Bei den 2004 von Alfred Komarek geschriebenen “Die Villen der Frau Hürsch”, einen ein Euro Kauf aus der Wilhelmsburger Flohmarktkiste, hätte ich gedacht, daß es um die Arisierung der Villen des Ausseerlands gehen könnte, habe ich mich in dieser Zeit in meiner Globalisierungssovelle ja mit etwas Ähnlichen beschäftigt. Eva Rossmann hat das Thema in “Freudschen Versprechen” aufgearbeitet und ich habe die Besprechungen des hochgelobten Buches auch so verstanden.
Weit gefehlt könnte man sagen, der erste Käfer-Roman, der nach der beliebten Polt-Serie, des, glaube ich, ehemaligen Kurier-Journalisten entstanden ist, scheint etwas anderes zu behandeln.
Das was ist gar nicht so einfach zu eruieren, denn es fängt sehr langsam und bedächtig in dem bekannten lockeren Komarekschen Plauderton an.
Daniel Käfer, ein etwa vierzigjähriger Chefredakteur einer Zeitschrift namens IQ wird von seinem Chef wegrationalisiert, bzw. nimmt er die Umstrukturierung des Verlags als Chance, sich neu zu orientieren und fährt mit seinem alten Auto in das Ausseerland, weil er da als Kind mit seinen Eltern und seinem älteren Bruder immer Urlaub machte.
Ein Medaillon seiner Großmutter, das ihm irgendwie in die Hände fällt, nimmt er mit und seine Freundin Sabine, eine Münchner Fotografin, zu der er eine etwas seltsame Beziehung zu haben scheint, besucht er auch. Dann fährt er los, frischt dabei Erinnerungen auf und fragt im Gasthaus Ech nach einem Quartier, die alte Großmutter dort, beginnt Gespenster zu sehen, als sie seinen Namen hört, kocht ihm aber hausgemachte Blutwurst mit gerösteten Erdäpfeln und der Wirt vermittelt ihn ein Zimmer bei der Schlömmer Mierz. Die bewirtet ihn mit Schnaps, daß ihm noch am Morgen, als er zum Wirten frühstücken geht, der Kopf brummt. Das Frühstück serviert ihm Anna, die zwanzigjährige Tochter des Wirtes, mit dem jüngeren Sohn zieht Käfer durch die Gegend. Von einem Stein in dem M. Käfer eingraviert ist, wird erzählt und als sie die Schule, in der Daniel Käfers Bruder ging, besuchen, treffen sie auf die Villen der Frau Hürsch, die Schule war in einer solchen und auf einen seltsamen Tennisspieler namens Eustach Schiller, das ist ein Name, der bei Adalbert Stifter vorkommt, der Daniel viel von der Gegend erzählt.
Nach und nach stellt sich heraus, daß Mizzi Käfer eine Dienstbotin, die 1933, in Wasser ging oder sonstwie verschwand, die Käfersche Großtante war. Der Bruder, der ein Grazer Anwalt ist und Daniels Abfertigungsansprüche durchfechten will, findet das heraus und bei einem neuerlichen Besuch in einer der Villen gibt ihm Wanda Hürsch einen Koffer der Mizzi, in dem ist ein altes Dirndl, das er Anna schenkt, Käfer hat sich auch gleich eine Tracht gekauft und eine Lederhose anmessen lassen und in der Tasche war das Dienstbotenbuch, das man damals haben mußte. Da fehlen ein paar Seiten und so forscht Daniel weiter, geht zu dem lokalen Zeitungsredakteur, trifft Eustach Schiller stockbesoffen an und als er mit dem kleinen Peter in einer anderen Villa recherchieren will, gerät der in eine Fuchsfalle.
Am Ende weiß man nicht recht, hat die alte Dienstbotin etwas geerbt und wurde sie um ihr Erbe betrogen oder hat sie sich das nur ausgedacht, ist sie ja die Urgroßtante eines Journalisten. Daniel, der ein bißchen mit der viel jüngeren Anna liebäugelte, findet aber zu seiner Sabine zurück und die hat auch gleich eine Verwendung für den alten Koffer.
Ich weiß nicht, ob ich ein bißchen enttäuscht zurückgeblieben bin, auf jeden Fall habe ich mir gedacht, daß ich mich eine solchen Handlung nicht schreiben trauen würde, würde ich da ja sofort Stimmen hören, die “Das ist viel zu wenig erhöht!”, schreien. Aber mein Verdacht hat sich bestätigt, wenn man nur bekannt genug ist, kann man auch mit einem lockeren Plauderton und einer vielleicht ein wenig fadenscheinigen Handlung bei Haymon erscheinen.
Manches ist mir vielleicht sogar ein bißchen zu seicht, so der typische Komareksche Plauderton, in dem die Protagonisten miteinander scherzen.
“Anna, jetzt ist mir klar wie es weitergeht.”
“Magst nicht lieber doch einen Tee.”
“Nein, endlich habe ich mich an den Kaffee vom Ech gewohnt und jetzt bleibe ich dabei.”
“Selber schuld. Und wie gehts weiter?”, beispielsweise.
Anderseits erfährt man wieder viel über das Ausseerland und könnte das Buch so, als einen diesbezüglichen Führer in die Sommerfrische mitnehmen. Leicht zu lesen ist es wahrscheinlich auch, obwohl ich mir gar nicht so leicht getan habe, in die Handlung hineinzukommen, weil es am Anfang von Nebensächlichkeit zu Nebensächlichkeit geht und man schon bei Seite hundert ist, ohne recht zu wissen, wie das nun mit den Villen der Frau Hürsch ist?
Daß Alfred Komarek aber ein charmanter Autor ist, der viel von seinem Sujet versteht, ist zu merken und da habe ich ja neulich einen Semmering-Führer von ihm gelesen, wo man viel über den Semmering, ohne eine vieleicht zu dünnflüßige Handlung erfahren kann.
Alfred Komarek wurde jedenfalls 1945 in Bad Aussee geboren und hat da vielleicht seine Kindheitserinnerungen mitverarbeitet, lebt als Schriftsteller in Wien und hat außer den Polt Krimis, von denen ich einen gelesen habe und dem Semmering-Buch auch noch einige andere Reiseführer geschrieben.
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ich bin das festland
Jetzt kommt was Neues aus der Edition Exil, nämlich Seher Cakirs zweiter Erzählband “ich bin das festland”, das ich mir vor ein paar Wochen von Christa Stippinger geben ließ, 2012 erschienen und wurde, glaube ich, bei der Kritlit vorgestellt. Aber die habe ich heuer ausgelassen und von Seher Cakir habe ich schon den “Zitronenkuchen für die sechsundfünzigste Frau” gelesen, zwar nicht gleich, gab oder gibt es bei mir ja ein Kurzgeschichten Vorurteil.
Für die “Frau auf der Bank” konnte ich es aber brauchen, wurde Seher Cakir ja in Istanbul geboren und ist in Österreich aufgewachsen, einen der Exilpreise hat sie gewonnen und die Spezialität ihrer Geschichten ist, daß sie das Leben im anatolischen Dorf mit dem von österreichischen Türkinnen oder auch nur Österreicherinnen vermischt und sie munter zwischen den Traditionen ihre Sex- und andere Geschichten erleben läßt.
