{"id":42165,"date":"2016-02-21T00:55:16","date_gmt":"2016-02-20T23:55:16","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=42165"},"modified":"2016-02-21T00:55:16","modified_gmt":"2016-02-20T23:55:16","slug":"eine-dame-von-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=42165","title":{"rendered":"Eine Dame von Welt"},"content":{"rendered":"<p>Von der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/02\/20\/sein-leben-ein-traum\/\">Reichstumsschriftkammer und dem Biedermeier<\/a> komme ich nun ins neunzehnte\u00a0 Jahrhundert und zu einem amerikanisch-britischen Schriftsteller, in New York geboren, in England vor fast genau hundert Jahren gestorben, n\u00e4mlich Henry James, der zu diesem Anla\u00df f\u00fcr den deutschen Raum entdeckt und wieder oder neu aufgelegt zu werden scheint.<\/p>\n<p>So hat der &#8220;Schweizer Literaturclub&#8221; seine Dezembersendung seinem Roman &#8220;Die Europ\u00e4er&#8221; gewidmet, der mit den &#8220;Gesandten&#8221; derzeit bei Anna Jeller im Schaufenster liegt. &#8220;Jung und Jung&#8221;, hat die von Walter Kappacher \u00fcbersetzte Erz\u00e4hlung &#8220;Die mittleren Jahre&#8221; herausgebracht und <a href=\"http:\/\/www.aufbau-verlag.de\/index.php\/literatur-unterhaltung\/romane-erzahlungen\/eine-dame-von-welt.html\">&#8220;Aufbau&#8221;<\/a>, der mich seit Herbst ein bi\u00dfchen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/11\/20\/mach-mir-den-garten-liebling\/\">in<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/01\/20\/wir-sind-cyborgs\/\">seine <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/02\/12\/zwei-fuer-immer\/\">Neuerscheinungen<\/a> schnuppern l\u00e4\u00dft, hat mir die, im J\u00e4nner erschienenen Salonerz\u00e4hlung &#8220;Eine Dame von Welt&#8221; zugeschickt.<\/p>\n<p>Soviele Neuerscheinungen von einem 1843 erschienenen Schriftsteller, der f\u00fcr mich bisher eher unbekannt war, erscheint mir eher ungew\u00f6hnlich und ich finde es auch spannend, die Hintergr\u00fcnde f\u00fcr die pl\u00f6tzliche &#8220;Jamesmanomie&#8221; herauszufinden.<\/p>\n<p>&#8220;Dieser Schriftsteller wird Sie nicht mehr aus seinen F\u00e4ngen lassen, sobald Sie eine Zeile von ihm gelesen haben!&#8221;, steht auch am R\u00fccken des kleinen gelben B\u00fcchleins.<\/p>\n<p>Ich mu\u00df feststellen, f\u00fcr mich trifft das nicht zu und auch im &#8220;Literaturclub&#8221; waren die Meinungen zweigeteilt. Einige waren begeistert von dem alten Herrn, der so\u00a0 vortrefflich Charaktere beschreiben kann. Elke Heidenreich hat dagegen eher das Korsett und den Staub erw\u00e4hnt, den sie beim Lesen versp\u00fcrte und ich kann mich erinnern, das erste Mal von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/10\/11\/was-du-liebst-gehort-dir-nicht\/\">Louise Doughty<\/a> den Namen Henry James geh\u00f6rt zu haben, als ich mich in ihr Projekt &#8220;Ein Roman in einem Jahr&#8221; eingelesen habe, und sie war eher auch nicht begeistert.<\/p>\n<p>Worum geht es in dem Buch und wahrscheinlich, wenn ich es richtig verstanden habe, \u00fcberhaupt in dem Werk des Dichters, der ein Zeitgenosse von Melville und Charles Dickens war?<\/p>\n<p>Um die Unterschiede der Amerikaner und der Europ\u00e4er habe ich verstanden und die Geschichte beginnt in Paris, in einem Theater, wo zwei Amerikaner mit dem Feldstecher in die Logen schauen und dort von dem Anblick einer wei\u00dfgekleideten Dame gefesselt werden.<\/p>\n<p>&#8220;Ist sie ehrbar?&#8221;, lautet die Frage des einen an den anderen und in dem St\u00fcck, das sie gerade sehen, geht es auch darum. Da will einer heiraten, fragt einen Freund nach der Ehrbarkeit der Braut und dieser verneint, denn sie war einmal seine Geliebte.<\/p>\n<p>Mister Littlemore, der Gesandte, verneint auch, denn er hat die Dame, Missis\u00a0 Headway oder Nancy Beck, wie sie fr\u00fcher hie\u00df, auf einer Veranda in San Diego, New Mexiko, wie es in dem Buch hei\u00dft, kennengelernt und war\u00a0 f\u00fcr das sp\u00e4te Neunzehntejahrhundert ungew\u00f6hnlich, vier oder f\u00fcnfmal geschieden oder verwitwet und\u00a0 scheint auch sonst Beziehungen zu M\u00e4nnern gehabt zu haben.<\/p>\n<p>Jetzt ist sie aber zu Geld gekommen und befindet sich an der Seite von Sir Arthur Demesne, der sie heiraten will. Nichts destotrotz l\u00e4dt sie die beiden Amerikaner in ihr Hotelzimmer ein und erz\u00e4hlt ihnen, da\u00df sie von der europ\u00e4ischen Gesellschaft aufgenommen werden will.