Der 1938 in Basel geborene Schweizer Dichter, der gelegentlich in die Alte Schmiede kommt und auch eine Connection nach Graz und zu den “Manuskripten” hat, wie Kurt Neumann in seiner Einleitung erwähnte, hätte schon im Februar während des Schweizer Schwerpunkts in der Alten Schmiede vorgestellt werden sollte. Ich hatte mir den Termin auch vorgemerkt, die Veranstaltung ist aber ausgefallen und wurde jetzt nachgeholt und ich bin auch sehr begierig hingegangen, obwohl ich, um die Frage Friedrich Hahns, neben dem ich gesessen bin und mit dem ich mich vor der Veranstaltung über den offenen Bücherschrank und das Gratislesen unterhalten habe, zu beantworten, keine besondere Widmer Spezialistin bin, habe aber einmal, vor Jahren “Im Kongo” von einer Kollegin zum Geburtstagsfest bekommen und “Liebesnacht” vor kurzem im Schrank gefunden. Ich war auch, kann ich mich erinnern, bei der “Fünfzig Jahre Manuskripte” Veranstaltung, wo Urs Widmer, ich glaube, auch aus “Stille Post” seinem letzten Werk gelesen hat und in Frankfurt wurde vor einigen Jahren auf dem blauen Sofa auch “Herr Adamson” vorgestellt und im vorigen Jahr hat er die Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt eröffnet.
Ein Urs Widmer Portrait also, des weißhaarigen älteren Herrn, der viel lacht und eine sehr imposante Art hat, sich und seine Bücher vorzustellen. Das tat aber eigentlich der Widmer Kenner Samuel Moser und Kurt Neumann versprach in seiner Einleitung, daß dem Publikum damit etwas geboten würde, was man sonst in Wien nicht so leicht zu hören bekommt.
Zweieinhalb Stunden hat es gedauert und es war natürlich keine Gesamtvorstellung des Lebenswerks, sondern nur ausgewählte Schriften und da hat es mit “Herrn Adamson” begonnen, dem Buch in dem Urs Widmer sozusagen seinen eigenen Tod inszeniert und er tut das, in dem er die Vortoten erfindet, das sind die, die in der Sekunde gestorben sind, in der wir geboren wurden, die begleiten uns dann durch unser Leben, als eine Art Schutzengel und am Schluß holen sie uns ab. So ist der kleine Mick acht, als er durch eine Art Hades geht, den Tod besiegt, um diese Geschichte dann mit vierundneuzig seinem Enkel zu erzählen und am Ende kommt Herr Adamson und das Buch ist aus.
Ein sehr interessantes Thema und ein Buch, das ich gerne lesen würde, wenn es einmal zu mir findet, das habe ich mir schon 2009 gedacht, als es in Frankfurt vorgestellt wurde. Daß Urs Widmer ein ziemlich surrealer Autor ist, der sich über die realistischen Handlungen eher lustig macht, obwohl er, wie er betonte, darauf schaut, daß die Details stimmen, um darauf seine Phantasie zu setzten, ist dann in der “Reise nach Istambul” aus der “Stille Post” klargeworden. Da fährt ein Mann mit seiner Frau und seinem Kind im Zug irgendwohin, es kann Istambul oder auch Bombay sein, bei Zabgreb steigt er aus, weil der Zug eine Stunde stehenbleibt, um sich am Kiosk Zigaretten oder eine Zeitung zu kaufen, er geht durch eine Tür aus dem Bahnhof, kann nicht mehr zurück, ist dann in Belgrad, findet eine Kiosk, hat aber kein Geld, dann ist er Stuttgart, geht Stufen hinauf oder hinab, um mit einem anderen Zug zurück in sein Haus zu reisen, wo gerade ein wilde Party stattfindet, seine Bücher werden zerrissen, Spaghetti ausgeschüttet und im Nebenzimmer liegt sein Vater als Kadaver und er denkt, er kann doch dieses Wort nicht für seinen Vater verwenden und die Mutter hat ein Kissen vors Gesicht gedrückt, er reist weiter, kommt schließlich doch nach Istambul, um dort seine Frau und sein Kind zu finden, die Frau ist aber inzwischen gealtert und die Tochter erwachsen.
Eine Reise durch das Leben und eine Beschäftigung mit dem Tod in beiden Büchern, wie Urs Widmer dann in einem Gespräch erklärte. Ich hätte es eher für einen Traum gehalten. Dann ging es zurück zu den Anfängen, nämlich dem Roman, “Die Forschungsreise”, 1974 erschienen und da ist es mir nicht gelungen, den Inhalt zu erfassen. Ich habe nur ungefähr soviel verstanden, daß es sowohl um das Berliner Massiv als auch um Frankfurt geht, aber der Held eigentlich an seinem Schreibtisch sitzt. Dann ging es wieder in die “Stille Post” und zwar zu Texten, die sich “Damals und jetzt” benennen. Da hat Urs Widmer in den Siebzigerjahren Texte geschrieben, die er dann verloren hat, bzw. in dem Roman “Das enge Land” verwendete. Dann hat er sie wiedergefunden und um einiges ergänzt. Diese Texte las er vor, bevor es an zum “Engen Land”, 1981 erschienen ging und da sagten Samuel Moser und Urs Widmer, daß man die Handlung nicht nacherzählen kann.
“Uje!”, dachte sofort die Realistin, aber dann war es nicht so schlimm. Zumindest habe ich mir aus dem Vorgetragenen einiges zusammengereimt. Es geht wieder um Frankfurt und um das Berliner Massiv, aber auch um einen Berg, auf dem eine Frau lebt, die genau jede Textfragmente hinunterschreit und die Geschichte eines Landes aufschreiben will, das einige hundert Meter lang, aber nur ein paar Meter breit ist und an einer Eisenbahnlinie entlang liegt. Sie hat in diesem Land gelebt, ist dann nach Deutschland gegangen und jetzt findet sie nicht mehr zurück.
Am Schluß kam noch eine Erzählung aus der “Stillen Post” nämlich “Grappa und Risotto”, eine Art Familiengeschichte, wo es um viele Tanten und Onkeln geht und einen Grappafabrikanten der seine Fabrik verloren hat, einen Teil hat eine falsche Anastasia dahingenommen, um sich ihr Bernsteinzimmer zurückzuholen, den anderen eine Sekretärin zur Konkurrenz gebracht und eine Tante, die soviel redet, daß sie der Schrecken der Familie ist, gibt es auch.
Danach bedankten sich die Vortragenden für die Geduld der Leser, es hat sich aber gelohnt, eine Einführung in einen kleinen Teil des Werkes zu bekommen, so bin ich neugierig geworden, habe mir ja das Lesen beider Bücher vorgenommen und bin gespannt, was ich noch alles von Urs Widmer hören und lesen werde.
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Die Einsamkeit der Primzahlen
Paolo Giordanos “Die Einsamkeit der Primzahlen”, ein Leseexemplar, das ich Anfang des Jahres im Wortschatz gefunden habe und das mir von diversen Blogs sehr vertraut schien, ist ein Beispiel für das spannende Schreiben und das was man im Writerstudio vielleicht lernen kann. Ob und wo der 1982 geborene Paolo Giordano das Schreiben studierte und wie man in Italien Schreiben lernen kann, weiß ich nicht. Das Buch war aber 2008 das meistverkaufte Buch Italiens und Paolo Giordano der jüngste Preisträger, den es in der Geschichte des “Premio Strega”, des wichtigsten italienischen Literaturpreis gegeben hat, habe ich dem Klappentext entnommen.
Und man wird gleich hineingezogen in die Geschichte, die mit einer seltsamen Grausamkeit das Leiden, das jungen Menschen, auch wenn sie in wohlsituierten Familien aufwachsen, widerfahren kann. Das Buch ist in Abschnitten eingeteilt, die Jahreszahlen tragen. So beginnt es mit “Engel im Schnee”, 1983, da ist Alice sieben und ihr Vater zwingt sie zum Schifahren. Sie will nicht, muß aber mit dem Lift hinauffahren, muß aufs Klo, macht sich an und will, da die Kacke schon hinunterrinnt, alleine wieder abfahren, dabei kommt es zu einem Sturz. Alice wird im Schnee vergraben und stellt sich schon das Sterben vor. 1984 geht es weiter, da ist Mattia wahrscheinlich acht oder auch zwei Jahre älter, hochbegabt und hat eine Zwillingsschwester, deren Behinderung, er hautnah miterlebt, wenn die Logopädin kommt und es Michaela nicht gelingt, die Kugel in das richtige Loch zu stecken. Solche Kinder lädt niemand ein. Einmal passiert es doch, daß Mattia und Michaela zu Riccardos Geburtstagsparty kommen sollen, die Mutter kauft den größten Legokasten und schickt die Kinder los. Mattia geniert sich aber für seine Schwester und läßt sie im Park zurück. Als er wiederkommt ist sie verschwunden.
Schnitt ins Jahr 1991 “Auf der Haut und knapp darunter”, da hat sich Mattia schon seine Arme zerschnitten und Alice ist magersüchtig geworden, hinkt, geniert sich für ihre Narbe, möchte sich trotzdem eine Rose auf ihren Bauch tätowieren lassen, der strenge Vater erlaubt es der Fünfzehnjährigen aber nicht. Die Mädchen in der Klasse, vor allem die Alphafigur Viola, die den anderen die Liebesgeschichten ihrer älteren Schwester, als die eigenen erzählt und dabei die richtige Methode der Ausparung beherrscht, sie hört auf bevor es so richtig spannend wird, bzw. läutet da die Schulglocke, zwingt Alice ein verdrecktes Bonbon zu essen und möchte sie dann entjungfern. Alice wählt dafür den etwas seltsamen aber hochbegabten Mattia aus, der nur einen Freund hat und sich sogar in der Schule die Pulsadern aufschneidet. Die beiden gehen bei Violas Party auch alleine in ein Zimmer, darinnen passiert aber nichts, trotzdem gehen sie aneinander den Händen haltend zu den anderen, was Violas Neid erweckt, da ihr das bei ihrer Entjungferung verwehrt wurde. Sie läßt Alice fallen, dabei hat sich die inzwischen ein Stiefmütterchen auf den Bauch ritzen lassen.