So auch in Band zwei, in dem es fünfzehn Geschichten gibt, die ersten vier hängen zusammen und handeln von einer Selda, die sich zuerst von ihrer Großmutter Geschichten erzählen läßt, wie es war, als sie verheiratet wurde. Dann kommt der Vater, verspricht das Blaue vom Himmel, die schönsten Spielsachen, ein späteres Studium und nimmt die Frau und die beiden Töchter nach Österreich mit, wo er auf Seldas Fragen, immer nur “Frag doch nicht soviel, meine Tochter”, antwortet, sich das Klo am Gang befindet und sich Selda über ihre Lehrerin, deren Achselhaare nicht rasiert und die daher “schmutzig” ist, wundert. Sie wundert auch über die Wörter, die in Österreich etwas anderes als in der Türkei bedeuten. Der Vater geht ins Kaffeehaus, läßt die Mutter und die Kinder allein und einmal begeht Selda einen Selbstmordversuch, weil sie sich von ihrer Mutter unverstanden fühlt und die bekommt von dem österreichischen Arzt den Rat, Selda eine Ohrfeige zu geben.
Ins Dorf geht es dann in “Die Frau meines Vaters” zurück, da erlebt das Kind, daß der Vater aus Deutschland oder Österreich eine Zweitfrau namens Helga, so werden im Dorf alle deutschen Frauen genannt, mitbringt, der die Mutter dann einfach ein Kopftuch aufsetzt und sie in den Haushalt integriert.
Im “Ruf des Muezzins” erinnert sich die erwachsene, zweimal geschiedene Frau an ihre Jugendlieben, bzw. erwartet sie einen solchen Freund, während sie mit ihrem Sohn Kekse bäckt. Die erste Liebe war der Muezzin, den sie bei den Sommerurlauben bei den Großeltern kennenlernte, ihm zu liebe, ließ sie das Kopftuch, das sie sonst nie trug, den ganzen Sommer auf und war enttäuscht, als er sie trotzdem nicht heiratete, dann kam die Ehe mit einem Turkulogen und die Liebe mit einem in Amerika aufgewachsenen Türken, das Abenteuer mit ihm in einem Hotelzimmer, denn in der Türkei muß man den Rezeptionisten die Heiratskurkunde zeigen, wenn man in ein Doppelzimmer will.
In “Zekiyes” Ankunft geht die Frau nach Österreich aufs Feld Gemüse klauben, sie glaubt, sie stellt sich nur einmal in Istanbul vor und hat dann noch Zeit sich von ihren Kindern zu verabschieden, fährt dann aber drei Tage ohne Essen und Trinken nach Österreich, hat wieder Mühe sich bei den Worten, die in Deutsch etwas ganz anderes als in Türkisch bedeuten, lernt aber die Sprache und kann auch der Bäuerin, die das Frühstück für sie kocht, beibringen, Tomaten und Parika, statt der Salami, die sie nicht essen darf, auf den Tisch zu stellen.
Die “österreichischen Geschichten” sind vielschichtiger, komplizierter und auch trauriger. Obwohl in “One-Night-Stand” vorerst nur das Wort untersucht wird, was ist wenn er in der einen reservierten Nacht doch nicht steht?
Das wird dann gleich an einem Beispiel, wo zwei Überarbeitete, die sich nicht kennen, ins Orient Hotel gehen, exerziert, schwierig fand ich nur die kursiv geschriebenen Einwürfe, die offensichtlich nichts mit der Geschichte zu tun hatten.
Bei “Vertraut nie einer Frau”, träumt die Freundin, sie wäre der Mann und betrügt ihren Freund nackt mit dem Sohn des Bäckers, dann wachst sie in einem seltsamen Haus auf, ihr ist schwindelig und sie findet nur mühsam den Weg hinaus.
“Frühstücksbuffet” schildert den minuziös geplanten Selbstmord einer fünfzigjährigen Frau, der damit beginnt, daß sie sich Reizwäsche kauft, “Da wird Ihr Mann sich freuen!”, plappert die Verkäuferin, aber der hatte immer den Geruch einer anderen Frau an sich, dann gab es eine Liebe zu einem Südafrikaner und einen Sohn namens Nelson, aber der ist längst gestorben. So fährt sie in der Stadt herum, fängt nach fünfundzwanzig Jahren wieder zu rauchen an, läßt sich im Intimbereich rasieren und die Haare färben, bevor sie sich in Baden in ein schönes Hotel für zwei Nächte einquartiert und auf das Frühstücksbuffet verzichtet, weil sie sich lieber ausschlafen will.
Die Titelgeschichte zeigt ähnliche Melancholien und Seher Cakir die 2008/2009 das Staatsstipendium erhielt, scheint eine starke Erzählstimme zu sein, die uns viel von den Identitätsschwierigkeiten der in Österreich aufgewachsenen in der Türkei geborenen jungen Frauen mitteilen kann, ihren Ängsten, Freuden, Hoffnungen, was die “reinen” Österreicher vielleicht nicht so wissen und für das Zusammenleben und die geglückte Integration sehr wichtig ist, so daß ihr ein ähnlicher Senkrechtstart, wie ihn Julya Rabinovich gerade machte und Susanne Gregor vielleicht bevorsteht, zu wünschen ist.
Hirngespinste
“Hirngespinste”, “die wunderbar groteske Farce über die dunkle Seite eines Autors: vom Literaturbetrieb korrumpiert, voller Größenwahn und versteckter Komplexe, Anerkennungssucht und dem verzweifelten Wunsch, etwas Grandioses zu schaffen”, wie Karin Großmann, von der Sächsischen Seite, am Buchrücken schreibt, von Markus Orths, hat es in seinen achtzehn Kapiteln mit Prolog und Epilog versehen, hat es tatsächlich in sich, auch wenn ich sie in meiner realistischen Psychologinnenenart etwas weniger abgehöht interpretieren würde.
Der “Literatursatirenstil” ist aber natürlich, wie es die Publikumsverlage wahrscheinlich wünschen, das Buch ist bei btb erschienen, erhöht und, wie ich es schon bei mehreren Literaturbetriebssatiren so gelesen hatte, dem Altmeister Bernhard ein wenig abgeschaut und dann hat noch, das ist vielleicht das Geniale oder auch nur das Besondere an dem Buch jedes Kapitel eine Geschichte in sich und die Satire könnte schon im Prolog enthalten sein.
Da gibt es den Helden namens Martin Kranich, Englisch und Deutschlehrer, das heißt, er hat sein Referendarium, wie das in Deutschland heißt, abgeschlossen und eine Woche in einer Schule in Göppingen hinter sich gebracht und sich, weil er es dort nicht aushielt, in ein Gymnasium nach Hessen versetzen lassen.
Dort empfängt ihn der Brandtschutzexperte, hält ihm einen Vortrag und ein Referendar, der gerade eine Probestunde in einem Känguruhkostüm absolvierte, steckt irrtümlicherweise seinen Schlüßel ein. So wird Kranich in der Schule eingeschlossen und schreibt dort am Boden liegend, seine “Göppinger-Erfahrungen”. So wird er Schriftsteller und landet mit seinen “Schulgeschichten” den ersten Erfolg.
Das war der Prolog, jetzt beginnt, wo wir ja eigentlich schon alles wissen, die Handlung und die Satire um den Literaturbetrieb.
Kranich schreibt das zweite Buch “Schreib-Maschine”, die Satire über den Literaturbetrieb, der Agent läßt sich kündigen, der Verleger, V. genannt greift sich an den Kopf, sagt dann aber “Das sind so die Fallen, nach dem Erstling, schreib was anderes!”
