{"id":39368,"date":"2015-10-26T00:52:00","date_gmt":"2015-10-25T22:52:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=39368"},"modified":"2015-10-26T00:52:00","modified_gmt":"2015-10-25T22:52:00","slug":"das-bessere-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=39368","title":{"rendered":"Das bessere Leben"},"content":{"rendered":"<p>Wieder mal ein Buch, das mich etwas ratlos macht, das ich wahrscheinlich nochmals lesen m\u00fc\u00dfte, um es\u00a0 zu verstehen.<\/p>\n<p>Aber eigentlich steht alles schon im Klappentext, dazu kann man dann &#8220;No na!&#8221;, sagen und wozu braucht man dann die vierhundertvierundvierzig Seiten, mit den roten F\u00e4den die nirgenwohin f\u00fchren?<\/p>\n<p>Die Fallstricke durch die Geschichte, in der nicht nur ein Herr Becher und ein Herr Kurella in Moskau bei einer Schriftstellertagung auftauchen, von beiden habe ich B\u00fccher gelesen oder in den Regalen, der eine ist in Stalins Zeiten durch Moskau gefahren, hat es sehr globt und B\u00fccher dar\u00fcber geschrieben, die in der DDR erschienen sind, der andere war DDR Kulturminister und ein in der DDR ber\u00fchmter Nationaldichter.<\/p>\n<p>Aber das ist nur ein Nebenstrang, einer von vielen, den ich besser verstanden habe, als das andere, \u00fcber das ich nur dr\u00fcber gelesen habe und bl\u00f6derweise, habe ich mir Ulrich Peltzers &#8220;Das bessere Leben&#8221;, ein Buch das nicht nur auf der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/08\/19\/der-longlistenstart\/\">Longlist,<\/a> sondern auch auf der<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/09\/16\/shortlist-reflexionen\/\"> Shortlist des dBP 2015<\/a> stand, vom lieben Otto ausgeborgt, also konnte ich nicht, wie sonst, mir alles anstreichen und da ich es in der Badewanne gelesen habe und das Buch nicht na\u00df machen wollte, sind auch die Notizen weggefallen.<\/p>\n<p>Aber, die braucht man offensichtlich f\u00fcr das Buch, das in der sch\u00f6nen neuen Globalisierungswelt, in Amsterdam, Moskau, Wien, San Paolo, Turin und, wo noch immer spielt und das auch noch durch ein ganzes Jahrhundert lang tut.<\/p>\n<p>Ich bin ja eine geduldige Leserin, die alles verstehen will und selten oder eigentlich nie, B\u00fccher abbricht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/buchrevier.com\/2015\/09\/13\/wenn-lesen-zur-qual-wird\/\">Tobias Nazemi, einer der B\u00fccherblogger,<\/a> hat das nach sechzig Seiten getan, weil er sich als Leser verarscht f\u00fchlte und sich vom Autor nicht l\u00e4nger hinhalten wollte.<\/p>\n<p>Andere, wie <a href=\"http:\/\/saetzeundschaetze.com\/2015\/10\/10\/dbp15-ulrich-peltzer-und-das-bessere-lesen\/\">Birgit B\u00f6llinger<\/a> bringen Vergleiche mit dem &#8220;Faust&#8221; und sprechen vom besten Shortlistbuch.<\/p>\n<p>Das ist f\u00fcr mich nach wie vor <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/10\/10\/die-stunde-zwischen-frau-und-gitarre\/\">Clemens J. Setz<\/a>, der es gar nicht darauf schaffte und das ist ja auch ein sperriges Buch mit einem grandiosen Inhalt.<\/p>\n<p>In diesem geht es, wie im Klappentext steht, um die entt\u00e4uschten\u00a0 Ideale, der Leute, die in den Siebzigerjahren studierten, Ulrich Peltzer ist Jahrgang 1956, die Welt besser machen wollten und jetzt Anfang des neuen Jahrtausends durch die Welt jetten, jede Nacht in einem anderen Hotel schlafen, Versicherungen oder Maschinen verkaufen, \u00fcberall ihre Freundinnen haben, Geld verschieben, ihre Hoffnungen verloren haben und sich dabei noch manchmal fragen, was das bessere Leben ist?