{"id":41839,"date":"2016-01-25T23:59:50","date_gmt":"2016-01-25T22:59:50","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=41839"},"modified":"2016-01-25T23:59:50","modified_gmt":"2016-01-25T22:59:50","slug":"josef-winklers-abschiede","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=41839","title":{"rendered":"Josef Winklers Abschiede"},"content":{"rendered":"<p>Der 1953 in Kamering geborene Josef Winkler, der 2008 den &#8220;B\u00fcchner-Preis bekommen&#8221; hat, hat ein neues Buch geschrieben, beziehungsweise herausgegeben &#8220;Abschied von Vater und Mutter&#8221;, das offenbar die Texte &#8220;Roppongi- Requiem f\u00fcr einen Vater&#8221; 2007\u00a0 und &#8220;Mutter und der Bleistift&#8221; 2013 erschienen, vereinigt, das heute von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/09\/07\/saisonstart-mit-angelika-reitzer\/\">Angelika Reitzer<\/a> kommentiert und moderiert in der &#8220;Alten Schmiede&#8221; vorgestellt wurde.<\/p>\n<p>Vorher hat es noch eine &#8220;Stunde der literarischen Erleuchtung&#8221; gegegeben, wo <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/04\/11\/otto-stoessel-preis-an-andrea-grill\/\">Andrea Grill <\/a>und Alexandra Millners Albert Drachs &#8220;Vogeltexte&#8221; vorstellten, da hatte ich leider eine Stunde, denn das w\u00e4re sicher auch sehr interessant gewesen, habe ich ja schon einmal eine <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/03\/23\/unerleuchtet-in-die-alte-schmiede\/\">&#8220;Literarische Erleuchtung&#8221; \u00fcber Albert Drach<\/a> vers\u00e4umt und Alexandra Millner hat ja glaube ich auch bei dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/01\/11\/die-entsetzungen-des-josef-winkler\/\">&#8220;Josef Winkler Symposium&#8221;<\/a> vor zwei Jahren mitgewirkt, wo glaube ich, auch der Text &#8220;Mutter und der Bleistift vorgestellt wurde.<\/p>\n<p>Der diesbez\u00fcglich erschienene Symposiumbericht lag am B\u00fcchertisch, auch, die neuen und die alten B\u00fccher und auch ein Buch Josef Winkler und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/05\/04\/may-im-mai\/\">Karl May<\/a>, den der hat, glaube ich, den gro\u00dfen K\u00e4rtner Bauernsohn das Lesen beigebracht.<\/p>\n<p>Ich habe \u00fcbrigens vor kurzem auch ein Winkler-Buch in einem der Schr\u00e4nke gefunden, n\u00e4mlich &#8220;Leichnam seine Familie belauernd&#8221;, das ich leider nur gerade nicht finden kann, habe ich doch heute meine B\u00fccherst\u00f6\u00dfe umger\u00e4umt um <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/04\/29\/salzburg-lesung\/\">Margot Kollers<\/a> &#8220;Im Paradies der B\u00fccher&#8221; zu finden, damit ich es mitnehmen kann, wenn wir am Wochenende nach Salzburg fahren, was aber ohnehin nichts macht, weil ich zum Lesen des Winkler Buches derzeit ohnehin nicht komme und die Lesung war sehr sehr interessant, ist Josef Winkler ja einer, der \u00fcber sein eigenes Leben schreibt und wie er selber sagte, vierzig Jahre nichts anderes als das in immer anderen Varianten und Wiederholungen getan hat.<\/p>\n<p>Das erste waren die drei K\u00e4rntner Heimatromane &#8220;Menschenkind&#8221; &#8220;Ackermann von K\u00e4rnen&#8221; und &#8220;Muttersprache&#8221; wie sie glaube ich auch &#8220;Das\u00a0 wilde K\u00e4rnten&#8221; genannt werden, dann kamen die Reiseberichte \u00fcber Indien und Rom aber immer wieder die Auseinandersethzung mit dem Vater und der Mutter.<\/p>\n<p>Zum Vater hat er ein schwieriges Verh\u00e4ltnis gehabt, der hat ihn offenbar erst sp\u00e4ter an und aufgenommen und ihm auch verboten zu seinem Begr\u00e4bnis zu gehen und die Mutter ist schon als junge Frau verstummt, nachdem im zweiten Weltkrieg, ihr dritter Bruder Adam, gefallen ist.