Dazwischen gibt es, glaube ich, auch noch eine Lesereise, in zweimal achtzehn Provinzbuchhandlungen, wo nur die Buchändler und deren Frauen im Publikum sitzen und man nach jeder Lesung eine Flasche Wein geschenkt bekommt, so wird unser Held zum Alkoholiker und beschließt danach, weil er Geld braucht, einen dritten Roman zu schreiben. Diesmal ist es etwas Esoterischen und soll ein zwanzig Bände Bestseller werden. Leider fällt dem Autor nur der erste Satz “Geboren wurde er auch!”, ein.
Inzwischen lebt er in der Dachmansarde der Erbtante Erna, die achtzig ist, früher einmal Hebamme war und muß die Wohnung bald mit seiner Schwester Tamara teilen, die von einem Lehrauftrag aus der Ukraine schwanger zurückkommt und weil Martin ausziehen muß, versucht er es mit Hirnforschung oder Doping, sprich, er läßt sich von einem Hirnforscher, den er im Fitneßstudio kennengelernt hat, seine Gehrinhälften stimulieren und schreibt so das vierte Wunderwerk, nämlich einen experimentellen Roman, der auf einigen Hundert Seiten, nur aus dem Wort Jana, das ist das Kind, das die Schwester auf die Welt bringt, besteht.
Der Verleger winkt müde ab, “Kennen wir ebenfalls schon, John Cage hat da viele inspiriert” und da Martin irrtümlicherweise beim Versuch auch noch Kaugummi kaute, wirds wahrscheinlich auch nichts mit dem Nobelpreis, den sich der Gehirnforscher schon erhoffte.
Inzwischen bringt die Tante ihre handgeschriebenen Memoiren übers Stillen, die Martin an “Hanser” schickt und als Tamara ihr eröffnet, daß sie nicht mehr länger stillen und zurück in die Ukraine zum Kindesvater will, stolpert die Tante über ein Stofftier, und enterbt die beiden und überschreibt ihr Haus dem WWF. Jetzt ist Not am Mann und Martin läßt sich noch einmal stimulieren, auch dieser Versuch mißlingt und wird nur ein Vorversuch für den Ruhm, dafür ist “Hanser” von dem Manuskript der Tante begeistert und Martin fliegt stat nach Bali, wo die frustirerten Lehrer hin aussteigen, nach Kiew, weil das Geld von seinem Überziehungsrahmen nur bis dorthin reicht.
Ich bin ja ein Fan von Literaturbetriebssatiren und habe auch schon einige geschrieben und bezüglich meiner “Dora Faust” auch nur den Kommentar des Agenten, an den ichs schickte, bekommen, “daß Literaturbetriebsromane immer schief gehen würden”.
Es gibt sie aber und wenn man sie auch nur entsprechend überhöht, wie es Markus Orths vortrefflich versteht, werden sie auch gedruckt und das Buch hat auch seine spezielle Geschichte. War es nämlich bei den Stoß Abverkaufsbüchern, die mir Alfred im Sommer kaufte und weil es mir beim Eintragen unter das Sofa gefallen ist, war es nicht dabei, als ich die Bücher auf meine Leseliste von 2012 bis 2015 setzte, was vielleicht auch ein bißchen satirisch ist, so daß ich es , weil ich ja gut im Lesen bin oder war, schließlich doch auf die von 2012 setzte und es nun als Einstiegsdroge in den Nanowrimo ganz gut brauchen kann.
Den 1969 geborenen Markus Orths kenne ich seitdem ich ihm beim Bachmannpreis aus seinem “Zimmermädchen” für das er, glaube ich, auch etwas gewonnen hat, lesen hörte.
Warschauer Tagebuch
Das “Warschauer Tagebuch” des 1916 in Lodz geborenen und 2000 in Paris verstorbenen polnischen Schriftstellers Kazimierz Brandys, das eigentlich aus zwei Teilen besteht, ist besonders interessant, beschreiben doch “Die Monate davor”, das war von Oktober 1978 bis Dezember 1981 in Polen geschehen ist, als dort ein Pole Papst wurde, Lech Walesa die Solidarnosc gründete und es in den Werften und den Fabriken Hungerstreiks gab.
Wir erinnern uns vielleicht daran, ich bin in dieser Zeit mit meinem Psychologiestudium fertig geworden und habe mit dem Akademikertraining begonnen, habe in der Otto Bauergasse gewohnt und zu Weihnachten 1981, glaube ich, auch einmal eine polnische Weihnachtskarte im Postkasten gehabt, die irrtümlich hineingelegt wurde.
Voriges Jahr, als wir in den Masuren waren, waren wir auch in einer Ausstellung über die “Solidarnosc”, sonst habe ich von dieser Zeit nicht viel mitbekommen und so kommt der Fund aus dem Bücherschrank gerade richtig und ich kann diese Institution wieder einmal nur sehr loben, wäre “Brandys Warschauertagebuch” wie am Cover der Suhrkamp Taschenbuchausgabe steht, sonst an mir vorbeigegangen und ich habe auch von Kazimierz Brandy noch nie etwas gehört.
Es beginnt sehr bedächtig im Oktober 1978 mit “Das war eine unergiebige Zeit. Kein Leerlauf – denn es ist vieles geschehen-, doch was die Arbeit betrifft, war sie unergiebig. Seit fünfzehn Monaten schreibe ich nicht.”
Dann wird von einer Fahrt nach Danzig berichtet und dem Lesen von Johanna Schopenhauers Erinnerungen, die in Danzig geboren wurde. Von Schriftstellerkongressen wird berichtet und den Mittagessen im Klub, wo die Schriftsteller offenbar ihre Mahlzeiten einnehmen konnten.
Immer wieder wird M. die Ehefrau erwähnt und sehr vorsichtig sarkastisch die Mißstände beschrieben, die es in Polen gab.
Die Apotheken sind ausverkauft, im Fernsehen kann man Berichte hören, daß die Leute zuviele Medikamente nehmen und sich dadurch vergiften und im Jänner kommen die Brandys von ihrem Weihnachtsaufenthalt nach Warschau zurück, wo es schneite und die Regierung war darauf nicht vorbereitet, so daß die Stadt im Chaos versank.
Immer wieder kommen Vergleiche mit der Vergangenheit, mit dem Krieg und den anderen Aufständen auf, die Bekannten, die er hat, waren etwa in Nazis- oder in sowetischen Gefängnissen.
Einladungen nach Wien oder Berlin werden ausgesprochen, die Brandys nicht annimmt, für Berlin bemüht er sich um ein Visum, das aber nur seine Frau bekommt, es gibt die fliegende Universität, wo die Schriftsteller in Wohnungen Vorträge halten, die Staatspolizei will das durch Hausdurchsuchungen verhindern, Brandys geht trotzdem hin und bekommt von einem der Milizsoldaten stolz erzählt, daß er seine Werke in der Schule gelesen hätte, denn die Miliz ist ja nicht ungebildet.
Brandys scheint viel in Kono zu gehen und zählt die Filme auf, die er gesehen hat. Es wird das Anstellen um Lebensmittel und das Schlangestehen vor den Geschäften vorerst liebevoll berichtet, wie beispielsweise von der Gruppe vor dem Metzgerladen, die schon die Nacht davor kommt und es sich mit Brötchen und Tee beim Warten gemütlich macht.
