{"id":36333,"date":"2015-05-31T00:42:48","date_gmt":"2015-05-30T22:42:48","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=36333"},"modified":"2015-05-31T00:42:48","modified_gmt":"2015-05-30T22:42:48","slug":"joseph-roth-und-der-film","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=36333","title":{"rendered":"Joseph Roth und der Film"},"content":{"rendered":"<p>Joseph Roth, der sowohl als begnadeter Prosaschriftsteller, als auch als Journalist und Essayist bzw. Reiseschriftsteller in die Literaturgeschichte eingegangen ist und\u00a0 in Paris, 1939, als die Faschisten langsam n\u00e4herr\u00fcckten, ein schreckliches Ende fand, wird jetzt wahrscheinlich von allen Seiten ausgeschlachtet, wo es noch ein Oatzerl unver\u00f6ffentlichten Text von ihm zu entdecken gibt.<\/p>\n<p>Es gibt eine &#8220;Joseph Roth-Gesellschaft&#8221;, dessen Pr\u00e4sident der vormalige Literaturhausleiter <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/10\/25\/ein-fest-fur-heinz-lunzer\/\">Heinz Lunze<\/a>r ist, so gab und gibt es dort <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/03\/31\/ein-abend-fur-joseph-roth\/\">regelm\u00e4\u00dfige <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/23\/essays-reportagen-feuilletons-von-joseph-roth\/\">Veranstaltungen<\/a> und Symposien und Helmut Peschina scheint auch ein Roth-Spezialist zu sein, hat er doch, glaube ich, einige seiner ber\u00fchmten Romane zu <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/02\/20\/die-lange-nacht-des-horspiels\/\">H\u00f6rspielen<\/a> umgearbeitet, die dann den H\u00f6rspielpreis gewonnen haben.<\/p>\n<p>Ich habe mich wieder langsam den ber\u00fchmten Dichter angen\u00e4hert, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/25\/radetzkymarsch\/\">&#8220;Radetzkymarsch&#8221;<\/a>, den wir in der Wattgasse stehen hatten, habe ich lange nichts anfangen k\u00f6nnen, die ber\u00fchmte Kehlmann-Verfilmung in den Siebzigerjahren hat mich entsetzt, lauter alte Herren, die \u00fcber die vergangene Monarchie schwafeln und die einzige Frau ist eine Hure oder Haush\u00e4lterin.<\/p>\n<p>Dann habe ich aber zu einem runden Geburtstag eingekauft und inzwischen auch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/06\/die-flucht-ohne-ende\/\">einiges<\/a> gelesen, war bei einigen Veranstaltungen im Literaturhaus oder<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/04\/25\/joseph-roths-legende\/\"> anderswo<\/a> und bin dieser Tage mit dem &#8220;Leporello&#8221; in der Fr\u00fch aufgewacht, wo eine Ignaz Kirchner Lesung im Filmhaus Spittelberg angek\u00fcndigt wurde, beziehungsweise sich mit Sendung mit Joseph Roth und der Film besch\u00e4ftigte, obwohl der, wie herausgekommen ist, gar nicht so ein gro\u00dfer Kinofan war, dem Film kritisch gegen\u00fcbergegstanden ist, aber Helmut Peschina hat mit Rainer-Joachim Siegl im &#8220;Wallstein-Verlag&#8221;, der jetzt Joseph Roth verlegt, einen Band mit achtundachtzig Kritiken und zwei Treatments herausgegeben und ich dachte mir Joseph Roth und der Film ist interessant, wu\u00dfte ich ja noch von meiner Zeit der Courths Mahler Lekt\u00fcre oder wenn ich Gesellschaftsromane, die in den Neunzehnhunderzwanzig- oder drei\u00dfiger Jahre spielen, lese, da\u00df es damals viele Kinos gegeben hat und alle Welt dorthin gegangen ist.<\/p>\n<p>Nach der Lesung von Ignaz Kirchner bin ich nicht mehr so davon \u00fcberzeugt, aber wahrscheinlich war Joseph Roth tats\u00e4chlich eher ein Kiono-Skeptiker, hat aber, weil es damals noch keine eigene Kritiker gegeben haben d\u00fcrfte, auch die Filmbranche mitgenommen und eigentlich war das, wor\u00fcber er geschrieben oder Ignaz Kirchner gelesen hat, keine Filmkritiken, sondern Gesellschaftskizzen und um Filme ist es dabei relativ wenig gegangen.<\/p>\n<p>So handelt das erste St\u00fcck von einer &#8220;Faust-Auff\u00fchrung&#8221; im Regen in Saarbr\u00fccken, denn wohin geht man wenn, wenn es regnet?