{"id":40410,"date":"2015-12-12T00:25:34","date_gmt":"2015-12-11T23:25:34","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=40410"},"modified":"2015-12-12T00:25:34","modified_gmt":"2015-12-11T23:25:34","slug":"quasikristalle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=40410","title":{"rendered":"Quasikristalle"},"content":{"rendered":"<p>Auf die Idee,\u00a0 einen <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_dreizehn.html\">Roman<\/a> zu schreiben, der von einer Figur ausgehend, zum n\u00e4chsten Kapitel \u00fcber eine andere, eine Geschichte erz\u00e4hlt, bin ich, glaube ich, gekommen, als ich im Radio eine Vorschau auf Eva Menasses &#8220;Quasikristalle&#8221; h\u00f6rte.<\/p>\n<p>Da habe ich gedacht, Daniel Kehlmann hat das mit <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/12\/30\/ruhm\/\">&#8220;Ruhm&#8221;<\/a>\u00a0 auch einmal so gemacht und bin mit der Laura Augustin, der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/11\/21\/der-advent-war-im-november\/\">Nika Weihnachtsfrau<\/a>, etcetera losgezogen und es ist nat\u00fcrlich nicht so geworden, wie geplant, sondern eine eher lineare Geschichte, die in jedem der dreizehn Kapitel, einen anderen Protagonisten oder Protagtonistin hat.<\/p>\n<p>Von Eva Menasse, der 1970 geborene Halbschwester des ber\u00fchmten <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/01\/07\/menasse-lesung\/\">Roberts<\/a>, den ich \u00f6fter im Cafe Sperl sitzen sah, einmal bei einer Benefizveranstaltung in der Rahlgasse, statt ihm einen Essay zus\u00e4tzlich zu einer Szene aus meiner &#8220;Viertagebuchfrau&#8221; las, weil er, was ich schon erwartet hatte, absagte, der einmal in der &#8220;Alten Schmiede&#8221; den Kritiker Paul Jandl\u00a0 sehr provozierte und wenn ich ihm bei <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/06\/03\/von-friederike-mayrocker-zu-ceja-stojka\/\">Preisverleiungen<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/11\/15\/die-achte-buch-wien\/\">im Rathaus <\/a>sehe, immer mit den Politikern \u00fcber seine Meinung diskutieren h\u00f6re, habe ich ihren ersten Roman &#8220;Vienna&#8221; gelesen.<\/p>\n<p>Die &#8220;Quasikristalle&#8221; sind 2013 erschienen, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/11\/10\/der-funfte-alpha-literaturpreis\/\">2014 hat sie daf\u00fcr, sehr voraussagbar, den &#8220;Alpha-Literatur-Preis&#8221; <\/a>gewonnen, den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/11\/17\/alpha-literaturpreis-an-karin-petschka\/\">2015 nicht, wie von mir erwartet Valerie Fritsch<\/a>, sondern Karin Peschka bekommen hat und weil meine Leseliste ja so lang ist und immer l\u00e4nger wird, habe ich den Roman jetzt erst gelesen, daf\u00fcr habe ich das mit <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/09\/01\/watschenmann\/\">&#8220;Watschenmann&#8221;<\/a> schon im Vorjahr getan.<\/p>\n<p>Mit &#8220;Quasikristallen&#8221; gelingt Eva Menasse also etwas, was mir nicht gelungen ist, n\u00e4mlich einen Roman aus dreizehn Erz\u00e4hlungen zu machen oder dreizehn Geschichten von Personen zu erz\u00e4hlen, die alle etwas mit der Heldin Xane oder Roxane Molin zu tun haben, obwohl die in den einzelnen Geschichten nicht die Hauptrolle spielt und Quasikristalle hei\u00dft es, um die Br\u00fcchigkeit aufzuzeigen, wie ich dem Klappentext entnehme, weil wenn man dreizehnmal ein Licht auf eine Person wirft, immer etwas anderes herauskommt, offenbar so, wie bei dem Elefanten, der von drei Blinden abgetastet wird und jeder hat ein anderes Bild.