{"id":38046,"date":"2015-08-20T22:06:57","date_gmt":"2015-08-20T20:06:57","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=38046"},"modified":"2015-08-20T22:06:57","modified_gmt":"2015-08-20T20:06:57","slug":"fuenf-kopeken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=38046","title":{"rendered":"F\u00fcnf Kopeken"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt noch kein <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/08\/19\/der-longlistenstart\/\">Longlistenbuch<\/a>, obwohl ich Steffen Kopetzkys &#8220;Risiko&#8221; schon halb gelesen habe, sondern eines, das 2013 <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/08\/25\/die-longlist-leseproben\/\">nicht darauf stand,<\/a> obwohl es in den Blogs sehr besprochen wurde und ich es, glaube ich, vorige Pfingsten im &#8220;B\u00fccherschrank&#8221; fand.<\/p>\n<p>Sarah Strickers &#8220;F\u00fcnf Kopeken&#8221;<\/p>\n<p>Ein Leseexemplar, nicht vor dem sechszehnten August 2013 zu besprechen, also ziemlich genau zwei Jahre alt und in all dem neuen Longlisten- und Neuerscheinungstrouble wahrscheinlich schon vergessen, wenn es nicht eine TB-Ausgabe gibt, so da\u00df, die, die es noch nicht kennen, nachlesen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein seltsames Buch w\u00fcrde ich fast sagen und bin, glaube ich, nicht so begeistert, wie die &#8220;Klappentexterin&#8221; die das Fehlen auf der LL 2013 sehr bedauerte, eine eigentlich normale Geschichte, w\u00e4re sie nicht, \u00e4hnlich wie <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/02\/09\/der-kaiser-von-china\/\">Tillmann Rammstedts &#8220;Kaiser von China&#8221;<\/a>, meiner meiner Meinung nach, zu k\u00fcnstlich komisch aufgebl\u00e4ht und sehr abgehoben, wie es die Schreibeschulen warhrscheinlich haben wollen und alles, was nur m\u00f6glich ist, in die Geschichte einer wahrscheinlich um Neunzehnhundertsechzig geborenen Frau, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/19\/schwestern-der-angst\/\">hineinstopfen<\/a>.<\/p>\n<p>&#8220;Meine Mutter war sehr h\u00e4\u00dflich. Alles andere h\u00e4tte mein Gro\u00dfvater ihr nie erlaubt&#8221;, beginnt also diese Mutter Tochter Geschichte.<\/p>\n<p>Von der Mutter erz\u00e4hlt, von der Tochter aufgeschrieben.<\/p>\n<p>&#8220;Nie war H\u00e4\u00dflichkeit sch\u00f6ner, Liebe nie gemeiner und Sprache selten solch sein Fest wie in Sarah Strickers fulminatem Debutroman&#8221;, steht im Klappentext und da ist also die f\u00fcnfzigj\u00e4hrige namenlose Mutter, von ihrer unerf\u00fcllten Liebe wird sie ein paar Mal, glaube ich, &#8220;Buba&#8221; und Schneider hei\u00dft sie auch, nach ihrem Vater, dem &#8220;Mode Schneider&#8221;, der war im Krieg Wehrmachtssoldat und in russischer Gegangenschaft und jetzt wei\u00df er alles besser, ist der Haustyrann und tyrannisiert seine Frau, seine Tochter und die Angestellten in seinem Modegesch\u00e4ft,etc.<\/p>\n<p>Er ist auch ein bi\u00dfchen schrullig, beziehungsweise wird er von Sarah Stricker in ihrer\u00a0 sehr direkten Art\u00a0 \u00fcberzeichnet, will er doch aus seiner h\u00e4\u00dflichen Tochter unbedingt ein Wunderkind machen, die das auch ist, in allem die Beste und dadurch sehr einsam und so mu\u00df sie Klavierspielen, tanzen, singen und sp\u00e4ter nat\u00fcrlich Medizin studieren und im Gesch\u00e4ft mithelfen und wenn der Vater die Verk\u00e4uferinnen hinausgeschmissen hat, neue aussuchen, mu\u00df sie auch.<\/p>\n<p>Sie mu\u00df auch, als sie vierzehn ist und das noch gar nicht will, auf eine Party gehen, der Vater zwingt sie dazu und haut ihr eine runter, als sie fr\u00fcher nach Hause kommt, weil sie es nicht mehr ausgehalten hat, statt sich wie er es wollte, zu amusieren.<\/p>\n<p>Dann kommt die Wende und dem Gro\u00dfvater erz\u00e4hlt jemand, da\u00df man im Osten die besten Gesch\u00e4fte machen kann, so verlegt er seinen Laden, ohne die Familie zu fragen nach Berlin, die Tochter, die, die Geschichte, mit F\u00fcnfzig krebskrank und kurz vor ihrem Tod, der Ich-Erz\u00e4hlerin, die gerade als Journalistin angefangen hat, erz\u00e4hlt und von ihr aufgefordert wird, doch schon den Bestseller zu schreiben oder den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/06\/04\/entdeckungen-in-mexiko\/\">&#8220;Kisch-Preis&#8221;<\/a> zu gewinnen, man sieht der Apfel f\u00e4llt nicht weit vom stamm, weigert sich das erste Mal und redet dem Gro\u00dfvater ein, die Anforderungen an der Berliner Uni w\u00e4ren nicht so hoch, wie an der, wo sie studiert.