Heute gabs wieder zweimal Interessantes, nämlich Südtiroler Autoren eine poetische Annäherung mit u.a. Joseph Zoderers neuem Buch in der Hauptbücherei und “Werk Leben II”, Linda Stift im Gespräch mit Lydia Mischkulnig und einer Lesung aus “Kein einziger Tag” in der Alten Schmiede und die Entscheidung war sehr schwer, aber den neuen Zoderer habe ich ja schon im Sommer als E-Buch gelesen und Linda Stifts Buch habe ich im vorigen Jahr, als es erschienen ist, angefragt, es ist aber nicht zu mir gekommen.
Linda Stift, die ich seit ihrem ersten Roman “Kingpeng” kenne und schon bei verschiedenen Lesungen hörte, erscheint mir sehr interessant, so daß ich mich für den “Einzigen Tag” entschieden habe, es lagen aber, als ich die Alte Schmiede erreichte, alle drei Bücher neben einem Computer am Vortragetisch auf, Lydia Mischkulnig saß in der ersten Reihe, schrieb etwas in ein Notizbuch und wirkte nervös.
Sonst waren noch nicht sehr viele Leute da, auch Linda Stift war war noch nicht gekommen und hatte, wie später bekannt gegeben wurde, den Termin irgendwie vertauscht, so daß Lydia Mischkulnig ihre neue Werkreihe allein begann und gleich zu Beginn erzählte, daß sie über alle drei Stift Bücher “Kingpeng”, “Stierhunger” und “Kein einziger Tag” reden und Zusammenhänge herstellen würde, weiter würde es Ausschnitte aus einem Mischkulnig Hörspiel namens “Erich Der Erich” geben, das auch von siamesischen Zwillingen handelt, die am Kopf zusammengewachsen sind, so daß sie so wenig Sauerstoff bekommen, daß sie am Ende würfeln müßen, wer von ihnen überlebt.
Hochdramatisch und mir ein bißchen zu abgehoben, denn so läuft, glaube ich, die Wirklichkeit der siamesischen Zwillinge nicht, aber Lydia Mischkulnig ist ja, wie ich spätestens seit ihren “Schwestern der Angst” weiß, eine Meisterin der psychologischen Übertreibung und Linda Stift wählt für ihre Romane auch solche Themen.
Bei “Kingpeng”, das bei Erscheinen hoch gelobt wurde, mich aber nicht sehr angesprochen hat, geht es um eine Geschwisterbeziehung, bei “Stierhunger” um die Bulimie und die Kaiserin Sisi, das würde mich mehr interessieren, also hoffe ich das Buch einmal zu finden und von “Kein einziger Tag”, habe ich schon vor Jahren beim Kolik-Slam in der Gesellschaft für Literatur gehört, wo die Zwillinge noch Jim und Jack hießen und da ist mir die Geschichte sehr interessant erschienen. Ich habe dann noch einmal in der Arbeiterkammer eine Leserin getroffen, die mir erzählte, daß es außer um die Zwillinge, um ein im Keller verstecktes Tier ging, was natürlich neugierig macht und Lydia Mischkulnig gab auch während wir auf die Autorin warteten, ihre psychoanalytischen Theorien, wie es um die Inzestbeziehungen von Zwillingen bestünde, kund, die die Verhaltenstherapeutin eigentlich bezweifelt. Ich habe zwar auch einmal den “Mann ohne Eigenschaften” gelesen, aber alles läßt sich wahrscheinlich nicht generalisieren und im “Kein einziger Tag”, geht es um die Zwillinge Paul und Pacu oder Patrick, die als Kind problemlos getrennt wurden und sich dann zwanzig Jahre nicht mehr sahen. Am Beginn kommt Pacu, ein Schauspieler zu Paul, einem Malerbedarfverkäufer und nistet sich bei ihm ein, fängt an zu kochen, weil er Sehnsucht nach dem Zwilling hat, der will von ihm aber loskommen und hat auch eine dunkle Seite, nämlich eine stumme versteckte Frau im Keller, den Zusammenhang habe ich nicht ganz begriffen und auch eine Freundin namens Jenny, die sich im Laufe des Geschehens Pacu zuwendet, die scheint auch eine Eßstörung zu haben und das Kochen scheint in allen Stift Büchern eine große Rolle zu spielen. Es endet erklärte Lydia Mischkulnig in einer Groteske, nämlich in einer Fernsehshow, wo sich die Zuschauer aussuchen dürfen, welche Operationen die Teilnehmer bekommen. Paul sitzt im Publikum und so wird er wieder an Pacu angenäht. Was ich wirklich für eine Groteske halte und eine psychologische Übersteigerung, vielleicht sollte ich das Buch doch lesen, einmal war ich schon nahe daran es zu klauen, lag es doch auf dem Literaturschiff auf, dann habe ich es aber brav liegen lassen und muß nun weiter rätseln. Die vorgelesen Stellen, Linda Stift ist dann doch gekommen, klagen aber interessant und Lydia Mischkulnigs Fragen waren das auch.
Sie zog auch immer Zusammenhänge zu den anderen Büchern, was ich auch sehr interessant finde und Linda Stift und Lydia Mischkulnig scheinen beide Meisterinnen der psychologischen Überhöhung zu sein. Mir würden ja die Zwillinge reichen und mit Grotesken habe ich es auch nicht so sehr, es ging dann auch um Abhängigkeitsbeziehungen und Zerstörungen und darum, daß man sich seine Geschwister nicht aussuchen kann. Aber auch um die Frage, wie Linda Stift ihre Romane schreibt und wieviel sie dabei recherchiert. Sehr interessant also für die realistische Autorin, die auch über psychologische Themen schreibt, dabei eher von verhaltenstherapeutischen Theorien ausgeht und die Grostesken links außen läßt. Die Neugier auf das Stiftsche Werk ist aber immer noch da, inzwischen würde mich aber “Stierhunger” am meisten interessieren, über die Kaiserin Sisi hat ja auch schon Lilian Faschinger in ihrer “Wiener Passion” geschrieben und am besten hat mir Linda Stift bei ihrer Bachmannpreislesung über die bunten Rucksäcke der Asylwerber, die sich in ein Lastauto quetschen, um in das goldene Land der Freiheit zu kommen, aber das ist in Klagenfurt ja nicht sehr gut angekommen.
Ihre Rom-Anthologie habe ich aber auch gelesen und wer jetzt noch was Biografisches will, Linda Stift wurde 1969 in der Südsteiermark geboren und ist die Cousine von der Andrea Stift und einen Namensartikel darüber gibt es von mir auch, ja wie sie zu ihren Namen kommt, wollte Lydia Mischkulnig, die die Autorin seit eineinhalb Jahren kennt, auch noch wissen. Einen klassischen und einen eher exotischen Namen für die Zwillinge, hat sie sich ausgesucht und es stimmt, daß Zwillinge oft Namen mit demselben Anfangsbuchstaben haben, habe ich ja auch einmal ein Kinderbuch namens “Lore und Lena” geschrieben, was vielleicht weniger abgehoben ist.
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Privatroman und Abschiednehmen
Wieder einmal Doppelpack in der Alten Schmiede.
Da gabs zuerst eine “literarische Erleuchtung” mit Herbert J. Wimmer, der Elfriede Jelineks zwischen 2007 und 2008 entstandener Privatroman “Neid”, der nur auf dem Netz zugänglich ist, beziehungsweise gibt es jetzt eine Hörbuchfassung, die man sich auf der Jelinekseite herunterladen kann, vorstellte und das ist sehr interessant, habe ich mir das neunhundert Seiten Werk ja 2008 noch ausgedruckt in ein paar Mappen getan, gelesen, auch ein bißchen darüber gebloggt und in den letzten Wochen zwei Netzbücher besprochen, wovon das eine “Klick mich”, das ja gar nicht ist, sondern nur das Leben einer Internetaffinen jungen Frau beschreibt, das andere “Incommunicado”, erscheint im Netz, weil der Autor keinen Verlag gefunden hat und als Elfriede Jelinek sehr früh ihr Netztexperiment startete, hat es das alles noch nicht gegeben und sich das Internet sehr rasant weiterentwickelt. Inzwischen gibt es E-Books, Selfpublischer, aber immer noch sehr viele Vorurteile, habe ich da ja vor kurzem eine Blogumfrage gelesen, ob die Blogger Selbstgemachtes besprechen würden? Sie tun es nicht und Elfriede Jelinek hat 2008 ihren Lesern eine Anleitung zum Lesen von “Neid” gegeben, wie “Nur nicht ausdrucken oder machen Sie damit was Sie wollen!” und hat von der Flüchtigkeit eines Leberkäsesemmerls gesprochen, während sich die Leser beklagten, daß sie die ausgedruckten Seiten nicht am Balkon lesen konnten.
“Neid” also in der Alten Schmiede und Herbert J. Wimmer projezierte die Jelinek Homepage auf die Wand, erzählte was zum Projekt, las ein Kapitel vor, in dem es um eine Klavierlehrerin namens Brigitte und das Sterben der Stadt Eisenerz, aber auch um sehr viele politische Anspielungen geht. Dann folgte die schon beschriebene Gebrauchsanweisung, eine Hörbuchprobe und ein Stück, wo sich das Thema “Neid”, auf den Preis und die, die der Autorin darum neidig sein könnten,beziehen.
