{"id":40058,"date":"2015-11-30T00:34:43","date_gmt":"2015-11-29T23:34:43","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=40058"},"modified":"2015-11-30T00:34:43","modified_gmt":"2015-11-29T23:34:43","slug":"blumenberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=40058","title":{"rendered":"Blumenberg"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt gehts wieder zum <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/07\/09\/deutscher-buchpreis\/\">Long-beziehungsweise Shortlistenlesen<\/a>, allerdings zu dem von 2011, denn mit<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/11\/13\/die-erfindung-der-roten-armee-fraktion-durch-einen-manisch-depressiven-teenanger-im-sommer-1969\/\"> 2015<\/a> bin ich ja schon fertig und zwar zu Sibylle Lewitscharoffs &#8220;Blumenberg&#8221; das ich in einer der offenen Bibliotheken fand.<\/p>\n<p>Die 1954 in Stuttgart geborene &#8220;B\u00fcchnerpreis-Tr\u00e4gerin&#8221;, bulgsrischer Abstammung ist mir seit ihrer &#8220;Bachmannpreislesung&#8221; ein Begriff.<\/p>\n<p>&#8220;Pong&#8221; mit dem sie damals gewonnen hat, habe ich nicht gelesen, wohl aber &#8220;Montgomery&#8221;, das ich bei einem der B\u00fcchert\u00fcrme der &#8220;Lyrik im M\u00e4rz&#8221; fand und das mir ein wenig unverst\u00e4ndlich schien.<\/p>\n<p>So habe ich Sibylle Lewitscharoff, die ich auch einmal in Wien in der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/06\/17\/bloomsday-und-apostoloff\/\">&#8220;Alten Schmiede&#8221;<\/a> kennenlernte, eingesch\u00e4tzt und war\u00a0 als sie am <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/17\/buchmessen-surfing\/\">&#8220;Blauen Sofa&#8221;<\/a> &#8220;Blumenberg vorstellte und erkl\u00e4rte, da\u00df sie &#8220;Selbstm\u00f6rder hassen w\u00fcrde&#8221;, erst einmal erstaunt, \u00fcber ihre starken Worte.<\/p>\n<p>&#8220;So was sagt man doch nicht!2<\/p>\n<p>Damals wu\u00dfte ich noch nicht, da\u00df sich ihr Vater umgebracht hat, jetzt kann ichs verstehen, man sagts aber wahrscheinlich doch eher nur dem Therapeuten oder seinen Freunden denen man vertrauen kann, da\u00df sie das nicht mi\u00dfverstehen, au\u00dfer man ist Schriftstellerin und st\u00e4ndig darauf geschult, das was man sagen und schreiben will, in den drastischsten Worten auszudr\u00fccken, weil das andere ja <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/10\/07\/augustin-schreibwerkstatt\/\">niemanden interessiert!<\/a><\/p>\n<p>So deute ich es mir inzwischen, denn ich war \u00fcber ihre scharfen Worte bez\u00fcglich &#8220;<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/08\/21\/amazon-bashing\/\">Amazon&#8221;<\/a> auf der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/11\/21\/buch-wien-eroffnung\/\">&#8220;Buch-Wien&#8221;<\/a> auch etwas erstaunt und denke &#8220;Amazon&#8221; ist zwar ein wahrscheinlich sehr gesch\u00e4ftst\u00fcchtiger Konzern, der keine R\u00fccksicht auf seine Konkurrenten und Arbeitnehmer nimmt, er hat aber die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/30\/kehrtwende\/\">&#8220;Selbstpublisher&#8221;<\/a> ein wenig aus der Schmuddelecke herausgebracht, ich publiziere\u00a0 meine Sachen dort zwar nicht, hasse den Konzern aber nicht, ich kaufe dort nur kaum ein, was ich allerdings auch nicht bei <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/08\/21\/spaziergang-zum-no-pressehaus-und-anna-jellers-facebookseite\/\">Anna Jeller <\/a>tue, au\u00dfer sie w\u00fcrde mir etwas um einen Euro in die Kiste legen.<\/p>\n<p>Das hat aber auch noch niemanden ger\u00fchrt, bei ihrer Rede \u00fcber die Retortenbabies die &#8220;Halbwesen w\u00e4ren&#8221;, war das\u00a0 pl\u00f6tzlich anders. Da hat sich die H\u00e4me auf die Schriftstellerin gekippt. Sie wurde, glaube ich, &#8220;D\u00e4mliche schw\u00e4bische Hausfrau&#8221; genannt, der man den B\u00fcchernerpreis wieder abnehmen sollte.