{"id":37341,"date":"2015-07-19T00:55:12","date_gmt":"2015-07-18T22:55:12","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=37341"},"modified":"2015-07-19T00:55:12","modified_gmt":"2015-07-18T22:55:12","slug":"vielleicht-esther","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=37341","title":{"rendered":"Vielleicht Esther"},"content":{"rendered":"<p>Weiter geht es mit einem Buch einer Autorin aus dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/07\/16\/die-scharsten-gerichte-der-tatarischen-kuche\/\">russischen Raum,<\/a> mit Katja Petrowskajas &#8220;Vielleicht Esther&#8221;, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/07\/07\/letztes-bachmannpreiskolloquium\/\">die 2013 mit dieser Geschichte den Bachmann-Preis gewann<\/a>, 2014 mit dem Buch, das nicht als Roman sondern mit &#8220;Geschichten&#8221; bezeichnet ist, f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/03\/17\/buchmessenreport\/\">&#8220;Leipziger Buchpreis&#8221; <\/a>nominiert wurde.<\/p>\n<p>Da war ich dort, habe mich f\u00fcr das Buch interessiert, Katha Petrowaskaja daraus gelesen geh\u00f6rt. Gewonnen hat Preis <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/30\/wie-der-soldat-das-grammofon-repariert\/\">Sasa Stanisisc<\/a> mit &#8220;Vor dem Fest&#8221;.<\/p>\n<p>Beide haben dann auch in <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/04\/13\/literatur-in-gottweig-und-krems\/\">Krems und G\u00f6ttweig<\/a> gelesen, zusammen mit Lukas B\u00e4rfu\u00df, d<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/07\/17\/koala\/\">essen Buch ich schon besrpochen habe<\/a>.<\/p>\n<p>Alle drei B\u00fccher h\u00e4tte ich gerne haben wollen, aus Sparsamkeitsgr\u00fcnden habe ich mir\u00a0 nur den B\u00e4rfu\u00df und &#8220;Vielleicht Esther&#8221;vom alfred kaufen lassen. Katja Petrowskaja, die auf einer Bank beim B\u00fcchertisch in G\u00f6ttweig ziemlich einsam sa\u00df, hat es mir signiert.<\/p>\n<p>Das Buch ist\u00a0 im Gegensatz zu dem von Sasa Stanisic und Lukas B\u00e4rfu\u00df nicht auf der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/08\/28\/longlistenlesen\/\">Longlist 2014<\/a> f\u00fcr den dBp gestanden. Vielleicht weil es mit dem Gattungsbegriff &#8220;Geschichten&#8221; bezeichnet wurde und wahrscheinlich genausowenig ein Roman, wie Lukas B\u00e4rfu\u00df &#8220;Koala&#8221; einer ist.<\/p>\n<p>Als Memoir, Familiengeschichte, Erinnerungsbuch w\u00fcrde ich es bezeichnen und, da\u00df die 1970 in Kiew geborene Katja Petrowskakaja, die in Estland Literaturwissenschaften studierte, seit 1999 in Berlin lebt, mit einem Deutschen verheiratet ist, der sie auf die Idee zu diesem Buch brachte, \u00fcber einen besonderen witzig ironischen Ton verf\u00fcgt, ist mir erst beim Lesen des Buches aufgefallen.<\/p>\n<p>Beim Bachmannpreis, wo schon nach dem ersten S\u00e4tzen bei den Twitterern kursierte &#8220;Das ist die Preistr\u00e4gerin&#8221; ist mir das nicht so aufgefallen und ich habe gedacht &#8220;Wieder eine Holocaustgeschichte, da habe ich doch schon einige gelesen!&#8221;<\/p>\n<p>Es kreist um die Wurzeln der Familie von denen viele in Babij Jar den Tod fanden, viele Taubstummenlehrer, wir w\u00fcrden Geh\u00f6rlosenp\u00e4dagogen sagen, weil es ja keine Taubstummen gibt, waren. Einer der Ururgro\u00dfv\u00e4ter wurde sogar in Wien geboren und hat dort eines der gr\u00f6\u00dften Taubstummenistitute aufgebaut.In den Archiven findet man ihn aber nach Katja Petrowskaja, als Gr\u00fcnder des Blindeninstiuts.