Mattia studiert Mathematik, Alice wird Fotografin und als Mattia einen Lehrauftrag nach Amerika bekommt, fragt er Alice, ob er ihn annehmen soll. Sie bejaht, beziehungsweise verrät sie ihm, daß sie Fabio, einen jungen Arzt heiraten wird, den sie kennenlernte, als sie ihre krebskranke Mutter im Spital besuchte. Mattia ist auch in Amerika, während er sich in die Welt der Primzahlen zurückzieht und darüber geniale Artikel schreibt, sehr einsam, nur einmal gelangt er ins Bett der schönen Nadia, die ihm ihre Telefonnummer gibt und sagt, daß er sich entscheiden soll. Da kommt ein Brief mit einem Foto und der Aufforderung zu kommen von Alice, die sich inzwischen an Viola rächte, als sie an deren Hochzeit fotografierte und von Fabio verlassen wurde, weil der ein Kind von ihr will, aber sie bekommt ja keine Regel mehr. Es kam zum Streit, die Reiskörner flogen, Fabio ging zu seinen Eltern zurück und Alice fuhr ins Krankenhaus und sieht dort eine junge Frau, die Michaela sein könnte, die seit damals verschwunden ist. So schreibt sie diesen Brief, aber als Mattia kommt, zwingt sie ihn zum Autofahren und erzählt ihm nichts von ihrem Erlebnis, so fliegt er wieder zurück und erinnert sich als er schon am Meeresstrand steht an Nadias Telefonnummer in seiner Tasche.
Ich hätte das mit fünfundzwanzig Jahren nicht schreiben können, das steht fest. Die Spannung ist vollendet. Knallhart werden wir in das Elend oder die “Krankheit der Jugend” hineingeführt, die heute vielleicht nur ein wenig anders, als zu Ferdinand Bruckners Zeiten ist. Knallhart ist sie und aussichtslos, das Schneiden, das Hungern, das Brennen und dann gibt es auch noch die Eltern, die ihre Kinder wahrscheinlich lieben und dennoch hilflos daneben stehen und nicht zu ihnen können. Das Heer der Psychologen, das es inzwischen, gibt, kann es wahrscheinlich auch nicht und so bleiben die hochbegabten jungen Erwachsenen mit ihren Schuldgefühlen zurück, wollen, aber können nicht zueinander kommen, denn das Wasser oder etwas anderes ist viel zu tief…
Schade nur, daß von dem Buch nicht mehr viel zu hören ist, bei den vielen anderen spannenden packenden grausamen Neuerscheinungen, die es inzwischen gibt, ist es wahrscheinlich vergessen worden. So lobe ich mir die offenen Bücherschränke und kann nur empfehlen auch das Ältere zu lesen und es ist wieder sehr spannend, wie dicht, packend und erbarmungslos junge Leute schreiben können und hoffe nur, daß nicht alle ihre Jugend so erbarmungslos erleben.
Zur Poet-Night
Von Writersstudio ist es dann am Samstagabend zur Poetnight gegangen, die Verlosung beim offenen Bücherschrank habe ich dabei, weil ich mich verspätet habe und es auch geregnet hat, versäumt und kann daher gespannt sein, ob ich eine der Buch-Wien-Karten, die Nackenrolle zu Lesen oder den Bücherschrank-Sweater gewonnen habe und die Poet Night, ich wiederhole es, für die, die es noch nicht wissen sollten, ist ja die Veranstaltung des ersten Wiener Lesetheater, wo, die schreibenden Mitglieder Gelegenheit haben, ihre eigenen Texte, im neun Minuten Rhythmus im Kulturzentrum Siebenstern von Samstag sechzehn Uhr bis Sonntag zwei Uhr früh zu präsentieren. Meine kritische Stimme Frau Heidegger hat sich ja vor einigen Jahren darüber mokiert, daß da eher unbekannte Leute lesen würden, aber das ist ja der Sinn der Sache und gar so unbekannt sind die meisten auch nicht, wenn man sich für Literatur interessiert.
Ich bin ja eine Marathonveranstaltungsbesucherin und so bin ich sehr oft, nicht immer, non stop, geblieben.
Einmal ging es nicht, weil nachher das “Rund um die Burg Marathon” war, einmal bin ich von dort gekommen und ein paar Mal wahrscheinlich auch zu müde gewesen und vorher abgehaut. Das letzte Jahr habe ich den zweiten Tag beim Writers Studio deshalb versäumt, diesmal habe ich es umgekehrt gemacht und bin erst kurz vor acht eingetroffen. Da ich ja immer angebe, daß es mir bis Mitternacht egal ist, wann ich lese, bin ich meistens zwischen vier und fünf eingeteilt, habe dann kaum Zuhörer, meist nur die, die nach mir drankommen und muß mir anhören, daß ich später lesen soll, denn das würden sie …
Würden sie nicht, wie ich merken konnte, weil ich diesmal erst knapp vor Mitternacht las. Da waren zwar mehr Leute da, das ist um diese Zeit immer so, aber einige, die früher dran waren, sind schon gegangen und haben mich aufgefordert, das nächste Mal doch früher zu lesen…
Nun gut, den richtigen Zeitpunkt gibt es offenbar nicht und es ist wahrscheinlich eine Interessenssache, wen man hören will und diesmal habe auch ich sehr viele Lesungen versäumt. Elisabeth Chovanec beispielsweise, die mir schon bei ihrer Ausstellung vor ein paar Wochen sagte, daß sie wieder nicht bleiben kann, Mechthild Podzeit-Lütjen, die auch meistens früh liest, Herbert J. Wimmer, Axel Karner u.u.u.
Axel Karner habe ich aber noch gesehen und er hat sich bei mir für die Rezension bedankte, wie auch ich ihm für die Zusendung seines “Rosaroten Balkons”, aus dem er vermutlich gelesen hat, sehr danke.
Als ich gekommen bin, hat gerade ein Mann über Bettler gelesen.
“Wie heißen Sie?”, hat ihn Elfriede Haslehner gefragt, neben die ich mich setzte und deren Lesung ich auch versäumte.
Janus Zeitstein antwortete er und war offenbar ein Einspringer, denn kurz vor acht hätte eigentlich Antonio Fian lesen oder Pause sein sollen. Die Pause kam dann gleich und dann las Anita C. Schaub mit der ich ja demnächst wieder lesen werde und brachte einige Geschichte darunter die, von den “Kärntner Kasnudeln”, die ihre Großmutter nach einem Geheimrezept zubereitete und die einmal einen Sandler zum Essen einlud, obwohl sogar die Haushälterin an diesem Tag Ausgang hatte, damit sie nicht das Rezept erfuhr. Am Schluß hat er es dann ihr oder sie es ihm in die Tasche gesteckt und Christa Kern folgte mit einem Text aus den Entladungen über “Eifersucht.”
Christoph Vivenz, den ich schon von mehreren Poetnights kenne, hat dann vielleicht nicht nur mich erstaunt, als er stark geschminkt, mit einer Perücke, schwarzen Seidenkleid und Highheels aufgetreten ist und dazu die passenden erotischen Schimpfgedichte präsentierte. Hilde Schmölzer brachte ihre Jugendgedichte, die in den Sechzigerjahren enstanden sind und vom “Podium” zu ihrem fünfundsiebzigsten Geburtstag verlegt wurden. Christa Nebenführ hatte ein Fragment mit dem sie sich in scharfen Worten mit ihren Vater auseinandersetzte und las das auch sehr eindrucksvoll vor. Manfred Loydolt brachte, wie er sagte, etwas Autobiografisches und las von einem Aufwachen im Spital und einem Verband an der falschen Stelle, denn außer den Gallensteinen war auch der ganze Bauch entzündet und die Assistentin hat auch noch ein bißchen zu viel durchgetrennt, dazu kamen dann Erinnerungen an eine St. Petersburgreise mit Schmerzen und Kindern, die vor dem Krankenhaus stehen und ein aufmunterndes Liedchen singen.
Richard Weihs brachte wieder Kostproben aus seinen Wunschgedichten. Wienerisches gab es dazwischen auch und einen Brief von einem Neffen an seinen Onkel und die Tante, wo es um das Saufen und die Erlebnisse, die man dabei hat, ging.
Susanne Schneider brachte eine Katzengeschichte. Hans Jörg Liebscher, glaube ich, seine Erinnerungen in Gedichtform. Hilde Langthaler las aus ihrem Buch und dann einen Gemeinschaftstext, den sie unter anderen mit Susanne Ayoub geschrieben hat, wo sich die Arbeitslosen glaube ich, als Hunde verwenden lassen und Thomas Northoff brachte wieder Auszüge aus seinen “Nein Eleven”, das er schon beim Volksstimmefest las.
Helga Schwaiger führte in die Kindheit und Judith Gruber-Rizy mit ihren Text nach Linz. Helmut Rizy las den Beginn einer Geschichte vor, wo ihn ein Schriftsteller besucht, der über die Liebe schreiben will und das offensichtlich nicht ganz zusammenbringt.