<\/p>\n<p>Die Mutter soll sich auch wie Angelika Reitzer in ihrer Einleitung erw\u00e4hnte, dar\u00fcber beschwert haben, da\u00df der Sohn soviel \u00fcber sie und die Familie geschrieben hat.<\/p>\n<p>Was ich verstehen kann, da\u00df das f\u00fcr eine K\u00e4rntner Bauernfamilie nicht einfach war, einen Sohn zu haben, der ber\u00fchmt damit wurde, da\u00df er \u00fcber seine K\u00e4rntner Kindheit schreibt und das ist in dem sogenannten &#8220;Mutterrequiem wo Ilse Aichingers Texte immer wieder mit dem Leichnam des toten Adams, dem Gro\u00dfvaters, dem Apfelbaum, dem Nu\u00dfbaum und den Heiligenbildner im Schlafzimmer vernetzt werden, hervorragend gelungen.<\/p>\n<p>Angelika Reitzer hat sich nach der Lesung auch nach der Bewandnis der Aichinger Texte erkundigt und Josef Winkler hat\u00a0 geantwortet, da\u00df er <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/25\/vor-dem-90-geburtstag\/\">zum neunzigsten Geburtstag der Dichterin<\/a> einen Text \u00fcber sie schreiben sollte, es war aber wenig Zeit dazu, denn er war ja im Sommer in Indien, da hat er &#8220;Kleist, Moos, Fasane&#8221; mitgenommen,\u00a0 dort den Text gelesen, beziehungsweise in seine Muttergeschichte verwebt.<\/p>\n<p>Josef Winkler war in dem Gesrp\u00e4ch \u00fcberhaupt erstaunlich offen und erz\u00e4hlte von seiner Bezeihung zu seinem Vater und seiner Mutter, \u00fcber den Vater konnte er sehr viel schreiben und hat das auch getan. Die Mutter hat ihn mit ihrer Sprachlosigkeit offenbar angesteckt und er konnte, als er zu schreiben anfing auch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/03\/15\/bernhard-und-handke-in-der-osterreichischen-literatur\/\">Thomas Bernhard<\/a> in der Furcht, da\u00df er dann so schreiben w\u00fcrde, nicht lesen.<\/p>\n<p>Nach seinen ersten drei Romanen hatte er auch eine Verstummungsphase, dann ist er nach K\u00e4rtnen zu seinem Vater zur\u00fcckgegangen und hat in der Auseinandersetzung mit ihm, seine Sprache widergefunden und so schreibt er vierzig Jahre &#8220;den gleichen Stuss&#8221; wie er es selber nannte und bewundere seine Kollegen, die so einfach eine Geschichte mit Plot und Handlung hinunterschreiben k\u00f6nnen, was ihm nicht gelinge und das finde ich sehr interessant und sehr ehrlich und habe, die ich damit ja irgendwie in der Mitte stehe, auch eine <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/26\/vorschau-auf-zwillingswelten\/#comments\">Auseinandersetzung mit meiner damaligen Kritikerin JuSophie<\/a> gehabt, die meinte, da\u00df nichts schwerer w\u00e4re, als Personen zu erfinden und, da\u00df man von dem eigenen Ich wegkommen soll.<\/p>\n<p>Die Literaturgeschichte lehrt, glaube ich, sehr gut, da\u00df man das nicht mu\u00df, beziehungsweise nicht alle, es gibt eine Vielzahl von Autoren, die von ihrer Biografie leben und die wiederholen sich damit wahrscheinlich auch, wie es jetzt vielleicht gerade Robert Walser mit seinem neuen Roman &#8220;Ein sterbender Mann&#8221; passierte, den ich zwar nicht gelesen habe, wohl aber <a href=\"http:\/\/buchrevier.com\/2016\/01\/23\/leserbrief-1\/\">Tobias Nazemis &#8220;Brief an Martin&#8221;<\/a>, der in dem neuen Selbstbewu\u00dftsein der B\u00fccherblogger meinte, von den ewig gleichen Romanen entt\u00e4uscht worden zu sein.<\/p>\n<p>Das kann man Josef Winkler vielleicht auch vorwerfen und der Leser mu\u00df wohl entscheiden, ob er eine spannende Geschichte mit einem erfundenen Plot haben will oder die Autobiografie eines Autors, der sein Leben lang Dasselbe\u00a0 in wechselnden Variationen schreibt?