Lisas Liebe

Ein Groschenheftchen im Fischer TB Verlag in drei Bänden im roten, blauen, grünen Umschlag mit einem schönen Mädchenkopf und einem Edelweiß, Fotos gibt es zwischendurch immer wieder auch und Zeitungsausschnitte, die eigentlich nicht zum Groschenromanklischee gehören. Marlene Streeruwitz machts möglich und der 1997 erschienene Dreiteiler kostet auch ÖS 131,– DM 17.90, ab 1.1.2002 Euro 8.90 und ist ein Fund aus dem Wortschatz, in dem ich vor einem Jahr ja einige ältere Bücher von österreichischen Spitzenautoren fand, die ich nach und nach auflesen werde.
Von Marlene Streeruwitrz war noch “Majakowskiring” dabei, das demnächst folgen wird, “Jessica, 30”, wird noch etwas dauern und das Buch ist für mich auch keine wirkliche Neuentdeckung, hat ja, wenn ich mich nicht irre, einmal eine Schauspielerin im Literaturhaus eine Aufführung daraus gebracht und, daß sich die Spitzenautoren bzw. Verlage an die Groschenromane heran und sich über sie lustig machen bzw. sie zur Literatur erheben, ist auch nichts Neues, so kann ich mich erinnern, daß ich mir in den Siebzigerjahren einmal eines dieser orangen Jugend und Volk Literaturproduzentenftchen gekauft habe, wo so etwas drinnen war und damit nach Baden gefahren bin und es dort gelesen habe, Detail am Rande, Marlene Streeruwitz wurde in Baden bei Wien geboren und der Holzbaum-Verlag hat mir vor einem Jahr auch ein solches Heftchen geschickt.
Der Groschenroman, das, was die Frauen ja so gerne lesen und verschämt für die Tante oder die kranke Nachbarin beim Trafikanten kaufen, weil man das ja nicht öffentlich lesen darf, aber die Sehnsucht der Herzen weckt, ich habe sie als junges Mädchen sehr viel und sehr gerne gelesen und “Lisas Liebe” hat natürlich trotz der betonten Bastei-Nachahmung nichts mit dem Klischee zu tun, hat es ja kein Happy-End, denn Lisa geht am Ende von Teil drei mit zwei Nachthemden und ein paar Strümpfen, die sie sich in New York kaufte, wahrscheinlich in die Niagara-Fälle und das ist, wie ich glaube, obwohl ich das Lehrbuch,”Wie schreibt man einen Groschenroman?”, das leselustfrust vor ein paar Jahren auf die Wanderschaft schickte, nicht gelesen habe, eine Regel, wie das Heftchen nicht sein darf.
Ansonsten ist es drinnen auch anders, wie das Original, denn die Texte sehr kurz und immer wieder von Bilder unterbrochen, also der Foto- und der Groschenroman in einem und die ersten zwei Teile handeln von den Ferien am Land.
Lisa Liebich ist neundunddreißig, Lehrerin und streckt am Beginn des Buches und der Schulferien Herrn Dr. Adrian, einem Arzt natürlich, ein Briefchen auf der Fischerstiege entgegen, in dem sie ihm ihre Liebe gesteht und auf Antwort in ihrem Ferienort in der Toffen Alm in Gosau wartet.
Dann sieht man immer wieder Bildchen von dem Häuschen in den Bergen wo handschriftlich darunter steht “Der 19. Juli. Der Briefträger taucht hinter den Büschen auf. Er fährt aber vorbei” und so weiter uns so fort. Mal bringt er Werbeschriften oder eine Karte des Kollegen oder es ist Sonntag, da kommt er nicht und am Ende sind die Ferien vorbei und Dr. Adrian hat nicht geschrieben, dazwischen erfährt man von Lisas Leben und das einer Art und Weise, wie es mir eigentlich gefällt und offenbar auch mein Stil sein dürfte. Die lineare Direktheit, die auch die Passivität der Lisa zeigen soll, die als Kind von ihrer Mutter einer Boutiquenbesitzerin in zeitlose Damenmode gesteckt wurde, um Werbung zu machen und sich dadurch lächerlich machte. Der Bruder begeht Selbstmord, Lisa geht als Lehrerin nach M und wird dort die Geliebte von zwei verheirateteten Männern, dem Vizebürgermeister und dem Internisten, bei beiden muß sie es heimlich im Auto oder auf einer Reise machen, am Ende wird Lisa von der Polizei verhört, weil der Bürgermeister in einen Korruptionsskandal verwickelt wurde und wird nach G. strafversetzt, dort frißt sie sich ein Kummerspeckchen an und traut sich nicht aus der Pension, dann hungert sie es sich wieder hinunter, ißt jeden Tag im Eiscafe einen Schinken-Käse-Toast, hat psychosomatische Beschwerden, lernt einen Kollegen näher kennen, den der ihr dann auch die Karte schreibt und wird Schriftführerin in einem “Naturvereins” eines älteren Schulinspektors, da heißt es dann “Lisa war dann immer dünner geworden, Lisa war dann doch zum Arzt gegangen, Lisa hatte helfen wollen, Lisa hatte dann wieder zu Schmarantzer fahren müssen” und so weiter, so viel zu der Passivität, der Frau, die von den Männern genommen wird und kein eigenes Entscheidungsrecht hat, wie wir es auch beispielsweise bei der Jelinek sehr viel finden. Dabei lernt Lisa Spanisch und Italienisch, fährt nach Italien und im Sommer in Gosau auf Sommerfrische und in einen Schreibkurs, der Fernlehrkurs der Schule des Schreibens, scheint hier Vorbild gestanden zu sein, trägt sie sich auch ein und so gibt es auch immer Textproben ihrer Schriftstücke und dazwischen Ausschnitte von Zeitungsartikeln, die nichts mit dem Ganzen zu tun haben scheinen, die aber Lisa vielleicht genauso sammelt, wie das, wie ich gelesen habe, auch Marlene Streeruwitz tut.
In Teil drei haben wir Weihnachten und Lisa fährt in den Ferien nach New York, dazu erkundigt sie sich beim Bankbeamten, wie sie ihr ganzes Geld dorthin transferieren kann, denn sie will sich neue Kleider kaufen, weil man ja in New York viel sparen kann, sie zerschneidet vor der Abreise ihre ganzen Sachen und spendet sie der Caritas. Dann ist sie dort, jetzt gibt es immer Bilder von den Wolkenkratzern und den Straßenschildern zu sehen und eine Zeitungsseite einer John Irving Werbung “I think that I have become a writer because of my grandmothers good manners and – more specifically- because of a retarded garbage collector to whom my grandmother war always polite an kind” steht da geschrieben. Ein paar Schweinchen sind dabei abgebildet und darunter steht mit Handschrift wieder “Klingt doch ganz einfach Oder?”
Lisa kauft ein bißchen ein, beobachtet die Penner, fährt mit einem Kind U-Bahn, das ihr den Stadtplan wegnimmt, geht zu einer Lesung bei Barnes und Nobles und entschwindet am Ende mit den zwei Nachthemden in Richtung Niagarafälle.
“Fortsetzung folgt” steht noch geschrieben und es gibt ein paar Ankündigungen zu “Lisas Glück, Folge 1-3 immer mit Streeruwitzbildchen im Cover. Dann wird für “Majakowskiring”- “dem Buch für die Frau auf der Suche” und “Nachwelt”- “der Lektüre für die moderne Frau”, Werbung gemacht und es gibt noch ein paar Kinderbildchen von der kleinen und auch größeren Marlene, die Kritikerin Ursula Merz von der Frankfurter Rundschau hat auch noch etwas geschrieben, wie Marlene Streeruwitz den Groschenroman aufzumöbeln wußte und es folgt der Lebenslauf, den habe ich, glaube ich, auch schon geschrieben, gab es im letzten Jahr ja “Verführungen” aus dem Schrank beim Pfingstlesemarathon und die “Schmerzmacherin” zu lesen, die ich bei der literarischen Soiree gewonnen habe und als in Wien einmal Wahl war, gab es im Internet ein ähnliches Romanprojekt zu finden, das ich eifrig gelesen habe, womit sich Marlene Streeruwitz als sehr vielfältige Autorin, die sich auch sehr mit den politischen und gesellschaftlichen Veränderungen, was mir ja sehr sympathisch ist, beschäftigt, beweist und zum Frauentag, ganz zufällig vordatiert, passt das Buch natürlich auch sehr gut.