Nach Eugen Bartmer folgte ich, ein bißchen später als 23. 24 und las, wie schon erwähnt, die Szene aus Kerstins Achterl, wo die Kerstin auf der Hochzeit von Traudl Obermüller fotografiert, die wahrscheinlich auch auf meinen Blog als Textprobe kommen wird, wenn ich mit dem Korrigieren fertig bin. Christl Greller kam nach mir und hatte Gedichte übers Wasser. Dann kam Christa Mitaroff mit einem Hammer und verkündete den Ausverkauf der Republik Österreich. Rudi Lasselsberger fehlte. Gerald Grassl hatte ein Gedicht zur Mitternacht und wünschte sich, glaube ich, Revolutionäre, die an die Liebe glauben und bekannte, daß er Rosa Luxemburg verehren würde. Monika Schmatzberger stieg mit Nordic Walking Stecken auf einen Berg, um dort eine Burg zu besichtigen und hatte dabei ihre Schwierigkeiten und Ingrid Jantzen hatten einen Text über einen Mann und eine Frau, die sich nie im Leben begegneten, am Ende hatte die nicht so begabte Regisseurin aber doch das Stück des begabten Schriftstellers verhunzt. Dann folgte eine Pause und nachher kamen wahrscheinlich Fritz Widhalm, Ilse Kilic, Peter Waugh, Christian Katt und Rolf Schwendter, aber die habe ich, weil von meinem Marathonwochenende zu müde und erschöpft, nicht mehr mitbekommen, mich nur bei Ilse Kilic und Fritz Widhalm, die schon im Saal saßen, entschuldigt, daß ich jetzt ins Bett gehen würde, so daß ich auch erst jetzt zum Bloggen komme.
Zwei Jahre in zwei Tagen
Das Writers Studio hat zum dritten Mal zu den Tagen der öffenen Tür eingeladen, vor zwei Jahren gab es da ja einen Tag mit Gratisseminaren und einem großen Eröffnungsfest, als Judith Wolfsberger mit ihrem Team von der Kaiserstraße in die Pramergasse umgezogen ist, voriges Jahr waren es dann schon zwei Tage, wo ich nur am Freitag war, da es am Samstag die Poet-Night gegeben hat, wo ich sehr früh gelesen habe und heuer ist es wieder so. Daß die Tage der offenen Tür diesmal am 21. und am 22.9. sein werden, wurde schon bei dem Zehnjahresfest im Juni bekanntgegeben und am Samstag ist wieder die Poet Night. Also dasselbe noch einmal habe ich gedacht, mir dann das Programm angesehen und “Shit!”, ausgerufen, denn das Writers Studio wird immer professioneller und bietet immer mehr Seminare an, das ist noch kein Grund zum Fluchen, ganz im Gegenteil.
Aber es gibt jetzt zwei ein Jahreslehrgänge, das “Writing for your profession” und das “Passion Writing”, das hat es, glaube ich, schon im vorigen Jahr so gegeben, aber diesmal werden die zwei Jahrgänge an je einem Tag vorgestellt und man kann in die Seiminare hineinschnuppen und blöderweise war das berufliche Schreiben am Freitag und das literarische am Samstag dran und das interessiert mich mehr als als Freewriting für Pädagogen, das Journalistische Schreiben und das Sachbuch Know how, etc
“Kann man nichts machen!”, habe ich gedacht, dann kam der Ablaufplan für die Poet Night und ich bin diesmal nicht, wie in den letzten Jahren, zwischen vier und fünf dran, so daß ich schon nach der Mittagspause gehen hätte müßen, sondern erst um 23 Uhr 24, dazwischen werden auch noch in der Grundsteingasse vor dem offenen Bücherschrank, die Preise, für den “Gefunden” Wettbewerb verlost und die Poet Night ist lang genug, habe ich gedacht, wenn ich nach dem letzten Workshop noch rasch auf den Brunnenmarkt schaue, bin ich um acht im Siebenstern, habe zwar die Lesungen der ersten vier Stunden versäumt, aber zu mir kommen die Leute auch nicht und ich bin sowieso immer am längsten dort, bin ich ja eine Marathonveranstaltungshopperin und das war ich auch im Writersstudio.
Mit dem “Mindwriting” den Morgenseiten, hat es am Freitag angefangen. Diesmal war keine lästige Reporterin da, die einen in den Text hineinfotografieren wollte, sondern eine kleine Gruppe, ich war ein bißchen müde, bin aber gut hineingekommen, obwohl ich keine Morgenschreiberin bin, das habe ich auch in der Vorstellungsrunde so gesagt. Der Tag beginnt für mich meistens mit dem Lesen in der Badewanne, dann bereite ich mich auf meinen psychologischen Praxistag vor und das Schreiben kommt zwischendurch.
Die zehn “Freewriting-Regeln” nach Natalie Goldberg und Peter Elbow bereiten mir aber keine Schwierigkeiten, so habe ich ein bißchen mein Schreiberleben geordnet, sind wir ja von einem Gedicht ausgegangen, daß man die Buchstaben, um sich herum sehen soll und dann ins Meer springen und davonschwimmen, aber ich kann nicht schwimmen, schreiben aber schon und in den Schnupperseminaren des Writerstudio habe ich ja sozusagen, die “Frau auf der Bank” erschrieben. Beim Schreibcafe mit Yoga Probetraining, habe ich Braingestormt und in der “Schreibfabrik” im Okober die Tanzstundenszene vorgelesen und mir Feedback geholt und als ich von dem Sommerfest mit meinen Schreibwünschen nach Haus gekommen bin, hatte ich schon die Einladung zur Lesung in die Alte Schmiede bekommen.
Also eigentlich geht es mir gar nicht so schlecht mit meinem Schreiben, ich tue es jedenfalls sehr viel, habe schon an die dreißig Bücher, fast 1200 Blogartikeln und auch offene Bücherschränke und sehr viel Veranstaltungen, die ich regelmäßig besuche und, daß ich gerne über das “Schreiben in Wien” blogge, habe ich schon im vorigen Seiminar über das Sachbuchschreiben bekanntgegeben. Das kam diesmal erst am Nachmittag. Es folgten die “Writer Tricks” und da clusterten wir zum Begriff “Loslassen”, bei mir ist der Beginn zu meinem neuen Text, bzw. einige Ideen dazu mit dem Arbeitstitel “Zum Sterben ist man nicht gern allein” oder so, entstanden, der wird dann zwar ein wenig aufs Eis gelegt, weil ich ja noch an “Kerstins Achterln” korrigiere und dann das “Literaturgeflüster-Texte-Buch” machen will, bzw. wieder einmal beim Nanowrimo mitschreiben.
“Hot Text”, war, glaube ich, neu und auch nicht das, was mich so unbedingt interessiert. Michaela Muschitz stellte das professionelle Werbetexten vor und ließ uns in die Rolle eines Kosmetikartikels schlüpfen, weil Verkaufen ja wichtig ist und alle die schnupperten Frauen waren. Damit sollten wir uns positionieren und ich habe das mit einem Lippenstift versucht und den Text vorgelesen, was sehr lustig war, denn ich schminke mich ja kaum und in der hochpreisigen Qualitätsklasse sehe ich mich eigentlich auch nicht. Ana Znidar stellte wieder “Social Media” vor, wir sollten drei Texte über etwas, das uns erregt schreiben, da ich ja nicht facebooke und nicht twitterte, habe ich meinen Unmut über die Abdrehung des Untersuchungsausschußes in einem Blogartikel zum Ausdruck zu verbringen versucht, der mit “Was ist faul im Staate Österreich, sollen, können, dürfen wir uns alles gefallen lassen” begann.
Dann kam eine Mittagspause und ich ging am Kanal spazieren. Am Nachmittag folgte wieder eine Einführung über das Nonfiction Buch. Da waren sehr viele Schnupperer, auch ein zwei Männer, gekommen und ich landete in einer Gruppe, die sich über ein Sachbuch “Interkulturelle Kommunikation” Gedanken machen sollte.
Danach gabs eine Einführung in den “Schreibtrainer-Lehrgang”, bzw. sollten wir erarbeiten, was bei Blockaden nützt, mir weiterschreiben, Disziplin, Beharrlichkeit, darüber bloggen, jammern, jeiern und in den Texten der anderen nachschauen, wo sie besser sind und immer öfter die Erfahrung machen, sie sind das gar nicht.
“Freewriting für Pädagoginnen und Eltern” mit Gundi Haigner habe ich vor zwei Jahren auch schon gehört, inzwischen hat sie mit ihren Klassen aber einige Preise, darunter den Exil Literaturpreis gewonnen und ihr Programm in einer Mappe zusammengestellt. Sie erzählte uns davon und dann durften wir uns, wie bei der Schreibfabrik ein paar Karten ziehen und vier kleine Texte dazu schreiben. Das “Journalistische Schreiben” mit den “sieben w”, wo, wie, was, warum, wann, wo, woher, habe ich auch schon vor zwei Jahren gehört. Der Text den ich dazu in Boulvardzeitungmanier schreiben sollte, lautete “Bewaffneter “Waldmensch” weiter auf Flucht vor der Polizei.Dann kam ein männlicher Trainer und brachte uns ein bißchen den sprachlichen Feinschliff bei, also, daß man keine Schachtelsätze und nicht zu viele Adjektive verwenden soll.
Dann rauchte mir der Kopf, denn das “Writing for your profession”, das Textsorten für Print und Online Medien, Personal Essay, Marketingtexte etc anzubieten hat, war sehr intensiv. Neue Leute habe ich auch kennengelernt und mit ihnen nette Gespräche bei Tee, Kaffee und Keksen geführt.
Am Samstag ist es mit dem “Passion Writing”, was mich ja mehr interessiert, weitergegangen und auch das ist inzwischen sehr umfangreich. Mit den Morgenseiten hat es angefangen. Diesmal habe ich den Satzanfang “Heute möchte ich…”, genommen und mich damit beschäftigt, wie ich es schaffen kann, den Monstertag ohne Kopfweh durchzustehen, denn einen Schreiblehrgang in einem Tag durchzumachen ist ja sehr anstrengend und es ist in jeden Seminar sehr intensiv zugegangen.
Junge Leute unter den Teilnehmern, eine Mutter hat ihre Tochter begleitet und die “Writer Tricks”, das Nähkästchen der Methoden wurde diesmal von Pamela Wahl präsentiert. Die passend zum Herbstbeginn kleine rote Kärtchen verteilten und aus vier eine Geschichte schreiben ließ, ich habe mir “Gewitterfront”, “Herbstgewinn”, “Sonnenblume” und “blau”” gezogen. Interessant war, welche literarische Texte dabei heauskommen, wenn man ein Wort wiederholt.
