{"id":41034,"date":"2016-01-02T00:22:18","date_gmt":"2016-01-01T23:22:18","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=41034"},"modified":"2016-01-02T00:22:18","modified_gmt":"2016-01-01T23:22:18","slug":"amerikatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=41034","title":{"rendered":"Amerikatz"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Zwischenbuch, n\u00e4mlich in den letzten Tagen von 2015 begonnen und am ersten J\u00e4nner zu Ende gelesen, ein Buchgewinn von &#8220;Buchrevier&#8221;, denn dort wurden, im Oktober, <a href=\"http:\/\/buchrevier.com\/2015\/10\/22\/leseraktion-10-x-ausgaben-des-romans-amerikatz-zu-gewinnen\/\">zehn B\u00fccher von Wilhelms Bartsch &#8220;Amerikatz&#8221; aus dem &#8220;Osburg-Verlag&#8221; verlost.<\/a><\/p>\n<p>Darunter stand noch etwas wie &#8220;Verlagspromotionen sind Werbung und werden von Buchrevier\u00a0 redaktionell\u00a0 nicht kommentiert und begleitet&#8221;<\/p>\n<p>Bekommen habe ich das Buch\u00a0 mit lieben W\u00fcnschen vom Verlag.<\/p>\n<p>Den B\u00fccherbloggern ist es ja <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/10\/18\/frankfurt-und-viele-buecher\/\">sehr wichtig<\/a> mit den Verlagen zusammen zu arbeiten und das ist wohl eine diesbez\u00fcgliche Aktion.<\/p>\n<p>Ich habe also gewonnen und mich nun durch das Buch gelesen und da Tobias Nazemi, den ich durch das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/08\/19\/der-longlistenstart\/\">Buchpreisbloggen <\/a>kennenlernte und dessen Blog ich immer noch verfolge, wissen wollte, wie es mir gefallen hat, bin ich wieder ein bi\u00dfchen ratlos und frage mich, ob er es gelesen, beziehungsweise, wenn, ab welcher Seite er es weggeschmissen hat?<\/p>\n<p>Denn es ist \u00e4hnlich oder auch anders, als das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/10\/26\/das-bessere-leben\/\">&#8220;Bessere Leben&#8221; von Ulrich Peltzer<\/a>, ein Buch, das es dem Leser nicht einfach macht, ihm zu folgen und es zu verstehen.<\/p>\n<p>Ich bin ja diesbez\u00fcglich schon einiges <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/16\/kaff-auch-mare-crisium\/\">gew\u00f6hnt<\/a> und keine, die schnell aufgibt, ich schaue bei &#8220;Amazon&#8221; nach, wie es die anderen empfinden.<\/p>\n<p>Da gibt es aber noch keine Rezensionen, obwohl das Buch schon im August erschienen ist und wenn man weiter googlet findet man etwas, da\u00df das ein Buch ist, f\u00fcr das man ein Leseb\u00e4ndchen, einen G\u00fcrtel oder etwas anderes ben\u00f6tigt, um den ausufernden Inhalt einigerma\u00dfen zu b\u00e4ndigen und selbst dann wird einer das nicht gelingen,\u00a0 wie wahr!<\/p>\n<p>Wilhelm Bartsch, der mir bisher unbekannt war, entnehme ich, dem Klappentext, wurde 1950 in Erberswalde, das war wohl in der DDR, geboren und debutierte 1986 mit einem Lyrikband, der ihn schlagartig in beiden Teilen Deutschlands ber\u00fchmt machte und &#8220;Amerikatz&#8221; ist sein dritter bei &#8220;Osburg&#8221; erschienener Roman.<\/p>\n<p>Um was es geht, kann man dem Klappentext entnehmen. Da ist Privatdetektiv Micah Macrobius, mit armenischen Wurzeln, der mit einer Frau namens Adele ein Detetktivb\u00fcro in Berlin Charlottenburg hat und dessen Spezialit\u00e4t es ist, nach\u00a0 Verschwundenen \u00fcberall auf der Welt, besonders aber in Amerika, zu fahnen.