Ein Fest für Franz

Band Franz Josef

Band Franz Josef


Andrea Pauli

Andrea Pauli

Vor einem Jahr, am 28. Februar 2012 ist Franz Hütterer an einer Lungenentzündung gestorben und so gab es am Mittwoch in der Sargfabrik eine von Andrea Pauli und Harald Huber organisierte in Memoriam Veranstaltung.
Kennengelernt habe ich den Lehrer, Lyriker, Satiriker, Kabarettisten, glaube ich, im 2000 im Lesetheater, wo er bei vielen Veranstaltungen mitwirkte.
Das bei Podium erschiene Lyrikbändchen, habe ich mit ihm bei einer “Freiheit des Wortes”- Veranstaltungen, wo er gelesen hat, getauscht und kann mich auch an einige Poet-Nights erinnern, wo er gelesen hat.
Zu Ostern 2010 ist er, glaube ich, auf meinen oder ich auf seinen Blog gekommen, wo er mich verlinkte und wir eine Zeitlang regen Kontakt hatte, es ist eine interessante Frage, was mit einem Blog, nach Tod des Bloginhabers geschieht, die Baerenpost gibt es noch immer mit dem letzten Eintrag vom 31. 12. 11 “Nachdem nun der Herausgeberbär selbst fast drei Woche nicht in seinen Blog kam, kan es Euch ebenso ergangen sein. Aber im “neuen” Jahr mit neuen Schwung wird wieder gebloggt, was das Zeug hält!” Soweit ist es dann nicht mehr gekommen und dann habe ich Franz Hütterer bei den Wilden Worten getroffen, wo er mit Richard Weihs und Michaela Opferkuh Wunschgedichte, dichtete, die inzwischen von Richard Weihs alleine betrieben werden und kann mich, glaube ich, auch an meine letzte Begegnung mit ihm erinnern, wir haben uns irgendwo auf der Straße getroffen und er hat mich gefragt, ob ich zu einer Lesetheaterveranstaltung gehe?

Eva Tacha-Breitling

Eva Tacha-Breitling


Richard Weihs

Richard Weihs

Jetzt also die “Fest für Franz” genannte in Memoriam Lesung mit Konzert, denn Harald Huber hat Hütterer Gedichte vertont, die die Band Franz Josef vorgetragen hat.
Mit dem Lied des Clown – Ich bin der Clown, der niemals lustig ist, der Zauberer der jeden Trick vergißt, der Schauspieler ganz ohne Gesicht und der Sänger dem die Stimme bricht – ich bin der Niemand”, hat es begonnen, dann kam Andrea Pauli vom Lesetheater mit einem Brief oder Mail von Josef Hader und erzählte, wie sie dazu gekommen ist, diese Veranstaltung zu organisieren.
Richard Weihs und Eva Tacha-Breitling lasen dann “Notate aus dem blauen Notizbuch”, mit Texten über Franz Hütterers Vater und anderen Betrachtungen.
Dann kam Claudius Loner, der von Franz Hütterer als Lehrer erzählte, der wandelnden Bibliothek, die er gewesen ist, seiner Begeisterung mit der andere für Literatur, das Schulspiel, etc interessierte und da kann ich mich auch an eine meiner ersten Begegnungen mit ihm erinnern. Ich glaube es war eine Festveranstaltung zu einem Geburtstag von Rolf Schwendter wo er einen Scatch mit Schülern einer Volkshochschulgruppe aufführte.
Julia Danilczyk von der Handschriftensammlung der Wien-Bibliothek erzählte, wie sie mit Andrea Pauli den Nachlaß geordent und in einigen sauredichten Archivboxen abtransportiert hat.

Julia Danilczyk

Julia Danilczyk


Christina Zurbrügg,

Christina Zurbrügg,

Im Hintergrund der Bühne wurden Hütterer Fotos projeziert, so daß man sich hautnah an ihn erinnern konnte und bei einer Kabaretteinlage, gab es dann auch ein Originalvideo, denn Franz Hütterer hat auch einige Kabarettgruppen gegründet, so daß er vom Standard als “ewiger Geheimtip bezeichnet wurde.
Christina Zurbrügg, die offensichtlich auch einmal bei den “Wilden Worten” mitgemacht hat, las ein langes Wunschgedicht zum Thema “Vollautormatischer Eierschneider”, das sehr lustig, lang und natürlich viel weniger lyrisch als die “Glücks-Schläge” war und sang noch eine Liedvertonung.
Beppo Beyerl, Martin Auer und Erwin Leder brachten Kabarettnummer, bzw. Erinnerungen, aus den “Glücks-Schlägen” wurde viel gelesen und am Schluß trat noch einmal die Band Franz Josef auf und gab fünf Lieder zum besten, in denen man sowohl den Dichter, als auch den Liebenden und den Hedonisten erkennen konnte, denn Franz Hütterer hat, wie ich seinem Blog entnehmen konnte, auch gerne Chremeschnitten und anderes gegessen.

Erwin Leder

Erwin Leder


Martin Auer

Martin Auer

Franz Hütterer Mutter war im Publikum und einige bekannte aus dem Lesetheater, wie Susanne Schneider, Christian Katt und Hahnrei Wolf Käfer.
Andrea Pauli rief noch alle auf, ein Glas auf Franz Hütterer zu trinken und betonte, daß das die Einnahmen und Spenden für einen Lyrikband und eine CD-verwendet werden, so daß es vielleicht bald mehr von Franz Hütterer zu hören und zu lesen geben wird.

Hommage an Felix Braun und Käthe Braun-Prager

Der 12. März naht, wo vor fünfundsiebzig Jahren die Nazis in Österreich einmarschierten, vielleicht gab es deshalb in der Wien-Bibliothek eine Veranstaltung zu dem österreichischen Geschwisterpaar Felix Braun und Käthe Braun-Wagner, vielleicht hat aber Tatjana Popovic die Enkelin und Großnichte besondere Beziehungen zur Wien-Bibliothek, ist sie ja auch Rosa Mayreders Nachlaßverwalterin, die ja öfter ihre Veranstaltungen in der Wien-Bibliothek hat, ich weiß es nicht, kenne aber die Namen des fast vergessenen österreichischen Geschwisterpaars, denn ich interessiere mich schon sehr lange für Literatur und habe von meiner Großmutter einen Stoß gelber Kulturzeitschriften aus den Fünfziger-und Sechzigerjahren geerbt, in denen ich, wenn ich mich nicht irre, das erste Mal auf das Geschwisterpaar, Felix Braun lebte von 1885-1973, seine Schwester Käthe von 1888-1967, stieß und dann haben mich die Abverkaufskisten ja auch schon in den Siebzigerjahren fasziniert, wo ich, glaube ich, auf einen Gedichtband Käthe Braun-Pragers “Das himmlische Kartenhaus” und auf Felix Brauns “Dramen” und “Imaginäre Gespräche” gestoßen bin.
Dann habe ich die beiden wohl vergessen, bzw. hat das auch die Literaturgeschichte so getan, 2010 habe ich, als ich zur Endgeldauszahlung des Lesetheaters ins Gasthaus Sittl ging “Agnes Altkirchner”, Felix Brauns umfangreichen Roman gemeinsam mit einer Hannelore Valencak gefunden, beides ins Badezimmer gelegt und als ich dann das neue Bücherregal, sowie meine “Hundertbücherleseliste” hatte, das Buch der Hannelore Valencak darauf gesetzt und Felix Braun vergessen.
Inzwischen habe ich dann noch das “Musische Land” im Schrank gefunden und auf die Leseliste gesetzt und als ich vor zwei Wochen bei der Erica Fischer Veranstaltung in der Wien Bibliothek war, habe ich dann von der Veranstaltung erfahren und mich darauf gefreut, von den beiden “zu Unrecht vergessenen” wie es im Programm heißt, mehr zu erfahren und auch Tatjana Popovic kennenzulernen, die 2010 auf meinen Blog gekommen ist, als ich von der Mayreder-Veranstaltung berichtete.
Ich war früh dran, weil ich einen Gutschein vom Leiner hatte und sozusagen noch rasch meine Ostereinkäufe, Kerzen und Servietten, erledigte, habe dann den alten Herrn wieder getroffen, mit dem ich mich auch das letzte und das vorletzte Mal in der Wien-Bibliothek unterhalten habe, sonst waren eher wenige Leute da. Auch Silvia Mattl-Wurm, die Direktorin, die eröffnen sollte, ist krank geworden, so hat statt ihr Hermann Böhm, der ehemalige Leiter der Handschriftensammlung eingeführt und ein bißchen was von dem Leben der vergessenen Dichter erzählt.
Tatjana Popovic hat dann die Lebensläufe ihres Großonkels und ihrer Großmutter ergänzt. Die Mutter der Geschwister ist bei der Geburt von Käthe gestorben, Käthe Braun-Prager hat in der CA gearbeitet, Felix Braun, dessen Dramen im Burgtheater aufgeführt wurden, war der Sekretär Hoffmannsthal, hat eine Freundschaft bzw. Briefwechsel mit Stefan Zweig, Hesse, etc geführt, nach dem Anschluß emigirierten die Geschwister mit ihren Familien nach England, 1951 kehrten sie nach Wien zurück, wo sie eine Wohnung im Karl Marx Hof bekamen.
Interessant ist, daß sowohl Hermann Böhm, als auch Tatjana Popovic betonten, daß die Stadt Wien damals sehr viel getan hat, um ihre Emigranten wieder zurückzubekommen, so haben die Geschwister bzw. wahrscheinlich eher Felix, Literaturpreise bekommen, während ich ja am Montag in den Tonspuren hörte, daß das bei Theordor Kramer nicht ganz so war.
Felix Braun hat auch Tagebuch geführt, das bis 1932 ist durch die Flucht bzw. die Besetzung verloren gegangen, danach sind 2000 Seiten erhalten, Tatjana Popovic hat Auszüge daraus gelesen und dann je einen Text, wo der Bruder die Schwester, bzw. die Schwester den Bruder beschrieben hat.
Dann folgte eine Novelle Käthe Pragers “Die Heimkehr”, die mich sehr berührte, da kommt einer aus dem Krieg nach Haus und findet einen Soldaten im Bett seiner Frau. Sieben Tage Urlaub hat er, er holt eine Prostituierte von der Straße, sperrt Frau und Liebhaber ein und zwingt sie zusammenzuleben. Am siebenten Tag schmeißt er das Mädchen und den Liebhaber hinaus und verzeiht seiner Frau.
Dann gabs noch einen Ausschnitt aus einem Essay von Felix Braun über Stefan Zweig.
Es folgten dann noch eine Originaltonaufnahme der Geschwister und Tatjana Popovic hatte Fotos mitgenommen, die man sich ansehen konnte.
Ich bin aber mit dem Herrn hinausgegangen, um mich bei Wein und Brot, der Spezialität der Hauptbücherei, noch ein bißchen zu unterhalten, es kam dann noch eine andere Stammbesucherin dazu, die ich schon länger nicht mehr gesehen hatte, bevor ich mich verabschiedete, um einen verlängerten Heimweg anzutreten, habe ich doch ein Mail von Frank Gassner bekommen, es gibt einen neuen Bücherschrank im achten Bezirk, Ecke Josefstädterstraße Albert Gasse beim Cafe Hummel, flankiert von einer Bank und einem Würstelstand, den ich mir natürlich ansehen mußte und wo ich auch ein kleine Bändchen “Schatten der Objekte” mit Essays von Bodo Hell, Henriette Horny, Yoko Tawada und Margit Ulama gefunden habe, was ganz passend ist, konnte ich ja am Morgen im Leporello hören, daß Bodo Hell demnächst seinen siebzigsten Geburtstag feiert und “Agnes Altkirchner”, der Roman, der, wie ich hören konnte, von einer Frau zwischen 1914 und 1918 handelt, habe ich jetzt auf meine Leseliste gesetzt und das sowohl Tatjana Popovic, als auch dem Herrn erzählt, wobei eine Dame meinte, daß ich das unbedingt tun soll, weil das eine gute Empfehlung ist.

