{"id":37638,"date":"2015-08-01T00:46:00","date_gmt":"2015-07-31T22:46:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=37638"},"modified":"2015-08-01T00:46:00","modified_gmt":"2015-07-31T22:46:00","slug":"katzenberge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=37638","title":{"rendered":"Katzenberge"},"content":{"rendered":"<p>Weiter geht es mit den B\u00fcchern, die ich mir <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/15\/vom-funften-in-den-vierten\/\">2012 bei diesem &#8220;Augustin-Flohmarkt<\/a>&#8221; kaufte, Rezensionsexemplare, die zwei oder drei Jahre fr\u00fcher erschienen sind und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/06\/11\/hier-im-regen\/\">oft<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/06\/27\/brennt\/\">&#8220;Bachmann&#8221;<\/a> oder <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/07\/16\/die-scharsten-gerichte-der-tatarischen-kuche\/\">&#8220;Buchpreis-<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/07\/24\/sogar-papageien-ueberleben-uns\/\">Nominierungen&#8221; <\/a>hatten.<\/p>\n<p>Allm\u00e4hlich werde ich damit fertig und kann mich dann wahrscheinlich zeitgerecht entscheiden, ob ich in in einem Monat mit der Leseliste weitermachen oder die zwanzig\u00a0 <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/07\/09\/deutscher-buchpreis\/\">2015 Buchpreisb\u00fccher<\/a> vorziehen will, bzw. einen Teil davon.<\/p>\n<p>Sabrina Janeschs Debutroman &#8220;Katzenberge&#8221; ist 2010 nicht auf der Longlist gestanden, sie hat aber daraus beim <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/06\/24\/bachmannlesen-und-dichtfest\/\">&#8220;Bachmannpreis&#8221;<\/a> gelesen.<\/p>\n<p>Besonders aufgefallen ist sie mit dem Roman \u00fcber ihre polnische Vergangenheit und die Spurensuche bis zu den Wurzeln nach Galizien, glaube ich, nicht. Es gibt aber inzwischen einige andere Romane\u00a0 der 1985 geborenen deutsch\/polnischen Autorin, die in Hildesheim studierte und auch Stadtschreiberin\u00a0 in Danzig war.<\/p>\n<p>&#8220;Ambra&#8221; beispielsweise und &#8220;Tango f\u00fcr einen Hund&#8221;, 2012 und 2014 bei &#8220;Aufbau&#8221;, erschienen, Katzenberge erschien dort 2010, &#8220;Nicht vor dem 26. 7. besprechen&#8221;, steht auf meinem Leseexemplar.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/10\/19\/die-grose-liebe\/\">Hanns-Joseph Ortheil,<\/a> ich glaube, ein Hildesheimer Professor, hat die Widmung am Buchr\u00fccken geschrieben, ihm wird von der Autorin auch gedankt und das Buch ist der Familie, beziehungsweise dem Gro\u00dfvater gewidmet.<\/p>\n<p>Und da ist Nele Leibert, eine junge Frau mit einer polnischen Mutter und einem deutschen Vater, offenbar in Deutschland aufgewachsen, in Berlin lebend. Sie ist Journalistin und hat gerade bei einem Magazin zu arbeiten angefangen.<\/p>\n<p>Einen Freund namens Carsten gibt es auch, deren Gro\u00dfvater, Stanislaw Janeczko, von ihr Djadjo genannt, ist gestorben, sie f\u00e4hrt von Berlin aus nach Wrozlaw-Breslau, Schlesien zum Begr\u00e4bnis, wird dort von der Tante Aldona aufgep\u00e4ppelt, die Onkel Darek und Jozek gibt es auch und die Mutter, eine Historikerin, die mit dem deutschen Vater, der es bei der Verwandtschaft schwer hat, die auch zum Begr\u00e4bnis gekommen ist, r\u00e4t ihr noch ein paar Tage zu bleiben und in die Ukraine oder nach Galizien in die Heimat des Gro\u00dfvaters zu fahren, um sich alles anzusehen und die Familiengeheimnisse zu erforschen.<\/p>\n<p>Das wird von der polnischen Verwandtschaft gar nicht so gern gesehen, denn in die Ukraine, dahin f\u00e4hrt man nicht, da gibt es gar keine Stra\u00dfen, etc und die Schaffnerin weigert sich auch ihr eine Fahrkarte dorthin zu verkaufen und Nele hat wegen ihrer deutsch polnischen Doppelidentit\u00e4t ohnehin schon Schwierigkeiten. Sie spricht zwar akzentfrei Polnisch, die Deutsche sieht oder h\u00f6rt man ihr aber trotzdem an und es ist auch peinlich zu den Deutschen zu geh\u00f6ren, die mit ihren BMWs durch das kommunistische Polen gefahren sind und sich die H\u00e4user\u00a0 anzuschauen, so als wollten sie sagen, das sind unsere H\u00e4user in denen ihr lebt, wir wollen sie wieder zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Denn da gab es ja den Krieg und da wurden die Grenzen verwischt und so ist heute da die Ukraine, wo fr\u00fcher Polen war oder Polen dort, wo fr\u00fcher Deutschland und der Djadjo stammt aus Zastavne, fr\u00fcher Galizien heute Ukraine, hatte dort eine Frau, sein erstes Kind und auch den Bruder Leszek.