<\/p>\n<p>Die Amerikanische hat ihr das versagt, jetzt will sie in die ersten europ\u00e4ischen H\u00e4user und verlangt von ihrem Br\u00e4utigam, den sie gar nicht gut behandelt, da\u00df er seine Mutter, die auf den Weg nach Cannes, wo sie den Winter verbringen will, ein paar Tage in Paris Station macht, da\u00df sie zu ihr kommen soll. Die kommt auch und wird wieder nicht sehr gut von der sch\u00f6nen Nancy behandelt. Dann geht es in das Landhaus der Demesnes, nach England und dort will die Mutter von den beiden Amerikanner auch wissen, ob es sich bei ihr, um eine ehrbare Frau handelt, die man heiraten kann?<\/p>\n<p>Sie ist es offenbar nicht und Mister Littlemore w\u00fcrde sie auch nicht heiraten wollen, erkl\u00e4rt der Lady und dem Br\u00e4utigam aber, da\u00df sie es ist und das Schicksal nimmt seinen Lauf, beziehungsweise wird die Ehe vielleicht bald wieder geschieden werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ehrlich gesagt, ein wenig schwer verst\u00e4ndlich und weit hergeholt, einmal das neunzehnte Jahrhundert, dann die erste englische Gesellschaftschicht, etwas, was, wie ich meine, in Zeiten, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/02\/07\/die-praesidentin-auf-dem-opernball\/\">wie<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/09\/03\/schreibgruppe-mit-fluechtlingsproblematik\/\">diesen<\/a> nicht mehr sehr so sehr interessiert, da\u00df es mich fesseln w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde das Ganze auch eher, als Satire verstehen und dem guten Sir raten, die H\u00e4nde von der Kokotte, die auch noch\u00a0 einen Verfolgungswahn haben d\u00fcrfte, sich von allen bespitzelt f\u00fchlt und, die Lady\u00a0 als Hexe beschimpft, zu lassen. Warum George Littlemore\u00a0 l\u00fcgt oder schweigt, habe ich nicht ganz verstanden, halte es aber auch nicht f\u00fcr so\u00a0 oder \u00e4hnlich wichtig, wie Richard Lugners neue Ehe oder das Seitenblicke TV.<\/p>\n<p>Dagegen interessiert mich vielleicht auch die Frage, warum Henry James pl\u00f6tzlich in aller Munde ist, denn Emile Zola, oder John Galsworthy, von dem ich \u00fcbrigens eine Menge B\u00fccher in den Schr\u00e4nken gefunden habe, wird jetzt\u00a0 auch nicht neu aufgelegt?<\/p>\n<p>Ich bin auch gespannt, wie die Blogger auf Henry James reagieren werden. Die &#8220;Klappentexterin&#8221; hat ja schon angedeutet, da\u00df sie ihn demn\u00e4chst lesen wird und mir ist noch ein Roman von Hedwig Courths-Mahler eingefallen, die ich ja einmal sehr begeistert gelesen habe und die ich trotz ihrer sehr verqueren Moralvorstellungen, f\u00fcr eine hervorragende Beschreiberin des Berliner Gesellschaftsleben des fr\u00fchen zwanzigsten Jahrhunderts halte, der ein \u00e4hnliches Thema, wie ich finde, packender behandelt hat.<\/p>\n<p>&#8220;K\u00e4thes Ring&#8221; hei\u00dft er, glaube ich und da liebt ein armes M\u00fcndel, den Sohn des Hauses, der ist aber in eine sch\u00f6ne Schauspielerin verknallt und heiratet sie gegen des Willen des Vaters, der\u00a0 den vorigen Liebhabern, der Dame dieselbe\u00a0 Frage stellt und die antworten &#8220;Um Gottes Willen, so etwas heiratet man doch nicht!&#8221; und schicken die Rechnungen der Pelzm\u00e4ntel oder Kleider, die sie ihr kauften.<\/p>\n<p>Die Gesellschaft hat sich aber verwandelt und heute mu\u00df man\u00a0 nicht mehr so &#8220;ehrbar&#8221;, wie vor hundertf\u00fcnfzig Jahren sein. Spannend aber trotzdem, da\u00df die Dame so oft geschieden war, dachte ich doch, das ging im neunzehnten Jahrhundert nicht.<\/p>\n<p>In einer Rezension habe ich gelesen, da\u00df es sich um das England von Jane Austen handelt und von der habe ich ja demn\u00e4chst ein Buch auf meiner Liste und einen diesbez\u00fcglichen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/02\/10\/ein-date-mit-mr-darcy\/\">Dating-Ratgeber<\/a> vor kurzem gelesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von der Reichstumsschriftkammer und dem Biedermeier komme ich nun ins neunzehnte\u00a0 Jahrhundert und zu einem amerikanisch-britischen Schriftsteller, in New York geboren, in England vor fast genau hundert Jahren gestorben, n\u00e4mlich Henry James, der zu diesem Anla\u00df f\u00fcr den deutschen Raum &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=42165\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[2563,5399,249,4348,5400],"class_list":["post-42165","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-aufbau-verlag","tag-henry-james","tag-neuerscheinung","tag-neunzehntes-jahrhundert","tag-salonerzaehlung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42165","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=42165"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42165\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=42165"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=42165"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=42165"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}