<\/p>\n<p>Der Kommunismus spielt f\u00fcr die 1970 geborene, die in einem dreizehnst\u00f6ckigen Haus in einer Plattensiedlung in der Ulicia Florenzij in Kiew aufwuchs, nat\u00fcrlich eine Rolle und die Namen Marx und Liebknecht auch.<\/p>\n<p>Die beiden Gro\u00dfm\u00fctter hie\u00dfen Rosa und Margarita, blumige Namen und polnische Wurzeln, weil die Ukraine ja einmal zu Polen geh\u00f6rte, gibt es auch. En Gro\u00df- oder Urgro\u00dfvater hat in Warschau in der Ulica Cipela vor dem Krieg eine Taubstummenschule betrieben, dann wurde er ausgewiesen, nahm einen Teil seiner Familie, seine Sch\u00fcler und einen ebenfalls geh\u00f6rlosen Lehrer nach Kiew mit.<\/p>\n<p>Ein paar alte Familienfotos schm\u00fccken das Buch, das in einige Teile und Kapitel gegliedert ist und in einige Reisen, nach Polen, Mauthausen \u00d6sterreich, etc, gef\u00f6rdert von der &#8220;Robert Bosch- Stiftung&#8221; im Rahmen eines &#8220;Grenzg\u00e4ngerprojektes&#8221;, das der Schriftstellerin erm\u00f6glichte, die Orte aufzusuchen und das Buch dar\u00fcber zu schreiben, wie einem beiliegenden Folder, das als Lesezeichen verwendet werden kann und auch der Danksagung der Autorin, zu entnehmen ist.<\/p>\n<p>Beginnen tut es mit einem Prolog oder der Abfahrt von Berlin auf diese Reise und am Bahnhof von Berlin gibt es ein Schild &#8220;Bombardier Willkommen in Berlin&#8221; steht darauf und ein Amerikaner, ein Jude, der auch nach seinen Wurzeln sucht, geht auf Katjja Petrowskaja zu und fragt sie, was das bedeutet?<\/p>\n<p>Wieso begr\u00fc\u00dft Berlin mit seinen Bombern? Sie f\u00e4ngt zu flunkern an und sagt, das w\u00e4re eine Werbung f\u00fcr ein Musical und weist darauf hin, da\u00df die Phantasie das Romanschreiben begleitet. Daniel Kehlmann, der auch schon auf der Longlist stand hat in seinem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/11\/19\/f\/\">&#8220;F&#8221;<\/a> auch behauptet, da\u00df Romanschreiben l\u00fcgen w\u00e4re, was ich nicht so formulieren w\u00fcrde und irgenwo, weiter hinten in dem Buch hei\u00dft es auch einmal, da\u00df es oft ein F\u00fcnkchen Phantasie bedarf, um die Wahrheit wirklicher oder verst\u00e4ndlicher zu machen. Dem stimme ich zu und dann geht es hinein in die Reisen beziehungsweise in die Familiengeschichte.<\/p>\n<p>Katja Petrowskaya erz\u00e4hlt von ihrer Oma Rosa und der Tante Lida, ihren Rezepten und auch vom Gro\u00dfonkel Judas Stern, einem Stduenten, der 1932 ein Attentat auf einen deutschen Botschaftsrat in Moskau ver\u00fcbte, worauf ihr Vater etwas zu fr\u00fch auf die Welt gekommen ist und ein Geheimnis in der Familie vertuscht wurde. Dann kamen die Nazis und es gab Babij Jar, ein Name der in Deutschland ziemlich unbekannt ist, so da\u00df die Bibliothekarin, als Katja Petrowskaja in Berlin nach B\u00fcchern dar\u00fcber fragte, sich erkundigte, ob sie &#8220;Babyjahr&#8221; meine?<\/p>\n<p>Aber nein, alle Juden mu\u00dften sich in Kiew im September 1941 auf der Stra\u00dfe versammeln, wurden zu der gleichnamigen Schlucht getrieben, mu\u00dften sich dort ausziehen und wurden erscho\u00dfen.<\/p>\n<p>Einige von Katja Petrowskajas Vorfahren waren dabei, eine der beiden Gro\u00dfm\u00fctter des Vaters, die, die vielleicht Esther hie\u00df oder die andere, so genau wu\u00dfte das der Vater nicht mher, da er die Gro\u00dfmutter ja nur Babuschka nannte, war dabei oder auch nicht, denn sie war alt und konnte nicht mehr so gut gehen. Deshalb wurde sie, als die Familie ein Monat vorher fl\u00fcchtete, nicht mitgenommen. Der Fikus einer anderen Familie auch nicht, den nahm der Gro\u00dfvater vom Wagen herunter, damit sein Sohn, Katjas Petrowskajas Vater darauf und sie geboren werden konnte, w\u00e4hrend sich Babuschka von Katja Petrowskaja konsequent, vielleicht Esther genannt, als der Befehl zur Versammlung kam, stur auf den Weg machten, obwohl ihr sogar der Hausmeister, der das alles kontrollierte, davon abriet und den Herrn Offizier auf Jiddisch oder das, was sie f\u00fcr Deutsch hielt, danach fragte, worauf sich der nicht lange aufhielt, sondern die Alte gleich erscho\u00df.