<\/p>\n<p>Da ist also Judith im ersten Kapitel, ein vierzehnj\u00e4hriges M\u00e4dchen, das eine depressive Mutter hat und einen Vater, der Konditor ist, aber an einer verfallenen Jugendstilvilla herumbaut und in die l\u00e4dt Judith ihre Freundin Xane ein, um sie ihrer anderen Freundin Claudia abspenstig zu machen, die dann diesen Sommer einem Gehirnschlag erliegt.<\/p>\n<p>Dann geht es, Jahre sp\u00e4ter weiter zu einem Professor oder Dozenten, der f\u00fcr einen erkrankten Professor, eine Exkursion nach Auschwitz machen soll, die meisten Studenten sagen aber ab, so wird f\u00fcr Ersatz gesorgt, eine der einspringenden Personen ist die angebliche Nichte des Professors, der gar keine Kinder hat und Bernay, der Held verliebt sich in die Frau mit der roten Bluse, w\u00e4hrend er mit seiner Geliebten Paula telefoniert und die Teinehmer durch das KZ f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Dann geht es zu einem Alt\u00f6sterreicher, der der jungen Xane, die etwas mit PR macht, eine Wohnung in seiner Villa vermietet und aus dem H\u00e4uschen ger\u00e4t, als er sie nackt auf den Balkon liegen sieht.<\/p>\n<p>Er h\u00e4lt sich n\u00e4mlich am Dachboden Frettchen und versteckt dort auch Glasscherben mit deren Hilfe er die Balkone seiner vermieteten Wohnungen kontrolliert und er hat auch ein geschnitztes Jesuskindchen, das Xane fotografieren will und dann sitzt er mit seiner Familie vor dem Fernseher und sieht Xane in einer Diskussion, wo sie an Hand des Fotos demonstriert, da\u00df &#8220;sich die meisten \u00d6sterreicher immer noch weigerten, sich an die Verbrechen zu erinnern, die direkt vor ihrer Haust\u00fcr, ja vor ihren Augen stattgefunden h\u00e4tten, stattdessen bekreuzigen sie sich und f\u00fctterten fr\u00f6hlich ihre Frettchen.&#8221;<\/p>\n<p>Dann geht es nach Berlin zu Sally, das ist Judiths Schwester Salome, die dort in einer Bar singt, dazwischen kellnert und ihrer vierh\u00e4hrigen Tochter Baby drei Tropfen Diazepram auf ein St\u00fcck W\u00fcrfelzucker tr\u00e4ufelt, wenn sie sich die Babysitterkosten bei Frau Hilpert nicht mehr leisten kann. Die trifft Xane in einer Galerie wieder, wo sie in der Partyk\u00fcche Rosen aus Kartotten schnpselt, die dann wieder abserviert werden. Xane und ihr Freund Mor k\u00fcmmern sich um Sally, deren Mutter inzwischen Selbstmord begangen hat und dann besucht Sally Xane in der Klinik, wo sie nach einer Eileiterschwangerschaft liegt und beklagt, keine Kinder zu haben, w\u00e4hrend Sally ihres gar nicht wollte und der Rechtsanwalt Mor immer Drohbriefe schreibt, wenn sie sich um seine aus der ersten Ehe k\u00fcmmern will.<\/p>\n<p>Dann kommt ein Kapitel \u00fcber eine Kinderwunsch\u00e4rztin, ein Kabinettst\u00fcck kann man sagen, wo man sehr viel alles \u00fcber die Kinderwunschproblematik mit den ganzen Fachausdr\u00fccken erf\u00e4hrt. Frau Doktor hat auch zwei Kinder, \u00fcber die sie mit ihrer Haushaltshilfe kommuniziert, welche Fu\u00dfballdress die f\u00fcr sie b\u00fcgeln soll und ihre Wunsch- bzw. Problempatienten, eine davon ist Xane, die kommt wieder in ein paar S\u00e4tzen vor, wird aber schwanger, bekommt einen Sohn und trifft im n\u00e4chsten