Ein interessantes Projekt, vor allem wenn man es in Beziehung mit der Internetentwicklung setzt. Elfriede Jelinek war ja so etwas wie eine Netzpionierin, inzwischen bin ich nur mehr selten auf ihrer Seite und so war es ein kleiner Ausflug in die Vergangenheit. Kurt Neumann deutete auch so etwas an, wie, daß der Text im Netz nicht sehr viel Aufmerksamkeit gefunden hätte, wo ich mir aber gar nicht einmal so sicher bin, gibt es ja das Jelinetz der Jelinek Forschungsgesellschaft.
Dann gabs eine Pause, wo ich ein bißchen herumspazierte und hauptsächlich die Auslagen der umliegenden Buchhandlungen studierte und dann stellte Reinhard Kaiser Mühlecker Wolfgang Hermann vor und Reinhard Kaiser Mühlecker ist ja so etwas wie ein Senkrechtstarter.
“Wiedersehen in Fiumcino” habe ich gelesen, den Erstling “Der lange Gang durch die Stationen” habe ich noch auf meiner Leseliste und Wolfgang Hermanns literarisches Werk verfolge ich auch sehr intensiv, seit der den Siemens Literaturpreis mit einer Vorform des Herrn Faustini gewonnen hat.
Reinhard Kaiser Mühleckers Einleitung bestand aus einem literarischen Text, in dem er das Haus im vierten Bezirk schilderte, in dem er einmal wohnte, den Freund, der ihm mit einem Doppelliter Wein besuchte und Wolfgang Hermanns “Fliehende Landschaften”, das er sich aus der städtischen Bücherei besorgte und dann dieses und andere Hermann Bücher immer wieder las.
“Abschied ohne Ende” ist das letzte und es ist literarisch schwer einzuordnen, leitete Kurt Neumann ein. Eine Mischung zwischen Protokoll und Erzählung, ein Mann entdeckt seinen sechszehnjährigen Sohn tot im Bett und Wolfgang Hermann näherte sich dem Thema behutsam an, spricht von grauen schweren Novembertagen, schildert dann die Katastrophe, durchwandert einige Krisen und einen Spitalsaufenthalt bevor er durch Begegnungen mit den Freundinnen Fabius, wieder in das Leben zurückfindet.
So wetwas ist wahrscheinlich schwer ohne Pathos zu erzählen und es ist Wolfgang Hermann, glaube ich, auch nicht gelungen und inzwischen stolpere ich ja schon selber über Sätze, wo einer sich ein Handy kauft, um es in den Spaziergang in den Wald mitzunehmen, um die Rettung anrufen zu können, wenn er gestorben ist.
Kann man so schreiben? Natürlich kann man und die Trauer und der Schmerz ist auch pathetisch und bei den Fragen, die Reinhard Kaiser Mühlecker anschließend stellte, war nicht die, wie weit das autobiographisch ist? Wolfgang Hermann hat sie aber beantwortet. Autobiographisch nicht, dennoch zehn Jahre gebraucht, bis der darüber schreiben konnte, er meinte auch, daß ihm sein Philosophiestudium das Erzählen zerstört hat, vorher konnte er es, nachher war es minimalistisch. Über den Verlust und die Trauer wollte er schon 1999 schreiben, konnte es nicht und hat daher den “Herrn Faustini” geschaffen, so daß er über den Humor wieder in das Schreiben zurückfand.
Bei der Diskussion wurde Wolfgang Hermann sehr gelobt und sein Buch als große Kunst bezeichnet, vorher hat Wolfgang Hermann noch von den vielen amerikanischen Bücher erzählt, wo Schriftsteller über den Verlust ihrer Kinder, Frauen, etc schreiben, da gibt es sehr viel, er hat es aber nur auf seine Weise schreiben können.
Erich Hackl war im Publikum und Evelyn Holloway und Wolfgang dankte am Beginn allen, die zu der Präsentation seines schweren Buches gekommen seien, während Herbert J. Wimmer zwei Stunden vorher das Publikum von Elfriede Jelinek grüßen ließ.
Reisen mit Franz Grillparzer
So heißt das neue Buch meiner Freundin Ruth Aspöck, bei Löcker erschienen, das sie nach ihrem Tagebuchprojekt begonnen hat und deshalb zum Teil mit Robert Eglhofer auf den Spuren Franz Grillparzers durch halb Europa reiste.
Eine sehr interessante Vorstellung seine Pension zu genießen und auch eine tolle Idee, einem vor zweihundert Jahren lebenden Hofdichters und K. und K. Beamten nachzureisen, den ich wahrscheinlich durch die Klischees meiner Schulbildung, als sehr verknöchert, grantig und verbittert, im Gedächtnis habe und mich auch erinnern kann, als ich während meiner Hauptschulzeit, was ich ja nur sehr kurz machte, die städtische Büchereifiliale am Kalvarienbergplatz aufsuchte, daß mir die meiner Erinnerung nach ebenfalls sehr verknöcherte Bibliothekarin erklärte, daß man einer Zwölf- oder Dreizehnjährigen nur einen Krimi pro Woche gestatten würde, so landete eine etwas verstaubte Grillparzer Werkausgabe bei mir, die ich ein wenig angelesen habe und wahrscheinlich ebenso verstaubt wieder retournierte und als mich Ruth Aspöck 2002 zu ihrem “Poesie und Brotberuf”-Projekt eingeladen hat, habe ich den Direktor des K-u.K Hofkammerarchivs als Beispiel dafür angegeben, wie sich beides verbinden läßt und dann gibt es noch das Klischee vom ewigen Junggesellen, der Kathi Fröhlich, den vielen faden Dramen und dem Josef Meinrad, der die Ballade an Österreich aus dem “König Ottokar” aufsagt.
Viel mehr, ich gebe es zu und die Grillparzer Experten mögen es mir verzeihen, weiß ich zu dem österreichichen Hof- und Staatsdichter nicht, gehe ich ja eher selten in Theater und bin das auch als Studentin nicht oder doch, jetzt fällts mir ein “Weh dem der lügt”, bzw. die Rolle des Küchenjungen Leon, das wir in der Straßergasse bei der Frau Professor Friedl, die ja meine Liebe zur Literatur nicht weckte, wohl aber verstärkte, gelesen haben, hat mich fasziniert und das spielte es damals im Burgtheater und ich hatte auch ein Theater der Jugend Abo, aber nur Karten für “Egmont”, was ich sehr bedauerte.
Reisen mit Franz Grillparzer also, von dem ich vor Ruth Aspöck keine Ahnung hatte, daß er viel herumreiste, was im neunzehnten Jahrhundert ja viel beschwerlicher war, als heute, wo es noch die Postkutsche gab, aber auch viel elitärer, denn das war der Oberschicht vorbehalten und die adeligen und anderen Familien reichten sich offenbar auch weiter und sprachen Empfehlungen aus.
Wie Ruth Aspöck auf den Grillparzer gekommen ist, weiß ich nicht und könnte sie es fragen, sie hat aber Theaterwissenschaft studiert und ist 2007 mit ihrem Verlag “Die Donau hinunter” in Pension gegangen, was sie mit einer Dichterradkarawane die Donau hinauf von Wien nach Bamberg feierte, wo es jeden Tag an einem anderen Ort eine Lesung eines ihrer Verlagsautoren gab und wir ein Stück mitgefahren sind. Man sieht die Ruth hat immer originelle Ideen, damals arbeitete sie gerade an ihrem Tagebuchprojekt und dann ist sie mit Brigitte Schramm in die andere Richtung auf eine Schiffsreise gegangen und da schon dem Herrn K und K Hofdichter nachgefahren, weil der im Alter, ich glaube, da war er fünfzig, das ebenso machte. Es gibt ja ein Stück von Erwin Riess “Herr Grillparzer fasst sich ein Herz und fährt mit einem Donaudampfer ans schwarze Meer”, auf das ich sie, als sie mir von ihrem Projekt erzählte, aufmerksam machte, damals wußte ich noch nicht, wie umfangreich das war und wieviel der Herr Grillparzer durch die Welt gefahren ist. Später habe ich dann mitbekommen, daß die Ruth über Silvester in Instanbul war, einmal sagte sie mir in der Alten Schmiede, sie käme gerade aus Stuttgart und da waren ja gerade diese Bahnhofsproteste und bei ihrer Lesung in Krems vor einem Jahr waren auch schon einige ihrer Grillparzertexte zu hören.
Jetzt ist das Buch also erschienen und ich kann es allen nur empfehlen, denn es ist wirklich eine spannende Idee durch Europa zu fahren, zu erzählen, was da los ist, was frau gegessen hat und zwischendurch immer wieder die Tagebücher und die Autobiografie des Meisters zu erwähnen und ihm auch bei seinen geistigen Höhenflügen und kleinen Schwindeleien vielleicht auf die Schliche zu kommen.
Chronologisch, liebe Eva, sonst kennt man sich nicht aus. Es beginnt also die Donau hinunter von Wien ans schwarze Meer und geht dann nach Italien, da war Grillparzer, als er diese Reise machte, viel jünger, ein lebenslustiger junger Dichter, der weil er offenbar nicht soviel Geld hatte, sich einigen Aristokraten anschloß und bei ihnen Sekretär und sogar Krankenpflegerdienste übernahm.