<\/p>\n<p>So weit verst\u00e4ndlich und dazu brauche ich gar nicht die vierhundertvierundvierzig Seiten, auf denen viel oder auch\u00a0 nichts erkl\u00e4rt wird.<\/p>\n<p>In den &#8220;Amazon-Rezensionen&#8221; steht, da\u00df j\u00fcngere Personen, ohne &#8220;Wikipedia&#8221;, das Buch nicht lesen k\u00f6nnen, in den Blogs, sind auch die Abbrecher zu finden, die sich ihre Lesezeit nicht stehlen lassen wollen.<\/p>\n<p>Bei &#8220;Amazon&#8221; steht auch etwas von der sch\u00f6nen Sprache und dem stimme ich zu, ein intellektuelles Buch, gekonnt geschrieben, aber was passiert da eigentlich?<\/p>\n<p>Wieder viel und nichts.<\/p>\n<p>Eine der drei Hauptpersonen, es gibt noch andere, zum Beispiel zwei Nebenfiguren in Wien, hei\u00dft Jochen Brockmann, ist um die f\u00fcnzig und hastet sich durch seine Midlifekrise.<\/p>\n<p>Er verkauft f\u00fcr eine Turiner Firma Maschinen nach Asien, legt in Z\u00fcrich f\u00fcr seine Tochter ein Gelddepot an, hat eine geschiedene Frau, eine Schwester, Eltern, eine Freundin, ein kaputtes Knie, weil fr\u00fcher zuviel Sport gemacht und Pech im Gesch\u00e4ft, denn er bekommt keinen Kredit mehr, wird von der Firma hinausgelehnt und am Ende gek\u00fcndigt und am Schlu\u00df bekommt er ein unmoralisches Angebot von einem Teufel, wie der Klappentext andeutet.<\/p>\n<p>Birgit B\u00f6llinger zitiert Mephisto und ich mu\u00df gestehen, ich habe die Machenschaften von Sylvester Lee Fleming, der sich schlaflos in einem Hotelzimmer in San Paolo w\u00e4ltzt, nicht verstanden.<\/p>\n<p>Allerdings auch nicht das Teuflische an ihm, er handelte aber in seiner Jugend offenbar mit Drogen.<\/p>\n<p>Es gibt auch Anspielungen von Polizei\u00fcberf\u00e4llen und einen Angel. Einen Dr. Engel gibt es auch ( wie war das mit den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/08\/11\/aktueller-korrekturbericht\/#comments\">sprechenden Namen<\/a>, die man nicht verwenden soll?) und schlie\u00dflich trifft Sylvester Lee Fleming Joachim Brockmann in San Paolo, l\u00e4dt ihm ein, dr\u00fcckt ihm ein Kuvert in die Hand, das er nach Wien zu den zwei schon erw\u00e4hnten Typen schicken soll und \u00fcberweist ihn daf\u00fcr achttausend Euro, die er nicht zur\u00fcckschicken kann.<\/p>\n<p>Brockmann hat sich inzwischen in die Reederin Angelika Volkhart, aus der DDR, die fr\u00fcher Russischlehrerin war, aber das kann man in globalen Zeiten nicht mehr brauchen, verliebt und bricht mit ihr in neue Gefilde auf.<\/p>\n<p>Offen bleibt, habe ich in den Blogs gelesen, ob Brockmann das Angebot annimmt und sich f\u00fcr das bessere Leben, was das wohl ist, kann man wiederum diskutieren, entscheiden wird?<\/p>\n<p>&#8220;Die letzten S\u00e4tze lauten jedenfalls &#8220;Darf ich mich Ihnen vorstellen?&#8221;, sagt pl\u00f6tzlich der Mann auf dem Nebensitz.<\/p>\n<p>&#8220;Warum nicht&#8221;<\/p>\n<p>Da\u00df man dem Teufel wiederstehen mu\u00df, lernt man, glaube ich schon im Kindergarten, daf\u00fcr braucht es keine vierhundert Seiten und ein raffiniertes Spiel des Autors, der \u00fcbrigens studierter Psychologe ist, mit seinen Lesern, die, weil inzwischen soviele Analphabeten, vielleicht das<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/07\/31\/leichte-sprache-leichter-lesen\/\"> Lesen nicht mehr richtig k\u00f6nnen<\/a> und auch nicht die Geduld haben, mehr als sechzig Seiten von Dingen zu lesen, die sie nicht verstehen.