{"id":37810,"date":"2015-08-08T00:53:00","date_gmt":"2015-08-07T22:53:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=37810"},"modified":"2015-08-08T00:53:00","modified_gmt":"2015-08-07T22:53:00","slug":"das-fenster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=37810","title":{"rendered":"Das Fenster"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt das letzte Buch dieses <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/15\/vom-funften-in-den-vierten\/\">&#8220;Augustin-Flohmarktes&#8221;<\/a>, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/06\/11\/hier-im-regen\/\">den<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/06\/13\/vom-atmen-unter-wasser\/\">man<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/06\/27\/brennt\/\">eigentlich<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/07\/16\/die-scharsten-gerichte-der-tatarischen-kuche\/\">als<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/07\/24\/sogar-papageien-ueberleben-uns\/\">Leseprojekt<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/08\/01\/katzenberge\/?preview_id=37638\">dieses<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/08\/04\/sein-kampf-antwort-an-hitler\/\">Sommers<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/08\/06\/der-sammler\/\">bezeichnen<\/a> k\u00f6nnte und eines, vor dem ich mich nicht gerade gef\u00fcrchtet, ich habe es ja freiwillig genommen, aber doch \u00f6fter behauptet habe, da\u00df ich es nicht verstehen werde und es einmal sogar mit <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/16\/kaff-auch-mare-crisium\/\">Arno Schmidt<\/a> verglichen habe, n\u00e4mlich Richard Obermayrs &#8220;Fenster&#8221; 2009, bei &#8220;Jung und Jung&#8221; erschienen und wahrscheinlich auch Leseexemplar aus Anna Jellers Buchbest\u00e4nden.<\/p>\n<p>Und es war gar nicht so schlimm, k\u00f6nnte man diese Rezension, beziehungsweise Besprechung beginnen oder &#8220;Die Zeit ist es sonderbar Ding&#8221;, wie es die Marschalin im &#8220;Rosenkavalier&#8221;&#8221; besingt, der 1970 in Ried im Innkreis geborene Richard Obermayr, von dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/02\/16\/marie-therese-kerschbaumer\/\">Marie Theres Kerschbaumer<\/a>, als er sich in\u00a0 die GAV beworben hat, sagte, sie w\u00e4re bei seinen Texten nicht sicher gewesen, ob da einer nicht ihre Literaturkenntnisse testen und ihr irgendeinen Text unterjubelt h\u00e4tte, hat er offenbar nicht und er ist mit seinen&#8221; Sprachr\u00e4uschen&#8221;, wie ich es immer so respektlos nenne, 1996, als ich das einzige Mal\u00a0 live beim &#8220;Bachmannlesen&#8221; war, dort auch nicht sonderlich auf- bzw. durchgefallen.<\/p>\n<p>Dann hat er, glaube ich, bei &#8220;Floriana&#8221; und wahrscheinlich noch, wo anders gewonnen.<\/p>\n<p>1998 erschien bei &#8220;Jung und Jung&#8221; oder war das damals noch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/08\/08\/spurensuche\/\">&#8220;Residenz&#8221;<\/a>, der erste Roman, &#8220;Der gef\u00e4lschte Himmel&#8221;, den ich auf einem der B\u00fcchert\u00fcrme der &#8220;Literatur im M\u00e4rz&#8221; fand. Ich habe ihn in der Badewanne gelesen, beziehungsweise \u00fcberflogen, als ich nicht mehr verstanden habe, worum es da ging.<\/p>\n<p>Den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/28\/priessnitz-preistrager-richard-obermayr\/\">&#8220;Priessnitz-Preis&#8221;<\/a> hat er auch gewonnen und aus dem &#8220;Fenster&#8221; gelesen und sich im zweiten Roman, f\u00fcr den er mehr als zehn Jahre brauchte, was mich nicht wundert, sich mit der Zeit besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Ein interessantes Thema, woran sich sicher schon andere die Z\u00e4hne ausgebissen haben, das man essayistisch, philosophisch, als Sachbuch und auch anders behandeln kann.