Korrigierrochaden und andere Kleinereignisse

Jetzt habe ich schon länger nicht von meinen Schreibarbeiten berichtet, der Grund dafür ist, daß ich neben meiner Praxis, meiner Steuererklärung, meinen Schulzeugnissen und Inskriptionsbestätigungen, die ich für meine Pensionsanfrage, da ich ja im November sechzig werde, zusammensammle und immer wieder an die Pensionsversicherung schicke, dem Referat, das ich für den 27. März, für den Klub der logischen Denker zu den “Neuesten Entwicklungen in Psychologie und Psychotherapie”, vorbereitete und im Zuge dessen ich auf uralte Briefe vom damaligen Ärztekammer Präsidenten Reiner Brettenthaler und Prof. Sonneck gestoßen bin, immer noch sowohl an meinem Nanowrimonovel “Zum Sterben sollte man zu Hause sein” und an “Kerstins Achterln” korrigiere und da nach wie vor Fehler um Fehler finde, so daß ich nicht recht damit weiterkommen.
Den Plan für das “Literaturgeflüster-Texte-Buch” gibt es auch schon seit fast einem Jahr und die dafür in Frage kommenden Artikeln werden immer mehr und mehr, zwei Beschreibungstexte habe ich dafür auch schon zusammengesammelt und die Idee für den neuen Roman, nämlich aus dreizehn Geschichten einen solchen zu basteln, gibt es seit der Buch-Wien auch. Dazwischen habe ich immer wieder Ideen über das erfolglose Schreiben zu schreiben und habe in meinem Realalltag das Gefühl nicht recht weiterzukommen.
“Da passiert ja nichts!”, wurde mir bezüglich meiner früheren Texte manchmal gesagt.
Genau dieses Gefühl habe ich jetzt manchmal, daß nichts passiert und ich nicht recht weiterkomme, soviel ich mich auch bemühe und bemühe und da ist es eigentlich verständlich, wenn man beim Korrigieren wieder mal auf einen Fehler stößt, den man doch schon gesehen haben sollte, denkt, “Ist ja eh egal, das schaut ja ohnehin keiner an, wozu tust du dir das an!”
Aber ich tue es mir ja nicht an, ich kämpfe verbissen dafür, es zu tun, wie mir JuSophie einmal ganz richtig sagte, daß ich mein Schreiben mit Zähnen und mit Klauen verteidigen würde, weil wenn ich es aufgebe, ja nichts überbleibt, aber so richtig motivierend zum Weitermachen ist das natürlich nicht. So komme ich vielleicht schon ins Trödeln und mit meinen zwei bis drei Projekten nicht so recht weiter, wie es soll, ob wohl es natürlich schon immer wieder Lichtblicke und Kleinerfolge gibt, so ist inzwischen von Franz Blaha eine sehr schöne und ausführliche Rezension über die “Frau auf der Bank” erschienen, wo er sich wieder freundlich ein Lektorat wünscht, “Das könnte nicht schaden!”, meinte er vorsichtig und das ist ja der Angriffspunkt meiner ISBN-Nummer befreiten Bücher, meiner lieben schönen Indies und das stimmt auch, obwohl ich mir denke, daß wir den Lektor inzwischen schon intus nehmen und ja gerade deshalb nicht weiterkommen, weil ich mir “Es ist eben nicht egal denke!” und das Ganze dann noch einmal durchsehe. Das so wenig Rückmeldung kommt, ist natürlich ein Problem, obwohl ich es auch ein bißchen satt habe, immer wieder anzufragen, “Könntest du, willst du vielleicht nicht doch..?”
Janko Ferk hat mich bezüglich der “Sophie Hungers” ja auf die Idee mit dem Literaturhaus gebracht. Die wollen auch jährlich eine Rezension von mir nehmen, so habe ich einige Bücher verteilt und dann nie wieder etwas gehört, bei Sara Wipauer irritiert mich das besonders, weil sie mir ja zusagte und sich auch für das Buch extra bedankte, weil ich denke, daß es zu den Büchern ja etwas zu sagen gäbe, wenn auch nur, daß sie selbstgemacht sind, aber vielleicht doch ganz interessante Themen anschneiden.
Die Idee, das Ganze auf meinen Blog selbst zu vertreiben, verfestigt sich bei mir ohnehin immer mehr. Da habe ich im Vorjahr ja zwei Artikel über meine Indies geschrieben, von denen ich vorher nicht wußte, daß sie so heißen.
Eine Vorschau auf meine Bücher gibt es glaube ich seit es das Literaturgeflüster gibt und seit einigen Jahre verlinke ich auch mit den Schreibberichte, die es auch seit Anfang gibt. Und dann gibt es noch die Leseproben auf der Website, wo man sich auch die Rezensionen ansehen kann. Also ohnehin ein bißchen Werbung für meine fünfzig Exemplare, die ich mir pro Buch machen lassen, jetzt ist mir die Idee gekommen, daß ich, wenn das Buch erschienen ist und es ein Bild davon gibt, auch ein Gewinnspiel veranstalten könnte und ein paar Fragen zu dem Buch stellen, wer sie beantwortet, bekommt das Buch, für “Kerstins Achterl”, das ja bald erscheinen soll, habe ich mir schon drei Fragen ausgedacht und die Antwort auf eine vor ein paar Tagen auf die Vorschau gestellt, beim Nanowrimo, dem dreißigsten Buch, gibts dann dreißig Fragen, auch wenn ich weiß, daß wahrscheinlich nicht einmal eine Antwort kommt, aber macht ja nichts, ein bißchen Information über meine selbstgemachten psychologisch-realistischen Bücher, kann nicht schaden, Rezensionsexemplare verteile ich auch und würde mich über Besprechungen freuen, aber sonst werde ich sie vielleicht nicht mehr so viel antragen.
Wer sie will, kann sie finden und wenn sie nicht gefallen, kann man das auch schreiben, konstruktive Kritik kann ich, glaube ich, jetzt verstehen, wenn einer schreibt, “Das ist das schlechteste, das ich je gelesen habe!”, denke ich, daß das wahrscheinlich nicht stimmt und ansonsten versuche ich nach all den Resignationsgedanken der letzte Jahre, mit dem was ich habe, mit meinem Zelt, neben dem Eingang zum Literaturbetrieb, so selbstbewußt wie möglich umzugehen.
Ich tue was und schreibe, wie ich es kann und denke nicht nur als Psychologin, daß man weiterkommt, wenn man etwas regelmäßig und engagiert tut.
Allerdings kann ich mir auch vorstellen, daß es gar nicht so ungünstig ist, das Jahr 2013 dazu zu benützen, meine drei Projekte fertig zu machen und dann frisch und aufgetankt mit dem nächsten Neuen anzufangen, den schnell sein ist zwar eine Tugend, man kann es aber auch negativ auslegen und “Nicht so schnell liebe Eva!”, rufen.
Also schauen so schnell, wie möglich mit den Büchern fertig werden und meine Jahresfeiern machen und , als ich das letzte Mal über meine Schreibwerkstatt geschrieben habe, habe ich meine mangelnde Lesemöglichkeit beklagt, inzwischen habe ich bei den “Schreibinteressen” und der “Anderen Buchmesse” gelesen und lese am 19. März aus dem “Frauen schreiben-Frauen texten” Buch, der Anthologie vom Volksstimmefest 2011 mit Gertrud Klemm, Eva Schörkhuber und Hilde Schmölzer um 19 Uhr im Werkl im Goethehof in der Schüttaustraße und lade wieder alle, die dazu kommen wollen, herzlich ein, obwohl, glaube ich, noch niemand durch den Blog zu einer meiner Lesungen gekommen ist.
Ansonsten weitermachen, ich kann und will nicht anders, lesen, schreiben, meine Praxis machen, zu Veranstaltungen gehen und ein bißchem mich und mein literarisches Leben im Literaturgeflüster zelebrieren, was eigentlich eine sehr schöne Möglichkeit zur Selbstdarstellung ist.

