{"id":39692,"date":"2015-11-12T00:44:28","date_gmt":"2015-11-11T23:44:28","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=39692"},"modified":"2015-11-12T00:44:28","modified_gmt":"2015-11-11T23:44:28","slug":"am-ufer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=39692","title":{"rendered":"Am Ufer"},"content":{"rendered":"<p>Nun kommt ein schon ziemlich aufgel\u00f6stes Leseexemplar von Rafael Chirbes &#8220;Am Ufer&#8221;.<\/p>\n<p>&#8220;Liebe Kollegen, bitte keine Besprechungen vor dem 15. 1. 2014&#8221; und nach dieser Zeit habe ich das Buch, es hatte, glaube ich, schon einen zerknitterten R\u00fccken, irgendwo in den Schr\u00e4nken gefunden und Rafael Chirbes, von dem ich jetzt erst mitbekommen habe, da\u00df er am <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/08\/15\/zwei-geburtstage-und-ein-fest\/\">f\u00fcnfzehnten August <\/a>gestorben ist, habe ich und da bin ich stolz darauf, bei meinem ersten <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/10\/19\/wieder-zuruck-aus-frankfurt\/\">Frankfurt-Buchmessensurfen 2008<\/a> kennengelernt.<\/p>\n<p>Da wurde <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/12\/25\/krematorium\/\">&#8220;Krematorium&#8221; vorgestellt, da\u00df ich dann in einer Abverkaufkiste<\/a> fand und da\u00df ich &#8220;Mimoun&#8221; schon 2005 oder 2006 in der &#8220;Buchlandungs-Abverkaufskiste&#8221; auf der Mariahilfestra\u00dfe, um einen Euro kaufte, bin ich auch erst sp\u00e4ter daraufgekommen und habe den Spaner damals wohl auch wegen der &#8220;Wagenbach-Ausgabe&#8221; f\u00fcr einen Italiener gehalten.<\/p>\n<p>&#8220;Krematorium&#8221; Ende 2013 gelesen hat mir dann gar nicht so gefallen und &#8220;Am Ufer&#8221;, jetzt ist die Immobilienblase endg\u00fcltig zerplatzt und alles in den Bach beziehungsweise in den Sumpf hinuntergeschwommen, ist, w\u00fcrde ich sagen ein fast \u00e4hnlich schwer zu lesendes Buch, wie der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/10\/26\/das-bessere-leben\/\">Ulrich Peltzer<\/a> und ich w\u00fcrde auch gerne wissen, wie die Bucherblogger mit ihm umgegangen sind oder es w\u00fcrden?<\/p>\n<p>Denn dieser endlos Monolog des Don Estebans liest sich nicht einfach und es gibt auch immer wieder zwischendurch kursiv eingestreute andere Erz\u00e4hlstimmen, so habe ich fast eine Woche dazu gebraucht, obwohl auch bei mir andere B\u00fccher warten, beispielsweise der Frank Witzel, aber um diesen Unbill vorzubeugen, gibt es ein beigelegtes Blatt, auf dem alle bzw. die meisten Personen angegeben sind.<\/p>\n<p>Es ist ja ein besonderes Buch, &#8220;mein pers\u00f6nliches Leseexemplar&#8221;, das ich da gefunden habe.<\/p>\n<p>Es gibt ein Vorwort von Antje Kunstmann, der Verlegerin an die &#8220;Lieben Kolleginnen, liebe Kollegen!!&#8221;, ob die Buchh\u00e4ndler damit gemeint sind und ein beigelegtes Faxformular f\u00fcr R\u00fcckmeldungen. Dann ein Bild von Rafael Chirbes und ein Portrait von ihm, wo sein Leben geschildert wird und er selbst sagt, da\u00df er jetzt nicht mehr viel schreiben und mehr kochen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Das ist jetzt auch vorbei und &#8220;Am Ufer&#8221; h\u00f6chstwahrscheinlich, der letzte Chirbes, der erscheint, aber nicht der, den ich lesen werde, denn da gibt es ja au\u00dfer &#8220;Mimoun&#8221;\u00a0 noch den &#8220;Fall von Madrid&#8221;, ebenfalls ein Fund aus dem B\u00fccherschrank auf meiner Leseliste.<\/p>\n<p>Man sieht, ich bin fast eine Chirbes-pezialistin und seine Themen, seine sozialkritischen Anklagen m\u00fc\u00dften mir ja auch sehr liegen, sein m\u00e4nnlicher Ton, in dem er da von den Huren und anderen Freuden des Mannes erz\u00e4hlt, eher nicht.<\/p>\n<p>Aber alles in allem hat mir das Buch gefallen, obwohl ich mir \u00f6fter dachte, wenn ich einen solchen Endlosmonolog abliefere, schmei\u00dfen ihn mir die Leute vor die F\u00fc\u00dfe, aber das tue ich ja <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/01\/29\/lesarten-der-sprachkust-studentenlesung\/#comments\">auch<\/a>, wenn auch in einer weiblicheren stilleren Art.