Kapitel einen Nelson im Bus, das ist ein alter ber\u00fchmter Mann, Opfer eines B\u00fcrgerkriegs, in dem er seine Frau verloren hat, mit dem tritt sie in Beziehung, betr\u00fcgt ihren Mor aber offensichtlich nicht wirklich, sondern tritt im n\u00e4chsten Kapitel selber als Erz\u00e4hlstimme auf, wo sie anhand des Fremdgehens ihrer Freundin Krystzyna ihre Beziehung zu Mor und seinen zwei T\u00f6chtern aus erster ungl\u00fccklicher Ehe, die inzwischen bei ihr leben undm die sich in der Pubert\u00e4t gegen die Stiefmutter auflehnen oder ihre Depressionen bekommen, reflektiert.<\/p>\n<p>Das n\u00e4chste Geschichte geh\u00f6rt der Stieftochter Viola und dann kommt eine aus der Sicht eines Mitarbeiters von Xanes Agentur, der um der Kreativit\u00e4t wegen zu ihr gegangen ist und sich dann bei der Chefin doch nicht durchsetzen konnte, denn die ist wie die Freundin Kryztyna wei\u00df sehr stur und macht aus allem ein Theater, so wie sie pl\u00f6tzlich auf Besuch nach Wien kommen will und dann erfahren die Freundinnen, nachdem sie abgewimmelt haben, da\u00df Xane in einer Klinik liegt.<\/p>\n<p>Der alte Vater wird zu einem runden Geburtstag in Wien besucht, am Schlu\u00df schreibt der Sohn der Mutter einen Brief, die sich nach Mors Tod eingebildet hat, nach Wien zur\u00fcckzuziehen und dort offenbar noch mit einem Mann in einer b\u00fcrgerliche Villa nach Sivering zieht, dazwischen kommt dann noch ein Kapitel, das scheinbar gar nichts mit Xane zu tun hat, denn es ist aus der Sicht einer Journalistin geschrieben, die ein Buch \u00fcber Sterbehilfepraktiken geschrieben hat und dadurch soviel Aufsehen erregte, da\u00df sie sich in eine sicherheitsgesch\u00fctzte Wohnung zur\u00fcckzieht und alle Zeiten ihre Pa\u00dfw\u00f6rter \u00e4ndert, trotzdem bekommt sie einen Anruf bez\u00fcglich eines geheimnisvollen Sterbefalles und w\u00e4hrend sie diesbez\u00fcglich recherchiert beobachtet sie auf dem Platz vor ihrem Balkon ein altes Paar, wo er pl\u00f6tzlich, w\u00e4hrend sie liest, einen Schlaganfall bekommt.<\/p>\n<p>Ein interessantes hochgelobtes Buch einer hochgelobten Promijournalistin und Promischriftstellerin, das auch ein bi\u00dfchen in der intellektuellen Promiszene spielt und die das, was mir in den &#8220;Dreizehn Kapitel&#8221; vorschwebte, konsequenter durchgezogen hat.<\/p>\n<p>Mir fehlte der Mut dazu, jetzt wei\u00df ich auch warum, weil n\u00e4mlich wenn man dreizehn Menschen ihre Erfahrungen und Eindr\u00fccke \u00fcber eine Person schildern l\u00e4\u00dft, am Ende dreizehn Geschichten, in diesem Fall mit sehr vielen aktuellen Themen vom Kinderwunsch bis zur Holocaustvew\u00e4ltigung, aber wahrscheinlich doch kein linearer Roman herauskommt, wie es bei den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/02\/09\/dreizehn-kapitel\/\">&#8220;Dreizehn Kapitel&#8221;<\/a> viel banaler und weniger abgehoben wahrscheinlich doch gelungen ist, wenn ich das Ganze auch wegen seiner K\u00fcrze eher eine Erz\u00e4hlung nenne.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf die Idee,\u00a0 einen Roman zu schreiben, der von einer Figur ausgehend, zum n\u00e4chsten Kapitel \u00fcber eine andere, eine Geschichte erz\u00e4hlt, bin ich, glaube ich, gekommen, als ich im Radio eine Vorschau auf Eva Menasses &#8220;Quasikristalle&#8221; h\u00f6rte. 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