“Morgennebel ziehen auf”, hat so eine Teilnehmerin immer wieder geschrieben und es war total gut. Dann folgte das “Short Story” schreiben mit Ana Znidar, diesen Schnupperworkshop habe ich schon einmal gemacht, an ein paar bewegende Momente denken und dann einen Dialog daraus machen, was ja meine Schwierigkeit zu sein scheint. Ich habe ein bißchen an meinem neuen Projekt herumprobiert und eine Szene dafür konzipiert, Dialog ist, weil es sich um innere Stimmen handelte, keiner herausgekommen. Ich erinnere mich aber, wie das vor zwei Jahren eine Teilnehmerin gekonnt, mit einem Streit zwischen einer Mutter und einer Tochter und ein paar heftigen Worten machte.
Das sollte nach der Pause noch einmal kommen, vorher gab es aber etwas ganz Neues von Judith Wolfsberger, nämlich den “Personal Essay”, eine Textsorte aus Amerika, wo man von einem persönlichen Erlebnis ausgehend zu einer allgemeinen These kommen soll. Sie brachte ein Beispiel aus einem Buchprojekt, wo jeder etwas zum Thema “Liebe” einbrachte und las eine Geschichte vor, wo eine Mutter ihrer Tochter ihre Liebe beweist, in dem sie für sie immer ein Licht in der Küche brennen läßt.
Nach der Pause gabs dann wieder etwas Neues, nämlich das Drehbuchschreiben mit Vivien Bronner, die eine sehr imposante Trainerin war.
“Was ist das Wichtigste am Drehbuch schreiben?”
“Der Dialog natürlich!”
“Falsch, hereingefallen!”, das ist das Alllerunwichtigste, es geht um Szenen und um Bilder und sie stellte die Aufgabe an einen Sohn zu denken, der zu seinem dominanten Vater nach seinem Schulabschluß nach Hause kommt, der Vater will, das er ins Geschäft einsteigt, der Sohn will etwas anderes.
Da hatte ich dann sofort den “Radetzkymarsch” im Kopf, das Buch, das ich im Sommer gelesen habe und die Szene, wo die beiden Trottas mit der Haushälterin den Tafelspitz und die Kirschenknödel essen. Den anderen mochte es ähnlich gegangen sein, ein Vater zündete dem Sohn eine Zigarette an, eine Teilnehmerin verlegte die Szene nach Afrika, aber wie stellt man filmisch Gedanken und Gefühle dar?
Dann kam die Lösung in einem Filmausschnitt aus der Stummfilmzeit, der Vater setzt dem Sohn, der eine Kappe möchte, Hüte auf, einem nach dem anderen, der Sohn zieht Grimassen und setzt sich am Ende durch.
Also Drehbuch ganz ohne Dialoge oder nur an letzter Stelle? Ich weiß nicht recht, tue mir mit ihnen aber ohnehin recht schwer und werde vermutlich auch nicht Drehbuchschreiberin, glaube aber schon, daß es stimmt, daß die Prosa lebendiger wird, wenn man sich damit beschäftigt.
Dann wurde es wieder bekannter. Habe ich das “Travel Writing” mit Ana Znidar, ja, glaube ich, schon zweimal angeschnuppert und bin ja inzwischen auch dazugekommen meine eigenen Skizzen von meinem Urlaub mitzubringen und in meinen Blog zu stellen. Danach kamen “Life Writing” und “Memoir”, was ist der Unterschied habe nicht nur ich mich gefragt?
“Schreibend erleben – lebendig beschreiben. Einstieg ins Schreiben über das eigene Erleben”, wird das Seminar, das Anna Ladurner hält, aber von einer Dame aus Tulln präsentiert wurde, beschrieben und wir haben es auch gleich sehr lebendig mit dem biographischen Tasten begonnen, die Hand aufzeichnen, draufschreiben, was wir schon angegriffen haben und darüüber schreiben. Vor zwei Jahren haben wir das mit Irene Rauch mit Gerüchen gemacht, das Workshop hat, glaube ich, anders geheißen, war aber genauso intensiv und ich bin wieder in meine schüchterne Kindheit, in den Arbeiterhaushalt mit den Büchern und der strengen Mutter, die nicht viel erlaubte, gekommen.
Das “Memoir Writing” ist umfassender, da entwickelt man ein autobiographisches Schreibprojekt, keine Autobiographie, sondern über einen Teil seines Lebens, über seine Kindheit, hat das Franc McCourth, ja hervorragend getan, in Amerika steht Memoir darauf, bei uns Roman, das habe ich ja kürzlich selbst beim zweisprachigen Lesen des Buchs überprüft und im Miniworkshop bin ich vom Bett im elterlichen Schlafzimmer, wo ich die Seite des Buchs eingerissen habe, um es behalten zu können, zu der Szene gekommen, wo ich schüchtern und unbeholfen mit siebzehn auf einen Ball gehen wollte und das dann nur tat, weil ich die Eltern im Schlafzimmer sagen hörte, daß ich mich das ohnehin nicht trauen würde, habs getan, umbeholfen im unpassenden Kleid, bin dann ausgerutscht und hingefallen, was ganz schön peinlich war, denn unsere Aufgabe war über packende Erinnerungen zu schreiben, weil die dann die Leser berühren.
“Denke an die fünf Dinge, über die du auf keinen Fall schreiben willst und such dir dann eines aus!”, lernt man in Amerika.
Und dann mußt du deinen Rohtext natürlich überarbeiten. So hieß dann der letzte Workshop, wieder von Ana Znidar gestaltet, wo wir uns einen unsere Texte hernahmen, die meisten, hatten ja inzwischen schon sehr viele und die Wörter herausnahmen, die zuviel erzählten und zu wenig zeigten. Ich mußte da bei meiner Konfliktgeschichte aufpassen, habe ich da ja das Gefühl der Peinlichkeit wahrscheinlich zu oft geschrieben und dann noch schnell ein “hochrot im Gesicht” eingefügt und dann wieder besonders schmerzhaft, den Text auf dreißig Prozent kürzen. Das habe ich bei der Tanzschulgeschichte nur sehr unwillig getan, beim Traveltext, der mich diesmal nach Saremaa führte, wärs wahrscheinlich einfacher gegangen und noch etwas haben wir geübt, die richtigen Anfänge finden. Beim Freewriting, das wir ja die ganze Zeit praktizierten, fängt man oft zu banal an, da muß man dann die spannenderen Stellen nach vorn verlegen, ein junger Mann hats vorgelesen, wo das funktionierte.
Das war das Schnuppern in die Schreiblehrgänge, in die man sich nun vertiefen muß. Das Writersstudio bietet zu den einzelnen Workshops Infotage an, wo man mehr darüber erfahren kann. Bei einigen Seminaren gibt es, glaube ich, Voraussetzungen, so muß man das “Short Story” Seminar schon haben, wenn man das “Memoir Schreiben” lernen will und beim Journalistischen Schreiben braucht man, glaube ich, die “Writer Tricks” um die Methode des Clusters schon zu können.
Man kann die Workshops einzeln machen oder sich auch die Schreiblehrgänge wählen und wenn man eine Diplomarbeit geschrieben hat und beim “Frei schreiben” war, kann man auch Schreibtrainerin werden.
Nach den Workshops wurden die Infoblätter zu den Seminaren ausgeteilt und damit es nicht zu anstrengend wird und man nicht, wie ich am Abend, Kopfweh bekommt, gibt es auch die Retreats, wo man an schöne Orte schreiben fährt, oder sich beim “Urban Magic Mindwriting” in ein Donauschiff oder ins Sigmund Freud Museum setzt, um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.
Ja richtig, die Schreibenächte, die früher Irene Rauch, die jetzt ja nicht mehr dabei ist, machte, gibt es auch. Ein junger Mann erzählte begeistert vom letzten, in dem es übers Reisen ging, das er besuchte. Da hat die Trainerin kleine Schiffchen gebastelt, die noch zu sehen waren, man konnte sich eines aussuchen und damit auf Reisen gehen und fünf solcher Schreibnächte werden unter den Schnuppernden verlost, mal sehen, ob ich bei den Gerwinnern bin.
Taubenflug
In Zdenka Beckers 2009 bei Picus erschienenen Roman “Taubenflug”, der, wie im Klappentext steht “Geschichte einer Kindheit und Jugend in der Tschechoslowakei der fünfziger und sechziger Jahren werden viele Probleme angerissen und in einer Rahmenhandlung zusammengeführt. So beginnt es in der Gegenwart, die Ich-Erzählerin Silvia, genannt Columbina, trifft beim Bebräbnis einer Freundin ihrer Mutter, auf einem Bratislava Friedhof, ihren Jugendfreund Daniel wieder, den sie sechsunddreißig Jahre nicht gesehen hat.
An dem Tag wird nicht nur Tereza Polakova begraben, sondern auch die Urne ihres Sohnes Gregors beigesetzt und Silvia ist von Wien, wo sie als Taubenforscherin lebt, nach Bratislava gekommen und erinnert sich, an ihre Jugend, in einem slowakischen Dorf, das es nicht mehr gibt, weil es eingeschliffen wurde, um die Stadt Bratislava zu erweitern. Silvia ist dort bei ihrer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen, der Vater ist an den Asbestfolgen als Arbeiter einer Chemiefabrik gestorben, so daß die Mutter sich als Schneiderin ihr Leben verdiente und es gab einen Garten, der ihr gemeinsam mit Tereza Polakova gehörte, der Mutter Daniel und Gregors, die beide Silvias Jugendfreunde waren. Um diesen Garten zu bekommen, sollte Siliva Gregor heiraten, so wünschte es sich die Mutter. Silvia fühlte sich aber mehr Daniel hingezogen, der sich für Tauben interessierte und sie zu züchten begann. In dem Dorf gab es auch eine Kirche und einen jungen Pfarrer, Herrn Matus, der sich ebenfalls Tauben hielt, in Jeans und Zivilkleidung durch das Dorf ging und eine besondere Beziehung zu seinen Ministranten hatte. Besonders Gregor schien ihn oft zu besuchen, während sich Daniel mehr für die Tauben interessierte und als er einmal von Herrn Matus in seinem roten Skoda in die Stadt migenommen wurde, kommt er empört zurück, nennt den Pfarrer “Perversling” und spricht von einer unanständigen Berührung. Im Dorf wird ihm nicht geglaubt, der Pfarrer besticht ihn mit Tauben und Gregor freundet sich irgendwann mit Silvias Freundin Veronika an.