<\/p>\n<p>So befiehlt der Gro\u00dfvater ihr zu bleiben, holt sie aber bald nach, als die Schw\u00e4gerin stirbt, denn er braucht Ersatz im Gesch\u00e4ft, so kommt sie und findet gleich einen Mann, der sie liebt und dem Gro\u00dfvater auch ein t\u00fcchtiger Gesch\u00e4ftspartner ist, die Gro\u00dfmutter, die in der Geschichte ein bi\u00dfchen schlecht wegkommt, f\u00fcr ihre gute K\u00fcche loebt, aber die Mutter liebt ihn nicht, sondern verliebt sich in einen ukrainischen Juden, der ihr Nachbar ist und in einem portugiesischen Restaurant kocht.<\/p>\n<p>Wie sie ihn kennenlernt, ist auch ein eher seltsames Kapitel. Sarah Stricker hat manchmal eine sehr langatmige Erz\u00e4hlweise, die nichts ausl\u00e4\u00dft,\u00a0 wo ich manchmal ausgestiegen bin und absurd ist\u00a0 auch einiges, was da passiert, wie die zu gro\u00dfen Unterhosen, die die Gro\u00dfmutter der Mutter aufdr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Sie liegt dann mit ihrem Arno krank in der Wohnung, von der Wohnung oben kommt L\u00e4rm, sie geht hinauf, verliebt sich in Alex oder Sascha und erz\u00e4hlt ihm, da\u00df sie eine Tochter namens Anna hat, dabei ist sie nicht einmal noch verheiratet, erz\u00e4hlt ihm auch, sie w\u00e4re Freseuse und m\u00fc\u00dfte noch f\u00fcr ihr Examen lernen, denn sie ist auch eine Meisterin des L\u00fcgens. Das ist mir auch ein wenig \u00fcberh\u00f6ht und unverst\u00e4ndlich, auch wenn es sich vielleicht lustig liest.<\/p>\n<p>Aber w\u00e4hrend Arno sie liebt, tut das Alex nicht, behandelt sie schlecht, sie l\u00e4uft ihn nach und vernachl\u00e4\u00dfigt Arno und Alexander erz\u00e4hlt sie immer ihre Tochter w\u00e4re bei ihren Eltern.<\/p>\n<p>Es kommt, wie es kommen mu\u00df, Alex verl\u00e4\u00dft sie, vorher hat sie Arno schon verlassen. Der kommt aber wieder zur\u00fcck, aber jetzt will sie ihn nicht mehr, sondern das Kind, die Tochter Anna mit der sie schwanger ist, allein aufziehen, die Pr\u00fcfungen durch die sie zuerst gefallen ist, holt sie mit Bravour nach, arbeitet eine Zeitlang, sowohl als \u00c4rztin, als auch in dem Gesch\u00e4ft.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter schupft sie nur noch den Modeladen, erkrankt w\u00fcrde ich jetzt einmal sagen, wegen all der hektischen \u00dcberforderung fr\u00fchzeitig an Krebs, erz\u00e4hlt der Tochter in Eiltempo ihre Geschichte auch die von der f\u00fcnf Kopekenm\u00fcnze, die Alex ihr schenkte und stirbt.<\/p>\n<p>Die Tochter trifft dann noch einen alten Antiquit\u00e4tenh\u00e4ndler, der ihr eine solche M\u00fcnze unter die Nase h\u00e4lt und sie traut sich nicht zu fragen, ob er Alex ist?<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde das Ganze viel weniger \u00fcberh\u00f6ht, daf\u00fcr aber realistischer erz\u00e4hlen, also das mit den L\u00fcgen weglassen und den Leistungsdruck, unter dem wahrscheinlich auch Sarah Stricker litt, die 1980 in Speyer geboren wurde, die deutsche Journalistenschule in M\u00fcnchen besuchte, f\u00fcr ihren Debutroman\u00a0 ausgezeichnet wurde und jetzt in Israel leben d\u00fcrfte, weniger absurd und \u00fcbertrieben darstellen.<\/p>\n<p>Aber ich wei\u00df schon, dann w\u00e4re es den Lesern zu banal und dann wollen sie es <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/10\/07\/augustin-schreibwerkstatt\/\">nicht lesen<\/a>, wenn die Mutter der Protagonistin nur ein ganz gew\u00f6hnliches M\u00e4dchen und nicht von allem, die sch\u00f6nste, h\u00e4\u00dflichste, intelligenteste, etc w\u00e4re.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt noch kein Longlistenbuch, obwohl ich Steffen Kopetzkys &#8220;Risiko&#8221; schon halb gelesen habe, sondern eines, das 2013 nicht darauf stand, obwohl es in den Blogs sehr besprochen wurde und ich es, glaube ich, vorige Pfingsten im &#8220;B\u00fccherschrank&#8221; fand. 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