{"id":41877,"date":"2016-01-31T00:24:33","date_gmt":"2016-01-30T23:24:33","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=41877"},"modified":"2016-01-31T00:24:33","modified_gmt":"2016-01-30T23:24:33","slug":"die-banalitaet-des-guten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=41877","title":{"rendered":"Die Banalit\u00e4t des Guten"},"content":{"rendered":"<p>Ein Gegenzitat zu Hannah Arendts &#8220;Banalit\u00e4t des B\u00f6sen&#8221;, die in diesem Buch, auch dem 1942 in Wilna hingerichteten Feldwebel Anton Schmid gedachte, der dort versuchte, dreihundert Juden das Leben zu retten.<\/p>\n<p>Der 1963 in St. P\u00f6lten geborene Manfred Wieninger, der sich nach seiner &#8220;Marek Miert Krimi-Reihe&#8221; zunehmend mit Verfolgung und Widerstand in N\u00d6 besch\u00e4ftige, das Lager, um den Viehofener See entdeckte und das Buch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/03\/25\/223-oder-das-faustpfand\/\">&#8220;Faustpfand&#8221;<\/a> geschrieben hat, sowie 2013 den &#8220;Theodor Kramer Preis f\u00fcr Schreiben im Widerstand und Exil&#8221; erhalten hat, hat dar\u00fcber, wie ich dem Impressum entnehme, schon 2014 einen &#8220;Roman in Dokumenten&#8221; im Verlag der &#8220;Theodor Kramer Gesellschaft&#8221; herausgegeben, der am 21. J\u00e4nner im Bezirksmuseum Brigittenau pr\u00e4sentiert wurde.<\/p>\n<p>Von Feldwebel Schmied habe ich aber\u00a0 schon im Jahr 2014 durch <a href=\"http:\/\/oe1.orf.at\/programm\/369722\">\u00d61 und das &#8220;Radio f\u00fcr Zeitgenossen&#8221;<\/a> erfahren und das Lesen des sehr gut dokumentierten Buches, ob es wirklich ein Roman ist, dar\u00fcber kann man diskutieren, ist auch sehr interessant.<\/p>\n<p>Wurde Anton Schmid, der mit seinem B\u00e4rtchen ein wenig an Hitler erinnern kann und ein offensichtlich sehr lebensfreudiger Mann war, wie man den abgebildeten Fotografien entnehmen kann, doch 1900 in Wien geboren und hatte in der Brigittenau ein Elektrogesch\u00e4ft.<\/p>\n<p>Er war verheiratet, seine Tochter Gerta oder Gertrude, der er aus Wilna viele Briefe schrieb, wurde 1921 geboren, 1940 wurde er in die Wehrmacht eingezogen, zum Feldwebel ernannt, auch davon gibt es im Buch einige Fotos in der Wehrmachtsuniform und in Wilna stationiert, wo er eine &#8220;versprengte Sammelstelle&#8221; und einen Tapezierbetrieb mit j\u00fcdischen Zwangsarbeitern leitete.<\/p>\n<p>Dort versuchte er Juden, die in Willna zu Hauf erschossen wurden, gef\u00e4lschte Papiere zu vermitteln und aus dem Krisengebiet zu schmuggeln, wurde dabei aber verraten und 1942 erschossen.<\/p>\n<p>Das, was man in &#8220;Wikipedia&#8221; auf einer Seite nachlesen kann, erweckt nun Manfred Wieninger mit vielen Details und Originalbelgen, Briefen, Zeugenaussagen, sowie den schon erw\u00e4hnten Fotos, zum Leben.<\/p>\n<p>Es beginnt mit zwei englischen Gedichten f\u00fcr Anton Schmid, dann wird von der Hinrichtung und dem Brief des Gef\u00e4ngnispfarrer an Frau Steffi, von\u00a0 der Kindheit, bis wiederum dem Ende, 1942 und dem, was danach geschah erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Zwei der von Anton Schmid Geretteten, waren der j\u00fcdische Schriftsteller Hermann Adler und seine Frau Anita. Hermann Adler, der in W\u00fcrzburg an einer Sonderschule Lehrer war, mu\u00dfte nach der Macht\u00fcbernahme in die Tschechoslowakei fliehen und kam \u00fcber Polen und Lemberg nach Litauen, seine Frau Anita stammte aus Wien.