{"id":42042,"date":"2016-02-20T00:45:57","date_gmt":"2016-02-19T23:45:57","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=42042"},"modified":"2016-02-20T00:45:57","modified_gmt":"2016-02-19T23:45:57","slug":"sein-leben-ein-traum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=42042","title":{"rendered":"Sein Leben ein Traum"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt etwas ganz Altes aus dem B\u00fccherschrank, der in der B\u00fccherbilde Gutenberg&#8221; erschienene &#8220;Grillparzer Roman&#8221; von Friedrich Schreyvogl, des Gro\u00dfneffens von Joseph Schreyvogel, der 1899 in Wien geboren wurde, ein katholischer Dichter war, 1933 vom Pen-Club in die illegale NDSAP eintrat, dort in der Reichstumschriftkammer t\u00e4tig war, sich nach 1945 wieder auf seine Katholizit\u00e4t besann und bis zu seinem Tod 1976 in Wien im literarischen Leben aktiv t\u00e4tig war. Er hat auch ein Ehrengarab am Zentralfriedhof und gilt wie ich &#8220;Wikipedia&#8221; entnehme &#8220;als wendiger, schnell und vielschreibender Literat.&#8221;<\/p>\n<p>So gibt es auch eine lange Werkliste und einige Grillparzer-B\u00fccher sind dabei.<\/p>\n<p>Mein Buch hat das Copyright 1940 aus dem &#8220;Zsonay-Verlag&#8221; und ich habe es schon vor einiger Zeit gefunden und auf die Leseliste gesetzt, nachdem ich <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/11\/12\/reisen-mit-franz-grillparzer\/\">Ruth Asp\u00f6cks &#8220;Reisen mit Grillparzer&#8221;<\/a> gelesen habe.<\/p>\n<p>Ich bin ja kein so besonderer Fan des \u00f6sterreichischen Nationaldichters, gehe auch nicht mehr viel ins Theater.<\/p>\n<p>&#8220;Weh dem der l\u00fcgt&#8221;, hat mich aber sehr beeindruckt und als ich als Hauptsch\u00fclerin von der st\u00e4dtischen B\u00fccherei mit einer Grillparzer-Gesamtausgabe nach Hause kam, habe ich sie glaube ich, auch ziemlich ungelesen wieder zur\u00fcckgebracht.<\/p>\n<p>Trotzdem sehr interessant den 1940 geschriebenen Roman mit all dem historischen Wissen, das man inzwischen hat, zu lesen, er\u00a0 ist noch in der alten Schrift, die aber relativ leicht zu lesen ist und beginnt auf einem Schlo\u00df bei einem Grafen, wo der junge Grillparzer nach seinem Jusstudium Hofmeister war.<\/p>\n<p>Der Graf jagt ihm bei Regen auf einen offenen Wagen zu einer Kirche, der Fieberwahn oder ode ersten Dichterphantasien wieder, sp\u00e4ter treffen wir ihn dann in Wien, wo er als Konzipient gearbeitet hat und ein Freund die ersten Verse entdeckt, die werden Joseph Schreyvogel, der damals Burgtheaterdirektor war zugespielt und der Aufstieg beginnt.<\/p>\n<p>&#8220;Die Ahnfrau&#8221; im &#8220;Theater an der Wien&#8221;, die den jungen Dichter sofort ber\u00fchmt machen und w\u00e4hrend er an der &#8220;Sappho&#8221; schreibt, erh\u00e4ngt sich die Mutter, der Bruder bringt sich um und das Schicksal nimmt seinen Lauf.<\/p>\n<p>&#8220;Medea&#8221; wird geschrieben und Grillparzer lernt in einem Salon Kathi Fr\u00f6hlich kennen, die j\u00fcngste von vier Schwestern, die ihr von ihrem Unheil erz\u00e4hlt, weil ihre Mutter mit den Kindern jeden Tag auf den Friedhof geht, um dort den toten Bruder zu besuchen, so da\u00df die kleinen M\u00e4dchen, den als Spielplatz ben\u00fctzten.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfgewordene Kathi geht mit Grillparzer und Franz Schubert in den Weinbergen spazieren und dann auf den Grinzinger Friedhof und Schreyvogel deutet an, da\u00df sie vielleicht deshalb die ewige Braut geblieben ist, weil es in ihrem Zimmer, als er sie besuchen wollte, so unaufger\u00e4umt war und sie dann noch aus Trotz einen Hausschuh einfach unters Bett bef\u00f6rderte, w\u00e4hrend der zweite schon im Bett versteckt war.<\/p>\n<p>Grillparzer, der schon an seinen &#8220;K\u00f6nig Ottokar&#8221; denkt, will sich, um sich ganz der Dichtung zu widmen auch aus dem Staatsdienst entfernen, ein hellsichtiger Minister hindert ihn daran, denn man braucht ja die Wurzeln, wenn der Geist in die H\u00f6he flie\u00dfen wird.<\/p>\n<p>Er soll auch f\u00fcr Beethoven ein Libretti schreiben, entscheidet sich f\u00fcr die &#8220;Sch\u00f6ne Melusine&#8221;, die aber von dem tauben Titanen nie komponiert werden wird.<\/p>\n<p>So trifft er sich mit Gleichgesinnten im &#8220;Ludmannsbund&#8221;, ger\u00e4t dabei mit der Zensur in Schwierigkeiten und geht auf gro\u00dfe Deutschlandreise, besucht in Berlin Hegel und in Weimar nimmt sich der doppelt so alte Goethe sogar einen ganzen Tag f\u00fcr ihn Zeit.