<\/p>\n<p>Ich finde beides wichtig, lese beides, interessiere mich auch daf\u00fcr, wenn sich\u00a0 Autoren oder Autorinnen mit ihrem Krankheiten, etcertera besch\u00e4ftigen und bin auch nicht so <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/10\/26\/das-bessere-leben\/\">ungeduldig B\u00fccher wegzuwerfen<\/a>, beziehungsweise w\u00fcrde ich es sehr anma\u00dfend finden, einen Autor zu sagen, da\u00df er vor zwanzig Jahren zu schreiben aufh\u00f6ren h\u00e4tte sollen! Finde es aber spannend, da\u00df Josef Winkler sein Kreisen, um seine Kindheit, selbst als &#8220;denselben Stuss&#8221; bezeichnet hat\u00a0 und wahrscheinlich sollte ich mehr Josef Winkler lesen.<\/p>\n<p>&#8220;Leichnam seine Familie belauernd&#8221; wartet noch auf mich und ich, die ich ja auch sehr viel \u00fcber mich und die Kr\u00e4nkung nicht und nicht in den Literaturbetrieb hineinzukommen, schreibe, kann fr\u00f6hlich vermelden, da\u00df dies bald der 2500 Artikel ist, in dem ich \u00fcber Veranstaltungen, B\u00fccher oder mein Schreiben berichte.<\/p>\n<p>Es ist, glaube ich, der 2498, weil die Besprechung von Dimitri Verhulsts &#8220;Die letzte Liebe meiner Mutter&#8221; f\u00fcr Mittwoch geplant ist und es von Pavel Kohouts &#8220;Henkerin&#8221; erst einen Entwurf gibt, weil ich das Buch in Harland noch nicht ganz gelesen habe, also &#8220;auch sehr viel Stuss&#8221;, den ich schreiben mu\u00df und immer wieder schreibe, wie wahrscheinlich auch Josef Winkler weiterschreiben wird und gleich von einer Idee erz\u00e4hlte, die ihn besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Angelika Reitzer fragte dann auch nach den neuen Pl\u00e4nen und er meinte, da\u00df er wieder eine Sammlung von Skizzen\u00a0 herausgegeben wird, weil man ja alle paar Jahre einen neuen Text ver\u00f6ffentlichen soll und erw\u00e4hnte einen mexikanischen Autor, der nur zwei B\u00fccher ver\u00f6ffentlichte und danach erkl\u00e4rte, da\u00df ihm das Schreiben nicht mehr interessieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/04\/26\/hebt-den-dachbalken-hoch-zimmerleute-und-seymour-wird-vorgestellt\/\">Jerome David Salinger <\/a>und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/12\/27\/geh-hin-stelle-einen-waechter\/\">Harper Lee<\/a> haben es, glaube ich, \u00e4hnlich gemacht, andere, wie Josef Winkler, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/03\/27\/ein-liebender-mann\/\">Martin Walser<\/a> und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/01\/17\/erneuter-schreibbericht\/\">auch ich<\/a> m\u00fc\u00dfen schreiben, wenn sie vielleicht auch schon ein wenig ausgeschrieben sind, aber &#8220;Man schreibt immer denselben Roman, ein Leben lang&#8221;, ist auch das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/01\/04\/romananfaenge\/\">Vorwort von einen meiner B\u00fccher<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 1953 in Kamering geborene Josef Winkler, der 2008 den &#8220;B\u00fcchner-Preis bekommen&#8221; hat, hat ein neues Buch geschrieben, beziehungsweise herausgegeben &#8220;Abschied von Vater und Mutter&#8221;, das offenbar die Texte &#8220;Roppongi- Requiem f\u00fcr einen Vater&#8221; 2007\u00a0 und &#8220;Mutter und der Bleistift&#8221; &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=41839\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[60,17],"tags":[66,182,3327,3060],"class_list":["post-41839","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-literaturbetrieb","category-veranstaltungen","tag-alte-schmiede","tag-josef-winkler","tag-martin-walser","tag-schreibgedanken"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41839","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=41839"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41839\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=41839"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=41839"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=41839"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}