Schwedische Dichtung

In der Alten Schmiede gibt es derzeit schwedische Dichtung was sehr gut zum Monat März mit seien speziellen Lyrikschwerpunkt dem sich vor allem die Gesellschaft für Literatur besonders widmet, aber auch die GAV ihre traditionelle Lyrik im März Veranstaltung hat, passt.
Von der Romantik zur Gegenwart und in drei Jahrhunderten, werden dort in in Zusammenarbeit mit der schwedischen Botschaft zwei sehr spezielle Veranstaltungsabenden angeboten, denn im Münster Kleinheinrich Verlag hat Klaus Jürgen Liedke, die siebenbändige Werkausgabe des von 1907 – 1968 lebenden Gunnar Ekelöf, der wie in Wikipedia steht und ich keine Ahnung hatte, einer der bedeutenden schwedischen Lyriker des zwanzigsten Jahrhunderts ist, herausgegeben.
So gab es in der Stunde der literarischen Erleuchtung eine zweisprachige Lesung von Anders Olsson und und Klaus Jürgen Liedke, die zwei lange und ein kürzeres Gedicht ausgewählt hatten, die von dem 1949 geborenen Anders Olsson, der auch ein Buch über Gunnar Ekelöfs Werke geschrieben hat, eingeleitet wurde und der, sehr gut Deutsch sprechend, erzählte, daß Ekelöf in Paris vom Surreal- und Symbolismus beeinflußt wurde, seinen Gedichten eine sehr musikalische Sprache gab und auch vom Buddhismus sehr geprägt wurde.
Das erste Gedicht ist 1951 erschienen, trägt den Titel “Stimmen unter der Erde” und ist in einer sehr speziellen Klangweise von Trauminhalten bbestimmt.
Beim zweiten handelte es sich um ein melancholisches Herbstgedicht, in dem es auch der Nonsense einbezogen wurde, während das dritte von Holzstücken und Ikonen handelnd aus der buddhistischen Phase stammte.
In der langen Pause, bis es mit Anders Olssons in Deutsch erschienenen Gedichtband “Aber so unendlich leicht dir zu antworten”, weiterging, konnte man sich die Werkausgabe ansehen, in den sieben Bänden blättern, von Klaus Jürgen Liedke lag auch ein Gedichtband auf und Buch über ein Dorf in Ostpreußen, dann ging es weiter mit der Lesung von Anders Olsson, der, wie Kurt Neumann erwähnte, sieben Gedichtbände herausbrachte, auf Deutsch ist nur einer erschienen, in dem es Haikus und sich weiterentwickelnde Zweizeiler gibt, aber auch Gedichte, die einen Nachruf auf den in der Psychiatrie verstorbenen Bruder darstellen und in dem, wie es in der Verlagsankündigung steht, auch viel um Tanz und Bewegung geht.
Kurt Neumann führte in die Gedichte ein und las die deutsche Übersetzung.
Anders Olsson ist, wie Gunnar Ekelöf auch von fernöstlichen Elementen inspiriert, liebt die Stille und japanische Meditationstechniken und so wurde es eine sehr spezielle und für mich sehr neueLesung, hatte ich von den Beiden, wie überhaupt von der schwedischen Lyrik der letzten drei Jahrhundert bis jetzt noch nicht sehr viel gehört, da ich die schwedische Literatur ja eher auch von ihren Krimis kenne.
Heute gibts noch einen Abend in der schwedischen Residenz, wo Josef Kleinheinrich seinen Verlag präsentieren wird und dieselben Protagonisten Erik Johan Stagnelius, der von 1793-1823 lebte, vorstellen werden.
Die Alte Schmiede und schwedische Botschaft hat für das an der schwedischen Literatur interessierten Publikum ein besonderes Programm zusammengestellt, erklärte Kurt Neumann noch, aber da werde ich in die Wien-Bibliothek gehen, da es dort eine Hommage an zwei eher unbekannte österreichische Dichter, nämlich Felixs Braun und Käthe Braun-Prager gibt, die mich auch sehr interessieren und in den Tonspuren gibt es diese Woche, auch zum Lyrikschwerpunkt und zu dem anderen Ereignis, das Österreich vor fünfundsiebzig Jahren sehr betroffen hat, passend, ein Portrait von Theodor Kramer, der ja einer der bekanntesten Lyriker der Neunzehnhundertdreißigerjahre war und nach der Emigration vergessen wurde, bis Konstantin Kaiser und wahrscheinlich andere die Theodor Kramer Gesellschaft gründeten.