Das geht bis in das Jahr 1968, da sind Daniel und Silvia siebzehn und stehen vor der Matura. Daniel begleitet Herrn Matus nach Ungarn zu einem Taubenwettbewerb und kommt nach dem Einmarsch der Russen nicht mehr zurück. Silvia und Veronika flüchten nach der Matura nach Wien, Veronika kehrt aber nach Bratislava zurück, um Gregor zu heiraten, während Silvia Entologie studiert und ihre Diplomarbeit oder Dissertation über Tauben schreibt.
Nach dem Begräbnis ihrer Mutter, die ein paar Wochen vor Tereza Polakova an einem Schlaganfall stirbt, findet sie in ihrer Wohnung, ein Bündel Briefe, die ihr Daniel nach seiner Flucht geschrieben hat, er ist zuerst auch nach Österreich gegangen, dann nach Amerika und bittet Silvia immer wieder sich zu melden, die Mutter hat aber die Briefe unterschlagen, weil sie sich mit Tereza wegen diesem Garten zerstritten hat und ihrer Tochter ihre Jugendliebe nicht gönnen wollte.
Den Garten gibt es aber längst nicht mehr, wurden die beiden Frauen ja in eine Bratislava Plattensiedlung übersiedelt und Silvia reist Daniels Spuren nach ohne es zu wissen, ist sie ja etwas später, als er in Traiskirchen und hört, als sie Amerika bereist, auch von seinen Taubenzüchtungen.
Während sich in ihrer Heimat die samtene Revolution ereignet, sich die Slowakei von der Tschechei trennt und Gregor in die Politik einsteigt und eine große Zukunft vor sich hat. So wird an seinem fünfzigsten Geburtstag ein großes Fest in der Burg von Bratislava gefeiert, zu dem nur die Größen von Politik und Wirtschaft Zutritt haben und Silvia den ORF und die Seitenblicke dafür interessieren soll. Veronika hat für ihren Mann eine Ballonfahrt organisiert, die er aber nicht überlebt, weil er an Höhenangst leidet und außerdem ist auch einer von Pfarrers Matus Ministranten aufgetaucht, der diesen, offenbar war an den Gerüchten doch etwas daran, erschossen hat. Die Wohnungen der beiden Mütter, die sie vom Staat nach der Umsiedlung bekommen haben und die gar nicht so luxuriös geschildert werden, spielen auch eine Rolle. Nach der Wende kann man sie als Eigentumswohnungen kaufen und Veronika will sie für ihre Töchter haben, so soll Silvias Mutter eine bei sich anmelden, was die nicht will und Tereza will ihre Wohnung auch nicht an die Schwiegertochter weitergeben, weil sie sie für ihren verschwundenen Sohn aufbewahren will. Veronika, die als erfolgreiche Juristin geschildert wird, hat sich aber in den letzten Tagen ihres Lebens sehr, um Silvias Mutter gekümmert, so daß Silvia, als sie zu der Notarin geht, um die Verlassenschaft zu regeln, eine betrunkene und seltsam agierende Veronika vorfindet, die ihr ein nicht ganz gültiges Testament unter die Nase hält, das sie als Wohnungserbin ausweist. Silvia geht daraufhin in die Kirche und trifft dort Daniel wieder, mit dem sie zuerst zu dem Begräbnis geht und dann mit ihm nach Wien fährt.
Eine etwas widersprüchige Geschichte, in der sehr viele Themen, wie zum Beispiel, das des sexuellen Mißbrauchs durch die Kirche angrissen werden. Interessant für mich, dachte ich doch, daß die Religion bei den Tschechen und den Slowaken keine so große Rolle spielte. Die Erbschaftsstreitigkeiten sind für mich auch nicht ganz nachvollziebar, die Kindheit in der sozialistischen Gesellschaft scheint mir dagegen sehr realistisch und vor allem erfährt man sehr viel über Tauben und ihre Zucht in dem Buch. Das erscheint mir neben den historischen Ereignissen, der Flucht nach Österreich, den Aufstieg in den Neoliberalismus, etc, das Interessanteste daran zu sein, während die Rahmenhandlung mit den geifernden Freundinnen und ihren kleineren oder größeren Bosheiten, zu dick aufgetragen und etwas kitschig wirkt.
Einen Fehler habe ich auch gefunden. Wenn Silvia 1974 ihr Studium abschloß, wird sie wahrscheinlich Frau Doktor und nicht Magistra geworden sein.
“Dies ist ein Roman und die Figuren darin entsprechen der Fantasie”, steht auf der letzten Seite. Ein wichtiger Hinweis, weil man sonst Parallelen zu Zdenka Beckers Leben ziehen könnte, die 1951 in Eger geboren wurde, ihre Kindhheit in Bratislava verbrachte, dort studierte und als freiberufliche Übersetzerin und Autorin in St. Pölten lebt.
Ich kenne sie wahrscheinlich über die Litges oder die IG Autoren, sehe sie manchmal in St. Pölten und habe auch mit ihr einen Text in der ersten Österreich Antholgie, die Amrat Mehta auf Hindi herausgebracht hat. Sie hat damals den Kontakt mit dem Übersetzer aufgenommen, ihn nach St. Pölten und nach Wien gebracht, ist selbst in Indien gewesen, einige ihrer anderen Romane sind inzwischen auf Hindi erschienen. 2006 sind “Die Töchter der Roza Bukovska” bei Residenz erschienen. 2013 habe ich bei www.buecher.at gelesen, soll ein neuer Roman bei Deuticke herauskommen.
Blutiger Sand
Mit der Wiener Psychoanalytikerin, mit der ich Psychologie studiert habe, auf die Reise nach Amerika, um die Spielhöllen und die Einkaufsparadise in Las Vegas, die Wüsten, den Grand Canyon, die Nationalparks und die Indianerrevorvate aufzusuchen, ihr neuer bei Haymon erschienenes Buch, machts möglich und natürlich ist es ein Kriminalroman. Weil das die Leser gerne wollen, wie die Kriminächte mit den überfüllten Cafehäusern ja beweisen, die Autoren aber trotzdem einen einen Schreibdruck zu haben scheinen, so daß deren Erimittler immer schriller, immer schräger und abnormer werden, am Ende selber die Mörder sind, Psychopharmaka schlucken oder sich in Therapie begeben oder sie gehen auf Reisen, weil die Reiseliteratur ja auch ein interessierendes Thema ist, das Writersstudio bietet beispielsweise solche Lehrgänge an und meint dazu, Reiseberichte werden veröffentlicht, vielleicht ist das auch nicht mehr so einfach, also schickt man seinen Detektiv auf Reisen, Anica Matzka-Dojder hat ja bei der Perutz-Preis-Verleihung bekannt, selber nie ohne einen Krmi der Region zu verreisen, also war ich in den letzten Tagen mit Edith Kneifls neuen Krimi in Amerika, real bin ich das wahrscheinlich ohne einen solchen, 1989 das erste Mal gewesen und habe da ebenfalls Las Vegas und den Grand Canyon besucht, bzw am Rand der Wüste entlanggefahren, vielleicht war es jener Highway 66, auf die Idee einen Krimi darüber zu schreiben, bin ich nicht gekommen, was vielleicht ein Fehler war, aber jetzt zur Sache Schätzchen, schwafle nicht so viel herum.
Edith Kneifl, die ja auch eine Vielschreiberin zu sein scheint und in diesem Jahr schon den zweiten Krimi veröffentlichte, hat ja schon in “Schön tot”, die schöne Romni und Kellnerin Katharina Kafka in die Geschäfte des fünften Bezirks geschickt und damit die Gemüter mancher Leser erregt, die nicht soviel Margareten Werbung wollten, hatte ihren schwulen Freund Orlando, der in Kleidern der Kaiserin Sisi herummrannte, auf ihrer Seite, tut das jeder Homosexuelle automatisch oder war das nur die sogenannte Erhöhung, um die Leser an das Buch zu locken? Dieses Buch habe ich nicht gelesen. Dafür aber “Stadt der Schmerzen” und da fahren Katharina Kafka (auch ein sprechender Name, der hier nicht angeprangert wird) und Orlando nach Florenz zu einer Familienfeier und die schöne Kellnerin, die eigentlich Historikerin ist, scheint ein Trauma zu haben, wurden doch ihre Eltern vor zwanzig Jahren auf der Route 66 ermoret.
Und so beginnt es auch im Oktober 1992 in Texas, Amarillo. Max Kafka, Drucker bei der Arbeiterzeitung, die leider eingestellt wurde, fährt mit seiner Abfertigung und seiner Frau Rita nach Amerika, sie machen Halt auf einem einsamen Selbstbedienungscampingplatz und werden brutalst niedergemetzelt.
Dann geht es in die Gegenwart und auf den Pariser Flughafen, denn da checken Katharina und Orlando ein, hat doch ein Detektiv Katharina angerufen und ihr mitgeteilt, einer der beiden Täter wurde festgenommen. So geht es nach Las Vegas, Orlando, jetzt nicht mehr im Sisi-Kostüm, sondern in Kleidern, die auch Romy Schneider tragen hätte können, die er jetzt verehrt, ist von der Stadt begeistert, geht schoppen, bzw. in die Automatenhallen und wir erfahren zuerst einmal iel von der Architektur der Stadt etc.
