{"id":38066,"date":"2015-08-22T18:53:01","date_gmt":"2015-08-22T16:53:01","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=38066"},"modified":"2015-08-22T18:53:01","modified_gmt":"2015-08-22T16:53:01","slug":"aberland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=38066","title":{"rendered":"Aberland"},"content":{"rendered":"<p>Nun kommt mein erstes <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/08\/19\/der-longlistenstart\/\">Longlistenbuch<\/a>, das eigentlich schon ein Vierteljahr in Harland in dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/01\/31\/storungen\/\">neuen B\u00fccherregal<\/a> steht, denn Alfred hat es mir in <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/03\/16\/leipzig-gebloggt\/\">Leipzig<\/a> gekauft, als Gertraud Klemm dort auf dem blauen Sofa sa\u00df und ich habe es in meine 2016 Leseliste eingetragen und liegengelassen, das hei\u00dft eigentlich nicht so ganz, denn dazwischen habe ich ja noch ein St\u00fcckchen aus &#8220;Aberland&#8221; im <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/03\/04\/von-den-schonsten-buchern-zu-den-stadt-wien-stipendiaten\/\">&#8220;Musa&#8221;<\/a> geh\u00f6rt und bei der<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/04\/12\/von-der-entschluselung-der-welt\/\"> &#8220;Literatur und Wein&#8221;<\/a> in\u00a0 G\u00f6ttweig.<\/p>\n<p>Gertraud Klemm kenne ich, glaube ich, seit einer Lesung in der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/25\/etwas-wichtiges-fehlt\/\">&#8220;Alten Schmiede&#8221;<\/a>,\u00a0 sie hat am<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/09\/01\/volksstimmefest-2\/\"> Volksstimmefest <\/a>ein paar Mal gelesen und einmal haben mir gemeineisam die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/03\/20\/frauen-texen-frauen-schreiben\/\">&#8220;Frauen Anthologie des Linken Wortes&#8221; im &#8220;Werkl im Goethehof&#8221;<\/a> vorgestellt.<\/p>\n<p>Dann ist der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/06\/klagenfurter-wettlesen\/\">Bachmannpreis<\/a> und der gro\u00dfe Aufstieg gekommen und da war ich ganz ehrlich von dem Monolog der Franziska, glaube ich, von dem die Jury damals so begeistert war und gleich Bachmann und Thomas Bernhard zitierte,\u00a0 nicht so ganz aus den Socken, weil ich dachte die Frauenbewegung h\u00e4tten wir schon hinter uns und ich habe Svende Merian und Gert Brantenberg ja schon in den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/05\/24\/vierzig-jahre-matura-vierzig-jahre-schreiben\/\">Neunzehnhundersiebzigerjahren<\/a>, als Gertraud Klemm gerade in die Volksschule ging, gelesen.<\/p>\n<p>Jetzt aber &#8220;Aberland&#8221; hervorgeholt.<\/p>\n<p>&#8220;Das bitterb\u00f6se Portrait zweier Frauen Generationen&#8221;, wie am Buchr\u00fcckensteht und da ist Franziska eine f\u00fcnfunddrei\u00dfigj\u00e4hrige Biologin, die gerade an ihrer Dissertation \u00fcber Zebrafische schreibt oder schreiben sollte,\u00a0 Mutter des vierj\u00e4hrigen Manuel und Gattin von Tom, einen erfolgreichen Mann, der es mit der Halbe halbe-Devise der FrauenministerinHelga Konrad nicht so ernst nimmt, obwohl er es ihr doch versprochen hat.<\/p>\n<p>Das Ganze spielt in Baden oder <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/09\/11\/die-welt-ist-meine-innerei\/\">&#8220;Kaiserbad&#8221; <\/a>einer b\u00fcrgerlichen Gegend N\u00d6s, in einem Haus, das noch zu zwei Drittel der Bank geh\u00f6rt und da gibt es auch Elisabeth, die achtundf\u00fcnzuigj\u00e4hrige Mutter von Franziska, die mit ihrem Kurt, der sie st\u00e4ndig mehr oder weniger betrog, die Rollen klar teilte.