{"id":40632,"date":"2015-12-22T00:17:51","date_gmt":"2015-12-21T23:17:51","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=40632"},"modified":"2015-12-22T00:17:51","modified_gmt":"2015-12-21T23:17:51","slug":"bora","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=40632","title":{"rendered":"Bora"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Eine Geschichte vom Wind&#8221; oder besser, eine \u00fcber die Liebe, hat die 1963 in Wien geborene Ruth Cerha, die Tochter des ber\u00fchmten zeitgen\u00f6ssischen Komponisten, da geschrieben, die diesen Sommer durch alle Blogs gegangen ist und durch Mara Gieses <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/10\/18\/frankfurt-und-viele-buecher\/\">&#8220;Herbstraschlgewinnspiel&#8221;<\/a> auch zu mir gekommen ist.<\/p>\n<p>Ein Buch das man\u00a0 im <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/07\/13\/sommerbucher\/\">Sommer<\/a> lesen sollte, aber auf meiner Leseliste weit nach unten gerutscht ist, was aber nichts macht, denn siehe da, Weihnachten kommt, obwohl das Buch im Sommer auf einer kroatischen Insel spielt, sogar sehr ausf\u00fchrlich vor, Weihnachten in Manhatten mit dem gro\u00dfen Baum beim Rockefellercenter, wo man auch schlittschuhlaufen kann.<\/p>\n<p>Tobias Nazemi, einer der Oberbuchpreisblogger hat es schon im Sommer gelesen und gerade zu hymnisch besprochen, nur das Cover, rosa Schrift auf hellblauen Untergrund ist es zu seicht gewesen und ich habe das Buch zwar nicht seicht, aber manchmal ein wenig kryptisch und nicht unbedingt logisch gefunden.<\/p>\n<p>Ein Buch, das ich bei meiner<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/08\/12\/20-aus-167000\/\"> Longlistensch\u00e4tzung<\/a> im August auch auf diese getan h\u00e4tte, weil es eines der wenigen in deutschen Gro\u00dfverlagen, Frankfurter Verlagsanstalt, war, das ich damals kannte, es ist aber nicht darauf gekommen und was ich auch erw\u00e4hnen m\u00f6chte, am letzten Dienstag ist es im &#8220;Wortschatz&#8221; gelegen und ich habe mich, wie immer, wenn da ein Buch liegt, das ich schon habe und\u00a0 neueren Erscheinungsdatum ist, leicht ge\u00e4rgert, aber Margareten hat gro\u00dfz\u00fcgige Buchwegleger, die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/11\/13\/kindfrau\/\">&#8220;Kindfrau&#8221;<\/a> habe ich vor einigen Monaten auch dort gesehen.<\/p>\n<p>Ruth Cerha habe ich bei <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/06\/rund-um-die-burg-neu\/\">&#8220;Rund um die Burg neu&#8221;<\/a> kennengelernt, da hat sie aus ihren <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/11\/16\/zehntelbrueder\/\">&#8220;Zehntelbr\u00fcdern&#8221;<\/a> gelesen, das\u00a0 auch vor kurzem auf meiner Leseliste stand und ich schreibe es gleich, mit der etwas verr\u00fcckten Patschworkfamiliensituation habe ich mehr anfangen k\u00f6nnen, als mit dieser etwas kryptischen Liebesgeschichte, in drei Teilen, wo mir der dirtte Teil nicht ganz logisch oder nachvollziehbar erschien, aber auch die Mara im ersten Teil, erscheint mir etwas \u00fcbertrieben, vor allem wenn etwas sp\u00e4ter steht, da\u00df sie eine Schriftstellerin ist, die bevor sie schreibt, alles \u00fcber ihre Protagonisten wei\u00df, damit man alle ihre Handlungen versteht, nun ich habe mir ihre Handlungen nicht immer erkl\u00e4ren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Denn diese Mara, eine Wiener Schriftstellerin, Ende Drei\u00dfig, die schon seit Jahren ihre Sommer auf einer kroatischen Insel verbringt, erschien mir anfangs etwas monds\u00fcchtig, denn sie stand um halb acht, wenn das Morgenboot anlegt, am Fischmarkt, um einzukaufen und sieht einen Mann, einen Vierziger aussteigen, ist hin\u00fcber und rennt die n\u00e4chsten Tagen somnabul auf der Insel herum, schl\u00e4ft am Tag, f\u00e4ngt in der Nacht\u00a0 zu kochen an, i\u00dft aber nicht, sondern verschenkt die Resultate an ihre Nachbarn, darunter an ein Psychotherapeutenpaar, das sie darauf hin mitleidig anschaut.<\/p>\n<p>Schreiben tut sie nicht, denn sie hat eine Schreibblockade, so rennt sie auf der Insel herum, auf der Suche nach Andrej,\u00a0 so hei\u00dft der Ank\u00f6mmling und der erscheint auch gleich am ersten Tag bei ihr mit einem Fisch und fragt, ob sie eine Bratpfanne hat?<\/p>\n<p>Sie gibt ihm die und sagt, sie h\u00e4tte schon gegessen, so verschwindet er wieder,\u00a0 sie trifft ihn aber ein paar Tage sp\u00e4ter in der Stadt Losinj, wohin sie mit ihrer Freundin Tereza f\u00e4hrt, da weht dann die Bora, der ber\u00fchmte kroatische Wind, so kann das Nachmittagsboot nicht abfahren, sie m\u00fc\u00dfen sie in der Stadt bleiben, gehen dort in das Wirthaus eines Freundes, wo sie Andrej wiedertrifft und die beiden schauen sich an und betrinken sich.