{"id":40501,"date":"2015-12-18T00:45:00","date_gmt":"2015-12-17T23:45:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=40501"},"modified":"2015-12-18T00:45:00","modified_gmt":"2015-12-17T23:45:00","slug":"bei-schlechtwetter-bleiben-eidechsen-zu-hause","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=40501","title":{"rendered":"Bei Schlechtwetter bleiben Eidechsen zu Hause"},"content":{"rendered":"<p>Nadine Kegeles Debutroman, den ich auf der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/11\/15\/buch-wien-und-rundherum\/\">vorvorigen &#8220;Buch-Wien&#8221;<\/a> beim B\u00fccherquiz gewonnen habe, beginnt schon einmal erschreckend brutal:<\/p>\n<p>&#8220;Zum Gl\u00fcck gibt es gen\u00fcgend Tier\u00e4rzte, die gesunde Hunde einschl\u00e4fern!&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Hoffentlich nicht! &#8220;, k\u00f6nnte man denken und merkt schon, das ist ein sehr kraftvoller Roman, der 1980 in Bludenz geborenen Autorin\u00a0 ist, die ich im Zuge des <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/04\/linke-worter\/\">Volksstimmefestes<\/a> kennenlernte, dann bei einer <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/13\/alltag-stimmung-spharen\/\">&#8220;Textvorstellung&#8221;<\/a> mit Angelika Reitzer war, den Erz\u00e4hlband <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/11\/24\/vom-der-sechsten-buch-wien\/\">&#8220;Annalieder&#8221;<\/a> gerne gelesen h\u00e4tte, jetzt aber den Roman, aus dem die Autorin schon ein St\u00fcck<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/07\/07\/letztes-bachmannpreiskolloquium\/\"> 2013 in Klagenfurt<\/a> gelesen hat und damit den Publikumspreis gewonnen hat.<\/p>\n<p>Bei der Jury, die Diskussion habe ich mir jetzt ein bi\u00dfchen angeh\u00f6rt, ist er dagegen nicht so gut angekommen, wie bei dn Nadine Kegeles Fans und das kann ich ein bi\u00dfchen nachvollziehen, denn es ist auch sehr verwirrend, was da auf verschiedenen Ebenen erz\u00e4hlt wird.<\/p>\n<p>Der Klappentext spricht von der seltenen Gabe &#8220;Poesie und Komik&#8221; miteinander zu verkn\u00fcpfen, aber komisch habe ich den Text eigentlich nicht gefunden, eher wortgewaltig, metaphernreich, Tiere kommen in den verschiedensten Formen vor und es ist auch wahrscheinlich nicht alles realistisch, was da erz\u00e4hlt wird.<\/p>\n<p>Es geht um Nora, eine Protagonistin, die vielleicht \u00c4hnlichkeiten mit der Autorin hat, es geht ihr aber nicht gut und sie hat, salopp gesagt, einen Minderwertigkeitskomplex, hat sie ja nicht studiert, ist keine Akademikerin, nicht aus reichen Haus, wie ihre Freundinnen Vera, Ruth und die F\u00fcchsin, sondern hat offenbar eine schlechte Kindheit hinter sich und Probleme mit ihrer Mutter, die sechundf\u00fcnfzig Jahre alt, im Koma liegt.<\/p>\n<p>Die geht Nora im Spital besuchen, wie, um sich zu \u00fcberzeugen, ob sie schon endlich gestorben ist?<\/p>\n<p>&#8220;Sch\u00e4tzchen!&#8221;, sagt dann die Krankenschwester mit dem gro\u00dfen Busen und es passt wieder nicht und der Hund, der eingeschl\u00e4fert wurde oder werden sollte, geh\u00f6rte offenbar der Mutter.<\/p>\n<p>Dann gibt es eine zweite Erz\u00e4hlebene, in abwechselnden Kapiteln wird von Nora und von einer Erika erz\u00e4hlt, die vielleicht Noras Mutter ist. Ganz klar kommt das, wie vieles in dem hochpoetischen Roman nicht heraus, weil die Tochter dieser Erika, sie ist eine Kellnerin, die von verschiedenen M\u00e4nnern Kindern bekam, mit ihnen nicht zurecht kommt, ihre Schreibabies dann in die Toilette legt, damit sie sie nicht mehr h\u00f6ren mu\u00df, kein Geld hat und von den M\u00e4nnern ausgen\u00fctzt wird, hei\u00dft auch Erika, wie sie, Rika genannt und nicht Nora, es k\u00f6nnte aber trotzdem hinkommen.<\/p>\n<p>Diese Erika lebt also ihr armes Frauenleben der Sechziger und Siebzigerjahre bis sie ins Koma f\u00e4llt und Nora leidet\u00a0 unter ihren drei priveligierteren Freundinnen, Vera ist die Tochter eines Sektimperiums, die F\u00fcchsin ist Jogalehrerin, Ruth Religionslehrerin und Lesbe und m\u00f6chte ein Kind, gleich welchen Geschlechts, nur M\u00e4dchen oder Bub sollte es nicht sein, man sieht es ist sehr kompliziert!