Am nächsten Tag geht es in das Büro von Detektiv Simon Hunter, auch ein sprechender Name und ein Angehöriger der indianischen Ureinwohner, der von zwei Tätern spricht, die die letzten zwanzig Jahre in ihrer Lust am Töten, die amerikanischen Autobahnen unsicher machten, einer ist gefasst worden, ein anderer “The snake”, genannt, läuft noch frei herum. Kafka ist begeistert und will sich gleich alle Tatorte ansehen, so mieten sie am nächsten Tag ein klapprigen Auto und ab gehts in die Wüste zu einer Tankstelle, wo auch schon mal gemordet wurde. Nur leider geht das Auto vorher ein, so stehen Kafka und der schöne Transvestit im kurzen Röckchen auf der Autobahn und halten die Laster an, ein sehr gefährliches Unternehmen, könnte man meinen, der Jamie, der sie mitnimmt, bringt sie aber zum nächsten Gebrauchswarenhandel, das ist just die Tankstelle, wo 1995 der Tankwart ermordet wurde. Orlando und Kafka lernen den Tankwart Tom und seine indianische Frau Claire kennen. Am nächsten Tag holt Simon Hunter die Beiden ab und bringt sie nach Las Vegas zurück von dort geht es mit einem anderen Mietwagen weiter auf die Schauplätze der Verbrechen Tour. Sie werden aber, Hunter, der mit Kafka ein Liebesverhältnis beginnt, hat sich ihnen angeschlossen, von der Wirklichkeit eingeholt und neue Verbrechen passieren. So werden zwei ältere Holländerinnen auf der Indianer Show, die sie besuchen, ermordet und einen seltsamen Mann und Schlangenkenner namens Mike Logan haben sie auch noch kennengelernt, ist er “The Snake?”. Orlando, eifersüchtig und mißtrauisch, vermutet es, ich werde, weil man ja bei Krimis nicht so offen sein soll, das Geheimnis nicht verraten, nur so viel, es geht alles gut aus. Der Mörder wird entlarvt, obwohl es Kafka vorher beinahe an den Kragen ging und sie gefesselt in einem Auto lag und zu Edith Kneifls neuem Krimi bzw. Reisebericht kann ich sagen, daß sie sehr spannend war und ich die Art und Weise der Beschreibung durchaus origineller, als ihre vorigen Bücher empfunden habe. Man lernt auch viel über die Geschichte und die Armut der Indianer und ich könnte mir vorstellen, daß es spannend ist, das Buch auf eine Reise nach Las Vegas oder auf die Route 66 mitzunehmen, obwohl man sich dann wahrscheinlich nicht auf die einsamen Selbstbeideinungscampingplätze trauen wird.
Von der Kriminacht
Bei der Kriminacht, dieser Großveranstaltung, die besser Krimiabend heißen sollte, da es an einem Abend mehr oder minder gleichzeitig an die fünfzig Veranstaltungen, die zwischen halb sechs und neun beginnen gibt, hat man die Qual der Wahl und kann sich etwas aussuchen, da Hoppeln von Veranstaltung zu Veranstaltung schwer möglich ist.
Daß der Stargast Jussi Adler Olsen war, der in einem ausreservierten Gartenbaukino las, war im Morgenjournal zu hören, dann gabs natürlich das Who is Who der österreichischen Kriminalliteratur Stefan Slupetzky, Thomas Raab, Eva Rossmann u.v.m. steht auf dem kleinen schwarzen Folder mit den entsetzten Köpfen eines Kellners und einer Kellnerin, denen die Tassen bzw. die Gläser aus der Hand fallen.
“Im Wiener Kaffeehaus” steht noch dabei, was so nicht stimmt, weil es auch Büchereien und Buchhandlungen etc Veranstaltungen anbieten.
Vierundfünzig Veranstaltungen an einem Abend sind aber eine Leistungen des Veranstalters oder auch ein Wagnis, aber die, bei denen ich bisher war, waren meist sehr überfüllt.
Einmal bei Thalia in der Landstraße mit der Eva Rossmann, wo es Schwierigkeiten mit dem Reservieren gab und ich dann solange vor den leeren Sesseln stand, bis klar war, daß die erwarteten VIPs nicht kamen, auch nicht lustig, beim Thomas Raab war das Radiokulturcafe überfüllt und ich bin dicht bei der Tür gestanden, der Autor hat aus seinem ersten “Metzger” gelesen und gefragt, wer kein Handy hätte, dann war ich beim Georg Haderer 2009 in der Buchhandlung Morawa und voriges Jahr bei der Eva Rossmann im Cafe Museum, wo man lange draußen in einer Schlange stand, als ich endlich bei der Tür war, hat sie mir der Security vor der Nase zugemacht, wieder nicht sehr lustig, für die Veranstalter aber sicher ein Erfolg, daß sie an einem Abend so viel Publikum interessieren können.
Ich schreibe es ja immer wieder, ich lese Krimis ganz gerne, obwohl ich keine schreiben kann und zu der Veranstaltung gehe ich hauptsächlich wegen dem Literaturgeflüster, weil ich ja nicht gerne konsumiere, nicht gerne in Schlangen stehe und es auch verwirrend ist, wo man jetzt reservieren muß, wo nicht, wo man überhaupt eine extra Einladung braucht und man sowieso nicht alles mitbekommt, was die Marathonbesucherin natürlich schmerzt.
Bei vierundfünfzig Veranstaltungen findet sich aber schon etwas und so strich ich mir die Wien Bibliothek, die Hauptbüchererei und die Buchhandlung Morawa an, weil da ein Herbert Dutzler aus einem Altausseer Krimi gelesen hat und da ja Anni Bürkl Ausseer Krimis, die heuer, glaube ich, nicht gelesen hat, hat, die ich auf ihrer Website mitverfolge und sich Alfred Komarek, wenn auch nicht in seinen Krimis, mit dieser Region beschäftigt und Barbara Frischmuth, das höchst literarisch gleichfalls tut, war mein Interesse geweckt.
Die Hauptbücherei hat eine englischsprachige Lesung angeboten. In der Wien-Bibliothek war die mir unbekannte Bettina Raddatz angekündigt, da habe ich aber am Nachmittag gelesen, daß da Edith Kneifl ihren neuen Krimi vorstellt und da ich den gerade ausgelesen habe, wäre das nicht sehr effizient gewesen.
Die Buchhandlung Morawa passte aber und da ich nicht genau wußte, wie groß der Andrang war, bin ich schon vor sieben dort gewesen, kann man sich in einer Buchhandlung ja immer Bücher anschauen, so daß es bestimmt nicht langweilig wird. Ich war auch ziemlich die Erste, wurden ja gerade erst die Bücherstapel weg und die Sesselreihen aufgebaut, dann kamen schon die Interessenten und es wurde sehr schnell voll.
Faszinierend eigentlich, wie gut das funktioniert, das hat auch der 1958 geborene Lehrer Herbert Dutzler festgestellt, der seinen zweiten bei Haymon erschienenen Krimi “Letzter Gipfel” vorstellte. Der erste hat “Letzter Kirtag” geheißen und die junge Lektorin, die den Autor vorstellte, hat etwas von liebevoll geschilderten Figuren und wenig Action in der Einleitung erwähnt. Der Autor hat dann seinen Krimi selbst kommentiert, in dem es, um einen etwas patscherten Polizisten und, um zwei vom Loser gefallene Frauen geht. Eine hatte nur mehr einen Schädel, denn nach einem Jahr haben die Vögel alles aufgefressen, erklärte der Autor launig und das, was er las, war auch viel alltäglicher, als beispielsweise die Mayor Schäfer Krimis. Ob es eine Chefinspektorin, hier Frau Doktor genannt, mit Schlangen und mit Spinnenphobie, die trotzdem energisch den Berg zum Tatort hinaufschreitet und nicht mit dem Hubschrauber fliegt, gibt, weiß ich nicht, der Polizist leidet jedenfalls unter Höhenangst und hat die vorher hineingeschaufelten Käsespätzle beim Anblick des Totenkopfes wieder herausgebrochen. Dann wird der Gatte der Toten verdächtigt, weil er statt die Leiche zu identifizieren in das Auto der Frau Doktor rast, die schießt auf ihn und läßt ihn Handschellen anlegen und am Schluß geht es noch in eine Schule, wo die Zeichenlehrerin, den Polizisten anschnauzt, sie hätte keine Zeit aus dem Fenster zu schauen, weil sich ihre Kevins etc sonst die Mafarben ins Gesicht schmieren würden.
Alles sehr lustig, alltagsskurril sozusagen, die Aufzeichnungen der menschlichen Schwächen, die Leute haben sich, glaube ich, gut unterhalten, von der Handlung war nicht viel mitzubekommen, aber das war wahrscheinlich auch Sinn der Sache, wo neben Kugelschreibern, Zuckerln, Feuerzeugen und Kugelschreibern große Bücherstapel aufgereiht waren, die der Autor gerne signierte, aber ich habe jetzt ohnehin einige Haymon Krimis gelesen und dank des offenen Bücherschranks auch noch einige ältere von der Donna Leon und andere Gustostückerl auf mich warten. Der Herr von der Buchhandlung gab noch Hinweise, wo man noch hingehen hätte könnte, das Cafe Hawelka mit Franz Zeller, der um einundzwanzig Uhr begonnen hat, wäre dabei gewesen, die Oper hat aber, glaube ich, auch ihre neue Saison eröffnet und auf jeden Fall die “Sizilanische Vesper” übertragen, so daß ich da noch ein bißchen sitzengeblieben bin und vorige Woche war ich ja bei der Leo Perutz Preisverleihung, die man als diesbezügliche Insiderveranstaltung bezeichnen könnte und die dort auf der Shortlist standen, haben auch alle gelesen, Manfred Rebhandl beim Thalia in der Mariahilferstraße beispielsweise, wo ich auch hingehen hätte können, Arne Dahl, den schwedischen Bestsellerautor habe ich jetzt fast vergessen, im ausreservierten Cafe Schwarzenberg und mit einem vermeintlichen Schwedenkrimi habe ich mich ja noch im Sommerloch beschäftigt.
