{"id":37372,"date":"2015-07-22T09:33:00","date_gmt":"2015-07-22T07:33:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=37372"},"modified":"2015-07-22T09:33:00","modified_gmt":"2015-07-22T07:33:00","slug":"das-magazin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=37372","title":{"rendered":"Das Magazin"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr den 1998 erschienenen Roman &#8220;Das Magazin&#8221;, des 1934 geborenen Journalisten Helmuth Karasek, der lange das Kulturressort des &#8220;Spiegels&#8221; leitete und auch mit Marcel Reich-Ranicki im &#8220;Literarischen Quartett&#8221; t\u00e4tig war, habe ich mich schon, seit seinem Erscheinen interessiert und ich war, glaube ich, auch bei einer Pr\u00e4sentation im &#8220;Thalia&#8221;\u00a0 oder &#8220;Amadeus&#8221;, den es damals im damaligen Kaufhaus Steffl in der K\u00e4rntner Stra\u00dfe gegeben hat.<\/p>\n<p>Das Buch ist nicht gut angekommen, sondern von den Journalistenkollegen des Journalisten, wie das halt so ist, zeri\u00dfen worden, noch dazu, wo man das &#8220;Magazin&#8221;\u00a0 als Schl\u00fc\u00dfelroman auf den &#8220;Spiegel&#8221; lesen kann, ein Thema, das mich sehr interessiert, da ich ja auch ganz gern so etwas \u00c4hnliches\u00a0 schreibe und die Kulturpolitik ist auch ein interessantes Thema.<\/p>\n<p>Nun habe ich das Buch vor etwa einem Jahr in der ehemaligen Telefonzelle bei der &#8220;Seedose&#8221; gefunden und mich auf das Lesen sehr gefreut, bin auch nicht entt\u00e4uscht, obwohl sich das Buch gar nicht so leicht liest und ich mit den vielen Namen der Redakteure, &#8220;Wikipedia&#8221; erkl\u00e4rt genau die Zusammenh\u00e4nge, meine Schwierigkeiten hatte, au\u00dferdem ist es, glaube ich, ein sehr m\u00e4nnliches Buch, eines sehr selbstbewu\u00dften Journalisten, also voller sexistischer oder sexueller Anspielungen, das Saufen, offenbar das Laster vieler Journalisten, kommt auch dabei bevorzugt vor.<\/p>\n<p>Der Held ist ein Daniel Doppler, ein Alter Ego des Autors offenbar, der unter diesem Namen, ein paar Theaterst\u00fccke geschrieben hat und der ist ein nicht besonders angenehmer Bursche, zumindest hat er einiges\u00a0 Gehabe, das mir nicht sehr sympathisch ist, aber so ist das halt wahrscheinlich in den Chefetagen eines gro\u00dfen Hamburger Magazines.<\/p>\n<p>Das Buch ist in f\u00fcnf Teile oder Kapitel gegliedert, im\u00a0 ersten die &#8220;Vierte Gewealt&#8221;, das ist eben die Presse, berichtet Doppler von seinen Anf\u00e4ngen und seinem Bewerbungsgespr\u00e4ch, er mu\u00dfte sich den Chefs vorstellen, wurde genommen, und beg\u00fc\u00dfte dann, weil er ja in \u00d6sterreich studierte, einen seiner Chefs auf dem Klosett mit einem saftigen &#8220;Gr\u00fc\u00df Gott!&#8221; und einem H\u00e4ndedruck, sowas darf man nicht machen, das wurde dann gleich als Hausmitteilung durch alle\u00a0 Abteilungen geschickt.<\/p>\n<p>Das war\u00a0 in den neunzehnhundertachtziger Jahren, wo in \u00d6sterreich gerade die Waldheim Affaire begann.<\/p>\n<p>Der wird in dem Buch &#8220;Alzhaus&#8221;, nicht &#8220;&#8221;Alzheim&#8221; genannt und der Wiener Redakteur des &#8220;Magazins&#8221; glaubt mit Hilfe von zweier Kroaten, die er im Restaurant Dubrovnik kennenlernten und einigen tausend D Marks aufzudecken, er fliegt die beiden Kroaten, die sich auch f\u00fcrchterlich benehmen, saufen, huren, etc, nach Hamburg, das &#8220;Magazin&#8221; bezahlt f\u00fcr ein altes Telegramm, am n\u00e4chsten Tag liest man dann in einem anderen Magazin, &#8220;Alzhaus&#8221; hatte zwar Dreck am Stecken, aber das ist in Saloniki und nicht in Kroatien passiert.