aber und es ist ja nichts zu verlieren. Zu gewinnen auch nicht, ob ich jetzt die fünfzigtausend Worte hochlade oder nicht. Mal sehen, ich kann es mir ja offen lassen, schauen wie der Zeitplan ausszieht und es dann probieren, das Monat schreiben oder nicht und dannn weiterkorrigieren oder nicht. Da habe ich ja keinen Zwang und eigentlich ginge es sich ganz gut aus. In den letzten Jahren ist es sich nicht ausgegangen, weil ich mitten in den anderen Arbeiten war, in der “Absturzgefahr” 2010, bei der “Frau auf der Bank” 2011 deshalb habe ich auch nicht mitgemacht und 2009 kann ich mich erinnern, war ich mit dem Korrigieren der “Sophie Hungers”, glaube ich, auch noch nicht ganz fertig, habe unterbrochen und dann weitergemacht.
Ansonsten kann ich vermelden, daß ich letzte Woche außer, daß ich vier neuere bis ganz neue Bücher gelesen habe, doch auf einer Buchpräsentation war, zwar auf keiner literarischen, aber in der grünen Bildungswerkstatt wurde die “Unmutsverschuldung”, das Buch zu den größten heimischen Korruptionsfällen vorgestellt und die Politik ist ja auch ein Thema, das mich sehr interessiert.
Es gab ein tollen Buffet und eine Diskussion mit Kurt Kuchs vom News, Ulla Schmid vom Profil, Hedwig Schneid von der Presse, Herbert Sickinger und Peter Pilz, den Politexperten und es wurde über den Untersuchungsauschuß diskutiert, über den man vorher und nachher in den Medien hören konnte, daß er eingestellt werden soll, weil sich Kanzler Faymann nicht vorladen lassen will.

Containeräffchen

Was ist ein ultimativer Trash-Roman? Der Holzbaum-Verlag, der sich in seiner Verlagsproduktion so irgendwo zwischen Klamauk und Karikatur zu bewegen scheint, hat mir einen solchen zugeschickt und bei Google bin ich bei Trash-Literatur auf einen interessanten Artikel von Heiner Link gestoßen.
Trash-Literatur könnte man meinen, liegt mir nicht so sehr, nehme ich ja alles ernst und suche nach dem Sinn der Realistik. Trotzdem habe ich “Klingt interessant!”, zurückgeschrieben, denn der 1987 geborene Stefan Sonntagbauer, zählt nicht nur zu den “unter Dreißigjährigen” und für die interessiere ich mich ja ganz besonders, er ist auch in der Wortlaut 09 Fm4 Wettbewerbsanthologie “Gold” enthalten und jetzt wie einige andere Autoren in dieser Anthologie, seine Debutroman herausgebracht. Bei Holzbaum hat er schon den Erzählband “Neulich im Mittelalter” herausgebracht um im “Vegetarischen Lokalführer” mitgeschrieben und wenn man sich die zehn Finalisten von 2009 so durchsieht, ist das auch sehr interessant, trifft man da ja auf einige Frühjahrs-oder Herbstneuerscheinungen in mehr oder weniger großen Rahmen. So hat ja Cornelia Travnicek “Chucks” herausgebracht und posiert derzeit im Presse-Schaufenster in der Jung-Autorinnen-Galerie. In der ist auch Anna Weidenholzer und die hat auch einen neuen Roman bei Residenz. Anna-Elisabeth Mayer hat den letzten Alpha-Literaturpreis bekommen und Isabella Straub war inzwischen Fm4 Gewinnerin. Jemanden vergessen?
Ich weiß es nicht und kehre zu Stefan Sonntagbauers “Conaineräffchen”, dem ultimativen Trash-TV-Roman zurück. Die Sprache ist, wie zu erwarten schrill jugendlich und für eine fast Sechzigjährige vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, der Inhalt scheint vertraut realistisch, wenn er natürlich jugendlich trashig abgehoben ist.
Das gibt es Fränki oder besser Frank Spreiler, einen abgehalterten Schauspieler. Er war einmal in einer großen Serie, dann ist er irgendwie unangenehm aufgefallen, hat sich gehen lassen, ins Bett gelegt, Schulden gemacht und jetzt gibt ihm der große TV-Gott, die letzte Chance, die er nur noch nützen muß.
