{"id":40341,"date":"2015-12-05T00:38:17","date_gmt":"2015-12-04T23:38:17","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=40341"},"modified":"2015-12-05T00:38:17","modified_gmt":"2015-12-04T23:38:17","slug":"samstag-5-dezember","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=40341","title":{"rendered":"Samstag, 5. Dezember"},"content":{"rendered":"<p>Am Samstag gab es nat\u00fcrlich einen Krampus mit einer Butte auf dem R\u00fccken, heraush\u00e4ngender Zunge und einer gro\u00dfen Rute hinter dem Adventkalenderfester und erinnerte Nika, da\u00df heute nicht nur der zweite Einkaufssamstag war.<\/p>\n<p>Stre\u00df pur auf der Mariahilferstra\u00fce, wie ihr Klaus Seidler gestern vorsorglich eingepr\u00e4gt hatte.<\/p>\n<p>&#8220;Da gehts dann rund zu, Frau Magister und Sie k\u00f6nnen beweisen, was Sie k\u00f6nnen!&#8221;, hatte er gedroht und als sie sich erkundigt hatte, warum es keine Weihnachtsfrau am ersten Einkaufssamstag vor dem Kaufhaus gegeben hatte, hatte er die Achseln gezuckt.<\/p>\n<p>&#8220;Aus Einspargr\u00fcnden und weil heute erst der erste Dezembersamstag ist, hat das der Vorstand so beschlossen! Wenn Sie mich fragen, eine Schnapsidee! Es ist aber so! Ich sitze nicht im Vorstand und habe keine Stimme und so naht Ihre Bew\u00e4hrungsprobe erst morgen!&#8221;, hatte er geantwortet und hinzugef\u00fcgt, da\u00df er besondere P\u00fcnktlichkeit von ihr erwarte!<\/p>\n<p>&#8220;Aye, Aye, Sir!&#8221;, hatte Nika geantwortet, ihn angegrinst und die Hand auf ihre Weihnachtsfraum\u00fctze gelegt.<\/p>\n<p>Bei sich hatte sie gedacht, da\u00df der Krampus sie nichts anging, denn zum Gl\u00fcck war der Vorstand nicht auf die Idee gekommen, sie f\u00fcr heute in ein schwarzes Fellkost\u00fcm zu stecken und ihr eine rote Filzzunge anzukleben. Es war aber doch etwas anders. Denn in dem Sack, der im Magazineurb\u00fcro f\u00fcr sie bereit lag, steckten statt &#8220;Naps&#8221; und &#8220;Stollwerks&#8221; kleine Krampus- und Nikolausfiguren und sie versuchte sich vorzustellen, da\u00df die der kleinen Jessica\u00a0 besondere Freude bereiten w\u00fcrden, die versprochen hatte, auch heute wieder auf der Mariahilferstra\u00dfe zu erscheinen und Weihnachtseink\u00e4ufe zu machen.<\/p>\n<p>Vielleicht machten sie auch dem Burschen mit der grauen Decke Freude, aber der war nicht da. Der Platz beim Eingang, an dem er die letzten Tage gekauert\u00a0 und vor sich hingestarrt hatte, war verwaist. F\u00fcrchtete er sich ebenfalls vor dem Krampus oder hatte Widerlich Seidler seine Drohung wahr gemacht und die Polizei gerufen? Sie wu\u00dfte es nicht und hatte keine Ahnung. Dagegen schien seine Voraussage zu stimmen, da\u00df viel los war. Denn die Stra\u00dfe war schon um halb zehn \u00fcberf\u00fcllt und besonders viele Kinder dr\u00e4ngten sich um ihren Sack.<\/p>\n<p>&#8220;Hallo, Frau Weihnachtsfrau, hast du auch etwas f\u00fcr mich? Ich bin sehr brav gewesen! Ich will einen Nikolo, wie meine Schwester und keinen Krampus, denn das ist Diskriminierung!&#8221;, rief ein kleiner Knirps, zwickte das Schwesterlein in den Arm und sie bem\u00fchte sich die Drohung der Mutter zu ignorieren, da\u00df die Frau Weihnachtsmann, wenn er so unartig sei und die Moni \u00e4rgere, bestimmt keinen Nikolo f\u00fcr sie habe!<\/p>\n<p>&#8220;Einer ist noch da!&#8221;, sagte sie unbewegt, streckte ihm den solchen entgegen und gab der Mutter, noch ehe sie protestieren konnte, einen Flyer in die Hand.<\/p>\n<p>&#8220;Und das ist f\u00fcr die Mama, damit sie auch nicht leer ausgeht!