Ruth Aspöck hat bei ihren Reisen meist in österreichischen Kulturinstituten übernachtet oder wie beispielsweise in Paliano in der dortigen österreichischen Schriftstellerwohnung ein einmonatiges Stipendium gehabt, das war im Juli 2010, im August war Cornelia Travnicek dort.
Grillparzer ist aber auch nach Rom gefahren, nach Neapel und Venedig, in Venedig schreibt er von Theaterbesuchen und erwähnt den Namen eines solchen und die Detektivin Ruth weist ihm nach, daß er gar nicht dort gewesen sein kann, weil es dieses Theater nicht mehr gab.
Grillparzer hat auch den Vesuv besichtigt und Robert Eglhofer, Ruths Begleiter, der dem Buch zwei Kapitel beigesteuert hat, schreibt in einem, von einer engagierten Autorin, die ihn als Reisemarschall mißbrauchte und ihn auf den Vesuv schleppte.
Dann gehts nach Istanbul, Ruth und Robert, glaube ich, waren um den Jahreswechsel dort. Istanbul war gerade Kulturhauptstadt und Grillparzer schreibt, die Ruth war gar nicht der erste Österreicher, der Konstantinopel bereiste, Hammer Purgstall war schon früher dort und unser Dichter ist wiedermal zu spät gekommen.
In dem Buch sind auch einige Grillparzer Gedichte und einige Zitate eingefügt und nach Istanbul gings nach Weimar, auch eine Kulturhauptstadt und dort gibts ein Goethe Haus, das heute ein Museum ist, der österreichische Dichterfürst hat natürlich den deutschen besucht und im Hotel Elephant gewohnt, das gibt es noch, schreibt Ruth Aspöck, ist aber trotzdem ein anderes, den Adolf Hiltler hat das alte abreißen und sich ein neues Protzigeres bauen lassen, was ein Grund war, wie sie schreibt, dort nicht Mittag zu essen, was aber ohnehin nicht gegangen wäre, weil zu teuer und das Restaurant nur den Hotelgästen vorbehalten.
Dann fuhr Grillparzer nach London, der vorher in Paris war, wo er, der nicht gut Englisch sprach, sich ein bißchen auf die Sprache vorbereitete und zu Metternichs Zeiten mußte man offenbar auch überall aufpassen, nicht irgendwelchen Spitzeln in die Hände zu fallen und von ihnen ausgehorcht zu werden. Die Ruth hatte in London wieder ihren Reisemarschall und pensionierten Englischlehrer mit, der die Stadt wie seine Westentasche kennt und sie daher Grillparzer nachführen konnte und interessant war auch, daß man, wenn man den Damen in den Kulturinstituten den Namen Grillparzer nannte, oftmals “Grill wer?” zur Antwort bekam.
Grillparzer muß aber ein sehr politisch interessierter Mensch gewesen sein, hat er doch fast überall Parlamentssitzungen besucht und er ist auch viel ins Theater gegangen und hat sich mit den deutschsprachigen Intellektuellen und Dichtern, die dort lebten, getroffen. In Paris war das Heinrich Heine, in Stuttgart, wo es auch hinging Ludwig Uhland.
Grillparzer der ja damals K und K Beamter war, mußte, wie Ruth weiterschreibt, um seine Reisen zu ermöglichen, um Urlaub betteln, was oft schwer genug war. Die Ruth hat ihre Reisen in der Pension gemacht und auch eine besondere Beziehung zu Stuttgart, weil dort ihre Schwester lebt.
Am Schluß gibts noch ein besonderes Kapitel, nämlich Grillparzer und das Essen, was hat der auf seinen Reisen zu sich genommen? Kurt Palm hat das ja einmal bei Mozart versucht und in den Grillparzerschen Tagebüchern scheint es die diesbezüglichen Hinweise gegeben zu haben, also “Kalbsbraten in Ferrara, der mit Rosmarien gespickt war und in Rovigo zum Frühstück eine in Öl gebackenene Frittata,”, was dem Dichter offenbar beides nicht schmeckte.
In Konstantinopel wird viel Kaffee serviert, der grantige Hofbeamte schwärmt aber von seinem Wiener Kaffee und das Fleisch im Orient taugte offenbar ebenfalls nichts.
Interessant, interessant und so sind wir mit Grillparzer und Ruth Aspöck durch Europa und mir ist der alte Herr ein bißchen näher gekommen, daß ich jetzt gleich ins Burgtheater gehe, glaube ich nicht und wahrscheinlich gäbe es ihn dort auch nicht zu sehen, aber, als ich unlängst bei den Bücherkästen war, ist mir eine Grillparzerbiografie “Sein Leben ein Traum” von Friedrich Schreyvogel in die Hände gefallen, eine alte und, daß Friedrich Schreyvogel ein “Nazidichter” war, habe ich auch ergooglet, höre die Ruth also aufschreien, daß man immer solche alten Schinken in den Kästen findet, weiß auch gar nicht, ob und wann ich sie lesen werde, meine Bücherliste ist ja schon sehr voll, aber in Paris hat die Ruth aufgejubelt, als ihr die Beamtin dort erzählte, Grillparzers Reiseagebuch gäbe es auf Französisch, es wurde im Jahr 1942 von einem Literaturwissenschaftler namens Paul Bastier herausgegeben.
So weit also Ruth Aspöcks neues Buch, eines ihrer ersten, habe ich ja vor kurzem erst gelesen und das, was sie jetzt schreibt, hat sie mir noch nicht verraten.
Tagebuchtag war übrigens vor kurzem auch.
Mare Nostrum?
Daß sich die heurige Literatur im Herbst mit dem Mittelmeer beschäftigt, war schon am Freitag in Ö1 zu erfahren, war da ja Walter Famler mit dem Fotografen Andreas Fischer bei “Von Tag zu Tag” und diskutierte über das “Mare Nostrum”, die Eröffnung habe ich zwar durch mein Geburtstagsfest versäumt, konnte aber im Morgenmjournal ein bißchen was darüber hören und dann gings zum Werkstattgespräch in die Alte Schmiede “Wem gehört das Mittelmeer” mit Andreas Fischer, Jurica Paviciv aus Kroatien und Kaouther Tabal aus Tunesien, die seit 1983 in Deutschland lebt.
Jurica Pavicic hatte für das Symposium einen Essay “Das Mittelmeer: Zimmer ohne Aussicht” geschrieben, mit dem die Diskussion begann, die von dem Fotografen Andreas Fischer wieder sehr politisch und engagiert geführt wurde und bald in der Frage führte, ob Split oder Dubrovnic tote Städte seien, am Meer die Kreuzschiffe, in der Altstadt die Gucci-Filialen und acht Monate ist die Stadt leer und ob man sie nicht überhaupt zu Museen machen soll, was heftigen Protest erregte und Walter Famler erzählte, daß das Haus, in dem die Alte Schmiede ist, der städtischen Versicherung gehört und es da auch heiße Grabenkämpfe mit den Politikern gäbe, mit denen er einmal im selben Studentenheim wohnte und die Diskussion hatte sich weit vom Mittelmeer entfernt.
Es gab aber noch eine Fotoausstellung und ich entfernte mich in die mediteranen Gefilde des Naschmarkts ins Fischrestaurant Umar, um mich dort mit Alfred, der Anna und dem Andi zum Geburtstagsmittagessen zu treffen, Calamari und Panna Cotta, bis es um vier ins Odeon ging, wo es mit einem Italiener weiterging, denn das Mittelmeer ist ja ein weites Thema, das hüben und drüben eine Reihe von Ländern, mit vielen Problemen und Revolutionen umspannt.
Ein bißchen konnte man sich das auch im Odeontheater mittels einer Diabildershow ansehen und der 1971 bei Turin geborene Davide Longo hat einen interessantes Roman geschrieben “Der aufrechte Mann”, wo ein Universitätsprofessor in Schwierigkeiten wegen einer Affaire mit einer Studentin kommt, er zieht sich zurück, wird von seiner Frau verlassen, dann eskaliert aber das ganze System, es gibt kein Geld, keinen Strom, nichts zu essen und Jugendbanden, alle versuchen in die Schweiz zu flüchten und über Thomas Bernhard wird auch noch diskutiert.
Dann ging es in den Libanon, nämlich zu Abbas Beydoun, der mit “Bilderbuch des Verlustes” eine Art Autobiografie schrieb und eine sehr deutlich akzentuierte Aussprache hatte.
Nach der Pause stellte Hartmuth Fähndrich, der auch das Beydoun Kapitel, das noch nicht auf Deutsch erschienen ist, übersetzt hat, Ibrahim Adbd al-Magid aus Ägypten vor, der sich in einer Trilogie mit dem “Weltkrieg in Alexandria” beschäftige und Ibrahim al Koni, der mit “Das Herrscherkleid” einen der politischsten Romane, um die Macht geschrieben hat, wie der Moderator betonte.