“We give it, you must take ist!”, das trashig Jugendliche an dem Roman ist wohl auch, daß ganze Passagen in Englisch hingeschrieben sind. Er darf in einer “demütigenden Fernsehsendung, einer Mischung zwischen Big Brother und Dschunglcamp” mitmachen. Der Moderator Percy stellt ihn vor, zum Einstieg gibt es ein paar Filmausschnitte und ein Interwiew in seiner Wohnung mit den billigen Ludwig-Möbeln, wenn er gewinnt, darf er demnächst mit Percy moderieren. Das wurde aber offenbar allen Teilnehmern so versprochen und das scheinen ebenfalls abgehalterte Stars und Mediengrößen zu sein. Da gibt es Magda, “die professionelle Promi-Schlampe”, in die er sich später verlieben wird. Heino, der Loosertyp, der einmal vor zehn oder mehr Jahren irgendwo mit einem Hit landete, Kevin, der ehemalige Sportler, Olivia, die “Drag-Queen”, keine Ahnung, was das ist, die sich zu viel schminkt und zuviel quasselt, Bay mit der Sonnenbrille, Barbara, die einen Bestseller über “fette häßliche Weiber” schrieb und einen riesigen Busen hat.
Sie alle leben jetzt in einem Container, bekommen von einem Roboter-Gott ihre Anweisungen, werden von der Security überwacht, mit blöden englischen Sprüchen, wie “We can make ist. We can change the world” bequasselt und sollen gegeneinander kämpfen und das Publikum entscheidet, wer fliegt und wer bleiben darf.
Es gibt noch eine Gegenfigur, einen Barpianisten namens Jürgen Kamp, der in der realen Welt ein echter Looser ist. Hat er doch seine Lena verloren und spielt jetzt bei einem besoffenen Nazi Klavier, der immer nur “Blue Moon” hören will und ebenso dämliche Sprüche auf Lager hat “So jetzt aber flott, dalli, dalli Blue Moon spielst ma!”
Der hat einen leeren Eiskasten zu Hause, bestellt sich Pizza vom Pizza-Dienst und dreht das Fernsehen an bzw. nicht mehr aus, um seiner Einsamkeit zu entkommen. So kommt er mit Fränki in Kontakt.
Und der hat vom Roboter-Gott die erste Aufgabe bekommen. Es herrscht Dürre im Conatainer, sie müssen mit einer einzigen Mineralwasserflasche auskommen, die hat Bay, Fränki entreißt sie ihm, um sich die Zähne zu putzen. Olivia hält ihm eine Standpauke. Er muß sich dafür durch echte Scheiße graben und am Abend auch noch in den Boxring steigen, um mit Olivia gegen Heino und Kevin zu kämpfen. Gegen den Sportler scheinen die zwei keine Chance zu haben, so gibt ihm Olivia den Rat, Kevin gegen die Eier zu treten. Der tut das dann auch und zerquetscht sie ihm. Diese Stelle hat mir natürlich nicht gefallen. Das Team gewinnt aber und bevor es an die endgültige Entscheidung geht, wer aus dem Camp fliegen wird, packt sich Fränki ein Auto und zischt ab, das sieht Jürgen, der auch seinem Heinz gekündigt hat, im Fernsehen, die beiden treffen sich in einer Bar und singen gemeinsam mit zwei Japanern “I will survive”.
Die wollten das von Jürgen schon in der Hotelbar hören und fahren mit 120 Stundenkolometern und zwei Promille im Blut ab in die Freiheit, die natürlich im Krankenhaus und mit einigen guten, wie auch schlechten Nachrichten vom behandelten Arzt enden.
Ein Jahr nicht Joggen und nicht Fußballspielen, weil der Fuß zersplittert, vielleicht wird sich auch die Polizei für die zwei Promille interessieren, aber erst einmal kommen Percy und der Kameramann mit dem großen Scheck, denn Fränki hat gewonnen und darf, wenn er wieder gesund ist, die Show mitmoderieren. Der Kameramann flüstert ihm zwar ins Ohr, das war ein bißchen gemoggelt, eigentlich hätte ja Olivia gewonnen, aber wer will schon eine solche Quasseltante? Das Geht doch wirklich nicht!