&#8221;<\/p>\n<p>Der Kleine steckte den Nikolo in den Mund. Dann zwickte er die Schwester nochmals in den Arm und rief &#8220;\u00c4tsch, \u00c4tsch!&#8221;<\/p>\n<p>Nika bem\u00fchte sich schnell wegzusehen, weil sie von der Mutter keine Belehrung, wie &#8220;Sehen Sie, Frau Weihnachtsfrau, das habe ich Ihnen gleich gesagt!&#8221;,\u00a0 h\u00f6ren wollte.\u00a0 Sollte der Kleine seinen Nikolo haben, wenn er keinen Krampus wollte! Da\u00df man seine Schwestern nicht schlagen durfte, mochte ihm seine Mutter beibringen, obwohl die Achtung des Mannes vor der Frau, schon sehr wichtig war.<\/p>\n<p>Das mu\u00dfte der Kleine, der inzwischen mit seiner Mama und der Schwester verschwunden war, noch lernen,\u00a0 w\u00e4hrend ihr Traummann Harald Schwabeneder solches zu beherrschen schien und ihm w\u00fcrde sie einen der Krampusse \u00fcberreichen, wenn er nach Dienstschlu\u00df auf sie wartete und mit ihr auf eine Krampusparty ins &#8220;Jazzland&#8221; gehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Denn dazu hatte er sie eingeladen, nachdem er herausgefunden hatte, da\u00df sich Nika auch f\u00fcr Jazz interessierte, w\u00e4hrend die Spurensuche in Vera Mosebachs Praxis ein Flop geworden war.<\/p>\n<p>Dorthin war sie mit ihrem Traummann gestern, um viertel acht zwar aufgebrochen, aber Vera hatte ihnen den Tatort, weil von der Polizei noch nicht freigegeben, nicht zeigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&#8220;Ich darf zwar, haben mir die Polizisten erlaubt, meinen Beruf aus\u00fcben, die Klienten m\u00fc\u00dfen aber zu Dr. Dorfler aufs Klo und sehr gut f\u00fcr meinen Ruf als Psychotherapeutin sind diese Schlagzeigen nicht!&#8221;, hatte sie geklagt und auf die Sammlung der &#8220;\u00d6sterreich-Heute-Nummern&#8221;, hingewiesen, die auf ihrem Tisch lagen.<\/p>\n<p>&#8220;Dem kann ich mich nur anschlie\u00dfen!&#8221;, hatte die Schwester hinzugef\u00fcgt und wiederholt, da\u00df Joe Prohaska nicht aufh\u00f6rte, sie zu verfolgen und seine Verantwortung f\u00fcr sein Kind einzufordern.<\/p>\n<p>&#8220;Dem scheint der sogenannte Mord ins Veras Praxis egal zu sein! Im Gegenteil scheint er ihn daf\u00fcr zu verwenden, mich unter Druck zu setzen! Was ihm zwar nicht gelingen wird, denn ich will mit keinen Mann zusammenleben und Zoe-Philipa allein aufziehen! Aber wenn er sich ans Jugendamt wendet, k\u00f6nnte ich Schwierigkeiten bekommen und die Kollegen und der Chef schauen mich auch schon scheel an!&#8221;, hatte sie gesagt und hilfesuchend auf Harald Schwabeneder geblickt, der sich zu versichern beeilte, das er tun w\u00fcrde, was er konnte und das war auch geschehen.<\/p>\n<p>Im &#8220;Samstag-Standard&#8221;, den Nika auf den U-Bahn-Sitz gefunden hatte, war ein etwas emotionsfreierer Artikel erschienen, der sich f\u00fcr das Recht der gleichgeschlichtlichen Frau auf ein Kind einsetzte, erschienen, w\u00e4hrend die Gratiszeitungen weiterhetzten und Ruth verdammten, weil sie zwar mit Joe Prohaska ins Bett gegangen war, nun aber nichts von ihm wissen wollte!<\/p>\n<p>&#8220;Das konnte doch nicht sein!&#8221;, hatte eine Reporterin namens Carmen Corner geunkt.<\/p>\n<p>&#8220;So weit darf man\u00a0 nicht gehen! Das hie\u00dfe doch die Frauenbewegung und ihre Ziele mi\u00dfzuverstehen und eine solche Gesellschaft will ich nicht haben!&#8221;, hatte sie geschrieben und sich f\u00fcr die Rechte des armen Joe Prohaskas eingesetzt, w\u00e4hrend sie offenbar\u00a0 nichts dagegen hatte, da\u00df Peter Kronauer jetzt unsch\u00e4dlich war.