Dann gibt es doch einen Westberlinaufenthalt mit einem Zwischenstop in Schweden, dabei muß er durch Ostdeutschland fahren und berichtet von den unfreundlichen Zöllnern, die er beleidigt hätte und den grauen Gesichtern der Menschen dort.
Als die Brandys nach Warschau zurückkommen hat sich die Lage verschlimmert. Die Warteschlangen werden länger, die Leute ernähren sich nur mehr von Kartoffelpuffern und wieder schreibt Brandys ironisch, daß die Katzen jetzt wieder Milch trinken, weil der Regierung die chemischen Zusatzstoffe ausgegangen seien. Er sieht auch die alten und schwachen Leute auf der Straße sich um Brot anstellen und berichtet, wie er dreimal um Hörnchen ging, die ersten beiden Male waren sie noch nicht da, beim dritten Mal schon ausverkauft.
Gerüchte über den Einmarsch der SU kommen auf, es kommt zu Beschuldigungen und auch auf einen Anschlag auf die wiederaufgebaute Warschauer Synagoge. Die Brandys bekommen eine Einladung nach New York, bemühen sich um einen Anruf dorthin, die Anmeldungen werden aber erst um Mitternacht entgegengegenommen, dann ist alles besetzt, schließlich bekommt er einen Termin in einer Woche, weil sich jetzt alle um Visen ins Ausland bemühen, man vor dem deutschen Konsulat Schlange steht und die Reisebüros ausgebucht sind. Brandys kommt, als sein Ticket gebucht ist, der lange Flug nach New York unwirklich vor und fragt sich, was er wieder schreiben und, wie er sein Tagebuch beenden wird, was schließlich mit dem lapidaren Satz “New York, 13 Dezember 1981 Nachricht von der Verhängung des Kriegszustands in Polen. Alle Verbindungen unterbrochen.” geschieht.
Brandys scheint dann nicht mehr nach Polen zurückgegangen zu sein. Ist er ja, der slawische Literatur an der Sorbonne lehrte, in Paris gestorben. Bei Wikipedia finde ich, daß er von 1978 an im Ausland lebte, was dem Buch nach, aber nicht ganz stimmen kann.
Priessnitz-Preis 2012
Seit dem ich diesen Blog betreibe haben Angelika Reitzer, Michael Hammerschmied, Andrea Winkler und Richard Obermayr diesen Preis bekommen, der 1994 von Bundesministerium für Unterricht und Kunst gestiftet wurde. Robert Schindel und Gustav Ernst sind die Juroren und er wird um den 27. Oktober im Literaturhaus vergeben, denn das ist der Geburtstag des 1945 in Wien geborenen und 1985 verstorbenen Dichter. Seit 1998 gehe ich, glaube ich, regelmäßig zu den Preisverleihungen, da hat ihn Sabine Gruber bekommen. An die Verleihung an Xaver Bayer, Olga Flor, Gerhild Steinbuch, Thomas Ballhausen, Ann Cotton kann ich mich erinnern.
Er wird meistens an junge experimentelle Dichter oder Dichterinnen vergeben und so habe ich, weil ich das ja gern tue und meistens sehr daneben liege, im Sommer geraten, wer heuer der oder die Preisträgerin sein wird. Auf Sophie Reyer oder Anna Weidenholzer hätte ich getippt und bin da gar nicht so falsch gewesen. Die 1975 geborene Judith Nika Pfeifer hat ihn bekommen und die kenne ich, seit 2009, da war im Literaturhaus das “Laut lauter lyrik Festival” und da gab es einen Literaturautomaten, wo man sich ein Foto mit einem Gedicht machen lassen konnte und da war Judith Pfeifer eine der Textproduzenten und die damals entstandene Anthologie, in der Gedichte von ihr enthalten sind, habe ich mit Robert Huez auch getauscht und erinnern tue ich mich noch, daß die junge Frau sehr freundlich und sympathisch war. Sonst war sie in den “Lockstoffen” und in Patrizia Brooks “Radio rosa Reihe”, jedenfalls gibt es ein gleichklingendes Gedicht, in dem pünktlich zur Preisverleihung erschienenen Gedichtband und ist seit zwei Jahren GAV-Mitglied. Es lagen Kolik Hefte auf dem Büchertisch auf und ich überlegte, als ich zu der Preisverleihung ging, ob Judith Pfeifer eine reine Lyrikerin ist oder auch Prosa schreibt?
Ich bin wieder nicht direkt ins Literaturhaus sondern, um den Umweg der Bücherschränke hingegangen und da traf ich in der Zieglergasse Josef Rieser, der mich zu einer Lesung am 8. November und ich ihn im Gegenzug zu meinem Geburtstagsfest einlud.
Im Literaturhaus traf ich Christel Fallenstein, bei der ich das wiederholte. Hahnrei Wolf Käfer kam und noch einige Leute von denen ich es nicht erwartet hätte.
Judith Nika Pfeifer scheint ein großes Fanpublikum zu haben. Barbara Zwiefelhofer eröffnete und als Geschenk gab es zwei Priessnitzgedichte “Entwachung” und “am offenen mehr” aus den 44 Gedichte, der edition neue Texte, die auf die Sesseln aufgelegt waren.
Gustav Ernst hielt eine kurze Einleitung, Barbara Hundegger, die den Preis 1999 bekommen hat und von der ich seit dem Symposium zur Sprachkunst weiß, daß sie sehr hohe Ansprüche an die Lyrik hat, hielt die Laudatio und erzählte einiges über die Preisträgerin, die den Preis bekommen hat, weil sie, wie es im Spruch der Jury heißt “Alltagsbeobachtungen zu witzigen frischen unkonventionellen Klang und Wortgebilden arrangiert.”
Dann kamen die Geschenke, wie es Barbara Zwiefelhofer formulierte, Blumen und wahrscheinlich ein Priessnitzbuch und die Lesung der Preisträgerin und sie vermittelte auch viel von ihrer Freude, diesen Preis und die Anerkennung bekommen zu haben, die man ja, wie ich ebenfalls weiß, braucht, wenn man so still und einfach vor sich hinschreibt.
Nachher gab es wieder was zu trinken, ich habe mich mit Christel Fallenstein, Hahnrei Wolf Käfer, Gustav Ernst und Michael Hammerschmied, der auch im Publkum war, unterhalten, bzw. Syvia Petter zugehört, die von einem Short Story Wettbewerb erzählte.
Im Bücherschrank gab es übrigens eine Unmenge von John Galsworthy, dem Nobelpreisträger von 1932, Rororo Ausgaben, zwei davon habe ich auf meine Leseliste von 2015 gesetzt und ein kleines Büchlein über den amerikanischen Roman von 1980 – 1951, was auch sehr interessant ist.
Bedenkliche Beziehungen
Bedenkliche Beziehungen oder die Sevim-Szenen in der Alten Schmiede, hat mich Reinhard Wegerth ja mit der “Frau auf der Bank” zu den Textvorstellungen eingeladen und dazu auch noch Anita C. Schaub und Andrea Stift ausgewählt, zwei Autorinnen, die ich ja recht gut kenne.
Anita C. Schaub hat mich 2002 im Literaturhaus beim Tag der “Freiheit des Wortes”, den damals Rolf Schwendter organisierte, angesprochen und zu der “Frauengruppe” des ersten Wiener Lesetheaters eingeladen, die dann nicht mehr so heißen durfte.