Der Holzbaum-Verlag hat auf seiner Facebook Seite, das brandneue eben aus der Drucker gekommenen Buch zur Wochenendlektüre empfohlen, dem kann ich mich nur anschließen, obwohl ich es ja schon Donnerstag und Freitag gelesen habe.

Wohin denn wir

Zum fünfundsechszigsten Geburtstag des Schweizer Dichters Jürg Amann ist bei Haymon ein Kurzroman erschienen, der wieder würde ich meinen, mehr eine Erzählung oder eine Novelle ist. Die Novellenform erscheint bei “Woin denn wir” wahrscheinlich angemessener, denn das Buch handelt von drei Friedrichen. Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling und Johann Christian Friedrich Hölderin, zwei berühmte Philosophen und ein Dichter, die alle in Zeiten der französischen Revolution im Tübinger Stift studiert haben und konsequent in den neununddreißig sehr poetischen Kapitieln mit den Vornamen angeredet werden. Die Namensliste, um das who ist who zu verstehen, habe ich mir erst jetzt ergooglet, in der Badewanne ist das schwierig und dann gibt es noch eine Unterteilung. Ein Teil der Handlung spielt nämlich in Berlin in den Neunzehnhundertachtundsechzigerjahren und da teilen drei Studenten eine Wohngemeinschaft, die sich Hegel, Hölderin und Schelling nennen oder vielleicht wirklich so heißen. Abwechselnd wird von den einen und dann von den anderen erzählt und damit man das ein bißchen besser versteht, tragen die Kapitel des achtzehnten Jahrhunderts römische, die des zwanzigsten normale Zahlen.
Im Klappentext steht etwas von den Idealen, die die Drei in ihren Jahrhunderten hatten, beziehungsweise wird verglichen was daraus geworden. Von der französischen zur Studentenrevolte also. Die ersten drei sind berühmte Personen, die wir zumindestens dem Namen nach, kennen, da die meisten Leute, die Belletristik lesen, wahrscheinlich nicht Philosophie studiert haben und vielleicht auch keine Hölderlin Experten sind, wird man sich beim Lesen vielleicht schwer tun oder drüber lesen, beziehungsweise sich in die poetische Amann Sprache hineinfallen lassen. Aber auch das ist nicht ganz so leicht. Steht doch da am Ende “Der Autor dankt Hölderlin, Hegel und Schelling für ihre Leihgaben.” und da müßte man die drei gelesen haben, um die zu erkennen.
Was nimmt sich also die 1953 geborene Vielleserin, die zumindestes das Studentenleben in Wien ab 1973 kennenlernte, mit?
Da sind drei, später berühmt gewordene Männer, die die französische Revolution erlebten, große Ideale hatten, die beiden Philosophen hatten später Professuren und Bücher geschrieben, die ich nicht gelesen habe. Hölderlins Werke auch nicht, obwohl ich einmal so wahnsinnig war, über Hölderlins Wahnsinn im Klub der logischen Denker einen Vortrag halten zu wollen, weil ich mir ein diesbezügliches Buch gekauft hatte.
Daraus ist nichts geworden. Hölderlin hat Jahre in einem Turm gelebt und seine Briefe mit Scardanelli unterschrieben, viel mehr weiß ich nicht von ihm auch nach der Lektüre, der sehr poetischen Novelle, sage ich einmal, nicht. Oder, daß der sich als Hauslehrer oder Hofmeister durchs Leben brachte, dabei seine Werke schrieb, wo die Kinder, die er unterrichtete und ihre Mütter eine Rolle spielten. Zwei jungen Mädchen ist er vielleicht etwas zu nahe gekommen. Am Ende trennen sich die Freunde und eine Deutung des Buches ist ja, daß Amann sehen wollte, was davon zweihundert Jahre später überblieb? Für mich sind das zwei komplett andere Schuhe. Die Berlin Kapitel sind aber dichter, mir vertrauter und ich kann das alles, wahrscheinlich weil ich selber einiges davon erlebte, gut nachvollziehen.
Da sind also drei junge Männer ohne verwirrende Vornamenflut, ob sie wirklich Hegel, Schelling, oder Hölderlin heißen oder sich nur nach ihren berühmten Vorbildern so nennen, bleibt ausgespart, ich habe es jedenfalls nicht als Wiedergeburt gelesen, die kommen vom Tübinger Gymnasium nach Berlin in die Zeit der Studentenrevolte. Hölderin, Hegel, Schelling echt, wollten offenbar das Paradies in ihren Werken finden, die drei Achtundsechziger erleben eine Vorstellung eines amerikanischen Straßentheaters “Paradise now” und noch so manch andereres Happening.