Dann gabs wieder eine Pause und danach eine Diskussion zum Thema “Zukunft des Südens? Das Mittelmeer als Krisenzone und Hoffnungsraum mit Mathias Enard aus Frankreich, der jetzt in Barcelona lebt, der Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor, die in Deutschland lebt und die Tochter syrischer Einwanderer ist, Eyal Megged aus Jerusalem, den in der Schweiz lebenden Perikles Monioudis, griechischer Herkunft und dem Frankfurter Friedenpreisträger von 2011 Boualem Sansal, der am Freitag auch die Eröffnungsrede hielt und ganz am Schluß gabs noch eine Lyrik Lesung mit zwei kroatischen Dichterinnen, die die Hafenstädte und das Meer besagen, Abbas Beydoun, der seltsamerweise sein Berliner Tagebuch mit Gedichten an Brecht, Immre Kertez und den Potsdamerplatz vorstellte und einem sehr sprachgewaltigen, mich an Celan erinnernden Gedicht “Liliths Widerkehr” der libanesischen Feministin Joumana Haddad, die nicht persönlich anwesend war.
Am Sonntag gings dann weiter mit zwei Filmen über die tunesische sowie zur ägyptischen Revolution, vor allem der über die tunesische “Hello Democracy Menschen in Zeiten des Umbruchs” war sehr interessant, die beiden Filmer Jörg Oschmann und Heikel Ben Bouzid waren da, und erzählten, daß sie im vorigen Jahr in dem die Wahlen waren für ein Monat hingefahren sind und nach Protagonisten suchten, die sie filmen konnten.
Es beginnt mit einem Rückblick über die Diktatur, dann sieht man schon eine junge Wahlhelferin, mit einer Brille, das Zeichen ihrer Partei und einem Rucksack durch die Straßen gehen und Wahlzetteln verteilen. Sie erzählt, sie hat Jus studiert und wollte Anwältin werden, was sie aber nicht konnte, weil sie damals ein Kopftuch trug, denn das war damals auf der Uni und den Lehrern verboten. Dann sieht man sie zur Wahl gehen und erlebt ihre Freude, daß sie das jetzt darf. Der zweite Protagonist ist ein Kellner, der nicht wählte, aber erzählte, daß es seine Kinder besser haben und studieren sollen und man sieht seine Frau mit ihren lernen. Ein gewisser Widerspruch tat sich da zu der Samstagsdiskussion auf, denn da erzählte Kaouther Tabai, daß sie Bedenken wegen einer möglichen Islamisierung hat und man ihr riet, derzeit nicht allein in Tunis mit dem Taxi zu fahren.
Nach dem zweiten Film am Nachmittag gabs eine Pause und als ich aufs Klo wollte, traf ich Trude Kloiber beim Foyer, die sich bei meinem Geburtstagsfest entschuldigt hat und konnte sie dann überreden bis zum Schluß zu bleiben und man kann auch sagen, am Sonntag gabs das beste Programm bzw. die bekanntesten Autoren, nämlich um fünf die Lesung von Boulaem Sansal, der von Ilya Trojanow moderiert wurde und der eine Unmenge Bücher am Büchertisch liegen hatte. Eines davon “Rue Darwin” hat er vorgestellt und da geht es um eine algerische Familie, wo die Großmutter ein Bordellimperium oder etwas Derartiges aufgebaut hat und das Stück das Robert Reinagl las, handelt davon, daß ein Sohn mit der Leiche seiner Mutter, die vorher in einem französischen Krankenhaus an Krebs gestorben ist, zurück nach Algier fliegt.
Dann kam eine jüngere Türkin nämlich Ash Erdogan, die ihr Buch “Die Stadt mit der roten Pelerine” vorstellte, dann wurde noch ein Märchen über einen Istanbuler Stadtteil gelesen und die Rolle der türkischen Autorinnen der Gegenwart diskutiert.
Dann kam eine Pause und dann der in Barcelona lebende Mathias Enard, den ich schon von der Diskussion kannte, mit seinem Roman “Zone” der auch sehr interessant sein dürfte. Da fährt ein Mann von Mailand nach Rom und erlebt im Zug offenbar ein Odyssee bzw. die ganze Weltgeschichte, bzw. durchfährt er das ganze Mittelmeer und erlebt dabei Geschichten, wie zum Beispiel, die von Juden, die in der NS Zeit von oder nach Mauthausen und durch die ganze Gegend gekarrt wurden.
Interessant habe ich mir da gedacht, Marianne Gruber dürfte mit ihren “Erinnerungen eines Narrens”, wenn ich es richtig verstanden habe, etwas Ähnliches gemacht haben und vielleicht könnte ich so einmal die Geschichte von der alten Frau, die alle ihre Bücher auflesen will, schreiben, aber da hätte ich wahrscheinlich Schwierigkeiten mit dem Copyright, weil ich da ja viel zitieren müßte.
Es ging dann gleich weiter mit den alten Frauen, bzw. mit Zeruya Shalevs neuen Roman “Für den Rest des Lebens”, die ich, glaube ich heuer schon in Leizpig sah und die ja sehr bekannt ist. Ich habe bei einem Geburtstagsfest einmal ein Buch von ihr bekommen und eines wenn ich mich nicht irre, einmal im Bücherschrank gefunden.
Sie machte einen sehr sympathischen und offenen Eindruck und erzählte, daß es in ihrem Roman um eine sterbende alte Frau geht, die ihr Leben, die Geschichte Israels, das Aufwachsen im Kibbuz und die Schwierigkeiten mit ihren Kinder dabei reflektiert. Alles mir sehr bekannte Themen, schreibe ich ja auch sehr oft über sterbende alte Frauen und interessant auch die Frage Walter Famlers “Warum?” und die Antwort der Autorin, wahrscheinlich weil ich auch älter werde und mich daher vorbereite und das ist wahrscheinlich auch die Antwort, die ich geben sollte, wenn mich meine Leser fragen, warum ich das soviel tue.
Walter Famler hätte übrigens auch mich zu der Veranstaltung einladen können, lernt in der “Wiedergeborenen” doch Theresa Brunner zu Beginn einen koptischen Christen aus Ägypten auf einer Demo kennen und einen Ari aus Jerusalem, der im Wiener Literaturhaus die Biografie über seine Mutter vorstellt, gibt es auch.
Nachher bin ich mit der Trude nach Hause gegangen und habe mit ihr über Literatur geplaudert und jetzt werde ich kurz nach Basel gehen und schauen, ob es schon Nachrichten von der Schweizer Buchpreisfront gibt und kann gleich bloggen, daß den Peter von Matt mit seinem Essayband “Das Kalb vor der Gotthardpost” gewonnen hat, den ich am Montag ja nicht hörte.
Geburtstagslesung
Am Freitag also mein literarisches Geburtstagsfest, die Veranstaltung, die ich mir seit, glaube ich, 1987 jährlich zum Geburtstag selber schenke. Alfred macht das Buffet. Ich lade ein paar Autoren ein und lese selber. Diesmal waren es Franz Blaha, Stephan Eibel Erzberg, Rudolf Lasselsberger, Lidio Mosca Bustamante und Hilde Schmölzer, wieder mehr Männer als Frauen, das war schon im Vorjahr so, während früher meistens nur Frauen gelesen haben und wieder war es ein toller Erfolg. Über zwanzig Leute sind gekommen, Ruth Aspöck, Robert Eglhofer, Elfriede Haslehner, meine Psychologiekollegin Silvia und auch ein paar Leute, die zu Stephan Eibel Erzbergs Lesung wollten. Wieder ein paar Bücher. Frido Manns “Mein Nidden” und Sofi Oksanen “Stalins Kühe” habe ich mir gewünscht und sind Nachträge bezüglich unserer Baltikumreise. Stephan Eibel Erzberg hat, wie versprochen seinen neuen Gedichtband mitgebracht, Franz Blaha ein Driesch, Regina Alfery Julia Kospachs “Wien”, Lidio Mosca Bustamante und Hilde Schmölzer brachten auch ihre neuen Bücher und der Rudi was aus dem fröhlichen Wohnzimmer sonst gabs noch eine Kerze, Wein, Schokolade, Blumen und ein paar CDs.
Begonnen hat Franz Blaha mit einem Essay, der auch im Driesch abgedruckt ist “Vertreibung aus der Muttersprache”, der erzählt, wie ihm als Ottakringer Kind der Dialekt ausgetrieben und das “schön sprechen” eingeprügelt wurde, sehr beeindruckend, weil ich meine Kindheit ja auch viel bei meiner Großmutter in Ottakring verbrachte und meine Mutter ebenfalls wünschte, daß ich Hochdeutsch spreche. Dann folgte der liebe Stephan und erzählte, daß er Hilde Schmölzer sehr verehre und, daß ihm ein Redakteur der Wiener Zeitung angetragen hat jeden Tag ein Gedicht von ihm zu bringen. Er begann mit “Bettina” “Dein Grant in deinem Gesicht stört meinen Schwanz nicht”, hat nicht gepasst, also was Politisches, was auch nicht passste und auch beim Katholischen “Gott, wir danken dir, daß die Neger verhungern Und nicht wir” ging es nicht, obwohl ja alle Gedichte bei Styria, einem katholischen Verlag erschienen sind.
Hilde Schmölzer las dann wieder, wie bei der Poet Night aus dem Podium Bändchen ihre frühen Gedichte, die zu ihrem fünfundsiebzigsten Geburtstag erschienen sind und ich die Szene, aus “Kerstins Achterln” wo der Hektor mit der Susa Dworak Eis essen geht und habe dabei gleich einen Fehler gefunden.