Sie hat mich auch für ihr Schriftstellerinnenportraitbuch “Frauen Schreiben” interviewt und ich treffe sie auch immer wieder regelmäßig, einmal bei einem Lesetheaterabend eines ihrer Bücher, in der Gesellschaft für Literatur oder bei den Poet Nächten, bei denen sie auch schon aus den “Krausen Haaren” gelesen hat, was glaube ich, ihr drittes Buch ist und eines in dem es um bedenkliche Beziehungen zwischen Frauen und Männer geht.
Sie hat den Leseabend auch begonnen und in ihrem Episodenroman geht es um eine Frau namens Anna, die es nicht leicht in ihrem Leben hat, nämlich als Kind nicht zuviel Liebe und Wärme bekommen. So sucht sie immer zwischen den falschen Männern und einige dieser Episoden hat sie auch gelesen, wo Anna beispielsweise den jungen Mann kennenlernt, der Medizin studiert und gerne in feine Kaffeehäuser geht, es klappt zwischen ihm und Anna genauso nicht, wie mit dem Musiker den Anna bei einem Bierfest kennenlernt, auf dem sie serviert und außerdem gibt es dann noch eine Reihe von verheirateten Männern.
Die zweite Lesende war Andrea Stift und die habe ich ja durch das Literaturgeflüster kennengelernt, habe sie zu den “Mittleren IV” eingeladen, sie bei den “Wilden Worten” gehört, ihre Bücher gelesen und sie zuletzt am Donnerstag bei der Ohrenschmaus Jurysitzung gesehen.
Sie stellte ihren Kurzgeschichtenband “Elfriede Jelinek spielt Gameboy” vor und las daraus eine Geschichte, wo eine Hausfrau aus Villach namens Angie einen Kurt aus Lilienfeld beim Erotik Chatten im Internet kennenlernt, während ihre Kinder Kevin und Marcel in der Schule mit dem Messer auf andere Kinder losgehen, daran konnte ich mit der “Frau auf der Bank” anknüpfen. Reinhard Wegerth wünschte sich ja die Sevim-Szenen und so suchte ich die erste aus, wo sich die Sevim auf das Geburtstagsfest vorbereitet, kocht und bäckt und auf Bülent wartet und als zweite, die, wo sie am nächsten Tag vom Rathausplatz und der Tanzschule zurückkommt und Karin Leitners Visitenkarte findet. Dann gab es einen Schwenk bis fast an den Schluß, Sevim möchte es noch einmal mit Bülent probieren, da ruft aber Karin Leitner an und teilt ihm mit, daß sie von ihm schwanger ist.
Ich hatte ja irgendwie die Horrorvorstellung, daß die beiden vielleicht absagen und keine Leute kommen könnten, dann war es, als ich um dreiviertel Sieben mit meiner Büchertasche eingetroffen bin, aber schon erstaunlich voll, einer der Stammbesucher war da, Margit Heumann und die Frau, die mich im Club Philosophique angesprochen hat und jede Menge anderer Leute, die ich nicht kannte. Vor allem Anita C. Schaub hat ihr Fanpublikum mitgebracht, Arbeitskreis und Lesefrauen waren aber nicht dabei und auch nicht Ruth Aspöck, die ja in Linz im Stifterhaus gelesen hat.
Reinhard Wegerth stellte im Anschluß interessante Fragen, wo man seine Stoffe findet?, ob aus dem Leben erzählt wurde?, ob Elfriede Jelinek wirklich Gameboy spielt? Sie tut es nicht, war aber mit der Geschichte einverstanden und ich habe schon einmal bei Reinhard Wegerths Textvorstellungen gelesen. 2007 hat er mich mit der “Radiosonate”, damals noch in den Hofraum eingeladen. Rudolf Habringer und Werner Schandor waren, glaube ich, dabei.
Leider gibts davon ja noch kein Geflüster, habe ich ja erst 2008 zu Bloggen angefangen. Zum Literaturgeflüster hat mich Reinhard Wegerth aber auch befragt und ich kann gleich das Archiv mit meinen Textvorstellungen nachreichen. Da gabs ja 2009 eine Lesung schon im Schmiedemuseum mit Cornelia Travnicek, Christine Werner und David Schalko und eine vor fast zwei Jahren wo mich Renata Zuniga mit der “Sophie Hungers” eingeladen hat und da habe ich wahrscheinlich auch meine anderen Textvorstellungen verewigt. 1995 gabs ja eine zu der mich Ruth Aspöck eingeladen hat und in den Achtzigerjahren mit “Marthas Wohnungen”, “Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt” und wenn ich mich nicht irre, auch mit den “Hierarchien”, bei denen, die Herbert J. Wimmer moderierte.
Zwei Bücher habe ich verkauft, Alfred hat wieder Fotos gemacht und Reinhard Wegerths Buch, bei dessen Vorstellung ich vor zwei Jahren im Beisl war, habe ich vor kurzem auch gelesen.
dürfen ist pflicht
Die 1975 in Bremen geborene, in Berlin und in Wien studiert habende, Petra Lehmkuhl hat einen Berlin-Roman geschrieben und ihn 2011 in der Edition exil herausgebracht, wo sie 2005 den Preis gewonnen und in verschiedenen Anthologien veröffentlicht hat.
Short-Cuts könnte man die kurzen Textchen über Irene und Frau Eber, Thomas, Mama, etc nennen, in der Beschreibung wird es als “krise in berlin-kreuzberg” bezeichnet und da gibt es die “Frollein Monika” genannte Ich-Erzählerin, schon etwas älter, Künstlerin und Mitglied des Prekariats, das schon mal die Augen schließt, wenn eine Zahlungsaufforderung kommt und die Rechnung liegen läßt, ansonsten von Vernissage zu Vernissage zieht, Genazino-Lesungen besucht, von den in Aussicht gestellten Jobs als Assistentin bei einem Künstler den Freundinnen spricht und diese sind Frau Eber und Irene, sowie Marlene, die Frollein Monika “Mama” nennt.
Die Freundinnen treffen sich in Cafes und Kneipen und auch bei Frau Eber, zumindest kommt der Satz “Frau Eber packt den Kuchen aus, den ich mitbrachte, und arrangiert die einzelnen Stücke auf einen Teller”, öfter am Kapitelbeginn vor und dann gibt es natürlich die Beziehungen, seltsamerweise sind das, in dem hippen Prekariats-Berlin hauptsächlich Männer, mit denen die Protagonisten ihre “drei,vier- und fünf-ecksgeschichten” haben, ist Frollein Monika ja mit Thomas liiert und dann trifft sie in einer Kneipe Andreas, der schon etwas älter und bei dem alles anders ist. Dann geht es rum und die Freundinnen erzählen sich am Stammtisch, wie es Frollein Monika so geht und was sie alles macht, ähnlich wie die Lemuren in Barbara Frischmuths neuen Roman.
Es gibt auch einen Nachbar, der mit “Hey”, grüßt von von dem Frollein Monika nicht genau weiß, welchen Beruf er nachgeht, sie trifft ihn aber einmal auf der Straße umgeben von Polizeigewicht, als “Scheiß SDP” schreit. Ähnlich politisch wirds, wenn von der ersten Mai Kundgebung erzählt wird, ansonsten bleibts im privanten Freiberuflerbereich, der “altstudenten, die ohne jede moral auszukommen scheint”, wie es in dem kleingeschriebenen Buchrückentext heißt.
Was aber gar nicht ganz zu stimmen scheint, weist der Titel doch auf eine Überforderung der Protagonisten hin, so entzieht sich Frollein Monica auch ihren Dreierschlingen und zieht sich zu “Mamas” zurück, was die Lemuren wieder betratschen und ganz genau wissen wollen.