“Hair” und “Jesus Christ Superstar”, war ja damals auch in Mode, sie haschen und kiffen auch ein bißchen uns versuchen sich dadurch in andere Bewußtseinszustände zu versetzten, vor allem suchen sie aber nach den Frauen und das haben, wie ich dem Buch entlesen habe, ihre Vorbilder auch getan. Zweimal drei junge Männer, die sich dem weiblichen Geschlecht annähern wollen, im Tübinger Stift des achtzehnten Jahrhunderts war das wohl nicht einfach, seltsamerweise scheint es das auch in der Berliner WG nicht zu sein. Zwei Zimmer, eines mit zwei, eines mit einem Bett, Hölder bekommt das eine mit der Auflage es zu verlassen, wenn die beiden anderen eine Frau mitbringen. Die tun das aber erstaunlich wenig, denn die die sie treffen, sind verlobt, verheiratet oder studieren Medizin. Hölder schreibt aber trotzdem einen Roman auf einer Hermes Schreibmaschine im Bett und auch einige Gedichte, von denen sein Vater sagte “Ein richtiger Dichter wirst du nie!”
Die drei reisen am Ende des Semesters ab und was ist geblieben?
Ja, richtig, das habe ich außer der Revolution, die, bei der Benno Ohnesorg sein Leben ließ, noch vergessen, sie fahren in den Osten, nicht nach Russland, sondern in den zweiten Teil der geteilten Stadt, werden von den Vopos aufgehalten, müßen Strafe zahlen, haben wir 1985 in Ostberlin auch so erlebt, gehen in ein Restaurant essen, wo das Essen fast nichts kostet, es gibt aber nur Gulasch und keine Karte, das haben wir in Dresden so erlebt und als sie sich an einen Tisch neben ein paar Herren setzen wollen, werden sie von der Bedienung weggesetzt. Dann gehen sie noch in die berühmte Humboldt Universität und wollen mit den Studenten diskutieren, fallen als Fremdkörper auf und werden dann von zwei Herren in Anzügen entfernt.
Das kann es nicht sein was geblieben ist und das gibt es inzwischen auch nicht mehr.
Ich nehme mir ganz prosaisch mit, die Ideale sind hier und dort zerbrochen und die die Herren Hegel, Schelling, Hölderlin zwei werden heute bald in Pension gehen, wenn sie nicht arbeitslos sind. Studienräte, richtige oder verkrachte Dichter sind sie vielleicht auch geworden, wahrscheinlich nicht so berühmte Philosophen, wie ihre Vorbilder, aber das war im achtzehnten Jahrhundert, als es noch nicht so viele Studenten gab, wie zweihundert Jahre später, wohl auch leichter und ich habe mich natürlich gefragt, wer der Hölder sein könnte, wen hat Amann damit gemeint, welcher Dichter hat vielleicht so geschrieben?
Eine sehr interessante Erzählung, von der ich mir den poetischen Ton mitnehme, nach Schelling, Hegel und Hölderlin gegooglet habe, aber nicht mehr Zeit habe, als ihre Lebensläufe zu lesen. Das ist auch nicht so wichtig.
Die französische Revolution hat meiner Meinung nach auch mehr Blut, als wirkliche Freiheit gebracht, so daß ich nicht so ganz verstehen kann, warum man den 14. Juli so groß feiert. Dann kamen Weltkrieg I und II und die, die die Studentenrevolte 1968 machten, hatten noch das Trauma ihrer Eltern und ihrer Großeltern im Blut und darauf reagiert.
Der realexistierende Sozialismus hat auch nicht sehr viel gebracht. Die Mauer ist gefallen. Dafür haben wir jetzt die EU, den Neoliberalismus und die Wirtschaftskrise und die, die heuer ihre Matura machten, werden höchstwahrscheinlich auch ihre Ideale haben und die Welt verändern wollen, ob sie sich Hegel, Schelling und Hölderlin nennen, weiß ich nicht.
Elfriede Jelinek, Rosa Luxemburg und Berta von Suttner, etc, wäre mir auch lieber.
