{"id":37653,"date":"2015-08-04T00:55:06","date_gmt":"2015-08-03T22:55:06","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=37653"},"modified":"2015-08-04T00:55:06","modified_gmt":"2015-08-03T22:55:06","slug":"sein-kampf-antwort-an-hitler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=37653","title":{"rendered":"Sein Kampf &#8211; Antwort an Hitler"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein wahres Schmankel aus dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/15\/vom-funften-in-den-vierten\/\">&#8220;Augustin-Flohmarkt&#8221;<\/a>, ausnahmsweise kein Rezensionsexemplar und auch nichts was beim <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/06\/27\/brennt\/\">Bachmannpreis<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/06\/11\/hier-im-regen\/\">gelesen<\/a> wurde oder auf der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/07\/16\/die-scharsten-gerichte-der-tatarischen-kuche\/\">dBp<\/a>&#8211;<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/07\/24\/sogar-papageien-ueberleben-uns\/\">Liste <\/a>stand, n\u00e4mlich Irene Harands, 1935 im Eigenverlag herausgegebenes Buch, weil kein Verlag es im noch nicht angeschlossenen \u00d6sterreich drucken wollte, 2005 im &#8220;EPHELANT-Verlag&#8221; auf Anregung von\u00a0 Peter Marboe und Kardinal Sch\u00f6nborn, wieder herausgegeben und 2005, dem Jahr wo ja der Staatsvertrag sehr gro\u00df gefeiert wurde, gab es auch eine Nonstop-Lesung des Buches bei der Stephanskirche, die im Internet \u00fcbertragen wurde, so da\u00df ich mir Teile davon anh\u00f6rte und mit dem Buch und Irene Harand zum ersten Mal in Ber\u00fchrung kam.<\/p>\n<p>Damals hat es, glaube ich, auch die Literatur im M\u00e4rz und ihre B\u00fcchert\u00fcrme noch gegeben und da hatte ich ein paar B\u00fcchlein des &#8220;EPHELANT-Verlages&#8221;, meistens Literaturgeschichteliches auch gefunden, so da\u00df ich dachte, kein Problem, das finde ich bestimmt im n\u00e4chsten Jahr.<\/p>\n<p>War aber nicht so, denn das Literaturfestival von Walter Famler und der &#8220;Alten Schmiede&#8221; organisiert, wurde dann eingestellt, beziehungsweise auf den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/29\/literatur-im-flus\/\">Herbst<\/a> verschoben, so da\u00df ich 2012\u00a0 wieder mit dem Buch in Ber\u00fchrung kam, nat\u00fcrlich danach griff, da ich da aber schon meine <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste\/\">Leseliste<\/a> hatte, die inzwischen weiter (endlos) angewachsen ist, hat es einige Zeit gedauert und ich habe mich auf das Lesen, eines sehr wichtigen Werkes, einer sehr engagierte katholischen, christlich sozialen\u00a0 Wienerin, wahrscheinlich auch Monarchistin, die den 1943 ermordeten Kanzler Dollfu\u00df sehr verehrte, 1900 geboren wurde, durch die Zust\u00e4nde in Deutschland emp\u00f6rt, die &#8220;Harand-Bewegung&#8221; und eine Volkspartei gr\u00fcndete, sowie eine Zeischrift herausgab und 1938, als dann auch \u00d6sterreich, was sie mit ihrem Buch\u00a0 verhindertn wollte und eigentlich auch nicht daran glaubte, angeschlo\u00dfen wurde, zum Gl\u00fcck mit ihrem Mann in England war, so da\u00df sie nach Amerika emigrierte, wo sie 1975 starb, sehr freute.<\/p>\n<p>1970 hat Peter Marboe, als Direktor des \u00f6sterreichischen Kulturinstituts in New York, Irene Harand kennengelernt, war von ihr und ihrem Engagement sehr begeistert, begeisterte auch den Kardinal, der auf auf das Cover schrieb &#8220;Christ und Atnisemit sein ist unvereinbar&#8221; und imVorwort, erw\u00e4hnte, da\u00df Kardinal Innitzer, sein Vorg\u00e4nger, der ja glaube ich, die Nazis lobte oder wenigstens nicht energisch genug gegen sie auftrat, hat Irene Harand eines der B\u00fccher gewidmet,\u00a0 in seinem Dankschreiben schrieb &#8220;Der letzte Absatz Ihres Buches m\u00f6ge Gemeingut und Parole aller Nicht-Nazis werden.&#8221;<\/p>\n<p>Warum der dann unter PS anf\u00fcgte, &#8220;Bitte mein Urteil nicht zu ver\u00f6ffentlichen&#8221;, war dem Kardinal unbekannt. Vielleicht war er ein Feigling oder glaubte als Diplomat den Mund halten zu m\u00fcssen, Irene Harand war das nicht und hat sich sehr offen mit Hitlers Kampf, der sie, wie das Hakenkreuz sehr emp\u00f6rte, auseinandergesetzt. Hat das Buch in heute fast naiv anmutender Art und Weise Kapitel f\u00fcr Kapitel widerlegt und sich dabei wahrlich kein Blatt vor den Mund genommen.