<\/p>\n<p>Trotzdem durfte ihnen Vera das Klo und die angebliche Tatwaffe nicht zeigen. So hatte Harald Schwabeneder ihnen nur versichert, weiter objektiv zu schreiben und ihr ins Ohr gefl\u00fcstert, da\u00df er gern mit ihr auf eine Krampusparty gehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Sollte sein, wenn sie nicht zu m\u00fcde war, denn der Ansturm auf ihre Krampusse und Nikolos lie\u00df nicht nach. Sie hatte schon dreimal nachfassen m\u00fcssen und ihre Mittagspause\u00a0 fast vers\u00e4umt.<\/p>\n<p>&#8220;Bitte sehr!&#8221;, sagte sie daher, als sie mit einem neuerlich gef\u00fcllten Sack auf die Stra\u00dfe gekommen war und hielt einem \u00e4lteren Mann mit einem Dreitagebart, dessen grauer Mantel falsch zugekn\u00f6pft war und der Hauspatschen, statt Stra\u00dfenschuhe an den F\u00fc\u00dfen hatte, einen Flyer entgegen. Wo hatte sie ihn schon gesehen?, dachte sie dabei, schien er ihr doch bekannt und noch ehe sie zu einem Ergebnis gekommen war,\u00a0 fragte er, ob sie nicht nicht an ihn erinnern k\u00f6nne?<\/p>\n<p>&#8220;Am Dienstag sind wir gemeinsam in der U-Bahn gefahren! Erinnern Sie sich nicht mehr, Weihnachtsfrau? Als der Zug versp\u00e4tet war, weil wieder so ein armer Teufel auf die Schienen gesprungen ist? Ich bin auf die &#8220;Parkinson-Ambulanz&#8221; zur monatlichen Untersuchung ins AKH gefahren, Sie haben mir von ihrem ersten Arbeitstag als Weihnachtsfrau erz\u00e4hlt. Jetzt treffe ich Sie wieder, was ein erfreulicher Zufall ist!&#8221;, stellte er fest und wollte wissen, wie es ihr als Weihnachtsfrau gefalle?<\/p>\n<p>&#8220;Ausgezeichnet!&#8221;, beeilte sie sich zu antworten und best\u00e4tigte, da\u00df sie sich auch \u00fcber den Zufall freue.<\/p>\n<p>&#8220;Machen Sie Weihnachtseink\u00e4ufe?&#8221;, fragte sie dann mit Blick auf seine Hauspantoffeln, die daf\u00fcr nicht sehr geeignet waren und er sch\u00fcttelte den Kopf.<\/p>\n<p>&#8220;Eigentlich will ich nur Milch, Brot, Kartoffelp\u00fcrree, Gem\u00fcse und etwas Schinken f\u00fcr das Wochenende besorgen! Und einen Adventkranz! Den nat\u00fcrlich auch, denn den habe ich noch nicht in der Wohnung, obwohl heute schon der zweite Adventsamstag ist! Sie wissen, ich habe &#8220;Parkinson&#8221;,\u00a0 da f\u00e4llt esr mir schwer, das Haus zu verlassen und oft gelingt das auch nicht! Mein Zittern steht mir im Weg und das Anziehen geht dann auch nicht gut!&#8221;, sagte er mit einem Blick auf seinen falsch gekn\u00f6pften Mantel.<\/p>\n<p>&#8220;Ich wohne im Haus gegen\u00fcber und weil es nicht weit zum &#8220;Merkur-Markt&#8221; ist und mir das Zubinden der Schn\u00fcrsenkel gro\u00dfe M\u00fche macht, bin ich mit den Hausschuhen losgezogen, um die paar Sachen einzukaufen und auch den Adventkranz, denn vorige Woche, wissen Sie, ist es mir so schlecht gegangen, da\u00df ich das Haus nicht verlassen konnte und am Dienstag habe ich auf der Ambulanz solange warten m\u00fcssen, da\u00df ich darauf vergessen habe!&#8221;, sagte er mit einem so tieftraurigen Blick, da\u00df Nika ihre Vorschriften\u00a0 verga\u00df und ihm schnell einen ihrer Nikolos entgegenstreckte.<\/p>\n<p>&#8220;Den darf ich Ihnen als Trost \u00fcberreichen! Adventkr\u00e4nze habe ich leider keine in meinen Sack!&#8221;, scherzte sie und hoffte, da\u00df weder die Spione von der FP\u00d6, noch Klaus Seidler sie sehen w\u00fcrde, aber der schien am Samstag nicht ins\u00a0 B\u00fcro zu kommen, jedenfalls war er ihr noch nicht begegnet.