Lido Mosca Bustamante brachte etwas über Tango aus seinem neuen Erzählband “Tango-Kontinuum” und zum Schluß hatte Rudi Lasselsberger eine lustige Geschichte über eine Weltraumfahrt. Nachher gab es das Buffet, die Roastbeefbrötchen hats schon vorher gegeben, jetzt kam noch der Lungenbraten in Blätterteig und der Topfenstrudel dazu.
Durch mein Geburtstagsfest habe ich die Eröffnung der heurigen Literatur im Herbst Veranstaltung “Mare nostrum?” im Odeon versäumt, die am Wochenende weitergeht und am Donnerstag leider, aber ohne meine Schuld die Alpha Literaturpreis Gala, so daß ich hier nur bloggen kann Milena Michiko Flasar hat, ganz wie von Julya Rabinowich beim Volksstimmefest vorausgesehen, mit “Ich nannte ihn Krawatte, Klaus Nüchtern und Josef Haslinger waren unter anderen in der Jury und bei der Buch Wien gibts eine Lesung der Preisträgerin und auch eine Diskussion über den Sinn des Literaturpreises, vielleicht kann ich dazu auch was sagen.
Klick mich
Die 1985 geborene Politikerin der Piratenpartei und Politologin Julia Schramm hat ein Buch “Klick mich” Bekenntnisse einer Internetaktivistin, auf das ich durch Wolfgang Tischer vom Literaturcafe. de aufmerksam wurde und das mit “Mein Name ist Julia und ich lebe im Internet” beginnt. In etwa siebzehn Kapiteln wird das dann genau ausgeführt, die “Mein Freund, der Monitor”,”Mein Tagebuch dürfen alle lesen”, “Wie Jack the Ripper mich das Leben lehrte”,”Mein Gehirn ist digital”,”Mädchen sind auch in Internet doof”, etc heißen.
Voran gibt es ein Personenverzeichnis, da gibt es zum Beispiel das Ich, die unzuverläßige Erzählerin,chloe.f.f.w, die Pubertierende, Jade, die Studentin,laprintemps, die gegenwärtige Person der Erzählerin und dann den Internetaktivisten Mortensen, den guten Freund Leonhard, Sesemi, die Freundin und Datenschützerin, aber auch Adolf Hitler, Jack the Ripper und viele andere in Nebenrollen, damit wird,wenn ich das richtig verstanden habe in einer fetzigen Sprache das Leben im Internet erläutert und irgendwo gibt es auch die Stelle, daß es “das geistige Eigentum nicht gibt, weil dieses ja allen gehört”, womit wir bei der derzeit hitzig geführten Urheberduskussion wären und am Ende des Buches gibt es auch ein Glossar, wo sehr genau und deutlich die Sprache der Internetgeneration, also was ein Troll ist, aber auch bubble tea, die Funktion der Smilieys etc erklärt wird.
All das habe ich aus der Amazon Vorschau, denn Julia Schramms Buch, ist nicht im Internet, sondern als E-Book und im Hardcover im Knaus Verlag erschienen und sie soll dafür auch einen Vorschuß von hundterttausend Euro bekommen haben.
Es gab dann auch eine Kopie im Internet, die aber der Verlag und die Autorin entfernen ließ und sich daran anschließend eine große Diskussion in der Piratenpartei, so daß Julia Schramm aus dieser vor einer Woche ausgetreten ist.
Es gibt auch einen Blog der Autorin, wo das Vorwort und zwei Kapitel von Freunden kommentiert zu finden ist und einen Satz, daß das Buch, wenn dann in zehn Jahren die Rechte wieder an die Autorin zurückgehen werden, von ihr allen öffentlich zugänglich ins Internet gestellt werden wird, was ich sehr interessant finde, weil ich denke, daß die Inhalte dann sehr überholt und wahrscheinlich nur mehr historisch interessant sein werden und interessant ist auch, daß eine Internet Exhibitionistin ihr Buch in Papierform erscheinen läßt, habe ich da nicht bei Gery Shteyngart gelesen, daß Bücher stinken, sie einen so großen Vorschuß bekommt und dann ihr geistiges Eigentum, daß es ja nicht geben soll, aus dem Netz in dem sie lebt, entfernen läßt und sie jetzt auch die Piratenpartei verlassen hat.
Sehr interessant sogar, weil sich darüber intensiv philosphieren läßt, das Buch wird in den Rezensionen, die ich gefunden habe, auch ziemlich zerrissen und mit Helene Hegemanns “Axoloatl Roadkill” verglichen.
Interessant, ob ich es einmal im Bücherschrank finden werde und weiter interessant, daß das Buch “Klick mich” heißt, denn gerade das kann man ja nur bei E-Buch-Version tun und vieles ist dabei für eine fast Sechzigjährige, die ja noch ohne Internet aufgewachsen ist, keine Nick Names mag, nicht so viele Indentitäten hat, ebenfalls viel Zeit im Netz verbringt, dort auch mit einigen Personen kommuniziert, die sie noch nie gesehen hat, das aber meistens in Deutsch mit einem ganz normalen Wortschatz tut, nicht so leicht zu verstehen, so daß ich über das sehr ausführlich erscheinende Glossar dankbar bin, da ich mich über die zahlreichen Kürzeln und verschiedenen Smiley-Symbole manchmal schon gewundert habe. Meine Texte sind ebenfalls nicht ganz im Netz, sondern immer nur ein Kapitel mit manchmal einem You-tube Video zu finden. Eine solche Vorschußhöhe ist mir fremd, mit dem E-Booklesen habe ich im Sommer angefangen und habe, da ich meine Bücher bevorzugt aus Abverkaufkisten, dem offenen Bücherschrank oder als Rezensions- bzw. Tauschexemplare beziehe, auf den Kampf ums große Geld auch eine etwas andere Sicht, da ich Bücher eigentlich für unverkäuflich halte, weil die Leute nicht mehr so viel lesen.
Dicht-Fest und siebenter Nanwowrimotag
Wieder einmal Dicht-Fest in der Alten Schmiede, zum vierten Mal in diesem jahr, wie Christine Huber in ihrer Einleitung erwähnte und wieder wurden sechs sehr interessante Lyriker und Lyrikerinnen vorgestellt. Trotz des Nanowrimofiebers, das mich ja derzeit plagt, hatte ich die Veranstaltung in meinem Kalender vorgemerkt und wurde von E. A. Richter, der einer der Lesenden war, gestern auch noch extra dazu eingeladen.
Nachdem es mir am Mittwoch mit einigen Schummeln, das heißt einem Prolog und einem Nachwort gelungen war die 50.000 Worte des Nanowrimos zu schaffen, bin ich um achtzehn Uhr in die Alte Schmiede marschiert und habe diese auch sehr bevölkert vogefunden. Christine Huber, Ilse Kilic, die Autoren, etc waren schon da und wurde auch von Judith Nika Pfeifer, die eine der Eingeladenen war, angesprochen, die sich für meine Priessnitzpreis-Berichterstattung bedankte, was mich sehr freute, wußte ich ja nicht, daß sie das Literaturgeflüster liest und mich erkennt und wurde ich ja einmal in der Alten Schmiede für meine Flüstereien auch schon sehr beschimpft, obwohl ich ja eigentlich glaube, daß das ein sehr wichtiges und enormes Archiv ist, das ich mit meiner Berichterstattung erschaffe.
Es ging dann auch gleich los. Christine Huber begrüßte. Waltraud Haas war die erste Lesende, sie hat bei Klever einen neuen Gedichtband “Selbstportrait auf roten Grund” herausgebracht und wurde von Christine Huber, die auf das Motto “Anfänge” das irgendwie bei jedem der sechs Lesenden zu finden ist, hinwies, bezüglich ihrer Verdichtung und ihrer Verknappung ihrer Zweizeiler sehr gelobt und ihre Gedichte haben mir auch sehr gefallen.
Hans Eichhorn war der nächste, er las Gedichte, die in den Manuskripten veröffentlicht sind und als ich ihm nach der Veranstaltung fragte, in welchen Heft die Gedichte veröffentlicht sind, wollte er mir dieses gleich schenken, aber ich habe ja ein Autorenabo und das Heft sicher irgendwo liegen, nur das Wiederfinden ist ein wenig schwierig, da ich es aus Platzgründen nicht geordnet habe.
Die dritte Lesende vor der Pause war Judith Nika Pfeifer, sie stellte ihren bei Mitter erschienenen Gedichtband “nichts ist wichtiger ding kleines du” vor und las Gedichte, die ich zum größten Teil schon vorige Woche hörte, was mich aber verstärkte, bei der Buch-Wien, die ja bald beginnt, wieder zu versuchen, den Gedichtband zu bekommen, vor zwei Jahren mit dem Buch der Anna Weidenholzer hat das ja geklappt.
Danach gabs eine Pause und, ich glaube, ein Gespräch mit E. A. Richter und Rudi Lasselsberger, den ich an meiner Freitägige Geburtstagslesung erinnerte, dann gings weiter mit Semier Insayif, den ich ja vom Siemens Literaturpreis kenne, er hat bei Haymon einen Gedichtband herausgebracht, in dem es um Gärten, fliegende Teppiche und noch vieles anderes geht, was er jeweils vor dem Vortrag auch immer ganz genau erklärte.