<\/p>\n<p>Nora ist Telefonistin in der Mahnabteilung einer Stromfirma, wird dann aber entlassen und hat kein Geld, sie hat aber einen Freund, den Anton, einen Architekten, der schon eine Tochter namens Maresa hat und sie mitnimmt als er mit Nora nach Roma f\u00e4hrt, dann verl\u00e4\u00dft er Nora, die dann alleine nach Rom f\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Dazwischen h\u00fctet sie noch Veras Katze, die nach Brasilien f\u00e4hrt und ihre Nachbarin, eine alte J\u00fcdin und Holocaustopfer nahmens Sarah T\u00e4nzer, die sie betreut, beziehungsweise mit ihr auf den Friedhof f\u00e4hrt, hat einen Hund namens Moby, die F\u00fcchsin f\u00fcttert Blutegeln und die Eidechsenmetapher, beziehungsweise der Romantitel bezieht sich auf die Romfahrt mit Anton und Maresa, denn dort beobachet Nora solche.<\/p>\n<p>Am Ende ist sie im Krankenhaus, denn dort hat die F\u00fcchsin inzwischen ein Kind geboren, wobei es allerdings Komplikationen gab und Nora geht dann in das Zimmer ihrer Mutter, findet sie aber nicht mehr, nur die Schwester kommt ihr am Gang entgegen und sagt &#8220;Wir haben Sie schon gesucht, Sch\u00e4tzchen, geht es Ihnen gut?&#8221;<\/p>\n<p>Sehr verwirrend also, nicht nur f\u00fcr die Bachmannjuroren, die allerdings, glaube ich , einen etwas anderen Text hatten, denn da kommt eine Contessa vor, die mir entgangen w\u00e4re, auch in den Rezensionen kann man viel von der Tragik des Lebens und dem schrecklichen Schicksal, denen die Frauen ausgesetzt w\u00e4ren lesen. Bei einigen wird dann auf die Autrin, die ja auch im zweiten Bildungsweg studierte und zuerst eine B\u00fcrolehre machte, zur\u00fcckgekn\u00fcpft und von Arbeiterschicksalen gesprochen, die in der Gegenwartsliteratur eher selten w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Finde ich gar nicht und ich habe die Beschreibung der Mutter eigentlich sehr stark empfunden, sie hat mich auch an mein dreimonatiges Praktikum im Hospitz Hotel in St. Anton am Arlberg, das ich 1972 in der Strassegasse machen mu\u00dfte, erinnern, da ist es im Service und in der Schank wahrscheinlich \u00e4hnlich zugegangen.<\/p>\n<p>Die Polarsierung zwischen arm und reich und die Minderwertigkeitsgef\u00fchle, die Nora zwischen ihren reichen Freundinnen empfindet, habe ich dagegen eher ungew\u00f6hnlich gefunden, denn meistens wird das, was mich beispielsweise sehr interessiert, in der Gegenwartsliteratur eher nicht thematisiert.<\/p>\n<p>Ansonsten geht es um die Problematik, die moderne Frauen haben k\u00f6nnen, Kinderwunsch, Verlassenwerden, alternative Lebensweisen, da habe ich ja vor kurzem\u00a0 erst einen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/12\/12\/quasikristalle\/\">preisgekr\u00f6nten Roman<\/a> gelesen, in dem das auch beschrieben wird.<\/p>\n<p>Die vielen Tiere sind sehr auff\u00e4llig und Nadine Kegele springt von einer Metapher mit einer wortgewaltigen Poetik in die andere, spannend einerseits und hochkomplex, andereres habe ich dagegen noch nicht so ausgereift und eher unfertig gefunden und bin gespannt, was ich noch von der Autorin h\u00f6ren werde, die ich ja gelegentlich bei Veranstaltung sehe und die mir einmal auch ein sehr liebes Mail bez\u00fcglich meines <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/03\/04\/langer-brief-an-den-herrn-kurz\/\">&#8220;Kevin-Textes&#8221;<\/a> geschrieben hat, den ich ja am <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/02\/zum-volksstimmefest\/\">Volksstimmefest<\/a> gelesen habe<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nadine Kegeles Debutroman, den ich auf der vorvorigen &#8220;Buch-Wien&#8221; beim B\u00fccherquiz gewonnen habe, beginnt schon einmal erschreckend brutal: &#8220;Zum Gl\u00fcck gibt es gen\u00fcgend Tier\u00e4rzte, die gesunde Hunde einschl\u00e4fern!&#8221; &#8220;Hoffentlich nicht! &#8220;, k\u00f6nnte man denken und merkt schon, das ist ein &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=40501\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[5280,2814,3206,1023],"class_list":["post-40501","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-bachmannpreis-2013","tag-czernin-verlag","tag-nadine-kegele","tag-oesterreichische-gegenwartsliteratur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40501","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=40501"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/40501\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=40501"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=40501"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=40501"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}