Noahs Fleischwaren

Von dem 1983 in Graz geborenen Karikarturisten, Oliver Ottitsch, dem Mann mit dem roten Lockenschopf, der spitzen Nase und der runden Brille ohne Mund, wie er sich selbst sieht, habe ich ja schon “Kopf hoch” besprochen und bringe seit dem Vorjahr auch regelmäßig ein bißchen Karikatur in meinen literarischen Alltag. Der Holzbaumverlag und seine freundlichen Buchangeboten machen das möglich und das ist gut so, obwohl ich anfangs gar nicht dachte, daß das möglich ist, auch Zeichnungen zu besprechen, soll man doch nicht alles tierisch ernst nehmen und da sind wir schon beim Thema, bzw. beim neuen Buch des jungen Künstlers und “Noahs Fleischwaren- Cartoons zum Tier und Wir”
“Die Faszination des Menschen für seine tierischen Verwandten scheint ungebrochen, spiegelt sich in ihnen doch unsere Sehnsucht nach einer entkomplizierten Existenz, der Wunsch nach paradiesischer Naivität und schamloser Triebhaftigkeit. Denn auch Tiere sind oft nur schlechte Menschen”, steht in der gescheiten Buchbeschreibung am Buchrücken, was, obwohl nicht alle Cartoons sofort verständlich und einsichtig sind, gar nicht nötig wäre, denn das Titelbild hat es schon in sich!
“Noahs Fleischwaren”, was ist in Zeiten des Pferdefleischskandals, der natürlich ganz passend, wenn auch bestimmt nur zufällig, parallel daherkommt, darunter zu verstehen?
Natürlich die Arche auf der einen Seite, da gibt einen kleinen Eingang mit einer Auffahrtsstiege, wo sich brav die Tierchen paarweise anstellen, um am Noah wahrscheinlich mit weißen Bart und weißen Mantel mit seiner Liste vorbeizudefilieren und auf der anderen Seite, sehen wir einen Lastwagen auf dem “Noah” steht und ein großer Schinken abgebildet ist, die Arbeiter führten schon die Pakete hinaus und laden ein.
“Böse, böse, böse!”, könnte man so sagen, aber wenn man Fleisch ißt, darf man sich über das Pferd in den Raviolis nicht sehr wundern, also machen wir einen Blick in das Buch und für die, für die mein Geschreibe zu unverständlich ist und die lieber gleich die Bilder sehen wollen, gibt es auch eine Ausstellung in der “Galerie der Komischen Künste, im Museumsquartier vom 1.3. bis 30. 4.
Also hingehen und ansehen, wem mein Blick durch Buch zu theoretisch ist.
“Hallo!”, sagt das das Schwein auf zwei Pfoten in sein rosa Telefon, die Schnurr führt zu seinem Schwänzchen und man sieht, bei Oliver Ottisch liegt das Menschliche und das Tierische sehr zusammen, so daß man gar nicht immer alles unterscheiden kann.
So fliegt der Storch mit dem Baby im Bündel über das Storchennest, wo schon drei hungrige Schnäbel auf die Beute warten, und die Frau die vom Einkaufen kommt, schnauzt den Elefanten, der auf der Parkbank sitzt auch an “Schämen Sie sich nicht, hier in aller Öffentlichkeit in der Nase zu bohren?”
Uje, uje, hat er doch seinen Rüssel in den Penis gesteckt und das darf man nicht, das ist nicht jugendfrei und wenn das Ferkelchen “Mami, Mami, ich hab mich verbrannt!”, zu Mama Schweinchen sagt und die darauf antwortet “zeig mal… hmm, das riecht ja köstlich!”, ist das auch politisch unkorrekt, aber damit haben wir es bei den tierischen Cartoons, wie uns Oliver Ottisch zeigt, ja überhaupt sehr schwer.
So gehen die Köche und Schweine mit den Messern und den Beilen aufeinander los, während es auf der anderen Seite “Ich hasse es in der Schlange zu stehen” heißt.
“Ich empfehle einen künstlichen Darmausgang. Da ist das Sackerl fürs Gackerl direkt am Dackerl”, sagt der Mediziner zu der Frau mit Hündchen und ein anderer Arzt zur Mickey Mouse mit den großen Ohren “Nun es wird Sie vermutlich wenig überraschen, wer Ihr tatsächlicher Vater ist…”
“Sie müssen verstehen, daß auch ich eine Familie zu ernähren habe…”, bittet der Hai im Meer zum Gestrandeten im Rettungsring, während Söhnchen Hai seinen Eltern eröffnet “Übrigens, ich bin jetzt Vegetarier!”
Jägerlatein gibt es auch “Keine Sorge! Er hat bereits die Twitterung aufgenommen!”, sagt der eine Jäger zum anderen, während Hündchen in sein Handy tippt und und der Fisch hat mit dem Sushi auch seine Probleme, hat er sich ja sein Gegenüber “irgendwie im kleinen Schwarzen anders vorgestellt.”
Böse, böse, es bleibt aber dabei und geht wahrscheinlich in der menschlich-tierischen Begegnung, wo die einen die anderen zum Fressen gern haben, gar nicht anders und da ich heute auch im Radio hörte, daß die unter Vierzigjährigen eher Vergetarier sind, wird sich Oliver Ottisch schon seine Gedanken dazu gemacht haben.
Ein Hakenkreuz oder “Schwule Nazidelfine beim Gruppensex” gibt es natürlich auch und ein Jüngling nimmt seinen Goldfisch zum Sonnenbaden an den Stand mit. Dann gibt es noch die “Biene Mao” mit dem roten Stern an der Mütze und dem Gewehr. Ottisch kann auch politisch werden und wenn die Zebras ins Kino gehen, dann heißt das Bildchen “Zebrastreifen”, während im Menschenkino, die Giraffe das Popcorn serviert.
Köstlich, köstlich, könnte man sagen, amüsant und auch zum Überdenken, bevor man sich das nächste Schnitzel gibt, aber auch für den Bären kommt nach dem Winterschlaf das böse Erwachen, wenn er sich vor seine 698.473 ungelesenen E-Mails setzt. Man sieht die Technik ist natürlich auch ins Tierreich eingezogen und seit Noah die Menschen und die Tiere vor dem Weltuntergang rettete, hat sich viel verändert. Vieles ist gut, manches, wie die Lebensmittel- und andere Skandale zeigen, wahrscheinlich schlechter geworden.
Mit den “Cartoons zum Tier und Wir”, kann man ein bißchen darüber nachdenken, so kann ich Buch und Ausstellung wärmsten nur empfehlen und wer es dann lieber fleischlos will, für den hat der Holzbaumverlag wahrscheinlich immer noch seinen vegetarischen Lokalführer bereit.

Schneewittchens süsse Rache

Jetzt kommt ein österreichischer Frauenroman, ein Chick Lit, das ein bißchen an Thomas Bernhard und an Evellyn Grill erinnert, hat ihn ja die 1956 in Salzburg geborene Lisa Witasek, die 1983 beim Bachmannpreis gelesen hat und mit Ephraim Kishon verheiratet war, geschrieben, gefunden habe ich ihn, glaube ich, im Schrank, als ich bei den Short Cuts im vorvorigen Jahr ein bißchen Schauen war.
Der Titel läßt Klischees vermuten und löst Assoziationen an das Märchen aus, dabei ist alles ein bißchen anderen, denn Lilith, die Urmutter, von ihrer Ma der Schnelle wegen nur Lil oder Breitmaulfrosch genannt, vergiftet ihre Mutter nicht und legt sie auch in keinen Sarg, bekommt am Ende aber doch die Pantoffeln von ihrem Seligen geschenkt und überlegt, ob sie der Ma nicht ein lebenslanges Wohnrecht geben soll, aber die ist in Amerika geblieben, während Lil, die schöne Dreiunddreißigjährige, die ewig überblieb und sich ewig nach ihren Vätern sehnte, von denen sie zu wenige hatte, mit ihrer Oma und der Mutter Maria Rosa Ackermann in der schönsten Villa der Stadt aufwuchs.
Die Mutter war offenbar ein bißchen mit Thomas Bernhard verwandt, so hat sie ihrer Lil oder Lililein immer vorgeredet, daß sie nichts kann, zu nichts taugt und zu nichts nützlich ist. Lil ist aber Sekretärin beim Immobilienmakler Möchter, das ist auch kein Guter, hat er doch eine häßliche Frau und viele süße Stimmchen, die ihn anhimmeln und anrufen, dabei will Lil nur mit ihm oder eigentlich auch nicht, denn sie träumt von ihren Vätern und den grauen Schläfen und hat schon mit dreiundzwanzig, jetzt ist sie zehn Jahre älter, die Ma, resche Pensionistin und die Oma hat das Haus der Tochter übergeben und ist in die Seniorenresidenz abgedampft, ihren old Man, ich glaube so an die Siebzig, in einem Konzert kennengelernt und ihn zehn Jahre vor ihrer Ma verborgen gehalten.
Aber jetzt naht Mas Geburtstag und da will die von ihrem Töchterlein immer ein Geschenk, nämlich eine Reise mit ihr machen und diesmal soll es ins Death Valley gehen. Töchterlein aber streikt und nimmt die Ma mit ins Konzert, was damit endet, daß Chef Möchter sie mit seiner Süßen dabei erwischt. Lil hat sich einen Tag krankgemeldet, um alles besser organisieren zu können, die Ma mit dem Old Man im Auto bleibt und Lil ihrem Chef am nächsten Tag einen Vortrag hält, wie man die Frauen erobert, worauf der ihrer Ma Blumen im Töpfchen schickt.
“Komplette Scheiße!”, würde jetzt Herr Möchter sagen und Lil leidet auch eine Weile vor sich hin, besucht die Oma im Altersheim, besorgt sich eine Abhörablage und erfährt, daß die Mutter, das Haus an Möchter verkaufte, Lil bekommt ein lebenslanges Wohnrecht in der Hausmeisterwohnung und mit dem Old Man nach Amerika abdampfen will.
Möchter hält ihr auch noch einen Vortrag, was man nicht machen soll, wenn man einen Mann haben will und verkündigt ihr seine Scheidung und am Flughafen beginnt der Old Man mit der Oma zu flirten und man denkt, “Originell und bei Lisa Witasek ist wirklich alles anders, wie es auch im Klappentext steht, wenn auch ein bißchen dick aufgetragen!”
Dann zerrt die Ma, den Man durch die Passkontrolle und Breitbandfröschen kündigt ihrem Chef am nächsten Tag und am Ende bekommt sie noch die Nachricht vom Tod des altes Mannes, er hat ihr sein Haus vererbt, das er nicht verkaufen wollte und schickt ihr seine Pantoffeln.
“Eine bittersüße Dreiecksgeschichte, die nur mit einem Rachefeldzug enden kann!”, steht weiter im Klappentext, der ist mir offenbar entgangen, die Klischee sind mir aufgefallen und auch die Widersprüche, mit denen Lisa Witasek zu spielen weiß, so sagt Old Man ständig “Schön wie Einstein und klug wie eine Blumen!”, zu allen seinen Frauen und auch die Lil widerspricht sich öfter.
Am Ende ist es anders wie erwartet, es ist eigentlich nichts geschehen, obwohl viel angedeutet wurde und nichts in Ordnung war, dick aufgetragen mit dem Österreicherbonus, wie wir es von Papa Bernhard und Evelin Grill lernten, würde ich so sagen und Ephraim Kishon spricht noch am Buchrückschlag “von dem feinen Humor, auf dem er fast eifersüchtig geworden wäre!”
Es ist das erste Buch von Lisa Witasek, es ist 2000, erschienen, das ich gelesen habe, gehört habe ich schon in den Achtziger-oder Neunzigerjahren von ihr, als ich Konrad Zobel einmal wegen einem Text im ORF angeschrieben hatte und er mich fragte, ob ich sie nicht zu einer meiner GAV Veranstaltungen einladen wolle, sie ist aber, glaube ich, PEN-Mitglied und lebt inzwischen in der Schweiz.