Von Jürg Amann, habe ich, glaube ich, 1982 das erste Mal etwas gehört, als Brigitte Guttenbrunner, die ich vom Arbeitskreis schreibender Frauen kenne, beim Bachmannpreis gelesen hat. Denn den hat er damals gewonnen und der Arbeitskreis ist in diesem Sommer auf einen Berg bei Mürzzuschlag gewandert und dort hat sie mir davon erzählt und mir seinen Text zu lesen gegeben. Später habe ich ihn dann, glaube ich, bei “Rund um die Burg” lesen gehört und wenn man bei Wikipedia nachschaut, kommt man auf eine sehr lange Werkliste. Auch ein Vielschreiber, habe ich mir gedacht und die Lektüre des Büchleins sehr genossen, obwohl es mir, wie schon erwähnt, keine wirklich neuen Erkenntnisse brachte, ich könnte mir aber vorstellen, daß das Schreiben dem Autor sehr gefallen hat.

Die Lizenz zum Schreiben

Die, die regelmäßig meinen Blog lesen, wissen ja, daß ich ein Problem mit meiner “Erfolglosigkeit” habe. Da schreibe ich und schreibe und es kommt nicht dabei heraus, als an die dreißig Selbstpublikationen, ein einsames Bloggen, ein Hoppeln von Veranstaltung zu Veranstaltung und das mehr oder weniger laute Jammern darüber. Meine Leser nehmen es kommentarlos hin, meine liebe Psychologiekollegin Irmgard Gelter, die mir einmal ihren Job auf der HNO-Klinik, Sprachambulanz verschaffte, mailte mir im Juli, daß ihr mein Leiden an der mangelnden Resonanz auffalle “Aber Wünsche und Hoffnungen haben wohl die meisten Menschen und nicht alle gehen in Erfüllung!”, was wohl stimmt, aber sehr schwer zu verstehen und zu akzeptieren ist. Für mich jedenfalls und da sich vor ein paar Tagen Viktor Frankls Todes- oder Geburtstag jährte, hörte ich im Radio eine Logotherapeutin sagen, daß der große Arzt und Psychologe oder Neurologe, denn Psychologie hat er wahrscheinlich nicht studiert, uns in den KZs vorlebte, daß man aus jeder Situation einen Sinn ziehen kann. Das genau ist mein Dilemma, denn was ist der Sinn, wenn man schreibt und schreibt und es kommt nicht das dabei heraus, was bei den anderen selbstverständlich scheint.
Da gibt es junge Frauen, die sind 1988 der 1989 geboren, bringen ihren ersten Roman bei Kiepenheuer und Witsch heraus und stehen auf der ORF-Bestenliste auf Platz eins und ich schreibe und schreibe, mache ein Buch nach dem anderen und blogge dann darüber, wer heuer auf die Longlist des dBP gekommen ist und wer bei Rund um die Burg lesen darf.
Nicht gerade lustig diese Hoffnunglosigkeit und wahrscheinlich schwer einen Sinn darin zu sehen, zumindestens ist mir das noch nicht gelungen. Denn die Alternative, die ich sehe, ist aufzuhören und das will ich nicht. Dagegen wehre ich mich mit Händen und mit Füßen uns so schreibe ich und schreibe und bin wegen dem ausbleibenden Erfolg schon ein bißerl depressiv.
Ich weiß schon, ich muß es nicht, will es aber und habe wahrscheinlich viel mehr geschrieben, als die meisten, die auf der Longlist des dBp stehen und wenn ich das blogge, ist ein Schweigen die Folge, was auch nicht gerade lustig ist.
Ich sollte nicht soviel jammern, denke ich dann manchmal und tue es trotzdem immer und immer wieder, denn es strömt aus mir heraus und ist auch das, was ich mir denke.
Die Lizenz zum Schreiben, Anni Bürkl hatte diesen Satz auf ihren letzten Blog und bietet auch Schreibseminare und Coachings an, die offenbar auch angenommen werden.
Ich denke mir manchmal, daß mir die Lizenz zum Schreiben fehlt, daß ich, als die vergeben wurde, gerade nicht anwesend war, weil ich mich zufälligerweise immer zur falschen Zeit am falschen Platz aufzuhalten scheine, auch nicht sehr lustig.