<\/p>\n<p>Auch der Lebensweg der Beiden, die 2001 sowie 1997 in Basel gestorben sind, wird genau und detailreich geschildert, so da\u00df man sich von den damaligen Geschehnissen ein sehr gutes Bild machen kann und in den Briefen Anton Schmids an seine Frau und seine Tochter erfahren kann, wie es damals gewesen sein mag.<\/p>\n<p>&#8220;Es geht mir gut!&#8221;,, schreibt er immer wieder und erw\u00e4hnt die Schnitzel und die Schweinebraten, die ihm seine Kameraden kochten. Er schickte auch sehr viele W\u00fcrste und Fleischwaren nach Wien und schreibt immer wieder, wie gerne er nach Hause kommen w\u00fcrde, schreibt von Urlauben, die offenbar nie zustanden kamen und versteckte w\u00e4hrend dieser Zeit in seiner Dienstwohnung Juden, stattetete sie mit falschen Papieren aus und lie\u00df sie damit auch in der Kompanie arbeiten.<\/p>\n<p>Hermann und Anita Adler wollte er auch in seinem Dienstwagen nach Wien zu seiner Frau bringen, ein Plan, der offenbar nicht zustande kam.<\/p>\n<p>Die Familie lie\u00df, nach dem sie vom Tod Anton Schmids erfuhr, eine Seelenmesse lesen, wurde dabei aber offenbar von Hausparteien beschimpft und eine Fensterscheibe wurde eingeschlagen.<\/p>\n<p>Es gab dann sehr bald, n\u00e4mlich 1968, einen Spielfilm im ZDF.<\/p>\n<p>Es scheint auch andere B\u00fccher \u00fcber Anton Schmid zu geben, die Sendung &#8220;Diagonal&#8221; hat sich, glaube ich, auf ein solches bezogen und ein Weg beziehungsweise, ein Gemeindebau ist in Brigittenau, ein Bezirk von Wien, auch nach ihm benannt, sowie in Deutschland eine Kaserne, die es aber offenbar nicht mehr zu geben scheint.<\/p>\n<p>Manfred Wieninger ist mit Christiane M. Papst, der das Buch auch gewidmet ist, 2002 nach <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/08\/10\/samstag-in-litauen\/\">Vilnius<\/a> gefahren, hat dort gemeinsam mit einer Dolmetscherin das Milit\u00e4rgef\u00e4ngnis, wo Anton Schmid hingerichtet wurde und das jetzt ein Wohnhaus ist, besucht und mit einem Zeitzeugen gesprochen. Auch nach dem Grab wurde gesucht, das sich aber &#8220;heute leider nicht mehr lokalisieren lie\u00df&#8221;.<\/p>\n<p>Ein wirklich interessantes Buch mit sehr vielen Briefen und Dokumenten, das ich zu lesen sehr empfehlen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gegenzitat zu Hannah Arendts &#8220;Banalit\u00e4t des B\u00f6sen&#8221;, die in diesem Buch, auch dem 1942 in Wilna hingerichteten Feldwebel Anton Schmid gedachte, der dort versuchte, dreihundert Juden das Leben zu retten. Der 1963 in St. P\u00f6lten geborene Manfred Wieninger, der &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=41877\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[5355,5356,5357,2873,2422],"class_list":["post-41877","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-feldwebel-anton-schmid","tag-litauen","tag-manfred-wieninger","tag-theodor-kramer-gesellschaft","tag-zweiter-weltkrieg"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41877","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=41877"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41877\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=41877"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=41877"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=41877"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}