<\/p>\n<p>&#8220;Ich hoffe, Sie m\u00f6gen S\u00fc\u00dfes!&#8221;, f\u00fcgte sie\u00a0 hinzu und er schaute sie dankbar an. Versuchte sogar ihre Hand zu k\u00fcssen, was das Zittern seiner H\u00e4nde aber nicht zulie\u00df.<\/p>\n<p>&#8220;Sie sind sehr freundlich zu einem kranken Mann, der wie ein Sandler aussieht, aber keiner ist! Das werde ich Ihnen nicht vergessen und wenn ich kann, mich gerne revanchieren! Denn Sie haben mich durchschaut! Ich bin ein S\u00fc\u00dfer und wollte mir ohnehin einen Briochekrampus f\u00fcr das morgendliche Fr\u00fchst\u00fcck besorgen, wenn ich es bis zum &#8220;Merkur&#8221; schaffe! Denn wissen Sie, die hat meine Frau, als sie noch bei mir war, immer zu Nikolo gebackent! Damals haben meine H\u00e4nde auch nicht gezittert und es war ein Leichtes, einen Adventkranz zu besorgen! Heute schaffe ich es nicht einmal im Taxi auf den Zentralfriedhof,\u00a0 um ihr ein Weihnachtsgesteck zu bringen!&#8221;, sagte er und sah sie so traurig an, da\u00df Nika nicht wu\u00dfte, was sie antworten sollte. So griff sie in den Sack, um ihm auch einen Trostkrampus entgegenzustrecken, aber er sch\u00fcttelte den Kopf.<\/p>\n<p>&#8220;Ein St\u00fcck reicht, denn wenn ich zuviel S\u00fc\u00dfes esse, steigt mein Cholesterinspiegel, ich bekomme Altersdiabetes und meine \u00c4rzte schimpfen! Aber vielleicht will die junge Dame den Krampus haben!&#8221;, sagte er, auf Jessica Nikolic weisend, die n\u00e4her gekommen war.&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Na klar!&#8221;, antwortete die munter.<\/p>\n<p>&#8220;Vielen Dank, Frau Weihnachtsfrau! Sehe Sie, ich habe Wort gehalten! Bin wieder da und gehe in das Kaufhaus! Da kann der Chef meiner Mama nichts dagegen haben, wenn ich Handschuhe f\u00fcr die Oma kaufe und in den &#8220;Merkur&#8221; will ich auch! Da soll ich f\u00fcr die Mama einiges besorgen und Sie wollen, habe ich geh\u00f6rt, auch dorthin?&#8221;, sagte sie, auf den alten Mann zeigend.<\/p>\n<p>&#8220;Wenn Sie m\u00f6chten, werde ich Sie begleiten und Ihnen die Sachen in die Wohnung tragen, denn wir haben in der Schule gelernt, da\u00df man in der Adventszeit gute Taten setzen soll, um seine Chance auf Weihnachtsgeschenke zu erh\u00f6hen! &#8220;Aktion Weihnachtswichtel&#8221; hei\u00dft da! Wenn Sie wollen, bin ich Ihre Wichteline und weil ich daf\u00fcr eine Belohnung verdient habe, gibt mir die Frau Weihnachtsmann auch noch einen Nikolo, denn f\u00fcr den Krampus bin ich\u00a0 viel zu brav!&#8221;<\/p>\n<p>Auszug aus der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/12\/05\/funfter-dezember\/\">&#8220;Nika<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/11\/05\/novemberschreiben\/\"> Weihnachtsfrau&#8221;<\/a>, meinem heurigen <a href=\"http:\/\/nanowrimo.org\/participants\/eva-jancak\/novels\/nika-weihnachtsfrau\">&#8220;Nanowrimo&#8221;,<\/a> aus der ich auch am <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/lesungen\/\">siebzehnten Dezember <\/a>um 19. 30 im &#8220;Read!!ingroom&#8221; in der Anzengrubergasse lesen werde und alle meine Wiener Leser und Leserinnen herzlich dazu einlade!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Samstag gab es nat\u00fcrlich einen Krampus mit einer Butte auf dem R\u00fccken, heraush\u00e4ngender Zunge und einer gro\u00dfen Rute hinter dem Adventkalenderfester und erinnerte Nika, da\u00df heute nicht nur der zweite Einkaufssamstag war. 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