{"id":39436,"date":"2015-10-30T00:14:33","date_gmt":"2015-10-29T23:14:33","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=39436"},"modified":"2015-10-30T00:14:33","modified_gmt":"2015-10-29T23:14:33","slug":"ueber-den-winter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=39436","title":{"rendered":"\u00dcber den Winter"},"content":{"rendered":"<p>Der Endspurt naht, Rolf Lapperts &#8220;\u00dcber den Winter&#8221; ist das achtzehnte <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/08\/19\/der-longlistenstart\/\">Longlist-<\/a> sowie, das f\u00fcnfte auf der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/09\/16\/shortlist-reflexionen\/\">Shortlist <\/a>das ich lese, eines das die <a href=\"http:\/\/buzzaldrins.de\/2015\/09\/15\/die-shortlist-favoriten-der-buchpreisblogger\/\">B\u00fccherblogger,<\/a> nicht auf ihtre Shortlist setzten und dann, als sie es gelesen hatten, vermehrt <a href=\"https:\/\/klappentexterin.wordpress.com\/2015\/10\/02\/kalt-ist-die-wirklichkeit-warm-sind-die-worte\/\">den<\/a> <a href=\"http:\/\/buchrevier.com\/2015\/09\/30\/nichts-fuer-hoffnungstraeger\/\">Preis<\/a> <a href=\"http:\/\/kaffeehaussitzer.de\/wohin-geht-die-reise\/\">zusprachen <\/a>und ich schlie\u00dfe mich ihnen, glaube ich, an, obwohl ich Frank Witzel noch nicht gelesen habe und meine pers\u00f6nliche <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/09\/05\/baba-dunjas-letzte-liebe\/\">Shortlist<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/08\/25\/eins-im-anderen\/\">eigentlich<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/08\/28\/applaus-fuer-bronikowski\/\">schon<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/09\/15\/gehen-ging-gegangen\/?preview_id=38557\">sechs<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/09\/26\/siebentuermeviertel\/\"> Titel <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/10\/10\/die-stunde-zwischen-frau-und-gitarre\/\">hat<\/a>.<\/p>\n<p>Jetzt k\u00f6nnte ich die Alina Bronky als zu flapsig, zu sehr Allgemeingeschmack, wieder hinunterstreichen. Ich k\u00f6nnte sie aber darauf lassen, denn wer sagt, da\u00df eine Shortlist nur sechs B\u00fccher hat und meine Meinung ist auch ohnehin trivial und scheint niemanden zu interessieren.<\/p>\n<p>Einer der B\u00fccherblogger hat es, glaube ich, als ein tieftrauriges Buch bezeichnet oder das trauigste, das er je gelesen hat, ein anderer, da\u00df das nur ein Buch f\u00fcr F\u00fcnfzigj\u00e4hrige sei und h\u00e4tte er es mit zwanzig gelesen, h\u00e4tte er es weggeschmissen.<\/p>\n<p>Ein Satz der mich, der ich es ja nicht so mit den B\u00fccherwegschmei\u00dfen habe, bedenklich macht, aber ich habe auch etwas l\u00e4nger gebraucht, mich in das Buch hineinzufinden.<\/p>\n<p>Zuerst h\u00e4tte ich es, wie das von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/09\/04\/die-liebenden-von-mantue\/?preview_id=38224\">Ralph Dutli<\/a> ein wenig aufgesetzt gefunden, dann aber gedacht, da\u00df es das hat, was <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/10\/23\/buchpraesentation\/\">ich gerne k\u00f6nnte<\/a>, die Realit\u00e4t n\u00e4mlich so abgehoben, da\u00df es als literisch gilt und was mir beim Kay Weyandt ein wenig fehlte, zu schildern.<\/p>\n<p>Also da ist Lennard Salm, an die F\u00fcnfzig, ein Konzeptk\u00fcnstler, offenbar erfolgreich, obwohl das nirgend so genau steht, in New York lebend. Zu Beginn des Buches, ist er aber an irgendeinem Stand, wahrscheinlich in Italien, wo das Schwemmgut der Bootsfl\u00fcchtlinge herangetrieben wird und er ist da, um das zu fotografieren und ein Kunstprojekt daraus zu machen.