{"id":37484,"date":"2015-07-27T00:46:07","date_gmt":"2015-07-26T22:46:07","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=37484"},"modified":"2015-07-27T00:46:07","modified_gmt":"2015-07-26T22:46:07","slug":"der-marques-de-bolibar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=37484","title":{"rendered":"Der Marques de Bolibar"},"content":{"rendered":"<p>Ich mu\u00df gestehen, Leo Perutz, der 1882 in Prag geborrene und 1957 in <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/06\/29\/europa-erlesen-salzkammergut\/\">Bad Ischl<\/a> gestorbene\u00a0 Autor von\u00a0 ber\u00fchmten phantastischen Romanen und Namesgeber, des seit 2010 vom Hauptverband und der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/13\/elisabeth-chovanec-leo-perutz-preis-und-shortlist-des-dbp\/\">Stadt<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/13\/leo-perutz-preis\/\">Wien <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/09\/12\/kurze-liste-und-leo-perutz-preisverleihung\/\">vergebenen<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/09\/10\/leo-perutz-preis-und-andere-literarische-ereignisse\/\">Krimipreises<\/a>, ist bisher eher an mir vorbeigegangen.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft,<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/10\/14\/ohrenschmaus-jurysitzung-2\/\"> Otto Lambauer<\/a>, mein zeitweiliger literarischer Verst\u00e4rker, schw\u00e4rmt sehr von ihm und liest sich, glaube ich, durch sein Werk und als ich 2005 in der B\u00fccherei Pannaschgasse einen Buchgutschein f\u00fcr meine &#8220;Mozart-Geschichte&#8221; gewonnen habe, h\u00e4tte ich beim &#8220;Thalia&#8221; auf der Mariahilferstra\u00dfe, fast nach ihm gegriffen, da lag aber Theodors Sappers, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/06\/12\/motto-spiegelschrift\/\">Hilde Langthalers<\/a> Onkel &#8220;Kettenreaktion kontra&#8221; vor dem Regal und ich habe umdisponiert.<\/p>\n<p>In den B\u00fccherschr\u00e4nken findet man auch sehr wenig von dem ber\u00fchmten Autor, aber den &#8220;Marques de Bolibar&#8221; habe ich bei der &#8220;Seedose&#8221; gefunden und inzwischen auch den Prag-Roman &#8220;Nachts unter der steinernen Br\u00fccke&#8221;, 1953 geschrieben, was wiedereinmal best\u00e4tigt, da\u00df die offenen B\u00fccherschr\u00e4nke Lese- und Wissensl\u00fccken auff\u00fcllen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ansonsten habe ich mich mit dem 1920 erstaufgelegten Roman, der in der Zeit der napoleonischen Kriege spielt und den Untergang zweier deutscher Regimenter schildert, ein wenig schwer getan, was daran liegen mag, da\u00df ich keine Kriegsromane mag, aber das ist es sowieso nicht.<\/p>\n<p>In dem Nachnwort meiner 2011 erschienenen Taschenbuchausg be von Hans Harald M\u00fcller wird auch eine Rezension zitiert, wo der Autor meinte, Perutz h\u00e4tte den Krieg falsch geschildert und hinzuf\u00fcgte, dieser h\u00e4tte sich dar\u00fcber wahrscheinlichgefreut, denn der &#8220;Marques de Bolibar&#8221; ist wohl mehr eine Satire des Kriegsgegners, der den ersten Weltkrieg aktiv miterlebte, als eine realiste Schilderung des Truppengeschehens von 1812.<\/p>\n<p>Es beginnt mit einem Vorwort: im Nachla\u00df des verstorbenen Rittergutbesitzers Eduard von Jochberg wurde eine Schrift gefunden, die den Untergang der beiden deutschen Regimenter &#8220;Nassau&#8221; und Erbprinz von Hessen&#8221; in der andalusischen Bergstadt La Bisbal schildert und die der Herausgeber, verk\u00fcrzt, ver\u00f6ffentlicht hat.