Meine Freundin und Autorenkollegin Ruth Aspöck, der es wahrscheinlich auch nicht viel besser, als mir geht und die ihre “Edition die Donau hinunter”, höchstwahrscheinlich auch deshalb gegründet hat, damit sie ihre eigenen Bücher verlegen kann, hat meine Anfragen, meine Bücher bei ihr zu machen, immer abgewiesen und in sich in ihrem “Blindschleichenbuch” auch gefragt, was die Maria, mein Alter Ego, zum Schreiben animiert?
Das weiß ich auch nicht so genau, es ist mir jedenfalls sehr, sehr wichtig, wahrscheinlich, weil es das Einzige in meinen Leben ist, was ich nicht so erreicht habe, wie ich es wollte und es gab einmal einen GAV-Kollegen, der wahrscheinlich auch nicht so besonders gut schrieb, dann hat die Feministin ihn verlegt und als ich ihn fragte, ob er sich bei ihr beworben hat, sagte er etwas überheblich “Ich doch nicht, das habe ich nicht nötig!”, später hat er ihr dann eine Klage angedroht, weil sie ihm ein Honorar für eine Lesung nicht zahlen konnte, weil sie das Geld nicht hatte.
Das ist wahrscheinlich der Unterschied zwischen den Männern und den Frauen, die Männer sind von sich überzeugt, die Frauen fragen nach und zweifeln und es ist nicht gerade lustig, sich beispielsweise am Volksstimmefest mit Julya Rabinowich über den Alpha Preis, für den sie ja nominiert ist, zu unterhalten und zu wissen, da hast du mit deinen Büchern keine Chance und wenn du zu der Veranstaltung gehen willst, um darüber zu schreiben, wirst du auch noch hinausgeschmissen, obwohl sie öffentlich ausgeschrieben war.
Was ist die Lösung aus diesem Dilemma? Ich habe keine, wie meine Leser ebenfalls wissen werden. Denn ich will nicht aufgeben und das Selbstbewußterwerden, wie ich es inzwischen praktiziere, hilft auch nicht wirklich weiter, wenn ich jemanden meinen Bücher zeige und der sie mit gespreizten Fingern nimmt und gedehnt “Sehr schön!”, sagt und sich nach dem Verlag erkundigt.
Denn was macht man, wenn man schreibt und schreibt und kein Verlag will eine, aus welchen Gründen auch immer, vielleicht habe ich es ein bißerl patschert angestellt, bin nicht sehr selbstsicher, habe kein Charisma, etc, was macht man da, wenn man nicht aufhören will? Darf man da weiterschreiben und sich selber verlegen.
Nein, habe ich bisher immer gehört und erfahren. Das darfst du nicht! Da hast du keine Chance! Inzwischen hat sich das ein wenig geändert, weil es ja die E-Books gibt, die jeder bei Amazon verkaufen kann, aber ob mich da wer kaufen würde, bin ich eigentlich skeptisch, bin ich ja schon einmal alleine bei einer Lesung gewesen. Das Danebenstehen mit seinen Büchern ist aber nicht so leicht und das Bloggen ohne Resonanz auch nicht, obwohl ich sehr froh über diese Möglichkeit bin und sie auch sehr intensiv nütze und wenn auch nur um zu jammern, denn das ist ehrlich und wird mit Herzblut praktiziert!
Thomas Wollinger veröffentlichte auf seinen Blog Schreiben, das Mail einer Sechzehnjährigen, die auch die Frage nach dem Sinn stellte und er hat ihr sehr lang, sehr intensiv und sehr wertschätzend darauf geantwortet.
“Weitermachen, denn es ist alles schon in dir!”
Das würde ich auch so sagen und ist auch das, was ich selber so gerne hören würde und offenbar immer überhöre.
Du darfst schreiben und auch Schreibseminare besuchen, mußt aber nicht unbedingt veröffentlichen, wäre eine Antwort.
