{"id":41834,"date":"2016-02-14T15:21:46","date_gmt":"2016-02-14T14:21:46","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=41834"},"modified":"2016-02-14T15:21:46","modified_gmt":"2016-02-14T14:21:46","slug":"die-henkerin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=41834","title":{"rendered":"Die Henkerin"},"content":{"rendered":"<p>Nun kommt wieder etwas ganz &#8220;Altes&#8221; aus Alfreds Best\u00e4nden, die er in Harland gesammelt hat, n\u00e4mlich Pavel Kohouts &#8220;Die Henkerin&#8221;, die &#8220;Hoffmann und Campe-Ausgabe&#8221; aus dem Jahr 1978, geht man zu &#8220;Wikipedia&#8221; wird dort als Erscheinungsjahr 1993 angegeben, h\u00f6re ich ja immer &#8220;Wikipedia&#8221; sei sehr fehlerhaft, was ich eigentlich so nicht best\u00e4tigen kann und der 1928 in Prag geborene Pavel Kohout, der die Charta 77 unterschrieb, 1978 den \u00f6sterreichischen Staatspreis f\u00fcr europaische Literatur erhielt und seither in Wien lebt, seit der Wende wahrscheinlich auch in Prag, ist fast ein Klassiker.<\/p>\n<p>Ich erinnere mich mit dem Willi, einem Freund meiner Studentenzeit, den ich im <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/05\/02\/klub-logischer-denker\/\">&#8220;Klub der logischen Denker&#8221; <\/a>kennenlernte, sein St\u00fcck &#8220;August August August&#8221; gesehen zu haben. Gelesen habe ich noch nicht sehr viel, obwohl ich glaube, vor kurzem eines seiner B\u00fccher im Schrank gefunden zu haben.<\/p>\n<p>Als politischen Schelmenroman, der Klappentext schreibt von sich \u00fcberbietender Absurdit\u00e4t, k\u00f6nnte man das Buch beschreiben und es ist ein sehr spannendes St\u00fcck Literatur, das einen voll sarkastischen Witz, in ein St\u00fcck der j\u00fcngeren Vergangenheit f\u00fchrt.<\/p>\n<p>&#8220;Personen, Schaupl\u00e4tze und Geschehnisse sind leider frei erfunden!&#8221;, soll Kohout laut Klappentext dazu gesagt haben, &#8220;daf\u00fcr sind die historischen Informationen und die zitierte Literatur gottlob streng authentisch&#8221;<\/p>\n<p>Es geht gleich los in\u00a0 sechs Kaptiel, die in zweiundsechzig Szenen unterteilt sind, die oft mitten im Satz aufh\u00f6ren und beginnen.<\/p>\n<p>Die bildh\u00fcbsche Linzinka, ein blonder Engel, f\u00fcnfzehn Jahre alt, hat die Pflichtschule beendet und da m\u00fc\u00dfen die Eltern in Prag, ich nehme an, die Handlung spielt dort, sich was f\u00fcr den weiteren Werdegang einfallen, beziehungsweise ihre Beziehungen und Reize spielen, lassen und Lizinka ist, sowohl bei der Eignungspr\u00fcfung f\u00fcrs Gymnasium, als auch bei der des Konservatoriums durchgefallen.<\/p>\n<p>Die Mama dreht durch, sperrt sich im Badezimmer ein, beschimpft den Papa, einen nutzlosen Philologen, der schon bei der Telefonseelsorge anruft, dann erscheint sie geschminkt und ruft den einflu\u00dfreichen ehemaligen Liebhaber an. Der f\u00e4hrt zwar mit der Gattin auf Schiurlaub, verweist Mama Luzie aber an eine Kommission und der f\u00e4llt zuerst B\u00e4ckerin und Melkerin ein, fragt dann aber, ob &#8220;Das Fr\u00e4ulein nicht vielleicht Vollstreckerin werden will?&#8221;<\/p>\n<p>Lizinka nickt blau\u00e4ugig, so r\u00fcckt die Aufnahmekommission in die Wohnung der Tachecis an. Lizinka besteht mit Bravour und k\u00f6pft, bezeihungsweise t\u00f6tet im Badezimmer einen Fisch und einen Hahn, der aufrechte Papa bekommt zwar einen Tobsuchtsanfall, als er begreift, um welchen Beruf es sich handelt, aber Linzika-T\u00e4ubchen nickt wiederum begeistert.<\/p>\n<p>Die Aufnahmekommission bestand aus dem Scharfrichter Professor Wolf, seinen Assistenten Schimssa und den Gehilfen Karli und die ersten beiden begeben oder begaben sich gemeinsam mit einem nicht n\u00e4her genannten Doktor, ein Jahr lang in ein Cafe, um dort den Lehrplan f\u00fcr ihre Scharfrichterakademie, ein einj\u00e4hriger Jahrgang mit Abitur auszukl\u00fcgeln.<\/p>\n<p>Es gibt sieben Sch\u00fcler, sechs Burschen und der Gleichberechtigung wegen, Linzinka, die die erste Henkerin der Welt werden soll und die Sch\u00fcler beziehungsweise einer davon, der Fleischersohn Richard und die beiden Lehrer verlieben sich in die sch\u00f6ne Jungfrau.<\/p>\n<p>Das wird mit der beschriebenen sich \u00fcberbietenden Absurdit\u00e4t geschildert, dazwischen geht es in die Geschichte der Folterungen und Henkermethoden zur\u00fcck und die sieben Sch\u00fcler machen am Samstag mit ihren Lehrern auch immer Excursionen in Foltermuseen, etcerta.<\/p>\n<p>Zuerst ist aber Weihnachten und da h\u00e4ngt bei den Tachecis ein so schweren Paket an der T\u00fcr, da\u00df die Schnalle abf\u00e4llt, Richard hat seiner Angebeten n\u00e4mlich das beste Fleisch aus dem Hause seiner Eltern geschickt und kommt dann auf Besuch um sie zum Eislaufen auszuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Das f\u00fchrt zu Streit zwischen den Eltern, ein Nebenbuhler taucht auch auf und als die Klasse zum Silvesterschiausflug aufbricht, hat die Klasse einen Sch\u00fcler, n\u00e4mlich Richard, weniger.