{"id":40595,"date":"2015-12-19T00:00:27","date_gmt":"2015-12-18T23:00:27","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=40595"},"modified":"2015-12-19T00:00:27","modified_gmt":"2015-12-18T23:00:27","slug":"vierter-adventsamstag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=40595","title":{"rendered":"Vierter Adventsamstag"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt\u00a0 wie versprochen eine Nika-Geschichte aus dem Adventkalender.<\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/12\/17\/nika-im-readingroom\/\">Probelesung im &#8220;Read!!ingroom&#8221;<\/a> ist absolviert und trotz der geringen Zuh\u00f6rerzahl ein Erfolg geworden und am vierten Adventsamstag werde ich mich doch nicht in den Marihailferstra\u00dfeneinkaufstrubel begeben, sondern <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/12\/16\/mariahilferstrassenbummel-und-lese-auslese\/\">meine <\/a>Recherchen als abgeschlossen betrachten.<\/p>\n<p>Wei\u00df ich doch jetzt, da\u00df der Gerngro\u00df am Donnerstag und Freitatag bis einunzwanzig Uhr offen hat und am Freitag und es am Samstag beziehungsweise am Feiertag ein Weihnachtsengerl gibt.<\/p>\n<p>Also keine Weihnachtsfrau, die gibt es nur in meiner Phantasie und die hat\u00a0 schon Tradition, beziehungsweise eine <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_dreizehn.html\">Vorgeschichte<\/a>.<\/p>\n<p>Also lasse ich es bei dem Gehabten, beziehungweise\u00a0 beim Korrigieren das Wort &#8220;Gerngro\u00df&#8221; weg und die Nika nur vor einem Kaufhaus auf der Mariahilferstra\u00dfe stehen, damit niemand sagen kann &#8220;In der Realit\u00e4t ist das aber anders!&#8221;, denn ich will\u00a0 eine Weihnachtsfrau und kein Engerl.\u00a0 Das ist der Clou meiner Geschichte und so brauche ich in den Text auch nicht die Schaufester hineinkatapultieren, hinter denen als Dekoration ein kleines lachendes M\u00e4dchen auf einer Schaukel sitzt.<\/p>\n<p>Einen entsprechenden Katalog, den die Nika vielleicht doch verteilen k\u00f6nnte, hat mir ein Klient in die Praxis gebracht, denn auch Klienten kaufen Weihnachtsgeschenke\u00a0 und ich bleibe am Samstag zu Hause und n\u00fctze meine Zeit zum Korrigieren, w\u00e4hrend die Nika am vierten Adventsamstag durchaus ihre Erlebnisse hat:<\/p>\n<p>&#8220;Samstag, 19. Dezember<\/p>\n<p>&#8220;Das wird ja immer besser!&#8221;, dachte Nika am n\u00e4chsten Morgen, als sie das goldgl\u00e4nzende Weihnachtsengerl mit aufgebauschten Wattehaaren von einem Konkurrenzunternehmen vor\u00fcberhuschen sah.<\/p>\n<p>&#8220;Guten Morgen, Weihnachtsfrau!&#8221;, hatte es ihr zugerufen und sie, wenn sie sich nicht irrte, mitleidig angesehen.<\/p>\n<p>&#8220;F\u00fcnf Tage noch, dann ist es vorbei! Hast du schon den Truthahn f\u00fcr den Weihnachtsschmaus bestellt?&#8221;<\/p>\n<p>Mitnichten, Weihnachtsengel hatte keine Ahnung und war sicher eine ebenfalls prek\u00e4r besch\u00e4ftigte Studentin, aber die Telecomfirma, die sie engagiert und ihr seine Brosch\u00fcren in das goldgl\u00e4nzende K\u00f6rbchen gesteckt hatte, schien sie nur an den Einkaufssamstagen zu brauchen oder \u00fcberhaupt nur am letzten, denn Nika hatte es noch nicht gesehen oder hatte sie nicht genau genug hingeschaut?<\/p>\n<p>&#8220;Weihnachten feiere ich mit der Familie, mit Schwesterchen, deren Freunden und dem noch nicht geborenen Weihnachtskind bei Papa und Mama und da gibt es, wenn ich richtig verstanden habe, heuer eine schicke Lachsforelle, statt des fetten Weihnachtskarpfen, damit der Papa keinen Cholesterinhochstand bekommt!