Alkohol, Drogen und Depressionen scheinen auch eine Rolle zu spielen, in der Generation für die “freizeit alles ist, weil sie es verpassten firmen und familien zu gründen und ihnen auch für das häuserbauen das geld fehlt”, ein bißchen davon scheinen sie aber schon zu haben. Fließt doch in den Kneipen der Sekt und sie fahren auch öfter mit dem Taxi herum, manchmal nur zu einer Vernissage in die nächste Straße.
Sehr eindringlich, knapp und klar und in kurzen short-cuts Stücken erzählt Petra Lehmkuhl, die Geschichte der Kreuzberger Generation X.
An Sven Regners “Herr Lehmann” wurde ich dabei zwangsläufig erinnert und auch an Edda Helmkes “Pepsi im Waschsalon”. Bei Kirsten Fuchs “Heile, heile”, weiß ich es nicht so genau, das österreichische Pendant dazu, scheint Angelika Reitzers “unter uns” zu sein, obwohl die Lehmkuhlschen short cuts knapper und kürzer sind und mir das Berliner Prekariat und die Jugend in der schönen neuen Warenwelt, nicht ganz so erbarumungslos geschildert scheint, wie es etwa Paulo Giordano in der “Einsamkeit der Primzahlen” macht.
Etwas ist mir noch aufgefallen, Petra Lehmkuhl sprich von Westdeutschland und der D-Mark, obwohl mir die Handlung in der Jetztzeit angesiedelt scheint, hat es vor zwanzig Jahren ja wahrscheinlich dieses Freiberufler-Prekariat noch nicht gegeben, die Arbeits- Hoffnungs- und Orientierungslosigkeit der jungen Leute aber sicher schon.
Damals und dort
“Die spannenden Jahre 1970 bis 2000”, vielstimmig erzählt, der 1950 geborene Reinhardt Wegerth, Redakteur und Verlagsmitarbeiter, der jetzt in der Alten Schmiede mit anderen die Textvorstellungen macht, machts in seinem, 2010 bei Sisyphus erschienenen Stimmenroman “Damals und dort”, den ich schon einmal im “Beisl” hörte, möglich und läßt seine Geschichte von scheinbar unspekulären Dingen, wie “Pyramide wieder entdeckt”, “Küchentür, mit Sprung”, “Kanzleramt bewacht”, aber auch von Personen, wie “Wahlstratege, im Bezirk” oder ” Polizist, gesetzlich gedeckt, in dreißig Abschnitten, denen immer diese, wie ich sie gerne nennen, E.T.A. Hoffmanschen Kapitelüberschriften, wie “Wie der Autor im Jahr 1970 auf einer griechischen Insel ein hygienischen Problem hat, ein verbotenes Musikstück hören darf und sich über historisch begründete Aversionen einer Amerikanerin hinwegsetzt”, vorangestellt sind, erzählen.
Im Klappentext steht “Lebt als Schriftsteller in Wien und möglichst oft auf klimatisch begünstigten Inseln”, und so fängt es auch 1970 auf einer griechischen Insel an und wir lernen den Strandschläfer kennen, der mit weiter knöchellanger Robe und einer Rolle Klopapier, den schweigenden Dornbusch frequentiert und begleiten diesen dann nach Wien, wo er als Student wegen verbotenen Frauenbesuchs, aus dem katholischen Heim fliegt, sich bei einem Kollegen einquartiert und später eine eigene Basenawohnung mit Gangklo bezieht und mit dem Mitbenützer Schwierigkeiten bekommt, weil er nicht wußte, daß er sein Klopapier und die Klobürste, selber mitbringen muß.
Man sieht, das Klo scheint eine große Rolle zu spielen, sonst studiert der Student, der ein ernsthafter Mensch zu sein scheint, Jus, macht sein Rechtspraktikum und verwirrt einmal auch das Leiberl der Druckerin, weil ein Altachtundsechziger, ja seine Augen auf Frauen werfen muß, der Flattersatz spielt natürlich eine Rolle und die alternative Literaturzeitschrift, die inzwischen herausgegeben wird, wird im Schlafsack zum Postamt transportiert, weil der Redakteur kein Auto hat. Da die Siebziger und Achtzigerjahre sehr politisch waren, wird vom Besuch beim “Alten”, sprich Bruno Kreisky, erzählt, den sieht man auch auf der Titelseite, der für das Literaturmagazin interviewt wird und am Ende kommt eine Volksabstimmung gegen Zwentendorf heraus, und der Mediensektretär, der das erzählt, sinniert verzweifelt “Dass sich der Alte das antut!” und wiederholt diesen Satz ein paar Mal, wie auch in den anderen Abschnitten diese litaneiartigen Schleifen den Texten einen klaren Ton geben.
Hainburg kommt vor und Tschernobyl über das ich erst vor kurzem anderswo gelesen habe und ein Friedensmarsch, da ist schon eine Frau und ein Kind an seiner Seite und ein Luftballon spielt eine Rolle, der in den Himmel losgelassen wird.
So geht es durch die Jahrzehnte, der Jusstudent wechselt in einen Schulbuchverlag, fährt immer wieder nach Griechenland, in die Türkei nach Mexiko, läßt sich von einem Souvenierhändler ums Ohr hauen und verweigert den Grünen, während des EU-Beitritt, die Zahlung, obwohl er sich doch sonst so sehr für sie engagiert und als Schwarz-Blau die Regierung übernommen hat, geht er zum bewachten Kanzleramt und fragt, ob er hineindarf, um den unterirdischen Gang, wo die Regierung, ja an jenem vierten Februar zur Hofburg hinüberging, um nicht mit Tomaten und Eiern beworfen zu werden, zu besichtigen. Die Wache läßt ihn nicht und so sind wir durch drei Jahrzehnte gerast und wenn man, wie ich in dieser Zeit in Wien lebte, läßt sich auch darüber nachdenken, was man selbst zu dieser Zeit gemacht hat?
Die Idee das Ganze von Gegenständen erzählen zu lassen, macht die Geschichte gut lesbar, die klare Distanz der Sprache fällt auf, an der man beobachten kann, wie der Strandschläfer, zum Studenten, zum Rechtspraktikanten, zum Redakteur und schließlich zum Werbeträger wird.
Spannend auf diese Art und Weise die das Vergangene wiederzuerleben und, daß ich in den Siebzigerjahren einmal mit Bärbl Danneberg, Sigrid Farber und einigen anderen Frauen bei “Frischfleisch und Löwenmaul” war, um dort unsere Arbeitskreisanthologie “Gewalt gegen Frauen, Frauen gegen Gewalt”, herauszubringen und sich erst im Lauf des Gesprächs herausstellte, daß es nichts mit der Veröffentlichung wurde und ich das Manuskript daher immer noch irgendwo liegen habe, habe ich nicht vergessen, wohl aber, daß ich Reinhard Wegerth wegen dieses Buches an den Bundesverlag schrieb. Der Autor konnte sich aber erinnern und hat mich 2007 mit meinem “Wiener Stadtroman”, in die Alte Schmiede eingeladen, am Montag werde ich die “Frau auf der Bank” dort vorstellen.