Aber dann bist du weg vom Fenster und die Eigenintitative hat bis vor kurzem ja nicht viel gegolten. Ich habe keine Antwort auf diese Frage und sie beschäftigt mich immer noch und immer wieder, auch in Zeiten des E-Books, weil ich ja meine Bücher nicht bei Amazon einstelle, sondern immer noch fünzig Stück bei digiataldruck.at drucken lasse, da schon meine Nachahmer habe, die dann irgendeinen Verlagsnamen draufschreiben oder auch nicht, zwei immer in meiner Handtasche trage, im Augenblick schon vier Bücher habe, die aufs Fertigwerden warten und gespannt bin, wie meine Lesung am 29. 10. in der Alten Schmiede werden wird und da habe ich auch schon Horrorvisionen, daß ich da vielleicht ganz alleine lesen werde.
Ganz so schlimm ist es nicht, nach der Tiefe der Sommerlöcher, gibt es kleine Lichtblicke, so hat mich Stefan Schmitzer am Samstag beim Volkstimmefest auf meinen Text angesprochen und Nadine Kegele hat mir gemailt und gemeint, daß ihr mein Text gefallen hat.
Das gibt es auch und das hat mir gut getan, noch dazu, da ich an diesem Tag wieder zweihundert Besucher im Literaturgeflüster hatte und der Wieser Verlag meine Rezension über Axel Karners neues Buch schon am Abend auf seiner Seite angeführt hatte, obwohl ich ihn nicht verlinkt habe.
Manchmal werde ich und das Literaturgeflüster also schon bemerkt und dann wieder öfter übersehen und ich schreibe natürlich weiter, solange mir etwas einfällt und das tut es noch und denke mir nur, daß das so schwer ist, hätte ich im Jahre 1973, als ich damit angefangen habe, nicht gedacht und besonders viel Glück habe ich wohl nicht auch dabei gehabt. Ich tue es trotzdem, beharrlich und verbissen und ein bißchen, habe ich es wahrscheinlich inzwischen auch gelernt.

Anlaufschwierigkeiten

Ich versuche das Herbstprogramm zusammenzustellen, was gar nicht so einfach ist. Daß ich in der ersten Woche zu keinen Veranstaltungen gehen werde, habe ich schon geschrieben, denn die, die es gäbe, wären erst am Donnerstag und Freitag und da habe ich einen Klienten, bzw. werde ich nach Harland fahren, weil der Garten nach dem Alfred ruft.
Aber es gibt ja soviele Fixveranstaltungen, deren Programme ich noch suchen muß. Daß meine Herbstsaison am zwölften September mit der Verleihung des Leo-Perutz-Krimipreises, zu der ich diesmal extra eingeladen wurde, beginnt, habe ich schon geschrieben, danach käme traditionellerweise, ich glaube, zum einundzwanzigsten Mal das Festival “Rund um die Burg”, bei dem ich ja so gerne lesen würde, also schreibe ich mir das in den Kalender, um keine Freitagnachmittagstunde zu nehmen und suche nach dem Programm. Daß die Veranstaltung von einem neuen Team organisiert wird, habe ich schon im Sommer bei www.buecher.at gefunden und ich finde im Internet öfter den vierzehnten, fünfzehnten September als Termin, auch auf der Falter Seite, dann kommt kommt der link zur Website und dort steht “Radio Wien und Wien live präsentieren, das Lesefest 5. und 6. Oktober, Autorinnen und Autoren lesen live, Programm folgt demnächst.”
Wenn sich das Team geändert hat, braucht es ein bißchen länger zur Organisation und es gab ja vor zwei Jahren Schwierigkeiten mit der Veranstaltung und das Gerücht, daß sie eingestellt wird.
Gerhard Ruiss hat sie, glaube ich, gerettet und es macht ja nichts, wenn sie ein bißchen später stattfindet, möglicherweise werden ein paar Leute irrtümlich schon nächste Woche hinkommen, aber wahrscheinlich gibt es gar nicht soviele Literaturbesessene, wie ich in Wien.
Wochenendveranstaltungen werden in der nächsten Zeit ohnehin ein bißchen schwierig sein, da wir ja nach Harland zu Alfreds Eltern fahren sollten, es gibt aber im Herbst besonders viele.
Die Woche darauf gibt es am 18. September, die Kriminacht, auch von Wien live organisiert stattfindet und da gibt es schon ein tolles Programm, so daß man gar nicht weiß, wo man hingehen soll.