<\/p>\n<p>So ein Faux pas kann einem &#8220;Magazin&#8221; auch mal passieren. Doppler hat seinen Chef sogar davor gewarnt, denn er ist auch nach Wien geflogen, da er mit der Tochter Alzhaus einmal studierte, beziehungsweise im Bett gelegen ist.<\/p>\n<p>Im zweiten Teil lernen wir dann <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/09\/08\/augstein\/\">Citizen Kahn<\/a>, den Verleger kennen, der im Tessin residiert, aber oft\u00a0 ins Verlagshaus kommt und dort bei Nobelitalienern speist und Doppler hat eine Freundin namens Anna, die nimmt er auf eine Verlagsparty mit, eine rassige Rothaarige, so l\u00e4dt der Chef beide in die Tessiner Villa ein, Doppler will er dann wegschicken und als ein Jahr sp\u00e4ter Anna ihm einen Sohn gebiert, ist Doppler eifers\u00fcchtig und will den Chef sogar verklagen.<\/p>\n<p>Trotzdem fliegt er nicht hinaus, nur Anna verl\u00e4\u00dft ihn mit ihren Sohn\u00a0 und dann kommt er ins Kulutrressort und mu\u00df Interviewes mit einem Burgtheaterdirektor,\u00a0 oder FF-Friedrich Freund, bzw. wie &#8220;Wikipedia&#8221; erkl\u00e4rt, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/12\/26\/grimms-worter\/\">G\u00fcnter Grass<\/a> machen, der wird in dem Buch als Fast-Nobelpreitr\u00e4ger beschrieben, nat\u00fcrlich, denn den hat er erst 1999 bekommen und da war der Roman schon erschienen.<\/p>\n<p>Sex spielt, wie angedeutet eine gro\u00dfe Rolle, es sind ja die Achtundsechziger, die im &#8220;Magazin&#8221; das Sagen haben und die Kinder der &#8220;Waldheim-Generation&#8221;, Studenten, Soziologen, Referendare, holen sich schon mal ihre Kinder ins Ehebett oder\u00a0 in das ,was sie mit ihrer Partnerin teilen und kl\u00e4ren die Kleinen splitternackt auf, damit sie nicht auch so verklemmt werden, wie ihre Gro\u00dfeltern.<\/p>\n<p>Doppler wird von einem solchen Paar zu einem flotten Dreier eingeladen, nachdem die selbstgemachte Marmelade und der selbstgebackene Haschischkuchen serviert wurde, denn &#8220;Wer zweimal mit derselben pennt&#8230;.&#8221;, etc.<\/p>\n<p>Er flieht zwar, aber im &#8220;Magazin&#8221; ist Sabine Adler eingezogen, eine rothaarige Sch\u00f6heit, erinnern wir uns, Citizen Kahn steht auf solche &#8220;Hexen&#8221; und hat sie fluxs aus der Frankfurter Abteilung nach Hamburg geholt. Dort darf sie zwar monatelang keinen Artikel schreiben, was im &#8220;Magazin&#8221; schon eine Auszeichnung ist, an Anzeigenseiten herumzubasteln und von den jeweiligen Chefs vom Dienst, CvD, werden die, glaube ich genannt, die in den Freitagn\u00e4chten , wo die Ausgaben fertig werden m\u00fcssen, das Sagen haben, daraufhin belehrt, da\u00df man keine Adjektive und schon gar keine wie &#8220;wunderbar&#8221; verwenden soll, denn das Magazin ist ja eine kritische Gazette.<\/p>\n<p>Das Glas immer halb leer und schreibt Sabine &#8220;dr\u00f6gelig&#8221; und holt sich die jeweiligen Herren, ihr bei den Artikeln zu helfen. Sie wird auch schon mal auf der Liege eines der CvDs entdeckt, obwohl man ja wei\u00df, da\u00df sie der Sch\u00fctzling des Citizen ist.<\/p>\n<p>Das war Ende Sechzig Anfang Siebzig w\u00fcrde ich vermuten, das Buch wird in die Vergangenheit erz\u00e4hlt, dann kommen andere Zeiten, n\u00e4mlich das Aidszeitalter und das Gesundheitsressort bl\u00fcht und bekommt einen gro\u00dfen Platz im Heft einger\u00e4umt.