&#8221;, rief sie Engelchen fr\u00f6hlich zu und steckte ihm, Widerlich Seidlers Anweisungen forsch ignorierend, ein Stollwerkzuckerl entgehen.<\/p>\n<p>&#8220;Oder m\u00f6chte Engelchen lieber ein Naps? Nougat- und Erdbeergeschmack habe ich zur Auswahl!&#8221;, rief sie und das junge M\u00e4dchen in dem Engelskost\u00fcm griff zu.<\/p>\n<p>&#8220;Endlich etwas S\u00fc\u00dfes!&#8221;, rief es erfreut.<\/p>\n<p>&#8220;Ich habe nur Handyvertr\u00e4ge in meinem K\u00f6rbchen! Lachsforelle klingt aber gut! Meine Mama schw\u00f6rt dagegen noch\u00a0 traditionell auf die Gans! Sie wohnt im tiefsten M\u00fchlviertel und der Papa h\u00e4lt es mehr\u00a0 mit Bier und Anisschnaps, so da\u00df zu bef\u00fcrchten ist, da\u00df er auch heuer am Weihnachtsabend besoffen ist und auf die Geschenkpapekte kotzt, weil er die sentimentale Stimmung nicht vertr\u00e4gt! Das von wegen Weihnachtsfrieden! Aber ich h\u00f6re schon auf, dich anzulabern, damit wir keinen \u00c4rgern mit unseren Chefs bekommen! Willst du einen Handyvertrag? Ich bin \u00fcbrigens die Claudia!&#8221;, rief es , streckte ihr das das Napspapier entgegen und rauschte ab. Alles bestens am vierten Weihnachtssamstag! Widerlich Seidler war nicht zu sehen und schien am Samstag frei zu haben! Daf\u00fcr stapften zwei Weihnachtsm\u00e4nner in ihren rotwei\u00dfen Kutten und wallenden Rauscheb\u00e4rten an ihr vorbei zur n\u00e4chsten Punschh\u00fctte, schrieen stilecht &#8220;Ho, ho, Weihnachtsfrau!&#8221;, rasselten mit einem Gl\u00f6ckchen und einer von ihnen war sich auch nicht zu bl\u00f6d, ihr auf das Hinterteil zu klopfen.<\/p>\n<p>&#8220;Pa\u00df auf, Santa, das ist sexuelle Diskriminierung, das kann ich bei der Gewerkschaft anzeigen!&#8221;, rief Nika ihm nach. Aber er h\u00f6rte nicht zu und eine mittelalte Frau, die schon einige Einkaufss\u00e4cke schleppte, schaute sie neugierig an und sagte vermittelnd &#8220;Seien Sie gro\u00dfz\u00fcgig, Weihnachtsfrau, in\u00a0 f\u00fcnfTagen feiern wir das sch\u00f6nste Fest des Jahres und da sollen wir uns alle freuen!&#8221;<\/p>\n<p>Ach wirklich! Die Weihnachtsm\u00e4nner waren schon verschwunden und schr\u00e4g gegen\u00fcber war ein Geschenkbus zu entdecken, in denen die Omas und die Mamis ihre Geschenkp\u00e4ckchen verstauen, damit sie ungest\u00f6rt einkaufen, konnten und sie mu\u00dfte das auch noch tun! F\u00fcr Ruth, Vera und die noch nicht geborene Zoe-Philipa etwas aussuchen! F\u00fcr die Mama eine Bonbonierre, f\u00fcr den Papa eine Flasche Whisky, f\u00fcr Harald Schwabeneder eine CD! Aber wann sollte sie das alles besorgen, wenn sie von neun bis sieben auf der Stra\u00dfe stand? Sie brauchte auch ein Weihnachtswichtelchen und da stand ein solches schon vor ihr, strahlte sie mit ihren Pippi Langstrumz\u00f6pfen \u00fcber die es wieder eine graue Strickm\u00fctze gest\u00fclpt hatte an und sagte fr\u00f6hlich &#8220;Guten Morgen, Weihnachtsmannfrau, hast du etwas S\u00fc\u00dfes f\u00fcr mich? Ich gehe wieder Weihnachtsshoppen, denn jetzt kann ich die CD f\u00fcr Onkel Max besorgen, damit er mit &#8220;Stille Nacht&#8221; und &#8221; O Tannenbaum&#8221; in Stimmung kommt! Er hat mir, nachdem ihm meine Zeichnung sehr gefallen hat, nochmals f\u00fcrnf Euro gegeben und um 9.80 bekomme ich eine! Die geh ich jetzt besorgen und dann noch in den &#8220;Merkur&#8221;! Er hat mir eine Liste gegeben, was ich f\u00fcr die Weihnachtsfeiertage kaufen soll, falls wir uns\u00a0 nicht mehr sehen! Aber ich komme nat\u00fcrlich noch\u00a0 her, um die Mama ein bi\u00dfchen zu \u00e4rgern!&#8221;, sagte Jessica Nikolic grinsend, dann brach sie ab und zuckte verlegen mit den Achseln.