Saisoneröffnung mit Barbara Frischmuth
Jetzt ists also soweit, die Alte Schmiede ist in die achtunddreißigste Saison gegangen (ich erinnere mich noch an die Zeiten, als ich als Studentin im Durchgangskabinett in der Wattgasse im Bett lag und mein Vater kam mit dem Kurier oder Arbeiterzeitung herein und erzählte mir, da gibt es jetzt ein literarisches Quartier) und hat als auserwählte Neuerscheinung Barbara Frischmuth eingeladen, ihren bei Aufbau erschienenen neuen Roman “Woher wir kommen” zu präsentieren.
Das waren noch Zeiten, als ihre Romane beim Jung und Jung Residenz erschienen sind und an Barbara Frischmuth erinnere ich mich natürlich auch.
Habe ich ja in der Wattgasse und später in der Otto Bauer Gasse Psychologie studiert und geschrieben und von den schönen alten Redisdenzausgaben mit den so charakteristischen Titelbildern habe ich mir auch einige gekauft und sie begierig gelesen, um herauszufinden, wie Barbara Frischmuth es macht, deren Stil mir immer sehr sympathisch war.
Nicht ganz die ersten Romane habe ich gelesen, einen Teil der Sternwieser Trilogie habe ich mir, kann ich mich erinnern, am Tage meiner Promotion gekauft, da war ich noch rebellisch genug, alleine hinzugehen, um meinem Vater eines auszuwischen, der sich nicht wichtig mit mir machen sollte, danach in die Buchhandlung auf der Ringstraße der Uni visavis, die heute ein Sub-Restaurant ist oder war und dann in das “Hausboot” essen, das später ein Mc Donald wurde und jetzt ein Asia Noodle Shop ist und am Abend mit dem Buch und der Rolle ins Burgtheater.
Zu einem meiner Geburtstage habe ich mir die Taschenbuchausgabe der “Klosterschule” gekauft und Balasz Nemeth hat Barbara Frischmuth zu einer Lesung in die Zwingli Kirche eingeladen, zur “Sophie Silber” vielleicht, da hat sie ein Herr aufgefordert, fleißig zu sein und sie hat geantwortet ” das nächstes Buch der Trilogie ist schon fertig!”
Fleißig ist ein Wort, das zu Barbara Frischmuth passt, ist doch bei Residenz fast jedes Jahr ein Roman erschienen und in der sozialistischen Wochenzeitung “Frau”, die meine Mutter regelmäßig las, Artikel von ihr, wie schwer man es als Autorin hat, denn man kann sehr leicht vergessen werden. Das ist ihr zwar nicht passiert, wohl hat sie aber ihren Verlag verloren, über ihren Garten in Altaussee geschrieben und ein paar Romane in denen das Verhältnis zwischen Orient und Okzident eine Rolle spielt und ist zu Aufbau gegangen und als es mir in meinem Akademikertraining, das war 1980, im schulpsychologischen Dienst sehr schlecht ging, weil ich damals noch sehr schüchtern war, habe ich mir, bei in der Buchhandlung “Herzog”, die es auch nicht mehr gibt, glaube ich, “Das Verschwinden des Schatten in der Sonne” gekauft, das ich mir neun Jahre später nach Amerika mitgenommen und gelesen habe.
Man sieht, ich fühle mich Barbara Frischmuth sehr verbunden.
“Die Frau im Mond”, “Hexenherz”, “Einander Kind”, etc, habe ich gelesen, bzw. die Sprache in dem Versuch studiert, auch so gut zu werden, es ist wahrscheinlich nicht gelungen und als Barbara Frischmuth wegen der Salman Rushdie Geschichte aus der GAV ausgetreten ist, habe ich ihr einen empörten Brief geschrieben, den sie auch beantwortet hat.
An eine Lesung in der Alten Schmiede, war es jetzt “Der Sommer in dem Anna verschwunden war” oder “Vergiß Ägypten?”, wahrscheinlich auch zur Saisoneröffnung, erinnere ich mich, diese Romane habe ich nicht gelesen, weil ich ja später ein bißchen geizig wurde und mir keine so teuren Bücher mehr kaufte, wie ich es als Studentin noch tat.
So habe ich aber die schönen alten Residenzausgaben in Harland stehen und als die Anna sehr klein war, sind wir ein Wochenende nach Altaussee gefahren und haben Barbara Frischmuth prompt in dem Gasthof, wo wir wohnten, getroffen. Auch an die halbversäumte Lesung im Museum in St. Pölten, erinnere ich mich, weil ich im Regen mit dem Rad nach Harland, wie verabredet gefahren bin und sich der Alfred einbildete, ich hätte ihn angerufen und gesagt, ich würde in St. Pölten bleiben und jetzt also der neue Roman zur Saisoneröffnung, den ich schon in einigen Buchhandlungen liegen gesehen habe.
Ich bin natürlich frühzeitig in die Alte Schmiede gegangen und habe auch gleich einen Platz in der zweiten Reihe bekommen und über die Prominenz gestaunt, die erschienen ist.
Elfriede Czurda, Julian Schutting, ja sogar die Frau Mayröcker ist mit der Christel Fallenstein gekommen, man sieht die Alte Schmiede ist ein Geheimtip und es gibt noch Lesungen, wo die Schriftsteller zu den Lesungen der anderen Schriftsteller zusammentreffen.
Kurt Neumann hielt wieder einen fulminanten Vortrag über die Schreibweise und das Konzept des Romans, der drei Frauen, drei Jahre und drei Städte verbindet, das erschien mir ein bißchen bekannt, habe ich mich in der letzten Zeit ja auch sehr oft mit Müttern, Großmüttern und Enkeltöchtern beschäftigt und da kann ich gleich einwerfen, die “Wiedergeborene” ist fertig korrigiert und kann an die Druckerei gehen. Bei Barbara Frischmuth ist es eine Mutter, eine Tochter und eine Großtante, es spielt in Alt Aussee, Istanbul und Wien und die Jahre sind 1944, 1989 und 2009. Man sieht, so schlecht bin ich gar nicht unterwegs, obwohl ich an die Sprachgewalt natürlich nicht herankomme, das ist schon klar.
Einen Dialogroman hat es Kurt Neumann, glaube ich, genannt und vom Erzählen über das Erzählen gesprochen, da sich die Protagonisten die Geschichte gegenseitig erzählen und es auch ein paar Klatschweiber gibt, die das übrige tun.
Barbara Frischmuth hat dann einige der Stellen gelesen, die, wo die Tochter ihren Schulfreund in dem Hotel der Mutter trifft und einem seiner drei Kinder eine Eistüte holt und das sich dann mit dem Apfeleis beschmiert, so etwas Ähnliches habe ich auch gerade in Arbeit und habe wieder gedacht, so ganz schlecht bin ich nicht und kann auch einwerfen, daß ich bei der Poet Night am Samstag wahrscheinlich eine Szene “Aus Kerstins Achterl” lesen werde und zwar die, wo die Kerstin bei der Hochzeit von Traudl Obefwallner fotografiert. Es gibt aber auch die, wo der kleine Hektor die Susa Dworak zu einem dreitausend Kalorien Eisbecher zwingt und ihr dabei einen Vortrag über Anorexie hält.
Barabara Frischmuth hat aber weitergelesen, wie Martha, die Mutter, die Istanbul gelebt hat und ihre zwei Kinder dort geboren hat, ihre Freundin Lale besucht und im Lift stecken bleibt. Verschwundene Männer gibt es bei ihr auch. Die letzte Szene handelte von der Tante Lilofee, die 1944 ein Kind von einem Kriegsgefangenen bekommen oder es verloren hat.
Diskussion gab es nicht, denn da hatten sich schon die Autogrammjäger mit ihren Büchern angestellt und als ich, weil ich mir das Buch nicht kaufte, nach oben ging, kamen die mit den Büchern hinunter, die sich die Übertragung oben angeschaut haben. Elfriede Haslehner und Anita C. Schaub habe ich getroffen und bin sehr beschwingt nach Hause gegangen, wo ich noch anfügen kann, daß ich am Freitag und am Sonntag “Kerstins Achterl” laut lesend korrigiert habe und dabei fast auf jeder Seite einen Fehler fand, aber auch die drei schönen Szenen, die mit dem Hektor im KHM zähle ich auch noch dazu, neben den drei, wo ich meinen Frust von der Jungautorenliteraturgala herunter schreibe, jetzt bin ich gespannt, wann ich damit fertig werde, eine Idee, wer mir den Text schreiben könnte, ist mir auch schon gekommen und zu meinem Geburtstagsfest, daß es genau am 9. 11. geben wird, werde ich daraus lesen.