<\/p>\n<p>Deshalb wohnt er in der seltsam heruntergekommenen Feriensiedlung seines M\u00e4zens Wieland und diese Siedlung ist wirklich irgendwie seltsam. Zwar geh\u00f6rt sie Million\u00e4ren, aber es ist alles verlassen, kaum jemand da, au\u00dfer ein paar der Besitzer, mit denen Salm pokert und schon seine Uhr, sein Handy, seine Kamera, etcetea an sie verloren hat.<\/p>\n<p>In der Nacht kommen auch Jugendliche, um Steine auf die Siedlung zu werfen, und die Polizei scheint sich um all das nicht zu k\u00fcmmern. Ein sehr verlorenes Endzeitbild, wie die LL ja <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/09\/20\/winters-garten\/?preview_id=38674\">einige<\/a> zu bieten hat.<\/p>\n<p>Salm geht, als er seine Kamera wieder hat, an den Strand um zu fotografieren und findet dort ein toten Baby, das einfach begraben wird, weil die Polizei f\u00fcr tote Kinder offenbar nicht mehr zust\u00e4ndig ist.<\/p>\n<p>Dann bekommt er einen Anruf seines M\u00e4zens, seine Schwester ist gestorben und er mu\u00df nach Hamburg, von wo er herstammt, zum Begr\u00e4bnis.<\/p>\n<p>Auch da geht es bizarr weiter. Der M\u00e4zen schenkt ihm am Flugplatz ein Handy und einen Mantel, denn in Hamburg ist es Winter und sehr kalt, quartiert ihn in einem guten Hotel ein. Er geht aber in eines namens &#8220;Babylon&#8221;, kauft sich bei einem t\u00fcrkischen Tandler einen schwarzen Anzug und f\u00e4hrt auf den Friedhof, wo er seine Familie wiedertrifft. Die Schwester Bille, auch eine verkappte K\u00fcnstlerin, Regieassistentin, die im Laufe des Buches ihren Job verliert, den Vater Albert, der im heruntergekommenen Stadtteil Wilhelmsburg mit seiner polnischen Pflegerin Bascha lebt und damit er sie sich leisten kann, hat er die meisten M\u00e4\u00f6beln verkauft. Die Mutter eine Norwegerin, zu der Salm wegen ihrer Strenge ein sehr schwieriges Verh\u00e4ltnis hat, ist aus Amerika, wo sie jetzt lebt, gekommen und dann gibt es noch den j\u00fcngerne Bruder Paul, der aber nicht das Kind von Albert ist.<\/p>\n<p>Bille will, da\u00df Salm bei ihr wohnt, der Vater will das ebenfalls, so kommt er in das herabgekommene Viertel, wo es nur mehr einen alten Friseur, ein leeres Reiseb\u00fcro und eine imb\u00dfbude gibt und als er das Haus betreten will, wird er von einem Jugendlichen mit einem Revolver bedroht. Ja so ist das offenbar in den heruntergekommenen Vierteln in unseren Krisenzeiten.<\/p>\n<p>Der Junge hei\u00dft Lorenz und lebt mit seiner Mutter in der Wohnung der Gro\u00dfmutter, die liegt im Bett und h\u00f6rt den ganzen Tag klassische Musik, dann gibt es noch eine andere alte Frau in dem Haus, die im Verlauf des Buches stirbt und die in ihrer Wohnung alte Zeitungen angesammelt hat, um sich von der K\u00e4lte zu sch\u00fctzen und den Hausherrn und dessen Sohn Armin mit der Hasenscharte, den der Vater, weil man das, was Gott gibt, nicht wegmachen soll, nie oiperieren lie\u00df und der deshalb zum Gesp\u00f6tt der anderen wurde. Armin versogt den alten Mann, der im Bett liegt und dreht ihm zur Strafe auf sieben Fernsehern, die Musik auf, die er die er als Jugendlicher nicht h\u00f6ren durfte.