Die Ware Buch

“Das Buch als Ware, wo und wie kauft ihr eure Bücher?”, war diesmal die Wochendiskussion bei “aboutsomething” und das ist natürlich ein Thema, wozu ich meinen Senf dazu geben muß. Ist das ja etwas, wo sich derzeit ja sehr vieles ändert.
Und wenn ich über die Art und Weise, wie ich zu Bücher komme auch schon sehr viel geschrieben habe, daß ich Bücher eben nicht als Ware betrachte, habe ich so deutlich noch gar nicht definiert und sollte das einmal tun, weil mich, die Aufforderung der Veranstalter bei Lesungen “Nehmen Sie sich doch bitte Ihre Schätzchen mit!”, der Zwang bei Amazon ganz oben auf der Rankingliste, wenn man sein Selbstgemachtes hineinstellt, sein zu müßen, weil es offenbar nur so Qualität bekommt, immer schon etwas störte.
Daß ich immer gern und viel gelesen habe, habe ich schon geschrieben. Mein Vater hat für die Büchergilde Gutenberg Bücher vertrieben und daher immer welche, bzw. Kataloge nach Hause gebracht, zu Weihnachten gab es Buchgeschenke, eines war von den Kinderfreunden bzw. der SPÖ und später als Studentin habe ich gekauft und gekauft.
Dabei war ich immer sparsam und wollte das eigentlich gar nicht, irgendwann, wahrscheinlich, um die Zeit, als ich in die Krongasse übersiedelt bin, habe ich damit aufgehört und würde einen der Gründe darin sehen, daß die Verlage meine Bücher ja auch nicht haben wollen, also brauche ich sie nicht teuer kaufen.
Das betrifft aber seltsamerweise nicht das Lesen, lese ich ja nach wie vor viel und immer mehr, verliere nicht das Interesse an der Literatur der anderen, sondern bin nach wie vor daran interessiert, wie und was die anderen schreiben und eine Büchersammlerin bin ich auch.
Die Abverkaufskisten haben mich schon immer angelockt und ich habe auch als Studentin schon Bücher daraus bezogen, neben den Residenz-Neuerscheinungen, die ich mir damals ebenfalls kaufte, dann kamen die Bücherflohmärkte, die Büchertürme und andere Gelegenheiten, wo ich vor Bücherkisten stand und mir nehmen konnte, was ich wollte. Meine im November verstorbene Schulfreundin Edith, hat mich ja einmal, als der Buchhändler in ihrem Haus zusperrte, dazu eingeladen, ein anderes Mal gab es ein Flugblatt am der Anschlagtafel im Haus und vor einem Vereinslokal standen die Kisten zur freien Entnahme u.u.u.
Da bin ich schon bei der Bücherauswahl, ich kaufe nach dem Namen, nach dem Verlag vielleicht auch und nicht so sehr nach dem Cover und da ich mich schon seit dreißig, vierzig Jahren kontinuierlich mit dem Geschriebenen beschäftige, hat sich mir da sehr viel eingeprägt, so daß es auch manchmal zu Verwechslungen kommt und ich auf einmal einen Roman von einem Carl Amery nach Hause trage und beim Lesen entdecke, das ist ja ein anderer, als ich dachte, was ich eigentlich sehr spannend finde. Ich habe, das habe ich auch schon geschrieben, einen weiten Literaturbegriff, allerdings lese ich inzwischen fast ausschließlich Belletristik und nur sehr wenige Fach- und Sachbücher, die ich dann auch nicht bespreche und interessiere mich für fast alles. Für Chick Lit, Krimis, genauso, wie für das Experimentelle. Der Schwerpunkt ist die moderne Gegenwartsliteratur, bevorzugt deutscher Herkunft könnte man hinzufügen, aber da kommt auch schon die Zwischenkriegsliteratur, das Politische und und und…
Rezensionen der Berufskritiker lese ich nur selten, weil mir die, das ist ein Vorurteil, zu besserwisserisch sind, aber ich schaue regelmäßig die Bachmanndiskussionen, die blauen Sofas von Frankfurt, Leipzig etc, gehe vier Tage auf der Buch-Wien spazieren, das ist Beratung genug, jetzt kommen auch noch die Bücherblogs dazu, von denen ich einige sehr regelmäßig lese.
Ich habe, glaube ich, auch einen Universalanspruch, würde wirklich alles lesen und wenn ich mir sage “Hör mal, Eva, du brauchst dir wirklich kein Buch mehr kaufen und auch nicht mehr zu den Bücherschränken gehen, lese doch erst mal auf, was du hast!”, fürchte ich, daß das nicht wirklich klappt, denn ich könnte ja ein Schnäppchen versäumen, das nicht mehr zu bekommen ist.
So habe ich schon Bücherlisten bis 2017 und ich denke, es muß nicht alles klappen, ein bißchen Unperfektion darf auch bei mir sein und suche weiter, beschäftige ich mich ja sehr mit dem Lesen und der Literatur und das ist ja eigentlich sehr schön!
Vielleicht nervt es manchmal, daß ich immer schreibe, daß ich keine Bücher kaufe, sondern sie nur tausche bzw. umsonst bekommen will.
Den Grund dafür habe ich schon angeführt. Daß ich sparsam lebe und mir ein Buch um fünfundzwanzig Euro einfach zu teuer ist. Zweimal bin ich, als ich jemanden fragte, ob er tauschen will, sehr eingefahren, einmal bei einem xxxx-small bei Ruth Aspöck, die als Kleinverlegerin ihr “Buch als Ware”, wohl angegriffen sah, was ich damals gar nicht so verstanden habe, inzwischen verschenkt sie ihre Bücher und legt die Restauflagen in die Bücherschränke oder bei Lesungen und Festen gratis auf. Die zweite war Anni Bürkl, die ein Buch von mir kaufte, ich fordere niemanden dazu auf, zeige sie nur gerne her und verkaufe sie zum Selbstkostenpreis und dann meine Erklärungen, warum ich ihres nicht kaufte, nicht verstehen wollte. Seither bin ich vorsichtiger und frage nicht mehr so oft, ob jemand tauschen will?, bzw. ist es mir auf der letzten Buch-Wien passiert, daß mir ein Kollege, das von sich aus angetragen hat.
Da ich keine Vollpreisbücher kaufe, fällt die Beratung weg und so weiß ich auch nicht, was passiert, wenn ich beispielsweise zur Anna Jeller gehe und sage “Da habe ich einen Hundereuroschein, was würden Sie mir empfehlen?”
Wahrscheinlich würde sie mich erstaunt anschauen und weiterfragen oder mich zu ihren Ladenhütern führen, wie es mir einmal in einem Schuhladen passierte.