<\/p>\n<p>Ein HNO wird dessen Leiter, ein Schwede h\u00e4lt Vortr\u00e4ge und man ist sich nicht ganz sicher, wie und wo, man diese Krankheit bekommen kann? Durch K\u00fcssen? Durch M\u00fccken? Durch ungesch\u00fctzen Sex? Und nat\u00fcrlich von den Schwulen, die sind die Geiseln der Menschheit und Pl\u00e4ne zum Schutz der Bev\u00f6lkerung tauchen auf, die von den Nazis abgeguckt worden sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Doppler, dem vorher vor seinem vermeintlichen Kuckuckskind graute, bekommt jetzt eine Aidsphobie. Er hat auch genug ges\u00fcdndigt, das hei\u00dft sich durch die Sch\u00f6nen der N\u00e4chte gev\u00f6gelt. So macht er einen Test, zum Gl\u00fcck negativ. Er bl\u00fcht wieder auf und kann in Z\u00fcrich mit Schadenfreude beobachten, wie dort eine schwarze Sch\u00f6hne, Noemi Campell war noch nicht entdeckt, schreit Karasek, in einem Luxusrestaurant,\u00a0 einen z\u00fcnftigen Banker, bei einem Spitzenenu, bald in den &#8220;Club&#8221; aufnehmen wird.<\/p>\n<p>Der Skandal um den Selbstmord eines Ministerpr\u00e4sidenten, die &#8220;Barschel-Affaire&#8221;, entnehme ich &#8220;Wikipedia&#8221; kommt vor, rauschende Feste werden gefeiert, eine Sabine Adler steigt zur &#8220;Prinhzipessa&#8221; des Unternehmes hoch und schikaniert ihre ehemaligen Kollegen, die Chefs vom Dienst werden ausgewechselt oder m\u00fcssen in den Ruhestand und am Ende geht auch Doppler, beziehungsweise liegt er mit &#8220;Blutergu\u00dfen, Knochenbr\u00fcchen und Gehirnersch\u00fctterung im Krankenhaus.<\/p>\n<p>Vorher hat er seiner Freundin Karoline, bei der er zwar \u00fcbernachten, aber nicht einziehen wollte, von seinen Griechenlandaufenthalten in den Sechziger- und Siebziger erz\u00e4hlt. Die verwechselt alles, Worte und Gesichter, zieht dann aber mit einem Fernsehmann zusammen, den Doppler zuerst denunzieren will, bis er in ihn seinen k\u00fcnftigen Chef erkennt.<\/p>\n<p>Kein wirklicher Roman wahrscheinlich, aber eine sehr spannende und m\u00e4nnlich selbstbewu\u00dft erz\u00e4hlte Geschichte, wie es im &#8220;Spiegel&#8221; oder sonstwo in den sechziger, siebziger, achtziger, etc Jahren zugegangen sein k\u00f6nnte und ich habe, als <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/04\/24\/uber-hilde-spiel\/\">M.M.R<\/a>. gestorben ist, mir ein altes &#8220;Literarisches\u00a0 Quartett&#8221; angeschaut. Da wird \u00fcber irgendwas diskutiert, ein Zuschauer meldet sich und will mitreden und zwei der Diskutanten, M.M.R und Helmut Karasek weisen ihm selbstbewu\u00dft in die Schranken, beziehungsweise drohen oder holen sie die Security.<\/p>\n<p>Ja, so warns die wilden Achtundsechziger, die dann Austern schl\u00fcrften und sich mit Champagner der Marke &#8220;Dom Perignon&#8221; betranken.<\/p>\n<p>Wolf Biermann, der ausgeb\u00fcrgerte DDR-Barde kommt selbstverst\u00e4ndlich auch auf den wilden Parties vor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr den 1998 erschienenen Roman &#8220;Das Magazin&#8221;, des 1934 geborenen Journalisten Helmuth Karasek, der lange das Kulturressort des &#8220;Spiegels&#8221; leitete und auch mit Marcel Reich-Ranicki im &#8220;Literarischen Quartett&#8221; t\u00e4tig war, habe ich mich schon, seit seinem Erscheinen interessiert und ich &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=37372\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[5094,5095],"class_list":["post-37372","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-helmuth-karasek","tag-schluesselroman"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37372","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=37372"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37372\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=37372"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=37372"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=37372"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}