Ein besonderer Mensch
Die Erinnerungen an den 1987 verstorbenen Lynkeus-Herausgeber Hermann Hakel, die ich im April in der Gesellschaft für Literatur bekommen habe, wurden 1988 von der Hermann Hakel Gesellschaft herausgegeben und “setzen sich aus Beiträgen von zwei Dutzend Zeitgenossen unterschiedlichen Alters, Standes, Berufs und Wohnorts, sowie biographischen und bibliographischen Zeittafeln, Fotos und Abbildungen von Briefen und Karten bekannter Schriftstellerkollegen zusammen.”
Beginnen tut es mit einem Bild und einem Zitat Hakels: “Ich bin als Schriftsteller kein großes Talent, ja noch nicht einmal ein mittelmäßiges, aber ich bin ein besonderer Mensch!”
Und das stimmt höchstwahrscheinlich, denn ich habe von dem 1911 in Wien geborenen, schon sehr viel gehört und in den Siebziger oder Achtzigerjahren wahrscheinlich auch meine Texte an den “Lynkeus” geschickt und wenn ich mich nicht irre, sie mit einem nicht einmal so unnetten Brief zurückbekommen.
War Hermann Hakel ja einer der literarischen Entdecker, der mit Hans Weigel unter anderen Herta Kräftner, Ingeborg Bachman etc, förderte und er hatte nicht nur viele Freunde, die in den Buch ihre Nachrufe abdruckten, sondern auch eine Menge Feinde und so kann ich mich erinnern, daß Dine Petrik, als sie im Jänner ihr Herta Kräftner Buch vorstellte, sich durchaus kritisch ihm gegenüber äußerte und genauso negativ war wohl auch Erika Danneberg, die ich durch den Arbeitskreis schreibender Frauen kenne, eingestellt, die von 1949 bis 1958 mit ihm verheiratet war. War ich ja vor einigen Jahre bei der Präsentation einer Werkausgabe, die nach ihrem Tod von ihrem Nachlaßverwalter Raimund Bahr, in der Gesellschaft für Literatur vorgestellt wurde und da hat, glaube ich, Emmerich Kolovic oder Richard Kovacecic, die mit Gerhard Amanshauser diesen Nachlaßband herausgegeben haben, von den Schwierigkeiten erzählt.
Ein schwieriger Mensch also und das Buch beginnt auch mit einer autobiographischen Skizze Hakels, in der er erzählt, daß er ein kränkliches Kind war, das durch eine Diphterie und einen Sturz, im ersten Weltkrieg ein Auge verlor und einen verkürzten Fuß hatte, so daß er sich durchs Leben humpelte.
Er hat viel gelesen, sich mit Dichtern angefreundet, schon 1935 eine Anthologie herausgebracht und die Volkshochschule Zirkusgasse besucht. 1939 emigrierte er nach Italien und kam 1947 nach Wien zurück, wo er Vorstandsmitglied des PEN-Clubs wurde, eine Literaturzeitschrift gründete und die jungen Dichter zu fördern begann.
Die zwei Dutzend Zeitzeugen erzählen dann von ihrer Begegnung mit Hermann Hakel, der in Wien verschiedene Wohnungen hatte und, als er schon alt und krank war, seine Besucher im Pyjama und Schlafanzug empfing. Einige der Zeitzeugen, von denen ich viele nicht kannte und von denen einige auch schon verstorben sind, äußern sich auch kritisch, daß Hakel, der sehr viel gesprochen haben dürfte, sich durch seine Kritik viele Feinde machte, wird in dem Buch auch erwähnt, andererseits scheint er für die Literatur gelebt zu haben, auch sehr freigiebig und ein großer Förderer gewesen zu sein.
Sein Nachlaßverwalter Emmerich Kolovic, den ich von der Gesellschaft für Literatur und vom Literaturhaus kenne, beginnt die Erinnerungen mit den Aufzählungen der Träume, irgendwo wird auch erwähnt, daß Hakel einige Tage vor seinem Tod träumte von seiner Mutter angerufen worden zu sein, die ihn fragte, wann er denn endlich zu ihr käme?
Andreas Okopenko hat einen Artikel, der schon 1975 in den Protokollen abgedruckt war, in dem er sich auf die literarische Lage nach dem zweiten Weltkrieg bezieht und die Namen derjenigen aufzählt, die Hakel gefördert hat, Aichinger, Busta, Celan, Dor, Eisenreich, Federmann, Ferra, Fried, Lebert, Mayröcker und Toman, waren dabei.
Der zweite der Hakel-“Buam”, wie es an anderer Stelle heißt, der 1930 geborene Richard Kovacevic beschreibt auch seine lange Beziehung zu Hakel, dem er 1953 einige Kurzgeschichten schickte.
Der AZ Redaktuer und Schriftsteller Hans Heinz Hahnl scheint ein besonderer Hakel Verehrer gewesen zu sein, der es sehr bedauerte, daß der Staat keine Ehrungen und Preise für ihn hatte und er hat auch in der AZ zu seinem siebzigsten Geburtstag und seinen Nachruf geschrieben.
Hans Raimund beschreibt beschreibt ebenfalls ausführlich, wie er Hermann Hakel einmal im Monat besuchte und von seinem “Witz und seiner Menschenkenntnis” beeindruckt war. Er beschreibt einen “Salon” bei ihm, wo er von den beiden Baam, die Redakteure Kolovic und Kovacevic, die er nicht auseinanderhalten konnte, aufgefordert wurde, Klavier zu spielen, damit sich der Meister beim Reden nicht überanstrengte, was aber nicht geholfen hatte.
Einige Lynkeus-Ausgaben werden erwähnt und einen Vortrag 1984 in der Alten Schmiede über die Zeitschrift, zu dem Kurt Neumann Hakel eingeladen hat. Raimund erwähnt auch, daß Hakel Kreisky für einen Erzfeind und auch von Jandl und von Thomas Bernhard nicht sehr viel gehalten hat, dafür war er aber von der Lyrikerin Ulla Hahn sehr begeistert und hat sie in seinen Salon eingeladen.
Von den jüngeren Zeitzeugen ist der 1968 in Salzburg geborene Sohn Gerhard Ammanshauser Martin zu erwähnen, der von den Besuchen Hakels und der Schachtel Ildefonso schreibt, die er ihm regelmäßg schenkte. Evelyn Adunka hat auch ihre Hakel Erinnerungen und ganz besonders interessant sind für mich die Nachrufe, wo Hakels Beziehung zu Jean Amery erwähnt wurden, da ich da ja erst vor kurzem bei einem Grundbuch in der alten Schmiede war.
Am Schluß des Buches gibt es Briefe von Hermann Hesse, Ernst Jünger, Max Mell, Albert Paris Gütersloh, etc und ich fand den Erinnerungsband, da ich mich ja sehr für die Literatur der letzten Jahrzehnte interessiere, äußerst spannend und denke, daß Hermann Hakel wohl wirklich ein widersprüchlicher Mensch gewesen sein muß, der sowohl Anhänger, als auch Feinde hatte, etwas konservativ gewesen sein dürfte, aber wenn man seine Ansichten über das Schreiben betrachtet, wieder äußerst modern war, so hat er doch vom Schreiben mit allen Sinnen gesprochen und seine Schüler auch auf die Straße zum Beobachten geschickt.
Er scheint auch ein großer Lyriker gewesen zu sein und als ich in meiner Leseliste nachgeschaut habe, habe ich eine Anthologie “Jiddischer Gedichte” gefunden, die er übertragen hat, die ich auf meine Leseliste setzte.