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr wurde es auch, das dann irgendwann doch in einer f\u00fcnftausender Auflage, die sich aber glaube ich, nicht verkaufen lie\u00df, herauskam, in Salzburg auf die Liste der verbotenen B\u00fccher gesetzt und bei der B\u00fccherverbrennung verbrannt.<\/p>\n<p>IreneHarand hat sich aber 1935 nicht gescheut und auch nichts unversucht geleassen Hitler zu widerlegen und die braune Gefahr, von der sie wahrscheinlich nicht ahnen konnte, wie sich die noch ausbreiten wird, zu verhindern.<\/p>\n<p>In elf Kapitel ist das Buch gegliedert, beginnend mit &#8220;Der L\u00fcge, die Haptwaffe des Hakenkreuzes&#8221;, dann geht es weiter mit dem &#8220;Rrasenden Nationalismus&#8221; und dem &#8220;Rassenwahn&#8221; und Irene Harand beginnt Satz f\u00fcr Satz, die L\u00fcgen zu zerlegen, schreibt, da\u00df Moses und Jesus Juden waren und, da\u00df es sowohl keine reinra\u00dfigen Arier, als auch keine reinrassigen Juden gibt.<\/p>\n<p>Die reinrassigsten Arier sind in Schweden zu finden, die Deutschen waren gar nicht so blond und blau\u00e4ugig, wie sie zu sein vorgaben und als ein nationalsozialistischer Lehrer, die Parolen der Rassenhygieniker in seiner Klasse gleich demonstrieren wollte, fand er nur ein einziges Kind, bei dem die Merkmale zutrafen, das war nat\u00fcrlich j\u00fcdisch, der verzweifelte Lehrer fragte, nach m\u00f6glichen Vermischungen &#8220;Ich bin reinrassig nichtarisch&#8221; war die Antwort.<\/p>\n<p>Es geht dann weiter mit den &#8220;Rassischen&#8221; Eigenschaften der Juden&#8221; und den &#8220;L\u00fcgen vom j\u00fcdischen Wucher&#8221;.<\/p>\n<p>Irene Harand weist nach, da\u00df die Juden vom Staat gezwungen wurden Wucher zu betreiben, um das erwucherte Geld dann wieder dem Staat zu geben.<\/p>\n<p>&#8220;Die L\u00fcgen \u00fcber den Talmud&#8221; bis zu den &#8220;Ritualmordl\u00fcgen&#8221;, da geht es hinein in die j\u00fcdische Geschichte, zeigt wie standhaft die Juden waren, wenn es um ihren Glauben ging, wie oft sie gefoltert und Morde beschuldigt wurden, die sie nicht begangen haben.<\/p>\n<p>Es gibt auch ein Kapitel \u00fcber den &#8220;J\u00fcdischen Idealismus und Opfermut&#8221;, da wird dann am Schlu\u00df angef\u00fchrt, wie tapfer die Juden im ersten Weltkrieg waren, da\u00df die &#8220;Protokolle der Weisen von Zion&#8221; auf die Hitler seine Rassentheorie aufbaute, gef\u00e4lscht waren, beweist sie auch und dann kommt es zum langen zehnten Kapitel &#8220;Juden sehen dich an&#8221;.<\/p>\n<p>Das ist ein im damaligen Deutschland erschienes Propagandabuch eines Johann von Leer, der es dem ber\u00fcchtigen Gauf\u00fchrer Julias Streicher gewidmet hat und in dem es um &#8220;Blutjuden&#8221;, &#8220;L\u00fcgenjuden&#8221;, &#8220;Betrugsjuden&#8221;, &#8220;Zersetzungsjuden&#8221; und &#8220;Geldjuden&#8221; geht, zu den &#8220;Blutjuden&#8221; werden die j\u00fcdischen Sozialisten gez\u00e4hlt, Albert Einstein und Lion Feuchtwanger zu den &#8220;L\u00fcgenjuden&#8221;, &#8220;Zersetzungsjuden&#8221; ist zum Beispiel der Sexualforscher Magnus Hirschfeld, Charly Chaplin geh\u00f6rt zu den &#8220;Kunstjuden&#8221;, etc.<\/p>\n<p>Dem mu\u00dfman nat\u00fcrlich die vielen Nobelpreistr\u00e4ger, K\u00fcnstler, Erfinder, etc, entgegensetzen, die das Judentum hervorgebracht hat und die von Irene Harand sehr bem\u00fcht seitenweise aufgez\u00e4hlt werden, wobei sie nicht zu erw\u00e4hnen vergi\u00dft, da\u00df es nat\u00fcrlich auch unter den Ariern hervorragende Menschen gab, wie unter den Juden Betr\u00fcger, etc, waren.<\/p>\n<p>Einer ber\u00fchmtesten &#8220;Kunstjuden&#8221; war wohl Heinrich Heine, dessen &#8220;Denkt man an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht&#8221;, wohl als das Motto der n\u00e4chsten nicht tausend Jahre, gelten konnte.