<\/p>\n<p>Dann verschwindet\u00a0 er, ein Fotograf mit kroatischen Wurzeln, aber schon in Amerika geboren, der jetzt durch die Welt zieht, offenbar keinen wirklichen Wohnsitz hat, nach Montenegro und sie zieht herum auf der Insel und alle wundern sich \u00fcber sie.<\/p>\n<p>Er kommt zur\u00fcck und die beiden verfallen in eine wunderbare Liebe, er zieht zu ihr ein und verschwindet wieder, das ist dann schon im zweiten Teil, der ihm zum Protagonisten hat. Da steht er morgens auf und legt ihr einen Zettel auf den Tisch &#8220;Bin in Zagreb, meine Mama holen, komme morgen wieder, Ku\u00df A.&#8221; und \u00fcberlegt, ob er das \u00fcberhaupt machen soll, denn eigentlich ist er nicht gewohnt, das bei seinen Frauen zu tun.<\/p>\n<p>Die Mutter holt er ab, um sie zu dem j\u00e4hrlichen Emigrantentreffen zu bringen, denn in den Sechzigerjahren sind sehr viele von der Insel, darunter auch seine Eltern mit seinem \u00e4lteren Bruder auf einem Ruderboot zuerst nach Italien gerudert, um dem Titoischen Regime zu entkommen und das feiern sie jedes Jahr mit einem gro\u00dfen Emigrantenfest. Deshalb ist die Mutter aus Amerika angereist gekommen, der Vater bettl\u00e4grig und ein Pflegefall, wurde zur\u00fcckgelassen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das Fest stattfindet, ist Andrej auf der Suche nach Mara, denn die scheint verschwunden, obwohl er seine Kamera in ihrem Haus hat.<\/p>\n<p>Er findet sie aber und die gro\u00dfe Liebe geht weiter, bis zum dritten Teil, wo Mara wieder die Protagonistin ist und der beginnt mit einem eher merkw\u00fcrdigen Streit.<\/p>\n<p>Andrje hat sie trotz der gro\u00dfen Liebe mit einer Frau betrogen, er wirft ihr ihre Schreibhemmung vor.<\/p>\n<p>Er verschwindet, sie rennt\u00a0 mit zuwenig Wasser \u00fcber die Insel, bekommt einen Sonnenstich, mu\u00df von Tereza gepflegt werden,\u00a0 f\u00e4ngt aber zu schreiben an, hat sie sich doch vorher schon mit seiner Mutter, der vierundsiebzigj\u00e4hrigen Ana angefreundet und die erz\u00e4hlt ihr von den Emigrantenschicksalen und so beschlie\u00dft sie ein Buch dar\u00fcber zu schreiben. Sie stellt sich auch vor Kinder von Andrej zu haben, schlie\u00dflich ist sie ja bald vierzig und kommt in die Midlifekrise, traut sich das ihm, dem Beziehungsfl\u00fcchtigen, aber nicht zu sagen.<\/p>\n<p>Er ist im Moment ohnehin nicht da, kommt aber zur\u00fcck, die Lebe geht weiter, bis zu seiner endg\u00fcltigen Abreise, sie mu\u00df das auch bald tun, hat sie doch Ende September eine Lesung in Wien. So beschlie\u00dfen sie sich ganz altmodisch mit Briefmarke und Poststempel zu schreiben und so endet das Buch auch mit einem Brief von Andrje an Mara &#8220;Denk an mich, wenn du das n\u00e4chste Mal fisch isst. Love, Andrej&#8221;<\/p>\n<p>Ich wei\u00df schon, da\u00df man diese Distanz und die manchmal\u00a0 unlogisch erscheinende Inhalte, poetisch deuten kann. Der Klappentext lobt auch &#8220;Ruth Cerhas Sprache ist ein Bilderstrom und diese Sprache nimmt den Leser einfach mit&#8221;.<\/p>\n<p>Der Realistin, die in mir steckt, hat aber mit der handfesterem Geschichte der &#8220;Zehntelbr\u00fcder&#8221; mehr anfangen k\u00f6nnen, als mit dieser verschl\u00fc\u00dfelten Poetik, wo sich Mara und Andrej auch manchmal als &#8220;Marquise&#8221; und &#8220;Valmont&#8221;: &#8220;Mein lieber Valmont&#8221; sage ich,&#8221; werden Sie nach Berlin zur\u00fcckkehren?&#8221; anreden oder ihre H\u00f6hlenverstecke haben.<\/p>\n<p>Man lernt aber, das mu\u00df ich auch hier zugeben, viel von diesem vielschichtigen Sommerroman, der gar nicht so leicht ist, wie das Cover vielleicht glauben macht, \u00fcber die Winde, die Flora und die Fauna der kroatischen Insel, ihre Auswanderungsgeschichte und noch mehr und Ruth Cerha scheint eine sehr vielschichtige Schreiberin zu sein, die ihren Ton und ihre Sprache offenbar von Roman zu Roman ver\u00e4ndern kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Eine Geschichte vom Wind&#8221; oder besser, eine \u00fcber die Liebe, hat die 1963 in Wien geborene Ruth Cerha, die Tochter des ber\u00fchmten zeitgen\u00f6ssischen Komponisten, da geschrieben, die diesen Sommer durch alle Blogs gegangen ist und durch Mara Gieses &#8220;Herbstraschlgewinnspiel&#8221; auch &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=40632\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[5287,2144,2561,4045],"class_list":["post-40632","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-buchgewinn","tag-liebesgeschichte","tag-oesterreichische-literatur","tag-ruth-cerha"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40632","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=40632"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40632\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=40632"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=40632"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=40632"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}