Die Schweizerin Elisabeth Wandeler-Deck hatte ich schon vorher kennengelernt und mich mit ihr vor Beginn der Veranstaltung unterhalten, ihr Gedichtand heißt “Anfänge, Anfangen gefolgt von Und” und wurde von Christine Huber als experimentell und dann doch wieder nicht eingeleitet.
Als letztes folgte E. A. Richter mit seinem “Schreibzimmer”, mit einem sehr realistischen dreizehn Minuten dauernden Langgedicht, in dem sich der Protagonist zuerst vor seiner Putzfrau schämt, dann an ihren Akzent Sprachstudien machen möchte. Er flüchtet in sein “Schreibzimmer”, hört dort die Fick- oder anderen Geräusche seines Nachbars und schämt sich am Ende wieder vor seiner Putzfrau wegen seines unaufgeräumten Schreibzimmers.
Nachher gabs Wein und was zu knabbern und ein paar intensive Gespräche. Ilse Kilic hatte eine sehr lustige Haube auf, wurde von Rudi Lasselberger fotografiert, der mir aufgetragen hat, irgendwas in meinen Blog zu schreiben, was, habe ich vergessen, war ich ja ein bißchen aufgeregt, hatte ich doch im Zeitschriftensaal die Buchkultur und darin gefunden, daß der Alpha Literaturpreis, der am 8. 11. um 18. 30 im Studio 44 am Rennweg vergeben wird, schon wieder öffentlich ausgeschrieben wurde, obwohl sie mich im Vorjahr dort hinausgeschmissen und mich für heuer einladen wollten, was nicht taten und weil die Veranstaltung ja am Donnerstag ist, meine neunzehn Uhr Fixstunde habe. Es ärgert mich aber trotzdem sehr, so daß ich jetzt wieder ein Mail hingeschrieben habe, mal sehen, ob eine Antwort kommt.
Ansonsten, ich habe es schon erwähnt, bin ich mit dem Nanowrimo fertig, am siebenten Schreibetag, habe ich die 50.000 Worte geschafft und weil ich schon früher angefangen habe, vierzehn Tage für den Rohtext gebraucht, was jetzt kommt ist das Korrigieren, bevor ich mich, wie schon lange vorgenommen an das Literaturgeflüstertexte-Buch machen werde. Meine Kritiker werdeen jetzt sicher sagen, daß ich zu schnell bin, ich bin aber stolz darauf, freue mich, daß der Schreibfluß diesmal so dicht und gut gelungen ist und denke, daß mir das erst einmal jemand nachmachen soll, obwohl wenn man auf die Schriftsteller werden Seite geht, sieht, daß da auch schon drei Leute fertig sind. Jetzt gehts wieder in die Badewanne und werde Ruth Aspöcks Grillparzerbuch fertig lesen werde, bzw. Michel Reimanns “Incommunicado”, das ich als kostenloses E-book vorige Woche in Harland zu lesen angefangen habe.
Neue Sicht auf die Zwischenkriegsliteratur und sechster Nanowrimotag
“Österreichische Literatur zwischen den Kriegen- Plädoyer für eine Kanonrevision”, so heißt das neue Buch von Evelyne Polt-Heinzl, bei Sonderzahl erschienen, zu dessen Präsentation die Wien Bibliothek eingeladen und das ist ja ein Thema, das mich interessiert,da ich als 1953 Geborene mit den Büchergilde Gutenberg Ausgaben ihrer Eltern aufgewachsen bin, also hin ins Rathaus, zwar gabs im Literaturhaus wieder eine Gedenklesung, aber da bin ich auch in den letzten Jahren irgenwie nicht hingekommen und es war auch noch ziemlich leer als ich die Bibliothek erreichte. Ein paar Bekannte Gesichter, vor allem ältere Herren, die sehr wichtig taten und sich herzlich begrüßten, was ja irgendwie zum Thema passt. Alfred Pfoser begrüßte und wies auf ein Zitat von Wendelin Schmid Dengler, daß die Zwischenkriegsliteratur irgenwie aus einem Hochkamm bestünde und es soviele andere Autoren und Autorinnen gäbe, die vergeßen wräden und ein Eu oder anderes Projekt an der Universität Klagenfurt, das dagegen ankämpfte und die Zwischenkriegszeitungen durchforstete, um herauszufinden, was an der österreichischen Literatur anders war, als an der Deutschen.
Evelyn Polt-Heinzl nannte es die neue Sachlickeit, die in Österreich gefehlt hätte und dann wurde auch der Unterschied zwischen der Hochkammliteratur und Zeitgeistromanen diskutiert, die einen, die guten Hoffmannsthal, Musil, Roth, die anderen, die schlechten und Evelyn Polt-Heinzl ist da offenbar angetreten, um dagegen zu revolutionieren n und wenn es nicht gerade ums Hinausschmeiße,n sondern um über den Tellerrand zu schauen geht, bin ich auch sehr dafür, weil ich ja eine bin, die im einundzwanzigsten Jahrhundert, die Zeitgeistromane schreibt und Dieter Bandhauser, der Sonderzahlverleger eröffnete auch mit der Frage, ob wir einen Literaturkanon bräuchten? Was bei mir die Frage auslöste, was das überhaupt ist? Die hundert Bücher, die irgenwo im Internet herumgeistern, die man gelesen haben sollte, wo die Bibel, Harry Potter, Goethes “Faust” etc darauf stehen oder bezieht sich das nur auf die Jahre zwischen 1919 und 1939 und da habe ich ja einmal in der Gesellschaft für Literatur ein einprägsames Erlebnis gehabt. Eine junge Rumänin hat ihren sehr realistischen Roman gelesen, den ein älterer Herr im Publikum mit Musil verglichen hat und mir ist der Mund offen gestanden, denn Musil hätte ich nicht daraus gehört. Inzwischen denke ich, das was das, was er kannte, sein Hochkanon, das was er in der Schule lernte und heute lernt man da viel weniger und in den Zwanzigerjahren hat es offenbar auch schon sehr viel Autoren und Autorinnen gegeben und ich finde es ebenso schade, daß sie vergessen sind, bzw. kenne ich sehr viele durch den Bücherschrank meiner Eltern und auch durch Evelyne Polt Heinzl Buch “Zeitlos” und natürlich auch durch die offenen Bücherschränke, wo man Joe Lederer, Vicki Baum und vieles anderers finden kann.
Evelyne Polt Heinzls Buch ist sehr ungewöhjnlich aufgebaut, erklärte Alfred Pfoser nämlich in drei Hauptkapitel, die wiederum in dreißig Unterkapitel aufgeteilt sind. Eines heißt “Der erste Weltkrieg und sein Töchter”, ein anderes “Großstadtmetropolen und neue Medien” da ist das Radio damit gemeint und Vera Borek las ein paar Textbeispiele. Zuerst zwei Männer mit Zeitromanen bzw. einen, der seine Kriegstraumatisierung, wie Evelyn Polt Heinzl meinte durch eine sehr zerrissene Sprache zum Ausdruck brachte. Georg Fröschl und Rudolf Geist, beide mir völlig unbekannt aber jetzt werde ich in den Bücherschränken auf sie achten. Dann kam ein Stück aus Elias Canettis “Blendnung”, was wieder als Hochkammliteratur bezeichnet wurde, ein Buch, das ich zweimal gelesen habe und, daß mich sehr beidruckte. Bei den Frauen hatte Evelyne Polt-Heinzl Joe Lederer, die ich durch ihr “Zeitlos”- Buch kennenlernte und auch im Bücherschrank gefunden habe und eine mir unbekannte Linzerin und Evelyn Polt-Heinzl meinte, daß sowohl Musil, als auch Roth ein konservatives Frauenbild hätte. Bei Musil kann ich das nicht beurteilen, habe ich ja den “Mann ohne Eigenschaften” 1973 oder 74 gelesen und nicht verstanden, die Agathe wäre mir aber sehr emanzipiert erschienen. bei Roths “Radetzkymarsch” stimmt es aber, da habe ich ja schon geschrieben, daß die Frauen dort entweder, als Haushälterinnen oder als Huren beschrieben werden. Übrigens hatte ich gestern eine Suchanfrage “Worüber handelt es sich beim Radetzkymarsch?”
Darum, sowie um die zerfall der Monarchie und um den Tafelspitz und Kirschenknödel. Danach kam in der Diskussion Rudolf Brunngraber und sein “Karl und das zwanzigste Jahrhundert” an die Reihe. Ein Buch, das ich ja inzwischen für unlesbar halte, aber von Milena wiederaufgelegt wurde und die Frage, an der ja schon Ruth Aspöck scheiterte, war er jetzt ein Nazi oder nicht wurde wieder diskutiert. Dieter Bandhauers Eltern haben jedenfalls seine Bücher aus ihren Bücherschrank geschmissen, meine haben ihn drinnen gelassen und Ruth Aspöck hat ihn dankenswerterweise auch wieder aufgelegt.
Eine interessante Diskussion und ein interessantes Buch an Hand dessen man tatsächlich die Literatur der Zwanzigerjahre entdecken kann.