<\/p>\n<p>Eduard von Jochberg hat als Achtzehnj\u00e4hriger als Rittmeister diese Schlacht mitgemacht, ist als Einziger mit dem Leben davon gekommen und schildert die Ereignisse in den kleinen Dorf.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, er begegnet zuerst einem sonderlichen wei\u00dfhaaren alten Mann, der von seinen Bediensteten, die im Garten versteckt sind, begr\u00fc\u00dft wird und dann in seinem Haus verschwinden.<\/p>\n<p>Als er auch dorthingeht und den Marquis de Bolibar,wie er genannt wurde, zu begr\u00fc\u00dfen, ist der verschwunden und taucht\u00a0 an anderer Stelle wieder auf, entpuppt sich als Widerstandsk\u00e4mpfer gegen die deutschen Truppen und\u00a0 erl\u00e4utert seinen Plan, wo durch drei Signale, die Truppen geschlagen werden sollen.<\/p>\n<p>Die deutschen Offiziere haben aber\u00a0 ein Geheimnis, sie alle haben &#8220;erotische Beziehungen&#8221; zu der toten Frau des Oberst gehabt und wenn der, der die Kleider der Verstorbenen auf dem Feld mit sich f\u00fchrt, ihnen von ihr erz\u00e4hlt, wissen sie nicht recht, wie sie sich verhalten sollen.<\/p>\n<p>Dieses Geheimnis k\u00f6nnte der Marquis, der von einem verwundeten Deutschen belauscht wurde, ausplaudern, so ermordet ihn, der sich inzwischen als Bauer verkleidet hat, Jochberg, wird aber mit einem Fluch versehen, n\u00e4mlich, da\u00df die Signale durch die deutschen Truppen selbst gegeben werden und das passiert dann auch auf den n\u00e4chsten zweihundert Seiten, denn der Obert hat sich inzwischen eine neue Geliebte gefunden, die seiner toten Frau auf Haar glich, die Monjita und die Leutnants wollen nun alle mit ihr und so konnte es passieren, da\u00df Leutnant G\u00fcnther, das erste Signal ausl\u00f6st.<\/p>\n<p>Das zweite passiert dann durch zwei andere Herren der Truppe, &#8220;aus Eifersucht und Liebe&#8221;, wie im Beschreibungstext steht und das dritte, ein Messer nimmt dann die Monjita an sich, die von Jochberg, damit das Geheimnis nicht verraten wird, an die andere Seite gebracht wird.<\/p>\n<p>So gehen die deutschen Truppen unter.<\/p>\n<p>&#8220;Einen ewigen Juden&#8221;, der sterben will und das nicht kann, gibt es in Hauptmann Salignac auch und am Ende der Geschichte wird der achtzehnj\u00e4hrige Jochberg, dessen Haar \u00fcber Nacht ergraut ist, f\u00fcr den Marques selbst gehalten und so spaziert er auf der letzten Seite durch das bl\u00fchende spanische Dorf und bekommt von allen Seite W\u00fcrste, N\u00fcsse und andere spanische K\u00f6stlichkeiten von den Marktfrauen angeboten.<\/p>\n<p>Leo Perutz, der, wie ich &#8220;Wikipedia&#8221;, entnahm, war im Nebenberuf, obwohl er ein schlechter Sch\u00fcler war, als Versicherungsmathematiker t\u00e4tig war, hat viele seiner romane nach mathematischen Grundlagen konzipiert und wird oder wurde auch von vielen anderen Autoren wie <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/12\/30\/ruhm\/\">Daniel Kehlmann<\/a> oder <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/05\/26\/die-tante-jolesch\/\">Friedrich Torberg<\/a> bewundert und wiederentdeckt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich mu\u00df gestehen, Leo Perutz, der 1882 in Prag geborrene und 1957 in Bad Ischl gestorbene\u00a0 Autor von\u00a0 ber\u00fchmten phantastischen Romanen und Namesgeber, des seit 2010 vom Hauptverband und der Stadt Wien vergebenen Krimipreises, ist bisher eher an mir vorbeigegangen. &hellip; 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