{"id":40241,"date":"2015-12-02T08:57:25","date_gmt":"2015-12-02T07:57:25","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=40241"},"modified":"2015-12-02T08:57:25","modified_gmt":"2015-12-02T07:57:25","slug":"dunkle-liebe-eines-wilden-geschlechts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=40241","title":{"rendered":"Dunkle Liebe eines wilden Geschlechts"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt nicht das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/11\/06\/literarisches-geburtstagsfest-4\/\">letzte<\/a>, sondern das<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/11\/06\/literarisches-geburtstagsfest-4\/\"> vorletzte Buch<\/a> meiner Autorenkollegin Hilde Schm\u00f6lzer, das sie mir zum vorigen Geburtstag brachte,\u00a0 das schon 2013 erschienen ist.<\/p>\n<p>Die angeblich oder auch tats\u00e4chlich inzesti\u00f6se\u00a0 Beziehungn Georg Trakls zu seiner j\u00fcngeren Schwester Margarete, die man in seinen Gedichten vermuten kann.<\/p>\n<p>Jetzt bin ich eigentlich nicht der Auffassung, da\u00df das Private, wie beispielsweise Dave Egger in seinem &#8220;Circle&#8221;, den ich k\u00fcrzlich gelesen habe, aufzeigt &#8220;Diebstahl&#8221; sei und man mit\u00a0 einer Kamera um den Hals herumlaufen soll, um alles &#8220;dunkle und geheime&#8221; ans Licht zu bringen und denke, da\u00df man eher Trakls Gedichte lesen soll, als Geheimnisse aufzusp\u00fcren, die vor mehr als hundert Jahren geschehen sind, aber Hilde Schm\u00f6lzers Buch gibt einen sehr genauen Einblick in das Leben, des sehr fr\u00fch verstorbenen Dichters und \u00fcberhaupt in das Leben vor hundert Jahren in der Provinzstadt Salzburg oder der K und K Stadt Wien und was das Geheime und Verworrene betrifft, merkt sie auch \u00f6fter an, da\u00df das letztlich im Dunklen bleiben wird und wahrscheinlich auch soll, f\u00fcge ich hinzu.<\/p>\n<p>Ich kenne Georg Trakl,\u00a0 1887- 1914, mu\u00df ich gleich anmerken, haupts\u00e4chlich durch den &#8220;Trakl-Preis&#8221;, den 1999 <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/06\/19\/vierter-abend-fur-elfriede-gerstl\/\">Elfriede Gerstl<\/a> gemeinsam mit den&#8221; Fried Preis&#8221; bekommen hat , bin, als ich in den Neunzehnsiebzigerjahren einen\u00a0 in einem Sommer in Salzburg war, auch beim &#8220;Trakl-Haus&#8221; vorbei oder hineingegangen, sonst wei\u00df ich aber wenig \u00fcber den Lyriker und habe ihn bis vor kurzem auch, glaube ich, mit Gottfried Benn verwechselt.<\/p>\n<p>Also habe ich Hilde Schm\u00f6lzers Bem\u00fchen Licht in das Leben von Frauen, um ber\u00fchmte M\u00e4nner zu bringen, sehr zu danken, wenn ich auch glaube, da\u00df es mehr um die Gedichte, als um die Spekulationen dahinter gehen sollte.<\/p>\n<p>Das Buch ist in vier Kapitel: Kindheit, Jugend, Reifezeit, Tod gegliedert und beginnt mit den Eltern Trakls, Tobias und Maria.<\/p>\n<p>Maria war eine geschiedene Frau mit einem au\u00dferehelichen Kind, schwerm\u00fctig depressiv, drogenabh\u00e4ngig, wie Hilde Schm\u00f6lzer schreibt und einmal glaube ich, Opium erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Der Vater Gesch\u00e4ftsmann in Salzburg, es gab noch einige \u00e4ltere Geschwister und die wurden von einer franz\u00f6sischen Gouvernante aufgezogen. Die zehnj\u00e4hrige Grete wurde dann aber nach St. P\u00f6lten zu den englischen Fr\u00e4uleins und sp\u00e4ter in eine Klosterschule nach Wien gegeben.<\/p>\n<p>Hilde Schm\u00f6lzer hat da mit einer \u00fcber neunzigj\u00e4hrigen Nonne gresprochen und schildert genau, wie hart und unerfreulich, das Klosterleben der kleinen M\u00e4dchen damals war.<\/p>\n<p>Der Bruder hat, glaube ich, das Gymnasium abgebrochen, fr\u00fch zu dichten angegefangen, dann eine Apothekenlehre gemacht und ist\u00a0 gemeinsam mit seiner Schwester nach Wien gegeangen, dort hat er Pharmazie, sie Klavier studiert. Der Bruder labil, depressiv, psychotisch, kontakt- und menschenscheu, schreibt Hilde Schm\u00f6lzer an mehreren Stellen, Drogen- und Alkoholabh\u00e4ngig, hat auch die Schwester in Kontakt mit Alkohol und Drogen gebracht.<\/p>\n<p>Sie hat ihr Studium auch mehrmals abgebrochen, ist nach Berlin gegangen und hat dort einen wesentlich \u00e4lteren Mann geheiratet.