<\/p>\n<p>Richard Obermayer tut es sehr poetisch in seiner sprachbesessenen Art und so bin ich in einigen Badewannensessions mitgewirbelt, habe machmal gedacht, wie langweilig und wer will das Lesen\u00df, meistens aber war ich bem\u00fcht, die Handlung, die mir beim Schreiben und beim Lesen ja immer sehr wichtig ist, zu erfassen.<\/p>\n<p>Daniela Strigl hat, glaube ich, in ihrer Rezension geschrieben, kaum glaubt man ein \u00c4utzerl in der Hand zu haben, ist es flugs schon wieder weg. Aber es gibt eine Handlung, wenn auch eine ziemlich ungew\u00f6hnliche, n\u00e4mlich, wie ich es verstanden habe, die Besch\u00e4ftigung mit der Verg\u00e4nglichkeit und das mit vielen sch\u00f6nen Bildern, mit freien Assoziationen ist der Psychologin einmal eingefallen.<\/p>\n<p>Der Ich-Erz\u00e4hler, der seine Geschichte erz\u00e4hlen will, kommt aber immer wieder auf ihm wichtige Details zur\u00fcck, die da der Vater und die Mutter w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Die Buchvorder- und R\u00fcckseite zieren auch ein Familienbild wahrscheinlich aus den Siebzigerjahren, eine Frau mit Kinderwagen, ein Mann mit einem Hut tragenden kleinen Buben auf der Schulter.\u00a0 Mag das der kleine Richard sein? Dann steht im Klappentext noch etwas von einem &#8220;Schu\u00df, einer Pistole und einer Kugel, die durch den Raum fliegt&#8221;, darauf wird auch immer Bezug genommen und erschien mir etwas verwirrend oder befremdlich.<\/p>\n<p>Sonst k\u00f6nnte die Psychologin ja sagen, da ist ein junger oder auch \u00e4lterer Mann und schaut auf sein Leben zur\u00fcck. Erz\u00e4hlt vom Vater und der Mutter und an einigen Stellen, wo es ein bi\u00dfchen narrativer wird, auch von seiner Freundin C\u00e4cilia.<\/p>\n<p>Er besch\u00e4ftigt sich mit der Verg\u00e4nglichkeit und das immer wieder mit wundersch\u00f6nen Sprachbildern und S\u00e4tzen, kommt dabei vom Hundersten ins Tausendste und wieder zur\u00fcck.Fragt sich, ob man seine Vergangenheit einholen, oder anders machen kann? Alles wichtige Themen, mit denen sich wahrscheinlich schon die gr\u00f6\u00dften Philosophen besch\u00e4ftigt haben.<\/p>\n<p>Richard Obermayr tut es sehr poetisch, wiederhole ich mich und er verwendet dabei auch \u00f6fter den Satz &#8220;Ich erinnere mich&#8221;.<\/p>\n<p>Das ist ein literarischer Stil habe ich gelernt und habe auch das Buch von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/05\/05\/das-jahr-vierundzwanzig\/\">Patrik Ourednik<\/a> gelesen.<\/p>\n<p>Richard Obermayr oder der Ich- erz\u00e4hler erinnert sich also an den Vater und seine Mutter, den Vater beschreibt er als sehr apathisch, die Mutter serviert eine Forelle, die Familie i\u00dft Erbsenrahmsuppe, Motive von einem Zirkus und einem Artisten tauchen auf, Theatermotive und dem Zusp\u00e4tkommen in die Vorststellung, so da\u00df man erst nach der Pause hineinkommen kann.<\/p>\n<p>Die Mutter ist Klavierlehrerin und es gibt auch ein M\u00e4dchen, das immer wieder dasselbe St\u00fcck falsch spielt, immer wieder die selben Fehler wiederholt, eine andere Klavierlehrerin hat immer zwei Tassen auf den Tisch stehen und serviert ihren Sch\u00fclern Malzkaffee und Rosinenbrot und es gibt auch immer wieder sehr sch\u00f6ne S\u00e4tze und Wendungen, etwa drei\u00dfig habe ich mir angestrichen.<\/p>\n<p>&#8220;Ob sich der Wanderzirkus der Geschichte noch einmal bei ihnen niederl\u00e4\u00dft und ein letztes, ein allerletztes Mal eine Vorstellung gibt?