Am Montag hätte ich bei dem zweiten Arovell-Buch, das ich beim “Frick” in der Kiste fand, fast den Verkäufer gefragt, ob er den Autor kenne und es nicht getan, weil ich davon ausgegangen bin, er kennt ihn nicht, bei einem zwei Euro Buch ist keine Beratung drinnen und bei Google finde ich die Antwort schneller.
Es wäre aber spannend herauszufinden, wie das wirklich mit dem Top Argument der kleinen Buchhandlung der Beratung ist. Wieviele Käufer lassen sich wirklich beraten? Ich kaufe nach Schnäppchen und wenn ich ein Buch von einem Autor habe, lese ich gerne auch die anderen und freute mich so über Marjana Gaponekos “Annuschkas Blume” und Milena Michiko Flasars “Okaasan”, die ich kürzlich fand bzw. um zwei Euro kaufte.
Wenn ich von Büchern rede, meine ich, das auf Papier gedruckte, obwohl ich nicht daran rieche und nicht das haptische Erlebnis, dieses Dauerargument, das ich auch ein bißchen dämlich finde, brauche.
Einen Kindle habe und kaufe ich mir nicht. Dafür aber ein kleines E-Book Archiv, weil mir der Haymon Verlag im Sommer ein paar Vorab-E-Books schickte. Jetzt hat er bis auf eines damit aufgehört und als ich mich nach Gustav Ernsts “Grundlsee”, das demnächst erscheint oder schon erscheinen ist, erkundigte, hörte ich mit Bedauern, daß das Kontingent begrenzt wurde.
Nun, ich muß nicht alles lesen, habe genug und irgendwann, so meine Theorie, wird es schon zu mir kommen, wenn es mir bestimmt ist. So warte ich auf diese Weise beispielsweise. auf “Chucks” und auf die Anni Bürkl-Bücher. Anderes wie Irene Harrands “Sein Kampf” oder Jan Kossdorfs “Spam”, Julia Kröhns “Kuß des Morgenlichts”, sind schon zu mir gekommen und ich habe sie noch nicht gelesen.
Für mich ist das Buch Literatur und keine Ware, das Wirtschaftliche interessiert mich also nicht, bin da nur beleidigt, weil mich die Verlage nicht haben wollen, ansonsten fühle ich mich zum Bücherkaufen nicht verpflichtet und beobachte gespannt die Entwicklungen, die es in der Buchbranche gibt.
Vor ein paar Jahren oder durch das Bloggen bin ich auch auf die Rezensionsexemplare und die Neiddiskussionen darüber gekommen, habe mich gewundert, daß die Verlage, die so großzügig verteilen und mir gedacht “Wer kauft dann noch Bücher?” und ich denke, sie werden auch nicht sehr gekauft. Die Bücherprofis bekommen sie umsonst, die anderen interessieren sich nicht dafür. Wird wohl nicht ganz so sein und die Ware Buch ist wahrscheinlich ein Geschäft, von dem ich nicht viel mitbekomme, nur einmal, 2002 in Frankfurt, habe ich mich einen Stock zu hoch hinauf verirrt, wo die schwarzgekleideten Herren vor den Türen stehen und die nicht Berechtigten nicht weitergehen lassen.
Das gibt es sicher auch, aber die Bücher kommen in großen Mengen, vor allem seit es die Bücherkästen gibt, umsonst zu mir und das wird ja, glaube ich, auch vom Buchhandel unterstützt. Als Frank Gassner seine Verlosung im Herbst machte, gab es Karten für die Buch-Wien zu gewinnen.
Daß die Leute durch ein Gratisbuch mehr kaufen, glaube ich zwar nicht, es scheint aber offenbar so zu sein, so gibt es ja auch diese Kindle Gratisaktionen der Selbstpublisher, die ich leider nicht nützen kann, weil ich keinen Kindle habe und das auf meinen PC nicht geht.
Aber ich habe noch nicht geschrieben, daß die E-books auch für mich keine richtigen Bücher sind, weil ich sie nicht angreifen kann, bzw. nicht in meinen Katalog eintrage. Ich lese die, die ich habe und bespreche sie, aber ein PDF ist schon etwas anderes und das wird das Leseverhalten natürlich verändern.
Ich lese, seit ich blogge und es die Bücherkästen gibt, mehr, weil es mich interessiert, ich die Berge, die mir selbst nach Hause hole, abtragen will und das ist es auch sehr spannend, daß ich jetzt einen Blog gefunden habe, wo die Betreiberin noch mehr liest als ich. Das spornt ein bißchen an, obwohl es das nicht braucht und auch nicht soll.
Wenn ich am Abend in die Alte Schmiede gehe, gehe ich regelmäßig durch den “Morawa” und kaufe auch, wenn ich etwas in den Kisten finde. In die kleinen Buchhandlungen, wie beispielsweise in die Anna Jeller, gehe ich kaum mehr hinein, weil ich ohnehin nichts kaufe und mir die Neuerscheinungen auch nicht anschauen muß, da erfahre ich alles im Internet und bei den Lesungen, dort lasse ich mir auch regelmäßig Bücher öffnen und schaue hinein.
Finde Lesen also interessant, betrachte das Buch nicht als Ware, sondern als Kulturgut oder als das, was den anderen so einfällt und was immer spannend ist, mit den eigenen Einfällen zu vergleichen, würde am liebsten die ganze Literaturlandschaft auflesen und interessiere mich auch für Krimis und Chick Lits.
Für Vampirromane weniger, obwohl ich da jetzt ein paar auf der Liste habe und wenn es sehr gewalttätig ist, setze ich auch auch aus.
Harry Potter würde ich vielleicht nicht lesen und bei der “Vermessung der Welt”, weiß ich es nicht, bzw. wenn ich es finde, lese ich es, aber es ist vielleicht nicht das, worauf ich warte und von den Neuerscheinungen hätte ich nichts dagegen, wenn mir das Osterhäschen den neuen Schindel oder Köhlmeier brächte, aber “Gebürtig”, steht ohnehin schon auf der Leseliste, weil das ja im vorigen Jahr jemand weggegeben hat und das ist ja ganz besonders spannend, die Klassikerlücken durch die Bücherkästen aufzufüllen und dazu sind sie auch bestens geeignet.
Die Buch als Ware-Vertreter würden ja wohl zu den Neuerscheinungen raten. Ich lese das Alte auf und fülle meine Lücken und glaube, das es das ist, was mich am Lesen und an den Bücherkästen interessiert, so bin ich für den Buchhandel mit meinen Erfahrungen im Gratislesen wahrscheinlich ein Alptraum, andererseits würde ich auf meine Liebe zur Literatur schon bestehen und kann jeden nur empfehlen zu lesen, das Alte oder Neue, wie es beliebt und auch über den Tellerrand hinauszuschauen, weil ich auch eine bin, die sich dafür interessiert, was die Selbstpublisher so schreiben und auch das gerne lesen will, weil man, wenn man einen Kindle hätte, sicher auch Interessantes finden würde.