<\/p>\n<p>Und, da\u00df sehr viele Studenten, die 1968 f\u00fcr das Gute k\u00e4mpften, ihre Ilussionen verloren haben,\u00a0 korrupte Politiker, Salesmanager, Banker und was auch immer wurden, habe ich auch vorher gewu\u00dft.<\/p>\n<p>Ich mu\u00df gestehen, da\u00df ich die Fallen, denen die drei erlegen sind, nicht so ganz verstanden ist und was das bessere Leben ist, erscheint mir auch klar.<\/p>\n<p>Ganz naiv &#8220;Edel hilfreich und gut&#8221; und sich nicht in unseri\u00f6se Gesch\u00e4fte verwickeln lassen, von denen wir in globalisierten Zeiten, nicht nur seit 1989, dem Fall der Mauer umgeben sind, auch vorher war es schon korrupt genug, haben die Nazis und Stilin geherrscht und den Vietnamkrieg kann man wahrscheinlich auch nicht edel nennen.<\/p>\n<p>Davon sind die vorher so aufrechten Idealisten traumatisiert worden und nun kommt Ulrich Peltzer daher und erz\u00e4hlt auf vierhundervierzig sehr komplizierten Seiten eine Geschichte, die der Klappentext auf ein paar Zeilen erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Ich habe das Buch nicht abgebrochen, h\u00e4tte es wahrscheinlich weder auf die Long- und die Shortlist gesetzt und habe von Ulrich Peltzer, von dem ich mich, wenn ich mich nicht irre, erinnern kann, Sigrid L\u00f6ffler einmal sehr entt\u00e4uscht war, da\u00df er mit einem anderen Buch nicht auf die LL kam, noch zwei andere B\u00fccher auf meiner Leseliste.<\/p>\n<p>Jetzt bin ich gespannt, wie ich mit ihnen zurecht komme und denke, da\u00df ein Autor nat\u00fcrlich kompliziert schreiben\u00a0 und ein Leser, das Buch nat\u00fcrlich abbrechen kann, wenn er es nicht mehr versteht.<\/p>\n<p>Aber dann kommen, die zwei nicht zusammen und die Kommunikation stimmt nicht. Interessieren w\u00fcrde mich auch, wieviele\u00a0 Leute dieses wahrscheinlich doch hochgelobte &#8220;Germanistenbuch&#8221; wirklich lesen?<\/p>\n<p>Ich bin weder entt\u00e4uscht, noch ver\u00e4rgert, fange nur nicht sehr viel damit an, weil ich vieles \u00fcberlesen habe und mir angesichts meiner \u00fcberlangen Leseliste, nicht mehr Zeit nehmen will, gebe also Tobias Nazemi vielleicht ein bi\u00dfchen recht.<\/p>\n<p>Bei <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/16\/kaff-auch-mare-crisium\/\">Arno Schmidt<\/a> habe ich auch einmal etwas \u00c4hnliches geschrieben und empfunden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/08\/08\/das-fenster\/\">Richard Obermayr<\/a> dann doch mehr verstanden und schwieriger zu lesen war wahrscheinlich der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/09\/26\/siebentuermeviertel\/\">Zaimoglu<\/a>, dann hat\u00a0 es mir gefallen, hier bin ich nicht ganz sicher, ob der Autor nicht vielleicht doch etwas sehr Einfaches, bewu\u00dft kompliziert erz\u00e4hlt, weil es die Germanisten, die Verleger, er selber, etcetera, so haben wollen?<\/p>\n<p>Dem Otto scheint das Buch gefallen zu haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieder mal ein Buch, das mich etwas ratlos macht, das ich wahrscheinlich nochmals lesen m\u00fc\u00dfte, um es\u00a0 zu verstehen. 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