<\/p>\n<p>Da sie noch unm\u00fcndig war, haben die Mutter und ihr Vormund, Wilhelm Trakl, diese Ehe auch verhindern wollen. Sie hat sich aber durchgesetzt, was aber nicht gut gewesen schien, hat Arthur Lange, statt, wie er versprach, ihr Studium zu finanzieren, nur ihr Geld durchgebracht und die Ehe wurde auch bald geschieden.<\/p>\n<p>Georg Trakl scheint so sch\u00fcchtern gewesen zu sein, da\u00df er einen Freund mit der Herausgabe seiner Gedichte betraute, er kam dann bald auch in den &#8220;Brenner-Kreis&#8221;, eine damals sehr bedeutende Literaturzeitschrift, die von Ludwig von Ficker in Innsbruck herausgegeben wurde.<\/p>\n<p>Nach Innsbruck ist er nach seinem Studium auch gezogen, hat mehrmals versucht im b\u00fcrgerlichen Leben Fu\u00df zu fassen, das hei\u00dft, als Apotheker in mehreren Ministerien zu arbeiten und hat sich\u00a0 1914 freiwillig, obwohl er, wie Hilde Schm\u00f6lzer schreibt, weniger<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/12\/11\/wien-1914\/\"> kriegseuphorisch<\/a>, als andere seiner Zeitgenossen war, in den Krieg gemeldet.<\/p>\n<p>Er kam nach Gallizien und mu\u00dfte dann in einer Scheune neunzig Schwerstverwundeten beisstehen, was ihn \u00fcberforderte.<\/p>\n<p>Es kam zu einem Selbstmordversuch, er kam in ein Kriegsspital nach Krakau, wo er sich durch Kokain, 1914 das Leben nahm.<\/p>\n<p>Auch das ist nicht ganz bewiesen, ob es wirklichn Selbstmord\u00a0 war.\u00a0 Er vererbte seiner Schwester Grete sein Verm\u00f6gen, das er vorher durch eine Schenkung von Ludwig Wittgenstein bekommen hat.<\/p>\n<p>Zum Zeitpunkt seines Todes war erst ein Gedichtband erschienen, der zweite\u00a0 &#8220;Sebastian im Traum&#8221; erschien 2015. Er ist im Gegensatz zum Wunsch seiner Familie, in Innsbruck, statt in Salzburg begraben.<\/p>\n<p>Das Grab seiner Schwester, die sich drei Jahre sp\u00e4ter, 1917, das Leben nahm, ist dagegen unbekant.<\/p>\n<p>Von ihr gibt es auch nur wenige Fotografien, eine davon ziert das Titelbild\u00a0 und Hilde Schm\u00f6lzer f\u00fchrt, wie es, glaube ich, auch schon Virgina Woolf getan hat, die Phantasie weiter, was aus Margarete Trakl geworden w\u00e4re, wenn sie die gleichen M\u00f6glichkeiten wie ihr Bruder gehabt h\u00e4tte?<\/p>\n<p>Aber der ist auch sehr jung gestorben, sein Name allerdings in aller Munde, wenn auch die meisten wahrscheinlich seine Gedichte, die expressionistisch und wahrscheinlich aus ihrer Zeit zu verstehen sind, nicht gelesen haben.<\/p>\n<p>Das Schicksal einer b\u00fcrglichen Frau um Neunzehnhundert war aber wahrscheinlich nicht sehr erfreulich.<\/p>\n<p>Margarete Trakl hat auszubrechen und zu studieren versucht. Sie war, wie Hilde Schm\u00f6lzer vermutet, hoch musikalisch, wollte Komponistin werden. Aber das war zu damaliger Zeit unm\u00f6glich. So ist sie v\u00f6llig verarmt und verschuldet, in einem Berliner Hotel verstorben. Die Familie hat sich, wie Hilde Schm\u00f6lzer vermutet, ihrer gesch\u00e4mt. Die &#8220;Brenner Gesellschaft&#8221; wollte den Ruf des ber\u00fchmten Bruders rein halten. So wurde sie vielleicht zu seiner Verf\u00fchrerin stilisiert. Schuldgef\u00fchle scheinen beide gehabt zu haben und der Weltkrieg I hat die Gesellschaft auch sehr verr\u00fcttet und das, was danach geschehen ist, ist auch nicht viel erfreulicher und ich denke, wenn ich die B\u00fccher der heute schreibenden junge Frauen, wie beispielsweise das von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/08\/08\/axolotl-roadkill\/\">Helene Hegemann<\/a> oder <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/12\/29\/meine-schone-schwester\/\">Ekatharina Heider<\/a> lese, da\u00df es die auch nicht viel leichter haben, auch wenn sie problemlos studieren k\u00f6nnen und es einige von ihnen sogar zum <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/05\/30\/frauenpower-beim-bachmannpreis\/\">Bachmannpreis<\/a> schaffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt nicht das letzte, sondern das vorletzte Buch meiner Autorenkollegin Hilde Schm\u00f6lzer, das sie mir zum vorigen Geburtstag brachte,\u00a0 das schon 2013 erschienen ist. 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