<\/p>\n<p>Das Leben geht aber weiter, denn im Juli mu\u00df die Meisterpr\u00fcfung, sowie das Abitur bestanden werden.<\/p>\n<p>Dann erf\u00e4hrt man viel vom Werdegang des Dozenten Schimssa, der vom Staat, das hei\u00dft von Waisenh\u00e4usern und Kasernen aufgezogen wurde, bevor er in Prof. Wolf seinen Mentor fand und bevor er Henker wurde, hatte er noch eine erstaunliche Karriere als Foltermeister hiner sich gebracht und der, obwohl er eigentlich auf schwarzhaarige Frauen steht, verliebt sich in das blonde Prinzesschen, so f\u00fchrt er, als Wolf der Hexenschu\u00df plagt und die Samstagexcursion absagt, seinen Auftrag das auszurichten, nicht ganz aus, sondern f\u00e4hrt mit Linzinka in das Seminarhotel und will sie dann, damit sie Extrapunkte sammeln kann, als Gehilfin zu einer Vollstreckung mitnehmen. So f\u00fchrt er sie in sein Wochenendhaus, schickt sie in die Badewanne, f\u00fcllt sie mit Whisky ab und dann kann er nicht. So schleppt er die noch Angetrunkene ins Gef\u00e4ngnis, holt den Deliquenten hinzu und die Schule hat dann einen Lehrer weniger und Wolf mu\u00df seine restlichen Sch\u00fcler und die Sch\u00fclerin alleine zum Abitur f\u00fchren.<\/p>\n<p>Aber erst beginnt er sie auf eine Excursion mitzunehmen, obwohl er zu Hause eine liebende Gattin hat, aber die kann ihm keine Kinder schenken, so nehmen die beiden einen Kranz und fahren damit nach Deutschland in ein ehemaliges KZ um ihn dort niederzulegen.<\/p>\n<p>Das f\u00fchrt, wir ahnen es schon, zu Komplikationen, obwohl Engelchen Lizinka keinen Widerstand leistet und mit einem schwarzen Abendkleid und blonden Z\u00f6pfen ihren Lehrer und dem Leiter des KZ-Museums in ein Restaurant und dann zu einem makabren Spiel folgt, bei dem fr\u00fcher die H\u00e4ftlinge, jetzt Hunde dran mu\u00dfen.<\/p>\n<p>Ein Ku\u00df von Lizinka ist das Pfand, sie k\u00fc\u00dft am Ende beide und den sterbenden Hund und bevor sie zur\u00fcckkommen gibt es im Zug noch eine unheivolle\u00a0 Ent- oder Verwicklung, dann kommt Wolf aber reum\u00fctig zu seiner Marketa zur\u00fcck und das Abitur beginnt.<\/p>\n<p>Das besteht Linzinka mit Bravour, denn die Aufnahmekommission ist gn\u00e4dig und die Mama hat ihr die wichtigen Fakten ohnedies auf die Handballen geschrieben, die praktische Meisterpr\u00fcfung besteht aus einer Art Kabarett, das hei\u00dft ein Schwein wird geh\u00e4ngt, das bei der anschlie\u00dfenden Feier gleich gegessen wird, Dozent Schmimscha ist der zweite Aufkn\u00fcpfungskanditat und mit dem Doktor gibt es, wie sich herausstellen soll, auch Probleme.<\/p>\n<p>Prof. Wolf schwebt aber im siebenten Himmel, l\u00e4\u00dft sich von seiner Frau scheiden, h\u00e4lt bei der Feier um Linhzinkas Hand an, beschlie\u00dft aber gleich, die Menage dann a la trois zu betreiben, mit Marketa, der sch\u00f6nen Ex, mit Mama Lucie die ihm auch Avancen macht und mit Engelchen Linzika, der weltweiten ersten Henkerin.<\/p>\n<p>Ein wahres Schelmenst\u00fcck der tschechischen Widerstandsliteratur, aber inzwischen hat sich die Weltlage ja ge\u00e4ndert, gek\u00f6pft und geh\u00e4ngt wird wahrscheinlich nicht mehr in der tschechischen Republik und was mir nicht so gef\u00e4llt ist das Cover, da gibt es n\u00e4mlich das Bild eines h\u00fcbschen Blondchens mit\u00a0 der Henkerkappe und einer Schlinge auf ihrem nackten Busen zu sehen.<\/p>\n<p>Pavel Kohout spielt aber schon ein bi\u00dfchen mit dem Weiblichkeitsklischee und stellt seine Heldin ein bi\u00dfchen als nicht besonders eigenwillige femme fatal dar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun kommt wieder etwas ganz &#8220;Altes&#8221; aus Alfreds Best\u00e4nden, die er in Harland gesammelt hat, n\u00e4mlich Pavel Kohouts &#8220;Die Henkerin&#8221;, die &#8220;Hoffmann und Campe-Ausgabe&#8221; aus dem Jahr 1978, geht man zu &#8220;Wikipedia&#8221; wird dort als Erscheinungsjahr 1993 angegeben, h\u00f6re ich &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=41834\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[2430,5351,321],"class_list":["post-41834","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-aeltere-buecher","tag-pavel-kohout","tag-tschechische-literatur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41834","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=41834"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/41834\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=41834"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=41834"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=41834"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}