<\/p>\n<p>Juden haben aber auch das Telefon, das Auto, das erste Luftschiff gebaut bzw. erfunden, was wohl den meisten Nichtjuden, die da von Deutschland aufgehezt und mit einer verlogenen Rassenlehre konfrontiert wurden, gar nicht bewu\u00dft war.<\/p>\n<p>Dann geht es weiter zur &#8220;Bilanz des Hakenkreuzes&#8221; und die war 1935 leider nur ein Vorspiel, von dem was sp\u00e4ter folgte, aber schon schlimm genug, denn es gab ja schon KZs und B\u00fccher, die, von denen geschrieben wurden, die darin inhaftiert waren.<\/p>\n<p>Fast naiv r\u00fchrt es wieder an, wenn Irene Harand davon schreibt, wie zersetzend es f\u00fcr die deutschen Kinder sein mu\u00df, wenn sie sich zu Mittag in der Schule, um ihr St\u00fcck Brot und Glas Milch mit den j\u00fcdischen Sch\u00fclern anstellen m\u00fc\u00dfen und kommen dann die an die Reihe, schreit die Lehrerin &#8220;J\u00fcdin geh weg!&#8221; ode,r da\u00df das kein guter Deutscher sein kann, der in den KZs pr\u00fcgelt, foltert, etc.<\/p>\n<p>Die Gesetze wurden gebrochen, die Gewerkschaften verhindert, die Preise stiegen an und wenn man in den deutschen Kinos in den Wochenschauen Julius Streicher, Goebbels, Hitler, etc, von den Herrenmenschen reden h\u00f6rte, konnte man auch deutlich sehen, da\u00df sie diesem Ideal optisch keineswegs entsprachen, sagen durfte man aber dagegen nichts.<\/p>\n<p>&#8220;Es gibt keinen Zweifel, da\u00df die Welt krank ist,&#8221; schreibt Irene Harand auf den letzten Seiten, und schlie\u00dft mit den Worten &#8220;Das Hakenkreuz bedeuted eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr die Menschheit. Das Hakenkreuz ist die gr\u00f6\u00dfte Gefahr des jahrhunderts. Wenn wir ihr begegnen wollen, m\u00fcssen wir gerade die Waffen anwenden, die dem Hakenkreuz fremd sind: Idealismus und Opfermut, Vernunft und Liebe, Wahrheit und Gerechtigkeit.&#8221;<\/p>\n<p>Wie man inzwischen wei\u00df, hat das f\u00fcr die\u00a0 n\u00e4chsten Jahre leider nichts geholfen und irene Harands Buch ist auch nach seiner Neuauflage und nach dem Lesemarathon wieder untergegangen.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine Auff\u00fchrung im Lesetheater bei &#8220;Frauen lesen Frauen&#8221; war sie wohl auch zu austrofaschistisch eingestellt, wie mir Judith Gruber Rizy sagte, aber trotzdem, der Mut dieser Frau so katholisch und monarchistch sie vielleicht auch war, irgenwo steht auch, was die Rassenhygiene betrifft, da\u00df man die Alkoholiker erst heilen soll, bevor sie Kinder bekommen sollten, ist zu bewundern und schade, da\u00df so wenig Leute davon wissen, weil wir in einer Zeit, wo man angesichts, des \u00fcberf\u00fcllten Fl\u00fcchtlingslager in Traiskirchen, der hilflosen Politikerworte, die seit Monaten nicht in der Lage sind, etwas dagegen zu verendern, obwohl doch sicher genug Wohnungen, Kasernen, Schl\u00f6\u00dfer, etc leerstehen, in den letzten Tagen in den Medien, von der Angst der Bev\u00f6lkerung und der Zunahme der Ha\u00dftpostings im Internet, h\u00f6ren und lesen konnte, vielleicht schon wieder auf den Weg in eine Katatrophe sind, die wir verhindern\u00a0 m\u00fc\u00dften, k\u00f6nnen, sollten&#8230;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein wahres Schmankel aus dem &#8220;Augustin-Flohmarkt&#8221;, ausnahmsweise kein Rezensionsexemplar und auch nichts was beim Bachmannpreis gelesen wurde oder auf der dBp&#8211;Liste stand, n\u00e4mlich Irene Harands, 1935 im Eigenverlag herausgegebenes Buch, weil kein Verlag es im noch nicht angeschlossenen &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=37653\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[5109,5110,5111],"class_list":["post-37653","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-irene-harand","tag-katholischer-wiederstand","tag-nationalsozialismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37653","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=37653"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37653\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=37653"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=37653"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=37653"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}