<\/p>\n<p>&#8220;Uje, uje, du mu\u00dft gar nicht so b\u00f6se schauen und mich beim richtigen Weihnachtsmann verklagen, Nika, Weihnachtsfrau! Ich wei\u00df, das soll man nicht und ich will sie auch nicht \u00e4rgern, denn sie ist im Stre\u00df, alles zu besorgen, damit der Truthahn am Donnerstag rechtzeitig fertig ist, wenn sie bis zw\u00f6lf im Gesh\u00e4ft stehen mu\u00df, damit die M\u00e4nner, die auf die Weihnachtsgeschenke vergessen haben, ihren Frauen noch schnell Handschuhe kaufen k\u00f6nnen! So erz\u00e4hlt es mir die Mama immer! Ich habe dagegen schon alles beisammen, f\u00fcr die Mam, die Oma und den kleinen Dominik! Das ist der Vorteil, wenn man \u00f6fter herkommt und f\u00fcr Onkel Max habe ich extra viel zu besorgen! Denn stell dir vor, Weihnachtmannfrau, er hat auf der Mariahilferstra\u00dfe, als es ihm besser ging und er hinunter konnte, einen alten Freund getroffen! Aber das wei\u00dft du\u00a0 schon, denn du warst\u00a0 dabei! Einen Kollgen vor der Schule, wo er unterricht hat! Einen Deutschlehrer! Onkel Max hat Mathematik und Physik unterricht und der ist so allein, wie er, weil er seine Frau am Krebs verloren hat, w\u00e4hrend die von Onkel Max einen Herzinfarkt hatte! So haben die Beiden beschlossen, gemeinsam zu feiern und dazu braucht Onkel Max eine Gans, Rotkraut und Semmelkn\u00f6del und ich helfe beim Kochen! Denn das kann ich auch! Schaue ich der Mama immer in die T\u00f6pfe, beziehiungsweise mu\u00df ich mir zu Mittag mein Essen w\u00e4rmen, wenn sie in der Handschuhabteilung steht und einen Kuchen werde ich auch besorgen, denn am zweiten Weihnachtsfeiertag gibt es G\u00e4ste! Aber das darf ich nicht verraten, Weihnachtsmannfrau! Das will Onkel Max, der Mama und dir selber mitteilen! Ich habe einen Brief f\u00fcr euch!&#8221;, sagte sie in ihre Tasche greifend. Dann streckte sie Nika ein blaues Kuvert entgehen und schaute noch einmal begierig in ihren Jutesack.<\/p>\n<p>&#8220;Ich bin die Briefbotin, beziehungsweise ein fliegendes Weihnachtsenger! Daf\u00fcr ich ich mir sicher etwas S\u00fc\u00dfes verdient, nicht wahr Weihnachtsmannfrau und jetzt schaue ich zur Mama, denn der habe ich auch ein Brieflein zu \u00fcbergegeben, bevor ich in die Musikabteilung flitze! Bis sp\u00e4ter, Weihnachtsmannfrau und stre\u00df dich nicht, damit du nicht auch einen Herzinfarkt bekommst und Weihnachten heuer ausf\u00e4llt!&#8221;, rief sie mit pfiffigen Gesichtsausdruck und winkte ihr, die Handvoll S\u00fc\u00dfigkeiten, die sie sich aus Nikas Extras\u00e4ckchen stibitzt hatte, in die Tasche steckend, fr\u00f6hlich zu.<\/p>\n<p>&#8220;Und das w\u00e4re eine Katastrophe f\u00fcr die Kinder dieser Welt! Das wollen wir verhindern, Weihnachtsfrau! Bis sp\u00e4ter also und noch einen sch\u00f6nen Tag!&#8221;<\/p>\n<p>So weit der neunzehnte Dezember, den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/12\/05\/samstag-5-dezember\/\">f\u00fcnften <\/a>gibt es hier zu lesen,\u00a0 den ersten und den siebzehnten habe ich im &#8220;Read!!ingroom&#8221; vorgestellt und eine fr\u00fchere Fassung vom <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/12\/13\/nika-weihnachtsfrau\/\">dreizehnten<\/a> und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/12\/23\/bucheradventkalender\/\">dreiundzwanzigsten<\/a> Dezember aus dem Jahr 2013 gibt es auch und noch einen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/12\/05\/funfter-dezember\/\">Schreibbericht<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt\u00a0 wie versprochen eine Nika-Geschichte aus dem Adventkalender. 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