<\/p>\n<p>Dann wurde er in einen Zug gesetzt, er und einige andere Ukrainer und vier Tage bis nach Schlesien gebracht, dort sollten sie sich ein Haus aussuchen. Djadjo w\u00e4hlt sich eines im Wald, ein wenig abseits und hat dann in der Nacht Alptr\u00e4ume, denn er h\u00f6rt die ganze Zeit Ger\u00e4usche. Am Morgen geht er auf den Dachboden und findet dort den Bauer Dietrich mit dem Hakenkreuz erh\u00e4ngt am Dachboden. Djadjo begr\u00e4bt die Leiche, die Geister von Schuld und S\u00fchne kann er\u00a0 trotzdem nicht vertreiben. Er holt aber die Frauen nach und die k\u00f6nnen es\u00a0 besser mit Waldmeistersud etc.<\/p>\n<p>Das ist ein bi\u00dfchen mystisch, die Baba Jaga, kommt auch einmal vor und damit tue ich mir ein wenig schwer, auch wenn man es wahrscheinlich poetisch interpretieren kann\u00a0 und vielleicht auch der polnische Aberglaube so ist.<\/p>\n<p>Das war auch die Stelle, die Sabrina Janesch in <a href=\"http:\/\/archiv.bachmannpreis.orf.at\/bachmannpreis.eu\/de\/autoren\/2278\/index.html\">Klagenfurt gelesen<\/a> hat.<\/p>\n<p>Tante Aldona gibt dann doch nach, denn da gibt es noch ein Familiengeheimnis und gibt Nele die Adresse der Adamczyks, die in einem Dort in Ostpolen wohnen. Dorthin f\u00e4hrt sie mit dem Bus. Die haben auch ein Geheimnis mit der deutschsprechenden dementen Uroma.<\/p>\n<p>Aber Djadjo hat mit Maria,\u00a0 seinen Bruder und Eltern, eine Zeitlang nach der Vertreibung dort gelebt und soll den Bruder umgebracht haben. Nele, die eine sehr enge Beziehung zu ihrem Djadjo hat, das Buch ist in abwechselnden Perspektiven bzw. Zeitabschnitten geschrieben und der Gro\u00dfvaterteil beginn immer mit &#8220;Gro\u00dfvater sagte&#8221;, das erinnert mich ein bi\u00dfchen an Irene Dische, die das glaube ich, auch mal tat, will das nicht glauben, f\u00e4hrt nach Zastavne und wird dort von einem Kind angesprochen, dessen Gro\u00dfmutter wissen will, was sie hier macht?<\/p>\n<p>Und diese Oma, Malina Rafailiwna, kl\u00e4rt sie dann auf, da\u00df\u00a0 Leszek vor wenigen Jahren in Lemberg gestorben ist. Nele ist erleichtert, kann wieder nach Bagno, wo die Katzenberge sind und an das Grab des Gro\u00dfvaters zur\u00fcckkehren und ihren Freund Carsten, bei dem sie sich lange nicht gemeldet hat, kann sie auch anrufen.<\/p>\n<p>Dazwischen gibt es noch Begegnungen in einem ehemaligen Schlo\u00df, da\u00df in der Kommunistischen Zeit zu einem Erholungsheim umgewandelt wurde, vorher wurde die Baronin von dort vertrieben, ihre B\u00fccher, zum Beispiel &#8220;Brehms Tierlieben&#8221; mu\u00dfte sie zur\u00fccklassen und Djadjo, der von der Gemeinde einen Lohn erh\u00e4lt, wenn er mitumbaut, findet das Buch und ist ger\u00fchrt, denn er ist in eine Schule gegangen, wo das einzige Buch, das es gegeben hat, dem Lehrer geh\u00f6rte.<\/p>\n<p>Spannend, spannend von der deutsch polnisch ukrainischen Vergangenheit zu lesen, mit der ich mich w\u00e4hrend unserer <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/08\/12\/wieder-zuruck-aus-dem-urlaub\/\">Masurenreise <\/a>vor vier Jahren auch ein bi\u00dfchen besch\u00e4ftigt habe und mit einem Bus bin ich Anfang der Neunzigerjahre auch vier Tage lang nach Lemberg und Krakau gefahren, was ich ein bi\u00dfchen in meiner <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_odessa.html\">&#8220;Reise nach Odessa&#8221;<\/a> verarbeitet habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiter geht es mit den B\u00fcchern, die ich mir 2012 bei diesem &#8220;Augustin-Flohmarkt&#8221; kaufte, Rezensionsexemplare, die zwei oder drei Jahre fr\u00fcher erschienen sind und oft &#8220;Bachmann&#8221; oder &#8220;Buchpreis-Nominierungen&#8221; hatten. 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