<\/p>\n<p>Beethoven stirbt und eine m\u00f6gliche Geliebte, eine andere heiratet, war Grillparzer wirklich so ein Frauenheld, aber der verkn\u00f6cherte <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/04\/19\/eroffnung-des-literaturmuseums\/\">Hofarchivdirektor<\/a>, wie wir ihn von den Bildern kennen, wird einmal jung gewesen sein und in dem Biedermeier-Wien sehr beliebt.<\/p>\n<p>&#8220;Ein treuer Diener seines Herrn&#8221; wird geschrieben, &#8220;Des Meeres und der Liebe Wellen&#8221; und, da\u00df es an der Zeit ist, sich an &#8220;Ein Traum ein Leben&#8221; heranzuwagen, daran erinnert ihn, ein bei einer Kur in Gastein gekaufter schwarzer Stock.<\/p>\n<p>Die deutschen Dichter Heinrich Laube und Karl Gutzkow kommen nach Wien und besuchen den &#8220;Blauen Stern&#8221;, wo Nikolaus von Lenau, Grillparzer und andere Dichtergr\u00f6\u00dfen ihren Stammtisch haben, dann geht es auf die von der Ruth beschriebenen Reisen nach England und Frankreich, wo Grillparzer in Paris im Palais Rothschild mit den Meistern Meyerbeer und Rossini zu Abend essen wird. Das der letztere ein Feinspitz ist, wei\u00df ich von einem Kochbuch, das ich einmal geschenkt bekommen habe. Bei Rothschild darf der den Champagner goustieren und erkennt den Jahrgang am Geschmack, daf\u00fcr komponiert er nicht mehr und Grillparzer soll auch bald in die Krise kommen, taucht doch pl\u00f6tzlich ein bisher unerw\u00e4hnter Bruder auf, den er im Gef\u00e4ngnis in Linz begeben hat, denn der &#8220;wahnsinnige&#8221; Zollbeamte, hat einen Mord gestanden, der nur in seinen Tr\u00e4umen geschah und Bruder Franz, jetzt Vierzigj\u00e4hrig schreibt &#8220;Weh dem der l\u00fcgt&#8221; und wird daf\u00fcr im Burgtheater ausgepfiffen.<\/p>\n<p>Es geht mit dem Schiff auf der Donau bis nach Konstantinopel. Erwin Riss hat dar\u00fcber, glaube ich, ein H\u00f6rspiel gemacht und Ruth Asp\u00f6ck ist ihm nachgefahren und zum dreiundf\u00fcnfzigsten Geburtstag gibts f\u00fcr den ersten \u00f6sterreichischen Dichter ein gro\u00dfes Fest in der &#8220;Concordia&#8221;. Waldm\u00fcller hat dazu ein Portrait gemacht und dann kommt die Revolution.<\/p>\n<p>F\u00fcr ein Gedicht auf Feldmarschall Radetztky bekommt Grillparzer eine gro\u00dfe Ehrrung, aber kein Geld und die Excellenzen bem\u00fchen sich in den vierten Stock des Hauses, in der die Wohnung der Schwestern Fr\u00f6hlich liegt, in der Grillparzer ein Zimmer gemietet hat.<\/p>\n<p>Die letzten Theaterst\u00fccke scheint er nur mehr f\u00fcr sich selbst geschrieben zu haben,\u00a0 die Ehrungen und die St\u00fcrze kommen und im einundachtzigsten Lebensjahr, stirbt der grantige Herr Hofrat an Alterschw\u00e4che. Vorher hat ihn noch die Schauspielerin Charlotte Wolter besucht, ins Burgtheater, wo Heinrich Laube Direktor wurde, ist er dann nicht mehr gegangen.<\/p>\n<p>Und so sind wir mit dem wendigen Dichter in sehr anschaulichen Bildern und vielen Wetterschilderungen in achtzehn Kapiteln und drei Teilen auf vierhundertf\u00fcnfzig Seiten, durch Grillparzers Leben gegangen und haben seine Tr\u00e4ume kennengelernt.<\/p>\n<p>Friedrich Schreyvogl hat auch an der Herausgabe der Grillparzer Gesamtwerke mitgearbeitet und von seinem Gro\u00dfonkel vielleicht auch einiges an Wissen gehabt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt etwas ganz Altes aus dem B\u00fccherschrank, der in der B\u00fccherbilde Gutenberg&#8221; erschienene &#8220;Grillparzer Roman&#8221; von Friedrich Schreyvogl, des Gro\u00dfneffens von Joseph Schreyvogel, der 1899 in Wien geboren wurde, ein katholischer Dichter war, 1933 vom Pen-Club in die illegale &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=42042\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[4621,5379,1191,5380],"class_list":["post-42042","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-alte-buecher","tag-friedrich-schreyvogl","tag-grillparzer","tag-joseph-schreyvogel"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42042","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=42042"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42042\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=42042"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=42042"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=42042"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}