<\/p>\n<p>Er ist f\u00fcrs Geld verdienen, sie f\u00fcr den Haushalt und die Kinder zust\u00e4ndig. Jetzt sind die Franziska und Elias aus dem Haus. Es gibt einen K\u00fcnstler zu versorgen, das hei\u00dft ihm Apfelkuchen zu backen und die Einladungen zu seinen Vernissagen zu drucken, und dann f\u00fcr die Br\u00f6tchen und den Sekt dabei zu sorgen.<\/p>\n<p>Es gibt auch die monatlichen Kosmetiktermine, damit die Haut straff und das Altern aufgehalten werden kann, denn wie hei\u00dft es doch so sch\u00f6n im Buch, heutzutage hat man zehn Jahre j\u00fcnger auszusehen, wie man ist, in einer Kleinstadt wie Baden, wahrscheinlich noch viel mehr als in Wien oder in Berlin.<\/p>\n<p>Ja, ja, die Zw\u00e4nge denen sich die b\u00fcrgerlichen Frauen anscheinend selber aussetzen, die immer &#8220;Ja, aber!&#8221;, sagen, deshalb auch der Titel.<\/p>\n<p>Aber bei einer berufst\u00e4tigen Frau, die zwischendurch den Haushalt und die Kinder schupft, wird das wohl nicht anders m\u00f6glich sein.<\/p>\n<p>Und so ist dieses &#8220;Aberland&#8221; in f\u00fcnfzehn Kapitel aufgeteilt. Immer abwechselnd Franziska und Elisabeth gewidmet und als \u00dcberschrift dienen Anzeigen, Einladungen, Todesnachrichten etc aus dem b\u00fcrgerlichen Frauenleben, das was einer b\u00fcrgerlichen Familie halt so im Laufe des Lebens oder besser im Laufe eines Jahres, das ist auch ungef\u00e4hr der Rahmen des Buches, passiert.<\/p>\n<p>So beginnt es mit der Einladung zum Muttertagsbuffet in einem Chinarestaurant ganz schick mit einem Tepanyakibuffet, denn die Aberlandfrauen aus der b\u00fcrgerlichen Mittelschicht, wissen das Leben zu genie\u00dfen, wenn da nicht die in \u00dcbersee billig hergestellten Textilien und die Weihnachtsdekorationen aus China w\u00e4ren, die auch von Kindersklaven f\u00fcr das b\u00fcrgerliche Badener und auch sonst Europ\u00e4ische Weihnachten hergestellt werden, die ungl\u00fccklichen H\u00fchner in den Legebatterien, die Massentierhaltung, etc, die aus Franziska eine Vegetarierin machten, w\u00e4hrend Elisabeth noch die erste war, die in Baden Currys ihren Kindern und ihrem Kurt auf dem Tisch stellte.<\/p>\n<p>Es geht dann weiter mit der Verlobungsanzeige des Sohnes Elias, nat\u00fcrlich mit Sekt und Fischbr\u00f6tchen, die Elisabeth zu besorgen hat und die Schwiegermutter, die f\u00fcnfundneundzigj\u00e4hrige Cornelia wird von einem slowakischen &#8220;Todesengel&#8221; versorgt, das, das m\u00f6chte ich gleich anmerken, gef\u00e4llt mir nicht an dem Buch, wenn man es vielleicht auch als <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/02\/12\/12-februar\/\">Bernhardsche \u00dcbertreibung<\/a> interpretieren k\u00f6nnte, das slowakische Pfelgehelferinnen, die den b\u00fcrgerlichen Frauen in Baden, in Wien und auch bei meiner Schwiegermutter, die Altenbetreuung abnehmen, Todesengel w\u00e4ren, ist ein Klischee, das ich nicht will, auch wenn die f\u00fcnfundneunzigj\u00e4hrige Cornelia Ackerl schlie\u00dflich stirbt und ihre Todesanzeige, ein Elisabeth Kapitel einleitet.<\/p>\n<p>Franziska ist indessen hin und hergerissen, w\u00e4hrend sie f\u00fcr die Kindergartenabschlu\u00dffeier Muffins mit Smarities b\u00e4ckt und der kleine Manuel, w\u00e4hrend sie f\u00fcr den Kindergeburtstag das Geschenk einkaufen geht, aus dem Supermarktwagerl kippt, so da\u00df sie mit ihm statt zur Party in die Unfallambulanz mu\u00df, ob sie ein zweites Kind bekommen soll oder nicht?