Es gab wieder Wein und Brot, Marlene Streeruwitz stand ziemlich einsam in einer Ecke, ich habe mit einem alten Herrn diskutiert, der auch am Montag im Literaturhaus war und von Dostojewski schwärmte,sowie Dieter Bandhauser danach gefragt, was der Kanon ist? Er konnte mir aber auch keine Antwort geben, welche Bücher man gelesen haben soll. Ich halte mich aber ohnehin nicht daran, lese was ich finde und gestern gabs sogar Stephenie Meyers “Biß zum Morgengrauen” im Bücherschrank, das ich eigentlich lesen möchte, nur ist meine Bücherliste inzwischen schon sehr voll, so daß ich nun zum Schreiben komme und da war ich sehr fleißig. Vier, fünf Szenen habe ich geschrieben und bin bis zu 46733 Wörter gekommen, danach habe ich gedacht “Aus die Maus” und habe meine Laudatio für den Prosapreisträger geschrieben, den ich für den Lebensbericht vorgeschlagen habe und der eigentlich ein Lyriker ist. Macht ja nichts habe ich gedacht und bin aber ziemlich unbefriedigt in die Wien Bibliothek gegangen. Denn wenn ich das jetzt korrigiere fallen ja noch einmal tausend Worte weg. Daß ich den Schreibprozeß wieder in einem Nachwort beschreiben möchte, habe ich mir aber schon am Vormittag gedacht, wie mache ich es jetzt mit den dreitausend Worten die mir noch fehlen? Ich könnte einen Epilog oder einen Prolog anfügen, einen Brief der Lea an den kleinen Leo, den dieser an seinem achtzehnten Geburtstag bekommt und die Lea könnte vielleicht nach der euphorischen Schlußszene doch gestorben sein. Am Weg ins Rathaus sind mir dann noch drei Szenen eingefallen und wahrscheinlich wird es der Kasi sein, der einen Schlaganfall erleidet, vorher bekommt die Lea aber noch ein Lebkuchenherz vom der Tina und am Schluß oder am Beginn gibts den Brief an den kleinen Leo, ich werde wahrscheinlich doch die fünfzigtausend Worte schaffen und damit morgen oder übermorgen fertig sein. Toll eigentlich am siebenten Tag, plus der Woche, die ich schon vorgeschreiben habe, fertig zu sein und den Rest des Monats korrigieren. Dann werde ich auch wieder mehr Zeit haben meine Bücher zu lesen und eigentlich bin ich mit dem Schreibprozeß zufrieden, obwohl der alte Herr, dem ich meine Bücher zeigte, mir erklärte, daß er sich nicht mit dem Tod beschäftigen will.
Schweizer Buchpreislesung und fünfter Nanowrimotag
Den Schweizer Buchpreis offenbar ein Pendat zum deutschen gibt es jetzt zum fünften Mal und da er auf seiner Lesereise heuer das erste Mal im Wiener Literaturhaus Station machte, habe ich auch etwas davon mitgekommen. Das stimmt nicht ganz, denn auf der Buch-Wien lagen immer am Helvetia Stand die diesbezüglichen Einladungen auf und bei www.buecher.at kann man denm Namen des Gewinners höchstwahrscheinlich auch immer finden. Es gibt aber eine Lesereise, die in acht Stationen durch die Schweiz, Deutschland und nach Wien führte, ich glaube 76 Nominierungen und fünf Finalisten Sibylle Berg, Ursula Fricker, Peter von Matt, Thomas Meyer, Alan Claude Sulzer, drei davon haben in Wien gelesen und am Sonntag den 11. findet in Basel die Preisverleihung statt.
Wow, habe ich gedacht, da ich ja ein bißche Literturpreis versessen bin, wahrscheinlich weil ich so wenige kriege und die lieben Leute vom Literaturpreis Alpha, der ja diesen Donnerstag vergeben wird, ihre Versprechen nicht zu halten scheinen, auf dieses neue Literaturevent gefreut und war auch ein bißchen unsicher, wie früh ich hingehen muß um einen Platz zu bekommen? Überhaupt nicht nötig, denn es war ziemlich leer und so bin ich lange im Foyer herumgestanden, wo es diesmal diese weißen Buffettische gab, auf denen die Buchpreis Flyer lagen und habe das Gespräch zwischen einer kleinen agilen Schauspielerin, Silia Fenz mit Namen und dem Botschaftsrat Jaques Ducrest, einen sehr großen Mann, mitgehört. Anne Zauner vom Literaturhaus kam dazu und wollte fröhlich wissen “Weiß man schon wer der Gewinner ist?”
“Streng geheim!” antwortete dieser, was natürlich schade ist, weil ich sonst was flüstern könnte, so also auf Mutmaßungen angewiesen und auf den Büchertisch, auf denen Sibylle Bergs Bücher lagen.
2009 stand sie ja mit “Der Mann der schläft” auf der deutschen Buchpreisliste, jetzt ist “Vielen Dank für das Leben” herausgekommen, mit dem wurde sie nominiert. Dann gabs noch das Buch von Peter von Mann der auch nicht gelesen hat zu sehen, bevor Robert Huez und der Botschaftsrat begrüßten.
Robert Huez stellte dann die beiden Leser und die Leserin, die 1965 in Schaffhausen geborene Ursula Fricker, vor, von der ich noch nie etwas gehört habe, deren Buch “außer sich” aber sehr beeindruckend ist, geht es darum um ein Architektenpaar, von dem der Mann Sebastian einen Gehirnschlag erleidet und seine Frau davon erzählt. Zuerst wollen sie am Wochenende Freunde besuchen, dann kommt es zu dem Unfall und dem ersten Besuch auf der Intensivstation, dann die Reha und am Schluß ist er zu Haus, stößt mit dem Kopf an die Wand und sie muß die Windeln wechseln, etwas, das ich ja auch gerade miterlebe. Dann kam der zweite für mich Unbekannte, der 1974 in Zürich geborene Freelancetexter Thomas Meyer mit seinem Romandebut “Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse”, der große Heiterkeit im Publikum auslöste und der auch sehr originell sein dürfte, schildert er ja die Entwicklung des Sohnes einer jüdischen Familie in Zürich und das Aufwachsen mit seiner Mame, die ihn unbedingt verheiratet will und integriert dabei das Jiddisch so in die Sprache, daß ein neuer frecher Ton herausgekommen ist und ich mir vorstellen könnte, daß er der Gewinner ist, wenn ihm Sibylle Berg nicht zuviel Konkurrenz bereitet.
Aber ich liege mit meinen Schätzungen meistens falsch, sollte also keine geben und den dritten Lesenden, den 1953 in Basel geborenen Alain Claude Sulzer kenne ich von seiner Funktion als Bachmann-Juror, sein Buch, das in den Blogs öfter erwähnt wird, heißt “Aus den Fugen”, Robert Huez stellte es als Roman vor, das eigentlich eine Short Cut Sammlung ist und es scheint um einen Pianisten zu gehen, der während des Konzerts aufsteht und verschwindet. Das Stück das Alain Claude Sulzer gelesen hat, handelt von zwei schwulen Männer, die im Taxi zu diesem Konzert fahren und ist mir ein bißchen arrogant erschienen. Vielleicht lag es auch an der Vortragsart des Autors. Nachher gabs trotz der weißen Tische kein Buffet, nur das Gläschen Wein und ich habe mich ein bißchen mit Ottwald John und Anne Zauner unterhalten, ihr erzählt, daß ich außer Literaturveranstaltungen zu besuchen, auch noch etwas anderes machen, zum Beispiel Nanowrimo schreiben und damit bin ich derzeit voll beschäftigt und erlebe einen sehr interessanten Schreibprozeß, den ich schon ein bißchen beschrieben habe, nämlich am ersten Tag manisches schreiben, dann der Absturz am Tag zwei mit Korrektieren und “Ich weiß nicht weiter”, und “Ich kann es nicht!”- Gedanken”, die am Tag drei wieder verschwunden waren, da habe ich geschrieben und geschrieben und am Sonntag bin ich mit Alfred, seinen Eltern und der Pflegehelferin Veronika ins Waldviertel essen gefahren und habe im Auto gedacht, daß ich mit meinen vierunddreißigtausend Worten eigentlich schon wieder fertig bin.
Was mache ich da? Mein Versagen eingestehen, korrigieren und dann am Literturgeflüstertexte-Buch, wie ich es ja eigentlich wollte, arbeiten oder denken, daß der Nanowrimo ein Schreibemonat ist, also auch, wenn mir nichts mehr einfällt bis am 30. 23.59 schreiben, korrigieren, anfügen, Material sammeln etc.
Am Montag ist es damit auch weitergegangen, halte derzeit bei 41.007 Worten und dreißig Szenen, eine weiß ich noch im voraus, da ladet Mirka den Edy zum Mittagessen ein und die Tina wird ihm Svickova und Torte machen ein und habe dann noch über drei Wochen Zeit, die restlichen sieben bis achttausend Worte, also wahrscheinlich vier oder fünf Szenen und finden, was eigentlich zu schaffen sein müßte.
Es kann natürlich auch länger werden oder kürzer und mit dem, was ich habe bin ich eigentlich auch ganz zufrieden, als ich am Sonntag aber wieder einmal niedergeschlagen war “Ich kann es nicht, ich kann es nicht!”, ist ein liebes Mail von einem Studenten der Sprachkunst gekommen, der durch meinen Bericht über die zweite Studentenlesung zum Literaturgeflüster fand und der mir einmal sagte, daß ihm meine Art zu schreiben, trotz meiner Endlosschachtelsätze gefällt, was einer die sich im World Wide Net ja sehr übersehen fühlt, natürlich gut gefällt!