Jurysitzung und Nanowrimopläne
Am Donnerstag war wieder Ohrenschmaus-Jurysitzung – Literatur von und für Menschen mit Lernbehinderungen, den Preis, den es jetzt zum sechsten Mal schon gibt und diesmal war die Jury, die inzwischen aus Barabara Rett, Niki Glattauer, Heinz Janisch, Ludwig Laher, Felix Mitterer, Andrea Stift und mir besteht, fast vollständig.
Über die Verteilung der drei Preise haben wir diesmal lang diskutiert und auch die Kategorien hin- und hergeschoben, bis wir uns schließlich auf einen Lyrik, Prosa, Lebensberichtpreisträger und einen Sonderpreis für einen besonders schönen Textzyklus einigten und die Kategorien für das nächste Jahr offen ließen.
Ich darf wieder die Laudatio für den Prosapreisträger halten, den ich eigentlich für den Lebensbericht vorgeschlagen habe, die Preisverleihung wird am 3. Dezember um achtzehn Uhr im Museumsquartier sein, ich lade alle, die jetzt neugierig sind, welcher von den hundertachtundvierzig eingereichten Texten gewonnen hat, herzlich zum Kommen ein.
Und jetzt geht es ins Wochenende, das durch den Nationalfeiertag, diesmal ein verlängertes ist. Eigentlich würden ja die KritLit, die Kritischen Literaturtage unter dem Motto “Bücher statt Panzer” auf dem Programm stehen, die diesmal am sechsundzwanzigsten und siebenundzwanzigsten Oktober in der Brunnenpassage am Yppenplatz stattfinden, da ich wegen “Rund um die Burg”, einer psychologisch-psychotherapeutischen Fortbildungsveranstaltung und der GAV-GV aber schon länger nicht in Harland war und der Alfi wegen seiner Eltern jede Woche hinausfährt, habe ich umdisponiert, muß ich ja nicht überall sein und werde diese und die nächste Woche ein verlängertes Wochenende dort verbringen, was mir gut tun wird, ist es in der letzten Zeit ja sehr hektisch gewesen.
Den verzögerten Veranstaltungsbeginn habe ich sozusagen nachgeholt und bin jetzt regelmäßig Montag bis Mittwoch auf einer Veranstaltung gewesen, dazu meine Bücherberge abgelesen, so daß ich jetzt schon länger wieder voraus blogge, aber auch sonst war ich sehr aktiv.
Daß ich mit “Kerstins Achterl” fertig geworden bin und somit wieder am Nanowrimo teilnehmen werde, habe ich schon geschrieben. Die “Paula Nebel” ist am Mittwoch auch gekommen und die Ideen für ein neues Buchprojekt, das den Arbeitstitel “Zum Sterben sollte man zu Hause sein”, haben wird, sind auch schon gekommen. Da kamen die ersten Einfälle, als ich einmal im Radio von den Antiaging- Seniorenresidenzen hörte, wo sich die Oberschicht über hundert dahinverjüngt und mit der Realität um sich herum nicht viel Kontakt hat. Das dachte ich, könnte ich wieder mit einer meiner Alter-Ego-Figuren verbinden, einer vielleicht auch schon über neunzigjährigen Volkshochschuldozentin oder Ghostwriterin, die sterben will aber nicht kann, weil es noch soviele Bücher aufzulesen gibt und die dann von den Ereignissen, um sie herum ins Leben zurückgeholt wird. Ihre Nachbarin könnte Pflegehelferin in dieser Seniorenresidenz sein, sie kommt durch ihr Kind mit ihr in Kontakt, lernt den achtzig oder doch schon hundertjährigen Kasimir Konstantin kennen und die Handlung beginnt…
Die die meinen Blog regelmäßig und auch vielleicht meine Bücher lesen, werden wissen, daß das alles nicht so neu ist, sondern Themen sind, die ich schon mal angerissen habe.
So ganz klar, über was ich da schreiben will, ist es mir auch noch nicht, sondern wieder so eine vage Idee und, daß ich wieder einmal beim Nanowrimo mitmachen will, schwebt mir auch schon lange vor. 2009 habe ich das ja mit der “Heimsuchung” gemacht, es hat mir großen Spaß gemacht und ich habe gelernt, das es für mich kein Problem ist in einem Monat fünfzigtausend Worte zu schreiben. Darüber bin ich ich hinweg, das kann ich, diszipliniert bin ich auch. Mein Problem ist eher, meine Hemmungen zu überwinden, an etwas dran zu bleiben, ein bißchen in die literarische Überhöhung hineinzukommen und Aufmerksamkeit damit zu finden etc.
Das mit der Hemmung ist durch das Bloggen eindeutig besser geworden, das “Das kann ich ich nicht, das ist nicht gut genug, ect!”, wird natürlich durch das mangelnde Feedback immer wieder neu bestätigt und so gesehen ist für mich der November auch kein guter Nanowrimo-Monat, denn da gibt es ja die Buch-Wien, für die meine Dauerkarte schon reserviert ist, um dort, wo ich jetzt stehe weiterzukommen, wäre Zeitlassen, statt Hudeln besser, das weiß ich schon, aber der Nanowrimo, ist für mich eine Art Erlebnisurlaub, wie die Tage der offenen Tür beim Writersstudio, das Bachmann– und das Buchmessensurfing, etc.
Wenn es sich schon ausgeht, werde ich teilnehmen, das “Literaturgeflüster-Texte-Buch” aufschieben und ich glaube, daß die zwei Krisen, durch die ich in diesem Jahr gegangen bin, mich auch selbstbewußter gemacht und meine Schreibblockaden ein bißchen überwinden ließen.
Natürlich weiß ich, daß ich mir besser Zeit lassen sollte, aber ich kann ja auch im Dezember weiterschreiben, es reicht im November die fünfzigtausend Worte zusammenzubringen und das kann ich, glaube ich, und bis zum ersten November kann ich ein bißchen Ideen sammeln, damit ich nicht sofort in dieselben Fahrwasser kommen und vielleicht doch etwas Abgehobeneres, Neueres zusammenzubringen, ich werde mich jedenfall bemühen, da ein Stückchen weiterzukommen.
Ansonsten könnte ich mit meiner Leseliste in Schwierigkeiten geraten, habe ich 2009 zwar den Nanowrimo schon am neunzehnten Tag geschafft, in diesem Monat aber nur zwei Bücher gelesen und wenn ich jetzt alles, was ich mir vorgenommen und auch noch zum Geburtstag gewünscht habe, lesen will, sollte ich zwölfeinhalb Bücher im Monat schaffen.
Das sind Sorgen, ich weiß, denn eigentlich klappt ohnehin alles gut und es ist ja schön, wenn ich über die Ziele des Nanowrimo, der ja ist, einfach seine Hemmungen loszuwerden und Plotlos vor sich hinzuschreiben, um vorerst Quantität zu schaffen, schon darüber bin, ich bräuchte die Qualität, ich weiß, das kann ja mein Ziel sein und irgendwie ist die Vernetzung mit den vielen Nanowrimoschreibern, ja auch ganz schön.
Ich bin also gespannt und werde den November für etwas Neues nützen, ganz egal, wie lange ich dazu brauche und wenn es etwas Abgehobener wird, ist das schön und natürlich ganz besonders, wenn meine Fangemeinde, wenn es eine gibt, das bemerken und mich ermutigen oder Feedback sollte.
Und hier das Nanowrimoarchiv 2008 , 2009 1 2 3 4 5 6 7, 2010