<\/p>\n<p>So wendet sich der Ex Stasi General Boris Untied an ihm, um seinen Sohn Jan zu suchen. Der ist ein Schriftsteller, todkrank und hatte ein Verh\u00e4ltnis mit einer cherokesischen, das ist ein Urindianerstamm, K\u00fcnstlerin namens Jensie Stone.<\/p>\n<p>Das steht auf ein paar Zeilen, Wilhelm Bartsch f\u00fchrt das nun auf fast vierhundert Seiten aus und f\u00fchrt seine Leser dazu zuerst in den Kaukasus, dann nach Amerika und wieder zur\u00fcck nach Berlin und nicht genug, denn es ist ja, wie weiters dem Klappentext zu entnehmen ist, nicht nur ein Detektivroman, sonder auch eine &#8220;abgr\u00fcndige Liebesgeschichte&#8221; und auch noch eine philosophische Weltdeutungsparabe \u00fcber die verbl\u00fcffenden Verbindungen nur scheinbar entlegener Dinge&#8221;.<\/p>\n<p>Ich glaube, es ist gerade das und nicht, wie ich anderswo lesen konnte, ein Roman \u00fcber K\u00fcnstler, Jan Untied war Stipendiat in Wipersdorf und hat in Armenien an einem Poesiefestival teilgenommen, denn es geht wieder mal vom\u00a0 Hundertsten ins Tausendste und auch zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Um Karl May, Ossip Mandelstam, da hat Wilhelm Bartsch, der Lyriker, auch das Gedicht &#8220;Der Wagenlenker&#8221; mit Hilfe von Elke Erb, neu \u00fcbersetzt.<\/p>\n<p>Es geht um Indianer, um den armenischen Genozid, um Franz Werfels &#8220;Die vierzig Tage des Musa Dagh und noch\u00a0 um jede Menge anderer Dichter , von Wolf Biermann bis zu\u00a0 Berthold Brecht, denen Micah Macrobious auf seinem &#8220;irren Wettrennen&#8221; durch die Welt und von s\u00e4mtlichen Geheimdiensten verfolgt, begegnet.<\/p>\n<p>Am Schlu\u00df findet er die Urne Jan Untieds, verr\u00e4t die gnadenlose Spoilerin, froh wenigstens etwas verstanden zu haben und ger\u00e4t mit ihr bei der Ausreise aus Amerika wieder in Schwierigkeiten mit den Beh\u00f6rden, weil seine Fingerabdr\u00fccke darauf zu finden waren.<\/p>\n<p>Aber Schwierigkeiten hat er schon bei der Einreise oder \u00fcberhaupt auf den vorigen dreihundertf\u00fcnfzig Seiten zur Gen\u00fcge gehabt und er kommt auch heil\u00a0 in Berlin Charlottenburg an, beziehungsweise ger\u00e4t er, wie der Klappentext weiter verr\u00e4t, auch noch zu den &#8220;Gespenstern der Vergangenheit&#8221; und ein ber\u00fchmtes Berliner Hotel, das es nicht mehr zu geben scheint, spielt auch eine Rolle. Wien und Udo Proksch kommen ebenfalls vor.<\/p>\n<p>Wilhelm Bartsch w\u00fcrde ich unterstellen, hat dieser Parcourritt durch die Genres, gro\u00dfen Spa\u00df gemacht, um sein\u00a0 literarischen, zeit- und andergeschichtliches Wissen zu zeigen.<\/p>\n<p>Die Leser werden es wohl schwerer haben, denn die, die eine Detektivstory von Berlin durch den Kaukasus nach New York und wieder zur\u00fcck mit viel Spannung und Action erwarten, werden soviel literarische, geschichtliche etcetera, Anspielungen nicht aushalten und die die sich f\u00fcr Ossip Mandelstam und den armenischen Genozid interessieren, wird die Krimihandlung wieder zu banal sein und die Sprache zu derb.