Der Granatapfelbaum
Zu Yasar Kemals “Der Granatapfelbaum”, der 2002 im Unionsverlag erschienenen Erzählung des 1923 geborenenen türkischen Schriftstellers, gibt es eine besondere Geschichte, habe ich doch das Buch aus einem der Büchertürmen der Literatur im März bekommen, auf mein Regal gestellt und als 2008 die Türkei Gastland in Frankfurt war und ich die Messe erstmals online mitverfolgte, habe ich es herausgestellt um es zu lesen. Die Buchmesse war aber bald aus und es gab soviel anderes zu lesen den Tellkamp, die Travnicek, die Bronsky, den Rammstedt u.u.u., so daß das kleine Bändchen wieder verschwunden ist, bis ich es voriges Jahr wieder herauszog, denn da habe ich ja “Die Frau auf der Bank” geschrieben und das geht es ja um eine Austrotürkin und weil ich eine brave Rechercherin bin, ein bißchen türkische Literatur gesucht, aber ob der 1923 geborene Kemal, dafür die richtige Lektüre ist? Ich weiß nicht, habe ich gedacht, die Seher Cakir Geschichten gelesen und das Buch sogar nach Polen mitgenommen, dann hätte es aber auf die Hundert Bücher Liste nicht gepasst, so ist es in die “Frau auf der Bank” zwar hineingekommen, denn da findet es die Selma im offenen Bücherschrank und schenkt es der Sevim, ich habe es aber noch immer nicht gelesen, aber auf die Leseliste von 2012 gesetzt und jetzt voila und es ist auch eine interessante Geschichte, ein Märchen, eine Parabel, ich weiß nicht recht, offenbar 1982 geschrieben, von da stammt jedenfalls das Copyright, die Handlung scheint aber nach dem Krieg zu spielen, jedenfalls steht im Klappentext etwas vom Marschallplan und der hat die Cukurova-Ebene mit riesigen Mengen von landwirtschaftlichen Maschinen, Traktoren, Mähdreschern etc überschwemmt, so daß die Bauern dort nicht mehr auf die Arbeit der Bergbewohner angewiesen sind und Memeds Frau zu Beginn der Erzählung “regungslos im endlosen Ödland” steht und sich die Haare rauft. Die Felder geben nichts her “Wir sterben, wir sterben dieses Jahr!”, stöhnt sie auf und ihr optimistischer Ehemann verspricht ihr, in die Cukurova zu wandern und sich dort zu verdingen, das hat er schon früher so gemacht, da war die große Schwester ganz begeistert von ihm und er hatte auch einen Lieblingsochsen, so zieht er also los, mit Yusuf, Ali den Barden, Hösük, der kleine Memet, der für Waffen schwärmt und sich nicht betrügen lassen will, kommt ihnen nachgelaufen. So ziehen sie los in das gelobte Land, wie viele andere Wanderarbeiter, aber als sie ankommen, erkennt sie die große Schwester nicht mehr, der Ochse ist auch umgekommen, sie ziehen weiter und verhungern fast dabei. Aber Memet will nicht aufgeben, obwohl Yusuf vom Sumpffieber gebeutelt wird und sie ihn tragen müßen. Nur noch in das eine Dorf mit den blühenden Bäumen, da muß es doch Arbeit geben. Dort werden sie auch bewirtet und aufgenommen und eine freundliche Frau erzählt ihnen vom Granatapfelbaum, den sie suchen müßen, der der wird Yusuf Heilung bringen, so ziehen sie weiter, kommen dabei auf ein Melonenfeld, wo der Feldwächter auch sehr freundlich zu ihnen ist, am Schluß finden sie nur noch die Wurzel des Baumes und der kleine Memet, der immer von den Ochsen mit den geschwungenen Hörnern schwärmt, die er sich für sein verdientes Geld kaufen wird, ist mit Hösüks Handschar auch noch davon gezogen.
Eine Parabel, die in schönen Worten viel vom Elend der kleinen Leute in den Bergen und den Dörfern erzählt, ihren Träumen, ihren Phantsien und ihrem Glauben, ihren guten und schlechten Seiten und auch davon, wie das Leben in der Cukurova und anderswo ist.
Yasar Kemal wird der “Sänger und Chronist seines Landes” bezeichnet, steht weiter im Klappentext. 1997 hat er den Friedenspreis des deutschen Buchhandels bekommen.
Die letzte Welt
Christoph Ransmayr beschreibt in seiner 1988 erschienen “Letzten Welt”, könnte man sagen, Ovids “Metamorphosen” neu oder versetzt sie in die schwarz weiß Szenerie der italienischen Filme der Fünfzigerjahre, denn in dem Tomi, in das der Römer Cotta kommt, um nach dem aus Rom verbannten Dichter Naso zu suchen, er torkelt dabei aus dem Schiff, das ihn hinbringt, bleibt dann in der eisernen Stadt bewegungslos liegen, bevor er sich in das von dem Seiler Lyacon gemietete Zimmer zurückzieht, gibt es Busse, einen Krämer mit Konservendosen, einen Brandtweinladen, Glühbirnen und jedes Jahr im August erscheint auch ein Filmvorführer, der im oder vor dem Schlachthaus, einen anderen Ort für Filmvorführungen gibt es in der verfallenen Stadt nicht, die Tragödien der Weltgeschichte vorführt und in dieser Stadt am schwarzen Meer, in die der Dichter, der “Metamorphosen”, verbannt wurde, tauchen auch die Figuren, auf die dort vorkommen. Der Schlachter, der Totengräber, die Seherin und natürlich auch Pytagoras, der Grieche, bei Ransmayer, Nasos Knecht, den er in Nasos Haus auch findet und ihn zuerst für den Verbannten hält, aber der ist auch aus der eisernen Stadt verschwundenen und nach und nach kommt man in die Geschichte, in den Roman hinein, mit dem Ransmayer berühmt geworden ist und der, glaube ich, nicht nur durch seine sehr genaue bildreiche Sprache, sondern auch durch die Art, wie er die FIction mit der Historie zu verweben weiß, besticht.
Von dem 1954 in Wels Geborenen, habe ich wahrscheinlich in den späten Achtzigerjahren etwas gehört, als ich in dier Gumpendorferstraße gesessen bin und mich an der Martha, “Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt” und an den “Hierarchien” versuchte, habe von den Ruhm des fast Gleichaltrigen gehört und das, was ich als Textproben mitbekommen habe, für eher langweilig gehalten, so daß ich das Buch, das ich schon vor längerer Zeit im offenen Bücherschrank gefunden habe, zwar ins Badezimmer zum Lesen legte, als ich meine “Hundert Bücher Liste” machte, es wieder zurücklegte und dann doch auf die von 2012 setzte. Inzwischen habe ich nicht nur im Radio Textproben aus der “Letzten Welt” gehört, sondern auch den Dichter mehrmals lesen gehört, habe nun mit der “Letzten Welt” begonnen und bin, was mir ja nicht sehr oft passiert, von dem Buch und der Art, wie hier Geschichte neu geschrieben wird, fasziniert. Ich kenne mich ja in den römischen und griechischen Mythologien nicht sehr aus, sie interessieren mich auch nicht besonders, da ich eher eine Sozialkritische bin, die die Welt und ihr Elend im Hier und jetzt begreifen will. Trotzdem kommt man, wenn man sich gleichzeitig auch für Literatur interessiert nicht darum herum, hat ja auch einmal Marie Therese Kerschbaumer in der Alten Schmiede von Naso Publius Ovidius sehr geschwärmt. Also vor ein paar Tagen pflichtbewußt zu lesen begonnen und dann in den Sog hineingezogen worden, obwohl es anfänglich ein wenig mühsam war, sich in der Geschichte auszukennen. Ransmayer, der das Buch mit einem Elias Canetti Stipendium geschrieben hat, erleichtert es aber dem Leser durch einen Anhang, in dem er die Gestalten der “Letzten”, denen der “Alten Welt” gegenüberstellt und so komme ich nicht umhin, seine Neudeutung phaszinierend zufinden, obwohl er in den fünfzehn Kapiteln nicht sehr viel erzählt und dann doch wieder und das vor allem, ich wiederhole es, in einer sehr genauen Sprache und da werden 1988 ganz erstaunlicherweise auch die Schlepper beschrieben, die den armen Gestalten in Rom die Schönheiten Odessas beschreiben, ihnen ihr letztes Geld abnehmen, um sie ins Zwischendeck zu zerren und sie in die Elendsstädte zu schiffen, wo sie dann in die Wälder flüchten und verslumen.
War man 1988 schon so hellsichtig, ich, die Realistin wahrscheinlich nicht, Ransmayer hat beschrieben, was bei Linda Stift beim Bachmannlesen angeprangert wurde und wenn der Sohn der Krämerin versteinerte, nachdem sich der Epileptiker so in ihr Episkop verliebte, daß er sich weigerte, den Vorführraum zu verlassen, so daß ihm die Mutter sogar das Essen in die Stube bringt, habe ich an die Schulverweigerer und an Milena Michikos Flasars Roman gedacht, der jetzt auf mehreren Listen steht.
Aber Ransmayer wollte uns vielleicht nur die “Metamorphosen” näher bringen und davon erzählen, daß der Dichter Naso von Kaiser Augustus ans schwarze Meer verbannt wurde. Der Römer Cotta geht ihn suchen, trifft dort seine Figuren wieder, so zum Beispiel die schöne Echo, die Magd des Seilers, die sich auch als Dorfhure verdingt, sie hat einen Hautausschlag, sonst ist sie sehr schön und sie erzählt ihre Geschichte, in dem sie die Worte der anderen wiederholt. Naso, der seine Werke, bevor er in die Verbannung ging, in Rom verbrannte, hat sie ihr aus dem Feuer wiedererzählt und auch eine Verwandlung der Menschen in Steine angekündigt. So beginnt Cotta das Buch der Steine zu schreiben, Echo verschwindet aber, wie auch der Seiler, den Cotta schon einmal in einem Wolfskostüm trifft. Cotta, der fürchtet verrückt zu werden folgt Nasos Spuren bis Trachila. Dort erscheinen ihm auch Naso und Pytagoras als Visonen und einen Wolfskadaver findet er auch. Er kehrt in die Stadt zurück und bringt Nasos Worte, die Pytagoras aufgeschrieben hat, mit, um sie im Seilerhaus, das ihm jetzt allein gehört, aufzuhängen. Die Krämerin erzählt ihm manche Geschichte, der Asylanten, die sich in Tomi niedergelassen haben, die des Totengräber und des Schlachters beispielsweise, der hat die Schwester seiner Frau verstümmelt und als die aus Rache den gemeinsamen Sohn tötet, will er das auch bei den beiden Frauen versuchen, aber die verwandeln sich in Vögeln und fliegen aus dem Haus.
Eine perfektere Vermengung der Fiction mit der Geschichte habe ich noch nicht gefunden. Die Buch wirkt sehr lebendig und trotz dem Fünfzigerjahrecharms, in die Ransmyer, die römischen Ruinen versetzt, erstaunlich modern, wie ich schon an den obigen Beispielen zu beschreiben versucht habe.
Bei Wikipedia kann man etwas finden, daß die Rumänen ihren Diktator in Augustus oder Nero wiederfanden, worüber sich Ransmayer gefreut haben soll und, daß Hans Magnus Enzensberger das Buch buschte und ein Hinweis, der für Interessierte vielleicht zu spät kommt, beim gestrigen Augustin Bücherflohmarkt in der Reinprechtsdorferstraße gab es die Hardcover Ausgabe, ich habe ein Fischer TB gelesen.