<\/p>\n<p>Joeseph Roth hat sich schlie\u00dflich f\u00fcr das Kaffeehaus entschieden und im zweiten St\u00fcck schreibt er von den Regeln des Films bzw. der Zensur, die dort ausge\u00fcbt wird und das ist interessant, bin ich ja vor kurzem im <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/03\/23\/unerleuchtet-in-die-alte-schmiede\/\">Sigmund Freud Museum <\/a>gelandet, nicht weil es geregnet hat, sondern weil ich f\u00fcr die &#8220;Kolik Lounge&#8221; zu fr\u00fch dran war und dort wurde gerade in die &#8220;Film Noir-Reihe&#8221; eingef\u00fchrt und der Einleiter sprach\u00a0 sehr lang dar\u00fcber, wie die Filme damals nicht sein durften.<\/p>\n<p>Keine Erotik, keine K\u00fcsse, etc.<\/p>\n<p>Die fr\u00fchen Fiulme, die Joseph Roth gesehen hat, durften das, glaube ich, auch nicht und dann durften die F\u00fcrsten nicht F\u00fcrsten hei\u00dfen, sondern wurden in Prinzen umgewandelt, weil man die, in den Zeiten, nach den Revolutionen, wo es keine solchen und auch keine Monarchie mehr gab, offebar f\u00fcr die M\u00e4rchenwelt des Kinos brauchte.<\/p>\n<p>Ein anderer Artikel befasste sich mit dem Unterschied, der Schauspieler zum Premierenpublikum und das man die einen oft nicht von den anderen unterscheiden konnte.<\/p>\n<p>Dann ging, es zu zwei Filmen, die eigentlich auch Theaterst\u00fccke waren, n\u00e4mlich zu den &#8220;Nibelungen&#8221; und &#8220;Don Carlos&#8221;, die Joseph Roth nicht befriedigen konnten, daf\u00fcr befa\u00dft er sich aber sehr lange und ausf\u00fchrlich mit dem Drehbuchautor oder Filmdichter, Carl Mayer,\u00a0 wie er ihn nennt, der das Script f\u00fcr den &#8220;Letzten Mann&#8221; einen Stummfilm mit Emil Jannings geschrieben hat.<\/p>\n<p>Ein Film, den ich in den Siebzigerjahren im Z-Club, den es damals gab, gesehen habe, der den Untergang eines alten Hotelsportier schildert, der in die Herrentoilette degradiert wird. Dann kommt ein m\u00e4rchenhafter Schlu\u00df, ein Million\u00e4r stirbt in seinen Armen, hinterl\u00e4\u00dft ihm seine Millionen und er kann fortan in dem Hotel tafeln.<\/p>\n<p>Damals war ich von dem Film entt\u00e4uscht und bin erst sp\u00e4ter daraufgekommen, weilche Stummfilmjuwele ich da gesehen habe, jetzt war mein Resumee, da\u00df sich die Filmwelt damals relativ &#8220;bescheiden&#8221; war, obwohl es, wie Joseph Roth ausdr\u00fccklich erw\u00e4hnte, es &#8220;damals schon den Tonfilm gegeben hat.&#8221;<\/p>\n<p>Er besch\u00e4ftigte sich aber auch mit inzwischen l\u00e4ngst \u00fcberholten Fragen, n\u00e4mlich ob man eine Gerichtsverhandlung im Kino, in der Wochenschau zeigen darf?<\/p>\n<p>Der Richter sagte nein, weil ihm die Ger\u00e4usche st\u00f6ren.<\/p>\n<p>&#8220;Ein anderer wird ja sagen!&#8221;, schrieb Joseph Roth und so ist es dann auch gewesen und dann hat sich im Februar 1935, die \u00f6sterreichische Filmkammer ganz reiwillig, der deutschen angeschlo\u00dfen und Joseph Roth emp\u00f6rt sich auf\u00fchrlich dar\u00fcber, denn dann konnten die Deutschen ausf\u00fchrlich Nazipropoganda in \u00d6sterreich betreiben, w\u00e4hrend sich die \u00d6sterreicher verpflichteten, keine Deutschland sch\u00e4digende Stoffe zu verfilmen und die Schauspieler, es h\u00e4tte sonst dretausend Arbeitslose gegeben, konnten sich zwar nach Deutschland begeben, sie mu\u00dften aber nat\u00fcrlich arisch sein.<\/p>\n<p>Damit schlo\u00df Ignaz Kirchner seine begnadete Lesung, es gab noch ein Gespr\u00e4ch, beziehungsweise, erz\u00e4hlten die Autoren ein bi\u00df\u0107hen was \u00fcber das Umfeld in dem Joseph Roth geschrieben hat.<\/p>\n<p>Er hat in Wien bei den Zeitungen begonnen, ist dann nach Berlin gegangen und dort 1923, als Jounalist ber\u00fchmt geworen, dann in Paris, wo er unter Geldnot litt, hat er auch einige Treatments seiner B\u00fccher verfa\u00dft, die allerdings nie verfilmt worden sind.<\/p>\n<p>Es gab anschlie\u00dfend die B\u00fccher zu kaufen und auch einige Bekannte im Publikum, so bin ich neben <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/02\/03\/von-gertrude-stein-zu-betty-paoli\/\">Claudia Erdheim<\/a> gesessen, hinter mir sa\u00df <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/04\/25\/herbert-j-wimmers-literarischer-konstruktivismus\/\">Herbert J. Wimmer.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Joseph Roth, der sowohl als begnadeter Prosaschriftsteller, als auch als Journalist und Essayist bzw. 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