<\/p>\n<p>In den Jahren der SU wurde das Massengrab in dem es dreiunddrei\u00dfigtausend oder sogar viel mehr Leichen gab, vertuscht und die, die sich trotzdem jedes Jahr auf den Weg machten, um die Toten zu besuchen, wurden zum Teil wegen Ruhest\u00f6rung und Sachbesch\u00e4digung wegen des Niederlegens der Blumen verhaftet.<\/p>\n<p>Katja Petrowskaja hatte aber auch einen Gro\u00dfvater, der in Mauthausen war, so machte sie sich mit den Mitteln dieser Stiftung auf den Weg dorthin, traf vorher noch den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/01\/30\/komplizen-des-glucks\/\">Schriftsteller<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/08\/29\/mordsonate\/\">O. P. Zier,<\/a>\u00a0 fragte in Linz nach dem Bus und war\u00a0 erstaunt, da\u00df dort auch Leute mit Schwimmfl\u00fcgerln, die auf dem Weg in ein Bad waren und sogar eine Frau mit einer Klobrille sa\u00df, denn das Leben geht weiter und Xaver Baxyer hat ja, glaube ich, auch von den Sch\u00fclern geschrieben, die nach dem Mauthausen-Lehrausgang in der Mc Donald Filiale sa\u00dfen und das, was sie gerade erlebt haben, durch Witze verarbeiteten.<\/p>\n<p>Ein spannendes Buch, das jeden der nach seinen Wurzeln sucht und sich \u00fcber die Geschichte informieren will, zu empfehlen ist und wenn ich entscheiden h\u00e4tte sollen, ob es oder Lukas B\u00e4rfu\u00df auf die Liste kommen h\u00e4tte sollen, h\u00e4tte ich mich f\u00fcr &#8220;Vielleicht Esther&#8221; entschieden, was nur zeigt, das solche Listen, auch wenn sie dem Durchschnittsleser die Buchwahl f\u00fcr Weihnachten erleichtern k\u00f6nnen, Unsinn sind, denn es gibt nat\u00fcrlich mehr, als zwanzig gute B\u00fccher, wobei ich mich ja \u00fcberhaupt weigere, die Frage, was ein gutes Buch ist, zu beantworten.<\/p>\n<p>Jedes Buch ist gut, wenn es nicht gerade negative Propaganda macht oder als Witzbuch geschrieben wurde, obwohl mich das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/07\/09\/deutscher-buchpreis\/\">Longlistlesen<\/a> ja sehr interessiert und ich die B\u00fccher auch gerne noch sp\u00e4ter lese, die nominierten, aber auch die, die nicht auf diese Liste kamen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiter geht es mit einem Buch einer Autorin aus dem russischen Raum, mit Katja Petrowskajas &#8220;Vielleicht Esther&#8221;, die 2013 mit dieser Geschichte den Bachmann-Preis gewann, 2014 mit dem Buch, das nicht als Roman sondern mit &#8220;Geschichten&#8221; bezeichnet ist, f\u00fcr den &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=37341\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[459,5092,206,656],"class_list":["post-37341","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-bachmannpreis","tag-katja-petrowskaja","tag-leipziger-buchpreis","tag-longlistenlesen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37341","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=37341"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37341\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=37341"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=37341"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=37341"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}