&#8221;, vielleicht oder &#8220;So weit kann das eigene Schicksal zur\u00fcckreichen. So geduldig kann der Tod sein&#8221;.<\/p>\n<p>&#8220;Seit dieser Auff\u00fchrung ist die Kugel unterwegs und fragt sich zu mir durch.&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Genausogut k\u00f6nnte man fragen: wo h\u00f6rt der Sommer auf und wo beginnt der Herbst&#8221;<\/p>\n<p>Ach ja die Geschichte spielt im Sommer. Im August, geht dann nahtlos in den Winter \u00fcber, wo es pl\u00f6tzlich Schnee gibt und der Protagonist hat es nicht gemerkt.<\/p>\n<p>&#8220;Die Zeit ist ein sonderbar Ding!&#8221;, wir wissen es und wiederholen es wieder.<\/p>\n<p>Die Mutter ist auch schon\u00a0 gestorben, w\u00e4hrend der Erz\u00e4hler durch das Leben taumelt, um seine Geschichte zu erz\u00e4hlen und daf\u00fcr einen Anfang sucht.<\/p>\n<p>Begr\u00e4bnisse werden beschrieben und eines stammt aus einem Buch, das die Mutter gelesen hat. Da kommt ein Artist in den Ort, Schwanenstadt wird \u00f6fter erw\u00e4hnt, wo einer verschwunden ist, dem er sehr \u00e4hnlich sieht. So wird ein Begr\u00e4bnis insziniert, wo er den Toten spielt und so h\u00fcpft der Autor, h\u00fcpft der Leser\u00a0 durch das Buch, durch die Zeit und hat einen sehr poetischen Roman \u00fcber ein sehr wichtiges Thema gelesen.<\/p>\n<p>2010, wo\u00a0 es erschienen ist, ist es nicht auf der Longlist des dBp gestanden, weil wahrscheinlich dem durchschnittlichen Leser nicht zuzumuten und es wird vielleicht, wenn in f\u00fcnf Jahren der dritte Roman erscheint, dieser auch nicht darauf stehen, trotzdem und das mag meine Leser nun verwundern, freue ich mich, die mit den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/02\/16\/andrea-winkler-lesung\/\">blo\u00dfen Sprachr\u00e4usche<\/a>, der l art pour l art, wo in sch\u00f6nen Worten nichts passiert, darauf und werde ihn, soferne ich ihn finde, begierig lesen und mich wahrscheinlich auch weniger davor f\u00fcrchten, ob ich alles verstehen werde?<\/p>\n<p>&#8220;Als Richard Obermayr vor \u00fcber zehn Jahren seinen ersten Roman vorlegte, wirkte er ebenso verst\u00f6rend wie begeisternd. Ein neuer Autor war auf den Plan getreten, dem man Au\u00dferordentliches zutraute. Zu Recht: Sein zweiter Roman l\u00f6st das Versprechen, das der erste gab, auf gl\u00e4nzende\u00a0 Weise ein.&#8221;<\/p>\n<p>Da kann ich nur gespannt sein und werde bis dahin wahrscheinlich weiter realistisch und weniger <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/08\/09\/wirklich-oder-abgehoben\/\">abgehoben <\/a>schreiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt das letzte Buch dieses &#8220;Augustin-Flohmarktes&#8221;, den man eigentlich als Leseprojekt dieses Sommers bezeichnen k\u00f6nnte und eines, vor dem ich mich nicht gerade gef\u00fcrchtet, ich habe es ja freiwillig genommen, aber doch \u00f6fter behauptet habe, da\u00df ich es nicht &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=37810\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[5121,5122],"class_list":["post-37810","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-richard-obermayr","tag-sprachrauschliteratur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37810","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=37810"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37810\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=37810"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=37810"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=37810"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}