<\/p>\n<p>Man sieht schon, die ganze Bandbreite des Schnitzerlischen &#8220;Weiten Landes&#8221; kommt hier zum Tragen und einen Koffer, der beim Flug nach Hamburg verloren gegangen ist, gibt es auch. Den schickt die &#8220;Alitalia&#8221; durch die ganze Welt und sendet Salm immer wieder Mails mit der Nachricht wo er sich gerade befindet. Am Schlu\u00df bekommt er ihn zur\u00fcck, aber da hat sich schon einiges ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Der Junge hat ein Pferd gefunden, das er und Salm aufp\u00e4ppeln und im Hof verstecken. Er\u00a0 beginnt auch eine fl\u00fcchtige Beziehung zu seiner Mutter, aber beide verlassen das Haus, denn die Gro\u00dfmutter ist schon l\u00e4ngst gestorben und Nadja hat nur, um den Hausherrn zu t\u00e4uschen, die Musik laufen lassen.<\/p>\n<p>Jetzt geht sie zu ihrem Mann nach Kiel zur\u00fcck, der Junge will nicht mit, hat aber keine Wahl und Salm will sich mit seiner Mutter eigentlich nicht vers\u00f6hnen, obwohl die einen R\u00fcckzieher macht und ihren Kindern jetzt das &#8220;mit f\u00fcnfzig all das schnekt, was sie mit f\u00fcnf nicht haben durften.&#8221;<\/p>\n<p>Und Salm will eigentlich als Hausmeister in dem Haus bleiben, das Pferd pflegen, Geld ausgeben, das er nicht hat und nicht mehr K\u00fcnstler sein. Sich nicht mehr mit dem Irrsinn der Welt besch\u00e4ftigen, in dem er tote Kinder und das Strandgut von Fl\u00fcchtlingen in Galerien ausstellt, das dann von der Haut Voile mit Sekt beklatscht wird.<\/p>\n<p>Aber wie soll das gehen, da Armin nur mehr auf den Tot des Vaters wartet, um das Haus zu verkaufen und sein Vater mit Bascha nach Polen zieht, wo es w\u00e4rmer, sch\u00f6ner, gr\u00f6\u00dfer ist, um seinen Lebensabend zu verbringen oder ein neues zu beginnen?<\/p>\n<p>Man wei\u00df es nicht, aber ich denke, da\u00df hier das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=39368\">&#8220;Bessere Leben&#8221; <\/a>wahrscheinlich verst\u00e4ndlicher geschildert wurde. Besser wahrscheinlich nicht, denn in einer Welt wie dieser, ist das wahrscheinlich gar nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Der 1958 in Z\u00fcrich geborene Rolf Lappert, der schon einmal auf der Shortlist stand und von dem ich schon die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/05\/05\/die-gesange-der-verlierer\/\">&#8220;Ges\u00e4nge der Verlierer&#8221;<\/a> gelesen habe, ist das, ich will nicht sagen meisterhaft, weil mir das zu kitschig klingt und ich auch nicht die Phrase &#8220;\u00fcberzeugt&#8221; mag, aber doch sehr eindringlich gelungen.<\/p>\n<p>Also ein neuer Favorit in meinem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?s=zwanzig+aus+167%28000%29\">Buchpreisranking<\/a> und jetzt wartet\u00a0 noch ein Buch eines in der Schweiz Lebenden mit Weltuntergangsstimmung auf mich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Endspurt naht, Rolf Lapperts &#8220;\u00dcber den Winter&#8221; ist das achtzehnte Longlist- sowie, das f\u00fcnfte auf der Shortlist das ich lese, eines das die B\u00fccherblogger, nicht auf ihtre Shortlist setzten und dann, als sie es gelesen hatten, vermehrt den Preis &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=39436\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9,138],"tags":[5137,656,5224,1259],"class_list":["post-39436","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","category-buchpreisbloggen","tag-dbp-2015","tag-longlistenlesen","tag-rolf-lappert","tag-schweizer-literatur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39436","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=39436"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/39436\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=39436"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=39436"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=39436"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}