Zwanzigste Hörspielfeier

Zwanzig Jahre lange Nacht des Hörspiels, respektive Ö1 Hörspiel-Gala, wie es seit vorigem Jahr heißt, denn um neunzehn Uhr fünf begann es pünktlich nach den Nachrichten und um zweiundzwanzig Uhr muß es aus sein und wird dafür im Radio übertragen, so daß ich gar nicht hingehen hätte müßen, tat es aber aus guter alter Tradition und natürlich auch für das Literaturgeflüster, das ja manche schrecklich finden und beim ersten Mal vor zwanzig Jahren, als der Michael Köhlmeier gewonnen hatte, war ich mit dem Alfred ebenfalls live dabei und trauere noch heute dem guten Gulasch nach.
Aber alles fließt und ändert sich und ich muß sagen, es war schon einmal schlechter, als es diesmal war und am Ende sind mir sogar die Tränen heruntergeronnen und ich habe gedacht, schade, daß die Brigitte Schwaiger nicht mehr dabei sein kann, sie hätte sie gefreut und dazu gedacht, daß ich nicht will, daß vielleicht in fünfzig, sechzig Jahre ein möglicher rotzfrecher Enkelsohn ein Hörspiel aus einem meiner Romane macht, die Trophäe schwingt und sagt, “Die Oma hat ohnehin ganz gut geschrieben!”
Aber schön der Reihe nach, einen guten Platz ziemlich weit vorn gefunden, das war ebenfalls schon was, die Johanna Rachinger beim Begrüßtwerden beobachtet, Küßchen rechts, Küßchen links, wie das heutzutage in der Szene üblich ist, dann kam der Peter Klein, der jetzige Hörspielchef, schwenkte seine Arme und sagte “Sie müßen noch fünf Minuten warten, bis die Nachrichten zu Ende sind!”, darauf folgte Doris Glaser in einem schwarzen Abendkleid, erklärte das mit dem zwanzigsten Mal des inzwischen recht kurzen Abends, kündigte die Hörspielgala-Combo mit Wolfram Berger, Wolfgang Puschnig und Paul Urbanek an, die es glaube ich, auch schon im letzten Jahr gegeben hat und wenn ich mich nicht irre, wurden die besten zehn Hörspiele vorgestellt, vielleicht kam aber auch zuerst die Generaldirektorin der Nationalbibliothek mit ihrer Eröffnungsrede, die erklärte, was Hörspiele und Bücher gemeinsam haben.
Dann wurde die zehn besten in je einer Minute präsentiert, Christine Nöstlinger über die “Ganz armen Frauen” war dabei, Peter Handke, wieder Magda Woitzuck, Konrad Bayer, Alfred Noll, Brigitte Schwaigers Bearbeitung “Wie kommt das Salz ins Meer”, die Peschina-Bearbeitung von der “Kapuzinergruft”, wo ich dachte, “Aha, da haben wir das Hörspiel des Jahres!”, denn der Publikumsgeschmack deckt sich oft nicht mit dem der Kritik und meist gewinnt der bekannte Namen, haben wir ja nicht mehr die Zeit unserer Roth, Musil, oder James Joyce zu lesen.
Joachim Bißmeier wurde Schauspieler des Jahres und der hat über sechzig Hörspiele in über vierzig Jahren gemacht, wurde in den Dreißigerjahren in Bonn am Rhein geboren, kam in den Sechzigerjahren nach Wien und ans Burgtheater. Da habe ich ihn wahrscheinlich in den Siebzigerjahren als Torquato Tasso gesehen, wahrscheinlich mehrmals, weil ich ja einen Roman bzw. Erzählung über die Schauspieler die in Linz in einer solchen Aufführung spielen, geschrieben habe, ein Text der für mich wichtig war, aber nie veröffentlicht wurde, so hat sich das mir eingeprägt.
Und das Hörspiel der Kritik, das über einen Räuber handelte, den es wirklich gab, einen Einbrecherkönig, der sich an einen Autor wandte, der dann einen Text daraus machte, der von Wolfram Berger live auf der Bühne dargeboten wurde, wurde auch gekürt, es war prompt nicht bei den zehn besten vom Publikum ausgewählten.
Eine Pause gab es auch, in der ich mit niemanden ins Gespräch gekommen bin und danach die Präsentation des besten Kurzhörspiels, das diesmal nicht im Klangtheater sondern übers Internet gewählt wurde und die Preisträgerin, die sich Kopf an Kopf gegen das Zweitgereihte durchgesetzt hat, ist vor mir gesessen.
Dann wurden schon die drei Preishörspiele präsentiert. Die Nöstlinger mit ihrem Spinat, den alle hundert Hausparteien in der Gemeindewohnung am Donnerstag über oder untereinander kochen, landete auf Platz drei und der Roth, der ja eigentlich ein genauso schlimmes Ende hatte und in Paris elendiglich zugrunde gegangen ist, wie die Brigitte Schwaiger siebzig Jahre später in der Donau, landete auf Platz zwei und dann kam die junge rotzfreche Autorin, die schon einmal den Track 5, gewonnen hat und voriges Jahr den Publikumspreis, sich ihre Schauspieler aus Berlin einfliegen ließ und die Handlung in die Gegenwart verlegte und die Herren vom ORF haben den 1977 erschienenen Roman allen Ernstes als den besten Nachkriegsroman bezeichnet.
Nun ja, ich kann mich noch gut an das Jahr 1977 in der Otto Bauergasse erinnern, der Krieg war lang vorbei, der Roman ist plötzlich dagewesen und irgendwer hat behauptet, daß die Schwaiger damit den ersten Bachmannpreis gewinnen wird, der Torberg hätte es ihr gerichtet. Sie ist aber gar nicht angetreten, dann ist sie wieder abgestiegen und ich habe sie einmal am ersten Mai mit der roten Nelke auf dem Rathausplatz getroffen, wo sie die Ruth oder die Ruth sie angesprochen hat.
Schade, daß sie das nicht mehr erleben konnte, aber vielleicht hätte sie sich genausowenig gefreut, wie ich in sechzig Jahren über ein Hörspiel eines möglichen rotzfrechen Enkels, weil dann wärs ja nicht mehr mein Buch?
Nachdem die Preisträgerin ihre Trophäe erhalten hatte, wurde Brigitte Schwaigers Bild projeziert und ein Satz von ihr gesendet, den man am Donnerstag im ganzen Interview von Michael Kerbler, das glaube ich, auch im Sommer 2010, als man ihre Leiche in der Donau fand, gesendet wurde, hören kann.
“So kommt das Salz ins Meer, Brigitte!”, hat damals jemand gebloggt und ich finde es trotzdem schön, daß dieses Hörspiel gewonnen hat, habe dann im Foyer noch die andere Brigitte, die Nachbarin der Lindners und Helma Giannone getroffen, die mich fragte, wieviel Trinkgeld ich an der Garderobe geben werde?
Das Hörspiel des Jahres wird am Samstagnachmittag übertragen, der Kritikerpreis folgt am Dienstag und die Kurzhörspiele kommen auch.

Der Hauptmann und sein Frauenbataillon

Jetzt kommt noch einmal der Nobelpreisträger von 2010, nämlich Vargas Llosas satirischer Roman auf die Armee und die Zustände dort, 1973 geschrieben, in den Fünzigerjahren am Amazonas spielend und das Buch ist, nach der eher konventionellen Selbstbiografie, die ich vor kurzem gelesen habe, erstaunlich modern und hat mich auch von der Art in der es geschrieben wurde, überrascht, so daß ich den Nobelpreis besser nachvollziehen kann.
In dem kleinen Städtchen Inquitos herrscht Aufruhr, die Armee hat Schwierigkeiten, kam es in letzter Zeit doch offenbar bedingt durch das Klima oder die Ernährung, zu Vergewaltigungen und anderer Übergriffen der Soldaten an die sittliche Mädchenschaft, so daß die Armee Abhilfe sucht und den wackeren Hauptmann Pantoja mit Frau und Mutter dorthin schickt, um einen Betreuungsdienst, sprich ein Bordell oder ein Frauenbataillon aufzubauen.
Das alles muß natürlich streng geheim passieren, das heißt Pantoja muß Zivil tragen und darf auch nicht in den Armeequartieren wohnen, also keine Vergünstigungen und kein Umgang mit den Offiziersfamilien, was vor allem seine Frau Pochita sehr bedauert und das auch ihrer Schwester schreibt, ihr ihr Leid klagt, denn Panta hat sich sehr verändert, will mehr Sex mit ihr, mißt die Länge des Vergnügens mit der Stoppuhr, will ihr auch einen kleinen Rekruten machen und noch etwas ist Pochita furchtbar peinlich, laufen doch auf den Straßen ständig Wäscherinnen herum, die ihre Dienste anbieten und als Pochita eine heraufruft, um ihr die Wäsche zu geben, rennt die ins Schlafzimmer und sagt “Für einen Dreier kostet es mehr!”
Auch sonst hat sich der Gatte sehr verändert, kommt betrunken nach Hause, wird in schlechten Gegegenden gesehen, etc.
Der Truppenbetreuungsdienst gedeiht indessen wunderbar, denn Pantoja, der alle seine Aufgaben gut erledigt und auch äußerst tugendhaft ist, hat sich dafür einige Aufnahmerituale ausgedacht und verlangt von seinen Vorgesetzten auch Verstärkung. Nur die Militärpfarrer bekommen Gewissensbisse und in dem Städtchen ist auch sonst noch etwas los, tauchte da doch ein Pater Francesco auf, eine Sekte mit merkwürdigen Ritualen, die in Kreuzungen zuerst von Tieren, später auch von Menschen mündet.
All das das wird auf verschiedene Art und Weise erzählt, in manchen Kapiteln wechseln sich mehrere Erzählstränge untereinander ab, dann gibt es militärische Berichte des Hauptmanns an seine Vorgesetzten, Pochitas Brief an ihre Schwester, in der sie die unschuldigen Gelüste einer braven Ehefrau ausdrückt und auch verschiedene Radio und Zeitungsberichte, die das Geschehene melden.
Gibt es dabei ja auch verschiedene Gerüchte und Schwierigkeiten, so beginnt sich der einst so Tugendhafte, in die schöne “Brasilanerin” zu verlieben und räumt ihr Sonderrechte ein, während die Wäscherin, die Pochita einst unschuldig in ihr Schlafzimmer holte, auch in den Betreuungsdienst, der den Frauen sichere Anstellung und auch sonst noch andere Vorteile bietet, wechselte, sich dann aber verheiratete, was sie nicht durfte und entlassen wurde, Pochita einen Brief schreibt und sie über all das aufklärt, worauf, die ihren Panta samt Töchterlein Gladys verläßt und nach Lima zurückkehrt.
Die Anschläge durch die Sekte nehmen zu, am Schluß kommt die schöne Brasilanerin ums Leben und wird von Panta, dessen Dienst, man längst Pantalandia nennt, in allen militärischen Ehren begraben.
Er selbst erscheint, was er auch nicht darf, in Uniform am Grab und hält die Abschiedsrede, wie er es auch bei einem Soldaten tun würde.
Das kommt natürlich in die Zeitung und erregt Aufruhr, Panta muß sein Bataillon auflösen und soll die Armee verlassen. Er weigert sich aber seinen Rücktritt einzureichen, bis zum Tod bleibt er Soldat und will auch nicht privater Buffvater werden, obwohl ihm das seine Mitarbeiter anbieten. So reist er mit der Mutter nach Lima zurück, kann endlich seine kleine Tochter sehen und von der Armee wird er irgendwohin in die Kälte, bis Gras über die Sache gewachsen ist, versetzt, Frau und Tochter und wahrscheinlich auch die Mutter kommen natürlich mit.