Zweieinhalb Seiten Veranstaltungen, die erste fängt um halb fünf, die letzte um einundzwanzig Uhr an. Viele in Kaffeehäusern, aber auch im Radio Kulturcafe, in der Hauptbücherei, in der Wienbibliothek, beim Morawa, etc, bei vielen muß man sich anmelden oder eine Einladung haben, bei anderen ist das nicht möglich und da ich ja nicht so gerne konsumiere, habe ich mir die Hauptbücherei angestrichen, da liest um 19 Uhr Christopher Brookmyre, ein Autor aus Glaskow, bzw. Robert Reinagl aus “Wer schlafende Hunde weckt”.
Beim Morawa liest eine halbe Stunde später Herbert Dutzler aus einem Alt Ausseer Krimi, wahrscheinlich gehe ich dorthin oder doch zu Anne Goldmann in die Galleria auf die Landstraße, die ja den Perutz-Preis gewinnen könnte oder in die Wienbibliothek im Rathaus zu Bettina Raddatz, alle ebenfalls um 19.30.
Es ist nicht leicht die Qual der Wahl zu haben und obwohl es soviele Veranstaltungen gibt, sind die dann auch noch sehr überlaufen, also interessieren sich doch sehr viele Leute für Literatur bzw. für Krimis. Denn bei Thomas Raab habe ich mir im Radiokulturcafe vor ein paar Jahren die Füße in den Bauch gestanden, bzw. den Zuspätkommenden die Türen geöffnet und ins Cafe Museum bei der Lesung von Eva Roßmann, vor einem Jahr, habe ich die Tür aufgemacht, die mir die Security vor der Nase schloß und auf die Frage, was ich im überfüllten Raum denn wolle “Zuhören!”, erklärt, was mich der überforderte Mann dann auch ließ und ich war nachher zerquetscht wie eine Zitrone, es hat mich aber keiner nach einer Konsumation gefragt.
Nun, ja, Krimis sind interessant und ein paar von denen, die da präsentiert werden, wie etwa Georg Haderers “Engel und Dämonen” habe ich schon gelesen.
Dieses Stöbern und nichts finden, was ja auch zu einem Kriminalroman passt, hat mich auf die Idee gebracht, nachzusehen, ob schon zu erfahren ist, welches Buch heuer für die “eine Stadt ein Buch Aktion” ausgewählt wurde, auf der Homepage wird aber noch das Buch von 2011 angepriesen, nur wenn man auf Facebook geht, erfährt man, daß Rafik Schamis “Eine Hand voller Sterne”, das Rennen machte. Da begann es bei mir zu klingeln und ich bin zu meinem Bücherregal gerast, denn das habe ich ja unlängst im offenen Bücherschrank gefunden.
Was tut sich sonst in der ersten Septemberwoche? Mit dem Korrigieren von “Kerstins Achterl” habe ich am Montag wieder begonnen. Das werde ich jetzt, wie ich schon angefangen habe, in Harland aber nicht recht weiterkam, Szene für Szene durchgehen.
Dann liegt die “Wiedergeborene” am Schreibtisch und hat noch ein paar Fehler. Ein bißchen Trödeln war auch wieder da. Die Klienten melden sich nach dem Sommer wieder, der Verein mailte, es gibt neue Antragsformulare und dazu eine Informationsveranstaltung in der WGKK und ich werde heuer Schwierigkeiten haben mit meinen 200 WGKK-Stunden auszukommen, obwohl man jetzt nicht mehr überziehen darf.
Dazwischen meldete der Alfred, die Grünen haben eine Veranstaltung, aber da hatte ich eine Stunde, ich überlegte nur zum Buffet hinzugehen, bin dann doch mit Marianne Grubers “Erinnerungen eines Narren” in die Badewanne gestiegen und habe darüber gebloggt.
Dazwischen gab es einen Stromausfall und jetzt sagte mir der Alfred, die Veranstaltung ist erst heute, da sollten wir mit der Anna zu den “Drei Buchteln” gehen, aber jetzt hat sie abgesagt.
Und ein neues Buch zum Rezensieren, nämlich Stefan Sonntagbauers “Containeräffchen” aus dem Holzbaumverlag, der 2009 in die Longlist des fm4 Literaturwettbewerbs und in die “Wortlaut”-Anthologie gekommen ist, habe ich inzwischen auch bekommen, da schmerzt es angesichts der langen Bücherliste gar nicht sehr, daß der neue Weidenholzer-Roman nicht zu kommen scheint.