<\/p>\n<p>Sie wird dann auch schwanger, das Kind hat aber die Trisomie 18 und wird abgetrieben und Franziska entschlie\u00dft sich im Laufe des Jahres, da wird dann auch noch das Kind ihres Bruders getauft und Elisabeth mu\u00df die Tauffeier richten und dem Kurt seine Pensionsfeier und den siebzigsten Geburtstags eines alten Freundes gibt es auch, ihre Dissertation fertigzuschreiben und w\u00e4hrend sie einen alkoholfreien Sekt f\u00fcr eine &#8220;Babyshower&#8221;, keine Ahnung was das ist, einer Freundin besorgen und ihr Kommen zu diesem Ereignis zusagen soll, entschlie\u00dft sie sich, sich ihre eigene Promotionsfeiereinladung zu schreiben, was ich bez\u00fcglich <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/07\/21\/entwurf-einer-moglichen-laudatio\/\">meiner literarischen Karriere im &#8220;Literaturgefl\u00fcster&#8221; <\/a>auch schon mal versuchte und so schlie\u00dft das Buch, das, wie ich nicht umhin komme, festzustellen wirklich ein wenig sowohl an die Bachmann als an Thomas Bernhard erinnert und ich denke, wenn Gertraud Klemm vor einem Jahr in Klagenfurt damit gro\u00dfes Aufsehen erregte, so erregte heurer im Vorfeld dieses Preises eine <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/05\/30\/frauenpower-beim-bachmannpreis\/\">f\u00fcnfundzwanzigj\u00e4hrige Jungautorin<\/a> Aufsehen mit der Feststellung, da\u00df sie keinen Feminismus braucht und sie sich davor ekeln w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die, denke ich, sollte dieses Buch lesen und mit Gertrud Klemm, der ich alles Gute f\u00fcr die Shortliste w\u00fcnsche und hoffe, sie auch heuer wieder beim<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/lesungen\/\"> Volksstimmefest zu sehen und zu h\u00f6ren<\/a>, \u00fcber das &#8220;Aberland&#8221;, das, wie ich f\u00fcrchte wirklich nicht nur die Sozialhilfeempf\u00e4ngerinnen betrifft, sondern auch in den b\u00fcrgerlichen Kreises geh\u00f6rig umr\u00fchrt, zu diskutieren.<\/p>\n<p>Deshalb ist es wahrscheinlich fein, da\u00df es auf die &#8220;Longlist&#8221; gekommen ist, denn der Feminismus ist noch nicht unn\u00f6tig, leider und, wie ich f\u00fcrchte noch sehr lange nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun kommt mein erstes Longlistenbuch, das eigentlich schon ein Vierteljahr in Harland in dem neuen B\u00fccherregal steht, denn Alfred hat es mir in Leipzig gekauft, als Gertraud Klemm dort auf dem blauen Sofa sa\u00df und ich habe es in meine &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=38066\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9,138],"tags":[5137,2175,2684,2561],"class_list":["post-38066","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","category-buchpreisbloggen","tag-dbp-2015","tag-gertraud-klemm","tag-longlistentagebuch","tag-oesterreichische-literatur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38066","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=38066"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/38066\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=38066"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=38066"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=38066"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}