Nanowrimoschreiben 2012
Jetzt habe ich mich doch entschloßen beim Nanowrimo mitzumachen, das wollte ich schon seit 2008, als ich durch das Writersstudio darauf aufmerksam wurde. 2009 ist die “Heimsuchung” daraus entstanden und es war ein interessantes Experiment, durch das ich das gleich in den Computer schreiben und auch mit den Wort- und Zeichenzahlen umgehen lernte.
Nanwowrimo ist eine Idee aus Amerika, das den Geniekult und den Musenkuß, der bei uns immer noch ein wenig vorherrscht, nicht kennt und man das kreative Schreiben in der Schule lernt, die 1999 von Chris Baty ins Leben gerufen wurde.
Inzwischen nehmen, wie man auf dem Button rechts ersehen kann, dreihunderttausend Leute weltweit teil und haben Spaß, im November, einen Roman mit fünfzigtausend Worten zu schreiben und weil das Ganze eine Ermutigunsübung ist, soll man den inneren Zensor draußenlassen, möglichst ohne Plot hineingehen und schreiben, schreiben, auch wenn es zwischendurch, wie man im Writersstudio lernt “Mir fällt nichts ein” sein kann.
Korrigiert wird später und veröffentlichten kann man inzwischen bei Amazon als E-Book oder als Book on Demand, auch das hat sich inzwischen geändert. 2009 hat, glaube ich, Sarah Wipauer, die heuer mitmachen dürfte, falls sie sich nicht stattdessen für die Viennale entschied, Cornelia Travnicek gefragt, ob sie das ebenfalls macht?
“Nein, denn ich bin für Qualität!”, hat sie geantwor.tet Aber die kann ja in den fünfzigtausend Worten enthalten sein und natürlich entsteht kein Roman in einem Monat, aber vielleicht eine Ideensammlung, ein Rohentwurf etc.
So gesehen habe ich 2010 auch an der “Absturzgefahr” korrigiert und 2011 an der “Frau auf der Bank”, die ich ja am Montag in der Alten Schmiede vorstellte.
Daß ich wieder mitmachen will, war klar, aber ich muß im Oktober mit dem Work in progress so weit fertig sein, daß ich im November was Neues anfangen kann. Nach meinen Krisen im Frühling, die, glaube ich, weniger mein Schreiben betrafen, denn das ist so, wie ich es kann, sondern eher die mangelnde Reaktion darauf. Da plage ich mich wieder, bringe was zusammen und im günstigstens Fall kommt jemand daher und sagt, “Schon wieder nichts!” oder “Warum immer nur über alte Leute schreiben, kürzer und verständlicher sollte es schon sein!” oder es passiert, wie meistens überhaupt nichts.
An das versuche ich mich zu gewöhnen und weil ich mit “Kerstins Achterl” am Mittwoch fertig wurde, danach die Fenster putze, was zu meinen Schreibanfangritualen gehört und mit dem tollen Titel “Zum Sterben sollte man alleine sein” schon eine Idee hatte, habe ich mich am Freitag mit dem Alfred angemeldet und gleich zum Schreiben anfgefangen.
Am Freitag eine, am Samstag zwei Szenen und am Sonntag dann schon drei, so daß ich, als es am Ersten losing, 12.716 Worte hochgeladen habe, auch wenn man nicht vorschreiben sollte. Aber der November ist für mich, das habe ich schon geschrieben, ein ungünstiger Monat. Zwar beginnt es diesmal mit einem langen Schreibwochenende, aber dann kommt das literarische Geburtstagsfest, die Literatur im Herbst, die Buch-Wien etc, wo ich unterbrechen werde und da ich schon seit neununddreißig Jahren mit literarischen Anspruch schreibe, an die dreißig selbstgemachte Bücher und auch ein paar andere habe, weiß ich, daß ich fünfzigtausend Worte in einen Monat schreiben kann. Brauche ich für die Rohentwürfe ja meistens nur sechs Wochen und nicht, wie geplant, ein Jahr, was ich immer sehr bedauere.
Ich sollte länger schreiben üben, was ich vielleicht nicht kann, weil ich schon sehr viele Themen angerissen habe, deshalb wieder die alte Frau, die diesmal durch einen alten Mann in einer Luxusseniorenresidenz ergänzt wird, denn das war die Ausgangsidee, weil ich im Radio ein Interview darüber hörte.
Bevor ich mit dem Schreiben angefangen habe, habe ich im Netz ein bißchen über Antiaging recherchiert und die Idee mit der slowakischen Pflegehelferin hatte ich schon. Beim Buchmessensurfing ist die Idee, ihr ein Kind zu geben, das von einer Vergewaltigung in einer anderen Seniorenresidenz stammt und dann noch eine überforderte Schwester dazugekommen, die manchmal in die Disco flüchtet, so daß Lea Weißensteiner nicht nur Kasimir Konstantin, wie der Held jetzt heißen wird, kennenlernen, sondern den beiden Frauen vielleicht ein bißchen unter die Arme greifen wird, während sich Valentina am Karlsplatz mit einen Gymnasiasten aus Bratislava befreundet und Mirka vielleicht Besuch vom Enkel ihres Kindesvater bekommt. Die Lea ist jetzt 95, der Kasimir 82 und nicht 105 und 112, wie ich es im ersten Entwurf plante.
Es könnte, war eine Idee, auch eine Materialsammlung werden, da bin ich inzwischen schon konkreter, aber, daß ich nachher weiterschreiben oder gleich korrigieren werde, weiß ich jetzt auch.
Vielleicht wirds was Neues, was natürlich immer Eva Jancak bleiben wird. Aber da stehe ich jetzt an dem Punkt, daß meine Hemmungen durch das kontinierliche Bloggen tatsächlich weniger werden und ich weiß auch genauer, was ich kann und was nicht und da läßt es sich weitermachen. Mich nicht gleich an die Wand zu schreiben versuchen, tiefer, dichter, etc werden und da bin ich schon bei der zweiten Regel, die ich wahrscheinlich brechen werde, denn ich habe schon 2009 zwischendurch korrigiert und was weggestrichen. Durchlesen muß ich mir das Ganze auch immer, um nicht irgendwohin zu kommen und am Ende fünfzigtausend wirre Worte zu haben.
Dann hatte ich ein verlängertes Wochenende, wo sich an der Handlung feilen ließ. Der Gedanke, daß ich das nicht kann und nicht recht weiter weiß, war natürlich auch schon da. Die siebente Szene habe ich am Morgen des Ersten geschrieben, da wird Kasimir von Lore Lechner angerufen, die ihm von ihrem neugierigen Enkel erzählt und Lea, die eine Biographie über sich oder über die Seniorenresidenz schreiben will, soll er im hauseigenen Cafe Servus auch noch kennenlerne und ich habe auch herausbekommen, daß von den mir bekannten Bloggern heuer auch Klaudia Zotzmann und Anni Bürkl mitmachen werden. Jaqueline Vellguth Schreibwerkstatt ist mit ihrer Frequenzy-Statistik sowieso sehr hilfreich, obwohl ihre Blogparade diesmal aus Zeit- und Anmeldungsgründen nichts für mich ist.
Und die Feststellung, daß der Nanowrimo, wie eine bipolare Depression einschlägt, läßt sich nur wiederholen.
Am Tag eins mit zwölftausend Worten eingestiegen und bis neunzehntausend hochgeschrieben, am Tag zwei kam dann die erste Korrektur und ein Verringern der vierundzwanzig auf dreiundzwanzigtausend Worte.
Am Tag drei gings dann wieder flott dahin, um am Nachmittag des vierten Tages bei 37.095 Worten, sechsundzwanzig Szenen und fast am Ende zu sein, denn eigentlich ist alles schon gesagt.
Tina hat Johannes vom Gym an der Stubenbastei abgeholt und ihre “Oma” gefragt, ob sie auf den Kleinen schaut, wenn sie mit ihm im Flex ist? Edy Lechner Junior hat einen Tag an seiner Diplomarbeit schreibend im Cafe Servus verbracht und K und K Lea Weißensteiner den Auftrag eine Biografie über sie zu schreiben gegeben. Daß sich die Mirka in den Edy verliebt und umgekehrt wird vorausgesetzt.
Zwei, vielleicht auch noch drei oder vier Szenen läßt sich das, denke ich jetzt, noch dahinschleppen, dann ist der sechste, siebente oder achte November, ich habe höchstwahrscheinlich keine fünfzigtausend Worte und war wieder einmal viel viel zu schnell oder ich versuche eine zweite oder dritte Handlungskurve hineinzubekommen, dichter zu werden, zu Veränderungen zu kommen, da ich ja noch sechsundzwanzig Tage Zeit habe, den Text zu einem Roman werden zu lassen und das Ganze auf diese Art und Weise, als ganz besonderes Schreibseminar betrachten könnte, wo ich egal, wie erst am letzten Tag um 23.59 fertig bin, also x-mal durchgehen, einen unlogischen Handlungsstrang haben, Geschichten und Szenen einfügen, ect, endkorrigiert wird dann erst später und da darf es dann auch wieder kürzer sein.