<\/p>\n<p>Der Stil ist auch nicht ganz einfach zu lesen. Manches wird auf den Kopf gestellt &#8220;Wer zu fr\u00fch kommt, straft das Leben!&#8221;, hei\u00dft es so ein paarmal, &#8220;Pidgin-Englisch&#8221; wird verwendet und Witze erz\u00e4hlt, wenn Mikah mit dem Geheimdienst im Flugzeug oder im armenischen Kognag-Keller sitzt und auf Seite 196 habe ich mich verlesen und h\u00e4tte w\u00e4hrend der &#8220;Pinkelpause&#8221; fast gedacht, Wolf Biermann w\u00e4re dort mit seiner georgischen Freundin bei einem mysteri\u00f6sen Autounfall umgekommen, es war aber Paruir Sewak, ein Dichter von dem ich noch nie etwas geh\u00f6rt habe, also wieder etwas gelernt auf dieser hektischen Verfolgungsjagd.<\/p>\n<p>Ich bin ja eine, die keine B\u00fccher wegwirft und ich kann auch nicht sagen, da\u00df es mir nicht gefallen hat.<\/p>\n<p>Ich habe nur wieder einiges nicht verstanden,\u00a0 es aber sehr interessant gefunden, den Dichter Wilhelm Bartsch kennenzulernen und denke, ich sollte jetzt Ossip Mandelstam lesen. <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/05\/04\/may-im-mai\/\">Karl May<\/a> nicht, der interessiert mich nach wie vor, soviel wie Fu\u00dfball.<\/p>\n<p>Aber <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/11\/27\/franz-werfel\/\">&#8220;Die vierzig Tage des Musa Dagh&#8221;<\/a> und die habe ich ohnehin zum <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/11\/06\/literarisches-geburtstagsfest-4\/\">Geburtstag<\/a> bekommen.<\/p>\n<p>Der gigantische Ritt zwischen die Genres ist also sehr lehrreich, ich glaube auch, obwohl das ja in den Schreibratgebern anders steht, da\u00df man das durchaus darf und\u00a0 bin nun sehr gespannt, wie die anderen Leser das Buch empfunden haben?<\/p>\n<p>Jetzt mu\u00df ich noch verraten, wieso es hei\u00dft, wie es hei\u00dft, weil ich das in meinen Bem\u00fchungen, eine\u00a0 Klammer zu finden, fast vergessen h\u00e4tte. So wird die K\u00fcnstlerin Jensie Stone genannt. Was Ossip Mandelstam, der von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/12\/21\/die-vielen-tode-unseres-opas-jurek\/\">Stalin<\/a> zu Tode gefoltert wurde, sowohl mit Armenien, als auch mit den Cherokesen zu tun hat, habe ich dagegen noch immer nicht verstanden, au\u00dfer man w\u00fcrde, die Gewalt auf dieser Welt, als gemeinsamen Nenner nehmen.<\/p>\n<p>&#8220;Ein lustvoller Abgesang auf das Zeitalter der Informations\u00fcberflutung, in dem nur \u00fcberlebt, wer das wirklich Wichtige nicht aus den Augen verliert&#8221;, liefert noch der Buchr\u00fccken zur Erkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>Dazu passt ganz gut ein <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/01\/04\/der-letzte-kommunist\/\">Buch<\/a> mit dem ich das Jahr 2015 begonnen habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Zwischenbuch, n\u00e4mlich in den letzten Tagen von 2015 begonnen und am ersten J\u00e4nner zu Ende gelesen, ein Buchgewinn von &#8220;Buchrevier&#8221;, denn dort wurden, im Oktober, zehn B\u00fccher von Wilhelms Bartsch &#8220;Amerikatz&#8221; aus dem &#8220;Osburg-Verlag&#8221; verlost. 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