<\/p>\n<p>Da sind also vierhundert Seiten, die vom Niedergang des spanischen oder\u00a0 \u00fcberhaupt\u00a0 des allgemeinen Globalisierungsleben erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Das erste Kapitel ist sehr kurz, da geht Ahmed, der in Don Estebans Schreinerei gearbeitet hat, bevor diese geschlo\u00dfen wurde, in den Sumpf, sieht dort menschliche Gebeine und ein abgefacktes Auto und flieht aus Angst von der Polizei behelligt zu werden. Dann kommt der Hauptteil des Buches, n\u00e4mlich fast vierhundert Seiten, in denen Don Esteban sein Leben schildert, bevor er und sein Vater in den Sumpf gehen, weil er ein Opfer der Spekulanten geworden ist, die Schreinerei beschlagnahmt, kein Geld mehr im Haus, die kolumbianische Pflegerin entlassen, die anderen Arbeiter arbeitslos, etcertera und der, der ihn in den Ruin getrieben hat, der Bauunternehmener Pedros tafelt\u00a0\u00a0 im dritten kurzen &#8220;Exodus&#8221; mit anderen Bauunternehmern Hummer, S\u00fc\u00dfigkeiten, Paella, etcetera bis wahrscheinlich zum Exodus, denn er hat sich rechtzeitig mit Estebans Geld abgesetzt und der hat die Schei\u00dfe auszul\u00f6ffeln.<\/p>\n<p>Das ist jetzt wieder eine Kurzfassung des Inhaltes, den man sich eigentlich auch aus der Beschreibung und den Beilagen zusammenreimen kann.<\/p>\n<p>Wozu so kompliziert, k\u00f6nnte man dann fragen?<\/p>\n<p>Die ganze spanische Geschichte kommt noch herein und es wird auch genau erl\u00e4utert, da\u00df der Mensch eine Bestie ist, weil er\u00a0 Fisch i\u00dft, Tiere schie\u00dft, beziehungsweise, das, was eigentlich stinkt, als teuere Delikatessen verkauft, die anderen Menschen ausbeutet, verkauft, versklavt, etcetera.<\/p>\n<p>Der Stra\u00dfenstrich wird geschildert zu dem dann die ausl\u00e4ndischen Arbeiter und die Fernfahrer gehen und die Unterdr\u00fcckung der kolumbianischen Pflegerin Liliana, die vorher Don Estebans alten Vater pflegte.<\/p>\n<p>Jetzt tut er das allein, w\u00e4scht ihm, wechselt ihm die Windeln und hat vielleicht auch Schuldgef\u00fchle, denn er hat ja das Familienunternehmen verspekuliert. Er hat aber\u00a0 auch nicht Schreiner werden wollen, sondern wurde von seinem Vater und seinem Gro\u00dfvater dazu gezwungen, die aus sozialistischen Familien kamen. Der Vater hat eine Bauerntochter geheiratet und sein Freund Francisco, der Gourmetkritiker kam auch aus besseren Kreisen, mit dessen verstorbener Frau Leonor er ein Verh\u00e4ltnis hatte und so spult sich sein ganzes Leben ab, bevor dann das passiert, wovor der markkanische Ex-Arbeiter am Anfang fl\u00fcchtete.<\/p>\n<p>Rafael Chirbes nimmt sich kein Blatt vor den Mund, erz\u00e4hlt alles in einer rauhen deftigen Sprache und hat\u00a0 damit wahrscheinlich auch sein Leben zu Ende erz\u00e4hlt. Denn er ist ja inzwischen auch in die S\u00fcmpfe gegangen und das, was von der Spanischen oder Weltwirtschaftskrise \u00fcbergeblieben ist, k\u00f6nnen wir t\u00e4glich im Radio oder Fernsehen verfolgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun kommt ein schon ziemlich aufgel\u00f6stes Leseexemplar von Rafael Chirbes &#8220;Am Ufer&#8221;. &#8220;Liebe Kollegen, bitte keine Besprechungen vor dem 15. 1. 2014&#8221; und nach dieser Zeit habe ich das Buch, es hatte, glaube ich, schon einen zerknitterten R\u00fccken, irgendwo in &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=39692\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[825,5239,5240],"class_list":["post-39692","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-globalisierungsroman","tag-rafael-chirbes","tag-spanische-gegenwartsliteratur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39692","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=39692"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39692\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=39692"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=39692"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=39692"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}