{"id":39960,"date":"2015-11-26T00:54:00","date_gmt":"2015-11-25T23:54:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=39960"},"modified":"2015-11-26T00:54:00","modified_gmt":"2015-11-25T23:54:00","slug":"auf-watte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=39960","title":{"rendered":"auf watte"},"content":{"rendered":"<p>Es ist eine <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/04\/25\/joseph-roths-legende\/\">&#8220;Legende des heiligen Trinkens&#8221; <\/a>oder eine \u00fcber die Trauer, die GAV-Kollegin Andrea Stift, auch eine <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/03\/25\/die-mittleren-iv\/\">Mittlere<\/a>, 1976 in der Steiermark geboren, da in kurzen sprachlich sehr brillanten, manchmal etwas boshaften Kapiteln, da \u00fcber die H\u00e4rten unseres Lebens erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Roman steht nicht in dem &#8220;Leykam-B\u00fcchlein&#8221;, es ist wahrscheinlich auch keiner, eher eine Prosakizzenansammlung \u00fcber einen Lebensweg.<\/p>\n<p>Da ist einer, der namenlosen Ich-Erz\u00e4hlung, junge Frau steht am Klappentext, der Vater weggestorben;<\/p>\n<p>&#8220;Was ich nicht kann: \u00fcber meinen Vater schreiben. Er ist tot. Mein Vater hat sich selbst get\u00f6tet, bvevor es der Krebs tun konnte.&#8221;<\/p>\n<p>Damit ist schon alles gesagt oder doch nicht ganz, denn da gibt es den Ha\u00df auf die Mutter, einer Trinkerin, mit der die Erz\u00e4hlerin offenbar zusammenlebte, das nun nicht mehr tun will, sie in ein Heim abschiebt und deshalb vielleicht auch Schuldgef\u00fchle hat: &#8220;Man gibt seine Mutter n\u00e4mlich nicht ins Heim.&#8221;<\/p>\n<p>Aber ein Zusammenleben w\u00e4re unm\u00f6glich und w\u00fcrde sie, wie sie schreibt, nicht ertragen. Trotzdem f\u00e4hrt sie oft mit dem Fahhrad in das private Pflegeheim, das von einer Arztgattin, von allen Feldwebel genannt, geleitet wird und wird von den Bewohnern\u00a0 liebevoll aufgenommen, die alle das tun, was man in diesem Heim offenbar darf, n\u00e4mlich rauchen und trinken.<\/p>\n<p>So geht sie vorher in den billigen Supermarkt, im Heim wird der Alkohol nur verteuert abgegeben, aber die Heimkosten sind so hoch, das nur ein wenig Taschengeld \u00fcberbleibtbleibt, das die Feldwebelin dann auch noch in Raten ausgeben l\u00e4\u00dft, kauft &#8220;sechs Dosen Bier, zwei Flaschen Sekt und ein paar Magenbitter&#8221; ein und verstaut sie in ihre Fahrradtaschen.<\/p>\n<p>Im Heim lernt sie auch Cornel, einen rum\u00e4nischen T\u00e4nzer, mit stark verbandagierten F\u00fc\u00dfen kennen und verliebt sich in ihm.<\/p>\n<p>Sonst geht es viel ums Trinken und um die Selbsteinsch\u00e4tzung, da\u00df man ja jederzeit aufh\u00f6ren kann, sich versch\u00e4tzt, zu schwach dazu ist, zuerst noch ein paar Tage lang nichts trinkt, dann aber immer mehr und immer \u00f6fter und der Gang zur Bank, wo man der Beraterin etwas von einem Job vorl\u00fcgen mu\u00df, den man bald bekommen wird, ist sehr unangehehm.<\/p>\n<p>Sie verliert auch bald ihren Job, geht aber und das ist vielleicht ein bi\u00dfchen unrealistisch nicht aufs AMS, sondern putzen, weil sie vom Beh\u00f6rdenkram nichts h\u00e4lt, geht auch in die\u00a0 Erinnerung zur\u00fcck. Kindheitsstationen werden geschildert, wie die Mutter in einer Trinkerheilanstalt war und sie von ihr einen Teddyb\u00e4r geschenkt bekam, wie sie nach dem Tod des Vaters die Wohnung putzte, wie sie ihn schon einmal im Krankenhaus besuchte und und und&#8230;<\/p>\n<p>Sie landet sie selber in dem fr\u00f6hlichen Trinkerheim, das wahrscheinlich gar kein solches ist, denn die Feldwebelin will nur das Geld ihrer Klienten. So steht es im Klappentext und ist wahrscheinlich auch oft so in der Realit\u00e4t.In dem Buch selber gar nicht so, da wird zwar umgebaut und es gibt billiges Essen, davon aber dreimal am Tag und zwischendurch noch Jausen, so da\u00df alle aufquellen und weitertrinken.<\/p>\n<p>Am Schlu\u00df stirbt Cornel und hinterl\u00e4\u00dft einen Abschiedsbrief indem er sich f\u00fcr all die gro\u00dfen L\u00fcgen entschuldigt &#8220;denen ich und alle anderen verfallen waren. Das war der Traum von Cornel, dass er einmal Ballettt\u00e4nzer werden w\u00fcrde. Stattdessen wurde er Trinker.&#8221;<\/p>\n<p>Und damit das nicht so tragisch endet, gibt es auf der letzten Seite noch ein &#8220;Alternativ&#8221; das mit &#8221; Ich brauche ein Aspirin&#8221; endet und ich bleibe ein wenig ratlos zur\u00fcck, denn wahrscheinlich ist das Buch f\u00fcr mich\u00a0 ein wenig zu hart gewesen, zu gef\u00fchllos oder auch zu satirisch von den H\u00e4rten dieses Lebens erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Vielleicht ist der schonungslose Ton Andrea Stift von der ich schon <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/01\/13\/reben\/\">&#8220;Reben&#8221;<\/a>,<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/04\/26\/klimmen\/\"> Klimmen&#8221;<\/a>, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/12\/02\/wilfert-und-der-schatten-des-klapotez\/\">&#8220;Wilfert und der Schatten des Klapotetz&#8221;<\/a> und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/12\/04\/elfriede-jelinek-spielt-gameboy\/\">&#8220;Elfiriede Jelinek spielt Gameboy&#8221; <\/a>gelesen habe, doch nicht so\u00a0 das meine, obwohl ich mich mit dem <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_kerstinsachterl.html\">Trinken<\/a> und, wie man damit umgehen kann, schon literarisch besch\u00e4ftigt habe und mit dem Leben in <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_vergessen.html\">Demenz<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_sterben.html\">Altersheimen<\/a> auch.<\/p>\n<p>Eine Alternative, wo es auch um das grausame\u00a0 <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/09\/09\/unbarmherziges-gluck\/\">Leben in Altersheimen und dem Trinken dort geht<\/a>, w\u00e4re Max Bl\u00e4ulich, der das Ganze vielleicht noch etwas grotesker erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist eine &#8220;Legende des heiligen Trinkens&#8221; oder eine \u00fcber die Trauer, die GAV-Kollegin Andrea Stift, auch eine Mittlere, 1976 in der Steiermark geboren, da in kurzen sprachlich sehr brillanten, manchmal etwas boshaften Kapiteln, da \u00fcber die H\u00e4rten unseres Lebens &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=39960\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[3195,1023,5257,5258],"class_list":["post-39960","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-andrea-stift","tag-oesterreichische-gegenwartsliteratur","tag-trauer","tag-trinken"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39960","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=39960"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39960\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=39960"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=39960"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=39960"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}