<\/p>\n<p>Sie hat es gelassen genommen und einen Krimi geschrieben, den ich dann in meinem <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_miranda.html\">&#8220;Schutzengelchen&#8221;<\/a> ein wenig verarbeitet habe.<\/p>\n<p>Nun also &#8220;Blumenberg&#8221;, die Geschichte von dem Philosophen Hans Blumenberg, der in dem deutschen St\u00e4dtchen M\u00fcnster lehrte, wo er in den Neunzigerjahren verstorben ist, dem behauptete Sibylle Lewitscharoff, ist ein L\u00f6we erschienen und f\u00fchrt das auf etwas \u00fcber zweihundert Seiten\u00a0 aus und ich schreibe es gleich, das Buch und die Sprache haben mir sehr gut gefallen, wenn man auch nachtr\u00e4glich betrachtet, sagen k\u00f6nnte, sehr viel ist da nicht passiert!<\/p>\n<p>Oder doch nat\u00fcrlich, der ganze Miff einer deutschen Kleinuniversit\u00e4tsstadt mit ihren WGs und Nachkriegstraumatisierungen wird da gekonnt und sehr spannend aufgerollt.<\/p>\n<p>Also Hans Blumenberg sitzt nachts in seinem Studierst\u00fcbchen und sortiert seine Karteikarten, als der L\u00f6we auftaucht, der verfolgt ihn auch in seine Vorlesungen. Au\u00dfer ihm kann ihm nur eine alte Nonne sehen, seine Studenten, das M\u00e4dchen Isa, das immer in der ersten Reihe sitzt,\u00a0 Gerhard Baur, der in seine Sprechstunde kommt, der Au\u00dfenseiter Hansi und auch Richard, der sp\u00e4ter nach S\u00fcdamerika ausr\u00fcckt und dort ermordet wird, aber nicht.<\/p>\n<p>Hans Blumenberg f\u00fchrt, wie wahrscheinlich auch Kant, ein sehr geregeltes spartanisches Leben. Ach nein, er f\u00e4hrt einen Peugeot und da nimmt er einmal Isa, die in ihm verknallt ist mit, nimmt sie aber als Frau nicht wahr, sagt nur &#8220;Fr\u00e4ulein&#8221; zu ihr und so legt sie ihm Blumen vor das Tor, die er nie bekommt, dann kleidet sie sich wei\u00df, setzt sich aufs Fahhrad und l\u00e4\u00dft sich von einem Lastwagen der Firma Zapf \u00fcberrollen.<\/p>\n<p>Richard nimmt sich, wie schon geschrieben, zwei Jahre Auszeit, um nach S\u00fcdamerika zu reisen, wird dort von der kindlichen Maria in die Falle gelockt und Gerhard wird nach Blumenbergs Tod Professor in einer anderen deutschen Stadt, Hansi wird verr\u00fcckt, die Nonne stirbt, wie Blumenberg auch, der sich inzwischen an seinen L\u00f6wen gew\u00f6hnt hat und mit ihm sein Leben und seine Vergangenheit reflektiert und am Schlu\u00df treffen sich alle f\u00fcnf in einer H\u00f6hle, um sich das H\u00f6hlengleichnis zu erz\u00e4hlen, sage ich nun einmal flapsig und habe mein Urteil \u00fcber Sibylle Lewitscharoff revidiert.<\/p>\n<p>Sie schreibt ein wenig schw\u00fclstig flapsig vielleicht, das aber sehr raffiniert und intelligent und konnte mit der etwas kitschigen L\u00f6wengeschichte, wie ich es nennen will, sehr scharf und klar das studentische deutsche Kleinstadtleben der Neunzehnhundertachtzigerjahre skizzieren, zumindest stelle ich mir vor, da\u00df es so gewesen ist.<\/p>\n<p>Von der <a href=\"http:\/\/www.deutscher-buchpreis.de\/archiv\/jahr\/2011\/#tab-longlist\">LL 2011<\/a> habe ich <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/26\/verfahren\/\">&#8220;Verfahren<\/a>&#8220;, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/02\/13\/der-hals-der-giraffe\/\">&#8220;Der Hals der Giraffe&#8221;<\/a>, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/01\/die-schmerzmacherin\/\">&#8220;Die Schmerzmacherin&#8221;<\/a> und Eugen Ruges <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/02\/10\/in-zeiten-des-abnehmenden-lichts\/\">&#8220;In Zeiten des abnehmenden Lichts&#8221;<\/a> gelesen, der auch der Preistr\u00e4ger war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt gehts wieder zum Long-beziehungsweise Shortlistenlesen, allerdings zu dem von 2011, denn mit 2015 bin ich ja schon fertig und zwar zu Sibylle Lewitscharoffs &#8220;Blumenberg&#8221; das ich in einer der offenen Bibliotheken fand. 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